Ifott 17 • Wobnung, drei Wasserleitung W wXb H^^rMes LoM Herrn ent- nen. 1964 dass unser el ine »er- 3. Eschloßgaffe^ ,-r MA Ä Sin»# -ftrflttC 1®*__ Nr. 207. Zweites Blatt. Sonntag den 6. September , „ - i |M, i wir f ■> fiifwwr« ■»■nww _■/tti — ' — S«r «ich^N täglich, eft LuSnahm« Mf Montaxs- Bw Oir-mer ftwVw» bttn enjd|et Mch«tttch bieioiel bttgtftgt Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. 1891 StoNlWiiyt jihntnraUKrtM 2 M-rk 20 M§. M> Bringkrtohn. Durch die Post br|«f*h ? Mark 50 Psg. Reboction, Lxpediedm» mit Druckerei: -ch«rftrEta§ Großherzogthum Hessen, zu Darmstadt. Gießen, den 1. September 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, die Verminderung der Raben, Eichhörnchen rc. betr. Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß im lausenden Jahr in Folge der durch uns getroffenen Anordnung im Kreis Gießen Raben, Eichhörnchen rc., in folgenden Zahlen, die übrigens thatsächlich wohl höher sein werden, vertilgt worden sind: Alte Raben .... 1895 Junge Raben ... 172 Rabeneier .... 2459 Häher.....857 Eichhörnchen . . . 781 Soweit ein Bedürfniß zur Verminderung noch ferner besteht, wolle der Abschuß fortgesetzt werden. Gießen, den 3. September 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Weizen- itnb Roggenbrod. Eine große Revolution bereitet sich vor, das Roggen- brod wird dem Weizenbrod weichen müssen. Für Diejenigen, welche sich an das Roggenbrod gewöhnt haben, ist der bevorstehende Umschwung ein in gewisser Beziehung schmerzlicher, denn das Roggenbrod hat etwas derb Wohlschmeckendes, das dem etwas nüchternen Weizenbrode fehlt. Deßhalb hat das Roggenbrod den Rus, besonders „kräftig" zu sein. Wenn man das Roggen- und Weizenbrod miteinander vergleichen wollte, so könnte man sagen, jenes schmecke voll und dieses etwas ausgekocht. Es hat im Geschmack mitunter eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Suppenfleisch, aus dem die „kräftige" Brühe gezogen ist, so daß es dem Ueberbleibsel natürlich an „Kraft" fehlen muß. Leider muß den Schwärmern für sogenannte „kräftige" Bouillon gesagt werden, daß sie sich gründlich täuschen, daß sie, vom Geschmack derselben bestochen, ihr Eigenschaften zuschreiben, welche sie thatsächlich gar nicht hat. Kocht man Fleisch zu Bouillon, so geht allerdings das dem Fleisch den Geschmack Verleihende, nämlich die Salze, in die Bouillon über, so daß der Verlust des Fleisches an Schmackhaftigkeit einer besonderen Erklärung nicht bedarf. Damit ist aber nicht gesagt, daß die Bouillon nun wirklich die „Kraft", d. h. die Nährstoffe enthält. Das ist durchaus nicht der Fall. Die Bouillon ist ein gewiß sehr schätzenswerthes Genußmittel, sie hat deutliche wohlthuende Wirkung auf die Muskeln, ein Nahrungsmittel im eigentlichen Sinne aber ist sie nicht, denn von der Kraft des Fleisches, den Eiweißstoffen, geht nur ein sehr geringer Theil, etwas mehr als 5 Procent, in die Bouillon über. Es bleiben mithin in dem „kraftlosen" Suppenfleisch sage und schreibe 95 Procent des aus- nußbaren Eiweißes zurück, so daß also der Braten an Nährwerth, von dem Geschmacke abgesehen, nur um 5 Procent voraus ist. Ein ähnliches Mißverständniß in Bezug auf die sogen. Kraft herrscht bei der Beurtheilung des Bro des im Allgemeinen. Das Roggenbrod mit seiner wohlschmeckenden Rinde, seinem Reichthum an Salzen wird als das „kräftigere" imponiren, ganz besonders gilt der Pumpernickel für „nahrhaft". Es ist nun in der That richtig, daß Roggenbrod einen höheren Eiweißgehalt gehabt hat, als Weizenbrod, dies ist aber die bei einer rationellen Betrachtung der Dinge nicht einzig in Frage kommende Thatsache. Es fragt sich außerdem, wie die einzelnen Brodsorten vom Organismus ausgenutzt werden. In dieser Beziehung nun liegen nach dem „B. B.-C." ganz genaue Versuche vor, nach welchen verschieden bereitete Roggenbrode mit dem Weizenbrode verglichen wordelz sind. Hierdurch stellt sich das Verhältniß für den Pumpernickel, jene aus kleienhaltigem Roggenmehl und Sauerteig bereitete Sorte, am schlechtesten. Obwohl er neben dem Roggenbrode die höchste Summe von Stickstoff besitzt, kamen davon nur 57 Procent, also etwas mehr als die Hälfte, dem Körper zu Gute- von dem eiweißreichsten Roggenbrode erhielt der Organismus 77 Procent, während er im Stande war, dem Weizenbrode 80 Procent des vorhandenen Eiweißes zu entnehmen. Es würden demnach 100 Gramm Weizenbrod den gleichen Nährwerth haben wie 140 Gramm Pumpernickel und wie 104 Gramm Roggenbrod, wenn dieses von Kleie möglich frei ist- da dieses aber um so weniger der Fall ist, je kräftiger es schmeckt, so kann man, dem gewöhnlichen Roggenbrode entsprechend, den für das Weizenbrod entsprechenden Procentsatz höher als eben berechnet annehmen. Wenn man sich nun fragt, warum man das Weizenbrod in Deutschland vernachlässigt, so ist daran die Gewöhnung in erster Reihe schuld. Dazu kommt aber, daß das Roggenbrod bei dem Kauen, das zu seiner Bewältigung nothwendig ist, das sogenannte Sättigungsgesühl, welches von ausreichender Feuilleton. Das gekränkte Vaterherz. (Berliner Gericht?scene.) „Kinder sind Kinder, und wir sind alle miteinander mal Kinder jewesen, ohne Ausnahme. Na, und det Kinder keene Engel sind, det weeß 'n Jeder. Aber derentwejen hat Keener Las Recht, mein Vaterherz zu kränken und mit Füßen zu treten. Ick habe ihrer sechse, nämlich Kinder, und die Jöhren sind mein Stolz, Herr Jerichtshof." Der Angeklagte, Arbeiter T., sprach diese Worte mit einem seinem Vaterstolz entsprechenden Pathos und legte zur Betheuerung seine Rechte an die Brust. , Bors.: „Ihr Vaterstolz mag durchaus begründet sein. Derselbe hat indessen mit dem Hausfriedensbruch, wegen welches Sie sich heute zu verantworten haben, nichts zu thun. Aeußern Sie sich zur Sache." Angekl.: „Aber Sie werden mir doch Recht jeben, wenn ick behaupte, det een Kind nicht fortwährend von Keile leben kann und det, wenn et schon Keile kriejen soll, so 'n Jöhr det Recht hat, dieselbe aus der Hand seiner Eltern und nich von fremde Leite entjejenzunehmen. Wie kommt so 'n Budiker, wo ick den Hausfriedensbruch jebrochen haben soll, dazu, meine Kinder zu schlagen und sie een Ferkel um't andere zu schimpfen? Det muß doch een Vaterherz von sechs Kindern beleidigen, wenn Sie't jietigst erlauben. Sind meine Kinder Ferkel ? Ick jebe ja zu, det Kroppzeij sieht manchmal schwarz aus, wie die kleenen Deibels. Wat namentlich mein Fritze is, der manscht Ihnen jar zu jern im Schmutze rum, wenn er wo 'ne Pfitze sieht, dann kraucht er am liebsten rm und planscht mit die Finger drin rum. Davon wird natierlich son ’n Kind nich reener. Aber ick sage mir, so n Wurm will noch sein Verjniejen haben, 'ne Bonne, die fortwährend uff die Jöhren uffpaßt, kann ick mir nich leisten." Vors.: „Mißbrauchen Sie unsere Geduld nicht und kommen Sie aus den in Rede stehenden Vorfall zu sprechen." Angekl.: „Na, also an dem bewußten Dage hatte sich rmetn Fritze die Hände und das janze Jesicht mit Kohle schwarz jemacht - er hat nämlich so ne Vorliebe sür't Romantische und spielt jar zu jerne Kameruner. Sehn Se, det hängt mit de Colonialpolitik zusammen. So 'n Kind will aber sein Verjniejen haben und et kann Keener verlangen, daß die Eltern fortwährend mit Waschschüssel und Handtuch so ’n Kind auf Schritt und Tritt nachloofen." Vors.: „So kommen wir nicht weiter. Sie begaben sich an dem betreffenden Abend in das in Ihrem Hause befindliche Restaurant." Angekl.: „Det dhat ick. Wie ick nämlich von die Arbeit kam, heert ick von meine Frau, daß der Budiker wieder meinen Jungen een Ferkel um't andere jeschumpfen und ihm jeschuppst hatte. Weib, sage ick, jetzt jeh ick sofort runter und stell den Budicker zur Rede. Meene Olle wollte mir nich jehen lassen- sie meente, ick freite mir blos, det ick 'n Jrund jefunden hätte, mit eenen anzukiebeln. Ne, sagt ick ihr, et handelt sich um unsere Ehre von wejen die Ferkels." Vors.: „Sie gingen also jetzt in das Restaurant, machten dort Spectakel und leisteten den Aufforderungen des Wirths zum Verlassen des Locals keine Folge." Angekl.: „Ick jing in't Local, det stimmt. Weil ick mir nu usjeregt fiehlte, drank ick erscht'n paar Seidel zu meiner Beruhijung. Nu jerieth ick in so' 'ne friedliche Stimmung, det ick mir keen Wort zu sagen traute. Da ick nun den Weg nich umsonst jemacht haben wollte, drank ick ’n paar Nordhäuser, um in’t richtige Feier zu kommen. Det wirkte denn ooch- die Ferkels fingen mir immer mehr im Koppe rum. Endlich war der Moment da: ick bezahlte meine Zeche und sagte dem Budiker : Meine Kinder sind keene Ferkels und wer meine Kinder schläft, der beleidigt mein Vaterherz . . ." Vors.: „Der Wirth forderte Sie nunmehr auf, sich zu entfernen." Angekl.: „Ja, aber er that es, indem er meinem Vaterherzen noch 'n Stoß versetzte." Vors.: „Was meinen Sie damit?" Angekl.: „Er jab mir den Rath, ick sollte doch bei meine Kinder nich so mit's Wasser sparen- det kostete doch nischt. Det kränkte natierlich mein Vaterherz. Wie? sagt ick, det Wasser kost nischt? Sie lassen sich woll det Wasser dHeier jenug bezahlen, denn wat Sie als Weißbier verkoosen, det is meerschtendheels Wasser und et kennte nischt schaden, wenn Sie bei't Bierplanschen mit't Wasser ’n bisken sparerr mechten." Soweit der Angeklagte. Die Beweisaufnahme ergab, daß derselbe seinem „gekränkten Vaterherzen" in recht ungebührlicher Weise Lust gemacht und den wiederholten Aufforderungen, das Local zu verlassen, nicht nachgekommen war. Unter Zubilligung mildernder Umstände, die in der Erregtheit und Angetrunkenheit des Angeklagten gefunden wurden, erkannte der Gerichtshof auf eine Geldstrafe von fünfzehn Mark. Bezahlt sich das Annoneiren? Meinen Erfolg verdanke ich dem häufigen Annoneiren. Bonner. Der Weg zum Reichthum geht durch Druckerschwärze. Barnum. Erfolg hängt von ausgiebiger Unterstützung der Druckereien ab. I- I- Astor. Häufiges und beständiges Jnseriren brachte mir, was ich besitze. A. I. Stewart. Mein Sohn, mache Geschäfte mit Leuten, die anzeigen. Du wirst nie dabei verlieren. Benj. Franklin. Wie kann die Welt wissen, daß Jemand etwas Gutes hat, wenn er den Besitz desselben nicht anzeigt? Vanderbilt. Die Annoncen sind dem Geschäft, was der Dampf für die Maschine ist — die große bewegende Kraft. Lord Macaulay. Alles, was ich habe, mein Weltname, meine Millionen, verdanke ich nicht allein der Reellität der Geschäftsführung, sondern 99/ioo der Macht der Zeitungsanzeigen. Ich bin zu dieser Gewißheit gekommen, daß heutzutage kein Geschäft ohne die Macht der Zeitungsannoncen in die Höhe kommen und gewinnbringend sein kann. R. Hertzog. Ernährung vollständig zu trennen ist, eher erzeugt. Es ist bekannt, daß Menschen, die durch Magenfisteln ernährt werden mußten, trotzdem sie eine genügende Speisemenge erhielien, doch das Gefühl der Sättigung nicht hatten, weil sie eben nicht kauten. Erst als man sie die Speisen kauen ließ, erklärten sie sich für „satt". Da nun das Kauen beim Weizen- brod sehr gering ist, so würde eine größere Menge dazu nöthig sein, um eine Person „satt" zu machen, ein Umstand, der bei den das Brod als Hauptnahrung bevorzugenden ärmeren Klassen sehr ins Gewicht fällt. Da aber das Sättigungsgefühl eigentlich eine Einbildung ist, io wird es vielleicht möglich sein, mit dem Weizenbrod eine Veränderung vorzunehmen, welche seinem Nährwerth nichts schadet und trotzdem dem Gefühle des „Gesättigtseins" zu Hilfe zu kommen im Stande ist, dadurch eben, daß man es eventuell schwerer kaubar macht. vermischtes. * Kaffeeverfälschung. In dem letzten Heft des „Monatsblattes gegen Verfälschungen" berichtet Dr. van Hamel-Roos folgenden merkwürdigen Fall der Kaffeeversälschung: Bis jetzt haben wir wiederholt Gelegenheit gehabt, unsere Leser über Kunstkaffeebohnen zu unterhalten, d. h. über nachgemachte Bohnen, welche aus einem Teig verfertigt sind, in welchem ein wenig gemahlener Kaffee vorkommt. Die Erfindungskraft des Betruges kennt aber keine Grenzen, und da sich die berufsmäßigen Verfälscher sagten, daß sie mit der ferneren Lieferung künstlicher Kaffeebohnen auf keinen weiteren grünen Zweig kommen würden, nachdem das Publikum einmal hinter die Schliche gekommen ist, so schlugen sie einen anderen Weg ein, der sicherer zum Ziele führt. Sie lassen nämlich die Bohne in ihrem natürlichen Zustande, fügen derselben einen harmlosen und unschädlichen Firniß bei, entziehen derselben auf künstlichem Wege aber alle die Bestandtheile, welche dem Kaffee den eigentlichen Werth geben. Solche Kaffeebohnen haben eine sehr dunkle Farbe, aber bei der mikroskopischen Untersuchung fällt es alsbald auf, daß trotz der vollständig natürlichen inneren Structur die in gutem Kaffee stets vorhandenen Oelkügelchen vollständig fehlen. Die chemische Analyse bewies sowohl durch den geringen Extractgehalt als durch andere Bestimmungen, daß die Verfälscher auf sehr listige Weise zu Werke gegangen sind; denn der gebrannte Kaffee war augenscheinlich zuerst mit dem einen oder anderen Extractmittel behufs Fabrikation von Kaffee-Extract seiner öligen Bestandtheile beraubt, dann aufs Neue gebrannt (daher die schwarze Farbe) und mit ein wenig Zucker überfirnißt worden, um den Bohnen das echte Aussehen zu geben. Man müßte derartige Bohnen eigentlich als „gefirnißten Kaffeesatz in natürlicher Bohnenform" bezeichnen. Da diese Art der Verfälschung noch sehr jungen Datums ist, wird es gut sein, jetzt schon darauf aufmerksam zu machen. * Von einer unangenehmen Enttäuschung wird aus Sprottau berichtet: Ein Fleischergeselle wurde bei der letzten Gestellung der Militärpflichtigen zur Kavallerie ausgehoben, bei der Superrevision aber der Infanterie zugetheilt. Hierüber grämte sich der Geselle, welcher gern sein Roß tummeln wollte. Er theilte seinen Kummer auch einem Freunde mit, und dieser rieth ihm, sich schriftlich an den Kaiser zu wenden. Der Freund erbot sich auch, das betr. Schreiben, in welchem der Fleischer die Bitte ausdrückle, ihn bei der Kavallerie und nicht bei der Infanterie einzustellen, anzufertigen. Das Schreiben ging ab, und zwar lautete die eigenthümliche Adresse: „An den Kaiser, Kaiser!. Königl. Kabinetsordre." Da die Antwort aber etwas zu lange auf sich warten ließ, wurde schnell ein zweites Schreiben nachgesandt und demselben 20 Psg. in Briefmarken zur Rückantwort beigefügt. Endlich traf am 10. August die ersehnte Antwort ein und zwar — man denke sich den Schreck des enttäuschten Kavallerieliebhabers — in dem gemessenen Befehle, den Unterzeichner des Briefes sofort mit 48 Stunden Mittelarrest zu bestrafen. Der Fleischergeselle hatte keine Ahnung, daß er schon im Militärverhältniß stehe und deshalb nicht befugt ist, direct an den Landesherrn zu schreiben, sondern bei etwaigen Wünschen den Instanzenweg einzuschlagen hat. * Eine eigenthümliche ^Grabmufik ließ bei einer Beerdigung eine Capelle in Thalkirchen bei München ertönen. Zuerst brachte sie zum Erstaunen aller Leidtragenden zum Vortrag: „Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar" und dann „Frisch auf Kameraden auf's Pferd, auf's Pferd!" Dies erinnert an die Feuerwehrcapelle, welch einem Mitgliede zur Feier seiner silbernen Hochzeit ein Ständchen brachte, nach der Melodie: „Zu Mantua in Banden!" Landwirthschaftliche Winke und Rathschläge. △ UrrS Oberhefsen, Anfang September. In Nr 197 dieser Zeitung vom 26. August d. I. wird die Nachricht gebracht, daß der Antrag der beiden Landtaqsabgeordneten Haas und v. Rabenau betreffend die gesetzliche Regelung des BieheinftellnngSwesenS von Großh. Staatsregierung abgelehnt worden fet. Im Herbste v. I. brachte der „Gießener Anzeiger" über die Vieheinstellung eine Mittheilung. Kurz darnach wurde dieser hochwichtige Gegenstand von dem landwirthschastlichen Vereine Büdingen auf der Versammlung in Nidda behandelt. Wenn wir nicht irren, war Herr Landwirthsckastslehrer Andrä in Büdingen Referent in der Sache. Unseres Wissens ist in anderen Vereinen noch nicht darüber beratben worden. Wir wollen nicht ermangeln, uns über den Gegenstand kurz auszulprechen. — Wenn sich ein Bauer von einem Viehhändler Vieh einstellen läßt, steht es übel mit ihm. Unter hundert Fällen kommt es neunundneunzig Mal vor, daß der Bauer am Fälligkeitstermin kein Geld hat. Gegen dieses Unheil ist kein Kraut gewachsen und kein Gesetz auf der Welt existirt und keins könnte von Solon und den übrigen Weisen Griechenlands erdacht werden, welches den üblen Folgen des Geldmangels die Spitze abbrache. Nun sind aber die Verheerungen, welche durch das heillose Vieheinstellungsgeschäft verübt werden, so traurige, daß man nicht warten soll, bis die Sache durch ein Reichsgesetz geregelt wird, denn bis dies geschieht, können zehn Jahre und mehr darüber htngehen und in dieser Zeit werden Dutzende von Bauern ausgesaugt, sie sterben und verderben und ihre Familien kommen an den Bettelstab. „Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott!" sagt ein gutes deutsches Sprichwort, das uns unmittelbar auf das landwirthschaftliche Genossenschaftswesen hinweist. Es müssen Kassen gegründet werden, die dem Bauer das Geld vorschteßen, das ist die Artillerie, mit welcher Bresche in das Wucherbollwerk gelegt werden kann. An Beispielen hierzu fehlt es nicht. Elsaß und Würtemberg liefern erschreckende Exemvel darüber, wie die kleinen Landwirthe (in der Regel die ärmsten) von üen Viehhändlern erbarmungslos ausgesogen wurden; Jahrzehnte lang hingen die Letzteren wie Blutegel, wie Schröpfköpfe an ihren bedauernswerthen Opfern, bis endlich die Kassen entstanden. Unsere Verhältnisse im Vogelsberge sind ähnlich wie diejenigen in Würtemberg und im Elsaß. Spar- und Darlehnskassen können zugleich als VieheinstellungS- oder Vtehanschaffurrgskaffen fungiren. Der Bauer muß setn angeschafftes Stück Vteh versichern. Rückzahlungstermine sind festzusetzcn. Wenn diese aber wegen verspäteter Ernte, wie wir sie beispielsweise in diesem Jahre haben, ob r wegen eines sonstigen Mißgeschickes nicht auf Stunde und Minute eingebalten werden können, so ist es keine Sünde für die Kasse, wenn sie sich die Nothlage des Bauern nicht zu Nutz macht, sondern lieber noch acht oder vierzehn Tage zuwartet. Bet dem Vieheinsteller ist dies etwas ganz anderes. Gerade die Nothlage bietet ihm die schönste Gelegenheit, sein Opfer auszuwuchern; auf Mißgeschick in des Bauern Familie, schlechten Verdienst, geringe Ernte u. dgl. m. nimmt er nicht allein keine Rücksicht, im Gegentheile sind ihm derartige Zufälle sehr erwünscht, weil er dadurch den Schuldner immer tiefer in seine Netze hineinziehen und verstricken kann. In Betreff der Spar-, Darlehns-, Viehnnkaufs- rc. Kassen ist dafür zu sorgen, daß diese schon kleine Beiträge, wenn möglich von 2 Mark, unter Umständen von 1 Mark als Rückzahlung annehmen. Wo solche Kassen vorhanden sind, oder entstehen, weichen die Wucherer und Blutsauger zurück wie die Käuze und Nachteulen vor dem ausgehenden Tagesgesttrn. Alles Uedel können die Kassen auch nicht beseitigen; es flieht immer noch Dumme genug in der Welt und — — „von was sollten denn die Gescheiten leben, wenn es nicht zuweilen noch Dumme in der Welt gäbe?" — fragte kürzlich ein Hauptschtarmeimer den Schreiber dieser Zeilen. Mundus vult decipi d. b. die Welt will betrogen sein, das ist einmal so und wird sich nicht viel ändern. Aber daß der Arme, der Darbende von Vieheinftellern gemißbraucht wird, daß der Letztere sich vom Schweiße des hart arbeitenden, kleinen Landwtrths mästet: das braucht nicht zu sein und dem muß mit aller Macht entgegengearbeitet werden. Hniverfitäts - Nachrichten. G. Erlangen, 1. September. In die philosophische Facultät der Universität Erlangen wurden als Pcioatdocenten die Herren Dr. Blankenhorn von Siegen und Dr. Knoblauch von Halle a. S. ausgenommen und zwar ersterer als Docent der Geologie und Paläontologie und letzterer als Docent für Physik. Literatur mmO ICnttft — Einen eigenartigen starren — ter Dichter selbst nennt ihn pedantischen — Menschen schildert der liebenswürdige Wiener Erzähler Balduin Groller in seinem novellrstiscben Characterbilde „Aus dem Vollen", das das neunte Heft der Monatsschrift „Unfete Zeit" (Leipzig, F. A. Brockhaus) eröffnet. Man weiß nicht, haben wir Erfindung, haben wir den Lebenslauf eines geschichtlichen ManneS^ wenn auch unter anderem Namen, vor uns. Setn Ziel war von Kindheit auf, nur „aus dem Vollen" sein Glück zu genießen und dieses Ziel erreichte er am späten Lebensabende. Ein anderer Wiener, der Geograph Reinhard Petermann, bietet in dem Aussatz „Exotische Touristik" eine vergleichende Studie über die Hochgebirge der Erde. Dr. Georg Winter beleuchtet Wtldenbruchs Schauspiel „Der neue Herr" durch die Ergebnisse brr neuesten geschichtlichen Forschungen über die Lage Brandenburgs beim Regierungsantritte des Großen Kurfürsten und die Politik Schwarzenbergs. Von Alexander Winter wird „Die heutige Localverwaltung in England und Wales nach dem Localoerwaltungsgesetz von 1888" dargestellt. Eduard Grün.. der Uebersitzer des tschechischen Dichters Jaroslav Vrchlicky, macht den Leser mit dem poetischen Schaffen und der dichterischen Persönlichkeit seines Helden btkannt. Ein abgerundetes Eapitel eines größeren unvollendeten Werkes des am 19. März 1890 verstorbenen Würzburger Professors des Staatsrechts Dr. Joseph von Held wird durch Dr. Ludwig Hubertt veröffentlicht: „Die Verantwortlichkeitsfrage", deren Behandlung in einer eingehenden Prüfung der Sachlage nach dem deutschen Reichsftaatsrecht ausläuft. Daß dieser Beitrag zur liefern Erkenntniß des Rechiswesens unseres Reiches bervorgezogen ist, erscheint uns sehr dankenswerth. „Ein modernes Ideal", die Volkserztehung, - wird endlich von A. von der Lahn in gedankenreicher und chgractervoller Weise unter die Loupe genommen Nach dem Verzeichnisse der neuesten Acte der Reichsgesetzgebung durch Ludwig Fuld macht die Todtenschau den Schluß. — Köhlers Deutscher Kaiser-Kalender 1892. 12. Jahrgang. Mlt zwei Gratisbeilagen: eine große Etsenbahnkarte von Deutschland in zwei Farben und ein zweifarbiger Wandkalender auf Carton. (Verlag von Wilh. Köhler in Minden.) Preis 50 Pfg. Das Bedüifniß nach gediegener, vornehmer Ausstattung macht sich jetzt auch unter den Volkskalendern geltend und tritt besonders bei obengenanntem Kalender hervor. Es ist erstaunlich, was hier für 50 Pfg. geboten wird. Auf der ersten Seite tritt uns das Bild unseres ritterlichen Kaisers zu Pferde entgegen, vor dem Leib-Garde- Husaren-Regiment salutirend, gefolgt von Oboist non Gottberg; im Hintergründe das Trompeter Corps des Regimen S Ebenbürtig ist das ansprechende Bild unserer Kaiserin, die Tn in des Marmorpalais hinabschreitend. Eine Reihe glänzender B».der scbliißen sich an, ca. 70 Illustrationen sind im Texte vertbeilt, während d-.r textliche Inhalt eine Fülle anregenden, belehrenden und belustigenden Stoffes bietet. — In hunderttausende von Familien hat sich das Ver- sandaeschäfr Mey & Edlich in Leipz ig-Plagwitz nicht nur einzusühren, sondern vor Allem dauernd etnzubürgern gewußt. Erreicht ist dies einzig durch unentwegtes Festhalten an dem Grundsätze, nur gute, brauchbare Waaren zu möglichst niedrigen Preisen zu liefern, und durch das fortgesetzte Bestreben, stets vom Neuesten das Beste der schon vorhandenen Waaren-Auswah! htnzuzufügen. Den besten Beweis hierfür liefert der soeben erschienene Herbst» Eatalog des genannten Geschäfts; die Menge der in demselben durch zahlreiche Äbbildunaen veranschaulichten A, tikel ist ganz erstaunlich. Es liegt im Interesse des Einzelnen, wie jeder Familie, sich den erwähnten Eatalog kommen zu lassen. Das Versandgeschäft My & Edlich in Leipzig-Plagwitz versendet denselben auf Verlangen überallhin unentgeltlich und portofrei. G. Hennebergs „Monopolseide66 ist das Beste! Nur direct! (3473 Bekanntmachung. Montag den 7. ds. Mts., Mittags 12 Uhr, werden auf dem Submissionswege zurückgesetzte Weißzeug- und Kleidungsstücke, altes Eisen u. s. w. vergeben. Offerten sind bis zum genannten Termine einzureichen. Bedingungen liegen auf dem Verwaltungs-Bureau Nachmittags von 3—5 Uhr offen. [7910 Gießen, den 3. September 1891. Großherzogl. Verwaltungs - Direction der chirurgisch-ovhthalm. Universitäts- Klinik. Attlgeboienes. Fettlaugenmehl (Seifenmehl, Seisenpulver), per Pfd. 18 Pfg., für Mt. 1.60, 25.Pfd. für Mk. .3.75 offerirt [6312 Fr. Seibel. Das Neueste und Eleganteste in Kinderwagen trifft stets ein bei A. Kilbinger (L. Senner- Nachf), Seltersweg 19. [1422 Cramer & Buchholz Rönsahl und Rübeland 1. W«stf. i. Harz. Melchior Buchholz Bohn, Rönsahl, früher in Lennep, altrenommirteste Jagd- u. Scherben-Pulverfabriken empfehlen ihre allen Anforderungen der modernen Waffen- technik entsprechenden und mehrfach mit den höchsten Preisen ausgezeichneten Fabrikate: 5105 Diana- Pulver -xtra bestes Jagdpulver, in grober und feiner Körnung» tM Deutsches Scheiben- Pulver (nasser Brand), Körnungen 4 8 Verkaufsstellen in fast allen Orten. 1 Vollständiger Ersatz für Bordeaux! Vino d’Apulla. 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Drei Gründe sind es, die da zu größter Vorsicht mahnen: 1. die seit Jahrhunderten bekannte Thatsache, daß der Genuß eines mutterkornhaltigen Brodes schwere Erkrankungen bei den Menschen hervorzubringen vermag- 2. die Möglichkeit, daß auch unsere landwirthschastlichen Nutzthiere nicht minder gefährlichen Zufällen durch seinen Genuß ausgesetzt sind, besonders wenn viel Trespe unter dem Roggen gewachsen ist, die oftmals arg von diesem Pilz befallen wird, oder wenn „Roggenabgang", der Mutterkorn enthält, an die Thiere verfüttert wird- 3. die Gefahr der Uebertragung der Mutterkornwucherung von einem Jahr in's andere. Das Mutterkorn ist kein verunstaltetes Roggenkorn, sondern ein Gebilde, das aus dem Gewebe des in einem oder mehreren Blüthenständen der Aehre sich ansiedelnden Pilzes erwachsen ist und die Aufgabe hat, die Uebertragung des Pilzes von einem Jahr aus das andere zu besorgen. Gelangt das Mutterkorn in den Boden, oder steht ihm in seiner jeweiligen Lage im Frühjahr eine mäßige Feuchtigkeit zu Gebot, so entwickeln sich aus ihm weitere Pilzkeime: aus einem Mutterkorn oft mehrere Hunderttausende, ja bis zu einer Million. Gelangen diese Keime in die Blüthen geeigneter Gräser, unter denen Raygras, Fuchsschwanz, Knaulgras, Roggen die erste Stelle einnehmen, so treiben sie in den Fruchtknoten weiter aus und entwickeln, bevor sie zum eigentlichen Mutterkorn werden, eine Zwischenform, in der der Pilz in reichlicher Menge eine süße, klebrige Flüssigkeit ausscheidet, die den Landwirthen unter dem Namen „Honig- thau" bekannt ist. Im Honigthau lagern aber ebenfalls wieder Keime des Pilzes und ihre weitere Uebertragung von Aehre zu Aehre kann unmittelbar erfolgen, zumal wenn durch Regen der Schleim verdünnt und unterhalb stehende Blüthen von höherstehenden benetzt werden, oder mittelbar, indem die Keime von den Füßen und dem Rüssel der dem süßen Saft nachgehenden Jnsecten aus andere Blüthen verschleppt werden. Aus jeder so angesteckten Blüthe ragt alsdann seiner Zeit das Mutterkorn hervor. Das Mutterkorn verursacht nicht nur einen directen Ausfall an Früchten, es setzt auch, diesen beigemengt, ihren Gebrauchswerth herab. Man hat daher allen Grund, der Verbreitung des Pilzes entgegenzutreten, indem man den Ausgangspunkt der nächstjährigen Pilzentwickelung, d. i. das vorhandene Mutterkorn beseitigt. Dazu gibt es verschiedene Handhaben. Stark befallener Roggen muß zeitig und möglichst rasch geerntet werden, um das Ausfallen von Mutterkörnern auf dem Feld zu verhindern. In der Scheuer und aus dem Boden läßt sich dann mit guten Sieben leicht eine Sonderung bewirken- nöthigensalls kann man die Wirkung noch durch Nachlesen mit der Hand verbessern. Diese Arbeit lohnt sich überdies darum, weil das Mutterkorn von den Droguisten sehr gesucht wird und hoch im Preis steht — 1 Kilo 3,25 Mk. Das zur Saat bestimmte Getreide muß selbstverständlich vollkommen frei von Mutterkorn sein. Das ausgelesene Mutterkorn darf unter keinen Umständen verfüttert werden. Man wirst es in die Jauchegrube und läßt es dort verfaulen. Radical wird aber selbst das gewissenhafteste Auslesen nicht wirken können, wenn es nicht in Verbindung mit noch anderen Maßregeln geschieht. An Rainen, Grabenrändern u. s. w. wildwachsende Gräser sind oft ebenso reichlich mit demselben Mutterkorn besetzt wie der Roggen. Da der Pilz von ihnen auf den Roggen übergehen kann und umgekehrt wieder, so müssen sie abgemäht werden und zwar vor der Blüthe oder wenigstens dann, wenn sich die ersten Spuren des Honigthaues zeigen. Dieser Gesichtspunkt kann auch maßgebend für die Behandlung der Wiesen bezw. die Wahl des Zeitpunktes für die Heuwerbung werden. Herr Geheimerath Dr. Jul. Kühn hat schon 1875 auf die sehr bemerkenswerthe Thatsache aufmerksam gemacht, daß, weil die Mutterkornbildung erst bald nach der Blüthe eintritt, besonders das Heu von einschürigen Wiesen, die in der Regel etwas später gemäht werden, ver- hältnißmäßig häufiger Mutterkorn enthält, als das im Beginn der Blüthezeit gewonnene Heu drei- oder vierschüriger Wiesen. Indessen kann auch das Heu zweischüriger Wiesen dasselbe in beträchtlicher Menge bergen, wenn sehr frühe Gräser, wie Wiesenfuchsschwanz und Knaulgras, mit den Hauptbestand derselben bilden. Zur Vermeidung dieses Uebelstandes empfiehlt es sich, die sonst wohl mit Recht verpönte Frühjahrsbeweidung in Anwendung zu bringen. Den Schafen kommen dabei die zeitig sich ausbildenden Gräser im jugendlichen, nährkräftigsten Zustande zu gut und ihre fernere Entwickelung hält mit der der übrigen Gräser mehr gleichen Schritt. So genützt, besitzen sie auch später im Heu eine vorzügliche Beschaffenheit und, was die Hauptsache ist, die Ausbildung des Mutterkornes ist abgeschnitten. Natürlich darf die Beweidung keine zu scharfe sein und auch nicht länger als etwa bis Mitte April fortgesetzt werden. Schließlich wird auch unter sonst gleichen Umständen weniger Mutterkorn entstehen, je mehr es gelingt, sämmtliche Getreidepflanzen zu gleichzeitiger Entwickelung zu bringen, weil dann die Zeit, wo für die Ansteckung empsängnißfähige Roggenblüthen vorhanden sind, möglichst abgekürzt ist. Die Auskunftsstelle der Deutschen Landwirthschafts-Gesellschaft für Pflanzenschutz. 7. Gau. K. Stimmet. Locales uttö Provinzielles. Gießen, 5. September. — Schenkung. Frau Helene Keller zu Darmstadt, Wittwe des im November v. I. dortselbst verstorbenen in den weitesten Kreisen bekannten und hochgeschätzten Commerzien- : rathes Heinrich Keller, welcher durch seine Sachkenntniß, I unermüdliche Betriebsamkeit und strenge Solidität Darmstadt zu einer Metropole für den deutschen Waldsamen- und Grassamen-Handel erhob, hat — einem letztwillig ausgesprochenen Wunsche ihres Gatten zufolge — dem akademischen Forst- inftitute der hiesigen Universität eine großartige Schenkung zugehen lassen. Dieselbe besteht aus einer höchst werthvollen Büchersammlung, einem sehr instructiven Grassamenalbum, sowie einigen sonstigen Collectionen (Samen von Unkräutern, Herbarium von Alpenpflanzen :c.) Den ersten Rang in der Büchersammlung nehmen die beiden reich illustrirten zweibändigen Prachtbände von A. Alphand (Lee promenades de Paris und Eugene de Gayffier (Herbier forestier de la France) ein. Hieran schließen sich eine große Anzahl von Jahrgängen der wichtigsten deutschen, französischen und englischen Forstzeitschriften, sowie endlich einzelne werth- volle forstliche und botanische Werke, welche zum größten Theil der neueren Zeit angehören. Die Sammlung umfaßt im Ganzen etwa 190 Bände. Nachdem die erforderliche landesherrliche Bestätigung des Geschenkes erfolgt ist, hat die Sammlung in einem besonderen Schranke in dem forstlichen Auditorium der Aula Aufstellung gefunden, um den Studirenden stets vor Augen zu stehen; und ist ferner von Seiten der Direction des akademischen Forstinstituts die Einrichtung getroffen worden, daß sämmtliche Bände auf Wunsch an die Studirenden der Forstwissenschaft leihweise verabfolgt werden. Die Absicht der hochherzigen Geber, durch diese Schenkung den forstlichen Unterricht zu fördern, dürste hierdurch am vollständigsten erreicht werden. Literatur und Aunft. — Wir wollen nicht verfehlen, unsere geehrten Leserinnen und Leser auf dos soeben in 12. Auflage erschienene Merkchen: »Praktische Anleitung'zur Glanzplätterei — Bügelei — und zur «unft- Plätterei, von Rosa von EichenselS". Preis 1 JL. Vertag von Fritz Schulz jun., Leipzig, aufmerksam zu machen. Schon der Umstand, daß sich eine 12. Auflage nöthig machte, spricht dafür, daß dasselbe bet der geehrten Damenwelt freundliche Beachtung gefunden hat. Auch überzeugt uns ein Durchblättern desselben, baß es eine solche in der That verdient und durch feine gründliche aber faßliche Darstellungsweise wohl geeignet ist, der Damenwelt bei der Aneignung der verschiedenen Plätterei-Methoden, insbesondere der so beliebten Amerikanischen Glanzplätterei, große Dienste zu leisten. — Im Uebrigen erscheint dieses Büchlein in der neuen Auflage, dem gegenwärtigen Geschmack entsprechend, in eleganter Ausstattung, so daß es auch als Gelegenheitsgeschenk an die liebe Gattin oder Tochter gute Aufnahme finden wird. - Hundert Mark Belohnung. Die Fälle von betrügerischem Mißbrauch mit der Marke „Zacherltn" hören leider nicht auf, sich zu ereignen! Die Firma I. Zach erl in Mim steht sich deshalb genöthigt, allerorts bekannt zu geben, daß sie zur Abwehr solchen Unfuges eine Belohnung von 100 Mark an Jedermann baar auS- bezahlt, durch dessen Informationen ste in den Stand gesetzt worden ist, die gerichtliche Verurtheilung in einem mit ihrer Marke stattgehabten Mißbrauchsfalle herbeizuführen. „Zacherltn" — dieses anerkannt vorzüglichste Mittel gegen alle Jnsecten — darf man ja nicht mit dem gewöhnlichen Jnsectenpuloer verwechseln, denn „Zacherltn" ist eine ganz eigene Spectalität, welche nirgends und niemals anders existtrt als in versiegelten Flaschen mit Schutzmarke und dem Namenszug „I. Zacherl". Mer also „Zacherltn" verlangt und dann irgend ein Pulver in Papier-Düten oder Schachteln dafür anntmmt,--ist damit sicherlich jedesmal betrogen. Feuilleton. Der Sanitatsrath. Es war um Mitternacht. Tiefe Stille herrschte in dem einfach eingerichteten Zimmer. Ein mildes Licht flnrhete wie Mondschein durch den Raum und ließ die einzelnen Gegenstände klar und deutlich hervortreten. Der Sanitätsrath saß vor dem Bette seiner schwerkranken Tochter. Das junge Mädchen schien zu schlummern; sanft, kaum merklich hob und senkte sich die Brust. Blonde, lockige Haare umrahmten das schöne marmorblaffe Antlitz und fielen in langen Wellen bis auf die Schultern nieder. Isolde war das einzige Kind des alten Mannes, der Sonnenschein seines Hauses, seitdem die । Gattin und Mutter einer heftigen Krankheit erlegen war. Mit sorgenvollen Blicken beobachtete der Vater das Gesicht seines Kindes. Zuweilen fühlte er nach dem Pulse oder legte kühlende Compreffen auf die Stirn der Sterbenden. Er wußte als erfahrener Arzt, daß keine Menschenkunst mehr za helfen im Stande war. Da wurde plötzlich die Hausschelle gezogen. Schrille Glockentöne drangen bis in das Zimmer der Kranken. Der Sanitätsrath schreckte empor und erhob sich. Nach Verlaus einiger Minuten schon trat eine ältere Frau, die Schaffnerin des Hauses, leisen Schrittes in das Zimmer. „Was gibt es, Bertha?" fragte der Sanitätsrath mit gedämpfter Stimme.. „Es war ein armer Mann da, ein Arbeiter, wie es schien, und bat, Sie möchten zu seiner Frau kommen, die in Kindesnöthen liege. Ich habe ihn aber abgewiesen und gesagt, Sie könnten von Ihrer todt- kranken Tochter nicht fort- Sie säßen oben im Krankenzimmer. Da ist der Mann wieder gegangen. Er will einen anderen Arzt suchen." Die armen Leute gingen am liebsten zu dem Sanitätsrath- sie wußten, daß sie hier immer eine offene Hand und ein warmes Herz fanden. Der Sanitätsrath nickte feiner Haushälterin mit dankbaren Blicken zu und setzte sich wieder an das Krankenlager seines Kindes. Eine ehrfurchtgebietende Erscheinung: das Haar schneeweiß, Stirn und Wangen tief gefurcht. Es lag ein Zug von Wehrnuth und sanfter Trauer auf dem ganzen Gesicht, aber aus den klaren Augen leuchteten Freundlichkeit und Herzensgüte. WaS mochte wohl in der Seele des Mannes vorgehen, während er mit zitternden Händen die Rechte feines Kindes umschlungen hielt? Alte Erinnerungen, freudige unb traurige, stiegen ans und leuchteten in verklärtem Glanze. Er überdachte noch einmal fein Leben, das ihm Tage der Lust und ein Ucbermaß von Leid gebracht hatte. Er gedachte der Zeit feiner Liebe, wo er Isolde, deren^Ebenbild jetzt vor ihm lag und mit dem Tode rang, zuerst gesehen und kennen gelernt; wie er um sie geworben- wie er sie in der süßesten Stunde seines Lebens an die Brust zog und in ihren blauen Augen einen ganzen Himmel voll Seligkeit erschaute und dann den ersten heiligen Kuß auf ihre reinen Lippen drückte. Festlich geschmückt sah er sie an feiner Seite zum Altar schreiten, eine strahlende, glücklächelnde Braut. Noch einmal erlebte er im Geiste all die Tage des Glückes, all die Stunden höchster Seligkeit, die Geburt seines Kindes, die reichen Freuden, die er im Kreise seiner Familie genossen hatte. Dann kamen traurige Zeiten, trübe Stunden, die böse, heimtückische Krankheit, die ihm sein Weib, sein Alles nahm. Wieder erklangen die dumpfen Trauertöne der Sterbeglocken- er sah, wie der Sarg in das Grab hinabgesenkt wurde- er erlebte noch einmal die entsetzlichste Stunde seines Lebens, als er sein Kind, das kostbare Vermächlniß seines Weibes, am offenen Grabe unter heißen Thränen an die schmcrzzerrifsene Brust preßte. Der alte Mann stützte fein müdes Haupt in beide Hände und brach in Schluchzen und Thränen aus. So verrann Minute auf Minute. Man hörte nur das leise Ticken der Wanduhr. Da wurde noch einmal an der Hausglocke gerissen, gewaltsam, heftiger als das erste Mal, so daß die Kranke erwachte und die Augen auffchlug. Sie sah mit liebevollen Blicken ihren Vater an und lispelte kaum hörbar: „Vater, geh! ein Kranker verlangt Dich." Mittlerweile war Bertha wieder ins Zimmer getreten. „Herr Sanitätsrath, der Mann ist wieder da und will sich durchaus nicht abweifen lassen. Er kann, wie er sagt, in der ganzen Stadt keinen Arzt finden. Doctor Müller ist verreist, Doetor Schulze will nicht mitkommen, da der Mann nicht sofort bezahlen kann. Die Frau ist Mutter von fünf Kindern und muß sterben, wenn nicht schleunigste Hilfe kommt." „Vater, geh! Vater, geh!" hauchte Isolde. Der Sanitätsrath küßte sein Kind, drückte noch einmal ihre Hand und verließ dann festen Schrittes, ohne noch ein Wort zu sagen, das Zimmer. Vor der Hausthür übergab er dem Manne, der sich in Dankes- worten erschöpfte, seine Jnstrumententasche und bann schritten sie beibe in die Nacht hinaus durch die menschenleeren, hallenden Straßen. Als der Sanitätsrath nach einigen Stunden zurückkehrte, war Isolde bereits verschieden. Um das Sterbelager standen die Hausbewohner, ergriffen von der gewaltigen Majestät des Todes, und weinten. Der alte Mann aber brach im Ueber- maße des Schmerzes zusammen. Nach einigen Wochen entschlief auch er. In den Zeitungen wurden die Verdienste gepriesen, die der Verstorbene sich um das Wohl der Menschheit erworben hatte. Selbstverständlich war die Theilnahme an der Beerdigung eine großartige. Voran zogen Vereine mit umflorten Bannern und Fahnen, dann kam der Leichenwagen, von vier Pferden gezogen, mit kostbaren Kränzen, Schleifen und Palmwedeln geschmückt, dann die trauernden Verwandten mit nachdenklichen Gesichtern. Vielleicht mochte der eine oder andere von ihnen berechnen, was ihm aus dem Nachlasse zufallen würde, wenn der Alte der Noth und dem Hunger der Armen gegenüber nicht gar so verschwendungs- süchtig gewesen wäre. Dann folgte die übrige Menge der Leidtragenden, paarweise, schwarz gekleidet unb stumm. Am offenen Grabe hielt der Pfarrer eine nach Form und Inhalt vollendete ergreifende Rede, sprach ein Gebet- die Fahnen wurden geschwenkt und hierauf der Sarg an den knarrenden Seilen in die dunkle Gruft hinabgesenkt. Verwandte unb Bekannte warfen, gleichsam als letzten Gruß, drei Spaten voll Erde auf den Sarg und drückten sich gegenseitig die Hände mit unendlich traurigen Mienen unb Gesichtern. Allmälig verlief sich die Menge. Nur der Todten- gräber war noch mit dem Zuwerfen des Grabes beschäftigt. Da kam eine ärmlich, aber sauber gekleidete Frau geschritten. Auf den blaffen Wangen lagen noch die Spuren einer schweren, erst kürzlich überstandenen Krankheit. Sie trug einen Säugling auf dem Arme, während fünf Kinderchen, Knaben unb Mäbchen, nebenher gingen. Jebes Kinb trug ein einfaches Sträußchen von Feldblumen, wie sie am Wege wachsen, in ber Hanb. Die grau ging schüchtern unb ängstlich auf bas Grab zu unb wies bie Kleinen an, ihre Sträußchen nieder- zulegen. Alle fünf, ber Reihe nach, bie größten zuerst, befolgten bas Gebot ber Mutter, bie unterdessen mit gefalteten Händen dastand unb finnenb in bie Grube hinabsah. Erstaunt beobachtete der Tobtengräber bas ihm sonderbar vorkommende Treiben. Als die Frau sich daher zum Gehen wandte, fragte er: „Sie haben den Sanitätsrath wohl auch gekannt?" Wie Sonnenschein zuckte es über die blassen Züge ber Frau unb tnbem sie mit leuchtenben Augen die Schaar ihrer Kinder überblickte, antwortete sie: „Der gute Doctor hat diesen Kindern die Mutter gerettet." frigribffl 1 tzs datz der Mttwoö und Nack ten Best eine Au wird. > und alle Lan lung des beziehen tember l nachbM/i einzureiche Es ■ 1)2 Als 91 « ®«a 2) Die Lei 1 dJ Der vor auf 9li ur an 3) D- r» der Sie § EWtinac *Wlbuitgi ^lneinderc N der! Adrigen Unterzeichn Die Wochen qi ten und j "heben zu @ief Der D, ßs-rrie- *iV- IX nichnal gü |uW #oni Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der^Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Diverse CHigottotmu 100.— KeitzBotenes Umgegend 4330 J. Happel, Neustadt 56. 4279 A Zu haben In Glessen bei C. Fr« Conrad. Mit der schwacher werden Tendenz der Wiener Börse begann die Bewegung in deutschen Banken größeren Umfang anzunehmen. Es sind offenbar Deckungen, die hier ihre Wirkung ausüben, denn von günstigeren Aussichten für deutsche Banken ist Nichts zu berichten. Dafür spricht auch die ausgiebige Steigerung vonDisconto- Commandit von etwa 5%, welche die Gewinne aller anderen Banken wett überragt. Handelsgesellschaft, Dresdener und Deutsche Bank konnten ihre Eourse nur um etwa 3Vr % ausbessern. Darmstädter hingegen sind abermals schwächer und zwar im Anschluß an die matte Haltung der Portugiesen. Man hat in dieser Woche von einem Arrangement mit den Inhabern der 3% Bonds gesprochen, denen für die Zukunft eine 2°/g Verzinsung angeboten werden solle; und obgleich diese Gerüchte ein Dementi erfuhren, so mußte doch der Cours der Bons wieder auf seinen tiefsten Stand zurücksinken. Sonst war der Anlagemarkt fest, nicht in dem Maße, daß große Coursgewinne zu verzeichnen wären, doch so, daß die günstige Disposition des Marktes auch hier einen bescheidenen Ausdruck fand. Chilenen gewannen 6% auf die Beendigung des Bürgerkrieges, und indirect übte dieses Ereigniß auch seine Wirkung auf Mexikaner, die etwa 2% avanctren konnten. MMehteee • lageelear ■ Schal» W erkmeiiter • Male. » Voranurrtebt freL — 1W-W Rittloreii Diese epochemachende, äusserst wichtige Erfindung bezweckt, bei Tag dunkle Räume, als: Schaufenster, Zimmer, Keller, Comptoirs, Werkstätten etc. mit überraschendem Erfolge und ohne weitere Kosten tageshell ZU erleuchten. 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Man könnte geneigt sein, denselben in den Positionsverhältnissen zu suchen, und in der That wären diese geeignet — worauf schon früher hinge- wiesen wurde — einen Rückschlag zu verursachen, dann aber wäre doch der Verlauf der Liquidation mit ihren inmitten der höchsten Dcportsätze stark weichenden Coursen nicht recht verständlich, und sieht man selbst davon ab, so würde doch der Anlaß fehlen, da die Speculation zu einer plötzlichen und freiwilligen Aufgabe einer kurz zuvor mit Eifer verthetdigten Position veranlassen könnte. Die ganze Bewegung scheint daher den Stempel der Willkürlichkeit zu tragen, besonders deßhalb, weil die Rollen vertauscht sind, und die Wiener Börse, die bei einer leidlichen Ernte und dem günstigen Verlauf des Saatenmarktes noch Grund zur Festigkeit hat, zu Realisationen neigt, während Berlin offenbar steigende Course begünstigt. Fast scheint es, als ob diese Willkürlichkeit in Zukunft noch eine größere Rolle spielen sollte, als bisher. Zu verwundern wäre dies nicht, denn da aller Einfluß auf das Publikum verloren ist, da die sonst führenden Ftnanzhäuser in Unthättgkeit verharren, so ruht die ganze Coursbewegung in den Händen der Speculation, und wie sehr bet dieser Neigungen und Meinungen, auch nur der Wunsch, Bewegung zu schaffen und Positionsverhältnisse mitsprechen und die Coursbewegung von dem Wege, den ihr wtrthschaftliche Gesetze vorschreiben, abdrängen, ist genugsam bekannt. Eine wenigstens zum Theil hinreichende Erklärung für den plötzlichen Tendenzumschwung vermag man vielleicht in der festen Haltung der auswärtigen Börsen zu erblicken. Es ist bekannt, eine wie reichliche Ernte Amerika in diesem Jahre eingeheimst hat. Seit einigen Wochen bereits haben die Verfrachtungen begonnen und die Ziffern, die da zum Vorschein kommen und mehr noch die Berechnungen, die man über den Gesammtertrag der Ernte anstellt, üben eine ganz außerordentliche Wirkung auf die Börsen des Landes, und es ist nicht zu verwundern, wenn sie in einen wilden Haussetaumel hineingerissen werden. London, auch nicht Paris, kann sich gegen diesen Einfluß verschließen, denn das Interesse, welches namentlich der erste Platz an amerikanischen Werthen hat, ist außerordentlich groß, aber auf diesem Umweg fällt auch auf die deutschen Börsen ein Abglanz dieser aufstrebenden Tendenz, weil die Gemeinsamkeit der Börseninteressen nicht zuläßt, daß der eine Platz in tiefster Entmuthigung verharrt, während der andere steigende Tendenzen verfolgte. Aber man täusche sich nicht über die Tragweite dieses Einflusses. Was Amerika zum Vortheil gereicht, ist unser Nachtheil, denn die Gelder, die dort befruchtend wirken sollen, müssen hier dem Verkehr eptzogen werden. Zwar liegen die Geldverhältnisse heute günstiger, als noch vor wenig Wochen zu erwarten stand, aber diese Situation ist nur ein Product der Vorsicht, mit der Jedermann für den Herbstbedarf vor sorgte, und es hieße den ganzen Effect dieser Vorsorge auf das Spiel setzen, wollte man auf die gegenwärtige Geldflüssigkeit hin sündigen. Offenbar wird der Herbstbedarf außerordentlich groß, nicht nur wegen der Rimessen in das Ausland, sondern namentlich wegen der hohen Getreidepreise, die ungefähr ein Dlittheil mehr an Capital absorbiren werden als sie es jemals innerhalb des letzten Decenniums gethan haben. Wie weit die getroffene Vorsorge dem thatsächlichen Bedarf gerecht werden wird, bleibt eine Frage, die selbst nicht schätzungsweise beantwortet werden kann, und wenn auch die Börse selbst einen weit geringeren Geldbedarf fordern mag, als in früheren Jahren, so ist immerhin nicht ausgeschlossen, daß der Octobertermin noch eine empfindliche Versteifung der Geldsätze bringen wird. Noch weniger aber als diese Verhältnisse scheinen die Gerüchte über eine neue russische Anleihe für eine Aufwärtsbewegnng der Course zu sprechen. Dieselben sind im Anfang der Woche aufgetreten und haben sich trotz mangelnder Bestätigung hartnäckig erhalten. Es ist in der That höchst wahrscheinlich, daß der russische Ftnanzminister den gegenwärtigen Verbrüderungs nlhusiasmus der Franzosen dazu benutzt, um sein im Frühjahr dieses Jahres gescheitertes Anletheproject wieder flott zu machen. Wie groß die Anleihe sein, und welche Verzinsung sie tragen wird, das alles steht dahin und ist auch nur von nebensächlichem Interesse, die Hauptsache wird sein, daß dem französischen Markt, der nach all den Schicksalsschlägen, die ihn getroffen und trotz seiner äußerlichen Festigkeit für die heimische Beute schon längst den Krankheitskeim in sich trägt, abermals die Aufnahme neuen Materials zugemuthet wird. Von der Politik soll nicht gesprochen werden, sie ist eine unmeßbare Größe, und wie bedeutungsvoll sie auch sein mag, in börsenmäßige Speculation läßt sie sich nicht einschließen, aber auch ohne den politischen Hintergrund scheint unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine neue Anleiheemtssion fein Haussemotiv zu fein, weil sie zu den bestehenden Verpflichtungen dem Markt nur neue Lasten auferlegt. Wozu der russische Finanz- mintfter den Anlehensbetrag benutzen wird, ist nicht klar, daß er trotz einer vollen Kasse und großen Guthaben im Auslande Geld braucht, beweisen die Neuausgaben von Rubelnoten, von denen nun innerhalb 14 Tagen 100 Millionen verfügt wurden. Angeblich erfolgt die Ausgabe gegen volle Gelddeckung, aber dieses Geld kann doch nur der Deckung für die bereits umlaufenden Noten entnommen sein und diese Hinterlegung des Betrags ändert also nichts an der Thatsache der Schaffung neuer Umlaufsmittel mit Hülfe der Notenpresse. Es berührt eigenthümlich, wenn man mit dieser Sachlage die Entwicklung des Notencourses verfolgt. Von 202 in der Vorwoche ist er auf 216 gestiegen, das ist weit mehr als das ganze Ausfuhrverbot den Cours geworfen hat. Man spricht von effectioem Bedarf, und das Verhältniß der Kassa- zur Zeitnotiz scheint in der That darauf hinzuweisen, aber eingestandener Matzen war derselbe in der Vorwoche schon gedeckt, und man steht daher hier wie vor manchem Anderem vor einem Räthsel. Der Verkehr blieb trotz der theilwelse beträchtlich günstigeren Course eng begrenzt. Im Anfang der Woche dominirte Wien, wo die beginnenden Getreideexporte und der Saatenmarkt die schon in der Vorwoche constatirte günstige Stimmung erhielten. Am lebhaftesten beschäftigte sich die Speculation mit der Staatsbahnactie, nicht nur auf Grund der ihr erwachsenden Transporte, sondern namentlich in Hinsicht auf den gesteigerten Ertrag der Domänen und deren schon länger geplante Umwandlung in eine selbstständige Actiengesellschcfft. Von 239, wo wir ihn am Schluß der Vorwoche ließen, sprang der Cours bis Dienstag auf 248, und die übrigen Course aoancrten im Verhältniß. Seitdem ist eine Ernüchterung eingetreten und die Course sind wieder rückgängig; aber es bleiben immer noch hübsche Gewinne bestehen. Sie betragen bei Böhmische Westbahn 9 fl., Buschtherader 8, Duxer 10 । und die beiden Nordwest 2 fl. Lombarden hatten wieder unter Hochwasser zu leiden und sind, obgleich wieder erholt, doch eine Kleinigkeit schwächer. Schweizer Bahnen, namentlich Gotthardt, sowie auch die italienische Mittelmeerbahn, profitirten durch zunehmenden Waizenexport von Indien, der, wie man ' erwartet, in diesem Jahre die jemals erreichte höchste Ziffer liefern wird. C. Th. Gläsener _______Asterweg 44.______ 5v/o Buderus-Obligat. . 1102.501102.60 Fayence- und Thomsen. Alleinverkauf der beliebten Fabrikate des Hoflieferanten Herrn Gaertler in Darmstadt bei [7694 A. Kröll, Gießen. 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