Donnerstag den 22. Mai 1890 Nr. 117 mßmer Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen. chratisöeitage: chießmer Aamitienötätter. Alle Annonren-Dureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für dm folgenden Tag erfcheinmden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. Nedaction, Lxpedttta» und Druckerei: ZchurstrateAr.-. Fernsprecher 51. , vierteljähriger ASonnementrpreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Marl 50 Pfg. Die Gießener MnmrttenßtLtter »erden dem Anzeiger »Achmtlich dreimal beigelegt. Der Hteßever Anzei-er erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montag-. Erstes Blatt. Amtlicher Theil. Gießen, am 19. Mai 1890. Betr.: Die Remunerirung des Feldschutzpersonals. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen größeren Städten, beschließt das Haus unter Ablehnung des Antrags ^der Ausschuß-Majorität dem Anträge Wasserburg keine Folge, zu geben gegen 9 Stimmen. Morgen früh Fortsetzung der Berathungen. Deutscher Reichstag. 10. Plenarsitzung. Dienstag, 20. Mai 1890, 1 Uhr. Die erste Berathung der Gewerbeordnungs- Novelle (Arbeiterschutz-Bestimmungen, Contractbruchs- bestrafung re.) wird fortgesetzt. Staatsminister v. Berlepsch: Die Ausnahme der Vorlage in diesem hohen Hause war keine ungünstige, woran die abfällige Kritik des Abg. Grillenberger nichts ändert. Nur gegen die Behauptung muß protestirt werden, als ob die Regierung den Willen Sr. Majestät nicht zur Ausführung bringt und als ob die Unternehmerpresse Einfluß auf die Entschließungen der Regierung gewonnen hat. Diese Behauptungen entbehren jeder thatsächlichen Grundlage. Ein Minister, der den Willen Sr. Majestät nicht ausführen kann, muß eben einem anderen Manne Platz machen. Die Vorlage bietet die Möglichkeit, eine Gestaltung der Verhältnisse herbei- zusühren, ohne die Industrie zu schwer zu erschüttern und um den socialen Frieden zu erhalten. Der internationale Arbeiterschutz-Congreß hat die Sicherheit dafür ergeben, daß die internationale Ausgestaltung dieser Gesetzgebung in keiner Weise unmöglich scheint. Die Frage, welche Behörde die Berechtigung zum Erlaß der Anordnungen über Zulässigkeit der Sonntagsarbeit besitzen solle, ist rein technischer Natur und lediglich von diesem Gesichtspunkte aus ist der Bundesrath und nicht der Reichskanzler als der geeignetere vor- geschlageu. Die Einführung eines Normalarbeitstages, ober richtiger eines Maximalarbeitstages, schien der Regierung nicht angemessen. Auch in Arbeiterkreisen sind die Meinungen hierüber getheilt. Es scheint am wichtigsten, die Herbeiführung der Maximalarbeitszeit den einzelnen Betrieben und den sonstigen örtlichen Verhältnissen zu überlassen, wie es ja auch in England geschehen ist. Für Preußen ist eine Vermehrung der Fabrikinspectorstellen in Aussicht genommen. (Bravo!) Von der Zulässigkeit der Lohnzahlung an die Eltern minderjähriger Arbeiter versprechen sich zahlreiche gemeinnützige Arbeitgeber-Vereine gute Folgen. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antisemit) betont die Sonntagsruhe als die wichtigste Bestimmung der Vorlage. Die einzelnen Bestimmungen sind ungenau und bedürfen genauerer Formulirung. Aus gute Beispiele Einzelner, selbst großer Firmen, kann man nicht viel geben - ich habe es erlebt, daß große Weltfirmen nicht im Stande gewesen sind, hier bahnbrechend zu wirken. Hoffentlich entschließen sich auch die jüdischen Geschäftsleute, ihren Feiertag auf den Sonntag zu verlegen, denn wöchentlich zwei Feiertage wird man in diesen Geschäften nicht einrichten wollen und wir müssen auf die Ruhe am Sonntag halten. Auch im Postdienste wären noch ziemlich umfangreiche Einschränkungen möglich. Namentlich sollte man die sonntägliche Bestellung der an Juden adressirten Sendungen unterlassen, wenn die Adressaten am Samstag die Unterschrift nicht geben wollen aus confessiouellen Bedenken. Die Vorlage kann ein Eckstein werden zu einem Gebäude des socialen Friedens. Abg. Dr. Hirsch (dfr.): Uebertriebcn sind die Hoffnungen des Herrn Grillenberger, daß die Industrie die infolge der Verringerung der Arbeitsdauer nöthigen Arbeitskräfte aus der sogenannten Reserve-Armee entnehmen könnte. Diese Reserve-Armee beträgt höchstens 5pCt. der Arbeiter und kann den Ausfall an Arbeitszeit nicht decken. Herr v. Stumm fordert Feudalismus für den Arbeitgeber, Leib- eigenschaft für den Arbeiter, denn so kann man doch die von der Presse im Anschlüsse an die Stumm'sche Rede geltend gemachte Forderung bezeichnen, daß der Arbeiter zur Ver- heirathung die Erlaubniß des Arbeitgebers beibringen soll. Wenn man das Auftreten der Arbeiter der rauhen Form wegen tadelt, so soll man bedenken, daß die Arbeiterbewegung sozusagen nach der Periode der Flegeljahre in ein ruhigeres Stadium getreten ist. Freudig zu begrüßen sind die Bestimmungen zum Schutze der Kinder. Es hat viel Unzufriedenheit erregt, daß die Regierung so lange mit diesen Bestimmungen gewartet hat. Auch empfiehlt sich die Beseitigung aller Ausnahmebestimmungen des Bundesrathes zu Gunsten einzelner Industriebetriebe bezüglich der jugendlichen Arbeiter. Eine gleichmäßige Bemessung der Arbeitszeit für diese jungen Leute ist im Interesse der Sittlichkeit und Erziehung nöthig. Die Fabrik-Jnspectionen sollte man zu einem Reichs-Institute machen. Abg. Hitze (Ctr.) befürwortet die umfangreichste Sicherung der Sonntagsruhe- es muß namentlich verhindert werden, daß die Arbeiter überanstrengt und übermüdet von der Arbeit den Sonntag zubringen. Der sociale Sonntag sollte eigentlich 36 Stunden haben. Die Frauen sollten bei ihrer Beschäftigung in Fabriken ebenso behandelt werden, wie jugendliche Arbeiter. Die Probe mit dem Maximalarbeitstage für Frauen kann man nicht so geringschätzig ^beurtheilen, wie es gestern der Abg. Grillenberger gethau. Aus der Abneigung in Arbeiterkreisen gegen den achtstündigen Normalarbeitstag kann man nicht generell auf eine Abneigung gegen den Normalarbeitstag überhaupt schließen. Gegen die Verlängerung der Schulpflicht hat das Centrum confessionelle Bedenken. Es handelt sich bei Haushaltungs- und Fortbildungsschulen mehr um eine Zwangsschule als um den Schulzwang. Diese Unterrichtsanstalten sollen höchstens sacultativ eingerichtet werden. Die Zuchtlosigkeit der Jugend ist ein Product der socialdemokratischen Auffassung von der Familie. Wo man die elterliche Zucht ersetzen will durch Staatsbeamte, da muß das Familienleben Schaden leiden. Die strenge auf den Contractbruch gesetzte Strafe ist bedenklich und kann anstatt das Rechtsgefühl der Arbeiter zu heben, diese leicht in noch größerer Zahl als bisher den Socialdemokraten zutreiben. Nachdem wir die bedeutenden Strikebewegungen nun einmal haben, fragt es sich, ob nicht eine Organisation das Beste ist, um solche Streitfragen zu schlichten. Von diesem Gesichtspunkte aus werden Arbeiterausschüsse und Arbeitsämter einer genaueren Prüfung bedürfen. Die Berufsgenossenschaftcn, die leider aufgegeben sind, wären ein sehr zweckmäßiges Institut für die Organisation der Arbeiterschiedsbehörde gewesen. Das Centrum wird sich in der Commission die bestmögliche Ausgestaltung der Vorlage angelegen fein lassen. Abg. Dr. Kropatscheck (cons.) hat nicht geglaubt, daß die Vorlage, nachdem sie noch in der vorigen Session von der Regierung bekämpft wurde, sobald' an das Haus gelangen würde. Die Vorlage geht endlich über den engen Rahmen der Fabrikgesetzgebung hinaus und ich nehme nicht den Standpunkt des Abgeordneten Dr. Hartmann ein, der die Grenzen der Vorlage als zu weit gezogen findet. Die Bedenken gegen die Arbeiterausschüsse kann ich nicht theilen. Mit den strengen Strafbestimmungen sollen nur gewerbsmäßige Agitatoren getroffen werden, welche in gewissenloser Weise die Leute zum Contractbruch verleiten. Eine weitere und umfangreichere Organisation der Arbeiter wäre wohl zu wünschen, so lange wir diese nicht haben, können wir uns mit der Vorlage begnügen. In keinem Falle haben die Unternehmer einen berechtigten Grund, sich der vorgeschlagenen Organisation zu widersetzen. Mit der Gewerbeordnung allein kann man die socialen Schäden nicht heilen; auch die Besitzenden haben die Pflicht, den christlichen Sinn zu fördern. Die Socialdemokraten kennen die Macht des Christenthums und daher erklärt sich der infernalische Haß der Socialdemokratie gegen alles, was christlich heißt. Die Debatte wird geschlossen und die Vorlage an eine Commission von 28 Mitgliedern verwiesen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. — Anträge und Interpellationen. Schluß 5 Uhr. Neueste Nachrichten. WolfiS telegraphisches Correspondcnz-Burcau. Berlin, 20. Mai. Der König von Württemberg überwies dem (Eentralcomite zur Errichtung des Bismarck- Denkmals in der Reichshauptstadt 1 000 Mark. Berlin, 20. Mai. In Betreff der Meldung des Berliner Berichterstatters des Newyorker „Herald", der Kaiser- Habe der Wiederwahl des Oberbürgermeisters v. Forckenbeck die Genehmigung versagt, erklärt die „Nordd. Allg. Ztg.", nach Mittheilungen aus bester Quelle sei die Angelegenheit der Wiederwahl Forckenbecks noch gar nicht zur Vorlage an allerhöchste Stelle gelangt, die Nachricht des „Herald" entbehre somit der Begründung. — Die Berliner Gesandtschaft der Ver. Staaten von Brasilien erhielt ein Telegramm ihrer Regierung, wonach die in Deutschland verbreiteten Gerüchte über Aufstände und revolutionäre Bewegungen in Rio Grande do Sui als erfunden und völlig unbegründet bezeichnet werden. Breslau, 20. Mai. In der gestrigen Sitzung hat der vollziehende Ausschuß für das Kaiserdenkmal beschlossen, dei: ersten preisgekrönten Entwurf von Behrens und Licht zur Ausführung zu bringen. Die Kaiserfigur soll aber statt eines Lorbeerkranzes einen Federhelm erhalten. München, 20. Mai. Der Magistrat beschloß einstimmig, die Staatsregierung um Gewährung der Einfuhr von Rindern und Kälbern zum Schlachthof anzugehen. Wien, 20. Mai. Graf Sa affe begiebt sich im Lause der Woche nach Prag zur Theilnahme an den Besprechungen über die Landtagswahlreform des böhmischen Großgrundbesitzes, welche in den letzten Wiener Nachconferenzen in Aussicht genommen wurden. Wien, 20. Mai. Die Meldung von der RMe Taasses nach Prag ist vorläufig noch unbestätigt. Prag, 20. Mai. Nach einer Meldung der Blätter ist das Militär gegen die Strikenden in Pankranz bei Nürschau eingeschritten. Fünf Personen wurden getödtet, mehrere verwundet. Peterwardein, 20. Mai. Oberst Zulew begab sich gestern nach Karlowitz. Bei dem Diner im Offizierscasino toastete der Oberst Hoffmann aus die Kaiser von Oesterreich und Rußland. Zulew überreichte die vom Kaiser Alexander verliehenen Orden. Bei dem Festschießen Nachmittags trank Zulew auf kameradschaftliche Freundschaft. — Das in Temes- var garnifomrenbe zweite Bataillon bes Regiments Nr. 61 feierte bas Regiments-Jubiläum burch ein Bankett, wobei ber Corps - Commanbant Walbstaetten auf ben Kaiser von Oesterreich, Oberstlieutenant Don Hauser auf ben Kaiser von Rußlanb toasteten. Paris, 20. Mai. In ber Kammer gelangte heute ein Gelbbuch über die Berliner Conserenz zur Vertheilung, welches 20 im Wesentlichen bereits bekannte Schriftstücke und Protocolle ber Sitzungen umfaßt. — Die Tarifcommission bes Telegraph en- Congresses verhanbelte heute ben beutschen Antrag, betr. bie Einführung eines internationalen Einheitstarifs für Europa. Es würbe beschlossen, den Antrag an das Berner- Bureau zum Studium und zum Referate für den nächsten Congreß zu verweisen. London, 20. Mai. Im Unter Hause erklärte der Staatssecretär des Ackerbaudepartements, daß es angesichts ber in Deutschlanb herrschenden Maul- unb Klauenseuche un- thunlich sei, bie Vieheinfuhr aus Schleswig-Holstein augenblicklich zu gestatten. London, 20. Mai. Das Unterhaus tagte von gestern Nachmittag 3 Uhr bis heute früh gegen 4 Uhr, erledigte jedoch nur zwei der vertagten Paragraphen der Budgetbill. Goschen erklärte, die Regierung sei entschlossen, trotz der Ob- ftruction die Vorlage durchzuführen. — Graf Hatzf eldt war gestern nach dem Schlosse von Windsor besohlen. Er speiste an der königlichen Tafel und bleibt der Gast der Königin bis heute. Algier. 20. Mai. Am Montag plünderten Araber am Markttage in Guchrna israelitische Verkaufsläden und überfielen die Besitzer, welche sich widersetzten. Das Militär schritt ein; drei Araber wurden getödtet, ein Polizeiagent verwundet unb hunbert Verhaftungen würben vorgenommen. Aehnliche weniger ernste Vorgänge sollen in ben letzten Tagen in Constantine, Jemappes unb Quebzenati vor-- gekommen sein. Darmstadt, 21. Mai. Die Lavdstände haben für den Bau einer psychiatrischen Klinik zu Gießen in ihrer heutigen Sitzung einstimmig die Summe von 73» QQQ Mk. genehmigt. totales und provinzielles. Gießen, 21. Mai. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnete» am Donnerstag ben 22. Mai 1890, Nachmittags 4 Uhr: 1. Gesuch bes Georg Kraft um Ertheilung ber Con- cessivn zum Wirthschaftsbetrieb. 2. Desgl. ber Kaspar Vogel Wittwe. 3. Centralverein für bas Wohl ber arbeitenden Klaffen. 4. Gesuch bes Wirths L. Feibel um Feststellung ber Baufluchtlinie für bie Straße nach ber Superintenbentur. 5. Gesuch bes I. Fischer um käufliche Überlassung von städtischem Gelänbe. 6. Erhöhung bes Preises für Waster- zuleitungen. 7. Reinigung ber Straßen; hier bie Bestimmung eines Lagerplatzes für ben Kehricht. 8. Offerte bes Johannes Häuser wegen Lieferung von Auffüllgrunb bei bem Schlachthaus. 9. Das Feuerlöschwesen,- hier bie Anbringung eines Hydranten an ber schönen Aussicht. 10. Kauf zwischen ber Stabt unb L. Petri II. 11. Ausübung ber offenen Armenpflege. 12. Uneinbringliche Posten unb Nachlässe. 13. Quartierleistung für bie bewaffnete Macht im Frieben. 14. Herstellung beS Weges in den Wingerten. — Nachdem Fräulein Lina Hilß im letzten Clubconcerte mit so vorzüglichem Erfolge aufgetreten ist, wird das com- petente Urtheil, das die „Frankfurter Zeitung" aus Anlaß der Aufführungen des Rast-Conservatoriums über die junge Künstlerin abgibt, gewiß von besonderem Interesse sein. Das' genannte Blatt schreibt: „Gesang und Clavier waren durch bemerkenswerthe Talente vertreten. Besonders günstigen Eindruck empfingen wir von dem schönen unb klangvollen, von gereiftem künstlerischen Vortrags- verständniß wirksam gehobenen Mezzosopran des Fräulein Lina Hilß." Hoffentlich haben wir bald wieder das Vergnügen, Fräulein Hilß in einem Gießener Concerte begrüßen zu können. — Gegenwärtig ist die Zeit, wo der* Handwerksmeister einen Lehrling nimmt, der seinen Berus erlernen soll. Der Vater, die Mutter oder der Vormund verabredet mit dem Meister die Dauer der Lehrzeit, die Höhe des allenfalls verlangten Lehrgeldes, empfiehlt dem Meister, den Jungen strenge zu halten unb ber Junge gelobt, recht folgsam zu sein. Beide Theile glauben bamit bie Sache im Reinen zu haben. Der Meister hat im Anfänge recht seine Last mit bem Lehrling^ bis er ihn einigermaßen zugestutzt hat unb ihm bie einfachsten Arbeiten anvertrauen kann. Wenn er barüber nachbenkt, welchen Schaben er im ersten Jahre burch verpfuschtes Material, Zeitversäumniß unb Aerger gehabt, so tröstet er sich bamit, baß es ihm ber Lehrling im zweiten unb brüten Jahre roieber einbringen werbe. Nun kommt bas zweite Lehrjahr. Der Junge hat sich inzwischen in ber Fortbildungsschule und auf ber Gasse mit seinen Altersgenossen bekannt gemacht und- kommt zum Bewußtsein besten, was er kann unb was er Alles seinem Meister leistet. Ist ber Meister ober ein Geselle über seine Arbeit anberer Meinung, bann wirb ber kleine Mann trotzig unb macht bann ber Meister mal von bem ihm gesetzlich zustehenben Recht ber väterlichen Zucht Gebrauch, bann läuft ber Junge nach Hause, bie Angehörigen bebauern ihn unb sagen, ba gehst bu nicht roieber hin, bu kannst jetzt überall burchkommen. Der Lehrmeister aber geht im Vertrauen auf bie mit ben Eltern bes Durchgängers getroffene Vereinbarung schleunigst auf bie Bürgermeisterei, um auf Erfüllung bes Vertrags zu klagen nnb ist sehr erstaunt, bort zu hören, baß ihm nicht geholfen werben kann, weil er versäumt hat, ben Lehrvertrag schriftlich abzuschließen. — Also: Wenn ein Hanbwerksmeister sich vor solchen in letzter Zeit sich mehrenden Vertragsbrüchen sichern will, bann mache er sichs zur Regel, keinen Lehrling zu nehmen, ohne baß ein schriftlicher Lehrvertrag abgeschlossen wirb. — In Bad Salzhausen kann man zur Zeit einen Chinesen in Nationaltracht sehen. Ein Herr, ber als Cur- gast in Salzhausen weilt, hat ihn als Diener aus Singapore mitgebracht. Friedberg, 19. Mai. Zur Grobherzoglichen Tafel waren heute Ihre Erlaucht Graf unb Gräfin zu Solms- Röbelheim mit zwei Töchtern unb Gräfin Agnes Solms- Röbelheim, besten Schwester, eingelaben. Am 17. ds. Mts. hatte Herr Provinzialbirector Freiherr v. Gagern nebst Frau Gemahlin bie Ehre, zur Großherzogi. Hoftafel zugezogen zu werben. Vermischte». *△ Mainz, 20. Mai. Aus bie gestern erwähnte Ein- labung der hiesigen Schuhfabriken, ihre Arbeiter möchten sich zur Wahl von Arbeiter aus schüfsen heute Morgen in den Fabriken einfinben, antwortete bie Lohncommission heute burch einen Placat-Anschlag, worin sie erklärt, baß in ber Lohncommission bie von ben Fabrikanten gewünschten Ausschüsse enthalten feien unb Einzelbesprechungen keinen Zweck hätten, ba es sich um Ausstellung eines einheitlichen Tarifs handle. Die Erklärung schließt mit einer Aufforderung an die Arbeiter, sich durch keinerlei Manier in der Ausführung der Beschlüsse der Lohncommission irre machen zu lassen. — Wahrend des ganzen Vormittags waren größere Gruppen Strikender vor den Fabriken postirt, um zu verhindern, daß Arbeiter der Einladung der Meister Folge leisten. — In einer gestern stattgehabten Versammlung des Centralvereins der Gerber und Lederzurichter (Filiale Mainz) wurde beschlossen, für Verkürzung der Arbeitszeit i und Erhöhung der Löhne mit aller Energie jetzt ein- I zutreten. — Dem Mi litär ist neuerdings wieder der Besuch verschiedener hiesiger Wirthschaften verboten worden, in welchen gewerbliche Fachvereine ihre Besprechungen abzuhalten pflegen. *△ Aus Rheinhessen, 20. Mai. In der- ganzen Provinz Rheinhessen ist der Stand der Weinberge ein überaus günstiger. In Folge der segensreichen Witterung treiben zahlreiche Ansätze und lassen sich bereits viele Gescheine an den einzelnen Stöcken erkennen. Die fruchtbare Vegetation bringt gleichzeitig aber auch ditz-dem Weinstock so nachtheiligen und gefräßigen Schnecken und Rebstichler hervor, deren Vertilgung unablässig bethätigt werden muß. * Berlin, 18. Mai. Eine Allerhöchste Cabinetsordre über Nach send un g von kleinen Bedürsnißgegen- ständen nach dem Auslande lautet: Ich bestimme, daß für die auf Meinen Schiffen und Fahrzeugen bereits länger als ein Jahr im Auslande befindlichen und daselbst noch ein weiteres Jahr verbleibenden Mannschaften kleine Bedürfniß- gegenstände innerhalb vom Staatssecretär des Reichs-Marine- Amts für den Kopf und das Jahr sestzusetzender Höchstgewichtsgrenzen aus fiscalische Kosten nachgesendet werden dürfen. * Herr Drähmich war täglicher Stammgast einer Bierstube in Berlin. Der Kellner Fritz, an dessen Tisch er stets Platz nahm, führte die Trinkgelder Drähmichs in seinem Conto als „sichere Einnahme" auf. Drähmich war auch schon so an den aufmerksamen Kellner gewöhnt, daß.sein ErstauyM nicht gering war, als ihm eines Tages ein anderer Kellner das Bier brachte. Fritz war anwesend, aber beim Erscheinen seines treuen Stammgastes drückte er sich scheu in eine Ecke. „Na, wo steckt denn der Fritz heute? fragte Drähmich verwundert. „Der is da, aber darf Sie nicht mehr bedienen," erklärte der Kellner. „Sehen Sie, wir hab'n neilich miteinander jeknobelt un Fritze verlor alles Jeld. Und wie er kein Jeld mehr hatte, da knobelten wir die Stammgäste aus. Und da hatte ick dat Jlück, Ihnen zu gewinnen, Herr Drähmich!" * Berlin, 17. Mai. Peinliches Aufsehen erregte in einem Restaurant der „Zelten" folgender Vorfall. Zu mehreren Tischen des stark besuchten Restaurant-Gartens trat eine seingekleidete junge Dame heran, trank aus den gefüllten Biergläsern und ging, ehe sich die Betroffenen von ihrer Verwunderung erholt hatten, weiter, um an noch anderen Tischen dasselbe Manöver zu wiederholen. Ein Arzt, welcher mit seiner Familie an einem der Tische saß, hatte die Situation erkannt und trat auf die junge Dame hinzu, um dieselbe in den Saal des Restaurants zu führen. In demselben Moment aber eilten ein älterer Herr und eine Dame athemlos herbei, um die junge Dame, ihre Tochter, in Empfang zu nehmen. Das junge Mädchen, welches sich in einem unbewachten Moment heimlich von den Eltern entfernt hatte, leidet, wie die höchst erregten Eltern mittheilen, seit seinem zehnten Jahre an epileptischen Krämpfen, welche mit den Jahren eine periodische Geistesgestörtheit herbeiführten. * Coblenz, 15. Mai. Eine Maikäfer-Rhein reise. Dieser Tage trieb auf der Ehrenbreitsteiner Seite im Rheine eine ziemlich große Kiste, welche ans Land gebracht wurde. Auf dem geheimnißvoüen Strandgut stand mit Bleistift geschrieben: „Pfaffendorf". Als man die Kiste öffnete, um nach dem Inhalte zu sehen, fanden sich mehrere Tausend Maikäfer darin vor, wovon der größte Theil noch munter herumkrabbelte. Die Kiste wurde nun wieder vernagelt, woraus die ganze Gesellschaft „nowelenz-kowelenz" ihre Rheinreise fortsetzen mußte. * Glogau, 17. Mai. Ein Opfer des Aberglaubens. Während der Abwesenheit ihrer Eltern suchten sich die Kinder eines Handelsmannes mit Spielen zu belustigen, wobei sie auch mal „Erhängen" spielen wollten. Ein Knabe nahm einen Strick, steckte seinen Kopf in die Schlinge, wiegte sich hin und her, während seine Schwester zusah. Das „Spiel" nahm leider eine verhängnißvolle Wendung- denn plötzlich zog sich die Schlinge fest zusammen und schnürte die Gurgel des Jungen ein. Der Knabe schrie in seiner Todesangst der Schwester zu, sie müsse ihn doch abschneiden. Das Mädchen fürchtete aber, Schläge vom Vater zu bekommen, wenn es den Strick zerschneiden würde- es lief hinaus und rief eine vorübergehende Frau um Hülfe an. DiefV verweigerte aber die Rettung, indem sie abergläubisch meinte: „Das darf ich nicht thun, eine Mannsperson muß ihn abscheiden!" Währenddessen starb der unglückliche Knabe nach einem schrecklichen Todeskampf. * Als der verstorbene Fürst von Schwarzburg-Sondershausen noch Erbprinz war, stand am Fuße des Kyffhäusers ein Wirthshaus, dessen Eigenthümer Stockmann hieß. Der Alte war durch seine clasfische Grobheit berühmt, und Gäste, die ihm nicht gefielen, konnte er auf eine ganz unangenehme Art behandeln, wobei es ihm ganz gleich galt, ob der Betreffende ein armer Handwerksbursche oder ein vornehmer Herr war. Unter Anderen harte auch ein Kammerherr v. B. ein unangenehmes „Rencontre" mit dem Alten, welches damit endigte, daß Stockmann den Kammerhern einfach beim Kragen packte und ihn zur Thüre hinausgeleitete. Der also Gemaßregelte machte gute Mine zum bösen Spiel. Er erzählte die Begebenheit bei Hofe und that, als habe er das Wirthshaus nur aufgesucht, um den wegen seiner Grobheit bekannten Stockmann persönlich kennen zu lernen und zu sehen, ob er sich nicht durch Vornehmheit imponiren lasse. Einige Wochen später redete ihn der Erbprinz an: „Sie, B., nun habe ich auch den alten Stockmann kennen gelernt, ich war dort, der Kerl ist in der That grob--" — „Hahaha 1" lachte der Kammerherr, „haben Hoheit auch die Gnade gehabt, sich von ihm 'rauswerfen zu lassen?" * Im Militärlazareth. Oberstabsarzt (zum jungen und eifrigen einjährig-freiwilligen Doctor): „Was werden wir heute anstellen?" — Junger Arzt: „Es sind mehrere ganz interessante Fälle da, eine Pleuritis, ein verstauchter Fuß, ein —" — Oberstabsarzt (unterbricht ihn barsch): „Nun ja doch, ich meine aber, welche Massenbehandlung?" — Junger Arzt: „Wie meinen Sie das?" — Oberstabsarzt: „Wir könnten heute vielleicht mal der ganzen linken Seite des Saales Purganzen verabfolgen lassen und die rechte mit Antipyrin versehen. Meistens Simulanten, Herr College. Kenne das aus langem Dienst! Je mehr Sie sich mit den Kerls abmühen, desto öfter kommen sie — und dann folgt der Wischer von oben. Man muß ihnen den Aufenthalt im Lazareth verleiden- das ist meine Praxis." Literatur unfc Knnjt — Leben und Walten der Liebe. Von S. Kierkegaard. Aus dem Dänischen übersetzt von A. Dörner. (Leipzig. Richter. 1890. 2 Abthlg. in 1 Bd. zu 278 u. 241 S. 5 ^M). Für denkende Christen aller Parteien ein selten-schöngeschrtebenes, klar durchdachtes und warm gefühltes Zeugniß in „Reden" von der wahren Liebe und Liebesthätigkett, nach der in unseren Tagen Alle verlangen und von der doch so Wenige Gründliches verstehen. „Wie der stille See, so ruhig er auch daliegt, doch eigentlich rinnendes Wasser, das von der sprudelnden Quelle aus dem Grunde aufsteigt, so ist die Liebe, obgleich stille in ihrer Verborgenheit, doch stets in Bewegung und nimmer ruhend. Aber der stille See kann vertrocknen, wenn einmal die Quelle versiegt, das Leben der Liebe dagegen hat einen ewigen Born." (pag. 12.) So tief und erbaulich wird hier die christliche Liebe tn ihrer umfassenden Bethätigung gefaßt; so still und friedevoll ist auch das Zeugniß von ihr, weder kalt-theoretisch, noch blind-practtsch, sondern heilig-lebendig! Möchten alle gebildeten Christen, sonderlich aber die Diener der Liebe in der Kirche und „Inneren Mission", ja, alle Freunde der socialen Hilfs- gesetzgeöung, in dies stille tiefe Wasser schauen, sich in demselben die Augen Helle und die Schläfen frisch, auch die Hände rein waschen zum Rathen und Thaten; dann würde zum menschlichen Holz auch das höhere Feuer kommen und ein wirkliches Ltebesleben erwachen. H. D. — Mit Beginn des Frühjahrs regt sich im Menschen frisch und neu der Trieb, ins Innere der Natur einzudringen, die jedem ihrer Freunde, sei er reich oder Bettler, Freuden gewährt, welche vom Staub des Alltäglichen weit emporheben zu dem reinen Genuß aus ihrer unerschöpflichen Quelle; das Keimen und Erblühen der Pflanzenwelt ist es, das Jeden, der die Liebe zur schönen Gottesnatur pflegt, mächtig fesftlt. Da wird ein Pflanzenatlas, der dem Fachgelehrten wie dem Anfänger oder Liebhaber ein gleich unentbehrliches und practisches Hilfsmittel ist, von jedem Freunde der an- muthigen Botanik gewiß freudig willkommen geheißen. Auf einem solchen Atlas, dessen zweckmäßige Ausführung und, von keinem ähnlichen Werke bei äußerst wohlfeilem Preise gebotene, Vollständigkeit, sowohl von der berufenen Fach- als Tagespresse anerkannt ist, möchten wir alle, welche sich für die Pflanzenwelt interessiren, Fachmann und Laien, Lehrer und Schüler, insbesondere auch Gärtner, Landwirthe, Forstleute und Pharmaceuten aufmerksam machen. Es ist die soeben in neuer Anftattung erscheinende vierte Auflage der Naturgeschichte deS,Pflanzenreichs. Großer Pflanzenatlas mit Texr für Schule und Haus. Herausqegeben von Dr. M. Fünfstück, Privatdocent an der Königlichen Polytechnischen Hochschule zu Stuttgart. 80 Großfolio-Doppeltafeln mit mehr als 2000 fein colorirten Abbildungen und ca. 50 Bogen erläuterndem Text nebst zahlreichen Holzschnitten. Vollständig in 40 Lieferungen A 50 Wöchentlich erscheint eine Lieferung, so daß das ganze Werk bis Weihnachten 1890 complett vorliegt. Verlag des Süddeutschen Verlags-Instituts in Stuttgart. Wir empfehlen diesen Pflanzenatlas aus Ueberzeugung und rathen den Jntereffenten, sich durch Ansichtsbezug eines ersten Heftes nähere Anhaltspunkte zu verschaffen. verkehr, £anfc» ttnö volkrwirthschaft. — Ei« Schutzmittel für die aufgehende ^Erbfensaat gegen das Spatzenvolk ist der gewöhnliche Stetnkohlenruß. Man bestreue damit nicht zu sparsam die Reihen, so daß das Feld schon aus der Ferne dunkel gestreift erscheint, und wiederhole dies nur, wenn starker Regen die Felder verwischt haben sollte. Einsender dieses, welcher Vogelscheuchen aller Art ersann, um sein Lteblings- gemüse zu schützen, hat sich vor zwei Jahren von der Vortreffltch- kett dieses einfachen, gar keine Kosten verursachenden Mittels überzeugt. — Ueber Vertilgung der Spargelfliege, welche den jungen Spargelamagen so schädlich wird, machte Fabrikbesitzer Noak kürzlich in einer Versammlung des Frankfurter Gartenbauveretns sehr intcr- essante Mittheilungen. Er schilderte, wie er im vorigen Jahre, als die Fliege erschien, von Ende April ab, Morgens vor Sonnenaufgang, dieselbe von den jungen Spargelftengeln abgesucht habe. Die Fliegen versteckten sich aber und sind schwer alle aufzusinden. ES haben dann auch, trotz des Absuchens, bald viele Stengel sich krumm gebogen. Beim Herausreißen der krummen, mit den Maden der Spargelfliege behafteten Stengel wurden dann die Stöcke verletzt. Die meisten Stöcke machten ja neue Triebe, doch einige blieben aus und als nachgesehen wurde, faulten sie. Ein Herausreißen der kranken Stengel scheint überflüssig, weil die Maden Anfangs noch nicht so tief sitzen und das Abschneiden genügt, was nicht so gefahrbringend ist. — Jetzt im Frühjahre, beim Absammeln des alten Spargclkrautes, haben sich in vielen Stengeln noch Puppen der Fliege vorgefunden, tn einzelnen Stengeln eine, in anderen bis sechs, so daß tn der jetzt dreijährigen Anlage von 150 Stauden im Ganzen ungefähr 1000 Puppen gesammelt und durch Verbrennen vernichtet werden konnten. Sobald die Fliegen wieder erscheinen, will nun Herr Noak den Kampf sortsetzen und unter anderem auch fingerdicke geschälte Wetdenrutben, mit Fliegenleim oder Raupenleim bestrichen, tn seiner Anlage ausstecken, damit die schädlichen Jnsecten daran kleben bleiben. — Torfmull. Wie bedeutend gegenwärtig die Herstellung von Torfmull, welches fabrikmäßig aus dem in unseren Hochmooren in unerschöpflichen Massen abgelagerten Moostorf gewonnen wird, ist, geht aus dem Umstande hervor, daß gegenwärtig die tägliche Production von Torfmull und Torfstreu in Deutschlano 25000 Ctr. beträgt. Derselbe wird geliefert tn mittelst Dampfpressen fest zusammengepreßten Ballen von 100—200 Kgr. Gewicht zu Va und 1 Cbm. Raumrnhalt. Wie das „Leipz. Tagebl." erfährt, haben in jüngster Zeit wiederholt Erörterungen stattgefunden, das Torffäcal- bildungssystem in den Aborten der Eisenbahnen einzuführen und haben diese Erörterungen bereits mehrfache practische Einrichtungen zur Folge gehabt. So theilt der Inhaber der Fabrik für Torfmull- fäcalvildungsanlagen in Kirchberg i. S. mit, daß im neuen Centralwerkstättenbahnhof zu Linz a. D. eine Gutsverwaltung der Umgegend sein System, das die größte Anerkennung im In- und Auslande gefunden, eingerichtet habe, den Torfmull und alle Fuhren und Arbeiten gratis liefert, nur um den so erzielten, trefflichen Dünger zu erhalten. — Stachelbeerwein. Sowohl die reifen als auch die unreifen Früchte des Stachelbeerstrauches lassen sich zur Bereitung eines ichönen Tafelweines benutzen und zwar verwendet man am besten die gi oßen dünnschaligen Sorten. Die Beeren werden zur Weinbereitung gequetscht und ausgepreßt. Der Saft wird mit der gleichen Menge Wasser verdünnt und dem Gemisch auf je 5 Pfund 1 Pfund Zucker und 20 Gramm Weinsteinsäure zugesetzt, worauf der Saft in das Gährgefäß gethan wird. Die weitere Behandlung ist ähnlich wie bei den anderen Beerenweinen. Nach zweimonatlichem Lagern in dem Gährfaß wird der Wein auf.Flaschen gezogen und ist schon im nächsten Jahre vorzüglich. — Um die Pferde vor Bremsen «nd Fliegen, besonders an heißen Tagen zu schützen, nehme man Morgens eine Waschung mit einer Lösung, hergestellt aus einem Theil Carbolsäure und 200 Thellen Wasser, vor. — Hohe nutzbringende Ziersträucher. (Nachdruck verboten.) Man hat tn Ziergärten oftmals Plätze, die nicht mit nützlichen Beerensträuchern ausgefüllt werden können, weil deren Größe eine zu geringe ist. Gewöhnlich greift man dort zu allen möglichen unnützen Sträuchern und vergißt, daß wir auch hohe Buschkaden besitzen, welche sowohl ihren Platz im Ziergarten voll ausfüllen, als auch durch ihre Früchte der Haushaltung einen Nutzen bringen können. Als solche sind zu nennen der Flieder, von dem sowohl Frucht wie Blüthe und Holz in der Haushaltung nutzbringend angewandt werden können. Eine gute Fliederbeerensuppe ist nur in wenigen Gegenden bekannt und geschätzt und steht doch kaum der besten Fruchtsuppe nach. Ferner ist die Quitte ein prachtvoller Zierstrauch; ihre schönen Blüthen sowohl wie die Früchte zieren neben dem schönen Laube einen jeden Garten. Welch feines Gel6e und Compot die Quitten abgeben, braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden; ihm stehen alle anderen von einheimischen gewonnenen an Feinheit des Aromas, mit Ausnahme vielleicht des aus Himbeeren bereiteten, nach. Fast in Vergessenheit gerathen ist die Mispel, welche bei unseren Vätern in hohem Ansehen stand. Der Geschmack der Früchte ist zwar nicht gerade als sehr fein zu bezeichnen, jedoch sind letztere von Vielen geschätzt und steht jedoch besser ein Mispelstrauch im Garten, um den häßlichen Zaun zu verdecken, als ein anderer, der gar keinen weiteren Nutzen stiftet. ScbtffsMcKbridjten. Bremen, 19. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.! Der Schnelldampfer Saale, Capttän H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 9. Mat von Bremen und am 10. Mai von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 16. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.l Der Postdampfer Karlsruhe, Capitän F. Keßler, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 3. Mai von Bremen abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen. Bremen, 20. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Ems, Capitän R. Sander, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. Mai von Bremen und am 11. Mai von Southampton abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Weiße Seidenstoffe vo» 95 Pfge. bis 18.20 p. Met. — glatt gestreift und gemustert (ca. 150 verschied. Qual.) — vers. roben- und stückweise porto- und zollfrei das Fabrik-DöpSt G. Henneberg (K. u K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 H Porto. 564 Temperatur der Kahn und der Lust am 21. 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Die Firma der Genossenschaft ist: „Landwirthschast- licher Consumverein eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht zu Hausen": Gegenstand des Unternehmens ist: 1) Gemeinschaftlicher Einkauf von Verbrauchsstoffen und Gegenständen des landwirthschast- lichen Betriebs; 2) Gemeinschaftlicher Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Willenserklärung und Zeichnung für die Genossenschaft geschieht durch zwei Vorstandsmitglieder, die Zeichnung durch Anfügung der Ramens- unterschristen zu der Firma der Genossenschaft. Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekanntmachungen erfolgen in der „Deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaftspreffe" unter der Firma der Genossenschaft, gezeichnet von zwei Vorstandsmitgliedern. Die Mitgliärer des Vorstandes sind: 1)KasparAtzbachvonHausen,Director, 2) Heinrich Mack von da, Rendant, 3) Georg Müller HI. von da, Stellvertreter des Directors, 4) Karl Dörmer von da, 5) Johannes Jost von da. Einsicht der Liste der Genossen ist während der Dienststunden jedem gestattet. 4505 Gießen, 19. Mai 1890. Großh. Amtsgericht. Landmann. Arbeitsversteigerung. Mittwoch den 28. L Mt-., Vormittags 9 Uhr, sollen im alten Rathhause versteigert werden: veranschlagt zu «A H Schreinerarbeit . . . • 25.40 Weißbinderarbeiten . . . 664.44 Fuhrleistungen.....714.25 Pflasterarbeit • • . . • 31.35 Gießen, 21. Mai 1890. Großh. Bürgermeisterei Gießen Gnauth. 4533 Ieilgeöotenes. Zart vom Kopf bis zum Ende sind diesjährige Braunschweiger Spargel, von heute ab täglich Sendungen, per Pfd von 25 H an, in 4526 C. G. Kleinhenns Delicatessen-, Fisch- u. Geflügel-Hdlg-, Bahnhofstr. 59. la. Mastgeftügel j große -jßßr la. frische Fische / Auswahl Prachtvolle Goldfische, per St. 20 bei Posten bedeutend billiger. Frische Hefe Z empfiehlt I. Thoma, Bahnhofstraße 43. la. Speisekartoffeln, Eentner Mk. 1.50 werden abgegeben. Näheres Marktplatz 5, parterre. [4519 Megmheikkaus. 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Neu eröffnet Cmitttom Ludwig DSU, Mmktjirch 18. Einem verehrlichen hiesigen und auswärtigen Publikum die ergebene Mittheilung, daß ich mein seitheriges Geschäft seit dem 1. Mai d. I. wieder an Herrn Conditor Kinkel käuflich abgetreten habe und mit dem Heutigen eine Conditorei in dem von mir gekauften Hause 18 Marktstrasse 18 neu eröffne. Ich werde wie früher bemüht sein, meine werthen Abnehmer bestens und billigst zu bedienen und bitte um freundlichen Zuspruch. Hochachtungsvoll 4529 Ludwig Döll, Conditor. Vermischte Anzeigen. 4504] Um vielseitigen Wünschen nachzukommen, setze ich den Unterricht in der allseits so sehr beliebt gewordenen Filigran-Arbeit Weiter fort. Der Unterrichtspreis zur Erlernung sämmt- Ncher Arbeiten beträgt von heute an für Damen 1 Mark, für Kruder 75 Pfg. Kleine Auswahl in Blumen und Schmuck habe ich bierselbst im Schaufenster des Herrn Schulze am Kreuzplatz ausgestellt Josepha Theben, _________________Bismarckstraße 6.__ 4514] Eine gold. Brache (Granat- broche) an der Grünbergerstr. verloren. Geg. Belohn, abzug. Ludwigsplatz 3 III. 4535] Sonntag auf dem Trieb ein goldener Ring gefunden. Gegen die JnfertionSgebühren abzuholen______Marktplatz 16. 4513] Ein gut möblirtes geräumiges Zimmer in der Nähe der Aula, womöglich Südanlage, sofort zu miethen gesucht. Offerten unter Chiffre Q. 10 an die Exped d. Bl. erbeten.__ Agent gesucht. Eine der leistungsfähigsten und größten Margarine-Fabriken (eine von seiner Naturbutter nicht zu unterscheidende beste Sorte herstellend), verbunden mit bedeutender Schmalz- Raffinerie (deren Product als reines Handels-Schweineschmalz unübertroffen), sucht für größere Abnehmer einen ganz vorzüglich empfohlenen Agenten. Nur solcher findet Berücksichtigung. Fco.-Offerten mit Referenzen unter N. Z. befördert die Expedition d. Bl.__________4509 451J Ordentlicher Hausvursche sofort gesucht. Conditorei Hettler, Frankfurterftr. la. 4512] Eine Lauffrau für einige Stunden des Tages gesucht. 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Orient in. 72-00 DiSconto-Comm. 219 30 Buschtherader 374 50 Darmstädter Bank-Act> 157-70 Elbethal-Bahn-Act. 199 CO Dresdener Bank-Act. 148.50 Gotthard-Bahn-Act. 167 50 Berliner Handelsges. 164.60 Schweizer Nordoft „ West 137.40 Öesterr. Credit-Act. 261.00 37 90 Wiener Bankoereins-Act. 101.75 Gelsenkirchener 161 30 Oefterr. Staatsbahn 193.50 Ver. Kon.- und Laurahütte-Act. 136.30 Lombard. Eisenbahn 110.25 Oefterr. Alpine-Montan 8110 Telegraphischer LourSbericht bet Berliner Börse vom 21. Mai Oefterr. Creditactien Oefterr. StaatSbahn-Lcrie^ Dortmunder Union-Acttcv Darmstädter Boukacttev 163 00 96 30 86.50 157.10 DiSeonto-Eom.-AMhrt^. Harper er Ostpreutzev Bochumer Gutzftahlactteu Tendenz': schwach. 1890 218.90 10040 160.40 4 pCt. Gießener Obligationen —15 pCt. BuderuS-Obligationen 1C4.C0 RerchSbank-Discont 4 p®t — Frankfurter Bank-DiSkont 4 pCt. MäuSburg 10. 4528 ___ Flor und Seide. SWF* Aecht«s englische Schweiß - Sockcü. En gros Billigste Preise. En detail. A. Holterhoff Söhne. 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