1890 Donnerstag den 8. Mai Nr. 106 Amts- und Anzeigeblatt für den TLreis Gieren chratisöeikage: Gießener JamitienöläLter. ASe Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehme« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Besoldungsverbesserung für einen Theil der Reichsbeamten nicht länger verzögert werden. Der Ihnen vorzulegende Nachtrag zum Reichshaushaltsplan wird Ihnen Gelegenheit geben, Ihr Interesse an der gerechten und wohlwollenden Befriedigung dieses Bedürfnisses zu be- thätigen. Wenn die Ihnen hiernach obliegenden Arbeiten zu einem gedeihlichen Abschlüsse gelangen, so werden damit neue, feste Bürgschaften für die innere Wohlfahrt und die äußere Sicherheit des Vaterlandes gewonnen werden. Möge es uns beschieden sein, dieses Ziel in gemeinsamer Arbeit zu erreichen! Nach Verlesung der Thronrede trat der Reichskanzler vor den Thron und erklärte den Reichstag für eröffnet. Se. Majestät der Kaiser verließen daraus unter erneutem dreimaligen Hoch der Versammlung/ ausgebracht von dem Königlich bayerischen Gesandten Grafen v. Lerchenfeld-Koefering, in Begleitung der Prinzen des Königlichen Hauses huldvoll grüßend den Saal. Vierteljähriger Aöonnemeutsprets: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogeo 2 Mark 50 Pfg. Redactton, Expeditioo und Druckerei: Kchukstraße Zlr.7. Fernsprecher 51. aurfanö. London, 5. Mai. Die Königliche geographische Gesellschaft veranstaltete heute Abend zu Ehren Stanleys und seiner Begleiter einen glänzenden Empfang in der Albert- Halle. Unter den überaus zahlreichen Theilnehmern befanden sich der Prinz und die Prinzessin von Wales, der Herzog von Edinburgh und mehrere andere Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, sowie zahlreiche Mitglieder des Oberhauses, des Unterhauses, der Regierung, des diplomatischen Corps und Vertreter der Wissenschaft und Kunst re. Madrid, 5. Mai. Im ganzen Königreich ist die Ruhe wiederhergestellt worden. Hier haben fast alle Strikenden die Arbeit wieder ausgenommen, in den Provinzen dauern die Strikes zwar fort, jedoch ohne daß Ruhestörungen vorgekommen wären. Deutscher Reichstag. 1. Sitzung vom 6. Mai. Nach 2 Uhr ist der Saal des Reichstags-Gebäudes so stark gefüllt, wie man ihn seit einer Reihe von Sessionen nicht gesehen hat. Abg. Graf v. Moltke übernimmt das Altersprasidmm als ältestes Mitglied des Hauses und eröffnet die Sitzung um 274 Uhr, indetn er die Schriftführer der vorigen Session mit der provisorischen Führung desselben Amtes betraut. Der hierauf vorgenommene Namensaufruf ergibt die Anwesenheit von 318 Mitgliedern, das Haus ist also beschlußfähig. Eingegangen sind: Gesetzentwürfe, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, Gewerbegerichte, die Friedenspräsenzstärke des Deutschen Heeres, die Ergänzung des § 14 der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige- ein Nachtrag zum Etat, ein Bericht über die ^hätigkeit de^ Reichscommissars für das Auswanderungswesen nebst zwei auf die Auswanderung bezüglichen Unterweisungen, Berichte der Reichsschulden-Commission, Rechnungsübersichten u. s. w., ein Bericht über die Verhandlungen der internationalen Berliner Arbeirerschutz-Conferenz. .. Nächste Sitzung Mittwoch 2 Uhr. (Wahl des Präsidiums.) Schluß gegen 3 Uhr. Der Hteßeirer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener AnmittenötStler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. die Bedingungen der Fortsetzung oder Wiederaufnahme des Arbeitsverhältnisses als Einigungsämter anzurufen. Ich vertraue auf Ihre bereitwillige Mitwirkung, um über die Ihnen vorgeschlagene Reform eine Uebereinstimmung der gesetzgebenden Körperschaften und damit einen bedeutsamen Fortschritt in der friedlichen Entwickelung unserer Arbeiterverhältnisse herbeizusühren. Je mehr die arbeitende Bevölkerung den gewissenhaften Ernst erkennt, mit welchem das Reich ihre Lage befriedigend zu gestalten bestrebt ist, desto mehr wird sie sich der Gefahren bewußt werden, die ihr aus der Geltendmachung maßloser und unerfüllbarer Anorderungen erwachsen müssen. In der gerechten Fürsorge für die Arbeiter liegt die wirksamste Stärkung der Kräfte, welche wie Ich und Meine hohen Verbündeten berufen und willens sind, jedem Versuche, an der Rechtsordnung gewaltsam zu rütteln, mit unbeugsamer Entschlossenheit entgegen zu treten. Immerhin kann es sich bei dieser Reform nur um solche Maßnahmen handeln, welche ohne Gefährdung der vaterländischen Gewerbthätigkeit und damit der wichtigsten Lebensinteressen der Arbeiter selbst ausführbar sind. Unsere Industrie bildet nur ein Glied in der wirthschaftlichen Arbeit derjenigen Völker, welche an dem Wettbewerb auf dem Weltmärkte theilnehmen. Mit Rücksicht hierauf habe Ich es Mir angelegen sein lassen, unter den in gleichartiger Wirthschafts- lage befindlichen Staaten Europas einen Austausch der Meinungen darüber herbeizuführen, bis zu welchem Maße sich eine gemeinsame Anerkennung der gesetzgeberischen Ausgaben bezüglich des Arbeiterschutzes feststellen und durchführen läßt. Es verpflichtet Mich zu dankbarer Anerkennung, daß diese Anregung bei allen betheiligten Staaten und besonders auch dort eine gute Stätte gefunden har, wo der gleiche Gedanke bereits angeregt und seiner Ausführung nahe gebracht war. Der Verlaus der hier versammelt gewesenen internationalen Confer en z erfüllt Mich mit besonderer Besriedigung. Ihre Beschlüsse bilden den Ausdruck gemeinsamer Anschauungen über das wichtigste Gebiet der Culturarbeit unserer Zeit,- die darin niedergelegten Grundsätze werden, wie Ich nicht zweifle, sortwirken^äls eine Aussaat, die mit Gottes Hilfe zum Segen der Arbeiter aller Länder aufgehen und auch für die Beziehungen der Völker untereinander nicht ohne einigende Frucht bleiben wird. Die dauernde Erhaltung desFriedens bildet unausgesetzt das Ziel Meines Strebens. Ich darf der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß es Mir gelungen ist, bei allen Auswärtigen Regierungen das Vertrauen zu der Zuverlässigkeit dieser Meiner Politik zu befestigen. Mit Mir und Meinen hohen Verbündeten erkennt es das deutsche Volk als die Aufgabe des Reiches, durch Pflege der zu unserer Verteidigung geschlossenen Bündnisse und der zu allen auswärtigen Mächten bestehenden freundschaftlichen Beziehungen den Frieden zu schützen, um Wohlfahrt und Gesittung zu fördern. Zur Durchführung dieser Aufgabe aber bedarf es der seiner Stellung im Herzen Europas entsprechenden Heeresmacht. Jede Verschiebung der Machtverhältniffe gefährdet das politische Gleichgewicht und damit die Gewähr für den Erfolg der auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Politik. Seitdem die Grundlagen unserer Heeresverfassung für einen bestimmten Zeitraum festgestellt sind, haben sich die Heeres- einrichtungen unserer Nachbarstaaten in unvorhergesehenem Maße erweitert und vervollkommnet. Zwar ist auch bei uns nichts unterlassen worden, um unsere Wehrkraft, soweit dies innerhalb der gesetzlich gezogenen Schranken möglich war, zu stärken. Gleichwohl war das, was in dieser Beziehung geschehen konnte, nicht hinreichend, um eine Verschiebung der gesammten Lage zu unseren Ungunsten auszuschließen. Eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke und eine Vermehrung der Truppenkörper, insbesondere für die Feld-Artillerie, darf nicht länger hinausgeschoben werden. Es wird Ihnen eine Gesetzesvorlage zugehen, nach welcher die nothwendige Verstärkung des Heeres mit dem 1. October d. I. in Kraft treten soll. . ... Die in Ostasrika eingeleitete Action zur Unterdrückung des Sclavenhandels und zum Schutz der deutschen Interessen hat, Dank der aufopfernden Thätigkeit der dorthin entsandten Offiziere und Beamten, während der letzten Monate Fortschritte gemacht. Der vollständigen Wiederherstellung der Ruhe in jenen Gebieten darf in nächster Zeit entgegengesehen werden. Die dadurch entstehenden Kosten werden durch eine Nachtragsbewilligung zu decken sein. Der Reichshaushalt für das laufende Rechnungsjahr bedarf schon wegen der erwähnten Vorlagen einer ent- 1 sprechenden Ergänzung. Außerdem aber kann die schon längst 1 in Aussicht genommene und immer dringender gewordene ießeucr Anzeiger General-Anzeiger. Deutsches Reich. nn. Darmstadt, 6. Mai. Am nächsten Montag wird sich Seine Königliche Hoheit der Großherzog, sowie die Prinzessinnen zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalt nach Friedberg in Oberhessen begeben, woselbst die Großh. Familie im dortigen Schlosse Wohnung nehmen wird. Wie ich schon früher mit- getheilt, wird Seine Königliche Hoheit der Badegast von Nauheim sein. Ausgeschlossen ist nicht, daß auch Prinz Heinrich von Preußen mit seiner Gemahlin zum Besuche seines Schwiegervaters in Friedberg eintreffen und einige Zeit dort bleiben wird. Berlin, 6. Mai. Zur Charakteristik des Maitages in Berlin wird mitgetheilt, daß am 1. Mai in der Reichshauptstadt 10 Personen weniger verhaftet sind, als am Sonntag vorher. Als Curiosum ist noch mitzutheilen, daß die Socialdemokraten eine Hebeamme „boykottirt" haben, weil deren Mann am 1. Mai arbeitete. Die Eröffnung des neuen Reichstags. Berlin, 6. Mai. Die feierliche Eröffnung des durch die Allerhöchste Verordnung vom 8. April 1890 einberufenen Reichstages sand heute Mittag 12 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses statt. Der der Eröffnung vorhergehende'Gottesdienst, welchem Se. Majestät der Kaiser beiwohnten, wurde für die evangelischen Mitglieder in der Schloßkapelle abgehalten und begann um 11 Uhr. Der Hofprediger D. Frommel legte seiner Predigt den Text Bries St. Judae, Vers 2: „Gott gebe Euch viel Barmherzigkeit, viel Friede und Liebe" zu Grunde. Für die katholischen Mitglieder des Reichstages sand um lli/2 Uhr in der St. Hedwigs-Kirche eine Segensandacht statt, welche Probst Di. Jahnel hielt. Nach beendigtem Gottesdienst versammelten sich die Mitglieder des Bundesraths im Marinesalon, während die Generale, die Wirklichen Geheimen Räthe, die Räthe erster und zweiter Klasse und die Obersten bezw. Regiments-Com- wandeure unter der Tribüne auf der Lustgartenseite des Weißen Saales, die Abgeordneten zum Reichstage aber gegenüber dem Thron im Weißen Saale Ausstellung nahmen. Die Mitglieder des diplomatischen Corps ^nahmen in den Logen Platz, welche sich auf der nach der Capelle zu belegenen Tribüne befinden. Sobald im Weißen Saale die Abgeordneten zum Reichstage versammelt waren, erschienen die Bevollmächtigten zum Bundesrath und stellten sich links vom Throne auf. Se.jMajestät der Kaiser erschienen hierauf in Begleitung der hier anwesenden Prinzen des Königlichen Hauses nebst Allerhöchstem und Höchstem Gefolge und wurden von der Versammlung mit einem dreimaligen begeisterten Hoch empfangen, welches der Abgeordnete Feldmarschall Graf Moltke als das älteste Mitglied des Reichstages ausbrachte. Se. Majestät geruhten demnächst, aus der Hand des Reichskanzlers, Generals der Infanterie v. Caprivi, die Thronrede entgegenzunehmen und, das Haupt mit dem Helm bedeckt, dieselbe zu verlesen, wie folgt: Geehrte Herren Nachdem Sie durch die Neuwahlen zu gemeinsamer Arbeit mit den verbündeten Regierungen berufen worden sind, heiße Ich Sie bei dem Eintritt des Reichstages in die achte Legislaturperiode willkommen. Ich hoffe zuversichtlich, daß es Ihnen gelingen wird, die bedeutsamen Fragen der Gesetzgebung, die an Sie herantreten, einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen. Ein Theil dieser Fragen ist so dringlicher Natur, daß es nicht thunlich erschien, die Einberufung des Reichstags länger hinauszuschieben. Ich rechne dahin vornehmlich den weiteren Ausbau der Arbeiterschutz-Gesetzgebung. Die im Laufe des verflossenen Jahres in einigen Landestheilen vorgekommenen Aus st andsbe wegungen haben Mir Anlaß gegeben, eine Prüfung der Frage herbeizuführen, ob unsere Gesetzgebung den innerhalb der staatlichen Ordnung berechtigten rmd erfüllbaren Wünschen der arbeitenden Bevölkerung in ausreichendem Maße Rechnung trägt. Es handelte sich dabei in erster Linie um die den Arbeitern zu gewährleistende Sonntagsruhe sowie um die durch Rücksichten ber Menschlichkeit und im Hinblick aus die natürlichen Entwickelungsgesetze gebotene Beschäftigung der Frauen- und Kinderarbeit. Die verbündeten Regierungen haben sich überzeugt, daß die von dem letzten Reichstage in dieser Beziehung gemachten Vorschläge ihrem wesentlichen Inhalte .nach ohne Nachtheil für andere Interessen zu gesetzlicher Geltung gebracht werden können. Im Zusammenhänge damit hat sich aber noch eine Reihe weiterer Bestimmungen als der Verbesserung bedürftig und fähig erwiesen. Hierhin gehören insbesondere die gesetzlichen Anordnungen zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahren für Leben, Gesundheit und Sittlichkeit, sowie über den Erlaß von A r b e i t s - Or d n u n g e n. Auch die Vorschriften gegenüber der zunehmenden Zuchtlosigkeit jugendlicher Arbeiter, Vorschriften über die Arbeitsbücher bedürfen einer Ergänzung zu dem Zwecke, um das elterliche Ansehen gegenüber der zunehmenden Zuchtlosigkeit jugendlicher Arbeiter zu stärken. Die hiernach erforderliche Umgestaltung und weitere Ausbildung der Gewerbeordnung findet ihren Ausdruck in einer Vorlage, welche Ihnen unverzüglich zugehen wird. Eine weitere Vorlage erstrebt die bessere Regelung der gewerblichen Schiedsgerichte und zugleich eine Organisation derselben, die es ermöglicht, die Gerichte Hei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern über Nerieste Nachrichten. WolffS telegraphisches Torrespondcnz-Burcau. Hannover, 6.Mai. Die Hannoversche Banmwollen- sp inner ei und -Weberei hat ihren sämmtlichen 700 Arbeitern aus den 10. Mai gekündigt. Die Fabrik ist gezwungen, den Betrieb einzustellen, weil in Folge des theil- weisen Strikes Mangel an vorgearbeitetem Material eingetreten ist. Wien, 6. Mai. Schloß Weinzierl nächst Poechlarn, in welchem zur Zeit ein Schutzinstitut für verwahrloste Knaben untergebracht war, ist abgebrannt. Von den Zöglingen ist keiner zu Schaden gekommen. Paris, 6. Mai. Die Bo ul an gift en erlassen ein Manifest, worin sie erklären, sie verzichten auf alle gegenwärtig unfruchtbaren Agitationen, würden aber ihr Programm weiter hochhalten. Thatfächlich ist ihre Auflösung ebenso vollständig, wie ihre Uneinigkeit. Laguerre und Deroulede wollen ihr Mandat niederlegen und ihre Wiederwahl auf ein neues Programm erstreben. Montreal, 7. Mai. Bei dem gestrigen Brande der Irrenanstalt zu Longuepointe(Quebeck) sollen 150Personen umgekommen und 100 verletzt sein. Cocoles rrird prwhtjicües. Gießen, 7. Mai. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 8. Mai 1890, Nachmittags 4 Uhr: 1. Gesuch des P. Mulch und W. Loh um pachtweise Ueberlasfung städtischen Geländes. 2. Die Benennung der Flügelsgasse. 3. Decretur von Kostenrechnungen. 4. Remu- nerirung des Octroipersonals. 5. Erbauung einer Turnhalle für die Realschule. 6. Die Trichinenschau. 7. Ausübung der offenen Armenpflege. M. Lauterbach, 6. Mai. Am vergangenen Sonntag begingen im ,,Hamburger Hof" zu Blitzenrod die Arbeiter der Wegener'schen Hutfabrik die Feier des 1. Mai und gleichzeitig die Gründung einer Filiale des Deutschen Hutmacherverbandes. Abends wurde ein solennes Tanzkränzchen arrangirt und dem Herrn Fabrikanten ein Ständchen gebracht. Wie man den Antisemitismus groMehk. Offener Brief an Herrn Rabbiner Dr. Levi. Geehrter Herr! Sie haben den Beruf gefühlt, in der Frage des Antisemitismus das Wort an die Einwohner unseres Kreises zu richten, ohne Zweifel in der löblichen Absicht, demselben entgegenzuwirken. Ob Sie wohl das richtige Mittel gewählt haben, um die Antisemiten zu bekehren oder auch nur zu beschämen und die bisherigen Gegner desselben zu bestärken? Ich fürchte. Sie haben sich arg vergriffen. Wer ein Nebel heilen will, muß sich seine Ursachen klar machen und diese bekämpfen. Haben Sie das gethan? Wenn eine so ruhige Bevölkerung wie unser oberhessisches Landvolk mit einem Schlage einer Agitation zufällt, die so unmögliche Ziele verfolgt wie der Böckel'sche Antisemitismus, so muß dies durch wirkliche Uebelstände vorbereitet sein.' In der That ertönen ja gerade in Hessen seit Jahrzehnten die Klagen über die Ausbeutung des Landvolks durch jüdischen Handel. Auch Sie selbst erwähnen einmal Schäden, die den heutigen Juden anhaften. Wollten Sie zum Guten wirken, so hätten Sie hier einsetzen sollen. Helsen Sie diese Schäden wegschaffen, die dem Antisemitismus den Boden bereiten, so stirbt er ab. Die Erwartung, daß Sie sich berufen gefühlt hätten in dieser Richtung zu wirken, erweckt nicht nur Ihr Amt, sondern auch der Umstand, daß Sie mit so hoher Emphase die Propheten Israels für sich in Anspruch nehmen. Sie wissen doch, mit welchem schonungslosen Freimuth ein Amos, Jesaia, Micha, Jeremia ähnliche Sünden ihrer Volksgenossen gegeißelt, wie sie um derselben willen das Gericht Gottes über Israel und Juda vorausgesagt haben. Sie aber beschönigen diese Sünden als Schwächen, welche gegenüber den hohen Tugenden der Juden verschwinden. Sie singen ein Loblied aus den jüdischen Geist und thun so, als ob der Antisemitismus die Feindschaft gegen diese Tugenden wäre. Sollten Sie sich nicht selbst sagen, daß Sie durch solche gänzliche Verkennung der Wirklichkeit, durch solche blinde Parteilichkeit nicht nur die in ihrer Erregung bestärken, welche unter den jüdischen „Schwächen" leiden, sondern daß Sie auch Wohlwollende stutzig machen müssen? Und welch' merkwürdige Illustration zu Ihrer begeisterten Schilderung des semitischen Geistes gibt die Thatsache, x bic in diesen Tagen wieder an's Licht trat, daß die Bewohner Gießens um des kleinen Bruchtheils der jüdischen Einwohner willen geschächtetes Fleisch essen müssen! Dem gemeinen Menschenverstand ist es nicht recht begreiflich, wie das jüdische Ritualgesetz, mittelst dessen die Juden sich von dem Deutschen Volke absondern und unter das sie die Bewohner Gießens beugen, nach dem von Ihnen angeführten Worte Hillels eine Erklärung zu dem Gebote sein soll: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, und was du nicht willst, daß man dir thue, thue auch einem andern nicht." Kommt Ihnen dies Zusammentreffen nicht auch wie eine köstliche Ironie vor? Doch Härten Sie sich nur aus die Vertheidigung des jüdischen Geistes beschränkt, so könnte man entschuldigen, daß Sie sich an eine falsche Adresse gewandt und sich dabei noch etwas vergriffen haben. Viel, viel schlimmer ist es, daß Ihr jüdisches Selbstgesühl Sie zu Behauptungen verführt hat, die nicht nur thörichte Ueberhebungen, sondern Beleidigungen des deutschen Nationalgesühls und des christlichen Bewußtseins sind. Sie begnügen sich nicht damit, die Tugenden, welche die .alten Juden mit anderen Völkern getheilt haben, Muth, Tapferkeit, Freiheitsliebe, und die Tugend der Ausdauer, welche die heutigen Juden vielleicht vor Andern voraushaben, zu rühmen, Sie versteigen sich dahin, zu sagen, der semitische Geist sei „der Geist der erhabensten, bedeutendsten Männer- und Franengestalten, von welchen die Weltgeschichte erzählt". Haben Sie es ganz vergessen, daß Sie unter einem Volke leben, welches einiges" Recht zu haben glaubt auf seine Eigenart und auf die Männer- und Frauengestalten stolz zu fein, in denen sich dieselbe ausgeprägt hat? Wir Deutsche sind ja fremdem Geiste gegenüber gar gutmüthig und geduldig. Aber zu unbescheiden darf er doch nicht werden - sonst reifet auch uns der Faden der Geduld. Und nun gar Ihre Belehrungen über das Christenthum! Man weife nicht, worüber man mehr staunen soll, über die Feinheit Ihres Taktgefühls oder über die Kühnheit Ihrer Schlüffe. Um Christen öffentlich über den christlichen Geist und was er fordert zu belehren, ist ein jüdischer Rabbiner kaum berufen. Das hätte Ihnen Ihr eigenes Taktgefühl sagen dürfen. Vollends aber der Inhalt Ihrer Belehrungen, der dahin geht/ daß der Geist Christi, der Apostel, der Evangelien, der Geist, der die ganze Christenheit, die Kirchen, die Schulen, die Häuser der Christen durchwehr — der semitische Geist sei. Das schließen Sie aus dem Umstande, daß Christus und seine ersten Jünger jüdischer Herkunft waren. Ein rascher Schluß. Rasch gegenüber der Thatsache, daß der Geist des Schriftgelehrtenthnms und der pharisäischen Gesetzlichkeit, derselbe Geist, der bis auf den heutigen Tag der Geist des Judenthnms, der semitische Geist ist, sich im schroffsten Gegensatz zu dem Geist Christi gewußt und deshalb Christus an's Kreuz gebracht, seine Apostel verfolgt hat. Rasch gegenüber dem christlichen Bewußtsein, wie es Christus und das ganze Neue Testament ausspricht. Da Sie, wie Sie sagen, das Christenthum so gut kennen, so wissen Sie auch, daß nach christlichem Glauben Christus ans dem Samen Davids stammt nur nach dem Fleisch, nicht aber nach dem Geist (Römer 1, 3. 4), daß fein Geist nicht aus der jüdischen Entwickelung, sondern von obenher stammt, nicht semitischer, sondern Gottes Geist ist. Der erste jnben-christliche Märtyrer, Stephanus, hat noch nichts von Ihrer Erkenntniß geahnt, daß es der semitische Geist war, der ihn seinen Glauben mit dem Tode besiegeln liefe. Sonst hätten seine Worte an die „Halsstarrigen." (Apostelgeschichte 6, 51 ff.) anders gelautet, als sie lauten. Auch ein Paulus, der der Meinung ist, dafe das Christenthum den Juden ein Aergernife ist (1. Korinther 1, 23), würde über Ihre Entdeckung sich höchlichst gewundert haben. Nein, Herr Rabbiner, wir müßten erst aufhören Christen zu fein, ehe wir den christlichen Geist als semitischen Geist ansehen und dem semitischen Geist den Einzug in unsere Häuser, Schulen, Kirchen frei gäben. Auch, wenn wir an den Psalmen und Propheten uns erbauen, so thun wir es nicht, weil sie uns Erzeugnisse des semitischen Geistes sind, sondern weil sie uns Erzeugnisse des Geistes Gottes sind. Was ihnen von semitischem Geist noch anhaftet, das ziehen wir dabei ab. Die Belehrung über das Wesen des christlichen Geistes, die Sie an Christen richten, ist also die Zumuthung, den christlichen Glauben wegzuwerfen. Sollten Sie nicht selbst empfinden, welche Beleidigung diese Zumuthung enthält? Und diese Beleidigung wird um so gröber, als es ein jüdischer Rabbiner ist, der sie ausspricht. Wenn Sie, der Sie Jude sind und Jude sein wollen, den christlichen Geist als semitischen bezeichnen, so heißt das, daß Sie den christlichen Geist als eine niedrigere Abart des semitischen Geistes betrachten, dessen echter Vertreter das heutige Judenthum sein will. Wenn Sie dabei noch die Miene der Hochschätzung des Christenthnms annehmen, so ist das ein um so peinlicherer Ausdruck des jüdischen Selbstgefühls, als es besagt, daß selbst die Brocken, welche vom Tisch des Judenthums fallen, für Andere noch köstliche Speise sind. Ich bin selbstverständlich davon überzeugt, daß Sie sich nicht klar gemacht haben, was Ihre Worte bedeuten und wie sie von Deutschen, von Christen empfunden werden müssen. Darum darf man wohl hoffen, daß, wenn Sie ein ander Mal wieder in der Frage des Antisemitismus das Wort nehmen sollten, Sie mit Rücksicht auf die Umgebung, in der Sie leben, die Aeußerungen des jüdischen Selbstgefühls mäßigen werden. Sollten Sie sich dazu nicht entschließen können, so würden Sie wiederum wie diesmal Oel in's Feuer des Antisemitismus gießen. Denn das ist eine der Hauptursachen desselben, daß die jüdischen Stimmen nur zu oft diese Mäßigung vermissen lassen. Professor Dr. Go11schick. vermischte». * Frankfurt a. M., 2. Mai. Die Kälbermetzger hatten gestern früh im Börsenloeale des Viehhofs eine Versammlung, in welcher der Preis des Fleisches von 75 Pf. auf 70 Pf. von gestern an, ermäßigt wurde. Frieandeau behielt seinen Preis. Der Preis von Ochsen fleisch wurde, nach einer Veröffentlichung der Fleischer-Innung, gleichfalls von 75 Pf. auf 70 Pf. herabgesetzt. Marburg, 6. Mai. Der bereits durch die hiesigen Lokalblätter angekündigte, als Ausdruck der Freude über das Hierbleiben der Herrn Prof. Dr. Bergmann und Consi- storialrath Dr. § en riet geltende Fackelzug der hiesigen Studentenschaft fand heute Abend bei schönstem Wetter unter Betheiligung von mindestens 800 Fackelträgern und sieben Musikchören statt. Der Zug bot einen glänzenden Anblick dar. * Leipzig, 5. Mai. Der hiesige Freidenker verein „Humbvld" wurde polizeilich aufgelöst. * + Kassel, 6. Mai. Zur Warnung für Meister und Gesellen! Die Ursache der Kasseler Gasexplosion, durch welche im Herbst v. I. fünf Personen schwer, teilweise lebensgefährlich verletzt wurden und welche zu den verschiedensten Gerüchten und Bermuthungen Veranlassung gab, ist nunmehr durch die gerichtliche Untersuchung festgestellt worden. Sie ist auf das fahrlässige Verschulden eines Gasarbeiters zurückzusühren, weshalb sowohl dieser als auch dessen Meister, der Inhaber eines hiesigen Gas- und Wasserleitungsgeschäftes, wegen fahrlässiger Körperverletzung aus § 230 des Reichsstrafgesetzbuches unter Anklage gestellt waren. In dem Conditorladen von B. in der Bahnhofsstraße entstand nämlich Abends beim Anzünden des Gases eine furchtbare Explosion. Das Schaufenster miftje auf die Straße geschleudert und drei Passanten zu Boden geworfen und schwer verletzt; im Laden selbst die Thüren zerschlagen, Thürfüllungen, Tapeten von den Wänden abgerissen, Maaren beschädigt, überhaupt ein grauenhaftes Zerstörungsbild angerichtet. Ferner wurde der Geschäftsinhaber und ein Kaufmann arg verbrannt. Die Verletzten haben viele Wochen im Krankenhause gelegen, sind aber jetzt wiederhergestellt. Die Ursache der Explosion war um so unerklärlicher, als am selben Tage ein Gasarbeiter die bisher unbenutzte Leitung nachgesehen und angeblich sorgfältig untersucht und geprüft hatte. Da das ganze Haus am Nachmittage nach Gas roch, wurde der nämliche Arbeiter damit beauftragt, den Desect an der Leitung aufzufinden. Derselbe hatte auch vorher unbefugter Weise die Gasuhr mit der Hauptleitung verbunden, was er nicht thun durfte, da dies, sowie die Prüfung der Leitung nur die Gasanstalt angeht. Der Gasarbeiter kam nun wieder, suchte und suchte, fand aber den Schaden nicht; er erklärte trotzdem, die Leitung im Conditorladen sei völlig in Ordnung, man möge solche nur ruhig anstecken, denn er wisse ganz 'genau, der Fehler liege auf dem Gange am Hauptrohr, dieses letztere müsse undicht sein. Gesagt — gethan und die Explosion erfolgte. Jetzt hat sich nun heransgestellt, daß ein altes Rohr der Leitung ins Nebenzimmer führte, durch die Tapete aber verklebt war, sodaß Niemand im ganzen Hause eine Ahnung von diesem Rohre hatte- dasselbe war am Ende offen und so konnte das Gas ungehindert entweichen. Das Gericht nahm an, daß der Gehülse bei einiger Sorgfalt dies alte Rohr finden mußte, daß in seinem Verhalten eine grobe Fahrlässigkeit zu erblicken und deshalb er zu einer Gefängnißstrafe von sechs Wochen zu verurtheilen sei. Wegen mangelnden Beweises eines directen Verschuldens wurde der Meister frei- gesprochen. * Ein schwieriger Fall. Ein Arzt erhält spät am Abend eine Karte zweier Collegen: „Komm doch noch ein bischen in die Kneipe — uns fehlt der dritte Mann im Scat!" — „Liebe Emilie," sagte er nun zu seiner Frau, „ich werde noch einmal fortgerufen; es scheint ein schwieriger Fall — es sind schon zwei Aerzte dort!" * Ein kleiner Schlaumeier. „Du, Großmama, hast Du gute Zähne?" — „Leider nicht mehr, mein Junge." — „So, dann sei so gut und bewahre mir meine Nüsse auf!" Die Bedeutung der Vögel für die Landwirt!)schäft. (Nachdruck verboten.) Es scheint, dafe man selbst in landwirthschastlichen Kreisen der Bedeutung, welche die Vögel für die Landwirthschast besitzen, noch kein rechtes Verständnife entgegenträgt, ja dieselbe vielfach unterschätzt und ein Wort über den Nutzen, welche unsere gefiederten Freunde dem Landwirthe in verschiedenen Beziehungen gewähren, dürfte da vielleicht am Platze sein. Man kann eigentlich behaupten, dafe ohne die Vögel gar kein Landbau, ja gar keine Vegetation möglich wäre! Sie verrichten eine Arbeit, welche Millionen Menschenhände nicht halb so gut oder vollständig ausführen würden. Wir sehen dies namentlich bei den Verheerungen der Forstinsecten. Da sind schon oft Commissionen §ufammengetreten, haben Maßregeln getroffen,z Hunderte von Leuten aufgeboten, Gräben gezogen, Schweine aufgetrieben und konnten am Ende entweder nur unvollkommen oder gar nicht der Verwüstung wehren. Etliche Dutzend Vögel vermochten es! Wir vermögen es freilich nicht, der sündlichen unb schändlichen Vögelvertilgung in Italien zu wehren. In unfern Kreisen aber können wir es unseren kleinen Wohlthätern bequem machen und sie an unsere Felder und Wälder fesseln. Jeder umsichtige Oecvnom sollte sein Augenmerk daraus richten, daß die so nützlichen Schwalben, Finken, Meisen, Rothschwänzchen :c. bei ihm eine Wohnung fänden. Man schone doch die hohlen oder mit Astlöchern versehenen Bäume, in denen die Höhlenbrüter die beste Zuflucht finden. Wenn man solche Baumhöhlungen von Moder und Laub reinigt und, wenn sie ziemlich senkrecht sind, etwa noch ein gegen Regen schützendes Brettchen über die Oeffnung anbringt, so werden sie bald genug bewohnt sein und die einziehenden Thierchen in wenigen Stunden schon die angewandte Mühe vergelten. Man vermehre die Staarenkästen und sorge dafür, daß die Jungen nicht ausgenommen werden. Vor allen Dingen fertige man bei Gelegenheit aus längeren oder kürzeren Stücken von hohlen Baumästen ober- Baumstämmchen ober allenfalls auch aus Teucheln ober alten Brettchen Brüthöhlen für die kleinen Jnfectenvertilger an und befestige diese, etwa noch mit einem Sitzstäbchen unter dem ungefähr zollgroßen Flugloch versehen, mit dem Eingang gegen Morgen an die Bäume, doch, mit Ausnahme der Staarenkästen, nicht über 10 bis 20 Fuß über der Erde und nicht an zu spät sich belaubende ober gar zu frei stehende Bäume. Die Kästen unb Fluglöcher dürften von verschiedener Größe sein. Die Meisen lieben solche, welche inwendig etwa 7 Zoll lang unb 3 Zoll breit find, die andern etwas größere. Dabei sollten die aus Bretterstückchen gemachten mit einem schwarzgrauen Anstrich unb Flechten ober Moosen überzogen werden. In Deutschland, wo früher in mehreren Gegenden das Aufstellen von Staarenkästen gesetzlich befohlen war, geschieht gegenwärtig in zoologischen Gärten, Gärtnerei-Anstalten, landwirthschastlichen Schulen und auf größeren Ökonomien sehr viel in dieser Beziehung und jährlich werden auf die Fürsprache von Beamten, Lehrern und einsichtigen Gutsbesitzern viele Tausende solcher Brut- käftchen aufgestellt, indem man immer deutlicher erkennt, dafe sich vielleicht kein Capital schneller und reichlicher rentirt als diese kleinen Auslagen. in Summa 2 361582 kg ober täglich im Durchschnitt // 1 (1) 1 28472 Pfund Matte, Unbekannt. Krankheit 1 HBWCfl 3410 650 600 535 500 4 // // 1 1 1 (1) Magermilch, Rahm, Buttermilch, Molken, (1) 1 1 (1) auf spec. Gewicht, im Cremometer, im Gährprobeapparat, auf Säure mittelst Titrirapparat, 2 445 543 4 4455/s 176 042 301 333 50130 10 388 348 7 866 20094 31314 477 898 134 413 Acuter Miliar-Tuber- kulose Nierenentzündung Altersschwäche geziefer dieses, die andern jenes Locals- die einen sind befähigt, es von den Blättern und Zweigen zu lesen, die andern aus der Baumrinde zu bohren oder in der Lust abzufangen oder aus der Erde zu scharren. Alle Landwirthe sollten sich kräftig dafür verwenden, daß jenen nützlichen Thierchen, welche die natürlichen Verbündeten und die treuesten, thätigstcn Freunde des Landwirths Und, derjenige Schutz zu Theil werde, dessen ihre eminenten Dienste in unserem Interesse würdig sind. Für die Großartigkeit des Vertilgungsgeschästes der Vögel, das alle ähnlichen menschlichen Bestrebungen unendlich weit übertrifft und für die Menschen geradezu mit eine Bedingung des Wohlstandes geworden ist, führt ein langjähriger Beobachter in einem österreichischen landwirthschaftlichen Blatte wirklich frappante Beispiele an. In einem Gewächshause waren drei hochstämmige Rosen von ungefähr 2000 Blattläusen bedeckt. Man holte eine Sumpfmeise herbei und setzte sie auf die Rosenstämmchen- binnen wenigen Stunden verzehrte sie die ganze Menge und reinigte die Pflanzen somit vollkommen von dem Ungeziefer. Weiter wurde der Fliegenfang eines Rothschwänzchens in einer Wohnstube beobachtet und hierbei gesunden, daß dasselbe in einer Stunde ungefähr 900 Fliegen abfing. Ein paar Nachtschwalben vertilgten eines Abends im Zeiträume von kaum 20 Minuten ungeheuere Mückenschwärme. Ein Pärchen der sogenannten Goldhähnchen brachte seinen Jungen in einer Stunde 36 Mal Nahrung von Kerbthieren- die Goldhähnchen sind überhaupt besonders eifrige Verfolger der Kerbthiere und durchsuchen emsig die Rinden der Bäume im Winter wie im Sommer, dabei die Jnsectenbrut äußerst geschickt aus den tiefsten Ritzen heraus- holend. Für die Obstbäume und die Wälder sind auch die Meisen von unermeßlicher Wichtigkeit, indem sie namentlich die Eier des gefährlichen Kiefernspinners verzehren, während sie der haarigen Raupe desselben nicht beikommen können. Ein weiblicher Falter dieses Spinners legt, oft zweimal im Sommer, 600 bis S|#0 Eier, eine Meise aber verzehrt mit ihren Jungen mehrere Tausend solcher Eier , an einem Temperatur der Lahn und der Lust am 7. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 121/2/ Luft 16 Gr. Rübsam en. Derfd?r, Land« tinö Volkrwirthschäft. M. Lauterbacher Arrrchtrnarktpreise vom 3. Mai. An- aefahren 250 Ka. Korn, 19 JL, 1150 Kg. Gerste, 18,85 JL, 100 Kg; Hafer, 17 X, 350 Kg. Erbsen, 19,40 JL, 11,600 Kartoffeln, 4,75 JL alles per 100 Kilo. — Im Monat Mai 1890 finden in Oberhessen folgende MLrtte statt: _ Den 8. in Grünberg Vieh- und Kramermarkt. Den 12. in Langsdorf Vieh- und Krämermarkt. Den 13. in Ranstadt. Den 13. und 14. in Gießen Vieh- und Krämermarkt. Den 13. in Herchenhatn Vieh-, 14. Krämermarkt. Den 21. in Friedberg Vieh- und Krämermarkt. Den 27. in Bleichenbach Vieh- und Krämermaikt. Den 27. in Grünberg Vieh- und Krämermarkt. Den 27. in Lich Vieh- und Krämermarkt. Tage. . , Ein galizischer Grundbesitzer berichtet: „Vor einigen Jahren hatte im Frühling eine unendliche Menge von Raupen des bekannten Gartenfeindes Bombyx dispar alles Laub von meinen Bäumen gefressen, so daß dieselben ganz bejammerns- werth aussahen. Im Herbste bemerkte ich Millionen von Eiern, die, mit einer haarigen Hülle umgeben, an allen Stämmen und Aesten saßen. Ich ließ sie mit großen Kosten ablesen, überzeugte mich aber sehr bald, daß Menschenhände dieser Plage nicht zu steuern vermöchten und machte mich schon gefaßt, meine schönsten Bäume absterben zu sehen. Da kamen gegen den Winter hin zahlreiche Goldhähnchen und Meisen herbeigeflogen und eine Abnahme der Raupen machte sich sofort bemerklich. Im nächsten Frühling nisteten an 20 Meisenpärchen im Garten und im darauf folgenden Sommer war die Raupenplage wiederum merklich geringer und im folgenden Jahre hatten die kleinen gefiederten Gärtner meine Bäume so gesäubert, daß ich dieselben durch die freundliche Hilfe meiner kleinen Gartenpolizisten den ganzen Sommer über im schönsten Grün sah." Die Frage, ob der Sperling mehr Nutzen bringe oder aber mehr Schaden anstiste, hat bekanntlich schon zu lebhaften Controverskn geführt und während ihn die Einen in Schutz genommen wissen wollen, bezeichnen ihn die Anderen als einen nichtsnutzigen „Racker", dem erbarmungslos der Krieg erklärt werden müsse. Nun, es ist richtig, daß sich der Sperling vorzugsweise von Sämereien nährt, hauptsächlich von Getreide, auch das Obst sehr gern benascht und bei massenhaftem Auftreten daher recht schädlich werden kann. Aber durch Vertilgung schädlicher Kerbthiere nützt der Sperling dennoch mehr, als er schadet; ein einziges Spatzenpaar trägt seinen Jungen in der Woche durchschnittlich etwa 2000 Raupen zu und dem gegenüber fallen einige Aehrenkolben oder eine Hand voll Kirschen schwerlich sehr ins Gewicht. Die Eulen fangen bei ihren Morgen- und Abenddämmerungsjagden eine ganz gewaltige Menge von Forstinsecten, in erster Linie Dämme- rungs- und Nachtfalter und deren Raupen, ab. Einzelne Eulenarten zeichnen sich, wie die Staare, Dohlen, Saatkrähen, Häher, Würger, vorteilhaft durch Vertilgung der Maikäfer aus. Der englische Naturforscher White beobachtete längere Zeit ein Schleiereulenpärchen und sand, daß es durchschnittlich alle fünf Minuten eine Maus ins Nest trug; ein Steinkauzpärchen brachte an einem Juni-Abend 11 Mäuse den Jungen. Kann man sich eine größere Verkehrtheit denken, als die Verfolgung solcher eminent nützlicher Thiere, welche gewisse Leute öfter noch au ihre Scheunenthore nageln? Die meisten kleineren Vögel nähren sich entweder ganz oder theilweife das ganze Jahr oder aber während der Heckzeit von Jnseeten, Würmern, Schnecken, Spinnen u. dgl., so alle Grasmücken, Würger, Drosseln, Staare, Fliegenfänger, Laubvögel, Rohrsänger, Braunellen, Bachstelzen, Goldhähnchen, Steinschmätzer, Meisen, Pieper, Lerchen, Finken, Sperlinge, Ammer, Schwalben, Spyre, Baumläufer, Nachtschwalben, Mauerspechte u. dgl. Alle diese vertilgen Myriaden von Raupeneiern, Räupchen, Fliegen, Mücken, Käsern, Ameisen, Blattläusen, Nachtfaltern, Würmern u. s. w., und zwar in wunderbar weiser Vertheilung, — die einen mehr diese Klaffe von Ungeziefer, die andern eine andere, die einen das Un- Ticic verkaufte Waare ergab einen Erlös von 399 227,76 Mk., mithin verwerthete sich 1 kg Vollmilch brutto mit 12,3 Pfg. Die Gesammtbetriebskosten beliefen sich auf 53 033,37 Mk., mithin kamen auf 1 kg eingelieferte Vollmilch 1,63 Pfg. Kosten, woraus sich die Nettoverwerthung von 10,67 Pfg. auf 1 kg Milch ergibt. Die Jahresabrechnung (Bilanz) ergab nach Abrechnung der üblichen Abschreibung, Bezahlung von Zinsen 2C. einen Reingewinn von 13 784,17 Mk. Die ordentliche Generalversammlung am 4. März beschloß folgende Theilung des Reingewinnes: 5pCt. fließen in den Refervefonds (z. Z. schon 16 000 Mk.), 1500 Mk. werden pro 1890 vorgetragen, Vs Pfg- wird auf die eingelieferte Milch nachbezahlt, der Rest wird der Betriebsrücklage überwiesen. Ans der Mitgliederbewegung geht hervor, daß von 180 Genossen innerhalb des Jahres 130 ausgeschieden sind. Dies hat folgende Bewandtniß. Von den 180 Mitgliedern der Genossenschaft liefern 25 größere Besitzer ebensoviel Milch wie die übrigen 155 kleineren Bauern. Das Interesse der Lieferanten wurde vor dem 1. October dadurch gewahrt, daß | in den Generalversammlungen re. jeder Genosse für jede gezeichnete Kuh eine Stimme hatte, sodaß die 25 größeren Besitzer ebensoviel Stimmen ungefähr hatten, wie die 155 kleineren Bauern - und dies ist, wie jeder Fachmann gewiß zugeben wird, vollständig berechtigt. Das neue Genoffenschaftsgesetz nun hat durch diese für die Genossenschaft so segensreiche Einrichtung einen großen Strich gemacht, indem § 27 des Gesetzes bestimmt: Jeder Genosse hat eine Stimme. Daß bei der Mitgliederzusammensetzung der fraglichen Genoffenschaft deren Existenz auf dem Spiele stand, war ebenso natürlich, wie es den größeren Besitzern nicht zu verdenken war, daß sie unter den Umständen ihren Austritt erklären wollten. Wenn auch der Geschäftsantheil bei allen Genossen gleich ist, so richtet sich doch die Sicherungsanlage und vor Allem das ganze Interesse nach der Milchlieferung, refp. der Größe des Gutes. Das Gesetz enthält hierbei den Molkereigenossenschaften gegenüber eine Härte, mag die Bestimmung bei anderen Genossenschaften auch voll berechtigt fein. Es ist aber ein Unding, daß die Stimme eines Genossen, der täglich 10 Liter liefert, ebenfoOiel gilt, wie eines solchen, der 800 Liter liefert! Und das war hier der Fall. Deshalb sind 130 Mitglieder ausgefchieden und haben eine „stille Gesellschaft" gebildet. Als solche haben sie gleiche Rechte und Pflichten wie die Genossen, haben aber kein Stimmrecht und keine Haftpflicht. Das Wohl und Wehe der Molkerei liegt nun in 50 Stimmen und wird dabei voraussichtlich ganz anders gedeihen, wie bei 180 Stimmen, von denen die Hälfte weder Interesse noch überhaupt eine Ahnung 'non Molkerei- wesen und Molkereibetrieb haben. Viehhaltung und Milchwirlhschast. Geschäftsbericht der Molkereigenossenschaft Fulda-Lauterbach, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. (Aus der Deutschen Allg. Zeitung für Landwirthschast.) Die Geuoffenschaft hat 2 Molkereien mit Vollbetrieb, die eine in Fulda mit 4, die andere in Lauterbach mit 3 Separatoren. Der größte Theil der Milch wird zu Butter verarbeitet, die Mager- und Buttermilch wird zu ermäßigtem Preise (2 Pfg. pr. Liter) den Lieferanten zurückgegeben, ein geringer Theil der entrahmten Milch wird zu Magerkäse, ein Theil der eingelieferten Vollmilch zu Fettkäse verarbeitet. Der Verkauf in den beiden Städten Fulda und Lauterbach ist unbedeutend. Der Verkaussladen in Lauterbach erzielte eine Einnahme von 7 600 Mk., das Städtchen ist klein und treiben die Bewohner meist selbst Landwirthschast. Fulda dagegen hat 12 000 Einwohner - der Verkaufsladen und der Verkaufswagen erzielten 30000 Mk.- im Verhälmiß zur Größe der Stadt eine geringe Summe, die ihre Ursache darin hat, daß die Milchlieferanten der Molkerei den Vollmilchverkauf in der Stadt beibehalten haben, fo daß die Molkerei blos auf den Verkauf der Nebenproduete beschränkt ist. Die Magermilch findet beim Volke wenig Anklang. Es wurde Vollmilch eingeliefert: 8908 kg. Der durchschnittliche Fettgehalt war in Fulda 3,52 pCt., in Lauterbach 3,72 pCt., insgesammt durchschnittlich 3,59 pCt. gegen 3,52 pCt. in 1888 und 3,47 pCt. in 1887. Bezahlt wurde für die Milch das ganze Jahr hindurch abfchläglich für l pCt. Fett 2,75 Pfg., dementsprechend für 1 kg eingelieferte Milch in Fulda 9,68 Pfg. durchschnittlich, in Lauterbach 10,23 Pfg.- insgesammt für 1 kg Milch im Durchschnitt 9,88 Pfg. (in 1888 9,68 Pfg., in 1887 9,41 Pfg.) Der Fettgehalt wird vermittelst Soxlets Apparat festgestellt und sind die Controllversuche stets zur Zufriedenheit ausgefallen. Es wurden von dem Chemiker der Genossenschaft folgende Untersuchungen ausgeführt: auf Fett, Salz — 2 Kali — 4 Aetherprobeu. Die Gefammtunkosten betrugen 878.90 Mk., wobei der Gehalt des Chemikers blos zur Hälfte berechnet wurde, da er die Hälfte feiner Arbeitszeit auf die Milchabnahme und Buchführung verwendet. Auf 3410 Milchunterfuchungen auf Fett ausgerechnet kostet eine Untersuchung 26 Pfg., wobei die anderen Untersuchungen unberechnet bleiben. Fulda 2146 226 kg in Lauterbach 1 115 282 „ Wöchentliche Neberficht der Nodesfalle in Gießen. 18. Woche. Vom 27. April bis 3. Mai 1890. Einwohnerzahl: 20 500 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 10,1 o/w. Kinder Ts starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Die eingelieferte Milch wird in zwei Kippwaagen, von jeder Melkzeit getrennt, nach Kilo gewogen, während die zurückgehende Mager-, Buttermilch und Molke nach Liter verausgabt wird. Der entstehende Verlust ist ungefähr 3—4 pCt. Aus der eingelieferten Vollmilch wurden produeirt refp. verkauft: 236 428 Pfund Butter, 62 082 Liter Vollmilch, Stück Händkäfe, „ Backsteinkäse, Briekäse, Camembertkäse, Burgkäse, Neufchateller, Lauterbacher Frühstückskäse, Pfund Kochbutter, Flaschen Kefyr. Summa: 4 (2) 3 (1) 1 (1) — Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, .wie Diele der Todesfälle in der betreffendm Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen Deutsche Fahrräder aus der berühmten Fabrik Don Frankenburger und Ottenstein, Nürnberg (Liejeranten der Kaiser!. Deutschen Reichspost, der Kaiser!. König!. Qester.-Ungar. Armee, der König!. Preuß. Armee u. s. w.) halte stets auf Lager. Da mir der Allein verkauf obiger Räder für Großherzogthum Hessen, die Provinz Hessen-Nassau und Kurhessen übertragen morden ist, bin ich durch günstigen Abschluß in der Lage, meine werthen Abnehmer preiswürdig und gut zu bedienen und halte mich bei etwaigem Bedarf bestens empfohlen. Hochachtungsvoll (2931 Fr. Krogmann, Wetzsteingasse 33. HauptmedertlM der ächten Friedrichsdorfer Zwiebacke, bestes Nahrungsmittel für Kranke, Nervenleidende, Wöchnerinnen, Greise und Kmder. Aerztlich empfohlen. Feines Gebäck für Caffee, Chocolade, Thee und Wein. Nur ächt zu haben in Carl Schwaabe 3340 Delicateffenhandlung. Gold-Cream-Seife von Earl Aohn & Co., Berlin N. und Cöln «♦ Rt). ist unübertroffen gegen rauhe und spröde Haut und namentlich Damen zur Erhaltung eines schönes Teints zu empfehlen, a Packet (3 Stück) 50 Pfg. zu haben bei E. Dort, Wallthorstr. 45, 3922 Wilhelm Fritsch. 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Bekanntmachung« Am 13. Mai d. I. tritt auf der Strecke Waberu- Wildungen nachstehender Fahrplan in Kraft: Wabern-Wildungen.____________Wildungeu-Wabern. Hannover, 3. Mai 1890. 4150 Königliche Eisenbahn-Direetion. 451 1-4 453 1-4 455 1-4 457 1-4 4591461 Stationen Wagenclasse 452 1-4 454 1-4 456 1-4 458 1-4 460 1-4 462 1-4 1-4 1-4 Abfahrt. Ankunft. 637 920 1206 318 510 837 ab Wabern . an 609 849 1100 146 458 721 646 933 1215 329 520 84b M Zennern . 601 841 1052 137 450 712 654 946 1223 342 528 854 ” Fritzlar . . 552 832 1043 125 441 701 706 1000 1235 356 540 906 Ungedanken 5» 819 1030 106 429 644 710 1008 1239 403 544 910 Mandern . 6$5 815 1026 101 425 6Z9 717 1022 1247 417 551 9^ Wega. . . R 808 1019 1251 418 630 724 1032 1254 427 558 924 an Wildungen ab 520 800 1010 1238 410 618 Ankunft. Abfahrt. Bekanntmachung. Zur Neubildung des Vorstandes und Aufsichtsrathes ist Generalversammlung auf Sonntag den 18. Mai 1890, Nachmittags 3 Uhr, bei Wirth Geißler anberaumt. Spsr- und Vorschußverein Slausenberg. Geißler, Director. 4129 la. Qual, ä Mk. 2.—, Ha. Qual, ä Mk. 1.90 Haushaltskaffee ä Mk. 1.80, Wiener Mischung ä Mk. 1.70 per Pfd, empfiehlt sich durch feines Aroma, absolute Reinheit und hohe Ergiebigkeit als die beste und reellste Waare. Zu haben bei: J. M. Schalhof. Die Rübsamen sch? JJaöe= und Sdjiüimnmnfialt ist in allen ihren Abtheilungen eröffnet. Nähere Bedingungen sind in der Anstalt zu erfahren, wo auch die Abounements-Liste zur gefälligen Einzeichnung offen liegt Der Betrieb der Anstalt erleidet durch den Tod meines Mannes keinerlei Veränderung, und bitte ich, wie bisher das freundliche Wohlwollen meiner Anstalt bewahren zu wollen. L. Chr. Mühsamen Wwe. (wescliäftsverleguiig. Mein Geschäft befindet sich von heute ab Kirchenplatz Rr. 6 nöM Einhorn. Empfehle zu gleicher Zeit mein großes Lager in Uhren und Goldwaaren, silbernen und versilberten Tafelgeräthen, große Auswahl Ketten und alle in dieses Fach einschlagende Artikel. 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Die der Christine Wallenfels (Tochter der Anna Katharine Wallenfels) zu Allendorf a. d. L d a. im Grundbuch der Gemarkung Allendors a. d. Lda. zugeschriebenen Immobilien: Flur I Nr. 475 und 476 sollen weiterveräußert werden; das Eigenthum kann jedoch urkundlich nicht nachgewiesen werden. Es ergeht daher an Alle,, welche Ansprüche an die gedachten Immobilien zu haben glauben, die Aufforderung, solche innerhalb 4 Wochen dahier geltend zu machen, als sonst die ältere Beschränkung gelöscht und der Kaufbrief bestätigt werden wird. Gießen, 3. Mai 1890. Großh. Amtsgericht. Gebhardt. 4128 Aeikgeöotenes. 41461 la Schellfische, Hechte, Zander, Cabliau, Seezungen, Maifische, lebende Hummer, prachtvolles Mastgeflügel lebend und geschlachtet, la Gonsenheimer Spargel, Preise billig, Qual, nur hochfein, tägl. Send in «. G. KleindennS Delicatessen-, und Geflügel-Handlg, Bahnhofstraße 59. 41241 Ein sehr gut erhaltenes Halb- verdeck preiswerth zu verkaufen bet A. 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I Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei unserem I schweren Verluste, besonders den Schwestern für ihre liebevolle I Pflege sagt innigsten Dank 4134 | 3m Namen der trauernden Hinterbliebenen: Job. Weiß. Conr-bericht vo« E. Wasserschieben, Bankgeschäft. Urankfurter «örfe vo» 7. Mai 1820. 4 pCt. Reichsanleihe 3V* , . 4 , Preuß. ConsolS SV» , Schlußcovrse 1 Uhr 15 Min. 107.35 101.50 106 55 101.75 4 pCt. Ungar. Goldrente 5 , Italiener Rente Oesterr. Silberrente Ruff. Orient in. 88.70 94.20 77.20 71.90 Dtsconto-Comm. 217.20 Bnschtherader 36375 Darmstädter Bank-Act. 15590 Eldethal-Bahn-Act. 191 00 Dresdener Bank-Act. 146.90 Gotthard-Bahn-Act. 164 70 Berliner Handelsges. Oesterr. Credit-Act. 160.33 Schweizer Nordost 134.80 257 37 „ West 36 50 Wiener Bankoereins-Act. 101.00 Gelsenkirchener 165-50 Oesterr. StaatSbahn 190 00 Ver. Kön.- und Laurahütte-Act. 140.50 Lombard. Eisenbahn 103.12 Oesterr. Alpine-Montan 76 50 Tendenz: fest. Telegraphisch» «aur»bericht b» Strliner Börse vom 7. Mai 1890. Oesterr. Credttactteu Oesterr. StaatsbahnsActien Dortmunder Union-Actten Darmstädter Bankactten 160.701 DtSconto^Som.'Änrörii' 94 lO I Harp ei er 90.001 Ostpreußen 155.001 Bochumer GutzstahlLLtten Tendenz: unveränderlich. 216.20 195.00 97 90 164.50 4 pCt. Gießener Obligationen —•"*15 pCt. BuderuS-Obligattonen 104.40 ReichSborck-Dtscont 4 pCt. — Frankfurter Bank-Diskont 4 pCt. Redactton: K. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) tu Gieße». Die heutige Nummer umfaßt 6 Seite«. Donnerstag den 8. Mai. Gietzener Anzeiger. Beilage zu Nr. 106. - 1890. Feuilleton. D ie Wohnungsfrage. Eine Spatzengeschichte. (Fortsetzung.) Die Spatzen, die sich im Winter in der geschützten Wohnung häuslich niedergelassen hatten, wollten jetzt natürlich den aus der Fremde Heimgekehrten nicht gutwillig Platz machen. Also auch in der Vogelwelt gibt es eine Wohnungs- srage! Während mir dieser Gedanke durch den Kops schoß, machte das Schwalbenmännchen plötzlich einen Angriff auf das Nest. Die Spatzenfrau empfing es mit wüthenden Bissen und da auch Lude seiner Frau zu Hilfe kam, so mußte es bald der Uebermacht weichen und sich unverrichteter Sache zurückziehen. Die übrigen Spatzen hatten sich an dem Kampfe durch ein wüstes Geschrei betheiligt, mit dem sie die Schwalben einzuschüchtern suchten. Nach einigen Kreuz- und Querflügen ließ sich das Schwalbenmännchen wieder auf seinen alten Platz nieder und begann mit seiner Frau eine eifrige Unterhaltung, wobei es jedoch keinen Blick von dem Nest abwandte, in dem sich die Spätzin, ihres Sieges froh, möglichst breit machte. Lude war wieder auf den Apfelbaum geflogen und wurde dort mit lautem Beisalljubel empfangen. Noch halb außer Athem, begann er wieder zu reden, konnte sich jedoch bei dem allgemeinen Geschrei nicht verständlich machen. Da gebot der alte Philipp mit lauter Stimme Ruhe. „Haltet doch endlich 'n Mal eure unjewasckenen Schnäbel, man kann ja vor lauter Radau keene Silbe verstehn." -t Wie sonderbar, der Spatz sprach in unverfälschtem Berliner Dialect. Es trat einige Ruhe ein und nun konnte Lude sein Spatzenherz erleichtern und seinem Grolle Luft machen. „Ne, so was?" begann er, „Philipp, was sagst Du zu solcher Frechheit?" . „Tschilp!" antwortete dieser bedächtig, — ich habe mich vergeblich bemüht, den Sinn dieses jedenfalls hochbedeutsamen Wortes zu ergründen. Lude fuhr fort: „Meint etwa das hochnäsige Pack, weil es in seidenen Fracks und weißen Westen einherstolzirt, es könnte uns so ohne Weiteres aus dem Hause jagen? Denken denn die dummen Kerls, wir würden, nachdem wir den ganzen Winter über das Nest trocken gewohnt haben, ihnen mit einem „Gehorsamen Diener" Platz machen? Das wäre noch schöner! Ich habe mich im vorigen Herbste der herrenlosen Wohnung angenommen, wenn ich sie nicht ausgebessert hätte, wäre sie schon längst zerfallen, dadurch habe ich ein Recht an dem Nest erworben. Wenn die Leute früher darin gewohnt haben, wie sie behaupten, was geht das mich an- da könnte Jeder kommen und sagen, ich solle ausziehen. Soll denn der kleine Mann solch großspurigen Protzen gegen- | über niemals zu seinem Recht kommen? Wozu haben wir denn die Polizei? Die müßte doch —" „Setze Dir man nich uf's hohe Pferd", unterbrach Philipp ihn, „Du sollst doch von alleene wissen, daß et mit Deinem sojenannten Recht man höchst fadenscheinig aussieht. Sprich um Alles in der Welt nich von die heilige Hermandad, denn wenn die Wind von die Jeschichte hätte, säßest Du schon längst draußen. Det Nest jehört nu mal den Mückenjägern da drüben. Die reiche Bande kann et sich schon erlooben, im Winter 'ne Badereise nach'n Süden zu machen und derweilen ihre Etage leer stehen zu lassen. Unser eener kann det nich, det is wieder die olle Jeschichte von die Unjerechtig- keit in die Vertheilung von die Jlücksjüter. Mit Reden richtest Du gegen die Sorte nischt aus, handeln mußte. Weeßte nich, was dat Recht des Stärkeren is? Du, so 'n kräftiger Kerl, wirst doch wohl gegen die dämlichen Langschwänze uf- kommen können. Noch sitzt ihr in 't Nest. Deine Olle hat ja noch eben jezeigt, daß se sich nich so mich nix Dich nix an die Luft setzen läßt. Vertheidige Dir und wenn Du alleene nicht fertig wirst, so sind wir ooch noch da. Mein Rechtsgrundsatz ist immer jewesen: Nimm so viel Du kriegen kannst und was Du mal hast, dat gib nich wieder 'raus. Damit bin ich immer jut wegjekommen; dem Dreisten gehört die Welt!" Diese echte Gaunerrede wurde mit lautem Beifall ausgenommen, der bewies, wie mangelhaft das Rechtsgefühl bei den Spatzen entwickelt ist. Die Schwalben aus dem Dache hatten sich inzwischen auf einen neuen Angriff vorbereitet. Aus ein Zeichen des Männchens flogen beide aus das Nest zu, klammerten sich an demselben fest und bissen auf die Spatzenfrau ein, die Anfangs in große Bedrängniß kam. Aber Lude eilte ihr zu Hilfe und außerdem fielen mehrere andere Spatzen die Angreifer im Rücken an; so entspann sich denn ein äußerst hitziger Kampf, bei dem die Federn nur so in der Lust umherflogen. Trotz der Uebermacht der Gegner schienen die Schwalben entschlossen zu sein, ihr Eigenthum um jeden Preis wieder zu erobern. Mit Spannung verfolgte ich den Kampf. Zu meiner großen Genugthung neigte sich der Sieg auf die Seite der gerechten Sache. Die Spatzensrau war flügellahm gebissen und flatterte mit lautem Wehegeschrei aus dem Neste auf den nächsten Baum; auch Ludes Kräfte ließen nach. Es war also die beste Aussicht vorhanden, daß die Schwalben zu ihrem Recht gelangen würden. Doch es sollte ganz anders kommen. Während der Kampf noch im vollen Gange war, öffnete sich plötzlich die Thür des Nachbarhauses, und der Besitzer, ein alter Griesgram, in Schlafrock unb Filzpantoffeln, trat, gefolgt von seiner Frau, in den Garten. Er schalt über die theure und schlechte Bestellung der Beete und sonst noch über alles Mögliche; seine Frau hörte ihn geduldig an. Auf einmal schaute er, durch das Geschrei der streitenden Vögel aufmerksam gemacht, zu dem Neste empor. „Widerliches Vogelgekreisch!" rief er, „na, warte, id) werde dem Streit bald ein Ende machen. Das Nest ist mir schon lange ein Dorn im Auge gewesen." Mit diesen Worten ging er in das Nebenhaus und holte eine lange Stange daraus hervor. „Was willst Du thun?" fragte ihn seine Frau. „Das Nest entfernen," brummte er. „Das Schwalbennest? Nein, Mann, das darsst Du nicht," bat die Frau, „die kleinen Thierchen bringen dem Hause, an welchem sie nisten, Glück. Laß sie gewähren, ich bitte Dich!" , „Schwatz doch kein dummes Zeug von Glück bringen! Schmutz bringen sie. Meinst Du, ich hätte das Haus umsonst neu anstreichen lassen? Fort mit dem Dreckzeug!" (Schluß folgt.) Deutsches Reich. Berlin, 5? Mai. Dem Abgeordnetenhause ging der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Schulpflicht, zu. Nach demselben beginnt die Schulpflicht mit dem vollendeten sechsten und endet mit dem vollendeten vierzehnten Lebensjahre. Für unbegründete Schulversäumniß der Kinder ist den Eltern oder deren Stellvertreter eine Strafe von 10 Pf. bis 1 Mk., bezw. Haft von drei Stunden bis einen Tag — für jeden Tag angedroht. Arbeitgeber, welche schulpflichtige Kinder während der Unterrichtsstunden beschäftigen, werden mit Geldstrafe von 1 bis 150 Mk. oder Haft bis zu 14 Tagen bestraft. Berlin, 6. Mai. Der Gesetzentwurf, betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, lautet: _ 8 1. Die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres wird für die Zeit vom 1. October 1890 bis 31. März 1894 auf 486,983 Mann sestgestellt. (Das ist eine Vermehrung um 18,574 Mann). Die Einjährig-Freiwilligen kommen auf die Friedenspräsenzstärke nicht in Anrechnung. § 2. Vom 1. October 1890 ab werden die Infanterie in 538 Bataillone, die Eavallerie in 465 Eskadrons, die Feldartillerie in 434 Batterien, die Fußartillerie in 31 Bataillone, die Pioniere in 20 Bataillone, der Train in 21 21 Bataillone formtet. Vermischtes. * Aus Rheinhessen, 2. Mai. Die Maikäfer treten dieses Jahr in unserer Gegend massenhaft auf und richten einen großen Schaden am jungen Grün, namentlich auch an den Obstbäumen an. Noch größerer Schaden ist in folgenden Jahren durch die Engerlinge zu erwarten, wenn nicht bei Zeiten vorgebeugt wird. Die Kreisämter fordern deßhalb die ihnen unterstellten Bürgermeistereien auf, für das Einsammeln und Äbliefern der Käfer Geldpreise auszusetzen, indem sie zugleich darauf Hinweisen, daß die Käser als Düngmittel oder Hühnerfutter nutzbringende Verwendung finden können. Die Tödtung muß aber so geschehen, daß die Eier nicht lebensfähig bleiben. — Aus ungewöhnliche Art hat in der Strafanstalt zu Gr au d en z ein wegen Brandstiftung zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilter Verbrecher seinem Leben ein Ende gemacht. Er verschluckte nach und nach mehr als 2 Pfund Löthzinn und starb an dieser unverdaulichen Speise. * Wilna, 4. Mai. Ueber die Kindesmorde bringen die „Nowosti" folgende nähere Mittheilungen: Trotzdem im sogenannten Neuwelt - Stadttheile Wilnas ziemlich häufig Kinderleichen, die Spuren eines gewaltsamen Todes trugen, auf den Straßen und in Senkgruben aufgesunden worden waren, war es doch Niemanden in den Sinn gekommen, daß hier der Mord im Großen betrieben werde. Ein Zufall enthüllte, wie in Warschau, das Geheimniß. Im Hause Bankowskij, am Nowgorodschen Perenlok, wurde eine Reinigung der Retiraden vorgenommen. Die Arbeiter stießen auf den Leichnam eines Kindes, welcher auch sofort heraus- besördert wurde. An solche Funde gewöhnt, hätten sie auch diesmal der Sache keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, wenn nicht der ersten Leiche bald eine zweite und dritte gefolgt wäre. Die weiteren Nachforschungen wurden schon in Gegenwart der Polizei ausgeführt. Nach einer halben Stunde wurden noch drei halb verweste Kinderleichen aufgesunden. Es wurde sofort eine Durchsuchung des ganzen Hauses, vom Boden bis zum Keller, angestellt, jedoch nichts Verdächtiges gefunden. Die Leichen der Kinder wurden vom Stabsarzt Ogijewitsch geöffnet, welcher constatirte, daß alle lebend geboren worden. Zwei von ihnen sind durch Schläge auf den Kopf mit einem harten Gegenstand getödtet, die übrigen starben in der Senkgrube; letzeren war der Mund mit Lappen, Watte oder Papier verstopft. Von den auf- gefundenen Leichen waren zwei Knaben und vier Mädchen. Bei beiden Knaben war die rituelle Beschneidung vollzogen. Die Kinder müssen nach dem Leichenbefunde furchtbare Entbehrungen von dem Augenblicke ihrer Geburt an erduldet haben. Vier der Kinder waren nicht mehr als einen Monat, ein Mädchen drei Monate alt. Alle Leichname waren in Lappen gewickelt, die Hände ziemlich fest an den Leib gebunden. Ein Verhör des Dworniks des Hauses ergab, daß zu der im Hause wohnenden Rosa Miklaschanskaja ziemlich häufig Frauenzimmer, meist junge, kamen, welche irgend etwas in einem Tuche trugen; andere wieder kamen zur Miklaschanskaja mit Körben, die oben verdeckt waren. Auf die Frage des Dworniks gaben dieselben gewöhnlich an, daß sie Eier brächten. Die mit Körben Gekommenen gingen ohne solche fort. Der Dwornik giebt weiter an, daß die Miklaschanskaja Wöchnerinnen bei sich^aufnahm, welche dann ihre Kinder bei derselben ließen. In demselben Quartiere mit der Miklaschanskaja wohnte die 60jährige Jtka Becker, welche ihrer Hebammenrechte wegen verschiedener Mißbräuche verlustig gegangen war. Sie und eine im anderen Flügel wohnende gewisse Klubt waren augenscheinlich die Haupthelferinnen der Miklaschanskaja. Alle drei Verbrecherinnen wurden festgenommen. Verwickelt sind in diese Angelegenheit viele Personen, darunter einige Wilnaer Hebammen. Donner-tag den 8. Mai, Nachmittags 2 Uhr, versteigert Unterzeichneter Marburgerstraße 33: Möbel, Bettwerk, Porzellan und viele andere Gegenstände, namentlich kommt zum Ausgebot: Ein großer Eisschrank mit zwei Thüren, sehr schöner, vor- rüalich gut erhaltener Petroleum-Lüstre mit 3 Flammen, verschiedene größere Salonhärrgelampen und Tischlampen, Ausziehtisch für 16 Personen, großer runder Tisch mit Einlagen (letztere Gegenstände für Wirthe sehr geilet), sodann Svpha. Tische, Stühle runder starker Tisch, Klerder- schränke, Cowmode- Wascheonsole, eine starke sehr gut erhaltene zweischläfrige Bettstelle mit Sp-ungs-derernlage und 3th. 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