Nr. 153 Zweites Blatt. Sonntag den 5. Juli Die Gießener »erden dem Anzeiger «tchmtlich dreimal beigelegt. WHmer Anzeiger Kenerat-MnzWger. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme de- MontagS. 1891 Vierteljähriger AvonnemenlrPreiSt 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn. i Durch die Post bezöge 2 Mark 50 Pfg. Rebaction, Expedttts« und Druckerei: Achntstrnße Ar.H. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. 111,11 - - ' _ .......—----- --------- ---------------------------- ' "LI"-— ..... .......-------- — «nnabw. von Anzeigen zu der Nachmittag» für den Köc «nnoncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehmen kalgenven Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Anzeigen für den .Gießener Anzeiger" mtgegen. Anrtttchev Theil. Nachstehende Bekanntmachung wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, am 25. April 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, den Ankauf von Remonten für 1891 betreffend. Zum Ankauf von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Groß- herzogthums Hessen für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden und zwar: am 13. Juli d. I. in Großbieberau ,/ 14. „ „ „ ,, Bickenbach „ 15. „ „ „ „ Lampertheim „ 16. „ „ „ „ Gernsheim ,/ 17. „ ,, „ z/ Großgerau. Die von der Remonte-Ankauss-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt. Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, ebenso Krippensetzer und Klophengste, welche sich in den ersten zehn bez. achtundzwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigentümlich gehören, oder durch einen nicht legitimirten Bevollmächtigten der Commission vorgestellt werden, sind vom Kauf ausgeschlossen. Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hans mit zwei mindestens 2 Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben. Um die Abstammung der vorgesührten Pferde seststellen zu können, sind die Deckscheine resp. Füllenscheine mitzubringen, auch werden die Verkäufer ersucht, die Schwelfe der Pferde nicht zu coupiren oder übermäßig zu verkürzen. Ferner ist es dringend erwünscht, daß ein zu müßiger oder zu weicher Futterzustand bei den zum Verkauf zu stellenden Remonten nicht stattfindet, weil dadurch die in den Remonte- depots vorkommenden Krankheiten sehr viel schwerer zu überstehen sind, als dies bei rationell und nicht übermäßig gefütterten Remonten der Fall ist. Die auf den Märkten vorzustellenden Remonten müssen daher in solcher Verfassung sein, daß sie durch mangelhafte Ernährung nicht gelitten haben und bei der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet sind. Kriegsministerium Remontirungs-Abtheilung. v. Arnim. Führer für Lsien durch die Internationale Electrotechnische Ausstellung in Frankfurt s. M. Wie so Vieles, was im Publikum über die Internationale Electrotechnische Ausstellung verbreitet ist und als nicht zutreffend bezeichnet werden muß, so ist es namentlich auch die vielfach verbreitete Ansicht, daß diese Ausstellung speciell nur Interesse für Fachleute habe und für den Laien nur wenig Interessantes biete! Ost hört man die Aeußerung: „Von Maschinen und Electrotechnik verstehe ich nichts und die übrigen Sehenswürdigkeiten, wie z. B. Theater, Taucher, Irrgarten, Panorama rc. kosten alle extra und das ist mir zu theuer" rc. — Abgesehen nun davon, daß letztere Sehenswürdigkeiten Unternehmen sind, welche auch nach dieser Richtung hin alle Ansprüche in hohem Maße befriedigen und welche auch aus allen anderen Ausstellungen extra bezahlt werden müssen, so bietet die Ausstellung selbst für Jedermann ohne Unterschied des Standes und der Vorbildung so viel Interessantes und Belehrendes, daß alle obigen Vorurtheile verstummen müssen, gegenüber der Thatsache, daß durch diese großartige Veranstaltung zum ersten Mal alles geschehen ist, um bis aufs Kleinste vorzusühren, inwieweit es der Wissenschaft und Technik vereint gelungen ist, die Electricität in den Dienst der Menschheit zu stellen und nutzbar zu machen. Sehen wir ab von den zahlreichen Maschinen, Dynamos rc. für electrische Beleuchtung und Kraftübertragung, welch letztere jedoch namentlich für den Kleinfabrikanten und Handwerksmeister von weittragender Bedeutung sind, so sind es außerdem Hunderte von Erzeugnissen — Gebrauchs- und Luxus- gegenstände, welche uns hier vorgeführt werden, welche direct oder indirect, mit Hilfe der Electricität, oder des galvanischen Stromes erzeugt werden, zum Theil lucrative Handelsartikel bilden. Viele besuchen die Ausstellung, ohne gerade diese für jeden Laien interessanten Erzeugnisse genügend beachtet zu haben. Ebenso wie es unrichtig ist, daß die Ausstellung jetzt noch „unfertig" sei, ebenso unrichtig ist es, daß dieselbe nicht auch für das große Publikum im Allgemeinen des Interessanten, ohne besondere Nachzahlung irgend welcher Art, also nur für das Eintrittsgeld, genug biete. Wir halten es deshalb für angezeigt, unsere Leser aus interessante Neuheiten fortlaufend aufmerksam zu machen, die oft gerade in denjenigen Gebäuden ausgestellt sind, die der Laie zumeist nicht betritt, weil er sich sagt, was verstehe ich von „Electro-Chemie" rc. Gehen wir jedoch gerade einmal in die Halle für Electro-Chemie und ,wir finden hier vieles, was sehenswerth und interessant ist. Wenn wir die Halle betreten, sehen wir vorerst in der Mitte vor uns Metalltheile und Stücke ausgestellt (Deutsche Electricitäts-Gesellschaft). Es ist dies sogenanntes Aluminium-Metall, das vermittelst electrischem Strom und einem chemischen Verfahren aus einem Thon ausgeschieden und gewonnen wird, im natürlichen (unvermischten) Zustand silberähnlich weiß, ungemein leicht, zähe und bearbeitungsfähig ist und bereits eine große Rolle in der Industrie spielt. Die Aluminium-Schlüssel, welche uns gezeigt werden und an welchen der Schlosser nur den Barth entsprechend auszufeilen hat, stehen an Haltbarkeit den bisherigen Eisenschlüsseln in keiner Weise nach und sind so leicht, daß 3 Stück nicht mehr wiegen als ein ebenso großer Schlüssel von Eisen, und da diese neuen Schlüssel unwesentlich theuerer sind als eiserne Schlüssel, so dürften solche ihrer Vorzüge halber bald an Stelle der Eisenschlüssel treten. Die mannigfachsten Gebrauchs- und Luxusgegenstände aus diesem Metall, als z. B. zierliche Schalen, Feuerzeuge, Leuchter, Schreibzeuge, Taschenuhren, Bierseidel, Cigarren- Etuis 2C. rc. in eleganter Ausführung und verblüffender Leichtigkeit finden wir in der Verkausshalle, am unteren Ende links der Ausstellung. Wenden wir uns nun wieder nach der Halle für Electro- Chemie zurück und begeben uns von der Vorhalle die Treppe hinab, so begegnen wir hochinteressanten Erzeugnissen der Galvanoplastik, welche von der Firma Trautmann & Co., München, ausgestellt sind. Es sind dieses metallisirte d. h. auf galvanischem Wege mit den verschiedensten Metallen (Kupfer, Silber, Gold rc.) überzogene natürliche Blumen, Blätter und Gräser, Blumenbouquets, Kränze, Fruchtstücke und sonstige Zimmerdecorationsstücke, in prächtiger Ausführung und Auswahl bis zu den kleinsten Gegenständen, Photographie-Rahmen, Schmucksachen (Brochen) rc. Diese Trautmann'sche Erfindung steht aus dem Gebiete der Galvanoplastik einzig da, denn so viel uns bekannt ist, ist diese Anstalt die erste, welcher es gelungen, lebende Blumen, wie z. B. Rosen, Maiglöckchen rc. direct mit Metall zu überziehen, so daß die natürliche Form, selbst die feinsten Staubsädchen, erhalten bleibt. Sehr schöne Decorationen von dieser Anstalt befinden sich in der Ausstellung, im Cafe Milani, der Bergrestauration, in der Calisornischen Weinstube rc. Wer sich sein Heim in Feuilleton. Hunger und Appetit. Ueber dieses hochwichtige Thema schreibt ein vielersahrener Praktiker unter Anderem Folgendes: Die Hygieiniker pflegen mit großem Nachdrucke die Verhältnisse außerhalb des Menschen zu betonen, seine Umgebung, Boden und Luft, Licht und Drainage und Reinlichkeit sind Worte, denen man überall begegnet, in Büchern, in Flugschriften, in öffentlichen Vorträgen, in privater Unterhaltung, und das sind nicht allein Worte, nein, diese Worte sind wesenhafte Dinge. Ohne sie ist keine ersprießliche Gesundheitspflege möglich, ihre Nichtbeachtung bringt Elend und Tod; nicht allein einzelne Krankheiten, sondern Epidemie und Pestilenz sind die Strafen ihrer Vernachlässigung. Aber außer ihnen gibt es noch andere Verhältnisse innerhalb des Menschen, die sein Wohlbefinden beeinflussen, deren Einwirkung sein Wohl oder Wehe bestimmt. Diese sind aber so schädlich, ja, bei Weitem schädlicher als die Miasmen, die unter dem glühenden Strahle der Augustsonne aus sumpfigem Boden gebrütet werden. Während wir der Umgebung des Menschen alle gebührende Wichtigkeit beilegen, dürfen wir nicht vergessen, daß in ihm selbst Kräfte walten, welche sein Geschick als Einzelwesen formen, ihn von gut zu besser erheben, oder die Quellen seiner Lebenskraft vergiften und versiegen lassen. Und dies sind vermeidliche Krankheitsursachen! Sehen wir uns den Esser ein wenig an: Der Esser denkt keinen Augenblick an die Thatsache, daß Hunger und Appetit ganz verschiedene Zustände sind. Hunger ist naturgemäß, Appetit ist künstlich; Hunger ist das Verlangen der Natur nach frischem Baumaterial- Appetit ist die Begier nach dem Trödelkram und den Kinkerlitzchen eines überspannten gesellschaftlichen Lebens- Hunger ist ein physiologischer, Appehit em pathologischer Vorgang. Der erstere ist leicht befriedigt, der letztere fast unersättlich- der erstere erhält und baut auf und geleitet uns durch die uns beschie- denen Lebensjahre- der letztere drückt uns nieder und überlastet uns mit einer unerträglichen Bürde - der erstere erneuert unsere Lebenskraft und gibt körperliche Befriedigung, der letztere führt krankhafte Ueberreizckng mit sich, deren beständiger Ruf ist: „Gib! gib!" Daher kommen die elendlichen, bejammernswerthen Gebilde der Verdauungsschwächlinge, der Dyspeptiker, die fortwährend über ihren von ihnen selbst mißhandelnden Magen jammern- daher die Gichtischen, deren Füße für die Schwelgereien bei Tische büßen müssen- daher die Herzleidenden, die sich alle Tage dem Tode nahe fühlen und vor Allem Angst haben, nur nicht vor einer wohlbesetzten Tafel. Wahrlich, die pontinischen Sümpfe sind nicht verderblicher als die prunkenden Hallen, in welchen dem Appetit gefröhnt wird! Der natürliche Hunger macht keine großen Ansprüche an die Kochkunst, aber der künstliche Appetit thut dies in seiner Gier - Gericht auf Gericht, eines immer stärker gewürzt als das andere, Pfeffer, Senf, pikante Saucen, Meerrettig, Paprika und Cayenne, in gesteigerter Beißkraft, bis der ganze Organismus überheizt ist, und die Versuche, mittelst Weines oder anderen Spirituosen Kühlung zu schaffen, schüren nur die Flammen noch höher. Ist das vernünftig? Es schlägt allen hygienischen und physiologischen Gesetzen ins Gesicht. Und es geschieht im Jahre 365 Mal und die Leute leben dahin, in thörichter Verletzung aller Vernunft, die sie schnell und mit absoluter Sicherheit zu Verfall und Untergang fühlt. Welches Organ auch immer bei einer schweren Krankheit in Mitleidenschaft gezogen sein mag, eine gute Verdauung bieret stets einige Hoffnung auf Wiedergenesung. So wird der Magen eines der besten Hilfsmittel der ärztlichen Behandlung. Alle anderen Organe sind an ihrem Platze natürlich sehr wichtig, aber die Verdauungskraft erhält alle anderen Organe in beständiger, gesunder Thätigkeit. Man kann mit Sicherheit behaupten, daß der Magen der beste Wiederhersteller eines zerrütteten Organismus ist. Ist auch der Magen zerrüttet, so ist für das ganze Gebäude keine Hoffnung mehr, so daß Vorsichtsmaßregeln, die Verdauungskraft möglichst stark zu erhalten, von der größten Wichtigkeit sind. Es gibt keine vollkommene Gesundheitspflege ohne ein moralisches Leben- dies gehört ebenso zu einer hygieinischen Lebensführung, wie Körperübung, Schlaf, Wasser und Seife. Medicin und Hygieine sind in ihrem Grundwesen durchaus practisch, sie verlangen auch nichts Unmögliches, es gibt aber auch keine menschliche Vollkommenheit. Die Menschheit ist in ihrem Grundwesen unvollkommen und wandert durch das Leben mit unsicheren Schritten. Aber so weit die unvollkommene Menschheit es kann, muß sie Krankheiten, namentlich vermeidliche Krankheiten, beseitigen. Wer sich einbildet, die Hygieine beabsichtige, dem Menschen ein Leben von tausend Jahren zu schenken, ist thöricht und unvernünftig. Auch der Zweiselsüchtigste muß zugeben, daß es vermeidliche Leiden gibt. Wer fein Auge gegen alle die großartigen Erfolge schließt, welche die Hygieine in den letzten fünszig Jahren zu verzeichnen hat, der ist ein getreues Abbild dessen, der Franklin, seine Philosophie und seine electrischen Versuche verlachte, der Generationen später Stephenson und die Locomotive verspottete, Morse und den Telegraphen anzweifelte und auf Bell und das Telephon stichelte. Und was sind diese Kräfte jetzt? Hauptfactoren im Handel und gesellschaftlichen Leben der Welt. Auch das strebsame Wirken der Hygieine hat seine Spötter, aber die Welt beginnt einzusehen, daß die Gesundheitslehre ein neues Capitel in der Geschichte der Menschheit: eröffnete. dieser neuartigen Weise ausschmücken will, verfehle nicht, diese interessanten Erzeugnisse der Galvanoplastik anzusehen, welche sich namentlich auch wie die aus Aluminium als Geschenke eignen. VevMtschtes. * Kassel, 30. Juni. Das Hess. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 11 ließ am Freitag zwei große Gedenktafeln unter dem Thorweg der Artillerie-Kaserne anbringen. Es sind auf denselben sämmtliche Schlachten und Gefechte der letzten drei Feldzüge, welche das Regiment mitgemacht, sowie die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften verzeichnet, welche den Heldentod für König und Vaterland vor dem Feinde starben. * Hamburg, 27. Ium. Der 22 jährige Steinhauer Theodor Herold und die 18jährige Zimmermannstochter Ida Schildknecht, von ihren Eltern an der ehelichen Verbindung gehindert, wurden gestern Nachmittag, mit Stricken um den Hals zusammengebunden, tobt aus der Bille gezogen. * Hamburg, 27. Juni. In der Generalversammlung der von den Socialdemokraten gegründeten Genossenschafts- bäckerei ist beschlossen worden, eine Bäckerei in großem Stile zu errichten. Die Genossenschastsbäckerei hat jede Woche für 12,000 Mk. Backwaare geliefert. * Was wird aus unseren Eisenbahnbrücken werden? Die Katastrophe von Mönchen st ein drängt unwillkürlich die Frage auf: Was wird aus all' den vielen eisernen Kunstbauten, welche das letzte halbe Jahrhundert geschaffen, einmal werden? Wenn die durch einzelne badische Blätter gehende Nachricht richtig ist, scheint Physikprosessor Eisenlohr zu Karlsruhe im Jahre 1851 bereits ein prophetisches Wort gesprochen zu haben: „Meine lieben Freunde", begann er einst, „nach ungefähr 30 Jahren werden die Eisenbahnbrücken plötzlich zusammenstürzen, und zwar in Folge dessen, daß durch die gewaltigen Erschütterungen, sowie durch die Sommerhitze und Winterkälte die Moleküle des Eisens gleichsam cristallisiren und mürbe werden. Dasselbe findet statt bei stark benützten Kanonen, die man schließlich mit einem Hammer wie Glas zerschlagen kann." Das ist eine verhängnißvolle Prognose, welche der bedeutende Physiker unserem Eisenbahnverkehr stellt, und man muß zugeben, daß dieselbe nicht nur theoretisch ist, sondern daß deren Nichtbeachtung zu den schwersten Folgen führt, wie wir aus der Mönchensteiner Katastrophe gesehen. Was läßt sich gegen solche mit dem Verkehr wachsenden Gefahren thun? Darauf hat der „Reichsanzeiger" kürzlich bereits eine beruhigende Antwort gegeben. Sollten die verschärften Controlvorschriften bezüglich der Tragfähigkeit der Eisenbahnbrücken größere Neubauten in naher Zeit nothwendig machen, so dürste sich ergeben, daß die sogenannte Reädificationsquote der meisten Eisenbahnverwaltungen zu nieder angesetzt worden ist, was für die Rentabilität von Privat- und von Staatsbahnen von größter Bedeutung sein wird. Andererseits könnte die durch die Erschütterung hervorgerufene molekulare Veränderung des Eisens einigermaßen durch schonendere Benutzung, das ist durch langsameres Fahren, geschwächt werden, und dürsten Vorschriften, welche die Maximalgeschwindigkeit für das Befahren von Eisenbahnbrücken feststellten, sich zweckmäßig erweisen. Mit einem steigenden Verkehr wächst die Rentabilität; es werden in diesem Falle die Neubaukosten leicht aus dem Ertrag zu beschaffen sein. Anders ist dies bei sinkendem Verkehr, welcher freilich vorerst aus den Bahnen nicht zu erwarten steht. Nichtsdestoweniger wäre die Möglichkeit dazu vorhanden, in manchen Fällen sogar zu befürchten. Hier dürften die Eisenbahnbrücken dem Schicksal älterer Monumentalbauten, von denen wir noch die Ruinen anstaunen, nicht entgehen, nur daß deren Verfall um so rascher sich vollziehen wird. Verkehr, £anö» und Volksrvirthschaft. — SchLdlichkett des frischen Heues. Da alljährlich noch Unglücksfälle durch Berfütterung von frischem Heu vorkommen, erinnern wir unsere Leser an die Gefahr, welche dieselbe mit sich bringt. Wodurch die schädliche Wirkung bedingt wird, ist noch wenig bekannt; vielleicht sind es niedrige Lebewesen, vielleicht müssen gewisse Stoffe, Amide usw. erst eine Umsetzung erfahren, um unschädlich zu werden. Die schwere Kaubarkeit trägt auch wohl mit dazu bei, um leicht (Sollten hervorzurufen, wie das für dumpfiges Grunfutter, welches längere Zeit im Hausen gelegen, ja allgemein bekannt ist. £iteratnr uitö Kunft — Das jüngste, 23. Heft der beliebten reich illustrirten Familien- Zeitschrift «Untoetfum* enthält folgende Beiträge: „Gretchen", Novelle von Emil Peschkau; „Das Zeitalter der Electricität" von M. Jlpe, mit Original-Illustrationen von Otto Strützel; „Räuberunwesen und Gaunerthum in der guten alten Zeit" von R. Mahren- holtz: „Eine mtßrathene Landparthie" von E. Liß-Blanc; „Der blinde Musiker", Erzählung von W. Korolenko; „Radu Gleoa", ein Roman aus Rumänien von Marco Brociner; Rundschau, Miscellen. Räthsel ?c. Von den Illustrationen sind als ganz hervorragend zu erwähnen: „Ein wichtiges Document" von B. von Loefen; „Eintritt verboten" von H. Zügel; „Großvaters Märchen" von W. B. Leigh. Der Preis für jedes Heft ist nur 50 Pfg. — Das soeben ausgegebene siebente Hest von ^Unsere Zeit" (Leipzig, F. A. Brockhaus) enthält den ersten Theil einer schön ge- schrtebmen und sehr spannenden Erzählung von A. von der Lahn „Aus dem Leben eines Einsamen". Adolf Brieger behandelt in eingehender Kritik „Die Verfasfungsgefchichte von Athen nach Aristoteles' neu aufgesundener Schrift", unter Berücksichtigung der d-utich-n Ausgabe K-ibels und Kießlings und der gegen »le Autor- schäft des Aristoteles erhobenen Einwendungen von Friedrich (Sauer. „DaS Seengebiet von Deutsch-Ostaftika" wird von Brix Förster auf Grund der Vergleichung aller seit 1858 erschienenen Reiseberichte geographisch dargestellt und durch eine beigefügte Kartenfcizze erläutert. In Anknüpfung an Robert Hamerltngs nach seinem Tode erschienenes Werk „Die Atomistik des Willens" legt Dr. Bernhard Münz die sestgeschlossenen philosophischen Anschauungen des Dichters auseinander. O. Otfried macht im Aufsatze „Mythologie und Urgeschichte" auf die Anschauungen des dänischen Gelehrten Vodskov aufmerksam, die dieser in seinem Werke „Seelencult und Naturcult zu entwickeln begonnen hat. Heber „Die Malerei auf der internationalen Ausstellung in Berlin" berichtet H. A. -Lier. Bernhard Deffau weist auf das gesteigerte Bedürsnitz der Großbetriebe nach „Künstlicher Kälte" und deren Anwendung hin. Ludwig Fuld spricht in Anlaß der im Herbste in der Schweiz bevorstehenden Volksabstimmung über den Gesetzentwurf, den Urwählern das Recht deS Initiativantrags zu gewähren, über „Das Referendum in der Schweiz". Eine Todtenschau schließt das Hest. Temperatur in Gießen. Juni 1891. Niederste.......4- 5,0 °B. Mittlere.......4- 13,20 „ Mittel früherer Jahre.....4- 13,12 „ Höchste ........ 4- 25,0 „ Niederschlag an 16 Tagen.....4,31 Par. Zoll. „ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,90 „ „ Der Stand der Vegetation ist am Ende des Monats im Durchschnitte noch um 11 Tage verspätet oder verzögert in, Vergleiche rum mittleren oder durchschnittlichen Stande früherer Jahre um dieselbe Zeit. Brodpreise vom 5. Juli bis 19. Juli 1891. Bei den Bäckern. 1 Kgr. (2 Psd.) Weißbrod . . . .....31 bei I. Horn 30 2 1 2 1 2 3 (4 „ (2 „ (4 „ (2 „ (4 „ (6 „ ) Weißbrod............ . 62 bei I. Horn 60 ) Schwarzbrot) 1. Sorte.........29 ) Schwarzbrot» 1. Sorte.........58 ) Schwarzbrot) 2. Sorte.........27 ) Schwarzbrot) 2. Sorte .........54 ) Schwarzbrot) 2. Sorte bei L. Keil, I. Lein, K. Haas 81 1 Kgr. 2 w 1 „ 3 " 3 : Bei den Brodverkänfer«. Weißbrod........ Schwarzbrot) 1. Sorte . . . „ 1. Sorte . . . „ 1. Sorte . . . „ 2. Sorte . . . „ 2. Sorte . . . „ 2. Sorte . . . 27 54 4 31 62 29 58 Gießen, den 4. Juli 1891. Großh. Polizeiamt Gießen. I. V-: Schliephake, Reg.-M. Bekanntmachung. Die Kirschenernte von den Bäumen auf dem Schulberg, Trieb, Lärchenwäldchen und Lutherberg soll Montag den 6. ds. Mts., Nachmittags 5 Uhr, versteigert werden. Zusammenkunft am Schulberg im Oswalds Garten. Gießen, den 3. Juli 1891. Großh. Bürgermeisterei Gießen. _______Gnauth.______7036 TVaaren-Versteigerung. Dienstag den 7., Mittwoch den 8., und Donnerstag den 9. Juli, Vormittags 9 Uhr und Nachmittags 2 Uhr, werben SelterSweg 68 die ganzen Vor- räthe des Meyer'sche« Waarenhanse-, bestehend in HanShaltnngsgegen- PLuden aller Art, als: Blech- «nd Ewaille-Kochgeschirr, Gießkannen, Lampen, Kohlenträger, Eimer, Züber, Porzellan, Rauchservice, Koffer, Körbe, Bürsten, Spiegel, Spielwaaren u. f. w. versteigert. Im Auftrag: 7040 Hoffman m Aeügeöotenes. Ein Haus ßocalUäUn^^in : denen seit Jahren eine gute Bierwirth- schaft betrieben wird, zu verkaufen oder zu verpachten. Schriftl. Anfragen unter N. O. an die Exped. d. Bl. [5938 Zwei Zraukefset, fast wie neu, 1800 und 450 Liter Haltend, preiswerth abzugeben. 7003 Gebt. Bastians, Wetzlar. 6080] Zwei Morgen Wiese mit sehr schönem Futter sind zu verpachten. ______LoniS Lotz, Bahnhofstraße 22. Alle dorkommenden Dredjsliraröeiten werdenschnellstens angefertigt in der Dampftischlerei [7010 L. Müller, Schillerstr. 26 -Gefrorenes in verschiedenen Sorten, sowie Kaffee und Chocolade empfiehlt zu jeder Tageszeit Conditorei Heinr. Kinkel, Marktstraße 32. [5715 Die Aurrwchr-Reqmfiten-Iabrik von H. Miller & Co., Offenbach a. M. empfiehlt alle Feuerwehr-Requisiten in anerkannt bester solider Ausführung, genan nach bestehenden Vorschriften unter voller Garantie zu billigsten Preisen. Vertreter für die Provinz Oberhessen: Hm C. L Gail in Giessen, Mmmz 22 und bitten wir die verehelichen Großh. Bürgermeistereien und Feuerwehren, bei Anschaffung«!« sich gütigst an denselben wenden zu wollen. Probe-Borlagen und Kosten-Anschläge jederzeit gerne zu Diensten._____________________________[6037 ttdsC Eisscliränke. Ich empfehle mich hiermit im Anfertigen meiner neu patentirten Eisschränke nach amerikanischem System, welche sich durch Eisersparnitz und große Leistungsfähigkeit vor allen ähnlichen Fabrikaten vortheil- haft auszeichnen. 1308 Innere Einrichtung nach Wunsch und Wedürfniß. 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Selbiges lag im ersten Stock und hatte die Nr. 5; so war es aus den ausdrücklichen Wunsch des angekommenen Gastes hin die persönliche Bestimmung des Hotelwirths gewesen. Der Fremde hatte sich Letzterem als Graf Katuscheff vorgestellt und aus einige Tage, so lange ihn eben seine dringenden Geschäfte in der Stadt aufhalten würden, Logis genommen. Zudem sprach er die höfliche Bitte aus, ihn nicht durch die Dienerschast belästigen zu wollen. Heine Wünsche werde er durch das elec- trische Signal kundthun und möge diesem jederzeit unverzüglich Folge geleistet werden. Der Wirth war ob dieser und ähnlicher Bestimmungen, die sich eigentlich von selbst verstehen, nicht im Geringsten verwundert. Hatte er ja im Laufe seines Geschäftes schon manche Launen und Grillen der verschiedenartigsten Fremden kennen gelernt. Nichts destoweniger hielt er diese Gelegen? heit für geeignet, seinem Dienstpersonal wiederum Aufmerksamkeit und Pünktlichkeit anzuempfehlen. Er schätzte sich glücklich, einen so vornehmen Gast, als welchen er den Fremden mit seinem Kennerblick im ersten Wortwechsel erkannte, zu beherbergen. Graf Katuscheff speiste am ersten Abend auf seinem Zimmer und zeichnete in das ihm vorgelegte Fremdenbuch jene Worte ein, welche wir bereits aus dem Munde des Kutschers vernommen, nämlich: „Gras Katuscheff, Gutsbesitzer aus Warschau, Russisch-Polen." Es mochte um die elfte Abendstunde sein, als der Wirth, seine üblichen Dispositionen zu treffen, die Treppe hinaus nach den oberen Stockwerken des Hotels schritt. Ein eigen- thümliches Geräusch fiel ihm auf, das aus dem Zimmer Nr. 5 herzurühren schien. Er hielt einen Moment still und konnte ein unaufhörliches Klopfen deutlich unterscheiden. Dieses Klopfen ließ sich auch mit kurzer Unterbrechung in den späten Nachtstunden vernehmen, als der Wirth das unter dem Zimmer des Grafen betegene Schlafcabinet aufsuchte.^ Als alleiniger Vertreter einer der größten Hypothekenbanken vermittele ich die Beleihung von Immobilien zu günstigen Bedingungen. 4878 B.Katzen8tein,e$iIIerflr.27. Meyers «onversatton» > Lexikon, ganz neu, zu verkaufen. [6039 Zu erfragen in der Erped- d. Bl. Otto Hochstätten, Marktstraße 28. Preis des 2 theiligcn Apparates Mark 22.— „ „ 1 „ „ ,, *4.70 Trirot-Knsbkn-Anzügk, Wssch-Bloufen, Tricot-Mädchen- u. Stoff-Kleider, Stickerei-Kleider für Damen und Kinder in grober Auswahl. Für Glaser u. Schreiner. 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Wünsche zugleich ein gut möblirtes Zimmer in der ersten Etage." „Soll besorgt werden, Euer Gnaden! Es sind mehrere Zimmer im ersten Stock unbewohnt und stehen Euer Gnaden zur Verfügung." , Während der angekommene Fremde tn das Hotel schritt, stellte der Diener mit Hilfe des Kutschers, um diesen nicht allzu lange aufzuhalten, zwei Koffer auf das Stratzenpflaster vor dem Hause nieder. Sie hatten ein auffallendes Gewicht, diese Arbeit ging daher nur mühsam von Statten. „Muß ein reicher Mann sein," flüsterte der Hoteldiener dem Kutscher zu, der sogleich die Zügel anzog. „Graf Katuscheff aus Warschau, Gutsbesitzer," entgegnete jener und fuhr im Galopp von dannen. In demselben Augenblick erschien der Gast, der sich seines Ueberziehers und des Hutes entledigt hatte, in dem Thore des Hotels und bedeutete dem Diener, daß er beide Koffer 1 Liter Wasser von Brunnentemperatur 5 Minuten mit unaefähr 30 Liter Gas zum Sieden gebracht. 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Aus einige liebenswürdige Redensarten des Wirthes, daß der Herr Graf es nicht so eilig haben möge, indem er ja länger im Hotel zu verweilen gedenke, entgegnete jener, daß er es immer mit einer täglichen Abrechnung gehalten habe und seinen Grundsätzen auch diesmal treu bleiben wolle. Als der Zählkellner dem Grafen die Hotelrechnung für den ersten Tag überreichte, sand sie letzterer äußerst gering und lobte dem sichtlich erfreuten Wirth gegenüber die Coulanz deutscher Hotels im Vergleiche zu denen seines Vaterlandes. Von dem Zwanzigmarkschein, welchen er dem Kellner zur Bezahlung eingehändigt, erhielt er noch eine Anzahl Silberund Nickelmünzen retour und ließ es auch an einem anständigen Trinkgeld nicht fehlen. Tagsüber war der Gast in seinen dringenden Geschäften außer dem Hause, erschien nur um die vierte Nachmittagsstunde beim allgemeinen Diner, um nachher alsbald seinen weiteren Obliegenheiten nachzugehen. Des Abends speiste er aus seinem Zimmer. Dem aufmerksamen Hotelwirth war es nicht entgangen, daß auch am zweiten Abend fast bis in die Nacht hinein im Zimmer Nr. 5 ein eigenartiges, dumpfes Klopfen hörbar war. Wie am vergangenen Morgen fand sich der Graf frühzeitig schon im Gesellschaftszimmer auch am zweiten Tage wieder ein und bezahlte nach eingenommenem Frühstück die Tagesrechnung. (Fortsetzung folgt.) Vermischte Anzeigen. I 7026] Ein braver Hausbursche ge-1 sucht. Eduarb Noll. 6034] Ein kriistiger Junge wirb gesucht im Hessischen Hos.^ Lehrling suche für meine Bäckerei. „ [5944 Aried. Roll, Mausburg 12. • Morgenthau - Parfüm M von der Parfümerie Union, Berlin fiotfi. flott, »äft A Gentner X 24.— ftoftt. ^.imöurgrr Vjfl&ft A Str. X 23 — flötft. ßdamer flift 4 Centn er X I0 — ab 6ier gegen ^"äch nähme empfiehlt Julins Werner, tttmnfinfltt V t). 10 Psnnd.Probepostcolli X 3 40 unt X 3 30 unb X 4.— portofrei. Pferdeknecht gesucht. August Schlesfiuger, 6058 An den BahnhSsen. 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Ueber das Vermögen der minderjährigen Kinder des verstorbenen Georg Rinn II. zu Bieber wird, da deren Vormund, Heinrich Bender von da, die Eröffnung des Concursverfahrens beantragt hat, heute am 2. Juli 1891, Vormittags 9 Uhr, das Concursverfahren eröffnet. Der Bürgermeister Wagner zu Fellingshausen wird zum Con- cursverwalter ernannt. Concursforderungen sind bis zum 1. August 1891 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfaffung über die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläu- bigerausschuffes und eintretenden Falls über die in § 120 der Concursord- nung bezeichneten Gegenstände, sowie zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf den 5. August 1891, Bormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer Nr. 5, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Concursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Concursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Concursverwalter bis zum 1. August 1891 Anzeige zu machen. Königl. Amtsgericht zu Gladenbach, Abth. II. 6164 Heugras Versteigerung. Dienstag den 7. Juli l. I., Morgens 8 Uhr anfangend, soll das Heugras von den hiesigen städt. Wiesen, ca. 60 Morgen, an Ort und Stelle versteigert werden. Zusammenkunft bei der hiestgen Ziegelhütte. Allendorf a/Lda., 2. Juli 1891. Gr. Bürgermeisterei Allendorf a/Lda. * Rein. 6141 Heugras von verschiedenen Wiesen, event. die Wiesen von Hch. Beckers Erben zu verkaufen. [6184 Otto Balzer, Südanlage 7. Lesebücher w die höhere Töchterschule sind vorräthig bei W Klee, 6198] Marktstraße 2. 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Mehr als einmal Hal in den letzten Jahren die Bethetltgung des Bochumer Vereins an dem Stahlwerk zu Savona der Börse Grund zu tiefgehender Verstimmung gegeben, aber seitdem im Vorjahre die Unterbringung einer Prtoritätsanlethe mit Opfern zwar und zum Theil nur durch Einspringen der nächstbethelligten Kreise geglückt war, hoffte man die Schwierigkeiten des Werkes behoben, und war umsomehr zu der Annahme berechtigt, daß die Verhältnisse in Laoona in einer gesunden Entwickelung begriffen seien, als noch vor wenigen Wochen eine dahingehende Erklärung vom Generaldirector des Bochumer Werkes abgegeben wurde. Die Nachricht, oaß das Werk am letzten Zahltag die Arbeiter nicht ausgelohnt und um ein Moratorium nachgesucht habe, war daher die denkbar größte Ueberraschung, welche die Börse treffen konnte, und sie äußerte sich dementsprechend in einem Coursdruck, der bei den führenden Banken etwa 4—5%, bei Bochumer 12% betrug und sich bei letzteren noch weiter fortsetzte. Seitdem ist kaum eine Besserung eingetreten, denn die anfänglichen Beschwichtigungsversuche fielen bald in sich zusammen vor der Thatsache, daß ein Moratorium bewilligt werden mußte, und wie sehr auch die Börse danach rang, ihre Gesammtiendenz von dem Einfluß dieses Zwischenfalls zu befreien, die Bemühungen blieben erfolglos, und mau kam über momentane Erholungen nicht hinaus. Das Eretgniß hat der Batssepartei die Macht wieder so vollkommen in die Hand gegeben, daß auch Wien dem Verkaufsandrang nicht mehr Stand zu halten scheint, denn die von dort abhängigen Werthe sind in den letzten Tagen stark in die Abwärtsbewegung hinetn- gezogen worden. Es ist namentlich die Berliner Börse, welche die neue Bewegung mit aller Kraft ausgenommen hat, und das kann bei der überwiegenden Bedeutung, welche die Montanwerthe für dieselbe haben, nicht Wunder nehmen, denn in erster Linie und am stärksten wurde natürlich dieses Marktgebiet betroffen. Wie die Savonaangelegenheit endigen wird, ist vorläufig gar nicht zu übersehen. Der Fehlbetrag, um den es sich handelt, ist jedenfalls größer, als die anfänglich gemeldete L»umme von 1% Millionen erwarten ließ, denn neuere Nachrichten beziffern die Summe, welcher es bedarf, um das Werk auf längere Zeit wieder flott zu machen, auf 5 Millionen. Bisher aber ist es trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, irgendwelchen Betrag aufzutreiben, und die Decretirung des Moratoriums kann die Geldgeber nicht williger stimmen. Jedenfalls wird der Bochumer Verein Abschreibungen vornehmen müssen, die den besten Theil des diesjährigen Gewinnes aufzehren, und so endigt dieses Geschäft, auf das man große Hoffnungen setzte, und von dem man im schlimmsten Falle nur eine Zinsbuße gewärtigte — denn die ursprünglich etngezahlte Betheiligung repräsentirte einen Effectenbesitz des Vereins — mit Verlusten, die Millionen betragen. Der Druck auf den Montanmarkt wurde noch verstärkt durch eine Nachricht, daß die Zechen des Kohlenoerkaufsvereins sich entschlossen hätten, Feierschichten etnzulegen. Solche Feierschichten bilden zwar in den Sommermonaten die Regel, aber die Meldung schien doch in so eclatantem Gegensatz zu stehen zu dec ständig verbreiteten Darstellung, daß die Zechen bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit beschäftigt seien, daß ein ungünstiger Eindruck nicht verwischt werden konnte. Die Berliner Börse hat übrigens noch einen schwachen Punkt, der sie geneigt macht, einer Baisseströmung williger sich hinzugeben, d. i. der Antheil, den sie an der Entwickelung der Russischen Valuta hat. Seit Frühjahr dieses Jahres, als die Ernteaussichten in Deutschland so ungünstig lagen und gleichzeitig Gerüchte über russische Valutaregulirung in den Blättern spukten, hat sich in Berlin eine Hauseposition in russischen Noten gebildet, die in letzter Zeit noch mehr angewachsen war und hohe Neportsätze gezeitigt hatte. Jetzt, nachdem sich das Blatt der Ernteaussichten gewandt hat, drängen diese Positionen zur Abwickelung und es vergeht kein Tag, der nicht einige Mark vom Coursstande der russischen Valtuta absetzte. Mit der Valuta aber gehen die Course der östlichen Getreidebahnen zurück, und so befindet sich mit Montanwerthen, Russen und Bahnen ein so großes Gebiet im Rückgänge, daß die ungünstige Disposition der Berliner Börse begreiflich erscheint. Frankfurt vermag diesem Verkaufsandrang keinen Widerstand zu leisten, denn obgleich von Allem weniger betroffen, kommt hier doch die portugiesische Krisis zu größerer Geltung, und wie wett Wien die Rückwärtsbewegung aufhalten kann, werden ent die nächsten Tage lehren. Es ist schon gesagt, daß der Schluß der Woche für Wiener Werthe so große Rückgänge gebracht hat, daß die Hoffnung, die Strömung könnte hier einen hemmenden Damm finden, zu schwinden beginnt. Im Geldmarkt hat zwar die Woche einige Erleichterung gebracht und die Inanspruchnahme der Reichsbank durch den Semesteiwechsel hielt sich innerhalb normaler Grenzen, aber bet der ungünstigen Disposition der Börse zeigte sich dieselbe doch nicht befriedigt, zumal ein Vergleich mit dem Londoner Markt, auf welchem die officielle Rate in dieser Woche auf 2% % und der Prioatdtscont auf V/< % ermäßigt wurde, sehr zu Ungunsten der hiesigen Verhältnisse ausfiel. Nichtsdestoweniger ist der Rentenmarkt das einzige Gebiet, welches sich von Rückgängen frei halten konnte und dessen bessere Werthe sogar einige Aufbesserung erfahren haben. Dieselbe gründet sich auf die Hoffnung, daß der Juli-Coupon feine Anlegung in börsenmäßigen Effecten finden werde; indessen bedarf diese Hoffnung erst noch der Verwirklichung. Bisher blieb auch auf diesem Gebiet das Geschäft still. Portugiesen sind wieder schwächer über die Ungewißheit, welche bezüglich der Fortdauer des Moratoriums herrscht. Der Bahnenmarkt lag, im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz, anfänglich fest, und namentlich Lombarden und Staatsbahn konnten kräftig avanciren. Der Verlauf brachte auch diesen Werthen Rückgänge, so daß bis auf einige Ausnahmefälle das oorwöchentltche Niveau nicht behauptet werden konnte. Recht matt lagen Schweizer Bahnen, besonders Gotthardt, die von Berlin aus abgegeben wurden, ohne daß neue Gründe bekannt geworden wären. Die Actien verloren infolge dessen nahezu 8%, und auch Schweizer Central mußtm die vorwöchentltche Avance wieder hergeben, während sich in Nordost ein neuer Rückgang von 5% vollzog. Im Gegensatz hierzu! lagen Mainzer fest und zwar neuerdings auf Verstaatlichungsgerüchte, die aber sehr der Bestätigung bedürfen. Banken schließen zu den niedrigsten Coursen. Die Rückgänge betragen 5% bet Dtsconto, 3 % bet Dresdener Bank, 2 % bet Darmstädter und 6 % bet Handelsgesellschaft. Die letzteren scheinen unter dem Rückgang der Rubelnoten zu leiden. Nicht minder sind österreichische Banken gedrückt: 5 fl. die österreichische Credttactte und 7 fl. die ungarische. Noch empfindlicher gestalten sich die Rückgänge im Montanmarkt. Zwar vollzog sich in Bochumer eine Erholung, die aber ihre Dauer noch beweisen muß, trotzdem beträgt der Verlust noch mehr als 12 %. Dortmunder Union verloren 3%, Laura 4%, und bei Kohlenactien steigen die Verluste auf 6% bei Htbernia, auf 7 % bei Harpener und 4% bei Gelsenkirchen. Cours Cour* vom 4% Hessische Obligation. „ Bauern .... „ Baben..... 3% sächsische Rente. . 3%% BremerStaatsanl. „ Hamb.Staatsrente 4%Oestr. Goldrente . „ GriechischeMonopol- Anleihe . . . 5% Rumänische Rmte . 4o/o Russ. Consols S. IH e der 26./VI. 104.— 105.25 103.15 85.50 96.— 95.50 96.50 65.95 98.95 98.40 Fro ktaatsa 3./VH. 103.55 105.30 103.35 85.80 96.— 95.90 66.65 99.15 98.65 mkfurter Börse nleiheir. Cours vom 4%%Portug.-A.88u.89 5% amort. Serb. Gold- Rente .... 5% SerbischeEisenbahn- Hyv.-Obl. L. A. . 4%Schwed.Obltg.l880r 1% Türken conv. Lit. D. 5% Argent. Gold - Anl. v. 1887 ... 3Vi°/o Egypt. prtv. Anl. 26./VI. 68.90 89.10 92.- 102.10 18.20 43.80 92.75 3 ./VII. 67.75 88.95 92.20 101.65 18.45 42.50 92.90 4% Pfälz. LudwigSbahn (Bexbach) . . . „ Hessische Ludwigsb. 68/69 garant. . „ Eltsabethb. steuerfrei Gold .... 5% Oeftr. Staatsbahn. 4% do. do. 3% do. do. I.—VIII.Emiss. 3o/o do. Ergänzungsnetz 50/0 Nordweflbahn Gold •He 101.80 101.55 100.35 105.65 100.— 83.90 81.50 106.90 «bahn-! 101.40 101.85 100.20 105.50 100.— 83.70 81.20 107.40 Prioritäten. 5% Südbahn Lombarden 4% do. do. 3% do. do. 4% Prag-Duxer Gold . „ Rudolf Gold (Salzk.) „ Franz-Joses Silber 3% ftaatl. garant. Jtal. Eisenbahn . . 3% Livorneser . . . 40/0 Russ. Südw Etsenb. 40/0 Wladikawkas garnt. 4% gar. Sardin.Sec.stfr. 103.35 96.75 65.40 99.55 103.10 84.— 56 65 62 60 95 85 95.85 81 50 103.45 97.15 65.25 99.55 100.10 56.55 63.75 96.35 96.15 81.50 Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. Pfälzische Nordbahn . Lübeck-Büchner . . . • 224.— 113.20 114.50 156.— isenbah 225.— 115.20 114.45 156.40 rr-Aetierr. Galtz CarlLudw.-B.-Act. Deft. Nordw.-Bahn Lit.B. Gotthardt..... Jtal. Mittelmeer . . 184 65 187% 144.30 100 25 183.20 187.50 135.70 101.20 Deutsche Reichsbank . Berlin. Handelsgesellsch. Deutsche Bank . . . DeutfcheGenoffenschstsb. v.Soergel,ParrtftusLCo. 144.30 140.10 152.95 123.30 BonM 144.90 134.50 150 — 122.30 «ctien. Dresdener Bank. . . Mitteldeutsche Credttb. . Wiener Bank-Verein . Württemb. Veretnsbank Deutsche Vereinsbank . 141.4". 103.— 97.50 125.— 108.80 138.30 103.40 97% 125.— 108.75 Btnding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) Bad. Anilin- u. Sodafabrik .... Htbernia Bergw.-Ges. . 3 164.30 133.40 274.80 166.40 ndrrstri 164.30 134.80 274.— 159.45 e-Aetiem Deutsche Verlagsarrstalt Farbwerke,vorm.Meister, Lucius & Brüning. Riebeck'scheMontanwerke Bochumer Gußstahl 204.40 278.50 172.— 116.25 208.75 279.60 172.10 100.50 40/0 Franks. Hyp.-Pfdbr. v. 91 ab . . . 3'/s%Frnkf.Hyp.-Pfdbr. 4%Preuß.Hvp.-Act.-Bk.- Pfandbr. . . . 3Va°/o do...... 40/oPreuß. Centr.-Bod.- Cred.-Pfandbr. bis 1885 ..... 102.— 95.50 101.40 95.30 100.70 Pfand 102.— 95.50 101.40 95 30 100.90 briefe. 40/oDeutscheGrundschld.- Bk.-Pfandbr. . 3%Vo do...... 31/ % Rhein. Hyp.-Bank- Pfandbr. . . . 4°/, Meininger Pfandbr. 100.80 95.20 93.60 101.50 100.80 95.20 93.20 101.50 Oestr.l860rfl.500-Loose „ 1854rfl.250- „ 4% Meininger Prämien- Pfandbr. . . . Lor 124.30 124.50 121.— 120 90 127.95 127.50 ase. Braunschweig. 20 Thlr.- Loose .... 3% Oldenburger Loose . 3%%Nöln-Mmdn.Loose 106.— 128.20 134.50 104.75 128.30 133.80 tu 6%Chtc.Milw.f.St.Paul Prt., rückzahlb. 1910 . 5o/oChic.Milw.f.St.Paul Prt., rückzahlb. 1921 . 6% Centr. Pacif. LMrtg. rückzahlb. 1896 . . «erikar 112.— 102.20 105.40 rische • 101.85 105.40 ifenbahn-Bond». 4o/o Chicago Burlington Nebraska 1927 . . 4%% California Pacif. I. M.. rückzahlb. 1912 6%PacifwfMtssourt con- solidated I. 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