Nr. 130 Zweites Statt Sonntag den 8. Juni 1890 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener A»mitte«vtä1t«r werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger Avonnementsprelsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: SchutstraßeAr.7. Fernsprecher 51. Amts- unfc Anzeigeblatt für den Aveis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags jür den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamikienbkätter. Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Theil. Gießen, den 30. Mai 1890. Betr-: Die Hagelversicherungs-Gesellschast „Germania" zu Berlin. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen att die Grotzd. Bürgermeistereien des KreiseS. Dem Vernehmen nach wird gegen die Hagelversicherungs- gesellschast auf Gegenseitigkeit „Germania" in Berlin wegen vorgekommenen Unregelmäßigkeiten in Preußen demnächst das Verfahren auf Concessionsentziehung eingeleitet. Wir sehen Ihrem Bericht binnen 8 Tagen darüber entgegen, ob auch zu Ihrer Kenntniß Klagen über die Geschäftstätigkeit der genannten Gesellschaft gekommen sind- v- Gagern. Gießen, den 6. Juni 1890. Betr.: Das Ober-Ersatzgeschäft pro 1890. Der Mil-Vorsitzende der Großh. Ersatz-Commisffon Gießen -n die Großh. Bürgermeistereien deS Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche der Verfügung vom 24. v. Ms. noch nicht nachgekommen sind, werden an sofortige Erledigung erinnert. __Jost.___________________________ Bekanntmachung, die Abgabe der Kapttalrentensteuererklärungen behufs der Veranlagung für das Steuerjahr 1891/92 betr. Nach Art. 14 des Gesetzes, die Einführung einer Kapi- talrentensteuer betreffend, vom 8. Juli 1884, erfolgt die Heranziehung zu dieser Steuer auf Grund einer Erklärung, welcher jeder nach den einschlägigen Bestimmungen Steuerpflichtige über den Jahresbetrag seiner Zinsen, sowie der etwa zum Abzug geeigneten Lasten bei der hierzu berufenen Einschätzungscommission schriftlich abzugeben hat. Zu diesen Erklärungen ist das von Grobherzoglichem Ministerium der Finanzen festgesetzte Formular zu verwenden und sind dieselben, je nach der Wahl des Steuerpflichtigen, offen oder verschlossen, jährlich spätestens bis zum 1. Juli, ohne daß der Pflichtige deshalb eine besondere Aufforderung abzuwarten hat, bei der Bürgermeisterei des Wohnorts abzuliefern. Von der Verpflichtung zur Steuererklärung sind nach Art. 15 des Gesetzes, insofern nicht im einzelnen Fall besondere Aufforderung der Einschätzungscommission ergeht, diejenigen Steuerpflichtigen entbunden, welche im unmittelbar vorausgegangenen Steuerjahr bereits zur Kapitalrentensteuer zugezogen waren, auch inzwischen ihren Wohnsitz nicht gewechselt und keine den Betrag von 100 Mk. jährlich erreichende Einkommensverbefferung aus Kapitalzinsen erlangt haben. Inhaltlich des Artikel 16 des genannten Gesetzes haben die Kapitalrentensteuererklärung abzugeben: 1) für minderjährige, vermißte oder unter Vormundschaft gestellte Personen deren gesetzliche Vertreter; 2) für moralische Personen (Gemeinden, Körperschaften, Stiftungen, Anstalten), ferner für Gesellschaften, Genossenschaften, Gantmassen, Erbmassen, soweit eine Steuerpflicht hier überhaupt in Betracht kommt, die bestellten Vorstände oder Verwalter; 3) in allen anderen Fällen der Steuerpflichtige selbst und zwar hinsichtlich des gesammten Zinsenbezuges, welcher, sei es aus eigenem Vermögen oder aus dem Vermögen seiner nicht selbstständig zur Kapitalrentensteuer gezogenen Angehörigen, ihm in Steueransatz zu kommen hat. Unter Bezugnahme auf die obigen Bestimmungen richten wir an die hiernach zur Einreichung von Kapitalrentensteuererklärungen verpflichteten Bewohner unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungen unfehlbar bis zum genannten 1. Juli b. I. an die betreffenden Bürgermeistereien gelangen zu taffen, von wo sie, und zwar insoweit verschlossen, uneröffnet, an die Vorsitzenden der betreffenden Einschätzungscommissionen übersendet werden. Das Formular zu den Kapitalrentensteuererklärungen, welchem ein Auszug aus dem Gesetz und eine bezügliche nähere Anweisung beigefügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnorts zu beziehen. Gießen, Grünberg, Hungen, Nidda, den l.Juni 1890. Die Großherzoglichen Steuercommiffariate. Süffert. Bähr. Snell. Pfannmüller. Der Jahresbericht der Großh. Fabrikinspecloren für 1889 enthält in seinen wesentlich wichtigsten Theilen folgende Angaben: Nachdem im Berichtsjahre die Stände des Großherzog- thums die Mittel zur Anstellung eines zweiten Fabrikiwspectors bewilligt, wurde das Großherzogthum in zwei Aussichtsbezirke eingetheilt; es umfaßt nunmehr der Aussichtsbezirk I die Provinz ,Starkenburg und den Kreis Worms, der Aufsichtsbezirk II die Provinzen Oberhessen und Rheinhessen mit Ausnahme des Kreises Worms. Der Aufsichtsbezirk I enthält 710 der Aufsicht unterstellte Betriebe mit 29 000 Arbeitern, der Aufsichtsbezirk II 448 Betriebe mit 14000 Arbeitern. Neu entstanden sind 2 Maschinenfabriken, 2 Gasfabriken, 2 Portefeuillewaaren-, 4 Cigarrenfabriken, 4 Holzschneidereien, 2 Dampsmühlen, 3 Hasenhaarschneidereien, je 1 Anstalt zur Füllung von Mineralwasser, Wasserwerk, Schreinerei, Gelatinesabrik, Bierbrauerei, Buchdruckerei, Dampssägewerk. Eingegangen sind je 1 Strohstofffabrik, Blechbüchsenfabrik, Scheerenfabrik, Knopffabrik, Gasfabrik, Fettwaarenfabrik,Papierwaarenfabrik,Holzwaarenfabrik, Holzspielwaarensabrik, Parketböden- und Kehlleistenfabrik, 4 Cigarrenfabriken, 3 Hasenhaarschneidereien. In vielen Industriezweigen wird ein Aufschwung constatirt, der die Arbeitsgelegenheit im Allgemeinen vermehrt hat, doch wird vielfach geklagt, daß die niedrigen Preise der Erzeugnisse die Production nicht gewinnbringend genug machen. Besonders starke Beschäftigungen wiesen auf die Steinbruchbetriebe, Ziegeleien und Backsteinsabriken, Maschinen- und Keffelfabriken, Eisengießereien, Wagenachsenfabriken, Wagenfabriken, Metallwaarenfabriken, Brücken- und Eisenbahnbau. Auch die Fabrikation von Anilinfarben nahm erhöhte Thätig- keit in Anspruch, ebenso befand sich die Kammgarnspinnerei in befriedigender Geschäftslage, dagegen war der Posamentir- waarenfabrikation und Herstellung von Mode- und Putzartikeln die herrschende Mode nicht günstig, sodaß vielfach die Arbeitszeit abgekürzt werden mußte. Die Lederfabrikation befriedigte nur zum kleineren Theile, in der Portefeuille-, Lederwaaren- und Reiseartikel-Jndustrie war der Geschäftsgang gut; in der Cigarrenfabrikation war man lebhaft beschäftigt, jedoch hat die erhöhte Thätigkeit aus die Löhne keinen bemerkenswerthen Einfluß gehabt. Die Schuhwaarensabrikation hatte erhöhten Absatz, ebenso waren die Schriftgießereien (in Offenbach) befriedigend beschäftigt, in den Hasenhaarschneidereien hatte sich die Geschäftslage ebenfalls gebessert. Der Gewerbe- und Fabrikbetrieb in den Strafanstalten kann gegenüber der gesammten gewerblichen Thätigkeit nur als gering bezeichnet werden, von 46 selbstständigen Haftlocalen haben nur 6 gewerblichen Betrieb, davon nur 4 in ganz geringfügigem Maße; die Einheitssätze der für Sträflingsarbeit gezahlten Löhne entsprechen den Arbeitslöhnen, wie sie an den betr. Orten üblich, den Verwaltungen der Gefangenen-Anstalten ist eine Unterbietung der freien Arbeit untersagt. Im Berichtsjahre wurden 373 gewerbliche Anlagen besucht, der Verkehr der Fabrikinspectoren mit den Arbeitern und Arbeitgebern war ein reger. Wegen Verstößen gegen die Bestimmungen über die Arbeitszeit jugendlicher Arbeiter wurden zwei Arbeitgeber in Strafe gezogen, für weitere zwei Betriebe wurde polizeiliche Ueberwachung bezüglich der Arbeitszeit jugendlicher Arbeiter veranlaßt. Die.Besitzer einer Papierfabrik hatten die Arbeitszeit jugendlicher Arbeiter bis 14 Stunden ausgedehnt, in einer Zündhölzerfabrik sand der Feuilleton. Auf der Reichstags-Tribüne. Anziehenden Stoff zu Beobachtungen mannigfacher Art bietet jetzt, in der Zeit der parlamentarischen Redekämpfe, die Reichstags-Tribüne, die ihr ganz bestimmtes Stamm- Publikum aufweisen kann. Und zwar wird man gut daran thun, an gewöhnlichen Sitzungstagen, wenn nichts besonders Wichtiges auf der Tagesordnung des hohen Hauses steht, dort oben Platz zu nehmen, um die Tribünen-Habitues sich etwas genauer anzusehen. An sogenannten „großen Tagen" verschwinden sie unter der sich drängenden Menge der übrigen Zuhörer, die ihnen an Fixigkeit etwa über waren. Den Hauptbestandtheil dieser Tribünenpolitiker stellen Studenten, beschäftigungslose junge Kaufleute, Stadtreisende, die, ihr Päckchen unter dem Arm, wenn es irgend angeht, auf eine Stunde hier Station machen, und endlich eine beträchtliche Anzahl'jener Gewohnheitspolitiker, die ein hitziges Wortgefecht dort unten im Saale der deutschen Volksvertretung mit seinem „Oho links" und „Lebhaftes Zischen rechts" viel mehr anzieht, als das spannendste Schauspiel aus der Bühne, und deren liebste Musik der schrille Ton der Präsidentenglocke ist. Man muß sie in den Genüssen der Reichstags- Verhandlungen schwelgen sehen, diese begeisterten Verehrer jeder politischen Debatte, wie ihnen, je nach ihrem Parteistandpunkt , über den in ruhiger Vornehmheit gehaltenen Auseinandersetzungen Caprivis das Herz im Leibe lacht oder die Angriffe Eugen Richters und Bebels mühsam unterdrückte Bravoruse entlocken. Aber „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" heißt die vor Allem zu beherzigende Satzung für die Tribünenbesucher. Jedwede laute Aeußerung des Beifalls oder Mißfallens ist hier streng verpönt. Wer diese ersten Regeln des Tribünen-Knigge nicht beachtet, kann leicht recht unangenehme Erfahrungen machen; die Beamten des Hauses schreiten schnell und unerbittlich ein und walten ihres Amtes. Die Regel ist jedoch, daß Freund und Feind Schulter an Schulter in drangvoll fürchterlicher Enge hier oben gute Nachbarschaft hält und mit einem gewissen Gefühle der Geringschätzung auf die Neulinge von oben herabblickt, die zum ersten Male die heiligen Hallen der Gesetzgebung am oberen Ende der Leipziger Straße betreten und vermittelst des eben erstandenen Situationsplanes die bekanntesten Persönlichkeiten der Volksvertretung zu Gesicht zu bekommen suchen. Das ist aber ein schweres Stück Arbeit, da bekanntlich unsere Parlamentarier, wenn sie nicht in Gruppen beisammenstehen, irgend einen beliebigen, ihnen im Augenblicke bequem liegenden Platz für kurze oder längere Zeit einnehmen, eine Gewohnheit, welche auf der Zuschauertribüne zu den mannigfachsten, komischen Verwechselungen Anlaß gibt. Da wird Singer für Rudolf Virchow gehalten, weil er/um besser zu hören, zufällig den Platz des Führers der Freisinnigen eingenommen hat, und 'dort ertönt aus dem Munde eines Provinzialen ein Ausruf der Verwunderung darüber, daß Alexander Mayer, der Vater des geflügelten Wortes vom Bier, „das seinen Berus verfehlt hat", spindeldürr ist. Der Tribünen-Stammgast belehrt unseren verdutzt dreinschauenden Neuling eines Besseren: es sei Herr Bebel, den seine Sehnsucht nach etwas Embonpoint unbewußt auf den Platz eines der dicksten aller Reichsboten geführt habe. Dr. Mayer sitzt inzwischen behaglich schmunzelnd aus dem Platze des Herrn Miquel und auch dieses parlamentarische Stühlchenvermiethen erregt bei den Wissensdurstigen auf der Tribüne ein neues Schütteln des Kopses, bis auch in diesem Falle der kundige Thebaner mit überlegener Miene als rettender Engel austritt. Ein richtiger Tribünen-Stammgast hat vermöge seiner Erfahrung die Geschäftsordnungs- Bestimmungen des hohen Hauses trotz des Herrn Präsidenten vorzüglich intus; er weiß ganz genau im Voraus, obs heute interessant werden wird oder nicht, und nie vor Schluß der Sitzung verläßt er das Haus. Leider dauert aber die Herrlichkeit für ihn, ach, nur zu kurze Zeit. Wenn der Monat Juli, die Zeit der saueren Gurke und des Stillstehens der Gesetzgebungsmaschine, herannaht und die Reichstagsboten nach allen Richtungen der Windrose auseinander eilen, dann muß auch er Abschied vom Sitzungssaale nehmen. Wenns nach ihm ginge: der Reichstag würde in Permanenz erklärt. * Der dicke Bäckermeister am Kirchenplatz wurde regelmäßig in seinem Mittagsschlase gestört, seit die Jugend des Städtchens, die sich allmittäglich vor seinem Hause zu versammeln pflegte,, auf den Sport des Peitschenknallens verfallen war. Eines Mittags machte nun der Geplagte seine beste Miene zu dem bösen Spiele und sagte der versammelten Schuljugend: „Jungs, wenn Ji morgen Mittag wedder düch- tig knallt, kriegt I: jeder einen Kringel!" Und so geschah es. In den nächsten Tagen wuchs die Zahl und der Lärm in gleichem Maße und befriedigt über den Empfang der zugesicherten Kringel trollten die Knaben um Zwei zur Schule mit dem pünktlich gehaltenen Versprechen: „Morgen Middag kommen wi wedder!" Am nächsten Tage, als die ganze männliche Jugend des Städtchens, soweit sie irgend im Stande war, eine Peitsche zu schwingen, auf das Erscheinen des Bäckers mit dem Kringelkorbe wartet, läßt dieser sich nicht blicken. Die Jungen lauern und lauern, bis sie zür Schule müssen, und gehen dann ab mit der unmuthigen Erklärung: „Wenn't kein Kringels gifft, ward ok nich wedder knallt!" Inspektor ein Kind im Tunkraume beschäftigt. In der Um- I gebung von Seligenstadt beschäftigen sich die tagsüber in den । Cigarrensabriken Arbeitenden Abends zu Hause mit Perlenarbeiten, die Cigarrensabrikbesitzer klagen deshalb darüber, daß diese Arbeiter tagsüber nicht viel leisten, ebenso lassen sich Hausarbeiter in der Arbeit durch Perlen-Einsädeln von Kindern unterstützen, die bis in die Nacht hinein beschäftigt werden. Die Arbeitszeit in den 264 ohne Nachtschicht arbeitenden Fabriken schwankt zwischen 9 und 16 Stunden, 11 Fabriken haben 9^/zstündige, 90 lOstündige, 29 IO1/?5 stündige, 85 llstündige, 10 12stündige Arbeitszeit, die 16stündige Arbeitszeit besteht in einer Dampfölmühle, löstündige in einer Dampfmllhle, 14stündige in einer Brod- fabrik, die Arbeitszeit von 34 mit Nachtschichten arbeitenden Fabriken ist lOstündig bis l^/zstündig. Besonders lange Arbeitszeit haben die Arbeiter des Mühlenbetriebes, die Burschen wechseln im Nachtdienst ab, derjenige mit Nachtdienst hat eine ununterbrochene Arbeitszeit von 36 Stunden, worauf 12 Stunden Ruhezeit folgen. Bei starkem Geschäftsgänge bleibt wenig Zeit für die Einnahme der Mahlzeiten, ' da das Werk zu diesem Zwecke gewöhnlich nicht still steht, es richtet sich deshalb das Bestreben der Müller auch aus Einführung der 12stündigen Arbeitszeit. Angestellte Berechnungen in einer gut geleiteten und gut rentirenden Maschinenfabrik mit 145 Arbeitern und 11 ^stündiger Arbeitszeit haben ergeben, daß der erzielte Mehrwerth der Arbeitsleistung in Menge und Güte bei Weitem nicht dem Mehrbetrag an verausgabten Löhnen entsprach, die Fabrik hat deshalb die Ueber stunden und die Sonntagsarbeit ausgegeben. In nicht wenigen Fällen wird bei der Fabrik- inspection über Contractbruch von Arbeitern geklagt und um deren Mithülfe nachgesucht. Es wird deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß das Arbeitsverhältniß nach §122 der Gewerbeordnung, wenn nichts anderes verabredet ist, nur durch eine jedem Theile freistehende 14tägige Aufkündigung gelöst werden kann. Arbeitseinstellungen in größerem Umfange haben im Berichtsjahre nicht stattgesunden, es wurden nur mehrfach Lohnerhöhungen, Verkürzung der Arbeitszeit u. s. w. verlangt, die Differenzen indeß meistens aus gütlichem Wege beigelegt. Besonders verdient gemacht um die Schlichtung von Streitigkeiten hat sich die Firma Dörr & Reinhart in Worms durch Errichtung eines Arbeiter-Ausschusses, an dem alle Beschwerden der Arbeiter zu richten sind. In dem Aussichtsbezirk I kamen 1060, in dem Aussichtsbezirke II 665 Betriebsunfälle zur Anzeige, die sich fast auf alle in Betracht kommenden Berufsgenoffenschaften Vertheilen. Die meisten Unfälle betrafen die Süddeutsche Eisen- und Stahl-Berufsgenossenschaft, die Hessen-Nassauische Baugewerks-Berufsgenossenschaft, die Leder- industrie-Berussgenossenschaft und Berufsgenossenschast der chemischen Industrie mit je über 100 bis 300 Unfällen. Abschriften von Unfallanzeigen wurden u. A. in der Provinz Oberheffen eingesandt aus: Alsfeld 17, Assenheim 1, Nauheim 1, Gießen 11, Lollar 9, Obereschbach 1, Stockheim 1, Vilbel 1. Zur Verhütung von Unfällen wurden 305 Anordnungen getroffen oder aus Beseitigung bestehender Mängel hingewirkt. Im Allgemeinen haben die Fabrikinspectoren beobachtet, daß in Bezug auf Maßregeln zur Unfallverhütung noch viel zu geschehen hat und daß noch in häufigen Fällen Schutzvorrichtungen gefordert werden müssen; es sei auch zu bedauern, daß noch nicht alle Beruss- genossenschaften besondere Beauftragte zur Ueberwachung der erlassenen Unfallverhütungsvorschriften angenommen haben. (Schluß folgt.) verinischter. * Wetzlar, 4. Juni. In der gestrigen Generalversammlung des hiesigen Handelsvereins kam als Hauptgegenstand eine Angelegenheit zur Sprache, welche in neuerer Zeit in wachsendem Maße das öffentliche Interesse auf sich gelenkt hat: Die Frage der geschäftlichen Sonntagsruhe. Bei der von dem Vorsitzenden Herrn August Raab hierüber eingeleiteten Besprechung glaubte derselbe seststellen zu können, daß der Wunsch, auch der Geschäftsmann möge wenigstens an einem Tage in der Woche frei haben, ein ebenso berechn tigter als allgemein verbreiteter sei. Darin könne er allerdings nicht mit den Bestrebungen der Handetsgehülfen übereinstimmen, daß dieselben den ganzen Tag frei haben wollten. Dagegen sei es möglich und erstrebenswerth, die Geschäfte wenigstens von 1 Uhr ab geschlossen zu halten. — Von anderer Seite (Herrn G. Krafft jr.) wurde bemerkt, daß ein solches Vorgehen sich nicht so ohne Weiteres in Kraft setzen lasse, wenigstens müßten mit den nächstliegenden Städten, beispielsweise Gießen und Herborn Verabredungen in gleichartigem Sinne getroffen werden. Geschehe dies nicht, so laufe man Gefahr, daß sich das bisherige, meistens ländliche Sonn- tägspublikum nach den genannten Städten verziehe. — Der Vorsitzende befindet sich nicht in der Lage, diese Einwände als erheblich hindernde anzuerkennen. Wenn das Landvolk wisse, daß am Sonntag in Wetzlar Nichts zu kaufen sei, so werde es in der Woche seinen Weg hierher zu finden wissen. Ueberdies könne die Einbuße, welche der Schluß der Geschäfte am Sonntag Nachmittag ebenfalls mit sich bringen würde, wirklich kein bedeutender sein. Falls, man genau zusehe, werde man finden, daß das, was am Sonntag Nachmittag gemacht werde, kaum der Rede werth sei. Nachdem noch einige andere Herren in die Debatte eingegriffen, wurde ein Beschluß dahingehend gefaßt, daß ein Circular verfaßt und in Umlauf gesetzt werden solle, in welchem alle Detaillisten durch Unterschrift ihre Zustimmung geben, daß die kaufmännischen Geschäfte am Sonntag Nachmittag von 1 Uhr ab geschlossen bleiben. Außerdem wurde auf Antrag des Herrn Goedeckemeyer eine Petition an den Reichstag abzusenden beschlossen, worin um gesetzgeberische Maßnahmen in der Richtung ersucht wird, daß an den Sonntag Nachmittagen von 1 Uhr ab eine allgemeine Geschäftsruhe einzutreten hat. Bezüglich des Sonntag Vormittags soll es nach der Ansicht der meisten Anwesenden bei dem bisherigen Verfahren sein Bewenden behalten. * Von Ulm wird uns berichtet: Soeben ist unter dem Geläute der Glocken und den Klängen des Chorals „Nun danket alle Gott" in feierlicher Weise aus der Höhe des Gerüsts der Schlußstein des Hauptthurms des vor 513 Jahren begonnenen Münsters ausgesetzt und dadurch der höchste Kirchthurm der Christenheit zur Vollendung gebracht worden. Von der Höhe des Thurmes ist ein überraschend großartiger Ausblick von der Zugspitze bis zum Säntis reichend, ja bei hellem Wetter sind selbst die Glarner Alpen erkennbar. Wie schon früher gemeldet, findet das officielle Fest in den Tagen vom 28. Juni bis l.Juli statt. Der am zweiten Tage (Sonntag) stattfindende historische Festzug, an welchem sich gegen 1500 Personen betheiligen, verspricht sowohl in Bezug auf künstlerisches Arrangement als auf glänzende Costüme überaus großartig zu werden. — Die kürzlich in verschiedenen Blättern verbreitete Nachricht, als ob das Ulmer Münster nur 151 m, der Kölner Dom dagegen 159 m hoch sei, beruht auf Jrr- thum. Der Wahrheit entsprechend ist zu berichtigen, daß der Ulmer Thurm eine Höhe von 161 m hat, die Kölner Thürme dagegen 156 m. * Mülhausen i. E., 3. Juni. Die heroischeThat eines Offiziers, des Secondelieutenants Hüttner vom 4. badischen Infanterieregiment Prinz Wilhelm Nr. 112, wird hier lebhaft besprochen. Als H. mit seinen Soldaten vom Schießplatz zurückkchrte, fiel eine Frau, die ihrem Sohne das Mittagessen hinzutragen im Begriff stand, bei dem Anblick der vorbei- marschirenden Soldaten aber ganz die Nähe des Kanals vergessen hatte, unversehens rücklings ins Wasser und wäre sicher ertrunken, wenn Lieutenant Hüttner, ohne an seinen durch den Marsch erhitzten Zustand zu denken, nicht rasch in's Wasser gesprungen wäre, schwimmend die Untersinkende erreicht und sie glücklich wieder an's Ufer gebracht hätte. Für den verlorenen Korb mit dem Mittagessen soll ein anderer Offizier der Frau reichlichen Ersatz gegeben haben. <5erid>tlictyc Entscheidungen. — Die Vorschrift, daß eheliche Kinder, und zwar Töchter, solange dieselben das 24. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, zur Eheschließung der Einwilligung des Vaters bedürfen, ist im Abschnitt III des Personenstandsgesetzes-vom 6. Februar 1875, also unter den „Erfordernissen der Eheschließung" enthalten. Die zur Eheschließung gesetzlich nothwendtgen ^Erfordernisse sind nun allerdings nach § 45 dieses Gesetzes dem Standesbeamten schon vor Anordnung des Aufgebotes nachzuweisen, insbesondere auch die zustimmende Erklärung derjenigen, deren Einwilligung zur Eheschließung nach dem Gesetze erforderlich ist. Daraus folgt aber nicht, daß die einmal erthetlte Zustimmung den Standesbeamten zur Vornahme der Eheschließung verpflichten könnte, wenn inzwischen ein Widerruf erfolgt ist. Nach 29 und 45 des Gesetzes hat der Standesbeamte vielmehr zu verlangen, daß jene zustimmende Erklärung sowohl vor Anordnung des Aufgebotes, als im Augenblicke der Eheschließung urkundlich oorliege, und er hat letztere abzulehnen, wenn jene Erklärung widerrufen ist, für ihn also rechtlich nicht mehr vorliegt. Ob der Widerruf mit Recht oder Unrecht erfolgt ist, hat er nicht zu entscheiden, er hat die Brautleute vielmehr auf den Rechtsweg zu verweisen, um gemäß § 32 des Gesetzes Klage auf richterliche Ergänzung zu erheben, cf. Sicherer, Erläuterung des ctt. Reichsgesetzes. (Entsch. Großh. Landgerichts zu Gießen T. 84/90.) verkehr, Lcnrv- «nv volkrwirthscdafr. — Bei Beginn der Reisesaison machen wir darauf aufmerksam, daß in Betreff der zusammensetzbaren Fahrscheinhefte ein großer Fortschritt gemacht worden ist. Man braucht bet der Auswahl der zu befahrenden Eisenbahnstrecken nicht wie sonst ängstlich darauf Bedacht zu nehmen, besondere Wege für die Hinfahrt und für die Rückfahrt auszumitteln, denn jene Fahrscheinhefte sind nicht nur bet eigentlichen Rundreisen, sondern auch bei Hin- und Rückreisen auf denselben Eisenbahnlinien verwendbar, wenn nur die Anzahl der zu befahrenden Kilometer sich mindestens auf 600 beläuft. — Für die Reisezeit. Um der Ueberfüllung der Abthetle mit Gepäck vorzubeugen, macht die preußische Staatsbahnverwaltung darauf aufmerksam, daß Sitzplätze nicht mit Gepäck belegt werden dürfen. Der Fahrgast hat für die Unterbringung von Handgepäck nur Anspruch auf den Raum des Netzes oder Brettes, welches sich über seinem Platze befindet. Mehr Gepäck muß eventuell aufgegeben werden. — Die bei den deutschen Postanstalten eingelieferten, mit deutschen Schiffe« zu befördernden Packetsendungen nach den Bereinigten Staaten von Amerika werden ab Bremen oder Hamburg durch Spediteure abgefertigt, da die Vereinigten Staaten- Postverwaltung sich mit der Beförderung von Packeten nicht befaßt. Dieser Umstand scheint im Besttmmungslande nicht immer beachtet zu werden, denn die Adressaten wenden sich vielfach trrthümltch an die vorerwähnte Postverwaltung, um Auskunft über die Packete zu erhalten. Die Absender werden daher gut thun, bet der Benachrichtigung des Adressaten über die Absendung eines Packeis stets zu bemerken, daß etwaige Nachfragen nach dem Packet nicht an die amerikanische Postoerwaltung sondern an die Packetagentur von Hensel, Bruckmann und Lorbacher in New-Aork, 25, William Street, zu richten sind. Milde, wohlschmeckend und seit zehn Jahren bewährt ist der Holländ. Tabak von B. Becker in Seesen a. Harz, 10 Pfd. fco. 8 at 156 4917 4210] Ein braver, mit den nöthigen Schulkenn niffen versehener Junge, kann bei mir die Photographie erlernen. W. Becker, oorm. G. Backofen. Großh. Ortsgertcht Gießen. I. 2L: Bog t. Deugras-Versteigerung. Das HeugraS meiner Wiesen soll Mittwoch, 11. Juni, Mor- HENÄ 9 Uhr, versteigert werden. Zusammenkunft am Heegstrauch. 4857 Carl Schwan senior. Hofraithe-Versteigerung. Die zu dem Nachlasse des Herrn Friedrich Bender gehörige, am Seltersweg dahier belegene Hofraithe Flur I Nr. 464 — 5819 Meter Grab- garten und Flur I Nr. 465 — 637 Meter Hofraithe soll zum Zweck der Erboertheilung Donnerstag b. 26. Juni1890, Nachmittags 3 Uhr, auf Großherzoglichem Ortsgericht dahier zu den im Termin näher angegeben werdenden Bedingungen einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden. Die Besitzung besteht aus einem dreistöckigen Wohnhause mit drei Familten- wohnungen tm Miethwerthe von circa 2500 Mark, ferner in einem Complex von großen Fabrik- und Nebengebäuden und großem Hofe, welcher seit 30 Jahren zum schwunghaften Betrieb einer Cigarrenfabrik gedient, endlich aus einem parkartig angelegten Zier- und Nutzgarten. Die Versteigerung wird in doppelter Weise erfolgen, indem zunächst die Wohn-, Fabrik- und Nebengebäude nebst Hofraum und ein Theil des Gartens, sowie drei aus dem Garten gebildete Bauplätze, sodann aber die Besitzung im Ganzen, zum Ausgebot gelangen. Wird das Taxatum erreicht, so kann der Zuschlag alsbald ertheilt werden. Geometrischer Plan der ganzen Besitzung mit eingezeichneter Abgrenzung der Hofraithe nebst Gartenantheil, sowie der einzelnen aus dem Garten gebildeten Bauplätze, liegt auf dem Bureau des unterzeichneten Ortsgerichts zur Einsicht offen. Gießen, 5. Juni 1890. Herrgras- Versteigerirngen der Fürstlich Solmsischen Rentki Lich. Das Heugras von den Fürstlichen Wiesen rc. wird versteigert: Montag den 16. Juni, Vormittags präeis 8 Uhr, von den Wiesen in der Gemarkung Lich, oberhalb der Stadt, zusammen 115 Morgen. Zusammenkunft an der Saubrücke, nächst der Brühlwiese. An demselben Tage, Nachmittags Präeis 1 Uhr, von den Wiesen unterhalb der Stadt Lich, sowie Thurm und Bleichgarten und von der großen Teichwiese, Gemarkung Hof Albach zunächst der Staatsstraße Lich-Gießen, zusammen ca. 20 Morgen. Zusammenkunft im Schloßgarten an der Eisenbahnbrücke. Dienstag den 17. Juni, Bormittags präciS 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Gemarkungen Mühlsachfen, Ober- und Niederbesftngen, im Ganzen 130Morgen Zusammenkunft in Mühlsachsen. Mittwoch den 18. Juni, Bormittags präcis 9 Uhr, von der Fürstlichen Mönch- und Strauchwaldwiese,GemarkungBurkhardSfelden zusammen 70 Morgen. Zusammenkunft in der Mönchwiese. Die Ausaebote geschehen in Abteilungen von 1 bis 2 Morgen. "Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis Martini d. I. gestattet. Lich, am 6. Juni 1890. Fürstlich Solmsische Rentei. Kreiling. 4850] Ein junges Mädchen kann das Kochen erlernen. Wo? sagt die Exped- d. Bl. 2. Stahl. Bogt. 14894 4783 ------ dingungen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Gießen, am 5. Juni 1890. Der Kreisingenieur: neue Möbel versteigert r 8 Kleiderschränke (einthürig), 3 Bettstellen mit Sprungfedermatratzen, 2 SophaS, 1 Wasch - consol, 2 Nachttische, 2 Tische; ferner 1 gebrauchter Kinderwagen , 1 Küchenschrank mit GlaSaufsatz 1 Fliegenschrank und andere Gegenstände. Im Auftrag r Louis Rothenberger, In Auftrag: [4793 I. Rothenberger, Ger.-Taxator. Gießen, 2. Juni 1890. Großh. Ortsgericht Gießen. I. 2t.: Vergebung von Straßenbauarbeiten. Die nachstehend zur Erbauung einer Kreisstraße von Watzenborn nach Steinberg erforderlichen Arbeiten sollen im Gemeindehaus zu Watzenborn am Montag den 16. Juni, Nachmittag- 2 Uhr, im Wege mündlichen Abgebots vergeben werden und zwar: 1. Erdarbeiten, veranschlagt zu 1652 Jt. 33 Gerichts-Taxator. [4826 mT”* „ „ A~ o—szzyl 4 Ederstrasse 4. Montag den 9. Juni, ®i,n$t«6 d«» 10. 3«««, Nachmittags von 2 Uhr an, j„er(iei8er werden iu der Restauration Klingen- des Haushalts: Möbel, Betten, Weißberg, Neustadt Nr. 55, nachbenannte zeug, Küchevgeschirr rc-, namentlich sehr schönes Bertieow, ovalen Tisch, Spiegel, Küchenschrank mit Glasaufsatz, Sopha, Bettstellen, Federbetten, Roßhaarmatratzen, Porzellan und Glassachen, schönes Küchengeschirr, Kleider- schrank, Frauenkleider 4 wollene Bettteppiche, Waschbütten rc. rc. Chaussierungsarbeiten: a) Lieferung der Grundbausteine, veranschlagt zu 1795 «X 20 H b) Lieferung der Decksteme, veranschlagt zu 2510 56 H Kostenvoranschlag, Pläne und Be- Heugrasversteigerung. Montag den 9. Juni, gleich nach beendigter städtischer Heugras' Versteigerung, soll das Heugras von der Wiese auf der Ursulum, 3468 lH-Klftr. haltend, dem Herrn Christian Juahardt gehörend, versteigert werden. Gießen, den 4. Juni 1890. 4855 Im Auftrag: - Gg. Konrad Simon. Donnerstag den 18. Juni l. J., Nachmittags 21/« Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Firma Koch & Patz in Liquidation in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 33 Nr. 3*/io — 242 Meter Grabgarten am Altenschlag und am Altenfeld links des Wegs, Flur 33 Nr. 37/io - 258 Meter Grabgarten daselbst, Flur 33 Nr. 6«/100 - 530 Meter Hofraithe daselbst, öffentlich meistbietend versteigert werden.? Dienstag den 10. Juni, Nachmittags von 2 Uhr an. wird der Nachlaß von Frl. Christine Lonn, Seltersweg 16 III,. bestehend in: 1 Kleiderschrank, Sopha, zwei Commoden, Tisch, Stühle, Bett- werk, Haus- und Küchengeräthe Weißzeug n. Franenkleider u. s. w meistbietend versteigert. Im Auftrag: Louis Kothenberger, 4865 Gerichts-Taxator. Montag den 9. Juni, nach beendigter städtischer Heugrasversteigerung, soll das Heugras Dort den der Friedrich Müller Wittwe gehörenden Wiesen versteigert werden. 4856 Im Auftrag: Gg. Konrad Simon. Jeitgeöotenes. Wageoz.verkanleo, SS xanSauer, Wd- verdeck, Dockau. Breaks re. re. 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Tagesordnung: 1) Bericht über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre, 2) Rechnungsablage, [4885 3) Neuwahl für die im laufenden Jahre ausscheidenden Vorstandsmitglieder. in Biessen vis-ä-vis dem Friedhof empfiehlt sich zum Anfertigen von Wenttrii, NMMiten etc, Grabeinfassungen ^.Trunksucht ist ohne jede Berufsstörung* heilbar. Zum Beweise hierfür liefere ich auf Verlangen ganz umsonst gerichtlich geprüfte und eidlich erhärtete Zeugnisse. • Reinhold* Retrlaff in Dresden. 10. An die Bewohner Metzens! Verehrte Mitbürger! Wie bereits bekannt, soll am 28., 29. und 30. Juni d. I. das XVIII. Kesangfest des Lahnthal-Sängerbundes in unseren Mauern begangen werden. Sänger aus Biedenkopf, Butzbach, Grünberg, Lich, Marburg, Weilburg und Wetzlar ziehen bei uns ein, um in Gemeinschaft mit den hiesigen Gesangvereinen mannigfaltige Gesangsvorträge zu Haltei:. Im Vertrauen auf die rege Mitwirkung der Einwohnerschaft haben die zwei hiesigen, zum Lahnthal-Sängerbunde gehörigen Vereine die Wahl Gießens als Festort angenommen, und cs ist der verehrliche Stadtvorstand denselben bereits in liberalster Weise entgegengekommen. Die llnterzeichneten, von dem Festcomito als engeres (Semite gewählt, erbitten sich hierzu die freundliche Unterstützung der Bewohner Gießens. Die nothwendigen Vorrichtungen zu diesem Feste, besonders die zwar in bescheidenem, aber würdigen Stile hcrzustellende Sängcrbühne, erfordern Geldmittel, welche die ordentlichen Einnahmen des Festes übersteigen werden. Sodann bedarf es auch der Aufnahme der auswärtigen Sänger, welche in einer Zahl von ca. 300 erscheinen werden, in Privatwohnungen. Wir wenden uns vertrauensvoll au den so vielfach bewährten gastlichen Sinn unserer Mitbewohner und bitten um Uebcrlassung von Quartieren oder um Zeichnung von freiwilligen Beiträgen zur Unterbringung unserer Gäste. Möge ein Jeder' mit freudigem Herzen nach seinen Krüften beitragen zum würdigen Gelingen des schönen Festes! Gießen, den 4. Juni 1890. Für das Fest - Comite: I)as engere Gomits: F. Gnauth, Bürgermeister. Chr. Albach, Realgymnasiallehrer. Gg. Atzbach, Schreiner. Frz. Bauer, Musiklehrer. Carl Demuth, Kohlenhändler. Ferd. Hofmann, Kaufmann. M. Homberger, Stadtverordneter. Louis Huhn, Architect. Jean Kirch, Bahnhofrestaurateur. Wilh. Löber, Spenglermcister. Carl Mayer, Postsecretär. Louis Petri III., Bauunternehmer. Wilh. Rudolph, Pianofortehändler. Thom. Schneider, Schuhmachermeister. Ein braves tüchtiges Mädchen mit gnten Zeugniffen wird ans 1. Juli für die Küche gesucht. Frau Marie von Röder, 46S3] Wilhelmstratze 16. Bei der Löber 'scheu Stiftung sind Mk *7000.— auszuleihen. 4792 L. W. Plank. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. 4452] Ein Laden in bester Lage der Stadt nebst Wohnung zu vermiethen. Näheres in der Erped- d- Bl. von Emil Kalbfleisch 22 Neuenweg 22. 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Die Schlußcourse der Vorwoche sind nicht nur behauptet worden, sie sind auf einzelnen Gebieten sogar nicht unbedeutend weiter gestiegen, aber dennoch kann von einer zuversichtlichen Tendenz der deutschen Märkte nicht gesprochen werden. Mehr als einmal in dieser Woche sandte Berlin weichende Course, die auch in Frankfurt ihren Widerhall fanden und erst an der festen Haltung der westlichen Börsen zum Stillstand kamen. Diese Thatsache widerspricht nicht der Annahme, daß auch die Mehrzahl der deutschen Börsenbesucher sich einer Fortsetzung der Haussebewegung zuneigt, aber sie bringt den Beweis, daß der Schwächezustand der deutschen Märkte nicht überwunden ist. Der Contrast zwischen dem „Einst", da die festen Berliner Course auf allen Börsen Europas einen Haussesturm entfesselten, und dem „Jetzt", da es nur mit fremder Unterstützung gelingt, einige Vrocente hinaufzuklimmen, ist gewaltig. Für die Beurtheilung der Dauer und Ausdehnung einer solchen Bewegung ist die enge Anlehnung an dm internationalen Markt, unter welcher sie erfolgt, von hervorragender Bedeutung. Zweifellos erhöht der größere Markt die Widerstandsfähigkeit gegen locale Einflüsse, wenn auch die Wechselfälle, denen er wegen seiner Ausdehnung ausgesetzt ist, verschiedenartiger sein mögen, aber Courserhöhungen von 10% und mehr, die bei der Hausse des Vorjahres zu den täglichen Erscheinungen gehörten, verbieten sich, auch für die wenigen Dividendenpapiere, welche hier in Betracht kommen, von selbst. Der Schwerpunkt aber liegt im Rentenmarkt und in diesem sprechen die Geldverhältnisse ein entscheidendes Wort. Schon heute steht die Bank von England vor der Nothwendigkeit, ihren Discont- satz in aller Kürze zu erhöhen, und bei uns steigt trotz eines befriedigenden Bankausweises der Discontsatz im offenen Markt so anhaltend, daß er nur noch um ein Geringes unter der officiellen Rate steht. Selbst Paris, das vor Kurzem noch über ungeheure Geldschätze zu verfügen schien, hat heute mit stark steigenden Zinssätzen zu rechnen. Dabei sind die Course der Renten entschieden hoch; Ungarn standen tm Februar 85,50, heute 90,50; für Italiener ergiebt sich eine ähnliche Steigerung, von Türken und Egyptern, Mexicanern und Serben und anderen Lieblingen der kleinen Speculation gar nicht zu reden. Freilich kommt in Betracht, daß diese Bewegung von kräftigen Händen geschürt wird, um die neuen türkischen und egyp- tischen Anleihen und etwaige noch kommende Emissionen zu lanciren, aber die Sub- scriptionscourse dieser Anleihen sind so hoch, daß unseres Erachtens die Ernüchterung nicht ausbleiben kann, und die Börse thut mit bekanntem Ueberschwang das ihrige, um diese Ernüchterung, wenn sie eintritt, möglichst empfindlich zu gestalten. Trotz dieser Abhängigkeit vom internationalen Markte ist nicht ausgeschlossen, daß sich einzelne Gebiete selbständig zu entwickeln vermögen. So Bahnen aus den bereits oft angeführten Gründen, auf welche hin allerdings schon ansehnliche Courssteigerungen stattgefunden haben, dennoch ist es möglich, daß diese Steigerungen andauern, weil die Gründe, welche sie verursachen, täglich als ein Novum zu wirken beginnen. Auch Banken vermögen sich wohl zu bessern, denn das Emissionsgeschäft, das so gänzlich darnieder zu liegen schien, blüht wieder und man hört von großen Summen, die mit diesem oder jenem Geschäft verdient werden. Dabet mutz aber immer die Wechselwirkung der einzelnen Gebiete auf einander berücksichtigt werden. Der Einfluß des Montanmarktes ist noch nicht gänzlich gebrochen, er besitzt in Berlin noch immer eine große Bedeutung, wenn er auch nicht mehr ausschlaggebend ist Auf eine Förderung kann von dieser Seite nicht gerechnet werden. Die Preise der Bergwerksproducte bleiben rückgängig und die Börse zeigt sich dafür äußerst empfindlich. Ebenso wird ein Rückschlag im Rentenmarkt bei der gegenwärtigen Schwäche des Marktes mehr denn je seinen Einfluß geltend machen und die Entwicklung der anderen Gebiete auf Wochen hinaus hemmen. Die ersten Tage der Woche waren matt, theils auf Berliner Realisationen, theils weil Paris auf die merkliche Geldvertheuerung im dortigen Markt zurückhaltender wurde. Erft am Mittwoch kam eine kräftige Aufwärtsströmung zum Durchbruch, als Einzelheiten über die Durchführurg der egyptischen Conversion bekannt wurden und Paris in starkem Maße als Käufer für türkische Werthe auftrat unter der Begründung, daß ein neues großes Conversionsprvject bevorstehe. Aber am Donnerstag war Berlin wieder als Abgeber im Felde und vermochte in der That einen Druck auszuüben, weil zu gleicher Zeit beängstigende, aber wie sich herausftellte, übertriebene Angaben über einen Unfall des neuen Reichskanzlers in Umlauf kamen. Banken sind daher wieder auf ihr vorwöchentliches Niveau, zum TheU sogar eine Kleinigkeit darunter, gesunken, doch sind Cassawerthe im Allgemeinen höher und das spricht für die sich bessernde Meinung für diese Kategorie von Werthen. Bei Bahnen sind die Differenzen bedeutender. Sie betragen unter Berücksichtigung einer Reihe von Couponsdetachirungen 3% fl. Gewinn für Böhmische Nordbahn-Actien, Vuschtherader ca. 6 fl., Duxer ca. 16 fl., Galizier 3 fl., Köflacher 28/. fl Staatsbahn 1 fl., Nordwest 5% fl-, Elbthal 3V4 fl. Gewinn. Schweizer Bahnen lagen mit geringer Unterbrechung fest, sowohl wegen der Gesetzesvorlage über Eisenbahnoerstaatlichung in der Schweiz und den Ankauf von 30000 Jura- Simplon-Bahn-Prioritäts-Actten durch den Bund, als auch auf die bevorstehende Emmission von 14 Millionen Stammactien derselben Bahn. Bemerkenswerth ist bei ben deutschen Bahnen, die sonst sehr still liegen, eine Steigerung der Bexbacher- Actien um 4%%. „ c „ . e , . , „ n. . Unter den Renten sind Egypter und Turkm hervorragend begünstigt. Ottoman-Zoll verzeichnen 3% Gewinn, die 5°/o und 1% B. p. ca. 1%. Orient sind etwas schwächer auf Realisationen in russischen Noten. Ungarn, obgleich an einigen Tagen sehr fest, haben ziemlich die ganze Avance wieder abgegeben. Deutsche 3V3°/o Fonds bleiben schwach. ___ Sofort zwei tüchtige selbst- ständig« Dr«h«r bei hoh«m Lob«« auf daurrud« Arbeit gesucht; ebenso ein tüchtiger Modellschreiner. Adam Menges, 4879 Maschinenfabrik. Diverse Obligationen. I 4VsO/oGrafHenkelv.Don- I nersmark, rückz. ä 105 | Mchästs - Eröffnung. Hierdurch zeige ergebenst an, daß ich an hiesigem Platze Wetzstein- gaffe Nr. 13 ein Colonialwaaren -, Tabak- und Cigarren-Gefchäft eröffnet habe. Unter Zusicherung bester und billigster Bedienung bitte ich ein verehr- liches Publikum und meine werthe Nachbarschaft um geneigten Zuspruch. Hochachtungsvoll [4916 W. 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Türkische Tabak-Actien sind fester, da die Creditanftalt ihren Bestand ausoerkauft hat. Course der Frankfurter Börse. Staatsanleihe«. MstmschMte Schwäche der Männer, Pollut., sLmmtl. Ge» schlechtSkrankh.'heilt sicher n 25jähr. pract. Erf. Dr. Mentzel, nicht appro- btrter Arzt, Hamburg, Kielerstraße 26. Ausw. briefl_____________________(1836 ZL Ein Wort an Alle, in Cours vom 31./V. 7 ./VI. Cours vom 31./V. 7 ./VI. 4% Hessische Obligation. 105.70 105.40 4%%Portug.-A. 88 u.89 93.80 94.— „ Bauern .... 106.05 106.10 5% amort. ©erb. Gold- „ Baden..... 104.— 103.90 Rente .... 86.90 87.25 3% Sächsische Rente. . 93.50 93.50 5% SerbischeEisenbahn- 3V,% BremerStaatsanl. —.— — Hyp.-Obl. 1^. A.. . 89.45 90.10 „ Hamb.Staatsrente 100.30 99.70 4% Schweb. Oblig.l880r 102.45 102.45 4% Oestr. Goldrente . 95.25 95.30 lo/v Türken conv. . 19.35 19.50 „ GriechischeMonopol- 5o/g priv. Egypter. . . 105.05 105.30 Anleihe . . . 79.60 81.10 „ Argent. Gold-Anl. 4o/o Rumänische Rente . 98.85 99.— 0. 1887 ... 88.60 88.85 5Vs% Russische An!.. . 102.60 102.90 «isenbahn-Prioritüteu» 4% Pfälz. Ludwigsbahn 5% Sudbahn Lombarden 104.40 105.45 (Bexbach) . . . 102.70 103.10 4% do. do. 99.25 99.50 „ Hessische Ludwigsb. 3% do. do. 65.60 66.50 68/69 garant. . 102.65 102.80 4% Prag-Duxer Gold . 100.95 100.85 „ Elisabethb. steuerfrei „ Rudolf Gold (Salzk.) 100.70 101.20 Gold .... 101.60 101.70 „ Franz-Josef Silber —— —— 84.20 5% Oestr. Staatsbahn. 107.05 107.20 3% staatl. garant. Jtal. 40/0 do. do. 101.20 101 — Eismbahn . . 58.60 58.50 3% do. do. 3% Lioorneser . . . 64.70 64.70 I—VIII. Emiss. 83.50 83.95 4% Russ.Südw Eisenb. 94.70 94.90 30/0 do. Ergänzungsnetz 80.20 80.40 4o/g Wladikawkas garnt. 94.— 94.— 5% Nordweftbähn Gold 108.— —.— 40/0 gar. Sardin.Sec.ftft. 87.50 87.40 «iseudahn-Aetie«. 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