Nr. 102 Samstag den 3. Mai 1890. Dcr Gießener Arr-eiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener AamiticnVtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger. Vierteljähriger Abonncmeutspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schulstraße Hlr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den rlreis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamikienötätter. Alle Annonccn-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 2(mtiid?er Theil. Gießen, den 28. April 1890. Betr-: Die Anwendung von Torf als Streumittel. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises. Nachstehend abgedrucktes Schreiben der Großh. Oberen landwirthschafllichen Behörde theilen wir Ihnen zur Kenntniß- nahme und Bericht über die gestellten Fragen mit. v. Gagern. Darmstadt, April 1890. Betr.: Wie vorstehend. Die Großherzogliche Obere landwirthschaftliche Behörde an die Herren Präsidenten der landwirtschaftlichen Vereine. Der Mangel an geeignetem Streumaterial, welcher in stroharmen Gegenden und bei geringer Strohernte besonders fühlbar wird, gab den Landwirthen vielfach Veranlassung, zu Ersatzmitteln des Strohes ihre Zuflucht zu nehmen. Ins- besondere sah man sich häufig genöthigt, die Forstverwaltung wegen Abgabe von Waldstreu in Anspruch zu nehmen. Die Forstverwaltung befand fich jedoch nicht immer in der Lage, dem Bedürfniffe der Landwirthe in vollem Umfange gerecht zu werden, welcher Umstand vielfach Anlaß zu Klagen gegeben hat. In neuerer Zeit ist nun die Anwendung von Torfstreu sehr empfohlen und infolge besten auch im Großherzogthum mehrfach'von diesem Streumittel Gebrauch gemacht worden. ES wäre nun sehr erwünscht, von dem Umfange, welchen der Gebrauch von Torfstreu im hessischen LandwirthschastSbetriebe gewonnen hat, sowie von den.Erfahrungen, welche über die Brauchbarkeit derselben gemacht worden sind, Kenntniß zu erlangen, um event. geeignete Schritte zur ausgedehnteren Anwendung dieses Streumittels in Erwägung ziehen zu können. Bislang wurde die Torsstreu vorzugsweise von auswärts bezogen. Leider ist der Preis derselben in neuerer Zeit derart gestiegen, daß der Bezug der Streu nicht den großen Vortheil mehr gewährt, wie dies früher der Fall war. Es ist auch nicht anzunehmen, daß ein wesentlicher Preisrückgang demnächst eintreten werde, da mit der ausgedehnteren Anwendung der Torsstreu die Nachfrage steigt. Von Bedeutung scheint es uns daher zu sein, daß Erhebungen darüber angestellt werden, wo im Großherzogthum Torflager vorkommen und ob dieser Torf Eigenschaften besitzt, die ihn zum Gebrauche als Streumaterial geeignet erscheinen lassen. Wir ersuchen daher ergebens!, uns bei diesen Erhebungen gefälligst unterstützen und uns insbesondere nach Anhörung der landwirthschastlichen Bezirksvereine mittheilen zu wollen: 1) ob und in welchem Umsange Torjstreu von den Landwirthen angewendet wird; 2) woher diese Torfstreu bezogen wurde; 3) wie sie sich a. als Slreumittel bei Pferden, Rindvieh, Schafen, Schweinen, Ziegen und Geflügel, b. als Dungmaterial bewährt hat; 4) ob, wo und in welcher Ausdehnung Torflager im Kreise bezw. in einzelnen Gemarkungen vorkommen; 5) ob und mit welchem Erfolge versucht wurde, jenen Torf als Streumittel zu verwenden; 6) ob in Bezug auf den vorliegenden Gegenstand dortseits sonstige Wahrnehmungen gemacht worden sind und welche. Jaup. Deutsches Reich. nn. Darmstadt, 1. Mai. Zweite Kammer der Stände. Die Kammer setzte die Verhandlungen über die Nebenbahnen aus und erledigte in heutiger Sitzung eine Reihe von Vorlagen Großh. Regierung. Zunächst stand zur Tagesordnung die Vorlage Großh. Regierung, Bewilligung eines Betrags von 28,600 Mk. zur Beschaffung der Ausstattung des neuen Gymnasiums zu Darmstadt mit Mobiliargegenständen und Lehrmitteln, sowie eines weiteren Betrags von 16,135 Mk. zur Bestreitung laufender Ausgaben. Abg. Schröder drückt hierbei den Wunsch aus, daß die Anstalt sich zu einer Mustcranstalt herausbilden möge und daß man ans die Ausbildung tüchtiger Zeichenlehrer Werth legen möge. Oberschulrath Soldan sagt Abhülse nach dieser Richtung zu. Die Regierung verhehle sich nicht, daß nach dieser Richtung hin noch zu verbessern sei. Die Kammer beschließt dem Antrag des Finanzausschusses gemäß einstimmig, die angefordertcn Snmmeit zu genehmigen. Ebenso wird die Vorlage Großh. Regierung um Bewilligung von 5000 Mk. für Errichtung vier weiterer Lehrstellen an der Realschule zu Darmstadt ohne Debatte genehmigt. Ferner genehmigt die Kammer debattenlos die Bewilligung eines Zuschusses von 38,200 Mk. zu den Bau- und Mobiliarkosten der neuen Gebäude für die R ea l - undLand- wirthschaftsschule zu Groß-Umstadt, die Einstellung eines Zeichenlehrers an der Realschule zu Friedberg in's Budget 1891/94, die Erhöhung des für die Finanzperiode 1888/91 bewilligten Zuschusses zu den Ausgaben der Landes-Universität Gießen um 69,475 Mk., sowie die Bewilligung Don 5750 Mk. für die innere Ausstattung des Neubaues der Landesbaugewerkschule und Einrichtung eines vierten Lehrsaales daselbst. Bezüglich der Bewilligung eines Betrages von 27,700 Mk. als Beitrag zu den Kosten der Regulirung des Land- grab ens in den Gemarkungen Griesheim, Wolsskehlen und Goddelau beschließt die Kammer Genehmigung gegen 2 Stimmen, sowie zur Herstellung von Aborten im nördlichen Collegiengebäude zu Darmstadt 2965 Mk. zu bewilligen. Auch die Vorlage Großh. Regierung wegen Verwilligung eines Betrags von 45,000 Mk. zu Lasten des Hess. Bau- capitals der Main-Neckar-Bahn behufs Anlage eines Verbindungsgeleises zwischen dieser Bahn und dem westlichen Theil der Stadt Darmstadt findet einstimmige Annahme. Für Herstellung einer Wasserleitung n a ch L i ch t e n - berg fordert die Regierung anstatt der früher bewilligten 13,200 Mk. heute 26,800 -Mk. Oberbaurath Dr. Schäffer begründet diese Mehrforderung damit, daß für Einfügung einer neuen Röhrenleitung und Sprengungen zu diesem Zweck dieser Betrag nöthig erscheine und beschließt bie Kammer, die angeforderte Summe zu bewilligen. Um Nachforderungen zu vermeiden, event. auf ein geringes Maß zu beschränken, will die Großh. Regierung die Ermächtigung, 1,150,000 Mk. als Pauschsumme für die Zellen straf anstatt bei Bntzbach zur Verfügung gestellt zu haben. Abg. Vogt fragt an, warum trotz der hohen Preise noch immer die alten Preise in Betracht gezogen würden. Man müsse dem Handwerker doch anch hierin Rechnung tragen. Oberbaurath Welzi en erläutert, daß es ftir den Handwerker gleichgültig sein müsse, welche Preise eingestellt seien. Er müsse sich nach dem dermaligen Preisverhältniß richten und seine Offerte danach einrichten. Er sagt aber Abhülse zu nach Maßgabe der preußischen Normen. Das Ansinnen der Regierung wird sodatm einstimmig gutgeheißen. Seitens des Abg. M ö l l i n g e r ist ein Antrag gestellt auf Revision der gesetzlichen Bestimmungen über die Sonn- t a g s f e i e r. Abg. Möllinger bringt eine Reihe von Klagen über die willkürliche Handhabung der Gesetzesbestimmungen bezüglich der Sonntagsfeier zur Kenntniß des Hauses. Der Landmann, sowie der Klein-Handwerker leide am meisten unter dieser willkürlichen Handhabung. Das Gesetz sei reformbedürftig hauptsächlich in den §§ 224—232. Der gleichen Ansicht sind die Abg. Osann, Schröder nnd W o l z. Staatsminister Finger hält eine Revision nicht für angezeigt. Es genüge, wenn die Localbehörden richtig angewiesen würden, das Gesetz zu handhaben. Staatsrath Knorr glaubt auch, wenn dasselbe revidirt würde, seien Klagen nicht ausgeschlossen. Nach erfolgter Abstimmung wird der Antrag Möllinger auf Revision des Gesetzes wegen der Sonntagsfeier mit 19 gegen 17 Stimmen ab gelehnt, dagegen der Ausschußantrag, Großh. Regierung zu ersuchen, die Verwaltungsbehörden zur genauen Prüfung der wegen Verletzung der Sonntagsfeier an sie gelangenden Anzeigen anzuhalten, mit allen gegen 8 Stimmen angenommen. Bezüglich des Antrags Reinhardt wegen Wiederherstellung des Domes zu Worms ist die Regierung gewillt, einen Beitrag zu den Wiederherstellnngskosten in's nächste Staatsbudget einzuftellen. Abg. Reinhardt spricht der Regiermig für dieses Wohlwollen Namens der Stadt Worms seinen Dank aus. Ebenso finden die Gesuche wegen Erhöhung der W i t t w e n= gehälter der Civildiener nach den Ausschußanträgen Annahme. Morgen Früh: Nebenbahnen in Rheinhessen. — Nachmittagssitzung. Auf der Tagesordnung steht die Nebenbahn-Vorlage Lorsch-Heppen Heim-Fürth. Vorher gibt der Präsident dem Hause Kenntniß von cin- gelaufenen Anträgen und zwar der Abg. Hechler, Schröder und Osann wegen Erbauung einer Nebenbahn von Groß- Geran, Wallerstätten, Heinsheim, Kornsand gegenüber Oppenheim- sowie der Abg. Schröder und Reinhardt: Erbauung einer Nebenbahn über Eich, Hamm, Rheindürkheim, Worms. Abg. Metz- Darmstadt spricht sich für den Bau der vom Ausschuß vorgeschlagenen Linien Heppenheim-Fürth und Weinheim-Fürth aus, indent er die Interessen des Landes am meisten hierdurch gefördert sieht. Abg. Hermann spricht sich auch noch für die Regierungsvorlage aus, insbesondere für die Linie Lorsch-Hcppcn- heim-Fürth. Abg. P s a n n st i e l hat die Ueberzeugung gewonnen, daß im Odenwald eine Nothlage der Bevölkerung vorhanden sei und deshalb kann er sich für den Bau der angesonnenen Linien entschließen. Ministerpräsident Weber präcisirt den Standpunkt der Großh. Regierung dahin, daß dieselbe ihre Vorlage hinsichtlich der Linie Lorsch-Heppenhrim-Fiirth aufrecht halte. Die vom Atlsschuß beantragten Projecte seien recht schön, die Regierung könne aber erst später daraus eingehen. Abg. Reinhardt spricht dem Ausschuß Dank dafür aus, daß derselbe zwei neue Nebenbahnen für den Odenwald vorgeschlagen hat. Er bedaure aber, daß derselbe nicht noch weiter gegangen sei und auch die Linie Heppenheim-Lorsch vorschlägt. Gerade diese Linie habe die größte Zukunft, weil auf derselben die Producte des Odenwalds, hauptsächlich aber diejenigen der Steinbrüche dortselbst nach dem Rhein gebracht werden könnten und in den großen Städten bedeutenden Absatz finden würden. Er werde an der Regierungsvorlage festhalten und für die Linie Heppenheim—Lorsch stimmen. Er bitte nochmals, dem Odenwald nicht zu versagen, was man dem Vogelsberg gewährt habe. Abg. Schröder bittet das Haus, die Ausschußanträge, wie sie gestellt seien, anzunehmen. Abg. Wolfs kehl warnt das Haus vor dem Hereinwerfen immer mehr neuer Projecte. Es werde bei der Wichtigkeit der Vorlagen viel zu rasch vorgegangen und Bahnlinien verwilligt, von denen man noch nicht wisse, ob die Regierung sie ausführen könne oder nicht. Er empfiehlt die Regierungsvorlage. Für die Ausschuß-Anträge sprechen noch die Abgeordneten Bergsträßer, Schönberger, Metz, Jöst, Arnold und Theobald. Nach erfolgter Abstimmung erfolgt die Annahme der Nebenbahn von Fürth nach Heppenheim mit 21 gegen 8 Stimmen, mit einem Amendement, „daß die Bahn von der Ostse'te der Main-Neckar-Bahn eingeführt wird", mit 19 gegen 18 Stimmen. Ferner wird die Nebenbahn von Weinheim nach Fürth einstimmig genehmigt, während die Linie Heppenheim- Lorsch mit 21 gegen 17 Stimmen abgelehnt wird. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 1. Mai. Die Commission des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung der Sperrgeldervorlage hat sich heute constituirt. Dieselbe besteht aus: Erffa, Hammerstein, Hartmann, Hoeppner, Korsch, Limburg-Stirum, Oertzen-Jüterbog, Schuhmacher, Zedtlitz, Cuny, Eynern, Hobrecht, Olzem, Windthorst, Hüne, Mosler, Rintelen, Bruel, Langerhans, Neukirch, Neubauer. Vorsitzender ist Korsch, Stellvertreter Oertzen-Jüterbog. — Die Budgetcommission des Abgeordnetenhauses lehnte einstimmig die für die Dominterimskirche geforderten 200000 Mk. ab. Berlin, 1. Mai. Reichsbankpräsident Dechend ist gestern Abend gestorben. Berlin, 1. Mai. Das „Amtliche Cvlonialblatt" veröffentlicht die kaiserliche Genehmigung zur Ausprägung von Silbermünzen mit dem Bildnisse des Kaisers, von Kupfermünzen mit dem Reichsadler für Rechnung der Deutsch-Ost- afrikanischen Gesellschaft. — In Lagos ist der Forschungsreisende Hauptmann Zenner am Fieber gestorben. Berlin, 1. Mai. In den hiesigen großen Fabriken von Schwartzkops, Vulkan, Schering rc. arbeitet fast Alles. Die Anzahl der Feiernden ist gering. Mittags zogen 500 Mann nach Plötzensee, von Schutzleuten bis zum Norduser begleitet. — Am Rosenthaler Thor sammelten sich Mittags gegen 1 Uhr etwa 2000 Arbeiter und zogen durch die Münzstraße nach dem Alexanderplatz. Die Menge verhielt sich ruhig. Die Polizei hatte keine Veranlassung zum Einschreiten. Bisher ist polizeilicherseits nirgends etwas von ernstlichen Ausschreitungen bekannt geworden. Kiel, 1. Mai. Aus allen Wersten, sowie in allen Fabriken und Werkstätten wird ausnahmslos während des ganzen Tages gearbeitet. Irgendwelche Störung der Ruhe ist nicht zu befürchten. Köln, 1. Mai. Bis jetzt ist hier nichts von der Feier der Arbeiter zu bemerken. Dortmund, 1. Mai. In dem hiesigen Revier ist von einer Arbeiterfeier nichts zu bemerken- überall wird wie gewöhnlich gearbeitet. Neunkirchen, 1. Mai. Die Arbeiter des hiesigen Eisenwerks (Gebr. Stumm), sind heute Morgen vollständig eingefahren und arbeiten wie gewöhnlich. Munster i. W., 1. Mai. Es wird in allen Betrieben der Stadt ruhig gearbeitet. Stettin, 1. Mai. Die Physiognomie der Stadt ist vollständig ruhig. Die Betheiligung an der Arbeiterseier ist anscheinend sehr schwach. Posen, 1. Mai. Die hiesigen Arbeiter sind heute überall in Thätigkeit. Von den Behörden sind die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen. Breslau, 1. Mai. Die allgemeine Physiognomie des heutigen Tages zeigt einen friedlichen Charakter. Nur für den Mittag und den Abend ist je eine Arbeiterversammlung einberufen, um die Forderung des Achtstundentages zu besprechen. Waldenburg i. Schl., 1. Mai. Im Niederschlesischen Revier herrscht Ruhe- die Arbeiter sind an gefahren. Spandau, 1. Mai. In allen hiesigen Königlichen Fabriken wird in vollem Umfange gearbeitet- daselbst ist eine Bekanntmachung angeschlagen, in welcher allen Arbeitern, die am Abend Belästigungen befürchten, Schutz zugesagt und außerdem auf § 110 des Strafgesetzes hingewiesen wird. Auf den Bauplätzen wird mit Ausnahme von dreien gearbeitet. Die Berliner Arbeiterzüge sind vollbesetzt hier eingetroffen. Dresden, 1. Mai. Bis jetzt haben sich die Arbeiter völlig ruhig verhalten, die meisten arbeiten. In Siegs Sälen fand eine Volksversammlung von 400 Personen, an welcher der Abgeordnete Bebel theilnahm, und im „Trianon" eine solche von 700 Personen, bei welcher der Abgeordnete Singer zugegen war, statt. Leipzig, 1. Mai. In der Stadt ist Alles ruhig. Gegen 1500 Personen machten Morgens einen Spaziergang nach Oetsch. In den großen Spinnereien sind die Arbeiter vollzählig erschienen. Die Fabriken sind sämmtlich in Thätigkeit, an den Neubauten wird überall gearbeitet. Chemnitz, 1. Mai. Das gemeinschaftliche Vorgehen der Arbeitgeber ist von vollständigem Erfolg begleitet. Bis jetzt liegen aus 30 größeren Fabriken Berichte vor, daß die Arbeiter überall pünktlich und vollzählig zur Arbeit angetreten sind- auch in der Stadt herrscht vollkommene Ruhe. Zwickau, 1. Mai. In den hiesigen Fabriken, auf den Bauplätzen und in den Kohlenbergwerken der Umgegend wird heute ruhig fortgearbeitet- auch hat eine Störung ber öffentlichen Ordnung nirgends stattgesunden. Danzig, 1. Mai. Aus den meisten Arbeitsplätzen und in fast allen Fabriken wird ungestört iortgearbeitet, nur eine Oelmühle mußte den Betrieb einstellen, weil die Arbeiter feiern. Auf einigen Battplätzen verließen heute Vormittag die Maurer und Handlanger und bei einem Festungsbau die Erdarbeiter, welche durch junge Burschen aufgestachelt waren, ihre Arbeit. Vier Rädelsführer wurden verhaftet und eine Arbeiter-Ansammlung auf einem Marktplatz durch die Polizei zerstreut. Die für heute Nachmittag geplanten Volksversammlungen im Freien sind verboten worden, die Plätze werden scharf beobachtet. Nürnberg, 1. Mai. Die Stadt hat ihr gewöhnliches Aussehen- in den Werkstätten wird voll gearbeitet. Weimar, 1. Mai. Der Kaiser traf um 10% Uhr mit dem Großherzog und Erbgroßherzog ein und wurde auf dem Bahnhof von dem preußischen Gesandten Derenthal, dem Staatsminister Groß und den Hoschargen empfangen. Bei der Auffahrt nach dem Schlosse wurde er stürmisch begrüßt. Nach Begrüßung der Großherzogin fand das Frühstück bei dem Grafen Görtz statt. Bremen, l.Mai. Die Stadt ist vollständig ruhig. Bis jetzt sind keinerlei Ansammlungen oder Ausschreitungen bei der Polizei gemeldet worden. Es sind alle Vorkehrungen zur Aufrechthaltung der Ordnung getroffen. Straßburg i. E., 1. Mai. In den hiesigen Werkstätten wird allgemein gearbeitet. Die Erlaubniß für eine auf heute Abend angesetzte Versammlung, in welcher der Socialdemokrat Dr. Ruedt aus Heidelberg sprechen sollte, ist aus Grund des Landesgesetzes nicht ertheilt worden. Mülhausen i. E., 1. Mai. • Von der Feier der Arbeiter ist hier Nichts bemerkbar, es arbeitet Altes. Metz, 1. Mai. In Ars, Moyeuv're, Hayingen, Rösseln, Forbach und Saargemünd wird nicht gefeiert. Wien, 1. Mai. Die Stadt hat im Ganzen ihr alltägliches Aussehen, es ist keinerlei Stockung des Verkehrs wahrnehmbar. Sämmtliche Läden und Magazine, mit wenigen Ausnahmen, sind offen, die öffentlichen Märkte werden wie immer abgehalten. Kleine Gruppen von Arbeitern in Festtagskleidern begeben sich zu den Versammlungen, deren etwa 40 Vormittags stattfinden, behuss Berathung der von dem Pariser Socialisten-Congreß im vorigen Jahre beschlossenen Programmpunkte. Die dienstsreien Polizei-Mannschaften sind consignirt, das Militär wird in den Kasernen in Bereitschaft gehalten. Auf den Straßen und Plätzen befindet sich nirgends militärisches Aufgebot, nur in den aus den letzten Excessen bekannten Stadttheilen Neu - Lerchenfeld, Ottakring und Hernals patroulliren kleine Cavallerie - Ab- theilungen- der Prater ist durch Infanterie und Cavallerie in voller Feldausrüstung besetzt. Morgens erschienen die Erzherzöge Albrecht, Rainer und Wilhelm, um sich über die Vorkehrungen zu informiren. Das herkömmliche Praterleben am 1. Mai beginnt sich wie in früheren Jahren zu entwickeln. Bisher sind in dem hiesigen Polizeirayon nirgends Störungen der Ruhe signalisirt, alle Arbeiterversammlungen sind ruhig verlaufen. Das Wetter ist prachtvoll. Bern, 1. Mai. Nach den neuesten Nachrichten wird in allen gewerblichen Cantonen der Schweiz heute ausnahmslos gearbeitet. In Bern und Zürich soll Nachmittags von einer kleinen Anzahl feiernder Arbeiter eine Feier in bescheidenem Rahmen abgehalten werden. Sonst beschränkt sich in allen gewerbereichen Cantonen, Basel, Bern, Zürich, Genf, Soluthurn, St. Gallen, Glarus, Thurgau, Aargau und Neuenburg die Arbeiterfeier auf abendliche Versammlungen zu Gunsten der achtstündigen Arbeitszeit. Ueberall wird nur über alltägliche Dinge gesprochen, und jede Unruhe scheint in der Schweiz ausgeschlossen. Haag, 1. Mai. Gestern Abend fand hier eine Versammlung von 4000 Arbeitern statt, in welcher Resolutionen zu Gunsten des achtstündigen Arbeitstages angenommen wurden. Als die Versammlung auseinander gegangen toarz kam ein Arbeitertrupp in Confliet mit der Polizei. Letztere war gezwungen, von ihrem Stabe Gebrauch zu machen. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter auch ein Polizist. Im Lause des Rencontres wurden zwei Schüsse abgefeuert. Die Ordnung war bald wieder hergestellt. Paris, 1. Mai. Anläßlich des Philipp-Festes sandten viele Orleanisten Blumenspenden an den Herzog von Orleans nach Clairvaux. Paris, 1. Mai. Heute sind 20 weitere Verhaftungen vorgenommen worden. Augenblicklich sammeln sich die Manifestanten auf dem Platze vor dem Stadthause, um eine Abordnung mit ihrer Petition nach der Deputirten- kammer zu entsenden. In vielen Fabriken und Werkstätten wird gearbeitet. Man nimmt an, daß der Tag ruhig verläuft. Paris, 1. Mai. In den äußern Boulevards herrscht Ruhe. Die inneren Stadtviertel bieten den Anblick der gewöhnlichen Bewegung. Die großen Läden sind offen. Die Schanfenster jedoch leer. Die Läden der Waffenschmiede sind geschloffen. Paris, 1. Mai. Wie die Blätter melden, würde heute die Bank von Frankreich von Mittag an die B u r e a u x g e- schlassen halten. In den kleineren Theatern werden keine Vorstellungen statrfinden. Die Bureaux für Stellenvermittelung, sowie die großen Bankhäuser stehen unter besonderer Ueberwachung. In den Vororten ist überall Gendarmerie consignirt. In den großen Städten der Provinz sind ähnliche Vorkehrungen getroffen. Paris, 1. Mai. Wie der Temps aus Toulon meldet, erhielten 2 Compagnien Infanterie den Befehl, nach dem Senegal abzugehen. — Viele Kutscher haben erklärt, heute striken zu wollen. Paris, 1. Mai. Alle Ministerien sind militärisch besetzt. In den Straßen sind 10 Cavallerie-Regi meuter ver- theilt ausgestellt. Die übrigen Truppen sind seit gestern Abend in den Kasernen consignirt. Der Concordien- und der Magdalenen-Platz sind mit Polizei und Infanterie gesperrt. Es sind einige weitere Verhaftungen vorgenommen werden. Paris, 1. Mai. Paris erscheint fast im Kriegszustand. Die ganze Nacht durchzogen ein rücken de Truppen die Stadt. Alle öffentlichen Gebäude und Monumente, die Hauptstraßen, Plätze und Thore sind militärisch besetzt. Das Militär läßt nur einzelne Personen in die Stadt. Während der ganzen Nacht wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Fast sämmtliche Führer der Socialisten sind im Gefängniß. London, 1. Mai. Hinsichtlich der soeialistischen Demonstration beschloß gestern ein Meeting, die Polizei- versügung, betreffend die Einhaltung einer bestimmten Marschroute nach Hyde-Park, strikte einzuhalten. Von einer Con- signation von Truppen ist abgesehen worden, da Grund zu Befürchtungen nicht vorhanden ist. — Der Ausbruch einer Revolution in Paraguay wird bestätigt. Brüssel, 1. Mai. Ueberall wird gearbeitet. Der Zug am Abend verspricht den friedlichsten Verlaus- er geht ohne Fahnen und ist ohne politischen Character, nur Socialisten nehmen Theil. In Borinage ist der Ausstand allgemein. Die Hauptpunkte sind durch Cavallerie und Jäger besetzt - die Gendarmerie patrouillirt fortwährend. Zwei Bahnzüge für das Militär sind geheizt, um, wenn nöthig, Hilfstruppen zu bringen. In Mons ist Gendarmerie con- centrirt. Die Manifestanten zogen um 10 Uhr Morgens aus in der Richtung nach den nichtstrikenden Orten - doch strikt im gesummten Becken fast Alles. Rom, 1. Mai. Die Stadt ist vollkommen ruhig, die Geschäfte zum Theil geschloffen. Der Vatikan hat ebenfalls Sicherheitsmaßregeln getroffen. Capitan Fracassa dementirte die Verhaftung von Anarchisten, sowie die Gerüchte über Einkerkerung einiger Militärs wegen aufrührerischer Reden. Madrid, 30. April. Für morgen sind Demonstratio n e n in Madrid, Barcelona, Valencia, Saragossa und anderen Städten zu gewärtigen, doch nimmt man an, daß Alles ruhig verlausen werde. Locale» «nd provinzielle». Gießen, 2. Mai. — Se. Königl. Hoheit der Erbgroßherzog wird im kommenden Herbst die hiesige Universität beziehen - das laufende Sommer-Semester wird der Erbgroßherzog noch in Leipzig ftudiren, wohin er sich gestern begeben hat. — Sitzung der Stadtverordneten vom 1. Mai. Anwesend : Herr Bürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Langsdorff, Seitens der Stadtverordneten die Herren Georgi, Grüneberg, Habenicht, Heyligenstaedt, Hoch, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schmall, Schopbach, Simon, Pros. Dr. Thaer. Von den zuerst verhandelten 5 Gegenständen der Tagesordnung, betr. Gesuche um Erlaubniß zum Branntwein- Verkauf, Branntwein-Ausschank und Wirthschastsbetrieb führte dasjenige des Herrn W. Kinzenbach, welcher in seinem Hause Wetzsteinsgasse Nr. 15 Specereihandel verbunden mit Branntwein-Verkauf über die Straße betreiben will, zu einer eingehenden Debatte. Dem seither allgemein bei Behandlung derartiger Gesuche in der Stadtverordnetenversammlung befolgten Grundsätze, daß die Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße Inhabern von Specereigeschästen zu gestatten sei, um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, einen Bedarf an Branntwein da zu decken, wo es seine Specereiwaaren zu beziehen pflegt und nach welchem die für Behandlung derartiger Fragen eingesetzte Commission auch das Gesuch Kinzenbachs zu befürworten empfahl, wurde von Herrn Heyligenstaedt entgegengetreten. Herr Heyligenstaedt bemerkte u. A., daß er gerade den Verkauf von Branntwein in kleinen von Arbeitern frequentirten Specereilädcn für bedenklich, als dem Branntweingenuß Vorschub leistend, erachte und sich deshalb gegen Bejahung der Bedürfnißsrage aussprechen müsse. Herr Heyligenstaedt bemerkte auf den Einwand des Herrn Bürgermeisters, daß es sich hier nicht um Ausschank, sondern um den Verkauf von Branntwein über die Straße handele, die Stadtverordnetenversammlung auch nicht zu prüfen habe, ob die Gestattung des Branntweinverkaufs nur im Interesse des Käufers liege, sondern lediglich das Bedürfuiß für das Publikum ausschlaggebend für die Stadtverordnetenbeschlüfse sei: dieser Einwand könne ihn (Herrn Heyligenstaedt) nicht bestimmen, sich anders als gegen das Gesuch auszusprechen. Die Gelegenheit zum Schuaps- genuß werde durch die vielen Specereiläden, die meistens ihre Gründung nur der Aussicht auf die Gestattung des Branntweinverkaufs verdankten, Vorschub geleistet. Das Verbot, Branntwein im Laden auszuschänken, werde vielfach, trotz polizeilicher Ueberwachung, übertreten, da man nicht jeden Laden besonders bewachen könne. Da naturgemäß die Arbeiter wegen ihrer Beschäftigung die Hauptconsumenten von Branntwein seien, so würde ihre Lage infolge der durch die Läden besonders leicht gebotenen Gelegenheit zu vermehrtem Schnapsgenuß verschlechtert, diesem Umstande aber müsse gerade in der Jetztzeit besondere Beachtung geschenkt werden. Man solle durch Vermehrung der Trinkgelegenheit nicht dem Arbeiter das entziehen, was man ihm sonst zur Verbesserung seiner Lage zu bewilligen bestrebt sei. Herr Hornberger spricht sich für Beibehaltung des seither beobachteten Grundsatzes aus, man solle Jemandem, der sich eine Erwerbsquelle schaffen wolle, nicht hindernd in den Weg treten. Herr Schmall spricht sich ebenfalls für Gestattung des Branntweinverkaufs aus, schon in Rücksicht auf die infolge der seitherigen Praxis anderen ähnlichen Gesuchen zu Theil gewordene Befürwortung, was dem Einen recht, fei dem Andern billig, das Bedürfniß des Arbeiters zu einem Schnäpschen sei einmal da und fei in den Verhältnissen begründet, für den Arbeiter sei der Branntwein dasselbe, was für einen Anderen der Wein. Herr Löber bemerkt, daß er in der betr. Commissions- sitzung nicht anwesend gewesen, aber gewissermaßen im Sinne des Herrn Heyligenstaedt für Beschränkung des Branntwein- Kleinhandels bei Gelegenheit eintreten würde. Herr Beig. Langsdorff bemerkt, daß der Grundsatz, was dem Einen recht, dem Andern billig sei, auch dann noch aufrechterhalten werden könne, nachdem die seither bei Concessionsgesuchen geübte Praxis als nicht richtig erkannt worden sei - er erkläre sich ganz mit den Ausführungen des Herrn Heyligenstaedt einverstanden. Herr Habenicht spricht sich für Genehmigung des Gesuchs aus. Herr Petri bemerkt, daß er seither sich auch nicht für die bisherige Praxis habe besonders erwärmen können und nur ungern für die Bejahung derartiger Gesuche gestimmt habe- er werde gegen das vorliegende Gesuch stimmen. Die hierauf vorgenommene Abstimmung ergibt, entgegen dem auch von Großh. Polizeiamte eingenommenen verneinden Standpunkte, Befürwortung des Kinzenbach'schen Gesuches. — Anders gestaltete sich die Abstimmung über das wiederholte Gesuch des Herrn Fr. Stooß um Erlaubniß zum Ausschank von Liqueuren in seinem Cigarrenladen in den Neuen Bäuen. Dasselbe wird, trotzdem Gesuchsteller geltend zu machen sucht die zwischen dem Zeitpunkt des ersten Gesuches und dem erneuerten eingetretene Veränderung in den Bedüifnißverhältnisfen (es ist in unmittelbarer Nähe des Gesuchstellers ein mit Concession zum Ausschank von Liqueuren versehenes Spccereigeschäft verlegt worden), sowie eine Liste Derjenigen vorgelegt, denen der Genuß eines Liqueurs im Laden des Gesuchstellers Bedürfniß sei, abgelehnt, da ein Bedürfniß in dieser Straße als vorhanden nicht anzuerkennen ist. — Das Gesuch des Herrn Wilh. Nagel um Übertragung der Concession zum Wirthschastsbetrieb in der „Germania" wird debattelos befürwortet. Auch bezüglich des M. Weiner'schen Gesuches um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein in seiner Wirth schäft (verlängerte Flügelsgasse) wird die Bedürfnißfrage bejaht, zwar weniger aus dem Grunde, weil Herr Weiner ebenfalls ein Verzeichniß von Personen vorgelegt, die ihr Bedürfniß an Branntwein in der Wciner'schen Wirtschaft zu befriedigen gedenken, als vielmehr im Einklang mit der seither vertretenen Ansicht, daß das Bedürfniß zum Ausschank von Branntwein als vorhanden anzuerkennen sei, wo Wirthschasts-Concession überhaupt ertheilt ist. — Das Gesuch des Herrn Ph. Benner von Heuchelheim um Erlaubniß zum Wirthschastsbetrieb im „Taunus" (Brandgasse) wird befürwortet. — Mit Beginn des Schuljahres hat im Realgymnasium die Schülerzahl so zu- ■ genommen, daß die vorhandenen Sitzplätze für dieselben nicht ausreichend sind (die Schülerzahl hat sich z. B. in der Realschule von 206 im Jahre 1889 auf 222 im laufenden Jahre, im Realgymnasium von 231 auf 269 gehoben). Dem Bor- i schlage Großh. Direction entsprechend, sollen sechs 4sitzige und sechs Zsitzige Subsellien beschafft werden, die mit 550 Mk. veranschlagt sind. Die Schulbänke sind aus Gußeisen mit aufgelegter Hartholztafel hergestellt, es sollen indeß, bis die Frage wegen Beschaffung von Schulbänken für die neue Stadtknabenschule zur Erörterung kommt, Beobachtungen über die Brauchbarkeit schmiedeeiserner Subsellien aus einer Herborner Fabrik angestellt werden. — Mit dem Wechsel in I der Person des Stadtrechners hat sich auch die Notwendigkeit ergeben, die Stadtkasse in anderen Räumen unter- I zubringen, wozu der unter dem Stadtverordnetensitzungssaal gelegene Saal im Bürgermeistereigebäude in Aussicht ge- I nommen wurde. Hier ist die Errichtung eines feuerfesten Kassengewölbes nebst Einrichtung eines Schlafzimmers für I den Wächter in Aussicht genommen, der Eingang zum Kassensaal soll durch eine an der Südwestseite des Bürgermeisterei- I gebäudes anzubringende Thür erfolgen. Die zur Einrichtung der Kassenräume nöthigen Bauarbeiten sind veranschlagt: Maurerarbeit 260 Mk., Schreinerarbeit 40 Mk., Schlosserarbeit 485 Mk., Weißbinderarbeit 145 Mk., sonstige Kosten 347 Mk. — In Folge Beschlusses vom 6. Februar d. I., die 2. Klasse der Stadtknabenschule zu theilen und einen Schulverwalter zu bestellen, ist die Beschaffung von | Räumen für die neue Schulklasse nöthig geworden. Es wird auf Vorschlag des Schulvorstandes beschlossen, diese Klasse in dem alten Hosgerichtsgebäude unterzubringen, welches der Stadt, da zur Zeit die Verhandlungen über den Erwerb dieses Gebäudes noch schweben, bedingungslos zur Verfügung gestellt wurde. Herr Löb er kann den Antrag, eine Schulklasse im alten Hosgerichtsgebäude provisorisch unterzubringen, nicht ernst nehmen; wenn auch die Verhandlungen wegen Abtretung dieses Gebäudes an die Stadt noch nicht zu Ende seien, so sei doch mit Einweisung einer Schule in dasselbe die Stadt thatsächlich in den Besitz des Gebäudes getreten und könne darüber verfügen- man solle sobald wie möglich durch Niederlegung der Walther'schen Hofraithe den Platz zwischen Lindenplatz und Brandplatz den bestimmten Zwecken dienstbar machen. Er müsse sich mißbilligend darüber aussprechen, daß der Schulvorstand nicht ein anderes Local zur Unterbringung der neuen Schulklasse habe ausfindig machen können, es würden alte Häuser angekauft, für welche mau keine Verwendung habe, es sei Sache der Commission, für passende Locale zu sorgen, an solchen sei kein Mangel. Herr- Bürgermeister Gnauth bemerkt hierzu: Es wolle ihm doch scheinen, als ob die rechtliche Folgerung des Herrn Löber hinfällig sei, wonach die Stadt das Hosgerichtsgebäude nieder- legcn könne, weil ihr bittweise die provisorische Unterbringung einer Schulklasse darin gestattet worden sei. Schulvorstand und Baucommission hätten vergeblich nach einem anderen Locale gesucht; wenn ein Stadtverordneter nunmehr den gestellten Antrag als „Spaß" bezeichnen wolle, so könne wohl billig verlangt werden, daß dieser Stadtverordneter sich seinen eigenen Kopf wegen Beschaffung eines solchen zer- ! breche, statt blos unfruchtbare Kritik zu üben. — Herr Georgi weist als Mitglied des Schulvorstandes auch seinerseits die Aeußerung des Herrn Löber mit Entschiedenheit zurück- Herr Löber solle ein Local nennen. In ähnlichem Sinne "äußert sich Herr Petri, bemerkend, daß noch lange nicht jedes Local sich zu einem Klassenzimmer eigne. Herr Löber will auf sein Recht zu freimüthiger Kritik nicht verzichten. (Schluß folgt.) — Nach einer in der „Post" veröffentlichten Notiz ist nach deren Information eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Reichstagsabgcordneten Pickenbach nicht cingeleitet worden. — Die gestern Abend zur Feier des I. Mai abgehaltene Arbeiter-Versammlung war zahlreich besucht. Als Festredner sprach Herr Krämer aus Frankfurt, an dem unterhaltenden Theilc des Abends betheiligte sich ein hiesiger Gesangverein. Die Feier ging nach V212 Uhr, bis zu welcher Zeit die polizeiliche Erlaubniß ertheilt war, zu Ende. — Zwei Einbrnchsdiebstähle in der Bahnhofstraße und Rodheimerstraße wurden heute Nacht ausgesührt. In dem Hause der Bahnhofstraße wurde das Einsteigen durch ein offenes Fenster erleichtert und verschiedene Geräthe, zum täglichen Gebrauch dienend, mitgenommen. Auf der Rodheimerstraße fanden Cigarren, Briefmarken und einiges Geld Mitnahme. . Friedberg, 30. April. Se. K. Hoh. der Großherzog und höchstdessen Familie werden nach vorläufigen Bestimmungen am 12. Mai zu einem mehrwöchigen Anfenthalte dahier erwartet. Bed Nauheim, 30. April. Trotzdem die Badesaison erst morgen officiell beginnt, ist doch schon eine größere Anzahl Kursremde hier eingetroffen. Allen Anzeichen nach dürfen wir auch Heuer wieder einer günstigen Saison entgegensehen. Die Regierung ist freilich auch aus das Eifrigste bestrebt, den hiesigen Heilapparat auf der Höhe der Situation zu erhalten und dürfen hier der Chef der Finanzverwaltung Exc. Weber, der Specialreferent von Nauheim Oberbergrath Braun und Oberbaurath von Welzien in erster Linie als eifrige Förderer unserer Badeinteressen genannt werden, ohne damit den Verdiensten der Referenten aus den übrigen betheiligten Ressorts im Geringsten zu nahe treten zu wollen. — Der Bau des fünften Badehauses wird jedenfalls auf das Günstigste aus eine weitere und wesentliche Erhöhung der Fremden- Frequenz einwirken. M. Lauterbach, 1. Mai. Das Personal der Wagner- schen Hutfabrik in Blitzenrod bei Lauterbach wird am 4. Mai ein großes Arbeiter fest abhalten. Am Tage findet Concert, Abends Tanzbelustigung im „Hamburger Hof" statt. — Veränderungen beim ärztlichen und veterinärärztlichen Personale des Großherzogthums. In den Mynaten Januar bis März l. Js. haben sich niedergelassen die practischen Aerzte Dr.Dr. Streng und Heyder in Gteßen, Stumpf in Egels- I bach, Baum in Beerfelden, Stroh in Groß-Buseck, Geßner in Michelstadt, Badenheimer in Darmstadt, Dahlem in Oppenheim, Friedrich und Hochgesand in Mainz, Jakob Becker in Dietzenbach, Hirsch in Friedberg, Franz Baur in Bad-Nau- heim, Briegleb in Worms, Theodor Schmidt in Ulrichstein und der practische Veterinärarzt Olt in Ober-Namstadt. — Verzogen sind innerhalb des Großherzogthums die practischen Aerzte Dr.Dr. Kreuder von Nidda nach Ortenberg, Flichter von Egelsbach nach Neu-Isenburg, Siebert von Trebur nach Kostheim, Koch von Dietzenbach nach Nidda, ferner Stigell von Heppenheim a. d. B. nach Gedern und Gros von Nidda nach Offenbach, Beide als Kreisassistenärzte, und die praktischen Veterinärärzte: Sehrt von Ober-Ramstadt nach Wald- Michelbach und Neunhöffer von Odernheim nach Heppenheim a. d. B. — Außerhalb des Großherzogthums sind verzogen die practischen Aerzte Dr.Dr. Mayer von Beerfelden nach Bern- kastel, Avellis von Gießen nach Frankfurt a. M., Sior von Darmstadt nach Hagenau, Salzer von Offenbach nach Aschaffenburg, Doehring von Gießen nach Königsberg i. P., Uhl und Meßner von Mainz nach Wiesbaden, LucanuS von Mainz nach Hanau, Forschner von Mainz unbekannt wohin. dt. Neu - Ulrichstein, 1. Mai. Monatsbericht pro April 1 890 der Arbeit er-Colo nie. Ende April 1890 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 68 Mann. Dieselben Vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 25, Provinz Hessen-Cassel 3, Hessen- Nassau 2, Stadt Berlin 1 , Provinz Rheinlande 3, Provinz Posen 1, Provinz Pommern 1, Provinz Ostpreußen 2, Provinz Westpreußen 1 , Provinz Westfalen 1 , Provinz Brandenburg 2, Provinz Schlesien 2, Provinz Sachsen 3, Provinz Hannover 1. Königreich Bayern 9, Königreich Württemberg 2. Großherzogthum Baden 3. Thüringische Staaten 3. Kaiserthum Oesterreich 3. Hiervon waren: Arbeiter 23, Bäcker 6, Conditor 1, Gärtner 1, Kaminfeger 1, Kammmacher 1 , Kaufleute 4, Kellner 2, Knopfmacher , Krankenwärter 1, Metzger 2, Maschinenschlosser 1 , Schlosser 3, Schneider 3, Schuhmacher 8, Schreiber 4, Stuhlmacher 1, Steinmetz 1, Tuchmacher 1, Tuchscherer 1, Ziegler 1, Zimmermann 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen 1429. Abgegangen sind 1361. Im April sind entlassen 40 und zwar in Arbeit durch die Colonie 2, in Arbeit durch eigenes Bemühen 2, auf eigenen Wttnsch 35, zum Militär 1. Berpfiegtingstage im April 1890: 2213. Gearbeitet wurde an 1797 Tagen, hierunter 426 Tage für fremde Rechnung. *= Frankfurt a. M., 1. Mai. Der heurige Tag unterscheidet sich äußerlich kaum von irgend einem anderen. Aller- wärts geschäftige Eile, regsame Hände, völlige Ruhe. Von den gefürchteten Arbeiterbataillonen keine Spur. Nur in demjenigen Stadttheil, in welchem Schwagers Felsenkeller liegt, zeigte sich von 9 Uhr Vormittags ab eine größere Lebhaftigkeit. Die feiernden Arbeiter zogen zu der ein- berujenen Volksversammlung, in welcher der Redacteur des neuen Arbeiterblattes „Frankfurter Volksstimme" einen Vortrag über „Internationale Arbeiterschutzgesetzgebung" hielt. In der Versammlung, welche reichlich von Seiten der Polizeibehörde überwacht war, herrschte vollständige Ordnung und in größter Ruhe und Ordnung verließen auch die Ver- ■——MW— sammelten gegen */zl Uhr wieder den Saal. Es wurde auf Antrag des Referenten, des vorgenannten Redacteurs, folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung erklärt, im Einverständniß mit den Beschlüffen des Pariser Arbeiter-Congresses, auf welchem die deutsche Arbeiterschaft durch über 100 Abgeordnete vertreten war, daß die Forderung eines gesetzlich festzustellenden Normalarbeitstages, der in wirtschaftlich entwickelten Ländern schon jetzt unter Wahrung aller berechtigten Jntereffen der Industrie auf 8 Stunden bemessen werden kann, sowie die übrigen vom Pariser Congresse formulirten Forderungen des nationalen und internationalen Arbeiterschutzes eine Lebensfrage für das arbeitende Volk sind, und sie wendet sich an die Gesetzgebung mit dem Verlangen, diesen Forderungen gerecht zu werden." Der „Kl. Pr." wird mitgetheilt, von Seiten der Staatsbehörde seien sür den heutigen Tag große Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Die Hauptwache sei um 30 Mann verstärkt, die Mündungs- und Visirdeckel seien von den Läusen entfernt und auch die Reichsbank sei in besonderen Schutz genommen worden. Univerfitäts Marburg, 1. Mai. Gegen Ende des gegenwärtigen Sommer- semesters wird das hiesige Studentencorps „Teutonia" feinen 65jährigen Stiftungstag durch eine größere Festlichkeit begehen. — Der bisherige Privatdocent Dr. Karl Partsch zu Breslau ist zum außerordentlichen Professor in der medicinischen Facultät der Universität daselbst ernannt worden. — Die Universität Sydney ist auf der Suche nach einem Professor der Geschichte. Trotzdem der Lehrstuhl mit einem sich bis zu 1200 Lstrl. steigernden Gehalte von 900 Lstrl. ausgestattet ist, haben sich bisher noch keine englischen Historiker von Bedeutung um die Stelle beworben. Die Universität Sydney ist in Anbetracht ihres kurzen Bestehens reich. Ein alter australischer Eolonist hat ihr allein etwa 250000 Lstrl. testamentarisch vermacht.________________________ Verkehr, Land- und Volkswirthschaft. Einträge ins Mnfierschutz'Regifier. Nr. 108. Firma Georg Philipp Gail in Gteßen, ein verschlossenes Packet, enthaltend einen Farbengolddruck und eine Banderolle zur Ausstattung von Etgarrenkisten, Fabriknummern 17 und 18, Geschäftsnummern 5 und 6, Flachenerzeugnisse, Schutzfrist 3 Jahre, anyemeldet am 14. April 1890, Vormittags 10 Uhr. — Nr. 109. „Buderus' sche Eisenwerke", ein nicht verschlossenes Packet mit zwei Zeichnungen eines auf Hirzenbatnerhütte hergestellten neuen Modells in zwei Ausführungen eines sogenannten „Ausziehbaren Feuerungs-Einsatzes" nach Patent K. Ehncs, plastisches Er- zeugniß, Schutzfrist 3 Jahre, Geschäftsnummer 25, angemeldet am 26. April 1890, Vormittags 9 Uhr. Schiffsnachrichten. Bremen, 1. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Hermann, Eapt. H. Bödecker, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. April von Bremen und am 18. April von Southampton abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 1. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.] Der Postdamvier Main, Eapt. M. Moeller, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Avril von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst Sonntag Cantate, 4. Mai. Vormittags 9«/r Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Abends 6 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Dingeldey. Am Sonntag Rogate, den 11. Mai: Beichte un d heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst. Die Vfarrgeschäfte in der Woche vom 4. bis 10. Mai besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. 4. Sonntag nach Ostern, 4. Mai. Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V28 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 1/?7 Uhr Austheilung der hl Communion; um V,8 Uhr Frühmessei; um 3/<10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 1/»3 Ubr Christenlehre und Andacht Während des ganzes Monates Mai findet jede« Dienstag und Freitag AbendS 6 Uhr Maiandacht statt. Gottesdienst m der Synagoge. 3. Mai. Freitag Abend 7™ Uhr, Samstag Morgen 800 Uhr, Samstag Mittag 4« Uhr, Samstag Abend 8™ Uhr. Temperatur der Lahn und der Lust am 2. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 9'/z, Luft 13 Gr. Rübsameu. Concursversahren. In dem Concursversahren über das Vermögen des Metzgers Karl Keiner zu Gießen ist zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen, zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Be- schlußfaffung der Gläubiger über die nicht verwerthbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf den 22. Mai 1890, Vormittags 9 Uhr, vor dem Großherzogl. Amtsgerichte Hierselbst bestimmt. Gießen, den 28. April 1890. Bühner, [3979 Hilfs - Gerichtsschreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts. Bekanntmachung. Im Concursversahren über den Nachlaß des Kaufmanns Kaspar Becker zu Gießen ist Schlußrechnung gestellt; dieselbe liegt bei der Gerichtsschreiberei Großherzogl. Amtsgerichts Gießen zur Einsicht der Jnter- effenten offen. Der zur Vertheilung kommende Maffenbestand beträgt 1688 Mark 58 Pfg. und die zur Tbeitnahme berechtigten Forderungen 7193 Mark 91 Pfg. Gießen, den 1. Mai 1890. Karl KleeS, 3988 Concursverwalter. Hochfeinen Aepfelwein empfiehlt Emil Orbis, 3934] Bahnhofstraße 30. Preisen. Pianohandlung, Neuenweg unter Garantie tadelloser Ausführung zu billigen Filig|yan-Arbeit(hierselbstv.lO.Apnlan) Herstellung von Uhren- und Halsketten, Armbändern, Broschen, Haar- und Ball- schmuck, Kleider-Einsätzen, Verzierung von Wand- und Bürstentaschen, Sopha- kissen rc., nebst Blumenkörbchen, aus farbigem Draht und Wolle gefertigt. Zeige hiermit an, daß ich Hierselbst für kurze Zeit einen Unterricht in Filigran-Arbeit eröffnet habe, und lade die geehrten Damen zur Besichtigung derselben in meiner Wohnung Bismarckstraste 6,1 ergebens! ein. 2892 Die Arbeit ist nicht nur sehr interessant, sondern auch Lußepst leicht zu erlernen, selbst Anfängerinnen können gleich in den ersten Stunden Schmuck und Ketten Herstellen. Der Unterrichtspreis zur Erlernung sämmtlicher Arbeiten beträgt für Damen u4L 1,50, für Kinder JL 1, und steht es jeder Schülerin frei, so lange zu kommen, bis sie sich die Fertigkeit zur selbständigen Herstellung der „Filigran-Arbeit" angeeignet hat. Das Material hierzu ist sehr billig und ist dadurch Jedem Gelegenheit geboten, die schönsten Geschenke herzustellen. Unterrichtsstunden täglich von Morgens 8—12, Nachmittags von 2—7 Uhr; für Damen, die Tags über keine Zeit haben, Mittwoch, Donnerstag und Freitag Abends von 8—10 Uhr. — Kleine Auswahl in Schmuck nebst Blumenkörben habe ich Hierselbst im Schaufenster des Herrn Julius Schulze am Kreuz ausgestellt. Josepha Theben. MM-Cognac aus nur Wein gebrannt, ohne den geringsten Spritzusatz, in Brüssel mit der silbernen Medaille gekrönt, empfiehlt die Cognac-D estillerie von A. L. Visen, Trier a/Mosel. Niederlage für G i e ß e n bei Herrn Ph. Bauer II., 554]______Bahnhofstraße. Linoleum - Fussboden- Glanzlacke, sowie alle anderen Farben, in Oel gerieben, fertig zum Anstrich, empfehlen billigst Benner & Krumm, 3929_________Bahnhofstraße 40. 3961] Eine Kaute Mist zu verkaufen. 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Gießen, den 1. Mai 1890. Für den Schulvorstand: Gnauth, Fuhr, Hahn, __Bürgermeister._________Oberlehrer._____________________ Steins Harten. Sonntag den 4. Mai — Zur Eröffnung der Sommer-Saison — Grosses Concert ausgesührt von der Capelle des 2. Grotzh. Heß. Jnf.-Regts. Nr. 116 unter Leitung des Großh. Musttdirectors Herrn C. Krauße. W Auftreten des berühmten Sängers und Schnellmalers Signor Selmaro Travieni aus Rom. Anfang 5 Uhr. ■ Bier im GlaS. ■ Entree 30 Pf. I. Abtheilung: Militärmusik. — II. und III. Abtheilung Streichmusik. Der rühmlichst bekannte italienische Opernsänger und Concertmaler Signor Selmaro Traviesi wird u. A auch die Arie aus der Oper Lucia von Lämmer- moor von Donizetli in italienischer Sprache singen und während der .Kett ein ölHFuß großes wirkliches Oelgemälde malen, darstellend die Ruine Kyffhäuser in Thüringen (Stammschloß des deutschen Kaisers Barbarossa). Mit dem Letzten Ton der Arie wird auch das Bild fertig sein, welches dann derjenige der verehrten Concertbesucher gratis erhält, der ein von der Bühne aus gegebenes Silben- räthsel löst. — Da diese großartige Doppelleistung des Signor Traviesi (die eben so schwierig ist, als wenn Jemand einen Brief schreibt und zur selbigen Zeit ein Gedicht mit lauter Stimme hersagt) noch von keinem Andern nachgemacht werden konnte, so verspricht der Abend ein recht genußreicher zu werden.3998 Schützenverein. Sonntag und Montag den 4. und 5. Mai c.: Grosses Frübjahr-Preisscbiessen. Dauer des Schießens: Sonntag von Nachmittags 3 Uhr bis zum Dunkelwerden, Montag von Vormittags 9—12 und Nachmittags von 2—6 Uhr- Montag Abend 8 Uhr: Preisvertheilnng im Schützenhaus. 3973_________Der Vorstand. Zum Lindenhof. Frische Sendung 3993 Storchenbräu, vorzüglicher Stoff, eingetroffen.____________C. Heß Wwe. Abendstern (an der Straße Gießen—Rodheim). Sonntag de« £t» Mai: von Nachmittags 4 Uhr jOULCl l bis Abends 10 Uhr. Für warme und kalte Speisen und ein gutes Glas Bier ist bestens gesorgt. 3996 _______ Philipp Duill. Wilhelm Klee, Ruch- und Achreibmaterialien-Handlung, Marktstraße 2, empfiehlt zu bevorstehendem Schulwechsel für alle Schulen: 3226 alle Sorten Schulbücher und Hefte re., sowie sämmttiche Lchututenfitien, Gesangbücher in einfachen wie auch in eleganten Einbänden. Die Vaterländische Hagel-Verstcherungo-Gesellschast in Elberfeld, gegründet mit einem Capitale von drei Dtillonen SBlatf, versichert zu billigen und festen Prämien, bei welchen nie eine Nachzahlung erfolgen kann, Bodenerzeugniffe aller Art, sowie Glasscheiben gegen Hagelschaden- „ . Die Versicherungen können auf das laufende Jahr, oder aus unbestimmte Dauer, oder auf eine bestimmte Reihe von Jahren abgeschlossen werden; für letztere wird ein entsprechender Prämien-Rabatt gewährt. Die Schäden werden in liberaler Weise regulirt und die festgestellten Entschädigungsbeträge prompt innerhalb Monatsfrist voll ausgezahlt. r , r , . A ,, Nähere Auskunft über die Versicherungs-Bedingungen und Antragsformulare bei den unterzeichneten Agenten. In Gießen Wieseck G. H. Bender. Grüningen „ Alten-Buseck „ Ettingshausen „ Gellshausen „ Grünberg In Langgöns „ Langsdorf „ Steinbach „ Steinheim „ Treis a/Lda. Herr Ferd. Hoffmann. „ Wilh. Körber II. „ S. Löwenberg. ,, Joh. Walleufels „ Wilh. Kurtz Herr Cour. Brücke! IX. „ H Roth XI. „ G. Löwenberg. „ Karl Wolff. . „ I. Becker VI. „ Ph Hildebrand III. „ Innungen „ vj. T., .----r . NB. Die Gesellschaft übernimmt auch s. g. Collectiv- oder Gememdeveriicherungen, bei welchen sich eine größere Anzahl Gemeindemitglieder durch ein und dasselbe Document versichern können. ^975 Dermiethungen ^36 Kinderwagen in größter Auswahl zu billigsten Preisen bei [511 A. KUbiNger, L- Senners Nchf 3981] Alicestraße 26 ist der 3. 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Anm. erbeten Nachm. von 4 Uhr an Bismarckstraße 17- — Unterricht für Kinder von 4—7 Uhr Nachm._________ in der Schwarzlach an der Chaussee, 4956 Hl-Meter, zum Nachlaß der Frau Block Wwe- gehörig, ist für eine oder mehrere Jahre zu verpachten durch __Rechtsanwalt Labroiffe. 3994] Verloren Portemonnaie mit 1,20 Mk. Inhalt und Quittungen an der Westanlage. Adzugeben in der Exped. d- Bl.______ Angehender Kellner sofort gesucht. 3940 Bahnhofsrestauration. E^41^^me^väng^ehrerstöchle^om Lande, 22 Jahre alt, sucht Stelle als Stütze der Hausfrau, am liebsten in einer Stadt; Familienanschluß Bedingung- Honorar nach Uebereinkunft. Näberes in der Exped. d. Bl- 3671] Eine gesunde Amme sucht ein Kind mitzustillen. Näheres Wolkengasse Nr. 22 bei Hebamme Schirmann.__ " 3972]™ Ein Mädchen für Küche und Hausarbeit zum 28. Mai gesucht- BuderuS Erben, Frankfurterftraße 31. 3978] Ein junge- tüchtiges Fräulein zur Stütze der Hausbau in ein großes Logir- haus für einen Badeort gesucht. Näheres bei der Cx- pedition dieses Blatte-. 398ü] Mädchen welches Hausarbeit versteht und etwas nähen kann, auf einige Wochen zur Aushülfe gesucht. __Ludwigstraße 14 II. 3986] Ein Mädchen für Hausarbeit gesucht. Zu erfragen Marktstraße 7. 3985] Laufmädchen oder -Fra« für einige Stunden des Tages gesucht. _______________________Ludwigsplatz 14. Uems WM m Gießen. (Cafe Leib). Freitag den 2 Mai 1890: Letzte Vorstellung Gastspiel des Herrn Häusel er aus Caffel. Derlrompeterv.Säkkingen. Große romantische Oper in 3 Acten. Trompeter: Herr Hauseler vom König. Theater zu Cassel. Die Herren Studirenden zahlen an der Abendkasse auf Sperrsitz 1 Jü Der Parterre-Platz ist auf 60 Pfg Gallerie auf 40 Pfg. herabgesetzt. Die Direktion. 3920 F. Baars. Sonntag den 4. und Montag den 3. Mai: Kirchweihe z« Münzenberg, wozu freundlichst einladet [3977]W. Jäger von Ee Wasserschieben, Bankgeschäft. Hrankfnrtrr Börse oo« 2. Mai 1890. 4 pCt. Reichsanleihe SV, M 4 w Preuß. ConsolS 3V, , Schlußcours- 1 Uhr 16 Min- 107,00 101.50 106.30 101.60 4 pCt. Ungar. Goldrente 5 , Italiener Rente Oesterr. Silberrente Ruff. Orient IH. Disco nto-Eomm. Darmstädter Bank-Act. Dresdener Bank-Act. Berliner Handelsges. Oesterr. Credit-Act. Wiener Bankvereins-Act. Oesterr. Staats bahn Lombard. Eisenbahn 215 30 156 20 146.40 159.40 25575 101.25 185 50 103.37 Buschtherader Elbethal-Bahn-Act. Gotthard-Bahn-Act. Schweizer Nordoft „ West Gelsenkirchener Ver. Kön.- und Laurahütte-Act. Oesterr. Alpine-Montan Tendenz: fest. 4 pCt. Gießentr Obligationen ~ —15 vCt. BuderuS-Obligationen^ ReichSbank-DiScont 4 pEt. — Frankfurter Bank-Diskont 4 pEt. 88.50 94.10 77 20 7190 360 40 190 40 164 60 133.50 36 80 163 00 136 90 7710 1(4.40' Ncdaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Rümmer umfaßt 6 Sette«. und 1889 verwendet, resp. bei der Bank für Handel und blatt (Beilage Nr. 9) enthält: Bekanntmachung Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen hetreffend. Bekanntmachung Großh. Brandversicherungs-Commission, die Ergebnisse der Verwaltung der Großh. Brandversicherungskasse vom Jahre 1887 betreffend. Die Hauptsnmme der Einnahme beträgt 3,209,451 Mk. oerkehr, Land, und votk»w»rthschaft. — Diejenigen Lampen, welche im Frühjahr und Sommer nicht gebraucht werden, stellt man mit leerer, gut gereinigter Vase fort, nachdem man den Docht herausgenommen hat. Den Cylinder bedecke man mit einem Hütchen, ein papiernes genügt, damit kein Staub eindringen kann. Eine so ausbewahrte Lampe wird im Herbste,.wenn sie wieder in Gebrauch genommen und mit Docht und Oel versehen wird, wie eine neue Lampe hell und geruchlos brennen. Industrie dahier deponirt. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen, die Erhebung von Umlagen der Stadt Gießen betreffend. Namensveränderungen. Concurrenzeröffnung. Erledigt sind: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lindheim mit einem Gehalte von 900 Mk. Dem Herrn Grafen zu Stolberg-Wernigerode-Gedern steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindcschule zu Reichlos mit einem Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Kirchcndienst verbunden. vermischter. * Offenbach, 26. April. Am 23. November v. I. ließ der Metzger Leopold Samuel, damals in Offenbach, jetzt in Linz a. Rh., durch eine dritte Person in Bürgel eine Kuh um den Preis von 7 Mk. 20 Psg. (!) kaufen und, da ihr Zustand einen Transport nicht zuließ, alsbald abschlachten. Nach eingetretener Dunkelheit wurde das Fleisch, ohne daß eine Besichtigung durch den Fleischbeschauer stattgefnnden hatte und ohne das der Stadt Offenbach gebührende Octroi zu entrichten, in den Geschäftsladen des Samuel gebracht. Würde die Polizei nicht alsbald Wind bekommen haben, so würde Samuel von diesem Fleisch, das nach einem Gutachten des hiesigen Kreisveterinäramtes als verdorben, zum Theil sogar als ekelerregend zu bezeichnen war, auch verkauft haben. Das Schöffengericht, von dem Samuel gestern abgeurtheilt wurde, erkennt auf eine Haftstrafe von vier Wochen und eine Geldstrafe von 145 Mk. ..... * Ein gewichtiges Berliner Kind. Seit Ostern befindet Kreis Gießen I sich bei dem Obermeister der Fleischer-Innung in Aschersleben, Herrn Krüge, ein junger Berliner in der Lehre, der, wie der Meister der „Allg. Fleischer-Ztg." mittheilt, mit dem Wiegemesser bereits wie ein Geselle hantiren kann und auch von den Kunden als Geselle angesehen wird. Der erst vierzehn Jahre und einen Monat alte Lehrling Hermann Schönig aus der Göbenstraße 10a in Berlin ist nämlich 1.76 Mtr. groß und wiegt bereits 152 Psd.- sein Brustumfang mißt 88 Cmtr. Im Berliner Adreßbuch ist der Vater des vielversprechenden Berliner Kindes als Schaffner vermerkt. 545 Mk. 70 Pf., l). in baarem Vorrath 967,148 Mk. 60 Pf. Dieser Kassevorrath ist jedoch nicht baar vorhanden. Das Bielefelder Arbeiterheim. Das von der bewährten Hand des Pastors v. Bodei- schwinah zu Bethel bei Bielefeld gegründete „Arbeiterheim hat seinen Bericht über das Jahr 1888 ausgegeben. Mochten doch diese gar nicht umfänglichen Veröffentlichungen zunächst zahlreiche aufmerksame Leser unter Arbeitgebern und Kapitalisten finden! Dann stände zu hoffen, daß manche von ihnen, die, so lange sie das dort ins Leben Gerufene nur vom Hörensagen kannten und deßhalb die Bodelschwing ichen Anschauungen und Rathschläge für fromme Wünsche und utopistische Phantasmen hielten, nun practische, ihren örtlichen Verhältnissen angepaßte Versuche anstellen. Denn daß bei der heutigen Lage der Arbeiteraugelegenhetten positives Thun nicht von vorgefaßten Meinungen über möglich und unmöglich beherrscht und gelähmt werden, auch verschiedene Fehlschläge nicht entmuthigen dürfen, wird wohl fern Dielen Dingen Näherstehender bestreiten. ' Der Buchwerth der 39 von 410 Personen bewohnten Bielefelder Doppelhäuser einschließlich Grund und Gatten beträgt 264,000 Mk., von Einzelnen dargeliehen sind 65,000 zu 3 und 3i/2 pCt. Das billigste Doppelhaus kostet 5500 Mk., Jahresmiethe ohne Amortisation betragt 9b JJit. für die Familie. Das thcuerste Doppelhaus mit Werkstatt stellt sich auf 11,215 Mk. Die Bielefelder Erfahrungen seien hier ui Kurze zu- fammengesaßt: 1. Gesunde Arbeitereinzelhäuser mit Garten sind mit sicherer Kapitalanlage zu einem Preste herzustellen, bei dem der Arbeiter für Miethe und Eigenthumserwerb (Amortisation) nicht mehr ausgibt, als sonst für viel schlechtere Miethswohnnng ohne letzteren. 2. Zur Sicherstellung ist nöthig, daß man nicht auf Speculation Grund kauft und Häuser baut, sondern erst nach Feststellung der Zahl und des Bedürfnisses der refleetirenden Familien und nut Rücksicht auf die Besonderheiten des Ortes und der Leute. Auch auf die Sittlichkeit der Miether und Erwerber ist zu achten. 3 erleichtert den Anfang, wenn der erste Vertrag nur auf Miethe lautet und das Verkaufsversprechen erst gegeben wird, wenn der Hauspreis seststeht. 4. Auch Großstädten nahe sind V2 Morgen große Grundstücke für ein Doppelhaus zu beschaffen - man darf bis 3000 Mk. pro Morgen gehen. 5 Kostbare Straßenbauten und Canalisation sind zu vermeiden und mit Rücksicht auf Eisenbahnen angemessene Entfernungen zu wählen. Für bestimmte Zonen erleichternde Baustatuten. 6. Bildung von Genossenschaften ist zu empfehlen, diesen ist jedoch nicht von vornherein selbstständiges Bestimmungsrecht und damit zu große Verantwortung em- zuräumen, nur gemeinsame Hafpflicht für Verzinsung, Aussicht durch einen Ausschuß. Dieser darf die Kasseiiführung des Vorstandes einsehen. Die Kasse nimmt Spareinlagen der Genossen auf, unterstützt auch wohl Consumvereine. 7. Von Wichtigkeit ist, daß lebhafte persönliche Fühlung zwischen Patronat, Miethern und Erwerbern besteht- sehr sorderlich sind Besuche, Rathschläge, Friedensvermittelungeu, Theilnahme an Nöthen von Seiten derselben und persönliche Abholung der Mouatsmiethe durch den Rendanten. Der Hauptverein stellt sich u. A. zur Aufgabe, durch seine Mitglieder und Freunde für Förderung der Wohnungs- . — ......• ' s ' iqqö jache zu «erben und zu Vereinsgründung anzuregen, wo für I andern wurde zu den Ausgaben der Rechnungsiahre 1888 er seine Erfahrungen zur Verfügung stellt. Er wendet sich an Vorstände größerer industrieller Unternehmungen, auch an Kohlenzechen, und sucht sie unter Darlegung einzelner trefflicher Vorbilder, z. B. Peters-Neviges, Bergwerksdirectwn- Saarbrücken, dafür zu gewinnen, daß sie ihren Arbeitern zu einem freundlichen Daheim und Familienleben verhelfen. Er ersucht die Magistrate großer Städte, entweder nach dem Vorbild Bremens genieiunützige Bauvereine zu unterstützen oder, wie Halle und Elberfeld, die Sache selbst in die Hand Samstag den 3. Mai. (Siebener Anzeiger. Beilage zu Nr. 102. - 1890 68 Psg. Unter Ausgaben erscheinen an Brandschäden, Abschatz- | unaskosten re.: a. Provinz Oberhessen: f , 20,323 Mk. 31 Pf., Kreis Alsfeld 26,867 Mk. 43 Pf., Kreis Büdingen 27,028 Mk. 21 Pf., Kreis Friedberg 85,300 Mk. 51 Pf., Kreis Lauterbach 40,462 Mk. 85 Pf., Kreis Schotten 6849 Mk. 64 Pf., zusammen 206,831 Mk. 95 Pf.; b. Provinz Starkenburg: Kreis Darmstadt I 24,623 Mk., Kreis Bensheim 41,325 Mk. 68 Pf., Kreis Dieburg 64,218 Mk. 65 Pf., Kreis Erbach 49,811 Mk. 14 Pf., Kreis Groß - Gerau 33,906 Mk. 34^Pf., Kreis I Heppenheim 242,312 Mk. 75 Ps., Kreis Offenbach 148,370 Mk. 91 Pf., zusammen 605,568 Mk. 47 Pfi- c. Provinz Rheinhessen: Kreis Mainz 115,927 Mk. 83 Pf./ I Kreis Alzey 55,909 Mk. 60 Pf., Kreis Bingen 68,466 Mk. 29 Pf., Kreis Oppenheim 28,061 Mk. 93 Pf., Kreis I WormS 23,054 Mk. 93 Pf., zusammen 291,420 Mk. 58 Ps.- im Ganzen 1,102,821 Mk. Die Gesammt-Einnahme beträgt | 3,209,451 Mk. 68 Pf., die Gesammt - Ausgabe beträgt ] 2,241,757 Mk. 92 Pf., verglichen erscheint Rest 967,693 Mk. 1 76 Pf. Dieser Rest besteht: a. in liquidirten Ausständen | zu nehmen. Heimathlicher Herd auf eigener Scholle ist die Losung. „Die denkbar nützlichste Anlage von Grund und Boden, die leiblich und geistig, zeitlich und ewig den größten Reinertrag liefert, findet da statt, wo man der Arbeiterfamilie so viel Garten und Feld zutheilt, als sie neben ihren übrigen Obliegenheiten bearbeiten kann." Verbindung von Industrie und Landwirthschast ist eine besonders gesegnete Sache, aus Gründen, die hier keiner Ausführung bedürfen. Dadurch werden gewisse Mißstände der ersteren soweit als möglich ausgeglichen. 2l. Deutsches Reich. Darmstadt, 29. April. Das Großh. Regierungs- Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde- Montag den 8. Mai 1S90, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in dem Districte Hangelstein nachverzeichnetes Holz ver- steigert werden: A. Bau., Werk- und Nutzholz. 98 Eichen-Stämme mit 17,26 Festmeter, 29 Nadel-Stämme mit 9,91 Festmeter, 20 Buchen-Stämme mit 2,85 Festmeter, 247 Fichten-Skangen mit 9,86 Festmeter. B. Brennholz. Echeith. Prügelh. Stockh. Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen. Buchen 63 46 12 1546 Eichen 20 28 22 715 Linden — 2 ~ Nadel - - 2,4 480 Die Zusammenkunft ist am Steinbruch auf der Chauffee nach Daub- ringen. Gießen, am 29. Aprll 1890. Großh. Bürgermeisterei Gießen. __Gnauth._____3890 Samstag deu 3. Mai, Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Adler" dahier gegen Baanahlung: Sophas, Commoden, Kleiderschränke, 1 Herrenschreibtisch, 1 Regu lator, Tische, 1 Pferd, 2 Kühe, 2 Wagen, 1 Metalldrehbank, 1 Stoßkarren u. a. Geißler, 396u ______________Gr. Gerichtsvollzieher. Samstag den 3 Mai, Dormittags 11 Uhr, [3966 Versteigerung von altem Bau» und Werkholr, sehr gut erhaltenen Thüren,Fenstern, Oesen und Ziegeln Bahnhofstr», Ecke an der Löwengaste. Arbeitsdersteigermg. DienStag den 6. n. MtS, von Vormittags 9 Uhr an, sollen im alten Rathhause versteigert werden: veranschlagt zu Maurerarbeit 255.60 Steinhauerarbeit „ 248.— Schlosserarbeit „ 77.— Basaltsteinlieferung ,, 100.— Steinfuhrlohn „ 625.— Chaufsirarbeit „ 509.50 Pflasterarbeit „ 1227.— das Auf-und Abschlagen des Schülerbades in der Lahn „ 260 — besgl. von Schutzgeländen daselbst ,, 60.- die Aufräumung von Fluth- gräben „ 800. - Gießen, den 30 April 1890. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen Gnauth. 3936 löbelversteigerirog Montag den 5. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden im Gasthaus ,,zum Adler" die zur Conr. Jos. Kellerffchen Conmrsmaffe gehörigen Möbel, als: Tische, Stühle, mehrere Kleiderschränke, Betten, Wasch - commoden, Spiegel, Bilder, ein große- Schaukelpferd, Küchenschrank, Küchengeschirr u. s. w. versteigert. F» Hoffmann, 3935] Concursverwalter. Pa. frische Leinkuchen offerirt sehr preiswerth [3955 Heinrich Schmidt, Getreidegeschäft, Erfurt. Jeilgeöotenes. J. H. 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