1891 Dienstag den 1. December Mr. 280 B«r ***** Mt*t« «*W täglich, ■H JuSnahm« bti NoNtagL. Mi Meßmer ,pe*WU«lt«itw <**«■ «r-yipr AUßMtKch buiflMl h-ch-legr. Kichener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. .. Viertcklährig« JHeimmtetfffd» r 2 Mark 20 Pst. i*Ä Bringerloya. Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Psg Rebactifln, LxpediM» und Druckerei: Gch«lßratzeV»»V Kcrujprecher 6L ttnb Anzeigeblatt fih? den Krei» Gieszen Gratisbeilage: Gießener KamicienökätLer Amtlichem Theil lui|nt Lazeigru zu da Nachmittags für d« fHgrobe* Lag erscheinenden Nummer bis Borut. 10 tfy. Alle Lmunren-Mureoux M In. und Auslandes a*n* Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger- entgeh». Berlin, 28. November. Die Generalsynode nahm anläßlich der Petitionen mehrerer Kreissynoden, betreffend die bevorstehende gesetzliche Regelung des Volksschulwesens, den Commissionsantrag an, zu erklären, daß der confessionelle Character der Volksschule grundsätzlich zu wahren sei. Posen, 28. November. Der „Dziennick Poznanski" meldet nach einer ihm von maßgebender Seite zugegangenen Mittheilung wird die Consecration des Erzbischofs St ab lew Ski Anfangs nächsten Jahres, wahrscheinlich am 3. Januar, erfolgen. Hamburg, 28. November. Dem „Hamb. Corresp." wird aus Berlin gemeldet: In russischen Blättern wird die Nachricht verbreitet, daß deutscherseits in jüngster Zeit ein Versuch gemacht worden sei, die handelspolitischen Beziehungen mit Rußland wieder anzuknüpsen. Wie wir erfahren, entbehrt diese Nachricht jeglicher Begründung. Oberglogau, 28. November. Das Lehrerseminar wurde wegen der Influenza geschloffen. Neueste Nachrichten. WotssS telegraphisches Lorrespoudenz-Burcau. Potsdam, 29. November. Der König von Däne« mark ist heute Mittag 12 Uhr mittelst Sonderzuges hier eingetroffen und aus dem Bahnhose, der mit dänischen und deutschen Wappen und Flaggen geschmückt war, von dem Kaiser und dem Prinzen Friedrich Leopold empfangen worden. Zur Erweisung der militärischen Ehren war eine Compagnie, des Garde-Jägerbataillons mit Musik und Fahne auf dem Bahnhofe aufgestellt. Bei der Eiusahrt deS Zuges intonlrte: Bekanntmachung, Me Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugniffen betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisfe die Berechtigung zum einjährig fteiwMgen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgende«, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden. 1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. .2) Die Berechtigung zum einjährig fteiwMgen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen- A) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird. 4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a) Geburtszeugniß; b) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bere.it- willigkeit den FreiwMgen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen; O ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real- gymnasien, Ober-Realschulen, Progymnafien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen militärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit ober ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; d) das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b: daß in dem EinwMgungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß. Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmllich nach dem Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889 — ausgestellt sein müssen. Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, -3t, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. Großh. Prüfung« - Commission für einjährig Freiwillige zu Darmstadt. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Att-larrd. Paris, 28. November. Der „Temps", die Rede Caprivis besprechend, sagt: „Wenn der Reichskanzler zugibt, der Kronstädter Besuch habe die internationale Lage durch die Herstellung des europäischen Gleichgewichts gefestigt und gekräftigt, und daß Frankreich ein Element der internationalen Ordnung sei, gibt er einen Beweis seiner Geistesklarheit, der bezüglich der wirklichen Absichten des Berliner Cabinets berechtigte Hoffnungen erweckt. Bismarck kannte eine solch unparteiische Sprache nicht. Beunruhigend wirkt die angekündigte Erhöhung des Militärcredits." Rio de Janeiro, 28. November. Reuter-Meldung. Das neue Cabinet fordert die ^Wiedereinsetzung der abgesetzten Regierung in der Provinz Rio Grande do Sul. Die Provinz weigert sich indessen, dieser Forderung nachzukommen und droht gewaltsamen Widerstand an. Deutsches Reich. Darmstadt, 28. November. Wie der „Darmst. Ztg." aus Potsdam berichtet wird, empfingen dort Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog an Allerhöchstihrem Geburtsfeste eine Deputation derjenigen Soldaten der Großh. Hess. (25.) Division, welche dorthin commanoirt sind seiner der Soldaten hielt eine recht hübsche Ansprache an Seine Königliche Hoheit. Dann kamen die dortigen Offiziere, welche der Großh. Division angehören, und statteten ihre Glückwünsche ab. Ferner erschienen Rittmeister Zahn vom Dragoner-Regiment König Friedrich III., Oberst v. Ratzmer, Eommandeur des 1. Garde-Regiments z. F., der Erbprinz von Hohenzollern, der Erbgroßherzog von Baden und viele andere Offiziere des 1. Garde-Regiments. Abends sand im Regimentshause ein Liebesmahl statt, wozu sich Seine Königliche Hoheit Gäste eingeladen hatten. Höchstderselbe war von Len vielen Beweisen freundlicher Theilnahme aufs Angenehmste berührt. Deutscher Ueichetag. 129. Plenarsitzung. Samstag, 28. November 1891, 1 Uhr. Eingegangen ist eine Sammlung von Actenstücken betr. die Unruhen in Chile. Das Haus setzt die erste Berathung des Etats fort* Abg. Dr. Buhl (netl.) kann den gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers über die Polenfrage nicht zustimmen; jedoch gehöre die Erörterung dieses Gegenstandes in das preußische Abgeordnetenhaus. Sympathisch habe ihn die Aufhebung des Paßzwanges für Elsaß-Lothringen berührt. Es habe ihn betrübt, gestern aus dem Munde des Abg. Rickert Worte zu Horen von der verderblichen Politik des Fürsten Bismarck. Das deutsche Volk werde diesem Manne dauernde Dankbarkeit bewahren und auch in Zukunft seinen Aufgaben gerecht werden und unbegründeten Pessimismus überwinden. Was den Etat betrifft, so stehen die Mehrforderungen für Militär- zwecke obenan. Die nationalliberale Partei habe es stets als ihre Pflicht betrachtet, alles für die Stärkung unserer Wehrkraft Erforderliche zu bewilligen. Eine besondere Aufmerksamkeit in der Commission wird die Frage der vermehrten Uebungen nöthig machen; durch diese Uebungen werden die Einberufenen ganz besonders schwer betroffen. Was die Marine anbelangt, fo wird es zweifelhaft, ob wir steuerkräftig genug sind, neben einem bedeutenden Heer auch noch eine so umfangreiche Marine, wie sie jetzt intendirt wird, zu halten. Der voraussichtliche Ausfall an Zöllen und Steuern infolge Der Handelsverträge wird für uns eine besondere Veranlassung sein, bei der Prüfung der Ausgaben vorsichtig zu sein. Abg. Bebel (Soc.): Der stereotype Passus in den Thronreden, daß kein Wölkchen den politischen Horizont trübt, ist unS gestern von dem Reichskanzler wieder vorgetragen worden; dies stimmt mit ben Aeußerungen Rudinis und Kalnokys überein, die auch mit der Forderung schließen, daß vorläufig noch immer an den Rüstungen fortgefahren und festgehalten werden muß. Dabei versichern alle Mächte, daß sie nur ben Frieben wollen. Sollte es ba nicht nöthig sein, baß die Mächte sich einmal untereinander verständigen, um den unerträglichen Rüstungm ein Ende zu machen? Der Reichskanzler hat aber wieder eine weitere Verstärkung der Armee mit dem besonderen Hinweise gefordert, daß eine gründlichere Durchblldung der Mannschaften erforderlich sei, weil nur auf diese Weise eine Armee einem ihr an Zahl überlegenen Feinde wiberstehm könne. Redner schildert dann die Folgen eines Krieges; alle vorhandenen Lazarethe werden nicht ausreichen, um die Verwundeten der ersten Schlacht unterzubringen; Zelte reichen dazu ebenfalls nicht aus. Die Millionen Handwerker und Kleinbauern, die zu ben Fahnen einberufen werben, find in bem Momente ber Mobilmachung bankrott. Auf biesem Wege sei keine Möglichkeit eines guten Enbes. Fürst Bismarck hat bie Befürchtung ausgesprochen, baß der Unter- offizierstanb ber Socialbemokratie in bie Hanbe fallen könnte. Wir ertheUen jebem Parteigenossen ben Rath: So lange du in des Königs Rock steckst, da halte deinen Mund und laß nicht merken, baß du Socialdemokrat bist. Bei einem Versuch, auf die Erfurter Rede des Kaisers einzugehen, wird der Redner vom Vicepräsidenten Graf von Ballestrem unterbrochen. Es sei unzulässig, an Reden des Kaisers hier Kritik zu üben. Die Verhältnisse der europäischen Staaten haben sich so gestaltet, baß bie Möglichkeit einer socialen Revolutionirung nahe gerückt ist; tritt diese ein, so werden wir unsere Schuldigkeit thun aus Liede zum Vaterlande. Günstig eingeleitet für solche Revolutionirung find die Verhältnisse durch das Schutzzollsystem, welches eine unhaltbare Verschiebung der Production herbeigeführt hat, für die Fürst Bismarck und seine Mehrheitsparteien die Verantwortung tragen. Die Wirkungen dieses Systems zeigm sich in erschreckender Weise, lieber all bieten sich mehr Arbeiter an, als beschäftigt werden können; die Löhne finken, der wirthschastliche Ruin und Bankbrüche find die Folgen. Alle diese Erscheinungen zeigm, daß die gegmwärtige Gesellschaft abgewirthschaftet hat. Trotz der herrschmdm Noth macht die Regierung keine Anstalt, die hohm Brodprelse durch Aufhebung deS Roggenzolls zu ermäßigen; alle anderm Regierungen habm Maßnahmen getroffen, nur die deutsche nicht. Die Vertheuerung der Lebmsmlttel wirkt so aufhetzend, daß jede Agitation dahinter zurückbleibt und hat eine Steigerung der Verbrechen und der Vergehm zur Folge. So verfinkt die gegm- wärtige Gesellschaft in ihren Sumpf und schafft damit dm Bodm für eine neue Gesellschaft. Fahren Sie nur so fort, wer erntet find die Socialdemokraten! Vicepräsident Graf Ballestrem ruft nachträglich den Redner wegen einiger dm Fürstm Bismarck betreffender Aeußerungm lur Ordnung, da dieselben gegm ein Mitglied des Hauses nicht zulässig find. Abg. Bebel replicirt, daß Fürst Bismarck ja noch gar nicht eingetretm sei. Vicepräsidmt Graf Ballestrem entgegnet, daß die« auf die Sache feinen Eftifluß übe. Abg. Dr. v. Frege (conf.) erwartet in der Commission eine ausreichende Begründung der Militärforderungm und wünscht für die Vervollkommnung der Marine ein langsameres Tempo. In bat Neubauten könnte mehr Sparsamkeit geübt werden; durch den Bau des Reichstagsgebäubes ist ein bedenklicher Luxus im Bauwesm ein- gerissen. Daß Mangel an Arbeitsgelegmheit fehle, sei nicht richtig; auf dem Lande fehle es an den nöthigsten Arbeitskräftm, weil infolge der Gmußsucht in dm unteren Ständen der Zuzug nach dm großm ©labten ein bebeutenber ist. Jedenfalls war es ein Glück, daß wir unter einem mäßigen Schutzzoll lebten, denn die Ernteverhältnisse des letztm Jahres würden unter freihändlerischen Verhältnissen geradezu verheerend gewirkt habm. (Sehr richtig! rechts.) Daß die Regierung an eine principielle Amderung des Schutzzolles bentat könnte, glaubt Rebner nicht. Nicht gegen die Zölle, sondern gegm die Börse sollte man sich wenden, gegen diese Spielhölle, die man mit dem Scheine der Ehrenhaftigkeit umgibt und die jetzt mit dem Brodkorn wuchert. Nichts fördert die Socialbemokratie mehr, als ber mühelos an der Börse gemachte Gewinn. Die Anhäufung der Schuldmlast sei eine bedmkliche Erscheinung, der nur durch Wiedereinführung der Silberwährung begegnet werden kann. (Heiterkeit.) Sie lachen darüber ebenso, wie Sie über die Behauptung gelacht haben, daß der Schutzzoll segmsreich wirke. Wir sind bereit, die Regierung zu unterstützen in ben Bestrebungen, bie Abhilfe bestehmber Uebelftänbe bezwecken. (Beifall.) Abg. Payer (Volksp.): Eine allgemeine Unzufriebmheit herrscht unb hat weitere Kreise ersaßt, bas haben bie letzten Nachwahlen ergeben. Vergeblich hat Redner von dem Reichskanzler bestimmte Erklärungen über die 2jährige Dienstzeit erwartet. Einige Andeutungm, die in diesem Sinne gedeutet werden können, genügen für eine so wichtige Frage nicht. Angesichts der augenblicklichen Nothlage mutz den hochfliegmden Plänen mit der Marine, deren Ende garnicht ab- zusehm ist, entgegengetreten werden. An bie dringend nöthige Ausdehnung der Unfallversicherung auf die ländlichen Arbeiter scheint bie Regierung gar nicht mehr zu benfen. Die Nothlage, die heute bas Volk bebrütft, hat zum größten Thell ber Fürst Bismarck ver- schulbet. Es würde ihm schwer fallen, wenn er diese Noth mit dem Volke gemeinsam tragen müßte. Man bekämpft so vielfach dm Partikularismus; aber derselbe könnte gegenwärtig ein gutes Werk thun, wenn seine Vertreter im Bundesrath einstimmig gegen die Vertreter Preußens zu Gunstm der neuen Strafprozeßordnung stimmen würden. (Beifall.) Abg. v. d. Decken (Welfe) erörtert die Frage der Zurückgabe des Welfenfonds, die er erwartet, wenn die gefordertm Mehrausgaben bewilligt werden. Prinzipiell sei ja das Reich garnicht berechtigt, aus dem beschlagnahmten Vermögen der hannoverschen Königs- famille Ausgaben für Reichszwecke zu machen. Redner geht dabei auf die im Preuß. Abg.-Hause vom Reichskanzler gehaltene Rede ein. Tatsächlich werde der Fonds verwendet, um die deutsch-hannoversche Partei bei ben Wahlen einzuschränken. Diese Partei protestire dagegen, daß ber Welfenfonds seinem berechtigten Eigenthümer, der hannoverschen Königsfamilie, vorenthalten wird. Die Hoffnungen der Welfen auf die Erfüllung ihrer Wünsche auf friedlichem Wege find nicht ungesetzlich. Allerdings sind die Waffen aus der Rüstkammer des Altreichskanzlers jetzt nicht mehr in Gebrauch, benen ein Arnim und Geffckm zum Opfer fiel; aber wir können den Mehr- forberungen nicht eher zustimmen, bis wir Sicherheit haben, baß der Welfenfonds seinem Besitzer zusällt. Reichskanzler v. Caprivi: Es sind von ber preuß. Regierung gewisse Maßregeln gegen die Welfen ungeordnet, die ich billige. Ich lehne es aber ab, über die Aussolgung des Welfenfonds hier Mittheilungen zu machen. Allerdings würde die Ablehnung der Mehrforderung die Folge haben, daß die für Preußen beabsichtigte anbermclte Gestaltung ber Verwaltung bes Welsenfonbs nicht ein- treten kann. Es wirb bann bie preuß. Regierung bem preuß. Lanb- tage alljährlich Rechnung legen. Hieraus vertagt sich bas HauS. — Montag 1 Uhr: Fortsetzung ber Etatberathung. Schluß 5 Uhr. die Musikkapelle die dänische Nationalhymne. Die Begrüßung des Kaisers mit dem Könige von Dänemark, welcher die Uniform seines thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 trug, war eine äußerst herzliche. Nach der Vorstellung des beiderseitigen Gefolges schritten der Kaiser und der König unter den Klängen des Königsmarsches die Front der Ehrencompagnie ab und begaben sich dann vor den Bahnhof, wo eine Escadron Garde-Ulanen Aufstellung genommen hatte. Kaiser und König bestiegen einen vierspännigen offenen Wagen und fuhren, ein Zug Ulanen vor und ein Zug hinter dem Wagen, unter den brausenden Jubelrufen der zahlreichen Menschenmenge nach dem Stadtschloß. Hier eingetroffen, besichtigten sie die im Schloßhose aufgestellte Leib-Compagnie des 1. Garde - Regiments zu Fuß, die Musik spielte den dänischen Königsmarsch, hierauf folgte Parademarsch der Compagnie und der Ulanen-Escorte. Der Kaiser und der König begaben sich hierauf in das Innere des Schlosses, wo großer Empfang stattfand. Der Kaiser kehrte nach dem Empfang nach dem neuen Palais zurück. Wien, 29. November. Das „Fremdenblatt" bespricht die am Freitag von dem Reichskanzler v. Caprivi im deutschen Reichstage gehaltene Rede und hebt dabei hervor, der Reichskanzler habe darauf Geweicht gelegt, daß die Mächte des Dreibundes vor einem Kriegsfälle sich nicht zu fürchten hätten. Das Urtheil des Reichskanzlers über den Besuch der französischen Flotte in Kronstadt decke sich vollständig mit den vom Grasen Kalnoky in den Delegationen abgegebenen Erklärungen. Die leitenden Persönlichkeiten müßten vor einem in gleicher Weise schädlichen ungerechtfertigten Maße von Optimismus wie Pessimismus warnen, weil beides die Widerstandskraft des Volkes beeinträchtigen könnte. Die lebhafte Zustimmung der Volksvertreter zu der Rede des deutschen Reichskanzlers werde gewiß im Volke einen kräftigen Widerhall finden. Depeschen des „Bureau Herold". Lübeck, 30. November. Der norddeutsche nationalliberale Parteitag ist unter zahlreicher Betheiligung von Reichstags- und Landtags-Abgeordneten, darunter Osann- Darmstadt, Siegle-Stuttgart verlaufen. Der Abgeordnete Osann hielt eine mit Jubel aufgenommene Rede aus Bismarck. Es wurde beschlossen, alljährlich in Norddeutschland einen Parteitag abzuhalten. Beim Festmahl wurden Hochs aus den Kaiser und Bismarck ausgebracht und an letzteren ein Huldigungstelegramm gesandt. totales ttnö promnjieUes. Gießen, 30. November 1891. A Das zweite Concert des hiesigen Contertvereius am Sonntag den 6.December wird ausschließlich d'em Andenken Wolfgang Amadeus Mozarts gewidmet sein. Am 5. December 1791 meldete die Wiener Zeitung in Nr. 98 folgendes: „In der Nacht vom 4. zum 5. d. Mts. verstarb allhier der k. k. Hof-Kompositor Wolfgang Mozart. Von seiner Kindheit an durch das seltenste musikalische Talent schon in ganz Europa bekannt, hatte er durch die glückliche Entwickelung seiner ausgezeichneten Naturgaben und durch die beharrlichste Verwendung derselben die Stufe der größten Meister erstiegen- davon zeugen seine allgemein beliebten und bewunderten Werke, und diese geben das Maß des unersetzlichen Verlustes, den die edle Tonkunst durch seinen Tod erleidet." Mit noch größerer Bewunderung wie vor hundert Jahren pflegt die ganze cjvilisirte Welt auch heute noch des Meisters unsterbliche Werke und beeifert sich, demselben eine würdige Gedächtnitzseier zu bereiten. Auch der Concertverein will darin nicht zurückbleiben und eine seinen Mitteln und Kräften entsprechende Gedenkfeier am 6. December d. I. um 5 Uhr Abends in Steins Saalbau veranstalten. Mit einem Prolog von Otto Roquette eingeleitet, werden im ersten Theile die Ouvertüre, zwei Arien und der Priesterchor aus der „Zauberflöte" sowie die „Maurerische Trauermusik", im zweiten Theile das „Requiem“ (Missa pro defunctis für 4 Solostimmen, Chor und Orchester) ausgesührt werden. Als Solisten sind gewonnen Frau Eva Adler- Hugonnet, Fräulein Frieda Zimmer und Herr Adolf Müller aus Frankfurt sowie Herr Nicola Doerter aus Mainz. — Neues Theater. Das am Freitag den 27. d. Mts. wegen eingetretener Hindernisse plötzlich vom Repertoir abgesetzte Lustspiel „Die relegirten Studenten" kommt nun heute Dienstag in einer theilweise anderen Besetzung zur Aufführung. Wir empfehlen dies reizende Lustspiel auf das Beste. Gleichzeitig machen wir nochmals daraus aufmerksam, daß nur noch vier Vorstellungen im 1. Abonnement stattfinden. — Zu dem am 29. December beginnenden 2. Abonnement haben die jetzt im Umlauf sich befindenden Karten keine Gültigkeit. — Neues Theater. Die sünsactige Posse „Die kranke Familie" von Trost und Moser ging gestern als Sonntags-Vorstellung über die Bretter. Der Inhalt der Posse ist wie bei allen Theaterstücken dieser Sorte nichtssagend, speciell bei dieser geradezu abgeschmackt. Wie schon der Titel sagt, handelt es sich um eine kranke Familie, deren sämmt- liche Mitglieder von der fixen Idee befallen sind, krank zu fern, ausgenommen zwei Backfische, welche in der That liebeskrank sind. Wir wollen nicht näher aus den Inhalt eingehen und nur erwähnen, daß das Stück auch einige recht drollige Scenen, wie z. B. die Barbier- und Sanitätsraths-Scene, aufweist, und dadurch manches „Lächerliche" bietet und das rst ja die Hauptsache. Von den Rollen verdienen nur drei näherer Erwähnung, in erster Linie die des Rentier Nagel (Herr Paul Ernst). Seine heutige Rolle glich mit kleinen Ausnahmen auf das Haar der im „Hypochonder", nur daß er diesmal der duldende und weinerliche, eingebildete Kranke war. Wie alle bisherigen Leistungen genannten Darstellers, so war auch die heutige eine in die kleinsten Einzelheiten vollendete. Den höchsten Lacheffect erzielte jedoch der Barbier Qualm, nachmalige Pseudo-Sanitätsrath Humbug (Herr Director R e i n e r s). Für diese Rolle haben die beiden Autoren des Stückes ihren ganzen Vorrath von komischen Einfällen und Humoresken-Gedanken zusammengebacken. Diese Rolle war für den Darsteller wie geschaffen und wurde auch „humbugmäßig" durchgeführt, wozu auch viel das gelungene Aeußere des Sanitätsraths beitrug. Sodann wäre noch der schüchterne, confuse Liebhaber Wendel (Herr GeorgStege- mann) zu erwähnen. Diese keineswegs leichte Rolle war wohl den Fähigkeiten des Darstellers angepaßt, aber im Hinblick auf ihre Schwierigkeit, besonders im Geberdenspiel und Auftreten, äußerst undankbar. Nichtsdestoweniger versuchte Herr St., so viel wie möglich daraus zu machen. Bezüglich der übrigen Darsteller müssen wir erwähnen, daß die meisten, besonders Femini generis, in den drolligen Scenen, die manchmal ja unwiderstehlich zum Lachen reizen, in diesen Momenten im Geberdenspiel aus dem „Concept" fallen. In Momenten, wo der oder die Darstellende, anstatt zu weinen oder betrübt zu sein, das Lachen nicht verbeißen kann, hört er eben aus, Schauspieler zu sein. Herr Bellmann, den wir eigentlich gestern zum ersten Male als stuä. Julius gesehen, würde mehr gewinnen, wenn er natürlicher spräche, durch das Forciren der Stimme erhält dieselbe bei seinem Organ einen zu weinerlichen Klang. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir die Theaterbesucher und sonstigen Gönner des beliebten Schauspielers und Regisseurs Paul Ernst darauf aufmerksam machen, daß derselbe kommenden Freitag Benefiz hat. Zur Aufführung gelangt das reizende Lustspiel „Der Raub der Sabinerinnen". — Im Bericht über die Sitzung des Oberhesfischen Geschichtsvereins am 26. November sind die an diesem Abend gewählten Vorstandsmitglieder nicht vollzählig aufgeführt. Der Vorstand besteht aus den Herren: Pros. Dr. Höhlbaum, Vorsitzender, Oberbibliothekar Dr. Haupt, Dr. rneck. Klewitz, Hauptmann Weimer, Realgymnasiallehrer Dr. Strack, Prof. Dr. Buchner, cand. hist. K. Ebel, Fabrikant R. Wolff. Jeder der genannten Herren nimmt gerne Anmeldungen von neuen Mitgliedern entgegen. — Jubiläum. Morgen, am 1. December, feiert unser allverehrter Mitbürger, Herr Rendant und Stadtverordneter Carl Grüneberg, fern 50jähriges Dienstjubiläum bei bestem Wohlsein. Indem wir der Hoffnung Ausdruck geben, daß es Herrn Grüneberg vergönnt sein möge, noch lange in bisheriger Rüstigkeit seines Amtes zu walten, gedenken wir über die Feier selbst näher zu berichten. — Kirchliche Nachrichten. Dem Psarrverwalter Beyer zu Darmstadt wurde die hiesige katholische Psarrstelle übertragen. — Die Börsenlage und Baukkrifis. Die Thatsache, daß unter erschreckenden Umständen in Berlin mehrere einst angesehene Bankinstitute zusammengebrochen sind, und daß in einigen Provinzialstädten ebenfalls einzelne Bankiers in Folge betrügerischer Handlungen bankrott machten, haben im Verein mit der ungünstigen Geschäftslage eine Börsen- und Bankkrisis hervorgebracht. Doch die schlimmsten Befürchtungen sind in dieser Hinsicht nicht eingetroffen, der Bankkrach hat doch nicht weiter um sich gegriffen und ist dadurch der Beweis erbracht, daß doch nur ein kleiner Theil der Bankiers und Börsenkausleute oop jener sittlichen Fäulniß ergriffen ist, welche die Hirschseld, Wolff, Sommerfeld und Maaß zu Falle brachte und daß wir in der Hauptsache mit soliden und ehrenhaften Bankiers und Bankinstituten rechnen dürfen. Wir dürfen daher die bekannten Bankkatastrophen heute wohl als einen Gesundungsprozeß betrachten, welche faule Elemente aus den Bank- und Börsenkreisen beseitigt hat und allen Capitalisten zur Warnung dient, in Bezug aus Vertrauen und Speculation doppelte Vorsicht obwalten zu lassen. Die Bank- und Börsenkrisis selbst hat aber auch zweifellos Mißstände im Bank- und Börsenverkehr ausgedeckt, welche man, wie einige Anträge im Reichstage beweisen, mit Hülfe der Gesetzgebung zu beseitigen suchen wird. Das Augenmerk der Gesetzgeber ist dabei hauptsächlich aus die Beseitigung der Mißbräuche bei den Differenzgeschäften und Depots gerichtet. vermrischtes. * Rodelheim, 25. November. In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch starb Plötzlich der hiesige Einwohner Joh. Kraft. Er hatte nach dem Abendessen, wie er dies öfters that, eine Dosis Bullrich-Salz genommen, um sich vor etwaigen Magenbeschwerden zu schützen. Nach dem Genüsse des Salzes stellten sich heftige Magenkrämpfe ein, die tkotz des sofort herbeigerufenen Arztes so zunahmen, daß Kraft gegen Morgen starb. Der Arzt ließ auf Antrag des Bruders Krafts das Bullrich-Salz in der Apotheke untersuchen. Dort wurde das Vorhandensein von Strychnin festgestellt. Die Untersuchung hat ergeben, daß Kraft das Salz aus einer Frankfurter Material- und Farbwaarenhandlung bezogen hatte. (Franks. Ztg.) * Holzwickede, 25. November. Ein gräßliches Eisenbahnunglück hat sich gestern Morgen auf der Strecke Holzwickede-Schwerte ereignet. Dicht vor dem Tunnel in der Richtung nach Holzwickede waren Arbeiter mit der Instandsetzung der Geleise beschäftigt, als ein Personenzug herangebraust kam, was die Arbeiter überhört haben müssen. Der Locomotivführer gab Gegendampf, jedoch zu spät. Die Loco- motive erfaßte zwei Arbeiter und zermalmte sie. Wie die //Hag- Ztg." schreibt, trifft den Locomotivführer keine Schuld. * Einen Herzensroman, bei dem aber nicht die Entwickelung, sondern das Ende zu den Seltenheiten gehört, theilt man der „Tägl. Rundschau" aus Berlin W mit. Ein körperlich wie geistig von der gütigen Natur mit allerlei Gaben, nur nicht mir dem schnöden Mammon ausgestatteter junger Mann ernährte sich nothdürftig als Musiklehrer. So ertheilte er u. A. auch „höheren Töchtern" Musikunterricht, und wie es so zu gehen pflegte, verliebte sich in den hübschen Lehrer eine der jungen Damen, eine 16jährige Amerikanerin, eine eltern- und mittellose Waise, die auf Kosten eines steinreichen alten Erbonkels in Berlin erzogen ward. Natürlich erwiderte der Musiklehrer die zärtliche Neigung. Da aber Onkel Jonathan, das heißt: der geldstolze Oheim in New- Aork, niemals eine Verbindung seiner Nichte und Erbin mit einem armen deutschen Schlucker gestattet hätte, kehrte Miß F. schließlich unverlobt nach den Gefilden Amerikas zurück, selbstverständlich nicht ohne rührenden Abschied und die üblichen Schwüre ewiger Treue. Soweit ist es nun die alte Geschichte. Neu aber ist ihr Abschluß. Vor drei Wochen nämlich erhielt der junge Musiker folgendes Kabeltelegramm: „Onkel gestorben. Check auf Bleichröder unterwegs- bezahle Deine Schulden und komme sofort hierher!" Das hat der junge Mann denn auch eiligst gethau. Seine zahlreichen Gläubiger sind von ihm angenehm überrascht worden und er selbst schwimmt heute nicht nur in Wonne, sondern auch schon auf dem Ocean! * Amerikanisches Jägerlatein. Es ist unsere traurige Pflicht, so schreibt eine amerikanische Zeitung, das Austauchen einer der ungeheuerlichsten Lügen der letzten Jahre zu vermelden. Der Mann, der sie erzählt, will sich in den Con- greß wählen lassen, und was von ihm zu erwarten ist, kann man sich bei seiner Leistungsfähigkeit im Lügen vorstellen. Folgendes ist die Geschichte, die er erzählt: Er hat.eine Farm am oberen Missouri. Vor einer Woche bemerkte er, daß der Fluß zu steigen begann und sein Land überschwemmen würde, und er rettete daher seine Familie und beweglichen Güter auf höher gelegene Ländereien. Nun ist aber, so sagt er, seine ganze Farm, deren Umfang 2 (engl.) Meilen beträgt, von einem fünffachen Draht-Stachelzaun umgeben- auf jede Ruthe fallen 32 Stacheln, aus die ganze Umzäunung also 102400. Alle diese Stacheln will besagter Lügner unter Beihülfe eines Taglöhners mit einem kleinen Stück Fleisch als Lockspeise versehen haben. Daun entwich er ebenfalls nach den Anhöhen. Das Wasser überfluthete sein Land und blieb 26 Stunden lang fünf Fuß über dem Zaun stehen. Dann trat es wieder zurück und jener verhärtete Gauner kam und untersuchte seinen Zaun. Er fand — so versichert er — an jedem Stachel, mit Ausnahme von dreien, einen Fisch hängen, also zusammen 102397 Hechte, Brassen, Barsche u. a., die bei einem Durchschnittsgewicht von 10 Pfund das enorme Gewicht von 1023 970 Pfund ergaben. Er entließ seinen Taglöhner, weil — er drei der Stacheln nicht sorglich genug geködert hatte! — Was wird der Mann erzählen, wenn er in den Congreß gewählt wird?! Schiffsnerchpichten. Hamburg, 28.November. sHamburg-AmerikgnischePacketfahrt- Actien-Gesellschaftd Das Deutsche Dampfschiff „California", Capttän Dröscher, am 13. November von hier dtrect nach Newyork expedirt, ist am 28. November, 4 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgases. Vorschriftsmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gasverbrauch 13 bis 15 deutsche Vereins-Paraffinkerzen. Monat November 1891: 141/2 Kerzen. ___________________ Buchner. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. t c ^.stunde heute Montag den 30. Novbr., Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule; Römerbrief, Kap. 3, Vers 1: Der Menschen Untreue und Gottes Wahrheit. Pfarrer vr. Naumann. „ 1- Adventswochengotttesdienst am Donnerstag den 3. December, Abends 8 Uhr. Pfarrer Dingeldey. Ipielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater. Mittwoch den 2. December: Vorstellung bei ermäßigten Preisen Zum Gedächtnisse Mozarts. Erster Abend: Ouvertüre zu „Jdomenes" Die Entführung aus dem Serail. Außer Abonnement. Ermäßigte Preise. Donnerstag den 3. December: Fidelio. Gewöhnliche Preise. Freitag den 4. December geschlossen. ' Samstag den 5. December: Zum Gedächtnisse Morarts Zweiter Abend. Die Zauberflöte. Gewöhnliche Preise Sonntag dm 6. December, Nachmittags 31/« Uhr: Der Z unerbar on Ermäßigte Preise. Außer Abonnement. Abends 7 Uhr: Zum Gedächtnisse Mozarts. Dritter Abend. FigaroS Hochzeit. Große Preise. Montag den 7. December geschlossen. Dienstag den 8. December: Zum Gedächtnisse Mozarts. Vierter Abend. Cosi fan tutte. Gewöhnliche Preise. Schauspielhaus. Mittwoch den 2. December: Der freie Wille. Gewöhnliche Preise. Donnerstag den 3. December: Die Großstadtluft. Außer Abonnement. Gewöhnliche Preise. Freitag den 4. December: Im Forsthause. Durch den Kaufmännischen Verein. Gewöhnliche Preise. Samstag den 5. December: Die Großstadtluft. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 6. December: Zum ersten Male: Das Buch Hiob. Schauspiel in einem Aufzug von Leopold Adler. Hierauf: Neu einstudtrt: Ein vornehmer Schwiegersohn. Gewöhnliche Preise. Montag den 7. December: Richard der Dritte. Gewöhnliche Preise. Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müfterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-D6pöt von G. Henne- berg (K. u. K. Hoflief) Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 9592 um verkauf ist genehmigt. [10549 im 10289 Gnauth. 10572 KMeöotenes. 1(364 Liebrichs Nachf. Gebr. 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Juni 1870 nicht eingeführt ist — und seit zwei Jahren ihren Unterstützungswohnsitz in der Gemeinde erworben haben, jedoch unter der Voraussetzung, daß sie zur Zeit der Wahl 25 Jahre alt und vom 1. April des dem Rechnungsjahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergehenden Jahres an in der Gemeinde communalsteuer- pflichtig sind. Die Stimmberechtigung jedes der unter 2) bezeichneten Stimmfähigen ist davon abhängig, daß derselbe spätestens vor dem Schluß des Jahres, welches dem Jahre, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergegangen ist, bei dem Bürgermeister in dessen Amtslocal die mündliche Erklärung abgegeben hat, daß er sein Stimmrecht in Anspruch nehme, wobei er auch gleichzeitig Jahr und Tag seiner Geburt, den Tag, seit welchem er in der Gemeinde wohnt und den Zeitpunkt, seit welchem er communalsteuerpflich- tig ist, anzügeben und auf Erfordern nachzuweisen hat. Stimmfähige der oben bezeichneten Art, welche die Abgabe dieser Erklärung bis zum 23. December d. I. unterlassen, können bei einer im Laufe des Jahres 1892 nothwendig werdenden Wahl zur Stadtverord- neten-Versammlung oder bei einer solchen Wahl, für welche die Stimmberechtigung durch die Stimmberechtigung zur Stadtoerordnetenwahl bedingt ist, kein Stimmrecht in Anspruch nehmen. Durch Gelegenheitskauf verkaufe einen großen Posten besserer Puppen u. Täuflinge zu staunend billigen Preisen. Bitte ein geehrtes Publikum, sich davon überzeugen zu wollen______________[10569 ÄämmMche Zuthaten lut feinen Bäckerei empfiehlt 10565 ____E. Dort. ”10566] Frische Kieler Sprotten und Bückinge empfiehlt E. Dort. Mein Ersuchen vom 18. d. M. Recherchen nach dem jetzigen Aufenthalte der Dienstmagd Catharine Hölper von S e ck ist erledigt. Limburg, den 27. Novbr. 1891. Wetzlar, 27. November 1891. Königs. Eisenbahn-Bau-Jnspection. Mittwoch den 2. 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Decbr. 1791 7. Missa pro defunctis: „Requiem etc.“ für vier Solo- 1 stimmen, Chor und Orchester........’ Eintrittskarten für Nichtmitglieder zu Mk. 2,50 (Sperrsitz Mk. 3,50), sind in der Musikalienhandlung von Herrn E, Challler (Rudolphs Nachf.), für Studireido bei Herrn Hausverwalter Storck zu ermässigtem Preise zu haben. Textbücher zum । „Requiem“ bei Herrn E. Challier oder am Saaleingange zu 10 Pfg. [10574 Den der Agentur Gießen zugewiefenen Rentenbeziehern der Renten- und Lebensversicherungs-Anstalt zu Darmstadt zur gefl. Nachricht, daß die Jahresrenten im Lause des Monats December d. I. und zwar jeden Dienstag und Donnerstag von 9 Uhr Vorm. bis 5 Uhr Nachm. erhoben werden können. Gießen, den 28. November 1891. 10543 Luckhardt, Oswalds Garten 78, III. Ich beehre mich hierdurch anzuzeigen, daß ich meine seit längeren Jahre betriebene Bäckerei Herrn Georg Keil käuftich übertragen habe. Indem ich für das mir so reichlich bewiesene Vertrauen verbindlichst danke, bitte ich, dasselbe aus meinen Nachfolger übertragen zu wollen. Gießen, den 1. December 1891. Hochachtungsvoll Karl Lenz Wwe. Auf obiges B^ug nehmend, erlaube ich mir, einem verehrten Publikum die ergebene Mittheilung zu machen, daß ich die Bäckerei der Frau Karl Lenz Wwe. käuflich erworben habe, und wird es mein Bestreben sein, das meinem Vorgänger bewiesene Vertrauen auch mir in jeder Weise durch pünktliche Lieferung nur guter Maaren zu erwerben und erhalten zu suchen, und bitte um geneigten Zuspruch. Hochachtungsvoll 10553 Georg Heil. Todes-Anzeige. Samstag Abend 9 Uhr verschied sanft unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Königl. Förster a. D. Meister im 82. Lebensjahre. Um stille Theilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen Heinrich Meister. Gießen, den 29. November 1891. Die Beerdigung findet Dienstag den 1. December, Mittags 12 i/z Uhr von Rod heim aus statt. 10573 Gonrllbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft. Frankfurter Börse vom 30. November 1891. Schlußcourf« 1 Uhr 15 Mtn. 8% Reichs anleche 8V*°/o do. 3% Preuß. Confols 3Vi9/8 do. 83 40 91.60 83 40 87 80 i 4% Ung. Gold-Rente bo/o Ztal. Rente 4Vd°/o Lest. Silber-Rentr 3»/o Portugtef. Anl. 88 6t 86 9® 7800 32.60 Disco nto-Eommand.-Anttz 168 20 Lomb. E^B.-Act. 71.00 Darmstädter Bank-Act. 122 80 Bufchtherader E-B.-Act 380 50 Dresdener Bank-Aci 128 00 Elbthal-Bahn-Act- 184 70 Nordd. Lloyd-Acr 103.30 Gotthard-Bahn-Act. 1318 0 Mener Bankver.-Aci 88 00 Schweizer Nordost-B.-Act. 105.30 Oest. Credtt-Act. 235 62 Mainzer E.-B.-Act. 109 00 Deft Staatsb.-Act. 234 00 Marienburger E.-B.-Act> 47.70 Velfenk. Bergw.-Act. 139.10| Ver. KSnigS-Laurah^Act. 105.50 RetchSbank-Dtscont 4 pEt. — Frankfurter Bank-Dtswnt 4 pSt Tendenz: fest. Nedaction: A. SLepba. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. DK he»ttoe R«wm#r umfaßt 6 ®eiten. Gieffener Anzeigen Neilage M Rr 280.-1891 Dienstag den 1. December Engros-Preise. ia, Qualitäten. Pfg- Pfg- Feinste Dienstag Nachmittag 2 Uhr Bücklinge, • Kieler Sprotten werde« im Gasthaus »zum Pfa«^ Pelzmuffe mit Boa Reustadt 55: Stickereien in Stramin, Tuch, Plüsch, Leinen etc. 24 Pelzmuffe (Nerz, Iltis, JEMujHpse Opossum, Hase u. s. tv.) [10496 versteigert. zu Unter- 1891. 10521 N Prima Nusskohlen, empfiehlt 60 50 100 50 90 40 200 70 35 45 Kinderhöschen Stoffröcke Schulterkragen Plüschmützen Plüschmuffe Unterjacken Unterhosen Normalhemden Pantoffeln, nur zum Ausfüllen 1 100 bei 5807 Fuhraccord. Die Stellung der Gespanne auf dem Amtszimmer des zeichneten vergeben. Gießen, am 27. November Der Kreisingenieur: Stahl. electrischen Kraft fällt für das Publikum jede Belästigung durch Qualm, Rauch, Hitze u. s. w. fort. Zur Vermittelung des Verkehrs aus den electrischen unterirdischen Bahnen sollen im Allgemeinen kleine Züge zu je drei Personenwagen verwendet werden. Letztere ruhen, nach dem betreffenden Projecte, vorn und hinten aus je zwei Achsenpaaren und sind im Zuge miteinander durch Uebergänge verbunden. Für jeden Zug ist eine „electrische Locomotive" bestimmt, welche lediglich mehrere langsam lausende Electro- motoren, die nöthigen Bremsvorrichtungen und den Platz sür den Führer enthalten soll. Die Drehung der Motorachsen wird den Rädern der Locomotive mitgetheilt und hierdurch der ganze mit dieser gekuppelte Zug in Bewegung gesetzt. Die benöthigte electrische Energie wird in Centralstationen, welche gleichzeitig den electrischen Strom für die Zug- und Tunnelbeleuchtung, die Signaleinrichtungen u. s. w. geben, erzeugt. Buxkin, Kammgarn, Velour ea. 140 cm breit ä Mk. 1.95 Pfg. per Meter versenden jede beliebige Meterzabl direct an Private. Burkin-Fabrik-D6pöt Oettinger & Co., Frankfurt a. M. 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Wird auch nicht weggeleugnet, daß sie zur Zeit der Einsegnung lang ausgeschossen, eckig und unerträglich ist, so treffen wir sie doch meist schon nach einem Jahre wieder als vollendete Schönheit, was gewöhnlich der in die Ferien heimkehrende Vetter zuerst entdeckt. Von nun an geht sie nicht mehr, sondern „schreitet", setzt sich nicht, sondern „sinkt" aus eine Sitzgelegenheit. Sie spielt nicht Clavier, sondern ihre ginger gleiten über die Tasten. Sie schläft nicht, sondern ruht in Dienstag den 1. December, Nachmittags 2 Uhr, werden im Gasthaus zum Pfau, Neustadt 55 (früher Bramrn) versteigert : • a ca. 80 Mir. 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Sie ist auch nicht angezogen, sondern ihre Kleider umfließen in weichen Falten ihren Leib. Mit Vorliebe verschiebt sie das „Busentuch" und läßt blendende Reize sehen — obwohl zu keiner Zeit und in keiner Gegend ein solches aus der blanken Haut getragen wurde. — Die Frau im Roman berührt eben nur die Speisen, schlürft die Getränke und saugt den berauschenden Duft der Blumen ein. Wird sie geärgert, so graben sich ihre Füße in den Sand oder ihre Zähne in die Unterlippe. Wird sie angebettelt, so gießt sie den Inhalt ihrer Börse in den Schooß der Armen oder sie wirft ihnen die wohlgefüllte Börse ganz hin. Liebt sie, so ist sie über Nacht eine andere geworden, sie scheint größer, ihre Formen runden sich, ihr Busen hebt und senkt sich und sie erröthet oft bis unter die Haarwurzeln. Das ahnungslose Mädchen ist zum Weibe erblüht. Nun heirathet sie nicht etwa, sondern „sie folgt dem geliebten Manne zum Traualtar". Später flüstert sie ihm ein Geheimniß ins Ohr; ihre Hände nähen winzige Sächelchen und über Jahr und Tag umspielt ein liebliches Knäblein ihre Knie. Nachdem ihre Lausbahn vollendet, stirbt sie nicht, sondern sie „schläft hinüber"; ebensowenig wird sie beerdigt, sondern man bettet sie ins kühle Grab. Die Einführung elektrischer Untergrnnds- bahnen in Deutschland. Nachdem man bereits seit längerer Zeit in London, Paris und Newyork mit dem Bau unterirdischer, durch Elec- tricität betriebener Bahnen begonnen und mit denselben recht günstige Erfolge erzielt hat, steht nun auch die Einführung des gleichen Unternehmens in Deutschland bevor. Die „Allgemeine Electricitäts - Gesellschaft" hat es in die Hand genommen, auch Deutschland in die Reihe der Staaten, welche sich electrischer Untergrundsbahnen erfreuen, einzusühren und sind hierzu die generellen Vorarbeiten schon im Gange. Was nun das Wesen der für Deutschland projectirten Untergrundsbahnen mit electrischem Betrieb, bei denen selbstverständlich durchgängig das Tunnelsystem zur Anwendung gelangen muß, anbelangt, so dürsten hierbei folgende Einzelheiten in- teressiren: Zum Material für die Tunnelröhren dient Flußeisen. Aus demselben werden die Tunnelröhren, 10 Mm. stark, 3i/2 Meter hoch und unten etwa 3 Meter breit, her- gestellt- sie sollen im Allgemeinen in einer Tiefe von 8 bis 15 Meter unter der Erdoberfläche zu liegen kommen. Die Tunnelröhren werden deßhalb so tief gelegt, um sie gegen die Einwirkungen selbst des strengsten Frostes gründlich zu schützen. Mittelst sinnreicher Vorrichtungen werden die Röhren unter die Erde gewissermaßen hineingeschoben und.aus ihnen dann der Boden fortgeschafft. Der hierdurch zwischen dem äußeren Erdreich und dem Tunnel hergestellte sreie Raum soll dicht mit Cementmörtel ausgesüllt werden. Dasselbe Material soll auch im Innern des Tunnels als Mantel und als Schutz gegen das Rosten Anwendung finden. Die Schienen werden auf der Sohle des Tunnels in einem Abstande von einem Meter angebracht und hier führen auch die Zuleitungsdrähte des electrischen Stromes zur Fortbewegung der Züge, zur Beleuchtung des Tunnels, zur Bedienung !der im Betriebe nöthigen Signaleinrichtungen u. s. w. Als bewegende Kraft wird selbstverständlich Electricität dienen, welche überhaupt erst einen behaglichen Ausenthalt in den Räumen der unterirdischen Eisbahn ermöglicht, denn bei Anwendung der zwei Schneepflügen wird am Dienstag den 1. Deebr. l. I., Mittags 3 Uhr, Verkehr, Land- unfc volkswirthschaft. Grünberg, 28. November. .Fruchtpreise. Weizen «4t 2510, Korn v4L 24.80, Gerste v4L 17.50, Hafer JL 14.60, Erbsen 21.40, Linsen J4L —. Wicken 16.-, Lein^L ——, Kartoffeln X 6.50, Samen JL ——. schwere Wasre, Stück.....0,07 Pfg. „ 6,50 Mk. Heinrich Arnold II. 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Die Erregung der Börsen hat sich gelegt und gleichzeitig damit ist auch die Coursbewegung ruhiger geworden. Es wäre indessen zum mindesten voreilig zu fotßcrn, daß dieser äußerlichen Beruhigung auch eine Consoltdtrung der inneren Aerhaltmsse entspricht. Wenn die Course Widerstandsfähigkeit gewonnen haben, so ist die Ursache jedenfalls in der Ultimoliquidation zu suchen, die in dieser Woche Zwickest werden mußte, denn keinesfalls hat die Börse die Zuversicht gewonnen, daß ihr die Erfahrung weiterer Insolvenzen und Bankbrüche erspart bleiben wird. Dem widerspricht schon die Thatsache, daß auch diese Woche ihre Opfer gefordert hat; und wenn auch in dem einen Fall eine Firma gefallen, die schon lange anrüchig war und die an der Börse nicht den geringsten Credit genoß, so bleibt doch die Wirkung auf das Publikum, das hier abermals bittere Erfahrungen macht, dieselbe. 8s ist sogar höchst wahrscheinlich, daß gerade dieser letzte Fall die Vorurtheile gegen dk tn letzter Zeit sich allenthalben zeigen, noch üppiger emporwuchern läßt, dmn es zeigt jedenfalls von einer losen Handhabung der Befugnisse, welche dem Börsmvorstand zustehen, daß derselbe einen Mann an der Börse duldet, der, wie jetzt bekannt wird und jedmfalls schon längst bekannt war, in Paris grobe Schwindeleien verübt hat und über dessen Auslieferung an die dortigen Polizeiorgane verhandelt wurde. Unter solchen Vorkommnissen muß das Ansehen der Börse leiden, und sie geben offenbar gewichtigeren Grund, gegen Mißstände an der Börse zu eifern, als die, welche den bekannten Antrag der Conservativm, Centrums- und Reichspartei veranlaßt haben. Daß dieser Antrag irgendwelche gesetzgeberische Maßregel zur Folge haben wird, ist ja höchst unwahrscheinlich, nichts destoweniger scheint sich die Börse, angesichts der lebhaften Preßerörterungen, welche sich daran knüpfen, nicht recht wohl zu fühlen, und das ist auch begreiflich, wenn Vorschläge wie derjenige, der die Zeitgeschäfte mit einer Steuer von 1% belegen will, dabei das Licht der Welt erblicken. Vermuthlich würde dies auch einen coursmäßigm Ausdruck gefunden haben, wenn nicht das Deckungsbedürfniß der Ultimoregulirung jeden anderen Einlaß überwogen hätte. Man hat sich auf die Liquidation frühzeitig genug vorbereitet, denn offenbar entsprang schon die ausgiebige Steigerung am Schluß der Vorwoche »em ganz allgemein empfundenen Deckungsbedürfniß und der Sorge, die Prolongation »er Engagements könnte auf Schwierigkeiten stoßen. Diese Vorbereitungen warm denn auch so umfassend, daß es anfänglich den Anschein hatte, als ob der neuen Woche wenig mehr zu thun übrig bliebe. Man verhielt sich einige Tage lang ab- wartenb und beschäftigte sich mit Nichtigkeiten, war heute fest auf Herrn von Giers und seinen Besuch in Berlin, und am anderen Tage flau, weil er doch nichts erreichen würde; und als man hiernach glaubte, übersehen zu können, daß trotz der hohen Deports keine Schwierigkeiten in der Ultimoversorgung eintreten würden, chlugen die Course die Abwärtsbewegung wieder ein. Indessen scheint man doch etwas zu leichtfertig gewesen zu sein, denn in letzter Stunde sprangen in Berlin die Deportsätze auf ganz ungewöhnliche Höhe hinauf und damit ist auch vorläufig der Abwärtsbewegung wieder ein Ziel gesetzt worden, denn diese Sätze, die z. B. für Disconto Commandit-Anth. mehr als 1% betrugen, scheinen massenhafte Zwangs- Deckungen veranlaßt zu haben, die die Course procentweise in die Höye setzten. Der Umstand, daß durch dm Hamburger und Frankfurter Feiertag der Markt beschränkt war, mag indessen mit dazu beigetragm haben, die Roth dringender zu gestalten. Mehr noch als in Berlin sind aber in Paris die Baissespeculantm in die Enge getrieben worden. Wie bereits früher gemeldet, hat der russische Finanzminister einen Theil der neuen Anleihe wieder zurückgmommen, d. h. er hat denselben börsenmäßig wieder antaufen lassen, und das Uebernahmeconsortium hat außerdem feinen Einfluß »ahin verwandt, daß eine möglichst große Anzahl der Obligationen vollgezahlt wurden. Auf diese Weise ist das Material für den Börsenhandel, der sich vomehmlich in nicht vollgezahlten Stücken bewegte, außerordentlich knapp geworden und die Svecu- lation hat daher zu Coursm zurückkaufm müssen, die bis nahe an den Subsriptions- preis heranreichten. In der That ist der Pariser Börse durch die Reprise in russischen Fonds eine außerordentliche Stütze erwachsen und namentlich die Course der Renten- werthe haben sich daraufhin bedeutend erhöhen können; ob es von Dauer sein wird, muß aber die Zukunft lehren. Am Freitag find gerade Russen wieder trotz ungewöhnlich hoher Deports stark zurückgewichen. Die Wiener Börse hat sich die ganze Woche hindurch vollständig indifferent gehalten. Sie scheint indessen die einzige zu sein, an welcher noch Reportsätze notirt werden, an welcher also die Hauseengagemmts noch das Uedergewicht haben. Diese Thatsache hat ziemlich allgemein überrascht, da man glaubte, daß die verschiedenen Erschütterungen, welche über die Wiener Börse im oerfloffenen Monat gegangen sind, gründlich mit den bestehenden Positionsver- hältnissen aufgeräumt hätten. Der Geldmarkt war, wie nicht anders erwartet wurde, außerordentlich flüssig. Reportgelder bedangen nur 3—3V?/o, zum Schluß hat man sie in Berlin mit 2»/»o/o, also erheblich niedriger als der Discontsatz am offenen Markte beträgt, ausgeboten. Zu allem Ueberfluß hat auch das Ausland in der letzten Zeit wieder Gold herein- gesandt und es ist manches davon der Reichsbank zugeflossen, sodaß die Lage des Geldmarktes und der Bank insbesondere durchaus zufriedenstellend ist. Die letztere verfügt jetzt über einen Metallbestand, der um 167 Millionen den des Vorjahres übertrifft, und ihre Notenreserve ist auf 281 Millionen angewachsen. Nichtsdestoweniger bat die Bankleitung den Antrag, dm Discontsatz zu ermäßigen, abgelehnt, und diese Politik ist offenbar nur zu billigen, denn ganz abgesehen von den Ansprüchen, welche der December voraussichtlich bringen wird, könnte ein solches Vorgehen der Bank gerade an der Börse verhangnißvolle Irr- thümer Hervorrufen, die zu vermeiden auch die Reichsbank bestrebt fein muß. Im Ganzen hat die Coursbewegung der Woche, wenn nicht die letzte Berliner Auswänsbewegung, die aber für Frankfurt nicht vorliegt, mit in Betracht gezogen wird, kaum irgend welche belangreichen Veränderungen gebracht. Die leitenden Bankwerthe schließen unverändert, nur Handelsgesellschaft find schwächer, offenbar auf* Vorverkäufe in Erwartung der Neuemiffion, vielleicht auch in Verbindung mit der Krisis in der Schweiz, in welche sie durch Uebernabme der Activa der Internationalen Bank mtthineingezogen wird. Darmstädter Bank, in Bezug auf welche man erwartete, daß eine kürzlich abgehaltene Aufsichtsraths-Sitzung Aufklärung über die Betheiligung in portugiesischen Werthm bringen würde, find unter der getäufchten Hoffnung wieder zurückgegangen. Wiener Werthe blieben ohne Anregung. Indessen litten Staatsbahn unter einem verhältnißmäßig hohm Reportsatz in Wim, und «Lombarden, bei denen Rückkäufe eine entgegengesetzte Bewegung hervorgerufm hatten, find auf das frühere Niveau wieder zurückgefunkm. Schweizer Werthe inbeffcn waren lebhafter und nach manigfachen Schwankungen, die rnttst von den bewegten Börfm des Heimathlandes dictirt roerben, verlassen Centralbahn die Woche mit etwa 3 % Gewinn. Auch für den Montanmarkt war die Woche arm an Anregung. Die Klagen der Eisenwerke über unerschwingliche Cokespreise werden lauter, auf der anderen Seite aber werden auch Abschlüsse von Bergbaugefellschaftm bekannt, welche zeigen, daß die Ergebnisse der Cokerein stark herabgemindert sind, zum Theil sogar Verluste ergeben, Der AuSweg aus dem Dilemma ist jedenfalls nicht leicht zu finden. Am meisten haben noch die Rentenwerthe gewonnen, hauptsächlich durch die Reprise des Pariser Marktes: Ungarn, die den Cours von 88 wieder erreicht haben, Griechen, Türken, und ferner Portugiesen. Ueber die letzterm laufen die verschiedenartigsten Gerüchte um. Der langersehnte Vorschuß soll endlich erlangt worben fein, zugleich aber spricht man boch von einer Rebuction ber Zinsen und Einsetzung einer Finanzcontrole, sodaß ber Zusammenhang zwischen dm Gerüchten nicht klar ist. Jedmfalls wird bereits die nächste Zukunft die Entscheidung über das Schicksal ber portugiesischen Finanzwirthschaft bringen. Course der Frankfurter Börse. Cours vorn GtaalSarrUiheir. 20./XI. 26./XI. 20./XI. 26./XI. Cours vom 4% Hessische Obligation. 103.65 103.40 4i/,o/oPortug.-A.88u.89 44.— 46.60 „ Bauern .... „ Baben..... 3o/o Sächsische Rente. . 104.80 104.75 5% amort. ©erb. Gold- 102.30 102.20 Rente .... 81.50 82.50 84.60 84.40 5o/oSerbischeEismbahn- 3Vta/o BremerStaatsanl. — —- - Hyp.-Obl. L. A. . 82.50 83.60 H Harnb.Staatsrente 93.80 94.00 4o/oSchwed.Oblig.l880r 101.— 101.— 40/oOeftr. Goldrente . 93.20 92.85 l°/o Türken conv. Lit. D. 16.70 17.25 „ GriechischeMonopol- 5°/o Argent. Gold - Anl. 36.70 36.80 Anleihe . . . 5o/o Rumänische Rente . 58.50 61.40 v. 1887 ... 94.20 95.85 3V8°/o Egypt. priv. Anl. 88.50 89.50 4°/o Russ. Consols S.IH —.— —.— GUerrbahrr-PriorttLteir. 40/o Pfälz. LudwigSbahn ö8/0 Südbahn Lombardm 101.70 101.95 (Bexbach). . . Hessische Ludwigsb. 101.90 102.— 40/0 do. do. 93.60 93.35 3% do. do. 60.50 61.30 68/69 Qarant. . 101.35 —.— 4o/o Prag-Duxer Gold . 98.— 98.20 , Elisabethb. steuerfrei w Rudolf Gold (Salzk.) 98.20 98.70 Gold .... 99.10 98.85 „ Franz-Josef Silber 82.40 82 90 5o/c Oestr. Staatsbahn. 105.90 —.— 30/0 staatl. garant. Jtal. 4o/o do. do. 98.20 98.05 Eismbahn . . 52.90 53 40 3% do. do. 3% Livorneser . . . 4o/0 Ruff. Südw -Eifmb. 60.95 60.50 L-VHI.(5iniff. 82.— 82.20 87.10 88.20 30/0 do. Ergänzungsnetz 50/0 Nordwestbabn Gold 78.20 78.50 105.80 40/0 Wladikawkas garnt. 40/0 gar. Sarbin.Sec.ftfr. 86.60 71.80 87.45 73.50 Giferrda-«-rletterr. Ludwigshafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. Pfälzische Nordbahn . Lübeck-Büchner . . - 220.70 222.70 Galiz.CarlLubw.-B.-Act. 173.25 174.50 107.20 107.901 Oest. Norbw.-Bahn SitJB. ISOVs 180.50 114.— 114.40 Gottharbt..... Jtal. Mittelmeer . . 131.75 131.25 142.70 144.—| 88.20 88.90 Bank-Artien. Deutsche ReichSbank . Berlin. Handelsgesellsch. 143.70 144.55 DrMmer Bank. . . KHtelbeutsche Crebitb. . 128.50 127.35 128.— 125.40 90.50 91.— Dmtsche Bank . . . DeutscheGmoffmschftsb. 142.60 142.75 aßtener Bank-Verein . Württemb. Vereinsbank 88.25 871/g 120.— 119.— o.Soergel.ParrisiusLCo. 116.— 117.— Deutsche Vereinsbank . 103.10 103.— Jtr-rrstrtt-Actten. Binding-Brauerei . . Stem- do. (Oberrad) 156.— 155.90 Dmtsche Verlagsanstalt 180.50 181.40 129.30 130.50 Farbwerke,vorm.Meister, Bad. Anilin- u. Soda- LuciuS & Brüning. 272.50 273.70 fabrik .... 266.50 267.80 Riebeck'scheMontanwerre 172.— 173.— Hibernia Beraw.-Ges. . 131.25 130.— Bochumer Gußstahl 110 30 110.80 Pfandbriefe. 40/0 Franks. Hyp.-Pfdbr. 40/oDeutscheGrundschld.- v. 91 ab . . . 3^°/vFrnkf.Hyp.-Pfdbr. 102.— 102.— Bk.-Pfandbr. . 100.80 100.80 95.— 95.— SVeVo bo...... 93.40 93.40 4°/oPrmß.Hyp.-Act.-Bk.- N/^/o Rhein. Hyp.-Bank- Psanobr. . . . 101.10 101.10 Pfandbr. . . . 91.80 91.70 3Vt°/o do...... 93.40 93.40 4o/c Meininger Pfandbr. 100.80 100.80 40/0 Prmß. Cmtr.-Bod^ Cred.-Pflmdbr. bis 1885 ..... 100.10 100.50 Loose. Oestr. 1860rfl.500-Loose 116.70 117.— Braunschweig. 20 Thlr.- , 1854r fl.250- , 119.— — — Loose .... 30/0 Oldmburger Loose. 3V»o/oKöln-Mtndn.Loose -----.----- 101.20 40/0 Meininger Prämien- 124.50 123.10 Psandbr. . . . 128.70 128.70 131.20 131.40 SmtrttatiifSe Gifenda-n-BondS. 6o/oChic.Milw.f.St.Paul 4o/o Chicago Burlington Prt., rückzahlb. 1910 . bo/oChic.Mllw.f.St.Paul 113.30 113.30 Nebraska 1927 . . 83.— 83.90 41/i°/o California Pacif. 103.10 Prt., rückzahlb. 1921 . 103.50 103.50 I. M., rückzahlb. 1912 6a/oPacifwfMissouri con- 102.30 60/0 Cmtr. Pacif. I.Mrtg. rückzahlb. 1896 . . 105.05 105.35 solidated I.M. r. 1920 —.— 103.— Diverse Obligationen. bo/g BudervS-Obligat. . 102.75| 102.75 4o/o Eismbahn-Rmtmb.- Obligat. . . 99.70 99.90 Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag ber Brühl'jchen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.