mahnte. chbmM Mr «z-bv'i erzliche Fuders, ehaus gtenben W* b"rd! „s ErP-rtbier) z»>* M ein W-s Zmmr « 2 Ber-'m p BnflM Hochachtend MU? P5 tt 807t 76^' ilSÄ 2161« 165 o; )4«fl K» |t SMstOü wg°" Vd.r. S^s SS* Nr. 1SK. Zweites Blatt. Sonntag den 24. August 4LAI Der ^ietener Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme deS Montags. Die Gießener M«mttte«VlLiter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Kießener Anzeiger General-Anzeiger. Vierteljähriger AkionnementsprelL» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die P-ost bezöge» 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Ar.l Fernsprecher 5L Amts- und Anzeigrblatt für den Nreis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Aamilienölätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Der landwirtschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird Donnerstag den 28. August 1890 in Grünberg auf dem Tummelplatz (Lehmkaut) in der Nähe des Wagner- schen Gartens eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisverthellung veranstalten. An derselben können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter mit ihren Zuchtthieren mit Ausnahme der Viehhändler bethelligen. Prämien werden nur für Zuchtthiere der Vogelsberger Raffe (Reinzucht) und der Simmenthaler Raffe (Reinzucht und Kreuzung) erthellt. An Geldpreisen hat der landwirthschaftliche Provinzial- verein und der Zuchtverein Gießen zur Prämiirung von Vogelsberger Vieh je 200 X, zusammen 400 «M., und der landwirthschaftliche Bezirksverein zur Prämiirung von Simmenthaler und Vogelsberger Vieh ÖOO «X zur Disposition gestellt. Preise werden bewilligt: 1) für Bullen im Alter von einem Jahre und darüber, 2) für Rinder im Alter von einem Jahre ab und für Kühe jeden Alters. Nur preiswürdiges Vieh wird prämiirt. Sämmtliche auszustellende Thiere müssen bis Morgens 8 Uhr auf dem Tummelplatz zu Grünberg aufgetrieben sein. Bullen im Alter von 1 Vr und mehr Jahren müssen an ein em Nasenring geführt und an demselben auf dem Ausstellungsplatze angebunden werden. Gelegentlich der Thierschau kann die Ankörung sprungfähiger Bullen durch die Körcommission stattfinden. Es finden daher Gemeinden und Bullenhalter daselbst günstige Gelegenheit zum Ankauf von Gemeindebull-en. Gießen, den 5. August 1890. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath. Betr.: Die Feldbereinigung in der Gemarkung Saasen. Bekanntmachung. Die Verhandlungen über die Aufstellung des allgemeinen Meliorationsplanes für die Gemarkung Saasen liegen zur Einsicht der Betheiligten vom 25. August bis 8. September l. I. auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei Saasen offen, nämlich: 1) die Karte mit Einzeichnung des neuen Wege- und Grabennetzes; 2) die Erläuterungen dazu mit den Beschlüssen der Vollzugscommission in einem Hefte; 3) das Protocoll über die Prüfung dieses Meliorationsplanes durch die Landescommisston vom 4. Juni l. I.; 4) die Acten über die geplante Regulirung der Gemarkungsgrenze von Saasen mit: a. Lindenstruth, b. Göbelnrod, c. Harbach, d. Reinhardshain; 5) die Acten wegen Anlage verschiedener Waldtheile zu Feld und umgekehrt. Am 10. September l. I., Vormittags 9 Uhr, wird der Unterzeichnete mit der Vollzugscommission aus dem Bürgermeistereibureau in Saasen zur Auskunftserthellung und Entgegennahme von Anträgen anwesend sein. Etwaige Einwendungen gegen die vorgenannten Arbeiten müssen bei Meldung späterer Nichtberücksichtigung entweder während obiger Frist schristlich bei der Bürgermeisterei Saasen überreicht oder in der erwähnten Tagfahrt den 10. September eingebracht werden. Darmstadt, den 11. August 1890. Der Vollzugscommiflär: Nover, Negierungsrath. Bekanntmachung, die Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge betreffend. ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschastslehrer Leithiger von Alsfeld 1) Sonntag den 24. August 1890, Nachmittags 21/2 Uhr, einen Vortrag über: die Aufzucht und Pflege des Jungviehes in dem Locale des Herrn Wirths Theiß in WeiterShain; 2) Sonntag den 31 August 1890, Nachmittags 21/2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schaftliche Buchführung in dem Locale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Larrg-GönS; 3) Sonntag den 7. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Molkereiwesen im „Rappen" zu Grünberg; 4) Sonntag den 14 September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: die Trockenlegung der Grundstücke in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich; 5) Sonntag den 21. September 1890, Nachmittags 2V2 Uhr, einen Vortrag über: Molkereiwesen in dem Locale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Lang-GöaS; 6) Sonntag den 28. September 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: landwirth- schastliche Buchführung in dem Gasthofe „Zum Rappen" zu Grünberg; 7) Sonntag den 8. Oktober 1890, Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag über: Anlage von Gewannwegen in dem Locale des Herrn Joh. Heiland zu Lich halten wird. Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins, der landwirthschaftlichen Localvereine und alle Freunde der Landwirthschast werden zu diesen Versammlungen hierdurch ergebenst eingeladen. Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen Vorträge gehalten werden, sowie die der benachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken. Gießen, den 8. August 1890. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath. Deutsches Reich. Darmstadt, 21. August. Das gestern ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 23) enthält u. A.: Dienstnachrichten. Am 19. Juli wurde der Bremser bei den Oberhessischen Eisenbahnen Johannes Schlitt zum Schaffner bei diesen Bahnen ernannt; am 21. Juli wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Rothmanch aus Framersheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bechtolsheim, am 23. Juli wurde dem Schulverwalter Franz Ellert zu Nack die Lehrerstelle an der kathol. Schule daselbst über-; tragen; an demselben Tage wurde der von dem Herrn Grasen zu Erbach-Erbach auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Günterfürst präsentirte Schulamtsaspirant Leonhard Löw aus Erlenbach für diese Stelle bestätigt; am 24. Juli wurden die Hilfswärter Friedrich Bornemann aus Utphe und Joh- Damm aus Stangenrod zu Bahnwärtern bei den Oberhess. Eisenbahnen ernannt; am 25. Juli wurde dem Geometer 2. Klasse Ernst Hensing aus Darmstadt das Patent als Geo-^ meter 1. Klaffe für den Kreis Darmstadt ertheilt- an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Heinrich Buß aus Eberstadt eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Leihgestern, am 29. Juli wurde dem Schulamtsaspiranten Carl Lautelme aus Rohrbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Affolderbach, am 1. August wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Hoch aus Fürfeld eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Großen-Linden, am 4. August wurde dem Schulamtsaspiranten Jacob Schmuck aus Ober-Hilbersheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wendelsheim übertragen- am 6. August wurde dem Schulverwalter Wilh. Wollweber zu Freimersheim eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Kostheim, an demselben Tage Feuilleton. Die verlorene Perle. Novelle von I. Dedekind, Verf. der „Achten-Lini". (Nachdruck verboten.) I. Die Sonne war dicht vor dem Untergange und färbte die Luft mit ihrem letzten ausglühenden Roth. In flüssigem Golde schien das hohe, reichgeschmückte Zimmer zu schwimmen, in dem ein bildschönes, ganz junges Mädchen ihre Musik- stunden bei einem fast ebenso jugendlichen Lehrer nahm. Beide Characterköpfe traten in dem tiefrothen Lichte ausdrucksvoll hervor. Er, scharf gezeichnet um Nase und Mund, beinahe eckig in den Schläfen, wurde durch ein Paar tief und feurig blickender Augen, durch eine trotz seiner Jugend mächtig gewölbte Stirn zu einem Ausnahmegesicht, von dem man sich nicht losreißen konnte. Ihre zarte aristokratische Schönheit wäre vielleicht zu ruhig und in sich abgeschlossen erschienen, wenn nicht ein träumerischer Zug um die Augen ihr einen hohen poetischen Reiz gegeben häucu. Es war der Kuß eines glücklichen Genius, der an ihrer Wiege gestanden hatte. Auch jetzt spielte sie ein schmelzendes Adagio - das heißt, kunftgeübte Finger führten es gewohnheitsmäßig aus. Der Geist war nicht dabei. Schon lange beobachtete ihr Freund die Veränderung, die in den lieben Zügen vorging, in denen er jede Abtönung errieth und auszulegen verstand. Die weichen Lippen preßten sich fest auseinander, voller Angst, -als müßten sie Widerstand leisten- das leuchtende Auge senkte sich scheu und ein Zittern in den Lidern verrieth inneren Kampf - jetzt schien es, ais wollte sie aufhören, ein Wort der "Erklärung sagen- doch nein, das Spiel wurde nicht abgebrochen, aber es ging in ein hastigeres Tempo über. Er sah, wie ihr Auge feucht wurde, und legte seine Hände auf die ihren, sanft und fest- er durfte es. Eine Dissonanz schloß das Adagio ab und er fühlte eine heiße Thräne auf feine Hand rollen. Der ersten folgten viele nach - auf- schluchzend entzog sie ihm die Hände, aber nur, um sie ihm um die Schultern zu legen und sich selbst leidenschaftlich an seine Brust zu werfen. Er zog das holde Geschöpf an sein hochschlagendes Herz und hob mit der Rechten den lieblichen Kopf leise in die Höhe, um ihre Thränen zu trocknen. „Verzage nicht, Antonie," redete er ihr zu, „wir scheiden ja nicht auf lange, und wenn wir uns wieder sehen, mein Tonele, ist alles gut." „Ach Georg," schluchzte sie, und richtete sich hoch auf, „sie sagen, es sollte eine Trennung für immer fein." Er wurde sehr blaß, aber feine Stimme blieb ruhig. „Wer sagt das? Wer hat einzureden, wo Du und ich eins sind?" „Georg, ich bin ja nicht mein eigen- hätte ich meine Eltern oder wäre ich Kind vom Hause, so hätte ich mein gutes Recht." „Das Herz hat überall sein Recht, es darf das Seine fordern, wir wollen ja gern darum bitten, nur hielt ich den Augenblick jetzt für verfrüht- so hast Du armes Kind doch schon beichten müssen?" Sie entzog sich ein wenig gereizt seinen Armen und sagte kleinlaut: „Was helfen meine Ausreden? Du kennst die Tante, sie wußte es längst." „Ich hätte es denken sollen?" sprach er vor sich hin, „aber wozu diese angenommene Blindheit, dies Gewähren- lassen? Nein, nein, Toni, dann macht mir ihre Nachsicht erst recht Muth!" „Sie sagt, der Onkel würde nie einwilligen." „So? Der Onkel? Sagt sie das? Ich werde immer sicherer!" Und mit seinem siegesfrohen Lächeln zog er die Geliebte wieder an sich. „Und siehst Du," fuhr er überredend fort, „ich bin nicht dazu angethan. Dir Ungehorsam zu predigen - ich weiß, daß sie beide Dir gute Eltern waren, und ich selbst, das Kind der Armuth, das sie gewürdigt haben, zu den ihren zu zählen, ich mache mich des schnöden Undanks schuldig, wenn ich sie kränkte. Aber sei aufrichtig, Antonie, können sie uns denn trennen ? Du schweigst? Wäre es Dir möglich, den Gedanken zu fassen, daß wir, Du und ich, auseinander kämen? Stelle Dir vor, ich wäre in der Ferne und Jemand käme und sagte Dir, der Georg hätte Dich und seine große Liebe vergessen um einer andern, einer Pariserin willen, die ihm besser gefällt, fändest Du Glauben daran? Siehst Du? Siehst Du, Du zürnst, 0 nein, Du lachst, und das ist besser! Unmöglichkeiten werden belacht. Wie lieb und hell Du wieder aussiehst! Ich habe meine Toni wieder und lasse sie nie und nimmermehr!" Sie lächelte unter Thränen wie ein Apriltag und schmiegte sich an ihn. Aber die Bedenken waren nicht überwunden. „Was kann ich in meiner Hilflosigkeit gegen ihren Willen machen, wenn Du gehst? Ich, allein?" „Meine Toni, denke nur, ich stände Dir immer zur Seite! Wie haben wir alles durchsprochen und festgemacht, jedes Wort von Deinen süßen Lippen höre ich in mir nach- klmgen, mit den Melodien, die auch zu uns geredet und uns verbunden haben, wie Segen und Weissagung- wir werden es nicht vergessen." „Nie," sagte sie warm und hob die feuchten Wimpern zu ihm auf. „O, sprich weiter, Georg, ich war wie vernichtet. Schon gestern, als Du fort warst, machte die Tante Andeutungen; heute ließ sie mich rufen, ach, und da ist alles wurde dem Schulamtsaspiranten Friedrich Muhl aus Friedberg die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Haarhausen übertragen. Dienstentlassungen. Am 12. Juli wurde der Kreisamts- gehilse Peter Allendorf zu Gießen aus sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. August an, am 15. Juli wurde der Steueraufseher Johannes Seibert zu Wörrstadt seines Dienstes entlassen. Ruhestandsversetzungen. Am 26. Juli wurde der Lehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen Conrad Spamer auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen mit Treue und Eifer geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. October d. I. an in den Ruhestand versetzt. Concurrenzeröffnungen. Erledigt ist: Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nidda mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 950 bis 1300 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbnnden. Dem Stadtvorstand zu Nidda steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Höllerbach mit einem Gehalte von 900 Mk. Dem Herrn Fürsten von Löwenstein - Wertheim- Rosenberg und dem Herrn Grafen von Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Sterbefälle. Gestorben sind: Am 3. Juli der Salzmagazinsverwalter i. P. Johann Georg Strauß zu Darmstadt ; am 9. Juli der Schullehrer Heinrich Södler zu Dauernheim,- an demselben Tage der Gerichtsvollzieher i. P. Johann Kaiser zu Mainz,- am 21. Juli der Justizrath i. P. Dr. Friedrich Lembke zu Darmstadt; am 22. Juli der Palaisverwalter i. P. Jacob Heuß daselbst,- an demselben Tage der Gymnasialdirector i. P. Carl Boßler daselbst- an demselben Tage der Registrator bei der Main-Neckar-Bahn i. P. Conrad Döpser daselbst- am 25. Juli der Ober-Rechnungsrevisor i. P. Wilhelm Garnier daselbst- am 30. Juli der Präparator am Museum Johann Jacob Schmidt da-? selbst- am 3. August der Schullehrer i. P. Simon Seib zu Ober-Ingelheim. Berlin, 21. August. Die „Nat.-Ztg." schreibt: Das Inilitärärztliche französische Fachblatt „Archives de medecine .militaire“ veröffentlicht eine interessante Untersuchung über die Sterblichkeitsverhältnisse der europäischen Heere, aus welcher hervorgeht, daß das deutsche Heer von allen am günstigsten gestellt ist. Die höchste Sterblichkeitsziffer weist das spanische Heer mit 13,40 pro Mille auf; es folgt Rußland mit 8,88, Italien mit 7,74, Oesterreich- Ungarn mit 6,94, Frankreich mit 6,06, England mit 5,13, Belgien mit 4,7, endlich Deutschland mit nur 3,97 pro Mille. Was die am weitesten verbreitete Krankheit, die Lungentuberculose, anlangt, so stellt sich die Zahl der Erkrankungen für Deutschland zwar etwas ungünstiger, da Frankreich mit 2,6 pro Mille den Vorrang vor uns mit 3,12 pro Mille behauptet, dafür aber beträgt die Zahl der tödtlich verlaufenen Fälle in der deutschen Armee nur 0,83 pro Mille, worauf als nächstbeste Staaten Belgien mit 1 und Frankreich mit 1,11 pro Mille folgen. Obwohl die Verhältniß- zahlen sich für Frankreich im Allgemeinen nicht ungünstig anlassen und die Tendenz weiterer Aufbesserung zeigt, wird Frankreich doch, wie die „Debats" bemerken, von Deutschland, welches in jeder Hinsicht den Vorrang behaupte, weit übertroffen. „Der Berliner Aerzte-Congreß", fährt das genannte Blatt fort, „hat also den von unserer Regierung amtlich entsendeten Mitgliedern der Armee- und Marine-Sanitätsbehörden eine treffliche Gelegenheit geboten, „Fachunterricht" zu nehmen, und werden sie zweifellos nicht nur aus den ge» pflogenen wissenschaftlichen Erörterungen Nutzen gezogen haben, sondern mehr noch aus den Besuchen, die sie den Kasernen und den sanitären Etablissements des deutschen Heeres abstatten durften." Berlin, 21. August. Wie alljährlich hat das Königliche Statistische Bureau soeben im Auftrage des Königlichen Ministeriums für Landwirthschast, Domänen und Forsten die zur Sprache gekommen, als ob sie mir das Herz stückweise aus der Brust risse, Dir steht es noch bevor." „Sie hat ein Recht, mich zur Verantwortung zu ziehen," sagte er ernst, „aber ich zittere nicht vor dem Augenblick, wenn er auch früher kommt als ich gewünscht hätte." Nahende Schritte und das Rauschen von Gewändern und Thürbehängen kündeten das Erscheinen der gefürchteten Schiedsrichterin an. Zwei bebende Herzen klopften ihr entgegen. Es war kein schreckhafter Anblick- die schöne, noch jugendliche Frau sah ernster aus als sonst- aber ein Philosophisches Lächeln, das sich über ihre marmornen Züge ergoß, verhieß Nachsicht und Leidenschaftslosigkeit. Indem sie sich selbst in einen Sessel niederließ, winkte sie den beiden, die ihr mit scheuer Ehrfurcht entgegentraten, ihre Begrüßung und die Aufforderung zu, ihre Plätze zu behalten. „Ich hörte schon länger keine Musik mehr," begann sie, um einen Eingang zu machen, „da nahm ich an, daß ihr Eure Angelegenheit miteinander besprächet. Ich möchte ein Wort dreinreden und beklage, daß ihr mich überhaupt ausschließen konntet." „Frau Gräfin," Hub Georg mit bewegter Stimme an, indem er ausstand und vor sie hintrat. Sie wehrte ihn ab und fiel ihm mit strafendem Tone ins Wort: „Jörg, ich weiß, was Sie sagen wollen — es ist zu spät, Sie brennen sich nicht mehr rein. Ich will den Theil der Schuld, den Sie mir zuwälzen möchten, auf mich nehmen und bekennen, daß ich eine Thörin, eine große Thörin war, Ihnen Vertrauen zu schenken." Er mußte sich sehr bezwingen. Abwechselnd erglühend und erblassend, suchte er seiner Stimme Ruhe und seiner Haltung Sicherheit zu geben. (Fortsetzung folgt.) Ergebnisse de: r von den landwirthschaftlichen Vereinen Ende Juli 1890 kreisweise bewirkten Ermittelungen der Ernte- aussichten aus den Originalberichten zusammengestellt. Die Angaben erstrecken sich auf die wichtigsten feldmäßig an- gebauten Früchte und sind in Procenten einer Mittelernte ausgedrückt. Für die Hauptsrüchte — das Getreide — sind hiernach die Ernteaussichten als recht befriedigende zu be- zeichnen; nur die Hopfen- und Buchweizenernte steht erheblicher hinter den durchschnittlich zu erwartenden Ergebnissen zurück, auch die Kartoffel- und Heuernte dürste etwas ungünstiger ausfallen als im Vorjahre. Für die einzelnen Provinzen stellten sich die Ernteaussichten in Procenten einer Mittelernte im Durchschnitt wie folgt: Winter- Winter- Sommer- Hafer Kar- in Weizen Roggen Gerste toffeln Ostpreußen 105 121 113 115 115 Westpreußen 102 106 105 105 92 Brandenburg 102 102 105 115 94 Pommern 107 101 109 109 95 Posen 99 98 102 104 88 Schlesien 95 96 98 104 83 Sachsen 111 104 103 109 99 Schleswig-Holstein 104 98 102 99 94 Hannover 100 101 96 101 93 Westfalen 98 101 93 98 85 Hessen-Nassau 102 98 98 95 93 Rheinland 107 102 100 107 102 Hohenzollern 104 103 105 93 107 vemnischtes. * Heppenheim a. d. Bergstr., 21. August. Unsere Ausstellung verspricht im Rahmen einer Provinzialausstellung an Vielseitigkeit und Qualität der Ausstellungsgegenstände nichts zu wünschen übrig zu lassen, mindestens alle Erwartungen zu übertreffen. Die Rüstigkeit, mit welcher sich Hunderte von geschäftigen Händen zu ihrer Fertigstellung regen, läßt auch erwarten, daß sie am Tage der Eröffnung (Sonntag, 24. l. Mts.) als vollständiges, lückenloses Ganzes vor uns stehen wird, ein wechselndes, prächtiges Bild im anziehendsten Rahmen. Besonders tüchtig ist das Möbelhandwerk vertreten uni) nicht zum mindesten und geringsten durch Erzeugnisse der Werkstätten einzelner Meister und Holzbildhauer. Auch Schlosser- und Schmiede-, Schuhmacher- und Sattlerwerkstätten haben geschmackvolle und solide Arbeiten geliefert. Die Elfenbeinschnitzerei und die Stuckaturarbeit weist kunstvolle Arbeiten auf. Außerdem erfreut sich die Ausstellung ganz vorzüglicher Leistungen der Pianoforte-, Nähmaschinen-, Fahrräder-, Ofen- und Herd-, Maschinen- und Textilfabriken. Auch die Steinindustrie, wie sie jetzt durch die Granitschleifereien in Heppenheim und Bensheim zu schöner Blüthe gebracht ist, hat Vorzügliches ausgestellt- eine Mosaikfabrik bietet ein schönes Bild ihrer Leistungsfähigkeit. Man findet eine in vollständigem Betrieb befindliche Buchdruckerei - die neue Maschine ist von der Maschinenfabrik Worms. Alle einzelnen Branchen aufzuzählen würde hier zu weit führen, näheres hierüber wird der Katalog bringen. Nur sei noch des vorzüglich geeigneten, prächtigen Ausstellungsplatzes gedacht. Beim Eintritt in das Gebiet der Ausstellung begrüßt uns zunächst das stattliche, von hübschen Blumen- und Parkanlagen umgebene Kriegerdenkmal. Nachdem wir an den mächtigen, alten Lindenbäumen vorübergeschritten sind, stehen wir vor dem neuen Realschul-, jetzt im festlichen Schmucke prangenden Ausstellungsgebäude. Wir betreten alsdann den weitausgedehnten, wohlbenutzten Ausstellungsplatz mit der geräumigen und schön decorirten Ausstellungshalle. Daran reiht sich das Restaurationsgebäude mit dem dichtbeschatteten Festgarten und der Trinkhalle. Alles ein abgeschlossenes, einheitliches Ganze, für die Ausstellung wie geschaffen. Nimmt man dann noch das Programm zur Hand, welches Concerte, electrische Beleuchtung, Schloßbeleuchtung, Volksbelustigungen aller Art rc. ankündigt, so darf man wohl die Ueberzeugung gewinnen, daß die Heppenheimer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung jedem Besucher des Guten und Erfreulichen im Besonderen und Allgemeinen recht viel zu bieten vermag. * Weshalb zählt der Monat August wie der Monat Juli 31. Tage? Diese Frage wird sich wohl mancher der Leser nicht beantworten können - wir lassen deshalb den Sachverhalt hier folgen: Der Monat August, welcher nach der jetzigen Zeitrechnung der achte Monat im Jahre ist, war bei den alten Römern, bei denen das Jahr mit dem März anfing, der sechste Monat, er hieß daher Sextilis. Diese Bezeichnung behielt der Monat indeß so lange, bis der Kaiser Augustus zum Andenken mehrerer glücklicher Ereignisse, die ihm in diesem Monat widerfahren waren, demselben seinen eigenen Namen beilegte oder vielmehr vom Senat beilegen ließ. Die Schmeichelei begann bereits mit Julius Cäsar, dem zu Ehren der Monat Quintilis Julius (Juli) genannt war. Da aber der Sextilis, unser August, nur 30, der Julius aber 31 Tage zählte, so verordnete der Senat ferner, um August nicht zurückstehen zu lassen, daß auch sein Monat 31 Tage haben sollte, wofür man einen Tag aus dem Februar wegnahm. Diese Anordnung hat sich auch bis auf den heutigen Tag erhalten. * Blutvergiftung durch Menschenzähne. Berliner Zeitungen erzählen folgende merkwürdige Historie: „Gelegentlich einer Tauffeierlichkeit, welche vor acht Tagen stattfand und bei welcher der Kaufmann R. aus der Landwehrstraße anwesend war, kam es zwischen diesem und einem anderen Gaste zu einer Schlägerei, in deren Verlauf der erstere, ein ungewöhnlich kräftiger Mann, seinem Gegner einen derartigen Schlag mit der rechten Hand ins Gesicht versetzte, daß dem Getroffenen acht Zähne herausfielen und drei derselben sich tief in die Hand des Schlägers hineinbohrten und in dem Fleische derselben stecken blieben. Die Zähne mußten mittels einer Kneifzange herausgezogen werden. Der Verletzte beachtete die bei dieser Operation entstandenen Wunden nicht weiter, obwohl sie ihm starke Schmerzen verursachten. Da jedoch die Hand und bald hernach der Arm anschwoll, mußte der : Kaufmann einen Arzt zu Rathe ziehen, welcher Blutvergiftung conftatirte. — Wer weiß, was der Kaufmann an der Hand gemacht hat! * Eine Schneider-Rechnung. Aus Ischl läßt sich das „Neue Wiener Tagblatt" folgenden angeblich verbürgten Vorfall melden: In einem hiesigen Hotel stieg kürzlich der Londoner- Bankier G. sammt Frau und Schwägerin ab. Die beiden Damen führten 16 Koffer Toiletten mit sich. Der sechzehnte Koffer, welcher die Reisecostüme enthielt, war in Verlust ge- rathen und so mußten sich die Engländerinnen bei einer hiesigen Schneiderin Lodenanzüge bestellen. Die Rechnung, in deren Original ich Einblick nahm, lautete folgendermaßen: 10 Costüme (Unterkleider!) ä. 340 fl. (!) 3400 fl. 2 Loden-Corsages ä 120 fl. (!) 240 „ 8 Blousen ä 60 fl. (!) 480 „ 2 Blousen mit Borderie ä 100 fl. 200 „ 4 Gürtel a 8 fl. 32 „ 12 Hüte ä 35 fl. (!) 420 „ 1 Hut ohne Aufputz 10 „ 3 Flanellhemden ä 40 fl. (!) 120 „ Summa 4902 fl. Zehn Loden-Unterröcke ä 340 fl.! Man begreift, daß der Engländer ein etwas erstauntes Gesicht machte. Aber er bezahlte und das war für die Kleiderkünstlerin die Hauptsache. Ob man aber durch solche — Rechnungen den Fremdenverkehr in Ischl heben wird, das ist wohl sehr zu bezweifeln! Einige Bemerkungen über Vogelkäfige. Es kann wohl mit Bestimmtheit behauptet werden, daß keine Thierklasse eine so bedeutende Lebendigkeit und Beweglichkeit erkennen läßt wie die Vögel, denn wenn man dem Thun und Treibm der Vogelwelt seine Aufmerksamkeit zuwendet, so wird man finden, daß sie vom frühen Morgen bis zum späten Abend in beständiger Bewegung von Baum zu Baum sind und da wieder von Ast zu Ast und viele umklettern sogar in rastloser Eile nach Larven und In- secten suchend Stamm und Aeste. Eine Ausnahme in dieser Beziehung macht der Vogel nur in der Mauserzeit, die in den Monaten August und September ein tritt, denn während dieser Zeit befindet sich derselbe in einem krankhaften Zustande, und feine Bewegungen sind langsamer und schwerfälliger. Die Vögel sind demnach äußerst bewegliche Geschöpfe, und darum hat sie der weise Schöpfer auch zu Bewohnern der Luft bestimmt, und es ist daher gewiß zu beklagen, daß viele Vögel ein recht erbärmliches Leben in zu kleinen Käfigen fristen müssen. Ich habe in Vogelhandlungen und bei herumreisenden Vogeshändlern Käfige gesehen, die so klein waren, daß darin dem armen, gefangenen Singvogel aber auch fast keine Bewegung, ohne das Köpfchen wiederzustoßen, möglich war, und daß ein solcher Aufenthalt, wenn auch nur vorübergehend, für ein behendes und beweg- | liches Geschöpfchen höchst qualvoll sein muß, wird doch wohl niemand bezweifeln. Gesetzlich läßt sich leider nicht dagegen einschreiten, um aber eine Besserung in dieser Sache herbetzuführen, ist es gewiß wünschenswerth, wenn recht viele Stimmen dahin zu wirken suchen, daß sich die öffentliche Meinung dagegen aussvricht. Ich will gewiß nicht leugnen, daß es recht viele Vogelbesitzer giebt, die ihrem Vogel einen prachtvollen Bauer zum Wohnsitze an- weisen, die ihn reichlich mit Speise und Trank versorgen und auch in Beziehung der sonstigen Pflege demselben nichts zu wünschen übrig lassen, aber daß sich auch in vielen Privathäusern Käfige befinden, । die viel zu klein sind, das wird mir jeder, der sich die Sache einmal etwas genauer ansieht, zugestehen müssen. Kein Vogel kann sich in einem so engen Kerker wohl fühlen, und selbst einem Kanarienvogel, der im Käfige geboren ist, bereitet ein so kleiner Behälter Pein und Qual, und man kann es wohl keinem Stubenvogel übel nehmen, wenn er sich, wie der Stieglitz in der Fabel, frei zu machen sucht und spricht: „Ich will lieber in harter Freiheit, als in goldener Sklaverei leben. (H. E ursch mann.) n 11 ' 1 11 ■ ■ ■ ■■ ■■ ■ I. I w1 Meys Stoffkragen, Manschetten und Vorhemdchen sind aus starkem, pergamentähnlichen Papier gefertigt und mit einem leinenähnlichen Webfto ff überzogen, was sie der Leinenwäsche im Aussehen täuschend ähnlich macht. Jeder Kragen kann bis zu einer Woche getragen werden, wird aber, wenn unbrauchbar geworden, einfach weggeworfen und trägt man daher immer nur neue Kragen rc. Meys Stoffkragen übertreffen aber die Leinenkragen durch ihre Geschrnetdigkelt, mit welcher sie sich, ohne den Hals zu drücken, um denselben legen und daher nie das unangenehme, lästige: Kratzen und Reiben von zu viel oder zu wenig oder zu hart gebügelten Letnenkragen herbeiführen. Ein weiterer Vorzug von Meys Stoffkragen ist deren leichtes Gewicht, was ein angenehmes Gefühl beim Tragen erzeugt. Die Knopflöcher sind so stark, bafc. deren Haltbarkeit bei richtiger Auswahl der Halsweite ganz außer Zweifel ist. MeyS StoffwLsche steht daher in Bezug auf vorzüglichen Schnitt und Sitz, elegantes und bequemes'Passen und dabei außerordentliche Billigkeit unerreicht' da. Sie kosten kaum mehr als das Waschlohn für leinene Wäsche. Mit einem Dutzend Herrenkragen, das 60 Pfennige kostet, (Knabenkragen schon von 55 Pfennigen an) kann man 10 bis 12 Wochen ausreichen. Für Knaben, die ja bekanntlich nicht immer zart mit ihrer Wäsche umgehen, sind MeyS Stoffkragen außerordentlich zu empfehlen, was jede Hausfrau nach Verbrauch von nur einem Dutzend sofort einsehen wird. Für alle Reisenden ist Meys StoffwLsche die bequemste, da erfahrungsgemäß leinene Wäsche auf Reisen meist sehr schlecht behandelt wird. Weniger als ein Dutzend von einer Form und Weite roirb nicht abgegeben. MeyS StoffwLsche wird in fast jeder Stadt in mehreren Geschäften verkauft, die durch Plakate kenntlich sind; auch werden diese Verkaufsstellen von Zeit zu Zett durch Inserate in dieser Zeitung bekannt gegeben; sollten dem Leser diese Verkaufsstellen unbekannt sein, so kann man MeyS StoffwLsche durch das Bei- sand-GeschLft Mey & Evltch, Leipzig.Plagwitz beziehen, welches auch das interessante illuftrirte Preis» verzeichnitz von MeyS StoffwLsche gratis und portofrei auf Verlangen an Jedermann versendet, auch die Bezugsquelle am Orte angiebt. 2000 Literatur und TLunst. — Waffersport, 1890, Nr. 33. Inhalt: Termine. — Unter Amtlicher Theil: Mitthellungen der Clubs. — Unter Rudern: Neunte Ruder-Regatta des Cesky-Athletic-Elub in Raud- nitz. Internationale Regatten. (Eine Stimme aus dem Auslande.) Ausschreibungen des Schlesischm Regatta-Vereins, des Dresdener Regatta-Vereins und des Ruder-Vereins „Neptun", Constanz. Nachrichten. — Unter Segeln: Segel - Regatta des Norddeutschen Regatta-Vereins. Wind und Wetter. (Fortsetzung aus Nr. 32.) Abbildung des englischen Rennkutters „Jorma". Ausschreibung des Segler-Clubs „Tegel-See" und des Union AaLt-Clubs. Meldungen, zur Segel-Regatta des Norddeutschen Regalta-Vereins. Nachrichten. — Unter Schwimmen: Nachrichten. — Unter Allgemeines: Mtt- theilungen aus dem Patent-Bureau. — Anzeigen. Jeder Versuch bringt dauernde Abnehmer des HoÜLnd. Tabaks» 10 Pfd. fco 8 Mk. nur bei B. Berker in Seesen a- Harz. [156 oooo^ iw« ♦ Dm Filialen ♦ jitu ▼ wett b Zeichn, 2 El>ren(iit 4Go,d-lred ffiA? tei> v vi ki Mänteln re. re 6821 öl P 27 (D Iweig-che schäfte in: Adler- Seltersweg Nr. 39. Medic DerbandstöNe,! Bade-Ingredienzien, lÄaeao, Medieinische Weine, Pastillen, Gewürz Gewürze, Räucherartikel, - H. 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