Nr. 204 Donnerstag Len 3. September 1891 »er Kkßrir rrfchnnt täglich, eM ÄuLnahme bei Montags. »k Gießener «rttn dem Anzeiger »Lcherttltch dreimal b tigelegt. Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. Btertelifllrcig-w Ako««e»e»1tPreiai 2 Marl 20 Pfg. »S Bringerlohn. Durch die Post bczog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, LxpedMa« und Druckerei: Zchakstratze UtA Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Kwl» Gretzen. Www II IOI1-LJJ» —■■=■■■■■ .1 .HL - .-i. -. i'"”?-aau:e—gifli ÄF*io>me von Anzeigen zu der Nachmittags für den '.^grnden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. KratisS-ilage: Kichm-r Jamilienöl-ttkr. 1LL!„. .. . ,_.Jii___________ Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend die Feldbereinigung in der Gemarkung Ruttershausen, hier Wahrnehmung der bestehenden Rechtsverhältniffe. Auf Grund des Art. 19 des Feldbereinigungsgesetzes vom 28. September 1887 fordere ich hierdurch die beteiligten Grundbesitzer auf, die Einträge der Eigentums- und sonstigen Rechtsverhältniffe in den öffentlichen Büchern, insoweit dieselben den bestehenden Verhältniffen nicht mehr entsprechen, innerhalb einer Frist von 3 Monaten bei dem Großherzogl. Amtsgericht Gießen berichtigen oder ergänzen zu lassen, damit die bestehenden Rechtsverhältnisse beim Bereinigungsverfahren berücksichtigt werden können. Diese Aufforderung ergeht: 1. an Diejenigen, welche Grundstücke im Bereinigungsbezirk erworben, aber ihren Eintrag im Grund- oder Flurbuch, bezw. im Mutationsverzeichniß noch nicht erwirkt haben, um die Errichtung und Jngroffation ihrer Erwerbtitel oder die Berichtigung irriger Einträge zu erwirken; 2. an Diejenigen, welche zwar im Grundbuche stehen, aber weil sie schon vor Einführung des Gesetzes vom 21. Februar 1852 eingetragen waren, ohne Beifügung des Erwerbstitels, um Letzteren nach Maßgabe des Art. 28 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 eintragen zu lassen, indem sonst, abgesehen von dem Hindernisse bei der Feldbereinigung, demnächst nur eine Bescheinigung des Besitzstandes statt einer Eigenthumsurkunde ausgestellt werden wird; 3. an Diejenigen, welche an ein auf fremden Namen im Grundbuch eingetragenes Grundstück einen Vindications- oder einen unter gewissen Umständen zu realisirenden An- und Rückfallsanspruch wegen eines vor Einführung des Gesetzes vom 21. Februar 1852 vertragsmäßig gemachten Eigen- thumsvorbehalts oder wegen einer bei der Veräußerung beigefügten auslösenden Bedingung, eines Endtermins oder einer Zweckbestimmung zu bilden haben, ohne diesen Anspruch, durch den Vermerk „streitig" oder „beschränkt" im Grundbuch gesichert zu haben, sowie an Diejenigen, welche unter Nachweis der gesetzlichen Voraussetzungen die Vormerkung „gehemmt" wollen eintragen lassen; 4. an die Obereigenthümer und Fideicommrßberechtigte, welche ihre Heimfalls- und Successionsrechte nicht durch^Ein- trag der Lehens-, Erb- oder Landsiedel-, Leih- oder Fidei- commiß-Qualitüt eines Grundstücks im Grundbuch haben wahren lassen, um ihre Rechte, soweit dies nach Artikel 37 und 38 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 noch zulässig ist, im Grundbuch eintragen zu lassen; 5. an Diejenigen, welche Pfandrechte, Eigenthumsvorbe- halte, Revocations-, Resolutions- oder Nichtigkeits-, Separa- tions- oder andere Sicherheitsrechte, die weder im Hypotheken- noch im Grundbuch gewahrt sind, an zur Bereinigung bestimmten Grundstücken geltend machen können, um unter Fsrrilletsn. Die Familie Buöppel. Von Ernst Lenbach. (Schluß.) Während wir noch darüber beratschlagten, ging die Thüre aus imb Frau Quöppel trat ein. Ich merkte es ihr wohl an, daß sie tüchtig geweint hatte- ihre Augen waren geröthet. Jetzt aber schien sie wieder ganz gefaßt, — ja, ich meine saft, es lag etwas Verklärtes aus ihren Zügen. Ihr Gatte versuchte sogleich wieder seine lustige Rolle aufzunehmen,' er lachte, aber es war nicht sein lustiges, ungezwungenes Lachen, trat auf sie zu und meinte mit einer unnatürlich burschikosen Stimme: „Na, Ulte, was sagst Du nun?" _ , c r. Da' sah ihm die treue Lebensgefährtin mit einem festen Blick, den er vergebens zu erwidern suchte, in die Augen und sagte mit sanster Stimme: „Lieber Quöps, warum quälst Du Dich so mir zu Liebe? Haben wir uns nicht genug gequält alle diese Zeit über mit gegenseitigem Verstellen? Denn Du mußt wissen, ich habe damals Deine Verabredung mit unserem Jungen angehört. Ich weiß alles, mein lieber, guter Quöps! Und wenn ich eben geweint habe, so war es wohl mehr die Erlösung von der lange getragenen Last, als die Trauer, oder gar, wie Du wohl meintest, die Freude, was mich weinen ließ. Siehst Du, für den Jungen ist es ja wohl das Beste. Ich habe mirs schon länger gedacht, Vorlage der betreffenden Urkunden und genauer Bezeichnung der Forderung und derjenigen Grundstücke, welche zur Sicherheit dienen, die Einträge in die öffentlichen Bücher zu erwirken; 6. an Diejenigen, welche Realservituten, die nicht durch die bei der Bereinigung vorzunehmende neue Weg- und Wässerungs-Regulirung erlöschen, sondern noch nach derselben geltend zu machen sind, z. B. Weg- und Wasserleitungs- Gerechtigkeiten zu Gunsten von Grundstücken, die nicht in die Bereinigung fallen, Lehm-, Thon-, Sandgrube- oder Keller- Berechtigungen auf zur Bereinigung gehörigem Gelände anzusprechen haben, ferner an die, welche solche Grundstücke zur lebenslänglichen Nutznießung, zur Benutzung als Brautgabe bis zur geschwisterlichen Theilung, zur Sicherung einer lebens- länglichen Leibzucht- oder Auszugsberechtigung anzusprechen haben; 7. an Diejenigen, auf deren Grundstücken in den öffentlichen Büchern solche Rechte eingetragen sind, welche sie für erloschen halten, aber noch nicht haben löschen lassen, um diese Löschung unter Vorlage der nöthigen Beweise hierzu zu erwirken. Rechte der unter pos. 1—7 genannten Art, welche nach Ablauf von 3 Monaten weder in den öffentlichen Grund- und Hypothekenbüchern, bezw. den zu den Flurbüchern gehörigen Mutationsverzeichniffen, noch in den in Gemäßheit der Anmeldungen aufzustellenden Verzeichnissen gewahrt sind, bleiben bei der stattsindenden Feldbereinigung unberücksichtigt, ebenso werden erloschene, aber in den öffentlichen Büchern noch nicht gelöschte Rechte als fortbestehend behandelt. Gießen, den 1. September 1891. Der Vollzugscommissär: Nebel, Amtmann. Reich. Berlin, 1. September. Im Laufe dieses und des nächsten Monats stehen eine Reihe von Wahlhandlungen bevor, welche schon jetzt ihre Kreise zu ziehen beginnen. Erstlich sind verschiedene Nachwahlen zum Reichstage vorzunehmen, so in den Wahlkreisen Stolp-Lauenburg, Rasten- burg-Gerdauen u. s. w., und bei solchen Nachwahlen pflegt es ersahrungsmäßig immer besonders lebendig zuzugehen. Dann aber haben in mehreren Einzelstaaten Landtagswahlen stattzufinden, welche theilweise Anspruch auf größeres Interesse erheben dürsen, nämlich in den Großherzogthümern ' Weimar und Baden, sowie im Königreich Sachsen. Von speeiellem Interesse sind die badischen Wahlen, bei denen es sich um Sein oder Nichtsein der bisherigen nationalliberalen Landtagsmehrheit handelt. Im Großherzogthum Weimar und in Sachsen wird sich der Wahlkamps hauptsächlich zwischen den bürgerlichen Parteien einerseits und der Soeialdemokratie andererseits abspielen und sind hierbei gewisse Erfolge der letzteren keineswegs ausgeschlossen. Die sächsischen Landtagswenn ich so seine Briese las, und erst gar, wie ich ihn neulich sah und reden hörte: Der muß hinaus in die Welt! Und weißt Du, eine alte Lehrersfrau versteht sich aus so was auch. Aber siehst Du — ich wußte ja doch, daß Du es so sehr gern gesehen hättest, wenn er nun doch . . ." Hier fiel der Alte, der die ganze Zeit in steigender Verwunderung und Rührung dagestanden, ihr hastig in die Rede. „Aber, liebe, gute Mutter," rief er mit merkwürdig erleichterter Stimme, „nicht ich — Du, meine ich, hättest es immer noch so gerne gesehen, daß unser Junge doch —" „Nein," sagte sie, unter Thränen lächelnd, „wie wir uns dann doch beide getäuscht haben? So hat es denn Gott zum Besten gewandt, ihm sei Lob und Dank! Unser Junge . . meinte der Alte, „der ist jetzt erst aus dem rechten Wege . . „Und ich habe dabei," fügte sie wieder hinzu, indem ihre beiden Hände die Rechte des Gatten liebevoll umfaßten, „ich habe dabei nur wieder erkannt, wie lieb Ihr mich beide habt . . ." „Aber," rief der Alte, „so rede doch nicht, liebe Frau, — wie könnten wir, ich und der Junge, Dir genugsam jemals danken —" Ich weiß nicht, wie weit die beiden guten Leute noch mit ihren Herzensergießungen gekommen wären- aber — ich muß gestehen, daß ich sie aus eine prosaische Weise störte, nämlich durch Räuspern, und das hatte seinen Grund darin, daß ich etwas in meiner Kehle brennen und drücken fühlte, während zugleich meine Brillengläser plötzlich undurchsichtig wählen finden nach einem soeben veröffentlichten königlichen Decret am 13. Oetober statt. Berlin, 31. August. Die soeialdemokratischen Stadverordneten (Singer und Genossen) haben für die erste Sitzung nach den Ferien, die nächsten Donnerstag stattfindet, folgenden „dringlichen Antrag" bei der Berliner Stadtverordneten - Versammlung eingebracht: Die Versammlung wolle beschließen: Angesichts der von Tag zu Tag steigenden Preise für die notwendigsten Lebensmittel — Brod, Kartoffeln, Fleisch — sowie der stetig zunehmenden Arbeitslosigkeit in Berlin ersucht die Stadtverordneten-Versammlung den Magistrat, mit ihr in gemischter Deputation darüber in Beratung zu treten, welche Mittel, Maßregeln und Einrichtungen in Anwendung zu bringen sind, um dem in Berlin fortdauernd wachsenden Nothstand wirksam entgegenzutreten. Als solche Mittel empfiehlt die Versammlung in erster Linie: 1. Schleunige Inangriffnahme städtischer Arbeiten — Hoch- und Tiefbau, Straßenpflasterung, Vermehrung der bei der Straßenreinigung beschäftigten Arbeiter — in großem Umfange, um der Arbeitslosigkeit zu steuern. 2. Aufkauf von Lebensrnitteln und Heizungsmaterial im Großen und Abgabe derselben in kleineren Quantitäten zum Selbstkostenpreise. 3. Organisation einer — wo nöthig — unentgeltlichen Verteilung von Lebensrnitteln, Heizungsmaterial und Kleidung. 4. Errichtung von Wärmestuben, in denen warme Getränke — Kaffee, Thee, Milch u. s. w. — unentgeltlich verabreicht werden. 5. Vertheilung von warmem Frühstück in den Gemeindeschulen. Leipzig, 30. August. Der „Franks. Ztg." wird von hwr geschrieben: Einen überaus bemerkenswerthen Beitrag zu der Frage, in wie weit die Bäcker an der gegenwärtigen Steigerung der Brodpreise Schuld tragen, liefert der kürzlich veröffentlichte Jahresbericht des hiesigen Armenamtes, welches bekanntlich in städttschen Räumen eine eigene Bäckerei unterhält. In letzterer ist lauf Geschäftsbericht für das Jahr 1889 bei einem durchschnittlichen Roggenpreise von 167 Mk. das Pfund Brod zu einem Selbstkostenpreise von 9,43 Pfg. hergestellt worden, wobei eine 4procentige Verzinsung von dem Werthe des benutzten Grundstückes mit eingerechnet ist. Bei einem Roggenpreise von 240 Mk. und darüber, wie er in letzter Zeit vorherrschte, würde sich also der Preis für ein Pfund Brod auf reichlich 13 Pfg. gestellt haben. Wird nun berücksichtigt, daß die Armenbäckerei keine Ladenmiethe und keine Gebühr für das Austragen und anderweitiges Fortschaffen der Brode in die Häuser zu tragen hat, und daß überdies auch mancherlei andere Spesen der Bäcker in Wegfall kommen, so ergibt sich zur Genüge, daß die Bäcker bei einem Preise von 15 Pfg., wie er jetzt besteht, keine sonderlich guten Geschäfte machen können und daß ihnen eine Schuld an der gegenwärtigen Steuerung sicherlich nicht beizumeffen ist. zu werden drohten- ein feuchter Schleier schien vor meine Augen zu sinken. Wie man nun als dritter Mann in solcher Lage stets Gefahr läuft, mit der eigenen Rührung auch die der anderen durch eine möglichst alberne ond unzarte Wendung zu stören, so bemerkte ich: „Aber Sie werden sich denn auch darin finden, daß Alfred nun so weit wegkommt und . . ." beinahe hätte ich hinzugesügt: „in so gefährliche Länder." Aber da sah mich die alte Dame fest an und sagte: „Ich habe ja darüber viel nachdenken müssen, Herr Doctor, und es ist mir wohl anfangs entsetzlich schwer geworden, meinen Sohn, mein einziges Kind, da draußen unter den wilden Heiden zu wissen. Aber ich meine, wir dürfen nicht so selbstsüchtig sein, daß wir glauben, wir müßten die Kinder immer daheim haben, — mir ist genug an dem, daß ich weiß, unser Junge wird seinen Eltern auch da draußen niemals Schande machen . . . und die Hand Gottes . . Die Thränen traten ihr in die Augen, sie faßte wieder die Rechte ihres Mannes- der hatte sein Mützchen abgenommen und leise, mit zitternder, aber inniger Stimme sagten sie beide: „Die Hand Gottes wird über ihm sein allerwegen." Und leise mußte ich hinzufügen: „Und der Segen treuer Eltern wird ihn geleiten und schirmen, wo er wandle." Nun ließen mich aber die beiden guten Leute an diesem Abend nicht wieder fort. Wohl oder übel mußte ich meinen Aufenthalt um eine Nacht verlängern. Und wie sie wieder für einen andern zu sorgen hatten, da kehrten ihre mildtätigen Seelen ins gewohnte Geleise zurück und ich konnte mich im Stillen nicht genugsam wundern über die glückselige Neueste Nachrichten WolffS telegraphisches Lorrespondeuz-Burerur. Berlin, 1. September. Der „Reichsanzeiger" meldet: Angesichts der Steigerung der Brennholzpreise wies der Landwirthschaftsminister die Regierungen an, den Local- bedars rechtzeitig zu decken und der unbemittelten Bevölkerung die Deckung des Brennholzbedarfs aus Staatsforsten zu angemessenen Preisen zu erleichtern- es seien deshalb auch freihändige Verkäufe geringerer Sortimente in Aussicht genommen. Danzig, 1. September. Aus dem Deutschen Katholikentag sind bis jetzt ca. 800 Mitglieder anwesend. Man beschloß, aus die Berufung eines internationalen katholischen Congresses hinzuwirken, welcher sich mit der Wiederherstellung des Kirchenstaates beschäftigen solle. Ferner wurde eine Feier des 100. Geburtstages Pius IX. am 15. Mai 1892 und die Errichtung eines Windthorst-Denkmals in Meppen beschlossen. — Der Kath olikentag beschloß, die nächstjährige Katholikenversammlung in Mainz abzuhalten. Kiel, 1. September. Das chilenische Kriegsschiff „Presidente Pinto" ist heute Mittag in See gegangen. Stuttgart, 1. September. Der „Staatsanzeiger" meldet: Das Befinden des Königs war in der letzten Woche befriedigend. Die Beschwerden und Störungen des Unterleibs bleiben in der Abnahme. Ein Fieberanfall ist nicht wieder eingetreten. Die Erholung schreitet langsam, aber in der letzten Zeit ohne ernstliche Unterbrechung fort. London, 1. September. Der neunte internationale Orientalistencongreß wurde heute durch Dr. Taylor eröffnet. Unter den Theilnehmern am Congreß befanden sich der italienische Botschafter, der griechische Ministerpräsident, mehrere Vertreter der chilenischen Gesandtschaft, der japanische Generalconsul und die Professoren Amelinau, Schlegel und Oppert. Mitau, 1. September. Die kurländische Gouvernementszeitung meldet, daß die Bauern des Gouvernements, vom Gefühl brüderlicher Theilnahme für die Bauern in den von der Mißernte betroffenen Gouvernements bewogen, in den Gemeindeverwaltungen Beschlüsse zu fassen beginnen wegen leih weiser Ueberlassung von Getrekde aus den Dorfmagazinen an die Nothleidenden. Einige Gemeindeverwaltungen erboten sich, Getreide für ihre eigene Rechnung bis zur nächsten Eisenbahnstation in eigenen Säcken zu schicken. Depeschen des „Bureau Herold". Berlin, 1. September. Anläßlich des Ablebens Rislams Paschas sandte der Sultan an Kaiser Wilhelm ein Beileidstelegramm, das mit folgenden Worten schließt: „Majestät würden mich zu außerordentlichem Dank verpflichten, wenn Sie auS den Reihen Ihres so herrlichen Offiziercorps einen erwählen wollten, den der scharfe Blick Ihrer Majestät als fähig erkannt haben, den uns Allen zu früh Entrissenen zu ersetzen und dessen Werk fortzuführen. Helfiugör, 1. September. Die Beerdigung des Generals von der Groeben fand unter militärischen Ehren statt. Der König sowie der Kriegsminister ließen sich vertreten. Loudon, 1. September. Die Bäcker erhöhten den B r o d p r e i s um 1/2 Penny per Laib, J/4 Penny per 2 Psund gegen Samstag. Die Erhöhung wurde motivirt mit der anhaltenden Nässe. Budapest, 2. September. Die Ortschaft Kleinwardein im Comitat Neutra ist fast ganz niedergebrannt. — 110 Familien sind obdachlos. Rom, 1. September. Nach übereinstimmenden Meldungen der Morgenblätter erkannte der gestrige Ministerrath, theils infolge hohen Wunsches, theils angesichts der allgemeinen 'Lage, die Unmöglichkeit an, weitere Ersparungen im Kriegs- und Marine-Etat einzusühren, ferner die Nothwendigkeit, die Revision einiger Steuern vorzunehmen. Nach dem „Capiran Fracassa" soll die Revision die Eingangszölle und die Fabricationssteuer betreffen, nach andern Blättern sich auf die Alkoholzölle beziehen. Leichtigkeit des Empfindens, welche diese beiden — ich muß nur wieder sagen Lebenskünstler — als ein seltenes Himmelsgeschenk in ihren frommen und guten Herzen bewahrten. Was auch von elterlicher Besorgniß im tiefsten Grunde ihres Gefühls sich gewiß regen mochte, es barg sich hinter der alten heiteren Art, mit welcher sie sich einander die Dinge von der lichten Seite zu zeigen wußten. Indem wir die mannigfachen Aussichten des jungen zukünftigen Afrikaforschers erörterten, durfte ich mehr als einmal das frühere behagliche Lachduett bewundern. Und als mich das wackere Paar spät Abends, nach einem letzten Glase aus das Wohl des geliebten „Jungen", in das freundliche Fremdenstübchen geleitete, da schien es in der That, als ob sie vollkommen darin einig wären, das inhaltschwere Telegramm als eine der erfreulichsten und gnadenvollsten Schickungen ihres gemeinsamen Lebens zu betrachten. Ich gestehe gern, daß ich zunächst kaum im Stande war, mich völlig diesem wundersamen Optimismus anzuschließen, wenn ichs mrr auch natürlich nicht merken ließ. Aber ich habe auch diesmal wieder zu meiner großen Freude Unrecht behalten. Alfred, welcher in der That zu Anfang des vorigen Jahres, nach einem kurzen Aufenthalt daheim, mit seinem trefflichen Gönner nach Äfrika abreiste, hat sich aufs Beste in den neuen Wirkungskreis gefunden. Vielleicht hat der eine oder andere unter Euch seinen Namen dieser Tage in den Zeitungen gelesen, wo er als einer der leitenden Beamten jener neuen, vielversprechenden Colonialgesellschaft genannt wurde. Ich selber hatte die Nachricht schon durch einen Bries seines Vaters erfahren, einen ganz reizenden Bries, voll der alten Schalkerei und zugleich voll wahrhaft wohlthuender, echter Herzensfrömmigkeit. Die größte Sorge Rom, 2. September. Auf der Station Bra-Piemont stieß ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. 5 Personen wurden verwundet. Petersburg, 1. September. Es wird hier eine Sub- scription veranstaltet für Errichtung eines Denkmals aus Anlaß des Besuchs der französischen Flotte in Kronstadt. Die Darstellung soll bestehen in zwei sich die Hände reichenden Jungfrauen. Cocates unfr provinzielles. Gießen, 2. September. — Das am 1. September ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 24) enthält u. A.: Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Gießen, die Erhebung von Umlagen der Gemeinde Treis a. d. Lda. für 1891/92 betreffend. — Kirchliche Dieustnachrichteu. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 5. August dem Pfarrer Albrecht Adolf Ohly zu Ehringshausen die ev. Psarrstelle zu Ginsheim, Dec. Groß-Gerau, zu übertragen. — Durch Entschließung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 17. Juli ist die Erhebung der katholischen Kirchengemeinde in Alsfeld zu einer selbständigen Psarrcuratie genehmigt worden. — Schuldienst-Nachrichten. Am 18. August wurde dem Schullehrer Peter Reinh ardt zu Holzhausen, Kr. Friedberg, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Busenborn, Kr. Schotten, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Gustav Weber zu Busenborn, Kr. Schotten, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Holzhausen, Kr. Friedberg, — an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Engel aus Grolsheim, Kr. Bingen, eine Lehrerstelle ander Gemeindeschule zu Bretzenheim, Kr. Mainz — übertragen - am 19. August wurde der von dem Herrn Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Wächtersbach auf die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Affenheim, Kr. Friedberg, präsentirte Schulamtsaspirant Friedrich Faatz aus Michelstadt, Kr. Erbach, für diese Stelle bestätigt. — Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichelsheim i. O., Kr. Erbach, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000—1500 Mk. Mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden. Dem Herrn Grafen zu Erbach - Erbach steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Dem neu anzu- stellenden Lehrer können die Functionen eines Oberlehrers an der Gemeindeschule zu Reichelsheim i. O. übertragen werden. Die mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Radheim, Kreis Dieburg, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Zwei Lehrerstellen an der Volksschule zu Offenbach, von denen die eine mit einem evangelischen, die andere mit einem israelitischen Lehrer zu besetzen ist, mit einem Anfangsgehalte von je 1200 Mk. jährlich. Dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu diesen Stellen zu. Die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Fehlheim, Kreis Bensheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. — Wetterausfichten. Nach Falb soll vom 3. September ab wieder eine Zunahme der Niederschläge merklich werden und ebenso in schwächerem Grad um den 12. September. Im Ganzen soll der September besseres Wetter bringen. — Beleuchtet Hausflure und Treppen! Bei der jetzt schon ziemlich früh eintretenden Dunkelheit machen wir darauf aufmerksam, daß jeder Hausbesitzer verpflichtet ist, mit Eintritt der Dämmerung für hinreichende Beleuchtung der Hausflure und Treppen zu sorgen, widrigenfalls er sich bei vorkommenden Unglücksfällen nicht nur der Uebertretung des Gesetzes schuldig macht, sondern zur vollen Tragung der aus dem Unfall entstehenden Kosten verpflichtet werden kann. — Zu Ober-Ingelheim wurde am Donnerstag die Generalversammlung des Landesgewerbe-Vereins abge- des Alten scheint zu sein, daß ihnen der Sohn nächstens ein Crokodil oder wenigstens einen jungen Cannibalen ins Haus schickt. Für beides dürste da freilich kaum das richtige Klima sein. Ich weiß aber etwas Besseres: im nächsten Frühjahr ist der erste große Erholungs-Urlaub für den „Jungen", da wird sich in dem freundlichen Lehrerhäuschen ein gar fröhliches Wiedersehen vollziehen, und wenn bei gewissen Gelegenheiten nicht jeder Zeuge zu viel wäre, so möchte ich wohl dabei sein, wenn diese drei glückseligen Optimisten sich wieder zusammenfinden. Das ist — so schloß Freund Fritz seine Erzählung — meine „Geschichte", wie Ihr es genannt habt. Eine eigentliche „Geschichte" ist es nun wohl nicht, — fehlt ja auch jede Liebesepisode darinAber ich habe doch Einiges daraus gelernt und die Moral davon —" „Halt!" rief unser Pessimist Ludwig, indem er aussprang und mit einer an ihm ungewohnten Hast die Gläser füllen ließ, „die Moral mußt Du mir überlassen, Fritz! Ich bin doch eigentlich daran Schuld, daß wir Dein liebenswürdiges Trio kennen lernten, und so kommt mir auch das Schlußwort zu, — denn schließen müssen wir für heute, damit wir nicht morgen zu unserem Schaden merken, daß wir doch noch nicht die ganze Unverwüstlichkeit Deiner Freunde im Niederlande besitzen. Ich will aber aus entschuldbarer Schonung für mich selbst nicht einzeln aufzählen, was die Moral von der Geschichte alles enthält, sondern ich fasse das Ganze zusammen: Lasset uns anstoßen auf das Wohl der unheilbaren Optimistenfamilie und Aller, die sich stark genug fühlen, ihr zu gleichen. Die Familie Quöppel lebe hoch!" halten. Nach Besichtigung der ausgestellten Schülerarbeiten der Handwerkerschulen Rheinhessens und der Landesbaugewerbeschule fand die Hauptversammlung statt. Zu derselben war als Vertreter der Regierung Herr Ministerialrath Emmerling erschienen. Nach Begrüßung der Versammlung durch Herrn Professor Sonne, Präsident der Centralstelle, erstattete Herr Generalsecretär Dr. Hesse Bericht über die Thätigkett des Landesgewerbe - Vereins. Hiernach zählt der Verein 4840 Mitglieder und 39 Handwerkerschulen mit 6420 Schülern. Vorträge wurden in 422 Ortsvereinen gehalten. Herr Professor Albrecht berichtete für die Handwerkerschulcommission. Nächstes Jahr findet die Hauptversammlung in Bad Nauheim statt. Herr Geh. Baurath Professor Sonne, der das Amt des Präsidenten der Centralstelle demnächst niederlegt, verabschiedete sich von der Versammlung. Für seine erfolgreiche Thätigkeit wurde ihm der Dank der Regierung durch Herrn Ministerialrath Emmerling und der Dank der Versammlung, sowie das Bedauern über sein Scheiden öffentlich ausgesprochen. — „Unter den letzten Militärbesörderungen" — schreibt das „B. T." — „fällt die des Majors v. Scholl, Flügeladjutanten des Kaisers und Commandeur der Leibgendarmerie, zum Oberstlieutenant auf, welche ausdrücklich vom 18. August datiert ist. Wir kommen auf den Vorfall zurück, weil er einerseits von dem guten Gedächtniß des Monarchen und dann von seiner Aufmerksamkeit Zeugniß ablegt. Der heutige Oberstlieutenant v. Scholl stand im Jahre 1870 als Lieutenant Scholl bei dem Hessen-Darmstädtischen Leibdragoner- Regiment. Am 17. und 18. August 1870 wollte es nicht glücken, die Aufstellung des französischen rechten Flügels zu finden, bis Lieutenant Scholl, als Führer einer Patrouille, diesen Flügel gegen 102/2 Uhr bei St. Privat entdeckte. Die Meldung war von großer Tragweite, denn bis dahin hatte Moltke den französischen rechten Flügel bei Montigny la Grande vermuthet und in diesem Sinne den Schlachtbefehl um 10J/2 Uhr Vormittags erlassen. Die Meldung des damaligen Lieutenants Scholl gelangte schnell in die Hände des Prinzen Friedrich Karl, welcher darauf völlig selbstständig den Moltke'schen Schlachtbefehl, soweit er die Umfassung des französischen rechten Flügels betraf, abänderte und von nun ab durch seine Maßnahmen, im Verein mit dem damaligen Kronprinzen von Sachsen, in glücklichster Weise den Anordnungen Moltkes zuvorkam, indem das Garde- und 12. Armeecorps angewiesen wurden, weiter nördlich auszuholen. Da nun die französische Schlachtlinie sich nach der Meldung des Lieutenants Scholl um ein Drittel länger herausstellte, als Moltke sie angenommen hatte, und inzwischen General v. Man- stein den Feind angegriffen, so mißglückte der von Moltke beabsichtigte gleichzeitige Angriff der ersten und zweiten Armee zwar, allein die Bewegungen konnten doch von nun ab mit Sicherheit in die erfolgreichen Bahnen gelenkt werden. Man hat in dieser Darlegung das Motiv der unter dem 18. August dieses Jahres erfolgten Beförderung des Oberstlieutenants v. Scholl. Scholl wurde später geadelt und in das dritte Garde-Ulanen-Regiment nach Potsdam versetzt, wo der damalige Prinz Wilhelm von Preußen als Commandeur des heutigen Leibgarde-Husaren-Regiments ihn kennen und schätzen lernte. Man sah damals diese beiden Offiziere vielfach zusammen reiten, und man erzählt sich, daß die Beiden die „Frühaufsteher" der Garnison Potsdam gewesen seien. Eine der ersten Ernennungen, welche Kaiser Wilhelm II. vollzog, war die des damaligen Rittmeisters v. Scholl zum Flügeladjutanten. Oberstlieutenant v. Scholl gilt als ein sehr ruhiger, gewissenhafter und kenmnißreicher Offizier. Er ist eine schöne, stattliche Erscheinung und gehört zu den ersten Hessen-Darmstädtischen Offizieren, welche vor 1870 zum Reitinstitut in Hannover commandiert wurden, wo er den nom de guerre „der lange Scholl" erhielt. Schloß Romrod, 1. September. Se. Königliche Hoheit der Groß Herzog, begleitet von Generalmajor Wernher, Major v. Schwarzhoff und Hauptmann Frhr. v. Röder, fuhren heute früh 7 Uhr nach Station Zell, von dort mit der Bahn über Fulda nach Hünfeld, um den Hebungen der von Generalmajor Naglo kommandirten 42. Infanterie-Brigade (Infanterie-Regimenter Nr. 80 und 81) beizuwohnen. Seine Königliche Hoheit werden nach den Hebungen des Nachmittags wieder hierher zurückkehren. -a- Schotten, 1. September. Am verflossenen Samstag tagte dahier unter dem Vorsitz des Herrn Kreisraths Schönfeld die Gen eralconferenz der Lehrer des Kreises. Um 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende die Conferenz und begrüßte mit herzlichen Worten die Versammlung. Aus den hiernach verlesenen statistischen Mittheilungen durch Herrn Kreis- schulinspector Karg entnehmen wir, daß dermalen im Kreise 72 Schulen bestehen, davon sind 51 einklassig, 12 zweiklassig und drei vierklassig. Außerdem befindet sich eine erweiterte Schule zu Schotten und zwei Privatschulen zu Gedern bezw. Laubach. An diesen Schuten wirken 72 Lehrer, wovon 54 definitiv und 18 Schulverwalter sind. Die Zahl der Schulkinder beträgt 4645 und zwar 2321 Knaben und 2324 Mädchen. Der Confession nach befinden sich hierunter 4538 evangelische, 13 katholische, 92 israelitische und 2 anderer Confession. Heber 80 Schüler sind noch in 12 Schulen vorhanden. Schulgeld wird noch in 27 Gemeinden erhoben, in 24 nicht. Fortbildungsschulen bestehen 51, worunter 48 einklassig, im Kreise mit 767 Schülern. Nach Erledigung des geschäftlichen Theils wurde nun in die eigentliche Tagesordnung eingetreten. Als erstes Thema wurde behandelt: „Der Geschichtsunterricht in der Volksschule", Referent Herr- Gerhard von Stumpertenrod. Referent führte aus: a) Zweck und Nutzen der Geschichte (bereichert die Erkenntniß und ist deshalb Lehrerin der Weisheit- sie ist eine strenge, unparteiische Richterin, stärkt dadurch zum Guten und schreckt vom Bösen zurück- sie weckt die edelsten Gefühle für Tugend und Recht, begeistert für alles Hohe und Herrliche, besonders für Religion, Heimath, Fürst und Vaterland), in der Volksschule muß auch die Culturgeschichte gelehrt werden - b) die einzelnen ° Stufen des Geschichts-Unterrichts- c) Hilfsmittel bei dem- selben. Der sehr fleißig ausgearbeitete Vortrag rief eine lebhafte Discusflon hervor, doch wurden die aufgestellten Thesen mit einigen Abänderungen angenommen. Das zweite Thema behandelte die Frage: „Wie erwirbt und erhält sich der Lehrer die Achtung der Gemeinde?", Referent Herr Roth von Gedern. Die ganz vortrefflichen Ausführungen des Referenten erhielten die einstimmige Annahme der Versammlung. Beiden Referenten sprach der Vorsitzende den wohlverdienten Dank Namens der Versammlung aus. Nach Erstattung der Rechnungsablage mit einer Einnahme von 372,55 Mk. und einer Ausgabe von 177,03 Mk. schloß der Vorsitzende die Versammlung. Bad-Nauheim, 30. August. Infolge günstiger Entwickelung des Bades steigt das Bauterrain fortwährend im Preise. Nächst der Burgallee, also noch nicht einmal in erster Lage, wurden zwei Bauplätze, das Quadratmeter zu 12 Mark, verkauft. Der hessische Morgen würde sich somit aus 30 000 Mark stellen. — Wie sorglos es oft auf dem Lande mit der Obhut über kleine Kinder bestellt ist, zeigt ein beklagenswerther Fall aus Rödgen. Ein zweijähriges Kind, das die im Hause beschäftigte Mutter noch kurz vorher auf dem Schoße hatte, entfernte sich unbeaufsichtigt in den Hof und ertrank in der nicht eingefriedigten, nicht allzu tiefen Pfuhlkaute. Schriesheim, 30. August. Von einem traurigen Geschicke wurde gestern der Jagdaufseher Schmitt von hier ereilt. Während der Rückkehr von einer Hasenjagd sprang nämlich der eine seiner beiden an der Leine geführten Dachshunde an ihn heran und kam dabei an den Hahn des noch geladenen Jagdgewehres. Dasselbe entlud sich und der Schuß traf den Mann so unglücklich, daß derselbe kurz darauf verschied. Mainz, 31. August. Bei Ankunft des vor einigen Tagen von hier nach Ludwigshafen abgegangenen Zuges fand ein Wagenwärter in einem Coupe zweiter Klaffe ein Portemonnaie mit der Devise „Andenken an Wien" und mit über 3 00 Mark Inhalt. Bis jetzt hat sich der Eigen- thümer noch nicht gemeldet. — In der großen Export- Hammelschlächterei zu Bischofsheim haben heute die Schlachtungen wieder begonnen. Die Geschlinge werden von den ärmeren Leuten der ganzen Umgegend zu billigen Preisen dort gerne gekauft. vermischtes. * Burgsolms, 28. August. Am verflossenen Dienstag verunglückte der Hüttenarbeiter Heinrich Dietz V. von hier dadurch, daß er beim Kippen eines Rollwagens ausglitt und mit dem Kopfe auf Eifenplatten aufschlug. Der infolge deffen entstandene Schädelbruch hatte noch an demselben Tage den Tod des Verunglückten zur Folge. Dietz war etwa 44 Jahre alt, verheirathet und hinterläßt eine Wittwe mit fünf Kindern. Kraftsolms, 27. August. Ein tief bedauerlicher U n- glücksfall hat sich am verflossenen Montag Nachmittag in der bei unserem Orte gelegenen Lehmgrube zugetragen. Der 17jährige Sohn der Wittwe Claudy von hier war daselbst mit Arbeiten beschäftigt, als sich unerwartet eine große Lehm- maffe von einer Wand ablöste und auf den Unglücklichen herabstürzte. Claudy war sofort tobt, der bedauernswerthen Mutter konnte daher nur die Leiche ihres einzigen Kindes überbracht werden. * Delitzsch, 30. August. Die Enthüllung des Denkmals für Dr. Schulze-Delitzsch, dem Begründer der deutschen Genossenschaften, wird Sonntag den 13. September stattfinden. * Gumbinnen, 30. August. Nach amtlicher Feststellung find über Eydtkuhuen in der Woche vom 21. bis 27. August 14,260,000 Kilogr. Getreide aus Rußland nach Deutschland importirt worden. Verkehr, Land- unö volkswirthschaft. Frankfurt a. M., 1. September. Am gestrigen Hauptmarkt im städtischen Viehhof hatte ein starker Zutrieb von Hornvieh stattgefunden. An der Zahl 1000 fehlten nur wenige Stucke. Die Preise gingen desbalb herab. Dagegen wurden die Preise von fetten Schweinen um 2 Plg. amtlich höher gesetzt. Von dem Hornvieh waren 119 Oesterreicher, die Mehrzahl waren Dänen. Literatur Arrnst. — Die Nummern 33 und 34 der »Gartenlaube^ behandeln in Wort und Bild zwei Gegenstände, die zur Zeit viel genannt werden. In Nummer 33 schildert Paul Clemen in einem hübschen Ueberblick die Geschichte und die denkwürdigen Punkte der Stadt Luxemburg, deren eigenartige Schönheit in den betgegebenen Illustrationen gut zum Ausdruck gelangt; in Nummer 34 widmet F. Luthmer ; der Fächcrausstcllung in Karlsruhe einen anzicheoden Aufsatz, der durch Abbildungen der verschied nsten FäLerarlen wirksam untciftüfct robb. Zugleich wird in einem längeren Artikel, „Mehr Licht!" betitelt, eine nothwendtge Forderung der Gesundbeilspflege kräftig betont. Es handelt sich um den wohlthätigen Einfluß, den die Beleuchtung d.-tz Körpers und der Wohnung auf die menschliche Gesund- ' heit auLübt. Daß hier noch viel ju bessern ist, dürfte allgemein i anerkannt fein, und der Verfasser dieses Mahnwortes, Dr. Baas in ! Worms, bat daher gut daran pethan, auf die mannigfachen Fehler I h.nzuwetsen, d>e in dieser Beziehung gemacht werden. Möge das ! italienische Sprüchwort, mit dem er schließt, bet uns Deutschen mehr : und mehr beherttgt werden; es lautet: „Dove non viene il sole, viene i il medico“, deuisch etwa: „Schließt Du Licht und Sonne aus, Kommt ! der Doctor Dir ins Haus'." Marca Italia 90 Pfff. per Flasche 85 ,, bei 12Flaschen (ohne Glas) sowie die drei Sorten „Vino da Pasto“ der Deutsch • Italienischen Wein« Import-Gesellschaft (Central-Verwaltung Frankfurt am Main) sind angenehme leichte italienische Natur« Rothweine, welche als wohlbekömmliches Tischgetrank ganz besonders zu empfehlen sind, und deren Qualität nach dem Ausspruch competenter Weinkenner von keinem der sogenannten Bordeaux-Weine in gleicher Preislage erreicht wird. Durch königl. Uni. Staatscolttrolle wird für absolute Reinheit garantirt. Zu beziehen sowie auch ausführliche Preislisten sämmtlicher Marken der Gesellschaft in Gießen durch Carl Schwaab, Delic.- und Weinhandlung. [4589 | Wöchentliche Meberficht der Todesfälle in Eießen. 34. Woche. Vom 23. August dis 29. August 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (tncl. 1600 Mann Militär). \ Sterblichkettsztffer: 20,19 dezw. 12,62 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder Es starben an; Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: • Lungenschwindsucht 3 (1) 3 (1) — — I Darmcatarrh 1 — 1 — Andere bekannte ; Krankheiten 4 (2) 2 (1) 1 (1)1 Summa: 8 (3) 5 (2) 2 (1) 1 Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie j viele der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von Auswärts > nach Gießen gebrachte Kranke fommen Temperatur der Lahn und Lust gemessen aut 2. September, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14, Luft 15 Grad Reaumur. L. Ehr. Rübsamen Wwe. Sauerkraut selbst eingemacht [7861 in ganz -vorzüglicher Güte empfehlen Orebes & Wallenfels. SM. Schlachthaus^ Freibank. [7860 Ochsenfleisch, nicht .ladenrein, per Psd. 54 Psg. «T Ma st-Geflügel acht versch. Sorten, leb. und geschlachtet, ferner la. Hecht, Zandern. Schellfische emps. C. G. 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