Nr. 303. Dienstag den 31. December 1839 Der Hleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AamitieuvkLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeig er Keneral-Wnzeiger. Bierteljähriger Avonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblntt für den Areis Greben. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dm folgmden Tag erscheinmden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Jamitienbtätter. Alle Annoncm-Burcaux deS In» und Auslandes nehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, die Bestellung der Feuervisitatoren betreffend. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der seitherige Feuervisitator Otto von Gießen um Ent' bindung von diesem Dienste nachgesucht hat und daß wir daher mit Vornahme der Feuervisitation in der Stadt Gießen den Maurermeister Heinrich Keßler von Annerod beauftragt haben. Gießen, am 27. December 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern.___________________ Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Marie Graf von Lillingen nach Zeugniß der Direction der Großh. Entbindungsanstalt zu Mainz vom 23 December 1889 zur Ausübung der Hebammenkunst befähigt befunden und die Prüfungsnote gut erhalten hat. — Dieselbe wird sich in Hungen niederlaffen. Gießen, den 24. December 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Rückschau am )ahvesschlusse. Die allgemeinen Friedenshoffnungen, mit denen das nun zur Rüste gehende Jahr 1889 bei seinem Eintritte begrüßt wurde, haben in seinem Verlause keine Enttäuschung, sondern eine immer größere Festigung erfahren und zu dieser so erfreulichen Thatsache trugen eine Reihe hochpolitischer Cr- rignissc bei. Vor Allem hat der Fricdensbund zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien durch die erneuten Begegnungen zwischen den Herrschern dieser Reiche eine fernere sichtliche Kräftigung erfahren, indem zunächst der Kaiser von Oesterreich und der König von Italien ihre Gegenbesuche bei Kaiser Wilhelm II. in Berlin abstatteten, worauf die im Spätherbste erfolgte große Orientreise des deutschen Kaiserpaares zu weiteren Zusammenkünften Kaiser Wilhelms mit dem König Humbert auf der Hinreise wie Rückreise führte, und ebenso hatte der deutsche Monarch aus letzterer noch eine zweite Begegnung mit dem Kaiser Franz Josef in Innsbruck. Die Höhepunkte der Orientfahrt der deutschen Majestäten bildeten aber die Besuche in Athen, woselbst sich anläßlich der Vermählung der Prinzeß Sophie von Preußen mit dem griechischen Thronfolger eine so glänzende Fürstenversammlung eingesunden hatte, und in Konstantinopel, und das Erscheinen.Kaiser Wilhelms in beiden Hauptstädten wies ebenfalls seinen bedeutsamen politischen Hintergrund auf. Dasselbe gilt auch von dem Antrittsbesuche, den der deutsche Herrscher im Frühjahre an dem verwandten englischen Hofe abstattete und der Besuch Kaiser Wilhelms jenseits des Canals hat offenbar eine entschiedene Annäherung Englands an den Dreibund im Sinne der Erhaltung des Weltfriedens zu Tage treten lasten. Alle diese Monarchenreisen und Monarchen- Begegimngen waren von Diplomaten-Zusammenkünften begleitet , welche jenen ein höchst wirksames Relief verliehen. In der zwischen den Besuchen der Herrscher Oesterreichs und Italiens am Berliner Hofe und dem Antritte der Orientreise Kaiser Wilhelms liegenden Zeit wurde endlich auch der Gegenbesuch des Czaren Alexander in Berlin ausgeführt, nachdem deffen wiederholte Verschiebung bereits die seltsamsten und beunruhigendsten Gerüchte hervorgerufen hatte. Mit keinen sonderlichen Erwartungen sah man dem Czarenbesuche am Berliner- Hofe entgegen, aber um so überraschender gestaltete sich sein Verlauf, der namentlich durch die lange Audienz des Reichskanzlers Fürsten Bismarck beim Kaiser Alexander die bis dahin noch bestandenen „Mißverständnisse" zwischen Deutschland und Rußland vollständig zerstreute und somit hat auch der jüngste Besuch des russischen Herrschers in Berlin unzweifelhaft mit wesentlich zur Klärung des politischen Horizontes And zur Stärkung der Friedenöerwartungen Europas für das neue Jahr 1890 beigetragen. . Wenden wir uns nun von dem im Allgemeinen so befriedigenden Stande der hohen Politik dem Bilde zu, welches unser deutsches Vaterland im Jahre 1889 gewährte, so weist dasselbe im Großen und Ganzen erfreuliche Züge auf. Besonders haben Handel und Wandel unter dem Eindrücke der Wiederaufhelluug des so lange umwölkt gewesenen europäischen Horizontes in Deutschland einen unläugbaren kräftigen Aufschwung genommen, wenngleich zugegeben werden muß, daß nicht alle gewerblichen und industriellen Zweige sich dieses Aufschwunges erfreuen konnten. Indessen giebt man sich auch in denjenigen industriellen Kreisen, wo man noch immer mit ungünstigen Chancen zu kämpfen hat, der Hoffnung hin, an der allgemeinen wirthjchastlichen Befferung endlich Theil nehmen zu können und diese Zuversicht erscheint auch keineswegs ungerechtfertigt. Trotz des fortschreitenden Aufschwunges von Handel und Gewerbe zeitigte aber gerade das alte Jahr sehr bedenkliche Erscheinungen auf wirthschastspolitischem und zugleich socialem Gebiete und zwar hauptsächlich in Gestalt der heftigen Lohnkampse, von denen wohl kein einziger größerer Gewerbs- und Industriezweig verschont blieb. Im Mittelpunkte dieser Lohnkämpfe stand aber die gewaltige Strikebe- wegung unter den deutschen Bergleuten, die sich zu einer wahren Landescalamität zu gestalten drohte, bis endlich durch iie den sinkenden Bergarbeitern gemachten Zusagen der Bewegung Einhalt gethan wurde. Roch zum Jahresende hin flammte sie jedoch von Steuern wieder auf und wenngleich der neue Bergmannsstrike zur Zeit ebenfalls als wieder beigelegt betrachtet werden kann, so ist die Situation in den Kohlenrevieren von Rheinland-Westfalen wie Schlesien noch immer nicht eine vollständig beruhigende. Einen mächtigen Fortschritt zeitigte das Jahr 1889 aus socialpolitischem Gebiete durch Annahme des Alters- und Jnvaliditätsversicherungsgesetzes in der letzten Reichstags- session. Dagegen befinden sich zwei weitere wichtige Fragen der ReichSpolitik noch in der Schwebe, nämlich diejenigen des Socialistengesetzes und der neuen Heeresorganisation (Errichtung zweier weiteren Armeecorps), doch steht nicht im Mindesten zu bezweifeln, daß der Reichstag in dem Sessionsabschnitte nach Neujahr das neue Armeegesetz definitiv genehmigen wird, während bezüglich des Ausganges der Socialisten- gesetz-Angelegenheit allerdings noch immer große Ungewißheit herrscht. Recht bemerkenswerthe Veränderungen vollzogen sich in den höchsten deutschen Neichsämtcru. Die Marine-Leitung wurde getheilt und Freiherr v. d. Goltz an Stelle des bisherigen, im Januar 1889 verstorbenen Chefs der Admiralität, Grafen Monts, zum commanbirenben Admiral ernannt, währenb Abrniral v. HeuSner bas neugeschaffene StaatS- fecretariat der Marine erhielt. Außerdem übernahm der seitherige Präsident des Kammergerichtes in Berlin, v. Oelschläger, die Leitung des Reichs- justizamtes, beffen früherer Chef, v. Schelling, an die Stelle des zurückgetretenen preußischen Justizministers Dr. v. Friedberg trat. Auch im preußischen Kriegsministerium fand ein Wechsel in der Oberleitung statt, da General Bronsart v. Schellendorf ein Armeecorps - Commando übernahm und dafür der General Verdy du Vernois zum Kriegsminister ernannt wurde. Von sonstigen erwähnenswertheren innerdeutschen Ereignissen verdienen noch die Landtagswahlen in Sachsen, Baden und Württemberg, sowie die durch die Gegenwart des Kaisers ausgezeichnete Wettinfeier in Sachsen re- gistrirt zu werden. Ereignißvoll war das Jahr 1889 für die deutsche Colonialpolitik und zwar speciell in Ostafrika, wo der Araber-Ausstand unter Buschiri die Ausrüstung und Entsendung einer besonderen deutschen Expedition unter Reichs- commissar Wißmann nöthig gemacht hatte. Dem energischen und umsichtigen Auftreten Wißmanns gelang es, dem Ausstande immer engere Grenzen zu ziehen und nachdem er den Schaaren Buschiris wiederholte blutige Niederlagen beigebracht, konnte die Kraft der aufständischen Bewegung als gebrochen betrachtet werden, aber erst die noch in den letzten Wochen des alten Jahres erfolgte Gefangennahme und Hinrichtung Buschiris und feiner Hauptanhänger hat dem Aufstande ein vollständiges Ende gemacht. Leider nahm ein anderes deutsches Unternehmen, die Emin-Pascha-Expedition des Dr. Peters, einen um so unglücklicheren Ausgang, beim die Expedition wurde von feindlichen Eingeborenen überfallen, welche Dr. Peters und seine Leute niedermetzelten. Zu einem entschiedenen Erfolge führte die gemeinsame Blokadc der Zanzibarküste und der anstoßenden Küstenstriche behufs Unterdrückung des Sklavenhandels durch deutsche, englische und italienische Kriegsschiffe und konnte im Herbst die Wiederaufhebung der Blokade ausgesprochen werden. — Auf Samoa spielte sich eine erschütternde Katastrophe ab, bei welcher die deutsche Marine schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde: Es gingen die im Hasen von Apia ankernden deutschen Kriegsschiffe „Adler" und „Eber" mit einem Theile ihrer Besatzungen bei einem furchtbaren Wirbelsturme unter, welches Schicksal auch die drei amerikanischen Kriegsschiffe „Trenton", „Nipfic" und „Vandalia" betraf. Die deutsche Kreuzerfregatte „Olga' wurde zwar ebenfalls schwer beschädigt, indeffen gelang schließlich doch noch ihre Rettung. Werfen wir nach den über unser deutsches Vaterland angestellten Betrachtungen einen Blick auf die übrigen Staaten Europas, so sind es zunächst die uns befreundeten Groß- ftnaten Oesterreich und Italien, die uns im nunmehr abgelaufenen Jahre zeigten, daß sie, gleich wie wir, fest cnt- fchloffen sind, in stetem Ausbau ihrer dem Wohle ihrer Völker gewidmeten Institutionen, unserem Erdtheile den Frieden zu sichern. Die Haltung Rußlands, als der zunächst in Betracht kommenden europäischen Großmacht, hat im vergangenen Jahre eilten unschwer zu erkennenden friedlichen Eindruck gemacht, obwohl auch angesichts der dort ergriffenen Maßregeln zur Hebung ‘feiner Finanz- und Wehrkraft für den weniger in das Getriebe der Politik eingeweihten Friedensfreund ernste Zweifel über die Absichten des mächtigen Nach- barreiches auftauchen mußten. Unser Verhältuiß zu Frankreich hat zwar eine wesentliche Wendung in friedlichem Sinne nicht genommen, indeß gab das verflossene Jahr uns in der unser Nachbarvolk so cingehend beschäftigenden Weltausstellug Gelegenheit zu der Beobachtung, welch' geistigen und werk- thätigen Aufschwunges em Volk fähig wäre, wenn es endlich einmal aufhören würde, die Nevanchetrommel zu wirbeln, sich von ebenso gewissen- wie vaterlandslosen Abenteurern in Zerwürfnisse mit sich und feinen Nachbarn bringen zu lassen. — Die Vorgänge in den übrigen europäischen Laudern waren, so bedeutungsvoll sie auch für diese selbst gewesen fein mögen, für die Gesammtlage Europas so wenig von Belang, daß auf eine Wiedergabe derselben verzichtet werden kann. Möge das Jahr 1890 die Völker Europas in ungestörter friedlicher Arbeit finden! Deutscher Reich. Darmstadt, 28. December. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog empfingen heute u. A. die Nealgymnasial- lehrer Dr. Erb und Dr. Eger von Gießen. Berlin, 28. December. Seine Majestät der ft'aifer genehmigte die unterzeichnete Lotterie für die Niederlegung der Schloßsreiheit. Es werden 200,000 Loose a 200 Mk. ausgegeben und zwar erster Klasse 52 Mk., zweiter Klasse 20 Mk., dritter Klasse 20 Mk., vierter Klasse 36 und fünfter Klasse 72 Mk. Die Loose werden in der Neichsdruckerei hergestellt, welche dieselben erst dann ausfolgt, wenn vor jeder Ziehung der Betrag der Gewinne bei der Stadthauptkasse in Berlin in Baarem eingezahlt oder in 3i/,proeentigen preußischen Consols oder der Reichsanleihe hinterlegt ist. Die Ziehungen erfolgen unter Controle der königlichen General- Lotterie-Direetion. Im Januar findet die öffentliche Sub- scription statt. Die Hypotheken der niederzulegenden Häuser sind gekündigt. Die Aeceptation der Grundstücke steht itächstens bevor. Das Consortium besteht aus der Berliner Handelsgesellschaft, der Bank für Handel und Industrie, der deutschen Bank und den Bankfirmen Mendelssohn u. Co. und Robert Warschauer u. Co. Berlin, 28. Deeember. lieber die Uniformirung der Cavallerie bringen die „Hamburger Nachr." einen bemerkenswerthen Artikel. In demselben wird ausgeführt, daß in Folge des rauchlosen Pulvers der Farbe der Uniform mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden müsse, besonders den rothen und den weißen Uniformen, also Husaren und Cürassieren. Es werden in dieser Hinsicht ^ziemlich einschneidende Aenderungen" angekündigt. Auch bei Dragonern und Ulanen würde „innerhalb gewisser Grenzen eine Vereinheitlichung empfehlenswert sein". Dresden, 28. Deeember. Gras Adolf P l a t e n- Hallermund, ehemaliger hannoverscher Minister des Auswärtigen, ist gestern Abend hier gestorben. Ausland. Wien, 28. Deeember. Nach einer Meldung der „Polit. Corr." aus Konstantinopel werde die „Times"-Nachricht von einer beabsichtigten diplomatischen Action der Pforte anläßlich der Cotirung der bulgarischen Anleihe an der Wiener Börse als ein erneuter Versuch gewisser Kreise bezeichnet, die vertrauensvollen Beziehungen der Türkei zu den Mächten des Dreibundes zu stören. Die Pforte betrachte die Anleihe und die Cotirung derselben lediglich als innere Angelegenheiten, die zu einer diplomatischen Aetion keinerlei Anlaß bieten. Rom, 28. December. Die Nachricht der „Italic" wonach das Reglement betr. Aufhebung der Differenzialzölle noch nicht fertig, weßhalb die bestehenden Instructionen noch aufrecht erhalten würden, ist gänzlich unbegründet. Die Instructionen find bereits erlassen, die Aufhebung der Differenzialzölle tritt am 1. Januar in Kraft. Madrid, 28. Deeember. Die tägliche Sterbeziffer von Madrid hat sich in Folge der Influenza verdreifacht. I" Barcelona sind 30,000 Personen an dieser Epidemie erkrankt. Lissabon, 28. December. Hente fand die feierliche A u s- rusung des neuen Königs Don Carlos statt. Die Königin Amalie befindet sich heute besser, sie wohnte der Ceremonie bei. Das Königspaar begab sich im feierlichen Zuge, welchen der Herzog von Oporto eröffnete, nach dem Sitzungsgebäude der Cortes. Hier bestiegen der König und die Königin den Thron, worauf König Carlos die Hand auf das Evangelien- buch legte und den Schwur leistete, die Religion und die Integrität des Königreichs ausrechtzuerhalten, der Verfassung und den Gesetzen treu zu bleiben und für das allgemeine Wohl der Nation sorgen zu wollen. Der Präsident der Cortes proclamirte hierauf Carlos I. als König von Portugal. Der Zug begab sich darauf nach der Kirche San Domingo. Lissabon, 28. December. In der reich geschmückten Kirche Sau Domingo wurde der ue.ue König von Portugal bei seinem Eintritt vom Patriarchen empfangen. Dem Tedeum wohnte das gesammte diplomatische Corps, die Minister und die officielleu Persönlichkeiten bei. Nach der Feier begaben sich der König und die Königin zum Stadthause, wo der Präsident des Municipalrathes dem Könige die Schlüssel der Stadt überreichte. Der König hielt eine Ansprache, in welcher er den Portugiesen für die ihm kundgegebene Königstreue dankte. Der Präsident des Municipalraths verkündete der versammelten Volksmenge darauf, daß Don Carlos I. als König von Portugal ausgerufen worden sei. Die Bevölkerung begrüßte die Mittheilung mit langanhaltenden Jubelrufen. Danach bewegte sich der Zug wieder zum Palais vou Belem zurück. Morgen findet eine Revue über die Truppen der Garnison statt. Lissabon, 28. December. Die Kaiserin von Brasilien ist heute Nachmittag in Porto gestorbene Ein Herzübel soll die Ursache ihres plötzlichen Todes sein. Der Kaiser von Brasilien befand sich gerade im Museum der schönen Künste in Oporto, als der brasilianische Consul ihm den bedenklichen Zustand der Kaiserin meldete. Als der Kaiser in das Hotel zurückkehrte, war die Kaiserin bereits verschieden. Der Leichnam wird ausgestellt und dann nach Lissabon gebracht, wo die Beisetzung im Pantheon Sant Vincent, der Begräbniß- stätte der Braganzas, erfolgt. Zanzibar, 28. December. (Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Der Zustand Emins hat sich wieder verschlimmert. Der fortdauernde Ausfluß aus dem Ohre beunruhigt die Aerzte, denn er gilt für ein ungünstiges Anzeichen. Newyork, 28. December. Die Influenza ist in verschiedenen Theilen der Union aufgetreten. Hier sind mehrere hundert Erkrankungen milden Characters vorgekommen. Newyork, 28. December. Aus Barnwell (Südcaro- lina) eingegangenen Nachrichten zufolge drang in der vergangenen Nacht eine große Anzahl von Weißen, die sich durch Masken unkenntlich gemacht hatten, nach Ueberwältigung der Gefängnißwärter in das dortige Gefängniß ein, wo acht wegen Mordes verhaftete Neger gefangen gehalten wurden. Die Weißen führten die Neger eine kurze Strecke vor die Stadt und schossen sie daselbst nieder. Aus der Stadt und deren Umgegend hatten sich infolge dessen die Neger in großer Anzahl zusammengerottet. Der Gouverneur war, da Ruhestörungen befürchtet wurden, um die Absendung von Truppen ersucht worden. — Meldungen aus San Salvador besagen, daß im Departement Cuscatlan unter der Führung des Generals Nivas, welchem eine beträchtliche Truppenzahl zu Gebote stehe, ein Aufstand ausgebrochen sei. Die Regierung habe 8000 Mann Militär zur Unterdrückung des Aufstandes abgesandt. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 29. December. Am Neujahrstage, Vormittags 11 Uhr, findet in der Capelle des Königlichen Schlosses Gottesdienst und daran anschließend im weißen Saale eine Gratulations-Cour bei dem Kaiserpaare statt. Außer den Prinzen und Prinzessinnen, den hier anwesenden fürstlichen Gästen nebst Gefolge, den Höfen der Kaiserinnen Friedrich und Augusta, sowie dem gesammten Hofstaat nehmen daran Theil das diplomatische Corps, die Bevollmächtigten des Bundesraths, die Generalfeldmarschälle, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Häupter der fürstlichen und der ehemals reichsständischen gräflichen Familien, die Generalität, die Chefs der Leibregimenter, die Staatsministcr, die Präsidien des Reichstags und der beiden Häuser des Landtages, die Wirklichen Geheimen und die Räthe 1. Klasse. London, 29. December. Das Reuter'sche Bureau erklärt das Gerücht, das e n g l i s ch e G e s ch w a d e r habe Befehl erhalten, sich im Hinblick auf die Differenzen mit Portugal in Gibraltar zu versammeln, für unbegründet. Ebenso unbegründet sei das Gerücht von einem Einvernehmen Englands mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika zum Zweck der Ausübung eines Druckes auf Portugal durch eine gemeinsame Flottendemonstration. Der portugiesische Gesandte Martins d'Antas überreichte Lord Salisbury gestern die Antwort Portugals auf die jüngste Note Englands. Wie es heißt, hätte Portugal einen Aufschub verlangt, um Erklärungen von Serpa Pinto einzuholen und sei dieser Aufschub bewilligt worden. Cocaks rrnd provinzielles. Gießen, 30. December. — 20. Sitzung Großh. Handelskammer vom 19. December. Gegenwärtig waren die Herren Koch,Gail,Heichelheim, Homberger, Katz, Kraatz, Schirmer. Zum nächsten Sommerfahrplan hat die Kammer folgende Anträge bei der Königl. Eisenbahn-Direction Hannover ein- Zureichen beschlossen, nämlich: 1. einen Anschluß des Vormittags 6 Uhr 29 Miu. via. Kassel in Frankfurt a. M. eintreffenden Berliner Schnellzuges an den Hanau (Ostbahnhof) 7 Uhr 7 Min. passirenden bayrischen Schnellzug Nr. 579 zu bewerkstelligen durch spätere Abfahrt des bayrischen Schnellzugs 579 von Hanau, sowie auch des die Verbindung mit ihm zwischen Hauptbahnhof Frankfurt a. M. und Hanau (Ostbahn) herstellenden Zuges Nr. 43 von Frankfurt a. M., 2. einen sicheren Anschluß des an den Berliner Schnellzug Nr. 308 in Friedberg anschließenden Zuges Nr. 412 au den erwähnten bayrischen Schnellzug in Hanau zu bewirken. Auf unsere seiner Zeit bei Großh. Ministerium des Innern und der Justiz eingereichte, die Heranziehung der Consumvereine zur Gewerbesteuer bezweckende Eingabe wird uns Seitens Großh. Ministeriums mitgetheilt, daß es vorerst nicht in der Lage sei, zu einer Abänderung der bestehenden durch Art. 2, pos. 10 des Gesetzes, die gleichmäßige Besteuerung der Gewerbe belr., vom 8. Juli 1884 festgesetzten Bestimmungen die Anregung zu geben, da eine Aussicht auf anderweite Regelung dieses Gegenstandes durch die Kammer der Stände zur Zeit nicht bestehe. Ueber eine für den Sommer 1890 projectirte deutsche Ausstellung in London gehen uns Mittheilungen zu, welche geeignet sind, Bedenken zu erregen. Wir empfehlen deshalb Interessenten, welche diese Ausstellung zu beschicken beabsichtigen, sich vorher um nähere Auskunft au uns zu wenden. Herr Accessist Karl Süffert hier wurde durch Entschließung Großh. Ministeriums zum Regierungs-Assessor ernannt. — Die Sammlungen des Oberhesfischen Geschichtsvereins haben sich im Jahre 1889 nicht unwesentlich vermehrt. Vieles, namentlich an Waffen und Hausgeräthen verschiedener Art, ist gekauft worden. Auch die Ausgrabungen in Okarben und der Lindener Mark haben die Sammlung vou römischen und germanischen Alterthümern bereichert. Aber auch zahlreichen Schenkern und solchen, die Gegenstände leihweise zur Ausstellung überließen, ist der Verein zu besonderem Danke verpflichtet. Unter diesen sind hervorzuhcben: Der Gemeinderath der Stadt Gießen und die Herren Fabrikant Wolff, Prof. v. d. Ropp, Dr. Klewitz, Prof. Pflug, Kaufmann Reusch in Ortenberg, Rechtsanwalt Curtman, Dr. Dietz in Frankfurt, Plock, Rentner Kofler in Darmstadt, Dr. Wilbrand in Bielefeld, Dr. v. Ritgen in Wiesbaden, die Familie v. Ritgen, Großh. Handelskammer, Kaufmann Frech, Gerber Lotz, Univ.- Buchdrucker v. Münchow, Maschinenmeister Querner, Gast- wirth Müller und Marchand in Großkarben, Kaufmann L. Rothenberger, Dr. Greim, stud. Ebel, Kaufmann Zülch, Dir. Heil, Bergmann C. Seipp in Leihgestern, Vereinsdiener Schmall, Dr. Röschen in Laubach, Reallehrer Dietz, Prof. Bindewald, Oberpostsecretär Bernhard, Kaufmann Pistor, Oberfinanzrath Hörr, Bäcker Em. Noll, Buchbinder Sann, Brgm.-Ass. Plock, Frau Rahn und die Realschüler Barth, Egly, Heppner und L. Müller. Es sei ihnen und allen Förderern der Sammlungen herzlicher Dank gesagt. * Für Wehrpflichtige. Alle diejenigen von Deutschlands Söhnen, welche in dem denkwürdigen Jahre 1870 das Licht der Welt erblickten', während viele ihrer Väter für das Vaterland kämpften, werden nunmehr daran erinnert, daß jetzt die Reihe an ihnen ist, das Waffenhaudwerk zu erlernen. Um würdig in die Fußstapfen ihrer Väter treten zu können, haben sie sich längstens bis zum 1. Februar 1890 zur Re- krutirungs-Stammrolle zu melden und zwar bei der Bürgermeisterei ihres Aufenthaltortes. Bei dieser Anmeldung ist, sofern dieselbe nicht am Geburtsorte selbst erfolgt, das Geburtszeugniß vorzulegen. Dasselbe wird von der betreffenden Taufbehörde kostenfrei ausgefertigt. Aber auch Diejenigen, welche vor 1870 geboren sind und nicht für einen bestimmten Zeitraum von der Ersatzbehörde ausdrücklich von der Meldung entbunden oder über das laufende Jahr hinaus zurückgestellt sind, unterliegen der gleichen Anmeldepflicht. Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst hat von allen 1870 geborenen jungen Leuten ebenfalls spätestens bis zum 1. Februar 1890 bei derjenigen Prüfungs-Commission zu erfolgen, in deren Bezirk man gestellungspflichtig ist. k. Theater. Aehnlich wie in Calderons Schauspiel „Das Leben ein Traum" macht auch in Hugo Müllers Volksstück „Von Stufe zu Stufe" die Darstellung eines Traumes den Hauptinhalt des Dramas aus. Das Stück, in welchem uns die Schicksale einer armen Putzmacherin vorgeführt werden, wie sie sich, verfiihrerischen Anerbieten folgend, von Glanz, Reichthum und Anbetern umgeben sieht, später von Stufe zu Stufe sinkt, und dann, als a uch der zuerst von ihr geliebte Mann sich von ihr wendet, ihrem Leben gewaltsam ein Ende macht, ist hier schon des öfteren aufgesührt worden und in seinen Handlungen bekannt. Gespielt wurde das interessante Stück trefflich. Vornehmlich verdient Herr v. Gallas uneingeschränktes Lob. Er characterisirte den tief angelegten Wohlgemut ganz vorzüglich und beherrschte seine Rolle mit großer Gewandtheit und Sicherheit. Namentlich war sein Spiel im zweiten Acte in der großen Scene mit Marie wahrhaft ergreifend. Recht gut, wenn auch nicht so gut, wie Herr v. Gallas, war die Repräsentantin der Putzmacherin Marie, Fräulein Maas. Auch sie hatte offenbar ein sorgfältiges Studium aus ihre Rolle verwandt und war in der Lage, eine wirklich durchdachte, ernst aufgefaßte und ernst wirkende Darstellung ihrer interessanten Partie zu geben. Sehr nett war Fräulein Helene Pauli, die entschieden über eine große Gewandtheit und Anmuth in Spiel und Gesang verfügt. Die Rolle der ewig vergnügten Elise entspricht zudem in besonderem Maße dem fröhlichen Naturell ihrer freundlichen Darstellerin. Herr Adam Reiners entfaltete als Stubenmaler Lerche seine ost gerühmte große Begabung, comische Charactertypen zu schaffen. Er zeichnete auf's Trefflichste eine jener zweiselhaften hauptstädtischen Existenzen. Herr und Frau Jaskowski brachten mit der drastischen Wiedergabe ihrer kleinen Rollen einen äußerst comi- schen Effcct hervor. Wenig gefiel uns Herr Frank, dessen Maske zwar recht gut war, dessen Spiel aber meist nach derselben Schablone gearbeitet ist. Die übrigen Nebenrollen waren befriedigend besetzt. — Am 28. December wurde an hiesigem Bahnhof einer' im Wartesaal III. Classe sitzenden Dame aus Gemünden das Portemonnaie, welches sie allerdings in unvorsichtiger Weise neben sich auf den Tisch gelegt, mit 30 Mark Inhalt entwendet. Es gelang den Schutzmännern Bommersheim und Weiß nach zweitägigem Suchen, in Heuchelheim den Dieb in. der Person des berüchtigten jugendlichen Spitzbuben Jakob Waldschmidt von dort zu ermitteln und zur Haft zu bringen. — Der Locomotivführer Biermann, stationirt zu Betzdorf, ein bejahrter Mann mit 25 Dienstjahren, gerieth am 28. December beim Durchfahren des Tunnels zwischen Betzdorf und Herdors unter den Zug, wobei ihm der Kopf abgefahren wurde. Lollar, 28. December. Die in voriger Woche im Vereinslocal abgehaltene Generalversammlung des hiesigen Turnvereins hat einstimmig den Beschluß gefaßt, eine Turnhalle zu erbauen und hierzu ein kleines Capital verzinslich angelegt. Das noch fehlende Capital gedenkt der Verein durch Ueberschüfse bei Festlichkeiten, ferner durch Unterstützungen freiwilliger Beiträge rc. aufzubringen, wenn ihm der gute Sinn der hiesigen Bürgerschaft zum edlen Zweck erhalten bleibt und die Platzfrage nicht sehr durch die Gemeinde erschwert wird. 1- Im Jahre 1889 wurden in die Pfennigsparkasie zu Lich 9369.65 Mk. eingelegt und zwar im Januar 765.30 Mk., im Februar 757.10 Mk., im März 974.05 Mk., im April 597.80 Mk., im Mai 775.10 Mk., im Juni 766.30 Mk., im Juli 745.40 Mk., im August 758.60 Mk., im September 907.20 Mk., im October 741.50 Mk., im November 712.70M., im December 868.60 Mk. Die Zahl der Einleger beträgt ca. 600. — Seit dem Bestehen der^Kasse — 1883 — sind etwa 60000 Mk. eingelegt worden. Vermischtes. NN. Darmstadt, 29. December. Die Gesellenprüfungen zu Darmstadt. Unter der Anwesenheit des Präsidenten der Großh. Centralstelle für die Gewerbe, Geheime Baurath Sonne, des Vorstandes des hiesigen Gewerbevereins, sowie zahlreicher Mitglieder des Vereins und sonstiger Interessenten, fand heute Nachmittag um 3 Uhr der Schluß bejr zum erstenmal in Darmstadt eingesührten Gesellenprüfungen statt. Nach den Mittheilungen des Vorsitzenden der Prüsungs-Com- mission, Prof. Lincke, konnte nach Beseitigung mancher Schwierigkeiten und unter thatkräftiger Unterstützung der hiesigen Innungen, des Fabrikanten-Vereins, des technischen Vereins, sowie des Werkmeister-Vereins an den Erlaß eines Aufruss an die Lehrlinge herangetreten werden. Nach Erlaß desselben hatten sich bis zum Herbst d. I. 29 Prüflinge gemeldet, Don: denen heute 19 der Gesellenbrief zuerkannt und hinsichtlich ihrer practischen Arbeiten die Note „Gut" ertheilt werden konnte. Ausfällig muß es erscheinen, daß gerade die Fabrikindustrie zahlreich vertreten war, während aus dem Kleingewerbe nur 5 Lehrlinge sich prüfen ließen. Hoffentlich wird die Bctheiligung von dieser Seite, da ja gerade für das Kleingewerbe diese Prüfungen eingerichtet wurden, bei den nächstjährigen. Prüfungen zahlreicher werden. Geheimer Baurath Sonne hob in feiner Rede hervor, daß bei den Verhandlungen, welche wegen Einführung dieser Gesellenprüfungen im Großherzogthüm Hessen stattgefunden hätten, wiederholt die Ansicht ausgetreten sei, als würden diese Gesellenprüfungen nur „Versuche" bleiben, uiid für später keinen Bestand haben. Nachdem aber in der Schweiz, in Bayern, Württemberg und neuerdings in Berlin mit glänzenden Resultaten Gesellenprüfungen abgehalten wurden (in Württemberg allein weit über 1000), sei es keinem Zweifel mehr unterworfen, daß durch Einführung dieser Prüfungen einem längst gefühlten Bedürfniß zur Hebung und Belebung des Kleingewerbes entsprochen werde. Andererseits unterliege es keinem Zweifel, daß die glänzenden Resultate in Württemberg nur mit Hülfe des Staates und der Stände des Königreichs zu Stande gebracht werden konnten. Auch hoffe er, daß unsere Regierung und unsere Stände sich den Bestrebungen aus Einführung allgem. Gesellenprüfungen in Hessen geneigt zeigen und die fürs nächste Finanzbudget angeforderten Mittel bewilligen werden. Nachdem noch von Seiten des zweiten Vorsitzenden des Gewerbevereins, Stadtrath Rockel, der Commission für Gesellenprüfungen, insbesondere deren Vorsitzenden, Professor Lincke, Dank ausgesprochen wurde für die Mühe und Aufopferung bei Durchführung der Prüfungen, richtete der Obermeister der Weißbinder-Jnnung, Stadtrath Kinkel, noch Worte der Mahnung an die Junggesellen, treu und fest zum Handwerk zu halten zu Nutz und Frommen des Gewerbestandes und zum Segen des Staates und des Reiches. A Mainz, 29. December. In den letzten Tagen hat sich hier die Zahl der Influenza-Erkrankungen merklich vermehrt und zwar will man bei einzelnen Fällen jetzt auch einen ernsteren Character der Krankheit beobachtet haben. Bei ängstlichen Gemüthern hat der plötzliche Todesfall eines hiesigen Kaufmanns ziemlich beunruhigt, der vor einigen Tagen an der Influenza erkrankt und bei welchem die Erkrankung schließlich in Lungenentzündung ausgeartet ist. In ärztlichen Kreisen saßt man dagegen die ganze Krankheitserscheinung nach wie vor immer noch sehr ruhig auf, ohne indeß die Gefahr des ernsteren Characters der Krankheit zu verkennen. Bei den letzten Erkrankungen sind hauptsächlich zahlreiche Beamte der Hessischen Ludwigsbahn in Mitleiden« schäft gezogen, wodurch die Verwaltung gezwungen ist. in dem Güterverkehr eine Beschränkung eintreten zu taffen. — Der Import von italienischen Schweinen scheint für die Großviehhändler lohnend zu sein. In den letzten Tagen kamen wieder mehrere Extrazüge mit Schweinen aus Italien für die Firma Simon u. Heister hier an. Auch an Cölner, Caffeler und Hamburger Großhandlungen gehen große Züge mit italienischen Schweinen hier durch. A Aus Rheinhessen, 28. Deceniber. Am zweiten Weihnachtsseikrtage spielte sich in Dexheim ein blutiges Drama ab. Aus bis jetzt nicht aufgeklärter Ursache wurde ein junger Bursche von dorten von dem Bruder seiner Ge- liebren überfallen und mit einem Beile derart verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Attentäter hat das Weite gesucht. — Aus Worms, 27. December, wird berichtet: Herrn Hosschauspieler Werner, der das Festspiel „Drei Jahrhunderte am Rhein" so vorzüglich in Scene setzte und sich so große Verdienste um die Einstudirung der einzelnen Rollen erwarb, wurde gestern nach beendigter Vorstellung und dem Weggänge der Zuschauer, von der Spielgenossenschaft ein Ehrengeschenk überreicht, das die Widmung trug: „Großen Dankes schwaches Zeichen Sei Dir die bescbeid'ne Gabe — Und die Herzen Deiner Schüler Wahren Dir der Treue Gold! Emil Werner, dem theuren Lehrer und Freunde! Die Sp'el^knosstnschost Wcnms 1889." Die Ovation, zu der die Spielgenossenschast vollzählig erschienen war, sand aus der Bühne statt. Die Gabe stand unter einem geputzten, mit Lichtern besteckten Christbaume. Herr Werner antwortete tief bewegt auf die innigen Dankes- worte, die einer der Spielgcnossen ihm im Namen Atter sagte. So einfach die Feier war, so tief aus dem Herzen kam sie den Veranstaltern, und keiner der Genossen ließ es sich nehmen, dem theueren Manne noch selbst zu danken und die Hand zu schütteln,- dem Manne, der in seiner Erwiderung dcö Pfarrers Textor Worte auch für sich in Anspruch nahm: „O Worms, o Worms, vergeh' ich Dich, So soll auch Gott vergessen mich!" Wetzlar, 28. December. Der „Wetzl. Anz." schreibt: Im Gefolge der Feiertage ist nun auch die Influenza in unserer Stadt eingekehrt. Es wird bereits eine ganze Reihe von Fällen gemeldet, in denen einzelne Personen, sowie mehrere Familienmitglieder zugleich erkrankt sind. Aus dem Odenwald, 24. December. In einem nahe der Bergstraße gelegenen Dorse des Odenwaldes kam dieser Tage ein ergötzliches Kartoffel^Detteffen zur Ausführung. Große Heiterkeit erregte es, zuzusehen, wie Einer den Andern in seiner Eßkunst zu übenreffen suchte. Der Sieger hatte es auf 27, der Unterliegende auf 17 Stück dicker Kartoffeln gebracht. Mahlzeit! — Ucber ein nettes Geschichtchcn von der „Influenza" wird einem Frankfuner Blatte folgende Mittheilung: „Verschiedene Oppenheimer Herren saßen beim Frühschoppen und unterhielten sich von der „neuen Krankheit", als eben ein wegen seiner Renommisterei bekannter Herr aus der Nachbarschaft in das Gastzimmer eintrat. Wie immer, mischte er sich sofort in das Gespräch, obgleich ihm von alledem so dumm war, als ginge ihm ein Mühlrad im Kopfe herum. Als im Laufe der Unterhaltung die Frage an ihn gerichtet wurde, ob er denn den „Influenza" überhaupt kenne, gab unser Barbier schnell zur Antwort: „Ob ich den kenne, den hat mein Vater schon r a s i r t!" Tableau und allgemeine Heiterkeit! Lebensmittel-Branche käuflich sind. 389 A7||nt7 Cpl U/u/p Hoflieferant Sr. Maj. d. Kaisers n KOnirs Bonn. Berlin n. । Limit uuli n "Ui, Antwerpen, empfiehlt als unübertroffen ihre seit mehr als 50 Jahren sich des nohrannton hva KflfFpAQ die in allen bess. best. Rufes erteilenden l-60N3NNI6N J3V3 KaiieeS Geschäftender Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-D6pöt von G. Henne- berg (K. u. K. Hoflief) Zürich versendet gern Muster von seinen echten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke portv- und zollfrei ins Haus. 8136 Schiffsnachrrchten. Bremen, 28. December. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Aller, Eapt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. December von Bremen und am 19. December von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen. — Die gesammte Post, welche der gestern Nachmittag von Newyoik in Bremen angekommene Norddeutsche Lloyd-Dampfer „Trave" überbrachte, umfaßt nicht 720 Säcke, wie kürzlich mitgelheilt, sondern 969, von denen 720 in England gelandet wurden. Zpielplau der otreinigten^rankfurttr Ztadttheater. Opernhaus. DtenStag den 31. December, Nachmittaa« 3'/, Uhr: Dorf- barbier. Hierauf: Die Puppen fee. Ermäßigte Pieife. Abends 7 Uhr: Der Ztgeunerbaron. Gewöhnliche Preise Mittwoch den 1. Januar, Nachmittag« 3'/, Uhr: Dorfs barbier. Hierauf: Die Puppenfee. Ermäßigte Preise. Abend« 7 Uhr: Robert der Teufel. Große Preise. Donnerstag den 2. Januar, Nachmittags 3V» Uhr: Dorf* barbier. Pupoenfee. Ermäßigte Preise. Abend« 7 Uhr: Fidelio. Gewöhnliche Preise. Freitag den 3. Januar geschloffen. SamStag den 4. Januar, Nachmittag« 3>/, Uhr: Dorfbarbier. Puppenfee. Ermäßigte Preise. Abend« 7 Uhr: Der Prophet. Gewöhnliche Pietse. Sonntag den5.Januar, Nachmittags 3i/l llbr: Dorfbarbier. Puppenfee. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Hamlet. Gewöhnliche Preise. Schauspielhaus. Dienstag den 31. December: Wilddiebe. Anfang 7 Uhr. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 1. Januar: Zum ersten Male: Mariannen« Mutter. Schauspiel in 4 Acten von Paul Lindau. Gewöhnliche Pi eise. Anfang 7 Ubr. Donnerstag ben 2. Januar geschlossen. Freitag den 3. Januar: Derby. Gewöhnliche Preise. Samstag den 4. Januar: Zum ersten Male wiederholt: Mariannens Mutter. Anfang 7 Uhr. Gewöhnliche Prelle. Sonntag den 5. Januar: Schwtegermama. Anfang 7 Uhr. Gewöhnliche Prelle. Montag den 6. Januar: Fortuna. Hierauf: Flotte Bursche. Gewöhnliche Preise. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Dienstag, den 31. December. Sylvestergottesdienst Abends 6 Uhr. Pfarrer Schlosser. Neujahrstag, Mittwoch, den 1. Januar. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nach beiden Gottesdiensten Collecte für die Armen der Gemeinde. Katholische Gemeinde. Neujahr. Dienstag: Nachmittags um 4 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte; Abends um */i7 Uhr Svloesterandacht mit Predigt. Nach Beendigung der Andacht Gelegenheit zur hl. Beichte. Mittwoch: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um V,7 Uhr Austheilung der hl. Communton; um */a8 Uhr Frühmesse: um 8/<10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um Vt3 Uhr Festandacht. Gegen Baar oder Raten. Pianinos von Hk. 350.— an. Flügel von Mk. 1000.— an, Harmoniums von Mk. 70.— an. Alle berühmten Fabrikate. Gespielte Klaviere von Mk. 50.— an. — Umtausch alter Klaviere. Bedeutende Auswahl. Langjährige Garantie. Freie Lieferung. 7946 Willi. Rudolph, Pianomagazin, Neuen weg 9. Gothaer Lebensversicherungsbank. Versich.-Bestand am 1. August 1889: 72910 Pers, mit 560 200 000 Mark Bankfonds am 1. August 1889 .....rund 156000000 „ Versicherungssumme ausbezahlt seit Beginn . rund 200 000 000 „ Dividende der Versicherten im Jahre 1889 .... 6096 411 „ und zwar nach dem alten System mit Dwidenden-Nachgewährung aus die letzten fünf Jahre: 40% der Iahres-Normalprämie; nach dem neuen „gemischten" System: 30% der Iahres-Normalprämie und 2,6 % der Reserve, wonach sich die Gesammtdividende für die ältesten Versicherungen bi« auf 132 % der Normalprämie berechnet. Die Versicherungen Wehrpflichtiger bleiben ohne Zuschlagprämien auch im Kriegsfälle in Kraft. Anträge nimmt entgegen und ertheilt jede gewünscht werdende Auskunft gerne 9439 ________________________F. Q-ros, Bahnhosstraße 66. WXXXKXXXXXXXOXXXXXXXXKXXK | Placat-Fahrpläne | *n dßr X * Expedition des „Giessener Anzeiger“. £ xxxxxxxxxxxwxxxxxxxxxx^ - 'von q GffectenSf I ^Depositen । ■on ■um ■nn Passendes Festgeschenk. isitenkarten Brühl’schenDruckerei werden in jeder Schriftart und Papiersorte angefertigt in der Fernsprecher No. 51. Schulstrasse 7. Musikai. Hausfreund glätter f. ausgewahlteLalonmusik. HI. Jahrgang. Monatlich 2 Nummern (mit Text- Beilage). Preis pro Quartal 1 JL Probenummern gratis und franco. Leipzig C. A. Koch’* Verlag. Punsch-Essenzen. Die seit Jahren bekannten, anerkannt feinsten Punsche, nicht aus Fa?on-, sondern aus Oriainal-Waare bereitet, deß- balb nicht Kopfschmerzen erregend, empfiehlt in 4 versch Sorten zum alten billigen Preis C. G. Kleinheit», 10182 Bahnhofstr. 59. —■ 8 Ankauf alter Bücher u. Bilderwerke. Angebote ganzer Bibliotheken, sowie einzelner Bücher erbittet die (579 J.Ricker’sche Buchhandlung Gä-iessexx. Ein tüchtiger Pferdeknecht gesucht von 10197 Aug. Schleffiager. 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März 1859, ist ohne Bestellung eines Bevollmächtigten an unbekanntem Orte abwesend und zwecks Verwaltung seines hier hinterlaffenen Vermögens in der Person des Konrad Bopp II. von dort ein Curator gerichtlich bestellt worden; es werden Georg Dern II. oder seine etwaigen Erben oder sonstige Berechtigten hierdurch aufgefordert, zur Verfügung über jenes Vermögen sich innerhalb drei Monaten, von der ersten Bekanntmachung gerechnet, dahier zu legitimiren, als sonst dasselbe weiter gerichtlich verwaltet und nach den Anträgen des genannten Curators verfahren werden roirt). Gießen, 13 December 1889. Großh. Amtsgericht. 10057 Montag d. 10. Frbr. 1890, Nachmittags Uhr, soll auf dem diesigen Orrsgcrichl die dem Heinrich Lind in Gießen gehörige Hosroithe: Flur l Nr. 773,6 - 113 Mettr auf dem Marktplatz öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, 30 December 1889. Großh. Ortsgericht Gießen Vogt. 10220 Fst. neuen grobkörnigen C a v i a r empfiehlt [8740 Emil Orbig, Bahnhofstr. 30. 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Hessisch-Rheinischer Bergbau-Verein Wir bitten den uns zur Zeit dem Namen nach nicht erinnerlichen Herrn, welcher von uns Band 15 der Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts Merlin, herausgeg. von Jebens u. a, gsliehen hat, um dessen gefällige Rückgabe. Diery & Metz, 10236 Rechtsanwälte Capital. Mk. 10,000, auf erste Hypothek auszuleihen. — Schriftliche Offerten unter Nr. 10219 an die Exped- d- Bl. [10219 ReftauraMmslscal möglichst mit Einrichtung, in guter Lage von einer Brauerei zu pachten gesucht. Offerten mit Preisangabe rc. unter N. 8281 an Rudolf Moffe, Frankfurt a. M., erbeten. 10222 10198] Per 1. März, ev. auch früher, eine Wohnung von 4—5 Zimmern (in schöner Lage) zu miethen gesucht. Gest. Offerten «. A. H. 200 an die Exped. d. Bl. Ein tüchtiger Schäfer wird gesucht von der 2. Schäferei» gesellschaft zu Krofdorf. Reflectirende wollen sich innerhalb acht Tagen bet Vorsteher Ludwig in Krofdorf melden. [10226 Uespeclabelrr Vertreter von einer rheinischen Seifenfabrik ge- sucht die am hiesigen Platze bereits gut eing führt ist. Anerbieten befördert unter ZJOO die Exped. d. Bl. 10225 Tüchtiger eautionsfähiger Restaurateur für ein besseres LoealGießenS von einer Export-Brauerei gesucht. Offerten mit Angabe der bisherigen Thätigkeit unter W 8351 an Rudolf Moste, Frankfurt a. M. 10223 Bauefscher Gesangverein.! Sylvesterabend: Christbescheerung im Bereinslocal. 10237 Geschäfts Verlegung. 1 Das Bandagengefehäft von Otto Heger befindet sich von heute an ■ Marktstraße 16. ™ [1687 geführt. 6. D. Gebauer, Seltersw. 67. g |i ff schwarzer weufler rur yarei-, - H I! ?f. Stick und Strickarbeiten aller Art. Utürlich fehlt es nicht an eingek Bouquets, Armbänder, Ringe &ß-lfrnrnn(i™ mr Aussübrnna Na- eingehenden ,Q l UW Stern Linie Kataloge umsonst. [8353 nTweroeiiB nach Gießen, den 30. December 1889. 10228 W. Klippstein in Langedorf. Tendenz: still. Telegraphischer Coursbericht der Berliner Börse vom 30. December 1889. Tendenz: unentschieden. 1(3 50 17425 99 60 138.00 24975 32910 84 00 288 00 Große Ausgabe: vierteljährlich 90 Pf Oesterr. Eredttaetten Oesterr. Staatsbcchn-Actieu Dortmunder Union-Actien Darmstädter BankacLLen Kleine Ausgabe vierteljährlich 60 Pf. Dmustern dient zu Vorlagen von Canevas- Astickerei, eine noch umfangreichere Menge 8 schwarzer Muster für Häkel-, Filet-, Eiklärunaen zur Ausführung dieser schönen Vorlagen. Die Beerdigung findet statt: Donnerstag den 2. Januar, Vormittags 10 Uhr, vom Sterbehause, Südanlage 21, aus. Die besten Deklamationen u. komische Dorträge für frohe Menschenkreise. T . Aust. Geh. Preis 1 X 50 werden angefertigt. Zöpfe für 1X- Perrücken, ToupeS, Scheitel nach Maß bei 216 Georg Petri Nachf., Seltersweg 43. Auskunft ertheiley: von der Becke L Marsily, Antwerpen F. e. Bothof. Generalagent, Mainz. Vademecum für Dilettanten. Eine theoretisch-praktische Anleitung zum öffentlichen Auftreten. 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Alpine-Montan- , 349.00 182.75 169.70 133 80 3700 22140 8620 Die reichhMMe oder JUoöeii-äntüngen Ist die Jllustrirte Krauen-Zeitung. Dieselbe bringt jährlich 24 Moben-, 28 Unterhaltungs-Nummern und mindestens 28 Beiblätter, so daß ohne Unterbrechung regelmäßig wöchentlich ehre Nummer erscheint (für Oesterreich-Ungarn derStempel- steuer wegen alle 14 Tage eine Doppel- Nummer). Die Moden-Nummern sind der „Modenwelt" gleich, welche mit ihrem Inhalte von jährlich über 2000 Abbildungen fammt Text weitaus mehr bietet, als irgend em anderes Modendlatt. Jährlich 12 Bei- lrgen geben an Schnittmustern zur Selbstamertigung der Garderobe für Damen und Kinder wie der Leibwäsche überhaupt genügend für den ausgedehntesten Bedarf. — Das Unterhaltungsblatt bringt außerMooellen, einem vielseitigen Feuilleton und Briefen über das gesellschaftliche Leben in den Großstädten und Bädern, reaelmäßiae Mitlbetlunaen aus der ^ran-nwelt. Kunstgewerbliches, Wirthschastliches, Gärtnerei und Briefmappe, sodann viele künstlerisch ausgesührte Illustrationen und an Moden endlich noch Folgendes: jährlich über 75 Artikel mit über 300 Abbildungen, 12 große farbige Modenbildcr, 8 farbige Musterblätter für künstlerische Handarbeiten und 8Extra Blätter mit vielen Illustrationen, sodaß die Zahl der letzteren an 3000 jährlich hinanreicht. Kein anderes illustrirtes Blatt überhaupt, innerhalb oder außerhalb Deutschlands, kann nur entfernt diese Zahl aufwetsen; dabet beträgt der vierteljährliche Abonnements- Preis nur 2 X 50 — Die „Große Ausgabe mit allen Kupfern" bringt außerdem jährlich noch 40 große farbige Modenbtlder, also jährlich 68 besondere Beigaben und kostet vierteljährlich 4 X 25^ (in Oesterreich-Ungarn nach CourS). Abonnemenl-ö werden jederzeit angenommen bet allen Buchhandlungen und Postanftalten. — Probe-Nummern gratis und franco bin ch die Expedition Berlin W., Potsdamer Straße 38, Wien I., Operngasse 3. Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gieße» Die heutige Nummer umfaßt 6 Seite«. Dienstag den 31. December. Gieszenev Anzeiger. Beilage zu Nr. 303. -1889. / Deutsches Reich. Darmstadt, 27. December. Ausschüsse der zweiten Kammer. Zu Anfang des nächsten Jahres werden nicht weniger als drei Ausschüsse der zweiten Kammer zusammentreten. Am 3. Januar beginnt der Gesetzgebungsausschutz seine Sitzungen mit folgender Tagesordnkmg: Gesetzentwurf, die Einführung des Verwaltungsstrafbescheids betr. - Antrag Schröder, Herabsetzung des Stempels auf Immobilien und Hypotheken; Antrag Schade und Genoffen zum Faselviehgesetz- Antrag Gutfleisch zur Feuerlöschordnung, insbesondere Versicherung der Feuerwehrleute betr.- Gesetzentwürfe der Regierung zur Jagdgesetzgebung. — Am 4. n. M. folgt sodann der vierte Ausschuß, auf dessen Tagesordnung stehen: Antrag Kugler aus Abgabe von Waldstreu aus den Domanial- und Communalwaldungen - Antrag Arnold, zur wirthschaft lichen Lage des Odenwaldes - Antrag Wolfskehl und Gen., den Fortbestand des Noten - Emissionsrechts der Bank für Süddeutschland- Antrag Osann und Genosien wegen Verstaatlichung der Hessischen Ludwigsbahn. — Am 6. und 7. n. M. verhandelt der besondere landwirthschaftliche Ausschuß zum Antrag Haas aus Prüfung der regierungsseitig vorgenommenen landwirthschastlichen Enquete. — Bekanntlich erfolgt die Einstellung von Einjahrig- Freiwilligen am 1. April jeden Jahres nur bei einzelnen, näher bezeichneten Regimentern. Von den innerhalb des preußischen Heeresverbandes (also ausschließlich Bayern, Sachsen und Württemberg) in Universitätsstädten garnisoniren- den Truppentheilen stellen am 1. April Einjährig-Freiwillige ein: In Berlin das 2. Garde-Regiment z. F., das Kaiser Alerander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, das Kaiser Franz- Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2, das Garde-Füsilier-Regi- ment und das 3. Garde-Regiment z. F. - in Königsberg das zweite imi) Füsilier-Bataillon des Grenadier-Regiments König Friedrich III. Nr. 1 und das zweite und Füsilier-Bataillon des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm I. Nr. 3 - in Greifswald das Infanterie-Regiment Prinz Moritz von Anhalt Nr. 42 - in Halle das erste Bataillon Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm II. Nr. 10; in Bonn das zweite Bataillon Infanterie-Regiments v. Goeben 9Zr. 28; in Kiel das dritte Bataillon Infanterie-Regiments Herzog von Holstein Nr. 85 - in Rostock das erste und dritte Bataillon Füsilier Regiments Nr. 90 - in Göttingen das erste Bat. Infanterie-Regiments Nr. 82- in Jena das dritte Bataillon Infanterie-Regiments Nr. 94- in Gießen das Infanterie- Regiment Nr. 116- in Heidelberg das zweite Bataillon Grenadier-Regiments Kaiser Wilhelm I. Nr. 110- in Freiburg das Infanterie Regiment Nr. 113 und in Straßburg das Infanterie-Regiment Nr. 138, sowie das königl. sächsische Infanterie-Regiment Nr. 105. In Marburg werden am 1. April Einjährige in das 11. Jäger-Bataillon nicht eingestellt. Vermischter. Frankfurt a. M., 27. December. Unser Nachbarort Eschershe i m war gestern, am zweiten Weihnachtsseiertagc, Abends zwischen 9 und 10 Uhr, der Schauplatz einer ruch losen Thal. Zwei unbekannte Personen begehrten in der Abends immer stark belebten Frankfurter Straße in der Wohnung des 76jährigen Gemeinderechncrs Petry, der allein zu Hause war, Einlaß und begaben sich, als ihnen dieser unvorsichtiger Weise gewährt war, mit Petry in das im ersten Stock gelegene Wohnzimmer, um ihrem Wunsche gemäß dort eine Unterredung mit dem Rechner zu führen. Derselbe war kaum in das Zimmer eingetreten, als er sich am Halse gepackt, niedergeworfen und den Mund mit einem Schwamme zugestopft fühlte. Was weiter mit ihm geschehen, vermochte er nicht anzugeben, da ihn die Besinnung sofort verlassen. Als aber seine Frau nach 10 Uhr nach Hause kam, sand sie ihn aus einer tiefen Stichwunde in der rechten Brust blutend am Boden liegen, die Eommode erbrochen und die Gemeindekasse mit etwa 2000 Mk. entwendet. Letztere — eine kleine Cassette — sowie das Mordinstrument — ein gewöhnliches Küchcnmesser — wurde am anderen Morgen im Garten aufgefunden- ebenso fand sich der keilförmig zugeschnittene Schwamm vor. Diese wenigen Anhaltspunkte dürften kaum zur Entdeckung der Thäter führen. Die Aerzre hosien, den Schwerverletzten am Leben zu erhalten. Der Raubmordanfall erscheint um so frecher, als er in unmittelbarer Nähe der Eisenbahn-Einsteigestellc verübt wurde. — Ein Wittwer mit mehreren Kindern heirathete eine Wittwe, die ebenfalls Kinder mit in die Ehe brachte. Die Ehe blieb nicht kinderlos. Eines Tages war ein großer Scandal in der Kinderstube. Der Mann schickte seine Frau, nach der Ursache des großen Lärms auszuschauen. Bestürzt kommt die zärtliche Mutter zurück und erklärt dem Gatten: „Deine Kinder und meine Kinder haben unsere Kinder geschlagen." San Francisco. Gut bezahlte Prügel. Hier hält sich gegenwärtig vorübergehend ein Herr James Magv aus Guatemala auf. Dieser Herr ist mehrfacher Millionär und einer der reichsten Leute in der kleinen Republik. Interessant ist die Geschichte, wie der Grund zu seinem Reichthum gelegt wurde. Vor fünfzehn Jahren noch war Mago ein armer Jnsectensammlcr und zugleich englischer Vice-Consul in San Jose, Guatemala. Ein Tages ließ ihn der Commandant Gonzales vor sich rufen. Da er aber nicht alsbald erschien, geriet!) derselbe in Wuth und ließ ihm zunächst 75 Ruthen- streiche auf den nackten Rücken verabfolgen- als eine Art Dreingabe folgten dann noch weitere 25. Mago wurde in Folge der Mißhandlungen schwer krank, genas aber unter sorgfältiger Pflege schließlich wieder und erhob dann Beschwerde bei der britischen Regierung. Diese verlangte als Genugthuung für die ihrem Vice-Consul angethane Schmach zunächst strenge Bestrafung des Commandanten Gonzales- außerdem sollten an Mago 500 Dollars für jeden erlittenen Streich ausbezahlt werden. Gegen die letztere Forderung sträubte sich Guatemala lauge; eS half jedoch nichts und der Mammon mußte schließlich bezahlt werden. Mago aber sing dann einen einträglichen Kaffeehandel an und besitzt jetzt mindestens 5 Millionen. — Unter dem Titel „Ein Semester in Berlin" liefert der „TempS" eine drollige Federzeichnung der Berliner Studenten. Die Skizze stammt von einem jungen Franzosen, der sich, nicht immer aber mit Erfolg, bemüht, objeetiv zu schildern. Zunächst kann er den Begriff eines Studenten sich nicht ohne Bierseidel denken. Sodann hat ihm die lang wierige Ccremonie der Jmmatriculation den Geschmack verdorben. Im Uebrigen zollt er dem Reetor Prof. HinschiuS viele Anerkennung. In jedem Commilitonen sieht der Verfasser ein „Stück Barbar", freilich einen „sehr inftruirten Barbaren", der im Umgang sehr höflich und zuvorkommend sein kann, aber unter dieser äußeren Form doch eine gciviffc Härte und Schärfe verbirgt, die den Gallier nicht anmuthet. Interessanteren Gesichtern begegnet dieser unter den deutschen Commilitonen sehr oft, allein keinem „feinen, geistvollen". Seine Bewunderung aber weckt ihr Magen, ihr unverwüstlicher estomac, dem sie alles bieten dürfen, was andere Leute nicht vertragen. Hinsichtlich der Schmisse, mit denen sie prunken, vergleicht er sie mit bett . . . Rothhäuten. Sehr imponirt ihm die militärische Haltung der Studenten, die den Ossizieren nacheifern und in ihnen ein Muster erblicken. Unsere Studenten sollen aus diesem Grunde auch die Omnibusse verschmähen! Jeder deutsche Musensohn erscheint dem Verfasser als Chauvin nnb Franzosenfresser - bas Treiben in den Corps besonbers erinnert ihn an die Patriotenliga. — Tausende längst gezogener Loose sinb noch unerhoben unb der Verjährung ausgesetzt. Gegen 50 Ps. Briesmarken sendet Bankier A. Dann in Stuttgart, Herausgeber bes bekannten N. Finanz- unb Verloosungsblattcs, bie Serienltste (24. Jahrgang) über alle bis 30. Deeember gezogenen Serien- loose nebst Verloosnngskakenber für’S neue Jahr Jedermann franco zu. Auch kontrolirt derselbe Loose etc. in allen stattgehabten Ziehungen a 10 Ps. per Stück, in allen künftigen Ziehungen ä 15 Pf. per Stück unb Jahr. Universität» > Nachrichten. — An der Universität Halle hat sich Dr. P. Eisler für Anatomie habilitirt. — Prloatdocent Dr. Erwin Herter von der Berliner Universität ist nach Neapel übergefiebeh. — Prof. Dr. Flafch in Erlangen ist als Nachfolger des verstorbenen Prof. Dr. o. Ulrichs in Würzburg ausettehen. — Prof. Dierauer in St. Gallen hat einen Nuf an die Universität Bafel als Nachfolger o. Pflug-Hartungs abgelehnt. Greifswald, 20. December. Heute feierte Professor Karl Eichstedt sein fünfzigjähriges Doctor-Jubiläum. Berühmt ist er durch feine fefcon im Jahre 1846 gemachte Entdeckung des Pilzes von Pityriasis versicolor. Damit hat er die jetzige, die ganze Medicin beherrschende Richtung anbahnen helfen. O c f f e ntliche Zustellung. Der Friedrich Klein von Klein-Linden, vertreten durch Rechtsanwalt Grünewald, beantragt gegen seine Ehefrau Glisa- berha, geborene Büttner, mit unbekanntem Aufenthalt, Sühnetermin aus Wiederherstellung des ehelichen Lebens und ladet sie zu diesem Zwecke vor Gr. Amtsgericht zu Gießen aus Donnerstag den 30. Januar 1890, Vormittags 9 Uhr. Gießen, den 4. December 1889. Großherzogliches Amtsgericht. Fresenius. 9795 Bekanntmachung. Die Lieferung von rund 138 Tausend Berblendbacksteinen für den Neubau einer städtischen Knabenschule mit Turnhalle in Gießen soll öffentlich verdungen werden. — Lieferzeit Mai bis October 1890. Bedingungen und Maffenverzeich- niffe sind im Geschäftszimmer Nr. 3 Großherzoglicher Bürgermeisterei zu entnehmen und werden daselbst kostenfrei verabfolgt. Die Angebote sind versiegelt und postfrei bis zum Montag, 13. Januar 1890 an unterzeichnete Stelle einzureichen. Gießen, am 20. December 1889. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen Gnauth. 10161 Jeilgeöolenes. Arrae, Num, Cognac, deutsch und französisch, Feine Tasel-Ligueure, Div. Punschefienzen re. empfiehlt in besten Qualitäten billigst Chr. Ijudw» Thoma# 23 Wallthorstraße 23. 10008 Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Kinder und Erben des Commerzienraths Georg Karl Gail sind für das Jahr 1890 an zwei bedürftige, dahier wohnende Familien oder alleinstehende Personen Unterstützungen von je 200 «X zu vergeben. Bewerbungen haben bis zum 11. Januar 1890 bei der unterzeichneten Behörde zu geschehen. Gießen, am 27. December 1889. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 10191 Deutsche Schaumwein-Fabrik Weidig’s Sohuhuoerke. K Per V.Fl. '/.Fl Tokayer Ausbruch 1881er.....2.— 1.15 Tokayer „ 1876er..... 2401.35 Tokayer „ Cabinet 1868er 3.—165 Menescher „ rother Med.-Wein 2.— 1.15 Carlowitzer Ausbr „ „ 1.80 1.— Rüster Ausbruch „ 1.80 1.— Chemisch untersucht von Hrn. Geh. Hofrath Prof. Dr. R. Fresenius u-eon ärztlichen Autoritäten allen schwächlichen Personen empfohlen. In Gießen zu haben bei [5421 Herrn Ferd. Dreveö, Marktplatz 21 u. Herrn E. L. Kalkhof Wwe., Frankfurterftr.l Wachenheim (Rheinpfalz) empfiehlt ihre patentirten aus reinem Naturwein ohne1 Zusätze von Spirituosen und ohne Einpumpen von Kohlensäure hergestellten, von ärztlichen Autoritäten günstigst begutachteten Schaumweine ä Mk. 1.75 die ganze Flasche, 6914 „ 1.10 die halbe Flasche. Internationale Ausstellung Cöln a- Rh. 1889: Goldene Medaille. F riedr. 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Tonangebend für Mode und nützlich für Handardril ifl die erste und reichhaltigste Modenzeitung Der Bazar. Der Bazar bietet zur Selbstanfertigung der Garderobe doppelt so viele Schnittrnusterbogen al- irgend ein Modrnblatt. Der Bazar erscheint in reichster Ausstattung und bringt Mode, Handarbeiten, Colorirte Modenbilder, Schnittmuster in natürlicher Größe. Romane u. Novellen. Prachtvolle Illustrationen. Alle Postanstalten und Buchhandlungen nehmen jederzeit Abonnements an- Abonnementspreis vierteljährlich 2Va Mark (in Oesterreich-Ungarn nach Cours). Probe - Nummern versendet auf Wunsch unentgeltlich die Administration des „Bazar" Berlin SW. Ansprüche an den verlebten Herrn Canzlei- rath Ciemm wollen baldigst bei mir angemeldet werden. R. Hirschhorn, 10213____Rechtsanwalt._________ Enthebung von Neujchrs - Gratulationsbesuchen. Der Wunsch die Neujahrs - Gratulations-Besuche zu beschränken, hat seit Jahren viele Einwohner unserer Stadt dazu bewogen, durch ein Geldgeschenk an die Kleinkinder- Bewahranstalt sich gleichsam von Abstattung solcher Besuche loszukaufen. Dadurch ist zugleich dieser Anstalt eine beträchtliche Unterstützung zu Theil geworden. Auch bei dem bevorstehenden Jahreswechsel bitten wir, zur Grit- bebung von Neujahr- - Gratulationsbesuchen der Kleinkinder t Bewahranstalt eine Gabe zuwenden und einem der Unterzeichneten übermitteln zu wollen. Die Namen der Geber werden noch vor Jahresschluß in diesem Blatte veröffentlicht werden, und es möge dadurch, wie in anderen Städten, so auch bei uns, immer mehr zur Geltung kommen, daß alle, die auf solche Weife ihren Namm veröffentlichen lassen, von Abstattung der Neujahrsbesuche befreit sind und ihrerseits solche nicht beanspruchen. Gießen, den 27. December 1889. Rentner LouiS Wücking. Vfarrer Dirrgeldey. Fabrikant E. Kausfmann. Rentamtmann Lynker Pfarrer Dr. Nauma; u 10215 Ein ordentliches Mädchen, das kochen kann und Hausarbeit versteht, wird gesucht von Frau Oberstabsarzt John, Frankfurterstraße 6. A AAa a_ _____ ^•Anlage-f Kaufe in vorthfilb. bu- biaationen an all. p- Hauptbörs. üollfüljct anerkannt reell u. exact ‘3» Bankhaus Schallincinor A: Co.,Frankfurt u. M., ö- -jeil 19. — 'liltbewäljvtc Ii.format., inhalts- > QO -8? reiche Broch. <42.Aufl. lpü5.)u.Qebieg.Enrop.