„Brauche Lisa nicht mehr, habe für meine kranke Frau eine ältere, erfahrene Person engagirt. Der Pastor soll für seine Schwester allein sorgen,- das ist seine Pflicht. Steher, Amtsrath." Der Amtsrichter wagte nicht aufzusehen. Wie würde Lisa diese Nachricht aufnehmen? Wie sollte er sie trösten? Doch da stand sie hoch aufgerichtet vor ihm. „Wenn der Amtsrath mich nicht braucht und auch Bruder Franz in seinem Hause keinen Platz für mich übrig hat, so gehe ich in die weite Welt- da wird sich schon ein Ort für mich finden, wo ich mir mein Brot erwerben kann und mich nicht wie ein überflüssiger Gegenstand zur Seite schieben lassen darf!" rief sie trotzig. Da wußte der Amtsrichter mit einem Male, was er zu thun hatte. „Aber ich brauche Dich, meine liebe tapfere Luise!" rief er „ich brauche Dich als meine Hausfrau, als mein geliebtes Weib, das mir den Himmel auf die Erde zaubern soll. Lisa, wenn Dir der Onkel Amtsrichter nicht zu alt ist —" Er breitete ihr die Arme entgegen. Sie warf sich hinein und stammelte: „Nur weil es so dunkel war, nannte ich Dich so, von nun an bist Du immer mein theurer Max." Lange hatte ihn Niemand bei seinem Vornamen genannt und als er zum Dank dafür die rothen Lippen küßte, lachte sie ihn schelmisch an. „So soll es immer sein!" rief er entzückt. „Kein Schmerz, keine Thräne mehr. Was zupfst Du mich, Harro? Aha, Du willst der erste Gratulant sein. Halt, Dir gefällt Deine junge Frau Amtsrichter auch?" Daß die Familie Schmidt, Fräulein Lina Böhm und mehrere große Damenkaffees diese ganze Verlobungsgeschichte höchst unpassend fanden, focht die Glücklichen nicht an- sie waren zufrieden, daß es so gekommen. gnum bonum, sekartoffel, wieher zu beziehen 6. G. «leinhmn, Bahnhosstrahe 59. s®* ueinhenng Delicat.-,M- 59. 1 Neues ramrkraut. [8532 1 E i er w garantirt frisch, J Mv 25 StücTl.ßO Mr.» ».15 Wtf,lOOStü(f 6.80 , [6660 k lNteld UM SchloWe b in Atz' rran von 'lir .___ Bleichstraße 5. 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Redaction, Expedition und Druckerei: rch»tstr«teItt.G« Fernsprecher 61, Amts- und Anzeigeblatt für den Atreis Giefzen. Annahme von Anzeigen zu drr Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borin. 10 Uhr. Hmtisöeitage: Hi-ßenrr KamMniöM-r. "'.'7-^7^".^, Amtlicher Shell. Bekanntmachung. Mittwoch den 22. d. MtS., Vormittags 10 Uhr, findet eine außerordentliche Sitzung des Kreistags des Kreises Gießen im Negierungsgebäude zu Gießen mit nachstehender Tagesordnung statt. Gießen, den 13. October 1890. Der Vorsitzende des Kreistags des Kreises Gießen. v. Gagern. Tagesordnung: 1. Prüfung der Ergänzungswahlen zum Kreistage, ig 2. Neuwahl eines Mitgliedes der Einschätzungs-Commission I. Abteilung im Steuercommiffariatsbezirke Grünberg für die Periode 1890/92. 3. Wahl der Sachverständigen für die nach dem Gesetz über die Kriegsleistungen vom 13. Juni 1873 vorzunehmenden Abschätzungen. 4. Wahl der Sachverständigen für die Abschätzung der durch die Truppenübungen veranlaßten Flurschäden. 5. Wahl je eines Wahlmannes zur Wahl der Vertreter der Arbeitgeber und der Vertreter der Versicherten in den Ausschuß der Landesversicherungsanstalt für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung. 6. Gesuch der Stadt Gießen um Entlastung von der auf sie entfallenden Quote des Gehalts der Kreisboten. 7. Gesuch der Stadt Lich um nachträgliche Uebernahme der Kosten des recurrensfieberfraufen Louis Börner von Apolda. 8. Gesuch des Wetterauer Obstbauvereins um Bewilligung eines Zuschuffes aus Kreismitteln. Bekanntmachung, den Ausbruch der Schafräude zu Harbach betreffend. Unter der Schafheerde zu Harbach ist die Räude aus- gebrochen und wird deshalb die Sperre über diese Heerde verfügt. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung und ist hierzu in jedem einzelnen Falle unsere Erlaubniß einzuholen. Zuwiderhandlungen gegen die angeordneten Schutzmaßregeln unterliegen der gesetzlichen Strafe. Gießen, den 13. October 1890. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. politische Ueberficht. Gießen, 14. October. Die Einberufung des preußischen Landtages soll, einer Meldung der „Nat.-Ztg." zufolge, einige Tage vor dem 18. November, dem Zeitpunkte des Wiederzusammentrittes des Reichstages, erfolgen. Falls sich diese Meldung bestätigt, so würde also der schon oft beklagte Uebelstand des Neben- einandertagens des Reichsparlamentes und der preußischen Volksvertretung diesmal gleich von Anfang des parlamentarischen Winterfeldzuges an eintreten. Wenn man maßgebenden Orts trotzdem an der Absicht einer so ungewöhnlich frühzeitigen Einberufung des preußischen Landtages festhält, so durfte wohl der dringende Wunsch hierbei bestimmend gewesen sein, die den Landtag diesmal erwartenden wichtigen Reformvorlagen möglichst bald in Angriff genommen zu sehen. Hoffentlich werden durch die Concurrenz der preußischen Landtagsverhandlungen die Arbeiten des Reichstages nicht empfindlich beeinträchtigt werden. Im Reichsamte des Innern wird am nächsten Freitag eine Conserenz von Sachverständigen und Negierungsvertretern stattfinden, um die dem Reichstage vorzulegenden Entwürfe, betr. die Abänderung der Patent- und Musterschutzgesetze, zu prüfen. Die schon früher seitens der Bundesregierungen wie aus den Jntereffenkreisen abgegebenen Gutachten über diese Entwürfe werden ohne Zweifel den Conferenzberathungen mit zur Unterlage dienen. Die Zeitungsnachrichten, daß zwischen der deutschen Reichsregierung und der österreichisch-ungarischen Regierung Vor- v-rhandlungen zur Herbeiführung eines beffereu handelspolitischen Verhältniffes zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn eingeleitet worden seien, finden durch einen bezüglichen Artikel des „Wiener Fremdenblattes" indireet ihre Bestätigung. Nur warnt das „Wiener Regierungsblatt" vor überschwänglichen Hoffnungen und betont wiederholt, daß der Versuch, ein gesicherteres und friedlicheres Verkehrsverhältniß zwischen den beiden poliüsch und wirthschaftlich einander so nahestehend.en Nachbarreichen herzustellen, sich zu einer mühevollen und dornigen Arbeit gestalten werde, bei der ein Mißlingen keineswegs ausgeschlossen sei. — Im deutschen Reichsamt des Innern sind die Berathungen über diesen wichtigen Gegenstand zwischen Commissaren der zuständigen Reichs- und Landesbehörden bereits im Gange. Der schweizerische Bundesrath hat die Wiedereinsetzung der gestürzten conservativen Cantonsregierung von Tessin beschlossen und hiermit dürfte die Tessiner Revolutionscomödie zu ihrem vorläufigen Abschlüsse gelangt sein. Indessen ist es I keineswegs ausgeschlossen, daß sie noch verschiedene Nachspiele findet, denn einerseits sind die Tessiner Clericalen ungehalten darüber, daß der eidgenössische Commissar Oberst Künzli auch fernerhin noch eine gewisse Controlle über die Cantonsregierung ausüben soll, und anderseits herrscht unter ihren liberalen Gegnern Unzufriedenheit mit dem erwähnten Bundesraths- beschluffe, da die liberale Partei des Tessin neue Drang- salirungen seitens des conservativen Regimes befürchtet. Solchen Versuchen wird jedoch der Bundescommissar Oberst Künzli sicherlich sofort energisch entgegenzutreten wissen, der überhaupt entschlossen ist, Ruhe und Ordnung im Tessin auch weiter nöthigenfalls mit Strenge aufrecht zu erhalten, wofür u. A. das Verbot der für Bellinzona und andere Orte des Canto ns angesagten liberalen Volksversammlungen zeugt. Jedenfalls wird erst von dem Ausgange der Wahlen zum Tessiner Großen Rath die endgiltige Neuordnung der Verhältnisse im Tessin abhängen. Die englisch-italienische Freundschaft droht durch das un- vermuthete Scheitern der Verhandlungen über die gegenseitige Abgrenzung der Interessensphären Englands und Italiens in Afrika ein Loch zu bekommen. Die in Neapel geführten Verhandlungen standen schon auf dem Punkte, befriedigend abgeschlossen zu werden, da erhob der Hauptvertreter Englands, Generalconsul Baring, plötzlich die befremdliche Forderung, die Italiener sollten sich, im Falle sie die wichtige Stadt Kassala besetzen würden, verpflichten, dieselbe den Egyptern zurückzugeben, sobald Egypten den Sudan wieder besetze. In diese Forderung glauben aber die italienischen Bevollmächtigten nicht einwilligen zu können und da auch die englischen Dele- girten nicht nachgaben, so zerschlugen sich die Verhandlungen. Die offieiöse „Agenzia Stefani" meint zwar, daß wegen einer Meinungsverschiedenheit über eine einfache Formel die bestehenden guten Beziehungen zwischen Italien und England sich nicht ändern würden, aber vorerst ist man in den italienischen Regierungskreisen sehr verstimmt wegen der Haltung Englands in den vorläufig gescheiterten colonialpolitischen Verhandlungen von Neapel. Es ist dies auch ganz begreiflich, denn Kassala würde den Italienern einen trefflichen Stützpunkt bei der Ausdehnung der Interessensphäre über den östlichen Sudan abgegeben haben, und nun sollen sie Kassala nur besetzen, um es später den Egyptern wieder zu übergeben — da kann mau es der italienischen Regierung nicht verargen, wenn sie über die wenig freundschaftliche Haltung Englands in dieser Frage stark verschnupft ist! Feuilleton. Wie es kam. Nooclleltc von H. Renö. (Schluß.) „Wann kann der Wagen morgen hier sein?" fragte sie, die kalten Hände an dem heißen Theeglas wärmend. „Jedenfalls sehr zeitig, auf dem Lande wird früh auf- gebrochen. Und darum müssen Sie recht ausschlafen. Nicht wahr, Sie versprechen mir, ein tapferes Mädchen zn sein und sich nicht zu fürchten?" Sie hatte ihm beide Hände gereicht und blickte ihn mit ihren dunklen Kinderaugen dankbar an. „Wie gut Sie sind und wie viel Mühe ich Ihnen mache!" stammelte sie. Die weiße, niedrige Stirn war ihm so nahe. Sollte er sie, wie er es früher oft zur „Gute Nacht" gethan, küssen? Da ging im Hintergrund eine Thür, verspätete Gäste kamen und warfen neugierige Blicke auf baS schöne Mädchen im Trauerkleid. „Gute Nacht," sagte er, eilig sich verabschiedend, „für den Abend habe ich noch eine Verabredung, doch morgen sehe ich wieder nach." Er hatte sie nicht geküßt und sie ihn nicht mehr „Onkel Amtsrichter" genannt. Am nächsten Morgen, als er zeitiger, wie es sonst seine Gewohnheit, die Fensterläden aufstieb, brach gerade durch graues Regengewölk ein Sonnenstrahl, so licht und warm, daß er unwillkürlich an Lisas gestriges Lächeln erinnert wurde. Uni) dann dachte er weiter, daß ihm eigentlich die schlanken, schwarzhaarigen Mädchen immer recht gut gefallen hätten und daß er begreifen könnte, wenn ein Mann, ein junger natürlich, Referendar oder Seconde-Lieutenant etwa, sich in Lisa verlieben würde. Ob sie heute wohl wieder durch Thränen tyn anlächeln würde? Doch das war ja Thorheit. Hauptsächlich kam es ja darauf an, daß feine Beschützerrolle ausgespielt wurde. Im Hotel kein Wagen, keine Nachricht. Lisa sah sehr bekümmert aus und willigte sofort ein, auf dem Bahnhofe nachzufragen. Auch hier nichts. Ganz niedergeschlagen, kehrte sie mit ihm zurück. Es war Sonntag- die Glocken läuteten und manche Kirchen- gängerin warf dem Amtsrichter und seiner Begleiterin spöttische Blicke zu. Lisa bemerkte es nicht, und er war froh, daß sie den häßlichen, dichten Schleier nicht über ihr süßes, trauriges Gesicht zog. Dann kam ein wunderschöner Tag, so schön und froh, wie er keinen seit seiner Studentenzeit mehr erlebt zu haben glaubte. Im blassen Herbstsonnenschein wanderte er mit ihr durch die Stadt, zeigte ihr die alten Kirchen, die mit welken Blättern bedeckte Promenade. Und dann aßen sie in einem kleinen Vorstadt - Restaurant, wo ihn Niemand kannte, zu Mittag, und der Amtsrichter beneidete heimlich seinen Harro, der von ihren weißen Händchen liebkosend gezaust wurde. „Das war doch einmal ein seltener Tag," murmelte er, als er endlich am Abend seine verstaubte Junggesellenlampe ar.zündete. „Schade, daß morgen alles vorüber ist." Und der Wagen kam- er brachte aus Segenfelde einen Boten mit einem Briefe. Uneröffnet nahm er ihn mit zu Lisa. Er fand sie im vollen Reifeanzug, am Fenster feiner wartend. Als er hinaufgrüßte, dankte sie lächelnd. Und da war es wieder das sonnige Kinderlächeln, das ihm das Herz so warm machte. Und dieses Lächeln sollte fortan der alte Amtsrath sehen, vielleicht mit einem brummigen Knurren beantworten? Schauerlich! „Ein Bries ist gekommen, darf ich ihn vorlesen?" fragte er, absichtlich ihren Blick vermeidend. Sie nickte, während sie mit zitternden Händen sich an ihrem Reifetäschchen zu schaffen machte. Deutsches Aeich. Darmstadt, 13. October. Das heute ausgegebene Großh. Regierungsblatt Nr. 39 enthält: Gesetz, die Brandversicherungsanstalt für Gebäude betreffend. Vom 28. September 1890. Berlin, 13. October. Am 16. d. M. werden die sterblichen Ueberreste weiland Kaiser Friedrichs und seiner beiden Söhne, der Prinzen Joachim und Waldemar, aus der Sacristei der Friedenskirche, in der sie bisher beigesetzt waren, in das neuerbaute Mausoleum überführt, der Sarg Kaiser Friedrichs in der Gruft, die Särge der beiden Prinzen an Seiten des Altars beigesetzt werden. Dies wird im Beisein des. Hansministers von Wedell-Piesdorf, des Ober-Hof- und Hausmarschalls Grasen Eulenburg und Oberhosmeisters Grafen Seckendorff in Vertretung Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich geschehen. Am 18. d. M., am Geburtstage Kaiser Friedrichs, wird in der Gruftstätte eine Andacht abgehalten werden, der Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin und Kaiserin Friedrich und nur die allernächsten Familienmitglieder ohne jede Umgebung beiwohnen werden. Künftig, wenn der Sarkophag ausgestellt sein wird, soll die Gruft dem Publikum zugänglich gemacht werden. Paris, 12. October. Der deutsche Botschafter Graf Münster ist heute vom Präsidenten Carnot empfangen worden. Cardin, 12. October. Die Bergleute haben die von der Grubengesellschaft gemachten Concessionen abgelehnt und einstimmig beschlossen, den Strike fortzusetzen, bis ihre sämmtlichen Forderungen bewilligt sind. Neapel, 12. October. Wie die „Agenzia Stefani" erfährt, bestand die Forderung Sir Evelin Bärings, in Folge deren die italienisch-englischen Verhandlungen abgebrochen wurden, darin, daß die Italiener sich verpflichten sollten, falls sie Kassa la occupiren, dasselbe den Egyptern zurückzugeben, wenn Egypten den Sudan wieder besetze. In diese Forderung glaubten die italienischen Delegirten nicht willigen zu können. Die „Agenzia Stefani" fügt hinzu, daß die zwischen den beiden durch so viele hervorragende Interessen verknüpften Ländern bestehenden guten Beziehungen wegen einer Meinungsverschiedenheit über eine einfache Formalität sich nicht ändern werden. Neueste Nachrichten. WoM telegraphisches Lorrespondenz-Bureau. Berlin, 13. October. Den „Berliner Polit. Nachr." zufolge sind die Gesetzentwürfe betreffend die preußische Steuerreform jetzt schon sestgestellt. Die einschlägige Gesetzgebung werde sich schrittweise vollziehen- zunächst würden die Einkommen- und die Gewerbesteuer für sich reformirt- die Verwandlung der Ertragssteuern in Communalabgaben bliebe Vorbehalten- für das Einschätzungsverfahren und die Organisation der Veranlagungsorgane diene die bewährte sächsische Gesetzgebung als Muster- auch empfehle es sich, den Vorsitz in der Einschätzungscommission einem technisch geschulten Steuerbeamten zu übertragen, sowie eine oberste Recurs- instanz herzustellen mit der Ausgabe, die richtige Auslegung und einheitliche Handhabung der Steuergesetze herbeizusühren. Spandau, 13. October. Nach einer Anordnung des Kriegsministeriums sollen, dem „Anzeiger für Havelland" zufolge, in den königlichen Werkstätten künftig größere Entlassungen von Arbeitern thunlichst vermieden werden. Halle a. d. S., 13. October. Socialisten-Con- greß. In der heutigen ersten Hauptversammlung begrüßte Singer die auswärtigen Gäste, unter denen Mundberg-Kopenhagen, Ladour und Duc-Quercy-Paris, Anseele-Gent, Domela Nieuwenhuis-Haag, Branting-Stockholm, Pokorny, Hauser und Adler-Wien und Worski-Warschau sich befanden. Aus Antrag Bebels wurde den ausländischen Delegirten eine berathende Stimme in parlamentarischen, eine beschließende Stimme in anderen Fragen zuerkannt. Bebel erstattete sodann Bericht über die Parteileitung und gab einen Ueberblick über die Entwickelung der Partei in den letzten 20 Jahren- er erklärte, die Partei müsse ihre bisherige Tactik beibehalten, zumal die ausländischen Freunde in demselben Sinne thätig sein wollten. Bei einer Darlegung der materiellen Entwickelung der Partei gab Bebel das Parteivermögen am 1. October 1890 auf 171,829 Mk. 20 Pf. an. Bebel kündigte sodann den Kamps gegen den Ultramontanismus an und empfahl schließlich die Gründung von socialistischen Zeitungen für die Landarbeiter, besonders auch eines polnischen Blattes. Einen Antrag von Schmidt-Berlin auf Einsetzung einer Commission behufs Erörterung der persönlichen Streitigkeiten zwischen der Parteileitung und Berliner Genossen, welcher von v. Vollmar befürwortet wurde, lehnte die Versammlung ab, nachdem sich Bebel dagegen ausgesprochen hatte. Halle a. d. S., 13. October. Socialisten-Con- greß. In der heutigen Nachmittags-Sitzung wandten sich die Berliner Delegirten Metzner und Berndt gegen Werner, welcher über die Haltung der Fraction gegenüber den Berliner Genossen Klage geführt hatte. Auch Grillenberger rechtfertigte die Haltung der Fraction gegenüber Werner. Das Treiben gewisser Berliner Elemente sei eine Schmach für die Partei. Die Berliner Clique habe die Handlungen der Fraction aufs Gehässigste angegriffen. Er wünsche ebenfalls die Einsetzung einer Commission behufs Untersuchung verschiedener Zwistigkeiten, wie solche auch von anderer Seite — Janiszewski und Stadthagen — beantragt worden. In dieser Commission werde er gegen Werner, den er nicht als Parteigenosse ansehe, verschiedene denselben gravirende Dinge Vorbringen und beweisen. Bebel erklärt sich mit der Einsetzung einer Commission einverstanden. Detmold, 13. October. Gutem Vernehmen nach beab- : sichtigt die Regierung, nachdem das Regentschaftsgesetz nicht zu Stande gekommen ist, von allen weiteren Schritten zur Herbeiführung einer gesetzlichen Lösung der Regentschasts-, bezw. Thronsolgesrage abzusehen. Bern, 13. October. Morgen wird hier von den diplomatischen Vertretern der Mächte die internationale Uebereinknnft, betreffend die Eisenbahnfrachtrarise unterzeichnet werden. Prag, 13. October. Während der Demolirungsarbeiten an der Karlsbrücke stürzte ein Theil eines Brückenbogens ein, wobei 14 Personen, darunter 2 Genieoffiziere, verletzt wurden. Haag, 13. October. Der Justizminister und der Minister der Colonien haben sich heute früh zu dem König nach Schloß Loo begeben. Es wird dies mit der heute abermals stattfindenden Consultation der Aerzte in Verbindung gebracht. Paris, 13. October. Dem „Soir" zufolge ist der Director der Pulverfabrik vonMoulin, Blanc, von der französischen Regierung osficiell der russischen Regierung zur Verfügung gestellt worden, um in St. Petersburg eine Schießbaumwollenfabrik herzustellen. Lille, 13. October. Der Marxisten-Congreß sprach sich für einen baldigen internationalen B er gar beit er- strike aus und beschloß, für den 1. Mai 1891 eine internationale Arbeiterkundgebung zu Gunsten des achtstündigen Arbeitstages zu orgauisiren. ■ Madrid, 13. October. Der Minister des Auswärtigen, Herzog von Tetuan, soll, wie er dem italienischen Gesandten versprochen hatte, die gerichtliche Verfolgung derjenigen Redner des Katholikentags von Saragossa verlangt haben, deren Ausführungen gegen den König von Italien gerichtet waren. Lissabon, 13. October. (Reuter-Meldung.) Das neue Cab in et soll in der am 11. October angegebenen Zusammensetzung gebildet sein. (Die damalige Liste lautete: Abreu e Sonza: Präsidium und Krieg- Antonio Candido: Inneres und Unterricht - Sabrandao: Justiz - Metlo Pouvea: Finanzen- Antonio Enneo: Marine- Barbosa Bocage: Auswärtiges- Thomas Ribeiro: Oeffentliche Arbeiten.) Cocotes rrnd KrsVinziettes. Gießen, 14. October. — Herr Lic. W. Baldensperger, Prediger an der neuen Kirche und Privatdocent an der Universität Straßburg, hat einen Ruf als außerordentlicher Professor der Theologie an die Universität Gießen erhalten und gedenkt demselben zu Beginn des Wintersemesters Folge zu leisten. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 16. October 18 9 0, Nachmittags 4 Uhr: 1. Gesuch des W. Weidtmann um Ertheilung der Con- cession zum Wirthschaftsbetrieb. 2. Die Vergebung der Wald- culturlöhne im Stadtwald für 1891/92. 3. Decretur von Kostenrechnungen. 4. Erbauung einer Turnhalle für das Realgymnasium. 5. Gesuch des L. Reiß .um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen. 6. Die Verpachtung der städtischen Bleichen, hier Beschwerde des Hermann Treppinger. 7. Fleischbeschau bei Pferden. 8. Festsetzung der Schlachtgebühren. 9. Voranschlag der Plockischen Stiftung für 1891/92. 10. Desgl. der Armenkasse. —. Die 16. ordentliche Hauptversammlung des Thier- schutzvereius für das Großherzogthum Hessen findet am Mittwoch den 5. November, Nachmittags 3ll2 Ufyr, zu Groß-Umstadt im Gasthause „Zur goldenen Krone" statt. Für die Versammlung ist folgende Tagesordnung aufgestellt: 1) Protokoll der letzten Hauptversammlung. 2) Rechenschaftsbericht für 1890. 3) Nechnungsablage für 1889. 4) Kassenbericht für 1890. 5) Voranschlag für 1891. 6) Erneuerung des Ausschusses. 7) Anträge des Ausschusses. 8) Etwaige Anträge der Mitglieder. — Die Reichsbank hat den Discont auf 5i/2 pCt. und den Lombardzinsfuß für Darlehen gegen ausschließliche Verpfändung von Schuldverschreibungen des Reiches oder eines deutschen Staates auf 6 pCt., gegen Verpfändung sonstiger Werthpapiere und Maaren aus 6!/3 pCt. erhöht. — Die neuen lO Pfennigstücke befinden sich bereits in Circulation. Dieselben haben die gleiche Größe wie die alten, jedoch ist die Prägung des Adlers eine veränderte. * * Gambach, 12. October. Die hiesige Pfarrstelle, die seit diesem Frühjahre, seit dem Tode des Herr Pfarrvicars Melior, erledigt war, ist dem Herrn Pfarrverwalter Graf von Griedel, der die Stelle seither interimistisch verwaltet hat, übertragen. Derselbe ist am heutigen Tage der Gemeinde vorgestellt. Dieser Tag ist von der ganzen Pfarrgemeinde mit Freuden begrüßt worden, denn es kommt dadurch wieder Regelmäßigkeit in die Haltung der Gottesdienste. X Trais-Horloff, 12. October. Heute wurde vor sehr zahlreich versammelter Gemeinde der Vicar Ludwig Hein aus Darmstadt in sein neues Amt eingesetzt. Vermiete*. * Darmstadt, 13. October. Bei der vorgestrigen Ver- loosung der Darmstädter Pferdemarkt-Lotterie fielen der 1., 2., 11. und 15. Preis nach Karlsruhe, der 3. nach Alzey, der 4. nach Constanz, der 5. nach Blofeld, der 6. nach Durlach, der 7. und 9. nach Frankfurt, der 8. und 18. nach Darmstadt, der 10. und 19. nach Selzen in Rheinhessen. Die Badenser waren nach Vorstehendem ganz besonders vom Glück begünstigt. * Mainz, 12. October. Die Furcht vor einer Prüfung hat hier einen Selbstmord veranlaßt. Heute früh fand der Friedhofsausseher auf einer Bank vor dem Eingänge zum christlichen Begräbnißplatz den Gerichtsaccessisten und Lieutenant der Reserve Paul Thurn, von zwei Schüssen in die rechte Schläfe getroffen, im Todeskampfe. In seiner Tasche fand sich ein Zettel, worauf er die Worte geschrieben: „Liebe Eltern, verzeihet mir, der Tod trat plötzlich an mich heran. Ick wollte nicht nach D." Dieses D. bedeutet Darmstadt, wo Thurn sich morgen der juristischen Staatsprüfung unterziehen sollte. Die Auffindung des Sterbenden wurde durch den aus dem Friedhose gehaltenen Bernhardinerhund vermittelt, welcher seinen Herrn in die Gegend geführt, die Einfriedigung übersprungen und durch Bellen aus den im Sterben liegenden jungen Mann aufmerksam gemacht hatte. * Frankfurt, 13. October. In der Nacht vom Samstag aus Sonntag, Morgens nach 2 Uhr, gerieth ein aus dem Cafe Bauer heimkehrender Herr mit zwei ihm am sogenannten Fratzeneck entgegenkommenden Männern aus völlig nichtssagendem Grunde in Streit- den Worten folgte die That und der aus dem Cafe Bauer gekommene Herr stürzte, von einem wuchtigen Schlage getroffen, blutend zusammen. In Folge seines lauten Rufens nach Hülfe und Wächter begaben sich die beiden Anderen auf die Flucht, als der Eine von ihnen am Breul'schen Hause plötzlich mit dem Rufe: „Ich bin gestochen!" zusammenstürzte. Man fand ihn mit einer klaffenden Wunde am Halse. Die sofort nach der That eingeleitete Untersuchung hat festgestellt, daß der Verwundete nicht von dem Geschlagenen, sondern von einem ihm entgegenkommenden, gänzlich fremden und unbetheiligten Mann gestochen wurde, der nach der That spurlos verschwunden ist. Nach der Aussage des Gestochenen sind ihm zwei Männer entgegengekommen und von diesen habe einer die That verübt. Die Verwundung hat sich als nicht lebensgefährlich herausgestellt, die Wunde ist zwar eine tiefe, es wurde aber keine Schlagader getroffen. Der Zustand des Verwundeten, der sich im Bürgerspital befindet, ist nicht besorgnißerregend. * Frankfurt, 13. October. In der Nacht zum Sonntag ist in der Nähe der alten Brücke ein etwa 40 Jahre alter Mann im Main ertrunken und die Leiche Sonntag Vormittag geländet. Verletzungen finden sich an derselben nicht. Der Wirth „zur Schmidtstube" will gegen 3 Uhr Hülferufe gehört und beim Herausschauen aus dem Fenster einen Mann sich haben entfernen sehen. Er habe daraus gefolgert, daß ein Mensch in den Main gestoßen oder selbst hineingefallen sei. Die Persönlichkeit des Verlebten ist noch nicht festgestellt. Irgendwelche den Verdacht eines Verbrechens begründende Thatsachen sind nicht bekannt. H—Efchwege, 13. October. Hier haben die sämmtlichen Cigarrenfabriken den Betrieb eingestellt und ihre Arbeiter, 300—400 Personen, nach vorausgegangener Kündigung entlassen. Dieser ungewöhnliche Vorgang ist auf folgende Umstände zurückzusühren: Die Cigarrenarbeiter hatten vor Kurzem von ihren Arbeitgebern eine Lohnerhöhung gefordert, doch war dieselbe mit Rücksicht auf die gegenwärtige schlechte Geschäftslage und die Thatsache, daß die Cigarrenarbeiter die bestbezahltesten Arbeiter in Efchwege seien, ab- schläglich beschieden worden. Ferner hatten die Fabrikanten die Forderung an die Arbeiter gestellt, um angeblich weiteren übertriebenen Lohnansprüchen vorzubeugen, aus dem Bremer Fachvereine der Cigarrenarbeiter auszutreten. In Eschwege besteht nämlich eine Zweigniederlaffung oder Zahlstelle dieses Vereins und gehören die meisten Cigarrenarbeiter ihm an. Die Cigarrenarbeiter wollten aber von dieser Forderung, die sie für ungerechtfertigt hielten, nichts wissen, auch bestanden sie auf der geforderten Lohnerhöhung, sowie bessere Bezahlung der Frauen- und Anfängerarbeit. Infolge dessen haben sich die Fabrikanten gegenseitig verpflichtet, nur noch solche Cigarrenarbeiter in Zukunft zu beschäftigen, welche dem Bremer Fachverein nicht angehören. Den bisherigen Arbeitern wurde aber sämmtlich gekündigt und da sie von ihrer Forderung nicht abgehen wollten, auch am Samstag ihre Entlassung zur Thatsache. Dadurch ist natürlich manche Arbeiterfamilie der Sorge und Noth preisgegeben, was umsomehr zu bedauern ist, als der Winter mit seinen vermehrten Ansprüchen für die Familie vor der Thür steht. * Nanzhausen (Kreis Marburg), 13. October. Am Freitag Abend kam hier das 6jährige Enkelchen des Georg Becker von der Wüsteburg auf recht bedauerliche Weise ums Leben. Georg und Heinrich Becker von der Wüsteburg begaben sich in den Wald, um Holz zu holen. Als sie nach einiger Zeit mit einem ca. zweieinhalb Meter langen Stück auf der Schulter wieder aus dem Walde heraustraten, begegnete ihnen der Ackermann Jakob Sauer aus Lohra. Da sie anscheinend fürchteten, von diesem erkannt zu werden, so gingen sie in den Wald zurück und warfen das Holz von sich, wobei jedoch der kleine Georg Kuhl, welcher mitgelaufen war, dergestalt am Kopfe getroffen wurde, daß er kurz nachher starb. * Wörishofen, 10. October. Rothschild bei Kneipp. Der Bankier Rothschild aus Wien ist vor einigen Tagen hier eingetroffen, um den Pfarrer Kneipp, welcher durch seine Kaltwasserkuren bekannt geworden ist, zu consultiren. Da er im Orte selbst keine Unterkunft finden konnte und auch im benachbarten Türkheim (Bahnstation Wörishofen) kein paffendes Zimmer fand, zog er es vor, in seinem Salonwagen auf der Station Türkheim weiter zu logiren. Der Herr Baron spaziert jeden Morgen wie alle anderen Curgäste, ob Grasen, Bürger oder Ballern, aus Anordnung des Pastors, barfuß durch die nassen Wiesen nach Wörishofen. Er ist begleitet von einem Diener, der ihm die trockenen Schuhe und Strümpfe nachträgt. * Wunderbare Rettung. In München wurden dieser Tage, Vormittags 9 Uhr, unter einem Canaldeckel am Oberanger Hilferufe vernommen. Nachbarn machten sich sofort daran, den Deckel zu öffnen und eine Leiter in den Canal hinabzulaffen. Hier entdeckten sie einen zehn Jahre alten Knaben, welcher an der Leiter emporstieg und abgesehen von einer Schürfung, die der ihm auf den Kops gefallene Canaldeckel beigebracht hatte, ganz wohlbehalten war. Der Knabe, seit Samstag Nachmittag als vermißt angemeldet, war nämlich am Samstag Nachmittag gegen 3 Uhr, als er im Hof eines ©aruntet Und Mdeh r, f bet $ ®tlB non J»"° "Looer.* Stritt „ |i ginnen Doch Denn Einiges über Auf einem SMi h(r Mereburg machte ein einsMkB Fuhm nicht übermäßig bela|tet kleinen Fäßchen und etl doch mehrmals an oer seinem gefühllosen Unke wurde. Das arme, v näherer Betrachtung der Mhe stehen blieb, ganz große Wunde aus der Quäler über diese wa wollte, benahm er sich los und jagte, im Tral namenlosen Schmerz e der Brust noch eine L doch wohl alle Mensch aufgefordert fühlen, so! entgegen zu arbeiten, i zu bewirken suchen. Ich habe mit ei Fachgenosien hoch gea feines Gutes vier Pf Gegenstand genommen Gefchwulste und Wun von schlecht passen das schlechtsihende R traurigen Erscheinung abscheuliche Weise; a denen die Pferde arm des Pferdes selbst b/e davon Anzeige machen, und bk größeren quält MmtWin an btt auf bk Brust ausübt,, «s oben erwähnten Oer mnn dies am Unter!! Pferd etwas geschont ui Waschungen vorgenvmr ^rden, aber wenn die emr ausgertebene Wun WO fe Th.: r >« Schi», S”. Mn Kirche, m den Retter, ^eßen (hi, »«8**Ä; i b Sterbtnbf» 1 9 Lilien »m,* Me durch \ ie ®fgenb otfiTunil 6er= 5 “& st®* ’ mÜf*** i «äiyä: n Wm- c Nichts- 2-Ä”'- ; ’« w»2 ? ft* Wer b ! .«» her * M dm $ufc: - : ,$i f<>Twt nach der 'C 8-Mi, d-tz d-r Be" 7' *er” d°u einem ita en unb unbeteiligten WJemn >t fputioS derschwnudeu ift tn 'hm zwei Männer °°be einer die Th-t ver- ! ; ntcht WpgeWlich nne tiefe, es würbe aber Zustand des Verwundeten, \\\ nicht besorgniserregend. der Nacht zum Sonntag ! ein etwa 40 Jahre alter ' ib die Leiche Sonntag Vor- nden sich an derselben nicht, will gegen 3 Uhr Hülseruse fus dem Fenster einen Mann '^abe daraus gefolgert, daß n oder selbst hineingchllen ten ist noch nicht feftgefiettt. es Verbrechens begründende er. hier haben die sämmt- i Betrieb eingestellt und ihre i, nach vorausgegangener .gewöhnliche Vorgang ist aus :en: Die Cigarrenarbeitel ■Zeitgebern eine Lohnerhöhung «sicht aus die gegenwärtige Hatsache, baß bic Cigarren- itcr in @fd)WSe 'eicn' abl ner hatten die Fabrikanten ellt, um angeblich weiteren ubeuQcn, aus dem Bremer auszutreten. In Eschwege iffung ober Zahlstelle dlejes n Cigarrenarbeiter ihm an. r von di-!°r F°rdermg, d'- ichts willen, auch bestrnide« Una, jowie belfert SBeyH infolge d-ßeu h-den |4 tte^urnchl°l»-C'S°E Ml^demBrwer F^ k.-bttinen Arbeitem Nwrde Ä ihrer F-rdenmz * L ibre SntlOng r« Ah"- ,z Qctobir. ’J® :but6) * . <*,,« des K>e°rz äW ,®r i"$Ut w«@t? bei» »°i° ’ g^a, lafob rotrbenj» biefem «ta""8U v°n f'* l* M * i wurde, *» » in >,int” D-r $' @ta|e«, • t($ 0Ägfeitet r-Miun8 ärtf'Xpt n°-^° nfjeit M* ' ' r-n 60 ' itiib av^' ^gnal- ■?■• " jlDf -nabt, 13 ’**' Lingcfandt. Gießen, 14. October. Einiges über das «nmmetgeschirr der Pferde. Auf einem Spaziergange, den ich vor wenigen Wochen nach der Wcllereburg machte, begegnete mir an der Steigung der Straße ein einspänniges Fuhrwerk. Dasselbe war nach meiner Meinung nicht übermäßig belastet, denn die ganze Ladung bestand aus mehreren kleinen Fäßchen und etlichen Körben. Allein das Pferd versuchte doch mehrmals an der Steigung auszuruhen, woran es aber von seinem gefühllosen Lenker stets durch kräftige Peilschenhiebe verhindert wurde. Das arme, schon etwas alte Thier dauerte mich und bei näherer Betrachtung der Sache bemerkte ich, da das Pferd in meiner Nähe stehen blieb, ganz deutlich, daß es eine offene, etwa thaler- grotze Wunde auf der Brust hatte, und als ich den unbarmherzigen Quäler über diese wahrhaft empörende Schinderei zur Rede stellen wollte, benahm er sich sehr ungezogen, peitschte weiter aus das Piero los und jagte im Trab davon. Wenn wir nun bedenken, welch namenlose» Schmerz ein solches Geschöpf, das bei einer Wunde an der Brust noch eine Last ziehen soll, auszustehen hat, so müssen sich doch wohl alle Menschen, die ein Herz für die gequälten Thiere haben, aufgefordert fühlen, solchen qualvollen Erscheinungen mit allen Kräften entgegen zu arbeiten, indem sie namentlich die Verhinderung derselben zu bewirken suchen. ± Ich habe mit einem hiesigen sehr tüchtigen und unter seinen Fachgenossen hoch geachteten Oeconomen, der zur Bewirthschaftung seines Gutes vier Pferde nöthig hat, Rücksprache über genannten Gegenstand genommen, und dieser erfahrene Mann erklärte mir, daß Geschwülste und Wunden an der Brust der Pferde tn der Regel nur von schlecht passenden Kummeten herruhrten. Demnach tragt das schlechtsitzende Kummetgeschirr zunächst die Schuld an diesen traurigen Erscheinungen und martert die armen Pferde aus eine ganz abscheuliche Weise; aber die Hauptschuld trifft diejenigen Personen, denen die Pferde anvertraut sind, wenn sie nicht sofort beim Putzen des Pferdes selbst die kleinste Geschwulst entdecken und ihrem Herrn davon Anzeige machen, denn dieser kann dann vielleicht Abhilfe schaffen und die größeren quälerischen liebel dadurch verhüten, indem er das Kummetgeschirr an der Stelle, an welcher es übermäßigen Druck auf die Brust ausübt, etwas hohllegen läßt, was nach der Aussage des oben erwähnten Oeconomen in den meisten Fällen schon genügt, wenn dies am Unterkummet geschieht. Wird nun das gedruckte Pferd etwas geschont und werden auf der Brust desselben fleißig kalte Waschungen vorgenommen, so kann dadurch das kleine Nebel gehoben werden, aber wenn die Geschwulst dicker wird, oder vielleich gar schon eine aufgeriebene Wunde vorhanden ist, so erscheint es dringend ge- 5 ch i ffstt adg richten. Hamburg, 10. October. Der Hamburger Doppelschrauben- Schnelldampfer „Augusta Victoria", Capitän Albers, welcher am 3. October von Southampton abnegangen, ist am 10. October, 1® Uhr Morgens wohlbehalten in New-York angenommen. Reisedauer von Hamburg bis Newyork 8 Tage 2 Stunden 25 Minuten. Oceansahrt nur 6 Tage 21 Stunden 30 Minuten. Hamburg, 10. Ocibr. Das Hamburg-Newyorker Post-Dampfschiff „Gellert", Capitän Kaempff, ist am 10. October 11 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Hauses an der Blumenstraße am Bachgelander umher kletterte, in den Stadtbach gefallen und unterirdisch fortgeschwemmt worden, wobei er mitunter sehr starkes Gefall passiren mußte. Im Ganzen stak der Knabe nahezu 16 Stunden in dem unterirdischen und ziemlich tiefen Canal. * Lieder hat die Lerche wohl, aber . . . Der „Reichsanzeiger" bringt folgendes Inserat: „Für die neue Hoftracht: Weiße und schwarze Herrenstrümpfe, Wattonstrümpfe zur Ausgleichung von Jnnormalitäten der Beine. Mechanische Strickerei, Hannover." Die Besitzer von innormalen Geh- Werkzeugen werden sich hoffentlich diese Gelegenheit zu einem befriedigenden „Ausgleich" nicht umsonst empfehlen lassen. * Im Brockenbuche findet sich neben manchem anderen Schönen auch folgender Vers: „Ich dachte auf dem Brocken Die Sonne zu erblocken, Doch war dies nur ’ne Fabel, Denn ich sah nichts als Nabel. Ein Candidat der Theologie." Darunter hat ein anderer Brockenbesucher geschrieben: „Studir Du Deine Bibel Und halt hier Deinen Schnibel." Land« rind — Offen zu bestellende Telegramme. Es scheint wenig bekannt zu sein, daß es gestattet ist, Telegramme offen bestellen zu lassen. In diesem Falle fügt man dem Telegramm die Bezeichnung R 0 (d. ist rendu ouvert) bei, welche als ein Taxwort zu zählen ist. In zahlreichen Fällen enthält das Telegramm fein Geheimniß; im Gegentheil ist es oft wünschenswerth, daß in Abwesenheit des Empfängers dessen Angehörige, Geschäfts- ober Dienstpersonal vom Inhalt des Telegramms Kenntniß erhält, um danach die entsprechenden Verfügungen zu treffen, insbesondere zu beurteilen, ob die Nachsendung nöthig ist. Wie viel unnöthige Sorge und Verlegenheit könnte vermieden werden, wenn der Absender eines Telegramms die offene Bestellung beantragt. Gerade unter den gegenwärtigen Taxverhältnissen, wo im internen Verkehr das billigste Telegramm 10 Worte enthalten darf, ist es gewiß oft leicht möglich, die Bezeichnung R 0 ohne Verteuerung bcizusügen. Gießen, 14. October. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Psd. X 0,90—1,00, Hühnereier 1 St. 7-8, 2 St. — Enteneier 1 St.--H, 2 St. - Käse pr. St. 4—8 Käsematte pr. St. 3 H, Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 30 H, Tauben pr. Paar X 0,50—0,70, Hühner pr. Stück X 0,90—1.00, Hahnen pr. St- X 0,60-0,90, Enten pr. Stück X 1,50-1,70, Ochsenfleisch pr. Psd 70-74 H, Kuh- und Rindfleisch 60—64 H, Schweinefleisch 70-80 Hammelfleisch 62—68 H, Kalbfleisch 60-64 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 3,40-7,00, Weißkraut pr. St- 4—6 .Ä, Zwiebeln per Centner X 6,00—6,00, Milch per Liter 12-18 H. boten, einen Thierarzt zu Rathe zu ziehen, denn uns sind Fälle bekannt, daß Pferde, welche in dieser Beziehung vernachlässigt wurden, monatelang zur Arbeit nicht verwendet werden konnten. Wir bekennen mit großer Freude, daß wir sehr viele schöne, sogar mit netten Verzierungen ausgestattete Kummete gesehen haben, und wir dürfen wohl mit Recht daraus schließen, daß bei Anfertigung derselben auf ein gutes Passen an Hals und Brust des Pferdes besonders Rücksicht genommen wurde. Daß aber noch recht viele mitunter mehrere Jahrzehnte alte Kummete im Gebrauch sind, bet welchen von einem guten Passen durchaus keine Rede sein kann und die für die Pferde geradezu eine Marler sind, das wird wohl nicht zu leugnen fein. Da es aber in der Schöpfung fein andres Thier gibt, das treue, rnuthige, tiuge, fromme, gelehrige und stets zur Arbeit willige Pferd zu ersetzen, so verdient das edelste unserer Nutzthiere gewiß nicht den abscheulichen Leiden eines schlechten, drückenden Kummets ausgesetzt zu sein, und wir bitten daher recht inständig nicht allein alle Pferdebesitzer, sondern auch noch weitere Kreise das Kummetgeschirr recht eingehend in Beachtung zu ziehen. Schließlich möchten wir noch auf die stellbaren paten- tirten Kummete, die ein Fachmann in einem Correspondenzblatt des Berliner Thierschutzvereins für recht gute erhärte, aufmerffam machen. Dieselben können auf eine einfache Weise um 8 bis 10 Centi- meter verlängert und um 5 bis 6 Zentimeter erweitert werden, und sie bieten daher dem Besitzer den großen Vortheil, daß sie für große und kleine Pferde passend gestellt werden können. Im Interesse der armen, vielgeplagten Pferde wäre es wohl zu wünschen, daß die Herren Pferdebesitzer bei Neuanschaffung von Kummeten in erster Linie auf die stellbaren Geschirre Bedacht nehmen sollten. Curschmann. Hamburg, 11. Octbr. Das Hamburg-Newyorker Postdampfschiff „(Scanbia", Capitän Kopfs, ist am 10. October, 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angefommen. Bremen, 10. October. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnellbampfer Werra, Capitän C. Pohle, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 30. September von Bremen unb am 1. October von Southampton abgegangen war, ist gestern 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in 91 empört angekommen. Bremen, 11. October. fPer transatlantischenTelegraph.) Der Schnellbampfer Saale, Capitän H. Richter, vom Norddeutschen Lloyb in Bremen, welcher am 1. October von Bremen und am 2. October von Southampton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. - Oeffeutliche Urtheile. Die „Jllnstrirte Handwerker- Zettung" unb bie „Handels- unb Jnbustrie-Zeitung" schreiben wörtlich: „Neue Erfindungen. Herr Plüß-Stauser, Östringen (Schweiz) hat einen Kitt erfunben, ber sich für Glas-, Porzellan- unb Steingutwaaren, sowie für alle möglichen anberen zerbrochenen Dinge vorzüglich eignet, wie wir uns selbst überzeugt haben. Die mit biesem Kitt roieber verbunbenen Stücke haften schon nach einigen Tagen so fest aneinanber, daß bie reparirten Gegenstänbe eher an einer anberen Stelle zerbrechen als an ber alten. Kaltes Wasser ist ohne Einfluß auf bie mit biefem Universal - Kitt behanbelten Gegenstänbe unb auch heißes Wasser löst ben Kitt nicht, wenn sie nicht gar zu lange in solchem liegen. Es ist bieser Kitt somit erfahrungsgemäß bas beste Mittel, um zerbrochenes Tafel- unb Küchengeschirr zu flicken. Wir machen daher nicht nur bie Glas- unb Porzellanwaaren - Hanblungen auf biefen Plüß-Staufer'schen Universal-Kitt aufmerksam, fonbern möchten bemfelben auch in jeher Werkstatt unb Haushaltung Eingang verschaffen." Verkaufsstelle in Gießen bei Otto HöchsiLtter, Glashanblung. Gummi- Paris. Feinste Speeialitäten. 4447 Zollfr. Versandt durch W. H. Mielck, Frankfurt a. M. Special-Preisliste in verschloss. Couvert ohne Firma geg. Eins, g. 20 Pfg. in Briefm. Lpielplan der vereinigten Dranksurter Stadttheater. Opernhaus. Mittwoch ben 15. October: Gastspiel ber Kammersängerin Frau Pauline Lucca. Neu einftubirt: Der schwarze Domino. (Angela: Frau Pauline Lucca.) Außer Abonnement. Erhöhte Preise. Donnerstag ben 16. October: Violetta. Hieraus: Die Puppenfee. Große Preise. Freitag ben 17. October: Letztes Gastspiel ber Kammersängerin Frau Pauline Lucca. Die Afrikanerin. (Selka: Frau Lucca.) Außer Abonnement. Erhöhte Preise. Samstag ben 18. October: Das Glöckchen bes Eremiten. Große Preise. Sonntag den 19. October: Carmen. Große Preise. Montag ben 20. October: Zur Erinnerung an bie vor zehn Jahren erfolgte Eröffnung bes Opernhauses am 20. October 1880. Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Don Juan. Außer Abonnement. Schauspielhaus. Mittwoch ben 15. October: Die Wiberspänstige. Vermischte Anzeigen. Gewöhnliche Preise. Donnerstag ben 16. October: Abonnements-Vorstellung für einen ausgefallenen Mittwoch: Der Volksfeinb. Gewöhnliche Preise. Freitag ben 17. October: Fallissement. Gewöhnliche Preise. Samstag ben 18. October: Zum ersten Male: Die Haubenlerche. Schauspiel in 4 Acten von E. v. Wilbenbruch. Gewöhnliche Preise. Sonntag ben 19. October: Zum ersten Male wieberholt: Die Haubenlerche. Gewöhnliche Preise. Montag ben 20. October: Ihr Corpora!. Gewöhnliche Preise. Schlotzgaffe 16 -s Caaer 16 complette eingerichtete Mustexzixnmer in besonderem Hause. 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Es werden daher solche, welche sich an dem genannten Geschäfte, sei es unentgeldlich, sei es gegen Bezahlung, betheiligen wollen, aufgefordert, binnen 5 Tagen auf dem Bureau Großherzoglichen Polizeiamts Gießen (Weidengasse Nr. 5) zu melden- Bemerkt wird, daß das Geschäft eine Dauer von 6—8 Tagen haben wird- Gießen, den 8. October 1890. Der Vorsitzende der Zählungs-Commission für die Stadt Gießen- ________________________Fresenius.________________________ I Vermischte Anzeigen. 8417] Ein solider HauSbursche, mit guten Zeugnissen versehen, kann in einem hiesigen Hotel sofort eintreten. Näheres in der Exped. d. Bl. Friedberg von Leopold Aaron. Gladenbach von Louis Schneider. Fronhausen von Joh. Hormel. Grünberg von Conr. Schenk. Heuchelheim von Wilh. Rinn III. Hopfgarten bei Alsfeld von Louis Christ. Kirchhain von Heinrich Lang, Techniker. Lang-Göns von Johannes Weil. Lich von Turnwart Langsdorf. Marburg von Emanuel Kiffelbach. Nauheim von Carl Kersting. Rockenberg von H. Bingel. Storndorf-bet Alsfeld von Joh. Hofmann. Ehringshausen von Fr. Wilh. Neuhaus. Dillenburg von Carl Fischer jr., Bankier. Herborn von Aug. Müller. - n Neukirchen (Kr. Ziegenhain) von Conr. Mager, Maurermstr. Geschäfts-Empfehlung. Den geehrten Bewohnern von Gießen und Umgegend mache ich die Anzeige, daß ich in der KEs5* Marktstraße 26 ein tzchuhmaaren-Zeschäst eröffnet habe und halte mich bei billiger und reeller Waare bestens empfohlen. Reparaturen werden schnell und billig ausgeführt. Deutsche Lebens-Verstcherungs-Gesetlschast in Lübeck. ——— Gegründet 1828. —— Nach dem Berichte über das 61. Geschäftsjahr waren ult. 1889 bei der ^^40567 Personen mit einem Kapitale von . . JL 146 425 767. 10 H und xAL 173 229. 62 H jährlicher Rente. Das Gewährleistungskapital betrug ult. 1889 . JL 39 951875. 6a H Seit Gründung der Gesellschaft wurden bis ult. 1889 für 19 275 Sterbefälle gezahlt ....... 57 119 868. 86 Die Gesellschaft schließt Lebens-, Aussteuer-, Sparkasien- und Renten- Bersicherungen zu festen und billigen Prämien, ohne Nachschußverbindlichkeit für die Versicherten. , c . . Jeder, der bei der Gesellschaft nach den Tabellen ld-5 versichert, nimmt am Geschästsgewinne Theil, ohne deßhalb, wie bei den anderen GeseMchaften, eine höhere Prämie zahlen zu müssen. Der Vortheil, den die Gesellschaft bietet, besteht also in den von vornherein äußerst niedrig bemessenen Prämien, sowie darin, daß die Versicherten trotzdem 75 Procent des ganzen Geschäftsgewinnes erhalten. Der Gewinnanthell für jede einzelne Versicherung ist ein von 4 zu 4 Jahren steigender, und zu dem Vortheil der von Anfang an möglichst nied rioen Prämie tritt noch der, daß diese niedrigen Prämien sich mit der Dauer der einzelnen Versicherung stetig ermäßigen. Dieser Gewinnanthell, welcher am Schlüsse des je 4. Jahres ausbezahlt wird, betrug bisher durchschnittlich: für die erste 4jährige Vertheilungsperiode: 16,73 Procent einer Jahresprämie, " Zweite „ „ 37,65 „ " vierte " " 6010 " " " Jed/gewünschte Auskunft wird kostenfrei von "der Gesellschaft und ihren aller Orten bestellten Vertretern ertheilt. . e ,, In Frankfurt a. M. von Georg Römer, General-Agent, Kat^a- rinenpforte 2 a. „ „ „ Franz Schwind, Bergerstr. 17. „ Alsfeld von L. M. Schloß, Kfm. „ Braunfels von Hch. Möhl.^ „ Dauborn von Chr. Wilh. Löber. * - $rt <*-5? Ä-“ * (ilgtnbtn Tag 7359] Eine Mansarden-Wobnung von 3 Zimmern, Küche und Zubehör im Vorderhause per sofort zu vermiethen. H. 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