Nr. 120 Drittes Blatt. Sonntag den 25. Mai 1890 Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener A«mitienbtät1er werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Bierteljährigcr Abonncmentspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstratze Ar. 7« Fernsprecher 51. Arnts« unb Anzeigeblatt für den Nreis Gissen. Annahme von Anzeigen zu der RachmillagS für den folgenden Tag erscheinenden Rnninler dis Borm. 10 Uhr. Alle Annonccn-Bilreaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. chießener I-ami lien ßl'üiter chraii-'-kreisaae Arnblichev Theil. Gießen, den 22. Mai 1890. Betreffend: Die Ausführung des Unfallversicherungs- Gesetzes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an GroHH Poliz-iaWt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden deS Kreises. Der Vorstand der Bekleidungsindustrie-Berussgenossen- schaft hat Herrn Heinrich Leid (in Firma Georg Leib und Lohn) in Gießen zum Vertrauensmannffür die Provinz Oberheffen uno Herrn Robert Wegener zu Vlitzenrod zu dessen Stellvertreter ernannt. — Wir weisen Sie an, die Benachrichtigung über die Einleitung einer Untersuchung über die bei Mitgliedern der genannten Berufsgenossenschaft eingetretenen Unfälle an den Vertrauensmann, beziehungsweise dessen Stellvertreter in Gemäßheit des § 54 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. 'Juli 1884 zu richten. v. Gagern. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Kari Moll von Gießen heute als Ortsgerichtsdiener Großb. Ortsgerichts Gießen verpflichtet worden ist. Gießen, 21. Mai 1890. Großherzogliches Amtsgericht. Fresenius. Derrt-ctzes LLerctz. nn. Darmstadt, 23. Mai. Zweite Kammer der Land stände. Nach Verkündigung einer Reihe neuer Einläufe und Berichtsanzeigen erledigt die Kammer zunächst die Vorlage Großh. Negierung, die Herstellung einer direkten Verbindung der südlichen Stadttheile am Seltersberg zu Gießen mit den dortigen Bahnhöfen. Der Ausschuß schlägt die Genehmigung des Vertrags mit der Stadt Gießen vor und wird diese Vorlage ohne Debatte genehmigt. Bezüglich der Erhöhung des Gehaltes für einen vortragenden Rath im Finanzministerium, erstattet Abgeordneter Schröder mündlichen Bericht. Der Ausschuß beantragt, hierfür 7500 Mk. zu bewilligen. Abg. Frank kann sich mit diesen fortwährenden Gehaltserhöhungen der höheren Stellen nicht einverstanden erklären. In jeder Finanzperiode würden diesbezügliche Vorlagen gemacht. Man möge doch endlich einen anderen Modus eintreten lassen. Abg. Schröder erläutert, daß auch der Finanzausschuß Bedenken in dieser Richtung gehabt habe- da aber die Frage von dringlicher Natur sei, schlage er dem Hause Genehmigung der Vorlage vor. Das Haus genehmigt dem Anträge des Ausschusses gemäß den geforderten Betrag. Ein Antrag der Abgeordneten Metz-Darmstadt und Haas-Offenbach auf Abänderung des Dammbau-Gesetzes vom 14. Juni 1887 veranlaßt eine lebhafte Debatte. Abg. Metz begründet in längerer Rede die Veranlassung zur Antragstellung. Der Artikel 14 des Gesetzes spreche dem Grundbesitzer eine jede Entschädigung ab, wenn durch die ganze oder theilweise Abtragung eines Hochwasserdammes sein Grundbesitz im Werthe verringert oder auch gänzlich entwertet werde. Die Motive zu Art. 14 stützten sich auf den Satz, daß das Sonderinteresse gegen das Gemeindeinteresse zurücktreten müsse. Es sei dabei aber übersehen worden, daß ein solches Zurücktreten verfassungsmäßig in der Regel nur gegen Entschädigung gefordert werden könne. Fast unverständlich sei es, daß man bei den ungleich schädlicheren Sommerdämmen und neuen Flußbetten eine Entschädigung gewähren wolle, während man diese bei Ein- und Ausdeichungen verweigere. Geh. Finanzrath Krug präcisirt den principiellen Standpunkt der Großh. Regierung dahin, daß dieselbe an dem Standpunkte sesthalte, daß sie es für mißlich und unthunlich halte, daß man ein Gesetz, welches kaum einige Jahre bestehe und nach gründlicher Berathung zu Stande gekommen sei, jetzt schon wieder ändern wolle, ehe man practische Erfahrungen mit demselben gemacht habe. Was die rechtlichen Gründe anlange, welche der Abg. Metz geltend gemacht habe, so seien dieselben nicht stichhaltig, denn die gleichen Gründe seien auch bei der Durchberathung des Gesetzes zum Ausdruck gekommen und in entgegengesetzter Weise beurtheilt worden. Abg. Möhn spricht aus eigenen Erfahrungen und bezeichnet den Standpunkt der Ausschußmajorität, welcher Ablehnung des Antrages Metz empfehle, als den einzig richtigen, da bis jetzt auch nicht eine einzige Klage laut geworden sei. Auch er schließt sich der Ausschußmajorität an. Ministerialrath S ch ä f f er, sowie Oberbaurath Rohns widerlegen in sachkundigster Weise die Bedenken der Abgeordneten Metz und Haas und empfehlen den Ausschußantrag der Majorität. Es sei dringend davor zu warnen, schon jetzt an dem Gesetz zu rütteln. Dadurch würde nur Unruhe in die Bevölkerung hineingetragen. Für Beibehaltung des gegenwärtigen Gesetzes sprechen noch die Abgeordneten Arnold und W o l f s k e h l. Osann wünscht Strich des ganzen Art. 14; ebenso Abg. Schröder. Nach erfolgter Abstimmung wird der Antrag Haas und Metz gegen 7 Stimmen abgelehnt, ebenso der Antrag der Ausschußminorität mit 16 gegen 16 Stimmen. Das Gesetz bleibt in seiner alten Form bestehen. Bezüglich der Gesuche der Gemeinden Mockstadt und Feuilleton. Reise-Allerlei. Schon mit den ersten Tagen nach dem Pfingstfest beginnt wieder jene Periode, in welcher sich gewissermaßen die Rollen zwischen dem Großstädter und dem Bewohner der Kleinstadt vertauschen. Die Kleinstadt ist schon in all diesen letzten Wochen, in denen das Mailüfterl sonst weht, graduell in der Beachtung des Großstädters gestiegen, je heißer die Sonne zu brennen begann, je drückender der blaue Himmel und das knospende Grün ihm die Enge der ihn umgebenden Häusermauern fühlbar machte. Da schwillt ihm das Herz in der Sehnsucht nach der engeren Berührung mit der frisch knospenden Natur da draußen, gewaltsam drängt es ihn, mit einem Athemzug ihrer reinen Atmosphäre die unter dem Einfluß der unausgesetzten Cyklopen-Arbeit des Winters in der Großstadt geschwundene Kraft neu zu beleben und da wird ihm die Kleinstadt mit ihrem wohlthuendcn Gegensätze zu alledem, was ihn bisher quälte und drüHe, mit ihren klaren, einfachen und weil zum Theil fremden gerade auch um so interessanteren Verhältnissen, zu einem Eden, zu jenem Paradiese, das er sich gewünscht, um ein neuer Mensch zu werden! Und der Kleinstädter? Auch in thm erwacht die Sehnsucht, die, wenn der Mai gekommen, den Menschen ohne Unterschied sowie Stellung oder seines Wohnortes mit gcheimnißvollem Drange hinaus in die Ferne treibt, und naturgemäß ist sein Streben der Großstadt zugerichtet. Für ihn, dem das Walten der Allmutter Natur deshalb, weil er stets an ihren Busen ruht, nichts Neues ist, hat das aufregende, vielgestaltige rastlose Treiben der Großstadt mit ihren ewig wechselnden Erscheinungen, ihren vielfachen Sehenswürdigkeiten jenen bestrickenden Reiz, der ihn geduldig das ertragen läßt, was der „Eingeborene" als qualvoll flieht. Und so vertauschen sich die Rollen, aber dennoch bleibt der Bewohner der Kleinstadt im Vortheil vor seinem Theilhaber in diesem Rollenwechsel. Er gibt das, was der Großstädter mühsam sucht und nur auf eine kurze Spanne Zeit lechzend genießt, ohne in der Hast des Genießens wirklich zum Genuß kommen zu können, nicht auf. Er lernt vielmehr das, was ihm ein Göttergeschenk des Geschickes in gnädiger Laune als unschätzbares Gut zu eigen gegeben, von Neuem schätzen, wenn er aus dem wirren, wüsten Treiben heimkehrt in seine einfachen, klaren, geregelten Verhältnisse, seine natürliche Umgebung und dem reinen balsamischen Athem der Natur, die ihn umgibt, und angesichts dieser Position kann er jetzt stolz sich emporrecken und kühn an die Brust sich schlagend sagen: Jetzt haben wir die Rollen getauscht, denn Ihr, die Ihr sonst von oben herab auf den Kleinstädter nsederblickt, mitleidig vielleicht oder hohnvoll — Ihr, ihr kommet jetzt zu uns! Im Deutschen steckt der Wandertrieb schon von Alters her, und wie im Mittelalter es allerlei fahrendes Volk gab: die Minnesänger, die fahrenden Scholasten, Kriegsleute, Kausmänner u. s. w., so begegnen wir solchen Typen allerdings in moderner Umwandlung, auch heute. In Nachfolgendem wollen wir einen kleinen Beitrag zur Naturgeschichte dieses Neisevolkes geben. Da ist zunächst die weitverbreitete Familie der H a n d l u n g s r e i s e n d e n. Der gelben Butterblume vergleichbar ist sie überall anzutreffen zu jeder Jahres- und Tageszeit, im Eisenbahn- und Postwagen, aus der Landstraße wie im Gasthof. Die Glieder dieser Familie sind stets modern, etwas gesucht elegant gekleidet, von mehr oder weniger großen Musterkoffern begleitet und, wenn zu Zweien oder Dreien, in lebhafter Unterhaltung oder Skat spielend, sehr zum Aerger der zweiten Species, der reisenden Gouvernanten, die wegen Ueberfüllung der Frauencoupes gezwungen sind, eine Zeitlang in dieser Umgebung zu reisen. Malerisch in eine Ecke gelehnt, mit etwas männlich scharfen Zügen, einen Kneifer auf der Nase, hat die Gouvernante sich in die Lectüre von Heines Gedichten versenkt. Und während sie die rührenden Verse liest, tönt es an ihr Ohr: „Tournez!“, „A tont!“ u. s. w. Sie klappt entrüstet ihren Goldschnittband zu, starrt träumerisch durch das Fenster und steigt auf der nächsten Station aus. । Wüthend schlägt sie die Thür zu, denn hinter ihr pfeist das malitiöse Trio der Reise-Onkel „Schier dreißig Jahre bist du alt." — Der Gouvernante nahe verwandt ist der reisende j Familienvater, der nickst einmal Gelehrter, Professor : oder sonst etwas zu sein oraucht. Von der Gattin der i theuren und einem halben Dutzend langaufgre. Bade-Zngredicnzicn, (5acao, Schwämme, Medicinischc Weine, Pastillen, lflewur;«. Put^ mittel. Kinder-Nährmittel, Deötnsections- und Parfümerien und Spirituosen, Wäschcartikel, Toilcttcnnttcl, (»ssenzen. Äcleuchtnngsartikel, Räucherartikel, (?cht chinesische Tflees. Oele. ^ulkersabrikate. 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Statt besonderer Anzeige allen Freunden und Bekannten die Mittheilung, dass es dem Allmächtigen gefallen hat, unsere innigst geliebte treue Gattin, Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter und Schwester Frau Bürgermeister Bender, geb. Futh, heute Abend 8*|2 Uhr nach langem schweren Leiden im Alter von 53 Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen. Um stille Theiinahme bitten Oj<> trmiernaen Hinterbliebenen Hungen, den 23. Mai 1890. Die Beerdigung findet Pfingst-Sonntag, Nachmittags 3^2 Uhr statt. 4610 4581 4594 Am 3. Pfingstfeiertage r PH Weller Wwe. wozu ergebenst einladet <6 4157 Answ briefl. [1836 Die Selbsthilfe 1124 Diverse Obligationen, Wirtz» Drr Rentenmarkt wurde im jVorhergehenden schon berührt. Die höchsten Course wurden nicht behauptet, theils wegen der beträchtlichen Geldoersteifung des heimischen Marktes, ihllls weil in Paris bte Angelegenheit des CrSdit Foncier die Börse bedrückt. Immerhin sind Ungarn und Italiener nicht unbedeutend besser. Türken gehen sitzt nach dem glänzenden Resultat der Conversion procentweise zurück, ein gleiches Schicksal werden in Kürze Egypter und auch Russen thetlen, mit Aus- nahine vielleicht der Orientanleihen, bet welchen die Steigerung der Valuta mit- sprtcht; diese sowohl wie die der österreichischen dauert an und ein Ende ist nicht abzusehen. „ Gelsenkirchener stiegen, da sie bei dem erwähnten Abschluß zu günstigen Preisen dtrect mitbetheiligt sind, 4%; Laura ca. 2i/3°/o, außer diesen sind Alprne Montan 3>/2°/o l’/a°/o besser. Die übrigen Jndustrtewerthe sind still, nur Lloyd sind noch erwähnenswerth, die auf den Verlust eines Procrsses nicht unbedeutend zurückgingen, sich aber zu Ende der Woche wieder erholt haben. I 4r/L0/oGrafHenkelv.Don- I | nersmark, rückz. L 105 | 106.10 | 106.10 Trunksucht ist ohne jede Berufsstörung' heilbar. Zum Beweise hierfür liefere ich auf Verlangen ganz umsonst gerichtlich geprüfte und eidlich erhärtete Zeugnisse. Weinhold*Retzlaff in Dresden. 10. Nach Amerika mit den vorzüglichen Schnelldampfern de»H NorddeutschenLloyd in Bremen befördert Paffagiere der concessionirte Agent [1317 Carl Loos in Gießen. Zur Stadt Marburg« Am 2. Pfingstfeiertage: Tanz-Musik. Heinrich Carle. treuer Rathaeber für alte u. junge Personen, die ■ in Folge übler Jugendgewobnheiten sich geschwächt fühlen. ES lese eS auch Jeder, der an Nervosität, Herzklopfen, VerdauungSbeschwer- i den, Hömorrhoiden leidet, seine aufrichtige Be- lehrun^»hilft jährlich vielen Tausenden zur i Gesundheit und Kraft. Gegen Einsendung, von 1 Mark in Briefmarken zu beziehen von llr.med. L.Ernst, $0011'0^^, Wien, Giselastrasse Nr. 11. Wird in Sou», verschl. überschickt.. 5v/g Buderus-Obligat. . 1104.—1104.- Scliloss-Hötel Braunfels a. d. L. Wir bringen bei Beginn der wärmeren Jahreszeit unser reizend gelegenes Schloss-Hotel zu längerem Landaufenthalt und für Touristen in empfehlende Erinnerung. Anerkannt feine Küche. Gute Weine. Diners zu jeder Tageszeit. 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Ein anderes Moment verdient außerdem gegen- wärtta lebhaftere Beachtung. Seit Wochen erhoffte die Boise von dec herrschenden Geldflüssigkeit eine Belebung des Geschäftes. Diese Hoffnung erwies sich jedoch als trügerisch, weil die Geldflüssigkett nur eine Folge der geringen Ausdehnung des Börsengeschäftes mar und darum nicht ihrerseils dre Ursache einer Belebung werden tonnte. Heute vollzieht sich eine Besserung der Markttendenz unter steigenden Geldfätzen. Eine solche Erscheinung mitten im Monat Mai, der geidreichnen Zeil des Jahres, ist so ungewöhnlich, daß man unwillkürlich darauf verfällt, beide Erscheinungen ursächlich mit einander zu verknüpfen. Entspricht dies der Wirklichkeit, daß also die kurze Zett einer lebhafteren Geschäflsthätigkeit eine merkbare Versteifung des Geldmarktes Hervorrufen konnte, so erbellt daraus, wie wenig gegenwärtig die Verhältnisse zur Wieder auinahme der Haussecampagne geeignet sind, und es liegt darin eine eindringliche Warnung, nicht mit künstlichen Mitteln eine Geschäftstätigkeit Hervorrufen zu wollen, für welche die Bedingungen nicht vorhanden sind. Reben Remen, welche auch in dieser Woche die Führung behalten haben, sind Banken und Montanwerthe wieder mehr in den Vordergrund getreten. Namentlich haben sich die Course der letzteren kräftig erholt, aus Anlaß einzelner Abschlüsse sowohl von Kohlen- wie von Eisenlieferungen, bei welchen die bisher notnien Preise voll behauptet blieben. Der Proceß der Emancipirung dts Marktes von dem Einfluß des Montanmarktes erscheint dadurch verzögert, wenn auch nicht thatsächlich gestört, denn es ist nicht zweifelhaft, daß die Reprise auf Deckungen der Eontrenune zurückzuführen ist, und Meinungskäufe nur einen geringen Antheil daran haben. In wie weit man berechtigt ist, aus den obigen Abschlüssen und Angesichts einzelner besserer ausländischer Berichte auf günstigere Aussichten in der Conjectur des Montanmarktes zu schließen, mag heute unentschieden bleiben; sicherlich ist nach den bisherigen Erfahrungen auch jetzt noch größte Vorsicht am Platze und ein Zurück- flietzen der beute noch weitverbreiteten Actien des Montanmarkics in capitalkraftige und sachkundige Hände, wie es in dem vorigen Bericht angedeutet wurde, bleibt auch bei günstiger Conjectur im Interesse der Stabilität des Markies wünfchens- werth. Uebrigens stehen die deutschen Börsen nicht so gänzlich auf eigenen Füßen, wie es den Anschein haben mag. Em gut Theil der Anregung geben die Pariser und die Londoner Börse. Die großen Steigerungen dec internationalen Fonds gehen sämmtlich von dort aus, wo allerdings die Geldverhältnisse ungleich günstiger liegen als bei uns, wo aber so wenig wie hier die Schatten fehlen, welche die günstige Tendenz des Mackies von Zeit zu Zeit unterbrechen. Nrchtsdestoweniger ist die Unterstützung, welche den deutschen Börsen von dort gewährt wird, außer- orbenllid) werthvoll und es bleibt auch aus diesem Grunde wünschenswerth, daß der maßgebende Einfluß der Montanwerthe auf die Dauer gebrochen bleibt. Die Prolongation hat begonnen. Geld stellt sich auf circa 4%, aber eine ganze Reihe von Werlhen, wie Russen, Egypter, Türken, Veloce und einige Bahnen werden unter Satz prolongirt, d. h. die Speculation erachtet deren Course zu hoch und hat dieselben in Blanco begeben. v p Wie schon bemerkt, war auch der Bankenmarkt in dieser Woche lebhafter. Namentlich erscheinen Deutsche Bank gebessert (+ 5%), therls unter Hinweis auf die Steigerung der italienischenWerthe, an derenRegelung die Bank bekanntlich hervorragend betheiligt ist, theils auf Verhandlungen über ein neues Geschäft auf industriellem Gebiet. Es geht das Gerücht, die Bank beabsichtige die Ausbeutung des Manes- mann'schen Walzverfahrens, einer Erfindung, die innerhalb der Eisenbranche berechtigtes Aufsehen erregt und eine große Zukunft zu haben scheint- Bei den anderen Banken sind die Steigerungen geringer, Handelsgesellschaft 3 ü/o, Darmstädter 2%, Disconto l‘/2 °/o, Dresdener 2%, nur Nationalbank kommt der ersten gleich. Ausländische Bahnen bleiben nach wie vor die Günstlinge der Speculation. Nur bei Lombarden zeigt sich auf die vorhergegangene große Anspannung ein mäßiger Rückschlag; im Uebrigen brachte die Woche die erheblichsten Coursbesserungen. Böhmische Westbahn sprangen an einem Tag 10 fl. aufwärts, wovon allerdings im Verlauf ein Theil wieder verloren ging, Duxer gewannen 12 fl, Prag-Duxer 0V2 fl. In letzteren Actien entwickeln sich außerordentlich rege Umsätze die Börse träumt schon aus Anlaß der gegenwärtig erzielten 3°/0 Dividende und der fortgesetzten Mehreinnahmen von 51% Dividende und sieht schon die Verstaatlichung dieser Bahn, die Jahrelang zu den Nonvaleurs zählte, mit zu Grundelegung einer solchen Rente. Schweizer Bahnen fest, trotz nicht völlig befriedigender Ausweise, auf die Erklärung der Gotthardtdividende, welche um eine Kleinigkeit über das Taxat hinausgeht. Meridionavx gewannen 3,20 %, Mittelmeer 1%. Deutsche Bahnen erwecken aus sich heraus kein Interesse, das stellt sich immer nur dann ein, wenn die Verstaatlichungsfrage zur Discussion gebracht wird. Musikal. Hausfreund Plätter f. ausgewiihtteSalonmusik. Monatlich 2 Nummern (mit Text- Beilage). UI. Jahrgang. 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ZMmschuldete Sdjmiidff der Männer, Pollut., sämmtl. t» schlechtskrankh. heilt sicher n 25jäbr. pract Erf. Dr. Mentzel, nicht appro- birter Arzt, Hamburg, Kielerstraße zti. Cours vom 16./V. 24./V. Cours vom 16./V. 24./V. 40/g Hessische Obligation. 105 — 105.30 4VL0/oPortug.-A. 88 u.89 92.10 93 60 „ Bayern .... 106.10 106.— 5% amort. ©erb. Gold- Baöen..... 104.05 103.95 Rente .... 86.50 87.10 Zo'/c. Sächsische Rente. . —.— —.—- 5o/oSerbischeEisenbahn- 31/9°/o BremerStaatsaul. —.— —.— Hyp.-Odl. L. A. . 89.20 89.30 „ Hamb.Staatsrente 100.40 — — 4o/ySchwed.Oblig.l880c 102.80 102.90 40/gOkstr. Goldrente . 94.90 95.20 lo/o Türken conv. . 19.— 18.70 „ GriechischeMonopol- 50/0 priv. Egypter. . . 104.80 105.20 Anleihe . . . 78.80 79.55 „ Argent. Gold - Anl. 50/0 Rumänische Rente . 98.70 88.85 0. 1887 . . . 88.05 87.50 W/o Russische Anl.. . 102.20 1 102.60 ( Gisenbah«-^ örtoritäten. 4o/y Pfälz. Ludwigsbahn 5% Südbahn Lombarden 104.20 104.45 (Bexbach) . . . 102.90 102 95 4% do. do. 98.30 98.50 „ Hessische Ludwigsb. 30/0 do. do. 65.05 65.50 68/69 Garant. . 102.80 40/0 Prag-Duxer Gold . 100.95 100.95 „ Elisabethb. steuerfrei „ Rudolf Gold (Salzk.) 100.75 101.— Gold .... 101.40 101.30 „ Franz-Josef Silber 84.70 84.50 50/0 Oeftr. Staatsbahn. 107.20 107.— 3% ftaatl. ßarant. Jial. 4% do. do. 100.75 100.90 Eisenbahn . . 57.90 58.80 3% do. do. 3% Livorneser . . . 64 70 64.90 i.—vm. Emiff. 83.30 83.45 40/0 Rusf.Südw Cisenb. 94.30 94.40 30/0 do. Ergänzungsnetz 80.— 80.20 40/g Wladikawkas garnt. 93.80 94.10 5% Nordwestbahn Gold 108.10 107.60 4°/0 gar. Saldin.Sec.stfr. 86.50 87 20 Jndnfteie-Papieee. Binding-Brauerei . . 166.50 166.50 Deutsche Verlagsanstalt 270.50 273.90 Stern- do. (Oberrad) 132.80 133.50 Farbwerke,vorm.Meister, Bad. Anilin- u. Soda- Lucius & Brüning. 269.70 270.— fabrik .... 271.40 271.25 Riebeck'scheMontanwerle 183.— 184.50 Pfandbriefe. 40/0 Franks. Hyp.-Pfdbr. 40/gDeutfcheGrundschld.- 0. 86 ab . . . 102.— 102.— Bk.-Pfandbr. . 101.60 101 60 3Vr0/oFrnkf.Hyp.-Pfdbr. 98 — 98.— 31/2% do...... 98.— 98.— 4o/yPreutz.HyP.-Act.-Bk.- 31/2% Rhein. Hyp.-Bank- Pfandbr. . . . 101.70 101.70 Pfandbr. . . . 96.20 96.20 3V2°/o do...... 98.— 99 80 40/0 Meininger Pfandbr. 101.50 101.50 40/oPreuß. Centr.-Bod.- Cred.-Pfandbr. bis 1885 ..... 101.10 101 40 Loose. Oestr.l860rfl.500-Loose 123.10 124.20 Braunschweig. 20 Thlr.- „ 1854rfl. 250- „ 120.50 120.80 Loose .... 105 — 105.- 4«/o Meininger Prämien- 3°/0 Oldenburger Loose . 132.50 132.25 Pfandbr. . . . 132.20 131.55 3V,o/vKöln-NUndn.Loose 141.— 140.10 «merttanische «tsenbahn-Bond-. 6o/oChic.Milw.f.St.Paul 4% Chicago Burlington Prt., rückzahlb. 1910 . 114.80 114.25 9lebraska 1927 . . 90.60 90.70 5o/oCbic.MUw.f.St.Paul 4Va% California Pacif. Prt., rückzahlb. 1921 . 105.05 104.90 I. M., rückzahlb. 1912 107 — -.— 6% Centr. Pacif. I.Mrtg. 60/gPacif.ofMissouri con- rückzahlb. 1896 . . 111.10 109.50 solidated I. M. r. 1920 108.45 108.55 Redactton; A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.