Nr. 140 Freitag den 20. Juni 1890 Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Mnmitienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Generat-Mzeiger. Vierteljähriger AKonnementspreirr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7« Fernsprecher 51. Amts- unfc Anzergeblatt Mv den Nveis Gieren. Nr. 18 des Retchs-G-setzblattr, aurgegeben den 16. d. M-, enthält: „ , t, D « .. - Mr- 1902.) Gesetz, betreffend die Ergänzung des § 14 der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige. Vom 11. Juni 1890. , Gießen, den 18. Ium 1890. Großherzogliches Kreisamt Gießen. o. Gagern. Bekanntmachung, die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Herbst 1890 betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1890 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterstehen, werden hierdurch aufgcfordcrt, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulaffung bei Meiduug des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. August 1890 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- eiellen das Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prufungs - Corn- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grotzherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts« ort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3. Das Gesuch mutz von dem Betretenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresie angegeben wird. Gratisöeilage: Gießener IannkimMtter Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für dm „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag- erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Amtlicher Theil. Gießen, den 17. Juni 1890. Betr.: Die land- und forstwirthschastliche BerusSgenoffenschaft für das Großherzogthum Hessen. Das Grotzher,^gliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 8. v. M. (Anzeigeblatt Nr. 109) noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an Erledigung derselben bis zum 25. d. M. bei Meldung unangenehmer Versügung erinnert. v- Gagern. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburtszeugnitz; b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit i der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen ■ Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten i für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die । Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und j muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein- c. ein Unbescholtenheitszeugnitz, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus- zustellcn ist- d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Pru- fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugnitz beizulegen. Heber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 7. Juni 1890. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. Derr-sH-es Reich. Darmstadt, 15. Juni. Für die Sitzung der Ersten Kammer der Stände am 24. Juni ist u. A. folgende Tagesordnung ausgegeben: III. Berathung und Abstimmung über: Rückäußerung der Zweiten Kammer bezüglich des Antrags des Abgeordneten Herrn Vogt und Genossen, Ver- willigung einer Summe von 10000 Mk. zur vorzugsweisen Unterstützung der ländlichen Localvereine und Handwerkerschulen- Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorstellung der Gemeinden Heuchelheim, Gettenau, Echzell und Bingenheim, Beitrag zur Regulierung der Horloff betr.- Vorstellung des evangelischen Kirchenvorstandes zu Friedberg, die Herstellung der evangelischen Stadtkirche zu Friedberg betr., sowie die Mittheilung der Zweiten Kammer in gleichem Betreff- Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich des Antrags des Abgeordneten Herrn Schröder, Unterstützung von Gemeinden bei Schulhausbauteu betr. - Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorlage Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Verwilligung der für die Zellenstrafanstalt zu Butzbach genehmigten Bausumme von 1100000 Mk. als Pauschsumme betr.- Vorlage Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Bewilligung von 20 000 Mk. für die Finanzperiode 1888—91 zur Bestreitung der Kosten vorzunehmender Untersuchung, Projectirung und Veranschlagung von Nebenbahnen betr. Berlin, 18. Juni. Eine gestern in später Abendstunde veranstaltete Extraausgabe des „Reichs- und Staats-Anzeigers" enthielt folgende Mittheilung: „Auf Grund der in jüngster Zeit geführten Verhandlungen ist zwischen der deutschen und der englischen Regierung über nachstehende Punkte, welche ein untrennbares Ganze bilden, Einverständniß erzielt worden: 1) Die deutsche Interessensphäre in Ostafrika wird begrenzt : a. im Süden: durch eine Linie, die von der Mündung des Rokura im Westen des Nyassa-Sees bis zur Mündung des Kilambo im Süden des Tanganyka- Sees führt, b. im Norden: durch eine Linie, welche längs dem 1. Grad südlicher Breite vom Westufer des Victoria Nyanza bis zum Congostaat führt und den Berg Msumbiro südlich umgeht. Zwischen dem Nyassa-See und dem Congostaat, zwischen Nyassa-See und Tanganyka-See, auf dem Tanganyka-See und zwischen dem letzteren und der nördlichen Grenze der beiderseitigen Interessensphären wird der Verkehr für die Hnterthanen und die Güter beider Nationen von allen Abgaben frei bleiben. In den beiderseitigen Interessensphären wird den Missionen beider Staaten Cultus- und Unterrichtsfreiheit gewährt. Die Unterthanen des einen Staates sollen in der Interessensphäre des anderen bezüglich der Niederlassung und des Handels die gleichen Rechte genießen, wie die Unterthanen des ; Staats, welchem die Interessensphäre angehört. England wird seinen ganzen Einfluß aufbieten, um den ' Sultan von Zanzibar zur Abtretung des von ihm der DeutschAuswahl zu Gebot, wie den Hessen-Darmstädtischen Landeskindern unserer Tage. Wohl lockte auch schon damals der anmuthige, von Darmstadt bis Heidelberg in steter, wechselvoller Steigerung begriffene Schönheitszauber der „Bergstraße", der Rhein rauschte die wundersam fesselnden Melodien, wenn schon noch kein hehres Nationaldenkmal in seinen Fluthen sich spiegelte, und die kühlen Schatten des „Odenwaldes" mögen manchem Stadtmüden erquickende Labung gespendet haben, wenn auch noch keine „Farbenzeichen" dem Wanderer das Pfadfinden erleichterten. Aber wirklich erschlossen, aufgethan nach allen Seiten und Himmelsrichtungen ist dieses Land doch erst in diesem Jahrhundert, ja, sagen wir genauer in den letzten Jahrzehnten, der Epoche der Juristen-, Alpenclub- und Verschönerungsvereine, in einer Zeit, da man an der Hand der Generalstabskarte Orte und Wege selber durchforschte und sich nicht mehr damit begnügte, oberflächlich gefertigten Geo- qraphiebüchern nachzusprechen, daß der Odenwald „düster und der Vogelsberg „unwirthlich" sei. Von d^^m Zeitpunkte an datirt denn auch der von Jahr zu Jahr wachende Fremdenverkehr, der sich jetzt nicht nur um die an der großen Touristenstraße gelegenen Hauptcentren bewegt, sondern alt- aemach auch entlegenere Partien aufsucht. In der im Verlage von Cäsar Schmidt (Zurich) herauskommenden Broschürenserie „Städtebilder und Landschaften aus aller Welt" haben nunmehr auch Darmstadt, Homburg u. s. w. ihren gebührenden Platz gesunden. An großen und kleinen Führern durch die Bergstraße, den Odenwald, den Vogelsberg ist kein Mangel mehr. Man hat die Wahl zwischen Büchern mit ausführlichen Specialkarten und Wegweisern, die sich in der Westentasche tragen lassen. Hierzu kommen noch die verschiedenen Touristen- und Baderzeitungen und die Menge der politischen Blätter, deren Jnseratspalten während der Saison angesüllt sind mit Mittheilungen sowohl über altbewährte, als neu austauchende Curorte und Sommerfrischen. Welches ist nun der Zweck dieser Reisebriese? ^n Feuilleton. Luftkurorte, Bäder und Sommerfrischen des Großherzogthums Hessen. Dlauderbrieie für den „Gießener Anzeiger" von E. M. (Nachdruck verboten.) I. OU der Grobherzoglichen Gemäldegallerie zu Darmstadt Erster Saal) hängt ein Bild von Joh. Christian Fiedler, darstellend eine große Gesellschaft aus Darmstadt, die sich mit Musik, Gesang, Kartenspiel und Vogelschießen im Walde iin der Nähe des sogenannten Gänsbrückchens) aufs Beste unterhält. Auf diesem Stücke sind alle Figuren Portraits damaliger Darmstädter Einwohner. Stubenhocker scheinen demnach auch die Darmstadter des vorigen Jahrhunderts nicht gewesen zu sein. Ein Blick auf die herrliche, wald- und bergreiche Umgegend erklärt diesen oua ins Freie, diese Lust an Waldspaziergängen und Berg- Hettern mit einem Ruheort als erfreuliches Endziel, zur $CnU£ie hessische Lyrik trägt dieser Liebe zum heimathlichen Boden vollauf Rechnung, aber auch eine Dichtungsform, die mit Stimmungsbildern nichts zu schaffen hat, die sich nicht um die Höhen des Lebens, sondern um die humoristische Ausmalung der Alltagserscheinungen kümmern soll, die L o ca l- vosse wie sie die Carnevalsfestlichkeiten anregen und Hervorrufen, auch sie ist, vom „Datterich" an bis. zur Verlobung auf der Ludwigshöh", getränkt mit Zügen, welche auf des Darmstädters Freude an größeren und kleineren Ausflügen zurückzusühren sind. So ist der „Dattench / dieser köstliche Bummlertypus, kein einsamer Trinker, der sich mit seiner Tagdieberei hinter vier Pfähle versteckt - am besten mundet ihm der Schoppen im Freien, im "blichen Traisa. Den Leuten, welche Joh. Christian Fiedler abcontersette, stand rücksichtlich ihrer Vergnügungspartien noch nicht jene zwanglosem Plaudertone dem geneigten Leser ein Gesammt- bild zu bieten von den Schätzen und Reichthümern, die unserem Ländchen im Laufe der Jah^e aus seiner natürlichen Bodenbeschaffenheit erwachsen sind, deren Character, was Schönheit und Fruchtbarkeit anlangt, getrost mit, den gesegnetsten deutschen Gauen wetteifern darf. Bei diesen Betrachtungen, die selbstredend nicht darauf ausgehen, die Reisehandbücher zu ergänzen oder durch unerwartete Gesichtspunkte zu überraschen, wird sich am besten die zwanglose, bunte Reihenfolge statt der streng landkartlichen Ordnung empfehlen. Man wird es uns daher nicht übel nehmen, von der Bergstraße un- verfehends nach der Wetterau zu springen, um uns dann vielleicht mit der nächsten Plauderei am Rheine festzusetzen. Wenns richtig Frühling wird (nicht blos kalendecgemäß), und dafür haben wir hier in Darmstadt zwei untrügliche Zeichen: im Herrengarten läßt sich die erste Nachtigall hören und an den Straßenecken werden die Briefkasten frisch an- gestrichen--dann hälts die Darmstädter nicht mehr im Zimmer, und der große Zug nach der Fasanerie, nach Traisa, der Ludwigshöhe, vor allem nach letzterer, beginnt. Ein Umstand ists, der sie ganz besonders für Ausflügler in den Vordergrund gerückt hat. Noch in dem im Jahre 1885 anläßlich der damals hier tagenden 26. Allgemeinen deutschen Lehrerversammlung herausgegebenen „Führer durch Darmstadt" heißt es: „Man gelangt aus die Ludwigshöhe vom Südausgang des Bessunger Orangeriegartens rechts, dann links durch die Bessunger Ludwigsstraße und eine schattige Kastanienallee re. 2C." Nach wie vor bleibt dieser Weg bestehen und beliebt bei Allen, welche der Bessunger Richtung zu wohnen, aber für die anderen Einwohner ist durch die Dampfstraßenbahn ein „Ludwigshöhenpsad" geschaffen worden, der Vortheile und Annehmlichkeiten bietet, von denen man sich früher nichts träumen ließ. Die Straßenbahn, mag sie auch manche Unzuträglichkeiten im Gefolge haben, hat doch unserem Verkehrsleben einen erhöhten Aufschwung gegeben. Seitdem durch Bezüglich der Offiziersgehälter können keine anderen Gründe maßgebend sein, als bei anderen Besoldungsempsängern des Reiches und wenn nicht besondere Gründe dagegen vorgebracht werden, so sind wir bereit, Gehaltserhöhungen für Premierlieutenants und Hauptleute zweiter Klasse zu bewilligen. Im Uebrigen wird zu prüfendem,, ob in den. verschiedenen Verwaltungsressorts des Reiches die Zahl der diätarisch besetzten Stellen im richtigen Verhältniß steht. — Staatssecretär v. Boetticher: Der vom Abg. Richter angedeutete Wider- die Frankfurter-, Rhein- und Neckarstraße die eisernen Schienen laufen und zwischen Eberstadt, Griesheim und Arheilgen den lebhaften Verkehr vermitteln, ist die Redensart von dem Accessisten, der einsam durch die Rheinstraße wimmelt, auf den Aussterbeetat gefetzt. In das Darmstadt von 1890 paßt diese Anecdote nicht mehr. In dem Mitzenius'schen Büchlein „Darmstadt, seine Walder und Höhen, Bergstraße und vorderer Odenwald", welches noch der Erbprinzenzeit unseres Großherzogs angehört, zeigt ein Holzschnitt das Plateau der Ludwigshöhe mit seinen sehr einfachen Wirthschaftseinrichtungen. Der Ausfi chtsthurm, der eine fo prächtige Rund- und Fernsicht gewährt, e^istirte damals noch nicht, und auf längeres Bleiben war man in den Räumen, die vorzugsweise Nachmittagsgäste sahen, auch nicht vorgesehen. Das ist nun bedeutend anders geworden, nachdem hier durch den hessischen Fiskus ein neues Haus mit einer größeren Anzahl von Zimmern errichtet wurde, und der jetzige Pächter für eine bequeme und hübsche Ausstattung Sorge getragen hat. Als „Vorposten" der Bergstraße und noch im engeren Zusammenhang mit der Residenz stehend, eignet sich die „Lndwigshöhe" kraft dieser ihrer Doppelstellung als Sommerfrische gerade vorzüglich für solche Leute, denen Beschäftigung und Verhältnisse eine weite Entfernung vom sonstigen Wohnort nicht wünschenswerth erscheinen lassen, wo- usit natürlich keineswegs gesagt ist, daß der Großstädter, welcher in Kissingen seinen Brunnen getrunken, oder auf Rigi- 5Wm zu Nacht gegessen, sich es der Abwechselung halber nicht aych einmal auf der Ludwigshöhe wohl sein lassen könnte, dtzM, Logis und Verpflegung entsprechen in Allem den An- soMrungen der Neuzeit. welch reiche Gelegenheit zu großen und kleinen Aus- flr^M ringsum! Nach allen Seiten hin winden sich die Wege 73 Millionen wehr überwiesen als früher. Dagegen ! werden verlangt im 1. Nachtragsetat (für Colonialausgaben) ca. 5 Millionen, in dem 2. Nachtragsetat (Gehalts- * erhöhungen) etwa 20 Millionen und aus einem 3. Etat, welcher die Consequenzen der Militärbewilligungen zieht, etwa 81/2 Millionen; im Ganzen also 33 bis 34 Millionen. Trotzdem wird sich der nächste Etat um Etwas besser stellen als der gegenwärtige, obwohl die Einnahmen aus den Getreidezöllen von dem Ausfälle der Ernte abhängig sind. Die später nöthig werdenden Ausgaben für die Alters- und Invalidenversicherungen lassen sich noch nicht übersehen, dürften aber 10 Millionen erreichen. Im Ganzen dürften 60 Millionen mehr an Einnahmen nöthig werden, die allerdings zum Theil aus der zu erwartenden Steigerung der Einnahmen aus den indirecten Steuern gedeckt werden können; immerhin werden neue Steuern nöthig werden. — 2lbg. v. Benda (natl.): Wir halten es nicht für richtig, daß man mit den Gehaltserhöhungen über den in Preußen innegehaltenen Rahmen hier hinausgegangen ist- das wird Entrüstung in weiten Kreisen erregen. Damit will ich mcht sagen, daß wir durch die ganzen Offiziergehaltserhöhungen einen Strich machen wollen. Unsere Arbeiten werden durch die Verhandlungen im Preußischen Landtage nicht wesentlich beeinflußt oder erleichtert- wir werden eine schwierige Aufgabe haben, was um so bedauerlicher ist, als wir nur noch kurze Zeit hier zusammenbleiben werden. Vertagen läßt sich 1 die Sache bis zum nächsten Jahre ohne große Schwierigkeiten nicht. Die 15 Millionen für Subaltern- und Unterbeamte, sowie für den Hilfsarbeiterfond werden wir nach dem Vorgänge in Preußen wohl bewilligen müssen- es wäre eine I Erhöhung des Hilfsarbeiterfonds wohl zu empfehlen. Hoffentlich ermöglicht die Finanzlage in Zukunft weitere Erhöhungen. — I Abg. Singer (Soc.) tadelt die Kostgängerei des Reiches bei den Einzelstaaten. Für die unteren Beamten wäre eine größere Erhöhung der Gehälter wohl angezeigt. Für die Offiziere lag kein Grund für die Gehaltserhöhungen vor- I sollte die Vorlage glatt durchgehen, so hätte man sie mit den Offiziergehaltserhöhungen nicht belasten sollen- auch für die nächste Zukunft ist kaum Aussicht vorhanden, diese Erhöhungen I eintreten zu lassen. Die Offiziere stehen im Gehalte immer noch viel besser, als Civilbeamte im gleichen Lebensalter. Es wäre besser gewesen, an eine Erhöhung der Pensionen zu denken, namentlich der Jnvalidenpensionen. Die Offiziergehaltserhöhungen kommen hauptsächlich den Großgrundbesitzern zu gute, die ohnehin durch die Steuergesetzgebung bevorzugt sind. Eine besondere Berücksichtigung verdienen die Post- | hilfs- und Unterbeamten und die Hilfsbeamten im statistischen Bureau. — Abg. Graf Behr-Behrenhoff (Reichsp.) ist verwundert, daß die Regierung so weit über den Rahmen der vom Hause gefaßten Resolution hinausgegangen ist. Wir sind doch nicht in der glücklichen Lage, immer nur mit vollen Händen geben zu können. Die Erhöhung der Offiziergehälter muß für eine financiell günstigere Zeit aufgehoben werden. _ Abg. Richter (dfr.): Die Gehaltserhöhungen, wie es Sie sich vorgestellt, haben nur ein Drittel dessen erfordert, was die Vorlage verlangt. Von Erhöhung der Offizier- aehälter sollte nicht früher die Rede sein, bis die Fragen der Pensionirung der Offiziere geregelt ist. Es muß festgestellt werden, daß ein Offizier, der pensionirt wird, auch felddrenst- unfähig ist. Die Leitung der Compagnie könnte vielleicht Feldwebel-Lieutenants übertragen werden. Wenn der Schatz- secretär von einer zufälligen Begrenzung sprach in der Resolution, so kann man auch von anderen Zufälligkeiten sprechen, auch von zufälligen Ministern. Wir können die Gehaltserhöhungen nur nach Maßgabe der vorhandenen Mittel bewilligen. Dies Princip ist früher von der Regierung anerkannt - ich halte daran fest. Das System der Alterszulagen hätte in weiterem Umfange angewendet werden sollen. Die ausgeworfene halbe Million für Stellenzulagen ist schon im Princip entbehrlich und entbehrt der näheren Begründung. Neue Steuern dürfen durch die Gehaltserhöhungen nicht nöthig werden. — Abg. Halm (conf.j wünscht wohlwollende Prüfung. Man soll das Nothwendige bewilligen, ohne engherzig zu sein. Nach dem Richter'schen Grundsätze würden wir überhaupt Erhöhungen nicht bewilligen können. spruch zwischen den früheren Erklärungen der Regierung und der Vorlage ist nicht vorhanden. Es ist vollständig der Rahmen eingehalten, der in jener Resolution angebeutet ist. Man konnte im Reiche nicht zurückbleiben hinter den in Preußen stattgehabten Bewilligungen und die Vorlage hält sich auch in den Grenzen, die durch die eisernen Einnahmen des Reiches gesichert find. Da wir kein Deficit haben, so haben die verbündeten Regierungen kein Bedenken getragen, die Offiziere bei den Gehaltserhöhungen so zu behandeln wie andere Beamte. Die im statistischen Bureau beschäftigten Beamten sind meist nur mit mechanischen Arbeiten beschäftigt und als Hilfsarbeiter angestellt. Uebelstände, die dort herrschen, würden auf Beschwerde sofort beseitigt sein. — Kriegsminister Verdy: die Gehaltsaufbesserung der Offiziere ist bereits von meinem Amtsdorgänger betont. Das Cadetten- eorps gleicht für Militärs nur die Nachtheile häufiger Versetzungen aus. Da die Offiziere in einem frühen Lebensalter pensionirt werden, müssen sie während des Dienstes besser gestellt werden. Die alten Soldaten, deren Söhne sich besonders eignen für den Dienst, können ihre Söhne nicht diesem Beruf widmen, weil ihnen die Mittel fehlen. Wann sollen dann die Offiziere eine Familie gründen? Von ihrem Gehalt können sie es doch kaum. Kurz und gut, wir stehen mit den Erhöhungen vor einer zwingenden Nothwendigkeit. — Abg. Dr. Windthorst ((Str.) ist bereit, gleichmäßig für Civil- wie für Militärbeamte Gehaltserhöhungen zu bewilligen, i wenn die Mittel dazu vorhanden wären. Dies ist leider nicht der Fall und wir müssen uns deshalb nach der Decke strecken. Die Mittel des Reiches sind eben nicht ausreichend und wir müssen uns zurückziehen auf den Boden unserer früheren Resolution. Wir haben auch an die Steuerzahler zu denken. Möge die Regierung dahin wirken, die Militärlasten aufzuheben, unter denen die Staaten zu Grunde gehen. Die Offiziere aber werden zunächst den von Sr. Majestät dem Kaiser gegebenen Fingerzeig der Sparsamkeit berücksichtigen müffett. — Abg. Rickert (dfr.): Das Vorgehen der Regierung, Ausgaben bewilligt zu verlangen, ohne die Deckung I anzugeben, wird ihr diesmal eine Niederlage zuziehen. Die I Stellenzulagen sollte man ganz beseitigen. Mit Derselben I Schuldigkeit, mit welcher die einzelnen Ressortchefs ihren Ressort vertreten, müssen wir jetzt vertreten die Interessen I der Steuerzahler. Ich bewillige Nichts, wodurch neue Steuern I nöthig werden. — Staatssecr. Frhr. v. Maltzahn. Auch in früheren Jahren hat man sich erst über die Ausgaben und I dann über die Deckungsmittel geeinigt. Für die Regierung ist das Aufbringen neuer Steuern kein Vergnügen. Eine Streichung der Stellenzulagen würde eine völlige Umarbeitung I der Vorlage bedingen. — Abg. Miquel (ntL): durch die I Beantragung der neuen Ausgaben engagiren wir uns nicht für die Form der neuen Steuern. Die Erhöhung der Offiziersgehälter ist nicht bestritten worden - man hat nur gesagt, daß diese Erhöhung zur Zeit nicht durchführbar ist. Ein Dispositionsfonds für Stellenzulagen ist erforderlich - es müssen jedoch die Grundsätze festgestellt werden, nach denen er ver- theilt wird. Für die anderweitige Normirung der Beamtengehälter ist die Resolution des preußischen Abgeordnetenhauses besonders zu empfehlen und die Einrichtung der Alterszulagen I für die Reichsbeamten einzuführen. — Abg. Dr. Rzepni- kowski (Pole) spricht im Sinne des Abg. Dr. Windthorst. — Damit schließt die Debatte. — Die Vorlage wird an die I Budgetcommission verwiesen. — Darauf vertagt sich das : Haus. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr. Tagesordnung: Gewerbegerichte (Fortsetzung der 2. Lesung). — Schluß 4 Uhr. Deutscher Reichstag. 20. Plenarsitzung. Mittwoch, 18. Juni 1890, 11 Uhr. Erste Berathung des Nachtragsetats (Gehaltsaufbesserungen für Offiziere und Beamte, ca. 20 Millionen). Zur Begründung der Vorlage nimmt das Wort Staats- seeretär im Reichsschatzamt Frhr. v. Maltzahn: Die Vorlage hat, nach Aeußerungen der Presse, sowohl wegen ihrer Höhe wie wegen ihrer Ausdehnung überrascht. Die Vorlage äst aber lediglich das Ergebniß einer vom Reichstage in der vorigen Session vorgenommenen Resolution. Sobald die Regierung der Sache näher trat, konnte sie die Grenzlinie für die Gehaltserhöhungen nicht so eng ziehen, wie die Resolution, denn die für eine Gehaltserhöhung maßgebenden Gründe waren für weitere Besoldungsklaffen die gleichen. Die Mcksichten auf die Finanzlage waren im Reiche andere, als in den Einzelstaaten, denn die Bedürfnisse im Reiche werden auf die Einzelstaaten abgewälzt. Es konnten aber die Reichsbeamten nicht schlechter gestellt werden, wie die Beamten in Preußen, deshalb sind wir im Reiche dem Vorgänge in Preußen gefolgt. Es lag fein Grund vor, eine besondere Klasse der Diener des Reiches bei diesen Gehaltserhöhungen unberücksichtigt zu lassen. Dem Hinweise auf die Zeit, welche Civilbeamte ohne Besoldung zu dienen haben, ist Rechnung getragen dadurch, daß nur die Premierlieutenants und höheren Offiziere mit Erhöhung ihrer Dienstbezüge bedacht sind. Eine Unterlassung dieser Gehaltserhöhungen glaubte die Regierung nicht verantworten zu können. Die Einzelstaaten erhalten in diesem Jahre vom Reiche etwa Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau. Berlin, 18. Juni. Der Kaiser verlieh dem Reichskanzler v. Caprivi den Schwarzen Adlerorden. Braunschweig, 18. Juni. Zur Erinnerungsfeier an die Schlacht bei Waterloo fand hier ein von dem Prinzregenten anbefohlener großer Feldgottesdienst statt, an dem die gesammte Garnison, die Reserve- und Landwehroffiziere, Kriegervereine und Behörden theilnahmen. Wien, 18. Juni. In einer Besprechung der englischdeutschen Vereinbarung schreibt das „Fremdenblatt : Alle Differenzen mit England, welche sich aus der deutschen Colonialpolitik ergaben und stets eine Trübung der innigen Beziehungen beider Reiche besürchten ließen, erscheinen damit endgiltig beseitigt und die engere Annäherung Englands und Deutschlands besiegelt. Beide Parteien brachten Opfer, ergangen dafür aber erhebliche Vortheile und begrenzten nunmehr klar ihre Jntereffeiifphären. Die Position Englands in Afrika sei durch das Protectorat über Zanzibar gekräftigt, dagegen werde die Erwerbung Helgolands von ganz Deutschland mit besonderem Interesse begrüßt. Die „Presse sieht die Vereinbarung als für beide Theile befriedigend an. Die Engländer machten nach ihr kein schlechtes Geschäft, die Deutschen ein sehr gutes. Die Gegner des Friedens seien | durch die Vereinbarung um eine Hoffnung ärmer geworben. Die „Neue Fr. Pr." sagt, mit ber Erwerbung Helgolands werbe ein langgehegter nationaler Wunsch Deutschlands erfüllt, ber in ben Augen bes deutschen Volkes einige Gebietsopfer in Afrika aufwiege. Die Abtretung Helgolanbs verbürge auf lange hinaus ben Frieben mit Englanb. Paris, 18. Juni. Der höhere Handelsrath entschied, baß alle gegenwärtigen Hanbelsverträge zu kün- I bigen seien. Ostafrikanischen Gesellschaft verpachteten Küstenstrichs _ an Deutschland zu bewegen. Für biefen Fall wirb deutscherseits dem Sultan eine billige Entschädigung für die ihm entgehende Zolleinnahme gewährt werden. 2) Die Grenze zwischen der deutschen und englischen Interessensphäre in Südwest-Afrika führt von dem in früheren Uebereinfommen verabredeten Punkt aus längs dem 22. Grad südlicher Breite nach Osten bis zum 21. Längegrad, von da nach Norden längs diesem Grade bis zum Schneidepunkt desselben mit dem 18. Grad südlicher Breite und von da nach Osten längs dem Tschobifluß bis zu dessen Mündung m den Zambesi. . 3) Die Grenze zwischen dem deutschen Togogebiet unö der englischen Goldküstencolonie soll entsprechend dem deutschen Vorschläge durch eine Linie gebildet werden, welche die streitige Landschaft Krepi in der Weife durchschneidet, daß der nördliche Theil mit Kpandu an Deutschlanb, ber südliche Theil mit Peki an England fällt. ' 7 4) Deutschland überträgt England seine Schutzherrschaft über Witu und das Somaliland im Norden ber englischen Interessensphäre. . 5) Deutschland gibt seine Zustimmung, daß England über das Sultanat Zanzibar mit Ausnahme des ber Deutsch- Ostafrikanischen Gesellschaft verpachteten Küstenstrichs bas Protectorat übernimmt. , 6) Englanb tritt vorbehaltlich ber Ermächtigung bes Parlaments an Se. Majestät ben Deutschen Kaiser die Insel Helgoland ab. Für die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und der deutschen Zollgesetzgebung in Helgoland wird eine Frist vereinbart werden, auch soll ben bermaligen Bewohnern währenb eines bestimmten Zeitraumes bas Recht, für bie englische Nationalität zu optiren, gewährt sein. 7) Die übrigen auf coloniale Fragen bezüglichen Differenzpunkte: Reclamation wegen der Aufbringung des Dampfers „Neera", Abgrenzung ber Walsischbai, Reclamation gegen bie Englische Nigergesellschaft u. s. w. werben, nachdem festgestellt ist, daß über dieselben im Princip keine ernstlichen Meinungsverschiedenheiten bestehen, weiterer freundschaftlicher Verständigung Vorbehalten. 8) Bis zum formellen Abschluß des gegenwärtigen Ueber- einkommens, welches in kürzester Frist durch Notenaustausch geschehen soll, wird keine Unternehmung in Afrika, welche sich mit den vorstehenden Verabredungen im Widerspruch befindet, von einer der beiden Regierungen fanctionirt werden." in mannigfachem Wechsel, bald zu prächtigen Aussichtspunkten wie „Marienhöhe" und „Mathildentempel" führend, bald zu versteckt daliegenden Gewässern, wie „Waltersteich" und ,,Kirchbergteich". Unter dem Namen „Schwedensee" ist bekanntlich ber letztere burch Ernst Pasque unb Robert Emmerich opernfähig unb in ber Bühnenliteratur zu einem Seitenstück | ber „Wolfsschlucht" geworben. Die melancholische Stille, die ob diesem Gewässer brütet, bringt Einem unwillkürlich Lenau'sche „Schilflieber" in Erinnerung. Verfolgt man ben östlich um bie Höhe herum fuhrenben Lubwigsweg, an bem Karlsplatz, Waltersteich, Mathilben- tempel vorüber nach ber Papiermühle im Mühlthal, so kommt man in westlicher Richtung in etwa 20 Minuten nach bem reizvoll gelegenen Wirthshause „Im kühlen Grunde , bas seinen anheimelnben Namen mit vollem Recht führt. Darmstäbter unb Eberstäbter pflegen hier an schönen Sommernachmittagen ihren Kaffee zu trinken, unb ba bie Wirthe auch Pensionäre nehmen — bie zu diesem Zwecke eingerichteten Zimmer sollen in der Saison immer vermiethet sein — steht b^r Platz tatsächlich auf ber Stufe einer „Sommerfrische" ntit ländlichem Character. Daß man „Im kühlen Grunde" bei Eberstadt um einen guten Trunk nicht verlegen ist, sollte schon aus den Inschriften hervorgehen, welche die einfache Hofhalle zieren. Auf den Innenwänden dieser, welche als sonstigen Schmuck noch die farbige Darstellung des Mühlthals und der Wirth- schaft „Zum kühlen Grunde" trägt, gedeiht bereits die Spruchweisheit, und zwar in folgender Art: „Wasser macht älter, Wein verjüngt, glücklich allein ist der Zecher, der trinkt!' Rom, 18. Juni. In der Kammer erklärte Crispi, den Nachrichten über die in Spanien vorgekommenen Krankheitsfälle sei vorläufig keine große Bedeutung beizumessen. Es handle sich nicht um die asiatische Cholera. Die Regierung werde übrigens nöthigenfalls entsprechende Schutzmaßregeln treffen. Madrid, 18. Juni. Die Aerzte Valencias sollen in den Auswürfen der Kranken in Puebla de Rugat den K o ch'schen Cholera-Bacillus erkannt haben. Die Consuln benachrichtigen ihre respectiven Regierungen. Madrid, 18. Juni. Der Justizminister theilte im Senate mit, Privatdepeschen aus Malaga berichten, daß sich daselbst einige Fälle gelben Fiebers gezeigt haben. Man glaubt, dasselbe sei durch einen Dampfer aus New-Orleans eingeschleppt worden, eine osfizielle Bestätigung jedoch fehle. — Im Congreß werden die konservativen Deputirten ein Amendement zum Budget einbringen, welches der Regierung vorschlägt, eine Revision des Zolltarifs eintreten zu lassen, um den Schutz der nationalen Industrie zu sichern, die Einnahmen aus den Zöllen zu vermehren und die Beziehungen zu den fremden Mächten zu erleichtern. Valencia, 18. Juni. Die Cholera fälle in Puebla de Rugat haben nachgelassen, dauern jedoch in der Nachbarschaft an, von wo gegenwärtig 60 Fälle von Erkrankungen und heute ein Todesfall unter verdächtigen Erscheinungen gemeldet wird. Valencia, 18. Juni. Die spanischen Mittelmeerhäsen sind als choleraverdächtig erklärt und Ueberwachungs- maßregeln längs der Landesgrenze getroffen worden. Bukarest, 18. Juni. Der Minister des Auswärtigen hat dem Senat die Acten über das Handels Übereinkommen mit Frankreich zugehen lassen, zur Benutzung für die angekündigten Interpellationen in Betreff der Erneuerung der Handelsverträge. — Infolge der Meldung über den Ausbruch der Rinderpest in Bulgarien hat das rumänische Gesundheitsamt strenge Maßregeln zur Verhinderung der^EinschlePpung getroffen. Konstantinopel, 18. Juni. Die spanischen Provenienzen, welche seit dem 15. Juni abgelassen wurden, werden in den türkischen Häfen einer Observation unterzogen. Cocates «nd provinzielle». Gießen, 19. Juni. — Auf der Tagesordnung der am 25. Juni stattfindenden Sitzung der Ersten Kammer der Stände stehen u. A.: Berathung und Beschlußfassung über: Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorlage Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Herstellung einer directen Verbindung der südlichen Stadt- IheUe am Seltersberg zu Gießen mit den Bahnhöfen 6etr. ; Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorlage der Großherzoglichen Ministerien des Innern und der Justiz und der Finanzen, die Erhöhung des für die Finanzperiode 1888—91 bewilligten Zuschusses zu den Ausgaben der Landes- Universität zu Lasten der Ueberschüsse der Hauptstaatskasse um den Betrag tion *69,475 Mk. tetr.; Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorlage der Großherzoglichen Ministerien des Innern und der Justiz und der Finanzen, betr. den in dem Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und -Ausgaben für die Finanzperiode 1888—91 unter den außerordentlichen Ausgaben unter Capitel 132 Titel 2 vorgesehenen Bau einer psychiatrischen Klinik bei der Landes-Universität zu Gießen und einer Irrenanstalt in Verbindung damit. — Schwurgericht. Die heutige Verhandlung richtet sich gegen den ehemaligen Mühlenbesitzer Th omas Pas sing von Merkensritz, der im vorigen Jahre seine Gläubiger, deren er mehrere mit höheren Forderungen hatte, um die Summe von 4000 Mk. geschädigt hat. Aus der Vernehmung des Angeklagten, dessen Antworten infolge Stammelns kaum verständlich sind, läßt sich Folgendes seststellen: Angeklagter war seit 1883 Eigenthümer einer in Merkensritz gelegenen Mühle, die er für die Summe von 9000 Mk. kaufte und mit 3000 Mk. Anzahlung übernahm. Im Laufe der Zeit ließ er mehrfache Neueinrichtungen in der Mühle vornehmen, die ihm nach seiner Schätzung im Ganzen das Sümmchen von etwa 22 000 Mk. kosteten. Das Geschäft ging gut, jedoch war. auch eine erhebliche Schuldenmasse vorhanden, die, wenngleich dieselbe vorerst nicht drückend war, den Angeklagten mit Besorgniß der Zukunft entgegensehen ließ. Im Monat April v. I. entfernte sich Passing von Hause und ging nach Bayreuth, um seinen dort wohnenden Schwager um Gewährung eines größeren Darlehns anzugehen. Bei dieser Reise steckte er auch sein ganzes baares Geld im Betrage von ca. 4000 Mk. zu sich, um damit, wie er heute erklärt, auf dem Rückwege von Bayreuth bei einigen Gläubigern Abschlagszahlungen zu leisten. Diese Angabe, widerspricht derjenigen in der Voruntersuchung über diesen Punkt gemachten, worin er die Mitnahme des Geldes mit dem Mangel eines sicheren Behältnisses zur Aufbewahrung im Hause erklärte. Als er, ohne das erhoffte Darlehen erlangt zu haben, von Bayreuth nach Hause zurückkehren wollte, faßte er den Plan, nach Amerika zu gehen und seinen dort wohnhaften und in guten Verhältnissen lebenden Bruder um ein Darlehen zu bitten. Von diesem Entschlüsse gab er einem seiner Gläubiger bei seiner Abreise nach Amerika Kenntnis. Nack Bekanntwerden des Verschwindens des Angeklagten wurde auf An- tehen der Gläubiger Concurs über sein Vermögen erkannt und bei der durch den Concursverwalter erfolgten Inventaraufnahme stellte sich das Fehlen einer weiteren Summe, die die Höhe des von Passing mitgenommenen Betrags annähernd erreichte, heraus. Auf Vorhalt nach dem Verbleib dieses Geldes hat Angeklagter nur die eine Antwort: es sei zur Tilgung von Schulden nach und nach verwendet worden- an wen die Zahlungen geleistet worden sind, vermochte er nicht anzugeben, was auch erklärlich scheint, da bei der Buchführung Passings, so lange er dieselbe selbst besorgte, viel zu wünschen blieb, dieselbe aber namentlich eine Uebersicht des Vermögensstandes gänzlich vermissen ließ. Gravirend für den Angeklagten ist der Umstand, daß er nach seiner Ankunft in Amerika statt dem Verdienste nachzugehen, unnöthige Reisen, um nicht zu sagen Vergnügungsreisen zu Landsleuten machte; erst später nahm er in einem Restaurant die Stelle etnes Kassiers an und nachdem er diesen Posten wieder verlassen, kaufte er von dem mitgenommenen Gelde eine Speisewirthschaft, die sich indessen nicht rentirte, was ihn zur baldigen Aufgabe derselben und zur Rückkehr nach Europa veranlaßte und für welche er den Rest des Geldes verwandte. Er ging zunächst nach der Schweiz, von wo er Nachrichten an seinen Gläubiger Kriegk gelangen ließ. In Zürich wurde er nach einem, mehrwöchentlichen Aufenthalt in der Schweiz verhaftet und hierher ausgeliefert. Angeklagter giebt die Versicherung, daß es nie in seiner Absicht gelegen habe, seine Gläubiger zu schädigen, er sei vielmehr ernstlich bemüht gewesen, für aller Gläubiger Befriedigung zu sorgen, was ihm jedoch nicht gelungen. Passing ließ noch den größten Theil seines Vermögens in Merken- fritz zurück und befand sich überhaupt in keiner solchen mißlichen Lage, die ihn zur Verlassung seiner^Familie und seines Hauses hätte veranlassen können, da ihm immer noch Hülfs- mittel zu Gebot standen. Aus der Concursmasse haben die Gläubiger theilweise Deckung mit 55% erhalten. Die Verhandlung schloß mit Freisprechung des Angeklagten von Strafe und Kosten. — Die Mitglieder der am 18. Lahnthal-Sängerfest mit- wirkenden Vereine seien auch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß die auf Freitag den 20. Juni angesagte Probe in Steins Garten erst nächsten Dienstag im Cafe Leib stattfindet. (Siehe auch Inserat.) Friedberg, 17. Juni. Zur Großherzoglichen Tafel waren heute der Großherzogl. Kammerherr Freiherr Gustav v. Löw nebst Frau Gemahlin und Fräulein Tochter von Steinfurth, sowie Freiherr Gilb recht v. Löw und Frau Gemahlin von Nieder-Florstadt eingeladen. R. Wieseck, 18. Juni. Gestern veranstaltete der Inhaber der Firma ArnoldMüller, Herr Gustav Müller in Gießen, aus Anlaß seiner stattgehabten Vermählung den Arbeitern seiner Fabrik eine schöne Feier. Mittags wurden die Geschäftsräume geschlossen und begaben sich sämmtliche Arbeiter nach unserem Orte, wo viele derselben ihren Wohnsitz haben, in die Restauration Karl Dorfeld. Hier entwickelte sich bald in dem geräumigen Saale ein munteres Treiben. Bei Concert, heiteren Vorträgen und schönen Gesängen vergingen die Stunden des Festes, welches allen Theil- nehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird, nur allzu rasch. An Toasten auf das Wohl der Neuvermählten, sowie das fernere Blühen und Gedeihen der Firma fehlte es natürlich auch nicht. Bad Nauheim, 17. Juni. Der ehemalige luxemburgische Staatsminister Servais ist heute hier gestorben. r. Rüddingshausen, 17. Juni. Heute Nachmittag ertrank in einem der Gemeinde gehörigen Brunnen ein dreijähriges Bübchen. Dasselbe spielte mit einigen andern Kindern, kam wohl während des Spiels dem Brunnen zu nahe und, da derselbe, wie die meisten hiesigen Brunnen, immer offen steht, so mußte das unschuldige Kind diese Nachlässigkeit mit seinem Leben bezahlen. Hoffentlich gibt der traurige Fall Veranlassung, mit solchen verrotteten, lebensgefährlichen Zuständen baldigst aufzuräumen! vermischtes. nn. Darmstadt, 18. Juni. Unter dem Vorsitz der Prinzessin Ludwig von Battenberg findet am Donnerstag Nachmittag im alten Palais eine Sitzung der Stiftsdamen der Alicestiftung statt. Nach der Sitzung sind sämmtliche Damen zum Thee geladen. nn. Darmstadt, 18. Juni. Als ein Zeichen, daß das Jnnungswesen immer mehr Fortschritte macht und von den Gewerbetreibenden die Bedeutung eines einigen Zusammengehens zur Bekämpfung des Pfuscherthums immer mehr erkannt wird, ist es zu begrüßen, daß nun auch die Perrückenmacher- und Friseur-Innung zu Mainz dem Beispiel der Darmstädter gefolgt und zu einer Innung zusammengetreten ist. Auf freundliche Einladung eines prov. Comites nahmen an einer Ende voriger Woche stattgehabten constituirenden Versammlung in Mainz sämmtliche Mitglieder der hiesigen Friseur- und Perrückenckacher-Jnnung unter Anwesenheit ihres Obermeisters, Herrn Nachtigall, Theil. Das Referat hatte Herr Graser-Darmstadt übernommen. In einstündiger Rede setzte derselbe die Zwecke und den Nutzen der Innung eingehend auseinander, die Collgen zu Mainz zum Eintritt in die Innung auffordernd und auf die segensreiche Wirksamkeit der Darmstädter Innung hinweisend. Die zahlreich erschienenen Collegen folgten mit lebhaftem Interesse den Ausführungen des Redners und traten sofort zu einer Innung zusammen. Für das freundliche und collegialische Entgegenkommen wurde Seitens der Mainzer Collgen der Darmstädter Innung herzlichen Dank ausgesprochen und vereinigte man sich noch einige Stunden zu gemächlichem Zusammensein. * Marburg, 18. Juni. Der bekannte Spruch von den Gefahren gewisser deutscher Hochschulen, der in der geläufigsten Form, auf die thüringisch-sächsischen Universitäten beschränkt, heutzutage lautet: „Wer kommt von Halle ohne Weib, Von Leipzig mit gesundem Leib, Von Jena unzerschlagen, Der kann von Glücke sagen" hat schon eine lange Geschichte und mag vielleicht gar bis ins sechszehnte Jahrhundert hinaufreichen. Eine alte Fassung, ja, soviel wir wissen, die älteste, die man kennt, ist in diesen Tagen gelegentlich der Vorarbeiten ausgefunden worden, welche dis Herren Archivrath Dr. Könnecke, Archivrath Dr. Reimer und Oberst Nebelthau seit Wochen der würdigen Herrichtung unserer Druckerei-Ausstellung widmen. Sie steht in dem Encomium Marpurgi („Lob Marburgs") eines gewissen Hieronymus Sivert aus Magdeburg, das 1645 hier bei Jos. Dietr. Hampel gedruckt und dem Rector Mag- nificentissimus Ernst August, Herzog zu Braunschweig nebst anderen vornehmen Herren zugeeignet wurde, und hat sol- gendKr Wortlaut: Wer von Tübingen kompt ohne Weib, Von Wittenberg mit gesundem Leib, Von Helmstatt ohne Wunden, Von Giessen ohne Schrunden, Von Marpurg ohne fallen, Hat nicht studirt in allen. (Ob. Ztg.) * Chef (zu seinem ältesten Buchhalter, der sein 25jähriges Jubiläum feiert): „Ich kann nicht umhin, an Ihrem heutigen Jubeltage Ihnen eine entsprechende Gratifikation iür Ihre 25jährige treue Dienstzeit zukommen zu lassen; hier nehmen Sie diese 500 Mk. in Gold von mir, davon gehen ab sieben Mark fünfzig, die üblicken 2%pCt. per comptant." -------7T. >. -■.....■ ■ ........... Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Freitag Abend 730 Uhr, Samstag Vormittag 800 Uhr, Samstag Nachmittag 4<» Uhr, Samstag Abend 910 Uhr. Temperatur der Lahn und der Lust am 19. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14%, Luft 14 Gr. Rübsamen. Imperial Wine Comp. London Ee CL Portweine. Old Port Mark 2 — Sup. old Port „ 2.25 very sup. tawny „ 2.75 bis zu Mark 10.— per Flasche. Sherry» Xeres Gold Mark 2 — Oloroso „ 2.25 Amoroso „ 2.75 bis zu Mark 10.— per Flasche. Madeira. Verdelho Mark 3 — | Sao Martinho Mark 4.- Sneri fbl i f ät i™ alten Weinen für um Beconvalescenten. 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Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme während der Krankheit und bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Gatten, Sohnes, Neffen, Schwiegersohnes und Schwagers, Herrn Willi. Montan, sowie für die zahlreichen Blumenspenden sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 19. Juni 1890. [5227 Die Beerdigung findet am Freitag Nachmittag 2 Uhr von der Klinik aus statt. Um zahlreiche Betheiligung wird gebeten. 5228 Der Borstand. TostesSnzeige. Hiermit die traurige Kunde von dem vorgestern erfolgten Ableben unseres Mitgliedes Jacob Schleuning. Abends 9 Uhr im < af6 reift Mit Bremen von Australien Stahl. 5224 zu bedeutend herabgesetzten Preisen- 5223 Schloßgaffe 19. 5235 5234 erbeten- pCt. Reichsanleihe 4 ICO 4<> Höchste Auszeichnung | Cöln 1889 | Verkaufsstelle Giessen: Heb. ^Wallach, Markt 8. Tendenz: fest Lenden-: fest. 1C4.30 Redactton: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. 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Schweizer Nordost , West Gelsenkirchener Ver. Kön.- und Laurahütte-Act. Oesterr. Mpine-Montan Pastillen, Parsümcrien und Toilettemittcl, Echt chinesische Tlzees. 1373,60 3881,97 485,94 173,07 53,20 225,- 368,70 26,26 629,21 106 30 Oesterr. Silberrente. ICO40 Rufs. Orient m. 5218] Tüchtige Rock« und Hosen- Arbeit^gesucht. G^br^Stamm^ er.er reußev inner Gutzstahlactien ’ersuchen Sie gefl. ^55 Schusters Caffee« In der Aula der höheren Töchterschute Freitag den 20. Juni Vortrag von Fraulein Natalie Köhler. 1890. 221.20 190.20 98.40 167-90 Sicherheits-Zweirad, gut erhalten, zu kaufen gesucht. Offerten unter 8 K 20 an die Exped. d. Bl. Wegen vorgerückter Saigon gebe sämmtliche noch aus Lager habenden Somnier*Uiäiiitoge9 Jaquets und Promeaades Oeffentlicher Dank. Wir erachten es als eine angmehme Pflicht, unserem hochverehrten Principal, Herrn Cigarrensabrikanten Gust. Müller nebst Gemahlin aus diesem Wege unseren herzlichen Dank für die am Dienstag veranstaltete Feier abzustatten, indem wir uns zugleich erlauben, auf das schöne Ver- hältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitern hinzuweisen, in der Hoffnung, daß dasselbe noch lange sortbestehen möge. Gießen, den 19. Juni 1890. [5241 Sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Arnold Müller. tt. T Zireitag, 20. 6. bends 8 U. Conf. I. Gr 5213 Tapeten-Reste S von 5 bK 20 Rollen, durchweg schöne und fast nur neuere Muster, empstehll in größter Auswahl zu bedeutend ermäßigten Preisen Heinrich HochstäHer, Eisenlieferung Voranschlag, Pläne und Bedingungen liegen auf Großh. Bürgermeisterei Geilshausen zur Einsicht offen. GouVEDemcht von E. WasserschlsbeE, Bankgrschast. K«ar»N«rtKr DSrfs vom IS. Juni 1890. Schlutzcovrs- 1 Uhr 15 Min. Mr 8chuhmacher Mehrere jüngere Schuhmacher finden sofort dauernde und lohnende Beschäftigung. Wallerstein St Liebmann, Schuhfabrik, Offenbach a. M. 5229 107.20 4 pCt. Ungar. 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Amtsgericht. Landmann. 5225 5184] Gut empfohlenes Mädchen, tüchtig im Kochen wie in Hausarbeit, zum 1. October für kleinen Hausstand 'gesucht. _______Gartenstraße 14, 2. Stock. 5238] Gesucht ein jüngeres Mädchen zur AuShülfe. Kreuzplatz 3, 2. Stock. 5220] Ein zuverlässiges Dienstmädchen mit guten Zeugnissen findet zum 1. Juli oder später gute Stelle. Löberstraße 21, Ecke der Bleichstraße. Zklbstverschuldete Schwäche der Männer, Pollut., sämmtl. Ge» schlechtSkrankh. heilt sicher n 25jähr. pract Erf. Dr. Mentzel, nicht appro- birter Arzt, Hamburg, Kielerstraße 26. Ausw- brtefl [1836 2052] Ein Tchreinerlehrling gesucht» ~ Nordanlage 28. Fabrikation chemisch-technischer Präparate für Haushaitun g^LandwirnTsehaftmTdG^^rte^^^^^^^J - XVIII. Wal-M*L i Freitag Abend heaoe Probe. Nächste Gegammtprobe ™ Otto Schaaf, Liessem bsg Seltersweg Nr. 39. _____ NerheUcht Eiseudahskv. Anstrich von Dachpappdächern. Der Anstrich von ca. 3000 qm Dachpappdächern im hiesigen Bahnhof soll im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Die Bedingungen sind auf dem Bureau des Unterzeichneten bis zum Eröffnungstermin am 23. Juni l. IS., Vormittags 10 Uhr, zur Einsicht offen ßelegt. Roth, 5240 Großh. Eisenbahnbaumeister. Vergebung von Buuarbeiteu. Die zur Erbauung eines Schul- ;auses für die Gemeinde Geilshausen erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege mündlichen Abgebots am Donnerstag den 26. d. M., Vorwittclgs 9 Ubr, im Gemeindehaus zu Geilshausen vergeben werden und zwar: veranschlagt zu Erd- und Maurerarbeiten, 3520,84 «X. 5222] Eine schöne Wohnung, 5 bis 6 Zimmer, in schöner freier Lage per 1. Septbr. zu miethen gesucht. Offerten an bh Exped. dieses Blattes abzugeben._____________ 522dl Ein» eingeiührte Thüringer Flanell Aabrik sucht für die Provinzen Kur- und Oberhessen einen tüchtigen Vertreter. Offerten unter Nr. 5226 alsbald an die Exped. d. Bl. erbeten. 5227] Ein Kellner sucht Stellung bis zum 1. Juli oder auf sogleich. Näheres in der Exped. d Bl. Verkehr, €anö- nnö Volk»»r>irtys Eltern, insbesondre ben auf Arbeit abroefenben Müttern, viele Sorge ' abzunehmen; die Bilbung von Jünglings- unb Jungfrauen-Vereinen, von Strick- unb Nähschulen — bies alles kann unter ber verständigen Leitung eines Geistlichen zum Mittel werben, nicht blos ihn selbst ben verschiebens Volksschichten, fonbern auch bie verschiebenen Stänbe untereinanber näher zu rücken. Die Verbreitung guter Schriften hat schon bisher einen großen Umfang angenommen unb ist von beträchtlichen Erfolgen begleitet, aber einer noch viel größeren Erweiterung bedürftig und fähig; namentlich gehört auch bie Fürsorge für Lectüre periobischer einschlagenber Blätter hierher (wie Arbeiterfreunb, Sonntagsblatt, Sonntagssreunb unb begleichen mehr). Nicht minder ift es von großer Wichtigkeit, die confirmirte unb bereits in bie Arbeit mit eingetretene Jugenb zu angemessener unb an- regenber Geselligkeit zu sammeln, wie benn auch für Erwachsene bie in rascher Entwicklung begriffene Bilbung von Arbeitervereinen aufs Angelegentlichste empfohlen werben muß. Wo irgenb möglich, ist es auch in den Städten, wie auf bem Laube zu versuchen, baß ber Geistliche in freien Versammlungen, oerbunben mit Rebe unb Gegen- rebe, ben Arbeitern unter bie Augen tritt unb Vorurtheile zerstreut. Fehlt einem Geistlichen bie Gabe bazu, so finbet sich unter ben übrigen Geistlichen einer Diözese wohl einer ober ber anbere, ber für ihn eintreten kann. Nöthigenfalls mögen sich auch Geistliche unb Nichtgeistliche miteinanber oerbinben, um unter einhelligem Zusammenwirken in Gottesbiensten, Conserenien unb sonstigen Versammlungen Aufklärung über bie einschlaaenben Fragen zu verbreiten unb die Gewissen zu schärfen. Unter allen Umftänben aber, namentlich auf bem Lanbe, erachten wir es als eine befonbere Pflicht ber Geistlichen, in unb außer ben Conferenzen die Volksschullehrer vor ben In Rede stehenben Verirrungen zu behüten unb ihre Mitwirkung zur Bekämpfung berselben zu gewinnen. Zu allebem hat, wie sich bas wohl von selbst versteht, bie kräftige Unterstützung aller Bestrebungen unb Vereine ber inneren Mission, biefer treuen Helferin ber Kirche, zu treten. Zugleich aber wollen wir nicht unterlassen, barauf hinzuweisen, baß ein evangelischer Geistlicher auch ben auf allgemein menschlichem Gebiete sich bewegen- ben Wohlfahrtsbestrebungen unserer Zeit, wie ben Vereinen zur Herstellung gesunber Arbeiterwohnungen, ben Volksküchen, Siechen- unb Feierabenbhäusern unb bergleichen nicht kalt ober gleichgittig gegenüberstehen barf. Die Förberung ber materiellen Wohlfahrt ber Arbeiter unb ihrer Familien ift auch eine ber Voraussetzungen für bie Hebung ihres religiös-sittlichen Lebens. Wir beuten nur an; aber auch aus biesen wenigen Andeutungen ergibt sich sckon, welche Fülle von Mitteln unb Wegen bem geistlichen Amte zu Gebote steht, um seinerseits mitzuhelfen, baß bie Kluft zwischen Besitzlosen unb Besitzenben geschlossen, ber unheimliche Geist ber Verbitterung übermunben, bas ungebulbige unb gewaltsame Drängen nach unklaren Zielen gezügelt unb so ben drohenben Gefahren für bie gesellschaftliche Orbnung unb bas gefammte Volksleben vorgebeugt werbe. Es ist dabei nicht unsere Meinung, baß Freitag den 20. Juni. (Siebener Anzeiger Beilage zu Rr. 140. - 1890 Bett.: 3 Betreffend: Betreffend.- Snnahmr folgenden T an die Diesen 30. v. Ms an Erledigu DasE an die < Nach! 1887 M jährlich ein seher und berichten, n Dieser Auflage no sendung bei 8 Tagen e: M L Ich an die ( Die I und Landst gegen Erhe bald hierhe Troßh. an Sie t «°b ®efuc6 «ntaufenbe K, yjjtnthd) di bngelegl Kaw^! "Uner 2*°röne Ql. ix S8etoih°9i ‘<5 SS Der „il 8W* Aloiilags- 51: ■y 8ei S' J'WrecI »t h bei — Brrweirdrrrr- »er «renrrügel. (Nachdruck verbeten.) Nur zu häufig fieht man bei den Lanbwirthen noch die alte unverständige Einrichtung, zwei Pferde mit einem Zügel zu lenken. Einmal ist dieses aus dem Grunde unpractisch, weil ein Lenken viel schwieriger, dann wird ein Zucken und Zerren an der Leine noth- wendtg, welches eine Quälerei für die Thiere ist. Verständige Pferdebesitzer werden nur Kreuzzügel benutzen. Jeder Versuch bringt dauernde Abnehmer des Holländ. Tabaks, 10 Pfd. fco 8 Mk. nur bei B. Becker in Seesen a. Harz. [156 Limburg, 18. Juni. (Fruchtmartt). Rother Weizen »M 18.95, weißer Weizen JL 18 55, Korn JL 1410, Gerste JL —, Hafer 3L 9.10, Erbsen , Kartoffeln JL Gehöfe mit 2 Stück Rindvieh. Im Kreise Darmstadt wurden in Pfungstadt seit dem 7. April acht Gehöfte mit 51 Stück Rindvieh, 6 Ziegen und 21 Schweinen und in Eberstadt am 9. April zwei Gehöfte mit 2 Rindern, 2 Ziegen und 8 Schweinm als verseucht angezeigt. Im Kreise Heppenheim wurde in Siedelsbrunn am 8. und in Unter-Schönmattenwag am 19. April je ein Gehöfte mit 2, bezw. 3 Stück Rindvieh verseucht befunden. In Reinheim, Kreis Dieburg, ist die Seuche seit 17. April in fünf Gehöften mit 50 Stück Rindvieh, 2 Ziegen und 34 Schweinm anfgetreten. In Vendersheim, Kreis Oppenheim, wurde sie am 25. April in einem Gehöfte mit 6 Stück Rindvieh festgestellt. In Siedelsbrunn und Unter-Schön- mattenwaag ist die Seuche bereits wieder erloschm. Auf dem Vieh- Hofe in Mainz wurde am 5. April der Ausbruch der Seuche bei einem Transport von 17 Stück Rindvieh festgestellt, welche am 31. März von Frankfurt a. M. oahtn mit der Bahn verbracht worden waren. Der Bläschenausschlag unter dem Rindvieh in Udenheim im Kreise Oppenheim, Bieben und Udenhausen, Kreis Alsfeld, Ober-Kleingumpen, Kreis Dieburg, und^ Gadern, Kreis Heppenheim, ist erloschen. — In Stangenrod, Kreis Gießen, und in den Orten des Kreises Schotten: Laubach, Götzen, Betzenrod und Steinberg herrscht die Seuche noch fort. Festgestellt wurde die Seuche am 3. April in Lörzweiler, Kreis Oppenheim, am 18. in Bönstadt im Kreise Friedberg, und am 22. in Blofeld, Kreis Büdingen, und in Uetzhausen, Kr. Lauterbach. Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Dorn- Assenheirn im Kreise Friedberg, in den Orten des Kreises Büdingen, Gelnhaar, Bergheim und Usenborn. Das Vorkommen von Viehseuchen in Hessen während des Monats April 1890. Milzbrand wurde festgestellt in Leihgestern, Kreis Gießen, am 17., in den Orten des Kreises Friedberg Södel am 11., Rendel am 21. und Rieder-Mörlen am 23. April, jedesmal bei einem crepirten Rindoiehftücke, und im Schlachthaus in Mainz am 22. April bei einem geschlachteten Schwein. Rotz. Das in Offenbach seither befindliche rotzverdächtige Pferd wurde am 2. April auf polizeiliche Anordnung gelobtet und frei von Rotz befunden. Die Maßnahmen über die der Ansteckung verdächtigen Pferde wurden daraufhin aufgehoben. Die Maul- und Klauenseuche in Gau-Algesheim und Heidesheim im Kreise Bingen, in Hillesheim im Kreise Oppenheim, sowie in den Orten des Kreises Büdingen: Nidda, Geiß-Nidda, Wallernhausen, Büdingen und Lorbach ist erloschen. Festgestellt wurde die Seuche in den Orten des Kreises Groß- Gerau: Bischofsheim am 7., Stockstadt am 11. und Gernsheim am 15. April, und zwar im Laufe des Monats April in Bischofsheim in zehn Gehöften mit 38 Stück Rindvieh, 13 Ziegen und 33 Schweinen, in Stockstadt in fünf Gehöften mit 13 Stück Rindvieh, 4 Ziegen und 10 Schweinen und in Gernsheim in einem BuxkiruStoff, genügend zu einem Anzuge, reine Wolle, nabelfertig, zu Ji. 5.85 H, für eine Hose allein blos JL. 2.35 H, burch bas Buxkln-Fabrik-Depot Oettinger & Co», Frankfurt cu M. — Muster-Auswahl umgehenb franco. [1168 Meisten. Und doch fehlen die heilkräftigen Pflanzen, wenn fie gebraucht werdm. Da gibt eS nun ein sehr gutes Mittel, um dm nöthigen Bedarf trotz Ernte zusammmzubringen; Kinder eignen sich nicht zum Sammeln, dmn sie bringm zu viel Hundscamille mit nach Hause — wohl aber alte Frauen, die ja schon die Tradition mit dem Worte „Kräuter" verbwdet. Alte, arbeitsunfähige Frauen gibt es auf jedem Gute, in jedem Dorfe, und wenn sie auch sonst sich zu jeder Arbeit zu schwach fühlen — zum Aehrmlesen sind sie sofort auf dem Felde. Da empfiehlt es sich nun, das Aehrenlesm nur denen zu gestatten, die vorher vier große Gebunde guter Arznei- camillen abgeliefert haben, selbstverständlich gegen Bezahlung, denn es ist nicht unsere Absicht, anzurathen, für Auflesen der abgebrochenen oder mit dem Halm auf dem Felde liegen gebliebener Aehren von Seiten armer Leute Geld bezahlen zu lassen. Aus diese Weise erhält man mühe- und kostenlos eine Menge dieser nützlichen Pflanzen und kann bei eintretendem Bedarf auch noch seinen leidenden Mitmenschen davon abgehen. Wie segensreich wirken oft Bäder von Camille durch ihre krampfstillende Eigenschaft bei kleinen Kindern und wie oft muß dies einfache Mittel unterbleiben, weil keine Camillen zur Hand sind. Gleichzeitig sei noch einer anderen Heilpflanze gedacht, des Wermuth ober bitteren Beifuß (Arthemisi» Absinthium), bie aber letber nur sehr selten in unserem engeren Vaterlanbe wilb wächst. Die guten Eigenschaften bes Wermuth sinb bekannt, ein kalter Aufguß auf bie gebörrten Blätter wirkt belebenb und stärkend auf bie Verbauung von Mensch und Vieh — Leuten, bie an Appetitlosigkeit litten, hat schon oft dieser bittere Trank vorzügliche Dienste geleistet und unsere Schäfer gebrauchen bie Blätter nebst einem Gemisch von Theer unb Salz mit Vorliebe als Arzneimittel gegen Verhüten unb sonstige Verbammgsstörungen ber Schafe. Ganz benfelben Dienst leistet bie Pflanze im Schweine- unb Kuhstall, wo man sie in ber Tränke reichen kann. Die Pflanze ist winterfest unb perennirenb, man braucht also nur einmal ein Beet anzulegen, bann hat man für lange Zeit genug gethan. Sarnen erhält man in jeber Samen- hanblung. Die Büsche sinb vor ber Blüthenentwicklung abzuschneiben, in kleine Bünbel zu binben unb wie bie Camille auf einem trockenen Boden aufzuhängen. 3 5181 Preis verkauft bei [4478 Nopulär-ualurmffenschaM. Peking vou Mio Weilert, Stuttgart. L 60 Pf. 122 Mäusburg 1 zu vermiethen. Turnfest I JtL von uut ober ohne Logis, II sowie ein kleines Logis zu vermiethen. 4522 Darmstädter Haus, Waltthorstraße 6. Der Vorstand des Turnvereins 5094 Telephon Ar. 55 Bier der Aclien-Bmucrei Gießen Jedes Quantum frei in’s Haus. 1359] 5 Lindenplatz 5. welche beim Transport durch Wasser etwas gelitten, werden weit unter von Gve. Roy & Co., Cognac, empfiehlt Emil Orbig Bahnhofstr. 30. Sonntag den 22. Juni, Nachmittags 4 Uhr. Nummeriere Plätzea3Mk und refervirte Plätze 1 Mk. find vom 20. Juni ab bei dem Hau-meister Herrn Heß, Prof. Dr. W., Spezielle Zoologie, Bd. I., br. M. 4., geb. M. 5. Ledebur, Die Metalle, br. M. 3.50, geb. 3JI. 4.50. Clarus, Die rationelle Ernährung, Gg. Scherer & Co., Langen. Alieiiffiäge Niederlage G. C. Windecker Seitereweg 2, Ecke am Kreuz. Ein großer Posten weiß und farbiger, leinener «. wollener 5202] Zehn importirte sprung- fähige Zuchtbullen, Simmenthaler Raste, gut in Formen unb Farbe, stehen zum Verkauf bei Gebrüder Hahn, Wenings. der Export-Ole. Tttr Deutscher Cognac, Köln a. Rh., Salier ring 55, ^beigleicherGüte bedeutend billiger als französischer. »Saa vorhinge stete Etiqnetwo mit unterer rirau Mreetor Verkehr ne i-»1t ’T