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Januar 1890 Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger ^Sonnemcutspretsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Hlr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Airzeigeblatt für den Kreis Giefzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den IfiMIAlle Annoncen-Bureanx des In- und Auslandes nehme« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. WB.« tiyL« HvAltt. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung. „z. Nach Art. 3 der Reblaus-Convention vom 3. November 1881 (Reichsgesetz-Blatt von 1882, S. 125) ist die Zulassung von nicht zur Kategorie der Rebe gehörigen Pflänzlingen, Sträuchern und sonstigen Vegetabilien, welche aus Pflanzschulen, Gärten oder Gewächshäusern stammen, zum internationalen Verkehr unter Anderem davon abhängig gemacht, daß die Unverdächtigkeit der einzelnen Pflanzensendungen durch ein behördliches Zeugniß dargethan wird, aus welchem hervorgeht, daß die Ursprungsanlage nebst der dieselbe in einem Umkreise von 20 Meter umschließenden Bodenfläche keine Rebe enthält und — im Falle früherer Heimsuchung durch die Reblauskrantheit — während eines dreijährigen Zeitraums desinficirt worden ist In Artikel 9, Ziffer 6 der Convention haben die Vertragsstaaten sich verpflichtet, Verzeichnisse derjenigen Gärtnereien rc„ welche regelmäßigen Untersuchungen unterliegen und amtlich als den Anforderungen der Convention entsprechend erklärt worden sind, herzustellen und sich gegenseitig mitzutheilen. Diese Bestimmungen sind deutscherseits von Ansang an in dem Sinne gedeutet worden, daß die Ausnahme einer gärtnerischen Anlage in jene amtlichen Verzeichnisse den Besitzer solcher Anlagen von der mit Umständlichkeiten und Kosten verknüpften Beibringung behördlicher Unverdächtigkeitszeugnisse für die einzelnen zur Ausfuhr bestimmten Pflanzensendungen befreien sollte. Bei dem Widerspruche jedoch, welcher dieser Anschauung seitens einzelner Vertragsstaaten entgegen gesetzt wurde, waren die betheiligten deutschen Handelsgärtnereien bisher genöthigt, für jede in das Gebiet eines jener Staaten auszusührende Pflanzensendung ein behördliches Unverdächtigkeitszeugniß zu beschaffen. Erst neuerdings haben sich die vertragschließenden Staaten dahin geeinigt, die oben erwähnte, deutscherseits vertretene Auffassung in einem besonderen Zusatze zu Art. 3 der Convention zu allgemeiner Geltung zu erheben; vgl. die in Nr. 27 des Reichsgesetzblatts vom 24. December 1889 veröffentlichte Declaration zur internationalen Reblaus - Convention vom 15. April v. Js. Hierdurch gewinnen die nach Art. 9, Ziffer 6 der Convention aufzustellenden amtlichen Verzeichnisse derjenigen Gartenbau- rc. -Anlagen, welche regelmäßigen Untersuchungen in angemessener Jahreszeit unterliegen und amtlich (von der betreffenden Polizeibehörde: Polizeiamt oder Kreisamt) als den Anforderungen der Convention entsprechend erklärt worden sind, eine erhöhte Bedeutung. Es besteht daher die Absicht, alljährlich ein nach Ort- Feuilleton. Ballgedanken. Es ist im Grunde genommen ein Widerspruch, von Ballgedanken zu sprechen, denn aus einem Ball dürfte alles eher zu finden sein, als Gedanken. Wenn aber der Kater Hidi- geigei sich in Betrachtungen über das Küssen erging, bei welcher seelisch - körperlichen Function bekanntlich einem der Verstand stehen bleibt, so kann es, namentlich im Zustande des Ballkaters, vorkommen, daß man sich fragt; „Warum tanzen denn die Menschen?" Freilich müßte diese Frage sofort eingeschränkt werden, denn es gibt menschliche Tanzarten, die mit Bällen nicht im geringsten Zusammenhänge stehen. Wenn man sich den Finger zwischen Thür und Angel eingeklemmt hat, wenn Jemand aufs Hühnerauge getreten wurde oder wenn man sich die Zunge verbrannt hat, so sucht man zumeist seinem Schmerze durch heftige Tanzbewegungen, welche freilich kaum den Beifall der Balletmeister finden dürsten, Ausdruck und Ableitung zu verschaffen. Es ist für tiefsinnige Denker vielleicht durch diese aus dem Schatze der Erfahrungen herausgeholte Bemerkung der Fingerzeig gegeben, das Tanzen als eine Function des „Schmerzes, der jede Creatur durchzittert", und so die Bälle in ihren Grundzügen als pessimistische Conventikel zu erklären. Diese Hypothese findet einigermaßen Bestätigung, wenn man aus unseren Elitebällen den Leidenszug in den Gesichtern der jungen Herren betrachtet, die so schmerzlich dreinschauen, als ob Terpsichore ihnen auf die knappen Lackschuhe getreten wäre. Man muß einen Ball-Schopenhauer in der Erledigung seiner Tanzvflichten studiren, um von der Schmerzlichkeit der Aufgabe durchdrungen zu sein, der sich ein solches Opfer unterzieht. Wenn wir den Ausdruck „Erledigung" gebraucht haben, schäften und innerhalb derselben nach dem Namen der Besitzer alphabetisch geordnetes Verzeichniß der im Reichsgebiet belege- nen Anlagen der gedachten Art aufzustellen und den Vertragsstaaten behufs Mittheilung an die Eingangs-Controlämter zu übersenden. Für die Besitzer von Eingangs erwähnten Anlagen, hinsichtlich welcher den gestellten Erfordernissen Genüge geleistet wird, ist daher, insofern dieselben Bodenerzeugnisse in das Ausland befördern, die Aufnahme in das Verzeichniß von Interesse. Hierbei wird jedoch daraus hingewiesen, daß die in Art. 3 der Convention vorgeschriebene Erklärung des Absenders — vergl. Bekanntmachung vom 10. October 1883; Gießener Anzeiger Nr. 239 — nach wie vor jeder Sendung beigefügt werden muß. Anträge auf Ginreihun« iu da- erwähnte Verzeichniß find für diese« Jahr als bald, für die Folge jeweilig biS zum Schluffe des Kalcnde jahees bei den Gr. Bürgermeistereien bezw. Loealpolizeibeamten anzubringen. Gießen, am 24, Januar 1890. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ____________________" v. Gagern.____________________ Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Directionen des landwirthfchaftlichen Bezirksvereins Mannheim und des badischen Rennvereins Mannheim aus Anlaß des Anfangs Mai d. I. in Mannheim abzuhaltenden Pferde- und Rindviehmarktes eine Verloosung von Pferden, Rindvieh, Silbergegenständen, Fahr- und Nettrequisiten und sonstigen Gerüchen für Haus- und Landwirthschaft veranstalten werden, bei welcher 30 000, eventuell 50 000 Loose ä 2 ausgegeben und Gewinne im Gesammtwerthe von 39 000, eventuell 65 000 «A verloost werden sollen. Von Großh. Ministerium » es Innern und der Justiz ist den gedachten Unternehmern aus ihr Nachsuchen gestattet worden, die fraglichen Loose im Großherzogthum zu vertreiben. Gießen, den 25. Januar 1890. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. Gagern._________________ Bekanntmachung. ES wird hierdurch zur öffentlichen Kennmiß gebracht, daß nach Mittheilung der Bürgermeisterei Krofdorf die Strecke des Vicinalweges Odenhausen —Fronhausen in der Nähe des Ortes Odenhausen im Umbau begriffen und deshalb für Lastfuhrwerk in den nächsten 3 Wochen nicht passirbar ist. Gießen, den 2Z. Januar 1890. Großherzogliches Kreisamt Gießen. - v. Gagern. Bekanntmachung, die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst aus Grund von Schulzeugnissen betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch aus die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden. 1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commisston nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. feinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2) Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. 3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden- Auch erscheint es zweckdienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird. 4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a) Geburtszeugniß; b) ein Einwillig un gS-Mt test des Vaters ob.e r Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen; c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen militärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit ober ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; d) das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß. Zu pos. (I: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahm so entspricht er vollständig den Thatsachen. Ein solcher Pessimist führt nämlich eine genaue Registratur der tanz- fähigen, das heißt geldkräftigen Tänzerinnen, und beglückt sie je nach der Klasse, in die er sie eingereiht hat. Den Angehörigen der ersten Klasse wird eine Quadrille geopfert, während welcher man leicht Gelegenheit findet, seinen Geist leuchten zu lassen und auf einige Aufmerksamkeit für seine Reden rechnen darf. Für die zweite Klasse, der gegenüber man sich nicht zu weit vorwagen darf, genügt ein Walzer, bei dem man sich eleganter Weise blos mit der Geschwindigkeit eines in den letzten Zügen liegenden Kreisels bewegt - eine nicht zu tiefe Verbeugung — denn bei 15 Grad zeigt sich bereits die Vergnügungstonsur — und die zweite Klasse ist erledigt. Für die dritte wird die Polka gewählt, weil dieselbe nicht jenen innigen Character besitzt, der dem Walzer innewohnt- auch macht ihr Rhythmus das Sprechen nicht leicht möglich und läßt daher kühle Schweigsamkeit als unauffällig erscheinen. Glücklicherweise sind aber die Tanzpessimisten, wie die Pessimisten überhaupt, in der Minderzahl, was die Schmerzerklärung einigermaßen unzulänglich erscheinen läßt. Dann aber muß der Faschings-Hidigeigei weiter fragen: „Warum tanzen denn die Menschen — paarweise ?" Mit dem Sprichworte: „Gctheiltes Leid ist halbes Leid, getheilte Freud, doppelte Freud", welches freilich den traurigen wie den heiteren Tänzern gerecht wird, kann man eine so schwerwiegende Frage nicht abthun. Mit Entrüstung muß die Erklärung eines Spötters zurückgewiesen werden, welcher meinte, man tanze deßhalb paarweise, weil das Tanzen im Grunde genommen ein — vierfüßiges Vergnügen sei. Wohl soll es vorkommen, daß jugendliche Vierfüßler von augenblicklichen Tanzeingebungen erfaßt werden, doch pflegen sie sich denselben in reizloser Alleinigkeit hinzugeben. Nur Kinder, welche noch tiefer in der Verwandtschaft mit den zurückgebliebenen Zweigen unseres Stammbaumes stecken, geben sich mit großem Eifer Solotanzvergnügungen hin. Es wäre nun sehr verlockend, durch historische und psychologische Auseinandersetzungen dem Tanzvergnügen einen Erklärungsgrund abzuzwingen; aber ein erklärtes Vergnügen ist ein halbes. Das Geheimniß der meisten Vergnügungen besteht in deren Unbewußtscin. So lange unser Herz normal schlägt, fühlen wir es nicht und denken auch nicht über seine Functionen nach, erst mit dem Augenblick, da es uns Ungelegenheiten macht, beginnen wir es zu spüren. Mit dem Tanzen ist es ähnlich. Wer über dasselbe nachzudenken beginnt, beweist, daß er daran kein Vergnügen mehr findet, daß er sich demselben nicht mehr voll hinzugeben vermag. Wie will er aber dann wissen, wie es dem Tanzenden ums Herz ist, „warum die Menschen tanzen?" Als er es hätte sagen können, wußte er es nicht, und nun er es wissen könnte, ist ihm der Gegenstand seines Nachdenkens fremd geworden. Wer will Traumbilder photographiren, lind wer den Traumzustand ergründen, in den versunken die Jugend sich dem Tanze hingibt. Es ist ein trauriges Bekenntniß, das wir machen müssen: Es ist nicht nur schwer, aus Bällen, sondern auch über Bälle sich Gedanken zu machen. Und merkwürdig, dies beschämende Bekenntniß, das wir hiermit sammt seinen Vorstudien allen Tanzlustigen zur Genugthuung preisgeben, stimmt uns gar nicht trübe. Im Gegentheil, es kommt die erfreuliche Erleuchtung über uns, daß es ganz gut ist, wenn es ein Gebiet gibt, aus das der immer selbstherrlicher werdende Kops seine Herrschaft nicht ausdehnen kann. Sonst wird die Welt noch zu gescheit, und dazu ist sie doch wirklich zu schön. der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlich nach dem Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889 — ausgestellt sein müssen. Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige zu Darmstadt. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. politische Ueveesicht. Gießen, 29. Januar. Das 31. Geburtsfest unsers Kaisers ist in allen Theilen des deutschen Vaterlandes freudig gefeiert worden, wie die hierüber vorliegenden zahlreichen Berichte bekunden, und auch an vielen Orten des Auslandes, wo Reichsdeutsche in größerer Zahl wohnen, beging man die Geburtstagsfeier des erlauchten Monarchen in entsprechender Weise. Derartige Feierlichkeiten wurden in Wien, Triest, Belgrad, Sofia, Petersburg, Moskau, Rom u. s. w. veranstaltet. Dem nun verabschiedeten CartellReichstage sind von der Presse aller Parteien eingehende Nachruse gewidmet worden, die sich je nach.der politischen Stellung der einzelnen Blätter anerkennend oder mißbilligend über die vom Reichstage in der nun beendeten Legislaturperiode entfaltete Thätigkeit aus- sprechen. Doch darin stimmen alle diese Epiloge überein, daß sie das Scheitern des Socialistengesetzes als einen Miß- klang bezeichnen, mit welchem der Reichstag seine^Thätigkeit beschlossen habe, und allerdings muß der Fall der Socialisten- vorlage als ein Mißton bezeichnet werden, der sich zwischen der Regierung und einem Theile der bisherigen Cartellmehr- heit ergeben hat. Es ist indessen kaum anzunehmen, daß diese Verstimmung noch schärfer hervortreten werde, die doch lediglich den oppositionellen Parteien zu Gute kommen würde; nur wäre es sehr Wünschenswerth, wenn die Regierung ihre Anschauungen über die weitere Entwickelung der durch das Scheitern des Socialistengesetzes bedingten Lage endlich offenbarte. Bis jetzt liegt in der officiösen Presse noch nicht die geringste Andeutung darüber vor, wie man an leitender Stelle in Berlin über die Möglichkeit denkt, daß auch im nächsten Reichstag das Socialistengesetz abgelehnt werden könnte, was zur voraussichtlichen Folge hätte, daß am kommenden 1. October die Ausnahmegesetzgebung gegen die Socialdemokratie ohne jeden Uebergang plötzlich zu Ende wäre. Fast gleichzeitig haben jetzt auch die Centralleitungen der deulschconservativen und der nationalliberalen Partei ihre Aufrufe zu den Reichstagswahlen veröffentlicht. Beide Kundgebungen stimmen in vielen Punkten überein, so namentlich in der Hervorhebung der wichtigsten, vom bisherigen Reichstage gelösten Ausgaben und in der Versicherung der ferneren unbedingten Treue zu Kaiser und Reich. Doch während der Wahlaufruf der Conservativen die künftige Haltung der Partei in den inneren wie äußeren Fragen der deutschen Politik nur ganz im Allgemeinen characterisirt, entwickelt der nationalliberale Wahlaufruf ein förmliches Programm, indem er Vollendung der Rechtseinheit des Reiches, Ausbau der socialpolitischen Gesetzgebung unter specieller Berücksichtigung des Arbeiterschutzes, eine vorsichtige Colonialpolitik und eine Reihe finanzieller und steuerpolitischer Reformen fordert. Beide Kundgebungen klingen aber in der ernsten Mahnung an alle patriotische Wähler aus, treu und fest zu Kaiser und Reich zu stehen. Die Neubildung eines bayerischen Infanterie-Regiments ist geplant und soll dasselbe zur Verstärkung der bayerischen Besatzungstruppen in Elsaß-Lothringen bestimmt sein. Am Montag, den 27. Januar, ist die officielle Bekannt- gäbe der in der deutsch-czechischen Ausgleichsconferenz zu Wien gefaßten Beschlüffe erfolgt. Dem Conferenzprotocoll zusolge ergeben sich als die Hauptpunkte des erzielten Ausgleiches: | 1. Der Landesschulrath für Böhmen wird in eine deutsche und । czechische Section getheilt, welche in ihren Wirkungskreisen I durchaus selbstständige Befugnisse haben. In den Nahmen । dieses ersten Artikels ist auch die getroffene Verständigung über die sogenannten nationalen Minoritätsschulen eingefügt. 2. Der Landesculturrath wird künftig ebenfalls aus einer deutschen und einer czechischen Section mit einem Präsidialcollegium für gemeinsame Angelegenheiten bestehen. 3. Es wird eine czechische Handelskammer im östlichen Böhmen gebildet. 4. Die Bezirks- und Kreisgerichts-Sprengel des Königreichs Böhmen werden nach nationalen Grenzen abge- theilt und zwar derart, daß ein Gerichtssprengel. möglichst nur Gemeinden ein- und derselben Nationalität umfaßt- auch die politischen Bezirke sollen möglichst nach nationalen Gesichtspunkten abgegrenzt werden. Das Prager Oberlandesgericht wird künftig in eine deutsche und eine czechische Abthcilüng zerfallen. 5. Der vom böhmischen Landtage beschlossene Sprachengesetzentwurs, welcher von der Regierung nicht sanc- tionirt worden ist, wird dem Landtage im Herbste zur Abänderung nochmals vorgelegt werden. 6. Die böhmische Landtagswahlordnung wird einer Resorm unter Wahrung des jetzigen Besitzstandes der Parteien unterzogen werden und ist die Errichtung nationaler Curien im Landtage beschlossen worden. Diese Beschlüsse waren noch vor ihrer Veröffentlichung den am Sonntag in Prag stattgefundenen Abgeordneten- Versammlungen der Deutschen, der Altczechen und des Großgrundbesitzes unterbreitet worden und von denselben einstimmig gutgeheißen worden. Alsdann erschien der Führer der Deutschen, Schmeykal, in den Versammlungen der Altczechen und des conservativen Großgrundbesitzes, woraus Dr. Rieger Namens der Altczechen und Fürst Karl Schwarzenberg Namens des conservativen Großgrundbesitzes in der Versammlung der deutschen Abgeordneten erschienen, die gegenseitige Begrüßung war überall eine sympathische und ist hiermit der nationale Ausgleich in Böhmen in aller Form besiegelt worden. Nur die Jungczechen stehen noch grollend zur Seite, doch können sie an den vollzogenen Thatsachen nichts mehr ändern. Die sämmtlichen großen Wiener Blätter begrüßen diesen Abschluß der Ausgleichsangelegenheit aus's Freudigste und wenn die „Neue Fr. Pr." erklärt, es sei dies mehr, als je die kühnsten Optimisten zu hoffen gewagt und könne dies den Grundstein zu einer ganz neuen Entwickelung und Erstarkung Oesterreichs abgeben, so erscheint diese Freude wohl gerechtfertigt. Die Meldungen über Personalveränderungen im Ministerium Taaffe infolge des Ausgleiches sollen unbegründet sein. Ueber den Stand der englischportugiesischen Verhandlungen wegen der südafrikanischen Streitaffaire verlautet in jüngster Zeit gar nichts mehr. Dieser Umstand scheint zu dem Gerücht Veranlassung gegeben zu haben, daß eine Unterbrechung in den Verhandlungen eingetreten sei, welches Gerücht jetzt indessen von Lissabon aus als unbegründet bezeichnet wird. Mit dem Conflict hängt übrigens die beschlossene Versetzung des bisherigen portugiesischen Gesandten in London, d'Antas, nach Paris offenbar zusammen. Neueste Nachrichten. WoW telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 28. Januar. Abgeordnetenhaus. Der Vertrag wegen Fortdauer des thüringischen Zoll- und Handels- Vereins wurde in dritter Lesung ohne weitere Erörterung genehmigt, ebenso der Etat des Kriegsministeriums. Beim Domänenetat erklärte Minister Lucius , daß die Festsetzung eines Pachtminimums bei der Pachtung von Domänen überschätzt werde, zweckmäßiger würden die Durchschnittspreise zu Grunde gelegt. Im Fortgänge der Sitzung wurde eine Reihe kleinerer Etats, darunrer diejenigen der Forsten, des Kron-Fideicommißsonds, der Staatsarchive und des Geheimen Civilcabinets erledigt. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr. Etats für Landwirthschast, Gestüte und Steuern. Berlin, 28. Januar. Die Abendblätter melden: Nach soeben von Zanzibar in privaten hiesigen Kreisen eingetroffener telegraphischer Meldung Wißmanns besetzte derselbe die Plantage Lewa in der Nähe des Panganiflusses in der Provinz Usambara wieder- die Plantage erfreute sich eines ausgedehnten Betriebes, bis der arabische Aufstand die Plantage mit allen Anlagen zerstörte. München, 28. Januar. Der bei der gestrigen Hoftafel auf Se. Majestät den Kaiser vom Prinzregenten ausgebrachte Toast lautete: „Ich trinke aus das Wohl Seiner Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen, Meines hohen Verbündeten und treuen Freundes. Gottes Segen walte auch ferner über ihm." Hierauf stieß der Prinzregent mit dem preußischen Gesandten Grafen Rantzau an. — Gras Rantzau gibt heute Abend zu Ehren des Kaiserlichen Geburtstages eine Tafel, zu welcher das diplomatische Corps und die Staatsminister eingeladen sind. München, 28. Januar. Wie die „Allgemeine Zeitung" vernimmt, wird bei der wahrscheinlich am 6. Februar in der Kammer der Reichsräthe stattfindenden Berathung über die bekannten Anträge der Kammer der Abgeordneten wegen des Placet und der Zulassung der Redemptoristen der Staatsminister von Crailsheim die Stelle des in der Reconvalenz befindlichen Staatsministers von Lutz vertreten, das gleiche findet auch bei den bevorstehenden Verhandlungen über den Cultusetat in der Kammer der Abgeordneten statt. Weimar, 28. Januar. Der Großherzog genehmigte das Entlassungsgesuch des Staatsministers Stichling und ernannte zu seinem Nachfolger den Geheimrath Groß. Wien, 28. Januar. Sämmtliche Blätter äußern die größte Genugthuung über die Ausg l ei ch ser g ebnisse. Das „Fremdenblatt" hebt die Mäßigung und Klugheit sämmt- licher Parteien und des Cabinets hervor. Durch den Wieder- Eintritt der Deutschen m den böhmischen Landtag erscheint der Parlamentarismus in Oesterreich gefestigt und alle die Verfassung bedrohenden Gefahren beseitigt. Die „Presse" sagt, die Idee der Gerechtigkeit durchzieht das ganze Ausgleichswerk. Der Ausgleich beruhe auf dem Gedanken, welcher die Kraft Oesterreichs bildet: daß das Staatswohl keine Unterdrückung auch nur der kleinsten Nation erheische. Der Ausgleich werde! zum bleibenden Ruhme des weisen und gütigen Monarchen beitragen. Die „Neue Freie Presse" meint, der Ausgleich bedeute den Beginn einer neuen Zeit. Die Politik schroffer Abwehr gegen Taaffe und die Unzufriedenheit hat vielleicht ihr Ende erreicht. Doch bedeute der Friede in Böhmen noch nicht die Versöhnung der Linken mit Taaffe. Der Ausgleich rückt jedoch die Deutschen in den Vordergrund, welche sich jedoch Mäßigung auserlegen werden. Sämmtliche Blätter betonen die Wichtigkeit des Ausgleichs nicht nur für Böhmen, sondern für das gesammte Reich, dessen Kraft dadurch gefestigt sei. Prag, 28. Januar. Bei der heutigen Sitzung der Handelskammer zwecks Neuwahl des Präsidiums gaben die deutschen Mitglieder die Erklärung ab, sich an der Wahl auf Grund der öfters kundgegebenen Anschauungen nicht betheiligen zu können, sie hegten indessen angesichts der freudigst begrüßten Vorgänge der letzten Tage die Hoffnung, durch eine weitere Ausgestaltung des Ausgleichswerkes den letzten Nest der bisherigen Zurückhaltung beseitigt zu sehen. Der Vorsitzende begrüßte diese Erklärung sehr srendig und gab i der Erwartung baldiger Beseitigung der schwebenden Differenzen Ausdruck. Es werde dann ein neuer Geist des Friedens und der Eintracht bei dem gemeinsamen Wirken in die Kammer einziehen. Unter begeisterten Hoch- und Slavarusen wurde daraus das bisherige Präsidium wiedergewählt. Im weiteren Verlaufe dieser Sitzung beantragte Sobotka Namens der deutschen Mitglieder' die Vertagung der Vorbereitungen zu der Ausstellung auf den 15. Februar, weil angesichts des Ausgleichs die Betheiligung der Deutschen an der Ausstellung zu gewärtigen sei. Unter Zustimmung der Deutschen wurde die Verlängerung der Frist bis zum 12. Februar be- I schlossen. Der Präsident gab daraus seiner Freude Ausdruck, mit den deutschen Mitgliedern sich in gemeinsamer Arbeit bereinigen zu können. Bern, 28. Januar. Die Arbeiterschutz-Conserenz soll im Ständerathssaale stattfinden. Der Bundesrath legt einen Entwurf der zu berathenden Fragen vor. Paris, 28. Januar. Tirard legte dem Ministerrathe einen Gesetzentwurf vor, dahingehend, das Marsfeld seiner Eigenschaft als Militärübungsplatz zu entkleiden und die daraus errichteten bedeutendsten Weltausstellungsgebäude dauernd zu erhalten. — In der Angelegenheit des Zusammenbruchs des Kupsersyndicates ist die Voruntersuchung beendet. Die Angelegenheit kommt vor das Zuchtpolizeigericht. Paris, 28. Januar. Das gestern von den Bou- l a n g i st e n anläßlich des Jahrestages der vorjährigen Wahl veranstaltete Bankett war von etwa 1500 Personen besucht. Arras, 28. Januar. Von der Compagnie „Lens" sind gestern drei Grubenarbeiter entlassen worden, welche dem jüngst gebildeten Syndicat angehörten. Auf die Weigerung der Compagnie, diese Maßregel zurückzunehmen, beschlossen die Arbeiter einen sofortigen allgemeinen Aus st and. Nur sehr wenige setzten die Arbeit fort. London, 28. Januar. Die „Morning Post" feiert den Geburtstag K a i s e r Wilhelms durch einen Artikel, worin es heißt, der Kaiser habe durch seine persönlichen Eigenschaften den Erbanspruch darauf, ein großes Volk zu beherrschen - gestern habe er von seinem Volke die spontane Anerkennung dieser wichtigen Thatsache erhalten. Im Reiche hätte gestern die ernste enthusiasmirende Sprache widergehallt, mit welcher der Kaiser den Wunsch ausgedrückt habe, die Lage der Handwerkerklassen zu heben. Seine Unterthanen wüßten wohl, daß er versuchen würde, dies zu thun. Ihre Begrüßung zu seinem Geburtstage beweise, daß sie wohlgeneigt seien, ihre nationalen Probleme seiner Obhut anzuvertrauen. Helsingsors, 28. Januar. Die Nachricht österreichischer Zeitungen von einer beabsichtigten Beschränkung der Autonomie Finnlands ist gänzlich unbegründet. Die erwähnte Commission wurde eingesetzt, um Erleichterungen des beiderseitigen Eisenbahnverkehrs herbeizusühren und die Frage, betr. die Beseitigung der Verschiedenheiten des Zoll-, Münz- und Postwesens zu studiren, wodurch die Solidarität des finnländischen Finanzwesens in keiner Weise würde beeinttächtigt werden. Petersburg, 28. Januar. Anläßlich des Geburtstages des Deutschen Kaisers wurden gestern der Botschafter v. Schweinitz und der Militärbevollmächtigte Villaume zum Frühstück bei dem Kaiser im Anitschkowpalais geladen. Bukarest, 28. Januar. Bei den gestrigen sechs Neuwahlen wurden 5 Anhänger der Regierung gewählt. Der Versuch der Opposition zur Anstiftung von Unruhen blieb erfolglos- die Wahlen verliefen in voller Ordnung. Washington, 28. Januar. Das Repräsentantenhaus nahm die Gesetzvorlage an, wonach seidene Bänder mit einem Einfuhrzoll von 50 pCt. belegt worden- durch Jrrthnm im Gesetz von 1883 zahlten dieselben bisher nur 30 pCt. ________— Loeales uttb provinzielles. Gießen, 29. Januar. — Im Saale des Cas6 Ebel hielt gestern Abend Herr Univ.-Amtmann Dr. Dietz den angekündigten Vortrag über das Gesetz betr. die Znvaliditäts- uud Altersverficherung vom 22. Ium 1889. Herr Dr. Dietz theilte in seinem ca. fünf- viertelstündigen Vortrage das Wesentlichste aus dem Gesetze, welches sich ebenso wie die die Kranken- und Unfallversicherung betr. Gesetze an die Aussührung der Kaiserlichen Botschaft von 1881 anichließt, mit. Wie das Unfallversicherungsgesetz berufen sei, die infolge von Unfällen arbeits- resp. erwerbsunfähig gewordenen Personen durch Gewährung einer Entschädigung resp. Rente vor äußerster Noth zu bewahren, so bezwecke das Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetz, den infolge sonstiger Umstände, sowie wegen Alters erwerbsunfähig gewordenen Personen den Lebensunterhalt durch Gewährung einer Rente zu ermöglichen. Die Erreichung dieses Zweckes beruht auf dem Princip der Versicherung, welcher vom vollendeten 16. Lebensjahre an alle Personen unterliegen, die gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden, sofern deren Jahresverdienst 2000 Mk. nicht übersteigt, ausgenommen sind Apothekergehilsen. Die Versicherungspflicht kann auch auf Betriebsunternehmer, sowie selbstständige Hausgewerbetreibende ausgedehnt werden, dagegen unterliegen Beamte des Reichs und der Bundesstaaten, sowie pensionsberechtigte Beamte von Commimalverbänden der Versicherungspflicht nicht, sog. kleine Betriebsunternehmer sind, ebenfalls wie bei der Unfallversicherung, berechtigt, sich selbst zu versichern, sofern sie das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Gegenstand der Versicherung ist eine Alters- bezw. Invalidenrente. Während erstere ohne Rücksicht aus die Arbeitssähigkeit mit dem vollendeten 70. Lebensjahre gewährt wird, setzt die letztere eine dauernde Erwerbsunfähigkeit voraus, sofern solche nicht infolge eines Unfalls, in welchem Falle die Unfallversicherung einzutreten hat, eingetreten ist. Bei beiden Arten der Rente ist die Zurücklegung der vorgeschriebenen Wartezeit sowie die Leistung der Beiträge vorausgesetzt, sic betrügt bei der Invalidenrente 5, bei der Altersrente 30 Beitragsjahre, das Jahr zu 47 Beitragswochen gerechnet- durch Krankheiten hervorgerufene Unterbrechung der Beitragszeit kommt hierbei mit zur Berechnung, ebenso die Ableistung der Mllttärdtenst- zeit. Die Mittel zur Gewährung von Invaliden- und Altersrenten werden von dem Reiche, den Arbeitgebern und Arbeitern aufgebracht, derart, daß das Reich jährlich einen Zuschuß von 50 Mk. für die zu zahlende Rente leistet, während die weiter nöthigen Mittel von den Arbeitgebern und Versicherten zu gleichen Theilen aufzubringen sind. Die Beiträge und Renten werden nach der Höhe des Arbeitsverdienstes der Versicherten bemessen. Letzterer ist in 4 Klassen eingetheilt, deren Lohn- inzielles. Achv. 29. Januar. M Bern Abend Herr gekündigten Vortrag über ib Akterßverfilherung vom heilte in seinem ca. süns- itlichste aus dem Gesetze, ;en= undUnjallverficherung der Kaiserlikben Botschaft s Unjallverstcherungsgeietz n arbeite <««* fi Gewährung einer tLnd r M iu bewahren, lo räversicherungsgesch dm im Alters erwerbsunfähig 'nhall durch «»hrMg -' eiW *3 Zweckes Sin?, ** t werden, i°iern r b hfiTS'“*a“' ,iflt CC des R-ichS »nsberechlM {(eltlt Unfattf; » [«fern f«61 rittm »^V.^olibcnrente. j di- di- g-Mhr' igknt °°^ 'J£ Unf«^ *” Cbeibcn^” eten il>- .,Znen ®«rteie ! ootgcif6'11 gt beträgt “ tauW^ 8eitt«8s|“I ' SÄSSS n-n J"vnl'd^ h KbBNt Ä0«bttnUQUfrf)ufi ö0" Irlich di-t°-^ ' rie siÄerl/" .,,«*> “S-* ■«. ** D-r SB„50|,fettn. dar k«t *fe de^ .. !5 '"«leiben «L *'C“* >» '»=i9er^‘tnb«- Di- bttbXb(1' B°n- ifh>« Ä ^hl Nonen " korben h Ans u, $E bent Mmen u'^tui,9 rt. . AUdftanb. »"Lx/L c prhrtfi e Montane *»• 3m Ne »tdergehM Druckt habe, bie L' ""'«hamn tvL Ke Be- l'-MJtt mahlgeneigt Ä? “"inbertrancn. •‘“tajt asterretchisch« lanünfung der Aata- grünbet. Die erwähnte Sterlingen des beider- " and bie Frage, bett b°s Soll-, Münz- und ■ Solibantät des wurde beeinträchtigt Uich des Geburtstages gestern der Botschafter Nächtigte Billaume zum owpalais geladen, en gesttigen sechs Neu- egierung gewählt. Der ung von Unruhen blieb oller Ordnung. das Repräsentantenhaus seidene Bänder mit , belegt worden,- durch en dieselben bisher nur ^ätzc jährlich 300, 500, 720 und 960 Mk. betragen; ent- ' sprechend diesen Lohnsätzen und den auf Grund dieser erhobenen Beiträge wird auch die Rente bemessen. So bc rechnet sich die Invalidenrente schon nach 10 Beitragsjahren auf 119.40 Mk. in der 1. Klasse, 138.20 Mk. in der 2., 152.30 Mk. in der 3., 171.10 Mk. in der 4. Klasse - sie erreicht ihren Höchstbetrag nach 50 Beitragsjahren mit 157, 351, 321.50, 415.50 Mk. Die Altersrente beträgt nach 30 Beitragsjahren 106.40 Mk. in der 1., 134.60 Mk. in der 2., 162.80 Mk. in der 3., 191 Mk. in der 4. Lohnklasse. An Beiträgen sind von den Arbeitgebern und Versicherten zusammen zu leisten in der 1. Lohnklasse 14 Pf., in der 2. Lohuklasse 20 Pf., in der 3. Lohnklasse 24 Pf. und in der 4. Lohnklasse 30 Pf. pro Woche. Die Entrichtung der Beiträge erfolgt ‘ gegen Abgabe von Marken, die bei den Postanstalten, sowie anderen noch zu bestimmenden Verkaufsstellen zu haben sind. Diese Marken sind in Jahreskarten einzukleben und werden die vollbeklebten Karten an diejenige Versicherungsanstalt eingesendet, bei welcher der Versicherte das erste Mal eingetragen wurde. Zu anderen Zwecken, als zum Einklebcn der Marken, dürfen diese Karten nicht verwendet werden, besonders unterliegen Vermerke in denselben über Führung und Leistling des Arbeiters einer Ordnungsstrafe. Wenn während vier aufeinanderfolgenden Jahren für weniger als 47 Wochen Beiträge entrichtet worden, erlischt das Recht auf Bezug von Rente. Stirbt ein Versicherter, für welchen für 5 Beitragsjahrc Beiträge geleistet wurden, ohne daß er in den Genuß der Rente getreten, so kann den Hinterbliebenen die Hälfte der entrichteten Beiträge zurückerstattet werden. Als oberste Behörde in Sachen der Jnvaliditäts- und Altersversicherung gilt das Reichsversicherungsamt, welches durch ein besonderes Rechnungsbureau erweitert wird, sonstige Organe sind die Landesversicherungsämter, die Schiedsgerichte und die mit der Ueber wachung des Gesetzes betraut werdenden örtlichen Behörden, Bürgermeistereien re. Die ziemlich zahlreich Erschienenen folgten den Ausführungen des Herrn Dr. Dietz, der am Schluffe seines Vortrages der Hoffnung Ausdruck gab, daß auch das Alters und Jnvaliditätsgesetz zur Herstellung und dauernden Erhaltung des socialen Friedens beitragen werde, mit sichtlichem Interesse. — Es war wieder ein schöner Beweis ernsten Strebens und freudigen Eifers, was am verflossenen Sonntag der musikalische Theil der Abendunterhaltung des Sängerkranzes bot. Wer im vorigen Jahre Gelegenheit gehabt, die Entwicklung dieses Vereins ein wenig zu beobachten, wird gewiß die beharrliche Energie des Dirigenten, Herrn Dr. Haym und sämmtlicher Mitglieder bei Verfolgung des gesetzten Zieles anerkennen. Nur so war in so kurzer Zeit ein solcher Aufschwung möglich! Gewiß trägt auch die fröhliche Begeisterung, die Herr Haym bei den Mitgliedern so reichlich für das Unternehmen zu erwecken weiß, bedeutend zu diesem Aufschwünge bei. Auf die dermalige Aufführung nun hat der Verein wieder vollauf Ursache, stolz zu sein. War das Programm auch nicht so mannigfaltig wie vor ungefähr zwei Monaten gestaltet, so zeugte doch seine Wahl wiederum von dem Bestreben, den Anforderungen der Kunst sowohl, ivic dem berechtigten Unterhaltungsbedürfniß gleichmäßig Rechnung zu tragen/ Den populären Theil repräsentirten die schönen Volkslieder für gemischten Chor von Reichardt: „Der Baum im Odenwald" und „'s Vlumcli", worauf noch das ergreifende ^Des Mädchens Klage" zugegeben wurde, außerdem die Männerchöre „Ach Elslein, liebstes Elsleiy" von Kunz und das allbekannte „Aennchen von Tharan". Von hinreißender Wirkung aber waren der gewaltige „Altdeutsche Schlacht- gesaug" vvu Rietz, den wir mit Clavierbegleitung schon früher Dom selben Verein zu hören Gelegenheit hatten, und das ergreifende, feierlich ernste „Dankgebet" aus den altniederländischen Volksliedern von Kremser, beide für Männerchor mit Orchesterbegleitung, ebenso die cffectvollen Brambach'schen Lieder „Abend am Rhein" und „Fröhliches Fest am Rhein". Die Solopartieu setzten sich aus den drei Liedern von Haym (für Tenor): „Einen Brief soll ich schreiben", „Du bist die Blume mir am Hag", und dem reizend neckischen „Nelken", dann der „Arie aus den Jahreszeiten" von Haydn (für Bariton) und dem „Duett aus Martha" von Flotow (für Tenor und Baß) zusammen. Die Wiedergabe sämmtlicher Chöre zeichnete sich durch Reinheit, sorgfältige Abtönung der Schattirungen und große Klangschönyeit aus, wobei besonders die Damen in den gemischten Chören trotz der Kürze ihrer Mitwirkung Lob verdienen, werrn auch die WirktNtg des ersten Liedes durch anfängliche Zaghaftigkeit ein wenig beeinträchtigt wurde. Die Solovorträge von Herrn Haubach (Bariton) und Herrn Blersch (Tenor) haben nicht zum wenigsten zur schönen Gestaltung des Concens beigctragen. Auch sei das durch einige künstlerische Kräfte verstärkte Orchester, das diesmal zum ersten Male mitwirkte und das Programm durch die Mendelssohn'sche Ouvertüre „Heimkehr aus der Fremde" eröffnete, anerkennend erwähnt. Ein besonderes Verdienst erwirbt sich Herr Dr. Haym dadurch, daß er dem echten, schlichten Volksliede bei den Aufführungen seines Vereins eine so hervorragende Stelle ein räumt. Denn so allein — daö sei an dieser Stelle einmal ausgesprochen — kann dasselbe, das doch mehr und mehr der Vergessenheit anheimfällt, dem allgemeinen Derftändniß wieder- näher gebracht werden und die erziehende Wirkung, die ihm ebenso gewiß, wie jedem classischen Musikwerke zugeschricben werden muß, ausüben. Es wäre sehr erfreulich, wenn Herr Dr. Haym auch ferner dieser besonderen Art der Musik seine aufmerksame Pflege zuwenden wollte, und wir sind überzeugt, daß ihm dann nicht nur seine Sänger Dank wissen. Wie immer schloß sich an die musikalische Aufführung eine längere Tanzunterhaltung, die, durch eine sehr heitere Frantzaisc ausgezeichnet, nicht wenig zum fröhlichen Verlaus des Festes beitrug. Dem Vereine aber wünschen wir auch in diesem Jahre von Herzen Gedeihen und hoffen, daß es ihm bald gelingt, auch das letzte Ziel, das er erstrebt, zu erreichen. K- Theater. Am Freitag wird die Gastvorstellung des Fräulein Toni Tusch vom Frankfurter Stadttheater und des Herrn S i e g m a n n aus Hanau erfolgen und zwar zum Benefiz für unseren um die Aufführungen im „Neuen Theater" durch die tresflichc Dircetiou des musikalischen TheilS so vcr dienten Herrn Capellmeister Richard Lerch. Gegeben wird zunächst eine zweiaetige Operette („Versprechen hinter dem Herd") und daraus ein Singspiel. — Wie mehrfach berichtet wird, sind zur Zeit eingehende Berathungen im Gange, um eine zahlreiche Betheiligung der hessischen Landwirthe an der großen Ausstellung, welche die Deutsche landwirthschastliche Gesellschaft im Juni d. Js. in Straßburg veranstalten wird, zu erzielen. Die Groß- herzogliche Regierung scheint nicht abgeneigt, durch Bewilligung bedeutender Summen ihrerseits zu bethätigen, welche Wichtigkeit sie solchen Veranstaltungen beimißt. Gewiß wird die hessische Landwirthschast, wie dies in den letzten Jahren so häufig der Fall war, auch in Straßburg ihr engeres Vaterland würdig und erfolgreich vertreten. Nidda, 28. Januar. Herr Gutsbesitzer Sch lenke zu Gießen, welcher von den Vertrauensmännern der national liberalen Partei als Candidat für den 1. hessischen Wahlkreis ausgestellt wurde, wird nächsten Sonntag, den 2. Februar, Nachmittags 2i/2 Uhr, hier im Saale des Gambrinus seinen Wählern sich vorstellen und sein Programm entwickeln. Am Abend vorher wird Herr Schlenke in Echzell sprechen. — Eine Versammlung der Mitglieder der nationalliberalen Partei findet am Mittwoch den 29. Januar statt. Vermißtes» *△ Mainz, 28. Januar. Wie das bei den fortgesetzten Niederschlägen gar nicht anders zu erwarten, steigt der Rhein noch immer. In den letzten 24 Stunden ist daö Wasser um nahezu 25 Zentimeter gewachsen. Heute im Laufe des Tages wurde nur ein geringes Zunehrnen beobachtet, wogegen während der Nacht das Steigen ein ziemlich beträchtliches war. An einzelnen Stellen werden eben die Ufer hier leicht von dem Wasser überspült. Die von auswärts heute hier eingelaufenen telegraphischen Wasserstands nachrichten lauten: Oberrhein langsam steigend, Obermain, Reguitz und Saale steigend, Mittelmain langsam fallend, Neckar (Nachricht von Wimpfen) stark steigend. Auf der Mainstrecke von Frankfurt abwärts sind die Ufer größteu- theils überschwemmt. *△ Mainz, 28. Januar. Wie bei den Schreinern, ist auch bei den Metallarbeitern eine Lohnbewegung im Gange. Begründet wird dieselbe durch die Preissteigerung der Lebensmittel und Cousumtiunsartikel. *△ Aus Nheinhessen, 28. Januar. Zur Wahl beweg ung. In einer gestern zu Worms stattgehabten Versammlung der Vertrauensmänner der Centrumspartei wurde OberlandcLgerichlürath Dr. Frank in Darmstadl zum Caudidaten für den Wahlkreis Worms-Heppenheim proelamirt. Neben Dr. Frank candidiren in dem genannten Wahlkreise Professor v. Marquardsen (nationalliberale Partei) und der Soeialdemokrat Schuhmacher Berthold von Darmstadt. — Aus dem Wahlkreise Bingen Alzey verlautet, daß die Een- trumspartei keinen eigenen Caudidaten aufzustellen gedenke und schon bei dem ersten Wahlgange für den Caudidaten der deutschsreisinnigen Partei, Dr. Ludwig Bamberger, einzutreten beabsichtige. — Im Wahlkreise Maiuz-Oppenheim sind bis jetzt nur die Caudidaten der socialdemokratischen und CentrumS panei proelamirt. Für erstere candidirt Landtagsabgeordneter Jöst und für letztere der seitherige NeichstagSabgeordncte N. Racke. Die nationalliberale Partei hat sich noch nicht über einen Caudidaten schlüssig gemacht. Die demokratische iind deutschsreisinnige Partei werden Feine eigenen Caudidaten ausstellen und wahrscheinlich für den Centrlimseaudidateli ein treten. Wie die Verhältnisse liegen, dürfte sich in Rhein Hessen folgendes Wahlresultat ergeben: Mainz-Oppenheim Racke (Zentrum), Bingen Alzey Dr. Bamberger (deutsch freisinnig), Worms-Heppenheim v. Marquardsen (national liberal). *△ AnS dem Nheingau, 28. Januar. Im Hinblick aus die von Wolfgang Kirchbach in der „Gegenwart" an dem Niederwalddenkmal geübte abfällige Kritik soll, wie verlautet, Pros. Schilling ein Projeet ausgearbeitet haben, bei welchems durch einen gewaltigen Terrassknvorbau der kopsverrenkende Sehwinkel beseitigt werden soll. * Während die Krankenkassen aller Art, sowohl die freb willigen wie die durch Ncichsgesetz begründeten, in Folge der massenhaften Influenza-Erkrankung ganz außerordentlich hohe Krankenrente zu leisten hatten, hat der in Berlin bestehende Kranken- und Sterbekasse Verein „Einigkeit", welcher nur Bühnen-Angehörige zu Mitgliedern zählt, die Influenza als „Epidemie" erklärt, für die er nach den Statuten zur Zahlung eines Krankengeldes nicht verpflichtet sei. Die da von Betroffenen — und das sind so ziemlich alle Versicherten — wollen versuchen, ob sie mit einer gemeinsamen Beschwerde bei dem Vorstand ein anderes Ergebnis; erzielen, eventuell dürsten zahlreiche Austritte aus der „Einigkeit" bevorsteheu. * Die Ergebnisse der Pariser Weltausstellung. In Paris hielt dieser Tage der Vorsitzende einer dortigen Gewerke Syndikatskamme'r, Neymarck, einen Vortrag, der die Frage: „Welchen Gewinn hat Frankreich der Weltausstellung von 1889 zu verdanken?" beantworten soll. Der Redner hatte für seinen Vortrag sowohl daö gesammte amtliche Material, als auch alle in den Blättern oder sonstwo erschienenen Mit theilungen verwerthet, und so ist es ihm gelungen, den Menschen- und Geldzufluß nach Frankreich während der sechs Auöstellungömonate Mai bis October in ziemlich genauen Ziffern sestzustellen. Was zunächst die erhöhten Einnahmen der öffentlichen Kassen betrifft, so hat sich für die Bank von Frankreich während der 'genannten Zeit eine Mehreinnahnte von 282 Millionen, für die übrigen Bank und Creditanstalten von 91 Millionen Franken ergeben; die Eisenbahnverwaltungen verzeichneten eine Mehreinnahme von 66 Millionen, die Pariser Oetroi-Verwaltung von 11 Millionen. Rechnet man zu diesen 450 Millionen noch den Mehrertrag der budgetarischen Staatseinnahmen, so wird zum Mindesten eine halbe Milliarde erreicht werden, lieber den Fremdenzufluß vom Auslande während der Ausstellung gibt* der Vortrag folgende Zahlen an: Es haben die Ausstellung besucht rund 150000l) Ausländer, darunter 380000 Engländer, 225000 Belgier, 160000 Deutsche, 38000 Italiener rc. Diese Zahlen weichen nur wenig ab von denjenigen, die gegen Ende des vorigen Jahres veröffentlicht worden sind. In diesen 1 l/2 Millionen Ausstellungsgästen sind natürlich die Besucher aus der Provinz nicht einbegriffen; die Zahl derselben wird sich kaum genau feststellen lassen. Weiterhin führt der Redner die folgenden schon mehr oder minder bekannt gewordenen Einnahmen der Verkehrsanstalten auf: Die Omnibus Gesellschaft erzielte eine Mehreinnahme von 4 Millionen, die Gesellschaft der vereinigten Droschkenbesitzer 31/3 Millionen, die Gesellschaft der Seine' Personen Dampfer 1 V? Millionen, Angaben über die Mehreinnahmen der Seeschiffs Gesellschaften sind noch nicht bekannt geworden. Einen sehr großen Gewinn haben die Theater in Paris der Weltausstellung zu verdanken. Der gesetzmäßig an die Kasse der öffentlichen Armenpflege zll entrichtende Beitrag der Theater (10 Proccnt der Einnahmen) hat im Ausstellungsjahre 1 086 755 gr. mehr betragen als im Jahre vorher; die Theater haben sich demnach einer Mehreinnahme von 10875000 Fr. zu erfreuen gehabt. Schiffsnachrichten. Bremen, 27. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Saale, Eapt. H. Richter, 00m Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 15. Januar von Bremen und am 16. Januar von Southampton abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 27. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampwr America, Capt. A. Kohlmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. Januar von Bremen abgegangen war, ist gestern Vormittag wohlbehalten in Newyork angekommen. Bekanntmachung. Betr.: Die Heichelheim'sche Stiftung. Aus obiger Stiftung sind am 27. April d. I. die halbjährigen Zinsen mit 525 an eine in Gießen wohnhaste würdige und bedürftige christliche Familie oder Person zu vergeben. Anmeldungen werden von heute an bis 15. Februar d. I. auf unserem Bureau entgegen genommen- Gießen, den 29. Januar 1890. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 892 Gertrudisbrunnen. Natürlich koljtensaures Mineral-Wasser. Labetrunk für Gesunde und Kranke. 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Knüppel (hierunter 78 Rm. von 3 Mtr. Länge), Rm. Stöcke, Wellen. Disconto-Commandit-Antheile Darmstädter Bank-Aetien I. 21-: Vogt Holzversteigerung. Freitag den ^.Februar d. I., wird in hiesigem Gemeindewald fol- Jagdverpachtung. Montag den 10. Februar d. I., Nachmittags 1 Uhr, soll die hiesige Gemeindejagd auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier aus weitere 6 Jahre verpachtet werden. Allendorf a/Lahn. 28. Jan. 1890. Gr. Bürgermeisterei Allendorf a/Lahn. 179 30 Diseonto-Com^AntheÜls 92 60 Harper er 123.00 Ostpreußen 180.75 Bochumer Gußstahlactien Tendenz: abgeschwächt.. Buschtherader Eisenbahn-Actien Elbethal-Bahn-Actien Neuen Baue 18 Mainrrr Sauerkraut, Schnerdebohnen, Essig- und Salzgurken. Vermischte Anzeigen. ^8^^§N^e^uchtper^öfön^der Nähe der Neustadt oder Marktstraße 1 bis 2 möblirte Zimmer zu miethen. Offerten unter B. K. befördert die Exped. d. 23L ____ NB. MWs' Sämmtliche Masken werden per Trambahn in Saal besördert. Oesterr. Ereditactien Oesterr. StaatSbahn-Nctien Dortmunder Union-Actien Darmstädter Baukactien den 8. Februar 1890 in SteinS Saalbau. — Anfang 8 Uhr 11 Min. Geheimkarten für Mitglieder sind bei I. G. Schneider, Schillerstr. Nr. 8, Magen zu verkaufen. Mehrere gute Halbverdecke, Breaks» Jagdwagen u. s. w. zu verkaufen bei 733]Fr. Schwan, Wetzlar. Bekanntmachung. Der sich im Schlachthaus ergebende Dünger (Kaldaunenabgänge) soll für den Monat Februar d. I. Samstag, 1. Februar 1890, Vormittags 11 Uhr, im Schlachthof versteigert werden. Gießen, am 28. Januar 1890. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen 31/1 7 Nhr Obl.Conf.Ball. I» Gl. 894 Gelsenkirchener Bergwerks-Äctien Oesterr. Alpine-Montan- , 870] Sechs Zimmer, abgeschl. Corridor, Küche. Gartenantbeil, Bleichplatz u. sonst. Zubehör, bis 1. Mai d. I. beziehbar, zu vermiethen. ___________Westanlage 3. 63] «Hw schönes Familienlogis im 1. Stock, bestehend aus 5 Zimmern» Kammer, Wasserleitung und allem Zubehör, ist per 1. oder 15. April zu vermiethen. 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Die Zusammenkunft ist Vormittags 9 Uhr am Pflanzgarten. Großen-Linden, 27. Januar 1890. Gr. Bürgermeisterei Großen-Linden. Leun. 872 Donnrrstsg, 13. Mär; i. I., Nachmittags 2’/2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Franz Gerbode Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur I Nr. 228 — 94 Dieter Hofraithe in der Kaplansgasse, Flur I Nr. 229 — 19 Meter Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, 28 Januar 1890. Großh- Ortsgericht Gießen- ,5 „ Italiener Rente 106.651 Oesterr. Silberrente «für Metzger! Hackbretter und Hackklötze in allen Größen und Breiten stets vorräthig bei nafiöoerpacötung. Donnerstag den 6» Februar 1890, Nachmittags 2 Uhr, soll die hiesige Gemeinde-Wald- und Feldjagd auf hiesiger Bürgermeisterei auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Annerod, am 28. Januar 1890. Großh. Bürgermeisterei Annerod. gendes Nadelholz versteigert: Stämme von 15 bis 35 Ctm. Akasken-ünzüge und Dominos in sehr großer und schöner Auswahl zu verleihen bei [891 Gustav Gerhardt. Aufträge nach Auswärts werden bestens besorgt. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) fa Gießm. We heutige Nummer umfaßt 6 Seiten Gourrberrcht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft Feantfurter Börse vom 29. Januar 1890. Schlußcourse 1 Uhr 15 Min. Der gegen den Maurergesellen Johannes Rabenau aus Treis tu d. Lumda erlassene Steckbrief wird hiermit als erledigt zurückgezogen. Marburg, den 27. Januar 1890. 882 Der Untersuchungsrichter. Akademischer Gesangverein. Die Aufführung des „ZSIator^g“ von Alb. Thierfelder und des .JLoreley-Finaie“ von F. Mendelssohn wird am 23. Februar d, I. stattfinden- Nur diejenigen unserer Mitglieder, welche die nunmehr jeden Montag und Freitag, 3 Uhr Abends, abzuhaltenden Proben regelmäßig besuchen, dürfen bei der Ausführung mitwirken. 886 ________________________________ Der Vorstand. Concordia. Geheimkarten für Nichtmitglieder sind für Damen zu 0,20 mr unfern herzlichen amilit Jung. Bahnhofstr. 27 Ate» Literatur und Kunft — Wie wir aus der eben erschienenen neuen Probenummer ersehen, ist die in Fr. Eugen Köhlers Verlag erschienene zweite, erst Anfang 1889 complet gewordene „Flora von Deutschland" rc. von Prof. Dr. Thom6 (Preis 45 Mk.), während des letztverflossenen halben Jahres von siebzehn deutschen und ausländischen Regierungen den ihnen unterstellten Lehrern und Lehranstalten zur Anschaffung empfohlen worden. — Die Wochenschrift „Fürs Haus" (vierteljährlich 1 JL) bietet allen Handel- und Gewerbetreibenden ein Mittel, die Bedürfnisse der Häuslichkeit eingehend zu studiren, indem dieses Blatt die Erfahrungen der Hausfrauen mitthetlt und zugleich berufenen Fachleuten Gelegenheit gtebt, über den Werth und die Handhabung neuer Maschinen und Nahrungsmittel Urthetle abzugeben. Das Blatt bringt gleichzeitig vielseitige Erörterungen practtscher erziehlicher und anderer geistiger Fragen, sowie eine illustrtrte Handarbeitsbeilage, welche einfache, wie kunstreiche Vorlagen und Beschreibungen enthält. Das Vorkommen von Viehseuchen in Hessen während des Monats December 1889. Notz. In Offenbach stehen drei Pferde eines Besitzers wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung und ein Pferd desselben Besitzers wegen Verdachts der Seuche isolirt unter Stallsperre. In Habitzheim, Kreis Dieburg, und in Lengfeld, in demselben Kreise, steht je ein Pferd wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung, Die Maul- und Klauenseuche in Rodheim, Kreis Friedberg, ist, nacddem sie seit ihrer Ermittelung am 23. October in 34 mit 166 Stück Rindvieh bestellten Gehöften aufgetreten, am 24. December für erloschen erklärt worden. Die Seuche ist ferner erloschen in Jlbersheim und Kriegs- Heim im Kreise Worms, und in Gaulsheim und Sauer-Schwaben- heim, Kreis Bingen. Die Seuche herrscht noch fort in Seligenstadt im Kreise Offen- bach, wo sie am 31. December wieder in einem Gehöfte mit fünf Stück Rindoieh aufgetreten ist. Festgestellt wurde die Seuche in Worms am 2. December in einem Gehöfte mit 6 Stück Rindvieh; in Klein-Krotzenburg im Kreise Offenbach am 16. December in einem Gehöfte mit 2 Stück Rindvieh; in Frei-Weinheim im Kreise Bingen am 26. December in einem Gehöfte mit 5 Stück Rindvieh, und in Ockenheim in demselben Kreise sm 22., 24. und 28. December in drei Gehöften mit 16 Stück Rindvieh. In Worms ist die Seuche bereits wieder erloschen. Der Bläschenausschlag unter dem Rindvieh in Alsbach im Kreise Bensheim ist erloschen. In Udenhausen, Kreis Alsfeld, und in Rohrbach im Kreise Dieburg herrscht die Seuche fort. Festgestellt wurde die Seuche in Laubach, Kreis Schotten, am 21. December Die Räude gilt als vorhanden unter dm Schafen in Arnshain und Zell im Kreise Alsfeld, in Gelnhaar, Bergheim und Usm- born im Kreise Büdingen und in Schlechtenwegen und Stetnfurt im Kreise Lauteibach. w )6 zu ver- ■ [891 • rdt werden 6 ettt‘ ' U i" der g § Expedition des „Giessener Anzeiger“. § Verkehr, Land- und Volkswirthschaft. — Welche Johannisbeersorten sollen besonders mit Rücksicht ans die Weinbereitung angepftanzt werden! (Nachdruck verboten.) Bet der Bereitung von Johannisbeerwein für den Hausbedarf kann man diejenigen Beeren verwenden, welche der Garten und der Markt eben bietet, denn die Güte des zu erzielenden Produktes wird weniger beeinflußt durch die Sorte, als vielmehr durch das bei der Bereitung beobachtete Verfahren. Es können desbalb rothe, weiße, gelbe, gestreifte und schwarze durcheinander gekeltert werden. Wünscht man den Most dunkelfarbiger, so kann man dies durch eine vermehrte Beigabe von schwarzen Beeren leicht erreichen. Man braucht deshalb bei etwaiger Anpflanzung von Büschen im Gemüsegarten bezüglich der Anzahl nicht gerade ängstlich zu verfahren. Man wählt von jeder Farbe einige Sträucher, jedoch dürfte es sich empfehlen, von den rothfrüchtigen doppelt so viel zu nehmen als von den übrigen. Anders verhält sich die Sache, wenn es sich darum handelt, eine größere Fläche mit Johannisbeersträuchern anzupflanzen zwecks Gewinnung von Beeren in größerem Maßstabe zur Fabrikation von Wein im Großen. Hier dürfte es sich empfehlen, nur rothe, weiße und schwarze Sorten an- zupflanzen und zwar im Verhältniß wie 5:5: 1. Die weißen Johannisbeeren sind sehr gesucht, da die Weine von dunkelrother und reinweißer Farbe zur Zett als Handelswaare die höchsten Preise erzielen. Die Anpflanzung der weitzfrüchtigen Sorten wurde aber bisher vernachlässigt. Es empfiehlt sich deshalb, bei den Anlagen von größeren Anpflanzungen die weißen im vermehrten Maßstabe zu berücksichtigen; denn einesthetls sind gerade die weißen sehr ertragreich, habet süß und milde im Geschmack, so daß sie von allen Johannisbecrsorten neben den großfrüchtigen schwarzen (Bang upl), die allerdings zur Zett noch weniger bekannt sind, die beliebtesten Tafelfrüchte bleiben werden; andererseits sind später und finsterer wurde und drei von den Jägern ihre Augen iir lautlosester Stille anstrengten, ließ sich plötzlich aus dem vierten Graben die kräftige Athembewegung des Schnarchens vernehmen, hier war der vierte der Herren eingeschlafeu. Darob gelinde Verzweiflung! Man weiß, daß das leiseste Geräusch den Hirsch verjagt. WaS thun? Einer von den Dreien ruft den Schläfer au — erst leise, dann lauter. Da fährt dieser empor, greift schlaftrunken nach der Büchse und feuert in die Luft. Jetzt war es natürlich mit der Hirschjagd gründlich vorbei. Hageldichte Vorwürfe regneten aus den Achtlosen; der aber erklärte achselzuckend: „Von sieben bis zehn Uhr habe ick gewartet! wo konnte ick denn denken, det een Hirsch so lange dürschten kann!" * Ahnenprobe. Bei einer großen Auction wird unter Anderem ein Posten alter Familienbilder versteigert. Zwei Herren kämpften um diese Bilder in der erbittertsten Weise — ohne sich in dem Gedränge sehen zu können — bieten immer höher und höher, bis endlich — nachdem bereits ein Preis von 4000 Mk. erzielt ist — der eine die Segel streicht und mit den Worten: „Mehr Geld habe ich nicht bei mir!" das Local verläßt. — Einige Wochen später muß der Besiegte — ein frisch geadelter Rittergutsbesitzer — in geschäftlichen Angelegenheiten einen benachbarten Schloßherrn besuchen, der ebenfalls erst seit ganz kurzer Zeit das Wörtchen „von" vor seinem Namen prangen sieht und lebhast bestrebt ist, die „Neuheit" seiner Würde möglichst zu verheimlichen. Die Herren befreunden sich rasch miteinander, besprechen ihre Angelegenheiten, frühstücken vorzüglich, der Schloßherr zeigt seinem Gast Hof und Haus und führt ihn schließlich mit einer Miene der Ehrfurcht in seine „Ahnengalleric"! Während er in wohlgcsetzteu Worten von dem „historischen Schauer" spricht, der ihn stets beim Anblick dieser Gemälde „überriesele", erkennt der Rittergutsbesitzer genau die Familicu- bilder wieder, die ihm auf der Auction so schmählich weg- geschuappt worden sind. Verschmitzt lachend wendet er sich zu seinem Gastgeber, klopft ihm vertraulich aus die Schulter und sagt ihm leise ins Ohr: „Stille, Freundchen! Wenn ich neulich 5 Mk. mehr im Portemonnaie gehabt hätte,-- s o wären das meine Ahnen!" Tableau!!! sie zur Weinbereitung sehr begehrt. Die weißfrüchtigen Sorten werden in größeren Mengen kaum cultioirt. Eine Ausnahme machen, abgesehen von einzelnen größeren Pflanzungen, die fpeciell für Weinkellerei hergerichtet sind, einige local eng begrenzte Gegenden, wie Werder bei Berlin und Vierlanden bei Hamburg. Jedoch wird auch hier nicht viel mehr producirt, als der Eonfum der beiden genannten Großstädte erfordert. Da nun die Culturen dann den höchsten Ertrag liefern, wenn sie alljährlich eine reichliche Menge von Früchten liefern, welche die für die Weinbereitung erwünschte milde Säure zeigen, so ist es selbstverständlich, daß beim Massmanbau großbecrige, volltraubige, fruchtbare Sorten mit mildem Säuregehalt am meisten zu berücksichtigen sind. H. Timm empfiehlt aus diesen Gründen für Weinbereitung besonders folgende Sorten: a. Von den rothen: 1) Kirschjohannisbeeren, 2) Holländische rothe, 3) Versailler, 4) Langtraubige, 5) Fruchtbare (La Fertile), 6) Frauendorfer, 7) Kaukasische, b Von den weißen: 1) Holländische weiße, 2) Kaiserliche weiße, 3) Großfrüchtige weiße, 4) Englische große weiße, c. Von den schwarzen: 1) Bang up, 2) Neapolianischc, 3) Victoria. — Als kleinere Auswahl empfiehlt er von diesen am meisten: a. Von rothen: 1) Holländische, 2) Langtraubige, 3) Fruchtbare, b. Von weißen: 1) Kaiserliche weiße, 2) Holländische weiße, 3) Großfrüchtige, o. Von schwarzen: 1) Bang up und 2) Neapolianische. Ausführlicheres hierüber, besonders auch die eingehende Beschreibung der einzelnen Sorten, Art und Weise der Pflanzung, Vermehrung u. s. w. findet man in TimmS Buch „Der Johannts- beerwetn, sowie die übrigen Obst- und Beerenweine". — Die hohe Bedeutung der MUcheentrifuge für die BolkSernührung. (Nachdruck verboten.) Wiederholt haben wir aus die Magermilch als vorzügliches und billigstes eiweißreiches Volksnahrungsmittel hingewiesen, welches aber von der städtischen Bevölkerung immer noch zu wenig Beachtung findet. Aber erst durch die Centrisuge ist die Magermilch im vollsten Maße ein gesundes Nahrungsmittel geworden. Bei dem gewöhnlichen alten Aufrahm- Verfahren war sie oftmals schon bedenklich alt, bevor sie in die Hände der städtischen Eonsumenten gelangte; sie war oftmals dann schon im Beginn zu säuern und gefährlich für den Genuß. Die (Zentrifuge dagegen liefert, wenn die Magermilch nur gleich über einen Kühler geführt wird, eine süße und, was nöthig ist, eine von Schmutz gereinigte Magermilch. Die (Zentrifuge schleudert sogar fast sämmtliche Krankheitskeime, wenn solche in der Milch vorhanden sind, wie die den Menschen so gefährlichen Schwindsuchtsbacillen, heraus. Aber nebenbei rathen wir dennoch, die Magermilch zu kochen und zwar etwa 10 Minuten lang aufwallen zu lassen; frische Milch, zumal wenn man nicht weiß, aus welchem Stall sie stammt, muß man stets für Kinder und Erwachsene kochen, sonst kann sie ein sehr gefährliches Nahrungsmittel fein. — Sächsische Bieh > VersicherungS • Bank in Dresden. Wiederum hat diese größte und beftfunbtrte aller deutschen Vieh- Versicherungs-Gesellschasten im verflossenen 17. Geschäftsjähre einen bedeutenden Erfolg erzielt. Der Zugang an neuen Versicherungen hat alle Vorjahre überflügelt. Die Zahlen des Rechenschaftsberichts beweisen, daß sich das Geschäft in den letzten 5 Jahren fast um das Doppelte gehoben hat. Dagegen waren von der Bank über 650,000 Mark an Schäden zu zahlen, welche den Versicherten prompt und direct durch die Poft zugesandt wurden. Diese glatte Schaden- Abwickelung bei festen und billigen Prämien ohne jeden Nach- ober Zuschuß haben das gemeinnützige Unternehmen allgemein beliebt gemacht. Durch die finanzielle günstige Lage der Bank kann sie die Zahlung der Prämien in zinsfreien Raten gestatten, welches von den Vtehbesitzern als ein liberales Entgegenkommen anerkannt worden. Versichert waren bis ultimo 1889 JL 176,665,476. ssorurlheile gegen Volker, Stämme und Gewerbe. Seit Deutschland einig und mächtig geworden ist, kommt neben edler Vaterlandsliebe in manchen Kreisen leider auch viel Nationaldiiukel zum Vorschein. Es wird vielfach geradeztl vls patriotisch angesehen, alle Fehler anderer Nationen mit Vergrößerungsgläsern zu sehen und die Vorzüge zu ignoriren. So hat sich in neuerer Zeit ein Absprechen gegen alle Nationen herangebildet, das uns weder zum Lobe gereicht noch uns Vortheil zu bringen geeignet ist. Man spricht von .bem Krämergeist der Engländer, der Hab- und Selbstsucht der Amerikaner, dem Egoismus der Schweizer, dem Schmutz der Italiener, der bigotten Bornirtheit der Spanier, der Rohheit der östlichen Völkerschaften u. s. w. Ist immer und überall auch die angeführte Eigenschaft jener Völker aber .wirklich allgemein? Der Mehrzahl derer, die solche Eigenschaftswörter stets in Verbindung mit jenen Nationalitäten bringen, dürfte der Beweis' schwer werden. Es gibt in allen Nationen, die Handel treiben, Menschen mit ausgeprägtem Krämergeist und nicht nur bei den Engländern- man findet bei uns so gut Schmutz in Gasthäusern wie in Italien- es gibt auch bei uns bigotte Bornirtheit so gut wie in Spanien und wenn thatsächlich die östlichen Völkerschaften noch roher smd in ihrer Mehrzahl als unser Volk, so sind jene eben durch drückende Verhältnisse, die sie schwer genug empfinden, in der Cultur etwas zurückgeblieben. Man kann in vielen, ja vielleicht den meisten Fällen sagen: man sieht den Splitter iin Auge der Nächsten, aber nicht den Balken im eigenen. Noch mehr als die harten, absprechenden Urtheile über andere Nationen und die ihnen allgemein angedichteten Eigenschaften, wie sie die erwähnten Beiwörter andeuten, muß es jedoch verletzen, wenn wir innerhalb des eigenen, nunmehr doch schon zwei Jahrzehnte einigen und lange nach Einigung sich sehnenden Vaterlandes Aeußerungen über Stammeseigenthümlichkeiten begegnen, die nebenher auch noch keineswegs als erwiesen onzesehen werden können. Macht der Norddeutsche sich lustig libc r den gemüthlichen Sachsen mit dem weichen Dialeet oder über den rauheren Bayern und Schwaben, so ist es ebenso auch umgekehrt. Muß man sich doch immer erinnern, daß der bayerische Soldat, nachdem der damalige Kronprinz und spatere Kaiser Friedrich seinem Regiment lobende Anerkennung ausgesprochen hatte und weiterritt, sagte: „Für unseren Kronprinz gingen wir Mann für Mann durchs Feuer- aber schache, jammerschade ists doch, daß er so a Malefiz-Preiß ist." Alle übelen Eigenschaften werden gegenseitig einander vorgehalten und zu ständigen Beiwörtern auch bei den verschiedenen Stämmen, und zuweilen sind es nicht einmal üble bizenschaften, sondern eben nur andere, als man selbst besitzt Vcr aller Einigkeit im Vaterlande wird ein gewisser Stammes- haß wach gehalten durch diese Gewohnheiten, und es ist höchste Zeit, daran zu erinnern, daß zunächst die Gebildeten sich befleißigen möchten, die verschiedenen Stammeseigenthüm- lichteiten nicht im bösen Sinne im Munde zu führen. Ein ähnlicher Uebelstand besteht auch bezüglich der Berufe und Stände. Jedem Stand und Berus hängt man irgend eine Eigenschaft als Fehler an und die betreffenden Stände haben Ihn zum Theil gar nicht oder in demselben Maße, wie er in onberen Ständen und Gewerken auch zu finden ist. Gewiß ist es nur gut, wenn man seine schlechten Eigenschaften getadelt bekommt, denn Selbsterkenntniß ist schwer und daher sehr selten, und wie sollte man sich ohne Tadel bessern können- aber man muß da beim Individuum bleiben und nicht ein Vorurtheil gegen ganze Stände und Berufe fassen. Wer in dieser Weise ungerecht behandelt wird, ist leicht verbittert und die Nächstenliebe muß noch große Fortschritte machen und nicht durch Vorurtheile und deren Anwendung ‘hu Leben auch noch ausgehalten werden. Ehe man andere .Personen, andere Erwerbszweige, Stände, Volksstämme, Nationen tadeln und verspotten will, untersuche man ernstlich, wie es im eigenen Hause aussieht. Vielleicht findet man dann so viel zu bessern, daß man keine Zeit mehr behält, sich um die Fehler Anderer Sorge zu machen. vemnischtes * Von Berliner Sonntagsjägern erzählt die „Thier-Borfe" folgende ergötzliche Begebenheit: Zur Hirschjagd ging es diesmal, in der Nähe der Neichshauptstadt. Am Rande des Waldes waren in zweckmäßigen Entfernungen vier Gräben errichtet, von denen jeder einen der Jäger ansnahm. Alle machten sichs in diesen Lochern so bequem wie möglich und mieten aus die Hirsche, welche hier aus dem Walde heraus- kmimen und zur Tränke gehen sollten. Wie es nun immer Bä JL _ — —_____k Hochstämme und Zwergbäume, B BB bedeutende Vorrathe. Obst- baumschulen v Karl Umber in Laubenheim b. Mainz. — Kataloge umsonst. [368 gasthaus zum weißen Muß OfiT Neuenweg ms hält sich dem reisenden Publikum bestens empfohlen. Gute Betten! — Billige Preise! 693 Jogis von 30, 50 Kfg. und Mark 1—. rjöjli« fltlegtn f™ =>« -metzgescbast SÄftSSÄ S, »eHewmne o8Jo‘fe°S von 1870 ikhlM a”*»n iftpW A'tzVstz 4 3 unb v"* [öco -d-rEft »o»»60" tot - ^[ä KssttS' Tonnerstag den 30. Januar. (Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr. 25. - 1890. empfiehlt ein reichhaltiges Lager in Küchen- und Haushaltartikeln Bürsten-, Korb- und Küferwaaren. - 840] Ich suche für den 1. April dS. 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Grobherzogliches Ortsgericht Greßen. 502 Vogt.___ PLATIN-ANSTRICH-FARBEN von Rometfch 8t Co. in Kitzingen bieten vollständigen Schutz gegen Rost und Einflüsse von Hurrrrrrrnh! Fortgesetzt wird die Versteigerung: a) im Distr. Fuchslöcher bei Oberlemp Mrttags gegen 12 Uhr, b) „ „ Eichelsberg „ Hohensolms Nachmittags gegen 1V2 Uhr, c) " Scheuerwald „ „ /, „2/2 Hohensolms, am 28. Januar 1890. Fürstliche Obersörsterei. Niets ch. Emil Pislor 11 Lich, am 23. Januar 1890 881 sachsen her. Dienstag den 4. Februar, Anfang genau 9Va Uhr Vormittags im District Konzebühl: 48 Stück Eschen-Abschnitte (Schnittholz, sonstiges Werkholz und Stangen) = 23,72 fm, Eichen-Wagnerholz in Stämmen und Stangen, Buchen-, 2 rm Kastanien-, 8 rm Elchen - Scheitholz (letzteres meist Werkscheitholz), Buchen-, 60 rm Eichen-Knüppelholz, Buchen-, 73 rm Eichen-Stockholz, Buchen-, 800 Eichen-Reiserwellen. Die Zusammenkm.st ist auf der Chaussee von Lich nach Gießen am Damm des unteren, jetzt abgelassenen Teichs. 698] Ecke der Ludwigs- und Bleichstraße Nr. 26 ist der mittlere Stock (7 Zimmer mit Zubehör) per 1. April zu vermiethen.________Julius Hoch. 437] E>n Logis, 3 Zimmer und Eabinet, an ruhige Leute sofort oder später ver- 3™ ul, - 62 Meter Acker Nr ^128,5 - 750 Meter Acker Nr'E, - 338 Meter Acker Nr^lW,- - 350 Meter Acker Nr ^S.s — 306 Meter Acker Die Erbschaft der kürzlich, verstorbenen Gr. Reallehrers Reinhard Dietz zu Gießen ist unter der Rechtrwohlthat de« Inventar« an- getreten worden. Es werden daher Alle, welche Ansprüche an fraglichen Nachlaß zu bilden haben, hiermit auf- gefordert, solche binnen acht Tagen dahier in der Gerichtsschreiberer an- zumelden, anderenfalls sie bei Ordnung des Nachlasses Berücksichtigung nicht finden können. Gießen, 24. Januar 1890. Großh. Amtsgericht Gießen. Stammler.859 Mmilicht Morittnni. Fichten und Kiefern Bau- und Grubenholz-Bersteigerung Stollwerck’* ßrostbonbons, gefertigt nach der Vorschrift des Kgl. Universitätsprof. Geh. Hofraths Dr. Harless, Bonn, enth. 9 verschiedene wohlthätige Kräuter-Extracte u. haben sich — —j, |d des Generaldirec- li'iwH । — । nar tor8 befindet. Nicht allein jedes Siegel, jede Etiquette, sondern auch der Gesammteindruck der Flasche ist gesetzlich eingetragen und geschützt. Vor jeder Nachahmung oder Verkauf von Nachahmungen wird mithin ertstlich gewarnt und zwar nicht allein wegen der zu gewärtigenden gesetzlichen Folgen, sondern auch hinsichtlich der für die Gesundheit zu befürchtenden Nachtheile Man findet den echten Benedictiner Liqucur bei Nachgenannten, die sich schriftlich verpflichtet haben, keine Nachahmung zu verkaufen. Emil Fischbach, 469 Hr. Kinkel, Conditor; Carl Schwaab. Hans Hottenroth, Generai-Agent, Hamburg. Fürstlichen Mrförsterei Hohensolms (bei Wehlar—Gießen) am Montag den 3. Februar 1890 in den Districten Buchenberg, Fuchslöcher, Eichelsberg und Scheuer wald. 421 Stück Fichtenstämme mit 152,79 Festmeter, „ Kiesernstämme „ 25,76 „ „ Lärchenstämme „ 8,60 „ . " Fichtenstangen „ 33,89 „ (zuLe,terbaumen,thells auch zu Grubenholz geeignet). Außerdem im Distr. F.-chslocher 20 Rm. Kiesern.Prügelholz, damnter 6 Rm. zu Grubenholz geeignet, 2 Meter lang, und 3 Rm Kiefern-stockholz, und im Distr. Buchenberg 2 Rm. Ftchten-Prugelholz und 47 Rm. Fichten- Donnerstag den 30- d. M, Nachmittags von 2 Uhr °m wird das dem Herrn A«g. Schmidt, Marktstratze 26, gehörige Metzgergeschirr meistbietend versteigert. Dabei find. Fleischwaage, Kilowaage, 5 eiserne Fleischböcke, Bollen, Hackmesser, Schlachtmesser, 2 Hackklötze, Seile, Blasbalg u. s- w__ Montag den 3. Februar l I., Nachmittags 2 Ubr, sollen auf dem diesigen Ortsgertcht aut ÄÄSS.* in der Lichtenau, aus den Fluth- Nutz-^ und Brennholz - Versteigerung in der fürstlichen Oberförsterei Lich. Montag den 3. Februar, Anfang genau 9Vr Uhr Vormittags im District Langeberg bei Mühlsachsen: m Länge und 15—32 Wegen Umzugs in das von mir gekaufte Haus, Kirch en platz 6, neben dem Einhorn, verkaufe unter Garantie bis zum 1. April sämmtliche goldene und silberne Taschenuhren, Regulateure, Wecker, Ketten etc. zu herabgesetzten billigen Preisen. Frits Scharmann, Uhrmacher 778 Schloßgasse 15. bei [817] Zimmermcister Pitz. 792] Ein wachsamer Hofhund (deutsche Dogge) ist zu verkaufen. Näheres in der Exped. d. Bl. 274] Ein freundliches Logis von drei Zimmern mit Zrbehör ist per 1. Februar oder später in der Bahnhofstraße 53 im 2. Stock zu vermiethen._________________ 605] LogiS (3—4 Zimmer nebst Zubehör) an rubige Leute. __________________Seltersweg 31. 816] Eine Wohnung von 3 bis 4 Zimmern nebst allem Zubehör zu vermiethen. Näheres Grünbergerstraße 16, 1. St. 796] Schöne Wohnung von 4 Zimmern mit Wasserleitung rc zu vermiethen. _________________Grünbergerftraß e_27:__ 745] 2. Stock, 4 Zimmer m- all. Zub., Gartenantheil, per 1. April preisw. zu vermiethen. Pfaff, Steinstraße 55 90] Logis und möbltrtes Zimmer Mur 46 Nr°130uud 130»,6 - 338 Meter u Acker daselbst, Flur 46 Nr. 140,6 - 137 Meter Acker Flur 46 Nr°131 und 131 a,2 — 181 Meter Acker daselbst, Flur 46 Nr- 141,2 112 Meter Nr^E',5 - 325 Meter daselbst, Flur 46 Nr. 143,g — 169 Meter das.lbst , öffentlich meistbietend versteigert werden Gießen, 27. Januar 1890. Großh. Ortsgerrcht Gießen. 3- A. V 0 g t.__843 355] Logis zu vermiethen. _______________________Marktplatz 19. 199] Eine neu hergerichtete Familienwohnung zu vermiethen. __Schöne Aussicht. 627] Ein schön möblirtes Zimmer zu vermietben. Hermann Vogt, Seltersweg. 436] Ein kleines möblirtes Zimmer zu vermiethen. Eduard Roll, Neustadt 773] Ein schönes Stübchen mit Bett zu vermiethen. Mäusburg 9. Wriiable Liqueur BeoMlCtioe der Een^dictiner Mönch.® der Abtei zu Fecamp (Frankreich). 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Mit dem der ** gegen deren # beides unter der offengeiegen bac Wir erim 14. d. W. und fpärestti zu berichten, ortsüblicher B Donnerstag fr Tage einMiel gegen die Ri erhoben, bezw. Soweit 1 Wählerlisten r - gleichst 3. Februar bericht an uns aus die Recla ordnungsmäßi! Absatz 2.) Mit » genöthigt, den] Termin nicht sofortige Ii zu stellen. Betr.-. Die Das Ao an die Wir erb 24. v. M. men sind, ai gelaufenen Ai E)ie t)Q^ vh'beiteridv $er Bundesrc Putzes eiliges U'tten foll/sch. d°r M Disw öiE & möchte *iffe in ö . Der von fMtn und Reich J e N A-nisch-Ä' ^gleich in ? “»IS Ä den «cht, Wst tor ^ssen ani