wustalt. T uc ?*' W dtt itattstnden. Wann zu schmücken ‘II. »er: llll'MI 10246 ;i'louen 80 ®;0 , 'n. R l.T bflCll«(Äubo[pyf Wctfiti, Erstand. ® die Liebe und den lnd ihrer Wer und 1 u dergl , besonders ^scheerung für unsere nicht herumgegeben, echt bald an eine der dein Amalie Banse Grünberger-raße 1), Seb^arbt(@arten» ie 21 j, grau Pfarrer MmaMabe 11), ioiufe Worlmann sind bereit, Gaben oaarm lion. iBurg 5" 'S« ♦ lauft* ♦ 1890 Donnerstag den 11. December «r. 289 Amts- «nd Anzeigeblatt fu$? den Tireis Gieren chmtisöeikage: Gießener JamikienSkätier Alle Annoncen-Burcaux deS In« und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für deu folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Vorm. 10 Uhr. Die Gießener D««rrienötLlter «erden dem Anzeiger L^chenttich dreimal beigelegt. Der Otrtzeser >«|eiget erscheint täglich, toit Ausnahme deS Montags. könnte, ohne neuer Steuern zu bedürfen. Die Zuckerst,uer-Vorlage lehnen wir in der vorliegenden Form ab; wir wünschen einfach die Beseitigung der Materialsteüern und der Ausfuhrvergütung. Das ist auch der beste Vorschlag im Interesse der Zuckerfabtikanten; leider scheinen es diese Herren bereits als ihr gutes Recht zu betrachten, daß ihnen jährlich 30 Millionen Mark aus Kosten der Steuerzahler zugewendet werde. Heute vrrsammeln sich diese Zucker-Interessenten balo in Sachsen, bald in Berlin. Gefreut hal es mich, daß der Reichskanzler für diese Herren nicht zu sprechen war; wir sind für düse Herren auch nicht zu sprechen. - Was die Zolloerhandlungen anlangt, die gegenwärtig schweben, so haben dieselben nur den einen Wertb, wenn man nicht ängstlich Zugeständnisse und Gegenleistungen gegeneinander admißt, sondern vor allen Dingen die Interessen der einheimischen Cousument-n berücksichtigt. Je früher mit dem gegenwärtigen Zollsystem gebrochen wird, desto besser für die Interessen der Mehrheit aller Steuerzahler und für das Vaterland. (Bravo! links.) Reichskanzler v. Caprivi: Auf die Ausführungen über die Colonialpolittk etnzugchm, habe ich wohl nicht nöthig, da dies aus dem Hause geschehen wird. Allein bezüglich seiner Andeutungen über den Abschluß von Handelsverträgen möchte ich bemerken, daß solche Aeußerungen — ich bin ihnen auch in der freisinnigen Presse begegnet — nicht geeignet sind, schwebende internationale Verhandlungen zu erleichtern (sehr richtig!) Was die Oeffnung der Grenzen betrifft, so liegt soeben aus Bautzen die Nachricht vor, daß bet einem Transport von 107 russischen Schweinen 30 krank waren (hört! hört!). Was das Alters- und Jnvalidcngefetz anbetrifft, so lasse ich mich auf eine Kritik nicht ein. Wäre es vom Hause und von der Regierung nicht für gut gehalten, so wäre es nrcht Gesetz. Die Schwierigkeiten für die Zukunft verhehlen wir uns nicht, aber ich halte cs für ein segensrerches Gesetz. Mehrforderungen für Mtlitär- zwecke stehen nicht in Aussicht. Abg. Bebel (Soc.): Das Alters- und Jnoalidengcsch ist nur ein elfter Schritt auf dem Wege der socialen Reform. Sie werden zu wetteren Schritte gedrängt werden. Im Allgemeinen herrscht unter den Völkern die Tendenz der Versicherung. Kriegsgefahr ist, wie auch die preußische Thronrede versichert, nicht vorhanden. Die S:emrgrsetzgebung ist eine Klassengesetzgebung der schlimmsten Act, die den Armen aufgelegt wird zu Gunsten ter Reichen. Gegenüber den Lasten, die man den Armen aufgelegt hat, ist der Steuersatz von 3 Procent, den das neue Steuergesetz für Pr-ußen auf hohe Einkommen legt, eine neue Anstandsfteuer. Es ist erst neulich von allerhöchster Stelle zu meiner großen Freude die Ansicht ausgesprochen worden, daß die neueren Verhältnisse sich aus- gebaui haben auf der französischen Revolution; leider ist diese Entwicklung stehen geblieben und nicht weiter gediehen. Wir werden versuchen, in den Etat Verbesserungen hineinzubringen, müssen ihn aber, da er auf einer durchaus ungerechten Steuerbelastung beruht, im Ganzen ablehnen. Hierauf vertagt sich das Halls. Persönlich bemerkt der Äbg. Richter (dsr.), daß der Herr Reichskanzler, obwohl er von den bevorstehenden Angriffen durch die Presse unterrichtet war, doch nicht im Stande gewesen ist, die Angriffe einigermaßen zu widerlegen. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. — Fortsetzung der Etats- berathung. Schluß 4 Uhr. totale» wnö provinzielle» l Gießen, 10. December. — Samstag, den 13. December d. I., Vormittags« 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Pe»»in,ial.«nslchuffe» »er Pr»»i«i vierteljähriger AöouuemeutspreiH l 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Nedaction, Expcdittvv und Druckerei: Schntflraße Ar.D Fernsprecher 51. Deutscher Reich. Darmstadt, 7. December. Stempel für Anstell- ungs- :c. Decrete für Beamte. Das hessische Staatsbudget pro 1891—94 enthält außer anderem bereits Mit- getheilten eine Neuerung, welche besonders für die Beamten von Wichtigkeit ist: cs soll nämlich der Stempel für die Anstellungs-, die Zulage- und bie Pensions-Decrete der Beamten in Zukunft nicht mehr erhoben werden. Der Stempel betrug nicht weniger als 3 pCt. Nur die Beamten selbst fühlen und kennen die Bedeutung dieser Neuerung. Darmstadt, 9. December. Die Errichtung einer besonderen E i s e n b a h n - A b t h e i l u n g im Großherzogl. Finanzministerium dürste in Verbindung mit der vor Kurzem erfolgten Ernennung des Herrn Präsidenten Weber, Exc., zum Finanzminister als ein Vorläufer für die Verstaatlichungs- ftage angesehen werden können. Dem Vernehmen nach steht demnächst die Ernennung zweier Secretariats-Assistenten für die neue Abteilung bevor und dürfte die Annahme nicht unwahrscheinlich fei», daß hierbei in erster Linie qualificirte Eifenbahnbeamte Berücksichtigung finden. Berlin, 9. December. Die „Kreuz-Zeitung" erklärt die Meldung der Blätter, daß der Präsident des Oberkirchen- rathes, Hermes, sein Entlassungsgesuch eingereicht habe, für thätsächlich unrichtig. Hamburg, 9. December. Dem „Hamburgischen Corre- spondenten" zufolge war die gestrige Notiz in Sachen des Cigarrenarbeiter-Strikes über das Interesse des Kaisers an dem Strtke und die Reise des Vorsitzenden des Fabrikanteu-Vereins nach Berlin insofern nicht ganz zutreffend, als der Vorsitzende nicht zum Vortrag befohlen worden ist, sondern Informationen durch die Behörden eingezogen werden. Hamburg, 9. December. Dem „Hamburgischen Cvrre- spondent" zufolge ist Johannes Orths Schiff „Margaret" von der Hamburger Bark „Maria Mercedes" zuletzt am 31. Juli mit sechs anderen Schiffen vor den Ausläufern des Gebirges auf Cap Horn während eines furchtbaren Orkans und bei 15 Kältegraden gesehen worden. Luxemburg, 9. December. Der Wortlaut des von dem Großherzog in der heutigen Kammersitzung zu leistenden Eides lautet : „Ich schwöre, die Verfassung und die Gesetze des Großherzogthums Luxemburg beobachten, die Unabhängigkeit der Nation und die Unantastbarkeit des Gebietes aufrechterhalten zu wollen, ebenso die öffentliche und persönliche Freiheit und Rechte aller und jedes meiner Unterthanen- ferner auf die Aufrechterhaltung und Vermehrung des Wohles von Staat und Bürger, wie ein guter Fürst thun soll, alle Mittel zu verwenden, die die Gesetze zu meiner VersiigunA stellen, wozu Gott mir helfe." Luxemburg, 9. December. Deputirtenkammer- Nach Eröffnung der Sitzung richtete der Großherzog eine Ansprache an die Versammlung, in welcher er der Verdienste des Königs Wilhelm III. um die Freiheit und das Gedeihen Luxemburgs gedachte, welche dem Dahingeschiedenen die Dankbarkeit eines freien Volkes für immer sichern würden. „Könige sterben", fuhr der Großherzog fort, „Völker bleiben. Volk und Fürst werden sich des Verstorbenen dankbar erinnern. Die Verfassung und die Gesetze berufen Mich auf den Thron. Ich übernehme die damit verbundenen Pflichten, zu deren Erfüllung Ich Ihres Vertrauens und Ihrer Zuneigung bedarf. Ich werde mir dieselbe zu erhalten wiffen. Ein ernster Augenblick ist die Verbindung Luxemburgs mit dem Hausen Oranien. Möge dieselbe eine dauerhafte und glückliche sein l Ich danke Gott, daß Ich noch in so hohem Alter meine Kräfte dem Dienste des VaterlandesG widmen kann." — Hieraus sprach der Großherzog die oben gemeldete Eidesformel und schloß mit einem Hoch auf das Großherzogthum. Wien, 9. December. Der österreichiche Bergarbeitertag nahm eine Resulution an, der zufolge der Strike^ obwohl eine unentbehrliche Waffe, nur dann auzuwenden feir wenn die Lage des Marktes und die eigene Stärke Erfolg versprechen und überhaupt kein anderes Mittel mehr helfe- Ferner wurde beschlossen, den nächstjährigen internationalen Bergarbeitercongreß in Paris zu beschicken, und erklärt, bev 'Bergarbeitertag stehe auf dem Standpunkte der internationalen socialdemokratisch en Partei, jedoch gleichzeitig die Delegirten aufgefordert, im Falle von Maßregelungen durch die Arbeitgeber unbedingt auf dem Boden des Gesetzes zu verharren und Ausschreitungen zu verhüten. Paris, 9. December. Der Geschäftsdiener eines hiesigen Wechselmaklers veruntreute, um seine Börsenverluste zu decken, 2500 Obligationen im Betrage von 800000 Franken. Der Diener wurde verhaftet, und man hat bei demselben 200 Stück der Obligationen vorgefunden, außerdem noch 1200 bei verschiedenen Bankhäusern. Paris, 9. December. Dr. Dujardin-Beaumctz conftatirte in der heutigen zweiten Conserenz über die K o ch'sche Heil- methode, daß der Zustand mehrerer Kranken sich verschlimmerte nach den ersten Einspritzungen und bei einigen anderen ohne sichtbare Besserung blieb; er glaubt nicht, daß dies ein Grund sei, die Behandlung aufzugeben, meint jedoch, zuvörderst hätten mehr Erfahrungen gesammelt werden müssen^ bevor das Heilmittel bei Menschen zur Anwendung gelangte. Paris, 9. December. Die Mitglieder der Akademie der Medicin sprachen sich in der heutigen Sitzung gleich dem consultativen hygienischen Comite für die Fortsetzung der Versuche mit Koch'scher Lymphe trotz deren CharacterS- als eines Geheimmittels aus. ___ Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphischer Sorrespondenz-Bureau. Berlin, 9. December. Der „Reichsanzeiger" meldet: In der heutigen S ch u l c o n f e r e n j sprachen Schrader (Halle) und Kropatscheck (Berlin) gegen die Schmälerung des altsprachlichen Unterrichts in den Gymnasien. Schrader hält nur die Entlastung der Schüler in den Nebenfächern und eine Verminderung der Stundenzahl zum Zwecke eines vermehrten häuslichen Studiums für wünschenswerth. Paulsen (Berlin) äußerte sich gleichfalls gegen eine Verringerung des altsprachlichen Unterrichts, hielt indeß die innere Umformung des Unterrichts für möglich und eine freiere Entwickelung der Anstalten und Schüler für wünschenswerth. Major Fleck und Geheimer Ober-Regierungsrath Lüders sprachen als Com- miffare des Kriegs- und Handelsministers. Hofprediger Frommel gab den Klagen der Eltern über die Ueberbürdung der Schüler Ausdruck. Hinzpeter nahm Gelegenheit, dankbar anzuerkennen, daß das Kasseler Gymnasium an1 seinem kaiserlichen Zöglinge seine Schuldigkeit voll gethan und alle Erwartungen in hohem Maße erfüllt habe. Im weiteren Verlause der Schulfrage > Conserenz sprachen noch Goring, Hölzer-Hagen, Fürstbischof Kopp. Die Discussion über die Frage 3 (Einschränkung der Unterrichtsstunden in den alten Sprachen an den Gymnasien) wurde beendet. Die Abstimmung erfolgt erst nach Erledigung der Frage 1 über die Beibehaltung der bestehenden Arten der höheren Schulen und Frage 4 (Beibehaltung der 1882 angeordneten Verstärkung des Lateins tn den Realgymnasien). Nächste Sitzung Mittwoch 10 Uhr. Berlin, 9. December. Der C o n g r e ß der freien Hiilfs- f aff en Deutschlands beschloß in der heutigen Sitzung, daß eine Abänderung des Hülsskaffengesetzes unbedingt erforderlich sei und ersucht den Bundesrath und Reichstag die erwähnte Aenderung in einer den freien Hülsskassen entsprechenden Form vorzunehmen. Der Congreß spricht sich ferner gegen jede weitere Belastung der Hülsskassen namentlich in Bezug aus die Meldepflicht aus. Kiehmer Anzeiger Keneral-Anzeiger. Deutscher Reichstag 37. Plenarsitzung. Dienstag, 9. December 1890, 12 Uhr. Dir Vorlage betreffend bie Vereinigung Helgolands mit dem deutschen Reiche wird in 3. Lesung berakhen. Don dem Abg. Klemm-Sachsen (cons.) liegt ein Antrag vor, der Vorlage einen Paragraph 7 hinzuzufügen des Inhalts: Dies Gesetz tritt mit der Verkündigung in Kraft. Die Vorlage wird in den einzelnen Paragraphen angenommen, nachdem in der Generaldebatte Adg.Stadthagen (Soc.) seine Bedenken gegen die Rechtsgilttgkeit des veutsch-englt,chcn Abkommens oor- gedracht und SiaalSmintster v. Bötticher dieselben für unbegiünd.t ciklürt hatte. Auch der A.ttrag Klemm gelangte zur Annahme. Wegen dieser Aenderung finbet die Gesammtabstimmung uoer die Vorlage erst später statt. Das Heus gehl zur ersten Berathung des Cta%”aatMfCvelär o. Maltzahn-Gültz (cons.) gübt die übliche Jtnanzüberstcht. Die Zölle haben 350 Millionen eingebracht, doch ist nicht zu erwarten, daß diese Höhe auch tm nächsten Jahre erreicht werden wird, da bedeutende Gitterteoorräthe tm Sonnmr eingegangen sind, was zur Folge haben muß, daß die Einfuhr tm Winter weniger erheblich ausfällt und zwar ist dies auch deshalb wahrscheinlich, weil der gegenwärt'.ge Rubelcurs die Ausfuhr von Getreide nach Deutschland aus Rußland nicht begünstigt. Von früheren Anlrägen auf Geldbewilligung sind nur die Prämien für ausgediente Unteroffiziere erneut wieder in den Etat eingestellt. Neu eingestellt ist die Forderung zur Erhöhung der Pferderationen für Offiziere und Mtlrtärbeamtt. Was die Begebung der bewillig en Anleihen detr-fft, to haben sich di fei Begebung Schwierigkeiten entgegengestellt; doch sind die Maßnahmen im Reich mit ter Preußi-chen Regierung vereinbart morden, da beide Behörden die gleichen Interessen Huben. Die Frage einer Erhöhung oder Beibehaltung des Zins- wßes ist dabei eine völlig offene. Lassen Sie und bet der Regelung unserer Vechälinisse stets hanbeln nach dem Spruche unserer alten Regenten, den sie an ihre Thore schrieben: Einigkeit tm Innern, außen Friede! (Beifall.) Aog. Richter (bf.): Roch nicht ein Jahr ist seit dem letzten ztanzlerwechsel oerflossrn und wir sehen, es geht auch so. Die aus- wäriige Polttck ist langweilig geworden und wir wünschen, daß es fo bleibe. Leider ist das Inkrafttreten der Alters- und Jnvalwen- nerffcherung nicht mehr zu verhindern. Wir hatten dieselbe für Ehängnißooü und lehnen jede Verantwortung tür diesen Sprung tn den hellerleuchteten Abgrund ab. D:e Ausgaben tm Exrra- oidinarium schwellen lawinenartig an, nameml'.ch für die Marine. Der gefährliche Rückschlag für die Ausgaben kann nichi ausbletben. Sind diese Arbeiten hergestellt, so werden plötzlich zahlreiche Arbetter brodlos. Dabet haben sich ote Ausgaben sür die Schrffsbauten wesentlich oertheuert, so kostet ein Panzerschiff gegenwärtig schon 11,200,000 Mk., das früher, vor zw:i Jahren noch, für 9,200,000 Ml. hergestellt wurde. Die Easernendauten werden in einer Weise gefördert, daß wir jede Uebersicht verlieren, oft wird die Garnison einer Stadt verleg', ehe die neue Easerne ganz fertig ist. Dte Uateroifizter-P- ämten sind entbehrlich, viel rtchriger ist die Ausbesserung der unteren Beamttttgehälter, dte den ausgedienten Unteroffizieren zu Gute kommen. Die Errichtung neuer Kriegsschulen nehmen wir an, dagegen lehnen wir die neuen Unteroifizier- Dorschulen ab. Die Verhältnisse in Ostafrika sind ganz unhaltbar. Wenn Afrika colontstrl werden könnte vom Kaiserhof und von der Philharmonie au?, so könnte man den Herren Glück wünschen; aber Afrika zu colonifiren durch schneidige Li. utnanls und mit Geheimen Käthen von Berlin aus, wird nicht gelingen. Die Lage unserer Finanzen ist so günstig, daß man die LebenSmUtelzölle beseitigen Anrtticher Thcil. Gießen, den 6. December 1890. Betr.: Die Aufstellung der Voranschläge für die Landgemeinden des Kreises Gießen für 1891/92. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien de- Kreises. Die Säumigen erinnern wir an die Einsendung der rubr. Voranschläge mit Frist von 8 Tagen- v. G a g e r n. Oberheffen statt, in welcher folgende Gegenstände zur Ber- handlung kommen: 1) Gesuch des Johs. Peppler III. von Großen-Linden nm Erlanbniß zum Ausschank von Branntwein- 2) Wirthschasts-Concessionsgesuche des Heinrich Eifer von Hungen, Heinrich Buttron III. daselbst, Karl Schmidt V. daselbst- 3) -Lage des Ortsarmenverbandcs Gießen gegen den Ortsarmenverband Großen-Buseck, wegen Unterstützung und Uebernahme der Anna Schlabach von Winnerod. — Samstag, den 13. d. M., Nachmittags 3 Uhr, findet im Regierungsgebäude eine öffentliche Sitzung des Kreisaus- schuffes des Kreises Gießen statt. — Es wird ohne Zweifel für Biele von Interesse sein, einen etwas ausführlicheren Bericht über den Vortrag des Herrn Dr. Heuser im Oberhessischen Geschichtsverein am 5. d. M. zu lesen. — Als die Franzosen zum drittenmale im vorigen Jahrhundert unsere Stadt besetzten — vom 21. April 1797 bis März 1799 — versuchten sie auch hier wie überall, wo sie hinkamen, Gegenstände der Kunst und Wissenschaft zu rauben. Ein großer Theil der handschriftlichen Schätze der Bibliotheque nationale in Paris stammt ^daher. Es waren namentlich die Commissaires du Gouvernement, die viel schlimmer waren, als die Generale und Offiziere. Sie ließen sich gleich nach ihrem Eintreffen hiervon dem Universitäts-Bibliothekar Chr. Hch. Schmid die Schlüssel abliefern und verlangten die Rückgabe aller ausgeliehenen Bücher. Daraufhin schickte der Senat eine Abordnung von Professoren in das französische Hauptquartier nach Friedberg und diese brachte am 3. Mai einen günstigen Befehl des Generals Hoche zurück. Aber trotzdem fuhren die französischen Commissäre fort, werthvolle Bücher als gute Beute auszuscheiden und gaben erst aus bestimmten Befehl des Adjutanten vom General Champion et die Schlüssel, die Münzen, Cataloge und Handschriften zurück. Aus Erkenntlichkeit wurde, als die Generale Champion et und Gemy die Bibliothek besichtigten, ihnen einige erwünschte Bücher sowie später noch eine Anzahl Münzen aus der Sammlung, welche Prof. Mai 1732 der Universität vermacht hatte, geschenkt und der Adjutant erhielt ein Geldgeschenk von 12 Louisdor. Zwar waren nun die Schlüssel abgeliefert worden, aber die Commissäre hatten ein Vorlegschloß beseitigt, so daß sie nach wie vor in die Bibliothek gelangen konnten. Daraufhin wurde ein neues Schloß angesertigt und befestigt. Die habgierigen Commissäre wandten sich nun abermals klagend an General Hoche, der sie daraufhin aus's Neue bevollmächtigte, diejenigen Bücher der Universitäts-Bibliothek wegzunehmen, die der französischen Republik nützlich sein könnten, ohne dadurch dem öffentlichen Unterricht zu schaden. Commissär Keil verlangte darauf den Schlüssel zurück, er wurde ihm aber vom Rector Crome vorenthalten. Dieser und Pros. Schaumann reisten nun abermals in's Hauptquartier nach Friedberg, doch hatten sie das Mißgeschick, daß Cromes Koffer vor Butzbach vom Wagen gestohlen wurde. Mit großer Mühe wurde zwar der Koffer selbst wieder erlangt, nicht aber der Inhalt an vielem baaren Geld und einer großen Menge von Wäsche, obgleich die Reise nur kurz war. Crome verlangte eine sehr beträchtliche Entschädigung und entwickelte sich später eine höchst ergötzliche längere Verhandlung, die schließlich damit^endete, daß Crome 183 fl. als Schadensersatz erhielt. Die Abgeordneten kamen nach Friedberg- Hoche war nach Frankfurt gereist, doch gelang es durch Vermittelung des Kammerassessors Mo ter vom Stabschef Cherin den Befehl an die Commissäre zu erwirken, unter keinem Vorwand etwas aus der Universitäts-Bibliothek wegzunehmen, weder Bücher noch sonst etwas. Es wurde dieses den Commissären Keil und Deville mitgeth^t, worüber diese natürlich sehr ungehalten waren. Deville meinte darauf, die Universität möchte sich mit den Commissären in Güte auseinandersetzen- auf einige Medaillen, Münzen und Manuscripte könne es ihr doch nicht ankommen. Doch ließ sie sich auf nichts ein. Devilles Aeußerung aber wurde der Generalität mitgetheilt und wurden darauf die beiden Commiffäre aus der Stadt gewiesen. Von da an blieb die Universitäts-Bibliothek von den Franzosen unbehelligt, doch waren eine Reihe werthvoller Bücher und Manuscripte geraubt. Ein sehr schwacher Ersatz waren 2 Bücher, die später der General Bernadotte, nachmaliger König von Schweden, der Universitäts-Bibliothek zum Geschenk machte und dafür von der Hochschule zum Ehrendoctor ernannt wurde. Herr Prof. Dr. Birnbaum machte darauf noch höchst interessante Mittheilungen über die Kriegsschulden der kleinen Gemeinde Annerod vom April 1797 bis Ende 1798. Wir kommen darauf ausführlicher zurück, denn es ist, wie der Vorsitzende, Herr Prof. Buchner, bemerkte, nützlich, wenn das deutsche Volk immer wieder daran erinnert wird, in welch' schamloser Weise die Franzosen in Städten und auf dem flachen Lande die deutsche Bevölkerung bedrückten, theils durch Erpressung von Lieferungen, theils durch Bestechungsgelder. p. Theater. Am Freitag kommen zur Aufführung:' „Man su.cht einen Erzieher" und zum Schluß „Der Schimmel". Beide Stücke hat Herr AdalbertBrümmer ausgewählt, weil in ihnen ganz besondere Glanzrollen des berühmten Gastes enthalten sind. Hoffen wir, daß man dieser Vorstellung gegenüber, die im höchsten Grade genußreich sein wird, etwas mehr seinen Kunstsinn bethätigt, als leider bei der gestrigen Vorstellung, die für unsere wackere Direction wieder eine schwere Einbuße bedeutete. -s. In der am Montag Abend statigesundencn Generalversammlung deS „Theater-Vereins" wurden die vorgelegten Statuten mit einigen unbedeutenden Aenderungen angenommen. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren Bock, Challier, Cosak, Gail, Goldmann, Heichelheim und Kirch. — Ein Antrag auf Aufhebung des BedürfnißnachweiseS bei Concessionirung von Wirthschaften ist bei dem neuen Landtag von dem Abg. Metz-Darmstadt gestellt worden. Die Verordnung vom Ist. November 1886, welche für den Betrieb von Wirthschaften und den Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus den Bedürsnißnachweis erfordert, geht nach Ansicht des Antragstellers von der thatsächlich unrichtigen Unterstellung einer erheblichen Zunahme des Branntweingenusses aus. Ueberdies habe die Verordnung den augestrebten Zweck nicht erreicht und werde ihn an keinem Orte und zu keiner Zeit erreichen können, das Gegentheil sei durch sie, ein wie ein Monopol wirkender staatlicher Schutz geschaffen, dessen Ausbeutung vielfach Genußsucht und Luxus gesteigert habe. Die Verordnung widerspreche dem Grundsatz der freien Con- currenz, hindere oder erschwere den Erwerb, das bürgerliche Fortkommen, sie gefährde die wirthschastliche Existenz des Einzelnen. Die Unbestimmtheit und Dehnbarkeit des Begriffs „Bedürfniß" habe nicht selten zu Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten, Härten und Willkürlichkeiten geführt. Von der Rabenau, 6. December. Ein wie dringendes Bedürfniß es war, daß unsere von der Welt abgeschlossene Gegend dem Weltverkehr geöffnet wird, hat in unzweideutiger Weise die neueste Volkszählung wieder klargestellt. Während bei der letzten Volkszählung der Hauptort der Rabenau — Londorf — eine ortsanwesende Bevölkerung von 776 Seelen zählte, ist dieselbe jetzt auf 755 heruntergegangen. Der Grund dieser bedauerlichen Erscheinung liegt nicht etwa darin, daß die Zahl der.Sterbesälle die der Geburten überwiegt — der kleine Nachwuchs ist im Gegentheil recht zahlreich —, er liegt vielmehr in der Thatsache, daß viele junge Leute wegen Mangel an lohnender Arbeit gezwungen sind, Arbeit und Verdienst anderswo zu suchen. Neben der Landwirthschast sind es hauptsächlich unsere vortrefflichen Steinbrüche, welche einer beschränkten Anzahl Personen lohnende Arbeit gewährten - allein es lag die Gefahr nahe, daß der Betrieb derselben in absehbarer Zeit hätte eingestellt werden müssen, weil sie wegen der hohen Transportkosten des bearbeiteten Materials mit ähnlichen Unternehmungen in anderer Gegend nicht mehr concurriren konnten. Diesem Uebelstand wird nunmehr durch den Bau unserer Eisenbahn hoffentlich für immer abgeholfen. Danken wir darum unserer hohen Staatsregierung, sowie der weisen und thatkrästigen Verwaltung unseres Kreises dafür, daß sie den Nothstand unserer Gegend und deren tüchtigen Bevölkerung rechtzeitig erkannten und im Verein mit unseren Landständen die nöthigen Mittel gewährten, demselben in wirksamer Weise abzuhelfen. — Für Keffelbach — Linie Grünberg—Londorf —, das nicht unbedeutenden Geschäftsverkehr hat, war keine Haltestelle vorgesehen worden. Die Vorstellung des Ortsvorstandes an das Finanzministerium hatte den Erfolg, daß der Bescheid kam, es solle der Bitte entsprochen werden, sofern die Anlage ausführbar wäre. Keffelbach kann sich freuen, wenn die im Project gewesene Bahnlegung durch das Dorf damit fallen wird. Lauterbach, 10. December. Der für den hiesigen Kreis ernannte Kreisrath Herr Dr. Fischer war vorigen Sonntag hier, um sich seinen neuen Wirkungskreis einmal anzusehen - derselbe wird im Lause dieser Woche seinen Dienst antreten. Lauterbach, 10. December. Nach der Volkszählung hat unsere Stadt gegenwärtig 3363 Einwohner, ein Mehr von 93 Personen seit der Zählung im Jahre 1885. Alsfeld, 10. December. Die hiesige Stadt hat seit der letzten Volkszählung um 136 Seelen zugenommen. Rülfenrod, 10. December. Bei der am 4. d. M. in den Freiherrlich Schenckischen Waldungen dahier stattgefundenen Treibjagd wurde einer der Jäger durch einen von einem anderen Herrn abgegebenen Schrotschuß so schwer verwundet, daß er an der Jagd nicht bis zu Ende theil- nehmen konnte und ärztliche Hülse in Anspruch nehmen mußte. Vermifdrtes» * Resultate der Volkszählung vom 1. December 1890. München (genau) 344,898. Leipzig mit den einverleibten Vororten 355,485 (+ 63,887), Nürnberg 144,240 (+ 28,240), Mannheim 79,018 (-s- 17,745), Hannover 163,100, Fürth 42,659, Zwickau 43,941, Crimmitschau 19,970, Mülhausen (Elsaß) 76,413, Cannstatt 20,411, Reutlingen 18,499, Ludwigsburg 17,429, Tübingen 13,235, Hanau 24,939, Heidelberg 28,472, Neustadt a. d. Haardt 13,645, Augsburg 75,523, Halle 100,131, Straßburg im Elsaß 123,500, Metz 59,723, Elberfeld 125,839, Barmen 116,192, Worms 25,500, Limburg 6851, Herborn 3143, Dillenburg 3939, Wimpfen 3207, Griesheim 4157, Groß-Gerau 3692, Langen 4826, Oppenheim 3450, Bodenheim 2351, Colmar 29,649, Lübeck 63,556, Coburg 17,049, Kreuznach 18,084, Stuttgart 125,230, Cassel 71,885, CaM bei Mainz 7600 Einwohner. * Wetzlar, 8. December. Wie Herr Bürgermeister Moritz in der heurigen Stadlverordneten-Sitzung mittheilte, hat die Volkszählung am 1. December in hiesiger Stadt eine ortsanwesende Bevölkerung von 8125 Seelen ergeben. 1885 betrug die Zahl der Ortsanwesenden 7874, die Zahl der Wohnbevölkerung 7770 Seelen. Gegen erstere sind es 281, gegen letztere 355 Seelen mehr. *— Frankfurt a. M., 9. December. lieber die nächstjährige internationale electrotechnilche Ausstellung sprach gestern Abend Herr Oscar v. Miller, der wissenschaftliche Leiter der Ausstellung, in der Elcctrotechnischen Gesellschaft. Aus den umfassenden Mittheilungen des Redners, die allerdings auch Manches enthielten, was schon bekannt ist, verdient Folgendes hervorgehoben zu werden: Für die Abtheilung für Telegraphie haben sich 40 Aussteller gemeldet. Neben vielem Anderen wird in dieser Abtheilung ein Börsendrucker zu sehen sein, d. i. ein Apparat, vermittelst welchem eine Depesche von einer Cenrralstelle aus an eine größere Anzahl von Typendruckern weitergegeben werden kann. In der Abtheilung für Telephonie wird ein Telephonautomat von Mix und Genest Interesse erwecken, welcher es ermöglicht, Cvncerte rc., welche in Wiesbaden, ja selbst in München abgehalten werden, hier in Frankfurt zu hören. Auch laut sprechende Telephone werden ausgestellt werdett. Die electro- chemische Abtheilung zahlt bis jetzt 14, diejenige für Medicin und Wissenschaft 46 Aussteller. Das Hauptinteresse beansprucht natürlich das Kesselhaus und die Maschinenhalle. 20 Kessel mit 2400 Quadratmeter Heizfläche und 56 Motoren mit zusammen 3900 Pferdekräften werden in Thätig- keit sein. Motoren von V2 biß 600 Pserdekrästen werden arbeiten. Zur Krasterzeugung werden außer Dampf und Leuchtgas Petroleum und Dowson-Gas, welch letzteres in der Ausstellung erzeugt werden soll, zur Verwendung kommen. Eine wichtige Neuerung, die Anwendung des Wechselstromes mit Gasenverschiebung, Drehstrom genannt, wird zur Anwendung kommen. Derselbe soll sich zu elektrischer Kraftübertragung auf weite Entfernungen besonders gut eignen. Von Uebertragungen sind zu nennen: 100 Pferdekräfte vom Palmengarten, 100 von Offenbach und 300 von Lauffen nach der Ausstellung. Siemens u. Brothers in London wollen von der Vertheilungshalle nach dem Main ein Kabel legen, in dem Ströme von 2u000 Volt Spannung fortgeleitet werden» Die Verwendung des Electromotors für das Kleingewerbe soll dem Handwerker durch Vorführung von Werkstätten, in denen thatsächlich gearbeitet wird, gezeigt werden. Die Halle für Installationsmaterial werden 75 Firmen beschicken. Die Fortschritte auf dem Gebiete der electrischen Beleuchtung werden in einem Ausstellungstheater, einer Kunstausstellung, dem Ausstelluligsgarten, einer großen Fontaine, einer Grotte mit 10 Meter hohem Wasserfall, einer Tauchercabine und einem Leuchtthurm veranschaulicht werden. Für Zerstreuung und Unterhaltung der Ausstellungsbesucher werden u. a. ein Panorama und eine elektromotorische Rundbahn sorgen. — Geh. Rath Heldberg, welcher den Vorsitz führte, konnte mit- theilen, daß die Abhaltung des Electrotechniker-Congrefses dahier so gut wie sicher ist. * Süße Geheimnisse überall. Tuscheln und Flüstern um^ rauscht uns- geheimnißvolle und vielsagende Blicke fliegen herüber und hinüber. Man könnte sich rings von Spionen in feindlichstem Lande umgeben glauben, wenn es nicht das lieblichste Territorium, weihnachtlicher Boden wäre, auf welchem wir wandeln. Solche Furcht vor Spionen und den Blicken anderer böser Menschen ist die treue Begleiterin dieser Wochen. Denn die Ueberraschung ist der Triumph, welchen man unter dem flamrrtenden Tannenbaum auszuspielen beabsichtigt und deßhalb muß man selbst vor Ueberraschungen gesichert sein. Wohl ausgeklügelte Verstecke werden ausgesucht, um das von der Liebe geweihte Gut nicht voreilig an das Tageslicht kommen zu lassen. Nun aber sucht Jeder im Hause nach einem solchen Versteck und da pflegt es denn, oft genug gerade bei diesem Suchen sich zu ereignen, daß das Geheimniß des Andern entdeckt wird. Aber wer ist grausam genug, über feinen Fund Bericht zu erstatten und damit dem Spender den größten Theil seiner eigenen Freude zu verderben ? Man behält das sorgsam für sich und thut so, als ob man z. B. seiner Frau es aufs Wort glaubt, wenn sie sagt: „Männchen! Ich hätte Dir gern einen neuen Schlafrock bescheert - aber Du kannst Dir ja denken, wie unmöglich, es bei dieser allgemeinen Theuerung ist, derartige Anschaffungen aus den vom Wirthschastsgelde gewonnenen Ersparnissen zu machen." Ja, das hört der Gatte ganz ernsthaft an, er tröstet sogar sein Weibchen noch, daß dies gar nichts zu sagen habe und sie deßhalb nur ohne Sorge fein mögcr und dabei hat der Schelm den Schlafrock längst entdeckt, als er seinerseits einen für die Gattin besorgten Einkauf heimlich verstecken wollte. So gibt es denn auf allen Seiten ein gut Theil Verstellungskunst. Aber niemals wird von ihr und den kleinen gefahrlosen Lügen ein so lieblicher Gebrauch gemacht, wie gerade jetzt. Aus eine falsche Fährte soll der zu Erfreuende gelenkt werden, damit am Heiligabend die Ueberraschung eine vollständige sei, und um dieses Ziel zu erreichen, nimmt man es mit der Wahrheit nicht gar zu genau. Wer wollte darob sich erzürnen und nicht vielmehr auch aus diesen Anstrengungen der sonst wahrhaftigsten Leute die Liebe erkennen, welche dieses Thun dictirt. Sehr summarisch ver- sahren wir der Kinderwelt gegenüber, um unsere Geheimniffe bis zum letzten Augenblicke zu hüten und uns in unseren Ueberraschungen nicht überraschen zu taffen. Die „gute Stube" wird zugeriegelt und damit basta! Dadurch wird dieselbe zum Paradies, zu einer Schatzkammer, in welcher der kindliche Geist schwelgt, und an deren erträumten Herrlichkeiten er sich nicht genug zu thun vermag. Der Knabe, dessen Phantasien sonst am Bord eines Seeschiffes, oder in den Wigwams der Indianer weilt, er sucht sich jetzt zunächst. Klarheit über jenes verschlossene Gebiet der „guten Stube" zu verschaffen. Seiner Phantasie steht nur ein reales Hilfsmittel zur Verfügung : das Schlüsselloch. Was er durch diese- erspäht, genügt natürlich seinem Forscherdrange nicht- aber er muß sich bescheiden, bis der große Tag kommt, an welchem er das gelobte Land auch betreten darf, das cr nur von ferne geschaut? Bis dieser Tag aber gekommen ist, wird noch von gar vielen Seiten allerlei List und Klugheit aufgewendet werden, ja, den kleinen Kindern gegenüber, und wer möchte es leugnen, daß es gerade in dieser Zeit auch „große Kinder" gibt, dürste auch die sauste Gewalt zu ihrem Rechte gelangen» Und dies alles nur, damit Jung und Alt erst unter dem Tannenbaum kund werde: das süße Geheimniß. Pertcbr, Caufc» tmb Frankfurt 8. December. Viehmarkt. 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