1890 Samstag den 14. Juni Nr. 135 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- nnd Anzeigeblatt für den Ureis Gieren Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Redaction, Expedition und Druckerei: Schukstraße Ar.7« Fernsprecher 51. Vierteljähriger Aöonnementspreiir 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener MnmtktenvtLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS MontagS. Alle Annonccn-Burcaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Gratisbeilage: Gießener Aamikienölälter. irraiM"”—1” ■■■ ...... ■■■■■■ ii ■■ um■"«■■■■ Dentschev Reichstag. 15. Plenarsitzung. Donnerstag, 12. Juni 1890, 1 Uhr. Die Berathung des von dem Abg. Brömel (dfr.) cingcbrachtcn Antrages auf Errichtung eines obersten Zollgerichtshofes wird fortgesetzt. Abg. Goldschmidt (dfr.) empfiehlt den Antrag zur Annahme, der ja auch in der vorigen Session eine sehr entgegenkommende Erklärung der Regierung veranlaßte. Die gegenwärtige Behandlung der Zollsachcn ist eine ungemein langsame und die Verzögerungen gewohnheitsmäßig, so daß Abhülfe geboten erscheint. Abg. Dr. Hammache r (natl.) findet, daß sür die Annahme des Antrages ein dringendes Bedürfniß vorliegt. Den Importeuren werden oft Schwierigkeiten gemacht, die zum Himmel schreien. Nur durch Eiusetzuug eines Gerichtshofes kann Abhütfe geschaffen werden. Abg. Rintelen (Ctr.) tritt ebenfalls für den Antrag ein, ebenso der Abg. Schumacher (Soc.). Nach einem Schlußwort des Abg. Brömel (als Antragsteller) wird der Antrag angenommen. Es folgt: Fortsetzung der Berathung des Nachtragsetats — Colonialforderungen. Abg. Dr. Windthvrst (Ctr.): Für die Zukunft müssen ganz bestimmte Normen geschaffen werden, nach denen die Beisteuer der Colonien zu den vom Reiche aufgewendeten Kosten stattzufinden hat. Der Abg. Haußmann war in seinen Ausführungen gegen die Colonialforderungen nicht consequent. Wenn er dem deutschen Reich das Recht zugesteht, seine Cul- tur in Afrika zu verbreiten, so muß er auch anerkennen, daß Deutschland jetzt nicht zurücktreten kann, ohne sein Prestige zu gefährden. Leider verschmäht die deutsche Regierung die ihr angebotcne Hilfe da, wo sie ihr angeboten wird, nämlich aus dem Gebiete der Mission. Durch das Verbot der Ordensniederlassungen ist es uns unmöglich gemacht, die nöthigen Kräfte für die Mission vorzubilden. Wenn wir so große Pläne haben, dann sollten wir erst die engherzigen Auffassungen zu beseitigen suchen, die während des CulturkampfeS sich bei uns über das Ordenswesen eingebürgert haben. Deutschlands Stärke ruht tu seiner Armee. Diesen Schwerpunkt dürfen wir nicht verrücken- für die Marine haben wir infolge der Colonialpolitik schon zu viel bewilligt. Wir dürfen zu solchen Dingen unsere Kräfte nicht zersplittern. Abg. Dr. v. Frege (cons.) erwartet von der Regierung das versprochene Programm über die Gestaltung der finanziellen Verhältnisse zwischen dem Reich und der ostafrikanischen Gesellschaft. Was die Mission betrifft, so erwartet Jeder, daß jegliche Rivalität zwischen den Confessionen vermieden wird. Die Haltung des Herrn Goldschmidt, der aus einem colonialen Paulus ein Saulus geworden ist, scheint dem Einigkeitsbcdürfnisse seiner Fraction zum Opfer gefallen zu sein. Bei den colonialen Unternehmungen der Gegenwart, die den Grund legen werden für lange Jahre hinaus, möge sich Deutschlaud hüten, nicht zu spät zu kommen, wie der Dichter bei Theilung der Erde. Die Aeußerung des Abg. Dohrn, die Regierung möge doch endlich aushören mit der fortwährenden Vergrößerung des Gebietes, wird im Volke nicht verstanden werden und wäre im englischen Parlamente undenkbar. Die klimatischen Verhältnisse Ostafrikas sind nicht ungünstig, da dort nie daS gelbe Fieber austritt. _ Die Finanzlage ist im Reich doch nicht so ungünstig, daß man die Colonialausgaben aus diesem Grunde ablehnen müßte. Auch 'in Süddeutschland hat man ein warmes Verständuiß für alle nationalen Ausgaben imd namentlich die dortigen alten Kaufmannsgeschlechtcr werden die ablehnende Haltung des Abg. Haußmann nicht verstehen. Es ist noch heute in jenen FamÜien Sitte, daß von mehreren Söhnen in der Familie einer in überseeische Länder geht. Wenn Ostasrika auch in den nächsten Jahren noch kein großes Consumtions- und Productionsgebiet sein wird, so müssen wir eben weiter denken. An Auswanderungscolonien denkt wohl Niemand, denn wir können keine Verringerung der landwirthschaftlichen Bevölkerung wünschen. Unser Schutzzollsystem steht in keinem Widerspruche mit der Colonialpolitik, denn der Schutzzoll hat der Industrie wesentlich genützt und wird dies auch unter der Colonialpolitik thuü. Daß der. Abg. Bamberger die anerkennenswerthen Erfolge der Schutztruppe verkleinert, zu Gunsten der Marine, läßt mich hoffen, daß er für die dem- nächstigen Forderungen für die Marine stimmen wird. Abg. Dohrn (dfr.): So lange man nicht nachweist, daß die afrikanischen Unternehmungen ein wirthschastlich günstiges Resultat ergeben, so lange kann ich mich zu Bewilligungen dafür nicht entschließen. Sobald die Wirth- schaftlichkeit des Unternehmens dargethan sein wird, bin ich bereit, die nöthigen Staatszuschüsse zu bewilligen. Abg. Dr. Hammacher (natl.): Leider und sehr zu Unrecht ist die Colonialpolitik in das Parteigetriebe hineingezogen worden. Auch in Kreisen, die freisinnig gewählt haben, ich erinnere an Würzburg und Barmen, besteht viel Neigung für die Colonialpolitik, die durch die bedeutenden Opfer für derartige Unternehmungen bethätigt roirb.) Es läßt sich ja auch gar nicht denken, daß ein einsichtiger Kaufmann in einer Seestadt nicht Verständniß haben sollte für zielbewußte Colonialpolitik der Regierung. Redner wendet sich namentlich gegen den Abgeordneten Bamberger, dessen Grundsatz, nur rechnungsmäßig ertragssähige Unternehmungen zu unterstützen, er verwirft. Nach solchen Grundsätzen wäre nie ein Suez-Canal oder ein anderes gemeinnütziges Unternehmen zu Stande gekommen. Wie kann man der ostafrikanischen Gesellschaft zumuthen, die Kosten zu ersetzen, die wir für die Unterdrückung des Sclavenhandels bewilligen. Redner unterscheidet Charter- und Kron-Colonien und hält Ostasrika für eine der letzteren. Er besorgt nicht, daß in der nächsten Zeit schon die Regierung die ostasrikanische Colo- nie zu einer Reichscolonie machen wird. Flotte und Schutztruppe haben ihre Schuldigkeit gethan. Abg. W iss er (wild-lib.) erklärt sich für die Vorlage, trotzdem verspreche er sich von derselben nichts. (Heiterkeit.) Redner entfernt sich mehrfach von dem Gegenstände der Berathung und wird vom Präsidenten zur Sache gerufen. Abg. Haußmann (Volkspartei) will gegen einen ihm von dem Abgeordneten v. Frege gemachten Vorwurf sich verwahren, als ob es ihm an nationalem Bewußtsein fehle. (Präsident v. Ballestroem: Ein solcher Vorwurf würde vom Präsidenten gerügt worden sein.) Wir können in der Colonialpolitik nicht so frei fortschreiten wegen unseren maßlosen militärischen Rüstungen, mit denen wir audereu Ländern ein schlechtes Beispiel geben. Das gegenwärtige Moment ist für Colonialpläne nicht geeignet. Hier fordert man den kleinen Finger, um nachher die ganze Hand zu nehmen, und die weiten Strecken des Hinterlandes in Ostasrika zu occupiren. Wenn ein Putverfabrikant einen Colonialverein gründet, so kann man das verstehen, wenn auch der Verein nur ein dürftiges Dasein führt. Die Colonialpolitiker werden bald ihr Unrecht einsehen, dann werden wir Ihnen zurufen: Tua culpa, tua culpa, tua maxima culpa! Abg. Dr. Meye r-Berlin (dfr.) begründet die ablehnende Haltung seiner Partei, die nicht aus der Abneigung gegen den Fürsten Bismarck, den Gründer der Colonialpolitik, hervorgegangen sei. Die Colonialpolitik sei ein überwundener Standpunkt für Deutschland. Man hätte bei der guten alten Cultivationsarbeit bleiben sollen,. die im Einzelnen von deutschen Unternehmungen betrieben wurde. Auch zu gemeinnützigen Unternehmen hat man stets die Mittel gefunden und namentlich auch beim Großcapital. Glücken solche Unternehmen nicht, dann spricht man von Gründungsschwindel und untersucht die Confession- glücken sie, thut man das nicht. (Heiterkeit.) Abg. Goldschmidt (dfr.) vertheidigt sich gegen die Angriffe des Abgeordneten v. Frege, ebenso der Abgeordnete Dr. Bamberger in persönlicher Bemerkung. Herr v. Frege habe sich durch seine Anspielungen aus die confessionellen Verhältnisse als Ehrenmitglied der Antisemitenpartei empfohlen und eine Hetzrede gehalten. (Letzteren Ausdruck rügt der Präsident.) Abg. v. Frege weist diesen Vorwurf zurück, ein Angriff auf die Confession Bambergers habe ihm ferngelegen. Die Position 4,500,000 Mk. für die Schutzgebiete u^d Maßregeln zur Unterdrückung des Sclavenhandels werden bewilligt gegen die Stimmen der Socialdemokraten und des größeren Theils der Freisinnigen - ferner werden bewilligt 40,000 Mark für Umbauten im Auswärtigen Amte und 350,000 Mk. Subvention für eine ostafrikanische Dampferlinie. Auch die Einnahmen und das Etatsgesetz werden bewilligt. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr. — Tagesordnung: Strafgesetz - Novelle (Telegraphenbeschädigung), Schweizer Niederlassungsvertrrag. Schluß 5!/4 Uhr. Neueste Nachrichten. Wolfis telegraphisches Correjpondenz-Bureau. Darmstadt, 12. Juni. Die Erste Ständekammer tritt am 24. ds. zusammen. Nach Erledigung ihrer Arbeit wird der Landtag geschlossen. Berlin, 12. Juni. Die erste deutsche allgemeine Pferde- ausstellung wurde durch den Prinzen Leopold in Anwesenheit des Ministers v. Lucius rc. eröffnet. Potsdam, 12. Juni. Zu Ehren des Kronprinzen von Italien fand heute Abend um 7 Uhr im Marschallsaale des Stadtschlosses bei dem Prinzenpaar Friedrich Leopold ein Familiendiner statt. Zur linkeck Seite der Prinzessin Leopold saß der Kaiser, zur Rechten der Kronprinz von Italien. Prinz Ruprecht von Bayern nahm ebenfalls an der Tafel theil. Spandau, 12. Juni. Der Kaiser wohnte mit dem Kronprinzen von Italien und den Prinzen dem kriegsmäßigen Schießen der Milttärschießschule bei. Sämmtliche Offiziere mit Gewehr bildeten zwei Züge, die Mannschaften einen Reservezug. Den Schluß bildete ein Parademarsch, hierauf wurden verschiedene Gewehrarten und Pulversorten besichtigt. Inzwischen hatte der Kaiser das 4. Garde-Regiment und das Elisabeth-Regiment allarmiren lassen, die in kürzester Zeit feldmarschmäßig ausgerüstet vor dem Kaiser und Kronprinzen defilirten. Nach einem Frühstück im Casino der Militär- schießschule erfolgte die Rückkehr nach Potsdam. München, 12. Juni. Minister v. Lutz hatte einen mehrstündigen Schlaf ohne Morphium. Die Anschwellungen nehmen ab. Die Athmung ist ruhiger. Braunschweig, 12. Juni. In maßgebenden Kreisen werden die Gerüchte, daß Prinz Albrecht von der Regentschaft zurückzutreten beabsichtige, als unbegründet bezeichnet. Glasgow, 12. Juni. Bei Empfang des Ehrenbürgerrechts hob Stanley die Nachtheile hervor, welche aus dem Zurückziehen Englands oder Deutschlands aus Afrika entstünden. Wäre Deutschland gezwungen, Afrika zu verlassen, so würde das für das britische Unternehmen verhängnißvoll sein. Ein schnelles Einvernehmen sei daher für beide Staaten Vortheilhaft. Christiania, 12. Juni. Die hier stattgehabte Eisen- bahn-Conferenz wurde heute durch die Unterzeichnung der Protocolle geschlossen. Die nächste Conserenz findet im Frühjahr in Hamburg statt. Petersburg, 12. Juni. Der deutsche Botschafter Schweinitz ist heute ins Ausland abgereist. Bukarest, 12. Juni. Gegenllber der Nachricht des „Timpul", daß die Negierung in Folge der Erhöhung des Maiszolles in Frankreich die Zölle auf französische Seiden- waaren und Parfümeriewaaren erhöhen werde, erklärt die „Jndspendance Roumaine", das Ministerium habe noch nichts entschieden, werde aber möglicherweise die Ermächtigung der Kammer hierzu nachsuchen. Locales «nS provinzielle». Gießen, 13. Juni. — Sitzung der Stadtverordneten am 12. Juni. Anwesend : Herr Bürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Langsdorff, Seitens der Stadtverordneten die Herren Adami, Grüneberg, Habenicht, Heyligenstaedt, Homberger, Keller, Lober, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Sch mall, Schopbach, Simon, Vogt und Wallenfels. Unter den auf der Tagesordnung befindlichen Gegenständen wurden zunächst die Gesuche um Ertheilung von Wirthschaftsconcessionen, bezw. um Ertheilung der Erlaubniß zum Branntweinverkauf über die Straße, im Sinne des hierfür bestehenden Ausschusses erledigt. Herr Conditor H. Kinkel hat das früher von ihm betriebene Geschäft in der Marktstraße wieder käuflich erworben und beabsichtigt in einem hinter dem Laden befindlichen Zimmer Liqueur, Wein, Bier rc. auszuschänken. Die Stadtverordneten-Versammlung sprach sich für Bejahung der Bedürfnißfrage aus. Bezüglich des Gesuches des Herrn Conditor Ludwig Dö ll in der Marktstraße beschließt die Versammlung nur insoweit im Sinne des Gesuchstellers, als sie sich für Beschränkung der Wirthschafts- concession auf ein im ersten Stockwerke gelegenes Zimmer des Döü'schen Hauses, nicht aber für Ausdehnung derselben auf das Verkaufslocal ausspricht. — Zu dem Gesuche des Herrn H. Hansel in der Bleichstraße um! Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße hat die Commission nach Erwägung aller in den letzten Sitzungen der Stadtverordneten für und wider derartige Gesuche sprechender Gründe beantragt, das Gesuch zu befürworten. Als maßgebend für ihren Antrag hat die Commission diesmal weniger die seither geübte Praxis, dem consumirenden Publikum die Möglichkeit zum Bezüge seines Branntweinbedarfs in den von ihm frequentirten Specereiläden bezeichnet» sie hat vielmehr den Umstand, daß Bezugsquellen für Spirituosen zu weit entfernt von der Bleichstraße liegen, als ausschlaggebend für ihren Beschluß hingestellt. Die Versammlung trat dem Commissions-Antrage nach längerer Debatte, in der sich die Herren Heyligenstaedt, Vogt, Beigeordneter Langsdorff gegen, die Herren Homberger, Wallenfels, Schmoll für denselben ausgesprochen, bei. — Herr Fabrikant Fießer beabsichtigt, den hinter seinem an der Grünbergerstraße gelegenen Hause errichteten Fabrikneubau mit dem Anbau zu verbinden. Da die zu verbindenden Baulichkeiten an der Baulinie der künftigen, senkrecht zur Grünbergerstraße laufenden, nach der Wieseck führenden Straße stehen, hat die Baudeputation, . indem sie die Ausführung des Bauwesens nach dem Project des Gesuchstellers für eine öffentliche Straße als mißständig bezeichnet, das Gesuch so lange zu beanstanden beantragt, als nicht der Neubau in harmonischen Zusammenhang mit dem Anbau gebracht werde. Die Versammlung trat dem Deputationsantrage bei. — Herrn Kaufmann Friedrich Habenicht soll ein Theil des zwischen seinem und dem Zöckler'schen Hause an der Westanlage gelegenen Geländes pachtweise überlassen werden. — Die Telephoneinrichtung zwischen dem Polizeigebäude, der Wache am Selters- thor und dem Stadtthurm soll, da die Apparate an derselben nicht mehr zuverlässig functioniren, solche neuen verbesserten Systems erhalten. — lieber die Bauarbeiten zur Herstellung von Räumen für die Stadtkasse im Bürgermeistereigebäude sind der Versammlung die Pläne nebst Kostenvoranschlag (2450 Mk.) vorgelegt worden, welche dieselbe genehmigt. Mit den in diesem Jahre noch vorzunehmenden baulichen Aenderungen im Sitzungssaale der Stadtverordneten soll gleichzeitig eine Erneuerung des Fußbodens vorgenommen werden, ebenso hat sich die Notwendigkeit der Erneuerung des Fußbodens im Arbeitszimmer des Herrn Architect Haas ergeben. Die Versammlung spricht sich für Ausführung dieser Arbeiten vorbehältlich noch vorzulegender Kostenüberschläge aus. Herr Wallenfells regt hierbei noch die nothwendige Verbesserung des Eingangs ins Bürgermeistereigebäude an, der jetzige Zustand sei im Winter gefährlich- Herr Schopbach befürwortet ebenfalls eine derartige Verbesserung, die vielleicht noch durch ein Schutzdach wirksamer gemacht werden könne. Es sollen der Versammlung demnächst entsprechende Vorlagen gemacht werden. — In der Ostanlage, vor dem Justizgebäude wie vor dem Rondel an der Wiesenstraße, sollen noch Ruhebänke ausgestellt werden. — Herr Prof. Dr. Wimmenauer hat an Großh. Bürgermeisterei ein Schreiben gerichtet, wonach beabsichtigt ist, zum Zwecke der Verbesserung der Fischzucht und Belehrung über dieselbe für die forstwissenschaftlichen Institute eine kleine Fischzuchtanstalt einzurichten; Herr- Prof. Wimmenauer fragt deshalb an, unter welchen Be- bingungen die Stadt das erforderliche Wasser aus der Quellwasserleitung überlassen wolle. Das tägliche Bedarfsquantum betrage 6 Cbm. für die Monate Januar bis April. Herr Bürgermeister Gnauth bemerkt hierzu, daß zwar der Umstand, daß gerade an diesen Monaten die größte Menge Ueberlaufwasser aus der städtischen Wasserleitung sich ergebe, die Annahme rechtfertigen könne, diesem neuen Universitätsinstitut das erforderliche Wasser kostenlos zu überlassen- es würde dies jedoch zu bedenklichen Consequenzen führen, weshalb die Deputation für das Wasserwerk beantrage, den Preis des Wassers auf 12 Pfg. (Selbstkostenpreis) festzusetzen. Die Versammlung spricht sich für widerrufliche Genehmigung der Abgabe von Wasser zum Selbstkostenpreise aus. — In die Commission für die Beschaffung von Brennmaterial für die städtischen Anstalten werden die Herren Heyligenstaedt, Hoch und Vogt gewählt. Es sind zur Beschaffung an Brennmaterial vorgesehen: 2200 Gentner Coaks, 1200 Gentner melirte Kohlen, 3000 Gentner Nußkohlen, 400 Gentner Anthracitkohlen, 800 Gentner Braunkohlen, 200 Gentner Briquetts. — Nach einer Zuschrift des Herrn Justizrath Baist ist derselbe beauftragt, die Eigenthumsverhält- nisse der Wodestraße zu regeln, auch der Goncurs- verwalter der Wode'schen Masse angewiesen worden, die Straße an die Stadt abzutreten. Bekanntlich hatte sich die Stadt bereit erklärt, die Straße in Eigenthum zu übernehmen und eine Fußgängerüberbrückung nach der Ostanlage in Fahrbreite gen. Straße mit einem Kostenauswande von 2600 Mk. herzustellen, wenn die Anlieger solidarisch sich verpflichten, die aus 5530 Mk. veranschlagten Ausbaukosten der Straße zu tragen. Von der Herstellung einer fahrbaren Ueberbrückung wurde wegen der Schwierigkeiten des Anschlusses einer Straße an die Ostanlage und der dadurch nothwendigen Auffüllungen an dem Anton Petri'schen Besitztum abgesehen. Nach Mittheilung des Vertreters der Anlieger wollen dieselben sich zum gemeinschaftlichen Aufbringen der Ausbaukosten verstehen, wenn von der verlangten Summe der Betrag in Abrechnung kommt, den die Besitzer der Eckhäuser in den Neuen Bäuen (Frau Dr. Brüel und Nattmann) zu zahlen haben würden, wenn sie nicht von der Beitragspflicht infolge ihrer Erklärung, daß sie an dem Ausbau der Wodestraße kein Interesse haben, entbunden würden. Es würde sonach von der Summe von 5530 Mk. pro rata der Straßenbaulänge des Nattmann'schen bezw. Brüel'schen Hauses cq. 1100 Mk. in Abzug kommen. Geht die Straße nach dem Ausbau in das Eigenthum der Stadt über, so erwächst der Stadt das Recht, die Anlieger zu den Trottoirherstellungskosten nach Maßgabe des Ortsgesetzes heranzuziehen, in welchem Falle die Besitzer der erwähnten Eckhäuser 437.74 Mk. beizutragen haben, um welchen Betrag sich dann der geforderte Nachlaß der obigen 1100 Mk. kürzen würde. Demnach hätten die übrigen Anlieger anstatt der ursprünglich geforderten 5530 rund 4890 Mk. an die Stadt zu entrichten, so daß für die Stadt ein Mehraufwand von 640 Mk. entstehen würde. Es wird, nachdem sich die Mehrheit der Versammlung dafür ausgesprochen, die Wodestraße-Angelegen- heit endlich einmal zu erledigen, beschlossen, auf das Anerbieten einzugehen, sofern die Anwohner der Straße das zur Anlage eines Wendeplatzes für Fuhrwerke am Schvorgraben nöthige Gelände der Stadt kostenlos zur Verfügung stellen. — Das Goltsch'fche RiesenWaubel Diorama veranstaltet morgen Mittag im Gafe Leib eine große Extra-Kindervorstellung, verbunden mit einer Gratis-Verloosung von circa 200 Gewinnen, bestehend aus nützlichen Schulartikeln und Spielsachen. Den Eltern dürste zu empfehlen sein, ihren Kindern den Besuch dieser Vorstellung zu gestatten, da dieselbe nicht allein belehrend für die Kinder ist, sondern ihnen auch eine kleine Freude bereitet durch die Mitnahme eines kleinen Gewinnes. — Die Vorstellungen des Dioramas dauern nur noch bis zum Montag. x Friedberg, 12. Juni. Herr Professor Dr. Köstlin, der vor Kurzem in der hiesigen Burgkirche eine alte Kanzel entdeckte, die nunmehr im Predigerseminar Verwendung finden soll, hat neuerlich in einer alten Kiste eine prachtvolle Altarbekleidung gefunden. Diese hat mehrere Jahrhunderte lang in diesem finsteren Gefängniß gelegen. Die Bekleidung ist von feinstem Sammt und mit wunderbaren Goldstickereien verziert. Zur Zeit wird sie von Herrn Deean Meyer cmf- bewahrt. § Aus dem Ohmthal, 12. Juni. Trotz des ungünstigen, unbeständigen Wetters hat die Heuernte bereits ihren Anfang genommen. Das Ergebniß derselben ist nicht, wie man nach dem Stand des Grases zu Anfang Mai und der damals herrschenden Witterung anzunehmen berechtigt war, ein sehr gutes. Namentlich ist dies der Fall bei den feuchten Grundwiesen, die sonst stets das beste Resultat lieferten. Hier ist der Graswuchs zu dünn, nicht dicht genug. Schuld mag daran vorzugsweise die kalte Witterung der letzten Maitage haben, in deren Nächten mitunter der zarte Graswuchs erfror. Besseres Ergebniß liefern die trocken gelegenen Bergwiesen. Bei den gegenwärtig stattfindenden Heugrasversteigerungen ist der Preis des Grases durchschnittlich höher als im verflossenen Jahre, trotzdem damals der Graswuchs vollkommener war. Die Grünfütterung ist eben bei dem Land- wirth meist unzureichend, da der Klee vielfach sehr schlecht steht; ersterer muß deßhalb die Wiesen grün füttern, die er sonst zu Heu.mähte. Der niedere Preis des Heues im verflossenen Winter, 2 Mk. bis 2,50 Mk. per Gtr. — wird eben schon von dem des Grases vielfach übertroffen. E. Saasen, 13. Juni. Am Sonntag, den 15. Juni, wird Herr Obstbautechniker Metz aus Friedberg hier einen Vortrag halten. vermischte». — Frankfurt a. M., 12. Juni. Die Buchdrucker und Prinzipale unserer Stadt haben sich vereinigt, den 450- jährigen Gedenktag der Erfindung der Buchdrucke rkun ft festlich zu begehen. Es ist folgendes Programm aufgestellt worden: Samstag, den 21. Juni, 8*/2 Uhr Abends, Vereinigung sämmtlicher Berufsgenoffen am künstlerisch geschmückten Gutenberg-Denkmal auf dem Roß- markt zur Huldigungsfeier. Bengalische Beleuchtung des Denkmals. Zug nach der „Stadt Eaub". Biercommers dortselbst. Sonntag, den 22. Juni, 9^2 Uhr Vormittags: Besichtigung einer Special-Ausstellung von Druckwerken vom Anfang der Erfindung der Buchdruckerkunst bis zur Neuzeit in der Stadtbibliothek. 11 Uhr: Akademische Feier im festlich geschmückten Saale des kaufmännischen Vereins, Festvortrag von Dr. Pallmann, Bibliothekar des Staedel'schen Instituts. 4 Uhr: Gartenfest im Scheffeleck. Festrede des Redacteur Franz Schreiber. Goncert, Gefangsvorträge, Tanz, Spiele 2c. * Frankfurt a. M., 11. Juni. Ein hiesiges Fräulein klagte auf der Eivilkammer gegen einen Forstpraktikanten auf Ehelichung oder Entschädigung von 6000 Mk. Der Beklagte schützte als Grund seines Rücktritts vor, daß das Mädchen herzleidend sei, was bestritten wurde - dabei wurde das Zeug- niß eines Badearztes in Nauheim vorgelegt, in welchem es heißt: „Ich bescheinige, daß das Fräulein gesund ist und ihm von meiner Seite nichts in dem Wege steht, zumal das Eingehen einer Ehe auf das Herz des Menschen keinen schädlichen Einfluß ausübt." Das" Zeugniß erregte allgemeine Heiterkeit. Es wurde auf weiteren Beweis erkannt. * Wiesbaden, 10. Juni. Bekanntlich gibt es Bettelbriefs chreiber, welche keine fürstliche Person unbelästigt lassen. Auch der Kaiserin Eugenie ist hier eine Anzahl derartiger Briefe, zum Theil mit merkwürdigen Aufschriften, zugegangen. So lautet die Adresse eines Briefes aus Bayern: „An die huldvollste Majestät Eugenie, Exkaiserin der Franzosen." Etwas kürzer hat sich ein anderer Bries- schreiber ausgedrückt: „Frau Wittwe Napoleon III. Eigenhändig abzugeben." Das Originellste aber leistete eine biedere Bewohnerin des badischen Schwarzwaldes, welche ihren Brief wie folgt adressirte: „Eure Exsilenz habe ich Gehorsamst zu melden: Gaisterin Egenja Gaitzer der Fratzoßen der III. in Wißbaden in Teutschland." Dieser Bries trägt den Poststempel „Furtwangen, 3. Juni 1890." * Berlin, 11. Juni. Die deutsche Reichsbank war gestern der Schauplatz eines frechen Raubanfalls. Der Handelslehrling G. hatte bei der Reichsbank einen Taufendmarkschein in zehn Hundertmarkscheine wechseln lassen. Als er, die Scheine in der Hand haltend, die Treppe hinabstieg, begegnete ihm ein blonder junger Mann, der sich bei G. nach dem Geschäftslocale von I. Salomon erkundigte. Er beschrieb die Lage und wollte sich entfernen, als er plötzlich von dem Unbekannten einen Schlag in das Gesicht erhielt. Gleich darauf fühlte er, wie der junge Mann einen Versuch machte, ihm die Banknoten zu entreißen. G. leistete erfolgreichen Widerstand, der Attentäter ergriff die Flucht und entkam. * Berlin, 10. Juni. Aus Sportkreifen wird eine Aeuße- rung des Kaisers über das Reiten fremder Pferde durch Offiziere der deutschen Armee bekannt. Es war bisher nicht selten, daß die als Herrenreiter bekanntesten Offiziere an einem Renntage dreimal in den Sattel stiegen- natürlich waren es nicht immer ihre eigenen Pferde, welche sie ritten. Dem Kaiser, welcher die Rennberichte mit Aufmerksamkeit verfolgt, fiel das auf, er ließ den Wunsch aussprechen, daß die Offiziere hinfort „nur ihre eigenen Pferde oder höchstens die von Kameraden reiten möchten." Entsprechend diesem Wunsche des Kaisers werden unsere ersten Herrenreiter aus dem Offizierstande in Zukunft weniger häufig in die Ereignisse auf den Rennplätzen eingreifen. * Am Dienstag vorige Woche haben Knechre aus Bottendorf im Walde bei Ziegelroda eine geradezu unglaubliche rohe That an einer hochbetagren Frau begangen. Als an einem steilen Hang der mit Wellholz beladene Wagen um- stürzte, meinten die rohen Burschen, jene nur wenige Schritte entfernt stehende „alte Hexe" sei schuld an dem Unglück, fielen über die Alte her und prügelten und peitschten sie in der unbarmherzigsten Weise. Solchen Lümmeln sollte mit gleichem Maße gemessen werden. * Eine schlechte Erfahrung mußte vorige Woche ein Brautpaar in Garsebach bei Meißen machen. Man war zur Kirche gewesen und hatte den Hochzeitsschmaus gründlich erledigt. Da machte man plötzlich die Entdeckung, daß Einbrecher die Kammer heimgesucht und die Brautbetten gestohlen, außerdem aber auch den Kleiderschrank geöffnet und aus der Rocktasche deS jungen Mannes die baare Mitgift mitgenommen hatten. Eingesandt. Gießen, 13. Juni 1890. Bei einem Ausflüge nach Münzenberg, welchen ich vor einigen Tagen mit Freunden unternommen, wählten wir den Rückweg durch das von Münzenberg abfallende Wiesenthal der Wetter über das hübsch und sauber aussehende Oberhörgern, über Garnbach und Butzbach. In Gambach nahmen wir Gelegenheit, durch das Tönen einer Kirchenorgel aufmerksam geworden, die Orgelbauwerkstätte der Herren (Sehr. Bernhard zu besuchen und hier außer einigen in Arbeit befindlichen Werken eine sertiggeftellte Orgel, welche mit allen Erfordernissen der modernen Orgelbaukunst (mit Kegellade, Tutti- und Soli- zügen) versehen ist, zu besichtigen. Nachdem Herr B. uns das volle Werk in mächtiger Klangentfaltung und dann auch die einzelnen Register oorgesührt hatte, erhielt auch ich die Erlaubniß, zu spielen. Ich habe schon manche gute Orgel gehört und gespielt, dabei inbefien niemals einzelne Register mit solcher characteristischen Reinheit der Intonation wahrgenommen. Das Salcional, die flauto dolce rc. ertönten wie ferner Engelgesang. Nach einer Aeußerung des Herrn B. ist die Orgel für die neuerbaute Kirche in Appenrod bestimmt und wird erst in einigen Tagen dahin abgeführt. Kenner von Orgelmusik und Diejenigen, welche sich dafür interefüren, sind hierdurch auf dieses Orgelbaukunstwerk aufmerksam gemacht. Universität». HacbricbtcM. — Das 75jährigeBestehen der deutschen Burschenschaften wurde in Berlin am Samstag durch einen von etwa 400 jungen und alten Burschenschaftern besuchten Commers in der „Philharmonie" gefeiert Der Präsidirende, Oberlehrer Dr. Braumüller, brachte das Hoch auf den Kaiser, der Abgeordnete Rechtsanwalt Dr. Krause gab einen Rückblick auf die geschichtliche Entwickelung der Burschenschaft. Der letzte officielle Redner, Redacteur Trojan, gedachte in gereimter Rede der Damen. Das Fest war ein höchst gelungenes. Landwiühschastiiche Umschau. AuS Oberheffe«, 11. Juni. Es ist gerade ein Monat verflossen, seit ich den freundlichen Lesern dieser Zeitung ein Bild über den damaligen Stand der Saaten lieferte. Inzwischen hat der Landwirth die erste Ernte machen können — mit dem ersten Kleeschnitt — und es verlohnt sich, nach Zurücklegung dieser Etappe, der Mühe, wieder einmal Umschau zu halten. Nicht selten kommt es vor, daß der Juni das nicht hält, was der Mai in Aussicht gestellt hatte. Auch umgekehrt finden sich Jahre: Der Mai zeigt sich rauh und kühl, die Entwickelung will nicht voran; da kommt der Juni und bringt Vieles in Ordnung, was verdoroen schien. In diesem Jahre scheint sich nun Alles zum Guten wenden zu wollen. Zu Ansang des Juni haben die Nachtfröste an manchen Orten — es sind meistens feuchte, tiefe Lagen, wo wenig Luftbewegung ftattfinden kann — Schaden an Kartoffel« und Gemüsepflanze« angerichtet. Wo die Kartoffeln wirklich umgepflügt werden müffen, lassen sich mit Vortheil Dickwurzel pflanzen, während an Stelle der Bohnen und Gurken recht gut Weißkraut, Wirsing, Rothkraut, Rosenkohl u. dgl. m., unter Umständen auch noch einmal Gurke« «Nd Bohnen «achgelegl werden können, denn dazu ist es durchaus noch nicht zu spät. Der angerichtete Schaden ist sonach nicht bedeutend. Alle sonstigen Gartengewächse, um diese hiermit zu erledigen, brachten und bringen sehr schöne Erträge. Wenben wir unS zu den Halmfrüchten. Sie sehen gradezu brillant aus und übertreffen selbst die 1889er erheblich. Dem Umschauer denkt es manches Jahr, er kennt die drei Provinzen und auch sonst noch ein Stück vom großen deutschen Vaterlande, hat also Gelegenheit gehabt, landwirthschaftliche Gewächse zu sehen. Aber einen so herrlichen Saatenstand, wie er sich anno 1890 in Der Wetterau und in vielen Theilen Oberhesfens findet, hat er noch nicht oft gefunden. Dabei find die Aecker, durch den Bau der Hackfrüchte — Zuckerrübe, Dickwurzel, Kartoffeln — rein von Unkraut und Lagerfrucht kommt wenig vor, weil entsprechender künstlicher Dünger die Halme gekräftigt hat. Zu den Hackfrüchten übergehend, fei bemerkt, daß die Zuckerrübe ungestört in ihrer Entwicklung vorwärts schreiten konnte, wenn auch da und dort über Jnsectenfraß (Engerlinge) geklagt wird. Die Zuckerrübe ist es, die den Halmfrüchten einen fo ausgezeichneten Boden bereitet, weil das häufige Behacken und die Düngung derselben bei keiner anderen landwirthschaftlichen Culturpflanze so intensiv zu geschehen pflegt, wie bet ihr. Sie wirkt also direct und inbirect vortheilhaft. — lieber Den Stand der Kartoffel« ist nachzutragen, daß sie sehr gleichmäßig aufgtngen und sehr geiunb und üppig aussehen, die Erträge scheinen sehr gut zu werden. — Mit dem Verpflanzen der Dickwurzeln ist man gegenwärtig beschäftigt. Hier thäte ein weiterer, ausgiebiger Regen sehr noth, was kürzlich gefallen ist, reicht bei Weitem nicht aus. In Bezug auf Wiese«, Klee und FuttergewLchse aller Art läßt sich nur Erfreuliches berichten. Der zweite Klee wird durch die herrschende Trockenheit in seiner Entwicklung beeinträchtigt. Da die Futtergewächse unter reichlichem Sonnenschein gediehen, sind ihre Eigenschaften die besten. Zum Schlüsse noch Einiges über das Obst. Hier wird es dieses Jahr heißen: Wer das Glück hat, führt die Braut heim, denn an manchen Orten gibt es wenig oder nichts, an anderen ziemlich viel. In letzter Zeit bemerkt man, daß viele Fruchtansätze abfallen. Das Ungeziefer setzt also seine zerstörende Wirksamkeit fort. Die sogen. Schaf«afe, ober auch Frankfurter Apfel genannt, bewährt auch dieses Jahr wieder seine guten Eigenschaften, er ist witterungsbeständig und fest gegen Jnfecten und Unbilden aller Art; der Baum wird in verhältnißmäßig frühen Jahren tragfähig und er trägt mit fast mathematischer Sicherheit alle zwei Jahre gut bis reichlich. — Soviel für diesmal! verkehr, £and« und V*lk»rvirthsehast. — AlS ertragreiche Futter« und Mründungspstanze ist der Japanische Weizen zu empfehlen, da derfelbe sich feines außerordentlich schnellen Wachsthums wegen besonders als Zwischenfrucht zu eignen scheint. Sutton in Beading erhielt von einer Aussaat vom 27. August schon am 13. October dichte, saftige Stengel von über zwei Fuß Länge. Besonders stark .ist die Bestockungfähigkeit, auch die Widerstandsfähigkeit gegen Kälte ist gut. Literatur und Aunst. — Jllustrirte Geschichte Deutschland-. Herausgegeben von Th. Ebner, mit über 1000 Text- und Vollbildern nach Gemälden der ersten deutschen Künstler: A. v. Werner. W. Camphausen, W. Menzel, F. Diez, E. Neuhaus, G. Richter, G. Bleibtreu, O. v. Faber du Faur, L. Braun u. A., in 3 eleganten Leinwandbänden (Lexiconformat) ä 10 oder in 69 Lieferungen ä 40 nach und nach zu beziehen. — Verlag des Süddeutschen Verlags- Instituts in Stuttgart. In drei stattlichen Bänden entrollt sich in Wort und Bild die geschichtliche Entwickelung des deutschen Volkes. — Die Kämpfe der Germanen und Römer, die Völkerwanderung, die Königsgeschlechter, von Karl dem Großen an, die Franken und Karolinger, die sächsischen und salischen Kaiser, die glanzvolle Zeit der Hohenstaufen, Rudolf von Habsburg und seine Nachfolger, die Reformation, die Greuel des 30jährigen Krieges, der große Kurfürst, Friedrich der Große, die Zeiten Deutschlands tiefster Erniedrigung während der Gewaltherrschaft Napoleons, seine begeisternde Erhebung in den Befreiungskriegen und seine Wiedererstarkung, die unvergänglichen Ehren, welche die Armee im Kriege gegen Frankreich errang, und endlich die neueste Zeit, das junge schöne Auferstehen des deutschen Reiches unter Wilhelm L, dem ehrwürdigen Heldenkaiser, bis auf die heutigen Tage — welcher Deutsche hätte nicht Lust, diese gewaltigen Bilder deutscher Vergangenheit und Gegenwart oorüberztehen zu lassen durch einen Gang durch die Jahrtausende. Katechismus des Praktischen Ackerbaues. Von Wilhelm Hamm. Dritte Auflage, gänzlich umgeaedettet von A. G. Schmitter, Assistent an der Universität Leipzig. Mit 138 in den Text gedruckten Abbildungen. XVI und 214 Seiten. In Oriqinal-Letnenband. Preis 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Dieser Katechismus enthält das Wichtigste auf dem Gebiete der Bearbeitung, des Anbaues und der Düngung des Ackers und entwirft ein abgerundetes Bild von dem heutigen Stande des Ackerbaues. Wir zweifeln nicht, daß auch diese neue Auflage des anerkannt practischen Buches sich immerfort neue Freunde erwerben, besonders aber den jüngeren Landwirthen und Studirenden ein nützlicher Rathgeber werden wird. Schiff* ttad>riri?tcn. Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 11. Juni wohlbehalten tn Newyork angekommen. Am Sonntag den 22. Juni: Feier des heiligen Abendmahls,- die Beichte am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr. 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Katechismuslehre für die Gymnasiasten und StadffchÜler Vormittags 11 Uhr in der Kleinkinderschule. Pfarrer Dr. Naumann. Katechismuslehre für die Mädchen Vormittags 11 Uhr in der Friedhofscapelle. Pfarrer Dingeldey. Katholische Gemeinde. 3. Sonntag nach Pfingsten, 15. Juni. Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V28 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um Vs? Uhr Austheilung der hl. Communion; um V»8 Uhr Frühmesse; um 8/<10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um Va3 Uhr sacramentalische Bruderschaftsandacht mit Predigt. Gottesdienst in der Synagoge. 14. Juni. Freitag Abend 7so Uhr, Samstag Morgen 8°° Uhr, Samstag Mittag 4« Uhr, Samstag Abend 910 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast. Freitag Abend 730 Uhr, Samstag Vormittag 800 Uhr, Samstag Nachmittag 4«> Uhr, Samstag Abend 9°» Uhr. — In Folge des von Großh. Bürgermeisterei Gießen ergangenen Aufrufs zur Errichtung eines Denkmals für Kaiser Friedrich dei Wörth sind bet uns eingegangen: Von der Holzmühle Lollar 10 Mk. Weitere Beiträge nimmt gern entgegen Die Expedition des „Gießener Anzeiger". - —-- Temperatur der Lahn und der Lust am 13. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16, Luft 1?V3 Gr. Rübsamen. Heuaras Versteigeruug. Donner-tag den 19. Juni, soll das Heugras von den Wiesen der Gemeinde Großen» Buseck in 90 Abteilungen an Ort und Stelle versteigert werden. Der Anfang ist um 9 Uhr Vorm. bei der Fußmühle. Großen-Buseck, am 12. Juni 1890. Gr. Bürgermeisterei Großen - Buseck. _________Stephan_____5075 Heugras Versteigerung. Montag den 16. laufenden Monats, Vormittags um 10 Uhr, soll das Heugras von den Gemeinde- Wiesen zu Trohe an Ort und Stelle versteigert werden. Trohe, am 12. Juni 1890. Der Bürgermeister: 5074__________Schwarz. Submission. Im Wege der öffentlichen Submission sollen die zur Herstellung der evangel. Kirche in Kaichen erforderlichen Arbeiten: Zimmerarbeiten, Dachdeckerarbeiten, Spenglerarbeiten, Tüncher- und Weißbinderarbeiten am 19. Juni, Vormittags 11 Uhr, im Psarrhause zu Kaichen vergeben werden. * Der Unterzeichnete versendet auf Wunsch den Kostenanschlag und Bedingungen, doch liegen dieselben auch am 14. Juni, Vormittags um 11 Uhr, in der Kirche zur Einsicht aus. Mainz, den 8. Juni 1890. Schwartze, 5055 Kirchenbaumeister. Grasversteigerung. Samstag den 14. Juni d. I., Nachmittags 3 Uhr, versteigere ich die Graserute von 10,811 lH-Mtr. Wiesen an Ort und Stelle. Zusammenkunft bei Gastwirth Hauvach, Krofdorferstratze. Die! Versteigerung findet bestimmt statt. Born, 5069 Gerichtsvollzieher in Gieße«. Dienstag Nachmittag von" 2 Uhr an, werben die nachgelassenen Mobilien von Frl. Christine Sony, Seltersweg 16III, meistbietend versteigert; besonders ist dabei: eine schöne Eommode, ein Sopha, Stühle, Tisch, Bettwerk, Weißzeug und andere Gegenstände. 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