Nr. 100 Freitag den 1. Mai 1891 Gießener Anzeiger Kenerat-Unzeiger Amts- tmb Anzeigeblatt für den Areis Gieren. 5RR chratisöeikage: Gießener Jamilienökatter Ivniihmt dorr Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Redaktion, LxpcdtN«. und Druckerei: FchntstrateAr.s Fernsprecher 61. BiertAtLhrtger MexxmtwtsyctU ■ 2 Mark 20 Pfg. ort Bringerlohn. Durch die Post bezogt 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener KsMittenSttit-r «nden dem Anzeiger ---chentlich dreimal beigelegt. Der Mrßrner Anzeiger erscheint täglich, att Ausnahme de- Montags. Alle Annoncen-Kurcaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen, ii t 11 i ■ ii ........ ■ ............... Thril. Bekanntmachung, die Rachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst auf Grund von Schulzeugniffen betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwMgen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Ansügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden. 1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Lommission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2) Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres «achgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. 3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird. 4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a) Geburtszeugniß; b) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit den FreiwMgen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen; e) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen militärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit ober ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; d) das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß. Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugniffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugniffe für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, fkmmtlich nach dem Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom, 22. November 1888 — Reg. - Bl. Nr. 5 von 1889 — ausgestellt sein müssen. Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 39, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. Großh. Prüfungs - Commission für einjährig Freiwillige zu Darmstadt. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Deutsches Reich. Berlin, 28. April. Das Beileidstelegramm, das Fürst Bismarck an die Moltke'sche Familie richtete, hat folgenden Wortlaut: „Mit tiefer Betrübniß erhalte ich Ihre telegraphische Mittheilung von dem unersetzlichen Verlust, welchen unser Vaterland erlitten hat. Ich empfinde denselben besonders schmerzlich, nachdem es mir vergönnt gewesen ist, Jahrzehnte hindurch mich nicht nur an der ruhmreichen Mitwirkung des Feldmarschalls im Dienst zu erfreuen, sondern auch an seiner stets gleichen Liebenswürdigkeit bei den nahe befreundeten Beziehungen, in denen ich mit ihm zu stehen die Ehre hatte, v. Bismarck." Deutscher Reichstag. HO. Plenarsitzung. Mittwoch, 29. April 1891. Die zweite Beratbung des Zuckersteueraesetzes wird bei den Uebergangs- und Schlußbestimmungen fortgesetzt. Die Regierungsvorlage scklägt eine offene Pi ämte während der drei Jahre vom 1. August 1892 bis zum 31. Juli 1895 vor von 1 Mk. für Rohzucker, von 1.75 Mk. für Candis und Zucker in Broden ?c. und von 1.40 Mk. für alle übrigen harten Zucker. Abg. Graf zu Stolberg-Wernigerode (cons.) begründet den von ihm gemeinschaftlich mit dem Abg. Hultzsch etngebrachten Antrag auf Gewährung einer Prämie vom 1. August 1892 bis 31. Juli 1896 von 1.50 Mk., 2.25 Mk. und 1.90 Mk. und vom 1. August 1896 bis 31. Juli 1900 von 1 Mk., 1.75 Mk. und 1.40 Mk. aus 100 Kilogramm. Prtnciptell ist Redner für die vom Fürsten Hatzfeldt beantragte dauernde Prämie. Jedenfalls sei etn Uebergang uothwendig, denn sonst würden die kleineren Zuckerfabriken zu Grunde gehen. Die von der Regierung vorgeschlagene Uebergangs- zeit sei zu kurz. Denjenigen seiner Freunde, welche der Vorlage rein ablehnend gegenüberstehen, gebe er zu bedenken, daß die Einnahme- bedürfntsse des Reiches schließlich doch zu einer Ersetzung der Material- durch die Consumsteuer führen dürfte und daß dann möglicherweise aus einen Uebergang ganz verzichtet werden müsse. Dann aber werde eintreten, was er vermieden zu sehen wünsche, die Vernichtung der kleinen Zuckerfabriken. Abg. Fürst Hatzfeldt (Rp) beantragt bis auf Weiteres eine Prämie von 1.25 Mk., 2 Mk. und 1.65 Mk., ferner folgende Resolution: „Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, in erneute Verhandlungen mit den Zucker exporttrenden Staaten zu treten, um eine Beseitigung der Zuckerausfuhrprämien herbeizuführen und dementsprechend dem Reichstage einen Gesetzentwurf behufs Aushebung der Zuckerprämien vorzulegen." Die Concurrenz der anderen Zucker probucirenben Staaten sei so groß, baß bie beutsche Zuckerindustrie ohne Prämien nicht existiren könne, so lange bie übrigen Länber solche gewähren. Aber wenn wir Prämien gewähren, so müssen bieselben auch hoch genug sein, um uns concurrenzsähig zu erhalten, sonst sei es schon consequenter, bie Prämien überhaupt zu beseitigen und auf ben Export ganz zu verzichten. Hoffentlich gelinge es Der Regierung, mit ben anderen Regierungen Vereinbarungen behufs Wegfall der Prämien zu erzielen. Abg. Dr. Witte (bst.) beantragt Streichung jederUebergangs- zeit, also sofortige Beseitigung der Prämien. Nur so werde unsere Zucker industrie gesunden. Ein Rückgang derselben sei durch die Beseitigung der Prämien keineswegs zu befürchten; im Gegentheil, dieselbe werde einen neuen Aufschwung nehmen. Wozu Uebergangs- bestimmungen? Dieselben würden den Gesundungsprocetz nur aufhalten. Abg. Dr. Orterer (Ctr.) beantragt gemeinsam mit dem Abg. Spahn Gewährung einer Prämie vom 1. August 1892 bis 31. Juli 1895 von 1.25 Mk., 2 Mk. und 1.65 Mk. und vom 1. August 1895 bis 31. Juli 1897 von 1 Mk., 1.75 Mk. und 1.40 Mk. Seine Freunde begrüßten einhellig in der Vorlage einen Fortschritt, einen Fortschritt, der aber nicht zu Stande kommen würde, wenn eine Uebergangszeil nicht bewilligt werden sollte. Lehne man die Übergangszeit ab, so bleibe die Materialsteuer im bisherigen Umfange bestehen. Witte habe früher selbst erklärt, er würde einer mäßigen Prämie auf bestimmte Zeit zustimmen. Eine Uebergangszeit müsse festgestellt werden, weshalb seine Freunde auch ben Antrag bes Fürsten Hatzfeldt nicht annehmen könnten. Gehen wir mit der all- mäligen Aufhebung der Prämien voran, so werden auch die con- currtrenben Staaten biefent Beispiel folgen. StaatssecretärFrhr. v. Maltzahn hatGrunbzuberAnnahme, baß eine Aenberung der Prämiensätze, bie sich nicht zu erheblich von ber Vorlage entfernt, für bie oerbünbeten Regierungen kein Grunb sein würbe, bie Vorlage fallen zu lassen. 25 Pfg. Prämie mehr bebeute für bas Reich ben Verzicht auf eine Jahreseinnahme von 2 Millionen. Financiell am günstigsten wäre ja der Antrag Witte, ber sich aber auch am weitesten von ber Regierungsvorlage entferne, bie auf bie Verhältnisse ber Lanbwirthfchaft Rücksicht nehmen wolle. Die Uebergangszeit werbe die Möglichkeit geben, Erfahrungen zu gewinnen; ergaben dieselben, baß wir allein mit ber völligen Beseitigung ber Prämien nicht vorgehen könnten, so würde bann noch die Möglichkeit gegeben sein, die Gesetzgebung zu ändern. Der Antrag des Fürsten Hatzfeldt sei financiell günstiger als ber des Grasen zu Stolberg, entferne sich aber von ber Regierungsvorlage weiter als blefer, indem er eine bauernbe Prämie festsitze. Am nächsten komme ber Antrag Orterer ber Regierungsvorlage. Abg. Ulrich (Soc.) lehnt jebe Prämie ab. Wenn bas Centrum wollte, könnte es jetzt ben Wegfall ber Prämien burchsetzen unb wenn nicht, nun so würbe wenigstens ber Reichstag nicht bie Verantwortung für bie Aufrechterhaltung ber Prämien tragen. Abg. o. Koscielski (Pole): Für ben lanbwirthschaftlichen Osten sei jebe Vorlage unannehmbar, bie nicht die Bestimmung enthalte, baß entsprechenbe Prämien so lange gewährt werben, als bas Zucker probucirenbe Auslanb am Prämiensystem festhalte. Abg. v. Bennigsen (natl.): Durch bie Annahme eines ber Anträge bes Gi afen Stolberg, bes Fürsten Hatzfeldt ober bes Dr. Orterer werbe ber Consumpreis herabgesetzt unb so auch ein Uebergang für bie Probuction geschaffen, ba ein ermäßigter Preis zu einer Vermehrung bes Consums führe. Es sei wünschenswerth, zu einem Abschluß zu kommen, um bie Zuckerinbustrie aus bem Stadium ber Beunruhigung zu ziehen. Das werbe burch den Antrag bes Fürsten Hatzsildt nickt erreicht, ba derselbe die Prämie „bis auf Weiteres" gewähre. Er werde bem Antrag Di lerer zustimmen. Abg. Schraber (bfr.): Durch bie Erklärung bes Staats- secretärs, baß nach vier Jahren eine weitere Verlängerung Der Prämien erwogen werben könnte, sei festgestellt, baß es der Regierung lediglich auf eine Einnahmeoermehrung ankomme. Nun könnten seine Freunde noch weniger von ihren Anträgen abgehen. Die beu'sche Zuckerinbustrie bebürfe ber Prämien nicht, um sich auf bem Weltmärkte zu behaupten. Der heutige Zeitpunkt sei für die sofortige Beseitigung ber Prämien minbestens ein ebenso günstiger als jeher andere. Staaissecreiär Frhr. v. Maltzahn: Der Stanbpunkt ber Vorlage, ben er vertrete, sei, zur Zeit mit bem System ber Materialsteuer unb ber Prämien zu brechen, es sei aber geboten, bies nicht unvermittelt unb plötzlich zu tbun. Deshalb werbe eine Uebergangszeit ovrgeschlagen, nach beren Ablauf ohne neuen Act ber Gesetzgebung bie Piämie von selbst wegfällt. Nach der Meinung ber Regierung könne bie Zuckerinbustrie ben W gfall der Prämien ohne Gefahr ertragen, wenn ihr ber inlänbische Markt gesichert bleibe. Wenn wiber Erwarten die Industrie erheblich zurückgehen sollte, so würde es allerdings Pflicht von Regierung unb Volksvertretung sein, eine abermalige Inanspruchnahme ber Gesetzgebung zu erwägen. Abg. v. Staudy (cons.) befürwortet Beibehaltung bes jetzig« Systems. Abg. Uhben (cons.) beantragt, aus bem Anträge bes Fürst« Hatzfelbt die Worte „bis auf Weiteres" zu streichen. Die Anträge des Fürsten Hatzfeld unb Staudy, sowie bet Grafen zu Stolberg werben, letzterer in Namensabstimmung mit 228 gegen 16 Stimmen, abgelehnt. Mit 142 gegen 104 Stimme» wirb ferner ber Antrag Orterer abgelehnt. Für benfelben stimme» Centrum, Nationalliberale unb eine Minberheit ber Conservatioe» unb der Reichspartei. Abgelehnt wirb enblich bie Regierungsvorlage. Hierauf wirb zu 8 2 zurückgegangen, welcher eine Zuckersteuer von 22 Mk. pro 100 Kilogramm vorschlägt. Abg. Dr. Witte (bfr.) beantragt, statt 22Mk. zu setzen 16 Mk. Abgg. Gras zu Stolberg unb Dr. Orterer beantragen überein; ftimmenb einen Steuersatz von 18 Mk. Abgg. Gras v. Hoensbroich (Ctr.) unb Gras Stolberg (cons.) stimmen für 18 Mk. in ber Voraussetzung, baß in ber brüte» Lesung eine Verstänbigung über bie Uebergangszeit zu Staube komm« werbe. Abg. Richter (bfr.): Eine Erhöhung ber Consumsteuer do» 12 auf 16 Mk. würbe eine Mehreinnahme von 17 auf 18 Mk. eine solche von 26 Millionen ergeben. Zu einer solchen Erhöhung liege kein Anlaß vor, er stimme baher gegen 16 wie 18 Mk. Staatssecretär v. Maltzahn bezweifelt, baß bie verbündet« Regierungen einer Herabsetzung unter 18 Mk. zustimmen werden. Der Satz von 18 Mk. wird mit 112 gegen 108 Stimmen ab- gelehnt, ebenso ber Satz von 16 Mk., so baß eine Ziffer überhaupt nicht festgeftellt ist. Abgelehnt wirb enblich ber Zollparagraph (36 Mk. pro 100 Kilogramm). Damit ist bie zweite Lesung bes Zuckersteuergesetzes beenbet. Morgen 1 Uhr: Verträge, Gebrauchsmusterschutzgesetz u. A. Netteste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Torrespondmz-Bureau. Berlin, 29. April. Der Bundesrath stimmte dem Antrag bes Reichskanzlers zu, bie Einladung zur Chicagoer Weltausstellung anzunehmen, für die beutsche Abtheilung einen Reichscommiffar zu ernennen und einen erforderlichen Geldbetrag im Etat festzusetzen. Berlin, 29. April. Abgeordnetenhaus. Bei der zweiten Berathung des Handelsetats erklärte Ministerpräsident von Caprivi, die Verwaltung bes Welsensonbs sei unmöglich festzustellen, da die Rechnungen und Quittungen alljährlich verbrannt worben seien. Eine im vorigen Frühjahr beabsichtigte Regelung der Verwaltung sei burch die damalige Zunahme der welfischen Agitation in Hannover verhindert worden. Für bie nächste Session jedoch sei eine Vorlage betreffend die Regelung ber Verwaltung beabsichtigt, wodurch die Zweckbestimmung des Fonds erweitert, die Verwaltung durchsichtig gemacht und dem Lande die Controle verschafft würde. Die Regierung werde die Grundsätze des künftigen Gesetzes schon jetzt anwenden. An der Debatte betheiligten sich die Abgeordneten Rickert, Brüel, Richter, Heereman, Rauchhaupt und Zedlitz. Hiermit wird der Zwischenfall geschlossen. Der Handelsetat wird hierauf genehmigt. Bei dem Bergetat erklärte Minister von Berlepsch: Da ber Strike anscheinend partiell bleiben werde, sei eine Besprechung der Arbeiterfrage nicht angezeigt, um eine Schürung derselben zu vermeiden. Daß Arbeitgeber und Arbeiter zusammen gehörten, diesen Standpunkt werde er stets vertreten. Die Erziehung der jugendlichen Bergarbeiter sei eine Hauptfrage, welcher er seine volle Aufmerksamkeit zuwende- er hoffe es allmählig zu erreichen, daß heftige Explosionen, wie die jetzigen, vermieden würden. (Beifall). Auf eine Anfrage erklärte Minister Berlepsch ferner, er bestreite, baß burch den Kohlenverkaus ab Grube an einige Großhändler eine Vertheuerung entstehe. Fortsetzung Donnerstag 11 Uhr. Berlin, 29. April. Zur Leichenfeier in Kreisau ist heute früh ein Extrazug mit Theilnehmern, darunter das Präsidium des Reichstags und viele Abgeordnete, vom schlesischen Bahnhofe abgegangen. Kreisau, 29. April. Die Leiche Moltkes ist um 2 Uhr hier eingetroffen und wurde von zwölf Unteroffizieren bes Kürassierregiments „Großer Kurfürst" abwechselnd mit Infanteristen vom 38. Regiment zur Gruft getragen. An ber Haltestelle erwarteten General Levinski, Fürstbischof Kopp, sowie Vertreter der Provinzial- unb Militärbehörden den Trauerzug. Bei der Leichenparade bildeten bie Kriegervereine von Schweidnitz und des Waldenburger Kreises Spalier. Am Leichenzug beteiligte sich neben zahlreichen Deputationen auch eine beträchtliche Volksmenge, darunter Einwohner von Kreisau. An der Gruft hielt Pastor Schirs-Gräditz bie Trauerrebe. Gesang eröffnete und schloß bie Todtenfeier, welche binnen einer halben Stunde beendet war. Esten, 29. April. Nach der „Rhein.-Westsälischen Ztg." beziffert sich die Zahl ber heute früh noch Aus ständigen auf 9500. Der Ausstand habe Nachmittags noch weiter nachgelaffen. Ese», 29. April. Der Strike ist in weiterem Abnehmen begriffen. Laut der „Rhein.-Westf. Ztg." sind heute bedeutend mehr Arbeiter angefahren. Fast vollzählig arbeiten: „Königin Elisabeth", „Schacht Wilhelm", die Zechen „Bereinigte Hagenbeck", „Johann Deimelsberg", „Königs- grube", „Vereinigte Germania" und „Alstaden". Im Gelsenkirchener und Herner Revier arbeiten die Zechen vollzählig. Gelsenkirchen, 29. April. Auf Schacht „Wilhelmine Dictoria" waren zur gestrigen Nachmittagsschicht 62 Arbeiter nicht angefahren. Heute arbeitet Alles, ebenso die Morgenschicht. Sonst ist die Lage unverändert. Bochum, 29. April. Aus den Zechen „Hibernia" ist heute zur Frühschicht alles angesahren. Karlsruhe, 29. April. Die von den socialdemokratischen Wahlvereinen in Karlsruhe und Mühlburg für Sonntag den 3. Mai, Nachmittags, geplanten Aufzüge nach benachbarten Ortschaften wurden verboten. Braunschweig, 29. April. Für das ganze Herzogthum find Versammlungen unter freiem Himmel, öffentliche Auszüge und Ueberschreitung der Polizeistunde am 1. und 3. Mai untersagt worden. Hamburg, 29. April. Die „Hamburgische Börsenhalle" meldet aus Jquique in Chile: Die Congreßtruppen unter Führung des Obersten Holley nahmen Copiaco, die Hauptstadt der Provinz Atacama, ein. Die Truppen Balmacedas (500 Mann) flohen nach San-Antonio. Wien, 29. April. Mehrere Bezirkshauptmannschaften verschiedener Provinzen untersagten die für den 1. Mai beabsichtigten corporativenKundgebungenderArbeiter, ebenso wurden Arbeiterversammlungen mehrfach verboten. Die Arbeiter vieler industrieller Etablissements beschlossen, am 1. Mai nicht zu feiern. Wien, 29. April. Der Gemeinderath beschloß in seiner heurigen Sitzung, den im Mai hier stattfindenden Post- und Telegraphencongreß festlich zu begrüßen und einen Kredit hierfür zu bewilligen. Paris, 29. April. Für den 1. Mai find hier die G ewehrhändler polizeilich aufgefordert worden, ihre Vor- räthe an Munition in Sicherheit zu bringen und ihre Läden zu schließen. Ebenso erging an die Händler mit alten Chaffe- pots, Bajonetten u. dgl. die Aufforderung, diese Waffen in sicheren Gewahrsam zu bringen. Paris, 29. April. Die Regierung trifft zum 1. Mai umfassende Maßnahmen. Dem Vernehmen nach sind bereits für heute zahlreiche Haussuchungen, nöthigenfalls Verhaftungen, von Anarchisten angeordnet, welche für revolutionäre Kundgebungen am 1. Mai agitiren. In Folge der jüngst verbreiteten Maueranfchläge, durch die das Militär zur Meuterei ausgefordert wird, sollen die Soldaten von heute bis nach dem 1. Mai in den Kasernen consignirt werden. Paris, 29. April. Eine Verhaftung von Anarchisten hat heute Vormittag nicht stattgefunden. Der Polizeipräfect empfing die Commissäre und instruirte sie über ihr Verhalten am 1. Mai. Paris, 29. April. Ein Maueranschlag verkündet, daß die Delegirten von Roubaix, Bordeaux und anderer Städte mit den Pariser Delegirten am 1. Mai um 2 Uhr nach dem Palais Bourbon sich begeben werden, um ihre Aufträge den öffentlichen Gewalten zu überreichen und zu versichern, daß im Kampfe um die Emancipation der Arbeit Paris und die Departements zufammenstchen. Marseille, 29. April. Entsprechend einer Bekanntmachung der Regierung ordneten die Ortsbehörden an, am 1. Mai Kundgebungen auf öffentlichen Wegen zu verhindern. Polizei- und Gensdarmerie-Patrouillen werden in den Straßen verkehren und Abtheilungen der Truppen werden verschiedene Punkte der Stadt besetzt halten. Roubaix, 29. April. Sämmtliche Arbeiter-Schiedsrichter unterzeichneten einen Aufruf, worin Arbeitgeber und Arbeiter aufgefordert werden, am 1. Mai zu feiern. Tülle, 29. April. Ein Erlaß der Verwaltung der Staatswaffenfabrik untersagt den Arbeitern bei Strafe der Entlassung, am 1. Mai zu feiern. Brussel, 29. April. Die Truppen in den Garnisonen der großen Städte sind für den 1. Mai consignirt, die Gensdarmeriecorps in den Arbeitercentren verstärkt. Brüssel, 29. April. Eine Telegramm der „Resorme" aus La Louviere besagt, eine zahlreiche Arbeiterversammlung beschloß einstimmig, am 2. Mai allgemein zu feiern. Nach der „Resorme" scheinen die Arbeiter im Borinage ebenfalls sich anzuschicken, insgesammr am 2. Mai zu striken. Die „Resorme" beschwört die Arbeiter, diesen Fehler nicht zu begehen. Petersburg, 29. April. Das Stadthaupt ordnete im Anschluß an den Erlaß, welcher jüdischen Handwerkern die Ansiedelung in Moskau verbietet, an, daß denselben auch die Niederlassung in Petersburg verwehrt und ihnen Orte, wo den Juden der Aufenthalt gestattet ist, als Wohnort angewiesen werden. Chattanooga (Tennessee), 29. April. Heute früh brach auf der Station der Ost-Tenneffee-Virginia- und Georgia- Eisenbahn Fe u er aus, welches das Stationsgebäude, hundert Güterwagen und ca. fünfzehn in der Nähe gelegene Häuser zerstörte. Bei Abgang dieser Meldung war man des Feuers noch nicht Herr. Der Schaden wird schon jetzt auf eine Million Dollars geschätzt. Cocales und Provinzielles. Gießen, 30. April. — Gelegenheit zu einer Pfiugsttour in die Vogesen bietet ein am 16. Mai von Frankfurt nach Straßburg gehender Extrazug. In Frankfurt, Mainz und Worms werden Retourbillete zu ermäßigten Fahrpreisen mit siebentägiger Gültigkeitsdauer ausgegeben. — Se. Kgl. Hoheit der Großherzog kehrte gestern von Berlin aus wieder nach Alsfeld, bezw. Romrod zurück. — Naudervörträge über landwirthschaftliche Frage» finden statt: am Samstag den 2. Mai in Wenings (Rathhaus- faal), am Sonntag den 3. Mai in Altenstadt (Rahn'sche Wirthschaft), am Sonntag den 10. Mai in Bleichenbach (Rathhaussaal), an demselben Tage Nachmittags in Borsdorf. In jeder dieser Versammlungen find Fragekästen aufgestellt. o° Ober Ohmen, 29. April. Die diesjährigen H o lz- ver st eigerungen neigen sich ihrem Ende zu. Auffallend ist dabei, daß die Preise für Brennholz bei diesen letzten Versteigerungen eine Höhe erreichten, die selbst die Preise bei den ersten Holzversteigerungen, zu deren Zeit dockt die Nachfrage stets am stärksten ist, weit übertrafen. So bezahlte man bei der letzten Holzversteigerung der Freiherrlich Riedesel'schen Waldungen in unserer Gemarkung 4 Raummeter Buchenspalten mit 40 Mark, nachdem bei anderen Versteigerungen dieselben nicht selten für 20 bis 25 Mark abgingen. Diese starke Preissteigerung wurde nur verursacht durch den langen Nachwinter, der eine Menge Brennmaterial erforderte. — Ruppertenrod, 29. April. Wie vorsichtig man bei Umgang mit Carbolineum sein soll, zeigt folgender Vorfall. Ein hiesiger Landwirth hatte seinen neuen Pflug mit Carbolineum imprägniren lassen. Er nahm nun denselben gestern in Gebrauch, bevor er ganz trocken geworden war. Beim Pflügen erhitzte sich der Mann und wischte sich den Schweiß mit der bloßen Hand vom Gesicht. Bald darnach verspürte er einen stark brennenden Schmerz im Gesicht, der sich immer mehr steigerte. Das Gesicht schwoll hierauf so stark an, daß er nicht gut mehr zu sehen vermochte. Er mußte nach Hause eilen, das Bett hüten und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Seinem 12jährigen Sohne, der das Pflügen nach des Vaters Heimkehr fortsetzte, erging es, wenn auch gelinder, ähnlich so. Auch dieser hatte sich mit der einen Hand über das Gesicht gefahren, wonach die ganze Gesichtshälfte anschwoll und Schmerz verursachte. Hätte der Mann oder sein Sohn irgend eine Verletzung in der Hand oder im Gesicht gehabt, so hätte hiernach leicht eine schwere Blutvergiftung entstehen können. Hungen, 28. April. In diesen Tagen starb dahier Herr Bezirksbauaufseher Heineck. Der Verstorbene war lange Zeit im hiesigen Bezirke amtlich thätig und wurde vor etwa zwei Jahren pensionirt. — Daß auch in unserer Zeit die Klasse der Leute noch nicht ausgestorben ist, welche ihre Schätze trotz aller Sparkassen und zinstragenden Werthpapiere in einew sicheren Versteck zu Haufe am besten aufgehoben glauben, bewies kürzlich ein altes Bäuerlein aus der Wette rau, welches bei einer Darmstädter Behörde ein Geschäft abzuwickeln hatte und bei dieser Gelegenheit eine Summe von einigen Tausend Mark in 10- und 20-Markstücken vorlegte, der man es an der Verpackung anmerkte, daß sie schon manches Jahr- wohlverwahrt im Schrein geruht haben mochte. Diese Ver- muthung wurde von dem Besitzer auch durchaus bestätigt. Für den Hinweis, daß er doch durch diese Art des Aufbewahrens schon manches Hundert Mark Zinsen verloren habe, schien ihm das rechte Verständniß zu fehlen. Er ist jedenfalls auch jetzt noch überzeugt, daß er es so am klügsten gemacht hat. — Kleine Mittheilungen aus dem Großherzogthum Hessen. Der von den Darmstädter Fach- und Gewerkschaftsorganisationen für den 3. Mai geplante öffentliche Umzug zur Demonstration für den Achtstundenarbeitstag ist vom Großh. Polizeiamt untersagt worden. — In Egelsbach fiel am Sonntag ein zweijähriges Kind in eine Dünggrube und ertrank. — Eine Deputation rheinhessischer Wirthe überreichte am Samstag dem Landtagsabgeordneten Pennnch in Bingen in Anerkennung seiner Verdienste um die Abschaffung der Weinsteuer einen silbernen Pokal mit entsprechender Inschrift. — In Worms wurden zwei Personen verhaftet, die das dortige Bismarck-Denkmal Nachts mit Koth beschmiert haben sollen. Vermischtes. * Aus der Bergstraße, 28. April. In der Gemeinde D. bei der Kreisstadt H. sandte kürzlich ein junger Mann seinem von schwerer Krankheit genesenden Freunde einen abgezogenen Hasen zur Kräftigung des Reconvalescenten. Als das Mahl verzehrt war, brachte der so generös Beschenkte in Erfahrung, daß der Braten keineswegs von einem Hasen herrührte, wohl aber von einer Katze, öie. des Spenders Pferd todtgetreten hatte. Der „Freundschaftsact" dürste demnächst ein gerichtliches Nachspiel finden. — Ein bekannter Bierbrauer kaufte dieser Tage von einem Landwirth und einem Handelsmann je ein Pferd um zusammen — 60 Liter Bier. * Frankfurt a. M., 29. April. Eine gute Einnahme hat gestern das Kgl. Hauptsteueramt gemacht. Der Vorstand der Electrischen Ausstellung bezahlte demselben nämlich den Reichsstempel für die auszugebenden 120,000 Antheilscheine mit 30,000 Mark baar. Sowie die Stempelung eines erheblichen Theils der Antheilscheine vollzogen sein wird, was mehrere Tage in Anspruch nimmt; kann der Umtausch der bereits eingezahlten und der Verkauf effectiber Antheilscheine beginnen. — Frankfurt a. M., 29. April. Stoltze-Denkmal. S täd tecongre ß. Der Ausschuß für die Errichtung des Stoltze-Denkmals hielt eine Sitzung ab, in welcher ein engerer Ausschuß, bestehend aus sieben Herren, gewählt wurde. Es wurde sodann beschlossen, alsbald einen Aufruf an die Bürgerschaft zu erlaffen. Die Frage, ob eine Büste oder ein Standbild gewählt werden solle, wurde noch nicht entschieden. Zum Schlüsse wurde ein Ehrenausschuß, bestehend aus den Herren: Finanzminister Dr. Miquel, Oberbürgermeister Adickes und Dr. Wilh. Jordan gewählt. — Ende August oder Anfang September wird in den Mauern unserer Stadt ein Städte- congreß stattfinden, der vom Magistrat der Stadt Frankfurt berufen wird. Einladungen zur Theilnahme an demselben werden erhalten die Magistrate der größeren Städte Deutschlands, Oesterreich-UngarnS, der Schweiz, Belgiens, Hollands, Italiens, Scandinaviens. Der Congreß soll drei Tage dauer». Für die beiden ersten Tage sind Vorträge und Demonstrationen der ersten Fachmänner auf dem Gebiete der Electrotechnik mit besonderer Rücksicht auf die Anlage von städtischen Centralstationen für Beleuchtung und Kraftübertragung in Aussicht genommen. Andere Vorträge über communale Einrichtungen sollen sich anschließen. Am dritten Tage soll ein gemeinsam er Ausflug stattfinden. Es hat sich ein Ausschuß gebildet, welcher die Vorbereitungen für den Congreß trifft. * Versicherungs-Hoheiten. Kürzlich wurde die Frage aufgeworfen, welche Personen ihr Leben mit den höchsten Beträgen versichert haben. Die in Folge dessen angestellten Nachforschungen haben folgende Ergebnisse geliefert: Der Gras v. Dudley, einer der reichsten Männer der englischen Aristokratie, hat sein Leben mit 1,200,000 Pfd. Sterl. (24 Millionen Mark) versichern lassen, die nach seinem Tode der von ihm eingesetzte Erbe erhält. Dicht hinter dem Grafen von Dudley steht Herr Wanamaker, der Generaldirector der Posten in den Vereinigten Staaten, auf der Liste, dessen Police einen Werth von mehr als 20 Millionen Mark hat, für die er jährlich eine Prämie von 840,000 Mark zahlt. Da das Risiko für eine einzige Gesellschaft zu groß wäre, haben es 29 durchaus sichere Gesellschaften zusammen übernommen. Amerika ist überhaupt das Eldorado der Lebensversicherungen. Die Leiter des „Boston Herald", des „Philadelphia Ledger", der „Chicago Tribüne", der „Evening Post" und anderer bekannten Zeitungen haben ihr Leben zu Summen versichern lassen, die je zwischen vier und zwei Millionen Mk. variireu. Auch Prinzen und Fürsten zeigen sich dieser Art von Sicherstellung des Geldes nicht abgeneigt, da sie begreifen, daß Vermögensverhältnifse in diesen unsicheren Zeitläuften großen Schwankungen unterworfen sind. So hat z. B. der Prinz von Wales fein Leben mit 650,000 Pfd. Sterl. (13 Millionen Mk.) versichern lassen. Angesichts solcher Versicherungssummen kann man den Gegnern der Lebensversicherung nicht ganz Unrecht geben, wenn sie behaupten, von der Lebensversicherung hätten nur die Begüterten Vortheile, denn eine solche früher oder später eintretende Capitalanhäusung kann unmöglich nur dazu dienen, „die Hinterbliebenen vor Nahrungssorgen zu schützen." Literatur und Ktmft — Eine Kunde die vor einigen Woche« die Zeit««-«« durchlief, ist in Erfüllung gegangen: Die Werke oes liebens- würdigsten deutschen Erzählers aus der besten Zeit der deutsche» Literatur erscheinen in einer großen monumentalen Prachtausgabe, deren erste Lieferung uns soeben zugegangen ist. Und daß wir es gleich voraussagen: der Wurf ist geglückt, das deutsche Volk erhält eine Ausgabe seines Wilhelm Hauff, wie sie sich schöner, wirkungsvoller und gediegener nicht denken läßt. Zu erwarten war's freilich, denn wer die Prachtausgaben der größten Heroen der deutsche» Literatur, Schillers und Göthes, sowie die Shakespeares kannte, die im Laufe der letzten zwölf Jahre von der Deutschen Verlags- Anstalt in Stuttgart herausgegeben worden sind, durfte sich auch von der jüngsten Fortsetzung dieser Hausbtbliothek klassischer Autoren in elegantem Gewände etwas versprechen. In Frage konnte nur kommen, ob es gelingen würde, die gerade in neuester Zeit so rapiden technischen Fortschritte auch hier zum Ausdruck z» bringen. Nun, es ist gelungen! Der Holzschnitt entfaltet hier de» ganzen Zauber toniger Behandlung, der von der Starrheit abweicht und alles in eine warme poetische Stimmung rückt. Bild und Text sind mit erdenklichster Accuratesse gedruckt, einladend zum Beschauen, einladend zum Lesen und darum — das wollen wir hoffen und befürworten — einladend zum Erwerben. Eine Reihe der besten Künstler hat sich zusammengethan, das Lebenswerk des früh dahin- geschiedeuen und doch unsterblich gewordenen Dichters mit de« ganzen Reiz künstlerischen Schmucks auszuftatten. Und gerade Hauff bietet dafür die dankbarsten Vorwürfe, man denke an den romantischen „Lichtenstein", an die geheimnißvollen „Phantasien im Bremer RathS- keller", an die poetischen „Märchen", die feinen Novellen wie „Bettlerin von Pont des Arts", „Jud Süß" rc., die geistvolle Satire „Der Mann im Mond", die meisterhaften Memoiren des Satans u. a. — welche Fülle der Gestalten und Situationen, welche Kontraste, wie viel des Poetischen und Stimmungsvollen! Und dazu Künstler wie Langhammer, Häberlin, Bergen, W. Friedrich, Cloß, Leinweber, Fette, Gause rc. und deren Werke in Schnitten von Brendamour, Käseberg & Oertel, Cloß und aus anderen ersten xylographischen Ateliers. Auch der Text ist mit aller Sorgfalt wtedergegeben und revidirt von einem Landsmann des Dichters, dem 0r. Cäsar Flaischlen, der sich besonders durch seine Literaturtabelle auch über die Kreise seiner Fachgenossen hinaus Anerkennung erworben hat. — Wenn wir oben sagten, daß das deutsche „Volk" eine musterhafte Ausgabe seines Hauff erhalte, so war das Wort „Volk" mit Vorbedacht gewählt, im großen und umfassenden Sin». Nicht an Bücherfreunde allein, nicht an den Besitzenden vorzugsweise: an jeden Deutschen, an jedes deutsche Haus und Heim wendet sich dieser Hauff, er will Freund und Genosse fein, will mit Stunde» unerschöpflicher und edler Unterhaltung vergelten, daß man ihn ausgenommen. Mancher möchte nach dieser Anzeige wohl kaufen, denkt aber, er könne nicht, der Beutel sei zu klein, gebe es nicht her — dem ist jedoch nicht so. Wer Neigung hat, kann hingehen und kaufen, die 50 Pfennig, welche jede Lieferung kostet, kann Jeder aufbrtngen und dem kostbaren Besitz opfern. Daß es deren recht Viele feien, wünschen wir der Deutschen Verlags-Anstalt, die durch ihren Glauben an den Absatz dieses Buches am besten bewiesen hat, daß sie den Glauben an den Idealismus des deutschen Volkes nicht verloren hat. — Kurzes Repetitorium der internen Medici«, Neroe»- krankheiten und der kltniichen Untersuchungsmethoden als Vademecum für die Klinik und die Praxis, sowie als Katechismus für Colloqium und Rigorosum nach den Werken und Vorlesungen von Slrümpell, Eichhorft, Leyden, Leube, Kahler, Nothnagel, Jurgensen rc. gearbeitet von Dr. Egon Werner. I. Specielle Pathologie und Therapie. Verlag von M. Breitenstein. Men. Preis 1.80 Mk. Das vorliegende Büchlein dürfte ebenso wie das im selben Verlage erschienene „Kurze Repetitorium der Chirurgie der Medictn", insbesondere den Prüfungecandidaten sehr willkommen sein, indem es in gedrängtester Kürze Alles enthält, was für das Examen zu wissen unerläßlich ist. Alle wichtigen Krankheiten, soweit sie nicht in das Gebiet des Specialisten gehören, sind hier auf Grund der Werke der hervorragendsten Kliniker und Professoren der Gegenwart nach einem ungemein übersichtlichen Schema dargestellt; dieses Schema, welches die Aetiologie, Pathologie, Symplome, Diagnose, Prognose und Therapie (mit den av gewähltesten Recepten) umsaßt, erleichtert das Studium und vor Allem die Repetition ungemein, indem es ermöglicht, kurze Zell von der Prüfung in rascher Wiederholung einen Ueberblick über das ganze große Gebiet der internen Medicin zu gewinnen. Aber auch für die practifchen Aerzte, sowie für die Klinik wird das vorliegende handliche Merkchen ein nützliches Vademecum bilden. — Der Preis dtefes practifchen Büchleins ist trotz seines reichen Inhaltes ein sehr mäßiger. L n die 3üt««M Werke Des Hebend 3’it der dmischm iltn Prachtauigabe, . Und daß wir es »rutsche Volk erhält । schöner, wirkungs- rtffl war’6 freM Den bet deutsch« kkespesreS lanntt, eulschm Verlag , duckt srch auch tt)tl VwWWt *. W nnade In neuester • ium Ausdruck >i :t entfaltet hier da : Starrheit abmich jit. W uildlkl! 6tnb M BislhE tu mit ""t « M-d- * er! d-S H *' DMs mit 1” Und S-r-d- h-Ä llt km tomm'W ta Sterner M = gat Slovtl“ * “ di- M°L ttn M-°>°ir-° »» Situationen, vü- VäS-E mit Lss ’«wtf tt«< t* to, tonn M jener ®«i't«1* $>* 80 s”: w ,-x di 7 fie n^1 xLtzS edti»“5 n) '»*J ' ^n^Me S'MwH ^otej Jai)t,l Bekanntmachung. E wird hierdurch öffentlich bekannt gemacht, daß, nachdem der Antrag der Firma Martin FuehÄ in Diez et. d. Lahn auf Eröffnung des Con- cursverfahrens über das Vermögen Wiederum sind viele Neuheiten in Engl. Tüll-Vor- Z | e r t^h ouVen Sen ist ^ur düngen, creme und weiß, eingetroffen. — Abgepaßte d, ; h ’ wQL0apniäü 98 her Vorhänge, das Fenster von? VÄ™ ■Aa3XUtnb 2!So®bnunTS «SeÄe” 50 ^rClt' Meter ® > aufeernngsoetbot an den Schuldner 4s L>, 50 St, 60 70 L, und hoher. — Reste u. einzelne M! ethlien worden ist fN 1/90 F-nst.- stets unter Preis. - Aeltere Dessins spottbillig. | pgj den 28 April 1891. 1938 Fratz MowaeSi, Seltcrdtoeg. Z; Königliches Amtsgericht. c4135 Oberhessisch—Hessischer Verkehr. An Stelle des Tarifs vom 1. Mai 1888 sammt Nachträgen tritt am 1. k. M. ein ; neuer Gütertarif für den vorbezeichneten; Verkehr in Kraft. Ueber den Inhalt desselben, welcher i zum Preise von 55 H pro Exemplar von! unserer Magazinsverwaltung zu beziehen ist, ertbeilen die Güterabfertigungsftellen i jede gewünschte Auskunft > Gießen, den 27. April 1891. Grohh. Direction 4136 der Oberhessischen Eisenbahnen- Gebn Stamm 3341 Schwarze rein wollene Kleiderstoffe (glatt und gemustert) zu Fabrikpreisen bei — Das bekannte Familienblatt »öittiet SRobe* hält auch dieses Jahr an dem practischen Grundsätze fest, in den Sommer- wenaien, da so viele Zeitschriften ihre Spalten mit Mittelgut füllen, womöglich noch Besseres zu bieten als gewöhnlich. Das neue Heft diesär vortrefflichen Modezeitung enthält die reizendsten Sachen welche wir je gesehen. Da gibt cs zunächst auf dem Umschlag ein farbiges Genrebild: zwei Kinder, welche einem großen Hund ein Stück Kuchen reichen; das ist ein Modebild von ganz exquisitem Geschmack; dergleichen ledenswahre Figuren sind bisher niemals in Modeblättern gebracht worden, sie werfen das thörichte Vorurtheil, ein Modebild müsse outrirt und verzeichnet sein, um ein Kleid zur Geltung zu bringen, gründlich über den Haufen. Auf der Rückseite des Umschlages präsenttren sich drei Wienerinnen in ungemein kleidsamen Wiener Sommerhüten (colortrt). Im Heft selbst gibt es practischc, einfach elegante Wiener Toiletten die Fülle: Straßenkletder, Besuchskleider, Hausktcider, Negligös, dann Frisuren, Wäsche und Handarbeiten aus der guten Metsterschule von Wien. Limburg, 29. April. JL 21.15, weißer Weizen JL - Hafer JL 9 —, Erbsen —, Schiffsnachviehten. Bremen, 28. April. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Aller, Capt. H- Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. April von Bremen uird am 19. April von Southampton abgegangen war, ist gestern 12 Uhr Nachts wohlbehalten in Newyork angekommen. verdichteten Harnsäuren Salze wieder aufzulösen und aus dem Körper durch Nieren und Blase wieder auszuscheidcn. Auch die gichtischen und rheumatischen Anschwellungen in den Gelenken werden dadurch wieder zum Schwinden gebracht. Gleichzeitig findet durch die Wirkungen des Bonifaciusbrunnens eine vollständige Umbildung der Blut- und Säftemischung des menschlichen Körpers und Heilung der angeführten Leiden statt. Alltäglich wird von renommirtesten Aerzten bestätigt, daß sie mit der Anwendung des Bonifaciusbrunnens Heilerfolge selbst in de» schwersten Krankheitsfällen gedachter Art erzielten, die sie vorher mit allen anderen Mitteln vergeblich versucht hatten. Es verbreitet sich demgemäß der Ruf des Bades Salzschlirf rcsp. seines Bonifaciusbrunnens immer mehr und bis in die entferntesten Welttheile. — Niederlagen des Bonifaciusbrunnens befinden sich in den Mine- ralwasferhandlungen und Apotheken. Analysen, Gebrauchsanweisungen, sowie Badebroschürcn werden porto- und kostenfrei versandt von der Brunnen- und Badeoerwaltung zu Salzschlirf. Vevkehv, Land- and MfeWvv; . S Hungen, 27. April. Vieh- und Krämermarkt. Der heute dahier ftattgefundene Markt, der sogenannte „Pfingft-Markt", war, durch gutes Wetter begünstigt, recht zahlreich besucht. Auf dem Viehmarkt herrschte lebhafter Verkehr und war sowohl von Seiten der Landwirthe wie auch der Händler eine grnße Anzahl Schweine, Ferkel und Läufer auffietrieben worden. Es wurde fast alles verkauft und hielten sich die Preise trotz der ungünstigen Frühjahrsaussichten auf der seitheringen Höhe. Das Paar Ferkel wurde mit 25 bis 40 Mk. bezahlt. Läufer kosteten 40 bis 60 Mk. und mehr. Auch der Krämermarkt war gut besucht. Ariedberg, 29. April. Buttermarkt. Butter kostete per Pfd. JL 0,90-1,10. Eier 1 St. 6 2 St. 11 H. Fruchtmarkt. Rother Weizen , Korn JL 16.05, Gerste Jü 12—, Kartoffeln —. Aimrze mk Wige ZeikeHoffe ■ Girca aus der Fabrik von von Elten & Keusscn, Crefeld, Maa verlange Muster mit Angabe des Gewünschten. — Ueber die Gchwar»wur-el. Die Schwarzwurzel I (Seorzonera) ist ein äußerst wohlschmeckendes, leickt oecdaoliches I Gemüse, welches zum Anbau für den Hausgarten nicht genug empfohlen werden kann. Man säe die Schwarzwurzel Ende April und zwar dort, wo man Gelegenheit hat, gut jäten zu können, breitwürfig, wo man sich mit einem Aushacken des Unkrauts begnügen muß, in Reihen von 35 bis 50 Ctm. Abstand, je nach Bo'oenqualität. Tritt trockene Witterung nach der Saat ein, so muß begossen werden. Auch eine Aussaat im August ist möglich, wenn das Land schon eine Frucht getragen hat. Bei erstgenannter Saatzeit kann unter günstigen Verhältnissen schon im ersten Hrrbst ein Theil der Wurzeln geerntet werden, bc< letztgenannter natü-lich erst im Herbst des folgenden Jahres. Für den Winterbedars bringt man einen Theil in den Keller. Das Schießen in Saat braucht nicht verhindert zu werden, da die Güte der Wurzeln hier nicht darunter leidet. Bad Salzschlirf. So groß wie das Heer der Lungenkranken ist die Zahl der an Stoffwechfelkrankheiten Leidenden. Währenddem erstere jedoch ihre auf das Koch'scke Tuberkulin gesetzten Hoffnungen leider nicht erfüllt sehen, haben sich die seit einigen Jahren ärztlich in Anwendung gebrachten Lithiumsalze als specifisches Heilmittel gegen die Stoffwechselkrankheiten glänzend bewährt und zwar gerade bei deren schwersten Formen, wie Gicht, Gries- und Steinbildung in den Nieren und Blase, Gelenkrheumatismus rc. Verursacht werden diese Leiden durch die sich in Folge unrichtiger Blut- und Säftemischung im Körper bildenden und ablagernden Harnsäuren Salze. Voraus gehen meist Verdauuugsftörungen, Magen-und Darmkatarrhe, Leberleiden rc. Am wirksamsten bekämpft werden letztere Krankheiten durch salz- und kohlensäure- haltige Mineralwasser, als welches in Folge glücklicher chemischer Zusammensetzung und Leichtoerdaulichkeit der Salzschlirfer Bonifaciusbrunnen den ersten Rang einnimmt. — Bezüglich des Heilerfolgs gegen ersterwähnte Krankheitsgruppe (Gicht, Gries- unb Steinbildung rc.) steht dagegen die Bonifaciusquelle ihres hohen Lithiumgehalts wegen einzig da; es übertrifft derselbe denjenigen aller anderen Quellen um's zehn- bis zwanzigfache. Das Lithion besitzt bekanntlich unter den Arzneimitteln die alleinige Eigenschaft, die sich im Körper ablagernden und zu Gries und Stein U" Schulbuchcv vorräthig in der Buchhandlung von E. Trenckmann Gietzen. Sonncnstraßc 5, am Kanzleiberg. NWKL Heute Morgen 9 Uhr wurde meine liebe Frau Emilie Orbig, geh. kio«, in Darmstadt, wo sie bei ihren Eltern Erholung erhoffte, von ihren langen Leiden durch einen sanften Tod erlöst. Ich bitte um stille Theilnahme. Univ.-Quästor A. Orfrig* und Kinder. Giessen, 30. April 1891. 4151 Statt jeder besonderen Anzeige diene hiermit allen Verwandten, b renn den und Bekannten zur Nachricht, dass es Gott gefallen, unseren guten Gatten, Vater, Bruder, Schwager und Onkel Herrn Wilhelm Fillmann in ein besseres Jenseits abzurufen. Giessen, den 29. April 1891. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen : Lina Fillmann und Kinder. Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 3 Uhr, vom Sterbehause, Kirchenplatz 15, aus statt. 415g 3762] Mobltrtes Zimmer mit Cabinet 4146] Ein gebrauchter gut erhaltener zu vermiethen. Ludwigsplatz 3, III. j Einspänner-Wagen zu kaufen gesucht. ! Von wem? sagt die Exped. d. Bl. Wermietyrmgen. 3162] Neu hergerichtete Familienwoh- i »ung, drei Zimmer mit allem Zubehör, I alsbald zu vermiethen. ____Wallthorstraße 32. 4148] Der zweite Stock zu vermiethen. Wolsstraße 10, Ecke der Grünbergerstr. 4130] Ein kleines Logis, bestehend aus zwei Zimmern mit Zubehör, alsbald zu vermiethen. 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Ringkämpfer Carl Abs fordert sämmtliche starken Männer von Gießen und Umgegend zum Ringkampf auf und sichert eine Prämie von 300 Mark Demjenigen, der ihn reg"lrecht besiegt. T Ein [4161 T ♦ herzliches Lebewohl ♦ ▼ unserem hochverehrten ♦ Herrn ♦ ♦ Hauptmann Hiepe.^ Die Unteroffiziere und ▲ Mannschaften X der 3. Landwehr-Compagnie J liegen gute Sicherheit für Herbst zu leihen ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Wbc$T,ten 6Ub A-46360 b,t Derjenige Herr, welcher am Sonntag den Stock in der Bob'schen Wtrthschaft mitgenommen hat, wird ers., solchen sof. das. abzuliefern, da sonst gerichtl. vorgegangen wird. [4128] Der Eigenthümer. 4129] Suche für ein junges bescheidenes Mädchen vom Lande behufs Erlernung des besseren Haushaltes, sowie im Interesse ihrer körperlichen und geistigen Ausbildung Unterkunft bei einer freundlichen gebildeten Dame. Gutes Honorar sichere ich zu. Gefällige Offerten unter W. 1000 postlagernd Weilburg. 4010] Ich suche einen Lehrling oder kräftigen Burschen für dauernde Arbeit. 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Hiermit die traurige Nachricht, daß unser lieber hoffnungsvoller Sohn und Bruder nach schwerem Kranksein gestern im vollendeten fiebenten Jahre sanft entschlafen ist. Um stille Theilnahme bitten Buchhalter Carl Becker und Familie. Gießen, 30. April 1891. 4164 Die Beerdigung findet Freitag, den 1. Mai, Nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause Schillerstraße 27 aus statt. ÄöKKtKe MUMME s GMchN. Freitag den 1. Mai (Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr. 100. - 189L Feuilleton. D i e Lan^meisterin. Novellette von Jenny Piorkowska. (Nachdruck verboten.) „Eins, zwe^ drei, vier, fünf, sechs! — Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs! — Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs! Bitte, Vicomte, den rechten Fuß schneller heben! Etwas mehr auf den Fußspitzen! — Noch einmal, vier, fünf, sechs! — Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs Ein Jeder, der Mademoiselle Gervaux kannte, mußte zugeben, daß sie nicht nur die erste Tanzmeisterin von Paris war, sondern daß sie mit ihren lebhaften, lachenden Augen, dem frischen Teint und der geschmeidigen, schlanken Gestalt auch sicher mit zu den hübschesten Mädchen der französischen Hauptstadt zählte. Dieser Meinung war auch Mademoiselles neuer Schüler, der Vicomte Alphonse Carmignol, ein stattlicher junger Mann, der sich in der wenig angenehmen Lage befand, allein im Zimmer herumchasfiren zu müssen- die verschiedenen Spiegel ringsum zeigten ihm dabei ein Bild, das eingedenk der zwei dunklen Augen, die einen jeder seiner Schritte mit kritischem Blicke beobachteten, keineswegs dazu angethan war, seiner Eitelkeit zu schmeicheln. Der Vicomte war ein junger Marineoffizier, der längere Zeit im Auslande gedient hatte und erst vor wenigen Tagen nach Paris zurückgekehrt war, wo er in den hohen und höchsten Kreisen aufs Herzlichste willkommen geheißen wurde. Er hätte wohl noch länger die Freiheit in fernen Landen genossen, wenn ihn nicht besondere Gründe in die Heimath zurückgerufen hätten. Sein verstorbener Onkel hatte ihn in seinem letzten Willen als Universalerben eingesetzt, unter einer Bedingung, daß derselbe die Tochter seines liebsten Freundes, des Marquis de la Penthiere, zur Gemahlin wählte. Sollte dagegen der junge Mann sich rocigern, die schöne Comteß Marguerite als Gattin heimzuführen oder diese einen andern dem jungen Vicomte vorziehen, so fiele das ganze enorme Vermögen des Erblassers milden Stiftungen zu. Als letzter Termin zur Erfüllung dieser Clausel, als letzter Tag, an dem beide Theile einander das Jawort geben mußten, war der 20. März bestimmt. Heute war Samstag, der verhängnisvolle Tag war in einer Woche, am nächsten Sonntag. An diesem Tage sollte im Hause des Marquis ein großes Diner stattfinden, und feine Tochter und der junge Vicomte der Gesellschaft als Brautpaar vorgestellt werden. Der junge Vicomte hatte seine Ankunft in Paris erst für den 18. März angemeldet- in Wahrheit war er jedoch schon acht Tage früher daselbst eingetroffen, mit der Absicht, die Bekanntschaft der ihm bestimmten Braut zuvörderst in- cognito zu machen. Gleich am ersten Tage seiner Anwesenheit in Paris erhielt er eine Einladung zu einem Maskenball im Hause des deutschen Gesandten. Das gab ihm die beste Gelegenheit, die Comteß ohne deren Wissen kennen zu lernen. Um sich aber in der vornehmen Pariser Gesellschaft als liebenswürdiger galanter Vicomte zu zeigen, fehlte demselben eins: er konnte nicht tanzen! Und schnell entschlossen, begab er sich eines Morgens zu der berühmten Tanzmeisterin Mademoiselle Gervaux. Er trug derselben sein Anliegen vor und legte ihr in ungenirter Weise seine ganze Lage ohne Rückhalt dar- er erzählte ihr, wie sehr es ihn danach verlangte, seine zukünftige Gemahlin kennen zu lernen, wie er hoffte, im Haufe der deutschen Gesandtschaft ihre Bekanntschaft in- cognito zu machen und wie dringend er wünschte, bis dahin als gewandter^Tänzer austreten zu können- ob sie das für möglich halte? „Gewiß," entgegnete Mademoiselle, „ich verspreche Ihnen, mir alle Mühe geben zu wollen, damit Ihre schöne Comteß zufrieden mit Ihnen ist." Der Unterricht begann an demselben Tage. Anfangs zeigte der Vicomte großen Eifer, aber es währte nicht lange, so entdeckte er, daß es außer der Comteß — die wenigstens dem Gerücht nach sehr reizend war — auch noch andere junge Damen gab, die ihr an Liebreiz sicher nicht nachstanden! So meinte wenigstens der junge Vicomte, wie er Mademoiselle Gervaux gegenüberstand und sein Blick, anstatt auf die hübschen kleinen Füße und die Pas, welche dieselben ausführten, zu achten, wie gebannt auf den dunklen, lebhaften Augen und der schönen edlen Gestalt haften blieben. Wenn er noch nicht verliebt war, so war er doch nahe daran, und unwillkürlich that er einen tiefen; schweren Seufzer, als er dachte: noch zwei Besuche, und dann ade, du Schöne! Die letzte Unterrichtsstunde war zu Ende, Mademoiselle hatte ihrem Schüler erklärt, daß es nun nur noch der Uebung bedürfe, ihn zu einem vollendeten Tänzer zu machen. „So soll ich Ihnen nun Lebewohl sagen?" sprach der Vicomte in weichem Tone, während er Mademoiselles Hand j ergriff und sie zärtlich in seine beiden nahm. „Es wird Ihnen wohl nichts anderes übrig bleiben- voraussichtlich ist es ein Lebewohl auf Nimmerwiedersehen," versetzte Mademoiselle mit cocettem Lächeln, während ihre dunklen, feurigen Augen ihn mit so beredtem Blick anschauten, daß der junge Vicomte, alle Vorsicht vergessend, ohne Ueber- legung, nur seinen momentanen Gefühlen folgend, den Arm um ihre nur halb widerstrebende Gestalt legte, sie leiden- chaftlich an sich zog und einen zärtlichen Kuß aus ihre schönen Lippen preßte. „Mademoiselle! Adrienne!" stieß er in höchster Erregung hervor, „ich liebe Sie — reden Sie nicht von Nimmerwiedersehen! Ich will, ich muß Sie Wiedersehen!" Dunkle Glnth ergoß sich über Mademoiselles Züge- mehrere Augenblicke lang wogte ihre Brust heftig aus und nieder, allmählich aber legte sich die Erregung und auf ihre schönen Züge trat ein Ausdruck der Entrüstung. „Vicomte," erwiderte sie mit Würde, „Sie vergessen, was Sie sich und vergessen, was Sie mir schuldig sind. Bedenken Sie, daß Sie binnen drei Tagen der Verlobte der Comteß de la Penthiere sind." „Was kümmert mich die Comteß? Sie, Adrienne, Sie allein liebe ich und keine andere!" ries der Vicomte leidenschaftlich. „Gemach, mein Freund!" erwiderte Mademoiselle, mit dem Finger drohend, „die Comteß soll schön, ja, sie soll be- strikend schön sein- ein Blick auf sie und die arme Adrienne ist für immer vergessen." ' „Sie irren, Adrienne!" versetzte der Vicomte. „Sie werden stets den ersten Platz in meinem Herzen behalten." Mademoiselle zog finster die schönen Brauen zusammen. „Das ist Wahnsinn, so zu mir zu reden!" rief sie, „ja, es ist eine Beleidigung, die ich Ihnen nur unter einer Bedingung vergeben kann." „Und diese Bedingung? Welcher Art sie auch sei — ich will mir Ihre Verzeihung für meine Kühnheit erringen !" „Gut denn — ich nehme Sie beim Wort. Sie haben nicht nur mich, nein, Sie haben nicht minder die Comteß beleidigt, und zur Sühne dafür fordere ich, daß Sie ihr bei Ihrem ersten Begegniß gestehen, wie wenig Ihres Namens würdig Sie sich mir gegenüber gezeigt haben." (Schluß folgt.) Verdingung. Die Anlieferung von ea. 200 ebm Uferbausteinen zur Unterhaltung der Uferbauten an der Lahn zwischen Gießen und der Landesgrenze in der Gemarkung Heuchelheim, soll im Wege der öffentlichen Ausschreibung in einem Loose vergeben werden. . Die Bedingungen sind bei Gr. KreiSbauamt Gießen in den Dienststunden zur Einsichtsnahme offen gelegt und find Angebote bis längsten« den 6. 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