Donnerstag den 12. Juni Rr. 133 1890 Amts- unb Anzeigeblatt fm? den "Kreis Gieren Gratisbeilage: Gießener Kamikienötätter. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Redaction, Expedition und Druckerei: Schukstraße Ilr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger ASonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogeu 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener werden dem Anzeiger wSchentlich dreimal beigelegt. Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Gießener Anzeig er General-Anzeiger Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Mit Rücksicht auf die im Kreis Schotten verbreitete Maul- und Klauenseuche ist die Abhaltung des auf den 17. Juni d I. angesetzten Viehmarktes zu Laubach untersagt worden- Gießen, den 9. Juni 1890. Großherzogliches Kretsamt Gießen, v. Gagern. Gießen, den 10. Juni 1890. Betr.: Die Vertilgung der BluÜaus. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Soweit Sie unserer Verfügung vom 23. April l. I. — Kreisblatt Nr. 95 — noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an baldige Erledigung. v. Gagern. Gießen, am 10. Juni 1890. Betr.: Den Abverdienst uneinbringlicher Feldstrasen vom Jahre 1889/90. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche noch mit der Vollstreckung des Abverdienstes aus der I.—VI. Feldrügegerichtsperiode 1889/90 im Rückstände sind, werden hiermit an die Erledigung binnen acht Tagen erinnert. v. Gagern. Deutsches Reich. Darmstadt, 10. Ium. Ordensverleihungen. Se. Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht, die Erlaub- niß zur Anlegung des Comthurkreuzes 2. Klasse des Großh. Verdienstordens Philipps des Großmüthigen: dem Obersten Synold v ov Schüz, Commandeur des Husaren-Regiments König Wilhelm I. (1. Rheinischen) Nr. 7, und des Ritterkreuzes 1. Klasse desselben Ordens: dem Major v. Mühlberg in demselben Regiment — zu ertheilen. Darmstadt, 6. Juni. (Antrag aus Uebernahme der Kosten aller öffentlichen Schulen durch die Staatskasse.) lieber diesen von einer Anzahl von Abgeordneten der zweiten Kammer gestellten Antrag liegt jetzt der Bericht des Finanzausschusses vor. Derselbe schließt mit folgendem bedeutsamen, einstimmig gestellten Antrag: „Die Kammer wolle die Groß- herzogliche Regierung, unter Beachtung der von ihr zum Antrag Schröder und Genossen gemachten Mittheilungen und vorgelegten Erhebungen, ersuchen, aus dem begonnenen Weg der Uebernahme von Schullasten der Gemeinden für die Volksschulen durch den Staat weiter voranzugehen und in dieser Weise die Gemeinden und namentlich die ärmeren in ihren Schullasten allmälich immer mehr zu erleichtern." Deutscher Reichstag. 13. Plenarsitzung. Dienstag, 10. Juni 1890, 2 Uhr. Das Haus ehrt das Andenken des gestern plötzlich verstorbenen Abg. v. Wedell-Malchow (eons.) durch Erheben von den Sitzen. Eingegangen ist eine Vorlage betr. die Errichtung eines Denkmals für Kaiser Wilhelm I. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: Auf den Antrag des Abg. Dr. Windthorst (Ctr.) wird das bisherige Präsidium — v. Levetzow (eons.), Graf Ballestrem (Ctr.) und Dr. Baumbach (dsr.) — für die Dauer der Session definitiv und per Aeelamalion wiedergewählt. Es folgt die Interpellation Richter (dfr.) betr. die Fortdauer der für Elsaß-Lothringen erlassenen besonderen Bestimmungen über die Paßpflicht und die Aufenthaltsbeschränkungen. Der Interpellant betont, daß er beim Vorliegen eines Etats die Sache dort zur Sprache gebracht haben würde, da diese Gelegenheit fehlte, so habe er die Form der Interpellation gewählt. Der Verkehr leide schwer unter den getroffenen Maßnahmen, namentlich aber auch die Curorte in den Vogesen, ebenso der persönliche Verkehr unter den durch die Grenzlinie getrennten Verwandten, lieber die Ursachen der Verhängung dieser Maßregel hat seinerzeit die osfieiöse Presse zahlreiche, aber wenig einleuchtende und zutreffende Gründe mitgetheilt. Wenn wirklich durch diese Maßnahmen einzelne bedenkliche Elemente ferngehalten werden, zfo rechtfertigt das nicht die Schädigung zahlreicher Geschäftsleute, zumal wirklich gefährliche Elemente anderweit Gelegenheit finden werden, sich den Aufenthalt und Zugang von anderen Stellen her zu verschaffen. Reichskanzler v. Caprivi: Die zahlreichen Hoch- verrathsproeesse der 80er Jahre ergaben, daß die Reichslande mit einem ganzen Netz von Kundschaftern überzogen waren. Die Zahl der Franzosen im Elsaß wuchs von 15000 im Jahre 1888 auf 19 000 im Jahre 1889, darunter zahlreiche Personen, die Beurlaubte der französischen Armee oder Mitglieder der französischen Territorialarmee waren. Neben dieser militäriMen Ueberwachung geht die politische Agitation- ich erinnere an die Patriotenliga, und so wurden dann von eompetenter Stelle Maßregeln in Erwägung gezogen. An Wohlwollen haben wir es für die elsaß-lothringische Bevölkerung nicht fehlen lassen- aber nachdem 17 Jahre lang diese Milde vergeblich war, mußte den Elsaß-Lothringern zum Bewußtsein gebracht werden, daß die gegenwärtige Grenze eine bestimmte und unabänderliche sei. Es wurden damals Maßregeln sorgfältig berathen und der Paßzwang und die Aufenthaltsbeschränkung verhängt. Nach Einholung eines Gutachtens vom Reichsjustizamt darüber, ob etwa diese Maßnahmen den Art. 11 des Frankfurter Friedensvertrags verletzen, wonach wir Frankreich das Recht der meistbegünstigten Nation eingeräumt haben, wurde die Aufenthaltsbeschränkung nach elfmonatlichem Bestehen aufgehoben. ' Der Paßzwang verursachte eine Reihe polizeilicher Verordnungen, die zum Theil wohl lästig empfunden werden mögen. Im Allgemeinen aber sind die Maßnahmen correct und mein Rath geht dahin, sie nicht aufzuheben. Es ist doch besser, eine solche vorbeugende Maßregel zu treffen, als lediglich -Repressalien zu üben. Von dieser Maßnahme werden viele Franzosen nicht so schwer betroffen, als Deutsche von dem französischen Spionage-Gesetz. Von einer Wirkung des Paßgesetzes wird man erst nach längeren Jahren reden können, wenn die Bevölkerung sich an dasselbe gewöhnt haben wird. Ob milder verfahren werden kann, das wird abhängen von der Stellung, die die Elsaß- Lothringer dazu einnehmen. Uebrigens wäre es erwünscht, wenn vor dem Einbringen solcher Interpellationen die Interpellanten sich bei mir erkundigten, ob eine Interpellation zu empfehlen ist oder nicht. Wo dies nicht geschieht, fällt die Verantwortung für die Tragweite der Interpellation dem Auslande gegenüber auf die Antragsteller. (Sehr richtig!) Auf den Antrag des Abg. Guerber (Elf.) erfolgt die Besprechung der Interpellation. Abg. Guerber (Els.): Man konnte von der Bevölkerung nicht ohne Weiteres eine deutschfreundliche Stimmung verlangen - aber nach dem Erlaß der Paßverordnungen ist diese Stimmung eine ingrimmige geworden. Diese Maßregeln treffen gleichmäßig Schuldige und Unschuldige. Man möge sich hüten, mit Ausnahmegesetzen gegen die Elsaß-Lothringer vorzugehen - man würde dort ebenso schlechte Erfahrungen machen, wie bei den Soeialdemokraten. Abg. Dr. Höffel (Reichsp.) steht auf dem Boden der Thatfache, daß die Reichslande ein deutscher Bundesstaat sind. Aber der Paßzwang hat die Stimmung der Elsaß-Lothringer gegen Deutschland gewaltig erregt- mit solchen Maßregeln wird man diese Leute nicht für das Deutsche Reich gewinnen. Abg. Hickel (Soe.): Der Paßzwang macht das Volk unzufrieden und zwar noch unzufriedener als die Soeialdemokraten. Mit solchen Maßregeln gewinnen Sie die Herzen der Bevölkerung nicht. Abg. Del lös (Els.): Wir billigen alle Maßregeln zur Ruhe und Ordnung, aber der Paßzwang muß gemildert, am besten abgeschafft werden. Abg. Richter (dfr.): Wenn wir alle Dinge, die das Ausland betreffen, hier nur nach vorgängiger privater Verständigung mit der Regierung verhandeln sollen, so dürste ein bedeutender Theil unseres Verhandlungsstoffes ganz aus- scheiden. Die Sache ist übrigens bereits im Landesausschusse öffentlich verhandelt worden. An gewisse Dinge, die sich längst überlebt haben, gewöhnt sich eben das Volk nie. Abg. Dr. Windthorst (Ctr.): Sowie derPaßzwang heute besteht, sollte er nicht bleiben, aber es sollten Jn- struetionen erlassen werden, um eine mildere Handhabung zu ermöglichen. Die Aufhebung muß man anstreben, wenn sie auch von heute auf morgen nicht erfolgen kann. Abg. v. Kardorfs (Reichsp.) wünscht auch, daß die Maßregeln bald mögen aufgehoben werden können, verwahrt aber die Regierung gegen den Verdacht, lediglich eine vexatorifche Maßnahme beabsichtigt zu haben. Abg. v. Bennigsen (natl.): Die Aufhebung des Paßzwanges darf man der Regierung nicht aufzwingen. Möge sich die Bevölkerung der Reichslande, beruhigen, damit der Paßzwang baldigst aufgehoben werden kann. Abg. v. Puttkamer (eons.): Es ist nicht richtig, daß die Maßregel ein gegen Frankreich gefügter Schlag gewesen sei. Die Notwendigkeit der getroffenen Maßnahmen für die Vergangenheit und Gegenwart erkennen wir an und hoffen eine engere Annäherung der elsaß-lothMgischen Bevölkerung an uns für die Zukunft. Damit ist die Besprechung der Interpellation beendet. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. Anträge aus dem Hause. Schluß 43/4 Uhr. Neueste Nachrichten. WolsiS telegraphisches Correspondenz-Bureau. Potsdam, 10. Juni. Zu Ehren des Kronprinzen von Italien fand Vormittags im Lustgarten große Parade statt. Der Kaiser, der Kronprinz von Italien, sämmtliche königliche Prinzen, Prinz Rupprecht von Bayern, waren anwesend. Im Marmorsaale wurde gefrühstückt. Nachmittags ist eine Spazierfahrt durch die königlichen Gärten bei Sanssouci und Babelsberg beabsichtigt. Potsdam, 10. Juni. Der Kronprinz von Italien besuchte Nachmittags die Friedenskirche und legte auf den Sarg Kaiser Friedrichs einen Palmenzweig und einen Kranz von Rosen nieder. Potsdam, 10. Juni. Von der Friedenskirche fuhr der Kronprinz von Italien nach dem Neuen Palais, wo er der Kaiserin und dem Prinzen Heinrich einen Besuch abstattete. Dann kehrte er nach Potsdam zurück und machte dort weitere Besuche. Später begab er sich nach Babelsberg, verließ den Wagen und ging zu Fuß über Glienicke, durch den Neuen Garten nach dem Stadtschloß. Bei der Galatafel Abends waren 150 Gedecke aufgelegt. Der Kaiser, der Kronprinz von Italien, die Prinzen des preußischen Königshauses und die anderen in Berlin garnisonirenden Prinzen, sowie die Minister, die Generalität, Graf Launay und die übrigen Mitglieder der ital. Botschaft nahmen Theil. Gegen Ende der Tafel toastete der Kaiser in deutscher Sprache: Er trinke auf das Wohl des Königs und der Königin von Italien, sowie auf das Wohl des geliebten Gastes. Die Musik spielte die italienische Nationalhymne, welche die Versammelten stehend anhörten. Der italienische Kronprinz dankte dem Kaiser in kurzen Worten. Später sand ein musikalischer Zapfenstreich statt, den die Spielleute der Capellen sämmtlicher in Potsdam und Berlin garnisonirenden Truppen ausführten. München, 10. Juni. Der Minister v. Lutz verbrachte trotz der Morphiumeinspritzungen die Nacht fast schlaflos. Er wurde durch Athembefchwerden sehr gestört, jedoch ist keine wesentliche Verschlimmerung des Gesammtzustandes zu bemerken. Wien, 10. Juni. Sämmtliche Morgenblätter besprechen die Erklärungen des Grafen Kalnoky mit wärmster Befriedigung, insbesondere diejenigen in Betreff Serbiens. Das „Fremdenblatt" meint, das Wiener Cabinet habe niemals ein Monopol der serbischen Sympathieen beansprucht, noch den Abgang derselben schmerzlich vermißt- es erwarte lediglich eine deutlichere, werkthätige Kundgebung des Willens, jene guten Beziehungen zu pflegen, welche für Serbien selbst am werthvollsten seien. Die „Neue Freie Presse" bezeichnet es als den schönsten Erfolg des Grafen Kalnoky, daß durch das Expose die Friedenssicherheit gewachsen sei. Troppau, 10. Juni. In Bennisch durchzogen gestern Abend Ar beit ermassen die Stadt, schlugen den Arbeitgebern die Fenster ein, versuchten in die Häuser einzudringen und einen Verhafteten zu befreien, was die Gendarmen hinderten. Militär ist abgegangen. Die Nacht und der Vormittag waren ruhig. Paris, 10. Juni. Beim Grafen Münster war gestern ein glänzender Empfang, zu welchem die Minister, die Diplomatie, militärische Würdenträger und andere hervorragende Persönlichkeiten, sowie die deutschen Delegirten zum Telegrap Hen-Congresse erschienen waren. — Die Blätter melden, der Escadronschef Meunier sei an Stelle von Hue zum ersten Militärattache in Berlin ernannt worden. Marseille, 10. Juni. An Bord des Packetbootes „Taurus", das Abends nach dem Senegalgebiet abgehen sollte, brach Morgens ein Brand aus, der aber rasch gelöscht wurde, so daß ein schweres Unglück verhütet wurde, denn auf dem „Taurus" lagerten 53 000 Kilogramm Pulver und eine Menge gefüllter Geschosse. erhöhen. Darmstadt 2, Worms und Gießen je 1), an Gehirnapoplexie 3 (Mainz 2, Darm'tadt 1), gewaltsamen Tod 3 Personen (in Darmstadt 2, Mainz 1). Verkehr, «nd lyolfsu>iri^f*afL — Die North British and Mereantile Feuerversicherungs- Geicllschatt mit Domicll in Berlin erzielte nach dem erschienenen Rech- nung'-abschluß pro 1889 wiederum günstige Resultate. An. Prämien vereinnahmte die Gesellschaft in der Teuerbranche abzualich der Rückoer sichecuna JL 25,400,621.33, an Zinsen JL 1,864065.67. — Als Kapitalreseroe sind zurückgefteüt worden JL 25,000.000' unbate PrLmienreseroe JL 8,466.873.75. - Auch das deutsch- Geschäft d.r G sell'chaft verlief in sehr befriedigender Weife. Die Pramierr- Gtnnahme in Deutschland erfuhr einen ZuwachS von «X und beziffert sich auf JL 2,744,SV5 14 5030 zuschnell verschwanden. Nidda, 10. Juni. Dem Vernehmen nach wird Sonntag den 22. Juni, Nachmittags, mit einer kirchlichen Feier der alte Friedhof geschlossen und der neue Friedhof eingeweiht werden. Butzbach, 10. Juni. Ein von Frankfurt kommender, nach Gießen reisender Bewohner von Villingen gedachte am Freitag an seinen Reisekosten dadurch Ersparnisse zu erzielen, indem er nur ein Billet bis Friedberg löste, um alsdanu als blinder Passagier weiter zu reisen in der Hoffnung, daß dies vom Schaffner nicht bemerkt werde. Allein diese Hoffnung wurde zu nichte gemacht. Das ungesetzliche Vorhaben wurde bemerkt und dem ohne Billet Reisenden wurde bedeutet, daß er wegen dieses Vergehens zur Anzeige gebracht werde. Um sich nun der Strafe zu entziehen, faßte der Mann den Entschluß, den Zug während der Fahrt zu verlassen. In der Nähe von Ostheim führte er sein Vorhaben aus, und sprang aus dem Zug, fiel aber dabei so unglücklich, daß er das eine Bein brach. Der so durch sein eigenes Verschulden Verunglückte wurde in das hiesige Hospital verbracht, woselbst er mehrere Wochen zu seiner Wiederherstellung verbleiben muß. Außer den Schmerzen und der längeren Arbeitsunfähigkeit erwartet den Leichtfertigen auch noch die gesetzliche Strafe. stellung der Präsenzliste ergab, daß folgende Städte vertreten sind: Kassel, Frankfurt, Wiesbaden, Coblenz, Mainz, Worms, Gießen, Marburg, Hanau/ Hersseld, Fritzlar, Offenbach, Rhodan, Wildungen und Wolshagen. Der Verbands Kassirer Herr Mohr - Frankfurt erstattete den Kassenbericht. Die Finanzlage des Bezirksverbandes ist befriedigend, am 1. Januar ds. I. war ein Kassebestand von über 400 Mk. vorhanden. Die Opferwilligkeit der Vorstandsmitglieder verdient besondere Anerkennung. Hierauf wurden die Statuten berathen und eine Reihe von Abänderungen beschlossen, was geraume Zeit in Anspruch nahm. Ein Antrag der Innung zu Hanau, welche vorgekommene Unregelmäßigkeiten bei Verausgabung von Verbandsbüchern zum Gegenstände hatte, wurde abgelehnt und den Antragstellern anheimgegeben, die Sache direct dem Vorstande des Deutschen Fleischerverbandes zu unterbreiten. Ein Antrag der Innung zu Gießen, betr. das Einschreiben von Zeugnissen in die Verbandsbücher, wurde angenommen. Dabei wurde der Grundsatz ausgesprochen, daß es nicht zulässig ist, daß ein Pferdemetzger einem bei ihm beschäftigten Gehilfen das Arbeitszeuguiß in das Verbandsbuch einschreibt. Derselbe soll gehalten sein, das Zeugniß in einem besonderen Schriftstücke auszufertigen. Nunmehr wurde zu den allgemeinen gewerblichen Angelegenheiten übergegangen und das Krankenkassenwesen, Versicherungen, Genossen- schaftsschlächtereien re. einer eingehenden Besprechung unterzogen. Die Debatte war recht lehrreich und interessant und brachte mancherlei Aufklärung. Der Antrag an den Verbandstag, betreffend den unter holländischem Namen ein- geführten amerikanischen Speck und Schmalz, sand allseitige Zustimmung der Versammlung und wurde um so lieber die Stellung des Antrags auf dem in Kürze stattfindenden allgemeinen Verbandstage beschlossen, als auch der rheinischwestfälische Bezirksverband einen solchen Antrag zu stellen beschlossen hat. Hieraus schritt man zu der statutenmäßigen Ergänzungswahl des Bezirksvorstandes. Es wurden dabei i die Herren Dietrich-Kassel, Pirr-Gießen, Hees-Wiesbaden, Jammin - Oberursel wiedergewählt und die Herren Wolff- Hersfeld , Mercklin - Fritzlar und Kramer - Coblenz neugewählt. Nachdem dann noch verschiedene Angelegenheiten des Bezirksverbandes zur Verhandlung gelangt waren, wurde die Versammlung um Uhr Abends geschlossen. Daran ' reihte sich gemeinschaftliches Festessen', gemüthliche Abend- verinischtes. * + Kassel, 10. Juni. Fleischerverbandslag für beide Hessen, Nassau und Waldeck. Der 5. Verbandsbezirkstag des Fleischer - Bezirksvereins- für Kurhessen, Nassau, Großherzogthum Hessen, Fürstenthum Waldeck und Regierungsbezirk Coblenz wird heute und morgen in unserer Stadt abgehalten. Die Verbandsverhandlungen begannen heute Nachmittag 2i/2 Uhr im Saale des Palais-Restaurant und nahmen daran 90—100 Fleischer theil. Den Vorsitz führte Herr Marx-Franksurt. Namens der Kasseler Innung begrüßte Herr Stöhr die Erschienenen, worauf Herr Stadtrath Nebelthau Namens der städtischen Behörden die Versammlung in Kassel willkommen hieß und den Berathungen gedeihlichen Erfolg wünschte. Der Vorsitzende erstattete nunmehr den Jahresbericht, woraus wir kurz hervorheben wollen, daß der Bezirksverein int abgelaufenen Jahre eine erfreuliche Entwickelung genommen hat und die Verbandsinteressen die regste Förderung erfahren haben. Die Zahl der Mitglieder der Verbandsinnungen ist auf über 800 gestiegen. Die Fest- unglücklichen Kindes unter Theilnahme fast sämmtlicher Bewohner Eichelsachsens statt. — Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Lodt- geboreneu, betrug in der Woche vom 25. bis 31. Mai in Mainz mit Saftet 21, in Darmstadt 18, in Offenbach 6, in Worms 10 und in Gießen 5, zusammen 60, darunter 21 im ersten Lebensjahre. — Die Todesursache anlangend, verstorben an Rachenbräune 3 (Mainz, Darmstadt und Gießen je 1), an Keuchhusten 1 (Worms), an Unterleibstyphus 1 iMainz), an Diarrhoe und Brechdurchfall 4 (Mainz, Darmstadt, Offenbach und Worms je 1), an Wochenbettkrankheiten 1 (Mainz), an Lungenschwindsucht 6 (Darmstadt und Offen- 1 bad) je 2, Mainz und Gießen je 1), an entzünd!. Krank- \ heiten der Athmungsorgane, einschl. Influenza 9 (Mainz 5, Saint Etienne. 10. Juni. Von den ca. 15 000 hier lebenden Bergleuten schloffen sich nur 5000 dem Strike an. Freilich ist ungewiß, ob nicht weitere folgen. Lyon, 10. Juni. Um dem Ausstand der Gasarbeiter zu begegnen^ sind Arbeiter von auswärts berufen. Einstweilen leisten die Arbeit in den Gaswerken die Stadt- wache und Soldaten. London, 10. Juni. Im Oberhaus erklärte bei der Debatte über den Bericht der Sweating-System-Commission Ramsey, England habe allen Grund, mit den Ergebnissen der Berliner Confer en z zufrieden zu sein. Es sei befriedigend, gefunden zu haben, daß England durch seine Fabrik- und Werkstätten - Gesetze in der Sorge wtt die Arbeiter der Führer der civilisirteu Welt gewesen sei. Wenn England versuchen würde, die Arbeitszeit für Männer, Frauen und Kinder nod) mehr zu beschränken, dürste es unbewußt den Handel von ten englischen Ufern treiben. Die Abstellung der frühzeitigen Ehen und bessere Erziehung seien ausreichende Mittel zur Hilfe gegen die sociale Noth. Durch andere heroische Mittel werde das Loos der Arbeiter nicht gebessert. Falls das Parlament durch Ausdehnung der bestehenden Gesetze eine solche Besserung wirklich herbeiführen könne, würden die Arbeiter Englands gewiß nicht lange darauf zu warten haben. London, 10. Juni. Im Unterhause erklärte der Unterstaatssecretär des Aeußern, Sir I. Fergusson, die Regierung habe keine Informationen von irgendwelchen deutschen Expeditionen nöMich und im Hinterlande des Gebietes der südafrikanischen Gesellschaft. Die Verpflichtungen von 1886 und 1887, welche von den Deutschen geachtet wurden und werden, betreffen Gebiete, an welchen die britische und die deutsche ostafrikanische Gesellschaft interessirt sind- zwischen beiden Regierungen sei vereinbart worden, während der Unterhandlungen soweit möglich den status quo hinsichtlich der in Frage stehenden Gebiete aufrecht zu erhalten. Tanger, 10. Juni. Der deutsche Gesandte ist hierher zurückgekehrt. Washington, 10. Juni. Die Kammer gab die Silb er- vorlage an den Senat zurück, welcher dieselbe an seine Finanzcommission überwies. Nachmittags beginnt, gebt eine Anzahl Freiübungen voraus, i Da mit dieser ' Turnfahrt nach Wölfersheim die 25jährige Jubelfeier des Turnvereins Wölfersheim verbunden ist, । findet schon am Morgen um 10 Uhr eine Kampfrichtersitzung statt und um 2 Uhr Festzug. Es wird deshalb allen Turnern des Gaues Hessen, soweit dieselben über Gießen reisen, zu empfehlen sein, den Personenzug Morgens 6 Uhr 23 Min. ab Gießen —Bad Nauheim zu benutzen, von da Fußtour nach Wölfersheim. Fahrpreisermäßigung steht in Aussicht. — Die erste Gesammtprobe der h i e s i g e n, beim Sänger- fest mitwirkenden Gesangvereine findet heute, Mittwoch, Abend 9 Uhr im Cafe Leib statt. Friedberg, 9. Juni. Ihre Durchlaucht der Fürst und die Fürstin von Isenburg-Büdingen kamen nebst Prinzessin-Tochter heute Mittag 12^/z Uhr hier an, nahmen an der Großherzogl. Tafel Theil und reiften um 31 /2 Uhr wieder ab. Seine Königliche Hoheit der Großherzog fuhren mit Ihren Großh. Hoheiten den Prinzessinnen gegen Abend nach der Kaisergrube bei dem Forsthaus Winterstein. -b- Lich, 10. Juni. Unserem seitherigen Lehrer und Dirigenten des „Cäcilienvereins", Herrn Storck, welcher von hier nach Altenstadt versetzt wurde, brachten sämmtliche hiesigen Vereine heute Abend eine mit glänzendem Fackelzug und Musikbegleitung verbundene Ovation dar. In verschiedenen Reden seitens des Gesang- und Turnvereins wurde die seitherige, vierjährige Thätigkeit des hier so allgemein beliebten Mannes gebührend hervorgehoben. Herr Lehrer Storck dankte für diese ihm dargebrachten Anerkennungen in echten deutschen Worten und nahm mit den herzlichsten Wünschen, daß die hiesige Gemeinde und alle Vereine blühen und gedeihen mögen, Abschied. Hierauf begab fick) die sehr große Versammlung in den Saal des „Holländischen Hofes" zu einem gemüthlichen Beisammensein, wo die Stunden nur allrind provinzielles* Gießen, 11. Juni. — Nach dem soeben uns zugegangenen Personal-Ver- zeichniß der Großh. Ludewigs-Umverfitat nehmen an den Vorlesungen im Sommersemester 1890 617 Hörer Theil, darunter I 590 immatriculirte Studenten. Es widmen sich der Theologie 106, Rechtswissenschaft 96, Medicin 118, Thierheilkunde 40, Zahnheilkunde 2, Cameralwiffenschaft 47, Forstwissenschaft 27, Mathematik 18, classischen Philologie 39, neueren Philologie 16, Philosophie und Naturwissenschaften 18, Geschichte 6, Pharmacie 16, Chemie 34. Unter den Studi- renden befinden sich 456 Hessen (95 Gießener), 128 Reichsdeutsche, 3 aus außerdeutschen Staaten, 3 aus außereuropäi- I scheu Staaten. Im Wintersemester 1889/90 betrug die Zahl der immatricidirten Studenten 566, ihre Zahl hat sich somit I um 24 erhöht. Von den Studirenden besitzen 420 Gymnasial-Maturität, 89 das Reisezeugniß einer Realschule 1. Ordn., 58 das Reisezeugniß für das betr. Fach, 26 wur- I den nach dem Ermessen des Rectors immatriculirt. — Knnstverein. Bereits Ende März sollte dahier der I Anfang mit einer dauernden Gemälde-Ausstellung gemacht I werden, es war dies jedoch nicht möglich, weil es an einem I geeigneten Ausstellungsraum mangelte. Nunmehr hat der I Knnstverein im alten Hofgerichtsgebäude zwei Zimmer Herrichten lassen, die zwar keineswegs den Ansprüchen eines Ausstellungsraumes genügen, aber mangels jeden anderen ent- I sprechenden Raumes vorerst benutzt werden müssen, will Gießen nicht vollständig auf Ausstellungen verzichten. Die erste Reihe der von Darmstadt an die übrigen größeren Städte des Großherzogthums versandten Bilder wird Ende l. M. dahier eintrcffen. Um indessen schon jetzt der kunstliebenden I Bevölkerung eine Ausstellung zu bieten, hat der Knnstverein ein Gießener Kind, den dermalen dahier weilenden Maler H. Dietz aus Düsseldorf, veranlaßt, einen Theil seiner Scizzen und Studien auszustellen. Diese führen uns meist nach der Natur, d. h. nach dem Leben gezeichnete und gemalte Porträts vor. Manche sehen wir scizzenhaft hingeworsen, die Mehrzahl zeigt uns hingegen eingehende feinere Durchführung - alle lassen eine lebhafte characteristische Auffassung erkennen und uns einen interessanten Blick auf das Entstehen eines gemalten Bildnisses thun. Herr Dietz hatte die Freundlichkeit, auch eine größere Anzahl von Copien, die er nach Gemälden alter Meister, in der Mehrzahl der holländischen und vlamländischen Schule angehörend, in den Gallerien von Antwerpen, Haag, Amsterdam, Oldenburg und Braunschweig an- gesertigt hat, zur Verfügung zu stellen. Eine Reihe dieser Copien sind mehr als Wanderskizzen aufzufassen, da sie flüchtig hingeworfen, meist in sehr verkleinertem Maßstäbe, beim Durchwandern der Gallerien entstanden, und den Eindruck derjenigen bedeutenden Gemälde wiedergeben sollen, die den Künstler besonders angeregt hatten. Um der kleinen Ausstellung, welche für Jedermann unentgeltlich geöffnet ist, etwas mehr Manigsaltigkcit zu geben, hat Herr Dietz auch _ einige Studien von Interieurs und Scizzen von landschaftlichen Motiven hergeliehen, die zum Theile aus der Umgebung Gießens stammen. Wir fügen noch an, daß, wie die Ausstellung ja zeigt, Herr Dietz sich hauptsächlich bem Porträt- fach gewidmet hat, und werden demnächst einige Porträts aus hiesiger Stadt zur Ausstellung gelangen. — Turnerisches aus dem Gau Hessen. Zu dem nächsten Sonntag den 15. er. in Wölfersheim stattfindenden Volkswettturnen, welches diesmal die Hebungen Freihoch- und Freiweitsprung, Gewichtheben mit einer Hand (25 Kiso) und Wettlaufen umfaßt, haben sich bis jetzt weit über 100 Wettturner angemeldet. Dem Wettturnen, welches um 3 Uhr -r Münzenberg, 10. April. Heute verunglückte dahier ein tüchtiger braver Bauersmann in seiner Scheuer. Während er mit Abladen von Futter auf seinem Wagen beschäftigt war, stürzte das schwere Balkengerüst in der Scheuer, welches keine Unterlage hatte, sondern nur mit einer Kette befestigt war, da der Stall nebenan repariert wurde und die Mauer tc gememschasrucyes OTits||cn, des Stalles, auf welchem sonst das Gerüst ruhte, abgebrochen Unterhaltung 2c. «ar, herunter. Dasselbe traf den Mann so unglücklich, daß * 8. Juni. lD, Eitelkeit! Die hiesige Straf- er schwere innere Verletzungen davon trug Der Arz war ^^r ^heilte eine Ehefrau, die, um ihrem ehemaligen sogleich zur Stelle und ordnete das Nothlgste an. Yosfentllch tiqam gegenüber jünger zu erscheinen, die Jahreszahl wird der Unglückliche durch Gottes Hilse und der Hilfe des "9™ 9^ *u zwei Tagen Gesängniß. Arztes jemer Familie erhalten bleiben. - Weißenfels, 1. Juni. (Kaiserliche Vermittlung.) Ein * Eichelsachsen, 10. ^uni. Ein sehr bellagen^werther sö!aurerQC;cne tion Naumburg, der hier arbeitete, war eines Unglücks fall hat sich am 6. d. M. hier ereignet. Der Abends Hierselbst von Husaren, die ihn für eine andere Per- Müller Konrad Spruck ,n der >°g. Grundmuhle fuhr an ^en hatten, überfallen worden, und es war ihm da- dicsem Tage mit seinem Geschirr nach Schotten Auf wieder- »n Auge ausgestochen worden. Die Husaren sind dafür holles Bitten eines ,einer Kinder, es doch auch einmal mit- gerichtlich bestraft worden, dem Beschädigten war es zunehmen, entschloß er sich, den Wunsch, desselben zu erfüllen. nid)'t möglich, von ihnen für seine Verletzung W°r hatte aber ahnen können, daß gerade bei d,°ier Fahrt Entschädigung zu erhalten. Er wandte sich daher mit das Kind sein junges Leben embußen sollle ? Uuf dem Heinu $;ttgcfud)e nn den Kaiser und dieser hat nunmehr be- weg fuhr außer dem Vater^und Ieinem Kind noch em Mann ^hlen, if)m goo Mk. sofort und außerdem jährlich eine Rente von Wingershausen mit ^n der Nahe dieses Ortes scheute V 6Q 2Ät. auszuzahlen, ihm auch bei der gerichtlichen Vcr- plotzllch das Pferd und ging durch, wobei ein Stuck des Ansprüche belief) zu sein. Wagens nach dem anderen herunterfiel. Der Mitpassagier 1 a a 1 r „ aus Wingershausen sprang alsbald vom Wagen, ohne eine * Manches Mütterchen klagt darüber,datz il)re uebltnge Verletzung zu erhalten. Eine kurze Strecke weiter fand er so schnell Schuhe und Stiefel zerreißen. Hoffentlich wird cas das vom Wagen gefallene Kind ohnmächtig auf der Straße „Stiefelzeug" bald billiger. Der Engländer ^.landy m ton- liegen und trug es sofort nach Wingershausen in die Woh- don, der sich schon längere Zeit mit der Her)tellung tu njt; nung der Gemeinde-Hebamme. Als der Vater den Verlust lich en Leders zur Sohlen- und^Absatzfabrlkation^ be,chaf- seines Kindes bemerkte, sprang er ebenfalls vom Wagen und tigt hat, hat nämlich auf die Fabrikation eincv neuen vernahm, daß dasselbe gesunden sei. Leider war das Kind Leders ein Patent erhalten. Blandy schmi zl Guttapercha, so unglücklich vom Wagen gefallen, daß es bald in den Armen Asphalt, Pech und Harz zusammen und rührt em Gemisch des Vaters verstarb. Am Sonntag sand die Beerdigung des von Ghps und Schwefelantimon bei. Das ganze gießt er dann in Formen und walzt es zu Platten aus. Durch Zusatz von Schwefel läßt fick) die Härte des Leders noch *) Mit Veröffentlichung dieses Berichtes schließen wir die Erörterungen über die Schnapsfrage. Red. Eingesandt. — Noch besonders sei aufmerksam gemacht auf den Vortrag, den heute, Mittwoch Abend 8 Uhr, Herr Schuldirector Brandt aus Lahr in der Kleinkinderschule halten wird. Das Thema: „Die Kleinkinderschule und die Kinderstube in ihrer Bedeutung für das Leben" ist ein für Jedermann wichtiges.^ Der Vortragende ist um seiner reichen Erfahrung willen der tüchtigste Bearbeiter diefes bedeutungsvollen Gegenstandes. Temperatur der Lahn und der Lust am 11. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15, Luft 15 Gr. Rübs amen. mit seinem Gewichte und seiner Geschwindigkeit einen Stoß auf das Mühlrad hervorbrtngen wird, wie es bei dem Wasser, alles im ent- prechenden Verhältnisse, auch geschieht. . , , Das bis jetzt Vorgebrachte rst aber gar nicht die Hauptsache! Ich habe in meinen Ausführungen vom 26. Mai absichtlich ein ' o drastisches Bild gebraucht, um Widerspruch heroorzurufen und die Sache öffentlich besprechen zu können, denn „daß hier noch Einiges zu bessern ist", scheint richtig zu sein. So sagt z. B. bte Korrespondenz vom 26. Mai: „Wohl mag es einige Orte im äußersten Vogelsberge geben, in denen der Schnapsgenuß etwas stark ist", was accevürt wird. Drei Zeilen weiter heißt es: „Wenn auch in einigen Orten der Schnapsgenutz in der Thal als unmäßig bezeichnet werden mußte , auch das stimmt. Ferner ist richtig, daß die Leute schon in früher Jugend Schnaps trinken lernen, was für die körperliche und gMige Entwicklung Gift ist. In medictnifchen Dosen, bet schweren Krankheiten kann der Alkohol Wunder wirken. Perpetuirlich angewandt ist er einem Wechsel vergleichbar, der von Halbjahr zu Halbjahr verlängert werden mutz, dem die Zinsen, die Prooisions- und Verlängerunas- kosten stets zugeschlagen werden, wett keine Zahlung erfolgt und der den Schuldner schließlich dem (körperlichen und geistigen) Ruin unrettbar in die Arme treibt. — Der Branntwein „soll das no thi gfte^) Getränk des Mannes und Arbeiters sein". Seit Jahrzehnten ist diese Ansicht wissenschaftlich und practtfch widerlegt. Einen sehr harten Dienst, besonders im Winter, haben z.B. die Grenzzollwächter. Man kommt ganz davon ab, den Leuten Schnaps zu geben; er er= regt und erhitzt momentan wie Strohfeuer, erschlafft dann aber auch um so heftiger. Aus diesem Grunde halte Ich es auch mcht für richtig, daß durch Schnaps „die lahmgewordenen Kräfte angeregt und der Mann für die harte Arbeit gestärkt werde . Das Gegen- theil tritt ein: Erlahmung und Erschlaffung, vorzeitiger Zerfall. Nun ist es richtig, daß es steinalte Schnapstrinker gibt; auch schadet der Schnapsgenuß - scheinbar — dem Vogelsberger nicht. Wurde es ohne Schnapsgenutz aber doch nicht vielleicht besser stehend Mit dem kargen Verdienste kann der Vogelsberger weder Rheinwein noch Champagner trinken, das ist zweifellos. Aber mutz denn immer getrunken werden? Italiener, Schweizer u.A. arbeiten viel härter als die Vogelsberger und trinken nickt die Halste von dem, was bet uns confumtrt wird, obgleich das Klima heißer, aus den hohen Bergen noch rauher ist, als bei uns. Jas liegt an der Nahrung. Der Genuß von Hülsenfrüchten, von Salat, Werbklaut, Wirsing, Kohl und Rüben, von Käse in jeder Form, von Obst tritt zu viel zurück. Für das, was der Schnaps kostet, kann sich eine ganze Familie aus Hülsenfrüchten ein vorzügliches, äußerst nahrhaftes, Muskel und Hirn stälkendes Mittagessen Herstellen. Nur als Nolhbebelf läßt der Schnaps sich entschuldigen. Wie kommt es, daß in vielen Ländern: in Rußland, Frankreich, Italien, in der Schweiz die Schnapssteuer drei-, fünf-, sechs-, achtmal so hoch ist als bet uns, daß die Menschen Arbeiten thun, die der Vogelsberger nicht fertig brächte, daß das Elima die Menschen viel schärfer angreift und daß man doch nut viel weniger Schnaps auskommt als bei uns? Warum wird der Schnaps in -f- Ans dem VogelSberge, Anfang Juni. Schnapscon- sum im Vogelsberge.*) Man muß es der verehrlichen Redactwn danken, daß sie dem vorliegenden Gegenstände ihre Spalten zur Besprechung geöffnet hat. In Nr. 124 d. Ztg. wird nun unter „Eingesandt" eine Berechnung des Schnapsstromes, der eine Mühle treiben könnte rc., gewünscht. Hier einige Zahlen. Im Jahre 1887/88 wurde im Großherzogthum an reinem Alkohol producirt: 12101 Hectoliter; im Jahre 1888/89 11114 Hectoliter. Die Ausfuhr ist in beiden Jahren nicht nennenswerth, wohl aber die Einfuhr. Ein bedeutender Theil des Alkohols wird zu gewerblichen Zwecken, zu Essigbereitung, in Apotheken, zum Putzen, Heizen und Beleuchten verwandt. Der Rest und das, was eingeführt wird, wird gett unken. In Rheinhessen, an der Bergstraße, in der Main- und Rheinebene, in den Städten wird der Branntwein nicht so viel als Getränk benutzt. — Von den Stationen Fulda, Gelnhausen, Hanau, Frankfurt werden von Zeit zu Zeit Bafstnwagen mit hochgradigem Spiritus (94%), aus Posen, Pommern kommend, in die Provinz Oberhessen dirtgirt und an die Kaufleute, Liqueurfabrikanten rc. abgegeben. Ein solcher Bafstnwagen hält rund 130 Hectoliter 94 procentigen Schnaps. Da aber für gewöhnlich nur 37 procentiger getrunken wird, so wird aus diesen 13000 Liter ein Quantum von rund 33000 Liter ^rtnk- branntwein hergestellt. Solche Ungeheuer von Schnapsbasstnwagen, bet deren Anblick es einem kalt überläuft, erscheinen öftet. Aus dem Inhalte von 10 derselben können 330000 Liter Trinkbranntwetn hergestellt werden. Was im Lande producirt wird, ist dabet nickt m Betracht gezogen. Im Jahre 1887/88 producirte die Provinz Oberhessen 7361 Hectoliter reinen Alkohol — 736100 Liter — 1870100 Liter 37 procentigen Trinkbranntwetn. Hiermit soll nicht gesagt sein, daß er alle im Vogelsberge getrunken wurde. (Eonf. Essigbereitung, Heizung, Apotheken.) . .. „ . Nun zur Mühle. Ein oberschlächftges Mühlrad mit genügend großem Durchmesser, ober eine Turbine lassen sick mit mäßigem Flüssigkeitsquantum bei entsprechenb starkem Ge alle in Betrieb setzen. Die wieder aufgefangene Flüssigkeit laßt sich durch Rohrleitungen über ein zweites, brittes Triebwerk leiten. Ein Beweis, baß der Schnaps „auch aus bas Treiben ber Mühlen ganz besonders anregenb wirkt", kann um deswillen unterbleiben, weil der Schnaps den Etablissements mit schwerem, besonders mit Nacht-Dienst, immer mehr zurückgedrängt und durch gesündere Genußmittel ersetzt. Der Herr Einsender in Nr. 124 d. Ztg. meint: es ließe sich hinsichtlich des drastischen Bildes mit dem Schnapsstrome auf eine starke Phantasie schließen. Demgegenüber zeigen das vractifche Leben und hunderte von Schriftstellern die Wahrheit: daß die kühnste Phantasie häufig von der Wirklichkeit weit übertroffen wird. Man muß eine vom Schnapse ruinirte Persönlichkeit, ober gar eine oder mehrere Familien gesehen haben, um mit Faust sagen zu können. „Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an". Wäre hier nicht noch Einiges zu bessern? Sollten nicht alle Beamten, Geistlichen, Lehrer, Bürgermeister zusammenwuken, datz immer mehr Belehrung unter das Volk gebracht werbe: wie durch Herstellung von Speisen aller Art, in burckaus billiger Weffe, eine viel vortresflichere Kost als seither herstellbar ist, bte ben Schnaps entbehrlich macht? Wie sieht es benn mit der Kochkunst aus? „Kühne Seglerin Phantasie, wirf einen muthlosen Anker hin. Ich kenne bie vortrefflichen Eigenschaften des Vogelsbergers, ich achte und liebe sie; es foll ihnen in dieser Beziehung kein Abtrag geschehen. Aber es ist auch nicht zu bestreiten, daß durch den Schnapsgenuß materielle und geistige Güter bei ihnen unbenutzt bleiben, also verloren gehen. Auf ihre Erhaltung aufmerksam gemacht, vielleickt Einen oder den Anderen sogar ausgerultelt zu baden, war meine Absicht am 26. Mat und wenn es gelungen sein oute, dann hätte jenes drastiscke Bild schon etwas Gutes gehabt. Ceterum censeo: In Betreff des Scknapstrinkens im Vogelsberge (cfr. auch Q-Eorrespondenz vom 26. Mai) sind Mißstände thatsächlich vorhanden. Namen zu nennen, würde Gehässigkeiten herbeifuhren. Heber die Form, wie die Mißstände angedeutet wurden, kann man verschiedener Ansicht sein. Jeder aber, der zur Hebung der Mißstände mithilft, wird sich ein wirkliches Verdienst erwerben. - Bei den jetzigen theuren Kaffeepreisen wird jede Hausfrau gerne vernehmen, datz in der nack ^tnem neuen besonderen Verfahren zubereiteten Pfeiffer & Diller's Kaffee-Effenr ^Dose« ein Ersatz geboten in, welcher es ermöglicht eine billige und Hute, dabei gesunde Tasse Kaffee herzustellen, wre man fte gerne• mn d)t, voll und kräftig von Geschmack und schoni in Saite. ®teje oorjug- Uche, mit der goldenen Medaille preisgekrönte Kaffee-Effenr, welche sich übe-all, wo dieselbe bekannt ist, einer großen Beliebtheit bei dem consumuenden Publikum "freut, ist in den meisten Eolo- nialwaarengeschäften erhältlich, dock Vorsicht beim Einkauf zu empfehlen und besonders genau auf die Firma zu achten, da viele minderwerthige Nachahmungen im Verkehr sind. ___, Karpfen, Schleien, Hechle, Schell- fische und prachtvolles Mastgenugel Bekanntmachung v>- * v- Bahn2h7fs,r' empfiehlt ein reichhaltiges Lager in Buchen- und Haushaltartikelo Seldstgefert. lackirie Möbel, Bettstellen m. 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Montag, den 30 Juni Vormittags 10 Uhr, läßt die unterzeichnete Behörde die zum Grundbesitz der Landrichter Dr. Müller'schen Stiftung gehörigen Ackerparzellen Flur III Nr. 69 unb 248 der Gemarkung Affenheim, nach neuer Vermessung Nr. 241 mit 3438 qm Flächengröße, ein Basaltsteinlager enthaltend, in unmittelbarer Nähe der Stadt Affenheim, Station der Friedberg-Hanauer Bahn, an einen vorhandenen Stein- bruch angrenzend, auf vem Gemeindehause von Affenheim versteigern Bei annehmbarem Gebot erfolgt sofortiger Zuschlag. Darmstadt, den 9. Juni 1890. Großherzogliche Civildiener-Wittwen- kaffe'Comrmssion. > j?ber deutsche» Familie sollte die Thierdörse denn die „Thierbörse", welche in Berlin erscheint, gehalten weröen, Ost unstreitig das iniereffanteste ryach- a«d Familienblatt Deutschlands.' Für Jeden in der Familie: Mann, Frau und Kind ist in jeder Nummer etwas enthalten, was mteressirt. Für nur 75 pro Vierteljahr abonnirt man AM" bei der nächsten Po st an ft alt, wo man wohnt, auf die „Thierbörse" und erhält für diesen geringen Preis jede Woche Mittwochs: Tie „Thierbörse“; Vereinsorgan des großen Berliner Thierschutz- Vereins unb von ca. 50 Thierzucht-Vereinen, 3 große Bogen stark (eine Fülle belehrenber unb unterhaltenber Atttkel, illuftrrrt, und eine Anzahl Annoncen aus bem gesummten Gebiet der Threrwelt unb geschaft- Die»Naturalien-, Lehrmittel- und Pfianzenbörse^ (ebenfalls eine Fülle von unterhaltenden und belehrenden Artikeln); gratis: Das »Allustrirte Unterhaltungsblatt^ (Romane, Novellen, Beschreibungen, Rälhsel u. s. w. u. s. w.). Kein Blatt Deutschlands bietet eine solche Reichhaltigkeit an Unterhaltung und Belehrung. Für jeden Thierliebhaber , namentlich aber für Thierzüchter, Thierhändler, Gutsbesitzer, Landwirthe, Forstbeamte, Gartner, Lehrer rc. ist die „Thierbörse" unentbehrlich. Alle Postanstalten in allen Ländern nehmen jederzeit Bestellungen auf die „Thierborse an. B. Brennholz: ~ Scheith. Knüppelh. ReiSH. " Wellen cL la. Butter zum Einkochen, per Pfund 78 Pfennig. 501'4 C. G. Kleinhenn. 5018] Das KeugraS von mehreren Wiesen und einem Garten am Wismarer Wegz.verk. K.Malkomefi«S,Neuenw. Frische Butter, das Pfund 80 Pfennige 4974 Neustadt 51. Rüster Metlschajt Diesjährige Obst- und Grasern teabzugeben.[5044 la, Bu«er zum Einkochen, das Pfund 78 Pfg. H. F Nassauer, 5045] Neuenweg 15. WerhesMe Eiseubahmü. Vergebung von Bauarbeilen- Die Zwecks Erbauung eines Güterschuppens auf Haltepunkt Langsdorf erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen 'Angebots vergeben werden- Die bezügltchen Be- bingungen. Zeicknul.gen, sowie Kostenanschlag sind im Exvedttionszimmer der Station Hungen zur Etnffcht offen gelegt, wohin auck die schrfftttchen Angebote bis »um Eröffnungstermin SamStag den 14. Simt lfd. I., Nachmittags 2 Uhr, einzureichen sind- . Gießen, den 10 Ium 1890. (Hoti), 5035 Großh. Eisenbahnbaumeister. Höizverstetgerung im Licher Gemeindewalde. SamStag den 14. d. DttS., Vormittags 9 Uhr anfangend, kommen in den Districten Oberer- und Unter-Speierlingskopf, Gäns- weide, Eisenkaute und Mönchköpfe folgende Holzsortimente zur Versteigerung : A Bau-, Werk- und Nutzholz: D 3 ü tn 3 M57 4C27] Eine schöne Wohnung, 5 bis 6 ! Simmet nebst allem Zubeh-, zu vermiethen Bahnhofstraße 62. Aus den 144619)71 Wieseck, den Weidengaffe 6 5014 Wermischle Anzeigen 4996 5020 Rechtsanwalts Steinberger, bummer ncbft allem Zubehör, neu hergerichtet, zu Spruck, Schulstraße 6. oermiethen- 4965] Ein Schreinergeselle sofort A. Wiedmeyer, verläng. Bismarckftr- y ton 100.60 erfahren ist. L. Chr. Rübsamen Wwe. Tendenz: ruhig. PH. Möser, Director. 93 44 55 56 23 9000 95 60 78 20 7280 JL 122752 10781 5658 4412 1014 106.551 Oesterr. Silberrente 100 901 zRuff. 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Einzeichnung offen liegt, zu 4932] In dem Neubau Hammstraße Nr. 16 sind 3 Wohnungen mit Garten- antheil zum 15. Juni zu vermiethen. Näheres Promenadehaus. 4787] Ein Familienlogis zu vermiethen Neuenweg 40 I. St- Der Herr --lassen und f Fall aufznneh' so eizenthüM entnahmen, d' tiaungen gehn Allein et kaum hatte ei Generalfragen er schleunigst diges „Ach n Der wa dieser unerwa seiner Jugent in Garnison । ausübender^ gewirkt. Nie allein die Er vergänglich ir war, als w unseren Wunf zu veranstalte Selbstve' Meer der Ve kostenlos in später saßen GomrMericht vo« E. Wasserschleben, Bankgeschäft. FrMrrfnrt-r »Srse vom 11. Juni 4800. Scklußcouri> 1 Uhr 15 Min Für die reichlichen Beweise herzlicher Theilnahme dem uns so schwer betroffenen Verluste unseres innigst liebten Sohnes, Bruders und Neffen HelsKrlcis Becker Einjähr.-Freiw. im Gr. Hess. Inf.-Regt. Nr. 116 [5021 PH. Hildebrand, Controleur. “>« »tWWn Srutoh ?il< sprechen wir auf diesem Wege unseren tiefgefühltesten Dank aus. Theodor Becker9 Gr. Gerichtsschreiber, 5049] und Familie. Homberg a/0. und Giessen, den 11. Juni 1890. 5034] Eine ordentliche Lauffrau für drei Stunden Morgens gesucht, ebenso ein nettes Mädchen für Nachmtt ags zum Ausfahren eines Krudes. Neustadl Hl Ltock- 5Tbi] G-übte Kletvermacherin bat noch einige Tage frei. Näh. Wallthorstr. 13. 5032] Eine^gesunde Ämme sucht Stelle. Näheres bei Jnfel^Prornenadehaus. Angehender Kellner gesucht- 5037 Bahnhoss-Restauration- Gesucht werden zur Cigarrenfab^- kation geeignet« Räumlichkeiten in Gießen oder nächste« Umgebung. Offerten unter 8. <*. erbeten an die Expe- dition dieses Blattes. P038 5040] Ein Knecht gesucht. L. Adam. Ncptuna IVSagneta. Kroßartiaste Illusion der Gegenwart, das Wunder aus dem magnetischen Reiche Grotzarttg^^l befannl aus dem Castan'scheu Panoptikum zu Berlrn. 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Dtetz aus Düsieldors im alten Hosqerichts-;ebäuve (Brandplatz)^ Ta-slich geöffnet 11-1 Ubr (Samstag den 14. und Montag den 16. Junr bleibt ow Ausstellung wegen des an diesen Tagen stattfindenven Ober^EcsatzgeschäM aeschloffen). ----------------------------------------- Hermiethungen. 5> 17] Schöne Wohnung, parterre, ober 3. Stock, 6 Zimmer und 2 bis 3 in den Mansarden, Garten rc-, auf Wunsch auch Pferdestall und Burschengelaß, zu ver mieihen. Commerzienrath Silveretsen. 5u23] Der 2. Stock meines Hauses, bestehend aus 5 Zimmern nebst allem Zubehör, mit oder ohne Mansarde zu vermiethen und am 15- Juli zu bezrehen. I. B. Singer, Schiff^nbergerweg 7. ~ 5047] Eine kleine Wobnung (zwei Zimmer und Zubeh) zu vermiethen, am liebsten an eine einzelne Frau in Dr. Webers Mtttelhaus. ^5036]Logis^uvermiethen. Sandgasse 16. Sonntag den 15. ds. Mts.r Parthie nach Kloster ArnSbnrg. Abf.l U.20M Zur gefl. Beachtung! 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Stock, sowie Badezimmer, Magde- zimmer, Gartenantheil rc-, auf 1 October zu vermiethen. _ __ 4280] An dem von mir erkauften Haufe, Sonnenstratze 3, gegenüber meiner Restauration, ato« Familien' Logis von je 5 bis 6 Zimmern mit Wasserleitung und allem Zubeyör. per sofort, bezw. 1. Juli ,u vermiethen. cC* o * ■ ” __ Verloren § wurde Sonntag Morgen ein goldenes Medaillon. Dem Wiederbringer Be- sohnung.Abzug, in der Exped- d. Bl. Wiese in der Stephansmark für Heu« und Grummeternte zu verpachten. 4950______________F. Hoffmann. Mitfahrer per Asad nach Frankfurt u. s. w. gesucht. Ab fahrt Samstag früh. [5048 Offerten an die Exped. d. Bl 5Ö22j Stud. ertheilt Unterricht, auch Ueberwachung der Häusl. Arbeiten. Wer? sagt d'e Exped. d. Bl- Accordant | für Backsteinfabrikatiou sucht I. Der«, Frankfurterstraße 86. 4^28] Erster und zweiter Stock in meinem Hause, Ecke der Eder- und Stein- traße, zu vermiethen und alsbald zu be- ziehen. 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Louis Petri^^Wwe. 3:85] In meinem Hause, Ostanlage 38, ist der Parterre-Stock zu vermrethen und alsbald beziehbar. „ R. Keller, Seltersweg 71 48461 Schillerstraße 20 eine Wohnung mit Wasserleitung für 1. Jutt zu vermiethen.__________________ JL 123539 25 4888 05 248 60 277 02 4906 81 । 10759 981 144619 71 ► 40 < I Placat-Fahrpläne $ ^er 3C H Expedition des „Giessener Anzeiger“. || Ein braves tüchtiges Mädchen mit guten Zeugnissen wird auf 1. Juli für die Küche gesucht. Frau Marie von Köder, 4683] Wilhelmstratze 16. Ein tüchtiger Hau-bursche auf sofort gesucht. Ferd. DrebeS, 4918 Marktplatz 21. rCs innigst ge- tsyo« eB d- lct- ost Folst^ 9000 9560 7820 72 80 Bf» 20512 170/0 140-80 s S »*" '-S Donnerstag den 12. Juni. Gietzenev AnzeiAev. Beilage zu Nr. 133. - 1890. Feuilleton. Wie ich Director wurde. Aus den Erinnerungen eines fahrenden Mimen. Von Fritz Brentano. (Fortsetzung.) Der Herr Bürgermeister hatte sich feierlichst niedergelassen und schickte sich an, ein Protoll über den schweren Fall aufzunehmen. Er that dies etwas zögernd und unter so eigentümlichen Vorbereitungen, daß wir sofort daraus entnahmen, daß das Schreiben nicht zu denjenigen Beschäftigungen gehörte, welche er mit Leidenschaft betrieb. Allein er sollte gar nicht zum Schreiben kommen, denn kaum hatte er aus der Beantwortung der uns vorgelegten Generalfragen entnommen, daß wir Schauspieler seien, als er schleunigst die Feder wegwars und sich ein sichtlich freudiges „Ach nee!" seinen Lippen entrang. Der wackere Ortstyrann war ein s Kunstenthusiast, und dieser unerwartete Umstand sollte uns retten. Er hatte in seiner Jugend in einer größeren Provinzialstadt als Soldat in Garnison gestanden und als solcher einige Male selbst als ausübender Künstler, d. h. als Statist, im Theater mitgewirkt. Nie wieder hatte er eine Bühne zu sehen bekommen, allein die Erinnerung an den Glanz derselben war so unvergänglich in ihm wach geblieben, daß er förmlich entzückt war, als wir ihm, ermuthigt durch seine Mittheilungen, unseren Wunsch vortrugen, hier im Orte einige Aufführungen zu veranstalten. Selbstverständlich wurde der Apfelraub alsbald in das Meer der Vergessenheit gesenkt, die gepfändeten Hüte kehrten kostenlos in unseren Besitz zurück und eine Viertelstunde später saßen wir bei einem Berg von Schinken und Würsten in der Wohnung des Gefürchteten und aßen mit einem Eifer, < als gälte es, zwei Verhungernde vom Tode zu erretten. 1 Dabei kreiste ein mächtiger steinerner Weinkrug, dessen Inhalt gar lieblich Körper und Seele erquickte, und wir besprachen die bevorstehende Kunstcampagne, für welche uns bereitwilligst von unserem „nahrhaften" Wirth der Rathhaussaal zur Verfügung gestellt wurde. Ich bitte den geneigten Leser, hier nicht etwa gleich an den Berliner, Breslauer oder sonst einen ihm zufällig bekannten Nathhaussaal zu denken. Der dortige war in der That etwas kleiner, konnte aber immerhin, wenn wir ein „ausverkaustes Haus" erzielten, zehn bis elf Thaler einbringen. Und so zögerten wir keinen Augenblick, unseren zurückgebliebenen Damen die Mittheilung machen zu lassen, daß alles in Ordnung sei und sie sofort mit dem „gesammten" Inventar nach B. kommen könnten. Ihre Uebersiedelung übernahm der Herr Bürgermeister, indem er als galanter Kunstenthusiast seinen Leiterwagen zur Verfügung stellte, und am anderen Morgen bereits rückte die zartere Hälfte unserer Künstlerrepublik im Orte ein. Und nun galt es, eine Bühne zu beschaffen und das Repertoir sestzustcllen. Wir hatten, gottlob, die dreizehn Rollen Tapete und der Bürgermeister lieferte eine Anzahl Bohnenstangen für ein Gerüst gratis. Mutter Huppmiller, die komische Alte, kochte einen riesigen Topf Kleister und nun ging es rüstig an die Arbeit. Mein Mitdirector und ich gönnten uns keine Viertelstunde Ruhe- wir hämmerten und klebten b[s tief in die Nacht, und am Morgen des nächsten Tages strahlte dem erstaunten Dorfgebieter eine Zimmerdecoration entgegen, die zwar nicht gerade an die Ausstattungen der „Meininger" erinnerte, für B. aber immer prachtvoll zu nennen war. Man wird zugeben müssen, daß die launische Glücksgöttin sich uns bis dahin außerordentlich wohlwollend gezeigt I hatte. Nach aller menschlichen Voraussicht waren rnun alle Hindernisse beseitigt und wir konnten, Dank dem Wohlwollen, das uns der Dorfmäcen und selbstverständlich in Folge dessen auch die sonstigen Honorationen des Ortes entgegenbrachten, glänzenden Einnahmen entgegensetzen. Allein „was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe, die der Mensch, der flüchtige Sohn der Stunde, aufbaut auf betrüglichem Grunde?" fragte Cajetau oder sonst ein biederer Rittersmann in der „Braut von Messina", und ich antwortete darauf, daß sie „Nichts! Absolut nichts!" sind. Dies zeigte sich wieder bei unserem so verheißungsvoll ins Leben getretenen Unternehmen, welches schon vor der ersten Vorstellung kläglich scheiterte. Der Leser, welcher die Entwickelung desselben bis jetzt mit einiger Aufmerksamkeit verfolgte, wird von dieser Mittheilung etwas überrascht sein, und ich sühle mich verpflichtet, ihm die nöthige Aufklärung zu geben. Der Neid ist eine schlimme Leidenschaft. Eine der galligsten, gelblichsten Sorten von Neid aber ist der Rollenneid, ein so niederträchtiger, ungeberdiger Geselle, daß selbst der Gedanke an unsere Misere ihn nicht bändigen konnte und ein Ausbruch desselben unsere junge Direction geräuschvoll in die Lust sprengte. Wir wollten den guten Kunstkennern von B. von vornherein etwas Gediegenes bieten und wählten deßhalb als Eröffnungsstückchen Görners Lustspiel: „Schwarzer Peter", dessen ehrwürdiges Alter uns dafür bürgte, daß es keine unwürdige dramatische Eintagsfliege war. In dem Stücke agiren drei Personen, ein alter Förster, ein jüngerer Jägerbursche und ein noch jüngeres Mädchen. Die Rolle des letzteren fiel anstandslos unserer „Naiven" zu, während die Alte sich diesmal mit dem Amte der Souffleuse begnügen mußte, aber wir, die Herren Directoren, einer spielwüthender als der andere, konnten uns absolut nicht darüber einigen, wer die ältere, wer die jüngere Rolle spielen sollte. I (Schluß folgt.) der Nachtruhe die Lebensgeister sich ins Innere zurückgezogen und-das Hauptorgan tatsächlich geschlafen, den Tageslauf je nach gebotener Möglichkeit, persönlicher Neigung und Gewöhnung sowie nach Beschaffenheit der Jahreszeit mit dem das Hautleben wieder erweckenden Baden beginnen, wozu uns. jetzt bei der bevorstehenden warmen Jahreszeit in den hiesigen Bade- und Schwimmanstalten wieder so schöne Gelegenheit geboten ist. Zum Schluß wird noch der Merkspruch zur Beherzigung empfohlen: „Das Neugeborene soll nicht blos die ersten zwei Wochen, sondern so lange gebadet werden, bis es das 60. Jahr erreicht hat, wo's dann Anwartschaft erworben haben wird, auch noch das 80. zu erreichen." Werth des Badens. Die Gesundheitslehre rechnet mit der gewaltigen Schleuse der Wärmeregelung und Sästemischung in der Art, daß sie geflissentliche Reinhaltung und Kräftigung des Hautorgans, kürzer gesagt: Uebung der Hautpflege für gesundheitsförderlich, Unterlassung dieser Uebung für krankheitserzeugend erklärt. Die völlige, Unterdrückung der Hautausdünstung ist von tödt- licher Wirkung, aber habituell getriebene Vernachlässigung der Hautpflege ist als Quelle von allerhand schleichenden Nebeln zu betrachten. Diese habituelle Unterlassung ist die Wasserscheu, Zwillingsschwester der Lustscheu. Gesunde Wirkung der Hautpflege ist die Abhärtung, ungesunde Wirkung der Wasserscheu ist die Verweichlichung. Unser Hautorgan hat sich in seiner Eigenschaft als unser natürliches Kleid im Kampfe mit der Außenwelt hauptsächlich mit den Einflüssen dep atmosphärischen Kälte oder Wärme, Nässe oder Trockenheit, oder kurz gesagt mit Wind und Wetter ins Benehmen zu setzen. Zu dem Ende ist es von der Natur außer mit Oberhaut, Schweißdrüsen und Blutgefäßen noch mit Nerven ausgestattet, welche uns als Fühler dienen, wie weit wir uns gegen die von Wind und Wetter drohende Steigerung der Abkühlung oder wie man sie gewöhnlich nennt „Erkältung" in Acht nehmen sollen, indem wir künstliche Bekleidung zur Zurückhaltung unserer natürlichen Strahlwärme zu Hülfe nehmen. Die gemeinsame Function der Nerven und Blutgefäße ist die Hautfederkrast, welche Kraft unter gesunden Verhältnissen die Eigenschaft zeigt, daß sie bei Einwirkung von Wärme erschlafft, um aus dem Körper Wärme reichlicher -sowohl auszustrahlen, als auszudünsten, bei Einwirkung von Kälte dagegen sich zusammenzieht, um die eigene Wärme im Körper zurückzuhalten. Das Merkmal eines hygienisch gezüchteten Hautorgans nun geht dahin, daß die Federkraft auch bei plötzlichen Temperaturwechseln je nachdem mit Ausdehnung oder Zusammenziehung folgt. Während nun durch übermäßiges oder unzeitiges Warmhalten die Hautfederkraft in der Art verwöhnt wird, daß sie nur Erschaffung zu leisten, zur Zusammenziehung aber sich nur schwer, langsam und unvollkommen aufzuraffen vermag, gälte es vielmehr, sie mit Fleiß so abzuhärten, daß sie laufend einen mittleren Grad der Schonung einhielte, eine Ausgabe, welche durch tägliches Baden sicher erfüllt würde. Die eingeriffene Wasserscheu übt weiter ihre gesundheitswidrige Wirkung auch auf die Säftemischung, die sich nicht am letzten in Hautkrankheiten äußert und zwar schon beim Heranwachsenden Kinde. Das in der ersten Zeit regelmäßig betriebene Baden des Neugeborenen schlägt bald in Unregelmäßigkeit, unvollkommenes bloßes Waschen, nach und nach sogar in gänzliche Unterlassung um und es greift die Muhmenregel Platz, das Kind dürfe nicht gebadet werden, weil sich's erkälten könne. Mit Bestimmtheit erklärt nun die Gesundheitslehre, daß mit dieser Aera der wasserscheuen Haltung die körperliche Leidensgeschichte des bis dahin gesunden Kindes beginnt. Während man durch habituelles Nichtbaden daheim die Scrophelsucht förmlich züchtet, entschließt man sich erst einmal auswärts, gegen den schlimmen Ausschlag, die schlimmen Augen und das ganze Heer' der sogenannten scrophulöfen Säfteverderbniß und Nachwehen der Influenza Bäder zu gebrauchen. Die wahrhaft wunderbare Heilwirkung des Bades erklärt' sich dann einfach daraus, daß von der daheim beobachteten wasserscheuen Behandlung zur wasserfreundlichen übergegangen wurde. Lasset uns darum als Wasserfreunde das naffe Element als halbes Leben schätzen und nachdem während Vermischtes. *— Frankfurt a. M., 10. Juni. Anläßlich der im nächsten Jahre dahier stattfindenden internationalen Ausstellung werden in 1891 in Frankfurt, wie die hiesigen Blätter übereinstimmend zu berichten wissen, mancherlei Congresse abgehalten. In erster Linie der Congreß der Elektrotechniker. Sodann wird der Magistrat unserer Stadt die sämmtlichen deutschen Städteverwaltungen in Hinblick auf die Besichtigung und Prüfung der verschiedenen Systeme electrischer Beleuchtung, Kraftübertragung, electrischer Straßenbahnen rc. zu einem Congresse einladen. Der in diesem Jahre in München tagende Congreß der Gas- und Wassersachmänner wird vom Magistrat der Stadt Frankfurt eine Einladung erhalten, seine nächstjährige Versammlung hier abzuhalten. Endlich wird der in diesem Jahre in Bremen berathenden deutschen Naturforscher-Versammlung eine gleiche Einladung zugehen. Grosser Ausverkauf von Resten Kleiderstoffen und Lattunen, zu außergewöhnlich billigen Preisen. Marktplatz 10. Aug. Monianus Einladung. Herr Schuldirector Brandt aus Lahr, der Jnspector des Nonnen- weier Mutterhauses für Kinderpflege, will am nächsten Mittwoch den 11. d. Mts, Abends 8 Uhr in der Kleinkinderschule einen Vortrag halten über: „Die Kleinkinderschule und die Kinderstube und ihre hohe Vedeutnng für das Leben." Der Eintritt ist frei; beim Ausgang wird Gelegenheit geboten zu einer freiwilligen Gabe für das Feierabendhaus, in dem invalide und kranke Nonnenweier Schulschwestern Aufnahme finden. Zu zahlreicher Betheiligung an dem vorgenannten Vortrag lädt em Namens des Vorstandes der Kleinkinder-Bewahranstalt 4935 Dr. Naumann. Gießen, den 7. Juni 1890. Pfarrer. a h • Eine gröhere An- J 11 IIII Atm ! zahl Gulden, Thaler rc- rc. sind preiswerth zu verkaufen. Reflectanten belieben ihre Adr. unter M. Z. in der Expedition d. Bl. niederznlegen. Ost-Indische Theehandlung Georg A. Abich Wie so aden direct Import., ausgezeichnete frische und sehr preiswerte Thees in Paketen von Vi, Vs, xk Pfund zu 2.50, 3.—, 3.20 und 4.— per Pfd. bestens empfohlen. Niederlage in Gießen bei F. 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