N. 19 ä" ’S j * 1890: 1890: ’ «eite 1 y.Ium. V 1 itattungi >e. tär=8apdk, l§er AbvW 1 J^ps PU. Sulivan. ) Mal ausgH: llWrungs^iU. h reprafentirt. 1 ms mit grch- dieser Operdhj t einen höW gut tftnng flatt. | RikadoVock e ab entgegn Direction iritz BaarS. uh. , Abends V ablage, 9' sahl. Der BW leih« ober. Freie W- -rintunterhalti^* [,rAH8portko8ieD> Venenwei1 •inet tränke dmch egen * «r. 97. Drittes Blatt. Sonntag den 27. April 1890 Der ♦Hilmer Jhqefgtr $|«i eint täglich, * Ausnahme bet Montags. Sie Sietzener ||iiilfie*6r4(ttr Ktbcm dem Anzeiger »^ertlich dreimal »eigelegt. Kenerat-Mnzetger. vierteljähriger ^ßonncmentsptttot 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 60 Pfg. Redaction, Lxpebttiea und Druckerei: -chnkflratze Ar.I« Fernsprecher 61. Amts- und Anzeigeblatt für den TCreis Gietzen. chrattsöeitage: Gießener Jamitienötätter Inniahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» sszeeiden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehm«, Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. pclitifd?c Uevevpicht. Gießen, 26. April. L>luf den jüngsten Besuch Kaiser Wilhelms iii den Reichs 'knien ist in Darmstadt die Begegnung des kaiserlichen Herrn •mit der Königin Victoria von England, seiner erlauchten »Großmutter, gefolgt, und wenn dieses Ereigniß zunächst die innig! n Familienbeziebungen zwischen dem deutschen Kaiser- fctje und der englischen ztönigssamilie widerspiegelt, so ist tch'nuch seine politffche Bedeutung unverkennbar. Die Zu- -Miw-nkunst des deutschen Kaisers mit der greisen Herrscherin -M (Großbritannien besiegelt aufs Neue das zwischen Deutschland und dem stammverwandten mächtigen Jnselreiche be- slchkrüde enge freundschaftliche Berhältniß, welches schon im migim Jahre durch den Besuch Kaiser Wilhelms in England eine sso Helle Beleuchtung erfuhr. Seit jener Zeit sind die : Buchungen zwischen den beiden Reichen, deren politische Dimdschaft so wesentlich auf die gegenwärtige friedliche LWaage zurückwirkt, nur noch innigere und festere geworden unb mit um so größerer Genugthuung blickt man daher dies- M l wie jenseits des Canals auf die jüngste Begrüßung Misei Wilhelms mit Königin Victoria auf deutschem Boden, ?mie dies auch zahlreiche Kundgebungen der deutschen wie der -mglisichen Tagespresse bezeugen. UebrigenS ist es bemerkens- tfcerti, daß gerade zum jetzigen Zeitpunkte von der britischen Ädmrralität die amtliche Mittheilung von der Theilnahme tdrs englischen Canalgeschwaders an den im Herbst stattfin- Mcn deutschen Flottenmannövern nach Berlin ergangen ist. Nachdem Preußen seinen unteren und theilweise auch den Waren Beamten die im Nachtragsetat näher speciatistrten MMserhöhnngen im Gesammtbetrage von 18 Millionen Mr! gewährt hat, sollen nun auch die Reichsbeamten mit Gchallsaufbefferungen bedacht werden. Die „Köln. Ztg." ,chhl t aus Berlin, daß dem Reichstage noch für den gegen- Martiggen Reichshaushalt eine Vorlage über Gehaltsaufbesser- Wgm für die unteren und mittleren Reichs-Post- und Tele- Mpr>enbeamten zugehen würde. Die für diese Zwecke be- Mllictie Summe soll annähernd 12 Mill. Mark betragen. Im Bnndesrathe haben dem Vernehmen nach am Freitag Üerathnngen über die Arbeiterschutzvorlage begonnen; Mvent für den Entwurf ist Oberregierungsrath Landmann, ein genauer Kenner der aus dem Gebiete des Arbeiterschutzes Ämi tenden Verhältnisse. Von den Bundesregierungen soll Miemtlich die bayerische Regierung dem preußischen Entwürfe d-s Alrbeiterschutzgesetzes sympathisch gegenüberstehen! es ver- l'Ket. daß bayerischerseits eine Erweiterung der in der Vorige enthaltenen Bestimmungen über die Hausindustrie bean- trngt werden wird. In Hamburg dürfen am 1. Mai, wie eine Bekannt- nchMig des dortigen Polizeiamtes besagt, während der Ar- foit^eit keinerlei Versammlungen, überhaupt während des We it Tages keinerlei öffentlichen Versammlungen stattfinden. Die französische Regierung giebt sich den Anschein, als oobfic- vor der Demonstration der Pariser Arbeiter am 1. Mal r keine weitere Bange habe. Wenigstens soll man in den M'er Regierungskreisen dem 1. Mai ohne besondere Be- Mgnüffe entgegcnsehen und wird hierbei auf die beabsichtigten Maischen Vorsichtsmaßregeln hingewiesen. Italien geht jetzt das Ministerium Crispi ernstlich Md en Versuch, das erschütterte Gleichgewicht im Staats- durch möglichste Beschränkung der militärischen Aus- M» wiederherzustellen. Der dieser Tage in Rom stattge- Äbcne Ministerrath hat sich dem Vernehmen nach mit Ein- Wmigkeit für möglichste Kürzung der Ausgaben für Heer lirMarine im Staatsvoranschlag für 1890/91 ausgesprochen md «sieht man den näheren Mittheilungen des Kriegsministers wen, inwieweit sich die geplante Maßregel ohne Beein- l'chüigung des Dienstes durchführen lassen werde. Dies toiritie freilich noch seine großen Schwierigkeiten haben, denn mmi Italien seine Großmachtsstellung energisch behaupten will, so muß es auch entsprechend militärisch gerüstet dastehen md iob sich eine weitgehende Minderung in den militärischen Mgpben mit der Erhaltung der Schlagfertigkeit des Heeres wnHber Flotte Italiens vereinbaren lassen wird, muß schon jjitzl als zweifelhaft bezeichnet werden. Dem „Esercito Jta- OW zufolge würden die beim Kriegsbudget zu erzielenden «jispWrnisse 8 bis 9 Millionen Frcs. betragen und sollen sie Kychi spätere Einberufung des neuen Jahrganges, frühere Nurl:!aubung verschiedener Altersklassen und Abstriche bei MiUen Budgettiteln erzielt werden. Deutsches Reich. nn. Darmstadt, 25. April. Hessischer Landtag. Nach Verkündigung einer Reihe neuer Einläufe tritt die Kammer heute in die Special-Debatte über die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, die Erbauung von Nebenbahnen betreffend. Abg. Theobald als Berichterstatter des Ausschusses wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen der Abgg. Reinhardt und Osann, als habe der Ausschuß nicht die nöthige Sorgfalt auf die Auswahl der projectirteu Bahnlinien verwendet und ärmere Landestheile anßcr Acht gelassen. Abg. Wolfs kehl als Berichterstatter betont, daß gelegentlich der Generaldebatte sich eine Anzahl Abgeordnete dahin ausgesprochen hätten, daß man hinsichtlich der Bahn projecte noch weiter hätte gehen sollen. Ob dieses richtig sei, werde sich bei der Special-Berathung der Vorlage zeigen. Einen Punkt glaube er aber doch etwas näher in's Auge fassen zu müssen. Es sei gelegentlich der Debatten dem Ausschuß der Vorwurf gemacht worden, als habe er Bahn- projecte, welche nöthig seien, nicht berücksichtigt. Er möchte dieses nicht unwidersprochen lassen, weil leicht dadurch im Lande eine falsche Auffassung entstehen könne. Der Ausschuß habe sich nur gefragt: stehen auch die immer dauernden Betriebszuschüsse im Verhältniß zu den Vortheilen, welche wir den einzelnen Landestheilen zuwenden wollen. Es sei nicht damit gethan, daß durch die Annahme einer Bahn die Steuercapitalien in die Höhe gingen und die Holzpreise etwas mehr gehoben würden. Was das Verhältniß des Staates zur Hess. Ludwigsbahn anlange, so sei mau im Großen und Ganzen für deren Uebernahme durch den Staat. Es sei aber nöthig, daß erst eine Klärung des Verhältnisses herbeigeführt werden müsse, ehe man an die Erwerbung denken könne. Man möge doch bedenken, daß es sich hier um ein Capital von 214 Millionen Mark handele und zwar 112 Mill. Activa und 102 Mill. Priorita. Zweit Drittel des Bahnbetriebes liege in Hessen. Diese Summe sollte doch ein Grund sein, daß mit der größten Vorsicht vorgegangen werde. Ein Drängen sei nur von Nachtheil. Es werde von vielen Seiten und insbesondere von der Stadt Worms durch Kundgebungen und Zeitungsartikel aus die Uebernahme der Ludwigsbahn hingearbeitet. Es werde aber in diesem Punkte vielzuviel außer Acht gelassen, daß hierdurch auch für den Staat neue Anforderungen herantrüten und die Bevölkerung werde ganz andere Forderungen an die Bahn stellen als an eine Privatgesellschaft. Dieses seien Momente, welche man berücksichtigen müsse. Durch die gestrigen De batten seien die Actien der Hess. Ludwigsbahn um 4 pCt. gestiegeu. Bezüglich der zu bauenden Nebenbahnen stehe der Ausschuß auf dem Standpunkt, daß die Nebenbahnen, welche jetzt noch gebaut werden sollen, sämmt- lich im Eigent hum des Staates stehen müssen. Abg. Schröder (zur Geschäftsordnung) spricht den Wunsch aus, daß es gut gewesen sei, daß auch von anderer Seite die Frage der Hess. Ludwigsbahn hätte beleuchtet werden sollen. Es folgt nun die Berathung über die Bahn von Grün- berg nach Lollar. Der Ausschuß empfiehlt den Bau dieser Bahn und da auch die Regierung diese Bahn befürwortet, beschließt die Kammer einstimmig demgemäß. Bezüglich der Bahn Gedern —Lauterbach und Salzschlirf—Schlitz hatte der Ausschuß beschlossen, dem Hause zu empfehlen, die Regierungsvorlage abzulehnen, dagegen den Bau der Linie Salzschlirf—Schlitz dem Hause zur Annahme zu empfehlen. Ministerpräsident Weber kann sich nicht mit den Ansichten des Ausschusses einverstanden erklären. Der Bahnbau in dieser Gegend des Vogelsberges sei nöthig, um die dortigen Waldungen zu erschließen, in welchen das Holz rein verfaule. Abg. Schröder, sowie die Abgg. Metz, Jockel, Hechler können sich nicht für den Bau dieser Linie erwärmen, welche hinsichtlich ihrer Rentabilität nicht im Ver- hälrniß stehe zu den Opfern, welche der Staat jährlich bringen müsse. (Die Kosten des Baues sind auf 2 658 000 Mt. veranschlagt. Nach der Rentabilitätsberechnung würde sich ein jährliches Deficit von 98000 Mk. ergeben.) Auch die Abgg. Hechler, Friedrich und Osann sprechen sich gegen die Anssührung der Linie Gedern Lauterbach aus. r , __ Die Abgg. Muth, Zinßer, Sturmfels, Wasserburg, v. Rabenau, Metz-Gießen, Gutfleisch treten in energischer Weise fiir den Bau der Bahn ein, um dem gerecht zu werden, was man immer im Munde führe, daß den armen Landestheilen geholfen werden solle. Bauralh Wetz empfiehlt ebenfalls dem Haus die von der Negierung vorgeschlagene Linie. Nach erfolgter Abstimmung werden die Bahnen Lauterbach—Gedern und Salzschlirf—Schlitz, erstere mit 24 gegen 18, letztere einstimmig angenommen. Wegen der Anwesenheit des 5kaisers findet morgen keine Sitzung statt. Nächste Sitzung Dienstag. Cocales rrnd provinzielles. Giehen, 26. April. — Verein hessischer Lehrerinnen. Der nun seit 6 Jahren bestehende „Verein hessischer Lehrerinnen zur Gründung eines Heims" erfreut sich einer steten Zunahme und das Vermögen desselben war Ende vergangenen Jahres bis auf ungefähr 30 000 Mk. gestiegen. Einen erheblichen Beitrag dazu hatte der im Februar 1889 von dem Vorstand in Darmstadt veranstaltete Bazar geliefert, durch welchen 7500 Mk. in die Kasse geflossen waren. Wenn nun auch an den Bau oder den Ankauf eines Hauses, das alten, unbemittelten und alleinstehenden Lehrerinnen ein Heim bieten soll, vorerst noch nicht gedacht werden kann, so ist doch schon verschiedenen kranken oder erholungsbedürftigen Lehrerinnen eine Unterstützung gewährt worden. (Laut Beschluß der Generalversammlung werden l°/0 der Zinsen des Capitals und der jährliche Beitrag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs dazu verwandt.) Außerdem steht durch die Güte Ihrer Durchlaucht der Frau Gräfin von Erbach-Schönberg das Ferienheim zu Schönberg den Mitgliedern des Vereins gegen den geringen Pensionspreis von 2 Mk. täglich zur Verfügung und schon manche Lehrerin hat sich dort in der erquickenden Waldluft von den Anstrengungen ihres Berufs erholt. — Aber auch in anderer Weise ist der Verein thätig. Als vor ungefähr 2 Jahren der Leipziger Lehrerinnenverein die Gründung einer Stellenvermittlung durch und für Lehrerinnen ins Auge faßte, schloß sich der hessische Verein diesem Unternehmen, das sich über- ganz Deutschland verbreitet hat, an, und auf der Generalversammlung vom 12. Juni 1889 wurde der Beschluß gefaßt, die Stellenvermittlung für Lehrerinnen und Erzieherinnen unter die Vereinszwecke aufzunehmen/ Daß ein solches Institut schon seit langer Zeit in Lehrerinnenkreisen für höchst wünschenswerth gehalten wird, beweisen die häufigen und bitteren Klagen der Lehrerinnen und Erzieherinnen über Agenturgeschäfte. Darum ergeht an Eltern und Schulvorstände, an Lehrerinnen und Erzieherinnen, wie an Alle, die Verständniß und Theilnahme für das gute Werk haben, die Bitte, die Vereinigung mit Rath und That, durch Aufträge, wie durch gelegentliche Empfehlung soviel als möglich fördern zu wollen. Nidda, 24. April. Unser seit achtzehn Jahren hier angestellter Prediger, Herr Pfarrer Eckstein wird uns in der Kürze verlassen, um die Psarrstelle in Alsbach, an der er schon früher Jahre lang wirkte, anzunehmen. Vor einigen Jahren schon sollten wir ihn verlieren, doch schlug er damals zur Freude der Gemeinde die angebotene Stelle aus. In Herrn Eckstein verliert auch zugleich die erweiterte Volksschule ihren Mitbegründer. — Der hiesige Vorschuß- und Credit- verein hat beschlossen, daß aus dem Ueberschuß für 1889 10pCt. von dem Geschästsantheile Ende 1888 an die die Actiengesellschaft bildenden Mitglieder für das ganze Jahr 1889, an die mit dem 1. October 1889 ausgeschiedenen Mitglieder vom 1. Januar bis Ende September 1889 (9 Monate) als Dividende vertheilt werden soll. vemnischtes. *= Frankfurt a. M., 25. April. Die „Franks. Ztg." beschäftigt sich in ihrem heutigen Abendblatt mit einem Artikel der „Kreuzzeitung", in welchem behauptet wird, den auf dem Kontinente einzig dastehenden monumentalen Frankfurter Hauptbahnhos habe die Stadt bis jetzt auf freiem Felde liegen lassen. Die Einwohnerschaft Frankfurts stehe rathlos vor der Frage, wie der der Stadt geschenkte Bahnhof zu einem Gliede der Stadt gemacht werde. Bis jetzt sei noch nicht ein einziges Gebäude auf dem weitgestreckten Terrain zwischen der inneren Stadt und dem weithin sichtbaren Bahnhofspalast errichtet. Ortskundige Pessimisten behaupteten, nach 10 Jahren werde der größte aller deutschen Bahnhöse seine feldartige Umgebung immer noch ausweisen können, weil das an Millionären so reiche Franksurt das Geld für die etwas theuren Plätze nicht auszuwenden vermöge. Der „Kreuzzeitungs"-Artikel schließt mit der hämischen Bemerkung: „Dieser Umstand sei jedensallS geeignet, die hohe Meinung von dem so schnell aufstrebenden Frankfurt etwas abzuschwächen." — Die „Franks. Ztg." sagt zu diesem Erguß des Frankfurter Correspondentcn der „Kreuzzeitung" zunächst, von einer Rathlosigkeit über das Schicksal des Bahnhoss- terrains habe hier noch Niemand etwas bemerkt, und das kann auch ich versichern. Die Bauplätze werden in unserer Stadt schon sehr bald Käufer gesunden haben, wenn man mit der Niederlegung der zahlreichen Gebäude, die auf dem Terrain der alten Bahnhöfe standen, fertig sein wird, und die Straßenanlagen ihrer Vollendung entgegengehen. Die „Franks. Ztg." kann übrigens mittheilen, daß für 500,000 bis 600,000 Mk. Plätze bereits verkauft sind und andere Kausverhandlungen schweben. Bekanntlich wurden der Kgl. Eisenbahndirection für das ganze Terrain 17 Millionen Mk. von einem Consortium geboten, das Gebot aber abgelehnt, eine Thatsache, die übrigens die Behauptung von dem „geschenkten" Bahnhofe in etwas anderem Lichte erscheinen läßt. Sehr zutreffend bemerkt das mehrgenannte Blatt auch noch, daß der Bahnhofs-Neubau auch im Interesse der Staatsbahnen gelegen habe und die Zustände in den alten Bahnhöfen nachgerade unhaltbar geworden seien. Endlich erinnert die „Franks. Ztg." daran, daß ein großer Theil des Terrains der ehemaligen Westbahnhöse für die im Jahre 1891 Hierselbst stattfindende internationale electro-technische Ausstellung zur Benutzung überlassen worden ist, eine Bebauung jenes TheileS mithin vor Beendigung der Ausstellung nicht angängig sei. Dennoch werde nicht die Hälfte von 10 Jahren vergehen und ein großer Theil des in Rede stehenden Geländes werde verkauft und auch bebaut sein. — 50 jähriges Jubiläum der Briefmarke! Die Briefmarke und deren Gebrauch sind etwas so Selbstverständliches, Natürliches, daß man mit Recht staunen darf, wie es erst dem 19. Jahrhundert Vorbehalten sein konnte, dieselbe zu erfinden. Mtt ihrer Einführung war aber gleichzeitig die Anwendung von billigen Portosätzen verknüpft und deshalb hat keine Erfindung seit der Buchdruckerkunst so viel Gutes in moralischer und geistiger Beziehung gewirkt, als die erwähnte. Das billige Porto, dessen Plan ein Engländer, Sir R o w- land Hill, entwarf und ins Leben rief, hat der Welt unzählige Segnungen gebracht, so daß dem Tage, an welchem die Briefmarke eingeführt wurde, eine culturhistorische Bedeutung wohl mit Recht beigelegt werden kann. Am 4. Mai d. I. werden nun 50 Jahr verflossen sein, daß diese wohl- thätige Einrichtung in England nach hartem Ringen und Kämpfen erstanden ist und wir erfüllen gern die Pflicht der Dankbarkeit, aus das 50 jährige Jubiläum der Briefmarke hinzuweisen. Der gedachte Tag, welcher in den Kreisen der Briefmarkensammler, wie uns von berufener Seite mitgetheilt ist, festlich begangen werden wird, hat in England, OesterDer Postdampfer „Noordland" der „Red Star Line" tu «ni, werpen ist laut Telegramm am 24. April wohlbehalten in HeoZJ angekommen. reich und Deutschland Beranlaffung gegeben, interuatt Ausstellungen von Postwerthzeichen zu entriren. So & W staltet in Deutschland der „Verein für Briesmarkenkunde^' Magdeburg vom 4. bis 11. Mai d. I. in den PrackU"^ des Gesellschaftshauses „Zur Freundschaft" daselbst - „Internationale Ausstellung offieieller Postwerthzeichen" nach den vorliegenden Anmeldungen großartig und h" interessant zu werden verspricht. Diese Ausstellung bürH nicht nur für die betheiligten Kreise, sondern auch uJ5 Nichtsammler von großem Interesse sein. * Heber den Verbrauch von Alkohol am Krankenbett h, der Britische ärztliche Mäßigkeitsverein eine Untersuchs angestellt, wobei 73 Krankenhäuser berücksichtigt wurden ® hat sich dabei ergeben, daß sich der durchschnittliche Gebräu- geistiger Getränke, auf ein Bett berechnet, in den leh^ 25 Jahren um 46pCt. verringert hat. Die Sterblich^ in diesen Hospitälern ist unterdeß bekanntlich nicht gewachst Jeder Versuch bringt dauernde Abnehmer des HollLnv. raba» 10 Pfd. fco. 8 Mk. nur bei B. Becker in Seesen a. Harz. Verdingung. Die Ausführung der Trinkwaffer- lettung auf Bahnhof Wetzlar, veranschlagt zu 3000 ac, soll einschließlich der Materiallieferung im Ganzen vergeben werden. Für die Bewerbung um die Arbeiten und Lieferungen, sowie für den demnächstigen Vertragsabschluß sind die in Nr. 295 der Kölnischen Zeitung vom 24. October 1889 und des Centralblattes der Bauverwaltung Nr. 43 vom 26. October 1889 veröffentlichten Bedingungen maßgebend. Zeichnungen und sonstige zu der Verdingung gehörige Unterlagen können bei der unterzeichneten Dienststelle eingesehen, auch mit Ausnahme der Zeichnungen gegen Baar-Einsendung von 0,50 JC. von dort bezogen werden- Angebote mit entsprechender Aufschrift find bis Montag den S. Mai 1890, Vormittags 10 Uhr, der unterzeichneten Dienststelle einzusenden. [3582 Wetzlar, den 16. April 1890. Königliche Eisenbahn-Bau-Jnspection. Geffeutliche Aufforderung. Die Erbschaft des am 1. April l. I. verstorbenen Kreisamtsgehülfen Ghriftiau Heddrtch zu Gießen ist von dem Vormunde dessen minderjährigen Kindes Namens dieses unter der Rechtswohlthat des Inventars angetreten worden. Es werden daher Alle, welche Ansprüche an fraglichen Nachlaß zu bllden haben, hiermit aufgefordert, solche binnen 14 Tagen, von dem Tage der erstmaligen Bekanntgebung dieser Aufforderung in öffentlichen Blättern gerechnet, in der Gerichtsschreiberei unterzeichneten Gerichts schriftlich oder mündlich anzumelden, anderenfalls sie auf Berücksichtigung bei Ordnung des Rachlaffes nicht rechnen können. Gießen, 23. April 1890. Großh. Amtsgericht. ___Stammler. 3709 Donnerstag de» 1. Msj, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht auf freiwillges Ansuchen die der Kart Strand Wittwe, geb. Jacobi, gehörigen, in der Gemarkung Gießen gelegenen Immobilien: Flur 8 Nr. 706/10 — 453 Meter Hof- raithe an der Rodheimerstraße (Feldschlößchen), Flur 8 Nr. 94'/,. — 507 Meter Wiese daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 23. April 1890. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A. _ B o gt. 3697 Montag den 28. April, Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Wohnung der verstorbenen Frau MöbusWittwe, Restauration Sott), Sicherst ratze 21, die zu deren Nachlaß gehör. Gegenstände, namentlich: Tische, Stühle, Sopha. Spiegel, Bilder zwei einihür. Kleider- schränke, Commode, Consol, Waschschrank, Küchenschrank, «enstellen s. gute Federbetten, Weißzeug, «üchengeschirr und sonstiges versteigert werden. Sämmtliche Gegenstände f. g. erhallen Im Auftrag: «othenb erger, Ger.-Tarator. 3699 Die Flaschenbierhandlung vnn Daniel Heil Lindenplatz 3 'M empfiehlt: Mer der Aclien-Bmuerei Gießen: Lagerbier, hellfarbig (Wiener Brauart) per Flasche 18 do. dunkelfarbig (Bayr. 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Wie glänzend die Prooisionseinnahmen des Vorjahrs waren, so schlecht sind sie jetzt; das Emisfionsgeschäft ist gänzlich zerstört, die Course fallen, und fallen in einer Weise, daß selbst die vorsichtigste Bilanzirung bet Jahresschluß dies nicht oorher- sehen konnte. Dies Alles bedeutet verminderte Erträgnisse, oder direete Verluste für die Banken, aber ist cs nicht müssig jetzt, da noch nicht ein Drittel des Jabres verflossen ist, über das Endergebniß desselben zu fpfculiren? Hat man vergessen, daß zum Beispiel die Darmstadter Bank aus den Erträgnissen des Vorjahrs eine Gewtnnreserve gelegt hat, die allein genügt eine 5o/oige Dividende zu gewähren, und daß ähnliche, zum Theil noch bedeutendere Reserven von allen anderen größeren Banken zurückgeftellt rourbtn? Das ist nicht anzunehmen, aber in der Stimmung in welcher sich die Börse befindet, ist jede sachliche Erwägung fruchtlos. Man sieht die Course fallen, Tag für Tag, beunr uhigende Gerüchte schwirren umher, jede kleine Ruhcp.ruse (d)etnt nur dazu da, um den nachfolgenden Rückgang desto kräftiger zu gestalten, uno di.fr Thatsachen reden eine fo cindrmgliche und überzeugende Sprache, daß große Beträge, die schon als plackt galten, wieder an den Markt kommen, überall trifft man auf Realisationen und Blancoverkäufe, aber ernsthafte Köpfe sind — wenigstens in den Streifen des Publlikums — nicht zu finden. Es gehört immer ein gewisser Muth dazu bei fallenden (Sourfen zu kaufen; die große Menge wird sich nie dazu verstehen, aber heule, nach all den Enttäuschungen, da die Engagements an sich schon groß sind, und angesichts der denkbar ungünstigsten Tendenz nochmals kaufend einzugreifen, ist doppelt fchwer. Leider >st das Interesse unserer Banken mit der Börse so eng verknüpft, daß sie jede Verschlechterung der Börfen- tendenz als eine dirccte Verschlechterung ihrer Aussichten empfinden, und insofern gewinnen die Coursruckgänge der Bankactien zweifellos eine Berechtigung. Die Industrie ist frei von diesem dtrecten Einfluß, trotzdem bat auch hier die Börse erreicht, daß das Vertrauen vielleicht auf Jahre hinaus erschüttert ist, und ihr ist es zu danken, wenn die gegenwärtige Lage fast als eine'wirthschaftliche Krisis in weiten Kreisen empfunden wird. So werden die Aussichten ständig trüb-r, und ielbst die Thatfache, daß die Börse bereits stark nach unten engagirt ist, kann bei der ausgeiprochenm Neigung zu Realisationen nicht als günstiges Zeichen auf- gefaßt werden. Die thatsächlichen Verhältnisse haben, soweit sie nicht bereits angebeutet sind, wenig zur Coursentwicklung der Woche beigetragen. Die Discussion über die Entwicklung der Kohlenpreise trat in den Hintergrund und erschien erst wieder zu Ende der Woche, als widersprechende Meldungen über den Verkauf eines großen Kohlenquantums zu 140 an die Bayrische Staatsbahn unb eines anderen zu 110 an den Norddeutschen Lloyd eintrafen. Am wirksamsten erwiesen sich wieder die falschen Gerüchte, welche der Dresdener Bank neuerdings erhebliche Verluste andichteten und gerade in dem Moment auftauchten, als nach ganz außer ordentlichen Rückgängen der Markt sich etwas zu beruhigen begann. Es scheint, daß trotz der angedrohten Strafen in dieser Beziehung keine Besserung erzielt werden kann. Freilich, wir warten noch immer auf das Exempel, welches am ersten besten Verbreiter derartiger falscher Nachrichten statuirt werden soll. Die Börse hat durch diese unlauteren Elemente so außerordentlich viel verloren, daß ihr eigenstes Interesse erfordert, daß unter diesen schnell und gründlich aufgeräumt wird. Nicht ohne Einfluß ist auch der herannahende 1. Mai geblieben mit seinen Arbeiterdemonstrationen, die da, wo die Arbeitgeber sich hartnäckig und principiell gegen die Feier sträuben, leicht zu Ruhestörungen führen können. Die Unruhen in Oesterreich geben einen Vorgeschmack dessen, was kommen kann, wenn nicht auf beiden Seiten mit der größten Mäßigung verfahren wird. Die Abwärtsbewegung erreichte ihren Tiefpunkt am Dienstag, als die Provinz, beunruhigt durch die vorangegangenen Coursrückgänge, den Markt mit Verkaufsaufträgen förmlich bestürmte. Dtsconto fielen zu dieser Zeit bis unter 210 Darmstädter bis auf 151, Dresdner Bank bis auf 138. Seitdem hat sich Der Markt einigermaßen beruhigt; die Börse deckt sich zum Theil, besonders mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ultimo, aber diese Deckungen vollziehen sich nicht ohne Widerstano, immer von Neuem sendet Berlin flaue Course, demgegenüber die Bessin rung, zu welcher Frankfurt neigt, nicht Stand halten kann. Geld stellt sich nur auf ca. 3V2% und die Prolongation vollzieht sich leicht. Die Stücke sind eher gesucht, doch tritt mit Ausnahme von Staatsbahn-Actien, die zur Anmeldung bei der Generalversammlung gesucht werden, nirgendwo drängende Nachfrage hervor. Die Deckungen der letzten Tage haben, obgleich sich die Provinz an denselben durchaus nicht betheiltgte, einen nicht unbeträchtlichen Theil der Coursverluste wieder eingebracht. Disconto fielen von 216 auf 209,90, fliegen wieder bis 214, gingen aber nachbörslich wieder um ca. V/iVo zurück. Darmstädter sind unter Berücksichtigung der Dioidendenabtrennung tast unverändert, Dresden verloren ca. 1% Ungarische Eredit-Bank sind 6 fl. schwächer, Wiener Unionbank 4 fl. besser. Deutsche Bahnen lagen seit Mittwoch an, da der Staatsminister Finger erklärte: „es sei kein Zweifel darüber, daß zum allgemeinen Staatsbahnsystem übergegangen werde", recht fest, namentlich die zunächst betheiligten Mainzer Actien, die 4V4O/0 gewannen, dann folgten aber auch Marienburger mit 3% und Lübeck-Büchener mit 5o/o Gewinn nach. Oesterreichische Bahnen find mit wenigen Ausnahmen gleichfalls besser, namentlich Staatsbahn und Lombarden, erstere mit 42/4 fl., letztere mit 31/2 fl. Gewinn. Besonders bei ersteren erscheint die Besserung unverdient und nur durch die Nähe der Generalversammlung hervorgebracht. Böhmische Nordbahn 2 fl., Buschtherader 5 fl., Reichenberg-Pardubitzer 2 fl. besser. Schweizer Bahnen unverändert. Der Rentenmarkt ist bis auf Russen, für welche die Speculation auf Grund des steigenden Rubelcourfes sich lebhaft intereffirt, ziemlich unverändert, Türken sind nur geringe Bruchtheile schwächer, weil sich die Unterzeichnung der Jrade, betreffend die Conversion, verzögert, österreichische Valutarenten sind fester, btutfo Anleihen ganz unbedeutend niedriger. Mvntanwerthe traten gegen die Bewegung auf dem Bankenmarkt jntij anfänglich durch die allgemeine matte Tendenz gleichfalls gedrückt, haben sie sich «'m Schluß kräftig erholt und es schließen Gelsenkirchner 4