1890
Dienstag den 18. Februar
Nr. 41
Nachrichten.
— Aus Jena wird uns mitgetheilt: In der medicinischen Facultät der Universität habilitirt sich Dr. H. Häckel, ein Verwandter unseres berühmten Professors gleichen Namens. — Der Professor der Chirurgie, Geb. Ried, beging um 11. d. M. seinen 80. Geburtstag. Seitens der Studentenschaft wurde ihm ein Fackelzug dargebracht.
Literatur und Kunft
— Der Kamps gegen den Geheimmittelschwindel wird von den verschiedensten Seiten mit einem rühmenswerthen Eifer, leider offenbar nicht mit einem entsprechenden Erfolge geführt. Bekannt sind die Erlasse des Karlsruher Ortsgesundhettsraths, der es sich ganz besonders zur Aufgabe gemacht hat, das Publikum vor schwindelhafter Ausbeutung durch gewissenlose Medikaster zu gewinnen. Innerhalb der Presse ist es vor Allem die „Gartenlaube", die mit unermüdlichem Nachdruck alle Versuche verfolgt, den leidenden Mit- menschen durch werthlose Heilmittel ihr Geld aus der Tasche zu locken, und wenn irgend ein Blatt, so ist die „Gartenlaube" zu diesem Kampfe befähigt, da sie vermöge ihrer großen Auflage und ihres alle Schichten der Gesellschaft umspannenden Leserkreises am ehesten im Stande ist, die Stimme der warnenden Aufklärung überall hin dringen zu lassen. , Wie nokhwendig aber ein solches Wirken immer noch ist, das möge daraus entnommen werden, daß mit einem angeblich unfehlbaren, thatsächlrch vollständig nutzlosen Mittel gegen die Trunksucht nach zuverlässigen amtlichen Erhebungen in einem Jahre über 300,000 JC verdient wurden.
— Der Herriedener Laubsroschkalender, welcher in Würzburg erscheint und immer noch einer der drolligsten und best- illustrirtesten Volkskalender ist, hat dieses Jahr wieder in allen Gauen des deutschen Reiches und weiter darüber hinaus in Hunderttausenden von Exemplaren Verbreitung gesunden — ein Beweis, daß diesem überall beliebten Kalender trotz der großen Menge der auf deutschem Gebiete erscheinenden Volkskalender seine Freunde der ihn auszeichnenden Originalität wegen treu geblieben sind.
verkehr, Land« unS volkswirthschast.
Grünberg, 15. Februar. (Fruchtpreife). Weizen Uhr: Zum letzten Male: Der Dorfbarbier. Hierauf: Puppenfee. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Stumme von Portici. Gewöhnliche Preise.
Schauspielhaus.
Dienstag den 18. Februar: Alt-Frankfurt. Gewöhnliche Preise.
Mittwoch den 19. Februar: Die Ehre. Gewöhnliche Preise.
Donnerstag den 20. Februar geschlossen.
Freitag den 21. Februar: Die Ehre. Gewöhnliche Preise.
Samstag dm 22. Februar: Viel Lärm um Nichts. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 23. Februar: Neu einstudirt: Der Meineidbauer. Gewöhnliche Preise. |
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.
Bibelstunde heute Montag den 17. Febr, Abends 8 Uhr, in der Kleinktnderschule, Offenbarung Joh. Cap 2, von Vers 12 an, Sendschreiben des Herrn für die Gemeinde zu Pergamus. Pfarrer Dr. Naumann.
1 Pafftonsandacht am Mittwoch den 19. Februar, Abends 6 Uhr Pfarrer Dr. Naumann.
Gottesdienst der israelitischen Neligionsgesellschaft.
Freitag Abend 4ßo Uhr, Samstag Vormittag 8»° Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samstag Abend 60u Uhr.
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Bekanntmachung
Aus der Plockischen Stiftung sind von der Stadtverordneten- Versammlung mehrere Pfründen zu besetzen, welche unentgeltliche Ausnahme in dem städtischen Hospital solchen in Gießen geborenen Personen gewähren, „die durch kein lüderliches und verschwenderisches Leben in Armuth gerathen sind".
Bewerber wollen ihre Meldungen binnen 14 Tagen bei der unterzeichneten Stelle anbringen.
Gießen, am 15. Februar 1890.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
_____■__Gnauth._________________________
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Stiftungen der Frau Hosgerichtsrath von Krug und ihres Sohnes des Hofgerichtsraths Dr. Karl von Krug.
Anmeldungen zu dem B^uge von Zinsen aus den oben bezeichneten Stiftungen, welche nach Beschluß der Stadtverordneten - Versammlung vom 16. September 1875 an 30 Stadtarme, deren Auswahl dem Stadtvorstand zusteht, ausbezahlt werden sollen, sind bis zum 4. März d. I. schriftlich oder mündlich bei der unterzeichneten Stelle einzubringen.
Gießen, am 14. Februar 1890.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _____Gnauth._____________________1406
” Bekanntmachung.
Betreffend: Die Stiftung des Gemeinderathsmitglieds Friedr. Lony.
Anmeldungen zum Bezüge von Zinsen aus der oben bezeichneten
Stiftung, welche nach § 3 des Testamentes resp nach Beschluß der Stadt- verordneten-Versammlung vom 16. September 1875 an 18 Stadtarme, deren Auswahl dem Stadtvorstand zusteht, ausbezahlt werden sollen, sind 'bis zum 4. März d. I. schriftlich oder mündlich bei der unterzeichneten Stelle einzubringen.
Gießen, den 14. Februar 1890.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
____Gnauth._____________________1405
Holzversteigerung.
Es werden versteigert: Montag den 24. Februar d. I» aus den Districten Breiteloh, Steinweg, Neuhofsheege, Langebuchen, Hoherod, : Ochsenstall, Hainheege, Beltershainerwald und Alterhaag: Stämme: 191 Eichen mit 52 Fm., 10 Buchen mit 8 Fm., 166 Fichten mit 124 Fm. >
€af6 Ekel.
Fastnacht-DienStag: J1408
Früh-Concert mit Musik.
Nachmittags Fortsetzung bis zum Schluß bei trüber electrischer Beleuchtung.
Zur „Deutschen Einigkeit".
Dienstag -en 18. Februar r [1389
Tanzvergnügen mit Maskerade.
Anfang 5 Uhr Nachmittags. Ende 5 Uhr Morgens. Riemer.
107.25 4 pCt. Ungar. Goldrente
102 70
Wwe., Neuenweg 39.
Tendenz: fest.
eutzen
104.50
4 pCt. Gießener Obligationen —15 pCt. BuderuS-Obligationen ReichSbank-Dtscont 5 pCt. — Frankfurter Bank-DiSkont 5 pCt.
94 10
110.75
35500 194 50 168.30
13480
3660
183 50
8780
Disconto-Commandit-Antheile
Darmstädter Bank-Actien
Dresdener „ „
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Hause zu vermieden.
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Gotthard- „ „
Schweizer Nordost-Babn-Actien
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Gelsenkirchener Bergwerks-Actien
Oefterr. Alpine-Montan- ,
174,75 Bochumer Gußstahlactten Tendenz: fest.
237.00 17100
175.50
8900
94.50
76 50
69.00
Coursdericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft Hranrfnrter Börse vom 17. Februar 1890.
Schlußcourse 1 Uhr 15 Min.
993] Gewölbter Keller per März zu vermiethen Marktstraße 3.
1395] Zwei möblirte Zimmer iu vermiethen. Löberstraße 6, 1. Stock.
436] Ein kleines möblirtes Zimmer zu vermiethen. Eduard Noll, Neuftadt.
1354] Ein Stall mit Heuboden zu vermiethen-Weidengasse 16.
Berliner Handelsaesellsch.-Anthetle 186,50
Oefterr. Credtt-Actten 176.50
„ StaatSbahn-Actien 188 25
Lombard. Eisenbahn- „ 115-25
_ 5 „ Italiener Rente
106 45 Oefterr. Silberrente 102 65 Russ. Orient III.
Telegraphischer Coursbericht der Berliner Börse vom 17. Februar 1890.
Oefterr. Creditactten 177 90 Dtseonto-Tom-AntHeilik Mähler
Fort mit Bismarck!! — Wiederum wie 1884 und 1887 ziehen mit diesem Schlachtruf die Teutfch-Freifinnigen im Bund mit Ultramontauen und Sozialdemokraten in den Wahlkampf! Fort mit dem großen Reichskanzler, dessen Staatskunst dem neuen deutschen Reich 19 Jahre den Frieden erhalten hat, so tvnt's in diesen durch Haß und Neid gegen Bismarck verbundenen Reihen.
Ihr 10900 konservative und nationalliberale Wähler unseres Wahlkreises, die Ihr 1887 durch Eure Stimmabgabe eiumüthig für Bismarck und seine Friedenspolitik eingetreten seid, wollt Ihr den alten Reichskanzler jetzt im Stiche lassen? Hat er Euch bis heute nicht gezeigt, daß er es immer noch versteht wie kein Anderer, die deutsche Politik zu leiten zum Wohl des Vaterlandes? Gewiß, keiner von Euch will, daß des Reiches Geschicke einer von Richter, Wiudthorst, Bebel geführten Mehrheit anvertraut werde. Darum thue wieder Jeder seine Pflicht und wähle
den nationalliberalen Kandidaten,
den Landwirth Carl Schiente.
Wir wissen, daß uns die Erhaltung des Friedens schwere Opfer auserlegt. — Sind diese aber nicht dadurch ausgewogen, daß uns bisher die schrecklichen
Opfer eines selbst siegreichen Krieges, ja sogar die Kosten auch nur einer einzigen Mobilmachung erspart worden sind?
Wir wollen aber auch sesthalten an Bismarck's Wirthschasts- und Zollpolitik! Wer von Euch, Ihr Wähler, Hütte die traurige Lage von Industrie und
Landwirthschast sammt Handwerk vergessen, als noch der Freihandel in Deutschland regierte?
Wie steht es heute aus! Handel nnd Industrie blühen, die Ausfuhr deutscher Erzeugnisse kann siegreich den Kamps mit dem Ausland bestehen, der deutsche Arbeiter findet wieder lohnende Beschäftigung.
Der deutsche Laudwirth arbeitet nicht wehr umsonst, der Ueberfluthung Deutschlands mit fremdem Getreide ist Einhalt geboten. Trotz der Mißernte von 1889 sind aber die Getreidepreise nicht höher als unter gleichen Verhältnissen vor der Zollgesetzgebung.
Die entschiedenen Feinde all' dieser Zölle sind die Deutschsreifinnigen und Sozialdemokraten. Beide zusammen haben in dem letzten Reichstag den Antrag auf Aufhebung der landwirthschaftlichen Zölle gestellt und sobald sie an's Ruder kommen, schaffen sie diese und alle Zölle ab.
Was giebt es aber dann? Die Einkommen bis 60fr Mark müßten wieder besteuert, die Ermäßigung der Mund- und Gewerbesteuer ausgehoben werden. Für die abgeschafften Zölle kämen neue direkte Steuern und daneben wieder die Ueberschwemmung mit fremdem Getreide und fremden Fabrikaten!
Habt Acht, Ihr Wähler, daß Ihr nicht durch Schaden klug werden müßt! Wählt darum nicht den deutschfreisinnigen Rechtsanwalt vr. Gutfleisch, sondern wählt
den Mann Eurer Interessen und Wünsche,
den Laudwirth C a r l Schiente!
Die wucherische Ausbeutung des Volkes, der Wucher im kleinen Geldgeschäft, im Viehhandel und an der Börse lastet schwer auf weiten Volkskreisen. Diese Auswüchse und Schäden in unserem Verkehrsleben bekämpfen auch wir, - aber aus andere Weise als die Antisemiten. Mit der Aufwiegelung gegen alle Juden, unter denen sich neben noch so vielen Schuldigen doch auch Unschuldige finden, wird garnichts bezweckt. Den Wucher selbst muß man bekämpfen. Haben wir damit erst auf Dr. Böckel gewartet? Nein, schon 1880 wurde das Wuchergesetz eingeführt gegen die Stimmen der damaligen Fortschrittspartei, heute Deutsch-Freisinn genannt und viele Wucherer wurden seitdem gegriffen und gestraft.
Weitere Maßregeln gegen den Wucher, insbesondere ein Gesetz gegen den Viehwucher, erachtet der Landwirth Schlmke für nöthig ; — er kann am besten beurtheilen, was dem Landwirth frommt. — Er befürwortet Vereine gegen den Wucher, welche dem Wucher nachgehen und ihn zur Anzeige bringen, Vereine gegen den Schwindel der Abzahlungsgeschäfte u. s. w. *
Bedenkt, Ihr konservativen und nationalliberalen Wähler, daß eine Stimmenzersplitterung auf Dr. Böckel dem deutschfreistnmgen Candidaten Dr. Gutfleisch zu Gute kommt! Den zweimal besiegten Gegnern wollt Ihr doch sicher nicht zum Siege verhelfen!
Kommt wieder Mann für Manu zur Wahl und wählt
den Vertrauensmann der iomtoirtlie Weckessens, den Virepräfidenten unserer tandwidüfdinfttidien Vereine, den Gutsbesitzer Carl Schlenke.
Die berechtigten Beschwerden der Arbeiter erkennen wir an und haben das bewiesen durch Einführung der Gesetze über Krankenkasien, Unfallversicherung, Alters- und Jnvaliditätsversichernng. Die erforderlichen Reichszuschüsse liefern die angefeindeten indirekten Steuern! Gegen alle diese Gesetze haben die Deutsch- freifinnigen gestimmt. Arbeiter! Aus den letzten Erlassen des Kaisers habt Ihr gesehen, daß eine ausgiebige Arbeiterschutzgesetzgebung in Angriff genommen wird! Die Kinder- und Frauenarbeit, die Sonntagsruhe der Arbeiter rc. sollen gesetzlich geregelt werden. All' diese Bestrebungen finden einen aufrichtigen Freund in dem nationalliberalen Kandidaten Kerrn Gart Schlenke.
Alle» Uinsturzbewcgungcn, welche dem Arbeiter nur Schaden bringen, ist und bleibt er entschiedener Feind!
Ihr Wähler aller Stände, die Ihr festhaltet an Kaiser und Reich, die Ihr Frieden nach Außen und Frieden nach Innen wollt, bleibt nicht zurück am 20. Februar. Bleibt treu der alteu siegreiche» Fahne und wählt den
Gutsbesitzer Herr« Lari Nlrnki
auf dem Hardthof bei Gießen.
Hießen, im Aeöruar 1890.
das MMmmtee der mitionalliüeraten Partei
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Herrn Gutsbesitzer Carl Schlenks
auf dem Hardthof bei Gießen
Das nationalliberale Wahlcomite
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in Laubenhelm b. Mainz. —
Kataloge umsonst. [368
Zweimal haben ^die Nationalliberalenßdes 1. Hess. Reichstagswahlkreises ihr Banner glänzend zum Sieg geführt. Sie werden es jetzt im dritten Wahlkampf nicht sinken lassen, jetzt, da diese Partei auf Leben und Tod bekämpft wird von allen Feinden des Reichs und der Bildung, von allen Verschwörern gegen Staat und Monarchie, — bekämpft wird, warum? Weil sie die Partei des Reiches und der Bildung, weil sie die Partei des Staates und der Monarchie ist, weil ihr Sturz gleichbedeutend sein würde mit der vollständigen Unterwerfung der Reichspolitik unter die Herrschaft der Ultramontanen und der Anarchisten.
Wer das nicht will, wer nicht will, daß die Dämme eingerissen werden, welche durch die Zölle zum Schutze unseres Gewerbefleißes, unserer Landwirthschaft aufgerichtet sind; wer nicht will, daß im Jahre 1894 wieder ein Kampf um die Friedensstärke des Reichsheeres heraufbeschworen werde, ebenso leichtfertig wie der von 1886/87; wer nicht will, daß die deutsche Schule und die deutsche Wissenschaft ausgeliefert werde an ihre schlimmsten Feinde; wer nicht will, daß wir wieder eine Reichstagsmehrheit bekommen wie die, welche durch das Volksurtheil vom 21. Februar 1887 zu Fall gebracht worden ist, der gebe am 20. Februar seine Stimme dem Kandidaten der Nationalliberalen
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" 2- ”L:
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Dienstag den 18. Februar. (Siebener Anzeigen. Beilage zu Rr 41. - 1890.
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In der That hat man Erfolge damit erzielt. Die Besserung der letzten Tage scheint man darauf zurückfübren zu müssen, ob aber eine dauernde Beruhigung - erreicht werden wird, muß eine offene Frage bleiben. Bisher haben, wie die Cours- rückgänge, so auch die kurzen Erholungspausen stels nur ein neues Angebot hervorgerufen, weil man die Besserung als eine günstige Gelegenheit betrachtete, alte Engagements abzustoßen. , „ . .
Ich habe oben von Aussichten auf einen Niedergang der Coniunctur gesprochen. Es wird vielfach bestritten, daß Anzeichen dafür vorhanden seien, aber die Statistik für den Monat Januar zeigt zum ersten Mal seit Jahresfrist ein Anwachsen der Roheisendestände, und wenn ckßch nicht ausgeschlossen ist, daß hier nur eine vorübergehende Erscheinung vorliegt, so hat doch die Annahme daß in der Vermehrung der Bestände die in dem vorigen Bericht erwähnte Zuruckhaltung der Käufer zum Ausdruck kommt, viel Wahrscheinlichkeit für sich. Der Warrant- vreis in Glasgow halt sich unter fortwährenden Schwankungen auf dem vor- wöchentltchm Niveau. Das Vertrauen in seine Stabilität ist jedoch sehr gering. Englische Berichte stellen eher ein weiteres Zurückweichen als ein Steigen desselben in' Aussicht. Auch diese Ansicht spricht nicht für den Fortbestand der Eoniunctur, da schon im Jahre 1889 bet durchschnittlich höherem Warrantprets die Roheisen- Einfuhr um mehr als 36000 Tonnen gestiegen ist. Der Hauptconsument in Deutschland ist allerdings der Staat, und der hat bisher mit einer einzigen Ausnahme, willig die hohen deutschen Preise bezahlt, und auf die ihm andernfalls zuge allene Solleinnahme verzichtet. Aber der eine Ausnahmefall zeigt doch, daß das Prinzip des Schutzes der heimischen Industrie um jeden Preis - durchbrochen ist, und in letzter Linie bleibt daher die Frage entscheidend, ob unsere Werke bei den jetzigen Kohlenpretsen der ausländischen Eoncurrenz gewachsen sind Das zu beurthe len muß den Fachleuten überlassen bleiben. Die Antwort aber ist sowohl für die Etsen- als die Kohlen-Eonjunctur gleich entscheidend, denn beide sind so innig verknüpft, daß der Niedergang der ersten nothwcndig den Ruin der anderen herbeifuhrt.
Wenn Kohlen- und Eisen-Actien, welche während der Hausseperiode des verflossenen Jahres in einem Falle um 200 o/o, in vielen anderen um ungefähr 100% aesrtcgen sind, jetzt besonders stark betroffen werden und Esursetnbußen aufzuweisen haben, welche bis zu 80% heranreichen, so kann das nicht besonders ^Wunder nehmen. Nicht ganz so leicht verständlich sind aber die starken Rückgänge der Bank-Actten, weil diese die Eonjunctur voll ausnützen konnten, und bei sehr bedeutenden Rückstellungen erhöhte Dividenden zur Verthetlung bringen. Trotzdem stehen die Actien der leitenden Institute heute niedriger als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Man erwartet anscheinend kein günstiges Jahr für die Banken, weil durch die Wunden, welche die Ereignisse auf dem Montanmarkt der Börse geschlagen, die Emissionsthättgkeit lahm gelegt wird.
Aber selbst wenn dieser Fall eintritt, und die Dividende des laufenden Jahres der vorjährigen nicht ganz gletchkommcn sollte, so erscheinen doch die Course gerade einiger der besten Institute niedrig genug, um dem tnvestirten Capital noch immer eine gute Verzinsung zu gewähren. Die Handelsgesellschaft hat »hren Abschluß in der verflossenen Woche veröffentlicht, aber obgleich mitgetheilt wird, daß bedeutende Rese-ven durch niedrige Bewerthung der Bestände gelegt wurden, und bei 12 % Dividende eine wettere Rückstellung von 1000000 oorgenommen wurde, so ift doch auch dieses Resultat hinter den Erwartungen in der Börse zurückgeblieben.
Die Internationale Bank, die vor wenig mehr als Jahresfrist aus einem Berliner Bankhaus mit 20 Millionen Cavital gegründet wurde, verdoppelt heute ihr Capital ein Beweis zum Mindesten, daß auch noch Leute exiftiren, welche von der Geschästsentwickelung der nächsten Zukunft die denkbar günstigste Vorstellung haben. Die Course haben sich in den letzten Tagen wieder soweit erholt, daß der Stand vom Samstag der Vorwoche wilder erreicht wurde. Bemerkenswerth blrtbt die gute Haltung der von Wien abhängigen Werthe.
Bahnen sind im Gegensatz zu der allgemein schwachen Tendenz gut behauptet. Durer können sogar die beträchtliche Steigerung von 12 fL aufwetsen. Staatsbahn cedoren 2 fl., dagegen sind Nordwest und Elbthal 3 resp. 2 fl. gebessert.___________
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von E. Wasserschieben, Bankgeschäft.
Es liegt abermals eine Woche scharfer Coursrückgänge hinter uns.
Lawinenartig wächst die Bewegung, nicht weil neue sachliche Momente er; schwerend htnzutreten, sondern einzig aus sich selbst heraus und begünstigt durch die Engagementsverhältnisse. Die Beunruhigung wird in weite Kreise getragen und jedem Rückgang an der Börse folgen Angstverkaufe und Executtonm, und immer wettere Rückgänge sind die Folge. Daß gegenwärtig umfangreiche Verkäu c für das Publikum vorgenommen werden, ist nicht mehr zweifelhaft, aber die Summen, welche zur Veräußerung kommen, und mehr noch die Summen, deren Veräußerung bei wetteren Rückgängen droht, entziehen sich gänzlich der Berechnung, und diese Ungewißheit verstimmt und ängstigt die Börse mehr, als die Aussichten auf einen Niedergang der Eonjunctur. Bezeichnend ift, daß auch bei dem süddeutschen Publikum die Hoffnung auf eine baldige Wendung zum Besseren zu schwtndm beginn^ Rückgänge sind von der Frankfurter Börse und ihrem Hinterland ungeheure Summen des in Berlin abgestoßenen Materials ausgenommen worden, und mehr als einmal hat man dadurch den weichenden Coursen Halt geboten Ja letzter Zeit aber haben diese Ankäufe aufqehört, und es sind auch aus diesen Kreisen umfassende Verkaufsordres an die Börse gekommen, die nun ebenfalls auf die Courie drücken. Das war besonders am Montag und Dienstag der Fall, als dem Courssturz vom Samstag der Vorwoche ein weiterer Rückgang folgte. Angesichts der enormen Courseinbußen könnte man glauben, daß die Hausfepartei jeglichen Widerstand aufgegeben habe. Dem ist jedoch nicht so, da aber Interventionen dem ganz ungemein großen Verkaufsandrang gegenüber wenig nutzen, versucht man jetzt auf andere Weise der Bewegung Herr zu werden. Die Provinz oll der Haussemeinung wtedergewonnen werden.
Wie früher in den Blüthezeiten der Hausse, so wandern jetzt wieder die Circulare der interessirten Leute in großer Anzahl in die Provinz und verkünden einen baldigen Umschwung der Tendenz unter Hinweis auf dieses oder jenes be-
Renten lagen verhältnißmäßig schwach, wahrscheinlich unter dem Einfluß des steigenden Privatdiscontsotzes. Besonders wurden Ungarn von Wien aus gedruckt, doch bat sich auch deren Cours in den letzten Tagen wieder heben können. -
Veloce-Actien erlitten weiteren scharfen Rückgang. Am vorigen Freitag war der Cours 127, am Samstag wurde ec bis 109 geworfen, hob sich bann wieder bk! auf 114 und steht heute 104. Man war mit der Dividendenabschätzung bis 8 »/<> beruntergegangen: nach den neuesten Nachrichten ist auch das zu hoch und sind nur 5% zu erwarten, weil außerordentliche Verluste nahezu 4000000 Lire abforbiren. Die Verluste konnten der Verwaltung kein Geheimniß sein, aber in den veröffentlichten Einnahmeausweisen fehlt jedes Wort einer Andeutung.
Geld ist, jedenfalls im Zusammenhang mit der Uebernahme der 129 Millionen 3%% Reichsanleihe, theurer geworden in der letzten Zeit. Der Bankausweis zeigte aber wieder bedeutenden Rückfluß, der weit über die Parallelziffern der Vorjahre hinausgeht. Auffällig ist in dem Ausweis eine fortwährende Verminderung der Giro-Guthaben.
Prtoatdiscont 4%%.
Course der Frankfurter Börse.
Staatsanleihe«.
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öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 20. Januar 1890.
Großh. Ortsgericht Gießen- Vogt. db0
Diverse Obligationen.
‘ 104.35 I 4^o/gGrafHenkelv.Don- i I | nersmark, rückz. & 105 | I
macht sich die bayrische Serien- Oitü loos-Gesellschaft, für ihreMü-
r^lll* II W UmPIT glieder in der Serie bereits ge, | zogene StaatS-Anlehensloose zu
erwerben, welche bei der folgenden Prämienziehung unbedingt sewinnenmüffen. Jeden Monat eine Prämienziehung. Im Jahre 1890 kommen unter Hauvttreffer im Gesammtbetrag von ca. 700,000 JL Zur Vertheilung, 1tJ^nat^run: aünfttaften Falle aber fallen auf eine Gefellschafts - Abthellung ca. 1400 JL CeSraÄ 42-, V. jährlich JL 10 50, monatlich X .3.50. - Statuten ver- ^nJen [684] E. Wenger dr Cie, tn MTureLvu^Heustraße^Z^
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7 ./II.
14./II.
Cours vom 7./II.
14./II.
106 35
105.50
4Vs0/oPortug.-A. 88 u.89 96.35
96.10
106.65
106.50
5% amort. ©erb. Gold-
104.10
104.15
Rente .... 84.35
83.50
94.70
94.40
5o/oSerbischeEisenbahn-
102.10
102.10
Hyp.-Obl. L. A. . 86.90
87.80
102.40
101.80
4o/oSchwed.Oblig.I880r 102.85
102.90
95.55
95.30
lo/g Türken conv. . . 17.75
17.85
5o/o priv. Egypter. . . 104.30
104.40
76.45
76.—
„ Argent. Gold - Anl.
98.40
97.95
v. 1887 . . . 90.45
90.20
101.60
101.50
50/0 Südbahn Lombarden
103.40
103.40
103.70
103 75
40/0 do. do.
99.55
30/0 do. do.
64.35
64.20
103.30
103.10
40/0 Prag-Duxer Gold .
101.20
101.20
„ Rudolf Gold (Salzk.)
101.60
101.30
101.50
101.40
„ Franz-Josef Silber
83.60
83.05
106.10
—
30/0 staatl. garant. Jtal.
100.90
100.10
Eisenbahn . .
58.15
58.25
30/0 Livorneser . . .
65.35
65.-
82.70
82.80
4o/o Russ.Südw Eisenb.
92.70
92.35
80.60
80.30
40/g Wladikawkas garnt.
92.40
92.-
108.—
—.—
40/g gar. Sardin.Sec.stfr.
87.45
87-
«iseubahn-Aetie«.
175.70
164.55
168.20
110.—
178- 164.55 168.30 109.90
233.70
120.25
125.25
53.60
233.70
120.45
124.—
53.—
Lübeck-Buchner . . .
Mecklenburger . . .
Gotthardt.....
Jtal. Mittelmeer . .
138.50
®a«na
138.45
«dien* Dresdener Bank. . .
180.60
176.10
191.10
188.—
Mitteldeutsche Creditb. .
116.—
114.-
174.30
174.30
Wiener Bank-Verein .
105.75
106.25
133.60
133.70
Württemb. Veretnsbank
127.50
125.80
4<>/o Franks. Hyp.-Pfdbr. v. 86 ab . . . 3V20/oFrnks.Hyp.-Pfdbr. 4v/oPreuß.Hyp.-Act.-Bk.- Pfanodr. . . . WiO/o do......
40/o Preuß. Centr.-Bod.- Cred.-Pfandbr. bis 1885 .....
102.50
98.60
101.70
98.50
102 20
Pfand
98.60
101.70
98 50
101.70
briefe.
40/oDeutscheGrundschld.- Bk.-Pfandbr. .
3Vao/o do......
3V2% Rhein. Hyp.-Bank- Pfandbr. . . .
4% Meininger Pfandbr.
101.60
98.50
97.40
101.50
101.60
98.50
97.40
101.50
Oestr. 1860rfl.500-Loose „ 1854r fl. 250- „
4d/g Meininger Prämtm- Pfandbr. . . .
124.05
119.45
133.80
&>i
123.50
119.10
132.60
>se.
Braunschweig. 20 Thlr.- Loose . . . .
30/0 Oldenburger Loose.
3l/,»/gKöln-Mindn.Loose
107.60
133.20
140.70
107.30
133.50
At
60/gChic.Milw.f.St.Paul Prt., rückzahlb. 1910 .
5«/oCH>c.Mtlw.f.St.Paul Prt.', tückzahld. 1921 .
6o/vCentr.Pacff.I.Mrtg. rück.mhlb 1896 . .
«eritai
105.35
111 —
tiW &
116.50
105.45
111.—
senbahn-BondS.s 40/g Chicago Burlington
Nebraska 1927 . .
4i/a% California Pacis.
I. M., rückzahlb. 1912 60/gPacif.ofMissouri con-
solidated I. M. r. 1920
91.50
106.—
108.25
91.30
108.31