Nr. 256 TW»**- uweerwwi«*-*«' Dienstag den 3. November ivschrinr läßlich, #1* UuBnahm, des Noittk-A. 'S* Wt^tncr ^««irueerittft btm Lrrzeixer mime* kaig tlegt Zießener Anzeiger Keneral-Wnzeiger. 1891 >8»Äwr* c Ki>yrcig} 2 Mar? 2b Ls- Brinqerlod?. Durck» die 2 Mark 50 Pf». ÄAaction, Err> 'Ätit Ä5i»«cnr°NvreLur des In- und ZuSKmdrS aetz»« Lnzrigrn für den „Hießener Anzeiger^ raty^tä, %eae|m< v»v 0natigtH h» de: Sieäyuitttügl für den Jdgmbai rrschetuendm Vhimmrv bis Vorn». 10 Uhr. JlLJJLUmLUI rlintlichev Theil. Gießen, den 31. October 1891. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreise-. Wir erinnern Sie, soweit Sie noch rückständig sind, an Erledigung, unseres Ausschreibens vom 1. October 1891. (Gießener Anzeiger Nr. 230) _____________ v. Gagern.__________________ Gießen, den 30. October 1891. Betr.: Die Auslegung des Art. 32 des Jagdstrafgesetzes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises, das Großh. Polizeiamt Gießen, das Grotzh. Polizeieommissariat Arnsburg und die Grotzh. Gendarmerie des Kreises. Es hat sich als zweckdienlich herausgestellt, daß bei Anzeigen auf Grund das unten abgedruckten Art. 32 des Jagd- ftrafgesetzes angegeben werde, wo und zu welcher Zeit das verkaufte oder feilgebotene Wild erlegt worden ist. Wir beauftragen Sie daher, das Ihnen unterstehende Polizei-Aufsichtspersonal, insbesondere die Feldschützen, demgemäß anzuweijen, bezw. selbst darnach zu verfahren. v. Gagern. Art. 32. Wer Wild innerhalb der für solches bestimmten Heegzeit verkauft oder feilbietet, wird mit einer Geldstrafe von 1,80 bis 34,30 Reichsmark und Confiscation des verkauften oder feilgebotenen Wildes bestraft, es sei denn, daß er sofort durch ein von dem zuständigen Jagdpolizeibeamten ausgestelltes oder beglaubigtes Attestat nachweisen kann, daß das Wild in einem der in Art. 30 bezeichneten Ausnahmsfälle von den Jagdberechtigten befugter Weise erlegt worden sei. Deutsches Reich. Darmstadt, 31. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Kreisarzt Medi- cinalrath Dr. Follenius aus Gießen, den Oberamtsrichter Hofmann aus Nidda. Darmstadt, 31. October. Mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit des Groß Herzogs wurde der Großh. Landgerichtsrath Gustav Cellarius in Darmstadt für die Dauer der Verhinderung des Großherzoglichen Ministerialraths Dr. Ditrmar mit Aushilfeleistung im Ministerium des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, beauftragt. Berlin, 31. October. Die Kaiserin Augusta Victoria traf am Freitag Abend zur Theilnahme an den Tausfeierlichkeiten bei den erbprinzlichen Herrschaften in Gera ein, von der Bevölkerung jubelnd und festlich empfangen. Am Samstag Abend 6 Uhr 15 Min. trat die hohe Frau die Rückreise nach Potsdam an. — Der Kaiser wird dem Herzog von Altenburg am 26. November einen Besuch im Jagdschloß Hummelshain abstatten. Man wird sich erinnern, daß ein Besuch des Kaisers in Hummelshain schon im vorigen Jahre beabsichtigt war, dessen Ausführung aber noch in letzter Stunde wegen einer Unpäßlichkeit des Kaisers unterblieb. Berlin, 31. October. Den „Berl. Polit. Nachrichten" zufolge begannen heute die Conferenzen der Delegirten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns wegen Regelung der Beziehungen im Patent- und Musterschutzwesen zwischen den beiden Reichen. Berlin, 31. October. Nach der „Post" hatte sich der Ezar wegen der russischen Hoftrauer alle Empfangsfeierlichkeiten verbeten. Lauenburg, 31. October. Amtliches Wah lres ultat. Von 20,037 abgegebenen Stimmen fielen 11,861 auf Hofbesitzer Gustav Dau (dsr.), 7868 auf Rittergutsbesitzer Major von der Osten (cons.) Ersterer ist also gewählt. Ausland. Wien, 31. October. Der „Presse" zusolge wird gegenwärtig auch Seitens Oesterreich-Ungarns die Aufhebung des Einfuhrverbots amerkanischen Schweinefleisches ventilirt, da die Vereinigten Staaten bestrebt seien, ihre Vorschriften den Anforderungen einer verläßlichen Veterinärpolizei anznpassen. Paris, 81. October. Der Siegelbewahrer legte dem Ministerrath einen Gesetzentwurf, betreffend die Beförderer der Unzucht vor. Vermiether und Cafetiers sollen von drei Monate bis zwei Jahre Gesängniß erhalten. Die Strafe für Zuhälter wird nach dem code penal bemessen, zuzüglich fünfjähriger Ausweisung. Paris, 31. October. Neben dem Gesetz gegen das Zuhälterwesen wird behufs Unterdrückung unzüchtiger Public ationen ein Spezialgesetz ausgearbeitet. London, 31. October. Nach hier eingetroffenen Privat- depefchen über das Erdbeben in Japan sind in der Provinz Nagoya 18,000 Häuser zerstört, 2000 Personen getödtet wordcn. In der Stadt Gifu wurden 5000 (?) Gebäude zerstört und 5000 Menschen getöbtet; die Städte Ogakt, Kano und Kasamutso mit 50,000 Einwohnern und die dortige Eisenbahn sind zerstört. London, 31. October. Der „Mormngpost" zufolge versicherte die deutsche Regierung der englischen, daß den Deutschen in Ostasrika besohlen wurde, die beiderseitigen Verträge genauest zu beobachten. Washington, 31. October. Die Regierung scheint zu den schärfsten Maßregeln gegen Chili entschlossen zu sein. Es wurden Kriegsschiffe in Bereitschaft gesetzt. Konstantinopel, 31. October. Der „Agence de Con- stantinople" zufolge lautet das Rundschreiben der Pforte an die Botschafter hinsichtlich der Judeneinwanderung folgendermaßen: Um den aus der Anhäufung von israelitischen Einwanderern für die öffentliche Gesundheit sich ergebenden Gefahren vorzubeugen, muß die Pforte als prophylaktische Maßregel jüdischen Einwanderern das Betreten des türkischen Gebietes untersagen. Der Minister des Aeußern ersucht in Folge dessen die Botschafter, die Schiffsgesellschaften aufzufordern, den Einwanderern die Beförderung nach dem türkischen Reiche zu verweigern, indem sie die Seebehörden beauftragt, dieselben nicht landen zu lassen. Neueste Had?rict?tete. Wolffs irtegrLpkstschrS Tkinespondenz.-Surcon Wien, 1. November. Die Baronin Suttner erhielt von dem Grafen Leo Tolstoi ein Schreiben, in welchem er sie zu ihrem gegen den Krieg gerichteten Roman „Die Waffen nieder" beglückwünscht- gleichzeitig aber bemerkt, er glaube nicht, daß das Schiedsgericht ein wirksames Mittel sei, den Krieg abzuschaffen,- er sei eben mit der Vollendung einer Schrift über diesen Gegenstand beschäftigt, in welcher er von dem einzigen Mittel spreche, das feiner Meinung nach Krieg unmöglich machen könnte. Paris, 1. November. In der Nähe des Bahnhofes von Poves (Departement Eure et Loire an der Orleans-Bahn) ist ein von böswilliger Hand vorbereiteter, aber noch rechtzeitig entdeckter Versuch gemacht worden, einen Zug zur Entgleisung zu bringen. Nach den Thätern wird eifrig geforscht - es sind Anzeichen vorhanden, welche beweisen, daß dieselben mit den Einrichtungen der Eisenbahn wohl vertraut sind. Paris, 1. November. Nach officiellen Meldungen aus Petersburg verbietet ein kaiserlicher Ukas von heute ab die Ausfuhr aller Cerealien mit Ausnahme des Weizens. Die bereits verladenen Mengen können noch com- pletirt werden, wofern sie innerhalb drei Tagen zur Expedition gelangen. Washington, 1. November. (Reurermeldung.) Aus Regierungskreisen verlautet nichts, was auf weitere Com- plicationen in dem Stande der chilenischen Angelegenheit schließen lasse. Der hiesige Gesandte Chiles ist überzeugt davon und hat versichert, daß der Zwischenfall in einer für beide Theile ehrenvollen Weise seine Erledigung finden werde. Ein Telegramm aus Santiago besagt, daß das dortige amerikanische Gesandtschaftsgebäude zum Schutze von Polizeimannschaften bewacht wird. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 2. November. In Anwesenheit des Kaisers wurde gestern Nachmittag der von der Stadt Berlin dem Kaiser gewidmete Brunnen auf dem Schloßplatz enthüllt. Der Kaiser gratulirte dem Oberbürgermeister von Forcken- beck nachträglich zu dessen siebzigstem Geburtstag. Die Ansprache Forckenbecks beantwortend, rühmte der Kaiser dessen erfolgreiche Amtsthätigkeit und wünschte derselben noch eine recht lange Dauer. Er sei als geborener Berliner besonders über den neuen Schmuck Berlins erfreut. Der Kaiser gab dem Brunnen den Namen „Schloßbrunnen"- im Gespräch mit dem Stadtbaurath Hobrecht bekundete er ein lebhaftes Interesse für die städtischen Angelegenheiten. Antwerpen, 1. November. Der „Precurseur" theilt mit, der chilenische Dampfer „Millo", welcher ab hier nach Valparaiso ging, sei auf der Magelhanstraße untergegangen und 70 Personen ertrunken. Localer uttö provinzieller. Gießen, 2. November 1891. Coucertverein. Das erste diesjährige Concertvereins- concert bot quantitativ und auch qualitativ in Hülle und Fülle recht gute Musik. An Orchestersachen brachte das Programm die Pastoralsinsonie von Beethoven, die Athalia- ouverture von Mendelssohn und das Intermezzo sinfonico von Mascaquis' epochemachender Oper „Cavalleria rusticana“. Die Leistungen des Orchesters unter Leitung des Herrn Musikdirectors Fe Ich ne r hielten sich auf derselben Höhe, auf der sie auch früher standen. Das Streicherchor hat gegen voriges Jahr noch an Glanz gewonnen. Die Sinfonie wie die Athaliaouverture, die so reich ist an schöner, weicher Empfindung, waren dem Publikum von früher her alte, liebe Bekannte. Das Intermezzo sinfonico des so überaus schnell zur Berühmtheit gelangten Italieners war Novität. Es übt in der Oper selbst einen wahrhaft fascinirenden Eindruck - zu diesem führt größtentheils die Eigenthümlichkeit der Situation, in der gerade das Musikstück ertönt. Aus seinem Zusammenhang gerissen, vermag dies an und für sich allerdings ganz reizende Cabinetstückchen nicht im Entferntesten so zu wirken, wie gerade in der Oper. Dies gilt auch von der gestrigen Aufführung. — Als Solisten wirkten in dem Concert die Pianistin Frl. E. Rouge auö Berlin, die Sängerin Anna Mosebach aus Frankfurt a. M. und der Cellist Herr Kammermusiker H. Kruse aus Cassel. — Frl. Rouge hatte sich in dem Grieg'schen A-moll-(Soncert eine technisch wie musikalisch überaus schwierige Composition gewählt. In technischer Beziehung gebührt der Leistung ganz unbedingte Anerkennung. In der musikalischen Interpretation bietet Grieg mit seinem typisch nordischen, manchmal etwas bizarrem Gepräge die größte Schwierigkeit. In dieser Hinsicht bot Frl. Rouge vor Allem Selbständigkeit- dies muß anerkannt werden, auch wenn man nicht der individuellen Auffassung bis ins Kleinste zustimmen konnte. Auch in den Solosacheu machte sich die Dame in der vortheilhastesten Weise bekannt. Hier sei aber bemerkt, daß die tändelnde, oft triviale, und musikalisch recht unbedeutende Staccato- Caprice von Bogrich, eigentlich nicht in den Rahmen des Concertes gehörte. — Die Leistungen der Sängerin Frl. Mosebach waren im Liede recht sympathische- nicht ganz denselben Eindruck vermochte die Dame als dramatische Sängerin mit der Fidelioarie „Abscheulicher" zu machen. Der Stimme ist Kraft und Innigkeit nicht abzusprechen, dieselbe ist aber nicht besonders groß. Kops- und Brustregister waren nicht so gut ausgeglichen wie die weit ausgedehnte Mittelstimme. — Den überaus günstigen Eindruck machte der Cellist Herr Kruse mit seinem kurzen Solo „Kol nidrei“ oon Bruch. Geradezu absolute Reinheit, ausgezeichnete Bogen- sührung, dabei noble Auffassungsgabe, die alles hypersentimentale Wimmern, was bei vielen Cellisten fast lächerlich wirkt, vermeidet, ließ den Vortrag als einen künstlerisch gereiften und vollendeten erscheinen. — Wo die Harfe beschäftigt wurde, waren die Partieen stets nicht so bedeutend, daß das Instrument als Solo besonders hervortrat. — Neues Theater. Nachdem die „Haubenlerche" vor vollbesetztem Hause sich Sonntag Abend wiederum einen ungeteilten Beifall errang, geht heute Dienstag den 3. November ein Lustspiel von Fritz Brentano: „Durchlaucht haben geruht!" in Scene. Der Autor, ein ausgezeichneter Schriftsteller und bekannt durch seine vorzüglichen Humoresken, bedarf wohl keiner besonderen Empfehlung. — Wohlthätigkeils-Bazar. Wie uns mitgetheilt wird, hat die Sammlung von Gaben für den Ende dieser Woche stattfindendcn Wohlthätigkeits-Bazar im Club guten Erfolg gehabt und werden sehr hübsche Gegenstände zum Verkaufe kommen und verloost werden. Diejenigen Familien, welchen die Sammelliste aus Versehen nicht vorgelegt wurde und welche geneigt wären, für den wohltätigen Zweck noch Gaben zu spenden, sind gebeten, solche in den nächsten Tagen bei Freifrau v. Gagern (Schüler'sche Villa) abgeben zu lassen. Von der Universität. Der „Darmst. Ztg." wird von hier geschrieben: Die Berliner Studentenschaft hat an die Studirendeu der Landesuniversität eine Einladung zu dem am 7. November stattfiudenden Festcommers für die Professoren Helmholtz und Virchow ergehen lassen. Da an der hiesigen Universität kein Studenten-Ausschuß besteht, was '' sich bei derartigen Gelegenheiten stets unangenehm fühlbar -macht, so wird die Gießener Studentenschaft auf dem Berliner Fest wohl nicht vertreten sein. —s. Wie wir schon in Nr- 254 kurz berichtet, war auch die vierte Vorstellung des Theater Vereins — ebenso wie alle früheren — von großem Erfolg gekrönt, obwohl das Programm ein wenig bunt gewählt war. Frau El a ar-Delia, die wir schon im vorigen Winter mehrmals zu bewundern Gelegenheit gehabt, zeigte auch diesmal in Schlesingers mehr geistreichem als ansprechendem Dramolet „Mit der Feder" und in Müllers packendem Lustspiel „Im Warte-Salon erster Klasse" ihre seltene Kunst in seinem, unglaublich natürlichem Spiel, dem sich scharfsinnige Auffassung und eine graciöse Darstellungsweise zugesellt. Ausgezeichnet durch Geist und großes Talent und mit angenehmer und inniger Stimme begabt, feierte die Künstlerin auch an diesem Abend große Triumphe, und der Wunsch, sie recht bald wieder innerhalb der Mauern unserer Stadt bewundern zu könnern, mag mancher der aufmerksamen Zuschauer mit nach Hause genommen haben. Herr Schönfeld, der Partner von Frau Claar, welcher sich schon bei seinem ersten Auftreten viele Freunde in Gießen erworben, entfaltete wesentlich im zweiten Stück seine treffliche Begabung als Komiker — nur daß er sich seine liebenswürdige Auffassung vom Studententhum überall, nur nicht aus der Universität Gießen angeeignet haben mag. Etwas ganz Neues für unsere Stadt war schließlich Herr Hermann als Recitator, und die schöne Auswahl der vorgetragenen Stücke gab uns Gelegenheit, seine Begabung aus diesem Gebiete gleich von mehreren Seiten kennen zu lernen. In Wildenbruch's „Hexenlied" hat uns der gewissenhafte Künstler die Dämonie der Leidenschaft in ihrer ganzen Kraft gezeigt — einer Leidenschaft, die alle Schranken durchbricht, groß, gewaltig, die den priesterlichen Zelotismus zu Spott werden läßt, die, hundertmal von Dichtern geschildert, doch in unseren Tagen nur vereinzelt zu finden ist, und die kein anderes Recht ihres Bestehens hat, als das, daß sie ist. Das Alles hat Herr Hermann trefflich zum Ausdruck, zur Anschauung gebracht, und in Frantzois Coppe's „Strike der Schmiede" — einer poetischen Erzählung, die den Autor schon in jungen Jahren mit einem Schlage weit über die Grenzen seines Vaterlandes berühmt gemacht — verstand er uns durch seine fesselnde Wiedergabe ein Bild düsterer socialer Zustände vor Augen zu führen, die schließlich den Mord herbeiführen ' mußten. Schade nur, daß die Beleuchtungsverhältnisse der \ Bühne und des Saales gerade während dieses Vortrags zu wünschen übrig ließen. — Alles in Allem hat auch dieser Abend ein schönes Zeugniß der dankenswerthen Bemühungen der Frankfurter Gäste und des unermüdlichen Eifers des Comitvs des Theater-Vereins gegeben, und der oft gehörte Wunsch, wieder einmal ein abendfüllendes Stück durch seine Vermittelung sehen zu können, wird nun hoffentlich auch bald wieder in Erfüllung gehen. — Vakanzen im Bezirke des 11. Armeecorps. Biebrich- Mosbach, Bürgermeister, Friedhofsleichenhaus-Aussetzer, 500 Mk. jährlich, freie Wohnung und Brand. — Meschede, Postamt, Landbriefträger, 650 Mk. Gehalt und 72 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. — Niederrad, Schultheißenamt, Gemeindediener, 900 Mk. jährlich und 100 Mk. Uniformgelder. — Ohrdruf, Gymnasium Gleichens^ Castellan und Einheizer, 500 Mk. Jahreslohn mit freier Wohnung und Heizung. — Romrod, Postamt, Landbriefträger, 650 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. — Postalisches. Wie schon in einem früheren Artikel unseres Blattes ausgeführt, sind die Anforderungen, welche für den Eintritt in den Reichs-Postdienst als Gehülse in Beziehung auf die Schulbildung gestellt werden, so bemessen, daß ihnen von jungen Leuten, welche den Unterricht in einer tüchtigen Schule genossen haben, ohneVorbereitung in besonderen Anstalten genügt werden kann. Ein Be- dürfniß für das Bestehen derartiger Vorbereitungsanstalten, die durch die Beilegung der Bezeichnung „Postfachschule" oder „Postschule" bei Unkundigen die irrthümliche Meinung erwecken, als sei ihr Besuch für den Eintritt in den Postdienst vortheilhaft oder gar erforderlich, liegt ganz und gar nicht vor- der Besuch dieser Schulen ist im Gegentheil in keiner Weise zu empfehlen. Im Großherzogthum ist den jungen Leuten, welche als Postgehülsen in den Postdienst einzutreten wünschen, durch die große Anzahl von Realschulen und erweiterten Volksschulen (höhere Bürgerschulen) Gelegenheit genug geboten, auf einer tüchtigen Schule sich das Maß der erforderlichen Schulkenntnisse anzueignen. Insbesondere wird hervorgehoben, daß Diejenigen, welche sich durch ein Schulzengniß über den erfolgreichen Besuch der erweiterten Volksschulen (höheren Bürgerschulen) ausweisen können, vorausgesetzt, daß sie an allen Unterrichtsgegenständen Theil genommen und die betreffenden Anstalten bis zum Schluß besucht haben, ohne weiteren Nachweis der schulwissenschaftlichen Bildung, also ohne vorheriges Bestehen einer besonderen Aufnahmeprüfung, als Postgehülsen zugelassen werden können. — Die Fahrpreisermäßigungen, welche mittellosen Personen und deren Begleitern zu Reisen für die Ueberführung in eine Klinik oder in ein öffentliches Krankenhaus seit Kurzem auf den preußischen Staatsbahnen zugebilligt wurden, sind neuerdings auch auf die Ueberführung von Kranken in alle auf milde Stiftungen beruhende Krankenanstalten ausgedehnt worden, gleichviel, ob diese mit Corporationsrechten aus- gestatter sind oder nicht, sofern sie jedem Kranken Aufnahme gewähren und die zu erhebenden Pflegelder im Allgemeinen tiuy zur Deckung der Selbstkosten bestimmt sind. — Der Getreidemarkt. Die Lage auf dem Getreidemarkte läßt sich gegenwärtig dahin characterisiren, daß kleine Preiserhöhungen wie auch Ermäßigungen förmlich sprungartig an den Börsen stattfinden und daß thatsächlich sich nicht seststellen läßt, welche Tendenz, ob Hausse oder Baisse, in den nächsten Tagen obsiegen wird. Die Preise des Roggens und Weizens, -welche vorige Woche gesunken waren, sind deshalb auch wieder um 10 bis 12 Mark pro Tonne gestiegen. — Zur Frage der Handelsverträge. Bei der großen Wichtigkeit, welche die neuen Handelsverträge Deutschlands, Oesterrelch-Ungarns, Italiens und der Schweiz für den gesummten Handelsverkehr und die industrielle Production haben, verdient hervorgehoben zu werden, daß die Handelsverträge, von denen bekanntlich erst derjenige zwischen Deutschland und Oesterreich Ungarn unterzeichnet worden ist, erst auch noch die Zustimmung der betreffenden Parlamente bedürfen, ehe sie in Kraft treten können, daß es daher immerhin noch zweifelhaft ist, ob die neuen Handelsverträge wirklich schon mit dem neuen Jahre in Kraft treten können. Am ehesten dürften sich aus naheliegenden Gründen wohl Deutschland und Oesterreich und vielleicht auch Italien bereit finden lassen, die neuen Handelsverträge noch vor Beginn der parlamentarischen Weihnachtsferien in den Parlamenten berathen zu lassen, aber hinsichtlich der Schweiz, mit welcher die Handelsvertragsverhandlungen noch stocken, muß befürchtet werden, daß die neuen Verträge zum 1. Januar 1892 noch nicht rechtskräftig sind. Hervorgehoben verdient übrigens zu werden, daß auch mit dem Königreiche Serbien Unterhandlungen wegen Beitrittes zu den neuen Handelsverträgen angeknüpst worden sind, doch läßt sich noch nicht sagen, zu welchen Resultaten man mit den Verhandlungen kommen wird. — Beim Einbringen der Winterbedürfniffe in den Keller soll man die nöthige Vorsicht nicht außer Acht lassen, wie nachstehendes, in der „D. Ztg." gemeldete Vorkommniß zeigt. Einer Darmstädter Familie wurde dieser Tage ihr Bedarf an Kartoffeln von einem Lieferanten aus dem Ried in das Haus gebracht. Die Hausfrau besichtigte die in Säcken gebrachte Waare und war mit derselben sehr zufrieden, bis sie nach einer späteren im Keller vorgenommenen Prüfung der Kartoffeln die unangenehme Entdeckung machte, daß ein großer Theil derselben krank, ja selbst in Fäulniß befindliche sich hierunter befanden. Der Kartoffel-Lieferant, hiervon in Kenntniß gesetzt, weigerte sich anfangs, dieselben wieder zurück zu nehmen, und erst die Drohung, ihn gerichtlich zu belangen, veranlaßte ihn zur Zurücknahme derselben. Der Bauer hatte in den unteren Theil der Säcke die schlechten und oben daraus auserlesene gute Kartoffeln gethan. — Beim Haseneinkauf achte man aus folgende Zeichen: Gut erhaltene Augen deuten darauf hin, daß der Hase frisch geschossen zum Verkaufe vorliegt, sind die Augen des Thieres jedoch eingefallen, so ist der Hase schon mehrere Tage todt. Sind die Nägel au den Zehen, vor allem aber an den Hinterläufen, noch schwarz, etwas spitz und scharf, so hat man es mit einem diesjährigen Hasen zu thun, sind aber die Nägel abgelaufen und an den Hinterläufen grau, so ist ein älteres Thier vorliegend. Friedberg, 29. October. Nächsten Montag beginnt in unserem Kreise allgemein wieder die Fortbildungsschule. Versuchsweise beginnt in Friedberg der Unterricht in diesem Winter um 5 und endigt um 7 Uhr- in den anderen Orten des Kreises dauert der Unterricht wie seither von 7 bis 9 Uhr. R. Altenstadt, 31. Oct. Seit einigen Tagen hat Herr Alterthumssorscher Kofler aus Darmstadt Nachgrabungen in der Gemarkung Rodenbach vornehmen lassen. Die Hoffnungen, einen besonderen Fund in dem blosgelegten Römergrabe zu machen, hat sich bis jetzt nicht erfüllt. vermischtes. * Ein Gattenmord ist am Donnerstag Nachmittag auf offener Straße in Potsdam verübt worden. Die etwa 25 Jahre alte Arbeiterin Emilie Thieme aus Potsdam, welche Mutter eines vierjährigen Knaben war, heirathete im Frühjahr d. I., trotz Abrathens ihrer Mutter, den 31jährigen Arbeiter Hein. Die junge Frau sollte aber bald erfahren, daß ihr Mann ein Trunkenbold war, welcher ihre sauer erworbenen Ersparnisse vergeudete. Am Mittwoch vor acht Tagen entschloß sich Frau Hein, ihren Mann seinem Schicksal zu überlassen. Sie nahm einige wenige Habseligkeiten mit sich und zog mit ihrem Knaben in das Haus ihres Brodherrn, Junkerstraße Nr. 61, in Schlafstelle. Der verkommene Mensch scheint sich gleich, nachdem ihm die Frau davongegangen, mit dem Gedanken getragen zu haben, sie aus Rache zu ermorden. Er hatte in Erfahrung gebracht, daß seine Frau ihren Knaben täglich in die Kleinkinder-Bewahranstalt „Elisabethhaus" beim Marlygarten brachte und Nachmittags wieder abholte. Daraus baute er seinen Mordplan. Donnerstag Nachmittag stellte er sich in der Nähe des „Elisabethhauses" aus und verfolgte dann seine Frau mit dem Knaben. Als diese gegen 5 Uhr in der Mauerstraße bis zur Ecke der Karlsstraße gekommen waren, blickte sich der Knabe zufällig um und rief halblaut: „Mutter, da kommt ja Vater!" Frau Hein sah sich nun ebenfalls um, erhielt aber in demselben Augenblick von ihrem Mann mit einem scharfen langen Brodmesser, das er schon einige Tage bei sich führte, von hinten einen Stich in den Hals, welcher mit solcher Heftigkeit geführt war, daß das Messer an der anderen Seite wieder herauskam. Dann riß der Mörder das Messer wieder an sich und stieß noch mehrere Male auf die Frau los. Ein Landmann sah, wie die Frau zur Erde sank. Er glaubte, sie sei nur von dem Manne geschlagen worden und sprang von seinem Wagen herab, um ihr Beistand zu leisten. Erst als er näher trat, sah er, daß die Frau in ihrem Blute schwamm und lief nun dem Mörder nach, welcher langsamen Schrittes nach der Karlsstraße gegangen war. Als Hein sah, daß er verfolgt wurde, kehrte er plötzlich um und ging mit dem blutbefleckten Brodmesser auf den Verfolger los, welcher ihm indessen auswich. Abermals stürzte sich dann der Mörder aus die am Boden liegende noch schwach athmende Feau und brachte ihr noch mehrere Messerstiche bei, worauf er sich zur Flucht wandte. Die Frau gab gleich darauf ihren Geist auf. Anscheinend ist der Tod der Fran schon durch die Durchstechung der Halsschlagader herbeigesührt. Am Jägerthore wurde Hein durch einen Schutzmann festgcnommen. Er that, als ob nichts vorgefall.n - wäre, und ries: „Na wat wollt Ihr denn von mir?", wurde aber sofort nach dem Polizeibureau und dann gefeffelt nach dem Gerichtsgefängniß gebracht. Nun gestand er die That ein. Ein Augenzeuge der schrecklichen That schreibt: Als ich Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr die Mauerstraße entlang ging, sah ich in ziemlicher Entfernung auf dem Straßendamm einen Mann fortwährend auf eine Frau losschlagen, während ein Kind sich schreiend zwischen Beide warf. Ein Mal gelang es der Frau, sich loszureißen, doch bald hatte der Unmensch sie wieder eingeholt und hieb von Neuem auf sie ein. Ein Herr versuchte vergebens, ihn von seinem Opfer abzuhalten. Daraus ergriff der Thäter die Flucht, während die Frau auf dem Straßendamm liegen blieb und zwar, wie wir erst jetzt bemerkten, in ihrem Blute. Wir verfolgten den Mörder, der in die Jäger-Allee flüchtete, und bewirkten dort seine Festnahme. Uebrigens leistete er keinen Widerstand, wollte aber über seine That keinen Ausschluß geben. Inzwischen hatte man die Frau, die keinen Laut mehr von sich gab, untersucht und gesunden, daß sie wohl ein Dutzend Messerstiche erhalten hatte im Kopse, Hals, Brust, Rücken, Unterleib. Nach wenigen Minuten gab sie den Geist auf. *△ Mainz, 1. November. Auf Anregung der Handelskammer fand am Freitag Abend betreffs der Betheiligung des hiesigen Weinhandels an der Chicagoer Weltausstellung eine Interessenten - Versammlung statt. Man sprach sich ausnahmslos für die Beschickung der Ausstellung aus und wählte aus den Vertretern der ersten hiesigen Weinhandelsfirmen eine Commission, welche sich zunächst mit den Interessenten von Wiesbaden u. s. w. über die Art der Betheiligung ins Benehmen setzen soll. In der Versammlung trat man entschieden dem Vorschlag der Binger Handelskammer entgegen, wonach in einem Panorama, ähnlich dem vom Norddeutschen Lloyd in Frankfurt, das Rheingau, aber nur die Gegeüd Bingen-Rüdesheim, auf der Ausstellung zur Anschauung gebracht werden soll. In dem kostspieligen Prospect ersieht man eine unberechtigte Hervorhebung von Bingen und Rüdesheim auf Kosten anderer nicht minder berühmter Weinorte. — Durch Beschluß der Anklagekammer sind die beiden Unmenschen, welche im Laufe des verflossenen Sommers in dem nahen Zahlbach zwei Greise von hier ohne irgend welchen Anlaß in einer Art verletzten, daß dieselben das Leben verloren haben, zur Aburtheilung vor die nächste Schwurgerichtssession verwiesen und zwar unter der An klage des Mordes. — In der hiesigem Seminarkirche erhielten gestern durch Bischof Dr. Haffner 6 Alumnen die Subdiaconatsweihe und heute 8 die Diaconatsweihe. Außerdem bekamen 10 Herren die vier niederen Weihen und 14 die Tonsur. Das bischöfliche Seminar zählt in diesem Semester 52 Theilnehmer. tf Fulda, 1. November. Laut ärmlicher Ermittelung haben vor einigen Tagen zwei junge Leute von hier, Schüler einer hiesigen höheren Lehranstalt, ein unglaublich freches Bubenstück begangen, indem sie absichtlich ein Eisenbahnunglück herbeizuführen suchten. Zu diesem Zwecke hatten sie kurz vor dem Herannahen des von Fulda nach Gießen fahrenden Personenzuges, welcher Fulda fahrplanmäßig um 1 Uhr 42 Minuten verläßt, an der Maber- zeller Straße mehrere dicke Steine auf die Schienen des Bahnkörpers gelegt und sich dann in der Nähe in einen Hinterhalt begeben, um die eventuell eintretende Katastrophe abzuwarten bezw. mit anzusehen. Glücklicherweise hat die Maschine die Steine vor sich weggeschoben bezw. theilweise zermalmt, so daß ein Unglück nicht eingetreten ist. Die Thäter sind ermittelt und die Untersuchung ist eingeleitet. tt Eschwege, 31. October. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich heute Morgen hier zugetragen, der alle Gemüther lebhaft erschüttert hat. Gegenwärtig wird nämlich hier am Langenhainer Weg die Wasserleitung neu gelegt. Die Legung der Röhren hatte ein hiesiger Schlossermeister übernommen, welcher bei den Arbeiten mit thätig war. Derselbe bemerkte plötzlich, daß das Erdreich und Felsgeröll des Grabens, der nahezu 4 Meter tief war, sich zu lockern und zu rutschen begann. Er rief feinen Leuten zu, sich schleunigst zu entfernen, während er selbst aus dem Graben sprang. Allein kaum hatte er die Warnung ausgerufen, da stürzten auch schon die Wände des Canals ein und begruben drei Leute unter sich, welche nicht mehr rechtzeitig hinauszuklettern vermochten. Sofort begann man mit angestrengtester Thätigkeit die Ausräumungsarbeiten, indessen gelang es erst nach 2 Stunden, zu den Unglücklichen zu bringen, welche nur noch als Leichen hervorgezogen werden konnten. Einer der Verunglückten, der 33 Jahre alte Schlosser Julius Viel, welcher Frau und Kmder hinterläßt und hier ansässig war, hatte auf der auswärts führenden Leiter bereits die Mitte erreicht, als die Erdmassen über ihm zusammenschlugen und ihn wieder hinab in die Tiefe rissen. Die beiden anderen Verunglückten sind der 21 Jahre alte Arbeiter Louis Siegmann aus der Magdeburger Gegend und der 15jährige Schlosserlehrling Johannes Schlarbaum, dessen Eltern in Bernsdorf wohnen. * Ueppiges Jagdresultat. Ans Z..., einem Dorfe Württembergs, schreibt man: Bei einer in hiesiger Gegend abgehaltenen größeren Treibjagd, an welcher sich neben einem Troß von Treibern etwa zwanzig Schützen betheiligt haben sollen, kamen zur Strecke: zwei Hunde, eine Rehgais, vier Füchse, etliche Hasen und ein arglos in die Schützenkette gelangter Handwerksbursche. Doch letzterer „streckte" sich freiwillig, indem er sich aus Angst vor den schrecklichen Nimroden vlatt aus den Boden legte und um Schonung flehte, die ihm denn auch großmüthig gewährt wurde. Verkehr, Land- rind Volkswirt,-chasL. Grünberg, 31. October. Fruchtpreife. Weizen X 2450’ Korn X 24 20, Gerste X 17.—, Hafer X 14.60, Erbsen X 20.10. Linsen X 26.—, Wicken X Lein X -I—, Kartoffeln X —, Samen X 24. f FBE18- MEUILKE l 1871 ' i r < littdung Schüler «Wen. ;u diesem- on Fulda Iba fahr- t Maber- ienen des in einen ktastOhe e hat die andels- ^igung agoer L statt, n Aus- ;T echm sch W tv. über In der c Binger aa, ähn- s Rhein- der Aus- Jn dem Hervoranderer hluß der im Laufe ei Greise erletzten,. rtheilung nd zwar 1 hiesigen offner ate 8 die i die vier Seminar her lln- , der alle j nämlich u gelegt. ^•720.1°' tfl < fein** elt nach it That ,t: Als lerstrobe lUf dem loz- )e tocrf. ch bald Neuem seinem Flucht, b und Wir e, und keinen sschluß i Laut ' wohl Brust, ie den ^®t9!nb 1L einen» 5 h->b-" jat. Der- aerÜÜ des oäern und schleunig? en sprang' ia siiirztes bendrei ig MgestreE iW.f, n. welche werden Zahre °l'° hiaterla" siihrendea W * die Tiese 213E et Geg-"d ■ S Ruppertenrod, 30. October. Unseren gestrigen H erbst - markt begünstigte schönes, aber sehr kaltes Wetter. Der Viehmarkt, ausschließlich Schweinemarkt, war sehr stark befahren und von Käufern recht gut besucht; über 700 Stück Schweine waren aufgetrieben. Der Hmidel mit Schweinen zeigte einen viel lebhafteren Fluß, als auf dem vor 14 Tagen zu Grünberg stattgefundenen Gallusmarkt. Die Preise zogen an und wenn sie auch lange nicht die abnorme Höhe der vorjährigen erreichten, so zeigten sie doch auch nicht den tiefen Stand, wie er aus anderen Gegenden berichtet wird. Die Preise, wie sie gestern hier bezahlt wurden, find eben die eigentlich normalen. Man bezahlte für das Paar Ferkel durchschnittlich 18-24Mk., bessere 24—30 Mk., beste Qualität sogar 30—42 Mk. Allerdings näherte sich diese Art schon den Läufern, für die man per Paar 60—80, 80—100 Mk. anlegte. Fette Schweine bezahlt man das Pfund Lebmdgewicht mit 38 und 39 Pfennige. — Der Krämermarkt war mit Verkaufsständen gut besetzt und auch von Marktgästen gut besucht. △ Homberg cu ©♦, 30. October. Der vorgestern dahier abgehaltene sogenannte „Kalte Markt" verdimte diesmal seinen Namen mit Recht, denn an diesem Tage wehte ein Nordost-Lüftchen, das stark nach Eis roch. Der Winter ist dmn auch in der That in der folgenden Nacht eingezogen. Der Markt war trotz des winterlichen, rauhm Wetters gut besucht und mit Schweinen sehr gut befahrm. Der Handel darin ging jedoch nicht besonders flott, weil die Verkäufer, die seitherigen hohen Preise gewöhnt, sich noch immer nicht recht in die jetzigen Preisverhältnisse schicken wollen. Dessenungeachtet waren die Preise für die Ferkel gar nicht ungewöhnlich niedrig. Bezahlt wurde für das Paar im Durchschnitt 16—22 Mk., 22 bis 28 Mk., 28-40 Mk., Läufer galten das Paar 50-70 Mk., 70 bis 90 Mk. — Der Krämermarkt zeigte guten Besuch und gute Kauflust namentlich in Wtnterwaarm. Frankfurt a. M«, 31. October. Auf der Freibank wurden gestern Vormittag folgende Fleischsorten zu nebenbeigesetzten Preisen verkauft: Ochsenfleisch 45 Pfg. per Pfund, Kuhfleisch 35, Hammelfleisch 30 und 45, Schweinefleisch 30 und 40 Pfg. — Die verschiedenen Obstsorten wurden gestern bei korbweiser Abnahme zu folgenden Preisen verhandelt: Dürkheimer Trauben 25 Mk., Kronberger Kastanien 14, Pfirsische 12, Graureinette-Aepfel 9—12, Tafeläpfel 9—10, Kochäpfel 6—7, Borsdorfer Aepfel 12, Mollebouche-Birnen 10—11, Kochbirnen 5—6, Zwetschen 6—7 Mk., Alles per Centner. — ,Unter allen Künsten der Menschen gibt es keine, die sich einer richtigeren Beurtheilung und deren Prodücte allgemeinere Anerkennung genietzen, als die, welche sich mit der Zubereitung der Speisen beschäftigt", so schrieb Liebig in dm 60er Jahren; heutigen Tages besteht sein Aussprüch mit noch mehr Recht, wo die Köchin, ihr selbst unbewußt, die Resultate der exacten Wtsienschaft benutzt. Wohl eine der schönstm Früchte, die das Eingreifen der physiologischen Wtsienschaft in das hauswirthschaftliche Leben gezeitigt hat, ist ein Nahrungsmittel, das mit denkbar bester Verdaulichkeit und Nährkraft, angenehmm Geschmack und geringm Preis vereint, das Kemmerich'fLe Fleisch-Pepton, ein Labsal für Kranke, ein Genuß für Gesunde. 1462 Schlffsnachrichtem. — Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 28. October wohlbehalten in Newyork angekommm. Spülplan der vereinigten frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 3. November: Meistersinger. Gewöhnliche Preise. Mittwoch dm 4. November: Excelsior. Außer Abonnemmt. Große Preise. Donnerstag den 5. November: Golo. Große Preise. Freitag dm 6. November: Vorstellung bei ermäßigtm Preisen. Boccaccio. Außer Abonnement. Samstag den 7. November: Undine. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 8. November: Neu einstudirt: Der Wasserträger. Hierauf: Cavalleria rusticana. Große Preise. Montag den 9. November: Zu Schillers Geburtstag. Vorstellung bei ermäßigtm Preisen. Die Jungfrau von Orleans. Außer Abonnemmt. ScharrspielharrS. Dienstag den 3. November: Zum ersten Male wiederholt: Bauernehre (Cavalleria ruaticana). Hierauf: Der Hungerthurm. Abonnement A. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 4. November: Der Vogelhändler. Abonnemmt B. Gewöhnliche Preise. Donnerstag den 5. November geschlossen. Freitag den 6 November: Schuldig. Hierauf: Neu ein- ftudirt: Mit der Feder. Abonnement A. Gewöhnliche Preist. Samstag den 7. November: Bauernehre. (Cavalleria rustioana.) Hierauf: Madame Bonifvard. Abonnement B. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 8. November, Nachmittags 31/» Uhr: Gemeinschaftliche Hochzeitsreise. Außer Abonnement. Kleine Preise. Abends 7Uhr: Zum ersten Male: Großstadtluft. Schwank von Blumenthal und Kadelburg. Abonnement C. Gewöhnliche Preise. Eingesandt. Gießen, 2. November. Oesserttliche Bitte an die hiesige Polizeibehörde. Die Tage sind kürzer geworden Und meinen bfild ganz kurz fein. Bei den engen Straßen in Gießen ist es schon am Tage schwer, wegen des Fuhrwerks und anderer möglicher Hindernisse dem ©nt- gegenkommenden auszuwetchen, wie schwer aber, ja entschieden unmöglich, bei Schnee, Eis oder den Wegschaffungsarbeiten, und nun gar in der Dunkelheit in Straßen, wo nm eine Person auf dem Trottoir Platz hat! Die Folgen sind Rempelei, Zank, Streit, möglicherweise Schlägerei! Und doch ist es so leicht, dem Allen abzuhelfen, wmn nämlich, wie es in Frankfurt, Köln und allen großen Städten geschieht, die Behörde darauf halten wollte, daß Jeder, der i* eine Straße eintritt, immer auf der rechten Seite geht, so daß die Eintretendm immer auf der Seite gehen, die ihrer rechten Schulter zunächst ist. Vorerst würde eS genügen, an den vier Hauptthoren, am Wallthor, Neustädter, Seltersberger und Neuenweger etwa rechts und links Tafeln aufzuftellen mit der Aufschrift, rechts: Eingang, links: Ausgang, da sich erwarten läßt, daß Jeder, der auf Bildung Anspruch macht, der wohlgemeinten Anordnung Folge leisten werde. Literat«» «ad Aanft. — Novellen-Bibliothek der Jllnprirten Zeitung. Sammlung ausgewählter Erzählungen. Zehnter Band. 390 Seiten. Preis geheftet 2 Mk., in Original-Leinenband 3 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Der so oft gehörte Vorwurf, daß in Deutschland zu wenig Bücher gekauft würden, ist jetzt durchaus nicht mehr ganz zutreffend, denn heutzutage besitzt jede gebildete Familie ihre eigene HaUs- bibliothek und setzt ihren Stolz darein, dieselbe alljährlich um so manches gute Werk zu vermehren. Allerdings läßt sich die Anschaffung sehr kostspieliger Bücher nicht gut mit jedem Einkommen ermöglichen, um so dankbarer wird es jedoch von allen Seiten anerkannt, wenn ein wirklich gediegenes und gehaltvolles Werk für einen überaus mäßigen Preis geboten wird. Und die Vereinigung dieser Vorzüge läßt sich wohl kaum irgend einem andern Unternehmen in so gerechter Weise nachrühmen wie der „Nooellen-Btbliothek der Jllustrirten Zeitung". Die im zehnten Band enthaltenen siebzehn Novellen bringen wiederum in buntester Abwechselung eine Reihe meisterhaft gezeichneter Bilder aus dem vollen Menschenleben, die alle ihren eigenthümltchen fesselnden Reiz haben, ob nun die Stranddüne des schlichten Fischerdorfes, das Boudoir einer eleganten Weltdame, die (Steppe hohen Norden oder eine sonnenbeglühte Felslandschaft im beißen Süden als Hintergrund gewählt sein mag. So regen die Erzählungen in vielseitigster Weise das Interesse des Lesers an und eignen sich so recht dazu, die langen Winterabende auf angenehme Art verkürzen zu helfen, wobei die geschmackvolle äußere Ausstattung noch überdies dazu beiträgt, sie zu einer passenden Festgabe für den Weihnachtstisch zu machen. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Bibelstunde heute Montag den 2. Novbr., Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule; Römerbrief, Kap. 1, VerS 8: des Apostels Herzensoerhältniß zu der röm. Gemeinde; das Evangelium eine Gotteskraft zur Seligkeit. Pfarrer Dr. Naumann. Dross-Seife ist in jeder Beziehung mindestens ebenso vorzüglich wie Dörings Seife. Preis: I Stück 30 Pfg., 12 Stück 3 Mark. [8214 MT Siehe Inserat. 9720 9713 9711 9715 9724 Bock. 9721 9723 Walz. 9717 Der Voranschlag der Gemeinde Hausen für das Jahr 1892/93 liegt vom 3. November l. I. an acht Tage lang zur Einsicht Großherzogliche Bürgermeisterei Lauter. Feldmann. Betheiligten auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Allendorf an der Lahn, am 31. October 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Mendorf a. d. Lahn. Volk. Der Voranschlag der Gemeinde Allendorf a. d. Lahn für 1892/93 liegt vom 3. November an acht Tage lang zur Einsicht aller Der Voranschlag der Gemeinde Lauter liegt vom 6. bis 14. November d. I. aus dem Bürgermeisterei-Bureau zur Einsicht der Betheiligten offen. Lauter, den 1. November 1891. Birklar, am 31. October 1891. Grobherzogliche Bürgermeisterei Birklar. Müller. Beltershain, am 1. November 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Beltershain. Bast. auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Hausen, am 31. October 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Hausen. Dern. Burkhardsfelden, am 31. October 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Burkhardsfelden. Hoffman n. In Sachen betreffend [9718 das ConcurSverfahren über das Vermögen der minderjährigen Kinder des verstorbenen Georg Rinn II. zu Bieber wird die Anmeldefrist bis zum 20. November l. I. verlängert und anderweiter Prüfungs- termin auf den Gerichtstag zu Rodheim am 10. December l. I., Nachmittags 4 Uhr, anberaumt. Gladenbach, 20. October 1891. Königliches Amtsgericht Abth. II. Der Voranschlag der Gemeinde Stangenrod liegt acht Tage lang vom 4. bis 12. November aus dem Bürgermeisterei-Bureau zur Einsicht der Betheiligren offen. Stangenrod, den 1. November 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Stangenrod. Der Voranschlag der Gemeinde Burkhardsfelden für 1892/93 liegt vom 1. November an acht Tage lang zur Einsicht und Entgegennahme etwaiger Einwendungen auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Bekanntmachung. In den Waldungen der Stadt Lich, District Vorderwald, können 200 Stück drei Meter hohe im Freien gezogene Lindenstämme, das Stück zu 40 abgegeben werden und kann sich wegen Bezugs derselben an den Forstwart Eise dahier gewendet werden. Lich, am 31. October 1891. "Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Beltershain für 1892/93 liegt vom 5. bis 13. November l. I. auf unserem Geschäftszimmer zur Einsicht und Entgegennahme von Einwendungen auf. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Birklar für das Rechnungsjahr 1892/93 liegt vom 5. bis 13. November 1891 zur Einsicht aller Betheiligten aus dem Bürgermeisterei-Bureau daselbst offen. Die neuesten, fertig garnirten soll auf dem diesigen Ortsgericht He den Eingang von der Kaplansgasse 9744 Aeilgeboteues & Schlüter in Giessen. 8858 (vsipr). [9722 flieht explodirendes Petroleum Bester und sicherster Brennstoff Großh Ortsgerjcht Gichen- I. A: Bogt. Der Entflammungspunkt auf dem Reichsseitig vorgeschriebenen Petroleum - prober ist doppelt so gross, als derjenige des gewöhnlichen Petroleums, infolge dessen sich das Oel selbst beim Umfallen der Lampe nicht entzünden kann. Engros-Niederlage für Oberhessen und Nassau bei lowack für jede Petroleum-Lampe und Kochmaschine Amtlich und assecuranzseitig empfohlen vorn. 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Immer drohender stieg das schreckliche Gespenst der Furcht vor ihm auf, seine Unsicherheit wuchs in demselben Verhält- niß, wie sich sein Selbstvertrauen verminderte. Da war es oft, als zögen schwarze Schatten über seine Seele. Dunkle, unheilvolle Gedanken keimten in seinem gemarterten Hirn und das einst so heitere Auge blickte düster sinnend hinaus in die Welt, die keine Freuden mehr für ihn hatte. Ein verfehlter Beruf, ein verlorenes Leben, das nur noch werth war, sort- geworscn zu werden. In solchen Stunden hoffnungsloser Verzweiflung war es die starke Liebe seines im Stillen leidenden Weibes, die ihm die immer tiefer werdenden Falten von der Stirn lächelte, die ihn mit neuem Muth beseelte, die nicht aushörte, ihm zu vertrauen, an ihn zu glauben. Wie sie es ihm gelobt am Altar, so stand sie ihm zur Seite, treu, unerschütterlich, ohne Wanken. In einsamen Stunden weinte sie wohl und betete für ihn, aber sie ließ es ihn nicht merken und trug die schwere Last allein und helden- müthig. Ahnte er, was sie litt um seinetwillen? Vielleicht nicht. Aber er fühlte den warmen Hauch ihrer Liebe, die ihn aufrecht hielt, die den Grund bildete, von welchem sich der Anker seines Lebensschiffes nicht zu lösen vermochte. O, er erkannte wohl, welch ein Kleinod er an der blassen Frau besaß, deren blaue Augen so gütig zu lächeln wußten, deren Hände so besänftigend sein Haupt streichelten, wenn er verzagen wollte. Wenn er spät am Abend das Schlasgemach betrat, oder wenn er am frühen Morgen erwachte und auf die ruhig Schlummernde blickte, dann floß es über seine Lippen im stillen Gebet: „Ich danke dir, Vater im Himmel, daß du sie mir aufs Neue geschenkt hast für diesen Tag!" Und mit Schmerz gedachte er der Zukunft, die einen Morgen bringen würde, den sie nicht mehr gemeinsam begrüßten. Ach, dieser Morgen sollte kommen, schneller, furchtbarer, als sie beide es ahnten. Ein ganz unbedeutendes, äußerliches Leiden war es, von welchem seine Frau heimgesucht wurde. Ein kleiner operativer Eingriff genügte, sie davon zu befreien, er war sehr unbedeutend. Die Frau fürchtete wohl kaum den Schnitt des Messers, er aber, der Mann, der Arzt, fühlte ihn wie am eigenen Fleisch. Er sollte ihr wehe thun, der zarten, schwachnervigen Frau! Das brachte er nicht über sich. Er schlug ihr vor, ein College möchte die Operation ausführen. Da sah sie ihn vorwurfsvoll an, sie wollte nichts wissen von einem Fremden, sie hatte ja ihren Gatten, dem sie beweisen wollte, daß sie ihm vertraute. Da kam ihm ein Gedanke: die Aenasthesie! Ja, wenn er sie narkotisirte, wenn sie dem Schmerz entrückt war, dann wurde seine Hand nicht beeinflußt von dem Mitgefühl, das ein Gelingen der Operation in Frage stellen konnte. Ein stiller Nachmittag war es. Die Sprechstunde ging vorüber, nur zwei arme Frauen hatten sich mit ihren zahnenden Kindern eingefunden, sich etwas gegen den Husten der Kleinen verschreiben zu lassen. Nun herrschte Stille in dem nach einem kleinen Garten hinaus belegenen Sprech- und Studierzimmer, draußen zwitscherten die Spatzen und die srüh untergehende Sonne warf einen rothcn Schein auf das gegenüberliegende Gemäuer. Auf einem an der Wand stehenden Sopha ausgestreckt, lag die Gestalt der Patientin, das rosig gefärbte Tageslicht fiel ans ihren zum Theil entblößten Oberkörper und der Gatte traf die Vorbereitungen zur Operation- er hatte nichts vergessen, die Instrumente, die antiseptischen Mittel, das Verbandszeug, alles war zur Hand und eine Störung nicht me'>r zu erwarten. Jetzt legte er ihr die Maske an. „W > ich sie wieder abnehme," sagte er, um sie zu ermuthigen „wirst Du nichts wissen von Schmerzen, alles wird gut vorüber sein und Du wirst wieder ruhig schlafen." Sie wandte ihm ihr Gesicht zu und lächelte. „Ick weiß es," sagte sie einfach, „und lege mein ganzes Sein furchtlos in Deine Hände." — Sie heftete ihren seucht- schimmernden Blick auf sein Gesicht und ließ ihn dann hinausgleiten in das rothglühende Licht des sinkenden Tages, als wollte sie Abschied nehmen, denn leise, ganz leise und weh- müthig stieg ein Gedanke in ihr empor: „Wie, wenn dies der letzte Blick wäre, der letzte Blick in dies warme Leben, wenn es kein Erwachen gäbe aus der Nacht, die dich nun umfangen soll?" Sie drehte den Kopf herum, das Gesicht der Wand zugewendet, schloß sie die Augen. Und dann drückte sie dem Gatten die Hand, fest, wie er es verlangte, fest, ohne zu zittern. Und der Druck wurde allmälig schwächer, immer schwächer, bis die Finger kraftlos herabglitten. Nun begann der Arzt seine Thätigkeit, mit sicherer, geübter Hand. Wenige Minuten genügten zur Anlegung des Verbandes. Er athmete erleichtert aus. „Gott sei Dank," ries er, „das wäre vollbracht." Da tönte im Vorflur die Glocke, schrill, hastig, wie ein Hilferuf in der Noth. Warum öffnete die Magd nicht? Richtig, er hatte sie ja sortgeschickt, um ungestört zu sein. Schnell nahm der Arzt eine wollene Decke und warf sie schützend über die Schultern seiner Frau, dann eilte er hinaus. Man brachte einen armen Knaben, der dem Ersticken nahe war. Er hätte eine Nadel verschluckt, welche ihm in die Luftröhre gerathen war. Dämmerung füllte bereits das Gemach, es war zu dunkel, um mit Sicherheit dem kleinen Eindringling beikommen zu können. Der Arzt entzündete die im Wartezimmer stehende Lampe und nach mehreren vergeblichen Versuchen glückte ihm die Entfernung der gefährlichen Nadel. Mutter und Kind entfernten sich glückselig und dankerfüllt und der Arzt, sich der gelungenen That freuend, geleitete beide hinaus. In der Thür begegnete ihm sein Sohn, ein flotter Student, der von einem Spaziergange heimkehrte. „Guten Abend, Papa," sagte er, „noch so spät Besuch? Wie gehts der Mama? Wo ist sie denn?" Er bekam keine Antwort und befremdet sah er den Vater an. Was war das? Jeder Blutstropfen war aus dem Gesichte des Mannes gewichen, gespenstisch starrten ihn die entsetzten Augen an und dann klang es wie das Gurgeln eines Ertrinkenden. (Schluß folgt.) Donnerstag den 5. und Freitag den 6. November werden die zum Nachlaß des Herrn Stationscaffier Schaumann gehörigen Mobilien im Stationsgebäude des hiesigen Bahnhofes meistbietend versteigert. Donnerstag Nachmittag von 2 Uhr an kommt zum Ausgebot: 1 großer Gummibaum, 1 Caetus, 1 Epheulaube, 2 Nosenstöcke „Marschall Niel", mehrere Oleander und viele andere Blumen; ferner: ein gutes Fianino; an polirten Möbeln: 1 Sopha, 6 Stühle, 1 ovaler Tisch, 1 Commode, 1 Chiffoniöre, 1 Nähtischchen, 1 Nähmaschine, 2 complete Betten mit Sprungfedermatratzen, 1 Klappsessel. — Tische, Stühle, ein« und zweithürige Kleiderschränke, Waschtisch, Rohrsessel, Laubsägearbeiten, Fischglocke, Salonlampen, Figuren, Oel- gemälde und andere Bilder, Nippsachen u. s. w., 1 Regulator. Freitag Bormittag von 10 Uhr an: 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, Küchen- und Hausgeräthe, Porzellan, Bütten, Weißzeug. Freitag Nachmittag von 2*/4 Uhr an: 1 große Zinkbadebütte, Petroleumherd, Kinderbettstelle, Herren- und Frauenkleider, sowie das übrige Mobiliar. 9668 Im vormundschaftlichen Auftrag: Louis Rothenberger, Gerichtstaxator. Gereinigten Hedtein.-Lebertbran empfiehlt [9600 Emil Fischbach. Wollene und wasserdichte Pferdedecken in großer Auswabl billigst. [8530 LouiS Wittich II., Sattler, Neustadt 6. ■»Ä Das Neueste und Eleganteste in Kinderwagen trifft stets ein bei A. Kilbinger (L. Senners Nachf ). _________ Seltersweg 19._______[1422 Prima Nusskohlen, „ mel. Kohlen, „ Anthracitkohlen, Briquetts und Brennholz Dienstag den 10. November, Nachmittags 2f/2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Friedrich Welker Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: ftlur I Nr. 39 — 12 Meter Hofraum, Miftstätte in der Mühlgaffe, Flur I Nr. 41 — 75 Meter daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 19. October 1891. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A-: Bogt. 9276 Aeitzeöoterres. Ausverkauf Lindenplatz 12 Lindenplatz. 9150 H. C. Werner. Seife la. weiße ....... 27 bei 10 Psd..... 4 26 la. gelbe ....... 26 bei 10 Psd......25 gelbe Schmierseife .... 20 weiße „ . ... 22 Soda ..... 6 Stärke la. ...... 28 Fettlaugenmehl ..... 18 Gustav Walter 9529 ^(Mäusburg 13. Frische Eier, schwere Waare, 2 Stück..... 13 Pfg. 100 „ .....6,00 Btt. bei Heinrich Arnold II, 5807__Schloßgasse 5. Deutsche 96921 flr6riter=8eife vorzüglich zur schnellen ReinigungderHLnde re. Die Arbeiter - Seife reinigt die Haut schneller als jede andere Seife und wird deshalb vorzüglich von Personen gebraucht, die eine Beschäftigung treiben, welche die Haut schwärzt und verhärtet; sie sollte daher auf Comptoirs, in Expeditionen, Werkstätten, Officinen, Fabriken, Ateliers und in Küchen niemals fehlen- Die Arbeiter-Seife eignet sich auch noch ganz besonders zur gründlichen Reinigung und zum Putzen aller Zinn-, Blech-, Messing- und Kupfergeschirre, sowie von Glas und Porzellan. Stück 10 Pfg. Zu haben in der Drogenhandlung von Otto Schaaf. Brennholz. Buche«- und Tannenholz, bi guter trockener Waare, per Meter und per Eentner, billigst bei es] Andreas Euler* empfiehlt 9378 Dan. Wirths Nachfolger, Westanl. 30. Marktstr. 20. Weißkraut, Rothkraut, Wirsing [9560 verkauft Friede. 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November: Von Nachmittags 3 Uhr ab gesellige Unterhaltung mit Thee, Kaffee und Vier, Abends 8 Uhr Verloosung. Das Eintrittsgeld beträgt: für den Markt 20 Pfg., im übrigen an beiden Tagen 50 Pfg. ä Person. Zum Besuche der Gallerie berechtigendie Billets zum Saale nur mit Zuschlagsbillets, die am Eingang zu ersterer gelöst werden müssen. 9626 Verein der deutsch-freisinnigen Partei. General-Versammlung Dienstag den 3. November 1891, Abends Sl/2 Uhr, Restauration Feidei Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Landtagsabgeordneten Metz über die gegenwärtige politische Lage. 9682 2. Berichterstattung über das abgelaufene Geschäftsjahr und Vorstandswahl. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.Der Borstand. Jahresfest des Oberhessischen Vereins für innere Mission Mittwoch den 4. November, in der Stadtkirche zu Gießen. Festgottesdienst um 10 Uhr: Hofprediger a. D. Stöcker aus Berlin. Verhandlungen um V212 Uhr. Thema: Was kann die innere Mission zur Förderung des Gemeindelebens beitragen? Referent: Pfarrer F. Naumann aus Frankfurt a. M. Zur Theilnahme lädt freundlichst ein [9596 Der geschäftsführende Ausschutz: D. Gottschick. E. Kauffmann. Schlaffer. Stamm. G. Windecker. Gießener Eisverein. Die Wirthschaft auf der Eisbahn soll für die diesjährige Saison pachtweise vergeben werden. Angebote sind bis zum 3. November schriftlich einzureichen. 9695 Jean Kirch, I. Vorsitzender. Geschäfts-Veränderung. Meiner geehrten Kundschaft von Gießen und Umgegend zur Nachricht, daß ich die von mir seither betriebene Glaserei mit dem Heutigen an Herrn Hugo Spier übertragen habe. Indem ich für das mir geschenkte Vertrauen herzlich danke, bitte ich dasselbe auch auf meinen Nachfolger übertragen zu wollen. NB. Die Porzellanhandlung u. s. w. betreibe ich unverändert weiter und bitte ich em geehrtes Publikum, mich auch hierin ferner unterstützen zu wollen. 9703 Achtungsvoll « W. SE’illmanii Wwe. Kirchenplatz 15. Bezugnehmend auf Obiges erkläre ich, daß ich die betreffende Glaserei unter der Firma W. Fillmann Nachfolger unverändert weiter betreibe und bitte, indem ich mich in allen vorkommenden Glaserarbeiten, wie Anfertigen von Fenstern und Bleiverglasungen, Einrahmen von Bildern und Spiegeln, sowie Liefern von Schaufensterscheiben bestens empfehle, das meinem Vorgänger geschenkte Vertrauen auch mir zu Theil werden zu lassen unter Zusicherung reellster Bedienung. Gießen, 1. November 1891. Achtungsvoll Hugo Spier ______________________Glafermeister.______ Meine Flaschenbierhandlung befindet sich von heule ad 17, II. Stook, nicht mehr Löberstratze 7 und empfehle Exportbier aus der Brauerei Friedel, hell und dunkel, per Flasche 20 Pfg., bei freier Lieferung ins Haus. Hochachtungsvoll 9726 W. Förster» FerAüeH«ngerr. 9526] Zwei Wohnungen (ä, 5 Zimmer mit allem Zubehör), sogleich zu vermiethen- __Südanlage 7. 9209] Südanlage 21, Nebenhaus: eine Wohnung, 3 Zimmer, 2 Cabinete, Küche nebst Zubehör, zu vermiethen.____________ 7224] Logis, -3—4 Zimmer, an ruhige Leute zu vermiethen. Seltersweg 31. *".6537] In meinem Neubau, Ecke der Eder- und Steinstraße, ist der zweite Stock sofort beziehbar, zu vermiethen. _____A. Gröninaer Glaser. 6529] Schönes Mansardenlogis zu Der» miethen. Gg. Möh!l, Bahnhofstraße 1. Kedomrm? — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.' 6468] Der weite Stock im Neubau, 4 Zimmer mit allem Zubehör, sofort zu vermiethen. Heinrich Rnckfinhl II., __Asterweg 50.________ 6075] In meinem neuen Hause, Bahnhofstraße, ist eine schöne größere Wohnung zu vermiethen. __H. 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