Nr. 78. Der Otetzener Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme 6(6 Montag». Die Gießener W««ittev Skätter werden dem Anzeiger »dckentlich dreimal deigelegt. Mittwoch den 2. April 1890 Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Vierteljähriger AvonnemeulspreiFl 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, LxpedtNoa und Druckerei: Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den ßdtf/t/td» f&tdßdttdr C&rtlttt ftdtt Afrttfdr Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nehm« falzenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen Amtlichem Thcil. Bekanntmachung, die Reichstags wählen betr. (LS wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß bei den Nachwahlen in dem I. Wahlkreise des Großherzog- thums von 15,726 gültig abgegeben.'n Stimmen gefallen sind auf: 1) Herrn Kaufmann Wil h elm P i cke nb a ch zu Berlin 7145 2) Herrn Landrichter Dove zu Frankfurt a. M. . 4715 3) Herrn Fabrikant Heyligenstädt zu Gießen . 2100 4) Herrn Gastwirth Karl Orbig zu Gießen . . 1335 5) Se. Durchlaucht den Prinzen Hermann zu Solms-Braunfels zu Hungen .... 428 6) Auf andere Personen......... 3 Da sih hiernach eine absolute Stimmenmehrheit nicht ergeben h , wird die Vornahme einer engeren Wahl zwischen 1 höchstbestimmten Kaufmann WilhelmPicken- boch-B< k und Landrichter Dove-Frankfurt a. M. auf Dr srstag den 10. April d. I. mit dem Benre.ken festgesetzt, daß bei dieser Wahl alle aus andere Candidaten fallenden Stimmen ungültig sind. Die Protocolle über die engeren Wahlen werden Montag, 14. April l. I., Vormittags 11 Uhr, in dem Sitzungssaale des Regierungsgebäudes zu Gießen durchgesehen und die Resultate zusammengestellt werden. Das Ergebniß wird sodann verkündet werden. Der Zutritt zu dem Locale steht jedem Wähler frei. Gießen, den 1. April 1890. Der Wahlcommissär: v. Gagern. Bekanntmachung, die Reichstagswahlen betr. Unter Bezugnahme auf die vorstehende Bekanntmachung wird bezüglich des Wahlgeschäfts das Folgende zur öffentlichen Kenntniß gebracht: Die Abstimmung wird um 10 Uhr Morgens beginnen und um 6 Uhr Abend- geschloffen werden. Auf die engere Wahl kommen nur die Herren Plekenbach, Kaufmann zu Berlin und Dove, Landrichter zu Frankfurt a. M. Alle auf andere Kandidaten fallenden Stimmen find ungültig. Die engere Wahl findet ans denselben Grundlagen und 4 denselben Vorschriften statt, wie die erste. Insbesondere bleiben die Wahlbezirke, die Wahl- eale und die Wahlvorsteher unverändert. Wir ver- isen hierbei auf unsere Bekanntmachung vom 3. Februar I. — Anzeiger Nr. 31. - Bei der engeren Wahl werden dieselben Zählerristen angewendet, wie bei der ersten Zahlhcndlung. Gine wiederholte Auslegung >d Berichtigung derselben findet nicht statt. Gießen, den 1. April 1890. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, den 1. April 1890. Betr.: Wie vorher. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien und Wahlvorsteher deö Kreises. Die beiden vorstehenden Bekanntmachungen wollen Sie alsbald in Ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen lassen. Zu Ihrem Bemessen verweisen wir Sie aus §§ 28 ff. des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetzblatt 6. 280 ff.) und beauftragen Sie, strengstens hiernach zu verjähren und, soweit Sie nicht selbst als Wahlvorsteher in Mtigkeit zu treten haben, die Wahlvorsteher dementsprechend |ii bedeuten. Die erforderlichen Protocollformulare und die Wählerlisten gehen Ihnen mit nächster Post zu. Die Wahlaeten wollen Sie alsbald nach be- tn betet Wahlhandlung an den Unterzeichneten zur Post geben. . Den Wahlacten hat die besondere Bescheinigung der Großh. Bürgermeisterei beizuliegen, daß und wann die ortsübliche Bekanntmachung des Wahl- terwivS erfolgt ist. (§ 31 Abs. 4 des Wahlreglements.) Die Wahlvorsteher machen wir noch besonders aus die Le»bachtung des § 18 des Reglements aufmerksam. Aus Seite 4 des Protocolls sind bci den Namen der Candidaten die einzelnen auf sie gefallenen Stimmen durch Striche oder fortlaufende Zahlen anzumerken. Ist dieses wegen der großen Zahl der auf einen Candidaten fallenden Stimmen unthunlich, so ist in obiger Weise eine besondere Zählliste anzulegen und dem Protocoll als Beilage anzuschließen. Die von einem Beisitzer zu führende Gegenliste ist uicht eine Liste der Abstimm,nden, sondern ein besonder- geführtes Exemplar der Zählliste. Dem Protocoll hat daher beizuliegen: 1) die Wählerliste (blos aber das Duplicat); 2) die Zählliste, falls eine solche besonders geführt worden ist; 3) die Gegenliste; 4) die Bescheinigung der Großh. Bürgermeisterei wegen Bekanntmachung des Wahltermins; 5) diejenigen Stimmzettel, über deren Gültigkeit es einer Beschlußfaffung des Wahlvorstands bedurft hat. (Vergl. § 20 des Reglements.) v. Gagern. Bekanntmachung, die Amtstage des Großh. Kreisamts Gießen betreffend. Die unterzeichnete Behörde wird Mittwoch den 9. April l. I., von Borm. 8 Uhr an, uiten Amtstag im Rathhause zu Grün berg abhalten und du'3 den Kreis-Eingesessenen aus den Amtsgerichts-Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgesteut, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen. Gießen, den 31. März 1890. Großherzogliches Kreisamt Gie> en. _____v. Gagern. Gießen, den 31. März 1890. Betr.: Wie vorher. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden des KreiseS Gießen. Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie aus ortsübliche Weise zur öffemtt^en ' enntniß bringen laffen. o. Gagern. politifd^e Uevevficht. Gießen, 1. April. Die am Samstag Nachmittag erfolgte Abreise des Fürsten Bismarck von Berlin nach Fricdrichsruh hat sich, wie zu erwarten stand, unter begeisterten Huldigungen der Berliner Bevölkerung für den scheidenden großen Staatsmann vollzogen. Namentlich die eigentliche Abschiedsscene auf dem Lehrter Bahnhose gestaltete sich zu einer einzigen brausenden Ovation der dichtgedrängten Menge für den greisen Kanzler, von welcher dieser selbst — und ebenso die Frau Fürstin — sichtlich aufs Tiefste ergriffen war, und auch die Zeugen dieses so bedeutsamen und zugleich ergreifenden Moments sind hierbei wohl Alle aufs Tiefste bewegt worden. Ununterbrochen erschollen die Hurrah- und Hochrufe auf den Fürsten Bismarck, von allen Seiten drängte man sich an ihn heran, um ihm zum letzten Male die Hand zu schütteln, man überschüttete sein Coupe förmlich mit Blumen und dabei erbrauste immer stärker der Ruf: „Auf Wiedersehen! Aus Wiedersehen!" Und als sich der Expreßzug, welcher den Gefeierten nach seinem lauenburgischen Tusculum entführen sollte, endlich in Bewegung setzte, da erklang es nochmals tausendstimmig: „Auf Wiedersehen!" — mit diesem aus innersten Herzen kommenden Wunsche hat Berlins Bevölkerung von dem großen Ehrenbürger ihrer Stadt Abschied genommen! — Die Ankunft des Fürsten Bismarck und seiner Familie in Friedrichs- ruh erfolgte Samstag Abend 10 Uhr. Auf dem festlich geschmückten Bahnsteig hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge, darunter viele Hamburger, eingebunden, welche den Fürsten mit stürmischen Hochrufen begrüßte. Am Sonntag sind an verschiedenen Orten unseres Vaterlandes Vorfeierlichkeiten zum 75. Geburtstage des Fürsten Bismarck veranstaltet worden. Besonders erhebend verlief die in Kaiserslautern in der Pfalz abgehaltene Bismarcksfeier, an der sich ein überaus zahlreiches Publikum beseitigte; auch die sämmtlichen sechs Reichstagsabgeordneten der Pfalz waren erschienen. Oberbürgermeister Dr. Miquel hielt die eigentliche Festrede, in welcher er in begeisterten Worten der unvergleichlichen Verdienste Bismarcks um Kaiser und Reich gedachte. Auf den osficiclleu Schluß der Berliner Arbeiterschutz- conserenz ist am Sonntag die authentische Veröffentlichung der gefaßten Beschlüsse gefolgt. Dieselben beziehen sich, ent* sprechend dem aufgestellt gewesenen Berathungsprogramm, aus die Regelung der Bergwerksarbeit, der Sonntagsarbeit, der Kinderarbeit, der Arbeit junger Leute bis 18 Jahren, der Frauenarbeit und auf die Ausführung der vereinbarten Beschlüsse. Dieselben werden in den einzelnen Punkten stets durch die Formel: „Es ist wünschenswerth" eingeleitet und ergibt sich schon hieraus, daß ihnen kein bindender Charakter anhaftet. Die Bestimmungen hinsichtlich der Regelung der Arbeit in Bergwerken sprechen sich für Verbot der Arbeit weiblicher Personen unter der Erde und Festsetzung der unteren Altersgrenze für die in unterirdischen Bergwerken beschäftigten Knaben, aus das Ende des 14., resp. des 12. Lebensjahres aus; die Einschränkung der Arbeitsdauer in den einzelnen Bergwerken soll jedem Lande überlassen bleiben; die weiteren hauptsächlichen Bestimmungen betreffen die Beziehungen zwischen den Bergarbeitern und den Betriebsingenieuren, die staatliche Aufsicht über die Sicherheitsvorkehrungen für die Bergarbeiter u. s. w. Bei den Vereinbarungen über die Sonntagsarbeit sind diejenigen hervorzuheben, wonach allen geschützten Personen und allen industriellen Arbeitern wöchentlich ein Ruhetag und zwar möglichst ein Sonntag, gewährt werden soll und wonach auch in Betrieben, die entweder beständig oder nur zu bestimmten Jahreszeiten functioniren, jeder Arbeiter jeden zweiten Sonntag frei haben soll. Unter den Bestimmungen über die Regelung der Kinderarbeit sind diejenigen hervorzuheben, welche sich für Arbeitsverbot der Kinder unter 14 Jahren für Nacht- und Sonntagsarbeit, für Ausschluß der Kinder, welche das 10., resp. 12. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, von den industriellen Betrieben, für Festsetzung einer täglichen Maximal-Kinderarbeitszeit von sechs Stunden und für Ausschluß der Kinder von der Arbeit in ungesunden und gefährlichen Betrieben aussprechen. Betreffs der Regelung der Arbeit junger Leute wird der Ausschluß junger Leute zwischen 14 und 16 Jahren von der Nacht- und Sontagsarbeit und die Festsetzung einer täglichen Maximalarbeitszeit von 10 Stunden als wünschenswerth bezeichnet. Die Bestimmungen über die Frauenarbeit legen Nachdruck darauf, daß Frauen und Mädchen über 16 Jahre von aller Nacht- und Sonntagsarbeit ausgeschlossen werden, daß die wirkliche Arbeitszeit elf Stunden täglich nicht überschreitet und daß Ausnahmen für gewisse Industriezweige vorgesehen werden. Die Ausführung der vereinbarten Bestimmungen endlich 'oll der Beaufsichtigung eigens hierzu ernannter Beamten unterliegen, deren Berichte allen Regierungen, die auf der Berliner Conserenz vertreten waren, mitzutheilen sind und wird schließlich die Wiederholung gleicher Conse'renzen zum Zwecke gegenseitigen Gedankenaustausches über die Ausführung obiger Beschlüsse als wünschenswerth bezeichnet. Heuefte Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 31. März. Der „Reichsauzeiger" veröffentlicht die kaiserliche Ernennung des Reichskanzlers Caprivi zum Bevollmächtigten zum Bundesrath. Berlin, 31. März. Morgen findet unter dem Vorsitze des Reichskanzlers General v. Caprivi eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums statt. — Der Stellvertreter des Reichskanzlers beim Bundesrath beantragte, die bestehenden Abweichungen von dem Normalprosil des lichten Raumes bei den deutschen Eisenbahnen zunächst bis zum 1. April 1895 zuzulassen, da es bisher nicht möglich gewesen wäre, sämmtliche Abweichungen zu beseitigen. — Den „Berl. Polit. Nachrichten" zufolge ist die Nachricht verschiedener Blätter, wonach durch eine Novelle zum Zuckersteuergesetz die Materialsteuer aufgehoben werde, mit Vorsicht aufzunehmen. Die Voraussetzung zu einem derartigen gesetzlichen Vorgehen bilde das Zustandekommen einer Zuckerconvention, behufs Aufhebung des Prämiensystems. Es handle sich dabei um die Erhaltung der Concurrenz- fähigkeit der deutschen Zuckerindustrie auf dem Londoner Markte. Bevor diese Vorfrage nicht sorgfältig geprüft und in positivem Sinne entschieden ist, müßte man allen diesen Mittheilungen über diesbezügliche unmittelbar bevorstehende gesetzgeberische Pläne mit Mißtrauen begegnen. Friedrichsruh, 31. März. Abends brachten mehrere Extrazüge Tausende von Männern aller Stände. Mehrere Kriegervereine mit Fahnen erschienen. Als der imposante Zug das Landhaus erreicht hatte, traten Fürst und Fürstin Bismarck, Gras Herbert und Wilhelm Bismarck nebst Gemahlin, Gras und Gräfin Rantzau aus dem Schlosse. Der Fürst richtete einige Worte an das Comitö, worin er besonders die nachbarlichen Beziehungen zu Hamburg betonte. Dr. Nolte-Hamburg hielt eine schwungvolle Ansprache und dankte dem Fürsten für alles, was er zur Entwickelung und Ehre Deutschlands gethan. Aus ewige Zeiten werde sein Name verbunden sein mit dem Namen des Deutschen Reiches. Redner schloß mit dem Wunsche, Gott möge den Fürsten noch lange zury Segen des deutschen Vaterlandes erhalten, woraus das übliche Hoch folgte, welches begeistert ausgenommen, brausenden Widerhall bei dem ganzen Zuge sand. Der Fürst dankte dem Comite für die schöne Kundgebung, er hoffe jetzt öfter die alte Hansastadt Hamburg zu besuchen, deren Ehrenbürger er sei. Er richtete schließlich einige Worte an den früheren Reichstagsabgeordneten Wörmann. Der Zug trat alsdann den Vorbeimarsch vor dem Schlosse an, der eine halbe Stunde währte, und sammelte sich dann aus der großen Wiese. Inzwischen nahm der Fürst mit seiner ganzen Familie, sowie einigen Vorstandsmitgliedern des Hamburger Reichstagswahlvereins, welcher die Ovation veranstaltet hatte, auf dem Schloßbalcon Platz, welcher einen guten Ausblick aus die Wiese gewährt. Nach dem Gesang von „Deutschland, Deutschland über Alles", der „Wacht am Rhein" und wiederholten brausenden Hochs auf den Fürsten wurden die Fackeln zusammengeworfen, worauf sich der Zug auflöste. Dortmund, 31. März. Die gestern Nachmittags stattgefundene Versammlung der Belegschaft Zeche „Unser Fritz" beschloß, gegen den Strike Front zu machen und jede Betheiligung daran zu unterlassen. Aus den Zechen „Dahlbusch" und „Zollverein" ist Alles an der Arbeit. Bildstock, 31. März. Eine gestern hier abgehaltene Vertrauensmänner - Versammlung von Bergarbeitern beschloß, den Arbeiter-Congreß in Brüssel nicht zu beschicken, da die Versammlung mit den herausfordernden Tendenzen der belgischen Arbeiter nicht einverstanden sei. Der Bergmann Schelle wies auf die Erlasse des Kaisers und die Berliner Conferenz hin, welche sich ^eingehend mit dem Wohle der Arbeiter beschäftigten. Lübeck, 31. März. Die Lohnbewegung der Holzarbeiter führte heute zur Entlassung von 600 Arbeitern. Die Arbeitgeber hatten die verlangte Lohnerhöhung bewilligt, verlangten jedoch die Duldung von Nichtmitgliedern des Holzarbeitervereins, was die Arbeiter verweigerten. Der Betrieb auf den großen Holzplätzen hat nahezu aufgehört. Die nichtstrikenden Arbeiter werden polizeilich beschützt. Wien, 31. März. Das „Fremdenblatt" meldet: An der am 14. April unter dem Vorsitze Taaffes stattfindenden deutsch-böhmischen Ausgleichs-Conferenz nehmen dieselben Minister und Mitglieder der Conferenz Theil wie im Januar. Wien, 31. März. Heute begann ein theilweiser Strike der Maurer und Steinrnetzgehilsen. Die Ansammlungen wurden von der Polizei zerstreut. Einige Verhaftungen sind vorgenommen worden. Paris, 31. März. Die Morgenblätter melden aus Kotonu: Die französischen Truppen haben süns Dörfer am Flusse Whimi eingenommen und verbrannt. Loudon, 31. März. Die meisten Morgenblätter besprechen das Ergebniß der Arbeiterschutz-Con serenz auf das Sympathischste und versprechen sich davon heilsame Folgen. Die „Morning Post", die „Times", der „Daily Telegraph" beglückwünschen den deutschen Kaiser in wärmster Weise, daß er die Initiative zu dem Humanitären Werke ergriffen habe. London, 31. März. Im Unterhause erwähnte Fer- gusson ein in Athen umlaufendes Gerücht, wonach ein oder mehrere türkische Kriegsschiffe unter italienischer Flagge in der Richtung auf die Insel Kreta fahrend gesehen worden sind. London, 31. März. Nach einer Meldung des Bureau Reuter aus Canea vom 29.März ging Schakir Pascha von den türkischen Vertretern in Griechenland die Nachricht zu, eine bewaffnete Expedition plane einen Einfall in Kreta^ Die kretensischen Militärbehörden verdoppelten deßhalb ihre Wachsamkeit. Die drohende Haltung der Flüchtlinge dürfte die weitere Ausführung des Amnestiedeerets, sowie die Aushebung des Standrechtes verzögern. London, 31. März. Wie die „Times" aus Zanzibar meldet, wird der dortige deutsche Generaleonsul dem Sultan von Witu demnächst mit großer bewaffneter Eseorte einen amtlichen Besuch abstatten. Die vom Sultan von Zanzibar mit versöhnlicher Mission nach den Südhäfen entsandten Com- wissare kehrten unverrichteter' Dinge zurück. Kopenhagen, 31. März. Der Landsthing nahm mit 40 gegen 13 Stimmen die bereits gemeldete Resolution betreffs Genehmigung der Regierungsvorlagen an. Charleroi, 31. März. Aus verschiedenen Theilen des Bergwerksbezirks werden Arbeiterbewegungen gemeldet. In mehreren Kohlengruben verlangten die Arbeiter eine Lohnerhöhung von 15 pCt. Den Besitzern derjenigen Gruben, wo diese Forderung gemacht wurde, ist ein Ultimatum der Arbeiter zugegangen. Rom, 31. März. Ein gestern nach Norden abgegangener Eisenbahnzug ist bei Chiusi entgleist- acht Personen wurden verwundet. Lissabon, 31. März. Nach den bisherigen Meldungen lassen die gestrigen Deputirtenwahlen eine große Regierungs-Majorität erwarten. Die Regierung rechnet aus etwa 100 Anhänger von den 134 auf dem Festlande und auf gesunden ^Wenden. Ruhestörungen haben nirgends statt- 31. März. Der deutsche Botschafter Schweinitz ist wieder hier eingetroffen. r m^.^neiro, 30. März. Ein Regiemngsdecret unter- sagt die Veröffentlichung falscher Nachrichten und alarmirender Gerüchte, sowie die Verbreitung derartiger Depeschen. Zuwiderhandelnde werden vor ein Kriegsgericht gestellt Berlin, 1. April. (Privatdepesche.) Behufs Ausführung der von vielen Seiten angeregten Errichtung eines Nationaldenkmals für den Fürsten Bismarck in der Reichshauptstadt traten gestern eine Anzahl angesehener, den verschiedensten politischen Richtungen angehörige Männer zusammen, um demnächst einen diesbezüglichen Aufruf zu erlassen. Das Comite beabsichtigt, den Kaiser um Uebernahme des Protektorats zu bitten. Den Vorsitz übernahm Landesdirector v. Levetzow. Eocale» tinb provinzielle». Gießen, 1. April. — Herr Dr. Scheuermann vom hiesigen Realgymnasium ist zum Director der Realschule in Alsfeld ernannt. — Gestern Nachmittag 2 Uhr passirte mittelst Extrazuges das Mecklenburg. Jäger-Bataillon Nr. 14, von Schwerin kommend, den hiesigen Bahnhof. Das Bataillon, dessen Mannschaften in Marburg bewirthet wurden, kommt nach Colmar im Elsaß. — Verschönerungs-Verein. Am 25. v. M. fand die diesjährige Generalversammlung des Verschönerungsvereins statt. Aus dem, in derselben erstatteten Jahresberichte entnehmen wir zunächst, daß an Stelle des Heimgegangenen Herrn Oberbürgermeisters Bramm Herr Wilhelm Gail s. Z. in den Vorstand gewählt worden war,- ferner in Bezug auf den Bestand des Vereins, daß die Zahl der Mitglieder im Lause des Jahres sich um die bedeutende Ziffer von 83 vermehrt hat. Am Schluffe des vorigen Jahres gehörten dem Vereine 371 Mitglieder an, während er deren jetzt 454 zählt. Die Mitgliederbeiträge haben sich — einschließlich 46 Mk. an, den statutenmäßigen Beitrag übersteigenden, Zuwendungen auf Mk. 954 erhöht. Bezüglich der Thätig- keit des Vereins theilt der Bericht mit, daß im verflossenen Jahre nachfolgendes ausgeführt wurde: 1) Es wurden 3 weitere Ruhebänke aufgestellt und zwar eine an der Marburgerstraße, eine an der Franksurterstraße und eine an der Waldecke an dem Schiffenberger Fahrwege, nahe der Abzweigung von der Hänfener Straße, welch letztere einen besonders schönen Ausblick gewährt. Diese 3 Bänke erforderten einen Aufwand von Mk. 101.—. 2) Der Vorstand ließ eine Karte der nächsten Umgebung der Stadt, namentlich zu größeren Spaziergängen in den Waldungen, im Maßstab von 1/25000 für die Vereinsmitglieder anfertigen, die dieselben unentgeltlich zugestellt erhielten. Ihre Anfertigung hat einen Aufwand von Mk. 593.— erfordert. 3) Es wurde in dem Schiffenberger Walde auf der Höhe über dem Ludwigs- brunnen ein Tempel errichtet, wozu die Mittel zum größten Theil durch das Geschenk der Kinder des verstorbenen Herrn Georg Noll geliefert wurden- der Tempel erforderte eine Aufwendung von Mk. 1173.— In dem Berichte wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, wie sehr Wünschenswerth es fei, daß die kleine Quelle des Ludwigsbrunnens nicht, wie projektirt war, noch zu der Wasserleitung für die neuen Klinikbauten hinzugezogen, sondern dem Walde und seinen Besuchern erhalten bleibe und daß der Vorstand in dieser Richtung bei Großherzoglicher Negierung vorstellig geworden sei. Für den Fall, daß die Hoffnung aus Erhaltung der Quelle sich erfüllt, soll dieselbe durch den Verein neu gefaßt und in ein Bassin geleitet werden. Ueber den Bestand der Kasse wird mitgetheilt, daß die Gesammteinnahmen Mk. 2079 45 Pfg. und die Gesammtausgaben 1892 Mk. 77 Pfg. betragen haben, wonach am Schluffe des Jahres ein Kassenbestand von 186 Mk. 68 Psg. verbleibt. Als zunächst in Aussicht zu nehmende Arbeiten des Vereins für den nächsten Sommer wurden bestimmt: die Anbringung von Wegweisern in der Umgebung des Hochwartberges und auf dem Hangelstein, die Aufstellung einer Anzahl neuer Ruhebänke, die Erwerbung eines kleinen Platzes und dessen Anlegung mit Bosquet in der Nähe der Schönen Aussicht nebst Aufstellung von Bänken daselbst, die Herstellung eines Bankets oder Fußwegs und Pflanzung von Bäumen längs desselben an dem alten Schiffenberger Wege bis zum Walde — und endlich die Herstellung von Ruhebänken an einzelnen Punkten des Hangelsteins. Inwieweit diese Projekte zur Ausführung kommen können, hängt natürlich von den Einnahmen des Vereins ab und werden demselben hoffentlich immer mehr neue Mitglieder beitreten und ihm auch Zuwendungen über den statutengemäßen geringen Jahresbeitrag hinaus zu Theil werden, damit er bie Aufgaben, die er sich im Interesse der Vermehrung der Annehmlichkeiten des Aufenthaltes in unserer Stadt gesetzt hat, nach Möglichkeit erfüllen und seine Thätigkeit im kommenden Jahre eine ebenso erfreuliche sein kann, wie im verflossenen. Bei der vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes wurden die seitherigen Mitglieder wiedergewählt. Die Erledigung eines Antrages, die Mitgliederzahl des Vorstandes zu vermehren, mußte auf eine demnächst zu berufende weitere Generalversammlung verschoben werden, weil dieser erst am Tage vor der Versammlung eingegangene Antrag, als eine Statutenänderung involvirend in der Einladung zur betr. Generalversammlung hätte bekannt gegeben werden müssen. Ulrichstein, 29. März. Mit Freuden ist die demnächstige Niederlassung eines zweiten Arztes in unserem Städtchen zu begrüßen, da bei den weit auseinander liegenden Ortschaften unseres Bezirkes und bei den schwierigen Ver- kehrsverhältnissen rechtzeitige ärztliche Hilfe nicht immer in wünschenswerthern Maße gebracht werden konnte. Die hiesige Krankenkasse, deren Fixum der hiesige vielbeschäftigte Kreisassistenzarzt bisher bezog, hat ein jährliches Honorar bewilligt, welches Herr Dr. Schmidt aus München beziehen wird. Derselbe, welchem ein guter Rus vorausgeht, wird am 1. April sich dahier niederlassen. Eine gute Praxis steht ihm in sicherer Aussicht. dt. Neu - Ulrichstein, 1. April. Monatsbericht pro März 1890 der Arbeiter-Colonie. Ende März 1890 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 87 Mann. Dieselben Vertheilen sich atff das $rofe- herzogthum Hessen 29, Regierungsbezirk Cassel 10, Regie- rungsbezirk Wiesbaden 9, Stadt Berlin 1, Provinz Brandenburg 3, Provinz Hannover 1, Rheinland 5, Provinz Sachsen 4, Provinz Schlesien 3, Provinz Westfalen 3 Königreich Bayern 5, Königreich Württemberg 3. Groß- herzogthum Baden 2. Thüringische Staaten 2. Freie Stadt Hamburg 1. Kaiserthum Oesterreich 6. Hiervon waren: Anstreicher 1, Arbeiter 30, Bäcker 7 Buchbinder 1, Buchdrucker 1, Conditor 1, Drahtzieher 1 Eisengießer 1, Gärtner 1, Gerber 1, Hutmacher 1, Kammmacher 1, Kaufleute 6, Kellner 2, Koch 1, Krankenwärter 1, Metzger 2, Seiler 1, Schlosser 4, Schmied 1, Schneider 3, Schreiber 5, Schreiner 1 , Steinhauer 1 Steinmetz 1, Schuhmacher 6, Tapezierer 1, Tüncher 1' Ziegler 1, Zimmermann 1, Stuhlmacher 1. Seit Bestehen der Colonie sind aufgenommen 1408. Abgegangen sind 1321. Im März sind entlassen 45 und zwar in Arbeit durch die Colonie 1, in Arbeit durch eigenes Bemühen 1, in die Familie zurück 3, auf eigenen Wunsch 40. Verpflegungstage im März 1890: 2887. Gearbeitet wurde an 2386 Tagen, hierunter 137 Tage für fremde Rechnung. Vermischter. * Mainz, 31. März. In der Bernbe'schen Möbelfabrik kam es heute Morgen zu einer Arbeitseinstelung. Die Versuche, die bestehenden Streitigkeiten auf gütlichem Wege beizulegen, sind bis jetzt gescheitert. * Seligenstadt, 30. März. Weiberwahlberech- tigung. In unserer unterfränkischen Nachbargemeinde Groß-Welzheim vollzog sich am letzten Mittwoch Nachmittag eine schon seit 30 Jahren nicht mehr verzeichnete Speeies Frauenemancipation: bie Heb ammen-Wahl. Nach einem mit erbitterter Heftigkeit geführten Wahlkampfe, an dem sich fast sämmtliche verheiratheten Frauen beteiligten, errang die 34jährige Ehefrau des Polizeidieners Wieland mit 53 Stimmen die Siegespalme über ihre Gegencandidaten, auf welche nur 25 Stimmen entfielen. Eine dritte Con- currentin hatte schon vorher mit Rücksicht auf ihre völlige Aussichtslosigkeit die Candidatur niedergelegt. Der glänzende Wahlsieg wurde von den entzückten Wählerinnen bei obligatem Freibier bis nach Mitternacht würdig gefeiert. Die bedeutungsvolle Hebammenwahl, welche im Bedarfsfälle auch in Dettingen, Kahl und anderen kleineren Gemeinden Unterfrankens von den Frauen ausgeübt wird, ist ein gesetzlich Zwar keineswegs verbrieftes, wohl aber ein uraltes, von den Müttern ererbtes Observatrecht, auf welches die Frauenwelt nicht wenig stolz zu fein scheint. Die Bewerberinnen um eine vacante Hebammenstelle werden zunächst vom Bezirksarzte auf Gesundheitszustand geprüft, deren günstiges Resultat zur Candidatur berechtigt. Durch regelrechten Wahlact wird dann die Aspirantin den Weibern erkoren und die Siegerin auf Gemeindekosten zur Theilnahme an einem viermonatlichen Ausbildungs-Cursus nach Würzburg entsendet. Aus der unzweifelhaften Wichtigkeit der Sache erklären sich' die zuweilen ungemein hochgehenden Wogen des Wahlkampfes. * Mannheim, 29. März. Ein Trompeter der Dragoner, welcher seine hiesige Flamme, eine Kellnerin in einer Wein- reftauration, nicht so leichten Herzens und Sinnes verlassen zu haben scheint, sandte derselben vor einigen Tagen einen Bries, in welchem er seinen Gefühlen wohl nicht ganz Ausdruck gegeben haben mochte. Aus der Rückseite der Adresse befand sich nämlich eine durchlaufende Reihe zierlich geschriebener Noten, welche unserer sonst so verftändnißvollen Hebe Anlaß zu quälendster Neugierde waren, zumal auch in ihrer näheren Umgebung Niemand dieses Näthsel zu lösen vermochte. Endlich erschien ein musikkundiger Herr und pfiff ihr die geheimniß- volle Mittheilung, welche lautete: „Du, Du liegst mir im Herzen, Du, Du liegst mir im Sinn." * Sämmtliche Brauereien in München beschlossen, den Bierpreis um 2 Pfennige für das Liter vom 1. April ab zu erhöhen. In der Begründung wird geltend gemacht, daß im Betriebsjahre 1888/89 nachweislich an dem inländischen Consum nichts verdient worden- ferner, daß eine Erhöhung der Materialpreise und Löhne eingetreten wäre - drittens, daß mehrere Brauereien eventuell einem finanziellen Untergänge entgegengehen und endlich, daß die Netto-Bierpreise für München niedriger feien, als in der Provinz. — Die Münchener Wirthe beschlossen angesichts der fortgesetzt steigenden Fleischpreise eine zwanzigprocentige Erhöhung der Speifen- Pr e ise. ttniverfitäte - Nachrichten. — Der bisherige ordentliche Professor an der Kaiser-Wilhelms- Universität Stratzburg, Dr. Paul Scheffer-Boichorst, ist zum ordenilichen Professor in der philosophischen Facullät der Friedrich- Wilhellns-Universität Berlin ernannt. Göttingen, 28. März. Dem Vernehmen nach ist an Stelle des Herrn Geh. Reg.-Raths Pros ssor Dr. Drechsler, welcher bekanntlich mit der Verwaltung des Universitats-Curatoriums in Greifswald betraut ist, der Herr Profissor Dr. Liebscher in Poppelsdorf bei Bonn als Director des hiesigen landwirthschaltlichen Instituts berufen und wird sein neues Amt mit Beginn des Sommersemestrrs antreten. £lteratar rrnd Nrrnst. - Wassersport, 1890, Nr. 13. Inhalt: Termine, l- Unter amtlichem The,l: Bekanntmachungen der Clubs. — Unter Rudern: Die Geldlage des Deutschen Ruder Verbandes. Ausschreibungen des Dresdener Regatta-Vereins und der Heilbronner R.-G. „Schwaben". Nachrichten. — Unter Segeln: Leuchtfeuer und Seezeichen. (Fortsetzung.) (Mit Abbildung.) Die Kreuzfahrt des Kutters Falke". (Fortsetzung.) Zur Ankersrage. Nachrtchtm. - Unter Schwimmen: Ausschreibungen des Breslauer Schwimm- Vereins von 1885. Nachrichten. — Unter Eislauf: Nachrtchtm. Briefkasten. — Anzeigen. Es starben an: Zusammen 5 Diphtherie 2 1 3 1 6 (1) 5 Summa: 15 (1) Große Preise. 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Die Sendungen dürfen das Maß von 45 Etm. in der Länge, sowie das Gewicht von 1 Kar. nicht überschreiten und müssen im Uebrigen den für Drucksachensendungen geltenden Vorschriften entsprechen._____________________________________________ Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. 4 pro Teller erstell man d. Benutzung von "TtmpeS Tuppeutafeln. Große Auswahl ä 10 und 20 H bei 1852] W. Lchomber u. L. Ltierle L To. Schtff»»»a