25./IV. 2./V. 93.70 94.15 84.95 86.80 87.1» 104.1» .279.40 176/ 105.2? id) den neue; \ wird, sodaß 104.10 97.95 64.25 100.90 100.85 83.40 107- 107.’» 64.25 100.65 101.— 83.75- K kirchener 2%, iu dm gomen 1.80 auf 92.70. 105-15 132.5? *l0 , j39.8?J— 143.20 l46 40 go- 109- 97 50 100-2» V2390I123 80 57.20 64.25 92.30 92.15 85.80 177.501176.5» 164.45 )164- ,161.10 im;» 108.30 "1-0 86.10 86.65 102.451102.60 18.3 5 18.50 !S4.S0 105.6» ersweg 53. ick, entbaltenb ie, verschlicßb.. 'fstraße 38. t Cabinet ju Baue 211. He Wohnung cer 1890 Rr. 104 Amts- unb Anzeigeblatt sür den "Kreis Gieren chratisöeikage: Gießener Jamitienölätter. ASe Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. III Stand der erweiterten Volksschulen nach Beginn des Schuljahres 1890/91. Wo sich erweiterte Volksschulen befinden, ist ganz nach Schema I über dieselben zu berichten- Die Berichte sind genau nach vorstehendem Schema unter Beibehaltung derselben Bezeichnungen abzufassen. v. Gagern. Vierteljähriger ASormementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Sch»tstraßeZlr.7. Fernsprecher 51. das bleibt nun freilich zunächst noch abzuwarten, indeffen deuten die vorhandenen Anzeichen doch schon darauf hin, daß man auf beiden Seiten bestrebt sein wird, ein erträgliches gegenseitiges Einvernehmen herzustellen und so vollzieht sich die Eröffnung der neuen Legislaturperiode im Reiche unter anscheinend nicht ungünstigen Anzeichen. Was die gesetzgeberischen Ausgaben der bevorstehenden Reichstagssesfion anbelangt , so werden neben einigen Vorlagen untergeordneter Bedeutung und den nie fehlenden Initiativanträgen aus dem Hause bekanntlich Entwürfe über die anderweitige Feststellung der Friedenspräsenzstärke des Heeres, über neue colonialpolitische Forderungen für Deutfch-Ostafrika, über die Erhöhung der Besoldung der Reichsbeamten, ferner die beiden socialpolitischen Vorlagen, betr. die Einigungsämter und Gewerbegerichte, und betr. die Abänderung der Gewerbeordnung, sowie selbstverständlich der Reichsetat, mit welchem übrigens die drei erstgenannten Vorlagen zusammenhängen, erwartet. Zweifellos wird die kaiserliche Thronrede über das Arbeits- Programm des Reichstages Näheres bringen und sieht man ihr mit um so gröberer Spannung entgegen, als sie vermuth- lich auch die Acht-Stunden-Bewegung berühren wird. Die Session des bayerischen Landtages, welche diesmal in der Abgeordnetenkammer bei der Etatsberathung so aufregende Zwischenfälle zeitigte, ist am Samstag geschlossen nn Darmstadt, 3. Mai. Zweite Kammer der Stände. Die Kammer trat heute in die Schluhberathung über das Gesetz für die Nebenbahnen in Hessen. Zunächst genehmigt das Haus unter dem Widerspruch Großh. Regierung den Antrag der Abg. Haas, Gutfleisch und Genossen aus Weiterführung der bereits genehmigten Bahn tion Grünberg nach Londorf bis nach Lollar (Main-Weserbahn) mit 29 Stimmen. Deutscher ricich. Darmstadt, 3. Mai. Das gestern ausgegebene Grobherzogliche Regierungsblatt Nr. 14 enthält. 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Dienst-Instruction für die Großherzogl. Gerichtsvollzieher betreffend. 2. Aussührungsvorschriften, die Unfallversicherung ber int staatlichen Baubetrieb des Großherzogthums beschäftigten Personen betreffend. 3. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Verlegung des Sitzes der „Bergmeisterei Gießen" nach Bad Nauheim betreffend. politische Ueversicht. Gießen, 5. Mai. Aus der am Donnerstag abgehaltenen Wochenplenar- sitzuna des Bundesrathes ist als der bemerkenswertheste Vor- aanci die Zustimmung der Versammlung zu der schon erfolgten Überweisung des Gesetzentwurfes über Frredensprasenz- stärke des deutschen Heeres an die Ausschüsse hervorzuheben. Ueber den Inhalt der neuen Militärvorlage ist zwar von amtlicher Seite noch nichts Bestimmtes mitgetheilt worden, aber von verschiedenen Seiten versichert man übereinstimmend, sie werde sich einerseits aus die Vermehrung der Artillerie, | anderseits auf die vollständige Ausbildung der beiden neuen Armeecorps, des 16. und 17., durch Verstärkung der einzelnen Bataillone auf ca. 700 Mann, d. h. auf den höchsten^FriedenS- etatsstand, beziehen. Der Friedenspräsenzstand der Infanterie würde sich durch letztere Maßregel um etwa 5 000 Mann erhöhen derjenige der Artillerie aber würde durch Vermehrung der Feldartillerie um 54 Batterien und Ausrüstung der Batterien der Grenzarmeecorps mit je 16 Geschützen schon in Friedenszeiten um etwas mehr als 6 000 Mann erhöht werden. Was die Geltungsdauer des neuen Gesetzes anbe- angt, so wird behauptet, daß es nur auf vier Jahre gelten würde, also bis zum Ablauf des jetzigen, vom 11. März 1887 datirenden Septennatsgesetzes, und dies würde bekanntlich am 31. März 1894 der Fall sein. Die neue Vorlage würde demnach eine Durchbrechung des Septennatsgesetzes bedeuten, doch wird der Wortlaut der Vorlage noch abzuwarten sein. Der im vergangenen Februar gewählte neue deutsche Reichstag tritt an diesem Dienstag zum ersten Mal zusammen und hiermit beginnt ein neuer wichtiger Abschnitt in der inneren politischen Geschichte Deutschlands. Eine neue Regierung und eine neue Volksvertretung stehen sich gegenüber und die Entwickelung des Verhältnisses zwischen beiden Fac- toren wird wesentlich auch die Gestaltung unserer gesummten innern Politik für die nächste Zukunft bedingen. Wie sich Regierung und Parlament im Reiche zu einander stellen werden, Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener M.mitreuötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. worden. c Die Befriedigung über den unerwartet ruhigen Verlauf des „ersten Mai" giebt sich namentlich in Oesterreich kund, wo man der Kundgebung der Arbeiterschaft in Hinblick aus I die vorangegangenen vielfachen Ausschreitungen in ziemlich gedrückter Stimmung entgegensah. Um so größer ist jetzt die Genugthuung der öffentlichen Meinung des Kaiserstaates darüber, daß, abgesehen von den Zwischenfällen in Proßnitz und einigen andern Punkten, Alles so glatt abaegangen ist. Diesen Gefühlen verliehen sämmtliche Wiener Morgenblatter vom Freitag beredten Ausdruck und auch im österreichischen Abgeordnetenhause wurde am Freitag des ruhigen Verlaufes des 1. Mai gedacht. Doch erscheint die lange Periode der gewerblichen Beunruhigung Oesterreichs durch größere Strikes noch nicht abgeschlossen; u. A. greift der Weberstrike m Oesterreich-Schlesien weiter um sich, indessen sind noch keine Ausschreitungen gemeldet worden. . In der französischen Hauptstadt ist der 1. Mm doch nicht ohne einigen Krakehl vorübergegangen, wie der blutige Zusammenstoß der Municipalgarde mit einer großen Schaar Manifestanten in der Rue de Cirque beweist, bei welchem gegen 30 Personen verwundet und über 100 verhaftet wurden; weitere Folgen hatte der Vorfall aber nicht. Verhaftungen von tumultuirenden Personen erfolgten ferner in .^royes, Marseille und einigen andern Städten. Dagegen nimmt der Arbeiter-Ausstand in den großen Jndustriebezirken von Roubaix und Turcoing im nördlichen Frankreich einen immer ernsteren Charakter an. In Roubaix striken 30000, in Turcoing und Umgegend sogar gegen 50000 Arbeiter und machen sich namentlich in Roubaix anarchistische Wühlereien sehr bemerklich In Roubaix wie Turcoing ist Militär stationirt und mußte dasselbe schon wiederholt gegen die Sinkenden einschreiten. — Rach boulangistischen Blättern soll sich Bou- lauger bereit erklärt haben, in Gemeinschaft mit Rochefort nach Frankreich zurückzukehren. Abwarten! gegengebracht hätte, als seither geschehen. Er wünscht bestimmte Auskunft darüber, wie die Sache liege. Wenn es wahr sei, was Staatsminister Finger in letzter Woche hier im Hause erklärt habe, daß Preußen nie einen Druck auf Hessen ausgeübt habe, so müsse es doch bei dem Juteresse, welches Oberhessen an dieser Bahn habe, doch wohl möglich sein, diese Sache zu fördern. Die hierfür Seitens der Regierung zu bringenden Opfer würden sicherlich nicht so groß sein als man sie durch den Verkauf der Main-Weser- Bahn gebracht habe. Ministerialpräsident Weber erwidert gereizt, die Großh. Regierung habe im Laufe der Debatte genügend Auskunft über die Angelegenheit gegeben. Wünsche der Abg. Wester- nacher noch nähere Auskunft, so müsse sich derselbe an bie Königl. Preußische Regierung wenden. Er frage den Abgeordneten, woher er wisse, daß die Großh. Regierung Schuld an der Verschleppung trage. Habe die Hessische Regierung dieses Mißtrauen verdient? Abg. Wasserburg glaubt nicht, daß der Abgeordnete Westernacher beabsichtigt habe, der Großh. Regierung ein Mißtrauens-Votum auszustellen. Auch er müsse den Wunsch ausdrücken, daß die Großh. Regierung Alles aufbieten solle, um die Erbauung dieser Bahn zu erwirken. In gleichem Sinne sprechen die Abgg. Graf Oriola und Dr. Gutfleisch. . Abg. Jöckel kann die Gereiztheit des Staatsministers Weber gar nicht begreifen. Für was seien denn die Abgeordneten da, als daß sie sagen, wie sie denken. Da-» Publikum wünsche Aufklärung und da liege nichts näher, als. daß der Abgeordnete sich an die Regierung wende, um sie zu erhalten. Auch er schließe sich dem Ausschußantrag an. Ministerialpräsident Weber hat nichts dagegen einzuwenden, wenn an Großh. Regierung das Ersuchen gerichtet werde. Mit einer nicht sehr angenehmen Drohung sei er aber nicht einverstanden. Auch gegen die Ansicht, daß man in Ober- hessischen Kreisen denke, daß wenn man preußisch wäre, sei die Bahn schon gebaut, müsse er entschieden Front machen. Der Ausschußantrag wird hiernach einstimmig angenommen. Ministerialpräsident Weber nimmt noch einmal Gelegenheit, die Kammer vor weiteren Anträgen zu neuen Bahn- projecten zu warnen und genug sein zu lassen des grausamen Spiels. Er glaube, daß, nachdem eine nicht geringe Zahl von Nebenbahnen dem Gesetz noch hinzugefügt worden seien, die Kosten sich etwa auf 18—20 Millionen Mark belaufen wurden. Es sei doch nöthig, daß man mit den Verwilligungen auch einmal einhalten müsse. Hinsichtlich des Antrages des Abgeordneten Pfannstiel beschließt die Kammer, trotzdem sich Ministerialpräsident Weber Namens Großh. Regierung gegen das Projeet ausspricht, mit 27 Stimmen die Einstellung der Bahn m das Gesetz. Auch der Antrag der Abgg. Schade und Grünewald wegen Erbauung einer Nebenbahn von Alsfeld nach Kirtorf bis zur Landesgrenze und derjenigen des Abg. Jöckel auf Erbauung einer Nebenbahn von Friedberg nach I Homburg sind et nach lebhaften Debatten Annahme. Morgen früh Fortsetzung der Verhandlungen. nn. Darmstadt, 2. Mai. Zweite Kammer der Stände. Nachmittags-Sitzung. Die Kammer beschäftigt sich heute ausschließlich mit einer Reihe von Anträgen, welche zur Erbauung der Nebenbahnen gestellt sind. Zunächst steht ein Antrag des Ausschusses zu den Nebenbahnen von Oberhessen zur Discussion, welcher lautet: Großh. Regierung zu ersuchen, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß in Bälde der Bau einer Nebenbahn von Stockheim nach Frankfurt a. M. in Erwägung gezogen wird Auch der Antrag der Abg. Ohly, Hermann und Schönberger auf Weiterführung der bereits im Betrieb befindlichen Nebenbahn Reinheim-Reichelsheim nach Fürth findet, trotzdem Oberbaurath Wetz auf die ungeheuren Schwierigkeiten hmge- wiesen hat, welche der Bau eines Tunnels am Gumpener Kreuz bereitet, nach warmer Befürwortung der Antragsteller die Annahme des Hauses. Abg. Arnold beantragt den Bau einer Nebenbahn von Waldmichelbach nach Fürth und Waldmichelbach nach Hirschhorn. Derselbe weist aus die Armuth der dortigen Gegend, welcher durch den Bau einer Bahn sicher ein großer Dienst erwiesen würde, da diese Gegend zahlreiche Steinbruche besitze. Sollte das Haus seinen Antrag nicht genehmigen, so sei er auch mit i ent Bau der Linie Waldmichclbach-Fiirth einverstanden. „ , Auch die Abg. Ohly, Kredel und Osann haltetr ' Uba Westernacher wünscht, daß man dieser Bahn den Bau der Bahnen dortselbst füx äußerst nöth-g, wel nöthi- bon Seiten Großh Regierung etwas mehr Sympathie ent- | g-r als z. B. die Strecke von Reinhetm nach Dieburg. Amtlicher TheU. Gießen, am 3. Mai 1890. Betr.: Statistische Nachweisungen über das Volksschulwesen im Kreise Gießen. Die Großh. Kreis-Schulcommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir sehen Ihren Berichten in rubr. Betreff innerhalb S £agtn entgegen über: I. Stand der einfachen Volksschule nach Beginn des Schuljahres 1890/91. a. ohne Schulgeld, b. mit Schulgeld. Zahl der Schulkinder: Nach dem Geschlecht: a. im Ganzen. b. Knaben, c. Mädchen. Nach dem Bekenntniß: a. evangelische, b. römisch-katholische, c. israelitische, d. anderer Confession. II. Stand der Fortbildungsschulen nach Beginn der Schul, periode 1889/90. Zahl der Fortbildungsschulen: ä. einklassig, b. zweiklassig, c. dreiklasfig rc. Zahl der Schüler nach dem Bekenntniß: a. evangelische, . b. römisch-katholische, c. israelitische, d. anderer Confession, 6. im Ganzen. Dienstag den 6. Mai________________________ Wener Anzeiger Kenerat-Htnzeiger. D ie Abstimmung ergibt die Einstellung der Linie Wald- -michelbach-Fürth gegen 3 Stimmen. Abg. Breimer stellt den Antrag, die Verbindung Hetzbach-Beerfelden herbeiführen zu wollen, da in dortiger Gegend der wirtschaftliche Niedergang der Bevölkerung zu consta- tiren. Die Gegend sei zwar scheinbar reich, aber bettelarm. Abg. Kredel würde es für unverantwortlich halten, wenn man diesen Antrag nicht berücksichtigen wolle. Ministerialpräsident Weber kann sich Namens der Negierung in keiner Weise für diesen Antrag erwärmen, da durch diese Bahn Beerfelden wenig geholfen sei und dieselbe den Staat jährlich etwa 20,000 Mk. kosten würde. Ueberhaupt wisse die Regierung nicht, in welcher Weise sie die vielen Bahnen ausführen sollte. Nach erfolgter Abstimmung erfolgt die Ablehnung des Antrags Breimer auf sofortigen Bau der Bahn mit allen gegen 10 Stimmen; dagegen beschließt die Kammer einstimmig, das Project der Regierung zur Erwägung und weiteren Vorlage anheim zu geben. Dasselbe geschieht mit dem Antrag Heinz er ling aus Erbauung einer Bahn von Bickenbach nach Jugenheim mit 3 Stimmen. Bezüglich des Antrags Ohly, Schröder und Gen. auf Erbauung einer Bahn von Darmstadt nach Griesheim- Oppenheim im Anschluß an die Strecke Alzey-Oppenheim beantragt der Ausschuß, denselben der Großh. Regierung zur Erwägung zu überweisen. Nach einer eingehenden Begründung des Antrags durch den Antragsteller tritt das Haus dem Ausschußantrag einstimmig bei. Auch ein Antrag des Abg. Stephan auf Weiterführung der beschlossenen Linie von Osthofen-Rheindürkheim nach Eich wird in gleichem Sinne erledigt. Hiermit sind vorerst die eingegangenen Anträge auf Erbauung von Nebenbahnen erledigt, wozu nach der Erklärung des Ministerpräsidenten Weber etwa 20 Millionen Mark erforderlich sein dürsten. Das Haus tritt sodann in die Berathung des Artikel 2 des Gesetzes, welcher den Bau und Betrieb der bewilligten Nebenbahnen regelt. Die Regierung beabsichtigt, einen Theil der Nebenbahnen, hauptsächlich die rheinhessischen Linien, in Bau und Betrieb von Privat - Unternehmern zu geben, will aber die Oberaufsicht in den Händen behalten. Die Mehrheit des Ausschusses beantragt jedoch, da sie eine derartige Betriebsübergabe für den Staat für nachtheilig hält, den Betrieb und den Bau durch den Staat herbeiführen zu wollen. Eine Ausschuß-Minderheit stimmt der Ansicht der Regierung zu. Nach einer sehr erregten Debatte, wobei die Abgeord- ueten Wolfskehl, Jöst, Wasserburg, Möhn sich dem Anträge der Minderheit des Ausschusses, sowie der Regierung anschließen, während Schröder Namens der Mehrheit gegen den Regierungsantrag spricht, wird der Antrag der Ausschußminderheit fast einstimmig angenommen. Die Artikel 3 bis 6 des Gesetzes finden unveränderte Annahme. Hiernach vertagt sich das Haus bis zum 19. Mai d. I. Berlin, 3. Mai. Der Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatsminister und Vice - Präsident des Staatsministeriums, Dr. v. Boettich er, hat unterm 3. d. M. nachstehende Bekanntmachung erlassen: Mit Bezugnahme auf die in Nr. 12 des Reichs-Gesetzblattes verkündete Kaiserliche Verordnung vom 8. v. Mts., durch welche der Reichstag berufen ist, am 6. d. M. in Berlin zusammenzutreten, wird hierdurch bekannt gemacht, daß die Eröffnung des Reichstags an diesem Tage um 12 Uhr Mittags im Weißen Saale des hiesigen Residenzschlosses stattfinden wird. Zuvor wird ein Gottesdienst und zwar für die Mitglieder der evangelischen Kirche in der Schloßkapelle um 11 Uhr, für die Mitglieder der katholischen Kirche in der St. Hedwigskirche um IP/j Uhr abgehalten werden. Die weiteren Mittheilungen über die Eröffnungssitzung erfolgen in dem Bureau des Reichstags, Leipzigerstraße 4, am 5. ds. Mrs., in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und am 6. dss. Mts., von 8 Uhr Vormittags ab. e In diesem Bureau werden auch die Legitimationskarten für die Eröffnungssitzung und die Einlaßkarten für die Zuschauer ausgegeben, sowie alle sonst erforderlichen Mit- rheilungen gemacht werden. Berlin, 3. Mai. Der Bun desrath ertheilte in der am 3. ds. unter dem Vorsitz des Vicepräsidenten des Staats- minifteriums, Staatssecretärs des Innern, Dr. v. Boetticher, abgehaltenen Plenarsitzung dem Entwurf eines Gesetzes, betr. Abänderung der Gewerbeordnung, die Zustimmung. Der Entwurf von Bestimmungen über die Bearbeitung der Ergebnisse der Volkszählung von 1890 wurde den Ausschüssen für Rechnungswesen, für das Landheer und die Festungen und für Zoll- und Steuerwesen zur Vorberathung übergeben. Mit der bereits erfolgten Ueberweisung des Gesetzentwurfs, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für das Etatsjahr 1890—91, an den Ausschuß für Rechnungswesen, erklärte sich die Versammlung einverstanden. Berlin, 3. Mai. Das Abgeordnetenhaus beschließt, den Gesetzentwurf, betreffend Rentengüter, über den Sombart, Saffel, Leer, Below, Enneccerus, Krause und Heydebrand sich günstig, Belle und Rickert sich ungünstig geäußert haben, an eine Commission von 21 Mitgliedern zu überweisen. Der Minister Lucius hält es für die beste Empfehlung des Gesetzes, daß dasselbe nur facultativ sein solle. Die Erfahrungen damit in Westpreußen und Posen seien sehr günstige. Der übrige Theil der Tagesordnung wird nach unerheblichen Debatten erledigt. Nächste Sitzung Dienstag. Potsdam, 3. Mai. Se. Majestät der Kaiser hat heute Nachmittag 1 Uhr mittelst Sondcrzugcs die Reise nach Altenburg angetreten. Altenburg, 3. Mai. Seine Majestät der Kaiser traf Nachmittags 5 Uhr 30 Min. hier ein und wurde am Bahnhofe, auf welchem eine Ehrencompagnie aufgestellt war und wo auch die Behörden zum Empfange anwesend waren, von dem Herzog, sowie den Prinzen Albert und Ernst aus das Herzlichste begrüßt. Bei der Einfahrt in die festlich geschmückte Stadt brachte die dichtgedrängte Menschenmenge Sr. Majestät enthusiastische Ovationen dar. Chemnitz, 3. Mai. Eine für gestern einberufene Versammlung der Arbeitgeber der Eisenindustrie beschloß, da das gemeinsame Vorgehen sich so erfolgreich gezeigt habe, eine ständige Vereinigung für den Chemnitzer Jndustriebezirk zu gründen. Diese solle mit den anderen, den gleichen Zweck verfolgenden Vereinigungen Fühlung nehmen, um dadurch zur Bildung eines allgemeinen deutschen Verbandes zu gelangen, als Schutzwälle gegen muthwillig heraufbeschworene Strikes. Ausland. Paris, 3. Mai. Dem „Temps" zufolge sind der Marauis Mores, sowie Prevost, Cuiffe und mehrere andere Anarchisten wieder in Freiheit gesetzt worden. — Das Zuchtpolizeigericht hat etwa 40 Personen, welche wegen Theil- nahme an Manifestationen am 1. Mai unter Anklage gestellt waren, theils in Geldstrafeti, theils zu Gesängnißstrafen bis zu 3 Monaten verurtheilt. Paris, 3. Mai. Nach hier eingegangenen Meldungen ist die Zahl der Ausständigen inTourcoing auf 70,000, in Roubaix auf 50,000 angewachsen. Gestern Abend wurde die Ruhe nicht gestört, einige Anarchisten wurden verhaftet. Madrid, 3. Mai. Der Ausschuß der Socialisten hat heute durch Maueranschlag zur Theilnahme an einer morgen stattfindenden Arbeiter Versammlung eingeladen, welche Beschlüsse zu Gunsten des achtstündigen Arbeitstages fassen soll. In der Stadt herrscht vollständige Ruhe. London, 3. Mai. Gestern Abend sand zu Ehren Stanleys ein großer Empfang in der St. James Hall statt, wozu sich eine zahlreiche Gesellschaft eingefunden hatte. Auch der Prinz und die Prinzessin von Wales, der Herzog und die Herzogin von Edinburg sowie mehrere Minister waren anwesend. Der Prinz von Wales führte den Vorsitz. Stanley hielt eine lange Rede, an deren Beginn er sagte, es sei ihm nicht gestattet, über Emin zu sprechen. Das Comite habe anfänglich beschlossen, eine Expedition solle von der Ostküste Afrikas unternommen werden; alle Vorbereitungen seien bereits getroffen gewesen, als das Comite die Nachricht erhielt, daß die französische Negierung sich gegen die Route ausgesprochen habe. Deshalb sollte der Weg vom Congo aus genommen werden. Der einzige Zweck der letzten Expedition sei gewesen, Emin Hilfe zu bringen. Stanley schilderte schließlich eingehend den Marsch der Expedition und hob auf das Anerkennendste die Gastfreundschaft der deutschen Offiziere an der Ostküste hervor. — Das Unterhaus verwarf mit 256 gegen 218 Stimmen den Antrag Camerons auf Entstaatlichung der schottischen Kirche. Konstantinopel, 3. Mai. Der Sultan Abdul Hamid hat aus eigener Initiative den Auftrag zur Gründung eines großen Asyls für bedürftige türkisch e Staatsangehörige ohne Unterschied der Rasse oder Religion ertheilt. Außer den Räumen für Unterricht und Handarbeit soll dasselbe eine Moschee, eine Kirche und eine Synagoge enthalten. Die philantropische Maßnahme hat auf die Bevölkerung einen tiefen Eindruck gemacht. San Francisco, 3. Mai. Es haben hier 1200 Tischler und 750 Mühlenarbeiter die Arbeit eingestellt. Dieselben fordern den achtstündigen Arbeitstag. Neueste Nachrichten. WoiffS telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 4. Mai. Wie die „Post" erfährt, gedenkt der Kaiser den Reichstag persönlich zu eröffnen. Berlin, 4. Mai. Um zwei Uhr bewegte sich unter großer Betheiligung der L e i ch e n z u g des Reichsbankprüsidenten v. Dechend nach dem Kirchhofe. Hinter dem Leichenwagen folgte ein kaiserlicher Galawagen, hieran schlossen sich sämmt- liche Reichsbankbeamte; eine endlose Reihe von Wagen Leidtragender folgte. Berlin, 4. Mai. Die deutsche Mission nach Marokko, welche dazu bestimmt war, den neuernannten Vertreter dort einzusühren und gleichzeitig Geschenke Sr. Majestät des Kaisers an den Sultan zu überbringen, hat am 27. April ihren feierlichen Einzug in Fez gehalten und die glänzendste Aufnahme gesunden. Bochum, 4. Mai. Die constituirende Versammlung des neuen Bergarbeiter-Verbandes hat heute ein Statut angenommen, demzufolge Socialdemokraten als Leiter und Mitglieder des Verbandes ausgeschlossen sind. Paris, 4. Mai. Wie die Blätter aus Lyon melden, sei neuerdings in den Wohnungen von Anarchisten Material zur Fabrikation von Dynamit, sowie fertiges Dynamit gefunden worden. — In Roubaix hat in der Nacht ein Zusammenstoß zwischen Militär und den Strikenden stattgesunden, wobei mehrere Personen verwundet wurden. London, 4. Mai. Heute Mittag begaben sich die Arbeiter Londons in zwei großartigen Zügen mit zahlreichen Musikcorps und Hunderten von Bannern vom Victoria Embankment am Themse-Quai nach Hyde Park, wo 15 Tribünen für die Redner errichtet sind. Gegenwärtig sind etwa 100 000 Personen in Hyde Park versammelt- Störungen der öffentlichen Ordnung sind bis jetzt nicht vorgekommen. Zweck der Demonstration ist, von dem Parlament die gesetzliche Festsetzung des achtstündigen Arbeitstages zu verlangen. Madrid, 4. Mai. Nach den Meldungen aus den Provinzen herrscht überall, mit Ausnahme von Barcelona und der Provinz Malaga, vollständig Ruhe, doch werden anläßlich der für heute augekündigten Arbeitertundgebuilgen Ruhestörungen befürchtet. In Barcelona zerstreuen die Truppen der Bürgergarde jeweils die Ansammlungen der Strikenden. In der Provinz Malaga nimmt die Strike-Bewegung größere Dimensionen an, namentlich in Antequera, wo mehrere Verhaftungen vorgenommen worden sind. Livorno, 4. Mai. Die Fiakerkutscher, das Personal der Pferdebahn- und Omnibusgesellschaft, sowie die Kunsttischler und Gehilfen ähnlicher Gewerbe, ferner die Gasarbeiter haben seit heute früh die Arbeit eingestellt. Die Behörde hat für die abendliche öffentliche Beleuchtung Vorsorge getroffen. Barcelona, 3. Mai. Das Militär war Nachmittags mehrmals genöthigt, die Hauptplätze mit dem Bayonnet zu räumen. Die Strikenden bewarfen das Militär mit Steinen- auch einige Revolverschüffe wurden abgefeuert, jedoch Niemand verletzt. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Das Kriegsgericht verurtheilte einen der Anarchisten zu Zwangsarbeit, fünf andere zu zehnjährigem Gefängniß. Barcelona, 4. Mai. Das Standrecht wurde auf ganz Catalonien ausgedehnt. Weitere am Abend ftattgehabte Ansammlungen von Strikenden wurden von den Truppen zerstreut. Das Militär feuerte aus die Menge, ohne jedoch Jemand zu verletzen. Sofia, 4. Mai. Das Kriegsgericht in der Panitza-An- gelegenheit hat beschlossen, den Proceß am 15. Mai zu eröffnen. Die Verhandlungen sollen öffentlich geführt werden. Bukarest, 4. Mai. Die D e p u t i r t e n k a m m e r nahm das Pensionsgesetz für Civilbeamte mit 84 gegen 7 Stimmen an und vertagte sich bis zum Mittwoch. Cocolcs und provinzielle». Gießen, 5. Mai. — Der Einbrecher, welcher in der Nacht vom 1. aus 2. d. Mts. in einer Wirtschaft zu Heuchelheim sowie in zwei Wirthschaften an der Rodheimerstraße und in einem Privathause der Bahnhofstraße zu Gießen einbrach, wurde in der Person eines berüchtigten Friedrich Kett er aus Rockenberg ermittelt und durch Zufall am 3. d. Mts. in Frankfurt a. M. verhaftet. Ein von Gießen am Samstag zufällig aus dem Polizeipräsidium zu Frankfurt anwesender Schutzmann hörte gerade, daß dort die Anzeige gemacht sei, ein Mensch habe in der dortigen Herberge verschiedene Silber- gegenstände, als Serviettenringe, Löffel, Messer ?c. verkauft. Der hiesige Schutzmann bezeichnete diese Gegenstände als die im Hochstätter'schen Hause zu Gießen mittelst Einsteigens gestohlenen, worauf der Obengenannte durch zwei Frankfurter Crimmalschutzmänner auf der Herberge verhaftet und nach dem Polizeipräsidium geführt wurde, wo er alsbald, da er von dem Gießener Schutzmanne persönlich erkannt war, seinen fremden Namen fallen ließ und ein offenes Geständniß ablegte. Die gestohlenen Gegenstände hatte der Einbrecher in der Nacht nach der That theilweise im Walde bei Gr.-Linden, theilweise in der Nähe von Rechtenbach versteckt. Der Thäter ist ein äußerst gefährlicher Mensch, er war bei seiner Verhaftung im Besitze eines scharf geladenen Revolvers. Das Silberzeug, welches auf der Herberge zu Frankfurt bereits verkauft war, wurde bei dem Abnehmer erhoben und dieser selbst wegen Hehlerei sofort verhaftet. R. Lauterbach, 5. Mai. Durch allerhöchste Verfügung, Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 28. v. Mts. wurde Herr Dr. jur. Ludwig Sommerlad aus Wieseck zur Rechtsanwaltschaft bei Großh. Amtsgericht Lauterbach zugelassen. vermischte». * Darmstadt, 2. Mai. Po st personalnachrichten. Der Postanwärter Ehrhardt in Darmstadt ist als Post- ajfiftent angestellt worden. — Ernannt ist der Telegraphenassistent Appenheimer in Fürth (Odenw.) zum Postverwalter. — Versetzt wurde der Telegraphenassistent Spahn von Elberfeld nach Lauterbach (Hessen). — Der Postassistent Merz in Mainz ist gestorben. △* Mainz, 4. Mai. Wie von verschiedenen Seiten mit- getheilt wird, wird auch in diesem Sommer das Großherzogliche Hoflager nach Mainz verlegt werden. Der Großherzog soll nämlich beabsichtigen, die im verflossenen Jahr bei Dr. Metzger in Wiesbaden begonnene Kur sortzusetzen und während dieser Zeit hier Wohnung zu nehmen. — Wie das „M. I.", angeblich aus bester Quelle, wissen will, wird Kaiser Wilhelm gelegentlich einer demnächst zu bethätigenden Rheinreise auch Mainz besuchen. — In einer in der kommenden Woche stattfindenden Versammlung des hiesigen Vereins für Reform des Be- stattungswesens und Zulassung der Feuerbestattung wird die Erbauung eines Leichenverbrennungsofens ins Auge gefaßt werden. Ferner soll die Einführung einer gegenseitigen Versicherungskaffe beschlossen werden, welche den Mitgliedern bei Bezahlung eines Beitrags die Bestattung durch Feuer im Falle des Todes sichert. — Die Zahl der Hunde hat in der letzten Zeit hier derart zugenommen, daß diese Vierfüßler grade zu einer Plage geworden find. Mit Rücksicht hierauf ist eine neue Polizeiverordnung für die Stadt Mainz in Vorbereitung, worin strenge Strafbestimmungen bezüglich der Ueberwachung der Hunde enthalten sind. * — Frankfurt, 3. Mai. Der Jahresbericht der hiesigen Handelskammer beschäftigt sich u. a. auch mit der geplanten Errichtung eines süddeutschen Fernsprechnetzes. Der Bericht spricht seine Ansicht dahin aus, daß die Verhandlungen zwischen den preußischen, bayrischen und württem- bergischen Postverwaltungen noch zu keinem Resultat geführt haben müßten, da die Handelskammer seit September keinerlei Nachricht über diese Angelegenheit erhalten habe. Der Bericht spricht sodann den Wunsch aus, die Postverwaltungen möchten in Zukunft annehmbarere Bedingungen stellen, denn wenn z. B. das Reichspvstamt für die Strecke Frankfurt a. M.- Carlsruhe eine Garantiesumme von 18000 svrdere, so komme das einem Verbot des Fernsprechverkehrs fast gleich. Würden auch durch vermehrte Telephonanlagen hin und wieder vielleicht die Einnahmen aus dem Telegraphenverkehr geschmälert, so dürfe das eine Verzögerung des Ausbaues des Fernsprechnetzes nicht herbeiführen, es würde sich sonst das sonderbare Bild zeigen, daß aus rein fiscalischen Gründen, aus reinen Rücksichten aus die Verzinsung des Anlagekapitals neue Verbesserungen des Verkehrs bekämpft würden. — Ue&er die Bier Production am hiesigen Platz sagt der Bericht: 17 Brauereien producirten 627271 Hectoliter gegen 606135 Hectoliter in 1888 und 419263 Hectoliter in 1880. Von diesen 17 Brauereien befinden sich 11 in Aktienbesitz. Braugehülfen wurden in allen Brauereien zusammen durchschnittlich 750 beschäftigt. Die Bezahlung schwankte zwischen lgi/2_35 Mk. Die Bierausfuhr stieg in Folge der Pariser Weltausstellung von 16886 Hectoliter im Jahre 1888 auf 18248 Hectoliter im Berichtsjahre. 1883 betrug die Bierausfuhr noch 40606 Hectoliter, dieselbe zeigt daher, vom Berichtsjahre abgesehen, eine stetige Abnahme. Ebenso verhält es sich mit der Einfuhr bayrischen Bieres. Im Jahre 1886 wurden noch 27326 Hectoliter eingesührt, 1888 nur noch 12618 Hectoliter, 1889 dagegen 14077 Hectoliter, es war also im abgelaufenen Jahre wieder eine kleine Steigerung zu verzeichnen. Da sich die Aus- und Einfuhr von Bier verringert, während sich die Production stetig hebt, ergibt sich von selbst, daß sich der Consnm einheimischen Bieres beträchtlich steigert. * Berlin, 1. Mai. Die Entführung eines zweijährigen Mädchens wird durch folgenden Anschlag an den Säulen bekannt gemacht: Am Bußtag, den 30. April, zwischen 10 und 11 Uhr Vormittags, ist mein Töchterchen Alma, blondhaarig, schwarze Augen, volles Gesicht, 2 Jahre alt, durch eine Frau mit angeblich rothem Kleide und solchem Tuche entführt worden. Das Kind war bekleidet mit graubuntem Wollenkleid, weißer Schürze, schwarzem Halstuch, grau-rotheu Strümpfen und Lederschuhen. Mittheilungen über den Verbleib des Kindes bitten die bekümmerten Eltern an sie direct oder jedes Polizei-Bürcau gelangen zu lassen. Friedr. Heno, Bergmannstraße 13. Eingesandt. Betr.: Die Verwendung von Rinderblut zur Wurstbereitung. Gießen, 5. Mat. In der Stadtverordneten-Verlammluna vom 1. Mai ist die Blutfrage und die hiermit im Zusammenhang stehende Wurstbereitung in der ausgiebigsten Weise verhandelt worden. Obgleich es für jeden reinlichen Schweinemetzger einerlei sein kann, wenn seine Waare in der Oeffentlichkeit besprochen wird, entstehen doch sehr nachtheiltge Folgen für ihn, wenn einzelne unentbehrliche Theile der Zusammensetzung durch allzu schwarze Ausmalung Mißtrauen im consumirenden Publikum erwecken. Zum Auffangen von Blut von dem nach Israel. Ritus geschlachteten Vieh möge Nachstehendes dienen: Rinderblut wird nur dann vom Schweinemetzger verwandt, wenn Schweineblut nicht ausreicht, oder solches in heißer Jahreszeit schwarz mithin unbrauchbar geworden ist. Diesen Standpunkt haben beide in der Schlachthaus-Commissionssitzung anwesende Metzger vertreten. Ein Unterschied des Nährwerthes, sowie der Güte ist bis jetzt von keinem Gelehrten seftgestellt worden; mithin kann beides Verwendung finden. Es gibt sogar Gegenden, wo Rinderblut dem Schweineblut vorgezogen wird. Das Verbot des Auffangens von Blut nach oben angeführtem Schlacht-Ritus würde dem gänzlichen Verbot von Blutauffangen gleichstehen, da im Gießener Schlachthaus fast alles Großvieh geschachtet wird. Eine Einschränkung des Schlacht- Ritus ist hierdurch nicht zu erzielen; kein Ochsen- oder Rinder- Metzger wird den Fleischoerkauf an seine israelitische Kundschaft entbehren wollen. Ob ein derartiges Verbot gerechtfertigt erscheint dem Gewerbe gegenüber, dem man außer den dtrecten Abgaben jährlich noch 50—60 000 AL indirecte auferlegt — hierüber wollen wir uns kein Urtheil erlauben. Einwendungen, die für das Verbot sprechen, wie solche von allen zuständigen Behörden ausgestellt und denen auch ein verehrlicher Stadtoorstand beigetreten, können nicht stichhaltig erscheinen, so lange die geehrten Herren Gesetzgeber nicht ihren theoretischen Standpunkt aufgeben und fick practisch von der Verunreinigung überzeugen. Bei sorgfältigem Auffangen wird Ihnen dies nie gelingen. Es sei noch bemerkt, daß jeder reinliche Schweinemetzger sein bester Schutzmann selbst ist und kein Blut verarbeitet, welches Unreinlichketten enthält. Selbstverständlich bleibt den hiesigen Metzgern nichts übrig als weiter zu petttioniren; es ist kaum anzunehmen, daß die zuständige Behörde ein Gesetz genehmigen wird, das nicht allein einen Angriff in das Gewerbe gestattet, sondern zeitweise einen Theil desselben verbietet. Verkehr, Land- rind Volkswirtschaft. Grünberg, 3. Mai. (Fruchtpreise). Weizen AL 20,30, Korn AL 18,40, Gerste AL 18,00, Hafer AL 17,50, Erbsen AL 20,00, Wicken AL 23,00, Lein AL 00,00, Kartoffeln AL 3,00, Linsen AL 00. Schiffsnachrichten. Bremen, 3. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Lahn, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 23. April von Bremen und am 25. April von Southampton abgegangen war, ist gestern 7 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 3. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Fulda, Capt. R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. >Aprtl von Bremen und am 23. April von Southampton abgegangen war, ist gestern 6 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Der Postdampfer' „Rhynland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 2. Mat wohlbehalten in Newyork angekommen. Brrxkin, reine Wolle, nadelfertig, 1168 ca. 140 cm. breit, ä Mk 1.95 Pfg. per Meter, versendet direct jedes beliebige Quantum das BuxkiN'FabrikDöpot Oettinger & Co., Frankfurt a. M.— Musterauswahl umgehend franco. Temperatur in Gießen. April 1890. Niederste — Mittlere 4- Mittel früherer Jahre + Höchste + Niederschlag an 13 Tagen „ im Mittel früherer Jahre an 12 Tagen 2,5 *B. 6,82 „ 6,79 „ 14,8 „ 1,65 Par. Zoll. 1,39 „ „ Temperatur der Kahn und der Lust am 4. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser IO1 /2, Luft 144/z Gr. Rübs amen. Spielplan der vereinigten IranKfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 6. Mai: Hamlet. (Oper.) Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 7. Mai: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Dorfbarbter. Hierauf: Die Puppenfee. Zum Schluß: Flotte Bursche. Außer Abonnement. Donnerstag den 8. Mai: Zauberflöte. Gewöhnliche Preise. Freitag den 9. Mai geschlossen. Samstag den 10. Mai: Don Juan. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 11. Mai: Die Meistersinger. (Walter Stoltzing: Herr Oberländer als'Gast.) Große Preise. Schauspielhaus. Dienstag den 6. Mai: Zum ersten Male wiederholt: Die Kreuzelschreiber. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 7. Mai: Minna von Barnhelm. Gewöhnliche Preise. Donnerstag den 8. Mai: Ehre. Gewöhnliche Preise. Außer Abonnement.^ , Freitag den 9. Mai: Julius Cäsar. Gewöhnliche Preise. Samstag den 10. Mai: Der arme Jonathan. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 11. Mai: Zum ersten Male: Die Hochzeitsreisenden. Eine Gasthossplauderei in einem Auszug von E. Pirazzi. Hierauf zum ersten Male: Comvromittirt. Schwank in 1 Akt von A. Hill. Zum Schluß: Zum ersten Male: Durch den Kaufmännischen Verein. Gewöhnliche Preise. Montag den 12. April: Die Kreuzelschreiber. Gewöhnliche Preise. Fortsetzung und Schluß der Mobiliar-Versteigerung aus dem Nachlaß des Herrn Friedr. Bender, Seltersweg 83 I. Dienstag den 6. Mai, Nachmittags 2 Uhr werden versteigert: 2 Betten mit Rofidaarmatratzev, 1 Brandkiste, 1 Schlaf- fopha, 1 ovaler Tisch. Stühle, Tische, Schränke re. Im Auftrag: Louh Rothenberger 4020 G-richtStoxator. »Piineretag Den 8. 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I. die Bemerkung: „nach der Aussage des Schlachthausaufsehers verwendeten Rinderblut zur Blutwurst säst nur die geringeren Metzger, solche, die Wurst für die Soldaten (!) unfertigen" - In diesem Zu- sammenhange kann die Erklärung des Herrn Schlachthausaussehers so aufgefaßt werden, als ob den Soldaten minderwerthige Waare geliefert wurde. Die unterzeichneten Metzgermeister, welchen allein von der Militärbehörde die Lieferung der Wurst für die hiesige Garnison übertragen ist, sehen sich daher veranlaßt, zu erklären, daß sie eine besondere Wurst für die Soldaten nicht ansertigen, daß vielmehr die von ihnen den Soldaten gelieferte Wurst genau von derselben Qualität ist, wie diejenige, welche die Unterzeichneten an das übrige Publikum abgeben. Gießen, am 4. Mai 1890. (4087 L. kirr. E. L. Sack. A. Mühl. A. Hilgardt. Oberhesfische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Sitzung: Mittwoch, 7. Mai, Abend« 6 Uhr, iw nhufikalischen Hörsaal der Universität. Vortrag: Herr Prof. Dr? Himstedt über das Telephon,________[4078 Verein „Amicitia“. Samstag den 10. Mai Bier im Glas. Anfang rr Uhr. C. Heß Wwe vorzüglicher Stoff, eingetroffen Karten sind bei den Mitgliedern und Abends an der Kasie zu haben. 4015 Der Vorstand. Reservirter Platz 1 JL 50 Saalsitz 1 JL, Gallerie 50 H. Kassenöffnung 7 Uhr. r Anfang 8 Uhr. Freitag Nachmittag von 5 Uhr abr 4093 Große Schüler- und Schülerinnen Dorstellung. GO Abend, - Unterhaltung •• verbunden mit Theater und Tanz im Saale des Cafe Leib. SleueS Theater (Lase Leib). Donnerstag den 8. und Freitag den 9, Mai 1890: Grand Soireen, gegeben von dem Illusionisten und Escamoteur Mr. F. Rooberts. Nur epochemachende, sow. sensationelle Experimente kommen zur Aufführung. Neu! BerwandlungS-Wunder Neu! oder Verwechslung zwischen Herrn und Dame. Zum Lindenhof. Frische Sendung 3993 Storchenbräu, Saison- Eröffnung 18 Mai. Sool-und Moorbäder, Bonifaciusbrunnen, stärkste Lithi«mq«elle der Welt, Kerner drei Stahl-, Schwefel- und Bitterwasserquellen. 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Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 2 Uhr vom Sterbehause, Marktplatz 18, aus statt. 4072 4095) Die Beerdigung findet Dienstag Mittag 3 Uhr vom Sterbehause (Tiefenweg 4) aus statt. Verwandten und Bekannten die Anzeige von dem Ableben des Rentners Philipp Schmidt Die Verwandten. Vermischte Anzeigen. Giessener Concertverein. Fünftes Concert am Samstag den 10. Mai 1890, Nachmittags 5 Uhr, im grossen Saale des Gesellschaftsvereins, unter Mitwirkung der Concertsängerin Fräulein HilSS aus Frankfurt a. M. und des Vereineorchesters Programm. 1. Symphonie in Es-dur Nr. 3 von Mozart 2. Arie: „Allmächt'ge Jungfrau“ aus „Tannhäuser“ 3. Menuett aus der Suite in D-moll 4. Lieder mit Klavierbegleitung 5. Ouvertüre zur Oper „Der Wasserträger“ Wagner. Frz.Lachner. I Brahms. Wendel. Tosti. Cherubini. Eintrittskarten für Nichtmitglieder sind zu 2.50 (Sperrsitz JL 3.50), in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Challier (W. Rudolphs Nachf.) zu haben. [4079 Gourslbeeicht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft. Arantfuetee Vöefe vom 5. Mai 1890. Scklußcourse 1 Uhr 15 Min. 4 pCt. Reichsanleihe 3Vt , ,, 4 „ Preuß. ConfolS sv» , 107 40 101.55 106.70 101.75 4 pCt. Ungar. Goldrente 5 „ Italiener Rente Oesterr. Silberrente Ruff. Orient UL 88.70 94 20 77 40 72 40 Disconto-Comm. 219.50 Buschtherader 366 50 Darmstädter Bank-Act. 157.90 Elbethal-Bahn-Act. 192 50 Dresdener Bank-Act. 149.80 Gotthard-Bahn-Act. 16530 Berliner Handelsges. 164.01 Schweizer Nordost 133.70 Oesterr. Credit-Act 25962 „ West 36 90 Wiener Bankoereins-Act. 101.50 Gelsenkirchener 168 50 Oesterr. Staatsbahn 190.50 Der. Kön.- und Laurahütte-Act. 142 10 Lombard. Eisenbahn 103 75 Oesterr. Alptne-MoMan 78 70 Lenden j i fest. 95 90 9375 Lenden;: steigend. Oesterr. EreditmAen Oesterr. StaatSbahn-Actirv Dortmunder Union-Actien Darmstädter Bankactten 1890 219.20 204.00 99.20 17300 .arperer _____ Ostpreußen 157 001 Bochumer Gußstahlactt-.v Telegraphischer Lsur»bericht bet Berliner Börse Vom 5. Mai 161801 DtSconto-Gom.-AntheU? 4 pCt. tSichen-r Obligationen —j.6 "Ct. SuberuWbligationen 104.40 Reichs bank-DtScont 4 pCt- ~ Frankfurter Bank-Diskont 4 pCt.__ Der heutige« Nummer liegt ein Extrablatt der Herren Alexander Salomon Co» hei. [4081 Redactiou: N. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gieße».