Nr. 6. Mittwoch den 8. Januar 1890. Der chießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Anmitieuvkätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Generat-Mnzeiger. Vierteljähriger Avonnkmentspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Rcdaction, Expedition und Druckerei: Kchukstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Tkreis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamilienbtätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Vorladung Nachdem gegen den Rekruten Heinrich Schmitt von Heppenheim, Kreisamt Worms, Hessen, aus dem Landwehrbezirk Lörrach, der förmliche Desertionsproceß eingeleitet wurde, wird derselbe hierdurch ausgefordert, spätestens in dem auf Dienstag den 15. April 1890, Vormittags 10 Uhr, im hiesigen Militärgerichtslocal anberaumten Termine sich wieder einzufinden, widrigenfalls er nach Schluß der Untersuchung in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldstrafe von 150 bis 3000 Mark verurtheilt werden wirb. Freiburg i. B-, den 6. Januar 1890. Königliches Gericht der 29. Division. Politische Ueversicht. Gießen, 7. Januar. Heber die Ansprache, welche der Kaiser am Neujahrstage bei der Parole-Ausgabe an die hierzu versammelten Generäle und anderen höheren Offiziere gerichtet hatte, wird jetzt nachträglich Näheres bekannt. Der Kaiser wies zunächst daraus hin, daß die Armee jederzeit zur Verteidigung des Vaterlandes bereit sein müsse, betonte dann zwar, daß alle Mächte, und ihnen voran Deutschland, nach Erhaltung des Friedens trachteten, erklärte jedoch weiter, daß hierdurch das Heer trotzdem nicht von seiner Pflicht, jederzeit fertig und bereit zu sein, zur Grenze zu eilen, entbunden werde. Die besondere Pflicht — fuhr der erlauchte Monarch fort — der Generäle und Offiziere sei es, dieses Stetsfertigsein vorzubereiten und jetzt namentlich gelte es, sich in die Neuformationen und in die durch das neue kleinkalibrige Gewehr und das rauchlose Pulver bedingten Aenderungen einzuleben und die Soldaten zu möglichster Selbstständigkeit zu erziehen. Mit dem Ausdrucke der Erwartung, daß Generäle und Offiziere das Ihrige thun würden, damit dies Alles in dem neubegonnenen Jahre zu gutem Ende gelange, schloß der Kaiser seine markige Ansprache. In Berliner parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß die Reichstagssesfion in der ersten Februarwoche geschlossen werden könne. Ob es aber in den vier Wochen, welche dem Reichstage alsdann noch zur Verfügung stünden, möglich sein wird, das gesammte noch übrige Arbeitsmaterial zu erledigen, möchte beinahe zu bezweifeln sein, indessen muß erst abgewartet werden, wie sich der Anfang dieser zweiten Sessionshälfte gestattet. Wenn freilich das Haus auch im neuen Jahre so große Lücken ausweisen sollte, wie dies in dem Sessionsabschnitte vor Weihnachten saft immer der Fall war und wenn zudem sich die Debatten wiederum so weitschweifig gestalten sollten, dann dürfte der Reichstag doch wohl bis zum zulässigen äußersten Termin, bis gegen den 20. Februar, zu tagen haben. In dem oberfchlesischen Kohlenbezirke sind jetzt ernstliche Einignngsverhandlungen zwischen den strikenden Bergleuten und den Grubenverwaltungen eingeleitet worden. Am Samstag conferirte der Regierungspräsident aus Oppeln in Kattowitz mit einem Vertreter des Oberbergamtes, den Landräthen von Kattowitz und Zabrze, sowie dem Direetor der Gewerkschaft von Giesches Erben, inwieweit den Forderungen der Strikenden entgegengekommen werden könne. Inzwischen hat bereits die Verwaltung des Schmiederschachtes ihren Arbeitern die von denselben in erster Linie verlangte achtstündige Arbeitszeit bewilligt und dürfte infolgedessen die Belegschaft des genannten Schachtes am 7. Januar wieder angefahren sein. Ein allgemeiner Ausstand der oberschlesischen Bergleute gilt jetzt als völlig ausgeschlossen. Zum portugiesisch-englischen Conflict liegen aus Südafrika Nachrichten vor, welche auf eine neuerliche Verschärfung desselben hindeuten. Aus ihnen erhellt, daß die Portugiesen bis Katunges am Zambesi vorgedrungen sind, die Dampfer der englisch-südafrikanischen Gesellschaft angehalten und durchsucht, sowie aus allen Stationen die Einziehung der britischen Flagge erzwungen haben. Der britische Consul in Zambesi- Land, Johnston, soll dagegen die Freundschaftsverträge mit den Makololos, Harangos und anderen Stämmen im Nyassa- Gebiet erneuert haben und stehen diese Stämme dem Vernehmen nach verbündet gegen die Portugiesen da, ja, die offenen Feindseligkeiten zwischen beiden Parteien sollen Breits begonnen haben. Falls diese Nachrichten dem wirklichen Stande der Dinge in dem strittigen südafrikanischen Gebiete entsprechen, so dürfte von dem diplomatischen Notenwechsel zwischen London und Lissabon nicht mehr viel zu hoffen sein. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 6. Januar. Die Kaiserin Augusta hatte in Folge des gestern Abend wieder eingetretenen Fiebers eine unruhige Nacht ohne erquickenden Schlaf. Der Krankheitsverlauf ist indessen dem Charaeter der Influenza entsprechend, die Kräfte erhalten sich aus noch ausreichender Höhe. Berlin, 6. Januar. Das Emin-Pascha-Comito erhielt ein Telegramm von Clemens Denhardt aus Zanzibar, er habe aus Lamu neuerdings Briefe des Dr. Peters für das Comite erhalten. Peters sei unterwegs von Kenia zum Baringosee. Berlin, 6. Januar. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." vernimmt, wurde vom Reichskanzler eine Aeußerung des preußischen Staatsministeriums über die weitere Behandlung der Angelegenheit des Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. eingefordert. Berlin, 6. Januar. Die „Nationalztg." schreibt: „In der Presse wird unter Benutzung der Thatsache, daß Sachsen und Hamburg besonders lebhaft sür Erhaltung der Ausweis u n g s b e f u g n i ß eintreten, eine angebliche Meinungsverschiedenheit zwischen dem Reichskanzler und dem Minister Herrfurth eombiuirt, indem ersterer den gedachten Regierungen zustimme, letzterer nicht, infolge dessen die Stellung Herrfurths erschüttert sei. Wir halten diese Angaben für völlig grundlos. Würzburg, 6. Januar. Der Professor der Rechte Wirsing ist heute gestorben. Wien, 5. Januar. Die heutige zweite Sitzung der Ausgleichseonserenz im Ministerrathspräsidium begann Nachmittags 2 Uhr und dauerte bis 41/2 Uhr. In derselben entwickelte Rieger im Namen der Altezechen die Stellung der böhmischen Vertreter zu den von Plener vorgebrachten Wünschen der Deutschen, und knüpfte daran die Darlegung der Wünsche der böhmischen Vertreter. Darauf erfolgte eine Reihe von Anfragen und eine längere Debatte. Die nächste Sitzung ist auf morgen Nachmittag anberaumt. — Für morgen Nachmittag 6 Uhr sind sämmtliche Mitglieder der Conferenz sowie die an derselben theilnehmenden Minister zum Diner zum Kaiser geladen. Heute gab der Ministerpräsident Graf Taaffe ein Diner bei Sacher, an welchem sämmtliche Conferenzmitglieder sowie die betheiligten Minister theilnahmen. Paris, 6. Januar. Präsident Carnot ist wieder völlig hergestellt und hielt heute Vormittag die gewöhnlichen Empfänge. London, 6. Januar. Eine von der Verwaltung der britisch-afrikanischen Seegesellschast heute veröffentlichte Depesche berichtet über Ausschreitungen der Portugiesen im Nyassa- lande und Beschimpfung der englischen Flagge durch dieselben. Das Reuter'sche Bureau erfährt, daß weder der englischen noch der portugiesischen Regierung eine den Inhalt dieser Depesche irgendwie bestätigende Nachricht zugegangen ist. Man glaubt, es handele sich um Vorfälle älteren Datums. Die Abendblätter verlangen bei der Besprechung der obigen Nachrichten allesammt Genugthuung von Seiten Portugals. London, 6. Januar. Die Influenza grassirt außer in London auch sehr heftig in den Provinzen. In Birmingham allein sind gegen 50 000 Personen von derselben befallen. Alle Londoner Krankenhäuser sind mit Jnfluenzakranken überfüllt. Der Ackerbauminister Chaplin hatte einen heftigen Jnfluenzaanfall. Lord Salisbury ist in rascher Genesung begriffen. Dublin, 6. Januar. Die Munizipalität lehnte den Antrag, die Königin zur Eröffnung des Kunstmuseums einFeuilleton. Die rettende Schwiheur. Humoristische Erinnerung eines „alten Hauses". Ich war flotter Bursch bei der „Longobardia" in der Universitätsstadt X., dem alten lieben, krähwinkligen Neste, das seitdem durch die Eisenbahn angeblich in den großen Weltverkehr mit hineingezogen worden sein soll. Nun, ich bin seit jener schönen Zeit, in der ich nebst meinen Verbindungsbrüdern die „Philister" von X. in Angst und Schrecken setzte, noch ein paar Mal in dem alten Musensitze gewesen, ich kann aber demselben bezeugen, daß er trotz des recht stattlichen Bahnhofs und der hübschen Villen in der „Bahnhofstraße" sich doch seine Physiognomie von damals noch so ziemlich bewahrt hat. Wenigstens sind die krummwinkeligen Straßen im Innern der Stadt und ebenso die altberühmten Kneipen des Centrums, wie der „Fuchsbau", der „Zapfen" und der „Stolze Häring" noch dieselben geblieben, und was den Verkehr anbelangt, so scheint sich dessen „Hebung" nur dadurch zu doeumentiren, daß jetzt das Seidel Bier im „Fuchsbau" zwanzig Pfennige, anstatt wie früher zehn Pfennige kostet und daß man im Gasthof zum „Rothen Löwen" für ein Zimmer zwei Mark zahlen muß, während es früher nur fünf „gute Groschen" kostete. Aber freilich, tempora mutantur — und wir ändern uns mit den Zeiten und daß sich eben nicht blos die Gast- hosspreise ändern, sondern auch das leichtlebige Menschenvolk selbst, das habe ich bei meiner letzten Anwesenheit in X. gemerkt. Gewiß, es herrschte unter den jungen Musensöhnen noch ein ebenso froher, lebendiger Geist wie zu „meiner Zeit" — und doch — und doch . ... es war anders geworden! Oder hätte mich sonst der junge Vandalenfuchs, der meinen Lootsen während der Nachhausesahrt vom „Zapfen" zum „Rothen Löwen" abgab, ordentlich rührend gebeten, den behelmspitzten Wächter des Gesetzes in Ruhe zu lassen, der mich immer so höhnisch anlächelte? Oder — um die Sache von einer anderen Seite zu beleuchten — gingen wir damals so geschniegelt und gebügelt, trugen wir damals solch' schöne rothe und gelbe Handschuhe, rochen wir damals so nach „mille de fleurs“, spielte damals der „Kneifer" eine solche Rolle, als dies heutzutage in der akademischen Welt der Fall ist? . . . doch, wohin gerathe ich mit meinen Betrachtungen, — ich wollte ja ein lustiges Stücklein aus meiner Studentenzeit erzählen, aber keineswegs eine Charaeteristik der heutigen akademischen Jugend im Vergleiche zu der Generation der Musensöhne vor etwa 30 Jahren geben. Nun also, wie schon angedeutet, ich war ein flottes Haus, pauckte mich tüchtig auf dem Fechtboden und der Mensur herum, hatte mit Schustergesellen und Bauernburschen meine regelmäßigen „Holzereien", war überhaupt der Schrecken aller Nachtwächter von X. und führte im Uebrigen eben ein so sorgloses und fröhliches, ja tolles Leben, wie man es als Studio im vierten Semester und gestützt auf einen sehr anständigen Wechsel, nur immer führen kann. Als Jurist hatte ich zwar verschiedene staatsrechtliche Collegia belegt, doch ließ ich mich nur höchst selten in denselben blicken — lieber Gott, wer ging denn auch des „Studirens halber" groß nach X.? Höchstens doch nur einige Muttersöhnchen, gewesene „Zierden" der Gymnasien, die gewissenhaft ihr Triennium, oder wenn es hoch kam, ihre sieben bis acht Semester „abschraubten" um dann „examine bene“ oder gar „optime superato“ schleunigst in Amt und Würden zu gelangen, aber wir Andern hatten es gar nicht so eilig, das luftige Studentenleben mit dem Dasein eines „Philisters" zu vertauschen, und vollends ich, der als Schläger wie als Trinker in X. gleichberühmte wilde „Longobarde" bezeigte hierzu noch nicht die geringste Neigung. Mein „Alter" nun, welcher in N., einem etwa zehn Meilen von L. entfernten großen Dorfe das sogen. Erblehn- gericht besaß, mußte trotz der sehr mangelhaften Verbindung zwischen beiden Orten auf irgend eine Weise von meinem Treiben Wind bekommen haben. Denn eines schönen Tages brachte mir der alte, bucklige Stadtpostbote Donner eine väterliche Epistel, welche leider nicht den von mir gewünschten Nachschuß von „Moos", wohl aber eine eindringliche Strafpredigt enthielt und mir für nächste Zeit den Besuch meiner Frau Mama in Aussicht stellte, die sich persönlich über das Thun und Treiben ihres Sprößlings informiren wollte. Indessen, ich hielt diese Mittheilung nur für einen Schreckschuß — wie, meine liebe, dicke Mama, welche die Bequemlichkeit über Alles liebte, sollte sich viele Stunden lang in einen Postwagen einzwängen und nach X. rädern lassen, lediglich, um einmal nach ihrem Söhnchen auszuschauen? Lächerlich, da glaubte ich die verehrte Mama viel zu gut zu kennen, und was Vater anbelangte, so wußte ich ohnehin, daß ihm dessen mannichfaltige Berufsgeschäfte nur sehr selten einmal erlaubten, von zu Hause abzukommen — was war da also zu fürchten? Und doch sollte mir das „Verhängniß" näher sein als ich annehmen durfte. Im Saale des „Grauen Wolf", einem Gasthofe, in welchem gewöhnlich die ländlichen Honoratioren aus der Umgegend Absteigequartier nahmen, wenn sie ihre Geschäfte nach unserer Musenstadt fiihrten, pflegten die Longobarden in corpore zu paucken, wenn es sich darum handelte, irgend eine neue „Finte" oder dergleichen einzuüben. Dies war auch an einem schönen Junivormittag der Fall gewesen und nach beendigtem Exereitium stürmten wir, die Nappiere noch in der Hand, mitten unter uns die beiden Verbindungshunde (Forts, folgt.) Straße zu gelangen. „Styx" und „Pluto" — wahre Prachtexemplare von Bernhardinern — die schmale Stiege herunter, die unmittelbar neben der Thoreinfahrt zum „Grauen Wolf" in die Hausflur einmündete, um uns durch einen tüchtigen Frühtrunk drüben im „Fuchsbau" für die gehabten Anstrengungen zu entschädigen. Nun hielt aber gerade vor der Thoreinfahrt ein Wagen, eine jener ungeheuer schwerfälligen und ungeheuer weitbauchigen Familienkutschen, wie sie zu jener Zeit wohl nicht nur bei den ländlichen Honoratioren der Umgebung von L. im Gebrauch waren. Vor diese Familienarche waren zwei Ackergäule gespannt, die vor Fett beinahe platzten, während oben auf dem Bock ein ebenfalls höchst wohlbeleibter, aber äußerst mürrisch aussehender Kutscher, den man für die Fahrt nach L. offenbar ganz eigens in seine wunderliche, altmodische Livree gesteckt hatte, thronte, und durch.ungeduldiges Peitschenknallen Franz,. den Hausknecht im „Grauen Wolf", herbeizucitiren suchte. Das Kutschenungethüm war von seinem Lenker mit einem wunderbar zu nennenden Ungeschick ganz dicht vor die Thoreinfahrt dirigirt worden, so daß wir uns dicht an der Wand hätten hindrücken müssen, um aus die geschlossen werden kann, sobald die Erkrankungsziffer unter I zahlreich, daß diese Maßnahmen nothwendig geworden, dagegen den Schülern zu deren Ungunsten von dem allgemeinen Gange ist mit wenigen Ausnahmen fast das gesammte Lehrpersonal der Epidemie abweicht. Natürlich kann auch der Schluß des ' von dem Leiden befallen. Unter den Lehrern und Lehrerinnen Unterrichts durch einen im Verhältniß zur Gesammtzahl hohen I der Volksschulen sind nur vereinzelte Fälle von Erkrankungen Krankenbestand unter -Lehrern oder Schülern bedingt werden. \ ausgetreten, weshalb der Unterricht an diesen Schulen nicht „Hessen-Darmstädter Zeitung" wurde von einer Gesellschaft das Ansinnen gestellt, zu ermitteln, wie viel Hessen- Darmstädter sich in den Vereinigten Staaten niedergelassen haben möchten. Die genannte Zeitung kommt nun diesem Wunsche nach und erhebt in allen Staaten die nöthigen Ermittelungen. Ein auf diese Angelegenheit sich beziehender größerer Artikel enthält die Worte: „Aus keinem anderen Theile von Deutschland kamen so viele gute Geschäftsleute, Handwerker und Arbeiter, als aus Hessen. Jede Branche ist vertreten- selbst der Gelehrtenstand weist tüchtige Namen auf. Aerzte gibt es in großer Anzahl und viele derselben erfreuen sich einer großen Praxis und eines vorzüglichen Cocoles uttö provinzielles. Gießen, 7. Januar. — Der eben erschienene Verwaltungsbericht der Großh. Bürgermeisterei Gießen für das Jahr 1888/89 weist in seiner Einleitung auf die schmerzliche Erinnerung an die schweren Verluste hin, welche dieser Zeitraum dem Deutschen Reiche, dem Großherzogthum im Ganzen und unserer Stadt im Besonderen gebracht hat. Das deutsche Volk betrauerte in diesem Jahre den Hingang Kaiser Friedrichs, das Hessenvolk den unserem Herrscherhause angehörigen Prinzen Alexander von Hessen, die Einwohnerschaft Gießens ihren nach mehrjährigem Leiden am 17. April 1889 entschlafenen Oberbürgermeister Bramm. Was die Thätigkeit innerhalb der Vermischtes. * Darmstadt, 4. Januar. (Po st personalnach richte n.) Der Postassistent Löwer in Schlitz ist zum Postverwalter ernannt worden. Versetzt sind der Ober-Postassistent Wagner von Grünberg (Hessen) nach Mainz, der Postassistent Heß von Michelstadt nach Darmstadt. In den Ruhestand treten der Ober-Postsecretär Stammler in Offenbach (Main) und ber Postverwalter Schuchmann in Großbieberau. * Darmstadt, 5. Januar. Der hessische Landes-Lehrerverein hat in dem verflossenen Jahrzehnt einen bedeutenden Fortschritt zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl ist während desselben von 1400 auf 2400, das Vereinsorgan, „Der Schulbote für Hessen", ist von einer Auflage von 1500 zu einer solchen von 2600 Exemplaren gestiegen, das Vereinsvermögen von 1189 M. auf circa 9000 M. angewachsen. Zu den vorhandenen, in bester Blüthe stehenden Wohlthätig- keitsinstitu.'en trat noch der so segensreich wirkende „Verein provisorisch angestellter Lehrer zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen". Die Wittwenpensionen wurden erhöht und auch für die materielle Besserstellung der Lehrer, vornehmlich derer auf dem Lande, ist die Thätigkeit des Vereins (wie wir wohl von dem demnächst zusammentretenden Landtag hoffen dürfen) nicht ohne Erfolg geblieben. * Darmstadt, 6. Januar. Auf Grund des erlassenen Ministerial-Ausschreibens in Betreff des befürchteten Weiterumsichgreifens der Influenza sind auch hier sämmtliche Schulen geschlossen worden. Wie nothwendig dies war, geht aus der Thatsache hervor, daß in vielen Klassen eine sehr beträchtliche Anzahl von Schülern an der Influenza erkrankt ist. So waren, wie die „N. Hess. Volksbl." mittheilen, bei i Beginn des Unterrichts am Freitag den 3. Januar in der Mädchen-Mittelschule ca. 180, am folgenden Tage bereits über 220 Schülerinnen erkrankt. Drei Lehrer und zwei Lehrerinnen waren ebenfalls von dieser Krankheit heimgesucht. *□ Offenbach, 6. Januar. Hier herrscht ganz ungewöhnlich starker Nebel, welcher namentlich den Eisenbahn- zuladcn, mit großer Majorität ab. Die nationalistischen I Mitglieder erklärten, ihrer Zustimmung zu diesem Anträge würde aller Wahrscheinlichkeit nach politische Bedeutung gegeben werden- sie würden sich damit unter die Auspizien einer Regierung stellen, die sie verabscheuten. Lüttich, 6. Januar. In den Kohlengruben der Cocke- | rills-Gesellschaft Marihaye hat sich die Zahl der S t r i k e n d c n erheblich vermindert. In drei Kohlengruben des linken Maasufers wird theilweise gestrikt. Von den Arbeitgebern wird durchweg weitere Lohnerhöhung zugestanden und hofft man den Ausstand bald beendet zu sehen. Unordnungen haben nirgends stattgcfunden. Pavia, 6. Januar. Der Po ist über seine Ufer getreten und hat den Damm bei Mezzanino zerstört, wodurch zehn Häuser eingestürzt sind. Auch die Ortschaft Busca ist bedroht. Madrid, 6. Januar. Nach einem von der „Gaceta" veröffentlichten ärztlichen Bericht erfreute sich der König, welcher von feinem Unwohlsein noch immer nicht genesen ist, gestern wiederholt längerer Ruhe. Belgrad, 5. Januar. Die Meldung des auf Seiten der Opposition stehenden Blattes „Srpska Nezawisnast", daß Serbien und Montenegro für den Fall eines wiederholten Angriffs von Arnauten auf das Kloster Detsch eine bewaffnete Intervention angedroht hätten, wird regierungsseitig als müßige Erfindung bezeichnet. Anläßlich des letzten Ueberfalles auf das Kloster sei lediglich eine Vorstellung und das Ersuchen an die Pforte gerichtet worden, dem Kloster entsprechenden Schutz zu gewähren. Die Annahme auswärtiger Blätter, welche das Journal „Srpska Nezawisnost" als ein Organ des Regenten Ristic hinstellten, entbehre der Begründung- Ristie stehe über den Parteien und es sei eine vollständige Willkürlichkeit, denselben mit einem Organ der Opposition in Verbindung zu bringen. — Die Influenza ist hier im Erlöschen, hat sich aber im Innern des Landes weiter ausgebreitet. Zanzibar, 6. Januar. Nachdem am 25. Deeember der Angriff eines Streifcorps der deutschen Schutztruppe aus das befestigte Lager Bana Heris mit dem Verluste von fünf Todten und sechs Verwundeten zurückgeschlagen war, erstürmte und zerstörte Wißmann am 5. Januar die mit 1500 Mann besetzte Position Bana Heris- deutscherseits wurden zwei Weiße und zehn Eingeborene verwundet. New-Hort, 6. Januar. Die Grippe nimmt hier noch zu, die Sterblichkeit ist eine ungewöhnlich große. Washington, 6. Januar. Senator Frye bringt heute eine Vorlage, durch welche die Postverwaltung ermächtigt werden soll, Contraete abzuschließen behufs Transportes der Postsachen zwischen den Häsen der Union und auswärtigen Häfen durch Stahldampfer, welche in Amerika erbaut sind und Amerikanern gehören« Berlin, 7. Januar. (Privatdepefche.) Seit heute Morgen 3 Uhr zeigen sich bei der Kaiserin Augusta, nachdem dieselbe die Nacht über, wenn auch mit Unterbrechungen, geschlafen, Behinderungen der Athmung durch Erschwerung der Expectoration. Die Kräfte der Kaiserin gehen in besorgniß- erregender Weise zurück. Berlin, 7. Januar. (Privatdepesche.) Das Kaiserpaar und die badischen Herrschaften sind seit ö1/2 Uhr früh bei der Kaiserin Augusta. Das neueste Bulletin um 9 Uhr Vormittags meldet: Weitere Steigerung der Athembeschwerden und Kräfteabnahme. * Deutlicher Wink. Minister: „Richtig, Sie sind der Herr Referendar, der mir bei der Parthie aus das Finsterahorn den Weg gezeigt hat. Es geht mir öfters so, daß ich die Leute zwar kenne, aber ich weiß nicht, was ich aus ihnen machen soll. — Referendar: „Einen Assessor, wenn ich bitten dürfte, Excellenz!" städtischen Verwaltung betrifft, so sagt der Bericht, daß die Stadtverordneten - Versammlung in 35 Sitzungen über 814 Gegenstände verhandelt hat. Von den verschiedenen Deputationen beschäftigte sich die Baudeputation, die Commission für das Feuerlöschwesen und die Friedhofs-Commission in 32 Sitzungen mit 518 Gegenständen, die Finanz-Commission in 13 Sitzungen mit 31 Gegenständen, die Deputation für das Gas- und Wasserwerk in 20 Sitzungen mit 130 Gegenständen, die Schlachthaus-Commission in 7 Sitzungen mit 37 Gegenständen, die juristische Commission in 8 Sitzungen mit 26 Gegenständen, die Commission zur Prüfung der Gesuche um Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein in । 4 Sitzungen mit 12 Gegenständen, die Schuleommission in I 4 Sitzungen mit 6 Gegenständen, die Deputation für das Einquartierungswesen in 3 Sitzungen mit 3 Gegenständen, die Commission für das Turnwesen in 3 Sitzungen mit 3 Gegenständen, die Landw. Commission in 3 Sitzungen mit 5 Gegenständen, die Commission für Festsetzung der Jahrmärkte in 2 Sitzungen mit 5 Gegenständen. Die Armen- I Deputation verhandelte in 25 Sitzungen über 551 Gegenstände, I der Schulvorstand in 6 Sitzungen über 31 Gegenstände, das I Kuratorium für die höhere und erweiterte Mädchenschule in I 6 Sitzungen über 9 Gegenstände. Das Geschäftsjournal für I die Eingänge bei der Bürgermeisterei, dem Standesamt und I der Armendeputation weist 8477 Nummern auf. Der nach einer an 2 Tagen monatlich angestellten Durchschnittsberech- nung ermittelte Personenverkehr im Kalenderjahre 1888 betrug I auf der Bürgermeisterei 18 600, auf dem Standesamt 5200, auf dem Bureau der Armen-Verwaltung 6400 Personen. I Bon 27 im Jahre 1888 anhängig gemachten Gewerbstreitig- I feiten wurden 8 durch förmliches Urtheil entschieden- in 17 Fällen kam ein Vergleich zu Stande und in 2 Fällen blieb die Sache auf Antrag der Kläger ruhen. In 100 Be- I leidigungssachen wurde Termin gemäß § 420 der Straf- proceßordnung anberaumt, es wurde hiervon in 20 Fällen eine Einigung erzielt, in 74 Fällen blieben diese Be- I mühungen erfolglos, in 6 Fällen wurde Beruhenlaffen der Sache beantragt. -r. Die Zahl der Todesfälle in unserer Stadt ist in der vergangenen Woche im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Monaten nur unwesentlich gestiegen. Der Deeember 1889 nimmt mit 42 Todesfällen und einer Sterblichkeitsziffer von 24,9 °/00 unter sämmtlichen Monaten des abgelaufenen Jahres die achte Stelle ein - ungünstigere Verhältnisse weisen auf: | September mit 43, März mit 45, Mai mit 49 und Juli । mit 52 Todesfällen. Im Durchschnitt starben im Deeember in der Woche 9 bis 10 Personen, darunter 2 bis 3 von auswärts nach Gießen gebrachte, während in der vergangenen Woche 11 Todesfälle vorkamen, von welchen 3 auf Auswärtige entfallen. Besonders hervorzuheben ist, daß kein Todesfall durch acute Erkrankung der Athmungsorganc bedingt wurde- ein Sterbefall wurde mit der herrschenden Influenza in Verbindung gebracht, alle übrigen stehen außer jedem Zusammenhang mir der Epidemie. Jedenfalls hält sich die Sterblichkeit in der vergangenen Woche durchaus in den Grenzen, welche durch die Jahreszeit gegeben sind- Grund zu besonderer Beunruhigung liegt nicht vor. Allerdings kann i nicht genug betont werden, daß Influenza-Kranke auch nach Ablauf der Krankheit sich schonen müssen und sich nicht den Schädlichkeiten ungünstiger Witterung aussetzen dürfen. Denn aus zurückgebliebenen Krankheitserscheinungen (z. B. Husten) können sich bei Vernachlässigung derselben leicht noch ernstere Nachkrankheiten entwickeln und außerdem schützt das einmalige Ueberstehen der Krankheit durchaus nicht vor einer abermaligen Erkrankung - leicht kann aber der zweite Anfall schlimmer werden, wie der erste, wenn nicht beachtete Folgen der ersten Attaaue zu ernsteren Complicationen führen. — Die beiden hiesigen D. C. Burschenschaften Alemannia und Germania begehen im Verein mit dem Marburger D. C. die Feier des 18. Januar 1890, zugleich als Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät Kaiser Wilhelms II. und des 75jährigen Bestehens der deutschen Burschenschaft, durch einen Festeommers im Saalbau zu Marburg. Namens der Gießener „Alten Herren" haben unterzeichnet: Geheuner Hofrath Prof. Dr. Oncken (Franconia - Heidelberg) , Gymnasiallehrer Dr. Weiffenbach (Alemannia-Gießen), Polizeirath Fresenius (Germania-Gießen). — lieber die für nächsten Donnerstag aus der Tagesordnung der Stadtverordneten-Versammlung stehende Verkaufsofferte betr. der Schüler'schen Besitzung wird in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt werden. — Anerkennung. An die in New-Uork erscheinende — Zch warne, meiner Frau etwas zu borgen. Fast täglich findet man in den Zeitungen Inserate, in denen irgend ein unglücklicher Ehemann, der von seiner Frau verlassen ist, einen Jeden warnt, derselben etwas zu borgen, da er für nichts aufkomme. Nun, es mag ja Vorkommen, daß Mancher, der die Warnung gelesen har und die betreffende Ehefrau kennt, sich dadurch abhalten läßt, ihr etwas auf Credit zu geben. Rechtlich aber sind solche Privatbekanntmachungen selbst Demjenigen gegenüber, der sie nachweislich gelesen hat — insofern bedeutungslos, als sie die Haftung des Mannes für Schulden der Ehefrau, die sich auf den Haushalt beziehen, nicht beseitigen. Hat die Frau trotz der Warnung zu gewöhnlichen Haushaltungsgeschäften oder Noth- bürften Maaren ober Sachen auf Borg entnommen, so muß ber Mann begleichen Schuld als bie seinige anerkennen. Will er sich bagegen wirksam schützen, so muß er bie Hilfe bes zustänbigen Amtsgerichts in Anspruch nehmen, bas bann bie bezügliche öffentliche Bekanntmachung zur Verhütung künftiger Schulben bieser Art erläßt. — Der Meister bes in vor. Nr. erwähnten Metzgerlehrlings theilt uns mit, daß er den Lehrling nicht nach W. geschickt, um ein Stück Vieh zu „holen", sondern um beim Transport eines solchen behilflich zu sein. Ohne zuzugeben, daß die Art des dem Lehrling erthellten Auftrags von Einfluß auf den vermutheten Unglücksfall gewesen ist, geben wir dieser „Berichtigung" hiermit Raum. Aus Oberheffeu, 5. Januar. Ernannt wurde: am 28. Deeember der Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Lauterbach Dr. Ludwig Matthias zum Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Bingen, der Kreisassistenzarzt Dr. Theodor Ziesing in Gedern zum Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Lauterbach, sowie der vractische Arzt Dr. Hermann Stigell aus Mainz zum Kreisassistenzarzt des Kreisgesundheitsamts Schotten mit dem Amtssitze zu Gedern. Grünberg, 5. Januar. Im Jahre 1889 wurden in der Pfarrei Grünberg 51 Kinder geboren, 15 Paare getraut, 62 Personen beerdigt. Konfirmirt wurden 70 Kinder, zum heiligen Abendmahl gingen 1336 Personen., Die Summe der in Grünberg eingegangenen Eollecte belief sich auf insgesammt 413 Mk., ausschließlich der in den eingepfarrten Gemeinden Srangenrod und Lehnheim eingegangenen Eolleeten. Friedberg. Hier und in der ganzen Umgegend hat die I Grippe nun auch ihren Einzug gehalten und kommen die Erkrankungen massenhaft vor. In den hiesigen Apotheken werden die Antipyrinpulver 500weise angefertigt. In der Stadt selbst sollen 600 Erkrankungen vorgekommen sein. Ans der Umgegend von Büdingen meldet der „Büd. Allg. Anz.": „Die Influenza greift auch bei uns immer weiter um sich. In allen Kreisen, Ständen und Lebensaltern finden Erkrankungen statt und Arzt und Apotheken haben alle Hände voll zu thun. Das Beste ist, daß das Hebel meistens gut- I artig verläuft." Ulrichstein, 5. Januar. Bei der hiesigen Spar- und I Leihkaffe werden vom 1. Januar d. I. ab, alle Einlagen mit 372%/ alle Ausleihungen mit 4l/2% verzinst. betrieb sehr stört. So ist auch der heute Nachmittag 4 Uhr u - । 5 Min. hier ankommende Schnellzug bei der Station Klein- Steinheim auf einen Kohlenwagen gestoßen - größeres Unheil, — Daß das Gymnasium den Unterricht zunächst wieder namentlich Beschädigung von Menschen ist dabei glücklicherausgenommen hat, geschah nach gewissenhaftester Abwägung I weife jedoch nicht zu beklagen. aller in Betracht kommenden Momente, wie sie der äugen- I *△ Mainz, 6. Januar. Heute wurden hier infolge der blickliche Stand der Epidemie, die ihren Höhepunkt wohl be- Influenza das Gymnasium, das Realgymnasium und die reits erreicht hat, an die Hand gibt. Täglich wird daselbst I höhere Töchterschule geschlossen. Die Erkrankungen unter den die Zahl der Neuerkrankungen notirt, damit die Anstalt sofort I Schülern und Schülerinnen sind glücklicherweise nicht so gestört ist. Bei den Beamten der Ludwigsbahn greift die Krankheit noch fortwährend um sich und zwar in der Art, daß eine Einschränkung des Verkehrs zu befürchten ist. Das städtische Rochushospital wie auch das Vincenzhospital sind schon seit Wochen bis auf den letzten Winkel belegt und müssen alle Tage wegen Mangel an Betten eine größere Anzahl Kranke abgewiesen werden. Um die Berten rasch vermehren zu können, hat das Militär die benöthigten Decken re. der städtischen Verwaltung zur Verfügung gestellt. * Worms, 4. Januar. Die Influenza hat sich auch hier und zwar sehr stark eingestellt. Heute wurden 65 Personen im Hospital angemeldet; in den Apotheken sind nicht Hände genug, um die täglichen Hunderte von Recepten anzufertigen - im Ganzen sollen 4000 Personen erkrankt sein. Ein auf den 28. December angekündigt gewesenes Schülerconcert des Herrn Musikdirector Kiebitz mußte, da fast die Hälfte der Concertanten erkrankte, bis auf Weiteres verschoben werden. Alle Aerzte unserer Stadt sind derart von Morgens bis in die Nacht hinein in Anspruch genommen, daß dieselben kaum noch so viel Zeit erübrigen, sich selbst etwas auszuruhen. * Marburg, 4. Januar. Die Influenza (Grippe) tritt auch in hiesiger Stadt in intensiver Weise auf und dürste wohl kein' Haus mehr vorhanden sein, wo sie nicht durch Erkrankung einzelner Personen oder ganzer Familien ibren Einzug gehalten hätte. Auch in der Kaserne des Jägerbataillons kamen zahlreiche Erkrankungen vor und hatte beispielsweise die 2. Compagnie an einem Tage 30 Kranke zu verzeichnen. Hoffen wir, daß dieser unheimliche Gast bald wieder von der Bildfläche verschwindet. * Die Frankfurter Privatpost hat vom 31. December bis 2. Januar nicht weniger als 200000 Briefe befördert. Der Zufluß von Gratulationen war so groß, daß auf dem Börneplatz eine weitere Briefannahmestelle errichtet werden mußte. * Berlin, 4. Januar. Im Tragen der Infanterie- Patronentaschen steht eine Aenderung bevor. Die eine Tasche soll vorn, die andere hinten getragen werden- die Anbringung der letzteren macht zugleich eine Aenderung des Tornisters nothwendig. Die betreffenden Neu-Anschaffungen sollen zu gleicher Zeit mit dem kleinkalibrigen Repetirgewehr zur Einführung gelangen. * Die Jahreszahl 1890, die wir jetzt zu schreiben haben, besitzt die Eigenthümlichkeit, daß ihre einzelnen Ziffern, wenn man sie zusammen zählt, eine durch 9 theilbare Zahl ergeben, daß aber auch die Summe der beiden ersten und die der beiden letzten Ziffern durch 9 ohne Rest theilbar ist, ja daß die Summe der beiden ersten so viel wie die Summe der beiden letzten beträgt, und daß endlich die erste und zweite — als Zahl betrachtet — in die dritte und vierte, auch als Zahl angesehen, ohne Rest aufgeht. * Kindermund. In der Familie des Landgerichtsrathes L. ist sonst in jedem Jahre während der Bescheerung der Weihnachtsmann erschienen. In diesem Jahre aber hat der Hausherr das Nichterscheinen desselben angeordnet, „da die Jungens nun doch schon zu groß seieil". Als nun am heiligen Abend die Bescheerung stattgefunden und der Weihnachtsmann durchaus nicht kommen wollte, bemächtigte sich der beiden Knaben, welche im Alter von sieben und sechs Jahren stehen, eine Unruhe, die sich von Minute zu Minute steigerte. Endlich hielt es der jüngere nicht mehr aus. „Papa", ries er, kommt denn heute der Weihnachtsmann nicht? Ich habe so einen schönen Glückwunsch gelernt." „Der wird wohl heute nicht kommen", versetzte lächelnd der Vater. „Ja, aber warum denn nicht?" Als der Vater, um eine Antwort verlegen, schwieg, meldete sich plötzlich der Aeltere mit den Worten: „Ich weiß schon, er wird wahrscheinlich die Jnfolenza haben." * Kampf gegen gesundheitsschädliche Mode. Um die weibliche Putz- und Mode-Sucht, welche durch einzelne beharrliche Launen auch die Gesundheit beeinträchtigt, zu bekämpfen, hat sich in Wien ein Verein von Ehemännern gebildet. Dieselben übernehmen die Verpflichtung, die Namen der durch ihre Kleidung besonders auffallenden Damen ausfindig zu machen. Es wird dann, wenn dies geschehen ist, denselben eine Einladung zugeschickt mit dem Inhalte: „Dame N. N. von Wien wird ersucht, an einer an dem und dem Tage über Modenärrinnen stattfindenden Besprechung theilzunehmen." Diese Karten sollen wahre Wunder wirken. Verkehr, Land« ttnfc Volkrivirthsehaft. Gießen, 7. Januar. [Marktbericht.] Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. x 0,80—1,00, Hühnereier 1 St. 8-9, 2 St. —. H, Enteneier 1 St. 0- H, 2 St. — Gänseeier — H, Käse pr St. 4—7 Käsematte pr- St. 3 Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen vr. Liter 30 Tauben pr. Paar X 0,50—0,60, Hübner pr. Slück X 0,85—1.00, Hahnen pr. St. X 0,60-1,20, Enten pr- Stück X 1,70—2,00, Gänse pr. Pfd 60-70 H, Ochsenfleisch pr. Pfd 66-72 Kuh- und Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 60—70 H, Hammelfleisch 50—66 Kalbfleisch 56-60 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 4,00—4,80, Weißkraut pr St- 6—8 -A, Zwiebeln per Centner X 8,00—9,00, Milch vr. Liter 12-18 H. Seiden Grenadines, schwarz und farbig (auch alle Lichtfarben) Mk. 1.55 p. Met. bis Mk. 14.80 (in 12 versch. Qual.) — versendet robenweise porto- und zollfrei das Fabrik- D6pot G. Henneberg (K. u K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Pf. Porto. 246 RademannS Kindeemehl, der goldenen Medaille, unerreicht i. Näbrwerth und Leichtverdaulichkeit, ist nächst der Muttermilch thatsächlich die beste und zuträglichste Nahrung für Säuglinge. Zu haben ä X 1.20 pro Büchse in allen Apotheken, Drogen- und Colonialwaarenhandlungen. [7 Spielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater. Opernha«-. Mittwoch den 8. Januar, Nachmittags 3>/, Uhr: Dorfbarbier. Hierauf: Die Puppenfee. Ermäßigte Preise. Donnerstag den 9. Januar: Euryanthe. Gewöhnliche Preise. Freitag den 10. Januar geschlossen. Samstag den 11. Januar, Nachmittags 3V, Uhr: Dorf barbier. Puppenfee. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Die üdin. Gewöhnliche Preise. ,, ,. Sonntag den 12. Januar, Nachmittags 3Va Uhr: D orfbar6ter. Puppensee. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Oberon. Gewöhnliche Preise. Schauspielhaus. Mittwoch den 8. Januar: Kabale und Liebe. Gewöhn- üd)e Donnerstag den 9. Januar: Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer. Zum ersten Mate: Fifi. Schwank in 4 Acten von Meilhac und Hadoy. Außer Abonnement. Gewöhnliche Preise. Freitag den 10. Januar: Gastspiel des Herrn Felix Schwerg- hofer. 3um ersten Male wiederholt: Fifi. Gewöhnliche Preise. Samstag den 11. Januar: Zum ersten Male: Mariannens Mutter. Schauspiel in 4 Acten von PaulLindau. Anfang 7Uhr. Gewöhnliche Preise. , Sonntag den 12. Januar: Vorletztes Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer. Zum ersten Male: Der Schutzgeift. Lustspiel in 3 Acten von Rosen. Hierauf: Zum ersten Male: Hollenzwang. Anfang 7 Uhr. Gewöhnliche Preise. Montag den 13. Januar: Letztes Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer. Zum ersten Male wiederholt: Der Schutzgeist. Hierauf: Höllenzwang. Gewöhnliche Preise. Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Gießen. 1. Woche. Vom 29. December 1889 bis 4. Januar 1890. Einwohnerzahl: 20 200 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 28,3 o/co. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensiahr: 2.—15. Jahr: Schlagflußdes Gehirns 2 2 Tuberkulose des ... Gehirns 1 (1) —- — 1 W Tuberkulose d. Lungen 3 (1) 3 (1) — Lungenerweiterung 1. 1 — Lungenblutschlag (bei Influenza) 11 — Organ. Herzkrankheit 1 1 Krebs 1 (1) 1 (1) “ “ Altersschwäche__________1__________1_________~~_______________ . Summa: 11 (3) 10 (2) — 1 (1) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Bibelstunde am Mittwoch den 8. Januar, Abends8Uhr, in der Kleinkinderschule, Offenbarung Johannis, Cap. 1, Eingang: Offenbarung des, was geschehen soll, Segenswunsch an die Leser, der Herr kommt! Pfarrer vr. Naumann. Missionsstunde am Donnerstag, den 9. Januar, Abends 8 Uhr, in der Kirche: über die dermalige Lage und Aufgabe der evangel. Mission in Ostafrika. Pfarrer Dingeldey. 14 11 •J n n n )> u n 12 11 1) H 11 Nach auswärts in Kisten zu 24 grossen oder 36 halben Flaschen. 41 UÖhLiirlCr, Exportbierbrauerei, Giessen. i/2 Flasche (SD 4 von & s & A. Fangmann 192 26 26 24 CD- r- Franziskaner (dunkel) Pilsener. ft Ä 1/1 Flasche von Mk. 2. von Mk. 1.50 an •sw Wer Sprachen kennt, ist reich zu nennen 249] Krankheitshalber beabsichtige ich, mein Marktstandzeug zu verkaufen- „ , i Karl Gtohr, Wallthorstraße 51. Gehr. Wes Flaschenbier. Für 3 Mark werden frei ins Haus geliefert: Gg. Scherer & Co., Langen. Alleinige 2slie