Rt. 126. Drr Mtw! ntytat täglich, * Au-nah», btf MonlazL. Wn etetfnn ewvbw bem Ängngtt btiimal beigetegt. Donnerstag den 4. Juni 1891 Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Vkrttzyichr^«, 2 Mark 20 Pf,. ■* Vringerloh». Durch bk Post bez»IM 2 Mark 50 Pf,. Rebecttin, LxpebWn» tmb Druckerei: Hmch»rech*r 61. Aints- und Anzeigeblatt für den "Krei# Gieszen. IMI I.UCI!■■ «r - WH F MW I ——M— Äfle »«Ecm^ureaux M 3»- «tb feiiknbei u*» ^pnuismiuflc. | Anzeigen für den „Gießener «njeiger* teige,*, WWWWWWW—WW*MWWMNWWMWWMWMM«WWWW******-chWMWWWWWWWWWWWWWMWSSWWMWSWWWW»WW»M»E«K Anrtli^er Tbsrl. Gießen, den 2. Juni 1891. Betr.: Den Abverdicnst uneinbringlicher Feldstrafen vom Jahre 1890/91. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche noch mit der Vollstreckung des Abverdienstes aus der I.—VI. Feldrügegerichtsperide 1890/91 im Rückstände sind, werden hiermit an die Erledigung binnen acht Tagen erinnert. _____________v. Gagern.__________________________ Bekanntmachung. Seit dem 20. October 1887 ist, um dem Vagantenthum nach Möglichkeit zu steuern, in hiesiger Stadt eine Naturalverpflegungsstation errichtet worden, welche sich bis jetzt bewährt hat. In der Verpflegungsstation wird an die, die Station in Anspruch nehmenden durchreisenden Handwerksburschen keine Almosen gegeben, sondern den Durchreisenden wird gegen von ihnen zu leistende Arbeit Nachtlager und sonstige Verpflegung in ausreichender Weise verwilligt. Es wird also der drückende Gedanke des Almosenempfangs vollständig serngehalten. Zugleich mit der Verpflegungsstation ist eine Arbeitsnachweisestelle bei der unterzeichneten Behörde er- richtet worden und werden die Gewerbetreibenden dahier dringend gebeten, im Bedarfsfälle sich an die genannte Behörde zu wenden, um durch Anmeldung ihres Bedürfnisses an Arbeitskräften die \o segensreiche Einrichtung auch ihrerseits zu unterstützen. Ueberdies können die übrigen Einwohner Gießens nicht dringend genug ausgefordert werden, das Almosengeben in ihren Häusern gänzlich einzustellen und die um Almosen Nachsuchenden ab- und an das Polizeiamt zu verweisen. Gießen, den 2. Juni 1891. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fres enius.___________________ Bekanntmachung. Droschkenbesitzer Konrad Junker hat die Erlaubniß, eme Droschke mit der Nr. 5 nach Maßgabe des Droschkenreglements für die Provinzial-Hauptstadt Gießen vom 3. August 1878 in Betrieb zu setzen. Gießen, am 2. Juni 1891. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Deutsches Reich. Darmstadt, 2. Juni. In der Vertrauensmänncr-Ver- sammlung des vorgestrigen deutsch-freisinnigen Parteitages zu Frankfurt a. M., worüber schon berichtet, wurden in den Ausschuß eine größere Anzahl von Mitgliedern gewählt und zwar für Hessen die Herren Reichstagsabgeordneter Dr. Gutfleisch in Gießen, Notar Wolf in Ober- Ingelheim und Architect Rückert in Darmstadt. Berlin, 2. Juni. Die von den türkischen Räubern gefangene Stangen'sche Reisegesellschaft erfreut sich nach den hierher gelangten Telegrammen, nachdem sie schonend ausaeplündert worden ist, einer verhältnißmäßig guten Behandlung. Unter den Ausgeplünderten befindet sich auch der Redacteur der freisinnigen Wochenschrift „Nation", Dr. Nathan. Er ist aber nicht mit weggeschleppt worden. Wie die „Nordd. Allg Zrg." meldet, hat die Pforte noch gestern der Reichsregierung ihr tiefes Bedauern über die Gefangennahme und Plünderung deutscher Rcichsangehöriger beim Ueberfall des Orient - Expreßzuges ausdrücken lassen und schnellste und strengste Bestrafung der Räuber zugesichert. Eine entsprechende Anzahl Truppen ist bereits von Konstantinopel abgesandt und man hofft, bereits heute oder morgen der Räuber habhaft zu werden und die Gefangenen zu befreien. Braunschweig, 2. Juni. In der Stangen' schen Reisegesellschaft, die im Orientzuge überfallen wurde, befand sich auch Bankier Meyersseld mit Frau von hier. Meyersseld telegraphirt aus Adrianopel, daß der Raub- Überfall, die Entgleisung und die Fortführung der Geiseln bei der Station Smekli stattgesunden. Frks. Ztg. Ausland. Wien, 2. Juni. An die Wiener Direction der Orient- Lahnen gelangte gestern folgende Depesche: „Conventions-Zug 4 (nicht, wie anfänglich gemeldet, Orient- Expreßzug) bei Sinekei von Räubern überfallen. Alle Reisende beraubt, vier Reisende und Locomotivsührer entführt. Betrieb heute wieder ausgenommen." Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Lorrespondenz-Bureau. Berlin, 2. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm heute in zweiter Lesung die Sperrgeldervorlage mit den vom Reichskanzler v. Caprivi gebilligten Aenderungen an. Bei Berathung der Eisenbahnvorlage sprach sich der Abgeordnete von Limburg^Stirum in Ausdrücken des höchsten Lobes und der Dankbarkeit für das Wirken und die Erfolge des Ministers Maybach aus. Minister Maybach dankte und drückte seine Freude darüber aus, mit der Mehrheit der Volksvertretung im Einvernehmen gewesen zu sein und bat, das ihm geschenkte Vertrauen auch auf feinen Amtsnachfolger zu übertragen. Im Namen ihrer Parteien sprachen sodann die Abgeordneten Huene, Eynern und Ritter dem Minister Maybach ihren Dank aus. Hierauf wurde die Eisenbahnvorlage unverändert angenommen, deßgleichen nach längerer Dis- cussion des Antrag des Abgeordneten Korsch, betreffend das Verbot des Handels mit staatlichen Loosen. Morgen Mittwoch 11 Uhr nächste Sitzung. Petitionen. Berlin, 2. Juni. Nachdem der Staatssecretär des Auswärtigen gestern eine längere Unterredung mit dem türkischen Botschafter gehabt, meldete heute ein Telegramm aus Konstantinopel, daß die Pforte die sofortige Zahlung der von den Räubern geforderten 200000 Francs Lösegeld verfügt und der Bankier Israel in Begleitung des Botfchaftsdragomans Eckardt und eines Beamten der otto- manischen Bank bereits nach dem von den Räubern bezeichneten Orte unterwegs sei, um durch Uebergabe des Lösegelds die Gefangenen zu befreien. Berlin, 2. Juni. In der gestrigen Eröffnungsrede des Colonialraths gedachte der Vorsitzende, Geh. Legationsrath Kayser, der gegenwärtigen wesentlich gebesserten Lage der Colonial-Angelegenheiten, welche zu dem Glauben berechtige, daß man getrosten Muthes in die Zukunft blicken könne und hob im Einzelnen hervor, daß die Schutzgebiete in Westafrika sich in gedeihlichem Fortschreiten befinden. Wenn auch die Verwaltung des Togogebietes mit allzu geringen Einnahmen zu kämpfen habe, so sei doch nach den letzten Berichten und bei den durch das Abkommen mit England erworbenen befferen Grenzen aus einen allmählich reicheren Zollertrag zu hoffen. In Kamerun sei der Entfaltung einer kräftigeren Thätigkeit freier Spielraum gegeben. Weniger günstig seien die Verhältnisse der südwestafrikanischen Colonie, aber auch hier öffnet sich dem Blick eine frohere Zukunft,- die letzten Nachrichten lassen das Zustandekommen einer neuen capitalfähigen Gesellschaft hoffen. Die Marfchallinseln schreiten stetig vorwärts, wenn auch langsam, während Neu-Guinea und der Bismarckarchipel trotz der günstigen Vorbedingungen nicht im Stande waren, die dafür aufgewandten Opfer wett zu machen. Kiel, 2. Juni Se. Majestät der Kaiser machte mit dem Chef der Marinestation, Biceadmiral Knorr, und mehreren Offizieren eine Segelfahrt auf der Dacht „Meteor". Ihre Majestät die Kaiserin unternahm mit I. K. H. der Prinzessin Heinrich eine Ausfahrt nach Levensau zur Besichtigung der Canalarbeiten. Kiel, 2. Juni. Se. Majestät der Kaiser kehrte um 1 Uhr Mittags auf der Dacht „Meteor" von der Segelfahrt hierher zurück und nahm mit Ihrer Majestät der Kaiserin und I. K. H. der Prinzessin Heinrich an Bord des Flaggschiffes „Baden" das Frühstück ein. Mannheim, 2. Juni. Die Getreide - Arbeiter Mannheims und Ludwigshafens legten die Arbeit nieder, weil mehrere bei dem vor einigen Wochen wegen Lohndifferenzen stattgehabten Strike beseitigte Wortführer von den Oberarbeitern entlassen wurden. Stuttgart, 2. Juni. Der „Staatsanzeiger" meldet: Das Befinden des Königs hat Besserung aufzuweisen. Das Fieber hat heute Morgen aufgehört. Die Unterleibsstörung dauert fort. Wien, 2. Juni. Der Kaiser Franz Josef nahm heute Mittag am Westbahnhof den von den österreichischen Bahnen gemeinsam beschafften neuen Kaiserzug entgegen. Der Handelsminister und die Präsidenten der einzelnen Eisenbahnen waren am Bahnhof anwesend. Wien, 2. Juni. Gestern hielt der Verein zur Abwehr des Antisemitismus seine conftituirenbe Versammlung unter zahlreicher Betheiligung ion Vertretern der Kunst und Wiffenschast. Der Bericht über die Thätigkeit der vorbereitenden Comitös constatirt, daß die Beitrittserklärungen so zahlreich sind, daß der Verein darin einen ersten Sieg erblicken könne. Der Statutenentwurf wird en bloc angenommen. Gras C. Zichy, Baron Leitenberger und Hofrath Professor Nothnagel wurden zu Ehrenpräsidenten gewählt. Hofrath Nothnagel sagte: Es muß Licht werden in den Herzen, es muß klar werden in den Köpfen, damit was als Gift und Krankheit unter uns herumschleicht und am Marke des Volkes zehrt, zum Verschwinden gebracht werde. London, 2. Juni. Aus Saint Jean in Neufundland wird gemeldet, daß die Unionsregierung ein Panzerschiff nach der Georgsbai geschickt hat, um eine Untersuchung über die Einmischungen eines französischen Kriegsschiffes in die Rechte der amerikanischen Fischer anzustellen. London, 2. Juni. In Balmoral, dem gegenwärtigen Aufenthalte der Königin, ist die Influenza unter der Bedienung des Schlosses aufgetreten. Rom, 2. Juni. In dem C o n s i ft o r i u m am 4. d. M. wird der Papst den Erzbischöfen Vanetelli und Dunajewski den Cardinalshut übergeben. Darauf findet, wie üblich, die Mundschließung und nach der Präconisirung mehrerer Erzbischöfe und Bischöfe, darunter eines bayerischen Erzbischofs, die übliche Mundöffnung und Uebergabe des Cardinalsringes an Vanetelli und Dunajewski statt. Petersburg, 2. Juni. Der Kaiser genehmigte laut Bekanntmachung das Muster eines neuen kleinkalibrigen Gewehrs, der sogenannten Packetbüchse, Patronenmuster und Klammer für die Patronenpackete. Das Gewehr ist eine dreilinige Büchse Muster 1891. „Nowoje Wremja" erklärt die Meldungen über eine neuerliche Judenzählung und zunehmende Ausweisung für unbegründet. Sofia, 2. Juni. Die Eisenbahnverbindung mit Konstantinopel ist wieder hergestellt. Belgrad, 2. Juni. Als Grund für die Hinausschiebung des Termins für die ursprünglich auf den 1. Juni anbe- raumten Waffenübungen derReserven undMilizen wird in Negierungskreisen Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Landwirthschaft angegeben. — Es wird die Einberufung der Skupfchtina zu einer außerordentlichen Session im Juli wegen der Timok- bahn ventilirt. Cairo, 2. Juni. Hooker, welcher von der Regierung mit dem Studium der Heuschreckenfrage beauftragt war, meldet, daß der Süden von jungen Heuschrecken überschwemmt und Gefahr vorhanden fei, daß das ganze Delta von dort aus mit überzogen werden könne. Die ernstesten Abwehrmaßregeln sollen ergriffen werden. Newyork, 2. Juni. In den Böttcherwerkstätten von Palmer u. Compagnie brach um Mitternacht ein Feuer aus, welches sich schnell auf die Dick u. Meyer'sche Zuckerfabrik und die Depots der Newyork-Central- und Pennsylvania-Eisenbahn ausbreitete. Mehrere Feuerwehrleute wurden leicht verletzt. Der Schaden wird auf eine Million Dollars geschätzt. Cocale# unt provinzielles. Gießen, 3. Juni. — Wegen Vergehens gegen § 176, 3 des Strafgesetzbuchs wurde gestern ein junger Mann verhaftet. — Von dem um 7 Uhr 55 Minuten gestern Abend von hier in der Richtung nach Deutz abgehenden Personenzuge wurde auf der Strecke innerhalb der Gemarkung Gießen einem Bremser ein Bein abgefahren. Der Verunglückte wurde in die Klinik gebracht. — Zmmobilienwechsel. Die „Pulvermühle" wurde gestern um die Summe von 62,000 Mk. an einen Deutsch- Amerikaner, Herrn Wilh. Scharf, verkauft. — Nach einer Entscheidung des ReichsverficheruugsamtS ist die Beschäftigung von Kochfrauen, die berufsmäßig auf Bestellung zu den Häusern ihrer Kunden gehen und für einen den Lebensunterhalt abwerfenden Lohn ihre Arbeit verrichten, nicht als vorübergehende Dienstleistung im Sinne der Jnvaliditäts- und Altersversicherung anzusehen. Solche Kochfrauen sind daher als versicherungspflichtige Lohnarbeiterinnen zu erachten. Dagegen sind Botenfrauen, die Aufträge von verschiedenen Personen besorgen und dafür in allen Fällen dieselben auf eigene Rechnung und Gefahr ausführen, nicht versicherungspflichtig, ebensowenig wie die selbstständigen Dien st männer und Kosserträger, deren Betrieb als ein selbstständiges Unternehmen anzusehen ist. — Geschäftsabschlüsse durch Vermittler. Derjenige, welcher sich mit einem Geschäftsvermittler in Unterhandlung über die Vermittelung eines Geschäfts eingelassen hat, unter Kenntniß der Thatsache, daß bei dem Zustandekommen des Geschäfts der Vermittler desselben von dem Gegencontrahenten Provision erhält, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts vom 5. März 1891 deshalb nicht ohne Weiteres verpflichtet, den Abschluß des Geschäfts durch den Vermittler bewirken zu lassen, er kann sich der Hülfe eines anderen ihm genehmeren Vermittlers bedienen oder ohne jede Vermittlung selbstständig das Geschäft abschließen. Beispielsweise wird Derjenige, welchem der auf Provision gestellte Agent einer Versicherungs- Gesellschaft seine Dienste für den Abschluß einer Versicherung mit der von ihm vertretenen Gesellschaft anbietet, dadurch nicht gehindert, durch einen Anderen oder ohne die Mitwirkung eines Agenten mit der Gesellschaft den Versicherungsvertrag abzuschließen. Jener Agent kann von dem Versicherungsnehmer Schadloshaltung wegen der ihm entgangenen Provision nicht beanspruchen. — Der verstorbene Buchhändler Küchler in Darmstadt hat sein bedeutendes Vermögen der Laudeswaisenanstalt vermacht und ist die Erbschaft nach Ableben der seitherigen Nutznießerin nunmehr ausgeliefert worden. Hinsichtlich der Verwendung der Erträgnisse hat der Erblasser bestimmt, daß alljährlich unter allen Pfleglingen gedachter Anstalt das Loos gezogen wird und diejenigen Waisen, auf welche das Loos fällt, ein Geschenk von je 100 Gulden erhalten sollen. Der Vermögensbetrag erlaubt, eine größere Anzahl, ungefähr 15 Waisen, mit diesem Geschenk zu bedenken. Die erste Ziehung, an der etwa 2500 Waisen theilzunehmen berechtigt sind, wird voraussichtlich schon in der nächsten Zeit stattfinden. Schlitz, 1. Juni. Aus der Wacht oder besser, aus der „Neuen städtischen Anlage", vor dem sogenannten Thorhause, prangen aus den Kaisertagen z. Z. noch zwei majestätische Fichten in auffallend frischem Grün. In einem dieser Bäume hat sich ein von dem Zweck derselben wohl nicht genau unterrichtet gewesenes Buchfinkenpaar häuslich eingerichtet, und eine respectabele Nachkommenschaft soll sich in dem zierlichen Nestchen bereits bemerklich machen, von der wir hoffen, daß sie unter dem Schutze der sie bewachenden Vogelsreunde weiter gedeihen möge. + Herbstein, 2. Juni. Heute Nachmittag gegen 4 Uhr entlud sich dahier ein schweres Gewitter, welchem ein Hagelschlag folgte. Glücklicherweise hagelte es nicht lange — die Zeit mag circa 6 Minuten betragen haben — und wurden unsere Fluren vor größeren Schäden bewahrt. + Herbstein, 2. Juni. In dem benachbarten Eichel- hain machte gestern der 67jährige Andreas Wenzel seinem Leben durch Erhängen in der Wohnung seiner Tochter ein Ende. Geistesstörung soll diesen alten Mann zu der traurigen That gebracht haben. * Berlin, 29. Mai. Auf dem Bahnhof Charlottenburg treffen fortgesetzt, täglich gewöhnlich in zwei Zügen, ftüh und Abends, mehrere Hundert aus Rußland vertriebene oder geflüchtete Juden ein, aber auch Christen, namentlich Katholiken, meist in traurigstem Zustande- es sind Kinder darunter, die seit acht Tagen unterwegs, nur mit einem Hemd bekleidet sind. Die Leute stammen aus verschiedenen Theilen Rußlands, viele aus Moskau. Sie bestätigen durchaus glaubwürdig, was über die barbarische Art ihrer Vertreibung von ihren langjährigen Wohnsitzen in der Presse gesagt worden ist. Es sind viele Handwerker darunter, die in guten Verhältnissen gelebt haben, Leute, denen man es anmerkt, wie schwer es ihnen fällt, jetzt Almosen anzunehmen. Den Tunnel, welcher die beiden Bahnhöfe der Station verbindet, hat die Bahnverwaltung laut Placat zum Warteraum für die Auswanderer hergerichtet; dort entwickelt sich während der wenigen Stunden, bis die Leute weiterbefördert werden, ein lebhaftes Bild, das einen traurigen Beweis für die in der Jetztzeit noch mögliche Barbarei bietet. Die Privatwohlthätigkeit, an der auch die Christen theilnehmen, ist eifrig bemüht, die Unglücklichen für ihre weitere Fahrt wenigstens mit dem Noth- wendigsten zu versehen. * Frankfurt a. M., 2. Juni. Dem Droschkenbesitzer Enz, in der oberen Roßdorferstraße wohnhaft, war vom Arzt eine Lösung von chlorsaurem Kali in Wasser zum Gurgeln verordnet worden. Enz glaubte, sein Halsleiden am schnellsten durch Einnehmen des ganzen verordneten Quantums, vier Gramm, heben zu können, und trank die ganze Lösung auf einmal aus. Der dadurch herbeigesührten Vergiftung ist er am Sonntag nach großen Schmerzen erlegen. Er hinterläßt eine kranke Frau und sieben Kinder im Alter von 7 bis 23 Jahren. * Paris, 29. Mai. Als etwas „ganz Neues" wird von der Reise des Präsidenten Carnot berichtet, daß in Dax an einem Triumphbogen ein großer Blumenkorb gehangen und in diesem als ein geflügelter Genius ein Mädchen von sechs Jahren gestanden habe. Als der Wagen des Präsidenten unter dem Triumphbogen gehalten, bei dem Empfange der Stadtdeputation, sei der Korb langsam herabgelassen und dem Präsidenten von dem Genius-Mädchen ein Gedicht und ein Blumenstrauß überreicht worden unter dem Jubel des Publikums. Diese allerdings recht poetische Artigkeit der Stadtobrigkeit von Dax wird jedoch noch Überboten durch folgende Ueberraschung. Der Geschichtsschreiber Juvenal des Ursins berichtet: „Als am 22. August 1389 Jsabeau von Bayern, die Gemahlin Karls VI., an der Notre-Dame vorbei ihren Einzug gehalten habe, sei ein als Engel verkleideter Knabe von einem der Thürme herabgelassen worden und habe der Königin einen schönen Kranz aus das Haupt gesetzt." * Gegen Dummheit kämpfen Gotter selbst vergebens. Einem Einwohner in Wanfried war sein Schwein erkrankt. Aus den Rath einer „klugen Frau" wurden an einer Stange drei Zwiebeln befestigt und, nachdem alle Ritzen des Stalles verstopft waren, diese Stange durch eine eingebrochene Oeffnung in den Stall über das Schwein derartig gesteckt, daß die Zwiebeln gerade über das Schwein zu hängen kamen. Trotzdem ist das Schwein verendet. Vielleicht waren es zu wenig Zwiebeln! +t Kassel, 2. Juni. Hessischer Städtetag. Aus den Verhandlungen des gestern und heute Hierselbst abgehaltenen Hessischen Städtetages ist als von allgemeinem Interesse u. A. Folgendes hervorzuheben: Trotz des erst einjährigen Bestehens sind dem Städtetage von den 64 Städten des ehemaligen Kurfürstenthums Hessen bereits 45 beigetreten, welche sämmtlich hier vertreten waren. Den Vorsitz führte Oberbürgermeister Westerburg-Hanau. Die finanzielle Lage des Vereins ist eine sehr günstige. In den Vorstand wurden die Herren Bürgermeister Klöler-Kaffel und Oberbürgermeister Rang-Fulda gewählt. Die Regelung der Erhebung der Hundesteuer in den kurhessischen Städten im Hinblick auf das Gesetz vom 26. Juni 1840 bildete dann den ersten Gegenstand der Berathung. Ueber die historische Entwicklung des Gesetzes und die vielen Mängel erstattete Oberbürgermeister Rang-Fulda ein umfassendes Referat, das darin gipfelte, es möchten die zu gewerblichen Zwecken gehaltenen Hunde erheblich niedriger, die der Jagd-Dilettanten aber erheblich höher besteuert werden. Auch Luxushunde seien mit einer Steuer von 6 Mk. zu gering getroffen rc. rc. Aus allen diesen Gründen empfehle sich Aufhebung der bisherigen und Einführung neuer Gesetzesbestimmungen, ähnlich wie das am 1. März 1891 in Altpreußen eingesührte Gesetz, wonach der Höchstsatz der Hundesteuer 20 Mk. betrage. Dasselbe empfahl der Correserent Oberbürgermeister Westerburg- Hanau, woraus der Städtetag einstimmig beschloß, ein des- sallsiges Ersuchen an die Staatsregierung zu richten. — Daraus wurde über die Aushebung der kurhessischen Sabbathordnung vom Jahre 1801 berathen. Dieselbe enthält ganz veraltete Bestimmungen, die für das vorige Jahrhundert gepaßt haben mögen, jetzt aber Lächeln erregen. Die Presse hat schon seit Jahren die Beseitigung dieser Gesetzesantiquität gefordert. Unter Anderem wird das Sitzen vor den Hausthüren, das Herumgehen auf den Straßen während des Gottesdienstes, Drängen und Schieben in der Kirche rc. unter Strafe gestellt. Streng genommen darf man also in ganz Kurhessen des Sonntags Vormittags nicht über die Straße gehen, wenigstens nicht spazieren gehen. Mit den Referenten sprach sich der Städtetag einstimmig für Beseitigung der Sabbathordnung aus. Herr Regierungs- Präsident Rothe, welcher wiederholt in die Debatte griff, glaubte denn auch eine zeitgemäße Reform der Sabbathord- nungen in Aussicht stellen zu können. * Ein ergötzlicher Zwischenfall spielte sich in voriger Woche nach der letzten Vorstellung Buffalo Bills in Duisburg ab. Die Zuschauer verließen eben ihre Tribünen und die „Wilden" drängten sich durch das Publikum in ihre Zelte, als ein Maurer, welcher ebenfalls Zuschauer gewesen war, auf einen „Cowboy" zuschritt, ihm von hinten auf die Schulter klopfte und den verdutzt um sich Schauenden mit der Frage überraschte: „Na, Willem, wat häwwe se dann met Dich gemak?" — Und der „Cowboy" antwortete im reinsten Kölner Volksdialect: „Süch, der Jupp! Jo, met mer fangen se alles an." Diese Worte erregten bei den Umstehenden stürmische Heiterkeit. Der Maurer verlor sich darauf im Gedränge, der „Cowboy" aber zog sich zurück ins Zelt zu seinen „Stammesgenossen". * 75000 Kilogramm Maikäfer sind bis zum 24 v. Mts. in Genf eingestampft worden, die allein in diesem Kanton gesammelt wurden. Trotz dieser Menge sieht es in den Äesten der Laubwälder noch ganz braun aus, Alles hängt voll von dieser Landplage, die weder der lange, außerordentlich kalte Winter noch der furchtbare Reif am 18. v. Mts. beseitigt oder auch nur vermindert hat. * Ein sächsischer Kandidat der Philologie sucht in Berlin eine Wohnung. Er findet ein ihm passendes Zimmer und will gerade mit der Vermietherin abschließen, als diese fragt, wer er sei und wie er heiße. Auf seine bescheidene Antwort entgegnet die Dame stolz: „Ich bedaure sehr- ich vermiethe nur an Cavaliere." Der schüchterne Sachse geht. Aus dem Vorplatze begegnet ihm der Kammersänger Z., ein Vollblut-Berliner, der sich ebenfalls die Wohnung ansehen will. Als auch dieser die Antwort erhält, daß die Wohnung nur für Cavaliere zu haben sei, erwidert Z.: „So? Na, da steigen Sie mir den Puckel 'rauf." Das hört der Sachse, und er ruft von unten hinaus: „Dadrum mecht ich nach- treeglich auch ganz gehorschamst gebäten haben?" * Die Zahl der Hundertjährigen. Seit dem Jahre 1861 wird in Preußen die Zahl der bei den Volkszählungen ermittelten über 100 Jahre alten Personen zu- sammengestellt, und seit 1864 sind auch Erhebungen über die Zahl der in diesem Alter gestorbenen Leute gemacht worden. Nach dem Ergebniß der Volkszählungen betrug ihre Zahl in Preußen am 3. Dezember 1861 63 männliche, 72 weibliche, am 3. Dezember 1864 97 männliche, 138 weibliche, 1867 152 männliche, 245 weibliche, 1871 147 männliche, 287 weibliche, 1875 141 männliche, 240 weibliche, 1880 128 männliche, 231 weibliche und am 1. Dezbr. 1885 24 männliche und 57 weibliche Personen. Weitaus die Mehrzahl der bei den Volkszählungen ermittelten angeblich über 100 Jahre alten Personen ist in denjenigen Landestheilen gezählt worden, in denen ein verhältnißmäßig großer Theil der Bevölkerung slavischer oder jüdischer Abstammung ist. * Ein Geheimuiß, welches der Mensch, sei er nun Mann oder Frau, während seines Lebens auf's Sorgfältigste gehütet hat, kommt unweigerlich an den Tag, wenn die betreffende Person sich nach ihrem Ableben seuerbestatten läßt: nämlich das Geheimniß der falschen Zähne. Bei der Feuerbestattung verbrennt nämlich der ganze thierische Körper zu einer vollkommen gleichen weißen Masse, Knochen sowohl wie Muskeln und .Sehnen- da aber die künstlichen Zähne aus geglühtem Material bestehen und somit den Verbrennungsprozeß schon einmal durchgemacht haben, so werden sie vollständig unversehrt bleiben, durch den Rost nach unten falle« und sich dort beim Sammeln der Aschenreste unversehrt vorfinden. * Ein seltsamer Tribut. Die 1888 zur Stadt erhobene Gemeinde Lambrecht in der Pfalz genießt in den in der e Nähe gelegenen Waldungen, die der berühmten Wein-Stadt ' Deidesheim gehören, daö Weiderecht. Für diese Nutznießung muß jährlich am Pfingstdienstag ein Gaisbock unter bestimmten Formalitäten abgeliefert werden. Wie lange dieser mittelalterliche Gebrauch zurückreicht, ist nicht genau zu ermitteln. Die früheste darauf bezügliche Urkunde vom Jahre 1534 sagt schon, daß seit „unfürdenklichen Zeiten" dies der Fall sei. Während früher der jüngste Bürger, d. h. der, der zuletzt geheirathet hatte, den Bock überbringen mußte, besorgt in der neueren Zeit stets der Gemeindehirt das Führeramt. Seit dem später noch zu erwähnenden Bockprozeß v. I. 1851 ließ man auch die Klausel fallen, daß das Thier vor Sonnenaufgang — also vor 41/2 bis 5 Uhr — zur Stelle sein müsse. Aber an der Bedingung, daß der Weg durch den Wald, der immerhin drei Stunden beträgt, und nicht etwa ans der Landstraße zurückzulegen sei, wird heute noch sestgehalten. Der Hirte empfängt nach der Uebergabe die traditionelle Flasche Wein nebst Käsebrod. Der wie ein römisches Opser- thier mit Blumen geschmückte Bock selbst wird dann öffentlich versteigert und gewöhnlich von einem Wirthe erworben, der ihn dann auskegeln läßt. Wie Pfälzer Blätter berichteten, war dies auch Heuer am Pfingstdienstag der Full. Als die französische Revolution so manche mittelalterliche Einrichtung wegsegte, dachten wohl auch die Lambrechter daran, dem Tribut ein Ende zu machen. Aber Napoleon I. bestätigte durch Erlaß, gegeben im Feldlager von Aranda de Duero in Spanien (1800), daß Lambrecht auch weiterhin liefern müsse „ annnettement comme jusqu’ ä present un bouc bien cornu et bien capable.“ — Auch jetzt noch darf die bezirksthierärztliche Bescheinigung nicht fehlen, das das Thier in jeder Beziehung gesund und tauglich zur Zucht sei. — So fand denn die Tributleistung regelmäßig statt bis 1851, als etwas Unerhörtes und Vertragswidriges geschah. Das Thier war unterwegs widerspenstig geworden, sodaß sich der Führer genöthigt sah, es zu knebeln und aus einem Schubkarren — außerdem noch lange nach Sonnenaufgang — zu präsentiren. Der Bock wurde nicht angenommen - es entstand der sogenannte Bockprozeß, der sieben Jahre dauerte und mit der Entscheidung endete, daß das Thier geführt und nicht gefahren werden solle. So geschah es bis zur Gegenwart. Im Jahre 1858 selbst wurden acht Gaisböcke auf einmal nach- geliesert. Schließlich sei noch erwähnt, daß alle Vorschläge, die Bocklieserung durch Geldzahlungen zu ersetzen, abgewiesen wurden, indem Deidesheim, wie Shylock „aus seinem Schein" besteht. — Im Meyer'schen Conversations - Lexikon von 1888 findet sich unter „Lambrecht" Folgendes verzeichnet: „Die Stadt muß nach altem Herkommen alljährlich am Pfingstdienstag für ein Weiderecht einen „gutgehörnten und gut- gebeutelten" Gaisbock nach Deidesheim liefern." * Die Studirkuh. Einen drolligen Vorwand hat ein Student gebraucht, um von seinem Vater einen Zuschuß zu erringen. Besagter Bruder Studio, der Sohn eines wohlhabenden Landmannes, leidet trotz der reichlichsten Geldsendungen an beständigem Mangel an „Moos." Wie diesem Uebel gewöhnlich abgeholsen wird, ist ziemlich allgemein bekannt. Die bewährte Methode ist immer die gleiche: bald der Austausch entbehrlicher Utensilien gegen klingende Münze. Aber damit ist schließlich nur wenig geholfen. Wer also nur Halbwegs in der glücklichen Lage ist, an seine Familie appelliren zu können, der schreibt nun so oft es nur geht nach Hause und erbittet Vor-, Zu- und Nachschüsse aller Art. Ein Student braucht gar so viel. Und nun gar ein Mediziner. Diese Instrumente, diese theureu Bücher, diese Gelder für Collegieu und Curse und sonstige Spesen! Es ist jammervoll! Nun, auch unser Bruder Studio hat unermüdet aus dem Born des väterlichen Säckels geschöpft, bis er schließlich vor lauter Bedarf gar nicht mehr wußte, wofür er noch Geld verlangen sollte. Doch bald kam die Erleuchtung über ihn und er bat den Vater ebenso kurz als dringlich um die rasche Zusendung von 100 oder mehr Mark, damit er mit dieser Summe eine Kuh kaufen könne, deren er unbedingt zu medizinischen, speciell aber zu Jmpfstudien benöthigte. Papa scheint nicht an der Nothwendigkeit des Studienobjects, wohl aber an den Viehkenntniffen seines Sohnes gezweifelt zu haben, denn, rasch entschlossen, fuhr er zu dem Sohne, suchte aber vorher einen bekannten Viehhändler auf, erstand nach reiflicher Ueberlegung eine prachtvolle Kuh und eilte nun erst in die Wohnung des Sohnes, um ihn mit seinem Erscheinen und der Meldung von dem glücklichen Einkäufe freudig zu überraschen. Der wird seine Freude an der Jmpskuh gehabt haben. Landwirthschaftliche Winke und Rathschläge. Beiträge rum landwirihschaftticheu DerficheruugSwese«. △ UnS Oberhefsen, Ende Mat. Im Monat Mai, der nun hinter uns liegt, find zwar die Unwetter noch nicht so häufig, wie in den heißen Monaten Juni und Juli und die verheerende Gewalt dieser Wetter zeigt sich noch nicht so deutlich, wie im Hochsommer. Trotzdem haben wir schon in den Zeitungen gelesen, daß da und dort Schadenwetter gehaust und vieles Unheil angerichtet haben. Das sind ernste Mahnungen für die Landwirthe, einerlei ob kleine oder große, ob reiche oder arme. Kann nicht eine einzige verlorne Ernte den fleißigsten Mann an den Bettelstab bringen! Wir müssen uns also nach Schutzmitteln umsehen, welche die schweren Verluste abzuhalten im Stande sind. Es ist selbstredend, daß wir keine Schutzdächer oder große Regenschirme, Blitzableiter, Wasserfänger um Aecker und Wiesen anbringen können. In Gärten, also im ganz kleinen Betriebe ließe sich schon eher etwas in letzterer Hinsicht anfangen. Das einzige Mittel ist: Viele treten zusammen, heben die schwere Last und tragen gemeinschaftlich den Verlust, mit kurzen Worten: Die Versicherungsanstalten sind die wahren Schutzmittel gegen Ueberschwemmung, Hagel, Feuer, Dietz» seuche und Lebensgefahr. Aranda de Duero weiterhin liefern present un bouc 1 «wt „ d« in btt ”ten SBetn-R,“? ■ d>e!° SuJ** i* ‘”9E Mb "di genau zu Jahre I5Z< « ta der ' *>' d-r, der jU1 ' ®*e, beioigt b«6 Wetaun. ; rWB Q1851 9ler öor Sonnen^ Zur Stelle sein ) durch den Wald, ' etwa auf der N sestgehalten. du traditionelle rmifches Opfernd bann öffentlich 9e erworben, der Hättet berichteten, Fall. M die erliche Einrichtung echter daran, dem jetzt noch darf die en, das das Thier : c Zucht fei. - So < tatt bis 1851, als , lefchah. Das Thier daß sich der Führer m Schubkamn - - zu präfentiren. entstand der fo- werte und mit der ihrt und nicht ge- ir Gegenwart. In :e auf einmal nai der -A W: die v** lAtcu crinflö1' ? y&s *,gld< «» ^ii'4 Mb d>' #iiir aß alle VorM ließen, abgewiejm uif feinem Schein" on^Se^on Don indes verzeichnet: MichmWK- Ernten nnd jnn." n Vorwand hat feinem Vater einen gtubio, der Sch cofc bet reichliOe" an „W." 8,1 ist ziemlich °llre«>>> ir btt gleich-'b«ld n klingende MlH-> ten. fficr allo « an (eine Fmlli- io oit e$ M geil hWjflS hat un«»*£ r^yS- i” h nat in ”* "°?. ts «°hi1611 enobA hab-", n ®*' W* erfta(1 ,n er[t in* e«te feinen «"6 ieiitem über 9?un ist eS eine unumstößliche Wahrheit, daß Diejenigen, die de- Schutze- am meiste« bedürfe«, am wenigsten Gebrauch von den so reichlich dargebotenen Gelegenheiten machen. Wir lasen kürzlich in dieser Zeitung, daß reiche Engländer und Amerikaner ihr Leben mit Hunderttausenden, ja mit Millionen versichern. Für solche Posten könnten sich 50 bis 100 kleine Bauern, in unserer Provinz Sicherheit und ruhigen Schlaf verschaffen, sie hatten es viel nöthiger als die englischen Lords oder die amerikanischen Yankees mit ihren riesigen Geldsäcken. Sehen wir uns die Sache etwas genauer an. In der Regel wird gefragt: Wa-soll man versichern? Antwort: Alle-! Haus und Hof, Aecker und Wiesen, Vieh, Schiff und Geschirr, Leben und Gesundheit. Man soll gegen Feuer, Hagel, Blitzschlag, Wasser, Viehseuchen, Unfälle und gegen den Tod versichern. Betrachten wir das Letztere zuerst. Angenommen ein gesunder, kräftiger Mann, der ein mäßiges Vermögen besitzt, dessen Kinder heranwachsen, bat sein Lebe« mit einigen Tausend Mark 'versichert. Das scheint ihm und seinen Nachbarn schon ein großes Stück zu sein. Nun will es das Unglück, daß er unter einen Wagen kommt oder daß er von der Scheuer herabstürzt oder in einer anderen Weise derart beschädigt wird, daß er lebenslänglich ein Krüppel bleibt und nichts mehr leisten kann. Solche Fälle kommen hundertfach vor. Was nützt ihm nun zuvörderst die Lebensversicherung? Nichts! Er muß noch viele Jahre lang die Prämie entrichten und das wird ihm drückend, weil er selbst nichts mehr verdienen kann. Wäre es daher nicht viel richtiger r die Leute gingen in eine Unfallversicherung, bet der sie auch auf den Todesfall versichern können! Je nachdem ihnen etwas passirt, erhalten sie oder die Hinterbliebenen Entschädigung; auch bei Lebzeiten wird gezahlt und die Prämie kann nicht drücken, weil ja das Capital vorhanden ist, sobald ein Unglück eintritt. Darum muß man in erster Linie die Unfallversicherung und zwar eher al- die Leben-Versicherung (die aber miteinbegriffen werden kann) empfehlen. Gegen Feuerschaden wird das Haus, durch unsere staatliche Brandkasse zwangsweise, versichert. Die Versicherung der Mobilien ist gerade so wichtig wie diejenigen der Gebäulichkeiten. Bei der Mobiliarversicherung werden oftmals zwei Mißgriffe gemacht, entweder die Leute versichern zu hoch oder zu niedrig. Man muß es tadeln, wenn die Leute mehr verstcher«, als sie besitzen. Das zeigt von Unreellttät des Characlers; der Versicherer will ein Geschäft machen, wenn ein Unglück passirt. Früher brachten es Diejenigen, die Bankerott machten, fertig, daß sie reich dabet wurden. Selbst heutzutage wissen es noch manche herauszukriegm, obgleich die Gesetze schärfer geworden sind. Aber was sind das für Charactere! Man soll aber auch nicht weniger versichern, al- man besitzt, denn wenn Schaden etntrttt, ist das schon Unheil genug und wenn einer Prämien zahlt, kommt es auf einige Pfennige mehr auch nicht an, damit er hintendrein auch Alles ersetzt bekommt, was er wirklich verloren bat. Es folgt daraus, daß der Landwirth überall, auch bei Abschluß von Verstcherungen, streng reell sei« soll, damit nachträglich keine Processe oder schlechte Nachreden entfielen Viele Leute sind dem Versicherungswesen abhold, obgleich sie von dem großen Nutzen desselben längst überzeugt sind. Man kann sie zum Guten nicht zwingen; sie selbst wirken aber Uebles dadurch, daß sie Andere von VersicherungLabschlüssm abhalten oder ihnen das Versichern verleiden. DaS ist ein großes Unrecht. Man hat viele Fälle, wo Leute auStratm, weil es viele Jahre nicht gehagelt oder gebrannt hatte; wozu die Gelder weiter zahlen, sagen sie, es brennt oder hagelt ja doch nicht, das Geld kann ich sparen. Kaum sind sie ausgetreten, so bricht ein Unglück herein und nun ist Alles verloren: die früher zwecklos gezahlten Prämien und das Mobtltareigenthum. Darum ist es ein unverzeihlicher, bodenloser Leichtsinn, aus einer Versicherung auszutreren, weil es seit vielen Jahren nicht gebrannt oder gehagelt hat. Je lLnger solche Unglück-fLlle fern bliebe«, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie in nicht zu ferner Zeit eintreten könne«. Das merke sich ein jeder Land- wirth uno ein jeder Familienvater, der eS aufrichtig mit sich selbst und seinen Angehörigen meint. Schon oben sprachen wir von Lebens- und Unfallversicherung. Das höchste irdische Gut des Menschen ist Leben und Gesundheit. Wie oft aber ist beides bedroht, beim Fahren, Reiten und Gehen, beim Auf- und Abladen, Überall lauern Tücken, Gefahren und Feinde. Darum soll jeder brave Familienvater darnach trachten, die bitteren Folgen zu verhüten, die durch den Verlust des köstlichsten Gutes herbetgeführt werden. Essen und Trinken sind nolhwendig, um Leib und Leben zu erhalten. Versicherungen gegen Feuer-, Hagel- und Lebensgefahr sind ebenso nöthig, lieber Landwirth, wie Essen und Trinken. Präge Dir das ja recht tief und fest ein und handle darnach, Du wirst es nie bereuen. Es ist gar schön, wenn man sich sagen kann: Da ist nun Feuer ausgebrochen, oder Hagel verwüstet die Fluren, oder ein Mißgeschick hat mir ein Glied des Körpers vernichtet, aber es ist gesorgt für Alles, ich und die Meinen brauchen nicht zu darben. Wo aber werden die Gelder für die Prämien hergenommen? fragen Viele. Die Antwort ergibt sich auch: Wenn wir soviel Geld für Versicherungen ausgeben, als wir vertrinken (was aber gewiß nicht nöthig ist), dann können wir sehr beruhigt sein. Wo daher gespart werden kann, ergibt sich leicht. Wer Ohren hat zu Horen, der höre. Literat«? «nd N«n?t — Die schöne Reisezeit hat begonnen! Die verjüngte Natur ruft alle aus den dumpfigen Gemächern und erweckt in Jedem die Reiselust. Reisen, ja reifen möchte ich, aber wohin, und wie richte ich es ein, damit ich mit einer kleinen Summe in der schonen Natur lustwandeln kann ? Und wie habe ich mich dazu zu rüsten? So hört man Viele fragen. Nun seid getrost Ihr Wanderlustigen! Ein schönes Blatt, das vielfach preisgekrönt, sich, fowett die deutsche Zunge klingt, großen Ruf erworben hat durch das stete Bestreben veizutragen zur menschenwürdigen harmonischen Gestaltung des Familienlebens, gibt Euch viele gute Rathschläge und zeigt Euch, welche Wege Ihr einschlagen müßt, um Euch des.Sommers zu freuen. Es ist dies die zu Dresden erscheinende Wochenschrift HauS", welche belehrt, indem sie unterhält und ihren Lesern vorzugsweise bei allen häuslichen, aber auch sonst das practische Gebiet berührenden Fragen stets hilfreich zur Sette steht. Bei der erstaunlichen B elfeitigkett des Blattes: „Handarbeitsbeilage", „Musik- detlage", „Fu kleine Volk", ist der Abonnementspreis von 1 «X vierteljährlich spottbillig zu nennen. Eine Probenummer versendet kostenlos die Geschäftsstelle „Fürs Haus" zu Dresden, sowie jede Buchhandlung. Wöchentliche Aeberfichl der Todesfälle in Gießen 21. Woche. Dom 24. Mai bis 30. Mai 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (tncl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsztffer: 20,19 -/«bezw. 15,14 nach Ausschl. der Ortsfremden Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1.Lebensjahr: 2.—Ib.Jahr Diphtherie 2 (2) Lungenschwindsucht 3 Acute entzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 1 Andere bekannte Krankheiten 2 X 2 (2) 3 — - 1 — — 1 1 Summa: 8 (2) 5 1 2 (2) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Marca Italia 90 Pfff. per Flasche 85 ,, bei 12 Flaschen (ohne Glas) sowie die drei Sorten „Vino da Pasto“ der Deutsch • Italienischen Wein- Import-Gesellschaft (Central-Verwaltung Frankfurt am Main) sind angenehme leichte italienische Natur« Rothweine, welche als wohlbekömmliches Tischgetränk ganz besonders zu empfehlen sind, und deren Qualität nach dem Ausspruch competenter Weinkenner von keinem der sogenannten Bordeaux-Weine in gleicher Preislage erreicht wird. Durch königl. ital. 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Einem hiesigen, sowie auswärtigen Publikum die ergebene Mittheilung, daß ich das von meinem verstorbenen Manne betriebene Uhrmacher- geschält in unveränderter Weise weiter betreibe. — Mein Lager in Uhren und Goldwaarerr bringe gleichzeitig in empfehlende Erinnerung. Reparaturen werden nach wie vor unter Garantie pünktlich und billigst besorgt. Achtungsvoll [5175 Frau M. Vogt Wwe. 5185] Ein ordentlicher Hausbursche gesucht. Ernst Bloedner. Wonröstren, Hufsteiue, Schlackensteine, styd. SackKaM und Koman-KemerU von Kempf u. Hilf, Albshausen, Laßn-Warmor-Weißkakk und hyd. Stückkalk. tigung, gleichviel welcher Art. Näheres unter Nr. 333 in der Exped. d. Bl. 5183 Frau Getta Porchheimer heute Nacht im 68. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Gießen, den 3. Juni 1891. gestellt werden. „ _ „ „ ... Prüsungsatteste, sowie Zeugniffe von Baubehörden, Communalen, Privaten re. stehen zur Bcrsugung. Me Wanderfreunde sind hierzu eingeladen.5188 Glls-Kch mid KthWHlllte verschiedener Construction und in allen gangbaren Grützen. Todesanzeige. Freunden und Bekannten machen wir hiermit die traurige Mittheilung, daß unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Höhere Handelsschule Calw i. W In dem Separatcurs für ältere Schüler aus kaufm-, gewerbl- und industriellen Kreisen beginnt am 1. Juli ein neuer CursuS. Pensionat. ^Prospekte mit zahl- reichen Referenzen durch dey[5176] Director Gpöhrer. liefern und empfehlen als Specialitäten: Fabrikate der Wetzlarer Cemeat-, Cemeatwaaren- und Schlackenstein - Fabriken M* folmtgd, aktrenommirtes Aabrikat von Leon Couturier, Korbach, jBebamw « - -rruck oer «rübl'ichc» »rüden- (Ht. Ckr. 'Bietfd)) in (Sieben. - Coursdericht non E. Wasserschleben, Vankg-MmN ^««ffartey Börse vom 3. Juni 1891. Großes Schützenfest (Ausschuß) M8aubachmn14.uud15.Juni 1891. Dem geehrten Publikum Gießens bietet sich ein reizender Ausflug zum Besuch des hier am 14. und 15. Juni stattfindenden Schützenfestes, sogen Ausschusses. Durch die seit Mai eingeführten Rundreisebillcts Gießen—Grünberg—Laubach—Hungen—- Gießen mit 'bedeutender Fahrpreisermäßigung ist der Besuch des Festes bedeutend erleichtert; die herAichc Lage Laubachs mit seinen ausgedehnten Wäldern und vorzüglichen Luft bietet jedem Ausflügler hohen Genuß. . ~ . Am 14. Juni findet Concert, am 15. Harmonie- und Tanzmusik in meinem neu erbauten Saale statt. ,x ,x Mr vorzügliche Getränke, warme und kalte Speisen ist bestens gesorgt und halte ich mich, dem verehrten Publikum Gießens und Umgegend aufs Beste empfohlen. Hochachtend Ieruuetyungen. 4435] Wohnung, 3 Zimmer mit Zu- behör, zu vermiethen. Riegelpfad 1. Ad A U ¥ B* ff mittelgr,, f. jed. Gesch- passend, in aller- ___ bester Lgge, m- ob o- Wohng-, per 1. Oct. 5198] Mehrere Zimmer zu vermiethen. z verm. Adr. v Reflect. erb. sub S. 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Wenige Stunden später faß ich im Coupe, um in Wiesbaden meiner Braut Adieu zu sagen. Dort fand ich im Bahnhofe schon ganze Berge von Reisekoffern, die befördert fein wollten, denn ein sauve qui peut war sofort nach Bekanntwerden der Kriegserklärung unter den Curgästen ausgebrochen, die den Feind schon vor Mainz glaubten. Siebzehnhundert Gepäckstücke, hieß es, verlangten an einem Tage ihre Beförderung. Am nächsten Tage war ich in Coblenz bei General von Goeben, dem Commandeur des 8. Armeecorps, um mir meine Legitimation zu holen. (Fortsetzung folgt.). 5199 DkW' 11 Uhr»°® it- Zurückgesetzt TrieottaMeu und Blousen, SatintaMerr und Blousen, Handschuhe, Schürzen, Strümpfe re. werden spottbMg abgegeben. 5123 Fr« Tripel, Markt 16. w Am Vorabend des deutsch-französischen Feldzuges 1870—71. *) Zwei Tage nach jener bedeutsamen Sitzung des gesetzgebenden Körpers in Paris vom 17. Juli 1870, in welcher eine Creditsorderung von 50 Millionen für den Krieg bewilligt wurde, erhielt ich das Schreiben eines Freundes aus Paris, der, wie alle Deutsche dort, die nicht durch geschäftliche Verhältnisse gefesselt, seinen Koffer schon gepackt. „Jetzt -kommt er Euch!" hieß es freudig in dem Briefe. „Laßt ihn nicht los! In der Verblendung, wie hier Egmont naht, kann er Euch nicht zum zweiten Male sich liefern!" Und Verblendung wars in der That. Die Reform der französischen Armee war seit Niels Tode in trägen Händen- ich hatte in Böhmen gesehen, wessen die unserige fähig- war uns die französische Waffe nicht überlegen, der Mann und die Führung waren es nimmermehr! — Dennoch konnte auch ich mich noch nicht in den Gedanken an den Krieg finden. Der Brief lag noch vor mir, als eine Hand an das Fenster meiner Parterre-Wohnung im „Hotel de Nome" klopfte. Lieutenant von Dachröden, Adjutant des Prinzen Georg, war vor dasselbe geritten. „Machen Sie sich fertig!" rief er. „In zweimal vierundzwanzig Stunden haben wir den Krieg!" Er, einer der heitersten, liebenswürdigsten Offiziere, der später das Unglück haben sollte, in einer Straße Berlins mit dem Pferde zu stürzen und tobt von dec Stelle getragen zu werden, er sprengte davon, ohne mir weitere Rede zu stehen. An demselben Tage noch erhielt ich auch schon die telegraphische Anfrage der „Kölnischen Zeitung", ob ich bereit sei, in dem bevorstehenden Kriege die Berichterstattung für sie zu übernehmen. Eine gleiche Anfrage brachte mir am *) Die obige farbenreiche und lebendige Schilderung der letzten Ereignisse vor dem Ausbruche des Krieges, sowie hauptsächlich der ersten Etappen dess.lben entnehmen wir dem hochinteressanten, im Verlage der Straßburger Druckerei und Verlagsanstalt (vormals R. Schultz u Eo.) erschienenen zweibändigen Werke von Hans Wachenhusen „Aus bewegtem Leben" (geb. 9.40), einer literarischen EriMeinung von ganz hervorragender Bedeutung. Wir verfehlen „ich!, ganz besonders auf dieselbe aufmerksam zu machen. Die Redaction. MnkM-Iniiiistm GrchMdcn-GiOn Inhaber: Carl Haas jr. Großer Ringofen-Betrieb- Täglicher Versandt in Marmor-, Weiß- und hydraul. Stückkalk. Einzelne Fuhren ab Kalkwerk nur gegen baar zu den billigsten Tagespreisen. e@© _ M 5074 Für Wirthe! Bringe hierdurch zur gefl. Kenntnißnahme, daß ich eine Vertretung Flüssiger Kohlensäure übernommen habe und stets auf Lager halte. Alle vorkommenden Aufträge, sowie Einrichtungen und Umänderung von Bierdruckapparaten werden bestens ausgeführt. 4358 Peter Walter, Installateur, Kaplansgaffe 23. Abend noch der Telegraph von Wien von der „Neuen Freren sßreffe". — War denn also wirklich der Krieg da draußen schon so weit fertig, während wir hier in Berlin noch nicht daran glauben wollten? — Aber vielleicht war ichs allein, der alles noch so rosig sehen wollte. Ich hatte mich, ehe ich nach Egypten ging, in Wiesbaden verlobt, hatte damals in acht Wochen wieder zurück sein wollen, und es waren mir acht Monate am Nil vergangen. Meine Braut erwartete mich, von der Freund Emil Rittershaus sang: „Die schönste Ros' im Rebengau Nahm sich der Hans als seine Frau." und jetzt stand ein Krieg bevor, dessen Ende nicht abzusehen. An zu Hause bleiben, war für mich nicht zu denken- die Unruhe hätte mich da nicht gelitten. Ich warf mich in eine Droschke und fuhr zum großen Generalstab, um einige mir | bekannte Herren desselben zu suchen. Diese hatten Kopf und Hände voll Arbeit- es wurde in den Bureaus gepackt und gerollt - der Krieg war zweifellos - einer der Herren rieth mir, mich nur bald um Zulassung zum großen Hauptquartier zu melden. Ich, der ich die Franzosen bereits in zwei großen Feldzügen von Sieg zu Sieg schreiten gesehen, war auf ein furchtbares Blutbad vorbereitet, aber voll Vertrauen auf unsere Kraft, als ich die sympathischen, ja begeisterten Kundgebungen der übrigen deutschen Staaten sah - ich telegraphirte nach Wien meine Bedenken hinsichtlich der Haltung des Herrn v. Beust dem Kriege gegenüber und zwei Tage darauf klebte man mir um die späte Nachmittagsstunde einen Zettel an die Mauer des Hotels neben mein Fenster, der die wenigen, aber verhängnißschweren Worte enthielt: „Frankreich hat Preußen den Krieg erklärt." Wir standen also vor einer Thatsache, deren Tragweite die unmittelbar nächste Zukunft in grauenhaftem Düster barg. Heftig bewegt schaute ich hinüber zum Palais des Königs. Tausende sammelten sich eben vor demselben- aber kein Laut der Selbstüberhebung, der Brutalität ward vernommen- Allen saß das Herz an der Kehle, das klang aus dem Hurrah, das endlich Einer anstimmte und tausendfältiges Echo fand, denn während man eben jetzt in Paris auf den Boulevards „ä Berlin!“ schrie, war sich hier Jeder des hohen Ernstes dieser Stm. , der Pflicht bewußt, zu der ihn das Vaterland rief, und ging dann schweigend nach Hause, um mit schwer pochender Brust Weib und Kind zu umarmen, von deren Seite schon der nächste Tag ihn rufen sollte. Es war eben Donnerstag de» 4. Juni (Siebener Anzeiger. Beilage zu Rr. 126. -1891 Asterweg 47. — Ederstr. 8, Möbelfabrik u. -Lager Rente ber-wnu )rieni das Volk, der Vater, der Sohn in Waffen, die Mutter, die Kinder in Angst und Thränen. Aber was unabwendbar, es mutzte getragen werden. Während ich erschüttert noch am offenen Fenster stand, trug mir mein Bursche schon den Mantelsack herein. Auch er vermochte kaum .ein Wort zu sprechen. „Ich will heute Abend schon zu meinem Regiment," brachte er endlich hervor. „Aber," — dabei leuchteten ihm plötzlich die Augen aus — „wenns denn sein muß, in Gottes Namen!" Die Stimmung des Volkes an diesem Abend zu beschreiben, wäre unmöglich. Es lag ein schwerer Druck aus allen Gemüthern. Kein Laut des Uebermuths, eines prahlerischen Siegesvertrauens in den Straßen- selbst die Berliner Gassenjugend begriff den Ernst der Lage. Wir trafen uns am Abend an unserem Sammelplatz bei Lutter und Wegner. Auf Aller Mienen lag eine gewisse Feierlichkeit, die Erkenntniß und Würdigung der bevorstehenden blutigen Aufgabe - man war ja längst auf das Geschehene vorbereitet, hatte aber nicht erwartet, daß es so schnell hereinbrechen werde. Stadtgerichtsrath W., einer der größten Gourmets, rief endlich, als die Sache genugsam besprochen: Urima H'ortland-Eement vom PorUand-Cemenl-Werk Heidelberg empfiehlt 3986 Daniel Wirths Nachfolger. 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