Nr. 134 Freitag den 13. Juni 1890 Der -Kiener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Nnmltienvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Kichener Anzeiger General-Unzeiger. vierteljähriger AVonnementspretsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7« Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt füv den Uveis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Iamitienbtätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. A8e Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Herbst 1890 betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1890 stattsind enden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. August 1890 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Priisungs - Com- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts- ort hat. 2. Die Zulassung zur Prüsung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3. Das Gesuch muh von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a. Geburtszeugniß; b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein- , c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Poüzer- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist- d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei sremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. „ 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen. Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Ausschluß. ____________________ Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattsindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 7. Juni 1890. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. politische Uebersicht. Gießen, 12. Juni. Der ebenso herzliche wie auszeichnende Empfang, welcher dem italienischen Thronfolger am deutschen Kaiserhose zu Theil geworden ist, hat in Italien einen freudigen Widerhall gefunden und die Blätter aller Parteirichtungen sprechen sich überaus befriedigt über die glänzende Aufnahme des Prinzen von Neapel in Deutschland aus. Der Kaiserliche Hof erschöpft sich aber auch förmlich in Aufmerksamkeiten gegen den erlauchten italienischen Gast, wie das ungemein reichhaltige Programm der Festlichkeiten zu Ehren desselben beweist, nur erscheint es noch ungewiß, ob das Festprogramm wegen des wieder unsicher gewordenen Wetters in allen seinen Theilen wird durchgeführt werden können. Die Erwartung, daß in den Arbeiten des Reichstagsplenums nach Ablauf der Pfingstpause ein beschleunigtes Tempo eingeschlagen werden würde, scheint sich vorerst noch nicht erfüllen zu wollen. Denn obwohl der Reichstag in seiner am Montag abgehaltenen ersten Sitzung nach den Pfingstferien die Specialberathung des Nachtragsetats für Ostafrika recht gut hätte erledigen können, ist dies doch nicht geschehen und wird also noch eine zweite Sitzung zu diesem Zwecke erforderlich sein. Die Dienstagssitzung aber wurde vollständig durch die Berathung der vom Abgeordneten Richter eingebrachten Interpellation über die Fortdauer der Paßpflicht in Elsaß-Lothringen ausgefüllt. Von den Reichstags-Commissionen hat diejenige für die Vorberathung des Entwurfes über die Gewerbegerichte ihre Arbeiten beendigt und den Centrumsabgeordneten Bachem zum Berichterstatter im Plenum bestellt. In den Berathungen der Militärcommission ist nach Erledigung der langen Generaldebatte einstweilen eine Pause eingetreten, dagegen steckt die Arbeiterschutz-Commission noch tief in ihrer ersten Berathung der Vorlage. Auf die langwierigen Verhandlungen über die Bestimmungen hinsichtlich der Sonntagsruhe sind nunmehr die Debatten über die Paragraphen, welche von den jugendlichen Arbeitern handeln, gefolgt, und haben sie namentlich bei der Frage der Arbeitsbücher einen sehr lebhaften Charakter angenommen. Der preußische Landtag wird an diesem Freitag geschlossen und Herrenhaus wie Abgeordnetenhaus sind daher in den ■ZaSMBi»—l^—1 letzten Tagen eifrig mit der Aufarbeitung des noch vorhandenen Berathungsmaterials beschäftigt gewesen. Das Gesetz über die Schulpflicht kann natürlich nicht mehr zur Erledigung gelangen. In Belgien haben am Dienstag die alle zwei Jahre zu wiederholenden Erneuerungswahlen zur Deputirtenkammer stattgefunden. Soweit bekannt, ist durch diese Wahlen an den bisherigen Parteiverhältnissen in der belgischen Volksvertretung nichts Wesentliches verändert worden, denn wenn auch die Liberalen ihren einzigen Sitz in Gent an die Clericalen verloren, so gewannen sie dafür von letzteren ein Mandat in Verviers und scheinen die Liberalen überhanpt mit einem kleinen Mandatsgewinn aus den diesmaligen Wahlen hervorzugehen. Die hochpolitischen Erklärungen, welche Minister Graf Kalnoky in der Montagssitzung der österreichischen Delegation über die auswärtigen Beziehungen Oesterreich-Ungarns abgegeben hat, sind weit über die Grenzen des Kaiserstaates hinaus mit hoher Befriedigung ausgenommen worden. Dies gilt besonders von der bestimmten Versicherung Kalnokys, daß der mitteleuropäische Dreibund unerschüttert fortbestehe und daß auch seine Ziele unverändert dieselben friedlichen seien wie bisher; ebenso erfreuen sich die offenen Darlegungen des österreichischen Staatsmannes über die Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel allgemein sympathischer Beurtheilung. Den Minister des Auswärtigen löste der Kriegsminister v. Bauer am Dienstag mit einer im Heeresausschuß der ungarischen Delegation abgegebenen politisch-militärischen Erklärung ab, aus welcher erhellt, daß auch in Oesterreich-Ungarn in den nächsten Jahren bedeutende Mehrforderungen für Heereszwecke zu erwarten sind. Die französisch-englischen Differenzen wegen Egyptens kamen in der Dienstagssitzung der französischen Deputirtenkammer wieder einmal zur Sprache. Der Minister des Auswärtigen, Ribot, legte die Gründe und Bedingungen, unter denen Frankreich der Umwandlung der Schuld zugestimmt, dar, und versicherte, die englische Occupation Egyptens sei nur eine vorübergehende, die englische Regierung werde ihr Räumungsverspre-chen gewiß einlösen. Herr Ribot schloß mit der Erklärung, daß die französische Regierung ungeachtet des Wunsches, die herzlichsten Buchungen zu England zu pflegen, eine dauernde Festsetzung Englands in Egypten nicht dulden könne und darum keine Gelegenheit vorübergehen lassen werde, immer wieder auf die Räumungsfrage zurückzukommen. — In England, wo man im Ernst gar nicht daran denkt, Egypten aufzugeben, dürste die sehr deutliche Mahnung des Herrn Ribot an das Räumungsversprechen nicht wenig ver- schnupfen. Feuilleton. Wie ich Director wurde. Aus den Erinnerungen eines fahrenden Mimen. Von Fritz Brentano. (Schluß.) Wir waren freilich Beide noch sehr jung, vielleicht war rs auch der Mangel an jeglicher Perrücke, Schminke 2CV welcher uns das Spielen der sonst so begehrten, prächtigen Rolle des alten Försters verleidet — kurz, wir geriethen während der betreffenden Vertheilungs-Conferenz derart aneinander, daß die anfänglich leise geführte Unterhaltung nach und nach in eine förmliche Redeschlacht, endlich aber in handgreifliche Feindseligkeiten ausartete, die mein College damit eröffnete, daß er den ihm zusällig zur Hand stehenden Kleistertopf nach mir schleuderte. Zum Glück für meinen Kopf traf derselbe nicht mich, sondern das ehrwürdige Haupt der komischen Alten, die, von dem klebrigen Inhalte desselben übergossen, sofort die Schleusen ihrer haarsträubenden Beredt- samkeit auszog und ein Gekreische anhub, welches sämmtliche Dorfbewohner, die sich nicht gerade aus dem Felde befanden, aus den Kampfplatz lockte. „Herr," donnerte ich meinem Partner zu, „ich hebe unsere Geschäftsverbindung aus und trete von der Direction zurück!" „Freut mich sehr!" schrie er seinerseits, während die wüthende Alte ihre weinende Tochter am Arme nahm und aus dem Saale schleppte, wobei sie den grinsenden Bauern zurief: „Ich war drei Jahre am Hostheater in Bückeburg engagirt! Ich habe im Leben Manches, aber noch nie einen Kleistertopf über mich ergehen lassen müssen!" Und damit zog sie stolz ab. Ich aber machte den Bruch vollständig, indem ich peremptorisch erklärte, daß ich sosort meine Geschästseinlage zurückziehen würde, wobei ich die That dem Worte folgen ließ und die linke Hälfte der Tapetendecoration herunterriß, was meinen Compagnon veranlaßte, schleunigst über die rechte herzufallen, so daß binnen wenigen Minuten der geheiligte Rathhaussaal von B. mit Papierfetzen, Kleisterflecken und den Trümmern von Bohnenstangen bedeckt war. * . * Das Nächstfolgende ist mir nie recht klar geworden. Nur Eines weiß ich bestimmt, daß mein Excompagnon und ich uns draußen auf dem Felde jämmerlich gepufft und geknufft wiederfanden. Die Herren Bauern hatten sich nämlich schließlich in die Sache gemischt, da sie ein gewisses Interesse an derselben hatten. — Natürlich, wir hatten ja schon zwei Dutzend Billets für die erste Vorstellung verkauft und im Hinblick aus die erhoffte Einnahme einige „Pümper" angelegt. Und da auch noch aus der Ferne uns unheimlich drohende Fäuste winkten, so zogen wir es vor, schleunigst Frieden zu schließen, und mit Hinterlassung unseres glänzenden Inventars, sowie unserer Damen, das Weite zu suchen. Da Gott bekanntlich keinen Deutschen verläßt, so wird er auch den Letzteren geholfen haben — gehört habe ich von der begeisterten Huppmillern und ihrer naiven Tochter nichts mehr. „Kellner, noch zwei Seidel!" ries mein einstiger Associö, indem er nach der Wiederauffrischung dieser Vorgänge bedeutsam seine Koburgerin für Kunst und Wissenschaft beliebäugelte, und sröhlich lachend tranken wir aus das Wohl aller „sahrenden Comödianten". * „Ich habe einen Zungen anzumelden, Herr Standesbeamte." — „Schön, wie heißt er?" — „Salmiak!" — „Salmiak? Das ist aber ein ganz sonderbarer Name." — „Ja, der ist auch auf sonderbare Weise entstanden. Wie das Kind geboren war, hat meine Schwiegermutter gesagt, Salomon soll es heißen, weil der ein großer, weiser König war. Meine Frau wollt haben, er soll Micha heißen, Micha wäre ein großer Prophet gewesen. Ei was, hab ich gesagt, Salomon war ein Narr, weil er tausend Weiber gefreit hat. Micha geht mich nichts an- ich halt es mit Moses und den Propheten. Isaak soll der Junge heißen, das war unser Stammvater. Wie wir uns nun gar nicht einigen konnten, habe ich einen Vorschlag zum Besseren gemacht, wobei jeder hat etwas über fünfzig Procent Nachlassen müssen- daraus ist Salmiak geworden." * „Sie reisen also auch nach Oberammergau? Wann hat eigentlich das Passionsspiel begonnen?" — „Das weiß ich nicht genau. Mein Passionsspiel beginnt immer vierzehn Tage früher als das Oberammergauer, nämlich mit;ber Fertigstellung der Reisetoilette meiner Frau." * Wohlmotivirte Frömmigkeit. An Bord amerikanischer Dampfschiffe — so erzählt die „Tägl. Rdsch." — wird alle Sonntagmorgen Gottesdienst gehalten. Die Matrosen werden dazu ausgesordert und finden sich regelmäßig ein. Ein anwesender Herr fragt einen alten Seebären: „Sind Sie gezwungen, dem Gottesdienste beizuwohnen?" — „Nicht gerade gezwungen," erwiderte Jack, „nur würden wir unseren G r o g z verlieren, wenn wir nicht erschienen." Deutsches Berich. Darmstadt, 10. Juni. Das am 7. dss. Mts. ausgegebene Großh. Regierungsblatt (Beilage Nr. 13) enthält u. A.: Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht: Am 10. Mai dem Gärtner Johann Baach zu Londorf das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste", — am 15. Mai aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger dem Consul Hermann Heinrich Meier zu Bremen die Rettungsmedaille, — am 4. Juni dem Schullehrer Johannes Walz zu Ober-Bessingen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste" — zu verleihen. Dienstnachrichten. Am 15. Mai wurde dem Schullehrer Joseph Adam Diehl zu Rieder-Ingelheim eine Lehrerstelle an der kathol. Schule zu Dieburg, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Heinrich Schultheis zu Wölfersheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Berstadt, — am 17. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Hensing aus Darmstadt die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Babenhausen I, — am 21. Mai wurde dem Schullehrer Christian Roth zu Altenstadt die fünfte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lich übertragen- am 22. Mai wurde der Gerichtsvollzieher-Aspirant Philipp Stieb zu Mainz zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Mainz ernannt- am 28. Mai wurde der von dem kathol. Pfarrer und dem Ortsvorstand zu Oppershofen auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppershofen präsentirte Schulverwalter Arnold Kröger daselbst für diese Stelle bestätigt - an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Carl Jacobi aus Rodheim v. d. H. eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gambach übertragen. Am 16. Mai wurde der seitherige Verwalter des Bene- ficiums ad St. Laurentium et ad St. Leonardum zu Bensheim Leonhard Herke zum Beneficiaten dieses Beneficiums ernannt. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle und eine mit einer evang. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Volksschule zu Offenbach mit einem Ansangsgehalte von je 1200 Mk. Dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu diesen Stellen zu. Die zweite Lehrerstelle an der evang. Schule zu Lützel- Wiebelsbach mit einem Gehalte von 900 Mk. Dem Herrn Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grasen von Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 900 bis 1200 Mk. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rumpenheim mit einem Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Berlin, 11. Juni. Für die neue Heeresverstär- kung berechnen sich die einmaligen Ausgaben für den preußischen Etat aus Mark 34,034,608, darunter Mark 3,562,242 für Bekleidung und Ausrüstung der neu auszustellenden Truppen, Mark 4,455,150 zu Ankausskosten für 4186 Dienstpferde, Mark 12,914,341 zur Beschaffung des Artilleriematerials und Munition, ferner Mark 1,322,000 zur Erwerbung und Erweiterung von Exercierplätzen, Mark 2,424,400 für Wellblechbaracken für Mannschaften und Pferde. Sodann sind vorgesehen u. A. neue Kasernen mit ersten Raten, Unterbringung der Feldartillerie in Düsseldorf, Itzehoe, Darmstadt, Saarburg, Potsdam, Gumbinnen, Pr. Stargard, Breslau, Celle, Hanau, Danzig, Deutsch-Eylau, Marienwerder, Weißenburg, Metz, Mörchingen, erste Raten zu Kasernen für ein Cavallerieregiment in Dieuze und für ein Infanterieregiment in Remilly. Der sächsische und württem- bergische Etat enthält analoge Positionen- u. A. ist im württembergischen Etat eine erste Rate zu einer Kaserne für ein Feldartillerieregiment ausgesprochen. Für Sachsen belaufen sich die einmaligen Ausgaben auf Mark 1,056,375, für Württemberg aus Mark 789,650. Derrtscher Reichstag. 14. Plenarsitzung. Mittwoch, 11. Zuni 1890, 12 Uhr. Das gegen den Abg. Stadthagen (Söc.) schwebende Strafverfahren beim Landgericht II Berlin und das gegen den Abg. Schmidt-Sachsen (Soc.) beim Königl. Amtsgericht zu Burgstädt wegen Beleidigung werden für die Dauer der Session sistirt. Es folgt die erste Berathung des von dem Abg. Auer und Genoffen beantragten Gesetzentwurfes betr. die Ergänzung der Unfallversicherung. Abg. Grillenberger (Soc.): Es soll bei kürzerer Dauer der durch Unfall verursachten Krankheiten Rente gezahlt werden und zwar von der Beendigung des Heilverfahrens ab und nicht wie jetzt, erst von der 14. Woche ab. Der Antrag wird durch zahlreiche Fälle aus der Praxis begründet. Wenn auch die Unfallversicherung gewisse Vortheile für den Arbeiter gebracht hat, so ist doch die sociale Lage des Arbeiters dadurch nicht gebessert worden. Die Schiedsgerichte wirken bisher für den Arbeiter ungünstig. Staatssecretär v. Bo etlicher gibt die Rothwendigkeit einer Correctur des Gesetzes zu, dock erstreckt sich die Revisionsbedüritigkeit auch auf andere Theile des Gesetzes. Bei der Regierung finden Erwägungen statt, wie die Uebel- stände abzustellen sind. Wenn diese Bestrebungen bisher noch zu keinem greifbaren Resultat geführt haben, so liegt das daran, daß die Unfallversicherung noch nicht in ihrem ganzen Umfange in Kraft getreten ist. Die Regierung selbst beabsichtigt demnächst Correcturen vorzuschlagen, doch liegt die Sache nicht so einfach, wie die Vorlage vorauszusetzen scheint. Auch die Dringlichkeit ist für die Vorlage durchaus nicht anzuerkennen. Abg. Hempel (cons.) anerkennt die Forderungen des Antrages Auer als gerechtfertigt- in einzelnen Punkten ist Redner nicht abgeneigt, über den Antrag zu Gunsten der Arbeiter hinauszugehen- doch fei die Sache nicht dringlich und könne später bei der allgemeinen Revision der Unfallversicherung Berücksichtigung finden. Abg. R ö s i ck e (wildlib.) anerkennt die Forderung des Antrages Auer als berechtigt. Auch die Mehrzahl der Arbeitgeber dürste dem Anträge sympathisch gegenüberstehen. Ueber Einzelheiten desselben lasse sich streiten und empfehle sich die Vorberathung durch eine Commission von 14 Mitgliedern. Abg. Goldschmidt (dsr.) stimmt ebenfalls dem Anträge zu- es ist die Aufnahme dieser Bestimmung bereits bei der Berathung des Unfallversicherungsgesetzes von der freisinnigen Partei beantragt, damals aber vom Hause abgelehnt worden. Abg. Hitze (Ctr.) tritt dem Anträge auf Commissions- berathung bei. Abg. Frhr. v. Stumm (Reichsp.) betont die Notwendigkeit der Ausdehnung der Unfallversicherung auf weitere Betriebe. Aus dem gegenwärtigen Zustande ergeben sich mancherlei Unzuträglichkeiten, welche der Abhülfe dringend bedürfen. Die Debatte wird geschloffen. In seinem Schlußwort bezweifelt der Abg. Singer (Soc.), daß die Arbeitgeber in ihrer Mehrzahl die vor- gefchlagene Ausdehnung des Gesetzes wünschen. Er bemängelt dann noch Angaben in den Berichten der Fabrikinspectoren. Die bei der Sache interessirten Arbeiter haben nicht so lange Zeit zu warten, wie die verbündeten Regierungen. Es wäre wünschenswert, wenn man die Sache beschleunigen könnte. Unter der , Voraussetzung, daß die Regierung die angekündigte Vorlage zur Herbstsession an das Haus bringen wird, zieht Redner den Antrag Auer zurück. Es folgt die Berathung des Antrages Broemel (dsr.) auf Vorlage eines Gesetzes, betr. die schließliche Entscheidung von Rechtsfragen in Zollfachen auf dem Rechtswege oder im Verwaltungsstreitverfahren. Der Antragsteller hält die Einrichtung in der Art nöthig, daß die zu errichtende Behörde unabhängig vom Bundesrath dastehen müßte- sie soll namentlich berechtigt sein, ihre Entschließungen in Zollsachen selbständig zu fassen ohne Rücksicht auf die Entschließungen des Bundesrathes und ohne diesen fragen zu müssen, denn sonst würde dieser Apparat zu com- plicirt werden. Der Antrag ist nöthig, da sich die Einrichtung anderer Länder, wonach Zoll- und Steuerfragen von den ordentlichen Gerichten entschieden werden, bei uns nicht durchführen lasse. Dagegen sind bei uns in einer Reihe von Einzelstaaten die Verwaltungsgerichte mit Steuersachen betraut. Auf die Dauer wird man die Einrichtung einer solchen Centralbehörde nicht unberücksichtigt lassen können. Denn der gegenwärtige Zustand, wonach dieselbe Behörde, welche administrative Bestimmungen erläßt, auch endgültige Entscheidungen in Streitsachen trifft, ist nicht haltbar. Abg. Kurz (cons.): Die Durchführung des Antrages würde auf Schwierigkeiten stoßen, da die Einführung der Verwaltungsgerichte in allen Einzelstaaten noch nicht stattgefunden hat. Ein solcher selbständiger Gerichtshof würde aber auch schwerlich in der Lage sein, selbständig zu entscheiden, vielmehr immer auf die Beihülfe von Sachverständigen angewiesen sein. Abg. Witte-Rostock (dsr.) empfiehlt den Antrag Broemel, der namentlich den gegenwärtig so oft vorkommenden Verzögerungen in Steuerfachen entgegenwirken würde. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Fortsetzung der soeben abgebrochenen Berathung. Nachtragsetat (Gehaltserhöhungen). Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Corrclpondenz-Bureau. Berlin, 11. Juni. Der Kaiser, der Kronprinz von Italien, Prinz und Prinzessin Heinrich, Prinz und Prinzessin Leopold mit Gefolge trafen 83/4 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhofe ein und fuhren in den Jnvalidenpark zur Grundsteinlegung der neuen Kaiserin Augusta-Gedächtniß- kirche. Prinz Rupprecht von Bayern, sowie die anwesenden Prinzen souveräner Fürstenhäuser waren erschienen. Bei dem Erscheinen des Kaisers fand Empfang statt durch den Gouverneur von Berlin, den Commandeur des Gardecorps, den Cultusminister v. Goßler, den Commandanten von Berlin und den Landesdirector v. Levetzow, den Oberbürgermeister v. Forckenbeck rc., Deputationen der Regimenter mit Standarten, zahlreiche Offiziere, Geistlichkeit, Gewerke, Innungen mit Emblemen, eine Deputation der Studenten bildete Spalier. Am Festplatze warteten zwanzig weißgekleidete Ehrenjungfrauen. Bei dem Beginn der Feier wurden 101 Kanonenschüsse gelöst. Nach der Festansprache erfolgte die Verlesung der Stistungsurkunde durch Levetzow, worauf der Kaiser drei Hammerschläge that- danach folgten der Kronprinz von Italien, die anwesenden Prinzeu und Prinzessinnen, der Reichskanzler Caprivi, die Minister, die Geistlichen, die militärischen und die Civil-Würdenträger. Die Kirche wurde „Gnadenkirche" getauft. In dem Segensspruche gedachte Probst Brückner des Vermählungstages des hochseligen Kaiserpaares am 11. Juni 1829, welchem Gottes Gnade in reichstem Maße zu Theil geworden ist. Er verlas ein Schreiben der Großherzogin von Baden, daß sie in Gedanken bei der Feier weile. Der Jnvalidenpark sei als Standplatz gewählt, als Vereinigung der Kriegs- und Friedenserinnerungen. Es folgte ein Gebet. Nach beendigter Feier hielt der Kaiser einen längeren Cercle. Berlin, 11. Juni. Die Zeitungen berichten über große Brandschäden mit sehr zahlreichen Verlusten an Menschenleben in dem uralschen Montanindustriegebiete. Die Hüttenwerke von Utalesk uni) Newjansk und damit tausend Wohnhäuser, vier Schulgebäude, drei Hospitäler, Magazine und Anderes sind niedergebrannt - 40 Personen sind in den Flammen umgekommen, 18,000 Personen sind obdachlos. München, 11. Juni. Minister v. Lutz hatte eine etwas ruhigere Nacht - doch dauern die beunruhigenden Erscheinungen fort. Bukarest, 11. Juni. Die Kammer votirte Credite für die militärische Equipirung, für Anschlüsse und Ausbau der Eisenbahnen. Berlin, 12. Juni. Die beiden 'Häuser des Landtags treten morgen Nachmittag 3 Uhr zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, behufs Entgegennahme einer Königlichen Botschaft. CocaUs ttnd prwinsieUes* Gießen, 12. Juni. — Nächtlicher Unfug. In der Nacht vom 1. auf den 2. d. Mts. wurden in der Bahnhofstraße in mehreren Privat- häusern die Fensterscheiben eingeschlagen und an einer über der Thüre einer Wirthschast daselbst angebrachten Laterne die Glasglocke zertrümmert. Der Thäter ist ermittelt worden und mußte den Betrag von 50 «X an die Beschädigten zahlen, die Strafantrag gestellt, diesen jedoch wieder zurückgezogen hatten. — Vergangene Nacht demolirten wiederum eine Anzahl junger Leute circa 50 Laternenscheiben auf der Nord-, Ost- und Südanlage. Den Thätern ist man auf der Spur. Vermischte». * Darmstadt, 11. Juni. Bei der Ausstellung der Deutschen Landwirthschaftsgesellschaft zu Straßburg i. E. waren von Landwirthen aus dem Großherzogthum 70 Thiere, nämlich 10 Pferde, 24 Rinder und 36 Schweine ausgestellt. Auf diese Thiere fielen nicht weniger als einunddreißig Preise, und zwar auf Pferde 5, auf Rinder 17 und auf Schweine 9 Preise. Außerdem waren 14 Ziegen, bezw. Ziegenböcke aus dem Großherzogthum ausgestellt, die sämmtlich prämiirt wurden. Dieses Ergebniß muß um so mehr als ein äußerst befriedigendes angesehen werden, als die Concurrenz aus anderen Theilen des Reiches bei den meisten Thiergattungen eine starke war. Sehr erfreulich war, daß eine sehr große Zahl von Landwirthen aus dem Großherzogthum die Straßburger Ausstellung besucht hat- für den heimischen Betrieb der Thierzucht etwas zu lernen, hat jeder Landwirth, der dort war, vielfach Gelegenheit gehabt. * Darmstadt, 10. Juni. Bei einer gestern Morgen auf dem Exercierplatze stattgefundenen Hebung der Krankenträger der Hessischen Division ereignete sich folgender heiterer Vorfall, der verdient, auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Ein Hauptmann, welcher die fingirten Verwundeten inspicirte, wandte sich mit der Frage an einen derselben: „Sind Sie todt?", woraus der tapfere Vaterlandsvertheidiger unter allgemeinem Gelächter der Umstehenden die prompte Antwort gab: „Jawohl, Herr Hauptmann!" * Berlin, 10. Juni. Die obersten Reichsbehörden haben Veranlassung genommen, durch amtliche Vermittlung die Aufmerksamkeit der betheiligten Kreise im Auslande auf die medicinisch - wissenschaftliche Ausstellung hinzulenken, welche mit dem internationalen Aerzte- Congreß verbunden fein soll. Auch sind die Einladungen, welche das hiesige Organisations-Comite zum Congreß selbst erlassen hat, zwecks weiterer Vertheilung an geeignete Persönlichkeiten in derselben osficiellen Form den auswärtigen Regierungen übermittelt worden. Diese Werthschätzung, welche dem großen wissenschaftlichen Unternehmen von Seiten der Reichsregierung zu Theil wird, scheint denn auch überall gebührende Würdigung zu finden. Der König von Holland hat bereits jetzt den Oberstabsarzt der Niederländischen Marine Major Gysberti Hodenspyl beauftragt, dem Congreß beizuwohnen. Aus der Stadt Mexiko ist telegraphisch die Nachricht eingetroffen, daß sich um den berühmten Chirurgen Lavifta daselbst die Professoren Carmona, Liceaga, Mafia, Ramos, Nicolas und Arrellano zur Förderung des internationalen Congresses vereinigt haben. Ebenso hat der Präsident der Königlichen Akademie zu Madrid, der Chef der Aerzte des Königlichen Hauses Professor Basilio San Martin aus den ersten Klinikern und Theoretikern Spaniens ein besonderes Landes-Comite dem Berliner Congreß zu Ehren gebildet. Aus ganz Europa, vom fernen Westen der Vereinigten Staaten, wie aus Cuba, Brasilien, Australien, Japan, China, Ostindien, Egypten und Malta, kurz aus allen Ländern der Erde gehen fortwährend Anmeldungen und Anfragen ein. Ein besonderes Wohnungs-Comite ordnet die einlaufenden Anerbielungeii für private und miethweise Ausnahme. Pensionate und möblirte Zimmer, welche sonst im August leer stehen, werden im Bureau des Congresses (Karlftr. 19) vorgemerkt. Alle Verkehrs- und Reiseangelegenheiten, namentlich auch die Besorgung der combinirbaren Rundreisefahrtkarten innerhalb des Deutschen Reiches hat die Firma Brasch und Rothenstein für die Mitglieder kostenfrei übernommen. -^Alle größeren Hotels haben eine ansehnliche Preisherabsetzung^zugesichert, kurz überall regt es sich, um dem Congreß eirte^ würdige Gestaltung zu bereiten. *= Frankfurt a. M., 11. Juni. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung kamen u. A. auch die hessischen Nebenbahnen und speciell die projectirte Linie Frankfurt-Stockheim zur Sprache. Sonnemann bemerkte, auch die Vertretung der Stadt Frankfurt müffe sich rühren, da die Linien Hanau-Friedberg, Gießen-Gelnhausen und. Gießen-Fulda geradezu eingerichtet seien, Frankfurt zu umgehen. Es müsse conftatirt werden, daß Frankfurt ein- wesentliches Interesse an der Linie Stockheim habe. Bürger- meister Heussenstcumrr erklärte, der Magistrat habe in der Sache bereits vertrauliche Berhandlungen gepflogen und Oberbürgermeister Miquel betreibe die Sache in Berlin. Es wurde schließlich eine Resolution gefaßt, worin die Bahn Frankfurt-Stockheim für Wünschenswerth erklärt wird. * Marburg, 7. Juni. Heute Morgen um 4 Uhr, also zu einer Stunde, wo die Bewohner unserer Stadt noch im tiefsten Schlaf zu liegen pflegen, hielt vor einem der größten Hutgeschäfte in der Wettergasse plötzlich eine leere Landchaise. Gravitätisch stieg der Kutscher vom Bock und kl^fte an die selbstredend um diese Zeit noch geschlossenen Arden. Er klopfte, stampfte den Boden und schellte so wohl elfte Viertelstunde lang, sodaß ob dieses Lärms die ganze Nachbarschaft aus süßem Schlummer erweckt wurde, erschreckt aus den Betten an die Fenster eilte und hier nun geduldig in verzeihlicher Neugier ausharrte, um die gewiß wichtige Veranlassung dieser nächtlichen Ruhestörung zu erfahren. Endlich öffneten sich in dem beklopften Hause drei Fenster gleichzeitig und man fragte den biederen Nosselenker nach seinem Begehr. „En annere Hout will äch hun!" antwortete dieser gelassen und nahm dabei seine eigene, einem respectablen Kutscherhute allerdings wenig ähnelnde Kopfbedeckung zur Bekräftigung seiner Worte in die Hand. Ein heftiger Klaps und alle Fenster flogen enttäuscht zu, während unser Rosselenker, unverständliche Worte murmelnd, mit bärbeißigem Gesichte zur Stadt wieder hinauskutschirte. Reue Schilderhäuser. Wie Berliner Blätter erfahren, beabsichtigt das Kriegsministerium, eine neue Art Schilderhäuser im Wachtdienst einzuführen. Die bisherigen sind, wie bekannt, viereckig und feststehend, die neuen, von denen Proben schon angefertigt werden, sind abgerundet und drehbar, so daß es dem schildernden Posten, der bei Regenwetter das Schilderhaus benutzt, möglich ist, dasselbe so zu drehen, daß der Eingang gegen Wind und Regen geschützt ist. * In Gotha machte ein Soldat, der einem Kameraden den Brustbeutel mit 90 Pfg. entwendet hatte, aus Furcht vor Strafe den Versuch, an einem Baume hinter der Kaserne sich aufzuhängen, stürzte jedoch herab und brach das Genick. UnweMtSts - Marburg, 11. Juni. Der Herr Cultusminister hat an die llniversitätscuratoren unter dem 2. Juni 1890 nachstehenden Erlaß gerichtet: „Ich bestimme hierdurch was folgt: 1. Die Universitätslehrer find verpflichtet, in allen Fallen, in welchen sie, sei es durch eigene Wahrnehmung oder auf andere Weise zu der Ueberzeugung gelangen, daß ein Studierender die Vorlesung überhaupt nicht oder nur mit wesentlichen Unterbrechungen besucht hat, die Bescheinigung der Abmeldung (S 15, erster Absatz, der Vorschriften der Studierenden der Lendesuntoersitäten rc. vom 1. October 1879) zu versagen. Wird die Bescheinigung versagt, so darf die Vorlesung im Abgangszeugnisse nicht vermerkt werden (S 15, letzter Absatz, der angeführten Vorschriften). 2. Bet seminaristischen und sonstigen Uebungsvorles- ungen 'haben die Universitätslehrer den Studierenden auf deren Ersuchen eingehende Zeugnisse über Fleiß und Leistungen auszustellen. Diese Zeugnisse sind auf Antrag der Studierenden den Abgangszeugnissen unter entsprechender Verweisung bei dem Vorlesungsem- trage betzuheften." Verkehr, Land« nnd Volkswirthscbafl. — Die pünktliche «n-HLndignng von Postsendungen nach solchen Ländern, in weichen die demsche Sprache wenig ober gar nicht gebräuchlich ist, wird wesentlich dadurch gefördert, wenn in der Aufschrift der Sendungen die Sprache des Bestimmungslandes oder doch eine dort bekannte Sprache angewandt und die Aufschrift in lateinischen Schrifizügen abgefatzt wird. Die Adressaten müssen zwar thunlichst bestimmt bezeichnet, alle nicht unbedingt nothwendtgen Zusätze aber vermieden werden. Limburg 11. Juni- (Fruchtmarkt). Rother Weizen X 18.60, weißer Weizen Jt. —, Korn Jü 13 95, Gerste JL 11.80, Saat- @erfte JL 00.00, Hafer JL 8.80, Erbsen v* 00.00, Kartoffeln JL 0.00. 18. und 19. November, 9. und 10. December. j Viehmärkte: 8. und 9. Juli, 19. August, 23. September. K ram- und Viehmärkte: 24. und 25. Juni, 22. und 23. Juli, $5. und 6. August, 2. und 3. September, 21. und 22. October, — Im Jahre 1890 finden in Gießen die Krämer- «ud Viehmärkte wie folgt statt: — Bedingungen zur Erzielung einer gesunden Milch in einer Meierei. (Nachdruck verboten.) 1. Nur Milch von völlig gesunden und kräftig ernährten Kühen darf verwendet werden. Eine gewählte Gesundheits-Eommission soll das Vieh jährlich mehrere Mate untersuchen; dieselbe soll das Recht haben, verdächtige Kühe auszuschlietzen. 2. Ausschließung dec Milch in den ersten acht Tagen nach dem Kalben, also der sog. Beestmilch, welche eine unappetitliche und abführende Eigenschaft besitzt. ,, _ ,, 3. Ausschließung der Milch hochträchtiger Thiere, also solcher Thiere, die nur noch acht Wochen vor dem Kalben stehen, weil deren Milch ebenfalls oft ungünstige Eigenschaften besitzt, dickflüssig, zuweilcn röthltck und von einem unangenehmen, strengen und bitteren Geschmack ist. 4. Ausschließung jeder Milch, die infolge sonstiger unbekannter Umstände krank ist, schlecht riecht und schmeckt. 5. Durch Fütterung nur solcher Futterstoffe, welche einen günstigen Einfluß auf die Milchgüte besitzen. 6. Durch peinlichste Reinhaltung der Milcheimer, Transport- kannen und durch peinlichste Behandlung derselben in der Meierei selbst, durch Kühlen und sonstige Behandlung, um sie gut zu con- serviren. Die Milch ist bekanntlich ein höchst pinibles Product, welches schon durch mehrstündiges Stehen in einem wenig gelüfteten Raume ungünstige und widerliche Eigenschaften annimmt. 7. Milch für Säuglinge. Zu diesem Zweck sollen die besten Kühe im besten Alter mit den gesundesten Nahrungsmitteln vorschriftsmäßig ernährt werden, unter Berücksichtigung, daß weder Milch von ganz frisch melkenden noch altmelkenden Kühen genommen wird. Bekanntlich hat man in der Aufbesserung der Milchverhältmsse eines der wirksamsten Mittel im Kampfe gegen die große Kindersterblichkeit der Städte erkannt. — Verwendung des Kampfers in der Thierheilknnde. (Nachdruck verboten.) , v „ 1. Der Kampfer wirkt ungemein belebend, wird deshalb zunächst bei alten Leiden mit allgemeiner Lebensschwäche angewandt und zwar gibt man einem erwachsenen Rind 5 Gramm. 2. Bei krampfhaft gesteigertem Geschlechtstrieb werden Gaben bis zu 25 Gramm verabreicht. 3. Bet Quecksilbervergiftungen oder Vergiftung mit Cantarinen ist Kampfer ein gutes Gegenmittel. 4. Am häufigsten werden wir den Kampfer äußerlich anwenden können als erregendes, flüchtiges Reizmittel, z.B. bei Schulterlähme, Rheumatismus. Der Kampfer wird auf einen kleinen Wolllappen gegossen und damit tüchtig eingerieben ober aber es wird eine Salbe (Opodeldok) hergestellt, bestehend aus 10 Theilen Salmiak, 40 Thetlen Spiritus, 4 Thetlen weißer Kalisalbe und 1 Thetl Kampfer; mit dieser wird die Stelle, zu der der Blutstrom hingeleitet werden soll, beschmiert. — Chlorkalk als Jnseclerivertilgungsmittcl. (Nachdruck verboten.) Der Chlorkalk kann zur Vertilgung der Fliegen im Stalle gebraucht werden. Man streut zu dem Zweck 'leine Portionen auf die vorspringenden Enden der Stallbalken. Ebenso wendet man den Chlorkalk mit Vortheil in Gemüsegärten an, um die Pflanzen vor Schnecken und Eierablagerung durch Schmetterlinge zu schützen. Brrxkirr, reine Wolle, nadelfertig, 1168 ca. 140 cm. breit, ä Mk. 1.95 Pfg. per Meter, versendet dtrect jedes beliebige Quantum das BuxkimFabrik Depot Oettinger L0o , Frankfurta. «. — Musterauswahl umgehend franco. Temperatur der §ahu und der Luft am 12. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Lust 11 Gr. Rübs am en. 4495] ®itt Landauer, noch in bestem Zustand, ist vreiswürdig zu verkaufen. Friedrich Kühne senior, WaMhorstraße. Bekanntmachung. Damit die zum weiteren Ausbau der Stadtfernsprecheiurichtuug in Gießen erforderlichen VorbereitustgTarbeiten rechtzeitig in Angriff genommen werden können, werden diejenigen Personen, welche ihre Wohnungen bezw. Geschäftsräume rc. im Laufe dieses Jahres mit der genannten Stadtfernsprecheinrichtung verbinden wollen, ersucht, ihre Anmeldungen recht bald, spätestens bis zum 1. Juli d. Js. an das Kaiserliche Postamt in Gießen einzusenden. L # i Nur für die bis zu diesem Zeitpunkt eingegangenen Anmeldungen kann, die Herstellung der Anschlüffe für den II Bauabschnitt des laufenden Jahres in Aussicht gestellt werden Verspätet angemeldete Anschlüffe können erst im| nächstjährigen I. Bauabschnitt zur Aussührung gelangen. Darmstadt, den 5. Juni 1890. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Clavel. Zahlreiche ÄEUGJVISSE 66 Verkauf in allen Apotheken und Droguen-Handlungen. Das Haus Nestle hat an der Pariser Weltausstellung 1889 die höchsten Auszeichnungen, einen GROSSEN PREIS und eine GOLDENE MEDAILLE der ersten medicinischen Autoritäten. 32 Auszeichnungen, worunter 12 Ehrep^i^loms Vollständiges Nahrungsmittel für kleine Kinder. 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