Nr. 152. Samstag bett 4. Juli m— > — ■ -7-—. —r~r* । II 1II r—rn—mrirnT—F*n—Mrnni1Hii ninr r _mpfwn—MW 1891 Krr täglich, eM AvSnahm« des MoMagS. W» Meßmer ®wben km Anzeiger Dtchtatlich dreimal 6tige(t8t Gießener Anzeiger Kmeral-Htnzeiger. BiertztzN«^« >le*ematUnceiM 2 Mark 20 Pkg. *6 Vringerloyk. Durch die Post br-«W» 2 Mark 60 P^, Redaction, ry-mkv und Druckerei: Hmüyrechrr 61. Amts- und Anzeigedlatt für den Rreis Gieren. *®®Ml!HWESE®l^'T^rr^eCT?S!?EeE»HCT^^ Tag erschauenden N^^mer l'iS Vsr^ X ! OMisßeifE: GieKmer KamiKenötStter. ■awjagssynniiwi irfin im...................... Alle SktmvLceöNSlrreaux der In, und LnMmdeS o**8 Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" mtgega». Deutsches Reich. Berlin, 2. Juli. Die bedeutsame Nachricht von der auf sechs Jahre erfolgten Verlängerung des Dreibundes hat in der gesummten europäischen Tagespresse eine wahre Sturmfluth von Betrachtungen und Commentaren hierzu hervorgerufen. Weit überwiegend kommt in diesen Preß- urtheilen die Genugthuung darüber zum Ausdruck, daß mit der Erneuerung der Tripel-Allianz der Völkerfriede aufs Neue gesichert erscheine und selbst in einem Theile der radicalen italienischen Blätter wird die friedesichernde Kraft des Dreibundes offen anerkannt. Daß die Erneuerung desselben so unmittelbar vor dem Erscheinen des deutschen Kaisers in Holland und England erfolgte, erfährt natürlich auch mancherlei Deutungen, die aber hier und da offenbar über das Ziel hinausschießen. Denn daß der gegenwärtige Besuch Kaiser Wilhelms auf niederländischem Boden keineswegs bezweckt, Holland in den europäischen Friedensbund mit hineinzuziehen, ist klar. Der deutsche Monarch stattet am niederländischen Hose in erster Linie einen Höflichkeitsbesuch ab und unter diesem Gesichtspunkte will das Ereigniß vor Allem betrachtet sein. Aber allerdings besitzt dasselbe auch eine politische Umrahmung, insofern, als von dem Kaiserbesuche in Holland eine entschieden freundschaftliche Gestaltung der deutsch-holländischen Beziehungen mit Zuversicht zu erwarten steht. Was aber den diesjährigen Besuch Kaiser Wilhelms in England anbelangt, so bringt er das längst bestehende innige Verhältniß zwischen Deutschland und England erneut zum Ausdruck, ohne daß von ihm irgendwelche politische Abmachungen zu erwarten wären. Solcher bedarf es jedoch auch gar nicht, die gesammten auswärtigen Interessen Englands weisen das Jnselkönigreich auf die Freundschaft mit Deutschland und also mit dem Dreibunde hin und diese Freundschaft erfährt eben durch die gegenwärtige englische Reise Kaiser Wilhelms wiederum ihre Bekräftigung. Neueste Nachrichten. Wolff» telegraphisches Correspondmz-Burean. Berlin, 2. Juli. Eine Londoner Depesche der „Voss. Ztg." theilt mit: Die „Morning Post" erfährt, der neue Dreibund unterscheide sich von seinem Vorgänger dadurch, daß er aus drei Sonderverträgen, statt wie bisher nur aus zweien, besteht, der deutsch-italienische Vertrag werde wahrscheinlich wie der österreichisch-deutsche Vertrag veröffentlicht werden. Dagegen werde das Abkommen zwischen Oesterreich und Italien vorläufig nicht enthüllt werden. Es sei that- sächlich nicht bekannt, ob die österreichisch-italienische Verständigung die Form einer regelmäßig unterzeichneten Urkunde annimmt oder nur durch diplomatischen Ideenaustausch hergestellt ist. Es unterliege jedoch keinem Zweifel, daß Oesterreich bei dieser Gelegenheit dem lebhaften Interesse Ausdruck gegeben habe, welches es gemeinsam mit England an der Sicherheit der italienischen Küste bethätige. Berlin, 2. Juli. Special-Telegramme der „Times" schildern nach einem Berichte der „Post" die Lage in Shanghai als beunruhigend. Plakate, welche zur Erhebung gegen die Europäer auffordern, sind überall angeschlagen.^ Die Consuln berufen die zerstreut lebenden Europäer zur Bewaffnung und Selbstvertheidigung zusammen. Den chinesischen Truppen wird mißtraut. Berlin, 2. Juli. In einem Depot der hiesigen Omnibus- Actiengesellschaft begannen heute früh die Omnibuskutscher einen Strike. Dieselben verlangen die Verdoppelung der bisherigen Feiertage, höheren Lohn und Entbindung vom Wagenwäschen. Es ist zwar Aelungen, den Betrieb heute aufrecht zu erhalten, doch befürchtet man, daß der Strike sich auch auf die übrigen Depots ausdehnen werde. Crefeld, 2. Juli. Ein Wirbelwind zerstörte die Festhalle und die Buden auf dem Festplatze des Rheinischen Bundesschießens. Zwischen den Städten Süchteln, Viersen und Dülken stürzten in Folge des Unwetters etwa fünfzig Häuser ein. Es gab mehrere Todte und Verwundete. Königsberg, 2. Juli. Generallieutenant v. Werder, Commandeur der ersten Division, wurde zum Commandiren- den des ersten Armeecorps ernannt. Amsterdam, 2. Juli. Das deutsche Kaiserpaar zeichnete gestern seine Namen in das goldene Buch des Reichsmuseums ein, verweilte dann mit der Königin-Regentin und großem Gefolge über eine Stunde im Museum und gab das lebhafteste Interesse für die alte holländische Kunst zu erkennen. Amsterdam, 2. Juli. Das Kaiserpaar, die Regentin und die Königin besichtigten unter Führung des Bürgermeisters das Stadthaus. Weißgekleidete Mädchen überreichten den Damen Rosensträuße. Nach einem Imbiß überreichte der Stadtarchivar dem Kaiserpaare ein Werk von Lieseniß, enthaltend die Beschreibung Amsterdams im vorigen Jahrhundert, wovon nur zwei Exemplare vorhanden sind. Amsterdam, 2. Juli. Der Toast der Königin- Regentin beim gestrigen Galadiner war tn französischer Sprache ausgebracht und lautete: „Es drängt mich, von Herzen den Majestäten gleichzeitig im Namen meiner Tochter für den Besuch zu danken. Die ganze Nation vereint sich mit uns, Sie herzlichst in unserer Mitte willkommen zu heißen. Gestatten Ew. Majestäten, Ihnen zu sagen, daß ich Ihre Anwesenheit außerordentlich hochschätze, und daß das ganze Land außerordentliche Befriedigung darüber empfindet. Möge Ihr Aufenthalt in den Niederlanden dazu beitragen, die freundschaftlichen und sreundnachbarlichen Beziehungen, welche immer bestanden haben, noch zu befestigen. Die aufrichtigsten Wünsche für das Glück der Majestäten und das Wohlergehen Deutschlands ausdrückend, trinke ich auf das Wohl der Majestäten." Amsterdam, 2. Juli. Bei der gestrigen Gala-Tafel beantwortete der Kaiser den Toast der Regentin, indem er für den herzlichen Empfang dankte und seine Freundschaft zu Holland betonte. Abends um 9 Uhr fand der Zapfenstreich statt, der einen glänzenden Verlaus nahm. Das „Heil dir im Siegerkranz" und das niederländische „Wilhelmlied", sowie der Ehoral wurden entblößten Hauptes von der Volksmenge angehört. Die kaiserlichen und königlichen Herrschaften aus dem Balcon wurden stürmisch begrüßt,- nach jeder Pisce wurden brausende Hochrufe laut. Amsterdam, 2. Juli. Bei dem gestrigen Galadiner trug Kaiser Wilhelm die Paradeuniform der Garde-du-Corps, die Kaiserin eine schwarze Toilette mit kostbarem Diadem. Heute Vormittag findet der Empfang der deutschen Deputation, Nachmittags eine Ruderregatta, Abends ein Feuerwerk statt. Amsterdam, 2. Juli. Das Kaiserpaar empfing heute Vormittag die oberen Chargen, Herren und Damen der deutschen Colonie. Der Kaiser nahm dankend eine kostbar ausgestattete Adresse entgegen und vierlieh mehreren Herren Orden. Der Kaiser und die Kaiserin unterhielten sich sehr leutselig mit den Mitgliedern der Deputation. Vor der Besichtigung des Stadthauses hatten dieselben auch das Bürgerwaisenhaus besucht. Um 1 Uhr fuhren das Kaiserpaar und die Königin-Regentin mit großem Gefolge nach der gestrigen Landungsstelle und von dort aus einem herrlich decorirten Dampfer zur Ruder-Regatta. Ueberall wurden sie stürmisch begrüßt. Amsterdam, 2. Juli. Nach Entgegennahme der Huldigungsadresse der deutschen Colonie äußerte der Kaiser, er habe mit Vergnügen von der Königin-Regentin erfahren, daß die deutschen Niederländer dem niederländischen Herrscherhause treu ergeben seien, das Erscheinen der Deputation beweise, daß sie auch gute Deutsche seien. Der Kaiser dankte für die Huldigung und äußerte seine Freude über den Empfang, welche die Regentin und die Stadt ihm bereiteten. Später besuchte das Kaiserpaar die neue Kirche und nahm daselbst das Mausoleum des Admirals Ruyter in Augenschein. Amsterdam, 2. Juli. Das Kaiserpaar wurde bei Antritt der Wasserfahrt von dem Kanonensalut der Kriegsschiffe begrüßt,- die Musik spielte die deutsche Hymne. Der Enthusiasmus der Menschenmenge ist unbeschreiblich. Abends 7 Uhr findet im Palais ein Diner von 54 Gedecken statt. Amsterdam, 2. Juli. Der Kaiser hielt Nachmittags eine Revue der holländischen Kriegsschiffe ab, welche er zweimal umfuhr- später wohnte er der Ruder-Regatta bei, an der alle Nudervereine theilnahmen. Alles war auf das Festlichste geschmückt. Der Verein „Amstel" errang die beiden Preise. Das Publikum hielt die Ufer dicht besetzt und begrüßte überall den Kaiser mit brausenden Hochrufen. Graz, 2. Juli. Durch einen Wolkenbruch nahe bei Meran wurden in zwei Ortschaften zahlreiche Häuser beschädigt. Die Ernte ist vernichtet. Mehrere Menschen sind umgekommen. Triest, 2. Juli. Die Einbeziehung des Freihasengebiets von Triest in das österreichisch-ungarische Zollgebiet erfolgte gestern in vollständiger Ordnung. Die Nachverzollung geht ohne Schwierigkeiten vor sich. Die Stimmung der Bevölkerung ist durchaus ruhig. Neapel, 2. Juli. Der angewachsene Lava ström droht in den hinter dem Observatorium befindlichen Vetronagraben sich zu ergießen. Von zwei bis zum Kraterrande vordringenden Brasilianern stürzte einer, Silva Jardim, vom Krater ab, während der andere, Joaquin Carnciro, gerettet werden konnte. Paris, 2. Juli. Der Kriegsminister ernannte eine große Anzahl Staatsforstbeamter zu Offizieren der Landwehr-Infanterie. Dadurch sollen insbesondere die Landwehr- Regimenter, denen der Schutz der Ostgrenze obliegt, verstärkt werden. Angers, 2. Juli. Gegen 2000 Arbeiter hiesiger Schuh- waarenfabriken haben die Arbeit eingestellt. Loudon, 2. Juli. Der „Standard" schreibt, der Empfang Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin in Amsterdam sei eine natürliche Huldigung, welche der beständigen Loyalität der Beziehungen Deutschlands zu seinen kleineren Nachbarn entspreche. — Das Canalgeschwader unter Führung des Admirals Seymour ist abgedampft, um Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin entgegen zu fahren. Petersburg, 2. Juli. Der neue Zolltarif ist heute veröffentlicht worden- derselbe tritt am 13. Juli n. St. in Kraft. Kopenhagen, 2. Juli. Die Pulvermühle bei Hörsholm aus Seeland ist in die Luft geflogen. Mehrere Arbeiter wurden getödtet und der Vorsteher leicht verwundet. Newyork, 2. Juli. Nach Telegrammen aus Duma in Arizona ist der See, welcher sich in Salto plötzlich gebildet hat, 12 Meilen weit und 40 Meilen lang. Das Wasser vertrieb die Arbeiter aus Salton und den umliegenden Salzwerken. Neber die Ursache der Entstehung des Sees sind verschiedene Ansichten verbreitet, doch wird allgemein angenommen, daß das Wasser aus dem Golfe an der Küste Californiens komme. Der „World" führt die Erscheinung aus die jüngsten Erdbeben zurück. Newyork, 2. Juli. Der ehemalige Schatzmeister von Philadelphia, John Bradsley, wurde wegen Unterschlagung öffentlicher Gelder zu 15 Jahren Zellengefängniß und zu einer Geldstrafe in Höhe der von ihm eingestandenen Unterschlagungen verurtheilt. Belgrad, 2. Juli. Der gestrige Ministerrath unter Vorsitz Ristitschs berieth das Ferienprogramm des Königs, welcher seine Prüfungen beendet hat und stellte die Einzelheiten für die beabsichtigte Reise nach Rußland fest. Die Rückreise erfolgt über Wien, woselbst eine Begegnung mit Exkönig Milan in Aussicht genommen ist. Man hofft die Dispositionen des Kaisers Franz Joseph werden eine Vorstellung am Wiener Hose ermöglichen. Capstadt, 2. Juli. Meldung des Bureau Reuter. Hundert bewaffnete Boers versuchten den Limpopo zu überschreiten und in Mashonaland einzudringen, die Polizeimannschast der englischen südafrikanischen Compagnie verhinderte aber den Versuch und nahm den Führer der Boers fest. Locales und provinzielles. Gießen, 3. Juli. — Covcert der Großherzoglichen Kammersängerin Frau« lein M. Langsdorff. Wie schon vor einiger Zeit von anderer Seite mitgetheilt wurde, beabsichtigt Fräulein M. Langsdorff, unsere begabte und liebenswürdige Landsmännin, vor ihrem Scheiden von Gießen noch ein Concert zu geben, um sich damit von dem hiesigen musikliebenden Publikum zu verabschieden. Nachdem ich Gelegenheit hatte, einen Einblick in das ebenso geschmackvolle, wie verschiedenartig reichhaltige Programm zu thun, will ich auch nicht verfehlen, schon heute etwas aus demselben zu verrathen, was jedenfalls von allgemeinem Interesse ist. — Neben einer ganzen Reihe der auserlesensten Lieder, vorgetragen von der Concertgeberin, wird die jugendliche vortreffliche Pianistin, Fräulein Sophie Groos, welche noch von dem Concert des akademischen Gesangvereins her wegen ihrer mustergiltigen und durchgeistigten Begleitung von Schumanns „Rose Pilgerfahrt" und Bruchs „Schön Ellen" in bester Erinnerung steht, durch Solovorträge eine gediegene Abwechslung bieten. Bei allen diesen Vorzügen des Concerts steht aber noch ein ganz besonderer Genuß bevor, indem ein Frauenchor, zum großen Theile aus Schülerinnen der scheidenden Gesangsmeisterin gebildet, wirken wird. — Jeder Musikintereffent, und besonders unsere zahlreichen Gesangsfreundinnen, werden wissen, wie selten man Gelegenheit hat, und besonders in unserem lieben Gießen dürfte solche am wenigsten vorhanden sein, so eigenartige Compositionen zu hören. Hier haben wir es nun vor allem mit einem opus genannter Art zu thun, welches berechtigt ist, Aufsehen zu erregen wegen uns bezaubernden Melodieen des aus Blüthendust gewobenen Textes und der anmuthig feenhaften Weisen. Selbst bei der gegen« wärtigen Hitze, welche uns die Sommersonnenwende spendet, muß ein Werk wie H. MertkeS „Blumengeister" die Freude der Concertbesucher zu Hellen Klängen anfachen, da das zarte sinnige Weben der Blüthen • Elfen, die rührende Klage der Knospe und der süße Trost der Blumenkönigin „Rose" frisch und anheimelnd aus den Hörer wirken. Fräulein Langsdorfs hat in dem Werke gelegentlich ihres Aufenthalts am Stuttgarter Conservatorium gewirkt und das ist wohl die beste Gewähr für eine glänzende Durchführung. Auch noch zwei andere Frauenchöre: Das reizende Schlaslied der Zwerge aus Carl Reineckes „Schneewittchen" mit seinem naiv kindlichen Märchencolorit und endlich der Chor der Blumenmädchen aus der Oper: „Die letzten Tage von Pompeji", von dem verstorbenen Pfarrer Peter Müller, dem Großvater der Sängerin, componirt, werden mit Freuden begrüßt werden. Das ganze Concert trägt einen vornehmen Character und glaube ich, daß unsere Musikfreundinnen und Verehrer der Sangeskunst dem'Fräulein Langsdorfs dankbar sind, daß sie dieselben vor ihrem Scheiden nochmals durch ihr schönes Talent entzücken will. Haben wir doch seit drei Jahren nicht mehr Gelegenheit gehabt, die mit so hohen Ehren ausgezeichnete Künstlerin hier an die Oeffentlichkeit treten zu sehen. Oscar Zack. — Feftgenommen. Der am Montag früh von der Wiese im Schiffenbergerthal entsprungene Untersuchungsgefangene Gotta ist gestern bei Sellnrod durch die Gendarmerie von Ulrichstein wieder eingesangen worden. — Verhaftet. Ein seither hier beschäftigter, schlecht beleumdeter Mensch, welcher gestern Abend in betrunkenem Zustande am Oswaldsgarten einen Auflaus verursachte, widersetzte sich dem ihn zurechtweisenden Schutzmanne und zerriß demselben die Kleider, weshalb er verhaftet wurde. — Personal-Nachrichten. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben am 1. Juli dem Banquier Rudolf Bamberger in Mainz den Charakter als Commerzienrath verliehen. — Der am 11. Juni erfolgten Wahl des Jonas Weber III zum Bürgermeisterei-Beigeordneten der Stadt Offenbach wurde die Bestätigung ertheilt.— Der Buchhalter bei der Hauptstaatskasse Rechnungsrath Th. B o n h a r d wurde zum Oberbuchhalter und Secretär bei der Hauptstaatskaffe,' der Finanzaspirant Heinrich Ha a s aus Gießen zumMinisterial- calculator bei der Buchhaltung Gr. Ministeriums der Finanzen ernannt. — Internationale elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt a. M. 1891. Die s. Z. gebrachte Mittheilung, wonach zur Erleichterung des Besuchs der Ausstellung aus den sämmtlichen größeren Stationen der preußischen Staatsbahnen ermäßigte Rückfahrkarten und zwar am 13. und 27. Juli, 10. und 24. August, 14. und 28. September ausgegeben werden, ist dahin zu ergänzen, daß die fraglichen Rückfahrkarten an den obengenannten Tagen nur von Stationen im Bezirke der Kgl. Eisenbahn-Direction Frankfurt zur Verausgabung gelangen, daß aber von den übrigen Staatsbahn- Directionen andere Ausgabetage gewählt sind. So verabfolgt die Kgl. Eisenbahn-Direction in Erfurt die betr. Rückfahrkarten am 11. und 25. Juli, 8. und 22. August, 5. und 19. September, sowie 3. October, die Kgl. Eisenbahn-Direction in Hannover am 1. und 3. Samstag der Monate Juli bis einschließlich September, die Kgl. Eisenbahn-Direction in Altona jeden 2. und 4. Samstag im Monat, ausgenommen im August, wo die Karten am 15. und 29. ausgegeben werden, die beiden Kgl. Eisenbahn-Directionen in Köln am 1. und 3. Freitag eines jeden Monats, beginnend am 3. Juli. Ferner ist es nicht allgemein zutreffend, daß Kinder von 4 bis 10 Jahren Karten zum halben Fahrpreise erhalten. Nur die Kgl. Eisenbahn-Direction in Altona läßt diese Rückfahrkarten zu halben Preisen an Kinder unter 10 Jahren verausgaben, während die übrigen vorgenannten Directionen in dieser Beziehung die Bestimmungen des gewöhnlichen Verkehrs in Anwendung bringen und demgemäß an Kinder in diesem Alter Ausstellungs-Rückfahrkarten zum halben Preise nicht verausgaben lassen. — Die Kgl. Eisenbahn-Direction in Hannover hat nachträglich die Benutzung der Schnellzüge 71 (Abfahrt in Frankfurt Vormittags 8 Uhr 14 Min.) und 72 (Abgang in Hannover Mittags 12 Uhr 27 Min., Ankunft in Frankfurt Abends 8 Uhr 20 Min.) zugestanden und hat die Eisenbahn-Direction in Frankfurt ihre betreffenden Dienststellen hiervon in Kenntniß gesetzt. — Im Betriebsjahr 1889—90 hat im Großherzogthum Hessen die Branutweinproduction aus mehligen Stoffen gegenüber dem Vorjahr nicht unerheblich zugenommen. Während nämlich im Jahr 1888—89 nur 143 landwirth- schastliche Brennereien mit einem Gesammterzeugniß von 10,191 Hectoliter reinen Alkohols in Betrieb waren, betrug die Zahl der landwirthschaftlichen Brennereien im Jahre 1889—90 192, die Menge des producirten Alkohols 12,981 Hectoliter. Demnach waren 1889—90 49 Brennereien mehr im Betrieb und betrug die Mehrproduction an Alkohol 2790 Hectoliter. Diese Zunahme ist dem günstigen Ausfall der Kartoffelernte im Herbst 1889 bezw. den mäßigen Verkaufspreisen der Kartoffeln beizumessen. Brennereien, welche nichtmehlige Stoffe verarbeiteten, waren im Jahr 1889—90 49 weniger in Betrieb und wurden von denselben 555 Hectoliter reinen Alkohols weniger hergestellt, als im Vorjahr. Als Ursache dieser Abnahme wird die wenig ergiebige Steinobsternte des Jahres 1889, außerdem aber auch die ausgedehntere Verwendung der Weintreber bei der Weinproduction angesehen. Gewerbliche Brennereien waren im Betriebsjahr 1889—90 im Großherzogthum nicht vorhanden, auch Brennereien mit Preßhesebereitung nicht in Betrieb. Die Ausfuhr von Branntwein aus dem Großherzogthum nach dem Ausland war auch im Jahr 1889—90 ohne Bedeutung. Die Branntweinpreise sind gegen das Vorjahr fast unverändert geblieben. Die Gesammteinnahmen aus der Branntweinsteuer beliefen sich aus 1 344880 Mk. An Kartoffeln wurden zur Branntweinbereitung verwendet 12 454800 Kilogramm. — Wie allgemein angenommen wird, dürste in dem nächsten Winterabschnitt der Reichstagstagung auch ein Gesetzentwurf über die Bekämpfung der Trunksucht zur Berathung gelangen. Die Vorarbeiten für den Entwurf find schon seit längerer Zeit im Gange. Sie wurden veranlaßt durch die Reichstagsverhandlungen vom Februar 1888, welche sich mit den auf Erlaß eines solchen Gesetzes gerichteten Petitionen beschäftigten. Damals wurden die dem Reichstage zugegangenen Eingaben dem Bundesrath als Material zur Gesetzgebung überwiesen. Der Bundesrath überwies den Reichstagsbeschluß bald darauf seinem Vorsitzenden und nicht lange darnach begannen innerhalb der zuständigen Behörden commiffarische Berathungen über die Aufstellung eines Entwurfs zur Bekämpfung der Trunksucht. Es wurden auch die Gutachten der Einzelregierungen in dieser Frage eingeholt. Wenn die Vorarbeiten eine verhältnißmäßig geraume Zeit in Anspruch nahmen, so liegt das hauptsächlich an der Schwierigkeit der Materie. Bei deren Behandlung müssen die verschiedenartigsten Geschichtspunkte beachtet werden. So kann man beispielsweise sicher sein, daß mit dem zu erwartenden Entwürfe auch in eine Revision des Abschnittes der Gewerbeordnung über die Concessionierung von Gastwirthschasten, Schankwirthschaften und Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus eingetreten werden wird. Die dort vorgeschriebene Concessionsnachsuchung wird nämlich vielfach durch die Gründung von Consumvereinen umgangen. Schon bei der Berathung des neuen Erwerbs- und Wirthschaftsgenoffenschafts- Gesetzes wurde diese Frage lebhaft erörtert und schließlich vom Reichstage eine Resolution angenommen, in welcher die verbündeten Regierungen aufgefordert wurden, bei Gelegenheit der Ergreifung gesetzgeberischer Maßnahmen gegen die Trunksucht und der Revision der gewerbepolizeilichen Vorschriften über den Vertrieb von Spirituosen auch Maßregeln gegen die Mißbräuche vorzuschlagen, welche der Vertrieb von Spirituosen durch die Consumvereine mit sich gebracht hat. Das neue Genoffenschastsgesetz hat die Mißbräuche durch die Schaffung der sonst so nützlichen Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht noch befördert. Bei Berathung des Genoffenschaftsgesetzes wurde denn auch vornehmlich aus diesem Grunde beabsichtigt, Vorschriften aufzunehmen, welche den Vertrieb von Branntwein durch Consumvereine einzu- schränken bestimmt sein sollten. Es wurde jedoch davon Abstand genommen, nachdem seitens der Regierungsvertreter erklärt war, daß der Boden zur Regelung der Angelegenheit nicht das Genoffenschastsgesetz, sondern die Gewerbeordnung sei. Es wurde dabei ausdrücklich auf das zu erwartende Gesetz über die Bekämpfung der Trunksucht Bezug genommen. Darnach kann man sicher sein, daß in dem zu erwartenden Trunksuchtsgesetz auch diese Frage einer Regelung zugeführt werden wird. — Die sämmtlichen betheiligten staatlichen Aufsichtsbehörden in Mitteleuropa haben nunmehr genehmigt, daß der Eisenbahn-Sommerfahrplan ab 1892 bereits am 1. Mai — anstatt, wie feit 1885, am 1. Juni — in Kraft tritt. — Der Sonnenstich. Mit der beginnenden Hitze sind bereits an vielen Orten Fälle von „Sonnenstich" vor- gekommen. Es scheint daher zweckmäßig, den Rath eines Vielgereiften zu veröffentlichen. Der Betreffende sagt, daß der Sonnenstich am besten dadurch vermieden wird, daß man den Nacken, vom Kopf bis zu den Schultern, nach Kräften gegen das Einwirken der Sonnenstrahlen schützt, denn hier, in der unmittelbar unter der dünnen Hautschichr liegenden Wirbelsäule und dem Rückenmark, liegt die eigentliche Gefahr. Die meisten Menschen schützen nun aber gewöhnlich mit peinlichster Sorgfalt die Stirne, den Vorderkopf und das Gesicht; das ist zwecklos, denn die genannten drei Theile können selbst die heftigste Hitze ohne Schaden ertragen. Das Beste ist es, wenn man den Nacken durch einen „Nackenschleier" schützt, wie das überall in den Tropen und im Orient der Gebrauch ist. — Da jetzt die Kornblume in Blüthe steht, so möchten wir an Spaziergänger und Kinder die Mahnung richten, ja nicht etwa in die Getreidefelder nach Kornblumen zu gehen, um die so beliebt gewordene Kaiserblume zu pflücken, denn bei eventueller Anzeige werden nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern wegen des von ersteren verübten Feldfrevels hart bestraft. Diese Blüthe abzupflücken ist ja an und für sich kein Fehler, da die Pflanze, besonders bei häufigem Vorkommen, schadet und als Unkraut zu betrachten ist. Wie wehe aber muß es dem Landwirthe und dem Naturfreunde ums Herz werden, wenn er sieht, wie, um diese blaue Blume zu erjagen, ganze Wege in das Getreide gemacht und Hunderte von Fruchthalmen erbarmungslos niedergetreten werden. Grünberg, 1. Juli. Bei dem heftigen Gewitter, welches in der Nacht vom Montag zum Dienstag tobte, ist die Scheune des Herrn Oeconomen Emmel auf der Warte eingestürzt. Weickartshain, 1. Juli. Auf jammervollste Weise mußte gestern ein Mädchen von vier Jahren, der Stolz der Eltern, sein junges Leben beschließen. Während der Vater in Grünberg mit Mähen, die Mutter zu Haus mit Arbeit beschäftigt war, spielte es in Gesellschaft seines zwei Jahre älteren Schwesterchens und anderer Kinder hinter der Scheuer des K. S., einem stillen, schattigen Plätzchen, an dem selten ein Erwachsenes vorbeikommt, besonders jetzt zur Mittagsstunde. Das Plätzchen birgt einen besonderen Schatz, es wachsen Beeren daselbst, und der Busch neigt seine Aeste über einen verdeckten Brunnen, von dessen Vorhandensein die Kinder wohl keine Spur haben, wenigstens kennen sie die drohende Gefahr nicht. Plötzlich versinkt eines der Mädchen, nachdem es kaum noch gerufen: „Lischen hilf! hilf!" Dies Lischen, fein Schwesterchen, ruft schnell der zum Tode erschrockenen Mutter, Männer kommen herbei, aber nur tobt können sie es der Tiefe — nach vieler Anstrengung — entreißen. Alle sofort angestellten Wiederbelebungsversuche waren vergeblich. Bad-Nauheim, 1. Juli. Der hier als Rentner lebende frühere Pächter des Schleifelder Hofes, Oeconom Konrad Wilh. Koch, ist heute Nacht in noch rüstigem Mannesalter infolge eines Herzschlags verschieden. - r. Schwalheim, 1. Juli. Ein hiesiger junger Mann hat sich gestern auf dem Speicher des Hauses seines Vaters erhängt. * A Mainz, 2. Juli. Bei einem Marsche zu den Schießübungen nach Niederolm wurden gestern Nachmittag drei Soldaten des 87. Regiments vom Hitzschlag betroffen. Dieselben wurden hierher befördert und in das Lazareth verbracht. Die ganze Mannschaft der betreffenden Abtheilung war derart marode, daß sie per Bahn nach ihrer Garnison zurückgebracht werden mußte. — Nach einer Mittheilung des „Mainzer Journal" wird aus der Mainzer Diöcese eine gemeinsame Wallfahrt nach Trier vorbereitet. Das Generalvicariat in Trier wird einen besonderen Tag reserviren, um den Pilgern genügend Gelegenheit zur Besuchung des heiligen Rockes zu bieten. — Das Reichsbankdirectorium beabsichtigt, Mainz zur Reichsbankhauptstelle zu erheben. Die jüngste Anwesenheit des Dr. Koch hier wie auch der Beschluß zur Erbauung eines neuen Bankgebäudes hängt hiermit zusammen. Mainz, 1. Juli. Eine Milchfrau, die beim Wässern der Milch ertappt wurde, sagte lächelnd zu ihrer Entschuldigung: „Ich hab' mr' nit annerster helfe könne, fünft hätt' die Milich nit gelangt!" Babenhausen, 1.Juli. Die dritte und vierte Schwadron der hier garnisonirenden Dragoner unternahmen gestern Vormittag im Mainstrom bei Seligenstadt mit ihren Pferden Schwimmübungen. Wegen des hohen Waffer- standes wurde von beiden Schwadronen nur je der rechte Flügelzug zu den Schwimmübungen zugelaffen. Den Freischwimmern wurde nach den anstrengenden Uebungen Kaffee und Cognac gegeben. Zur Feier des Hoherodskopffestes am 5. Juli 1891. Viel Männer und Frauen, viel Mädchen so schmuck Zum Oberwald heute hin wallen, Ist das hier ein Treiben, ein toller Spuk Berückend die Sinne uns Allen. Im Schatten des Waldes, im Clubhaus, im Zelt, Auf der Halb' mit dem Blick in die Weite, Da tummelt sich heut eine lustige Welt In Freiheit, in Frohsinn und Freude. Dort drehn sich die Paare leichtfüßig im Kreis, Nichtachtend den Staub und die Schwüle, Terpsichoren selbst wär es sicher zu heiß, Doch anders sind hier die Gefühle. Hier feiern zwei Freunde das Wiedersehn, Sie denken vergangener Zetten; Dort ist es, man sieht's, um zwei Herzen geschehn, Das muß sich wohl heut noch entscheiden. Und die Alten sitzen feuchtfröhlich beim Bier, Beim würzigen Kaffee und Weine, Die Sorge, die findest Du nirgends allhter, Man bannt sie, wie alles Gemeine. — So eilen die Stunden im Fluge dahin Zu rasch nur den Fröhlichen heute, Beglücket ist jedem das Herz und der Sinn Ob der seltenen Lust und der Freude. Auf Wiedersehen im kommenden Jahr, Laßt nochmals die Gläser erklingen, Dies Fest, das ein so vielschönes war, Das muß man im Liede besingen. Aus der Section Herbstein. verinischtes. * Frankfurt, 2. Juli. Bei den am Samstag beginnenden Schulferien wird durch den Verein für Ferien- co lonien 500 bedürftigen Kindern die Wohlthat eines Landaufenthaltes zu Theil werden. * In Berching ist der Fall vorgekommen, daß ein junger Mann einen lebendigen Laubfrosch verschluckte. Der Leichtsinnige mußte sich nach Erlangen begeben, um dort operirt zu werden. * Aus dem Marsche zu den Schieß- und Gefechtsübungen bei Erfurt wurden mehrere Soldaten des in Weimar garnisonirenden Bataillons vom Hitzschlag getroffen. Zwei derselben, der Einjährige Koch (Sohn des Gutsbesitzers Koch in Ettersburg) und der Musketier Pflüger starben auf der Stelle, während zwei ändere, bedenklich erkrankt, im Garnison- lazareth in Erfurt darniederliegen. Die Gesammtzahl der infolge der Hitze marschunfähig gewordenen Mannschaften soll über 20 betragen. * Drusenheim a. Rh., (Niederelsaß), 30. Juni. Die Befürchtung, welcher gelegentlich des Eisenbahnunglücks in Mönchen st ein wiederholt Ausdrirck gegeben wurde, es könnten Leichen mit dem Wasser sortgeschwemmt sein, scheint sich leider zu bestätigen. In den letzten Tagen landete hier eine weibliche Leiche, der ein Arm und der untere Theil eines Beines fehlte. Die Leiche wurde hier beerdigt. In Fort Louis sind weitere zwei Leichen gelänget; die eine wurde als diejenige eines Freiburger Studenten erkannt und von den Angehörigen bereits abgeholt. * Hannover, 30. Juni. Zum Carre'schen Bahnunglück. Die Regelung der Entschädigungen für die bei dem Zusammenstoß in Kirchlengern Verunglückten schreitet, wie den „Hannov. Reuest. Nachr." von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, leider nicht mit der wünschenswerthen Schnelligkeit vorwärts. Es liegt dies jedoch nicht an der Eisenbahndirection, welche im Gegentheil bemüht ist, die Angelegenheit möglichst zu beschleunigen, sondern an den Umständlichkeiten, mit welchen die Geschädigten ihre Forderungen vertreten. So hat z. B. der Rechtsanwalt, den Herr Oscar Carre mit der Wahrung seiner Interessen in dieser Angelegenheit betraut hat, der Direction noch nicht einmal die Höhe der Summe, die Herr- ßarre als Entschädigung fordert, mitgetheilt. Außerdem erschwert der Umstand, daß Verträge zwischen den Künstlern und Herrn Carre über die Höhe der Gehälter u. s. w. nicht vorhanden sind und von beiden Seiten hierüber nicht übereinstimmende Angaben gemacht wurden, die Festsetzung der Entschädigungs-- summe. Sofort nach dem Unfall ist Herrn Carrv von der Eisenbahndirection ein Betrag von 30 000 Mk. als Theil- entschädigung überwiesen worden. Den verunglückten, an der Ausübung ihres Gewerbes behinderten Künstlern werden die Entschädigungen in Capitalzahlungen, nicht in Rentengewährung geleistet. Die Gesammthöhe der Entschädigungen wird den Betrag von 350000 Mk. wahrscheinlich nicht überschreiten. * Bor Freude gestorben ist in Düsseldorf thatsächlich ein 14jähriges Mädchen. Demselben wurde die Mittheilung gemacht, daß es am Sonntag mit nach dem Siebengebirge (dem beliebtesten rheinischen Ausflugsziel) fahren dürfe. Diese Aussicht setzte das Kind in eine derart hohe freudige Aufregung, daß es von einem Herzschlage getroffen wurde, welcher dem jungen Leben ein plötzliches Ziel setzte. * Der Rath der Mutter. Trudchen, die geliebte einzige Tochter, soll morgen in den heiligen Stand der Ehe treten. Heute gibt ihr die Mutter zärtlich und voll Rührung noch die besten Lehren aus den Weg, die sie bewegt mit folgenden Worten abschließt: „Noch eins, mein Kind! Wenn Du und Dein Mann Euch eines Tages zanken solltet, so — wirf ihm doch möglichst unzerbrechliche Sachen an den Kops." Universitäts - Nachrichten. — An der Universität Berlin habilitirten sich Dr. Titius für Theologie und Dr. Kretschmar für Geschichte. — Die philosophische Facultät der Universität Breslau hat ihr Mitglied, den ordentlichen Professor, Dr. der Staatswirthschaft Walter v. Funke, früheren Dtrector des landwtrthschaftltchen Instituts der Universität, bet seinem Scheiden von Breslau zum Ehren- doctor der Philosophie ernannt. — In der medicinischen Facultät der Universität Straßburg hat sich Dr. Alfred Hoche für das Fach der Psychiatrie habilitirt. — Aus Leipzig wird vom 1. d. Mts. geschrieben: Für das Fach der Physik hat sich am heutigen Tage der Dr. phil. Des Condreis innerhalb der philosophischen Facultät unserer Universität habilitirt. Seine Antrittsvorlesnng behandelte 'das Thema: „Die Existenz des Ltchtäthers." — Es wird berichtet, daß die Universität Dublin dem Prinzen Eduard von Weimar den Titel eines Doctors der Rechte honoris causa verliehen hat. — In der philosophischen Facultät der Universität Berlin führte sich Dr. Alfred Wohl für das Fach der Chemie alsPrivat- docmt ein. Verkehr, Land- nni Volkswirthsehaft. Frankfurt- 2. Juli. Der gestrige Markt im städtischen Viehhof war mit 217 Kälbern und 482 Schweinen befahren. Die Umsatzpreise stellten sich bei Kälbern erster Qualität aus 63 bis 68 Pfg, zweiter Qualität 55 bis 60 Pfg., bei Schweinen erster Qua- lität auf 56 bis 58 Pfg., zweiter Qualität 54 bis 55 Pfg. per Pfund. — Die Zufuhr an den Hauptmärkten im städtischen Viehhof vom 1. April bis 30. Juni betrug: 5380 Ochsen, 323 Bullen, 6139 Kühe, Rinder und Stiere, 4076 Kälber, 1805 Hämmel und 5422 Schweine. — In Oberhessen und Umgebung finden im Monat Juli u. A. folgend« MLrtte statt: Den 7. in Gießen Vtehmarkt. Den 9. in Marburg Schweinemarkt. Dm 12. und 13. in Kletnkarben Krämermarkt. Dm 13. und 14. in Ulrichstein Vtehmarkt, Braunfels Vieh- und Krämermarkt. Dm 15. in Alsfeld Vieh- und Krämermarkt, Friedberg Vieh- und Krämermarkt, Allendorf a. d.Lda. Vieh- und Krämer- markt, Ulrichstein Viehmarkt. Den 16. in Rieder-Gemünden Vieh- und Krämermarkt. Den 21. und 22. in Gießen Vieh- und Krämermarkt. Den 22. in Homberg a. d. O. Vieh- und Krämermarkt, Schlitz. Den 23. in Butzbach Vieh- und Krämermarkt, Herborn Vieh- undKrämermarkt, Fulda Vtehmarkt. Den 27. in Grebenau Viehmarkt. Den 28. in Groß-Felda Vieh- und Krämermarkt, Bermuthshain Vieh- und Krämermarkt. Dm 29. in Grünberg Vieh- und Krämermarkt, Wetzlar Vieh- und Krämermarkt. Den 30. in Treis a. d. Lda. Vieh- und Krämermarkt, Lauterbach Vieh- und Krämermarkt, Leun Vieh- und Krämer- markt. — Einmachen der Erdbeeren. Die trocken gepflucktm Erdbeerm werden ungewaschen in eine tiefe Schale gethan. Gleiche Gewichtsmengen Zucker werden mit geringen Mengen Wassers so lange gekocht und abgeschäumt, bis sich ein klarer Syrup gebildet (zu große Hitze bräunt denselbm), der sich in schwachen Fäden ausziehen läßt. Dieser wird über die Erdbeeren gegossm und das Ganze 24 Stunden stehen gelassen. Jetzt wird der Saft wieder abgegossm, aufgekocht und nochmals über die Früchte gegossen, ebenso am dritten Tage. Am vierten Tage wird der Saft aufgekocht und die Erdbeeren, sobald es siedet, hineingethan, dann werden unter gelindem Feuer die Früchte in dem Saft weich gekocht. Sind die Beeren gar, so werdm sie mit einem Schaumlöffel herausgenommen und Der Saft so lange weiter erhitzt, bis er völlig dickflüssig geworden ist, alsdann werden Beeren und Saft in Glashäfm gethan und diese zugebunden. Die Haltbarkeit der auf diese Weise eingemachten Früchte ist eine fast unbegrenzte, Form und Aroma der Deeren werden völlig conservirt, was bei Erdbeeren sonst kaum erreicht werden kann. s. Juli, Bormittags 9 Uhr und Nachmittags 2 Uhr, werden SelterSweg 68 die ganzen Vor- räthe des Meyer'schen Waarenhanse-, bestehend in HanAhaltnngsgegen- ständen aller Art, als: Blech- und Kmallle-Kochgeschirr, Gießkannen, Lampen, Kohlentrüger, Eimer, ZÄber, Porzellan, Rauchservice, Körbe, Bürsten, Spiegel, Spirlwaaren u. s. w. versteigert. Im Auftrag: 7040 Hoffman m Versteigerung. 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Die Einnahme beträgt «X 3493.81 Die Ausgabe beträgt - „ 2655.74 Verglichen bleibt Rest JC. 838.07 welcher in baarem Vorrath besteht. Vorstehende Uebersicht wird in Gemäßheit des § 14 der Satzungen zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, den 1. Juli 1891. Der Vorstand des Armen-Vereins. _______________v. Gagern. V. EL C. Sect. Giessen. 5. Juli: Hoherodskopffest Abfahrt Gießen—Schotten 7 Uhr. Wandergäste, die sich anschließen wollen, sind willkommen. >6060 70i >9] Größere CtcheuholzdestLnde, welche vorzugsweise für Eisenbahn- schwellen geeignetes Material liefern, werden in Eigenihum oder zum Abtrieb gekauft. Offerten von Behörden oder Privaten nehmen Haasenftein u. Bögler, A.-G., Frankfurt a. M. sub 8. K. 39Ä entgegen. Lauffrau gesucht. 7016 Marktplatz 17. Distelfink entflogen. 7032] Wiederbringer gute Belohnung. Sonnenstraße 29. 7029 Steins Garten ,|. Müller Wwe.. Hotel „Zum Einhorn Samstag den 4. Juli, Nachmittags 4 Uhr: Eröffnung der vollständig neu her- und eingerichteten Localitäten Ausschank von Fscliorr-Bräu München. Freitag dien IO. und Samstag den 11* Juli s 8g Straiiss-Concerte- % Grosses Orchester unter persönlicher Leitung des Herrn K. K. Oesterreichischen Hofball-Musikdirectors Eduard Strauss, Wien. Karten im Vorverkauf bei Herrn. Ernst Challier, Musikalienhandlung, a Mk. 1.30 an der Kasse Mk. 1.50. 7038 | ^Mriegerverein Giessen, theiligen. 7018 Gießen, den 2. Juli 1891. Für die uns in so großem Maße gegebenen Beweise innigster [7028 Theilnahme sagen herzlichsten Dank Diejenigen Kameraden, welche sich am 12 Juli an der Reise nach Aschaffenburg zur Feier des Gedenktages des Gefechtes bei Laufach zu betheiligen beabsichtigen, wollen sich bei Kamerad Pistor baldigst melden. Derselbe ertheilt nähere Auskunft über die Feier. 17012 Auch Nichtmitglieder können sich an der Fahrt be- Gasthaus zur Linde nächst der Haltestelle Großen-Linden. Zur Eröffnung meiner neu hergerichteten Gartenwirtschaft mit gedeckten Hallen Sonntag den 5. Juli I. I. Grosses Concert. Für gute Speisen, sowie für ein feines Glas Exportbicr aus der Aetienbrauerei Gießen ist bestens gesorgt. Um geneigten Zuspruch bittet 7027 Joh. Pepplcr. MM" Anfang 3 Uhr. — Entree frei. "W8L, Todes-Anzeige. Tiefbetrübt machen wir theilnehmenden Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung von dem Ableben unseres einzigen Sohnes und Bruders nach schwerem Leiden im Alter von 4 Jahren. Um stille Theilnahme bittet Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Carl Loth, Licherstraße. Die Familien Keil, Wl 11. WM. jWÄbcti 4. ds. Mts. Sfer Restauration » Concordia Mitt 7006 F» G. F. 7021 Gamstag Abend 8‘/2 Uhr r Uebnng derjenigen Spritzenmannschaft, welche seit 1. Jan. d. I. bis jetzt eingetreten find. __ Das seither von Herrn W. Demuth bewohnte Logis (unterer Stock) ist per 15. Sept, oder 1. Oct- zu vermieten. Ferd. Krailing Wwe., 7017 Wetzsteingasft 41. 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Silbereisen. Programm. 1) Chor der Blumenmädchen aus der Oper „Die letzten Tage von Pompeji“ . . . Peter Müller (für Bstimmigen Frauenchor und Sopran-Solo) 2) Liedervorträge. 3) Sonate für Clavier . . . V. Beethoven 4) Liedervorträge. 5) „Die Blumengeister“ . . E. Mertke (Intermezzo f. 4stimmigen Frauenchor, Soli, mit Begleitung von zwei Flügeln) 61 Fantasie für Clavier . . Chopin 71 Liedervorträge. 8) „Schlaflied der Zwerge“ aus Schneewittchen . . . Reinecke (für Bstimmigen Frauenchor). Eintrittskarten ä 2 (Studenten- und Schülerkarten ä 1 Sperrsitze a 3 JL sind nur zu haben bei Hrn. Ernst Challier., Die Flügel sind von Herrn Rudolph geliefert. [7008 AermietHunKM. 7(?id] Wohnung im 2. Stock im Neben- Hous, 5 Zimmer, per 1. Octbr. zu ver- miethen- Näheres _________Südanlage 7, Hinterhaus. ~ 7014] In meinem Hauie, Franksurter- straße 12, ist zu vermiethen: 1) die aus 6 Zimmern rc. bestehende Wohnung des dritten Stockes zum 1. 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Von der Küste aus betrachtet, erscheinen die j Kanten der Bruchränder des Tafellandes, namentlich in \ Südafrika, als bedeutende Gebirge. Sie erreichen dort und { in Abessinien Höhen, die denjenigen unserer Alpenriesen I nichts nachgeben, und sind durch die Erosion am Steilrande | mit echtem Gebirgscharacter begabt worden. Aber auch im \ Innern des Continents steigen die Spitzen des Tafellandes z zu so großen Erhebungen auf, daß sie mit den höheren j Gipfeln der großen Faltungsgebirgc wetteifern dürfen. Auf Grund der bisherigen Erforschung der Höhen- \ Verhältnisse Afrikas haben es seit dem Anfänge der achtziger । Jahre mehrere Gelehrte unternommen, eine Zahl für die * mittlere Höhe Afrikas zu berechnen, obgleich in Anbetracht \ des Umstandes, daß viele Hunderttausende von Quadrat- i Kilometern des Areals Afrikas noch gar nicht, viele andere \ nur durch einzelne Routen bekannt geworden sind, von einer ! endgiltigen Ziffer noch nicht die Rede sein kann. Nach ver- - schiedenen Methoden fanden für die mittlere Höhe Afrikas: i 1881 Chavanne . . 661,g Meter (Maximum 683, Minimum 641 Meter), 1883 De Lapparent 612 // 1888 Murray . . 573 „ (Maximum 616, Minimum 531 Meter), 1888 Heiderich . . 673 „ (unter Berücksichtigung der Inseln 671 Meter.). Das Mittel aus diesen vier Werthen ergibt eine Höhe von 630 Meter. Würde man also alle Unebenheiten Afrikas nivelliren, so bekäme man ein gleichmäßiges ebenes Tafelland von 630 Meter Höhe über dem Meere. Diese mittlere Höhe ist größer als die irgend eines anderen Continents, falls die bisherigen Berechnungen richtig sind, denn selbst der nächsthohe Continent, Asien, reicht mit etwa 500 Meter mittlerer Höhe nicht im Entferntesten an diese hohen Zahlen von 630, beziehentlich 662 und 673 Meter hinan. Der Grund für die Größe der mittleren Höhenzahl Afrikas liegt in dem fast ausschließlichen Vorwalten des Hochlandes und dem fast gänzlichen Mangel an Tiefland. Im Einzelnen vertheilt sich freilich die Höhe des afrikanischen Tafellandes sehr ungleich. Vor Allem ist der Süden des Continents bedeutend höher als der Norden, und ferner findet zwischen der Nordküste und dem Aequator ein mehrmaliger Wechsel von Erhebungen und Einsenkungen statt. Das Hochland hat also im Großen und Ganzen einen gewellten Character, und sogar im Süden Afrikas wird durch eine Einsenkung in der Umgebung des Ngami nochmals eine Unterbrechung der sonst vom Aequator gegen Süden stetig ansteigenden Tafelländer hervorgerusen. Es ist im Allgemeinen eine langsame Abdachung von Süden nach Norden vorhanden, indem auf das hohe Tafelland im Süden mit 1200 Meter mittlerer Höhe das Becken des Ngami mit 800 Meter, dann die Wasserscheide zwischen Sambesi und Congo mit 1100 Meter, das Congobecken mit 400 Meter, die Wasserscheide gegen den Schari und Nil mit 600 Meter, das Tsadseebecken mit 240 Meter, die Sahara mit 500 Meter, die Depression der Libyschen Wüste mit — 20 Meter und endlich das Atlasgebiet mit + 900 Meter folgt. Ein noch größerer Gegensatz zeigt sich zwischen dem hohen Osten des Continents und dem tieferen Westen, da fast alle großen Höhen Afrikas im Osten des 25. und, rechnet man Südafrika ab, sogar des 30. Grades liegen. Im Westen sehen wir nur den Pik von Kamerun und die höchsten Höhen des Atlasgebirges 4000 Meter erreichen. Doch ist der Westrand des südafrikanischen Dreiecks immer noch höher als die inneren Landschaften, so daß die allmähliche Abdachung von Osten nach Westen an der Küste des Atlantischen Oceans unterbrochen wird. Durch diese doppelte Abdachung von Süden nach Norden und diejenige von Osten nach Westen erhält Afrika im Mittel eine Abdachung von Südosten nach Nordwesten. Verbindet man Sao Paolo de Loanda mit Kassala am Nordwestabfall Abessiniens durch eine Linie, so steht der hohe Theil Afrikas im Südosten dem niedrigeren im Nordwesten streng geschieden gegenüber. Diese nordöstliche Grenzlinie ist stark ausgeprägt in dem Flußlauf des Congo unterhalb von Bangala und in der Achse des Weißen Nilsystems vom Lande der Niam-Niam bis Berber. Meilseöotmes. Iaröen, trocken „ feinst in Hel Leinölfirnis Leinöl Siccatif, fluffig«. i«H>«lver Gopallack Lederlack Anfireichpinsel Lackpinsel Waurerpinsek Strichpinsek Ukafondöürsten Wertreiöer Garöolineum Gement Hyps Kreide, gemahlen Glaspapier Leim I. 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