fit. 181 Freitag den 7. August ■ । ia ■ — ■ TTl ...... — ■ ' ■■■ " —■ 1891 Der •Ufeitn Anreger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießmer J|emi(ie*eC6(ht werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Generat-Wnzvsger. vterttgähriger 2 Mark 20 Mg. m» Bringerlohn. Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Ps^ Ätboctton, LxpedNto* and Druckerei: -chatßraße Mr.ö- Fernsprecher 61. Amts- und 2lnzeigeblatt fite den Kttb <6ieszen. Annahme don Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. ■■■ । . L____1__U_-JJ__JKl. "IM . ! .UUMIM8L I. i- ■■ '' Graüsöeikage: Gießener JamSüenökätter. | u g ir .. = unwi. tun k — ........ « Alle Annonce».Lureaux deS In. und AuAserdes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" mtgeg«. MBHSSHHHMHinMMW'''' Aentli^ev Theil. Bekanntmachung, di« Ausführung des Jnvaliditäts- und Altersversichemngs. gefetzes betreffend. Es wird hierdurch zur öffentlichen Senntntß gebracht, daß ju Vertrauensmännern der Versicherungsanstalt für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung ernannt worden sind: 1. Für den II. Armenpflegerbezirk an Stelle des Küfers 8eorq Friedrich der Werkführer Wilhelm Werner in der Barnaß'fchen Fabrik zum Ersatzmann aus dem Kreise der Lersicherten. 2. Für den IV. Armenpflegerbezirk an Stelle des Schlossers Ludwig Jung der Schmelzmeister LudwigMüller auf der Margarethen-Hütte zum Vertrauensmann aus dem Kreise der Versicherten. 3. Für den VI. Armenpflegerbezirk: a. an Stelle des Werkführers Rinn der Werkführer Wilhelm Junker in der Georgischen Fabrik zum Vertrauensmann aus dem Kreise der Versicherten; b. an Stelle des verstorbenen Wilhelm Mosler der Buchhalter Edmund Wetter bei dem Gas- und Wasserwerk zum Ersatzmann aus dem Kreise der Arbeitgeber. Gießen, den 5. August 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Jost. Gießen, 5. August 1891. Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen au die Bürgermeistereien des Kreises mit Aus nahme der Bürgermeisterei Gießen und an das Polizeiamt Gießen. Wir bringen zu Ihrer Kenntniß, daß die land- und forstwirthschaftliche Berufsgenossenschaft für jeden Amtsgerichtsbezirk einen Vertrauensmann und Stellvertreter ernannt hat und zwar für den Amtsgerichtsbezirk: 1. Gießen 2. Butzbach 3. Grünberg 4. Homberg 5. Hungen 6. Laubach 7. Lich 8. Nidda Vertrauensmann: Geißler, Karl Bürgermstr. in Lollar Schudt, W. Gutspächter in Rockenberg. Pracht, Bürgermeister in Grünberg. Junker, Gutspächter in Otterbach (Post Niedergemünden). Bornemann, Richard Gutspächt.inObborn- hofen (Post Hungen). Jung, Theophil in Freienseen. Erb, Oberverwalter in Lich. Braun, Wilhelm Mühlenbes. in Nidda. Stellvertreter: Lang, Heinrich Gemeinderechner in Wieseck. Helfrich, Friedrich Oeconom in Gießen. Reitz, Hermann Gutsbes. in Butzbach. Kloch, Karl Gutspächt. in Appenborn (Post Londorf). Lutz, Karl in Elpenrod (Post Niedergemünden). Bopp, Bürgermeister in Bellersheim (Post Hungen). Bayer, Eduard in Freienseen. Schön, .Fürstl. Bauinspector in Lich. I Höres, O. Alexander | in Echzell. Wir empfehlen Ihnen, diejenigen, welche Unfälle bei Ihnen anzeigen, auszufordern, dem Vertrauensmann eine Abschrift dieser Anzeige zuzustellen, den Vertrauensmann zu der von Ihnen vorzunehmenden Untersuchung des Unfalles (^ 57 des Reichsaesetzes vom 5. Mai 1886) einzuladen und demselben auf Antrag Abschrift der Untersuchungsprotokolle gegen die taxmäßige Gebühr mitzutheilen. I. V.: Jost. Gedenket der Gefallenen! Wiederum stehen wir vor dem Jahresgedächtniß der großen Ereignisse von 1870/71 , und wenn wir auch in diesem Jahre in nicht unterbrochenem Frieden diese Ruhmes- lage mit stolzem Rückblick auf die größte Zeit deutscher Geschichte begehen können, so vergessen wir nicht, daß dieser Frieden die goldene Frucht jener blutigen Aussaat ist, wo im harten Männerkampfe deutsches Heldenthum das Vaterland zu neu geeinter Macht und Herrlichkeit erstehen ließ. Tausende und Abertausende deutscher Helden, die todesmuthig in den Kamps, hinauszogen, dursten die Wiedergeburt des Deutschen Reiches nicht mehr schauen, sie ruhen in Frieden an den Stätten, wo den Tod sie fanden. Das Vaterland aber gedenkt ihrer in treuer Dankbarkeit. Ist es uns auch nicht vergönnt, auf den Gräbern der in fremder Erde ruhenden Helden ein Liebeszeichen anzupflanzen, so bleiben doch auch diese durch das Gedächtniß innig mit dem Vaterlande verwachsen. Wie aber könnte dies schöner zum Ausdruck kommen als durch verdoppelte Sorge für die Grab- tätten ihrer Kameraden in nun wieder deutschem Lande! Ihrer zwanzigtausend ruhen vor den Mauern von Metz. Die deutsche Bürgerschaft von Metz und Umgebung, ver- körpert in ihren Vereinen (Krieger-, Kampfgenossen-, Turn-, Gesangs-, Schützen- und vielen anderen Vereinen), hat vor Jahren eine Vereinigung zur Schmückung und fortdauernden Erhaltung dieser Grabstätten begründet. Dieselbe macht es sich ferner zur Aufgabe, für die Verschönerung der Grabstätten zu wirken, zu den Unterhaltungskosten für diejenigen von Privaten gefetzten Denksteine beizutragen, für welche eine Unterhaltungspflicht der Behörde nicht obliegt und für welche Angehörige nicht mehr sorgen können, sowie endlich das Andenken an die Gefallenen lebendig zu erhalten und auf kommende Geschlechter zu vererben. In Ausübung dieser Pflichten wurden im letzten Jahre im Einvernehmen mit der zuständigen Militärbehörde namhafte Beiträge zur Instandsetzung von solchen Grabstätten verausgabt. Da indessen die Zeit immer mehr ihren zerstörenden Einfluß ausüben wird, so bedarf die Vereinigung der thatkräftigsten Unterstützung aller Vaterlandsfreunde, um für eine absehbare Zukunft den Verfall auch des geringsten Wahrzeichens unseres Ruhmes zu verhindern. i Noch bewilligt zwar die Landesbehörde jährlich Mittel für die Beaufsichtigung und Instandhaltung der Kriegergräber- wenn aber das lebendige Interesse der Nation an der Erhaltung dieser Heiligthümer erkalten sollte, dann steht zu befürchten, daß über kurz oder lang auch diese Mittel werden aufhören zu fließen. Die Aufgabe, welche sich die Vereinigung für die nächste Zukunft gestellt hat, ist die Umwandlung des einfachen Kriegerkirchhoses Gravelotte, auf welchen 3000 tapfere Krieger ruhen, in einen „Ehrenhain", was durch Anpflanzungen und zweckentsprechende Anlagen erreicht werden soll. Auch in diesem Jahre werden wir, der schon eingelebten Sitte folgend, am 15. August (Landesseiertag) in Schaaren hinauspilgern, um alle Gräber mit Kränzen zu schmücken. Kein Grab, und läge es meilenweit entfernt, am einsamen Waldessaume oder an unwegsamer Stelle, die nie eines Wanderers Fuß betritt, wird vergessen werden- und wenn dann diese hehre Aufgabe erfüllt sein wird, dann werden sich alle vaterländisch Gesinnten der Umgebung, Tausende an Zahl, in der vierten Nachmittagsstunde dieses Tages am Denkmal der Garde bei St. Privat zusammenfinden, um in Rede und Gesang eine ernste Gedächtnißseier zu begehen. Wir richten an alle Vaterlandsfreunde, welche in diesem Jahre eine Reise nach den Schlachtfeldern bei Metz vorhaben, die Bitte, sich fo einzurichten, daß sie dieser Feier beiwohnen können. Alle aber, deren Herz mit einer der Grabstätten verwachsen ist und die in weiter Ferne weilen, mögen als Gruß aus der Heimath einen Kranz senden, den am zu bezeichnenden Grabe oder Denkmal niederzulegen wir uns zur Ehrenpflicht machen. Lebhaften Dank sagen wir allen bekannten und unbekannten Gebern, die unser gemeinschaftliches deutsches Werk durch Geldbeiträge unterstützt haben, und Denen, welche es ferner unterstützen werden. Briefe und Kränze wollen an den Vorsitzenden der „Vereinigung zur Schmückung und fortdauernden Erhaltung der Kriegergräber und Denkmäler bei Metz", G. Fischer in Metz, Gelder dagegen an die persönliche Adresse des Kassirers der genannten Vereinigung, C. Jonas ebenda, gesandt werden. Die Verwaltung der Gelder steht unter der Controle von 35 der Vereinigung angehörigen, zusammen 4000 bis 5000 Mitglieder zählenden Vereinen. — Nach der Gräberschmückung wird auch in diesem Jahre, wie im Vorjahre, Bericht erstattet werden. Deutsches Reich. Berlin, 5. August. Für die nächste Session des preußischen Landtages ist bekanntlich eine gesetzliche Abänderung in der Verwaltung des Welsenfonds in Aussicht genommen. Wie man in unterrichteten Kreisen hört, stehen die jetzt in der Provinz Hannover in welfischen Kreisen vorgenommenen Haussuchungen mit dieser Absicht insofern m Verbindung, als man dem preußischen Landtage ein klares Bild über die welfische Bewegung vorzulegen gedenkt und andererseits selbst eine genaue Uebersicht über die welfische Bewegung zu gewinnen trachtet. Bislang verlautet noch nicht, daß man in welfischen Kreisen wirklich Zustände und Machenschaften vorgesunden, welche Anlaß zu einem Strafverfahren geben könnten, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß die welfische Agitation gerade in letzter Zeit mit vermehrtem Druck arbeitet. Berlin, 5. August. Die socialdemokratische Gewerkschaftsbewegung macht den Leitern derselben recht viele Sorgen, da sie absolut nicht vorwärts will. Der geplante große Gewerkschastscongreß wird in diesem Jahre nicht abgehalten werden, sondern ist bis zum Frühjahr nächsten Jahres verschoben worden. Es soll zunächst eine Conferenz der Leiter der Centralverbände stattfinden und soll dieselbe in Halberstadt am 7. September abgehalten werden. Die Conserenz wird also die Vorarbeiten für den großen Gewerkschastscongreß machen und bann darüber Beratungen pflegen, wie eine einheitliche Agitation für die Gewerkschaften entfaltet werden kann. Diese Agitation ist in der letzten Zeit so verschieden betrieben worden, die localen Führer haben sich oft so entgegengearbeitet, daß fast überall die Fachvereine einen großen Bruchtheil ihrer Mitglieder verloren haben und heute in der Mehrzahl ohne jede Bedeutung sind. Berlin, 5. August. Von anscheinend competenter Sette geht der „Münch. Allg. Ztg." folgendes Schreiben zu: Durch die Zeitungen läuft die Notiz, daß die Taufe der griechischen Kronprinzessin Sophie, die sich bekanntlich der griechischen orthodoxen Kirche angeschlossen hat, nachträglich von der griechischen Kirche nicht anerkannt werde, und daß die Kronprinzessin aufs Neue getauft werden soll. Die ganze Nachricht ist aus der Luft gegriffen. Die Taufe der Kronprinzessin ist von der griechischen Synode anerkannt worden. Den Patriarchen von Konstantinopel geht die Sache gar nichts an, da die Kirche des Königreichs Griechenland autokeopal, d. h. selbstständig ist, unabhängig von dem Patriarchen von Konstantinopel, Dr. Dom. SpiliotopouloS, Archimandrit der griechischen Kirche. * Berlin, 5. August. Die Getreideeinfuhr nach Deutschland betrug im Juni d. I. im Vergleich zu den in Klammern beigefügten Einsuhrmengen des Vorjahres: 621,153 (465,479) Doppelcentner Weizen, 1,182,399 (1,006,595) Doppelcentner Roggen, 226,497 (260,368) Doppelcentner Hafer, 247,081 (281,837) Doppelcentner Gerste, 231,220 (521,655) Doppelcentner Mais und Dari. In der Zeit vom 1. Januar bis 31. Juni d. I. wurden eingeführt 2,706,298 (2,938,826) Doppelcentner Weizen, 3,496,016 (4,534,840) Doppelcentner Roggen, also 1,048,824 Doppelcentner weniger als im Vorjahre, 619,770 (1,119,330) Doppelcentner Hafer, 2,730,171 (3,127,913) Doppelcentner Gerste, 1,525,031 (3,123,393) Doppelcentner Mais und Dari. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphische« Torresponvenz-Burrau Berlin, 5. August. In der heutigen Konferenz der Chicagoer Ausstellungs-Commissare mit dem Reichscommissar Wermuth wurde der wesentlichste Theil der Fragen in 31/2ftünbigen Besprechungen erledigt, namentlich die Platzfrage. Nachdem der Reichscommissar den ungefähren Raumanspruch Deutschlands angegeben, versicherten die Cvm- missare, daß die für Deutschland in Aussicht genommenen Gebäude diesen Ansprüchen vollauf entsprächen, daß auch etwaigem Mehrersorderniß entsprochen werden würde. Die übrigen Fragen, betreffend den Transport von Ausstellungsgütern, deren Versicherung, Patentschutz, das Mitbringen von Arbeitern, Einrichtung besonderer Räumlichkeiten für Gebäude nationalen Characters, für Getränkeausschank wurden in befriedigendster Weise geregelt. Bezüglich der Teilnahme der Kunst an der Ausstellung wurden besondere Verabredungen Vorbehalten, da ein eigener Abgesandter hierfür nach Berlin unterwegs fei. Eine Zusammenkunft der Vertreter aller Nationen drüben sei späterer Jahreszeit Vorbehalten, wobei auch die Platzfrage definitiv zu regeln fei. Die Commissare reifen zum Theil morgen ab. Die meisten begeben sich zunächst nach Frankfurt zur internationalen electrotechnischen Ausstellung, sodann reifen sie nach Oesterreich-Ungarn, Schweden, Norwegen, Dänemark und der Schweiz. Berlin, 5. August. Minister Thielen empfing gestern eine Deputation, welche Tarif ermäß i gung im Vorortverkehr erbat. Der Minister erklärte, spätestens am 1. April 1892, wahrscheinlich noch früher, werde mit einer Vereinfachung des Fahrkartenwesens eine Ermäßigung des Fahrpreises für die Vororte eintreten, soweit nicht Mindereinnahmen damit verbunden wären. Berlin, 5. August. Nach Spandauer Meldungen sind in der dortigen königlichen Pulverfabrik die neuerdings erfolgten Kündigungen wieder zurückgenommen worden, da soeben eine größere Bestellung ausgegeben wurde. Die Neueinstellung von Arbeitern sei höchst wahrscheinlich. Bochum, 5. August. Der Staatsanwalt erließ einen Steckbrief gegen den Redacteur Fusangel. Danzig, 5. August. Der Anthropologencongreß wählte in seiner heutigen Schlußsitzung Ulm als nächsten Versammlungsort. Zum Vorsitzenden wurde Hölder-Stuttgart, zu Stellvertretern Virchow und Waldeyer-Berlin gewählt. Stuttgart, 5. August. Der „Staatsanzeiger" berichtet: Seit dem 1. August trat bei dem Könige neuerdings eine acute Steigerung des Unterleibskatarrhs mit leichter Fieberbewegung auf. Sämmtliche Krankheitserscheinungen sind bereits in erfreulicher Abnahme begriffen. Das Fieber ist geschwunden. Der König muß noch einige Tage das Bett hüten- sein Befinden ist indeß den Umständen nach leidlich gut. Dr. Marc kehrte heute nach Wildungen zurück. München, 5. August. Die Versammlung der astronomischen Gesellschaft wurde heute Vormittag eröffnet. Unter den Theitnehmern befinden sich Gylden- Stockholm, Tysseraud-Paris, Backuyzen-Leyden, Ordemans- Utrecht, Gantier-Genf, Pechuele-Kopenhagen, Palisa und Hertz- Wien, Wagner-Kremsmünster, Hertel-Innsbruck, Krüger-Kiel, Mechaniker Repsold-Hamburg, Wyren-Pulkowa. Straßburg, 5. August. Die amtliche „Straßburger Correspondenz" bezeichnet die Nachricht der französischen Zeitungen, daß die Kreisdirectoren vertraulich angewiesen seien, gegen die Franzosen hinsichtlich der Paß- und Meldepflicht besonders streng vorzugehen, als erfunden. Die Kreisdirectoren seien nur wiederholt beauftragt worden, die Säumigen an die vorgeschriebene Meldefrist zu erinnern. Wien, 5. August. Der Handelsminister verfügte infolge der Ausbreitung der Cholera in Syrien die Ausdehnung der bestehenden siebentägigen Beobachtung auf die Herkunft aus den Häfen zwischen Persina und Tripolis, letzteren ausgenommen, und strenge ärztliche Untersuchung aller Herkünfte aus den Häsen zwischen Messina und Adalia einerseits, und Tripolis und Jaffa andererseits, die genannten Häsen eingeschlossen. Wien, 5. August. Das „Fremdenblatt" führt aus, die Sympathie zwischen Russen und Franzosen beruhe nur auf der Gemeinsamkeit der rein politischen Interessen. Das Zusammenrücken der beiden Völker, um Angriffstendenzen des Dreibundes lahm zu legen, beruhe zwar aus falscher Auffassung der rein defensiven Tendenz des Dreibundes, enthalte aber nichts Beunruhigendes, da nur ein zweiter Friedensbund neben der Tripelallianz gebildet ist. Betreffs Frankreichs liegen keinerlei Anzeichen vor, daß Rußland die chauvinistischen Bestrebungen in demselben unterstütze- die Annäherung Rußlands gelte nur der Erhaltung der regierenden Parteien Frankreichs, gewähre ihnen den Glanz eines politischen Erfolges und lasse eine Beruhigung des Volksgemüths erhoffen. Man könne der Entwickelung der Dinge mit aller Ruhe entgegensetzen. Paris, 5. August. Das französische Geschwader des Admirals Gervais wird auf seiner Rückfahrt von Rußland nicht in Plymouth, wie Anfangs beabsichtigt war, sondern nur in Portsmouth anlausen und dann nach Frankreich zurückkehren. Petersburg, 5. August. Gestern Abend reisten der Kaiser, die Kaiserin, Großsürst Alexei nebst Suite, sowie der Kriegsminister aus der Jacht „Dershawa" nach Finland ab. — Der König von Serbien kam gestern Abend mit Ristitsch, Paschitsch und dem übrigen Gefolge in Petersburg an, stieg im Winterpalais ab und machte nach dem Diner eine Fahrt durch die festlich geflaggte Stadt. Petersburg, 5. August. Der „Regierungsbote" sagt: „Man weiß, daß bei dem Diner am 16. Juli der Kaiser, seinen Pokal erhebend, solgende hochbedeutsame Worte sprach: „Aus das Wohl des Präsidenten der französischen Republik Carnot! Aus das Wohlergehen der französischen Flotte, insbesondere des Geschwaders des Admirals Gervais!" Diesen Worten des Souveräns folgte eine Reihe der großartigen, sehr bedeutungsvollen Ehrenbezeugungen während der ganzen Aufenthaltsdauer in Kronstadt. Wenn jemals, so war den Offizieren der glänzenden französischen Flotte Gelegenheit geboten, sich von der Wirkung zu überzeugen, welche in Rußland die Worte des Staatsoberhauptes haben. Es würde zu weit führen, die großartigen warmen Kundgebungen aufzuzählen, von denen das russische Volk dem französischen Beweise gab- nicht der geringste Zwischenfall trübte diese Kundgebungen der stillen, aber reellen Macht des russischen Volkes, welches in solcher Weise die Worte des Souverains interpretirte." Bergen, 5. August. Der Kaiser erledigte gestern Regierungsgeschäfte. Am Nachmittag fand ein Wettrudern und Segeln zwischen den Booten der Schiffe „Hohenzollern", „Prinzeß Wilhelm", „Jagd" und „Stosch" statt. Nachts um 12 Uhr trat die „Hohenzollern" die Reise nach Odde an. Für den Dombau in Trondhjem hat der Kaiser tausend Kronen angewiesen. Utne, 5. August. Die „Hohenzollern" ist heute Vormittag um 11 Uhr vor Odde eingetroffen. Der Kaiser erfreut sich des besten Wohlseins. Das Wetter war sonnig, die Reise wird morgen nach Stavanger fortgesetzt. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 5. August. Nach Meldung hiesiger Blätter nimmt das in der Gegend von Glogau seuchenartig austretende gastrische Fieber größere Dimensionen an. Berlin, 5. August. Die Direction der Deutschen Bank theilt mit, daß die Verluste durch die betrügerischen Rubel- speculationen sich zwar noch nicht genau feststellen lassen, es seien jedoch bindende Verpflichtungen eingegangen, wodurch der Verlust der Deutschen Bank auf den Höchstbetrag von 1,100,000 Mk. beschränkt bleibe. Das Engagement sei bis auf kleine zweifelhafte Beträge abgewickelt. Berlin, 5. August. In dem Steckbrief gegen den Beamten Frank von der Deutschen Bank wird der erlittene Verlust auf 2—3 Millionen beziffert. Berlin, 6. August. Nach vom „Berliner Tageblatt" veröffentlichten Privatbriefen aus Dar es Salam vom 12. Juni ist Emin Pascha am 10. März an der Mündung des Nuonon am Alexandratasee angekommen und nach zwei Ruhetagen über den Moresi-Tanganikasee aufgebrochen. Gleichzeitig kündigt der Bries eines Missionärs von der deutschen Küste eine große Expedition des Belgiers Lejeune an. Diese soll sich auf derselben Route bewegen, welche seiner Zeit von Emin und Stanley nach Ankora projectirt war. Beide Expeditionen wurden von Tipu-Tipp verwechselt und wird die falsche Nachricht der „Times" über den Marsch Emins wohl daher rühren. Berlin, 6. August. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." aus Paris erfährt, wird der französische Botschafter in Konstantinopel, Graf v. Montebello, nach Petersburg versetzt. Herbette verbleibt auf dringenden Wunsch Frankreichs in Berlin, worüber in Paris große Befriedigung herrsche, da Herbettes friedliche Gesinnung und loyaler Character sich bewährt hätten. Berlin, 5. August. Der conservative „Reichsbote" plaidirt in der Angelegenheit Baare, der Redacteur Fusangel solle den Händen der localen Gerichtsbarkeit entzogen und der Proceß an ein unbetheiligtes drittes Gericht verwiesen werden. Berlin, 5. August. Die Erstaufführung der Oper „Santa Chiara" von Herzog Ernst von Sachsen- Coburg hatte in Berlin einen ganz außergewöhnlichen Erfolg. Der Herzog selbst war nicht anwesend. Straßburg i. E., 5. August. Der Tabaksagent Marx ist fallit- derselbe ist seit einigen Tagen flüchtig, man glaubt dennoch an das Zustandekommen eines Arrangements. Die Passiva betragen 150,000 Mk.- dabei soll die Kaiserl. Tabakmanusactur mit 40,000 Mk. engagirt sein. Triest, 5. August. In Cagliari überfielen sechs Briganten am helllichten Tage den Kaufmann Lubraso und gaben denselben erst gegen ein Lösegeld von hunderttausend Lire frei. Loudon, 5. August. Eine amtliche Depesche des englischen Consuls in Foochon (China) bezeichnet die Meldungen von einem bevorstehenden Aufruhr für unbegründet. Die Europäer seien ausreichend geschützt. Rom, 5. August. Fürst Paul Borgnese, Stammhalter des berühmten Geschlechts gleichen Namens, ist auf Anrathen seiner Aerzte nach Ungarn abgereift. Der Fürst war infolge bedeutender Verluste, — man spricht von 30 Mill. — seit längerer Zeit tiefsinnig. Laut Meldungen verschiedener Blätter ist die Familie zum Zwecke der Schuldentilgung um die Erlaubniß zur Veräußerung der weltberühmten Bilder- gallerie eingekommen. Brody, 5. August. Aus Podolien werden neuerdings große Judenexcesse gemeldet. In Jelissawetgrad erstürmten mehrere tausend Bauern, rufend: „Nieder mit den Juden, schlagt sie todt!" das Judenviertel und raubten Ge- schästsläden und Wohnungen aus. Drei Juden wurden ge- tödtet, mehrere schwer verletzt. Die Behörden ließen dem Pöbel freie Hand. Konstantinopel, 5. August. Sechs verdächtige, aus Kir- kitisse kommende Männer wurden festgenommen, man glaubt in ihnen Angehörige der Bande des Athanasios ergriffen zu haben., Localer utt6 ^provinzielles. Gießen, 6. August. — Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 24. Juli der Dienstmagd Helene David aus Gimbsheim, z. Zt. in Worms, die silberne Medaille des Ludwigs - Ordens, am 28. Juli dem Lehrer an der Realschule zu Darmstadt, Joh. Eduard Würth, unter Anerkennung seiner mit Treue und Eifer' geleisteten Dienste und Versetzung in den Ruhestand, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen, am 2. August d. I. dem Frl. Helene Wirth- to ein, Pflegerin des Alice-Frauenvereins, für 20jährige Thätigkeit als Pflegerin des Alice - Hospitals das Dienstauszeichnungskreuz für Krankenpflege in Gold, am 5. August dem Frl. Amalie Engel, Pflegerin des Alice-Frauenvereins, stationirt in Offenbach, für 15jährige Thätigkeit als Pflegerin des Alice-Hospitals das Dienstauszeichnungskreuz für Krankenpflege in Silber, an demselben Tage dem Frl. Katharina Oelschläger, Pflegerin des Alice-Frauenvereins, für 20jährige Thätigkeit als Pflegerin des Zweigvereins Mainz das Dienstauszeichnungskreuz für Krankenpflege in Gold, an demselben Tage dem Frl. Anna Gerstemeyer, Pflegerin des Alice-Frauenvereins, für 15jährige Thätigkeit als Pflegerin des Zweigvereins Mainz das Dienstauszeichnungskreuz für Krankenpflege in Silber — zu verleihen. — Statistisches. Im Großherzogthum Hessen erfolgten im Rechnungsjahr 1890 418 Strafen wegen Con- traventionen gegen das Gewerbesteuergesetz (Starkenburg 141, Oberhessen 129, Rheinhessen 144). — Das gesammte Grundstück - Brandverficheruugscapital im Großherzogthum Hessen belief sich Ende 1890 auf 1 119 509 980 Mk. (Rheinhessen 389108090 Mk., Starkenburg 436 837 480 Mk., Oberhessen 293 564410 Mk. — Nach einer Entscheidung des Reichsverficherungsautts ist der Tod eines Arbeiters bei der Feldarbeit durch Blitz als Betriebsunfall anzusehen, so daß also die betreffende Genossenschaft in solchem Fall zur Entschädigung verpflichtet ist. — Verm'ächtniß. Der verstorbene Buchhändler K ü ch l e r in Darmstadt hat der Landeswaisenanstalt 50,000 Gulden unter der Bestimmung vermacht, daß alljährlich an seinem Todestage die Zinsen der Stiftung in Beträgen von je 100 Gulden an sämmtliche in die Landeswaisenanstalt aufgenommenen Waisen verloost werden sollten. Die Beträge sollen für die betreffenden Waisen bis zu ihrer Entlaffung verzinslich angelegt werden. Nachdem die bisherige Nutznießerin des Vermächtnisses gestorben, konnten am 3. August ds. Js. zum ersten Male die Erträgniffe der Stiftung nach dem Willen des Testators zur Vertheilung kommen und erhielten 18 noch schulpflichtige Waisenkinder, aus welche das Loos fiel, je 171 Mk. — Das Regierungsblatt enthält die Vollzugsverordnung zu dem Gesetze vom 20. September 1890, betreffend die Einführung des Verwaltungs-Strafbescheids bei Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Gefälle. Nach der Verordnung soll dasGesetz am 1. Januar 1892 in Kraft treten. Die Regelung des Verfahrens für die Administrativuntersuchung und den Erlaß der Strafbescheide ist imWesentlichenJnstructionen Vorbehalten, welche die Ministerien für die einzelnen Behörden noch erlassen werden. Die für jenes Verfahren zuständigen Behörden sind: die Steuercommissariate (für birectc Steuern), die Hauptsteuerämter (für Zölle, Reichssteuern und indirecte Landessteuern), das Erbschaftssteueramt, die Brandversicherungscommission, das Kreisamt (bei Gemeindeabgaben u.s.w.), der Erste und der Ober-Staatsanwalt (Verletzung der Stempelpflicht bei Gerichtskosten). Zu erwähnen ist noch, daß Ordnungsstrafen, sowie die Nichtausübung der Strafverfolgung für zulässig erklärt sind. -d. Schotten, 4. August. Am Sonntag den 16. August, Nachmittags 2 Uhr, findet in Ober-Seemen bei Wirth Reichert eine Zusammenkunft der 1870er Krieger zwecks Gründung eines Veteranen-Verbandes der Kreise Schotten und Büdingen statt. Butzbach, 5. August. Mit der Herrichtung des Festplatzes für das 19. Turnsest des Gaues Hessen ist man eben vollauf in Thätigkeit und verspricht die ganze Einrichtung desselben eine recht schöne und practische zu werden. Auch bietet der große Festplatz genügend Raum für die zahlreich gemeldeten Turner und Festgäste. An den Häusern der Stadt beginnt man jetzt ebenfalls den ersten Festschmuck anzulegen, überhaupt entfalten die Bewohner unserer Stadt eine Thätigkeit, welche darauf schließen läßt, daß Jeder bestrebt ist, den ankommenden Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Gutes Wetter vorausgesetzt, stehen uns einige recht vergnügte Tage bevor. — Für das Turnfest ist folgendes Programm festgesetzt: Samstag, den 8. August, Nachmittags 2—5 Uhr: Empfang der Abgeordneten und Wettturner. 5^2 Uhr : Turntag im Hessischen Hof. 7 Uhr: Sitzung des Kampfgerichts daselbst. Abends 8 Uhr: Zug vom Bahnhof nach dem Festplatz zum Fest-Commers. Daselbst: Aufführung eines Fackelreigens vom Turnverein Butzbach. Begrüßungsrede. Ueberreichung des von Damen gestifteten Bandeliers und zweier Schärpen an den Turnverein, sowie Gesangsvorträge des „Orpheus" und Turnergesangvereins. — Sonntag, den 9. August, Morgens 6 Uhr: Weckruf. 7 Uhr: Beginn des Wettturnens. 7—12 Uhr: Empfang der eintreffenden Turner. Nachmittags j/22 Uhr: Aufstellung des Festzuges vor dem Weiseler Thor. Präcis 2 Uhr: Festzug durch die Stadt (Weiselerstraße, Schloßgaffe, Griedelerstraße, Wetzlarerstraße) nach dem Festplatz am Lahnthor. Daselbst: Freiübungen, Gesang, Festrede, Vorführung turnerischer Uebungen der Real- und Volksschüler, Kürturnen, Concert und Tanz. Abends 8 Uhr: Preisvertheilung. — Montag, den 10. August, Morgens 6 Uhr: Weckruf. 8 Uhr: Beginn des Musterriegenturnens. $V2 Uhr: Spaziergang auf die Wilhelmshöhe, Weidigshain, Tempel rc. Nachmittags von 2 Uhr ab: Kürturnen, Concert und Tanz auf dem Festplatz. 6 Uhr: Preisvertheilung an die Musterriegen. — Als Festmusik ist die ganze Capelle des Leib-Dragoner-Regiments Nr. 24 unter Leitung ihres Stabstrompeters, Herrn Stütze!, engagirt. — Die Fest- wirthschaft ist den bewährten Händen der Herren Wilhelm Schneider und Joh. Theis von Butzbach übertragen. — Der Festplatz und die Festhalle sind während der drei Festtage Abends electrisch beleuchtet. X. Windhausen, 5. August. Wie in unserem Kreise Alsfeld überhaupt, so widmet man im Besonderen in unserer Gemeinde der Pflege und Veredelung der Viehzucht eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Die segenbringenden Folgen dieser rationellen Viehzucht sind schon jetzt augenscheinlich, dürften es aber mit der Zeit immer noch mehr werden. Um reines Schweizervieh zu erhalten, wurden schon vor zwei Jahren von hiesigen Bürgern sechs Stück dieser vorzüglichen Rasse direct aus der Schweiz geholt. Daß die damit erzielten Resultate trotz des hohen Preises der einzelnen Stücke sehr günstig gewesen sein müssen, beweist der abermalige Ankauf von sechs Stück Schweizervieh, welche gestern Abend hier anlangten. In allen Ortschaften, durch welche ihr Transport ging, verursachten sie wegen ihres schönen Geläutes einen Auflauf der Einwohner. Darmstadt, 5. August. Dieser Tage erhielt Herr Restaurateur Carl Färber dahier durch den Kirchendiener der katholischen Gemeinde einen kleinen Geldbetrag zugestellt mit dem Bemerken, daß ein im Lazareth schwer krank liegender Soldat von der Leibschwadron des 2. Dragoner-Regiments dem Herrn Geistlichen, welcher den Kranken mit den Tröstungen seiner Religion versehen, mitgetheilt habe, daß er dem Wirthe für ein genossenes Abendbrod noch diesen Betrag schulde. Der Wirth hatte an die kleine Schuld längst nicht mehr gedacht und war daher um so mehr erstaunt über die peinliche Gewissenhaftigkeit des Soldaten, der ein ganz mittelloser junger Mann ist, dessen beide Eltern nicht mehr leben. Erfreulicherweise soll in dem Befinden des Soldaten eine Besserung eingetreten sein, so daß dessen Wiedergenesung ml erwarten steht. [3474 6550 Bahnhofstraße 57. 5012 Packctfahrt-Actten-Gesellschaft, tst am 4. August, 8 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommm. Vorzügl. kohlensaur. Mineralwasser. Ausgezeichnet begutachtet v. zahlr. Professoren u. Aerzten. Vortreffliches Tafelwasser — bevorzugtes diätetisches Getränk. Besonders geeignet zum Mischen mit Wein und Spirituosen. Niederlage In Originalgefässen bei Emil Fischbach. Verkehr, Land- nnd volkswirthschaft. Frankfurt n . . 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