Nr. 283 Freitag den 4. December 1891 S*r Wkwi MtNftT *W«nt täglich, «* UuZnahmr des Montags. 9n Meßen er flMwtrUeiratUi taa*cR dem Anzeiger ^Vchmtlich bMinxl detH-iegt. Gießener Anzeig er Kenerat-Jtnzeiger. Biettütiottg« ve Anno^c-»-,«vreLur deS In- und LuStanbe» nchm« sOsGMdm Lag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr. j Stift» | Änzeegen für den „Gießener Anzeiger- entgeyu SW>«WW^»MMM^»^WMMM««WIW>»WWWWWWW»»»»««0»M«-|NH»K'l>i»Ni>I'»«»M»»MWW«WW«W»»0»»»»sM»MM«WW»«sWWM»WWMW»»Wl«WWWWM»WW^ Amtlicher Theil. Gießen, am 1. December 1891. B e t r.: Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taub- stummen-Anstalten des Landes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 6. v. Mts. noch nicht nachgekommen sind, werden hierdurch an Erledigung derselben erinnert. v. Gagern. Bekanntmachung, betreffend die Beförderung der Musterkoffer von Handlungsreisenden aus österreichischen Staatsbahnen zu ermäßigten Preisen. Mit Bezug auf unsere Bekanntmachung vom 7. Juli 1891 (Kreisblatt Nr. 156) bringen wir die in rubr. Sache ergangenen neuen Bestimmungen nachstehend zur öffentlichen Kenntniß. Hiernach ist die Tarisbegünstigung nicht mehr aus das Verwaltungsgebiet der K. K. österr. Staatsbahn beschränkt, sondern aus den gesammten Geltungsbereich des Zonentarifs ausgedehnt worden. Die Strecken, um welche es sich nunmehr handelt, sind in den nachfolgenden neuen Bestimmungen näher bezeichnet. Das Formular zu den Legiti- mationskarten hat eine Abänderung erfahren. Gießen, am 1. December 1891. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Ermäßigter Gepäcks-Tarif für Musterkoffer von Handlungsreisendeu aus österreichischen Eisenbahnen. Für die Musterkoffer jener Handlungsreisenden, welche sich als dieser Berufsklasse angehörend, mit einer, den Namen des Reisenden und deffen Firma, Anzahl und Inhalt der mitgeführten Koffer, die Unterschrift des Inhabers und die Bestätigung der competenten Behörde enthaltenden Legitima- tionskarte ausweisen, sind auf den im Geltungsbereiche des Zonentarifes stehenden österreichischen Eisenbahnen für je 10 Kilogramm und für jedes Kilometer 0,1 fr. zu entrichten. Derzeit findet der Zonentarif Anwendung auf nachstehende Bahnen: K. K. österr. Staatsbahnen, „ „ priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn, „ „ „ Oesterr. Nordwestbahn und Südnorddeutsche Verbindungsbahn, „ „ „ Graz-Köflacher Bergwerks- und Eisenbahn- Gesellschaft, „ „ „ Eisenbahn Wien-Aspang, u „ „ „ Böhmische Nordbahn, „ „ „ Aussig-Teplitzer Eisenbahn, A. priv. Buschtehrader Eisenbahn. Auf den im Betriebe dieser Bahnen befindlichen Linien, welche nicht im Geltungsbereiche des Zonentarifes stehen, findet der ermäßigte Tarif für Musterkoffer keine Anwendung. Die Legitimations-Karten sind von den zur Ausfertigung derselben berufenen Behörden nach anliegendem Muster aufzulegen. Diese Behörden werden dringend eingeladen, um eine mißbräuchliche Benützung der Legitimationen hintanzuhalten, bei Ausfertigung derselben mit größter Rigorosität vorzugehen und über deren Ausgabe ein Verzeichniß zu führen. ' Die Legitimationen dürfen ausgegeben werden: 1. an die Inhaber von Geschäftsfirmen, 2. „ „ Reisenden von Geschäftsfirmen, 3. „ Handels-Agenten, welche ihre Geschäfte persönlich besorgen, insofern der Sitz der betreffenden Firma sich im Amtsbezirk der zur Ausfertigung der Legitimationen befugten Behörde befindet. In Verlustsällen können als solche zu bezeichnende Du- plicate der Legitimationen mit gleichen Ordnungsnummern wie die Originale ausgegeben werden. Die Legitimationskarten haben Giltigkeit für die Dauer eines Kalenderjahres und sind bei Ausgabe von Reisegepäck, am Schalter mit der Fahrlegitimation vorzuweisen. Zur Con- ftatirung der Identität des Besitzers hat derselbe über Ver- | langen die Namensfertigung zu leisten. Die Bahnanstalten behalten sich das Recht vor, _ in | zweifelhaft erscheinenden Fällen den Inhalt der Musterkoffer zu prüfen. Die Muster muffen als solche erkennbar sein. Colli, welche Verkaussobjecte oder sonstige Gepäcksstücke enthalten, sind von der Anwendung der ermäßigten Gepäckstaxe ausgeschlossen. Diese, sowie eigentliche Reise-Effecten sind daher bei der Aufgabe besonders zu declariren und werden mit eigenen Gepäcksscheinen abgefertigt. Auf der Außenseite jedes Musterkoffers muß der volle Name der Firma, in deren Auftrage die Reise unternommen wird, dauerhaft kenntlich gemacht sein. Die Aufschrift einzelner Buchstaben oder eines Signums, sowie das Aufkleben von Visit-, Adreßkarten und sonstigen den Namen fragenden Papierstücken genügt nicht und werden Musterkoffer, welche diesen Forderungen nicht entsprechen, von der Beförderung zum ermäßigten Gepäckstarise ausgeschlossen. Es ist jedoch gestattet, den Namen der Firma mit einem leicht abhebbaren Schuber oder Lappen oder dergl. zu bedecken. Der Reisende ist verpflichtet, den Zug zu benützen, für welchen die Musterkoffer aufgegeben wurden. Innerhalb einer Stunde nach Ankunft des Zuges in der Bestimmungs- Station ist die Legitimationskarte vorzuweisen, um das Gepäck ausgefolgt zu erhalten oder das Gepäcks-Recepiffe mit dem Vermerke des erfolgten Vorweises versehen zu lassen, widrigenfalls die Gebührendifferenz zwischen dem normalen und dem ermäßigten Tarifsätze im Nachzahlungswege eingehoben wird. Jeder Mißbrauch dieser Begünstigung hat für den Betreffenden die dauernde Entziehung derselben unnachsichtlich zur Folge. Diese Bestimmungen treten rücksichtlich der Musterkoffer deutscher Handlungsreisender mit 1. November 1891 in Kraft und werden von diesem Tage angefangen die von deutschen Behörden ausgefertigten, mustergemäßen Legitimationskarten von den Stationen der im Geltungsbereiche des Zonentarifes stehenden österreichischen Eisenbahnen anerkannt. Bekanntmachung. Die Einträge in das Handelsregister des hiesigen Gerichts sollen im Jahre 1892 in der Darmstädter Zeitung, in dem Gießener Anzeiger und in dem Licher Anzeiger veröffentlicht werden. Lich, am 1. December 1891. Großherzogliches Amtsgericht. Langermann. Deutsches Reich. Darmstadt, 2. December. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Kreis-Veterinär- arzt Gerhard von Grünberg. Berlin, 2. December. Der Kaiser gedenkt sich in der ersten Decemberhälfte nach Stettin zu begeben, um daselbst wiederum dem Stapellaufe eines neuen Panzerschiffes beizuwohnen. Alsbald nach der Rückkehr des Monarchen von dem Stettiner Ausfluge soll, wie es heißt, die Uebersiedelung der kaiserlichen Familie aus dem Neuen Palais bei Potsdam in das Berliner Residenzschloß erfolgen, doch scheint in dieser Beziehung noch nichts Endgiltiges festzustehen. — Die Budget-Commission des Reichstags eröffnete am Dienstag ihre Thätigkeit. In genannter Sitzung gelangte der Etat des Reichsamts des Innern unter theil- weise sehr lebhaften Debatten unverändert zur Annahme. — Der Bundesrath hat die Vorberathung des Trunksuchtsgesetzes beendigt. An demselben sind so bedeutende Veränderungen vorgenommen worden, daß die preußische Regierung den umgeänderten Entwurf möglicher Weise zurückweist. — lieber die geschäftliche Behandlung der Börsen- resorm-Anträge im Reichstage ist noch kein Beschluß gefaßt. Es scheint, daß vorher noch das Gutachten des Aeltesten-Collegiums der Berliner Kaufmannschaft über die Anträge eingeholt werden soll. Die genannte Körperschaft hat eine besondere Commission zur Untersuchung der etwaigen Mißstände in den Bank- und Börsenverhältnissen eingesetzt. Die Commission soll dann Vorschläge zur Beseitigung dieser Mißstände machen. Deutscher «eid>»tag. 132. Plenarsitzung. Mittwoch, 2. December 1891, 1 Uhr. Erste Berathung des Antrages Hirsch u. Gen. aus Annahme eines Gesetzentwurfes betr. die eingetragenen Berufsoereine. (Nach diesem Entwurf sollen eingetragenen Berufsvereinen Corpo- rationsrechte verliehen werden.) Abg. Dr. Hirsch (bfr.) begründet den Antrag, der schon früher von Schultze-Delitzsch eingebracht, aber bedauerlicher Weise nicht erledigt sei. Wäre der Antrag Gesetz geworden, so würde die Arbeiterbewegung jedenfalls einen ruhigeren Verlauf genommen haben, als dies thatsächlich der Fall gewesen. Einen Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung bietet das englische Gesetz über die Trades unions, dessen segensreiches Wirken allgemein anerkannt wird; auch entspräche der Zusammenschluß von Berufsgenossenschaften einem echt germanischen Characterzuge. In der Berufsgenoffenschaft sei der Platz, wo neben der Familie und der Liebe zum Vaterlande der echt collegiale Geist der Arbeiter gepflegt werden kann. Wahrend andere Vereinigungen privilegirt werden, haben die Berufsoereinigungen mit Schwierigkettm zu kämpfen gehabt, die ihnen von den Behörden bereitet wurden und die auch den Arbeitern von ihren Arbeitgebern entgegengesetzt werben. Der Antrag, wenn er Gesetz würde, sei geeignet, den berechtigten Forderungen der Arbeiter zum Siege zu verhelfen und unberechtigte Agitationen zu verhüten. Bedenken dahin, daß ein solches Gesetz lediglich der Socialdemokratie zu gute kommen könnte, seien unbegründet; mit gleichem Grunde könnte man bte meisten Bestimmungen der Gewerbeordnungs-Novelle und anderer neuer Gesetze bekämpfen. Er bittet um eine gerechte und wohlwollende Prüfung des vorliegenden Antrages. Abg. v. Keudell (Rp.) kann ben principtellen Anschauungen bes Vorrebners nicht zusttmmm; man bürfe bet der Verleihung von Corporationsrechten nicht zu wett gehen. Die Schultze-Delitzsch'schen Anträge sind dem Redner wohl bekannt, doch scheine dem Vorredner unbekannt zu sein, baß Schultze-Delitzsch infolge der Bedenken, die namentlich Lasker diesen Anträgen entgegensetzte, auf deren wettere Verfolgung verzichtete. Zu verkennen sei ja nicht, daß die Verleihung von Corporationsrechten das Klaffenbewußtsetn der Arbeiter beben würde; viele an sich gerechtfertigte Strikes, so der Strike der Vergolder u. A., würden vielleicht zu einem günstigen Abschluß für die Arbeiter gelangt sein, wenn diese die nöthige Organisation befeffen hatten; hierbei bleibe aber auch zu bedenken, daß das Machtbewutzt- sein, das solche Corporation verleiht, auch nachthetlig auf die Arbeiter wirken und sie zu ungerechtfertigten Forderungen aufteizen kann, die Re dann, lediglich mit den Mitteln einer guten Organisation durchsetzen. Was würde die unmittelbare Folge der Organisation nach dem Anträge Hirsch sein? Richt blos die ca. 60 000 Arbeiter der Gewerkoereine würden organisirt werben, fonbern auch die 200000 Mitglieber der socialbemokratlschen Gewerkschaften; ob habet Herr Hirsch auf seine Rechnung käme, scheint boch ungewiß. Nun muß man boch auch nach der Lage der Arbeitgeber fragen und diese ist ss bedenklich, daß schon heute Niemand Lust hat, Maschinen zu faufen oder sonst seinen Betrieb zu erweitern wegen der Schwierigkettm, welche die Arbeiter verursachen. Unter diesen Umständen kann Redner dem Anträge Hirsch sich nicht anschließen. Abg. Molkenbuhr (Soc.) schildert zunächst die ungünstige Lage der Arbeiter gegenüber den Arbeitgebern; diese könnten, unbehindert von den Behörden, Cartelle und Ringe bilden, wodurch nicht blos die Arbeiter in ihren materiellen Verhältnissen, sondern auch in ihren politischen Gesinnungen beeinflußt werben sollen, währenb die Arbeiter an der Btlbung solcher Vereine behördlich behinbert und ihnen Schwierigkeiten bereitet werden. Jedenfalls müffe daran fest- gehalten werden, daß den Arbeitern dasselbe Recht gesichert wird, das den Arbeitgebern zufteht. Die verschiedene Handhabung des Coali- tionsrechtes gegenüber Arbeitern und Arbeitgebern ist von viel schlimmerer Wirkung, als es gesetzliche Ungleichheiten sein würben unb sie hat auch verhinbert, baß bte gewerkschaftliche Bewegung in Deutschlanb es zu gleichen Erfolgen gebracht hat, wie in England. Auch die Gerichte messen Arbeiter und Arbeitgeber mit sehr verschiedenem Maße und natürlich werden Gesetzesverftöße an dm Arbeitern hart gestraft, während man nie davon hört, daß auch Arbeitgeber verurtheilt worben seien, obwohl sie in ihren Mitteln keineswegs wählerisch finb. Währenb so bte Organisationen der Unternehmer auf das Prompteste wirken, bleiben die Arbeitervereinigungen von allen Seiten bedrängt; bestände eine gleiche Behandlung für Arbeiter und Arbeitgeber, fo würden unsere Arbeiter eine bessere Organisation aufzuweism haben. Es ist ein Jrrthum, zu glauben, daß niedrige Löhne eine Industrie sördern; wir sehen bei uns nur, daß in Gegenden, wo die Löhne niedrig sind, die Arbeiter auswandern und von ausländischen Unternehmern beschäftigt werden; auf diese Art wird dann die heimische Industrie durch niedrige Löhne geschädigt. Abgesehen von einigen Kautschuckbestlmmungen, die der Antrag enthält unb bie beseitigt werben müssen, steht Rebner bem Anträge sympathisch gegenüber. Abg. Dr. Hartmann (cons.): Das wichtigste Moment ist von dem Antragsteller unbeachtet geblieben; die Verleihung der Cor- porationsrechte würde zur Folge haben, daß die Einschränkungen nach dem Vereinsgesetze auf solche Vereine keine Anwendung findm, namentlich das Verbot bes Jnoerbinbungtretens usw. Nach ben Anträgen ber Socialbemokratie möchte ber Arbeitgeber keine Rechte haben, fonbern nur ber Arbeiter; das entspricht den Ansichten der Vertreter einer einzelnen bestimmten Klaffe; wir müssen dafür sorgen, daß auch die Arbeitgeber zu ihrem Rechte kommen. Die Commission, in der ja der Antrag berathm werben wirb, muß sich jedenfalls die Frage vorlegen, wie kommen denn die Vereinsgesetze der Einzelstaatm bei diesem Anträge weg? Redner beantragt Commisstonsberathung durch eine 14gliedrige Commission. Abg. Hitze (Ctr.) kann den Gesetzentwurf nicht von vornherein dahin verstehen, daß dieselbe eine Organisation der Arbeiter gegen die Arbeitgeber bezwecke. Eigentlich wird mit dem Anträge nichts Neues geschaffen; es wird nur der bestehenden Organisation ein festerer Halt gegeben unb bamit bie wtlbe unb zügellose Bewegung in ein ruhiges Fahrwasser geleitet. Rebner regt hierbei bie Bilbung von Arbeiterkammern an, in benen bie Arbeiter nicht blos ihre Wünsche gegenüber ihren Principalen, fonbern nach größeren örtlichen Bezirken zum Ausbrucke bringen können. Abg. Dr. Möller (natl.) verspricht sich von dem Anträge nicht viel, ber vielleicht vor 20 Jahren am Platze gewesen wäre, nicht aber heute, nach ben Wanblungen, welche unsere Arbeiterbewegung durchgemacht bat. Abg. Heine (Soc.) wendet sich namentlich gegen den Abg. v. Keudell. Die Materie, welche der Antrag bebanble, sei in England, Frankreich unb der Schweiz bereits geregelt und habe dort keine üblen Folgen gehabt. Allerdings solle sich Herr Hirsch nicht wundern, wenn die Folge des Antrages sein würde, daß seine Gewerkschafts- Vereine in der Socialdemokratie aufgehen. Die Debatte wird geschlossen. Nachdem noch der Abg. Dr. Schneider (bfr.) als Mitanirag- fieller in seinem Schlußwort der Hoffnung Ausdruck gegeben hatte, daß eine gesetzliche Arbeiter-Organisation das beste Mittel sein werde, um die Socialdemokraten zu bekämpfen, wurde der Antrag an eine Vierzehner-Commtsston verwiesen. Vorher rief der Präsident den Abg. Heine (Soc.) zur Ordnung, weil derselbe gesagt hatte: „Wir wollen Ihre schwarz-wetß-rothe Fahne gar nicht, wir marschiren unter der rothen!" Es liege hierin eine Ehrverletzung des Reichstages, besten Aufgabe es sei, die schwarz- weiß-rothe Fahne hochzuhalten. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Krankenkassen-Novelle. Schluß 5 Uhr. _________________ Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Correspondenz-Vurean Berlin, 2. December. Der Reichskanzler richtete an sämmtliche Mitglieder des Reichstags, die ihre Karten bei ihm abgegeben haben, Einladungen zu einem parlamentarischen Diner. Des beschränkten Raumes wegen empfängt der Reichskanzler die Gäste nacheinander am 3., 6. und 8. December. Berlin, 2. December. Den „Politischen Nachrichten" zufolge treten demnächst die Commissare der Reichsämter für Inneres, Justiz und Schatzamt, sowie die preußischen Ministerien für Handel, Finanzen, Landwirthschaft und Inneres zusammen, um darüber zu berathen, ob und welche Maßnahmen zur Beseitigung der Mißstände an der Producten- bärse zu ergreifen sind. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 2. December. Laut Status betragen die Activa der Firma Hirsch feld u. Wolfs 23/4 Millionen, die Passiva 8 Millionen, die Summe der fehlenden Depots beträgt 6^/2 Millionen. Berlin, 3. December. Wegen Beleidigung des deutschen Kronprinzen wurde der Maler Heiligendamm zu einer achtmonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt. Wien, 3. December. Der Arzt des verstorbenen Ehepaares Erzherzog Heinrich, Professor Os er, ist an der Lungenentzündung schwer erkrankt, desgleichen der Adjutant des Erzherzogs, Oberst Ko pal. Der Kammerdiener des Erzherzogs ist gestern an der Lungenentzündung gestorben. Wien, 3. December. In der österreichischen Delegation erklärte der Kriegsminister, daß er sich noch nicht über die zweijährige Dienstzeit anssprechen könne. Das Muster Deutschlands nachzuahmen, sei unmöglich, weil Oester- reich hierzu eines erhöhten Friedensstandes der Armee, mehr Unteroffizierschüler und mehr Unteroffiziere benöthige. Warschau, 3. December. Die Aushebung des Ausfuhrverbots für Oelkuchen ist heute in Kraft getreten. Ganz bedeutende Posten werden aus Polen nach Preußen verkauft. Petersburg, 2. December. Die Regierung läßt nunmehr die deutschen Namen von baltischen Orten in russische umändern. Konstantinopel, 2. December. Eine Feuersbrunst zerstörte in der vorigen Nacht das Judenviertel in Aidin (Kleinasien). 200 Häuser und zwei Synagogen sind verbrannt, acht Personen sanden den Tod, mehrere sind schwer verwundet. Melbourne, 2. December. Die Melbourner Länder- Creditbank hat infolge Ansturmes der Deponenten ihre Zahlungen eingestellt. Locales rrnd Krovinzielles, Gießen, 3. December 1891. — Neues Theater. „Die relegirten Studenten", Lustspiel von Roderich Benedix, gelangte am Dienstag mit veränderter Besetzung hier zum ersten Male zur Ausführung. Alle Lustspiele obigen Autors sind frei von jeder Affect- hascherei und haben etwas Vornehmes, man könnte sagen, Apartes an sich. Es liegt Handlung in ihnen, welche, unterbrochen von Carricaturen, welche denselben den Anstrich der Lustigkeit geben, regelrecht dunl geführt ist. Eins der besten Lustspiele des Autors ist das obige, er hätte demselben gar nicht den Reclametitel geben brauchen, aber auch er meinte wohl „Klappern gehört zum Handwerk." — Der eigentliche Held des Stückes ist Reinhold, der Neffe des Stadtraths Kronau, welcher mit zwei seiner Studiengenossen, dem jetzigen Musiklehrer Wolfram Lindeneck und Schlosser Wieprecht Born, s. Z. von der Universität relegirt wurde, sich in aller Herren Länder herumtrieb — wobei er in der Schweiz die Herrin von Hartenberg mit eigener Lebensgefahr vor einem Absturz rettet — und schließlich „als verlorener Sohn" in die Heimat zurückkehrt. Schluß — „und sie kriegen sich" d. h. Reinhold die reiche Hartenberg, die beiden Büschen, ihre lange vergebens gewünschten Schätze, nämlich seine beiden Universitäts- und Schicksalsgenossen. — Herr Paul Ernst spielte den steifnackigen Biedermann „von alter Treue und Redlichkeit", der aber wie alle moderne Biedermänner auch dem Grundsatz „Eine Hand wäscht die andere" huldigte, nämlich den Kornhändler und Sradtrath Kronau mit richtigem Verständniß und Würde. Die Eifersuchtsscene seiner Frau Gemahlin (Frau Lindemann) und der des Viehhändlers und Oeconomieraths Hirschbach (Frl. Hüner) wurde von den beiden Damen möglichst ’ naturgetreu wiedergegeben, beide ernteten reichen Beifall. Auch der Herr Oeconomierath (Herr Rosenow), dem man an seinem „geschmackvoll" gewählten Anzuge den früheren Viehtreiber anmerken konnte, brachte diese Carrckatur sehr drastisch zur Darstellung, nicht minder Herr Reiners den gefallsüchtigen und verliebten alten Narren, den Stadtbaumeister Tannenheim. Die beiden Hauptrollen Reinhold (Herr Stegemann), Konradine von Hartenberg (Frl. Bischoff) wurden, da sie in bewährten Händen lagen, unter amrkennenswerther Berücksichtigung auch der kleinsten Nüancen im Geberdenspiele entsprechend durch- gesührt. — Wie bereits angekündigt, gelangt morgen Freitag der „Raub der Sabincrinnen" zur Aufführung. Abgesehen davon, daß dieses Lustspiel wohl eins der eigenartigsten und schönsten ist — in Berlin über 200 Mal, bei den ersten 50 Mal bei ausverkauftem Hause zur Darstellung gebracht — so wollen wir noch daraus Hinweisen, daß eines der befähigsten und beliebtesten Mitglieder der hiesigen Bühne, Herr Paul Ernst, an diesem Tage Benefiz hat. Da der „Raub der Sahinerinnen" zum ersten und wohl zum letzten Male hier zur Aufführung kommt, so ist wohl mit Bestimmtheit anzunehmen, daß das, was in Berlin über 50 Mal hintereinander, hier in Gießen wohl einmal möglich ist, nämlich daß das Haus ausverkaust wird, was wohl dem Benefizianten zu wünschen ist. — Ernennungen. Ernannt wurden: am 20. November l.J. die Hilsswärter bei den Oberhessischen Eisenbahnen Johannes Friedel aus Landenhausen und Clemens Quell aus Oberbirnbach zu Bahnwärtern bei diesen Bahnen. — Verschiedene Auffassung. Der Firma Hornlehnert und Schreyer zu Mainz wurde die Niederlegung der Holzhoskaserne übertragen. Danach hatte die Firma Hornlehnert und Schreyer sich erboten, 500 Mk. zu bezahlen, wenn ihr das Recht der Niederlegung übertragen würde, die Firma Jacobi aber verlangte 5000 Mk. und die Firma Strebel sogar 5500 Mk. — Für Reifende der vierten Wagenklaffe. Da von den Reisenden der vierten Wagenklaffe von der Befugniß, Traglasten und dergl. mit in den Wagen nehmen zu dürfen, oft in bestimmungswidriger Weise Gebrauch gemacht wird, ist jetzt das Zugpersonal streng angewiesen worden, daraus zu achten, daß die Mitführung von derartigen Gegenständen in Wagen vierter Klaffe auf den bestimmungsgemäßen Umfang beschränkt bleibt. Namentlich sind hiernach alle diejenigen Gegenstände in der vierten Wagenklasse ausgeschlossen, welche nicht von einer Person allein getragen und in den Wagen gesetzt werden können. 0 Grünberg, 1. December. Als in voriger Woche Drescher bei einem hiesigen Bürger Garben von dem Gerüste der Scheune werfen wollten, kam ihnen ein penetranter Leichengeruch entgegen. Bald entdeckten sie den beretis in Verwesung übergegangenen Leichnam eines Mannes. Von Ratten und Eulen waren ihm die Augen ausgebohrt und auch sonst Theile des Körpers angesressen worden. Die Leiche wurde als diejenige eines schon seit einigen Wochen vermißten, vagirenden Mannes von dem benachbarten Lehnheim agnoscirt. Spuren von einem Selbstmord sind nicht bemerkt worden. cco Ober-Ohmen, 1. December. Wegen Auftreten der Diphtheritis in der Familie des hiesigen Lehrers mußte die Schule wiederholt geschlossen werden. In dem benachbarten Unter-Seibertenrod ist gleichfalls die Schule wegen der dort stark grassirenden Seuche geschloffen worden. Bad-Rauheim, 1. December. Dem Geh. Medicinalrath Dr. Friedrich Bode I. dahier wurden gestern zur Feier seines 80. Geburtstages von allen Seiten besondere Aufmerksamkeiten zu Theil. Den ganzen Vormittag drängten sich die persönlichen Gratulanten aus Bad-Nauheim,- von auswärts liefen sehr zahlreiche schriftliche und telegraphische Glückwünsche ein; wir heben daraus das sehr verbindliche Schreiben des Decans der medicinischen Facultat in Marburg hervor, welcher am 5. März 1884 zum 50jährigen Doctor- jubiläum dem Jubilar das Doctordiplom erneuert hatte - weiter das Gratulationsschreiben des Geh. Medicinalraths Dr. Pfeiffer von Darmstadt Namens der Medicinal-Abthei- lung des Ministeriums, die schriftlichen Glückwünsche verschiedener wissenschaftlicher Vereine, deren correspondirendes oder Ehrenmitglied Bode ist. Der Wetterauer ärztliche Verein, dessen Ehrenmitglied Bode ist, hatte es sich nicht nehmen lassen, am Samstag Abend im Hotel Sprengel ein Festessen zu veranstalten, wobei der Vorsitzende, Herr Medicinalrath Dr. Lorenz von Friedberg, den mit stürmischem Jubel ausgenommenen Trinkspruch auf den Ehrengast ausbrachte. Zu dieser Feier war auch eine Deputation des Corps „Teutonia" von Marburg erschienen, welcher Corporation Bode während seiner academischen Jahre activ angehört hatte. Allgemein wurde bedauert, daß die Gattin des Jubilars, Emilie, geborene Zimmermann, diesen schönen Tag nicht mehr erlebt hat- sie ist vor einigen Jahren nach einer 48jährigen sehr glücklichen Ehe mit Tod abgegyngen. (D. Zig.) Büdingen, 1. December. Herr Geheimrath Kling el- höffer, Fürstl. Asenburgischer Kammerdirector i. P., ist heute, an seinem 70. Geburtstage, nach längerem Leiden sanft verschieden. □ Vom Vogelsberg, 1. December. Nun ist es wirklich Winter geworden und an der Zeit ist es auch, daß derselbe kommen darf, denn das liebe Weihnachtssest steht vor der Thüre. Seit der vorigen Woche ist Flur und Feld mit Schnee bedeckt, da ihm aber das Fundament: festgesrorene Erde mangelt, so ist er am Vorgebirge wieder zerschmolzen, im oberen Gebirge aber bildet er eine geschlossene Decke. Der starke Frost vom Samstag aus den Sonntag — das Thermometer zeigte 4 Grad Reaumur — hat rasch wieder einer gelinderen Witterung Platz gemacht. Dieses Wiedereintreten des gelinden Wetters kommt sehr den Müllern zu statten, indem der durch das Schneewasser verursachte Wasserzufluß nicht wieder gleich durch den Frost ausgehoben wird. Der ungemein trockene Herbst hatte ein starkes Zurückgehen der Wasserzuflllsse im Gefolge, sodaß es den Müllern lange Zeit an dec normalen Wasserkraft mangelte. So standen während des Herbstes die meisten Holzschneidereien, welche neben den Mahlmühlen durch Wasser betrieben werden, still. Eine eigentliche Regenzeit, wie sonst im Herbst, ist diesmal ganz ausgeblieben. Vermehrten Wasserzufluß brachten erst die Tage der vorigen Woche durch den Schneefall. Es kommt diese Wasserfülle den Müllern jetzt umsomehr zu statten, als das Weihnachtsfest naht, durch das auch die Ansprüche an die Mahlmühlen in erhöhtem Maße herantreten. Oppenheim, 1. December. Das Resultat der Submission für die Erbauung unseres Hafens dürfte allgemeines Erstaunen Hervorrufen. Der Mindestfordernde (Herr Ad. Becker-Oppenheim) verlangte für die Bauten 180,171 Mk., der Höchstfordernde (Herr Maid-Straßburg) 285,520 Mk. - mithin ist zwischen beiden Forderungen eine Differenz von 105,349 Mk. vermischtes. * Frankfurt n. M., 1. December. Die Hallen und Pavillons der electrischen Ausstellung zeigen sich, soweit sie überhaupt noch stehen, täglich durchsichtiger- bis Ende des Jahres muß der Abbruch überhaupt vollendet sein. Aus den Bällen sieht man bereits häufig die electrischen Rosen und Busennadeln von A. Költzow in Berlin 8. Ueberhaupt haben sich ungemein viel electrische Gegenstände seit der Ausstellung in den Haushaltungen eingeführt. * Frankfurt a. M., 1. December. Der „Allgemeine Arbeiterinnenverein für Frankfurt und Umgebung" wurde laut Vereinsgesetz, als politischer Verein, dem Frauenspersonen angehören, polizeilich geschlossen. * Frankfurt a. M., 2. December. Heute Morgen erschoß sich auf dem Tieskai ein Maler Namens Pitzer aus Gießen. Die ins Herz abgeschossene Kugel hatte den sofortigen Tod zur Folge. Die Leiche wurde aus den Sachsenhäuser Friedhof verbracht. * Frankfurt a. M., 2. December. Heute Morgen erhielt ein in der Meisengasse Nr. 7 A wohnender Milch- und Kartoffelhändler Namens Schulz eine Postkarte aus Offenbach zugeschickt, des Inhalts, er möge sofort nach Offenbach in ein Delicateffengeschäft in der Großen Hasselbachstraße kommen, falls- er mehrere Waggons Kartoffeln billig erhalten wolle. Als er dort ankam, stellte sich heraus, daß das Geschäft keine Postkarte an ihn geschrieben hatte, und die Folge zeigte, daß es sich um einen raffinirten Diebstahl handelte. Während der Händler in Offenbach war, fuhr seine Frau fort, um Milch bei der Kundschaft abzuliefern- in ihrer Abwesenheit wurde die Stubenthür gewaltsam erbrochen und aus einem Pulte über 2000 Mk. gestohlen. * Würzburg, 30. November. Ein interessanter Fall von Kindesunterschiebung beschäftigte heute die Strafkammer. Einer Hilssconducteursfrau von hier bereitete bie- Kinderlosigkeit ihrer fünfjährigen Ehe großen Kummer, um so mehr, als ihr Mann diesen Kummer theilte. Um dem abzuhelsen, holte sie sich, nach allerlei täuschenden Vorbereitungen, in der königlichen Entbindungsanstalt ein neugeborenes Mägdelein, das Kind einer armen Dienstmagd. Dann fingirte sie zu Hause eine Geburt und präsentirte ber erstaunten Hebamme und dem Herrn Gemahl ihr Erstgeborenes, dessen Eintragung in das Personenstandsregister der Täuschung entsprechend erfolgte. Lange Zeit kam die Sache nicht auf. Erst als die rechte Kindesmutter gehei- rathet hatte und Sehnsucht nach ihrem Kinde bekam, entdeckte man die Täuschung. Der unechte Herr Papa hatte aber inzwischen das Mädchen so lieb gewonnen, daß er es nunmehr adoptirte. Die Strafkammer erkannte gegen die Frau auf einen Tag Gefängniß, das geringste Strafmaß. * Chemnitz, 30. November. Die Vertreter von siebenundvierzig Krankenkassen des hiesigen Bezirks wählten einen Ausschuß für die Vorarbeiten zur Begründung eigener Heimstätten für Genesende. Bis zu deren Eröffnung will man die bekannten Heimstätten der gemeinsamen Leipziger Ortskrankenkasse mitbenutzen. * Ohne Kehlkopf. In Wallmar bei Wetter lebt eine Frau S., welcher vor beinahe drei Jahren der ganze Kehlkopf von Herrn Dr. Roser in Wiesbaden herausgeschnitten worden. Sie athmet nun durch eine Oeffnung im Halse, nimmt dagegen ihre Nahrung wie früher durch den Mund, wobei sie kaum nöthig hat, feste Speisen, da ’fte nicht schlucken kann, mit der Hand hinunterzustreichen. Und da die Lust^ die sie ein- und ausathmet, nicht mehr durch den Mund geht, spricht Frau S. nicht in Tönen, sie macht sich aber durch Flüstern mittels Bewegung des Gaumens und der Lippen leicht verständlich. Dabei erfreut sie sich guter Gesundheit und ernährt sich und ihre Familie durch Feldarbeit. Dieses ist einer jener vor Kaiser Friedrichs Tod so vielfach angezweifelten Fälle einer vollständigen und dauernden Heilung vpn Kehlkopfkrebs. * Die Zeitungen Lüdenscheids veröffentlichen ein mit „vielen Damen Lüdenscheids" unterzeichnetes Inserat, in welchem diese unter Rücksichtnahme aus die kalte Witterung erklären, auf die Begrüßung der Herren durch „Hutabnehmen" verzichten zu wollen. verkehr, Land« und volkswirthschaft. Limdirrg, 2. December. Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 2020, weißer Weizen jM —, Korn X 1850, Gerste JL 11.10, Hafer, JL 7.10, Erbsen —Kartoffeln — — ueber den Einfluß der Mettpansen ans die Be» schaffenheil der Milch. Schon früher haben wir wiederholt erwähnt, daß die Zusammensetzung und Menge der Milch durch die Dauer der Zwischenzeiten beim Melken beeinflußt wird. Ausführlich hat jedoch erst Prof. Dr. Fleischmann die Sache untersucht. Auf Grund seiner interessanten Beobachtungen kommt er zu folgenden allgemeinen Schlüffen: . r r r- „ 1. Je länger die zwischen zwei aufeinander folgenden Melkzeite» liegende Ruhepause für eine Kuh oder Kuhheerde ist, um so mehr Milch wird am Ende dieser Ruhepause von dieser Kuh oder Kuh- heerde ausgefchieden und umgekehrt. 2. Je größer die Mtlchmenge ist, welche eine Kuh oder Kuh- Heerde an den aufeinander folgenden Melkzeiten eines TageS liefert, um so größer ist auch die absolute Feltmenge, die in der Milch gewonnen wild, um so geringer dagegen der procentische Gehalt der Milch an Fett und Trockensubstanz, und um so fettarmer auch die Trockensubstanz selbst, und umgekehrt. 3. Wenn von einer Melkzeit zur nächsten die von einer Kuh oder Kuhheerde gelieferte Mtlchmenge steigt, so wächst die absolute in der Milch ausgeschiedene Fettmenge nicht in gleichem Verhältniß mit der Milchmenge, sondern langsamer, auch der procentuale Fettgehalt der Milch nimmt langsam ab, als die Milchmengen wachsen, und in noch viel geringerem Grade vermindert sich der procentische Gehalt der Milch an Trockensubstanz, und umgekehrt. 4. Wenn eine Kub oder Kuhheerde bei den verschiedenen Melkzeiten eines Tages verschieden große Milchmengen mit verschiedenem Gehalte an Fett und Trockensubstanz liefert, so zeigen doch das specifische Gewicht der Milch und deren Gehalt an fettfreier Trocken- ■ substanz nur sehr geringe Verschiedenheiten. Dte Satze 2 und 3 enthalten die Erklärung dafür, daß im Allgemeinen von derselben Kuh oder Kuhheerde bet dreimaligem Melken in 24 Stunden gehaltreichere Milch geliefert wird, als bet nur zweimaligem Melken. ** UuS Starkenburg, 2. December. Ihre Zeitung bringt in Nr. 279, Erstes Blatt vom 29. v. Mts., ein „Eingesandt", in welchem ein aus der Darmstädter Zeitung vom 19. November d. I. übernommener Artikel über Schweinemcht und Schweinefleischpreise einer Besprechung unterzogen wird. Es möge gestattet fein, Folgendes darauf zu erwidern: Der Artikel schlldert die Verhältnisse in Starkenburg. Sie scheinen dort zuzutreffen, denn obgleich jene Schilderung seit 14 Tagen erschienen ist, wurde ein Widerspruch nicht dagegen erhoben. Der Herr Einsender sagt auch selber: Es ist möglich, daß in Starkenburg die Verhältnisse anders liegen wie hier — und so sagt man auch bei uns: Die Verhältnisse für Gießen und Umgegend liegen vielleicht anders als in Starkenburg. Aber Gießen und Umgegend ist nicht Oberhessen und Darmstadt und Umgegend ist nicht Starkenburg. In beiden Provinzen gibt es noch große Landestheile, dte wohl mit in Betracht gezogen werden müssen. Der Herr Einsender bemängelt, „daß die Herren Landwtrthe nur dann mästen, wenn dte Futtermittel anderweitig nicht besser an den Mann gebracht werden können, dagegen den Viehstand auf das Aeutzerste beschränken, sobald solche im Preise hoch stehen". Der Herr Einsender hat leider so sehr recht! Denn der Bauer kann nur mästen, wenn er Futtermittel hat. Wenn diese im Preise hoch stehen, hat er sie nicht, und wenn er sie anschaffen soll, dann fehlen ihm die Geldmittel für die theuren Futtermittel. Er würde also ein sehr schlechtes Geschäft machen. Schwerlich glaubt der Verfasser jenes Artikels, „daß die Metzger immer nur für die Herren Land- wirthe und Eon'umenten arbeiten müßten." Die Erfahrung lehrt gerade das Gegentheil. Greifen wir einmal hundert Landwirthe und hundert Metzger aus einem Kreise heraus, vertheilen wir Lust und Licht ganz gleich und sehen wir, was ein Landwirth in 25 Jahren, also von 1866 bis heute vor sich gebracht hat, wenn er ein kleines schuldenfreies Gut mit Schiff und Geschirr, mit Inventar und Betriebscapital übernahm! Von diesen hundert Landwirthen wird bei weitem die größte Zahl zufrieden sein, wenn sie mit Ach urd Krach durchgekommen sind und keine Schulden gemacht haben. Sämmtliche hundert haben so anstrengend gearbeitet wie die Metzger, sie hatten mindestens das gleiche Rtsico und haben nicht blos in 1889 und 1890, sondern in vielen anderen Jahren für die Consumenten rc. gearbeitet. Nun vergleichen wir dieses Resultat mit demjenigen, was sich für die Metzger ergibt. Das sieht schon ein bischen anders aus. Der Herr Einsender sagt vielleicht: Die Gewerbefreiheit hat Jedem gestattet, sich einen Beruf nach eigenem Ermessen zu wählen. Ganz recht, der Bauer kann Metzger und der Metzger kann Bauer werden. Nur schade, daß es sich in der Praxis ganz anders als auf dem Papiere ausnimmt. Was die Concurrenz anbelangt, so wissen die Leute vom Vogelsberge, im Odenwalde und anderen Gegenden, die weitab vom großen Weltverkehre liegen, auch Einiges zu erzählen und wer sich dafür interessirt, der kann gelegentlich eine Probe machen. Die Zeilen des Herrn Einsenders, sowie die unjrtgen mögen darum ihm, den Herren Landwirthen und allen denen, die für solche Dinge ein Interesse haben zur Lehre, dem consumirenden Publikum aber zur Aufklärung dienen. Einstweilen giebt die unbestreitbare Thatsache, daß von hundert Metzgern in den letzten 25 Jahren mehr reich geworden sind, als hundert Landwirthe unter gleichen Verhältnissen, jedem Unbefangenen zu denken. Neu-Grrinea. Wir weisen auf die heutige Annonce der Bremer Eigarren-Fabriken vorm. Biermann & Schörling hin, wonach die Fabrikate aus den vielumstrittenen Neu Guinea-Tabaken zum Versand gelangt sind. — Bekannrlich hat jene Firma die ganze 1890er Ernte dieser Colonialtabake gekauft. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. 1. Adventswochengottesdienst heute Donnerstag den 3. December, Abends 8 Uhr, in der Kirche. Pfarrer Dingeldey. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. Freitag Abend 3« Uhr, Samstag Vormittag 8»° Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samtag Abend 440 Uhr. Ball - Seidenstoffe von 65 Pfge. bis «X 14.80 p. Meter — glatt, gestreift und gemustert — versendet roben- und stückweise porto- und zollfrei das Fabrik-D6pöt G. Henneberg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster um» gehend. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 2352 Pfarrer, Lehrer, Gutsbesitzer, Beamte rc. rauchen seit Jahren HollLnd. Tabak von B. Becker in Seesen a. Harz 10 Pfd. fco- 8 X mit stets gleichem Behagen- LlbUb >2!4S Heute treffen Bekanntmachung ___Emil Orbig. A Fische und Geflügel, £ Bte Auswahl, beste Qualitäten, billigste ä itfe bei [10657 W größte [10657 Preise bei 10612 10611 LouiS Hellmold. vermiethen Puppenköpfe in Patentmasse, Holz u. Porcellan, mit u. ohne Frisuren, 3C Neuheit: Allein-Verkauf für Gießen: Gelenkpnppen mit Spiralfedern zum Selbstrepariren. 10646 Sterbehause (Kirchenplatz 11) aus statt. [10652 Angekleidete Puppen, Puppengestelle in Stoff u. Leder, Gelenkpuppen in allen Größen, Es wird dies mit dem Ansügen bekannt gemacht, daß das Wahl- protocoll nebst Anlagen drei Tage lang, nämlich vom 4. bis inet. 7. December 1891, auf dem Bureau der Firma A. Heichelheim offen liegt, C Klingspor. . R. Scheel . . . Sonnenstr. 5 Arme und Beine, Schuhe und Strümpfe, Puppenhüte, Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Gießen, den 1. December 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. weiche und steife Hüte, Seidenhüte, Herbst- und Wintermützen für Herren und Knaben. Schirme für Damen und Herren, in bester Qualität, schon von Mk. 1.40 an. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, daß es Gott gefallen hat, unseren innigstgeliebten Gatten, Vater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, Schreinermeister Wilhelm Diehl, nach langem schweren Leiden in ein besseres Jenseits abzurufen. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, 3. December 1891. Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 2 Uhr vom Alle Zuthate« jur feinen Bäckerei in unübertroffener Qualität und zu billigsten Preisen empfiehlt [10406 Emil Fischbach. Neuheiten in Binden und Cravatten, Kragen und Manschetten, Glae6-, Stoff- und Wildleder-Handschuhe, mit und ohne Futter, Hosenträger, Hutflore re. re. , 20/20 . 10.10 . ,0/10 „ 10/10 10/10 Seltersweg Brost Mer Selterswege Specialität — • in Teppichen, Möbelstoffen, Vorhänge», e • Zu Weihnachtsgeschenken empfehle als besond. preiswürdig: < W Teppiche zum Belegen ganzer Zimmer in Tournay, Velvet, BrüsselV • und Tapestry, zusammengesetzte Teppiche mit Bordüren, • Sopha-Vorlagen, abgepaßt in Größen von 138 x 200 bis ^ 400 X 600 cm, . 23 22 Sämmtliche Waaren verkaufe im Ausverkauf zu Fabrikpreise«. 8546 Meuplatz 5. Heinrich Repp, lmdmplatz 5. MU" Irdcs Kistchen ist mit ncbigcr Schutzmarke und unserer Firma versetzen und cnttzüit ein ffcrtificat ycr Neu (Äuinea Corn- pannie in Äerlitt, welche r'cscheini".t, Vas wir die alleinigen Inhaber dieser gan» neuen deutschen (soionial Tabak« find. Bremer Cigarren - Fabriken vorm. Biermann & Scliörlins in Bremen. UenÄetßmWM. 10635] Ein kleines Logis an ruhige Leute im Hinterhause Oftanlage 15 zu e Vermischte Znzch^n. Neues Theater, Giessen Freitag den 4. December 1891: Zum Benefiz für Herrn Paul Ernst. (Äusser Abonnement) Der Raub der Sabinerinnen. Schwank in 4 Acten von Franz und Paul von Schönthan. Bekanntmachung. Bei der heute vorgenommenen Ergänzungswahl der Mitglieder Großherzoglicher Handelskammer zu Gießen sind gewählt worden die Herren: S* Heichelheim ... mit 23 Stimmen, la. Schellfische Aus der Stiftung der Kinder und Erben des Commerzienraths z v t Georg Karl Gail sind für das Jahr 1892 an zwei bedürftige, dahier wohnende Familien oder alleinstehende Personen Unterstützungen von je 200 «X zu vergeben. Bewerbungen haben bis zum IS. December 1891 auf dem Armenamt, Zimmer Nr. 6, zu geschehen. Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Ludwig Theodor Felsing Eheleute zu Gießen sind die diesjährigen Zinsen mit 120 «X an zehn in Gießen geborene würdige Arme zu gleichen Theilen zu vergeben. Anmeldungen hierzu haben bis zum 10. k. M. auf dem Armenamt, Zimmer Nr. 6, zu erfolgen. Gießen, den 28. November 1891. Heu-Guinea- Tahak. Wir haben die von uns aus 1890er Neu Guinea Tabaken fabrizirten Cigarren nun“ meLr zum Versand gebracht, und sind dieselben in den meisten größeren Cigarrengeschäften Deutschlands wie svlgt zu haben: Nr. 1. Neu-Guinea Esceptionales ä, 150Mk., für 20-20 Kistchen. LU. Fuhr, Sonnenstrasse, empfiehlt in großer Auswahl: und Einwendungen gegen die Wahl oder die Gewählten innerhalb dieser. iuoi2] Ein Geselle gesucht. drei Tage bei Vermeidung des Ausschlusses bei der Handelskammer vor-i Christ. Kraft, Schuhmacherme ster, j zubringen sind. ! —-------Krofdorf.---------- i Gießen, den 3. December 1891. vv 11 Großherzogliche Handelskammer. , I. V.: R. Scheel. werden billigst angefertigt bei [10261! 10642 Max Rüger, Friseur, Wettergasse 5 > !!!Kluiruhrkckrn!!! _ _ und Puppenperrücken werden dauer- Ä 366 x 550 cm, haft angefertigt bei [;0658 Cocos Läufer Matten, H. Tichy, Seltersweg 43. 2? Jmitirte Tiger-Felle (Sealskin-Vorleger), „ 2. Xeu-Guiitea Predilectos „ 120 „ , 3. Ncea-Guinea Favoritas „ 100 „ „ 4. Neia-Guimea Londresgrande „ 90 „ „ 5. Neu-Guinea RegaliaReyna „ 80 „ „ 6. Neu-Guinea Perfectos „ 60 „ • Pult- und Bettvorlagen, M Portieren und Vorhangstoffe, ä A Engl. Tüll-Gardinen, weiß und creme, abgepaßt und vom W 2 Stück, das Fenster von Max Bruch. A. Rubinstein. | Lu 10651 105,70- Ku, tva« Sa cem ab: wir^ ^esa Wald! nur \ fichs beim mitun seiner Frau sagte iu am G, Baum 89 60 88 40 78.70 34.80 findet Samstag Nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause (Goethestrasse 16) 10661 Allen Verwandten und Bekannten statt jeder besonderen Anzeige hiermit die traurige Nachricht, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unseren innigstgeliebten Gatten, Vater, Grossvater, Sohn, Bruder, Schwiegervater, Schwiegersohn, Schwager und Onkel 'S "I laubni lichm, P.K. pfoHIe Redactionr A. Echeyd«. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen. Dtt Nutte« Stummer umfasst 6 Sette*. « hi K werden Är.fl, 2Echw< Mtrj töt. r Gietz 10550 Die Beerdigung aus statt. ReichSbLnk-Direom 4 - Frankfurter Bank-Dtscom 4 pCr Tendenz: fest. _____________ 6 T yonne Orchester von........ 4. Molto Lento (Sphärenmusik) aus dem Quartett in C-moll von 5. „Antigone66, Tragödie von Sophokles i in allen Gymrr.- und Realsachern erth , Aelfenk. Bergw.-AeL. ! bill. ein im Unterricht geübter Kandidat. 1 ' Unbemittelte ro befond- brrücksicht. ' , Zu ,erfragen in der Exped- d- Bi- 9802 • für Männerchor, Bariton und Orchester comp. von...........F. Mendelssohn-Bartholdy. Texte zur „Antigone“ sind bei Herrn Challier ä 10 Pfg. zu haben. Während der Aufführungen werden die Saalthüren geschlossen. Nach Schluss des Concertes „r eilt * K-iie n * t M- ** seit vier lieben t begegne gerusen Und dl gcf)Hi C alles ©tattö Lust Kamu Lenz ein A groß empfiehlt alle Arten Blechspielwaaren für die Puppenküche, sowie Kochherde in größter und schönster Auswahl. 10492 Freiwillige Gail’sche Feuerwehr. Samstag den 5. December, Abends 8 Uhr im Saale des Cafe Leib 36 jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Theater und Tanzunterhaitang. Das Theater wird von den Mitgliedern des Neuen Theaters aufgeführt. [10524 Der Borstand. Sängerkranz Samstag den 5. December, Abends präcis 8 Uhr Abendunterhaltun in Steins Saalbau. Programm. 84 3014% Ung. Gold-Rente 91.85 I b 0/0 Jtal. Rente 84 3014,/e|% Oeft- Silber-Rente 98.00130/0 Portugies. Anl. 138.301 Ver. KönigS-Laurah.-Act tllitgti o 8. Laub a Tanzunter haltung. Der Vorstand. Großer Weihnakhts-Ausverlaus Wegen vorgerückter Saison verkaufe sämmtliche C3T Wollwaaren en Kro8-Preisen 1. Ouvertüre z. 0p. „Don Juan“ von W. A. Mozart 2. Reeit. u. Arie (Sopran) „Endlich naht sich die Stunde“ aus „Figaro“ von W. A. Mozart 3. Normanen-Zug, Gedicht aus „Eckhardt“ von Scheffe für Bariton-Solo, einstimmigen Männerchor und Gonr-bericht m E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frankfurter Börse vom 3. December 1891. Schlußeovrf« 1 Uhr 15 Min. Weihnachts-Verloosung Mffi i11 .S “ 1 Loos nur 1 Mark. der Ziehung unwiderruflich am 20. Decbr. d. j, Darmstädter Gewerbehalle. w und C. Lehrmund in Giessen. 10656 ■ , .. || 1 je e wird tüchtigen Personen angeboten. Leichter Nebenverdienst l“d^:pv^dien8t‘ ä 3T Samstag den 5. Decemberr + 5. Dec. 1791. i kswflienahellä 10838 in der »Teutonia* (Eiertanzer). Kaufmännischer Verein. Freitag, 4. December: AlterHerreD-AbeHd. Zugleich Besprechung einer wichtigen kaufmännischen Angelegenheit.__________10653 106031 Leichtes gut erhaltenes Oeeo- nomiewägelchen zu kaufen gesucht. I. Dern, Frankfurterstraße 86. Energische Nachhülfe Giessen, 3. 8% ReichSarrlethc 3V1 °/o do. 3o/o Preuß. ConsolS 3Vie/e do. Freitag dm 4. December (Stegner Anzeiger*. Beilage;u Sir. 283.-1891 Feuilleton. Der liebe Gott zieht durch den Wsld *). Von P. K. Rosegger. (Nachdruck verboten.) „Der liebe Gott geht durch den Wald!" — so singt ein altes Lied, aber eine alte Erfahrung zeigt, daß er im Walde nicht Jedem begegnet. Die Rehe und Hirsche vielleicht sehen ihn, fürchten ihn aber nicht — er geht ohne Büchse um. Der Pecher-Lenz, im Walde geboren und den Wald seit vierzig Jahren durchstreichend, ist, wie er meint, dem lieben himmlischen Waldgänger noch nicht ein einzigesmal begegnet, wohl aber Manchem, vor dem er fluchend ausgerufen: „Das ist des Teufels!" oder: „Hols der Teufel!" Und doch! Auch der Lenz hats erfahren: „Der liebe Gott geht-* durch den Wald!" ■ Sein — des Pechers — Haus steht tief im Walde; alles um dasselbe strebt in wilden Büschen und hohen Stämmen himmelwärts, und aus den Wipfeln klingt die Lust — nur das Haus kriecht auf dem Sande, und seine Kammern sind düster. Bis ins dreißigste Jahr war der Lenz ein armer Pechersbursche gewesen; dann nahm er sich ein Weib und war nun der arme Pechersmann geheißen. So groß war der Unterschied. Seinem Vater ists nicht viel besser gegangen. Der ist Waldhüter gewesen, aber von dem hochgelobten Walde war nur das Bitterste sein eigen — das Pech (Harz). Doch ließ sichs dabei leben; die Pecher, wohlgemerkt, die ledigen, pfeifen beim Baumschaben heitere Liedchen, und die Terpentiner haben mitunter so schlecht nicht gezahlt. Das Handwerk ernährt seinen Mann — aber nur den Mann, nicht etwa auch noch Frau und Kinder. „Bei Euch in der Waldhütte sollte der Cölibat fein'" sagte einst ein fremder Jäger zum Pecher-Lenz. *) Aus P. K. Roseggers „Gesammelten Werken", mit Er- laubniß von A. Hartlebens Verlag, Wien. — Die echt volksthüm- lichen, sittenreinen, gemüthreichen und humorvollen Schriften P. K. Roseggers seien unseren Lesern hiermit wiederholt warm empfohlen. „Was ist denn das für ein Ding?" fragte der Lenz, „ists was zum Essen oder zum Ankleiden?" Als sich der Fremde näher erklärte, wurde der Lenz saft ausgebracht. Sein ganzes Glauben, Lieben und Hoffen geht auf Weib und Kind. Er selber ist so viel als Bettelmann. Wenn er im Walde ein grünes Reis auf seinen Hut steckt — es ist fremdes Gut. Die Hütte, in der er wohnt, steht aus dem Boden des Herrn Gallheim und ist gebaut aus dem Holze des Herrn Gallheim. Nur Weib und Kind sind sein eigen. Gallheim ist ein flinker Jäger und fröhlicher Lebemann, und ein kleiner Scherz mit der drallen, biederen Pecherin — warum nicht? Anderer Meinung ist der Lenz; der hat dem Gutsherrn darüber etwas Grobes gesagt. Grobsein aber ist nichts für einen armen Teufel, der muß allemal Süßwurzeln kauen, wenn er mit dem „gnädigen Herrn" spricht. Nun, der Lenz hat eben gethan, wie er gethan hat — wie ich auch thäte an seiner Stelle — und so ist ihm eines Tages ein großer Brief ins Haus gekommen. Der Lenz kann nicht lesen, aber sein Weib hat die unselige Kunst gelernt- er knittert mit Mühe das feine Zeug auseinander - das Blatt bleibt kleben an seinen harzigen Fingern. „Alte, geh, schau, was da drauf steht." Da drauf stand Solcyes: „An Lorenz Hackbretter im Kesselwald. Demselben diene zur Kenntniß, daß von nun ab sorstwirthschaft- licher Rücksichten wegen das Pechschaben nicht mehr gestattet ist. Dawiderhandelnde verfallen der Strenge des Gesetzes. Der Oberförster, im Auftrage des Herrn von Gallheim, Gutsbesitzer. So hatte das junge Weib gelesen. „Nun?" sagte der Lenz, „und sonst nichts mehr? Der paar Worte wegen das sündhaft viele Papier?" Er steckt die Hände in die Hosentaschen, ging in den Wald und brummte. „Nicht mehr gestattet! Forstwirth- schaftlicher Rücksichten wegen, oder wie das Zeug heißt! Nun ja, die Sach muß einen Namen haben. Allfort hab ich Acht gegeben auf den Stamm- dieser schöne Wald, wie er heute dasteht, unter der Pechschabe ist er ausgewachsen. Und jetzt auf einmal ists ein Verderben. Sakra, was heb ich jetzt an!?" Gelernt hat er nichts. Wurzeln- und Kräutergraben ist noch das Einzige- aber wenn er des Abends heimkehrt von seinen gefährlichen Gängen und Klettereien in den Fels« wänden, ist er trotzig und launisch und unwirsch stößt er sein Kind, das herzige Magdale, von sich, wenn es, wie sonst, zu ihm herankommt und in süßer Kindlichkeit fragt, was das Reh mache draußen im Walde. Das Reh draußen im Walde? Das bringt den Lenz aus neue Gedanken. Und eines Tages nimmt er den alten Kugelstutzen aus dem modernden Schranke hervor, schleicht damit hinaus, stellt sich an und siehe, harmlos kommt ein prachtvoller Hirsch mit hohem Geweih herangeschritten. Der Mann fährt mit dem Gewehr zur Wange — da sieht er in den Schaft eingegraben das Herz, aus dem ein Kreuz wächst. Das ist das liebe, traute, alte Zeichen, welches fein Vater so gern in Stab und Stiel seiner Werkzeuge eingegraben hatte. Ein Kreuz — der Vater ist auch blutarm gewesen- ein Herz — er ist ehrlich geblieben. Das Gewehr entsinkt der Hand des Mannes und der Hirsch läuft flink über die Matte hin. Ein Herz und ein Kreuz! Er hat Weib und Kind und wird sie mit Kräuter- und Wurzelgraben in Gottes Namen ernähren. Was geschah? Die Hirten thaten sich zusammen und verklagten den Wurzelstecher, daß er den Grasboden verwüste. So wurde ihm auch dieses untersagt, und er ging verloren in den Wäldern umher und toyfote nicht, was beginnen. Ihr fragt, ob ihm nicht doch der liebe Gott begegnet sei mit einem guten Gedanken? Was helfen gute Gedanken dem, der sie nicht ausführen kann! Wohl aber ein anderer Geist trat ihn bisweilen an, der flüsterte: Lenz, bist ein Mensch, hast ein Recht an die Welt- hast die Pflicht der Erhaltung gegen die Deinen, aber keine gegen Gallheim, keine gegen die reichen Bauernhöfe draußen, keine gegen den Wanderer, der durch den Wald zieht. (Fortsetzung folgt.) Keitsg den 4. December, Morgens 10 Uhr, werden im hiesigen Hospital, Seltersweg Nr. 11, gegen Baarzahlung versteigert: 2 Schweine, Wagen, Tische, Küchen! chrank, Kleiderschrank, Nachtschrank, Schreibsecre- tär. Die Versteig, findet besttmmt statt. Gießen, den 30. November 1891. 10550 __Kemmer, Pfandmeister. Freitag den 4. und Samstag den 5. December, von Nachm. 3 Uhr ab: Fortsetzung der Ber- steigerung von Woll-, Kurz- und Galanterie tvaaren im „Adler". 10483 H. C. Werner. WMeöotenes. 8716] Das Verzeichniss unserer Obstbaumschulen wird Interessenten auf Verlangen frei zugesandt und empfehlen wir alle Arten Obstbäume in ausgesucht schöner "Waare. [8716 Goos & Koenemaain, Baumschulen, Nieder-Walluf a. Rh Braunkohlen bester Qualität, in allen Sorti- rungen wieder vorräthig. [8066 Hessenbrückerhammer bei Laubach, im September 1891. Die Grubenverwaltung. Meneste Dichtung von Julius Wolffr B 6 & U t Gebunden 6 Mark. [l<03 Zu haben bei E. Trenckmann, Buchhandlung und Antiquariat, Sonnenstr. 5 Gießen am Kanzleiberg. Neues Julienne zu haben bei [10275 Drebes & Wallenfels. Brennholz. Buchen- und Tannenholz, in guter trockener Waare, per Meter und per Gentner, billigst bei es] Andreas Euler, Geschäfts-Empfehlung. Koch u. Delieatessen-Geschäft von Friedrich Wirtz No. 63 Seltersweg ITo. 6 3. Bezugnehmend auf Obiges, erlaube mir den geehrten Einwohnern von Gießen bestens zu empfehlen: Delieatessen aller Art, kalten Aufschnitt (garni). — Uebernahme und Zubereitung von Dejeuners, Diners, Soupers in und außer dem Hause. 9502 ____ Hochachtungsvoll____ Friedrich Wirtz langjähriger Küchen-Chef. übertragen. 4412 M. Schuster, Bonn, Dampfkaffee-Brennerei, gegr. 1857. Strichwolle ersuchen Sie gefl. Schusters Caffee. Verkaufsstelle Gießen: Hch. Wallach, Markt 8. Lohnende Verkaufsstellen werden soliden Händlern an allen Otten bekannt beste Marke von M. & W. empfehlen in allen Farben und Qualitäten zu billigsten Preisen Rothamcl & Fctry, 10409_____________________________Bahnhofstraße 31.________________ Die Fortsetzung meines Ausverkaufs von Manufacturwaaren, Strumpfwaaren, Kleidungftücken. Halstüchern, in großer Auswahl, sowie viele andere Artikel, findet in meiner jetzigen Wohnung zu jedem annehmbaren Preise statt. Friede. Gmil Loos Asterweg 9, im Hanse des Herrn Qr. Ploch 10166 _______________Hof rechts, 1 Treppe hoch.________________ Reste - üon Heindentuchen. Leinen, Halbleinen, baumwollenen Hemdenflanellen und sämmtlichen Wäsche-Artikeln empfehlen in jeder Größe zu bedeutend ermäßigten Preisen C. Röhr & Co. 10564___________________________Bahnhofstraße 54.|_______ Für Fabrik- und Betriebs-Krankenkassen. Bescheinigungen über die Endzahlen aus der Aufrechnung der Quittungskarten zur JnvaliditätS- und Altersversicherung (It. „Gießener Anzeiger" Nr. 231) sind zu haben bei Wilhelm Klee, Papier- und Formularhandlung. Aecht holl. Java - Kaffee mit Zusatz, kräftig und reinschmeckend, garantirt, ä Pfd. 80 Pfg. Postpackete 9 Pfd. Mk. 7,20 versende zollfrei unter Nachnahme. Auf der letzten Brüsseler Internationalen Nahrungsmittel- und Kochkunst-Ausstellung mit der höchsten Auszeichnung, der „Goldenen Medaille“, prämiirt. Hier nur einige von Tausenden der eingegangenen Anerkennungsschreiben: Bitte sobald wie möglich mir 18 Pfd. Java-Kaffee. 80 Pfg. das Pfd., zu senden, weil Ihr Kaffee gut und reinschmeckend ist. Wilh. Heinz, Duveldorf 22. 3. 91. — Da mir Ihr Kaffee geschmeckt hat, so bitte um Zusendung von 9 Pfd. an Bäckermeister Franz Gaide, Kätscher 16. 1. 91. — Da mein Kaffee zu Ende geht, und ich mit der Sendung sehr zufrieden pin, möchte ich Sie hierdurch ersuchen, mir wieder 9 Pfd Java-Kaffee mit Zusatz zu senden. A. Maass, Kaufmann, Döbel, 6. 1. 91. — Mit dem mir zugesandten Kaffee war ich recht zufrieden, und bitte mir die gleiche Qualität wieder zugehen zu lassen. Carl Schlemmer, Stuttgart 19. 1. 91. — Da Ihre vorige Sendung zu meiner grössten Zufriedenheit ausgefallen war, so bitte ich um weitere 9 Pfd. Ihres Java-Kaffees. Martin Jensen, Orsbeck 1. 6. 91. — Bitte schicken Sie mir wieder eine Sendung von Ihrem Kaffee, meine Frau hat sich so daran gewöhnt, dass sie keinen andern mehr haben will, bitte um 9 Pfd. gegen Nachnahme. H. Althoff, Höxter 3. 6.91. — Da ich mit der ersten Sendung Ihres Holl. Java-Kaffee sehr zufrieden war, ersuche ich Sie freundlichst, mir wieder 9 Pfd. Ihres Kaffees zu senden. Müller, Lehrer, Affhöllerbach 11. 6. 91. [10402 Versandt täglich. Wilhe Schultz, Altona b. Hamburg. .................................................................................. Möbelfabrik u. -Lager MHTIATLT7B l 1B7B . > Asterweg 47. — Ederstr. 8, empfiehlt 1442 sein reichhaltiges Lager in eichen- u. nussbaum-polirten Möbeln, sowie completen Betten, polirt und lackirt aller Art, Blumen* tischen und Rohrsesseln, sowie Spiegel, Teppiche, Läufer und Gardinen zu aussergewöhnlichen Preisen! durch Ersparnisse der Ladenmiethe! Eigene Polsterwerkstätte ! Eigene Schreinerwerkstätte ! XXV. Kölner Dombau-Lotterie. Nur baares Geld, Hauptgewinne: M. 75,000, 30,000, 15,000 u. s. w. M Ziehung am 18. Februar 1892. Loose zu 3 Mark (Porto mit Liste 30 Pf.) 9106 bei 25 Loosen und mehr mit Rabatt empfiehlt BJ DllQQnillt Köln «»einiger General-Agent, " UUobdUll, IVUill, Brandenbnrgerstratze 2. Chemisch-analytisches Laboratorium | Dr. Alfred Gabriel, Giessen, Frankfurterstrasse 67,, gegenüber den neuen Universitäts-Kliniken. Untersuchungen aller und jeder Art. M IlBll Chri geacbt Anlaß tönig Weiler Wiede Maro binali ist bi Hose zwk'/chi Zchm würbe Kaisern Ganges staube Ausen bemid ofien'o kann welch unter Pvliti in be Wisch Plane in Dohlth ichaster yituno durch lectes um bi wider Sowe M Ersol; 133. $ Kran? D uehmer v A bl"b* Ä ^(Uünt beantr? s* re6" ■ ■ Die Holländische Kaffee-Brennerei H. Disque & Co., Mannheim empfiehlt ihre unter der Marke Elcphrmten-Kaffee wegen ihrer Güte und Billigkeit so berühmten und nach Dr. von Liebigs Vorschrift gebrannte hochfeine Qualität Kaffees: f. WestlndischeMischung, per ^41.60 Durch vorzügl. neue Brennmethode kräftiges feines Aroma. [4765 Große Erfparniß. Nur ächt in Packeten mit Schutzmarke „Elephant" versehen von 1, Va u. V« Pfund- Niederlagen in: Gießen bei August No«, H. Hansel, Bleichstraße 21, Jacob Häuser. Ludwig - straße 30, fyritz «gly, Brandplatz lu, L. Kalkhof, Frankfurterstraße. Kieler Sprotten, Kieler Bücklinge, fst. grobkörn. Ural-Caviar- Sardinen, Sardellen, Rollmöpse, Fll. marin. Häringe, Christ. AnchoviS, Aal uud Lachs in Gelee empfiehlt [10480 Emil Orbig. Mrrmettzungen 9152] Wohnung, 4 Z., Wasserleitung mit Zubehör, neu hergerichtet, i« gesunder freundlicher Lage an ruhige Familie so- von A Fachmann § MM, Rf.1,80 (Hauptgewinn ’ ! < w. 50.000 Mark Loose ä Stück 1 Mark, 11 St. für 10 Mk., 28 St. für 25 Mk. (für Porto und Gewinnliste sind 20 Pfge., bei Einschreibesendungen 30 Pfge. beizufifgen), ro420]den 80 lacge Yorrath rei