geliebte, un. »ve, leilnahme tief- ebenen. P Uhr in 7240 JeinT daß dach MW Dr. Schliepbak., unten wurde. - Sprch I gens non 8-9 Uhr und ' i um 8-9'/, Uhr. - '»le für dm „Sanität«. ta mir vor dem ersten des Qnittungsbuches und Übertritt dem Vorsitzenden ober mündlich mzuzeigen. I. Bräutigam, Ever- öiebigsiraße, sowie sämmt» alb, Dr. Schliephake. Der Borftaad. sen, Bahnhofstrasse. Cur kleine Gesellschaften, tolle Ansslcht. i AcüemBrMrei und er Brauerei. n zu jeder Tageszeit. t, lütt u. u» __ zur ged. Benutzung. Wv Uh. Kaufmann.__ rirfh Häuser. erhaUMg MößM ,-Quelle Deutschlands. Heilerfolge gegen Uheum»* arnruhr. I*1,rrn? ' a|jeEr- i Mfinbe*cUwrrden.aH . MM>W»MMWW>WWVWVWWMWWM»WM! II IHN Alle Annoncen-Bureaux deS^Fn« tmb Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegm. Nedaction, Expeditir» und Druckerei: FchnlstratzeAr.Z. Fernsprecher 51. MIHJB—■"■!!1----------------- L-L--------- .........— Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den falgmden Tag erscheinenden Nummer bis Corrn. 10 Uhr. Vierteljähriger ASonnementspretAH 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener A«Wltie«vtLtter »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt. Der Hletzener Anzeiger erfchemt täglich, mit Ausnahme deS Montags. Sonntag den 31. August r- - -------- ----- Amtlicher Theil. Gießen, am 27. August 1890. Betr.: Anfertigung von Ortsbauplänen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an da- Großh PolLzeiawt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien deS KreiseS. Wir theilen Ihnen nachstehendes Ausschreiben Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz zur Kenntnißnahme -Md Nachachtung mit I. V-. Jost, Regierungsrath Darmstadt, am 19. August 1890. Betr.: Wie vorhergehend. Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz an die Großh. KreZsämter. Die in letzterer Zeit häufig vorgekommene Vorlage von Ortsbauplänen durchaus unzweckmäßigen und unhandlichen Formats nöthigt uns, folgende Vorschriften unter Hinweis auf die Bestimmungen in § 13 der Ausführungsverordnung zur allgemeinen Bauordnung zu erlasien. 1) Die Pläne sind auf Zeichenpapier mit Leinwandunterlage zu zeichnen und in der Längsrichtung zu rollen, sodaß die Rolle die kleinste Ausdehnung des Planes zur Höhe erhält. 2) Insoweit es die Größe des Planes beeinflußt, hat sich dieser nur aus diejenigen Gemarkungsgebiete zu erstrecken, für welche die Festsetzung der Baufluchten stattfinden soll, beziehungsweise für die nahe Zukunft in Aussicht genommen ist. Die Hauptrichtung der längsten Straße soll mit der Längsrichtung des Plans übereinstimmen und überhaupt der Plan so eingerichtet sein, daß er eine möglichst geringe Höhe erhält. 3) Von der Anbringung einer Ueberschrift kann abgesehen werden, jedoch ist auf der Rückseite des Planes an einem jeden der beiden Enden die Aufschrift: „Ortsbauplan der Gemeinde N." so anzubringen, daß sie gelesen werden kann, ohne den Plan ausrollen zu müssen- 4) Der Maßstab soll in der Regel Vsoo der natürlichen Größe betragen. Für ausgedehnte Orte ist zur möglichsten Beschränkung der Plangröße ein Maßstab von Viooo der natürlichen Größe anzuwenden. 5) Die Höhe des Planes darf 85 cm nicht überschreiten. Nötigenfalls ist der Plan in Form zweier oder mehrerer selbstständiger Theilpläne anzufertigen. Die Befestigung umlegbarer Klappen an dem Plane ist unzulässig. 6) Es empfiehlt sich, die Baufluchtlinien zunächst nur mit Blei und erst nach erfolgter Genehmigung mit Farbe einzeichnen zu lassen. 7) Auf jedem Plan ist die Nordlinie einzutragen, außerdem ist das Verhältniß der Planzeichnung zur natürlichen Größe zu vermerken, auch ein Maßstab beizufügen. In dem Ortsbauplan sind ferner die Nummern der einzelnen Hosraithen einzutragen und sämmtliche Straßen mit ihren Bezeichnungen zu versehen. Sofern neuprojectirte Straßen noch keine Namen besitzen, sind dieselben an den Endpunkten mit Buchstaben oder Ziffern zu versehen. 8) Soweit Friedhöfe und Eisenbahnen in dem Planbereiche liegen, sind dieselben einzuzeichnen; liegen dieselben in geringerer Entfernung als 500 Meter von den Endpunkten der im Plan eingetragenen Straßenfluchtlinien, beziehungsweise von den letzteren, so ist durch Pfeilrichtung deren Lage im Allgemeinen zu kennzeichnen und die Entfernung beizuschreiben. 9) Duplikate zu den Ortsbauplänen sind erst nach erfolgter Genehmigung und nur foweit der Gemeindevorstand die Anfertigung solcher beschließt, anzufertigen. In diesem Falle ist die Übereinstimmung mit dem Original durch den Verfertiger aus dem Duplikate zu bescheinigen und auf dem Originalplan zu vermerken, daß ein Duplikat angefertigt worden ist. 10) Die Ortsvorstände sind zu veranlaffen, die Anfertigung von Ortsbauplänen nur unter der Bedingung specisi- cirter Rechnungsstellung an eine hierzu geeignete Person zu übertragen. Die von dem Verfertiger zu stellende Gebühren-Rechnung hat über folgende Punkte nähere Angaben, eintretenden Falls unter Bezeichnung des Zeitaufwandes für die einzelnen Arbeitsleistungen, zu enthalten: a. Aufnahme zur Anfertigung des Planes. (Ist solche erforderlich, so ist genau anzugeben, wo die Aufnahme, wie und warum sie geschah.) b. Aufzeichnung des dermaligen Zustandes. c, Eintragung der aus Vorschlag des Technikers oder Geometers durch Gemeinderathsbeschluß festgesetzten Baufluchtlinien in Blei. d. Nivellistische Aufnahmen zur Feststellung der Waffer- abzüge. e. Correctur des Planes in Folge der durch die technischen Behörden gegen pos. 3 und 4 erhobenen Einwendungen. f. Definitive Einzeichnung der Baufluchtlinien nach erfolgter ministerieller Genehmigung des betreffenden Ortsbauplanes. g. Materialverbrauch an: 1) Papier. 2) Blei, Farben und Tusche. h. Rückvergütung für Reisekosten. Bei umfangreichen Plänen, durch welche voraussichtlich erhebliche Kosten entstehen, empfiehlt es sich, einen unter Berücksichtigung der vorbemerkten Punkte aufzustellenden Ueber- schlag dem Vertragsabschluffe mit dem Verfertiger des Plane» zu Grund zu legen. M Als Taxe für die im Freien, oder auf dem Bureau, resp. dem Stadt- oder Gemeindelocal zugebrachte Zeit sind, sofern nicht andere Festsetzung getroffen wird, die Geometergebühren zu Grund zu legen. In Vertretung: Jaup. Fey. Deutsches Reich. Berlin, 29. August. In Betreff der Schulreform haben 69 Professoren und Docenten der Universität Halle, welche die große Mehrheit des dortigen Lehrkörpers bilden, nachstehende Aeußerung an den Herrn Cultusmini^ter gelangen lassen: „Die bevorstehenden Beratungen über Reform unseres höheren Unterrichtswesens, nicht minder die starke Bewegung und Verwirrung, in welcher sich die öffentliche Meinung über diese Reform befindet, drängen die ehrerbietigst unterzeichneten Lehrer der Universität Halle dazu, ihren Ueberzeugungen in zwei für unsere Universitätsstudien entscheidenden Punkten Ew. Excellenz gegenüber Ausdruck zu geben. 1) Die Idee unserer deutschen Hochschule als Universitas literarum, die Idee einer bei allem Auseinandergehen der Fachstudien gleichartigen und einheitlich fundamentirten Bildungsschule erfordert durchaus eine einheitliche Vorbildung. Würde dieser schon nicht mehr ganz gewahrte Grundsatz, anstatt wieder strenger festgehalten zu werden, noch weiter durchbrochen, dann würden unsere Studirenden fortan in zweierlei Bildungsklaffen zerfallen, für welche ein einheitlicher Unterricht \ nicht mehr möglich wäre. 2) Jene einheitliche Vorbildung, auf welcher unsere Universitätsstudien ruhen, kann nur die historisch-klassische sein, wie das humanistische Gymnasium sie gewährt. Die moderne Bildung und Wissenschaft hat, und zwar in allen ihren Fächern, seit den frühesten Zeiten des Mittelalters an das Alterthum angeknüpft, und insonderheit die Culturentwickelung Feuilleton. Die verlorene Kerle. Novelle von I. Dedekind, Verf. der „Achten-Lini". (Fortsetzung.) Ihren Gemahl durfte sie allerdings nicht verscheuchen, als er dicht vor Beginn des Concerts sich neben ihr niederließ. Sie wußte, er würde den Platz nicht räumen, ehe' er ihr Urtheil, die Parole, auf die er sich verließ und die er weitertrug, vernommen. Heute jedoch bedurfte er der Bevormundung nicht: Georg spielte. Bald nachdem er die Tasten berührt hatte, empfand Jeder, daß sich ein Wunder vollzog. Nur der eingeborene Genius der Musik wußte so zu reden, zu bitten, zu klagen — zu zürnen. Alles wurde Wohllaut und Seele unter der Meisterhand. Aus diesen unbekannten, zarten ungarischen Volksweisen, mit denen er begann, ertönte es wie eine Welt schmerzlich süßer Erinnerung, alles tiefe Innigkeit und Poesie, bis ein krankhafter Aufschrei dazwischen fuhr, wie Heimweh und Klage. Athemlos lauschte das Publikum, in der Erwartung, jetzt seiner Bewunderung Luft machen zu dürfen, aber der Künstler verweilte nicht auf dem Ruhepunkt, sondern ging mit wenigen, ergreifenden Accorden zu seinem vielberühmten Sturmmarsch über. So verband sich in jenen, jetzt schon fernliegenden Zeiten mit der Klage um das Vaterland eine siegesfrohe drohende Hoffnung. Als der letzte Ton verklungen war, ging es wie jubelnde Begeisterung durch die Gesellschaft. Da brauchte auch der Fürst Schreckenstein nicht erst sich sein Urtheil zu holen. „Das heißt nicht spielen, das heißt zaubern," rief er seiner Gattin zu, die, dicht daneben, ihm und allem, was zu ihm gehörte, weit entrückt war. So lange Georg spielte, schien die hohe Begeisterung, die er ihr mittheilte, ihre Fesseln zu sprengen und ihre eingekerkerte Seele zu befreien. Mun er schwieg, erwachte sie aus dem schönen Traume zu ohnmächtiger Reue. Was hatte sie verscherzt, und wofür? Sie fühlte sich unnennbar elend. Die kreischende Stimme ihres Gatten machte ihr Angst, ihre schimmernden Gewänder drückten sie nieder, die Perlen, die Thränen bedeuten, verwandelten sich in Sclavenketten . . . Sie wußte, daß sie nie aufgehört hatte, ihn zu lieben, und ihre Sünde wuchs in dem Maße, als er ihr strahlend, groß — und verloren erschien. Sie hatte Mühe, sich aufrecht zu halten und ihre Gedanken zu sammeln. Anreden blieben unbeachtet, ihr Witz versagte, sie fühlte sich fremd in der gewohnten Umgebung. Alles ging unter in der einzigen brennenden Hoffnung, ihn wieder zu sehen, zu sprechen, zu versöhnen. Er war unausgesetzt umringt und gefeiert, die Hoheiten selbst nahmen ihn viel in Anspruch, und doch! Wenn er gewollt, hätte er den Weg zu ihr wohl finden können. Jetzt fragte sie Jemand, ob sie leidend sei? Das Bewußtsein einer gewissen Ermattung, die sich auch über ihre Schönheit erstrecken konnte, belästigte sie sehr und sie begann, sich aufzuraffen und ernstlich um den gefährdeten Preis zu ringen. In diesem Augenblick streifte Georg an ihr vorüber - sein Auge blieb auf ihr haften wie aus einem schönen Kunstwerk, er nahm den Stuhl, der neben ihr frei stand, ein und redete sie zwanglos an. Ihr Fächer fiel ihr in den Schooß, die Augen hoben sich, von langen Wimpern sanft beschattet, zu ihm auf. „Durchlaucht," sagte er, und seine Worte klangen tonlos herausgestoßen, „überall hier wird mir viel Schmeichelhaftes über eine Schülerin gesagt, die, zu meinem aufrichtigen Erstaunen, der Musik treu geblieben ist." Antonie sagte rasch, aber scharf: „O, wo es sich um Wichtiges handelt, bin ich beständig und ausdauernd." Beide maßen sich mit prüfenden Blicken und lächelten sich seltsam an. Umstehende hätten eine ganze Geschichte heraushören können, aber discreter Weise war das Feld geräumt. Nach einem kurzen verlegenen Schweigen lenkte Antonie ein und fragte ruhig: „Und Sie sind nie wieder nach Wien gekommen?" „Verzeihung, Durchlaucht, im vorigen Winter habe ich Wien zuerst wieder gesehen. Ich blieb zu drei oder vier Concerten und nahm mir auch die Freiheit, den Grafen Gallas auszusuchen." „Wie?" antwortete Antonie befremdet, „und das hat mir der Onkel nie geschrieben?" „Sehr begreiflich, etwas so Unbedeutendes zu vergessen." „Nein, das nicht, aber sein armes Gedächtniß, das nie etwas sesthalten konnte, ist seit dem Tode der Tante noch viel mehr geschwächt." „Er kam auch mir überaus niedergedrückt vor- und doch hat ihn vielleicht sein, wie soll ich sagen, ohne mißverstanden zu werden, sein Gleichmuth —" „Stumpfsinn," schaltete Antonie em. „Vor dem Zusammenbrechen geschützt. Eine angebetere Frau auf so schreckhafte Art zu verlieren." Antonie sah ihn forschend an. Er fuhr fort: „Die Gräfin, ihm in allem, vielleicht in der Herzenseinfalt und Güte ausgenommen, überlegen, für ihn der Inbegriff aller Vollkommenheit, unrettbarem Irrsinn verfallen, in einer Anstalt für Geisteskranke sterben zu sehen." Antonie bewegte ihren Fächer ängstlich, als ob sie Stillschweigen gebieten wollte, und sah sich um, ob auch Niemand dem Gespräche gefolgt sei. Sie waren allein geblieben. „Ich verstehe Sie nicht recht," sagte sie dann vorsichtig, „die Tante war freilich lange nervenleidend, der Onkel ging mit ihr nach Steiermark aus eines seiner Güter, und dorr, heißt es, ist sie gestorben." (Fortsetzung folgt.) -er letzten vier Jahrhunderte ist aus dem Humanismus, aus der Beschäftigung mit dem klassischen Alterthum erwachsen- sie läßt sich ohne die unausbleibliche Folge der Verflachung von dieser ihrer Wurzel nicht lösen. Die historisch-klassische Vorbildung allein läßt den Einzelnen den Bildungsgang der Menschheit nacherleben und gewährt ihm — ganz abgesehen von den für die verschiedenen Fächer in verschiedenem Maße nöthigcn positiven Vorkenntnissen — diejenige idealistische und methodische Schulung, welche zur cigenthümlich wissenschaftlichen Geistesarbeit — im Unterschiede von den niederen Stufen des Lernens — befähigt. Dann würde jede Beeinträchtigung des Charakters unserer Gymnasien als der speci- fischen Träger dieser historisch-klassischen Vorbildung, jede wesentliche Verkürzung der klassischen und historischen Bildungsmittel zu Gunsten moderner und realistischer aus unsere Universitätsstudien und damit auf das geistige Gesammtleben unseres Volkes von unheilvollem Einflüsse sein. Indem wir uns in der Aussprache dieser Ueberzeugungen geflissentlich aus die uns unmittelbar berührenden Anliegen beschränken, hoffen wir für dieselbe bei den bevorstehenden Berathungen um so melD auf geneigtes Gehör." totales rrrrd OroVinzielle-. Gießen, 30. August. — Der Sommer ist tobt, es lebe der Winter! Der Wind geht über die Stoppeln, die Blätter der Bäume färben sich langsam und fallen welk zur Erde, Schwalben und Störche rüsten sich zur Abreise — die saison morte in der Natur beginnt. Das ist aber jedesmal das Signal zum Beginn der eigentlichen, der Wintersaison in den Städten, deren Leben während des Hochsommers, wenn draußen das Naturleben dem Höhepunkt seiner Entwickelung zustrebt, träge pulsirt, weshalb die Zeit den Namen saison morte bekommen hat. Jetzt bevölkern sich die Straßen und Häuser wieder mit den Zurückgekehrten aus den Bädern und Sommerfrischen und während man noch vor wenig Wochen die Natur aussuchte, wendet man sich jetzt mehr und mehr dem geselligen Leben im Innern des Hauses zu. Viele sehen mit Bedauern die schöne Jahreszeit schwinden, von der wir in unseren Breiten schon so wenig Genuß haben. Aber gegenüber diesen Naiur- sreunden, Träumern und Poeten, die dem scheidenden Sommer wehmüthige Abschiedslieder nachsingen, freuen sich prosaischer angelegte Menschen über den Beginn dieses städtischen Lebens. Das Reisen hat ihnen nur Unbequemlichkeiten und Geldausgaben verursacht, sie sind froh, daß diese Zeit vorüber ist und sie wieder ihre häusliche Gemütlichkeit genießen können. Auch die Theater eröffnen nun sihre Pforten zum Glück für die Mimen, die durch sommerliche Engagementslosigkeit gezwungen waren, des gebens Unverstand mit Wehmuth zu genießen. Wie die Theaterdirectoren, so begrüßen auch sie den Beginn der Saison mit Lebhafter Freude. Auch Handwerker und Geschäftsleute sind froh darüber. Das gesellige Leben, das nun bald zur Blüthe kommt und der nahende Winter verschafft ihnen Arbeit und Verdienst. Es müssen warme Herbst- und Winterkleider angeschafft werden, Ball- und Gefellschaftstoiletten werden in Arbeit gegeben, Holz- und Kohlenvorräthe müssen für den Winter angeschafft werden u. s. w. Für den Hausherrn ist die Zeit gerade nicht die angenehmste, denn sie stellt hohe Anforderungen an seinen Geldbeutel. — Wer sich aber noch freut über das Scheiden des Sommers, das sind die Soldaten, die jetzt nach Beendigung der Manöver „loskommen" von der Militärzeit und in das bürgerliche Leben zurückkehren. Freilich ist auch hier des Einen Nachtigall des Andern „Uhl". Wer gleich Nahrung und Brod findet, kann zufrieden sein, viele andere aber sehen etwas besorgt in die Zukunft und überlegen, ob sie nicht besser thäten, wenn sie beim Militär blieben und die Sicherheit dieser Carriöre der Unsicherheit der bürgerlichen Stellung vorzögen. — Mit großen Plänen und in hoffnungssreudiger Stimmung gehen aber alle Diejenigen dem Winter entgegen, welche beabsichtigen, sich ein eigenes Nest zu bauen. Zu keiner Zeit wird, abgesehen von Ostern, mehr geheirathet als zu Beginn des Winters. Tausende treten in den Ehestand, Tausende von Männern und Mädchen sind mit^Vorbereitungen dazu beschäftigt und tausendfach ist die Freude und die Erwartung über die nahe Zukunft. Sie vor Allem begrüßen die kommende Zeit mit tausend beseligenden Hoffnungen und fie vor allem rufen aus aufrichtigen Herzen: Der Sommer ist tobt, es lebe der Winter! -d- Inheiden, 29. August. Der 23 jährige Sohn des hiesigen Landwirths Konrad D. war heute mit seinem Onkel in dem in der Gemarkung Feldheim gelegenen Basaltsteinbruche beschäftigt. Plötzlich löste sich, wohl durch das seitherige Regenwetter veranlaßt, ein Quantum Steine ab und traf den flüchtenden, jungen Burschen von hinten so unglücklich, daß demselben beide Beine gebrochen sind. Auch klagt derselbe über Schmerzen im Rücken. Der Verunglückte wurde mittelst Wagen nach Hause gebracht. § Herbstein, 27. August. Sonntag, den 31. August, Nachmittags 3 Uhr, wird Herr Amtmann Dr. Steeg von Lauterbach im Saale des Brauereibesitzers C. Suppes hier einen Vortrag über „Berussgenoffenschaften" halten. -r. Lichenroth, 28. August. Seit einiger Zeit macht sich ein Fuchspaar in unserer Nähe bemerkbar. Der alte Meister Reinecke geht sogar am hohen Mittage in unser» Ort und holt Hühner, Gänse u. s. w., um Nahrung für die Jungen stets frisch zu haben. Er hat in einem Zeitraum von 3 Tagen 28 Hühner geholt. Nun wurde von Seiten der Ortsbewohner die Bitte an den Waldschütz gestellt, doch die diebische Familie unschädlich zu machen. Es scheint nun, als ob der alte Fuchs Wind von den Nachstellungen bekommen hätte, und um dem Waldschützen seine Rache zu zeigen, holte er dem Letzteren am andern Tage selbst drei Hühner. -r. Grebenhain, 28. August. Heute wurde die auf so schreckliche Weise um ihr junges Leben gekommene Tochter des Forstwarts Jäger hier zu Grabe getragen. Ein ganz großartiger Leichenzug war es, woran sich nicht nur Jung und Alt aus unserm Ort selbst, sondern auch viele Leidtragende aus den Nachbarorten Crainfeld und Bermuthshain beteiligten; sämmtliche Jugendfreunde der Verstorbenen folgten dem Sarge. §§ Schotten, 29. August. Von einer kleinen Reise aus den südlichen Theilen unserer Provinz zurückgekommen, habe ich die Erfahrung gemacht, daß der Sturm am 27. d. M. viel stärker geschädigt hat, als man Anfangs glaubte. Aenn man sich eine Linie von Friedberg über Altenstadt und Nidda hierher gezogen denkt, sind die Gegenden südlich dieser Linie besonders stark beschädigt worden. Unter diesen sind es wieder die Orte bei Altenstadt und Düdelsheim, welche auch am 9. August so stark heimgesucht wurden. In den Forsten bei Michelau sind die Bäume ausgerissen und übereinander hillgeschleudert worden, daß man meint, Riesen hätten sich hier eine Schlacht geliefert. Das herabgeschleuderte Obst ist so maffenhaft, daß man nicht Alles verwerthen kann. Viele Obstbäume sind entwurzelt oder förmlich in Stücke gerissen worden. J. Aus dem Kreise Lauterbach, 30. August. Die Raben, Krähen und Dohlen verursachen der Landwirthschaft in letzter Zeit so empfindlichen Schaden, daß von Seiten des Kreisamts verschiedenen Personen in Uetzhausen, Nieder-Stoll, Bernshausen und Freiensteinau die Erlaubniß ertheilt wurde, an jedem Montage nach jenen schädlichen Vögeln zu schießen. Die Beauftragten haben keine Waffenpässe nöthig. Eine solche Unzahl von Raben, Krähen und Dohlen hat man aber auch seit vielen Jahren nicht beobachtet und wo ein Schwarm dieser großen, gefräßigen Vögel einfällt, wird Alles aufgefressen, was genießbar ist. Zur jetzigen Zeit ist ihr Schaden weit größer, als ihr Nutzen. vermrtsLhtes. ZC. Aus Offenbach a. M. wird uns geschrieben: „Das Kurhaus und die Anlagen unserer „Kaiser-Fri edrich- Quelle" sind dieser Tage mit entsprechenden Festlichkeiten eröffnet worden. Bei dem Fest-Essen, an welchem etwa 200 Gäste theilnahmen, trank Herr Oberbürgermeister Brück- Offenbach aus das Gedeihen der „Kaiser-Friedrich-Quelle", während Herr Redacteur Stein-Frankfurt in warmen begeisterten Worten der Manen Kaiser Friedrichs des Edlen gedachte. Bei dem sich anschließenden Gartenfest concertirten zwei Musikcorps und zwei Gesangvereine halfen durch ihre Liedervorträge das Fest verherrlichen. Der Versandt des heilkräftigen Wassers unserer „Kaiser-Friedrich-Quelle" ist auch in diesem Jahre ein ganz enormer und findet dasselbe in ärztlichen Kreisen immer größere Anerkennung. Selbsthilfe bei isndwirlhfchssUichen Unfällen. Von Wenzel Peiter. (Aus der Deutschen Allg. Zeitung für Landwirthschaft.) (Fortsetzung.) Wie bei allen Berufsqrten sind auch beim landwirth- schaftlichen Berufe Verstauchungen, Verrenkungen, Knochenbrüche nicht ausgeschlossen. Bei Verstauchung eines Gelenkes sind z. B. durch eine ungeschickte Handbewegung, durch einen fehlerhaften Tritt u. f. w. die beiden Gelenksenden der Knochen auf einen Augenblick in ihre natürliche Lage zurück- gefprungen, was letzteres bei einer Verrenkung nicht stattfindet. Durch das Voneinanderweichen der Knochen sind entweder die Sehnen gedehnt oder wie z. B. beim Uebertreten des Fußes sogar zerrissen. Verstauchte Glieder dürfen deshalb nie ausgezogen werden, man würde dadurch das Uebel noch ärger machen. Einem verstauchten Gliede gönne man Ruhe und mache, wenn es anzuschwellen beginnt, kalte Umschläge. In kurzer Zeit wird dasselbe wie früher ohne Schmerzest bewegt werden können. Bei übertretenem Fuße ist die Anlegung eines Gipsverbandes nothwendig und erfordert deshalb die Hilfeleistung eines Arztes. Verrenkungen sind ebenfalls Austretungen der Knochen von ihren Gelenksflächen. Sie lassen sich durch Verunstaltung des Gelenkes, Geschwulst der darüber gelegenen weichen Theile erkennen. Während bA der Verstauchung der Kranke das Glied, wenn auch unter Schmerzen, bewegen kann, ist ihm dies bei einer Verrenkung nicht mehr oder nur sehr schwer möglich. Verrenkungen treten, wie Verstauchungen, meistens plötzlich in Folge mechanischer Gewalt beim Falle oder Sturze ein. Man hat hier, um Entzündungen in den Weichtheilen zu unterdrücken, nur wie bei Quetschungen kalte Umschläge anzuwenden, bis der Arzt die Verrenkung einrichtet. Da bei frischen Verrenkungen die Einrichtung eine sehr leichte ist, so lasse man dieselbe nie veralten. Hat sich durch Entzündung schon eine Verwachsung gebildet, die Umgebung verdichtet, der Theil, wo die Kapsel durchgeriffen 'wurde, vertheilt oder zusammengezogen und die Gelenksfläche abgeflacht oder verkleinert, so ist es sehr schwer, ja oft unmöglich, das Glied in sein normales Verhältniß zurückzubringen. — Im Nothfalle kann man die Einrichtung dadurch versuchen, daß man das verrenkte Glied zuerst in diejenige Richtung mit Kraft hinzieht, nach welcher es entsteht und dann, ist es dadurch beweglich geworden, schnell in seine ordentliche Stellung zu bringen sucht.' In diesem Momente hört man oft ein Geräusch, welches durch das Zurückschlüpfen des Gelenkknochens entsteht. Ist das Glied darnach beweglich, so ist die Einrichtung gelungen. Durch Ruhe und kalte Umschläge muß die Heilung befördert und einer Entzündung vorgebeugt werden. Ist ein Verband nöthig, so rufe man den Arzt. % Knochenbrüche sind vollkommene Trennungen des Zusammenhanges einzelner Knochen und entstehen meistens durch äußere Gewalt. Bei einem solchen Bruche hört oft der Kranke ein Krachen des zerbrochenen Knochens und kann darnach das Gl:ed nicht mehr frei bewegen, jeder Versnch zu einer Bewegung erregt die heftigsten Schmerzen. Das Glied selbst verkürzt oder verdreht sich und an der Bruchstelle findet sich öfters eine Lücke oder eine Beweglichkeit, die früher nicht da war. In einzelnen Fällen treten selbst die Bruchenden, durch die Weichtheile hervor. Lange Knochen sind dem Bruche- mehr ausgesetzt als kurze, daher die Röhrenknochen der Glied-, maßen, das Schlüsselbein, die Nippen am häufigsten ge-^ brachen werden. Da die ersten Hülfeleistuugcn bei Knochenbrüchen aus die spätere Heilung eine große Einwirkung ausüben, so mögen die dabei zu befolgenden Grundsätze hier ebenfalls kurz besprochen werden. Bei Knochenbrüchen verhüte man vor Allem durch Unterlassung jeder Bewegung und durch eine zweckmäßige Lage die Verschiebung der Knochenenden und trachte, die sich entwickelnde Entzündung zu verhüten. Letzteres geschieht durch Ueberschlagen von kaltem Wasser, nachdem der Theil vorsichtig ohne Zerrung, etwa durch Ausschneiden der Kleidungsstücke, entblößt worden ist. Dies ist jedoch nur nöthig, wenn auf den Arzt zu lange gewartet werden müßte. Sonst ist es zweckmäßig, nur das erstere zu besorgen, das heißt die Verschiebung der Knochenenden zu verhüten, was am Besten durch eine ruhige Lage geschieht. Muß der Kranke transportirt werden, so ist es vorzüglich bei Bein- und Rumpfbrüchen besser, ihn auf einer Trage oder zur Noch auf der Seitenleiter eines Leiterwagens, auf die man einige Bretter und Stroh gelegt hat, zu tragen, als ihn aus einem Wagen zu führen, weil in letzterem Falle sehr leicht entweder beim Auf- und Abladen oder durch Erschütterung beim Fahren Verschiebung der Knochenenden erzeugt werden kann. Bei Brüchen am Arme weiß sich der gehende oder fahrende Kranke in der Regel selbst zu helfen, indem er das verletzte Glied durch den anderen, gesunden Arm so lange unterstützt, fest und ruhig hält, bis der Verband angelegt wird. Erleichtern, läßt sich diese Unterstützung durch Tragen des Armes in der Binde, die sich leicht aus einem Tuche Herstellen läßt und auf der entgegengesetzten Schulter ihren Stützpunkt hat. Hierbei ist aberworzüglich daraus zu achten, daß die Schlinge vorn an der Brust nicht zu hoch hinaus oder zu tief reiche, sondern dem Arme eine recht bequeme Lage gestatte. (Schluß folgt). Milch-Conserven Pros. Dr. Soxhlet schreibt in der „Münchener Medicinischen Wochenschrift" einen höchst beachtungswerthen Aufsatz, dem wir folgende auch für unsere Leser interessante Ausführungen entnehmen: Von allen Nahrungsmitteln thierifchen Ursprungs ist die Milch am raschesten der Verderbniß unterworfen; schon eine geringe Menge gebildeter Milchsäure, die durch den Geschmack kaum wahrnehmbar ist, genügt, um die Milch beim Kochen zur Gerinnung zu bringen und sie für die meisten Zwecke des Verbrauchs ungeeignet zu machen. — Milchverbrauch und Milchgewinnung sind deshalb gegenseitig an geringe örtliche Entfernungen gebunden — eine Bedingung, die nicht überall erfüllt ist und nicht überall erfüllt werden kann. Schon die Verpflanzung der Milchviehhaltung aus ihrem natürlichen Pro- ductionsgebiete, dem Grasland, in die nächste Nähe ober gar innerhalb der Städte hat eine Gewinnungsweife der Milch zur Folge, welche hinsichtlich Erhaltung der Gesundheit der Thiere, Reinlichkeit und geeigneter Fütterung viel zu wünschen übrig läßt und zu geringeren Anforderungen an die Güte des Products zwingt. In vielen Ländern findet die Haltung von Milchvieh überhaupt nicht oder in unzulänglicher Ausdehnung statt — kurz, es gibt eine Reihe von Fällen, wo der Bezug von Milch unmöglich oder wo der Bezug einer Milch, die berechtigten Ansprüchen hinsichtlich Frische, Gehalt und Gedeihlichkeit genügt, sehr erschwert ist. In solchen Fällen wird als Ersatzmittel für frische Milch eine gute Milchconserve sehr willkommen sein. Eine gute Milchconserve soll also nicht allein als ein nvthdürftiges Auskunftsmittel für völligen Milchwaage! dienen, sondern auch den Vorzug vor einer schlechten frischen Milch beanspruchen können. Eine Milchconserve, welche allen Anforderungen, die man an eine Eonserve und an eine gute Milch stellen kann, vollkommen entspricht, ist die fterilisirte condenfirte Milch ohne Zucker und ohne jeden Zusatz, wie sie in der Fabrik Schüttendobel bei Hardatzhofen in den bayerischen Algäuer-Alpen durch die Gesellschaft für diätetische Producte Ed. Loestirnd & Co. in Stuttgart seit einigen Jahren hergestellt wirb. Ich kann für die hier ausgesprochene Beurthetlung und Empfehlung dieser Milchconserve deshalb einstehen, weil die Herstellung derselben unter der Leitung meines früheren langjährigen Assistenten und eifrigsten Mitarbeiters auf dem Gebiete der Milch- Chemie und Milch-Technik, Herrn Th. Henkel, erfolgt und weil ich mich durch fortlaufende Untersuchungen des Productes davon überzeuge, daß thatsächlich nach den von mir ausgestellten Principien strenge verfahren wird. Das dort angewendete Verfahren besteht kurz gesagt in folgendem: Die ganze frische Milch wird sofort mittelst der Centrifugal- maschine von dem nicht abseihbaren Milchschmutz gereinigt, in der Luftleere auf einen Trockensubstanzgehalt von möglichst genau 37 pCt. eingedickt, die eingedickte Milch mittelst einer besonderen Metz- und Füllvorrichtung bis auf 1—2 Gramm genau in die Blechbüchsen eingefüllt und die verlötheten Büchsen im Sterilisator unter Dampfdruck erhitzt, d. i. fterilifirt und dauernd haltbar gemacht. Die Algäuer condensirte, sterilisirte Milch ohne Zuckerzufatz wird also für alle Zwecke, wo eine Milchconserve überhaupt am Platze ist, am besten zu verwenden sein, nämlich für die Säuglingsernährung und die Ernährung Kranker und zwar dort, wo frische Milch von guter Beschaffenheit nicht zu erhalten ist oder wo es auf die Gleichmäßigkeit der Nabrungszufuhr besonders ankommt. Dann für die Verpflegung auf Schiffen, in den Tropen oder in Ländern, wo frische Milch fehlt und schließlich für die Bereitung besonders nährkräftiger Speisen, welche eine möglichst große Menge von Milchsubstanz enthalten sollen (Backwaaren rc.), in welchem letzteren Falle die ohne Zuckerzusatz eingedickte Milch den beabsichtigten Zweck am vollkommensten zu erzielen ermöglicht._____________________________________________ Unseren verehrten Leserinnen wird es gewiß erwünscht sein, zu erfahren, daß der Herbst - Catalog deS Versandt» GeschLstS Mey & Edlich in Leipzig-Plagwitz erschienen ist. 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Nachmittags 3 Uhr: Aufstellung des Festzuges, an welchem sich die Schuljugend bcthciligt, in Osivalds Garten. Zug durch die Stadt — Neustadt, Markt, Schulstraße, Neuen Baue — uach Steins Garten. Festrede. Hierauf Concert der ganzen Rcgimcntsmusik unter Leitung des Großh. Musikdirectors Herrn Krauße. Die Theilnahme ist unentgeltlich. Das Festcomite. 1 Fahrplan der auf Station Gießen verkehrenden Eisenbahnzüge. Ankunft. Abfahrt. 112 800 940 1136 1 249 254 ■432 Qlö 7Z8 847* 1057 1157. Frankfurt 237 435 459 623 804* 960 h« 147 442 706_759 8^6. 540 (führt 2—4. Klalle). Friedberg (Localzua) 622 (führt 2.-4. Klasse). 222 454 758* 1131 431 038 753 «bl 1123. Caffel 1202 127 3£7 gOU 961 1145 1254 440 863*. 222 454 ßt6 ?d8* 1131 431 958 753 ß51 1123. Marburg 1202 127 347 809 951 1145 1254 440 ß53* 9£l. 74ö (führt 2.-4. Klasse). Fronhausen'(Localz.) 630 (führt 2.-4. Klasse). 640 756 941 1127 1244 330 433 606 727 811 1124 Hol. 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Die Ultimoliquidation hat sich in dieser Woche leichter abgewickelt, als selbst Optimisten zu hoffen ivagten. Während in der Regel die Regultrungsarbeiten einen so bedeutenden Thetl der Aufmerksamkeit der Börse in Anspruch nehmen, daß das laufende Geschäft darunter nothlcidet und stiller wird, war eine derartige Beeinflussung dieses Mal nicht zu bemerken, und ganz im Gegentheil gestaltete sich das Geschäft von Tag zu Tag lebhafter. Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß zahlreiche Deckungen mitgewirkt haben, dieses Resultat herbeizusühren und doch wird man sich hüten müssen, den Antheil, welchen gleichzeitige Meinungskäufe an den sehr ausgiebigen Courssteigerungen dieser Woche haben, zu unterschätzen. Die Börse sand zu ihrem Erstaun-n, daß in der Liquidation weit eher ein Stückemangel als ein Stückeüberfluß zu Tage trat, und dieser Umstand trug natürlich lebhaft dazu bei, die Haussespeculation aus dem eingeschlagenen Wege weiter vorwärts zu drängen. Nur ganz vereinzelt war in Berlin ein Angebot von Stücken zu bemerken, während andererseits gerade diesem Platze umfangreiche Deckungen für eine, durch falsche Speculationm in Concurs gerathene Firma vorgenommen werden mußten. Die Berliner Presse schweigt sich gewöhnlich über solche Vorfälle aus leicht durchsichtigen Gründen aus, oder bemüht sich, dieselben als höchst unbedeutend hinzustellen, da indessen auch andere Firmen oadurch in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist die Störung wahrscheinlich größer als man bisher zugestanden hat. Eine Verstimmung hat der Vorfall nicht zur Folge gehabt, da ganz im Gegentheil die zwangsweifen Deckungen nur dazu beitrugen, das Tempo der Aufwärtsbewegung zu beschleunigen. Die Gunst der Börse blieb denselben Werthen treu, die schon so lange diesen Vorzug genießen: Transportwerthen, Kohlenactien und Banken, nur mit dem Unterschied, daß das Hauptgewicht diesmal auf die Schweizer Bahnen fiel. Schon in dem vorigen Bericht konnte daraus hingewiesen werden, daß neue Verstaatlichungsverhandlungen sich vorberetten. Das hat schnell seine Bestätigung gefunden, denn bereits am Samstag wurde oekannt, daß es sich dabei um weitere Ankäufe von Jura-Sirnplon Prioritätsactten handele, die durch Ausgabe einer neu zu schaffenden 3»/o Schweizer Eisenbahnrcnte bezahlt werden sollten. Der Betrag dieser neuen Anleihe wurde mit 40 Millionen angegeben und da die bis jetzt bekannten Ankäufe nicht entfernt an eine solche Summe heranreichen, so amicipirte die Börse weitere Abschlüsse und beeilte sich, diesen zuvor zu kommen, nicht sowohl durch Käufe der nächstbetheiligten Actien, deren Cours schon hoch über den Preis, welchen der Bund ^willigte, gestiegen ist, als gerade durch Käufe von Centralbahn- und Gotthard- Actien, welche doch gewissermaßen die der Simplonbahn entgegengesetzte Interessengruppe bilden. Cs wird nicht ganz leicht sein, den Gedankengang, welchem die Börse hierbei folgt, klarzulegen, ohne sich in außerordentlich fernltegende Speculationen zu oeilieren. Hinter diesen meistbegünstigten Werthen standen jedoch österreichische Bahnen kaum zurück. Hier sind cS^dte allen Gründe, die ihre Wirkung weiterülen, die vorliegenden fluten Einnahmen, die Exportchancen und der weitere Rückgang der Golddeoisen in Wien. Daran ändert auch nichts, daß der internationale Saatenmarkt nur einen Th eil der Hoffnungen, die man aut ihn setzte, erfüllt hat, die Boise steht schon in der ausgiebigen Rüdenernte weitere lohnende Transporte für eine ganze Anzahl von Linien, und sie kümmert sich wenig darum, daß die Qualität der Rüben als schlecht bezeichnet wird, denn sie ist der nachfolgenden Zuckerfrachten ziemlich sicher. Es hat daneben auch dieses Gebiet seine Verstaatlichungschancen; die lebhaften Umsätze in Galiziern und Localbahn-Actien sind auf derartige Gerüchte zurückzuführen. Gegen Ende der Woche wurden sogar deutsche Bahnen wieder rege. Mainzer und Lübecker führten den Reigen zu einem freilich etwas schwerfälligen Tanz, der bei dem beschaulichen Dasein, welches diese Actien zu führen gewohnt sind, auch schwerlich von langer Dauer sein dürfte. Am Montag wurden die Ziffern des Monatsabschlusses des Gelsenkirchener Bergwerks bekannt, und ihnen verdankt Die Börse ein bedeutendes Theil der Anregung, welche sie empfangen, wenn auch gerade auf diesem Gebiet das Publikum sich zurückhaltender erweist als in anderen Fällen. Die Ziffern sind in der Thal glänzend, sie erroeefen selbst unter Berücksichtigung der stark gestiegenen Productionskosten Aussicht auf einen befriedigenden Abschluß, zumal nicht mehr abgestritten werden kann, daß die Lage deS Kohlenmarktes sich, sei es durch Austreten des Herbstbedarfes, sei es durch Wirkung der Verkaussvereine, gebessert hat. Freilich ist in Betracht zu ziehen, daß nicht überall diese Syndicate mit gleichem Erfolg gegründet wurden, und daß, wo dre Vereinigung gelang, der Bestund zweifelhaft ist. Erst heute noch wurde ziemlich bestimmt versichert, daß der Verkaufsoerein für Magerkohlen nicht zu Stande kommen werde, und trotz der gebesserten Preise, welche auf der Essener Kohlen- börse festgesetzt wurden, circuliren gerade über dieses Gebiet in Berlin eine auffallende Menge ungünstiger Gerüchte. Viele derselben wird man aber mit großer Vorsicht aufnehmen müssen, denn die Contremine, die jetzt bet den gestiegenen Coursen einen sehr ernsten Kampf auszufechten hat. sucht natürlich auf jede Weise den Markt zu ihren Gunsten zu beeinflussen, allerdings nur mit geringem Erfolg, denn die auch über andere Gesellschaften bekanntwerdenden Abschlußztffern helfen dem Markt leicht über alle Zweifel hinweg. Auch im Eisenmarkt kommt keine ernstliche Beunruhigung auf, obgleich hier gerade einige Pretsreduclionen, welche vorgenommen werden mußten, den Baissiers bessere Angriffspunkte zu geben scheinen. Banken waren ruhig, aber sehr fest, so daß nicht nur die speculatioen Actien, sondern zum Theil auch Cassawerthe Besserungen erzielen konnten. Nur Deutsche Bank haben sich nicht behauptet. Eine Bereicherung erfuhr der Courszettel durch die Einführung der Actien der Internationalen Bank, die sich leicht und zu steigenden Coursen vollzog, weil das Institut dem Bankenconsortium angehört, welches gegen Ueberlassung der Jura-Simplon-Priorität-Actien an den Bund die neue Eisenbahn-Anleihe übernehmen wird. Am bedeutendsten ist die Steigerung der Credit- Actien mit 2 fl. und die der Ottoman-Bank mit 3%. Von Bahnen gewannen Gotthard 6,50%, Schweizer Central 6%, Nordost 30/0, Union 2,70%, wobei zu berücksichtigen ist, daß der Samstags-Cours, der hier zur Vergleichung zu Grunde liegt, schon eine außerordentliche Steigerung einbegretft, die a. 93, bei Centralbahn 4% gegen die letzte Notirung betragt. Am Freitag wirkte die Bewegung der Schweizer Bahnen auch auf die Italienischen Werthe und hob deren Course nicht unbeträchtlich. Galizier und Localbahn Haden die höchsten Noti- rungen nicht behauptet, immerhin beträgt der Gewinn bei ersteren 4fl., bei letzteren 10 fi. Unter Localbahn verlautete ziemlich bestimmt, daß die nun feit längerer Zeit mit der österreichischen Staatsbahnverwaltung schwebenden Unterhandlungen zum Abschluß gebracht worden seien, und die Bahn habe sich dadurch eine 4%% Zins- garantie gesichert; die Bestätigung steht jedoch heute noch aus. Staatsbahn und Bebactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei Lombarden setzten ihre Steigerung um je ca. 3 fl. fort Nordwest, welche die gar;? Woche hindurch ziemlich bewegungslos gelegen hatten, schnellten am Freitag auf Berliner Anregung um mehr als 8 fl. empor, so daß die Actien jetzt zum ersten Mal seit langer Zeit den Pari-Cours wieder überschritten haben. Duxer sind etwas schwächer, dagegen Buschtherader, Czakathurn und Böhmische West weiter gebessert. Mainzer und Lübeck-Büchner gewannen etwa 2,/2°/o. Renten konnten gegenüber der lebhaften Bewegung auf den anderen Gebieten nicht die frühere Beachtung gewinnen, doch sind die Course meist gut behauptet, einzelne, wie Ungarn und österreichische Valuta-Anleihen beträchtlich weiter gebessert. Von Jndustriewerthen sind Laura 2% besser, Gelsenkirchener gehen nur unbeträchtlich über den hohen Samstags-Cours hinaus. Brauereien sind behauptet, Lloyd erholt, Türkische Tabak steigen weiter, Ma schinenfabriken in besserer Stimmung auf eine Bestellung von 400 Locomotioen durch die Preußischen Staatsbahnen. Geld bleibt flüssig, Prioatdiscont 3% %. Cours, Cours vom 23 40/0 Hessische Obligation. „ Bayern «... „ Baden..... 30/0 Sächsische Rente. . 37,0/0 BremerStaatsanl. „ Hamb.Staatsiente 40/oOestr. Goldrente . „ GriechischeMonopol- Anleihe . . . 4o/g Rumänische Rente . 5Vao/o Russische Anl.. . 40/0 Pfälz. Ludwigsbahn (Bexbach) . . . „ Hessische Ludwigsb. 68/69 g orant. . , Elisabethb. steuerfrei Gold .... 50/0 Oestr. Staatsbahn. 4o/o do. do. 30/0 do. do. I.—vm.Emiss. 30/0 do. Ergänzungsnetz 50/0 Nordwestbahn Gold t der < ./VIII. 105 25 106.— 103 90 91.— 98.10 99.10 96.60 78.10 99.55 102.20 Wei 103.05 102.40 101.55 107.25 101.35 84.70 81.15 108.40 Fro ktaatba (O./VIII. 104.40 106.15 103.90 91.— 99.— 96.50 78.45 99.50 102.50 udahrr-i! 103.— 102.35 101.65 107.30 100.80 84.60 81 50 108.60 inffurtcr Börse, nleihe«. Cours vom 23./ d'/zO/oPortug.-A. 88 u.89 5°/o amort. ©erb. Gold- Rente .... 5% SerbischeEisenbahn- Hyp.-Obl. la. . 4o/g Schweb. Oblig.I880r l°/o Türken conv. . 50/0 Argent. Gold - Anl. 0. 1887 ... Prioritäten. 5% Südbahn Lombarden 4<>/o do. do. 3% do. do. 40/0 Prag-Duxer Gold . „ Rudolf Gold (Salzt.) „ Franz-Josef Silber 3°/o staatl. garant Jtal. Eisenbahn . . 3% Lioorneser . . . 40/0 Russ.Südw Eismb. 4o/g Wladikawkas garnt. 4°/o gar. Sardin.Sec.ftsr. VIIL 30 94.50 86.80 89.95 18.75 84.45 105.05 68*40 101.20 101.05 87.30 58.— 65 20 95 40 94.80 85.90 ./VIII. 94 90 86.30 89.70 102.70 18.90 84.40 105.40 99.70 68.— 100.70 101.(5 87.80 57.95 65.25 95.60 94.70 85.80 LudwigShafen-Bexbach. Hessische LudwigSbahn. Pfälzische Nordbahn . Marienburger-Mlawka. « 231.90 120.15 120.20 68.10 iseubahn-Aetie«. 232.60 | Lübeck-Büchner . . . 122.30 I Mecklenburger . . . 120.85 I Gotthardt..... 68.80 1 Jtal. Mttelmeer . . 169.30 165.— 113.90 172.— 172*20 116.— Deutsche Reichsbank . Berlin. Handelsgesellsch. Deutsche Bank . . . DeutscheGenossenschstSb. v.Soergel,ParristusLCo. 143.20 170.70 169.80 130.20 vank.ii 143.50 173.30 168.60 130.20 Settern Dresdener Bank. . . Mitteldeutsche Creditb. . Wiener Bank-Verein . Württemb. Vereinsbank 162.50 113.40 107 Vs 127.— 164.90 114.— 1087g 127.45 Binding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) Bad. Anilin- u. Soda- fabril ..... Jr 168.20 139.— 277.— rduftrie-Papiere. 170.80 । Deutsche VerlagSanstalt 139.50 I Farbwerke,voruuMeister, LuciuS & Brüning. 280.30 1 Riebeck'scheMontanwerke 268.45 277.— 184.50 268.50 278.50 185.70 40/0 Franks. Hyp.-Pfdbr. d. 86 ab . . . 37r0/oFrnkf.Hyp.-Pfddr. 4o/oPreuß.Hyp.-Act.-Bk.- Pfandbr. . . . 372% do. .... . 40/oPreuß. Centr.-Bod.- Cred.-Pfandbr. biS 1885 ..... 102.— 97.50 101.60 96.50 101.40 Pfand 102.— 97.50 101.60 96 50 102 — vriefe. 40/oDeutscheGrundschld.- Bk.-Pfandbr. . 37i% do...... 37,0/0 Rhein. Hyp.-Bank- Pfandbr. . . . 40/0 Meininger Pfandbr. 101.50 96.50 95.30 101.50 101.50 96.50 95.20 101.50 Oestr. 1860rfl.500-Loose „ 1854rfL250= , 4°/o Meininger Prämien- Psandbr. . . . 129.45 123.— 133.30 84)1 130.80 124.— 134.— Dfe. Bramrschweig. 20 Thlr.- Loose .... 30/0 Oldenburger Loose. 37,0/oKöln-MindnLoose 105.95 138*90 105.95 132.05 138.70 «1 6o/oChic.MUw.f.St.Paul PrL, rückzahlb. 1910 . bo/oChic.Mllw.f.St.Paul Prt., rückzahlb. 1921 . 6°/o Centt. Pacis. I.Mrtg. rückzahlb. 1896 . . 114.— 104.30 107.80 tische G 113.50 104.60 108.— isenbahn-Bond». 40/0 Chicago Burlington Nebraska 1927 . . 47a°/o California Pacif. I. DL, rückzahlb. 1912 6o/oPacif.ofMissourt con- soltdated I. M. r. 1920 89.25 105.90 109.50 88.80 105.95 107.95 50/0 Buderus-Obligat. . Diverse obltgationc«. 104 30 1104.30 I 47,o/oGrafHenkelv.Don- nerSmark, rückz. ä 105 105.— 105.— 1 ir. ’j' d,e ^er der tu bet fr' ü>lk fr.1 Mb M»fr SÄ 9X