Nr. 279.Freitag den 29. November 1889. Der Hieße-er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AamiktenStätter werden dem Anzeiger wöchmtlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Vierteljähriger AvonnementrpreiA: 2 Marl 20 Pfg. mH Bingerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expeditia« und Druckerei: General-Anzeiger. Schutstratze Kr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gissten. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamckienblätter Alle Annonccn-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Donnerstag den 5. December l. I., Vormittags 11 Vs Uhr, findet in unserem Saale Nr. 18 in öffentlicher Sitzung die Ausloofung der Schöffen für 1890 statt. Gießen, am 19. November 1889. Großherzoglicheö Amtsgericht Gießen. Fresenius. pclitijd^c Nebersicbt. Gießen, 28. November. Die Socialistengcfetz Commission des Reichstages nahm am Dienstag in zweiter Lesung die §§ 1—23 der Vorlage nach den Beschlüssen erster Lesung an. Dagegen wurde die Berathung über den wichtigen § 24, welcher von der Aus weisungSbesugniß der Negierung handelt, bts zum 4. December vertagt, damit den Fractionen Gelegenheit gegeben werden soll, sich in der Zwischenzeit über diese principielle Frage zu verständigen. Dieser Vcrlegenhcitsbeschluß der Commission läßt deutlich erkennen, daß die Schwierigkeiten wegen der AuSwcisnngsbcsugniß noch lange nicht überwunden sind nnd erscheint daher das Schicksal des Gesetzes nach wie vor als ungewiß. Die nächste Sitzung der Commission findet am Mittwoch, den 4. December statt, und stehen alsdann die Fragen der Ausweisung sowie der Dauer des Gesetzes zur Entscheidung- vb eine solche überhaupt in der Commission fallen wird, muß indessen noch dahingestellt bleiben. Die nach so vielfachen Gefahren und Abenteuern erfolgte glückliche Ankunft Emin Paschas und Stanleys im deutschost afrikanischen Schutzgebiete hat auf die Anlisclaverei Bewegung offenbar von feuern mächtig anregend gewirkt. Hiervon zeugt u. A. die kürzlich in Köln statrgesundenc, sehr zahlreich besuchte Versammlung der deutschen Colonialgesellschaft und des Afrika Vereins. In derselben wurde, nachdem mehrere Redner im Sinne der gedachten Bewegung gesprochen, einstimmig eine Resolution angenommen, welche die Erwartung einer weiteren krästigen Förderung der Unternehmungen zur Bekämpfung des Sclavenhandels ausdrückt und sich behufs Erreichung durchschlagender Erfolge für eine internationale Vereinbarung auf Grundlage der gegenseitigen Anerkennung der Rechte und Interessen der verschiedenen Culturnationen in Afrika erklärt. Auch auf den Brüsseler Antisclaverei- Congrcß scheint die frohe Botschaft aus Ostafrika belebend eingewirkt zu haben, da die verschiedenen Specialcommissionen des Congresses nunmehr in voller Thätigkeit zur Prüfung der ihnen unterbreiteten Fragen und Vorschläge begriffen sind. Im böhmischen Numpflandtage ist es wiederum zu argen Scandalscencn durch das Auftreten der radicalen Jungczechcn gekommen. Dieselben stellten in der Montagssitznng den Antrag, daß in Prag eine Gedenktafel für Johann Huß errichtet werde, den bekannten böhmischen Vorkämpfer nnd Märtyrer der Reformation. Es kam hierüber zu überaus erregten Debatten zwischen den Antragstellern einerseits, den Feudalen und den clericalen Altczechen anderseits und endlich zu einer fürchterlichen Spectakelscene, wobei es an gegenseitigen Beschimpfungen nicht fehlte- unter betäubendem Lärmen wurde der jungczechische Antrag abgelehnt. Die Jungczcchen wollen diese Debatte, welche einen vollständigen Bruch zwischen ihnen und der vom Fürsten Schwarzenberg geführten böhmischen Magnatcnpartei bedeutet, agitatorisch ausbeuten und wird demnach die ganze Angelegenheit zu neuem Spectakel Anlaß geben. In der Dienstagssitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses hielt der Abgeordnete und bekannte Romanschriftsteller Moritz Jokai eine glänzende Rede zu Gunsten des engsten Anschlusses Ungarns an Oesterreich mit specicller Betonung der auswärtigeii Lage. Jokai feierte weiter den Dreibund als den Hort des europäischen Friedens und gedachte schließlich der ausgezeichneten Verdienste des Ministerpräsidenten Tisza. Seine Ausführnngen wurden von der Kammermehrheit mit stürmischem Beifall ausgenommen, dem gegenüber die Rede des Oppositionsführers Grafen Appony, welcher die Beseitigung Tiszas als die Vorbedingung ersprießlicher Reformen für Ungarn bezeichnete, nicht zur Geltung kam. Deutscher Reichstag. 24. Plenarsitzung. Mittwoch den 27. November 1889, 1 Uhr. Dem Anträge der Geschäftsordnungs-Commission gemäß wird das Mandat des Abg. Dr. v. Cuny (natl.) als durch dessen Ernennung zum ordentlichen Honorar-Professor bei der Berliner Universität nicht erloschen erachtet. Hierauf wird die zweite Etatberathung fortgesetzt mit dem Specialetat des Auswärtigen Amtes. Titel „Gouverneur in Kamerun". Abg. Richter (dfr.) hat den Antrag gestellt, die Local etats der Schutzgebiete im künftigen Etat der Beschlußfassung des Hauses zu unterstellen. Er nimmt zuerst das Wort, um zu constatiren, daß er auf seinen Antrag keine Antwort erhalten habe. Es wäre erwünscht, bestimmte Daten über die Branntwein-Einfuhr zu erhalten aus dem Togogebiete und Kamerun. Der Branntwein-Consum soll dort, wie die Missionsgesellschaften klagen, überhand nehmen infolge der Uebcrschwemmung des Landes mit Branntwein. Es empfehle I sich daher, den Zoll von 80 Pfg. auf die Literflasche Branntwein zu erheben, wie ihn die Neu-Gninca Company auch erhebt. Staatssecretär v. Mal tzahn Gültz: Der Antrag Richter verlangt eine Behandlung deS Colonial Etats, die sich mit dem bisherigen Verfahren in Widerspruch setzen würde. Abg. v. Bennigsen (natl.) beantragt, den Antrag Richter an die Budgetcommission zu verweisen. Abg. Hammachcr (natl.): Die Schutzherrschast über die Gebiete ist dem Kaiser übertragen und andere Colonial länder überlassen die Etataufstellung den Colonial Verwal tungen. Das sind zwei Gesichtspunkte, die bei der Berathung des Antrages nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Abg. Richter (dfr.): Herr Hammacher ist kaiserlicher als der Schatz-Secretär - die Schutzhoheit des Kaisers collidirt nicht mit unserem Recht, Ausgaben zu bewilligen. Abg. v. Kardorsf (Rp.): Die Ausführung des An träges Richter würde eine große Complication des Etats herbeiführen. Abg. Baumbach (dfr.) bestreitet dies und erwartet von dem Anträge Richter die Wirkung, daß eine zuverlässigere Etatsausstellung möglich sein wird. Die Position wird genehmigt. Bei dem Titel „Togo" führt Abg. Richter (dfr.) Klage über die Zollverhältnisse in Togo, welche lediglich den Schmuggel nach dem angrenzenden englischen Gebiet fördern; auch finde in Togo ungestraft Sclavenhandel statt. Geh. Legat.-Rath Dr. v. Krauel: Das Interesse an den deutschen Colonien scheint nicht überall ein wohlwollendes zu sein. Redner widerlegt die Behauptungen Richters be züglich der Uebelstände im Togo-Gebiete. Es würde zu zeit raubend sein, die Lücken auszufüllen, die sich in dem colonialen Wissen des Abg. Richter befinden. Die Mittheilungen über Sclaverei seien unglaubwürdig. Die Ausweisung des Afrika reisenden Krause fei erfolgt, weil dieser durch sein Verhalten die Feindschaft der eingeborenen Häuptlinge auf sich lenkte. Der Tabakhandel sei im Aufschwünge begriffen. Der Aufschwung der Colonien hänge ab von der Consumtion und Production durch die Eingeboreneu. Alle Jahre werden nicht gleich sein. Auf dem Boden einer negativen Kritik gedeiht der Baum der Erkenntniß überhaupt nicht. Abg. Woermann weist auf den Aufschwung des Handels in den bei Kamerun benachbarten englischen Colonien hin; es sei doch nicht ausgeschlossen, daß sich auch in Kamerun der Handel in ähnlicher Weise hebe. Der Aftikahandel habe bereits für Hamburg eine große Bedeutung erlangt und liefere für industrielle Werkstätten des Inlandes das Rohmaterial. Es sei dringend nöthig, auf dem betretenen Wege der Colonialpolitik auszuharren, denn Deutschland sei allen anderen Staaten gegenüber zurück. Afrika werde für Deutschland Feuilleton. Gute Parthien Der Bruch des Verlöbnisses zwischen dem Prinzen Murat und der amerikanischen Millionärin Gweudoline Cald- well hat vor längerer Zeit die Runde durch die europäische Presse gemacht. Wohl angeregt durch diesen pikanten Vorfall , veröffentlicht jetzt der Pariser „Temps" einen aus amerikanischen Quellen geschöpften Artikel: „Einige amerikanische HeirathSgütcr", aus welchen hervorgeht, daß Miß Caldwell mit ihren 30 Millionen Francs unter den „guten Parthien" ihres Landes eine armselige Figur macht und der edle Prinz nur den Weg über den Ocean zu wagen braucht, um drüben ein liebendes Wesen zu finden, das ihn besser bezahlt als einen Flaneur. Diese Statistik des „Temps" muß allen Mitgiftjägern den Mund wässern machen. Zählt sic doch für Ncwyork allein mehrere Dutzend Mädchen und Wittwen auf, von denen jede einzelne mehr Geld besitzt als die Königin Victoria von England, welche als der Crösus unter den Fürstlichkeiten Europas angesehen wird. Als die Reichste dieser Reichen gilt allgemein Miß Mary Garret, deren Vermögen zum größten Theile in der Ohio- Bahn steckt und auf weit über 200 Millionen veranschlagt wird. Leider wird auch ihr Alter weit über Vierzig veranschlagt, was hoffentlich die Murats und Genossen, die in der Welt umherlaufen, nicht abschrecken wird. Miß Jenny Flood aus San Francisco ist auch nicht zu beklagen. Sie besaß schon vor dem Tode ihres Vaters 35 Millionen und hat nun noch mehr als 100 geerbt, was auf Freunde „runder" Summen, wie z. B. Wippchen einer ist, großen Reiz ausüben dürfte. Alter 30 Jahre. Die reichste Wittwe Newyorks ist Frau Barrios, oder um ihren spanischen Stolz nicht zu verletzen, Donna Franzisca Apancio vel Vescuciadiago de Quelsaltenango Barrios. Fran Barrios hat aber nicht nur einen langen Namen, sondern auch eine lange Geschichte, die den Stoff zu einem abenteuerlichen Roman liefern könnte. Ihr Gatte war der durch seine Kämpfe um die Vereinigung der fünf Republiken Central- Amerikas bekannt gewordene und auch diesen Kämpfen (April 1884) zum Opfer gefallene Präsident von Guatemala, dem es gelang, sich von seiner Civilliste im Verlaufe weniger Jahre ein Vermögen von ungefähr 150 Millionen zurück- zulegen. Dieselbe Geschicklichkeit erwies er bei der Eroberung seiner Frau, die er, auf der Wahlreise als Candidat der Präsidentschaft begriffen, zufällig in einem Kloster kennen lernte, sofort zur Gemahlin begehrte, aber mit einer Abweisung Seitens ihres Vaters wieder verlassen mußte. Barrios wurde zum Präsidenten gewählt und zwei Jahre daraus erinnerte er sich der Schönen, die ihm aus Adelstolz (vcrmuthlich fehlte dem Namen des Barrios noch eine Elle) verweigert worden war. Er schickte nun zu ihrem Vater, nicht mehr mit einer Werbung, sondern mit der Botschaft, daß er sich an diesem Tage und zu dieser Stunde mit dessen Tochter verheiratheu werde und der Herr Schwiegerpapa sich unweigerlich mit seiner ganzen Sippe um die bestimmte Zeit und an dem bestimmten Orte einzufinden habe. Der Vater des Mädchens, der diese Entwickelung geahnt haben mochte, hatte jedoch seine Tochter an einem sicheren Orte versteckt, so daß die Abgesandten des Barrios, welche die Braut aus dem Kloster abholen sollten, unverrichteter Dinge heimkehren mußten. Darüber verlor Barrios die Fassung nicht. Erließ den „Alten" kurzweg in ein finsteres Loch stecken und täglich einmal fürchterlich durchprügeln, welche Beweisführung demselben nach drei Monaten derartig logisch erschien, daß die Einwilligung zur Verbindung erfolgte. Die Hochzeit wurde mit großem Pomp abgehalten und darauf geschah das Wunderbare, daß Barrios nicht nur der zärtlichste Gatte, sondern auch der zärtlichste Schwiegersohn wurde und den Vater seiner Fran sogar zum Finanzminister beförderte. Da damals gerade eine Reihe von Anleihen durch Guatemala ausgenommen wurde, fand der Schwieger- papa die Buße seines Tochtermannes genügend. Frau Barrios hat nur eine Bewerberin, welche ihr noch überlegen ist: Frau Vanderbilt, die als die reichste Wittwe der Welt gilt. Hingegen stehen — um das Capitel der Wittwen zu erledigen — die Damen Marshal Roberts und Moses Taylor mit ihren 100 Millionen hinter der Präsidentin von Guatemala zurück, von den Damen Astor, Bell (Schwester des Herausgebers des „Newyork Herald", Herrn Gordon Bennett), Griswald und Alexander mit ihren fünfzig Millionen gar nicht zu reden. Um zu den Mädchen zurückzukehreu, sei vor allem Miß Helene Gould genannt, die nach dem Tode ihres Vaters zweifellos die reichste „Parthie", wahrscheinlich sogar die reichste Persönlichkeit der Welt sein wird. Vorläufig aber, so lange Miß Helene nicht geerbt hat, bleibt die eingangs erwähnte Miß Garret an der Spitze und ihr schließen sich Miß Julia Rhinelander, die stärkste Gläubigerin der Vereinigten Staaten, sowie in zweiter Linie die Misses Daisy Stevens und Annie Cutting an. Eine Sonderstellung in diesem Kranze nimmt jedoch Fräulein Hetty Green ein, die von armen Eltern stammt, aber durch eigene Speculationen an der Börse ein ungeheures Vermögen — man sagt 100 Millionen — zusammengebracht hat. Von den in der Statistik des „Temps" noch angeführten Bettlerinnen, die nur über die Lumperei von 10 bis- noch sehr werthvoll werden- man dürfe keinen Fuß breit Lande- in Afrika aufgeben. Es sei keine Chimäre, wenn Millionen für Afrika-Unternehmen auSgegeben werden. Abg. Richter: Dar Kapital hält sich immer noch in der Colonialpolitik zurück, der beste Beweis, daß diese Politik Chimäre sei. Im Togo-Gebiet reise jetzt Dr. Henrici und erstatte großartige Berichte über Plantagen-Erwerb, um inS Auswärtige Amt zu gelangen. Die Erklärungen über die Ausweisung des Reisenden Krause seien doch sehr wunderbar, eS müssen dort Zustände herrschen, die ganz gefährlich sind. Der Titel wird bewilligt. Der Antrag Richter bei Titel „Kamerun" wird an die Budgeteommission verwiesen. Es werden sodann debattirt Titel „Südwestafrika nisches Schutzgebiet" (Ausgabe) und einmalige Ausgabe „Zuschuß zur Bestreitung der Verwaltungsausgaben im südwestafrikanischen Schutzgebiete." Staatsseeretär Gras Bismarck schildert die Lage des Hauptmann v. Francois im Herero-Lande, die, soweit bekannt geworden, eine ganz gesicherte sei. Gründe zur Beunruhigung sind nicht vorhanden; immerhin würde die Position Francois wesentlich verstärkt werden, wenn die Mittel zur Verstärkung der Schutzgruppe bewilligt würden und man mit der Bildung der Schutztruppe bald vorgehen könnte. Nachrichten aus Kapstadt lassen die Vermuthung zu, daß die Berichte der oppositionellen Presse und die oppositionellen Reden im Parlament die Schwierigkeit der Lage in Südwestasrika vergrößern. Redner schildert die Aufgaben der Colonialtruppe, die namentlich auch die Missionen zu schützen haben werde. Abg. Dr. Bamberger (dfr.): Es werde hier von der Schutzherrschast zuerst zu einer richtigen Colonialpolitik übergegaugen. Für den großen Enthusiasmus, mit dem man an diese Politik gegangen sei, wären die Resultate recht geringe. Wenn der ganze deutsche Colonialbesitz mit Schaden verkauft werden könnte, so würde er gern darin willigen, das deutsche Volk verliere daran nicht viel. Der Staatsseeretär scheine noch ein wärmeres Herz für Colonialpolitik zu haben, als der Reichskanzler, der bona fide den ihn gemachten Vorschlägen gefolgt ist. Jetzt werde die Colonialpolitik aber immer abenteuerlicher, die werde seine Partei nicht mirmacheu und deshalb nur das Ordinarium bewilligen, das Extraordinarium aber, den Zuschuß zur Anwerbung der Schutztruppe, ablehnen. Diese ganze Colonialpolitik ist Luxus, mit Ausgaben dafür soll man die Steuerzahler nicht belegen. Im Volke lacht man über diese Politik. (Oho! rechts.) Staatsseeretär Graf Bismarck: Die Unternehmer, welche gegenwärtig ihr Geld in eoloniale Unternehmungen stecken, dürften doch auch die Sache so gut kennen, wie die Herren von der linken Seite des Hauses. Das Haus vertagt die weitere Debatte bis Donnerstag 1 Uhr. — Schluß 5 Uhr. Nenestr Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondcnz-Burcau. Berlin, 27. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Der Staatsseeretär Gras Bismarck gab gestern Abend ein größeres diplomatisches Diner, woran der englische und russische Botschafter, die Gesandten der Schweiz, Portugals, der Niederlande, der argentinischen Republik, Schwedens, Belgiens, Rumäniens, der Unionstaaten re. theil- nahmen. Potsdam, 27. November. Der Kaiser hat sich heute früh 8 Uhv 42 Min. von Wildparkstation mittels Sonderzuges nach Pleß begeben. Antwerpen, 27. November. In dem Proeesse wegen der Explosion in der Patronenfabrik am 7. September verur- theilte das Zuchtpolizeigericht deu Eigeuthümer Corvilain zu 41/2z Direetor Delaunay zu 1J/2 Jahren Gefängniß, 12,000 Fr. Entschädigung und den Proceßkosten. Brüssel, 27. November. Heute trat die von dem Anti-Scl averei-Cougreß zur Prüfung der Fragen betreffs Unterdrückung des Selaveuhandels eingesetzte Commission zusammen; zunächst tauschten die Mitglieder ihre Meinung aus sowohl über das Gebiet und den gegenwärtigen Stand des Selaveuhandels, als auch über die Straßen desselben. Die Berathung der hieraus bezüglichen Schriftstücke wird Freitag fortgesetzt. 25 Millionen Mitgift verfügen, lohnt es natürlich nicht der Mühe zu sprechen. Als eine vereinzelte Erscheinung in dieser Versammlung heirathbarer Weiblichkeiten sehen wir Frau Fair, welche deu schönsten Palast der neuen Welt, eine der größten Sehenswürdigkeiten Newyorks, bewohnt. Sie ist eine geschiedene Frau und ein zum Nachdenken anregendes Original. Ihre Sonderbarkeit besteht darin, daß sie ihrem Garten die zärtlichste, willigste, verständnißvollste Gefährtin war, so lange dieser als armer Teufel eine elende Blockhütte im Innern von Nevada bewohnte, nnd daß die Zwietracht mit dem Reichthum wuchs, bis dieser so groß war, daß jene zur gerichtlichen Trennung des Paares führte. Und stellt man neben diese durch den Reichthum um ihr Eheglück gebrachte Frau all' die oben aufgezählten fünfzig- und hundertfachen Millionärinnen hin, von denen bis auf einige Ausnahmen sämmtliche deu Frühling des Lebens überschritten, ohne sich zur Heirath entschlossen, ohne etwas von der Poesie und den Freuden genossen zn haben, die der ärmsten Bauerndirne auf dem Dorfrain in Fülle erblühen, so gelangt man zu seltsamen Erwägungen. Lehrreich ist diese Erscheinung im höchsten Grade. Und fast sühlt man sich versucht, das alte Scherzwort umzudrehen und zu sagen: Geld allein macht nicht glücklich- man muß es auch nicht haben. Madrid, 27. November. In der gestrigen Kammersitzung erklärte der Minister des Innern und der Arbeitsminister, auf Cuba herrsche vollständige Ruhe. Rom, 27. November. Die Kaiserin Friedrich nahm mit den Prinzessinnen-Töchtern das Dejeuner in der Villa des Senators Lacaita in Tarent; die hohe Frau reifte Nachts an Bord des Aviso „Surprise" nach Neapel weiter. Contreadmiral Nieastro, der Prüftet und die Spitzen der Behörden waren zur Verabschiedung anwesend. Bukarest, 27. November. Die heutige Thronrede agt, das Land verlange von seinen Vertretern viel Arbeit, besonders die Consolidirung der Finanzlage- der König habe dieses Verlangen auf seiner letzten Reise conftatirt. Die Thronrede stellt den Fortbestand der guten Beziehungen zu allen Mächten fest, sowie den Erfolg der auf Erhaltung des Friedens gerichteten Bemühungen. Das letzte Verwaltungsjahr schloß mit einem Ueberschuß ab, auch das diesjährige Budget liegt günstig. Die Thronrede kündigt schließlich mehrere Gesetzvorlagen an, darunter solche bezüglich der Armee und Fortsetzung der Befestigungen. — Der Senat wählte den General Floreseu mit 66 gegen 13 Stimmen der Liberalen zum Präsidenten. Belgrad, 27. November. Dem Journal „Timoeanin" zufolge errichtete die russische Donauschifsfahrt-Gesellschaft in Radujevuc eine Agentur, welche bereits functionirt und auch schon Verladungen nach Frankreich abschloß. Konstantinopel, 27. November. Den Ferman, betreffend die Amnestie in Kreta, überbringt demnächst der Admiral Achmet Ratib Pascha. — Der General Hobe Pascha führt morgen 6 edle arabische Pserde nach Berlin, 2 für den Kaiser, je eins für die Kaiserin, den Prinzen Heinrich, den Herzog Friedrich von Mecklenburg und den Grasen Herbert Bismarck. Newyork, 27. November. Die Feuersbrunst in Lynn hat über 100 Schuhfabriken eingeäschert- 160 Familien sind obdachlos und 8000 Personen beschäftigungslos geworden. Der Bürgermeister erließ einen Aufruf, in welchem er die sofortige Zusendung von Kleidungsstücken erbittet. St. Louis, 27. November. Die nationale Silberconvention ist hier zusammengetreten, um beim Congreß zu Gunsten der Wiederprägung der Silbermünzen vorstellig zu werden. Darmstadt, 28. November. Die Ankunft Sr. Majestät des Deutschen Kaisers in unserer Stadt 6. December 9 Uhr Vormittags bestimmt. ist aus den Locales unb provinzielles. Gießen, 28. November. — Bei Gelegenheit einer hier gestern stattgehabten Hochzeit des Herrn Jacob ans Niedergemünden mit Fräulein Loeb aus Solms, Nichte des Herrn H. Katz aus Frankfurt am Main, ließ es sich der Sultan Abu Bakar von Zohore (Dschohore), welcher Gast des Herrn H. Katz ist, nicht nehmen, der Hochzeit beizuwohnen und traf derselbe um 1 Uhr 17 Min. nebst dem Prinzen Omar und seinem Secretär Dato Sri Ama d'Rayab Abdul Rahman hier ein- der seltene Gast hat nm 7 Uhr Abends die Stadt wieder verlassen. Herr A. Katz hier begrüßte den Sultan in einer Ansprache aufs Herzlichste, indem er insbesondere auf die Ehre und die Freundschaft hinwies, die der Sultan der Familie Katz durch sein Erscheinen kundgab. Der Sultan sprach sich in wohlwollender, gefälliger Weise über den Verlauf des Festes und die ihm bewiesene Ehre aus und gab seinen Gefühlen in einem Toaste, welchen er in malayischer Sprache ausbrachte, Ausdruck- Herr Katz übersetzte den Toast ins Deutsche. — Theater. Wir machen nochmals auf die morgen Freitag in Scene gehende Novität „Madame Bonivard" aufmerksam und rathen, da der Andrang zu der Aufführung ein voraussichtlich starker sein wird, sich rechtzeitig die festen Plätze zu sichern. — Berichtigung. In dem gestrigen Strafkammcrberichte ist eine Verwechslung der Vornamen der Angeklagten Sperling und Velten unterlaufen. Es muß nämlich Heinrich Sperling und Georg Karl Velten heißen. Friedberg, 26. November. Letzten Sonntag fand in, der Wirrhschaft von Geis hier eine socialdemokratische Berathung bezüglich der demnächstigcn Reichstagswahlen statt, zu welcher ein Abgesandter von Frankfurt extra hierhergekommen war. Vermischtes. Darmstadt, 27. November. Die Ausschmückung der Stadt zum Empfang des Kaisers wird am Bahnhose beginnen und die ganze Nheinstraße bis zum Schloß und vom Louisen- platz abzweigend die Wilhelminenstraße bis zum Neuen Palais, dann auch den Marktplatz und das Rathhaus umfassen. Am Nheinthor wird eine prächtige Ehrenpforte errichtet werden. Darmstadt, den 27. November. Zum K a i (e r b e j u ct). Die Stunde der Ankunft des Kaisers ist immer noch nicht bestimmt. (S. indeß obige Depesche). Die Bürgermeisterei hat sich wiederholt an die zuständige Stelle mit dem Ersuchen gewandt, sie baldmöglichst von der dieserhalb einzuholenden Allerhöchsten Entschließung in Kenntniß zu setzen, damit das Programm für die bevorstehenden Kaisertage definitiv festgesetzt werden kann. Am Montag Abend fand im großen Nathhaussaale eine Besprechung der Präsidenten und Dirigenten der hiesigen Gesangvereine, welche sich sowohl zur Spalierbildung beim Einzuge wie auch zur Theilnahme an der Tags daraus stattfindenden Serenade bereit erklärt hatten, statt. Herr Musikdirector Senff wurde zum Dirigenten für die Serenade gewählt. Weitere Vereinbarungen, insbesondere die Auswahl der Gesänge, blieben den Vereinsdirigenten Vorbehalten, nur wurde der Wunsch zu erkennen gegeben, daß die Serenade nicht auf dem Paradeplatz, sondern in dem Glockenhof des Residenzschlosses dargebracht werde. Die Ge- angvereme müßten sich zu diesem Zwecke auf kurze Zeit von dem übrigen Fackelzuge, der mittlerweile auf dem Paradeplatze Ausstellung nimmt, trennen. Aus ein heute eigens aus dieser Veranlassung an Se. K. H. den Großherzog nach Leipzig gerichtetes Telegramm traf alsbald auf gleichem Wege die Nachricht ein, daß die Darbringung der Serenade im Glockenhos des Schlosses keinem Anstande unterliegt. Darmstadt, 27. November. Besteuerung automatischer Verkaufs-Apparate. Das Großherzogliche Finanzministerium hat die Frage, ob die Unternehmer automatischer Verkaufsapparate zur Besteuerung heranzuziehen seien, in bejahendem Sinne entschieden. Nichthessische Unternehmer solcher Antomaten haben für jeden einzelnen Apparat ein besonderes Gewerbepatent lösen. — Reinigung der Schulstuben. Dem Wiesbadener Gemeinderath machte Herr Stadtbaudirector Winter Vorlage bezüglich der Reinigung der Schullokalitäten. Die heutigen Anschauungen der Hygiene verlangen, daß der Reinlichkeit, bezw. der Reinhaltung in den Schulen eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werde. Bisher wurden die dortigen Schulen mit Wasser alle 4 Wochen oder alle 14 Tage ausgewaschen, im Uebrigen wurde die Reinigung durch den Pedellen vollzogen, aber hierbei wurde natürlich viel Staub erzeugt. Bekanntlich sei aber der Staub der Träger vieler Krankheitsstoffe, es müsse daher gesorgt werden, daß die Schulzimmer möglichst staubfrei seien. Die Baucommission habe nun in Erwägung gezogen, in welcher Weise dieses am besten zu erreichen sei. Hierbei ist die Commission zu der Ansicht gekommen, daß Staub in der Schule sich überhaupt nicht entwickeln dürfe. Um dieses Ziel zu erreichen, soll eint feuchte Reinigung vorgenommen werden, allerdings nicht mit dem Schrupper, sondern mit feuchtem Sägemehl, das den Staub und Schmutz, der vorhanden ist, aufnimmt, so daß er später wieder fortgekehrt werden kann. — Obgleich diese Art der Reinigung die Kosten der seitherigen Reinigung um 600 Mk. per Jahr übersteigt, genehmigte doch der Gemeinderath den Antrag der Commission. Paris, 24. November. sPariser Gigr l.j Als besondere Novität der diesjährigen Saison sieht man in Paris jetzt häufig die Herren bei Abendvisiten einfarbige, rofar blau oder rothe Hemden tragen. Diese grellen, bei den weit ausgeschnittenen Gilets zur vollen Geltung gelangenden Hemden bringen einen „phänomenalen" Eindruck hervor. Um den Contrast noch zu steigern, pflegt man dieselben mit glänzenden schwarzen Jaisknöpsen zu verschließen. Diese Hemden sind bereits so stark en vogue, daß man mit der Fabrikation gar nicht nachkommen kann. Der Urheber dieser Mode ist der jugendliche Prinz von Neapel. Uttivcrfitäts»Nachrichten. Marburg, 27. November. Am schwarzen Brett der Universität befindet sich folgender Anschlag: „Commilitonen! Die „Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege", welche sich die Aufgabe gestellt hat, für den Kriegsfall Männer und Jünglinge christlichen Bekenntnisses, welche nicht militärpflichtig sind, in der Krankenpflege ausznbilden, hat an den meisten deutschen Hochschulen bereits die wärmste Theilnahme und die thatträfttgste UntelstützunA gefunden. Seine Majestät der Kaiser und König selbst haben über „die rege Betheiligung der akademischen Jugend an diesem ebenso humanen wie patriotischen Werke" Jdre besondere Freude ausgesprochen. Die Unterzeichneten haben sich vereinigt, um auch in den Kreisen der Studrrenden der Alma mater Philippina für die freiwillige Krankenpflege Anhänger zu werben. Sie geben sich der Hoffnung hin, daß ibr Vertrauen auf die vaterländische Gesinnung der Marburger Studirenden nicht getäuscht werden wird. (Folgen die Unterschriften der Herren Professoren) — Die katholische Universität in Washington ist am 13. ds unter entsprechenden Ceremomen eingewecht worden. Als Lehrer für die verschiedenen Unterrichtsfächer sind gewonnen worden: Dogmatik: Dr. Schröder aus Köln; biblische Wissenschaft: Dr. Hivernant; engl. Literatur: Charles Warren Stoddard; Philosophie: Dr. Pohle vom katholischen Seminar in Fulda; canonisches Reckt: Dr. Sebastian Gebhard Meßmer, Lehrer der Theologie in Seaton-Hall, nahe Newark, N-I ; Moral-Theologie: Dr. Bonquillon von der Universität in Lille. Außer diesen regulären Faculiäten werden noch Vorlesungen über Kirchengeschichte, sowie Physik und Astronomie gehalten werden. Verkehr, Land- nnd volkswirthschaft. Limburg, 27. November. (Fruchtmarkt). Rother Weizen 16.30, weißer Weizen JL 16.05, Korn JL 1315, Gerste «/M 11.70, Hafer JL 7 30, Erbsen .A 00.00, Kartoffeln JL 0.00. Frankfurt, 27. November. Erbsen ganze per Pfd. 12—18 do. geschälte 14-18 Linsen 18-28 weiße Bohnen 16-18 H, gelbe Kartoffeln per Gescheid 14—16 H, rothe Kartoffeln per Gescheid 12—14 H, Butter per Pfd. JL 1,00-1,10 Eier das Stück 6—7 H, Blumenkohl 30-70 Weißkraut das Stück 8—15 Rothkraut 12-25 H, Wirsing 12—15 Die neuen Postanweisungen weisen auf der Rückseite eine von dem bisherigen Vordruck völlig abweichende Einrichtung auf- Es sind die Abgrenzungen für Poftanweisimgen nach oben gerückt und die vorgerückte Qutttungsformel darunter gesetzt- Diese Einrichtung bietet, nach der „Deutschen Verkehrszeitung", Vorlheile für die Handhabung nicht allein dadurch, daß sie die Uebereinsttmmung mit den Vacketadresse>- und Postauftragsformularen herstellt, bei welchen die Lorzeichnungen für die Ankunftsnummern sich gleichfalls am oberen Ende der Karte befinden, sie läßt auch für Quittung und Bestellvermerke der abtragenden Boten geeigneten Raum. Selbstverständlich ist die Neueinrichtung nicht allein bei den mit neuem Werthstempel versehenen Postanweisungen, sondern auch beim Formular C. 90 — Postanweisungen ohne Werthstempel — durchgeführt- - Die Wirkungen des frischen, strohigen Düngers auf zähem, kaltgrundigem Boden haben sich nach verschiedenen Versuchen als sehr günstige gezeigt, besonders wenn man denselben stai k auffährt und dann durch sorgsältiges Einlegen in die Furche unter die Erde bringt. In dem Falle hat er die Kraft, hier die Gährung anzufangen, sich zu erwärmen, dem Boden selbst seine Wärme mi!- zutheilen und ihn durch die Entwicklung seiner Gase zu lockern und damit zu durchdringen. Durch sein erzeugtes Ammonium wirkt er besonders auf den unzersetzten Humus, der sich vorzüglich in solchem Bo^?n befindet. Er erregt mancherlei Wechselwirkungen, besonders die; .. vermöge welcher der Dünger die noch im Boden ent- f-;7 ,• nährenden Theile aufschließt, stärker als jener Mist, der seine Gr .unu schon überstanden hat. Dagegen aber hat man von diesem k." itn Miste wenig oder gar keinen Nutzen, wenn er auf trockenen, I l>. en und ausgezehrten Boden, der wenige Nahrungstheile in sich -olkrwirtbichast. fjS-XS Jt 0'00. E. 12—18 -Sir 1 kn Ott 16—18 -5fr SZssr »ä?5Ä A R°'^ »chrichten. i schwarten Breit der Untag: ,Kommilitonen! Die r imfiriege", melde sich d/e 'si Männer unb Züngtmge nililLipflichtig sind, in der leisten deutschen Hojschuten thattrüstitzsi.e ünMützurg mb König selbst haben über i Jugend an diesem ebenso Sine besondere Freude aus- sich vereinigt, um auch in na mater Philippina für die weiden. Sie geben sich der die vaterländische Gesinnung nicht werden wird. (Folgen m) W»ihi°«t°n ifi «aii eeitl wotbcn. lewonnen worden: Dogwatil. .nschasl: Dr. hivernant: engl. Wpbie: Dl MU nom JLa «eckt: Dl Sebastian in Seaton-Hasi, nabe Ä«ita*b«rUntoegit “inilito midm wi S«- lf “«I 5*5 lUn9 btt g > ^u-rung i”!t «uto. "" ct ®ot= '*dk". Di, 111 ®iult»a< et $eil'= Sä* :n. V»“' bo6 die sch überhaupt niUi-U ti?t allerdings nidjt mit ? S°g°mehl, bQä ' fo b«B » m . Obgleich dich Art ^-imgung um 600 ®f ? »et G-nielnderath bett 's" ®Vl-] Als bc. u!on sch man in Paris *n ch°Äze, rosa, D'ese Stelle«, bei be„ Ita Geltung gelmgenben en' Andruck hervor. Um man dieselben mit glän- rschliehen. Diese Hemden > man mit der Fabrikation Urheber dieser Mode ist ääS-s barunter W^ilt |ur s** enthält und dem sie durch dielen Mist erst gegeben werden sollen, gebracht wurde. Insbesondere hat man seine Nachtheile sehr deutlich wahrgenommen, wenn er kurz vor der Einsaat eingebracht wurde und vor der Vegclation nicht zersetzt war. Fiel Dürre ein, so verdorrten die Pflanzen um so leichter; tret aber feuchte Witterung ein, so trieben die Pflanzen zwar stark empor, bekamen aber ein edb liches und oerbleichtes Ansehen, starben zum Theile ab ober blieben noch schwächlich, waren dem Honigthau unterworfen und bekamen unvollkommene Körner. Wenn dieser Mist auf ober im Acker auS- dörrt, fo zerfällt er in etlichen Jahren nicht, mischt sich nicht mit der Erdkrume und wird wohl erst sehr spät zu wirklichem, fruchtbarem Mober, weil er nachher in keine Gährung kommen kann, fondern nur verwittert. ES kommt daher viel darauf an, dm Mist gerade in einem der Bodenart angemessenen Zustande auf und in den Acker zu bringen. — Zur Düngung der VbstbLume mit Kunstdünger im Winter ist folgende Mischung zu empfehlen, die im November anzu- wenden ist. Dieselbe stellt man her, indem man 5Oprocentigc3 Lhlorkalturn mit 2Oprocentigem SuverpboSvhat, beides zu gleichen Theilen mischt unb welche man, soweit die Baumkrone reicht, um den Stamm herum auSstreut und dann mit dem gewöhnlichen Stalldünger untergräbt. Im Februar gibt man Ehilisalveter, welcher gleichfalls oben aufgestreut, aber nicht untergegraben wird, weil der Kegen ihn genügend ben Baumwurzeln zusührt. Man streut denselben deshalb auch auf die Wege, soweit sie sich unter Baumkronen oder Cordonbäumchen binziehen. Diese Stoffe werden in folgender Menge verabfolgt: Bei einem starken Obstbaum 1 Kilo von obiger Mischung, V« Kilo Ehtltsalpeter. Bet schwächeren Bäumen nach Ber- hältnttz weniger, in feuchtem Boden von Chilisalvetcr nur etwa die Hälfte. Bei einem größeren Pyramiden- ober ©palierbavm: von der Mischung etwa 200 Gramm, von ChilUolpeter etwa 150 Gramm. Bei einem größeren Cmbonbäumchen von der Mischung 60 Gramm, von Edilisalpcter 40 Gramm. Zicrbäume und Sträucher würden I mit gleichem Erfolge auf diese Weise behandelt werden. Zeigen I Obstdäume öppipen Holz- unb Blättertrieb bei geringer Fruchtbar- I htt, io bedürfen sie vorzug-weite die obige Mischung unb man kann b«n Ehilifalpeter hinweglasien; stnb dagegen Holz- unb Laubtrieb wie die wenigen Früchte schwach, so ist bet Ehilisalpeter dringend nöthig und die Anwendung desselben auch meist von gutem Erfolge begleitet, der sich im nächsten Jahre in deutlicher Weise zu erkennen Siebt. W. Scbiffsnacb richten. Bremen, 27. November. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Eider, Eavt. H. Baur, vom Norddeutschen Aoyd in Bremm, welcher em 16. November von Bremen unb am 18. November von Southampton abgegange» war, ist gestern 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angenommen. Bremen, 27. November. (Per transaUantischen Telegraph.) Der Poftdampfer America, Eapt. A. Kohlmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 13. November von Bremen abgegangen war, ifi heute 9 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore ange kommen. Das Vogtl. 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Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mit woch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Montag Dienstag Die Einleger 206 Ob 10975 332.00 190.00 177.00 136 20 38 00 220.00 8000 Samstag Dienstag Diane, seine Frau Madame Bonivard, deren Matter Champcaux, Duvals Feund E. Fuckert, 17 Neuen Bäue 17. 105 501 Oefterr. Silberrente 102 601 Ruff. Orient III. 3Vs 4 3