Nr. 149. Dienstag den L Juli 1890 Der Gieße«er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener P««itte«Stätter werden dem Anzeiger »Schmtlich dreimal deigelcgt. Meßmer Anzeiger Keneral-Mnzeiger. Bierteljährtger Aöonnementspreir c 2 Mark 20 Pfg. m« Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, ExpediNe« und Druckerei: KchutstraßeAr.,0 Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt fite den Areir Gieren. »!? 1___*L. ' .....r1— 11 Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. UiMUHUHHfII1 IJMilIlJffllWJIllWn—iirirwiavci Ml— l>—m—UM^llll.'^— chratisöeikage: chießener KamikienöläLter. Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Dent-cyrs Reich. nn. Darmstadt, 28. Juni. Erste Kammer der Stände. Die gestern Mittag und heute gepflogenen Verhandlungen drehen sich um die Rückverweisungen zweiter Kammer bezüglich der Nebenbahnen. Wie bereits berichtet, hat die zweite Kammer die Linie Guntersblum—Worms ganz abgelehnt. Im Gegensatz hierzu beantragt das Haus die Einstellung der Theilstrecke Rheindürkheim—Guntersblum nach warmer Befürwortung des Freiherrn von Heyl und stellt dafür den Betrag von 85 000 M. ein. Bezüglich der Linie Friedberg—Hungen—Nidda wird der Regierung möglichst freie Hand bei der Trace überlassen mit dem Wunsche auf möglichste Berücksichtigung der Braunkohlenbergwerke bei Södel. Dem Antrag W eith auf Berücksichtigung der Interessen Nieder-Ftorstadts bei dem Bau der Linie Friedberg—Hungen— Nidda tritt die erste Kammer nicht bei, will vielmehr an Großh. Regierung das Ersuchen richten, bei Erbauung einer- späteren Linie die Interessen Nieder-Florstadts in Betracht zu ziehen. Dem Antrag zweiter Kammer wegen der Bahn Laubach— Mücke bezw. einem Punkt zwischen Mücke und Grünberg tritt das Haus bei. Der Ausschuß wünscht hierbei Berücksichtigung des Seenthals und stellt einen diesbezüglichen Antrag, welchem sich die Kammer anschließt. Hiermit schließt die erste Kammer ihre Sitzungen um 10 Uhr. ' nn. Darmstadt, 28. Juni. Zweite Kammer der Stände. Die heutigen Schlußverhandlnngen des Hauses drehen sich noch auf Recomnnicativnen aus der ersten Kammer wegen der Nevenbahn-Vorlagen. Der Berichterstatter Abg., Theobald theilt zunächst dem Hause mit, daß auch die erste Kammer jetzt dem Beschluß der zweiten Kammer bezüglich der Bahn Friedberg—Hungen bezw. Nidda beigetreten, jedoch mit dem Wunsche möglichster Berücksichtigung der Braunkohlenbergwerke bei Friedberg. Diesem Antrag stimmt die Kammer bei. Bezüglich des Antrags Weith, ein Ersuchen auf Vorlage eines Bahnprojectes, welches die Gemeinde Nieder-Flor- stadt berücksichtige, sofern dieses nicht bei der Linie Friedberg—Hungen—Nidda der Fall sein könne, ist die erste Kammer nicht beigetreten und hat beschlossen, daß die Interessen Nieder-Florstadts bei einer demnächstigen Eisenbahnverbindung Berücksichtigung finden sollen. Diesem Antrag wird einstimmig beigetreten. Wegen Erbauung einer Bahn von Laubach nach einem Punkt zwischen Station Mücke resp. Grünberg ist auch die erste Kammer beiZetreten, hat jedoch den Zusatz hinzugesügt unter möglichster Berücksichtigung des Seenthales. Nachdem Abg. v. Rabenau diesen Antrag unterstützt, tritt die Kammer demselben bei. Bezüglich der von^der ersten Kammer angestellten und von der zweiten Kammer gestern abgelehnten Bahn Worms—Rheindürkheim—Guntersblum hat sich die erste Kammer, nm diese Bahn wenigstens theilweise für die Rheingemeinden zu retten, für den Bau der Linie Guntersblum—Rheindürkheim ausgesprochen. Der Ausschuß der zweiten Kammer beharrt aus seinem früheren Beschluß. Abg. Reinhardt ersucht das Haus, den Ausschußantrag abzulehnen und empfiehlt Beitritt zum Beschluß der ersten Kammer. Durch den Strich der Linie Worms sei die einzustellende Summe wesentlich gekürzt worden und es empfehle sich, baß man die fern vom Bahnverkehr abliegenden Rheingemeinden auch mit einer Bahn bedenken möge. Abg. Schröder erklärt es für einen nicht wieder gut zu machenden politischen Fehler, wenn man nicht den Interessen und der Industrie dieser Gemeinden Rechnung trage und in den Verkehr hereinziehe, nachdem man so vielen Theilen des Landes Bahnen bewilligt habe. Im gleichem Sinne sprechen noch die Abgg. Stephan, Frank und Bergsträß er, indem sie dem Haus empfehlen, doch auch bei dem letzten streitigen Project der ersten Kammer entgegen zu kommen. Abg. Vogt spricht sich gegen Einstellung dieser Linie aus- für ihn sei es nicht maßgebend, daß die erste Kammer die Linie eingestellt habe. Diese möge nachgeben. Abg. v. Rabenau empfiehlt die Vorlage im Interesse des Friedens und der ausreichenden Gerechtigkeit, da die Summen, welche man für Rheinhessen bewilligt, den andern Provinzen des Landes noch nicht gleich kämen. Zum Schluß empfiehlt Abg. Haas die Annahme des Antrages, um sagen zu können: „Ende gut, Alles gut." Durch die Annahme dieser Linie sei auch die Möglichkeit einer Verbindung mit der Provinz Starkenburg gegeben. Nach erfolgter Abstimmung wird mit allen gegen fünf Stimmen sodann dem Antrag der ersten Kammer beigetreten. Für den Bau dieser Linie werden 850,000 M. eingestellt. Als ungefähre Summe für die Ausführung sämmtlicher Nebenbahnen sind etwa 22^ Millionen Mark erforderlich. Präsident Wolfs kehl gibt zum Schluß noch eine Uebersicht der in der 26. Landtagsperiode vom Hause er- ledigtey Gesetzentwürfe ?c. Dieses seien 104 gewesen. Davon seien noch 6 unerledigt. An Anträgen seien 99 eingebracht worden, 14 davon seien noch nicht erledigt. Petitionen, Vorstellungen seien 587 eingegangen, wovon 167 erledigt wurden. Von den unerledigten bezögen sich allein 118 auf die Organisation des Forstschutzes. Ferner theilt derselbe noch mit, daß, soweit eine Einigung mit den Beschlüssen erster Kammer nicht erreicht sei, einseitige Adressen an die Regierung eingereicht würden. Hiermit schließt der 26. Landtag seine Thätigkeit. Präsident Wolfskehl dankt dem Bureau und dem Hause für seine Thätigkeit und schließt hiernach die Sitzung. Darmstadt, 28. Juni. Heute Nachmittag 121/2 Uhr ist der 26. Landtag von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog gemäß dem bereits bekannt gegebenen Programm geschlossen worden. Die hierbei von Sr. Königl. Hoheit von dem Throne an die Stände gehaltene Anrede hatte folgenden Wortlaut: Meine Herren Stände! Es ist Mir eine angenehme Empfindung, Ihnen bei dem Schlüsse des 26. Landtags persönlich Meinen Dank und Meine Anerkennung aussprechen zu können für die Hingebung und Pflichttreue, mit welchen Sie während desselben sich den Angelegenheiten des Landes gewidmet haben. Nachdem in den vorausgegangenen Landtagsperioden die Gesetzgebung auf fast allen Gebieten, zuletzt in Bezug aus die direete Besteuerung und die Landeseultur, zu einem gewissen Abschlüsse gelangt war, sind es jetzt nur verhältniß- mäßig wenige, wenn auch nicht unwichtige gesetzgeberische Aufgaben gewesen, welche Ihre Thätigkeit in Anspruch nahmen. Um so mehr dursten Sie, Dank dem günstigen Stande der Finanzen des Landes, im Einvernehmen mit Meiner Regierung sich mit Einrichtungen und Maßnahmen zur Förderung der Wissenschaft, des Unterrichts, der öffentlichen Wohlfahrt im Allgemeinen, insbesondere der Landwirthschaft, des Handels und der Gewerbe und vor Allem des Verkehrswesens befassen. Zahlreicher und namhafter als je sind die Mittel, welche Sie für die Zwecke der Hochschulen, des Volksschulwesens, der verschiedenen Zweige der Landwirthschaft, sowie zur Unterstützung der Kreise und Gemeinden in Bezug auf öffentliche Unternehmungen Meiner Regierung zur Verfügung gestellt haben- vor Allem reichlich haben Sie die Mittel bemessen, welche der Ausdehnung und Vervollkommnung des Eisenbahnnetzes im Lande zu dienen bestimmt sind. Ich gebe mich der Hoffnnng hin, daß alle diese Mittel unter dem Schutze und Schirme des Friedens, welchen das Reich und die Gesinnungen seines Oberhauptes uns gewährleisten, zum Wohle Meines geliebten Landes und Volkes ihre "ungestörte Verwendung finden. Indem Ich Sie mit dieser Hoffnung und diesem Wuns^e zu Ihrer gewöhnlichen Thätigkeit entlasse, ertheile Ich. Ihnen gleichzeitig die Versicherung Meines fortdauernden landes- sürstlichen Wohlwollens. Darmstadt, 28. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom Heutigen dem Hauptmann a. D. Frhr. v. Normann den Character als Major zu verleihen geruht. Berlin, 28. Juni. Der „Neichsauzeiger" bezeichnet die Vermuthuugen der Presse über eine Schädigung der D eut sch- O st a f r i k a n i s ch e n Gesellschaft durch das deutsch-englische Abkommen als unzutreffend. Der Gesellschaft falle die Aufgabe zu, nach Uebergang des Küstenstrichs mit der Insel Mafia das Gebiet zu eolonisieren. Die Regierung lege Werth darauf, daß die Ostasrikanische Gesellschaft Handel und Land- wirthschast an der Küste möglichst ausbreite und werde die Gesellschaft hierin nach Kräften unterstützen. Berlin, 28. Juni. Aus dem Festeommers zu Ehren Wißmanns brachte Staatsseeretär Bötticher daö Hoch auf den Kaiser aus, der dem Unternehmen Wißmanns allerwärts seinen Beistand geliehen habe. Reichstagspräsident v. Levetzow toastete auf Wißmann und dessen Offiziere. Wißmann dankte Namens der Offiziere für den warmen Empfang und dem Reichstag für die ihnen geleistete Unterstützung; er brachte ein Hoch auf die Reichstagsmitglieder aus, wünschend, daß sie auch ferner seines Unternehmens unterstützend gedenken möchten, da die Aufgabe noch nicht ganz gelöst sei. Windt- horst sagte nach einer launigen Rede, worin er erklärte, er werde Wißmann, der den deutschen Namen und die deutsche Ehre hochgebracht habe, nie im Stiche lassen, sie wollten sehen zu sparen, um ein Scherflein auch fernerhin beizutragen. Er toastete auf Wißmanns Mutter. Musikvorträge wechselten inzwischen mit Gesangsvorträgen. Unter den Anwesenden befanden sich auch viele freisinnige Abgeordnete. Beim Eintritt in den Saal gingen Wißmann und Wiudthorst Arm in Arm. Aachen, 28. Juni. Die Handelskammer für Aachen- Burtscheid beschloß zum Schutze der durch die Kinleybill schwer bedrohten Textilindustrie und Nadelindustrie eine Eingabe an den Handelsminister zu richten. Sigmaringen, 28. Juni. Der Cultusminister v. G o ß l e r und Minister v. Mitt nacht reisen heute nach Ulm zum Münstersest. München, 28. Juni. Prinz Leopold ist gestern Abend als Vertreter des Prinzregenten mit seiner Gemahlin, Prinzessin Gisela, zur Enthüllung des Denkmals für Ludwig I. mittelst Schnellzuges über Mannheim nach Edenkoben abgereist. Die Herrschaften nehmen in der Königlichen Villa Ludwigshöhe Quartier, machen Montag eine Rundfahrt durch die bayerische Pfalz und kehren am Abend desselben Tages zurück. Offieieller Empfang und Galadiner finden nicht statt. Ausland. Christiania, 28. Juni. Vorläufiges Programm: Ankunft des Kaisers am 1. Juli Abends- der König begrüßt den Kaiser an Bord des „Hohenzollern" und kehrt nachher Landungsbrücke zurück- Landung des Kaisers- Empfang durch die Spitzen der Civil- und Militärbehörden am Pavillon- Besichtigung der Ehrenwache- Fahrt nach dem Schloß, dort Begrüßung durch die Königin und die Hofchargen- darauf Familiendiner- am Mittwoch Ausflug nach Trognersätter, wo Dejeuner stattfindet. Ansprache des Stadtoberhauptes, das die Bitte vorträgt, den Weg von Trognersätter nach Holmenkolleu, welchen der Kaiser später zurücklegt, „Kaiser- Wilhelms-Weg" nennen zu dürfen - Abend Galatafel. London, 28. Juni. Eine Deputation der hiesigen Handelskammer überreichte Lord Salisbury eine Darlegung ihrer Wünsche bezüglich der englischen Interessen in Ost- afrika und der schwebenden Verhandlungen mit Deutschland. Sheerneß, 28. Juni. Die Kaiserin Friedrich ist mit ihren Töchtern auf der Yacht „Victoria und Albert" eingetroffen. Sie wurde vom Herzog von Connaught und dem Grafen Hatzfeldt begrüßt und reiste mit einem Sonderzuge nach Windsor. Sofia, 28. Juni. Fürst Ferdinand bestätigte dasTodes- urtheil gegen Major Panitza. Sofia, 28. Juni. Major Panitza wurde Vormittags 10 Uhr im Militärlager bei Sofia in Anwesenheit der Truppen und des Procurators Markow erschossen. Panitza starb vollkommen gefaßt mit den Worten: „Es lebe Bulgarien!" Der Leichnam wurde der Frau Panitzas zur Bestattung übergeben. Washington, 28. Juni. Der Senat genehmigte ein Gesetz, durch welches das Territorium Wyoming zum Bundesstaat erhoben wird. Chicago, 28. Juni. Der Strike auf den Linien Chicago-Cairo und Amboy der Jllinois-Central-Eisenbahn ist beendet. Deutscher Reichstag. 29. Plenarsitzung. Samstag. 28. Juni 1890, 11 Uhr. In Erledigung der Tagesordlhung kommt zunächst der Antrag zur Berathung, der Vertagung des Reichstages vom 8. Juli bis 18. November d. I. zuzustimmen. — Hierzu liegt ein Antrag des Abg. Graf v. Ballestrem (Ctr.) vor: 1. dem Anträge zuzustimmen, 2. die Gewerbeordnungscommission zu ermächtigen, bereits vom 4. November d. I. ab zusammenzutreten, 3. den Präsidenten zu ermächtigen, für die Zeit vom 4. bis 18. November das Ausscheiden einzelner Mitglieder der Gewerbe-Commission zu genehmigen und andere Ersatzmitglieder zu ernennen. — Staatssecretär vr. v. B ö t t i ch e r stellt Annahme des Antrages v. Ballestrem anheim. Abg. Richter (dfr.) hält das Tagen einer* Commission während einer Zeit, wo das Plenum nicht tagt, für einen bedenklichen Präcedenzsall. — Abg. v. B e n n i g s e n (natl.): Die dem Reichstage gebotene Gelegenheit ist nicht verfassungswidrig und gibt dem Reichstage" Vortheile; wir haben also, wenn die Rcgiernng kein Bedenken hat, ebenfalls keine Ursache, den Antrag abzulchnen. — StaatSsecretär v. Boetticher: Es würde nicht möglich sein, für daS Plenum das nötige ArbeitKmaterial schon bis zum 4. November fertigzustellen. — Ein Antrag Richter (dfr.), die Bertagungsangelegenheit der Geschäftsordnungs-Commission zu überweisen, wird abgelehnt und der Antrag des Abg. Graf v. Bal le st rem (Ctr.) mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die dritte Berathung der Militär-Vorlage (Erhöhung der Friedenz-Präsenz). Abg. Dr. Reichensperger (Ctr.): Nothwendige Ausgaben für das Heer müssen bewilligt werden. Nie möge der Reichstag dem bedauerlichen Beispiel jener deutschen Fürsten folgen, die zur Ausbringung der Heeresaufwendungen selbst dann nicht zu bewegen waren, wenn der Feind schon im Lande stand. Die Vorlage ist nothwendig. Die Abrüstung liegt bei dem Drucke der gegenwärtigen Militärlast wenn auch nicht in dem Munde, so doch in dem Herzen aller europäischen Völker. Unsere Selbständigkeit und unsere Macht verbürgen allein unser wirthschastliches und politisches Wohlergehen. — Abg. Rickert (dfr.) polemisirt mit dem von dem Abg. v. Kar- dorfs und vom Staatssecretär v. Maltzahn bei der zweiten Lesung gemachten Ausführungen und hält sich zur Ablehnung der Vorlage berechtigt, da die Regierung kein Entgegenkommen bewiesen habe; nicht das geringste, rein garnichts! Die Vorlage werde sicher neue Steuern erforderlich machen, er übernehme für deren Bewilligung keinerlei Verpflichtung. — Staatssecretär v. Maltzahn hält seine früheren Aufgaben aufrecht. Wenn neue Steuern nöthig werden, so werden daran die Mehrausgaben für die Alters-Versicherung Schuld sein. Es lag kein Anlaß vor, mit der Militärvorlage zugleich eine Deckungsvorlage einzubringen. Abg. Frhr. v. Friesen (cons.): Der Krieg sei die letzte Consequenz des Hasses, des Mißtrauens und der Unzufriedenheit,- Deutschland dürfe nicht zum Versuchsfelde für solche Kriegsgefahr gemacht werden. Die Vorlage ist nothwendig. Nicht einen Mann und nicht einen Groschen können wir entbehren von dem was die Vorlage verlangt. — Ein Schlußantrag wird abgelehnt. — Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antisemit): Die Ausführungen der vereinigten Linken waren Schwarzmalerei in jüdischer Manier. Es ist eine unrichtige Auffassung, daß die Armee eine unproductive Anlage, ein Moloch sei, der den Wohlstand der Nation verschlinge. Das Heerwesen schafft zahlreiche Arbeitsgelegenheit und verbreitet Bildung und Ordnungsliebe. Ueber innere Angelegenheiten der Armee kann ja auch ein Nichtmilitär ganz gut sprechen, aber das Endurtheil wird man doch dem Soldaten Vorbehalten müssen. Die zweijährige Dienstzeit ist undurchführbar/ eher sollte man daran denken, das Privilegium der Einjährig-Freiwilligen aufzuheben und diese Leute im zweiten Jahre besser für ihre künftige Carriöre als Reserve-Offizier auszubilden. Mehr als die Armee ist die Börse ein Moloch, der ungezählte Millionen verschlingt und sie nicht wieder herausgibt. Selbst die Ausbildung aller waffenfähigen Männer würden wir mit einer guten Finanzreform durchsetzen können; man müßte die Börse nur kräftiger besteuern. Das ist heute eine beständige Kriegsgefahr. — Abgeordneter Freiherr v. Münch (Volksp.): Das Vertrauen ihrer Wähler werden diejenigen Abgeordneten nicht verlieren, die für die Vorlage stimmen. Deutschland würde verarmen, wenn die Zukunftspläne des Kriegsmimsters verwirklicht werden sollten. Die zweijährige Dienstzeit würde eine Ungerechtig- keit sein, wenn man sie nicht gleichmäßig für alle Waffengattungen einsühren kann. Man wird die Vorlage bewilligen unter dem Eindruck der Folgen, welche man für den Fall der Ablehnung angedeutet hat. (Der Schluß der Rede wurde unter der Unruhe des Hauses unverständlich). Die Generaldebatte wird geschlossen. — Es folgt eine Reihe persönlicher Bemerkungen. Abg Dr. Böckel (Antisemit) constatirt, daß seine Partei wiederum nicht zum Wort gekommen sei. — Zu § 1 bemerkt Abg. Dr. Windthorst (Ctr.), man möge sich über eine angebliche Spaltung des Centrums aus Anlaß der Abstimmung über die Vorlage nicht den Kops zerbrechen. — § 1 wird angenommen, ebenso die übrigen Theile der Vorlage. — Schließlich wird die Vorlage in der Gesammt- abstimmung angenommen. — Sodann wird die Vorlage über die Gewerbegerichte in der Schlußabstimmung genehmigt. Es folgt die erste Berathung des 2. Nachtrags-Etats, betr. die durch die Militärvorlage nöthig gewordenen Ausgaben, sowie weitere Ausgaben für Poft- und Telegraphenverwaltung. Abg. Richter (dfr.) kann in dem Etat keine Ersparnisse finden, die durch die 6000 Dispositonsurlauber cintreten müssen. Die Vorlage hat keine Eile/ es sei nicht nöthig, daß die Ausgaben noch in den diesjährigen Etat eingestellt werden. — Die Vorlage geht an die Budgetcommission. Hieraus folgt dritte Berathung des Nachtragsetats, betr. die Beamtengehalts-Erhöhungen. — Abg. v. Benda (nl.) hofft, daß die bewilligten Gehaltserhöhungen Zufriedenheit der Beamtenklaffen erzeugen werden. Die Resolutionen decken sich wesentlich mit den im preußischen Landtag beschlossenen: Vermehrung der etatsmäßigen Beamtenstellen und Einführung der Dienstalterstufen. — Abg. Hahn (cons.) erklärt sich ebenfalls für die vorgeschlagenen Erhöhungen. — Schatzsecretär Frhr. v. Maltzahn bedauert, daß das Haus zurückgeblieben ist hinter seiner vorjährigen Resolution und nicht, wie die Regierung es gefordert, alle mittleren Beamten berücksichtigt habe. —Minister v. Verdy bittet nochmals, die Erhöhung der Offiziersgehälter, welche die Commission gestrichen hat, zu bewilligen. Die Erhöhung der Gehälter der Premierlieutenants namentlich sei ohne Grund gestrichen worden. — Abg. Dr. Windthorst (Ctr.) Es fehlt an den zu diesen Bewilligungen nöthigen Mitteln und lediglich aus diesem Grunde können wir die Erhöhungen nicht bewilligen. — Abg. Dr. Baumbach (dfr.) Die Gründe der verschiedenen Behandlung der Offiziere und Civilbeamren sind in der Commission genügend erörtert. Auch fehlt es der Negierung nicht an Mitteln, in dringenden Fällen für Abhülfe von Noth- ftänden zu sorgen. — Die Erhöhung der Osfiziersgehälter wird gegen die Stimmen der Conservativen abgelehnt. — Die Vorlage wird genehmigt bis zu den die Diätarien und Unrer- beamten betr. Titeln. Hieraus vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Tagesordnung: Kleinere Gegenstände und Fortsetzung der soeben abgebrochenen Berathung. — Schluß 5 Uhr. Netteste Nachrichten. WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau. München, 29. Juni. In dem Befinden des Freiherrn v. Lutz ist eine wesentliche Besserung eingetreten. Bern, 29. Juni. Der Director im internationalen Bureau der Telegraphenverwaltungen A u g u st F r e y ist heute Morgen gesto rb en. Madrid, 29. Juni. Es werden Erkrankungen an der Cholera aus Gandia 6, aus Montichelvo 1 und aus Benicol 1 gemeldet. Petersburg, 29. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin haben sich gestern mit den Großfürsten Georg und Michael und der Großfürstin Xenia nach den finländischen Scheeren begeben. CocoU* «nd prwinjicllw. Gießen, 30. Juni. — 18. Lahnthal Sängerfest. Wer das unbeständige Wetter der letzten Wochen beobachtet, konnte sich der Besorgniß nicht erwehren, daß das mit vieler Arbeit vorbereitete 18. Sängerfest des Lahnthal-Sängerbundes jedenfalls von der Ungunst der Witterung erheblich beeinträchtigt, wenn nicht ganz unmöglich gemacht werden würde. Diese Befürchtung hat sich nun glücklicherweise nicht bestätigt, und wenn auch am Vorabend des Festes ein ziemlich heftiger Regen eintrat, so vermochte derselbe die Feststimmung ebensowenig herabzudrücken, wie der nach Eintreffen des gestrigen Festzuges aus dem Festplatze eingetretene, aber nur kurze Zelt anhaltende Regen. Die Einwohnerschaft Gießens hatte in der Ausschmückung der Häuser förmlich gewetteifert, die vor den Häusern aufgestellten Fichtenbäumchen, die Guirlanden und Fahnen, mit denen die Häuser geschmückt waren, verliehen der Stadt ein prächtiges Festkleid. Bereits am Samstag Nachmittag, als die auswärtigen Bundessänger, mit allen ihnen gebührenden Ehren am Bahnhof empfangen, ihren Einzug in die im Festschmuck prangende Stadt gehalten, regte es sich auch in der Bürgerschaft allenthalben festlich, der Festplatz füllte sich bald mit Sängern, Gesangsfreunden und sonsttgen Gästen, die der ersten Generalprobe und dem folgenden Concert beiwohnen wollten. Schon diese erste Generalprobe gab den Festtheilnehmern einen Vorgeschmack dessen, was an gesanglichen und musikalischen Genüssen geboten werden sollte. Die Proben wie die Ausführung der Gesammtchöre dirigirte Herr Musikdirector Krauß e, da der ursprünglich zum Festdirigenten bestimmte Herr Franz Bauer leider plötzlich erkrankt und demnach nicht in der Lage war, diesen Ehrenposten auszufüllen. Herr Musikdirector Krauße, der schon mehrfach bei größeren Musik- und Gesangsaufführungen dirigirte, wenn der Dirigent plötzlich verhindert war, brachte im Verein mit seiner Militärcapelle die Gesammtchöre zur vollsten Geltung. Daß bereits am Samstag Abend die Stimmung eine gehobene wurde, dazu trugen neben dem gewählten Concert-Programm unsere Festgäste, die auswärtigen Sänger, bei, die in Gießen die gewohnte herzliche Ausnahme gefunden hatten. Leider fand der erste Abend durch das gegen 10 Uhr eintretende Regenwetter einen etwas frühen Abschluß, der namentlich den Wirthschastsinhabern recht unerwünscht kam, weil er die unter aufgespannten Regenschirmen sitzenden Gäste nicht recht mehr zum Trinken animirte, wenn auch der Humor weniger darunter litt. Am Sonntag Morgen zeigte der Himmel wieder ein fröhlicheres Gesicht und wer am Abend vorher noch verhindert war, sich am Feste zu betheiligen, den brachte der um 6 Uhr früh von der Regimentsmufik ausgeführte W e ck- ruf auf die Beine. Als später weitere Sängergäste mit den Vormittagszügen eingetroffen waren und die einzelnen Vereine nochmals in ihren Standquartieren ihre Kräfte erprobt, fand um 11 Uhr die zweite Generalprobe statt. Inzwischen hatte die Eisenbahn der Stadt neue Gäste zugeführt, denn das Glanzstück des Festes, der Festzug der Sänger, wollte gesehen sein. So waren denn gegen 2 Uhr die Straßen der Stadt mit Zuschauern aus unserer näheren und weiteren Nachbarschaft gefüllt. Pünktlich zur angegebenen Zeit, um l/z3 Uhr, setzte sich denn auch der Festzug vom Wallthor aus in der bekannt gemachten Reihenfolge durch die vorher bezeichneten Straßen in Bewegung. Wer Gelegenheit hatte, die Festzüge bei früheren Festlichkeiten zu sehen, wird bestätigen, daß der gestrige Festzug an Größe und Ausstattung seine Vorgänger übertraf. Wir wollen es unterlassen, hier nochmals die im Zuge marschirenden Vereine auszuzählen, es genügt, zu constatiren, daß der Zug, soweit die die Geselligkeit pflegenden Vereine in Betracht kommen, unser gesammtes Vereinswesen würdig repräsentirte / mit Genugthuung aber wurde auch die Theilnahme der Vertreter unserer staatlichen und städtischen Behörden, der Universität rc. an dem Zuge bemerkt. Waren es einestheils die in stattlicher Mitgliederzahl mit ihren Fahnen erschienenen Gesangvereine, die dem Zug den Character als Sängersestzug verliehen, so hatten andern- tbeils die anderen Vereine alles Mögliche aufgeboten, um der Schaulust des spalierbildenden Publikums etwas zu bieten. Die Gruppen der Rudergesellschast mit ihren gekreuzten Rudern, die Bigas (Wettrennwagen) nebst Darstellungen aus den olympischen Spielen, markirt durch Mitglieder des Männer- Turnvereins, der Wagen und die geschmückten Räder der beiden Radfahrvereine Bichcle-Club und Gießener Radsahr- verein waren Meisterstücke in Idee und Ausführung, denen sich der Turnverein, Krieger- und Veteranen-Verein, Schützen- Verein und unsere beiden Feuerwehren würdig anschlossen. Welchen Anklang der Festzug gefunden, bewiesen die demselben zugeworsenen Blumenspenden, einzelne Zugtheilnehmer waren mit Blumen förmlich bepackt. Als der Zug nach il2^ Uhr auf dem Festplatze eingetroffen war und vor der Sängerhalle Aufstellung genommen, hielt der Vorsitzende der Comitös, Herr Postsecretär Mayer, die Festrede. Redner wies darauf hin, daß gleich wie der Nachtigall der erste Rang unter den gefiederten Sängern, dem deutschen Volksliede die erste Stelle im Gesänge der Menschen gebühre. Dem deutschen Volksliede, das unser Volk zu großen Thaten begeistert und es mächtig forigeriffen zur Verteidigung des Vaterlandes, verdanke unser Vaterland mit seine Größe und Stärke, wer erlebt habe, wie im Jahr 1870 die „Wacht am Rhein" unser Volk begeistert und zu so großen Thaten entflammt habe, der wisse die Pflege des deutschen Volksliedes zu würdigen, das selbst den Bewohnern unserer zurückeroberten Provinzen Elsaß uyd Lothringen nicht verloren gegangen sei, denn trotz Jahrhunderte langer Lostrennung von Deutschland eien die Lieder: „O, Straßburg, o Straßburg, du wunder- chöne Stadt", oder: „Zu Straßburg aus der langen Brück" nicht verklungen. Redner fördert die^ Anwesenden auf, hoch zu halten das deutsche Lied, zu pflegen den Gesang zum Wohle des deutschen Vaterlandes, an dessen Spitze jetzt ein Mann tehe, der mit jugendlicher Kraft regiere, dem alle deutschen Herzen entgegenschlügen. Aber auch an der Spitze unseres engeren Vaterlandes -stehe ein treuer Bundessürst, unser Großherzog, der mit hinauszog, als es galt das Vaterland zu vertheidigen. Redner schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog, in welches die Festtheilnehmer begeistert einstimmten. — Bis hierher hatte der Himmel ein festliches Gesicht gezeigt, aber kaum war das Hoch auf Kaiser und Großherzog verklungen , so fielen Regentropfen, die eine allgemeine Flucht in die Wirtschaften verursachten. Leider erwiesen sich die Wirthschasten zu klein, und es hätte gar keines Regens bedurft, um dieselben bis auf den letzten Platz zu füllen. Zum Glück hielt der Regen nicht lange an und die Festtheilnehmer konnten sich bald wieder im Freien bewegen und dem nunmehr beginnenden Festconcerte beiwohnen. DieGesammtchöre wie die Einzelgesänge wurden vortrefflich ausgeführt, wenn auch nicht verkannt werden kann, daß gegen Ende des Concertes bei der Größe der Sängerhalle und der zunehmenden Feststimmung mehrere Einzelchöre nicht zur vollen Geltung kommen konnten. Als nach Eintritt der Dunkelheit die Tanzmusik sich zwischen die Concertmusik schob, erreichte die Feststimmung ihren Höhepunkt. Auf den beiden Tanzplätzen wurde wacker getanzt, Paar an Paar drehte sich auf den Brettern, die für so Viele das Fest bedeuteten — wie lange aber der Tanz gedauert, weiß der Berichterstatter leider nicht. Wenn es gestattet ist, für künftige Feste einen Vorschlag zu machen, so ist es der, eine Musiktribüne aus der Mitte des Platzes zu errichten. Da naturgemäß die Wirthschaften den stärksten Zuspruch haben, die der Musiktribüne am nächsten sind, so sind die weiter hinten liegenden Wirthschaften im Nachtheil. — Wie uns mitgetheilt wird, haben die Photographen Gebr. Müller Momentaufnahmen des gestrigen Festzüges und des Festplatzes in sechs verschiedenen Größen hergestellt. Dieselben sind in den Schaufenstern der Herren Gebr. Müller zu sehen. — Kunstverein. In der Kunstausstellung (Brandplatz, Hofgerichtsgebäude, 2. Stock) ist nunmehr ein eben beendetes Herren- und ein Kinderportrait von Herrn Maler H. Dietz zur Ausstellung gelangt. Das Herrenportrait spricht für sich selbst: es ist in hohem Grade ähnlich und flott heruntergemalt. Auf dem Kinderportrait ist namentlich das ältere der beiden Geschwister sehr characteristisch und lebendig aufgefaßt. Mit den Schwierigkeiten, die das Malen von kleinen Kindern bietet, hat sich der Maler gut abgefunden. Die bei dem kleinen Volke meist weniger ausgesprochen entwickelten Gesichtszüge hat er ähnlich und lebendig wiedergegeben. Daß das Beiwerk, wie Hut, Kleid und Blumen, nicht kleinlich behandelt ist, kann nur unseren Beifall finden. Die Portraits des Herrn Dietz sind breit und energisch gemalt, was der Behandlung der Fleischpartien und dem Stofflichen sehr zu Gute kommt. Die Natur erreicht man dadurch am ersten, soweit sie eben erreichbar ist. Der schon sehr zahlreiche Besuch der so interessanten Ausstellung,, welche für Jeden ohne Entgelt zugänglich ist, dürste durch die beiden oben besprochenen Portraits sicher noch zunehmen. — Vom 30. Juni ab werden von Frankfurt a. M. Arbeiter-Rückfahrkarten zur wöchentlichen einmaligen Hin- und Rückfahrt nach Butzbach zum Preise von 1 Mark, nach Großen- Linden zu 1.20 Mark und nach Lang-Göns zu 1.10 Mark aus- gegeben. Zur Rückfahrt kann auch am Sonntag der Zug 104 ab Gießen 7 Uhr 59 Min. Abends benutzt werden. — Die Unterschriften der Zahlungsempfänger bei Auszahlung von Unfallentschädignngen durch die Postanstalten bedürfen bekanntlich vorheriger Beglaubigung durch die Ortsbehörden. Für die Vornahme solcher Beglaubigungen beanspruchen die Bürgermeister vielfach eine Gebühr von je 20 Pf., indem sie sich auf die ministerielle Verordnung über den den Bürgermeistern zustehenden Gebührenbezug stützen zu können glauben. Auf mehrfach geführte Beschwerden über solche Gebührenbezüge trafen neuerdings die zuständigen Behörden die Entscheidung, daß die Bürgermeister zum Gebührenbe- zuge für derartige Beglaubigungen keineswegs berechtigt sind. Die nachgesuchte Beglaubigung erfolgt nämlich durchaus nicht im Privatinteresse des Nachsuchenden, ist vielmehr dadurch bedingt, daß im öffentlichen Interesse, zum Schutze der Berufsgenossenschaften gegen unrechtmäßige Erhebungen, ein Zeugniß über die Identität des Empfängers mit dem Bezugsberechtigten erforderlich ist. — Während des gestrigen Festzuges wurde in einer Restauration in der Wagengasse, deren Inhaber auf dem Festplatz eine Wirthschastshalle inne hatte, eingebrochen und die Koffer der Dienstmädchen und Kellner erbrochen. Da Geld und Werthsachen in denselben nicht vorhanden waren, war dieser Einbruch nicht erheblich. Anders gestaltete sich ein solcher in einem Hause der Schulstraße, wo ebenfalls der Koffer eines jungen Mannes erbrochen und demselben eine ■ Uhr nebst älteren Münzen rc. gestohlen wurden. Die Polizei. ist den Dieben, anscheinend einem Ehepaar von auswärts, -auf der Spur. — Verhaftet wurde gestern ein Mann von auswärts, welcher vor einiger Zeit Hierselbst einen Rock gestohlen und in demselben gestern dem Fest beiwohnen wollte. — Sieben Stück von der Sorte der leichtgeschürzten Fest- theilnehmerinnen nahm die Polizei heute Nacht in schützende Obhut. O *** Büdingen, 29. Juni. Der erste Festtag zur Feier des „goldenen Jubiläums des Liederkranzes" war mehr eine Vorfeier und gipfelte in dem Commerse, welcher gestern Abend in Hölzingers Garten abgehalten wurde. Die Capelle des Bockenheimer Husaren-Regiments concertirte und fand lebhaften Beifall. Der Garten war mit bunten Lampions prächtig erleuchtet. Der Hanauer Gesangverein „Sumser" trug einige Gesänge vor, unter denen der Kreutzer- sche Chor: „Das ist der Tag des Herrn" ganz vortrefflich executirt wurde. Um 11 Uhr Abends trat leichter Regen ein, der die Gesellschaft etwas früher auseinandertrieb, als beabsichtigt war. Heute ist angenehm kühles Wetter- der Staub ist niedergedrückt, alles sieht frisch und hell aus. Soeben beginnt der Festzug. Von schönstem Wetter begünstigt, ist der Zug von 31 Gesangvereinen, eröffnet von Ehrenreitern, Ehrenpräsidium, Stadtvorstand, Comite, den noch lebenden Jubilaren, den Festjungfrauen und der Musik geführt, durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Schlosse und von hier durch den Prinz- lichen Garten nach dem Festplatze gezogen. Letzterer liegt etwa 1V2 Kilometer von der Stadt im Seemenbachthale reizvoll zwischen den Bergen. Die hiesigen Vereine: Schützengesellschaft, Kriegerverein, Feuerwehr, Turnverein und „Liederkranz" — der Jubilar — waren in den Zug passend eingegliedert. Herr Pfarrer Widmann hielt eine schwungvolle Festrede. Die Festjungfrauen schmückten die Vereinssahne mit einer prächtigen Schleife, aus welcher die Namen der Spenderinnen verzeichnet stehen. Gemeinschastliches Mittagessen schloß sich daran und dann begannen die Vorträge der Vereine. Das gute Wetter hält an, aus dem Festplatze entwickelte sich das schönste Volksfest. Die Stadt ist mit Fahnen und Guirlanden reich decorirt. x Niedermörlen, 29. Juni. Heute beging der hiesige Gesangverein „Concordia" die Fahnenweihe. Aus allen Orten der Umgegend waren Gesangvereine erschienen. Ein imposanter Festzug, von Vorreitern angeführt, zog unter Hochrufen durch den festlich geschmückten Ort nach dem Festplatz, woselbst sich najt) Ansprache, Uebergabe der Fahne und Gesangsvorträgen der Vereine ein fröhliches Leben entwickelte. * Lindheim, 29. Juni. Nächsten Mittwoch den 2. Juli beginnt hier der zweite Cursus an unserer landwirth- schastlichen Haushaltungsschule und haben sich schon längere Zeit mehr Mädchen zur Aufnahme gemeldet als angenommen werden konnten. Unter den aufgenommenen 24 Mädchen befinden sich auch solche, welche schon den ersten 1890er Cursus mitmachten. Es wird beabsichtigt, das Gebäude zu vergrößern, was auch sehr Wünschenswerth wäre, da der Vortheil und Nutzen einer solchen Schule nicht genug hervorgehoben werden kann. § Lauterbach, 28. Juni. Schon wieder ist über einen Br and fall zu berichten. Heute Nachmittag 4 Uhr ertönte die Sturmglocke, es war ein Scheuerbrand bei Metzgermeister Dörner ausgebrochen- Dank der sofortigen Hülfe ist jedoch kein größerer' Schaden entstanden. vermischtes. * nn. Darmstadt, 28. Juni. Um weitere Grundlagen für die Regelung des Submissionswesens im Großherzogt hum Hessen zu erhalten, hat die Großherzogliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein Formulare für Maurerarbeiten ausgearbeitet und • an die Ortsgewerbevereine des ganzen Großherzogthums abgehen lassen. Diese Tabellen sollen dann in den einzelnen Preisspalten von Bauunternehmern und Maurermeistern ausgesüllt werden, um so emen Maßstab für die Arbeiten zu erhalten. Aus den verschiedenen Gegenden des Landes sollen dann diese Preistabellen zusammengestellt werden und hofft die Großh. Centralstelle für Gewerbe durch die Bekanntgabe sachgemäßer Preise zum Zweck der Veranschlagung und Vergebung von Maurerarbeiten dem Bauhandwerk einen Dienst leisten zu können. * 0° Mainz, 29. Juni. V. Internationa le Ruder- Regatta des Mainzer-Ruder-Vereins. Abgesehen 'M——— von einigen Regenschauern, die heute vorübergehend das Wasserfest störten, nahm die zweitägige Regatta des Mainzer Ruder-Vereins einen nach allen Richtungen hin befriedigenden Verlauf. Die interessantesten und meisten Fahren sanden heute statt, weßhalb begreiflicher Weise auch heute das Publikum aus den Tribünen u. s. w. weit zahlreicher wie gestern vertreten war. Gleich wie bei der jüngsten Regatta in Frankfurt hat der Mainzer Ruder-Verein auch hier wieder den Löwenantheil der Preise davongetragen. — Erster Tag: I. Doppelzweier ohne Steuermann. Die Frankfurter Ruder- Gesellschaft „Germania" (Hr. A. Meixner und F. Leux) siegte gegen den Mainzer Ruderverein (Hr. C. Gerhard und I. Wenzky) 6 Minuten 51 Secunden gegen 7 Minuten. — II. Vierer. Der Mainzer Ruder-Verein erschien allein am Start und fuhr in 7 M. 12 S. durch die Bahn. Von dem Mannheimer Ruderclub lag eine Meldung vor, doch waren zwei seiner Mitglieder durch gewichtige Gründe am Fahren verhindert. — III. Dollenvierer. Sieger ist der Wetzlarer Ruderclub, der mit einem Vorsprung von 3 Bootslängen in 7 M. 261/3 S. über die Bahn fuhr. 2. Neuwieder Rudergesellschaft (7 M. 36 S.). 3. Kasteller Rudergesell- schast (7 M. 41 S.). 4. Mannheimer Rudergesellschast (7 M. 53 S.). — IV. Vierer. Mainzer Ruderverein siegte gegen Mannheimer Ruderclub 7 M. 18 S. gegen 7 M. 201/2 S. — V. Skiffs. Mir vielen Bootslängen siegte F. Miller vom Mainzer Ruderverein, der in 5 M. 45 S. die Bahn durchfuhr. 2. Stuttgarter Rudergesellschaft „Vorwärts", Hr. I. Wärnle (8 M. 11 S.). 3. Mannheimer Rudergesellschaft, Hr. Striebich (8 M. 24 S.) — Zweiter Tag. I. Vierer, offen für Juniors. Mainzer Ruderverein (7 M. 40 S.). 2. Kasteler Rudergesellschaft (7 M. 54 S.). 3. Frankfurter Rudergesellschast „Sachsenhausen" (8 M. 2 S.). — II. Vierer. Ehrenpreis der Gesellschaft „Schiff". Wetzlarer Ruderclub (7 M. 28 S.). 2. Mainzer Ruderverein .(7 M. 31 S.). 3. Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Sachsenhausen" (7 M. 41 S.). III. Skiffs. 1. Gießener Rudergesellschaft, Hr. Karl Krailing (9 M. 7J/2 S.). 2. Düsseldorfer Ruderverein, Hr. Baron v. Engelhardt- Schnetlenstein (11 M. 33 S.). — IV. Vierer. Herausforderungspreis , der in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gewonnen werden muß. Gestiftet von dem Großherzog von Hessen. Im vergangenen Jahre hat die Frankfurter Rudergesellschaft den Preis gewonnen. 1. Mainzer Ruderverein (7 M. 44 S.). 2. Frankfurter Rudergesellschaft „Germania" (7 M. 511/2 S.). Der Mannheimer Ruderclub hat das Rennen auf halber Bahn aufgegeben, da ihm ein Ruder gebrochen. V. Dollenzweier, offen für Juniors. 1. Neuwieder Rudergesellschaft (8 M. 16 S.). 2. Kreuznacher Ruderverein (8 M. 22 S.). 3. Kasteler Rudergesellschaft (8 M. 39 S.). — VI. Skiffs, offen für Juniors. 1. Stuttgarter Rudergesellschaft „Vorwärts", Hr. I. Wärnle (8 M. 36 S.). 2. Mannheimer Rudergesellschast, Hr.Striebich (8 M. 37J/2 S.). — VII. Achter. 1. Mannheimer Ruderclub (6 M. 51 S.). 2. Frankfurter Ruderclub (6 M. 57 S.). — VIII. Achter. Moguntia - Wanderpreis. Der Mainzer Ruderverein fuhr allein über die Bahn. Von der Frankfurter Rudergesellschaft „Germania", die im Jahr 1889 den Preis gewonnen, lag eine Meldung vor, sie ist aber nicht am Start erschienen. * Offenbach, 27. Juni. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurden 1000 Mk. zur Anschaffung von Fahrrädern für die Schutzmannschaft bewilligt. verkehr, £cm6» ttttb volkrwirthschaft. — Vom 1. Juli ab sind Briefe mit Werthangabe bis zum Meistbetrage von 8000 Mk. im Verkehr mit der Deutschen Postagentur in Kamerun zugelassen. Die Taxe setzt sich zusammen aus dem Porto und der festen Gebühr für einen Einschreibbrief von gleichem Gewicht, sowie aus einer Versicherungsgebühr von 16 Pfg. für je 160 Mk. — Vom 1. Juli ab ist bei Postpaketen im Verkehr mit der Deutschen Postagentur in Kamerun Werthangabe bis 8000 Mk. (= 10000 Franken) zugelassen. Für Postpackete mit Werthangabe nach Kamerun kommt, neben dem Porto von 1.60 Mk. für das Packet, eine Versicherungsgebühr von 16 Pfg. für je 160 Mk. zur Erhebung. — Gxtrazug «ach der Schweiz. Wir brachten vor Kurzem eine Notiz über den vom Reisebüreau Schottenfels projecttrten Vergnügungszug nach der Schweiz, inzwischen haben sich die Anmeldungen derart gehäuft, daß sich das genannte Büreau veranlaßt gefühlt hat, einen Extrazug für die Theilnehmer zu stellen und wird derselbe Montag den 7. Juli c. Morgens ab Ostbahnhof Frankfurt a. M. kurz vor 8 Uhr fahren, die genaue Zeit wird in dm allerersten Tagen bekannt gegeben werden. Das Reisebüreau Schottenfels in Frankfurt versendet auf Anfragen Prospecte sowie alle Details; für die hiesigen Theilnehmer ist der um 4 Uhr 59 Früh hier abgehende Schnellzug zu empfehlen, welcher Anschluß an den fragl. Vergnügungszug hat. Bremen, 27. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) « Der Schnelldampfer Lahn, Capitän H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. Juni von Bremm und am 19. Juni von Southampton ubgegangen war, ist gestern 12 Uhr Nachts wohlbehalten in Newyork angekommen. cmofiehlt sieh durch Reinheit. Aroma und F.rtriebigkczt als die beste und pr-j; ■ vc-rihf r 71 . u. Konigl he::/';.' ' ',7 Moun, Berlin. />.- Zu haben bei J. M. Schulhof. 852 Unter Freunden wird der vorzügliche HottLnd. Tabak allseitiS empfohlen, 10 Pfd. fco. 8 Mk. nur direct bei B. Becker in Geefen a. Harz. . 15 ArrsMg aus -en Starrdesamtsregisteim -er Stadt Gieße«. Aufgebote. Juni: 23. Samuel Löwenstein, Kaufmann zu Göttingen, mit Hilda Stern zu Nieder-Klein. 23. Johannes Wahl, Vtcefeldwebel dahier, mit Eleonore Koch von Wiederstein, wohnhaft dahier. 24. Karl Ostermann von Schiltigheim, Schreiner dahier, mit Elisa- bethe Kaufmann, wohnhaft dahier. 25. Eduard Obermüller, Brauer dahier, mit Elisabethe Mohr von Annerod, wohnhaft dahier. 25. Theodor Lutz, Werkführer zu Dortmund, mit Johannette Marie Katharine Henriette Siebourg, geb. Heller, wohnhaft dahier. 25. Johannes Schmidt, Schutzmann dahier, mit Katharine Bretnig zu Worms. 26. Johann Nicolaus Basermann, Kutscher zu Frankfurt a. M. mit Elisabethe Lang daselbst. Ehefchlietzrrngen. Juni: 25. Ludwig Heller, Stattons-Diätar zu Bernburg, mit Margarethe Appel dahier. 25. Karl Wesserli von Nidda, Schreiner dahier, mit Barbara Lind von Ilbeshausen. 25. Heinrich Karpf, Hetzer dahier, mit Elisabethe Müller, geb. Wteßner, Wittwe des Kutschers Gottfried Müller dahier. 27. Martin Fischer, Schlosser dahier, mit Elisabeth Schneider von hier. 27. Georg Heinrich Port, Pfarrverwalter zu Gelnhaar, mit Minna Luise Nowack von hier. Geborene. Juni: 18. Dem Kutscher Karl Stroh eine Tochter, Lina Maria Minna Auguste. 20. Dem Weinbändler Zodock Kann ein Sohn, Karl. 21. Dem Metzgermeister Friedrich Schlörb eine Tochter, Katharina Elise Sophie. 21. Dem Stations-Wagenmeister Christian Schulmeyer eine Tochter, Johanna Dina. 26. Dem Heizer Heinrich Schneider X ein Sohn. Gestorbene. Juni: 20. Elisabethe Giese, 70 Jahre alt, ledig dahier. 21. Wilhelm Leopold Heinrich Handrich, 1 Jahr alt, Sohn von Schneider Karl Handrich dahier. 23. Louise Rothamel, 8 Jahre alt, Tochter von Kaufmann Johann Wilhelm Rothamel dahier. 24. Emllte Johanna Petermann, 23 Tage alt, Tochter von Schriftsetzer Richard Petermann dabter. 24. Katharine Löber, 44 Jahre alt, ledig dahier. 26. Christian Noll II., 70 Jahre alt, Armenkassediener i. P. dahier. 26. Albert Bär, 60 Jahre alt, Schlösser dahier. Auszug aus Sen rcirchenbüchern du- «adt Evangelische Gemeinde. Getränte. Den 25. Juni. Karl Wesserlie, Schreiner 'in Gießen, und Barbara Lind aus Ehringshausen. Denselben. Ludwig Heller, Stationsdiätar in Bernburg, und Margarethe Appel, ledige Tochter des Locomotivführers Wilhelm Appel in Gießen. Denselben. Heinrich Karpf, Heizer in Gießen, ein Wittwer, und Elisabeth Müller, geb. Wteßner, Wittwe des verstorbenen Kutschers Gottfried Müller in Gießen. Den 27. Juni. Georg Martin Ernst Karl Otto Fischer, Schlosser in Gießen, und Elisabeth Schneider, ledige Tochter des verstorbenen Heizers Friedrich Schneider in Gießen. Getankte. Den 22. Juni. Dem Kaufmann Louis Frech eine Tochter, Minna Carola Gustave Lulle, geboren den 28. April. Denselben. Dem Taglöhner Werner Horn eine Tochter, Anna Helene Wilhelmine, geboren den 27. Mai. Denselben. Dem Professor der Theologie D. Karl Müller eine Tochter, Marte Helene Emilte, geboren den 10. Mat. Beerdigte. Den 23. Juni. Elisabeth Auguste Giese, Tochter des verstorbene« Schneiders Christian Wilhelm Giese dahier, alt 70 Jahre, gestorben den 20. Juni. Den 26. Juni. Katharine Löber, Tochter des verstorbenen Schreiners Louis Löber dahier, alt 44 Jahre, gestorben den 24. Juni. Temperatur der Lahn und der Lust am 30. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16, Luft 15 Gr. Rübs amen. Frisch gebrochene Kirsche« zum Ginwachen find zu haben auf dem Trieb. 5507 _________Gbel. 5510] Empfehle aus der Brauerei Fr. Textor (Hardt): pr. Fl. sf. dunkles Gxp.-Bier 22 ff. helles „ 22 „ f. helles „ 20 „ frei ins Haus geliefert. Fritz Lony, Dammstraße 34. Prima frische Butter wieder eingetroffen 5515 Heinrich Wallach. la. Butter zum Einkochen, soweit der Vorrath reicht, das Pfund 78 Pfg. H. F. Nassauer, 5342 Neuenweg 15. Aecht franz, und bester deutscher Eognae, Citroneneffenz, ächt ital., aus frischen Citronen, Himveerfaft und Himbeer esfig aus Gebtrgshtmbeeren bereitet, Brauselimonadebonbons Brausepulver, stärkstes, DoppelkohlensaureS Natron und LveinstetnsLure. DrogengefchLft von Otto Schaaf^ SelterSrveg 39. [4991 StidierebeKtnÖer für Damen und Kinder in großartiger Auswahl und billigen Preise empfiehlt Robert Haas, Seltersweg 18. Matjes-Häringe, frisch eingetroffen bei 5485 , C. 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Nur allein ächt zu haben bei den Herren Frrd Dr-b-S, L. Kalkhof, G. Orbig Babn- hosstraße, G. Dort, Wallthorstraße, Ät Möser, Alicestraße. [2708 [5503 5414 Giessen, den 29 Juni 1890 Allen, welche unS in so übeLaus liebevoller Weife den Aufenthalt Hierselbst zu einem angenehmen machten, insbesondere unseren Quartiergebern, sagt hiermit herzlichsten Dank [5520 Der Gesangverein Liederkranz, Biedenkopf. Anerkennung! Her ßomicr FahiienfabriK ((joflief. $r. lUaj. des Sailers- in San» a. Rh. sprechen wir hiermit öffentlich unsere Anerkennung, für das uns gelieferte Banner aus- Die Ausführung ist bis in die kleinsten Details exact und genau und können wir auch in Bezug auf die Reellitüt der Firma nur das Lobenswertheste sagen. Wir sind also sehr zufriedengestellt und können die Bonner Fahnenfabrik in Bonn am Rhein allen Vereinen und Corporationen auf das Beste empfehlen. [5505 Spandau, im Juni 1890. Gesangverein »Glück auf!" Die Beerdigung findet Dienstag den 1. Juli, Nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause (Löberstrasse 4) aus statt. ♦ Ausverkauf ♦ > in Mannfactur-, Mode-Waaren» ch> ♦ Dainen-Cooffiectioii ♦ Verwandten und Freunden hiermit die schmerzliche Mittheilung, dass es dem Allmächtigen gefallen hat, heute Morgei 9 Uhr unsere innigst geliebte Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Schwägerin, Frau Wilhelmine Caroline Luise Jung, geb. Görtz, Ffarrwittwe, nach langem schweren Leiden in einem Alter von 64 Jahren zu sich zu rufen. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: l>r. Äug. Buchhold. von Docter, Seltersweg 57 Mittwoch den 2. Inti, von Nachmittags 2 Uhr an, werden im Hause der Frau Staudt Wwe., Wallthorstraße 11 I, die zum Nachlaß der Ludwig Reh Eheleute gehörigen Mobilien versteigert. Es befinden sich dabei: e 1 neuer Kleiderschrank, 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, 2 gute Betten, Herren- und Frauenkleider, 1 Paar neue Stiefel, Küchen- und Hausgeräthe, Weißzeug rc. Im vormundschaftlichen Auftrag: Louiö Rothenberger, Gerichtstaxator. * 5421 Hotraithe-Versteigemng. Die zu dem Nachlasse des Herrn Friedrich Bender gehörige, am Selters- weg dahier belegene Hofraithe r Flur I Nr. 464 — 5819 Meter Grabgarten und Flur I Nr. 465 — 637 Meter Hofraithe sollen zum Zweck der Erbvertheilung Dienstag den 8. Juli, Nachmittags 3 Uhr, auf Großherzoglichem Ortsgericht dahier zu den im Termin näher angegeben werdenden Bedingungen einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt werden. . Die Besitzung besteht aus einem dreistöckigen Wohnhause mit drei Familienwohnungen im Miethwerthe von circa 2500 Mark, ferner in einem Complex von großen Fabrik- und Nebengebäuden und großem Hofe, welcher seit 30 Jahren zum schwunghaften Betrieb einer Cigarrenfabrik gedient, endlich aus einem parkartig am gelegten Zier- und Nutzgarten. Die Versteigerung wird in doppelter Weise erfolgen, indem zunächst die Wohn-, Fabrik- und Nebengebäude nebst Hofraum und ein Theil des Gartens, sowie drei aus dem Garten gebildete Bauplätze, sodann aber die Besitzung im Ganzen, zum Aus gebot gelangen. Wird das Taxatum erreicht, so kann der Zuschlag alsbald ertheilt werden. Geometrischer Plan der ganzen Besitzung mit eingezeichneter Abgrenzung der Hofraithe nebst Gartenantheil, sowie der einzelnen aus dem Garten gebildeten Bauplätze , liegt auf dem Bureau des unterzeichneten Ortsgerichts zur Einsicht offen. Gießen, 30. Juni 1890. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A.: Vogt. 5ol4 Wermiethungen. 3701] Eine Mansarden - Wohnung per 1. August zu vermiethen. ______________53 Seltersweg 53. 55091 Kl. Parterrelogis (2 Zimmer mit Zub.) sofort zu verm. Neuenweg 48. 5513] Isin kleines Logis (parterre) zu vermiethen__Kreuzplatz 10. 2440] Eine Mansarden-Wohnung, vier Zimmer mit Zubehör und Wasserleitung, zu vermiethen Asterweg 6. 5328] Wolfstratz^l3 und Leihgesterner-1 weg 24 je ein kleines Logis von 2 Zimmern und Zubehör, zu vermiethen. Näheres________Leihgesternerweg 24. 5070J Eine kl. Wohnung zu vermiethen. __________M. Kann, Kirchenplatz 8. 4524] Logis tm 2. Stock, bestehend aus 5 Zimmern mit Zubehör, per 1. August zu oermietben.________Schillerstrabe 9. 3928] Ein kleines Familtenlogis verm. Chr. Roll III. Wittwe, Kamleiberg 5. 2664] Mehrere Logis von 3 Zimmern mit Wasserleitung u. s. w. zu vermiethen bei LorriS Hellmold- Steinstraße. 2346] Kleines und ein größeres Logis zu vermietben._________Seltersweg 31. 5435] Kleine Mansardenwohnung zu vermiethen und am 1. Juli zu beziehen- ___Rheinischer Hof. ' 5427] Ein kleines fr. Logis nebst Zu- behör zu verm. Grünbergerftraße 29. 5426] Kl. Familienlogis zu vermiethen. ____Kaplansgasse 18. 5378] Kleines Logis zu vermiethen. __Schreiner Hetz- Kaplansgasse 25. 5382] Ein Logis, 5 Zimmer nebst Zubehör, bis zum 1. Octbr. zu vermiethen. j Näheres in der Exped. d. Bl._________| 5155] Ludwigstratze 19: Parterre- Wohnung des Herrn Prof. J)r. Philippi oer 1. Octbr. zu vermiethen. Näheres bei _ A. Petri Wwe., Neuenweg 41. 5086] Das von Herrn Boller bewohnte Familien-Logis, Bahnhofstr. 55, ist per 15. Juli oder später anderweitig zu vermiethen._____ 4787] Ein Familtenlogis zu vermiethen ________Neuenweg 40 I St. -"4760]-Etn möbl. Zimmer zu vermiethen. A. Wallenfels Wwe., Kirchenplatz 21. "5412] Im M. Heichelhetn?schen Hause, Seltersweg 20, ist die Wohnung über dem LadO mit Garten zu vermiethen auf 1. October. Näheres bei F. Hoffmann, Seltersweg 33. 5493] Zwei rneinandergehende unmöb- lirte Zimmer per sofort zu vermiethen. Näheres in der Exved. d. Bl._________ ' 3470] Ein einfach möblirtes Zimmer zu vermiethen.________ Mäusburg 1. "3499] Stallung für zwei Pferde zu vermiethen. Näheres _______,_______________Nordanlage 33. 5466] Ein geraum. Laden mit oder ohne LogiS preisw. zu vermiethen. Hch. Schmidt, Wallthorstraße 46. mit oder ohne Logis, sowie ein kleines Logis zu vermiethen. 4522 Darmstädter HauS, Wallthorstraße 6. Hermischte Anzeigen. Unterzeichnete empfiehlt sich zum Damen-Frisiren in und außer dem Hause. Louise Stengel. Friseuse, Wilhelmstraße 3 J l. [5377 Soeben traf ein: 2 Bände: 140 Abbildungen, 3 Karten. Geheftet 20 M. Gebunden 22 M, Auch in 40 Lieferungen a 50 Pf. lN- (Verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig.) Zu beziehen durch: Ferber’sche Univ. - Buchhandlung (W. Ferber, Giessen) [5511 5508] Eine goldene BroMe mit Rheinkiefel nach oder auf dem Festplatz verloren gegangen- Abzugeben gegen Belohnung Tiefenweg 1. Vor Ankauf wird gewarnt.__ Verloren ein vierreihiges Corallen-Armband mit goldenem Schloß in der Nähe der Gasfabrik Gegen Belohnung abzugeben 55 9 Westanlage 11-, I. St. Verloren eine silberne Haarnadel auf dem neuen Schiffenbergerwege. Gegen Belohnung abzugeben [5518] Südanlage 4 III. 5517] Gesucht per 1. Oct. Wohnung von 3—5 Zimmern. Offerten mit ge- nauer Preisangabe an die Exped. d. Bl. lOpterdige Locomobile zu miethen gesucht. Angebote unter Angabe des Mietpreises unter Nr. 5504 an die Exped. d. Bl- erbeten. [5504 IMomentanfoahmeBl Photographien vom Festzuge und Festplatz, per Stück 1 Mark, zu haben bei Gebrüder Müller, 5506] Photogr. Atelier. Mittwoch Abend bei Scharmann Geschäfts-Eröffnung* Hierdurch zeige ergebens!: an, daß ich an hiesigem Platze, Damm- straße 34l, ein Colonialwaarew, Tabak , Cigarren- und Flaschenbier-W schäft eröffnet habe. Indem ich unter Zusicherung bester und billigster Bedienung geneigtem Zuspruch entgegensehe, zeichne Achtungsvoll 5512 Writ» Z/ n n //, Bad-Petersthal - i. Renchthal des Bad. Schwarzwalds 420M.Ü.M. Kräftige, den berühmtesten Brunnen Deutschlands ebenbürtige, gipsfreie Stahl- und Lithionquellen zu Trink- und Badekuren. Pension eingeführt. Näheres durch Prospect. Besitzer: Dr. Kimmig. 5502] Ein geprüfter Heizer, der zugleich Schlosser ist, wird gesucht. Gebr. Hornberger & Söhne. 5449] Eine Büglerin empfiehlt sich in und außer dem Hause. Ederftraße Nr. 19. 5501] Ein Mädchen, welches gut kochen kann und Hausarbeiten mit übernimmt, sucht Frau Lieutenant Hahn Ludwigstratze 32. Anmeldungen Nachmittags von 4—6 Uhr. Gin tüchtige- Mädchen für Küche und Hausarbeit für Mitte August oder früher gesucht. [5098 Bahnhofstraße 27 I. Ein Hausbursche, welcher mit einem Pferde umgehen kaum wird per sofort gesucht. [5371 Näheres in der Exped. d Bl. 5431] Gesucht gegen hohen Lohn eine Köchin. Frau A. Packard, Wetzlar. 5516] Ein tüchtiges gewandtes Mädchen sucht Stelle als besseres Haus- oder Kindermädchen bei einer Beamtenfamilie bis Ende Juli. Wo? sagt die Exp. d Bl. 5432] Zwei tüchtige Schreiner- gesellen werden gegen hohen Lohn auf dauernde Arbeit gesucht von I. Giebeler, Siegen, Untere Metzgerstraße. Gomksbericht vo« E. WasserscMeben, BmckgMW. NSsss vSM« 30. Juni 1890. Schlußcourie 1 Uhr 15 Mirr» 4 pCt. R-tchSanleihe 107.4014 p6t. Ungar, ©o&rentt 89 80 3i/a 100 4515 , Italiener Rente 94,50 4 . Preutz. Consols 106 101 Oesterr. Silberrente, 77 30 BVl Z 7 J 100 701 Ruff. Orient III. 73 00 Disconto-Comm. ^23 00 Darmstädter Bank-Act. 159 20 Dresdener Bank-Act. 157.10 Berliner Handelsges. 167.99 Oesterr. Credit-Act. 265 00 Wiener Bankvereins-Act. 104 62 Oesterr. Staats bahn 205.37 Lombard. Eisenbahn 120 00 Tend< Buschtherader 410 CO Elbethal-Bahn-Act. 208.50 Gotthard-Bahn-Act. 167.70 Schweizer Nordost 14120 „ West 3640 Gelsenkirchener 165.50 Der. Kön.- und'Laurahütte-Act. 145 00 Oesterr. Alpine-Montan 86 30 mz: fest. Telegra-hfich» LsmrSkriHt bet B Oesterr. Lreditaetien 166 50 Oesterr. StaatebaHil-Aette« 103 40 Dortmunder Unton-Actien 88 60 Darmstädter Bankactten 158.50 Tende eiliner Börse vom 30. Juni 1890. Dt8eoltto-Kom.-Nnthei!s 22340 Harpen er 193 25 Ostpreußen 100 30 Bochumer Guhstshlacttsn 167 00 M: fest. Aedactton? N. Scheyda. — Druck und Berlag der Brühl'fch« Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) U ließen.