Nr. 22«. Samstag den 28. September 1889. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Sutton t Schul st raße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf Amtlicher Hheit. Gießen, am 24. September 1889. Betreffend: Die Ausstellung der Voranschläge für die Landgemeinden des Kreises Gießen für 1890/91. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzogltcherr Bürgermeistereien des Kreises. Unter Hinweis auf die §§ 3 und 4 der Instruction vom 20. October 1874, die Ausstellung und Revision der Gemeindevoranschläge betreffend beauftragen wir Sie, mit Aufstellung der Voranschläge für 1890/91 alsbald zu beginnen und dafür zu sorgen, daß deren Einsendung an uns fpäteften- bi- zum LS. November d. I. erfolgt. Wir machen Sie hierbei noch aus folgende Punkte aufmerksam: 1) Nach unserem Ausschreiben vom 18. März 1887 — Amtsblatt Nr. 2 — fällt die durchlaufende Verrechnung der Mieth-, Pacht- und Nutzungs- werthe von Gütern und Naturalien, welche die Gemeinde selbst benutzt oder verbraucht oder an Dritte zur Benutzung abgibt, weg, jedoch ist im Ecläuterungs- hest innerhalb Linie das Erforderliche zu bemerken. Geldanschläge von Naturalien, welche die Gemeinde von den hierzu Pflichtigen erhebt, kommen nach wie vor zur Verrechnung. Die Uebersichtlichkeit des Gemeindevermögens läßt es Wünschenswerth erscheinen, daß in Beilage 2 die durchlaufend aufzuführenden Geldanschläge in der Spalte „Jährlicher Ertrag" auch fernerhin eingetragen werden. 2) Bei Berechnung der Holzerlöse ist der bisherige Tarifpreis zu Grunde zu legen. Etwaige Abweichungen sind durch eine Durchschnittsberechnung der letzten fünf Jahre zu begründen. Der Ertrag einer etwaigen außerordentlichen Holzfällung ist gesondert von der regelmäßigen Fällung unter Rubrik 44 vorzusehen und hierbei die genehmigende Verfügung sowie die vorgesehene Verwendung des Erlöses anzugeben. 3) Die Beiträge der Gemeinden zu den Besoldungen der Oberförster sind nach den in der Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 19. Januar 1889 — Beilage Nr. 2 zum Regierungsblatt für 1889 — festgesetzten Höhen vorzusehen. 4) Als Beitrag zur Kreiskaffe ist der für 1889/90 nothwendig gewesene Betrag einzustellen. 5) Auf Einstellung eines ausreichenden baaren Betriebskapitals ist Bedacht zu nehmen, damit Verlegenheiten der Kaffe und Kaffeanlehen vermieden werden. 6) Sofern für außerordentliche Ausgaben keine oder keine wesentlichen Beträge aufzuwenden sind, muß ein den Verhältniffen entsprechender Betrag für Schuldentilgung vorgesehen werden. In denjenigen Gemeinden, in welchen noch ältere Kriegsschulden vorhanden sind, empfiehlt es sich, zunächst mit diesen auszuräumen. Wir machen aber darauf aufmerksam, daß diese auf den immer steuerbaren Objecten ruhen, auf welche dann eine Umlage in gleicher Höhe unter Rubrik 54 vorgesehen werden müßte. 7) Bei der allgemeinen Umlage empfehlen wir Veränderungen, namentlich Herabsetzungen, wenn nicht besondere Gründe hierzu vorliegen, zu vermeiden und aus günstigen Abschlüffen Veranlassung zur Vorsehung von Kapitalrückzahlungen zu nehmen, da fortwährende Schwankungen in der Höhe der Umlagen unzweckmäßig sind und die Herabsetzung in dem einen Jahr fast regelmäßig eine Erhöhung im nächsten Jahre bedingt. 8) Unter Rubrik 93 „Für die Gemeindekrankenversicherung" ist das Ergebniß des Voranschlags der Gemeindekrankenversicherung summarisch anzugeben z und der etwa erforderliche Vorschuß der Gemeinde zu wahren. Es ist hierbei auch anzumerken, welche Vorschüsse die Gemeinde seit Bestehen der Gemeindekrankenkasse geleistet hat, damit die Rückvergütung von der letzteren controlirt werden kann. 9) Zur Berathung des Voranschlags im Gemeinderath ist der Vertreter der Forensen und der Gemeinde-Einnehmer zuzuziehen, welch letzterer jedoch kein Stimmrecht hat. 10) In denjenigen Gemeinden, in welchen das Großh. Haus ein Communalsteuerkapital von 857 JL besitzt und wo dem Fiscus nicht in Folge des Gesetzes vom 3. Mai 1858 ein Stimmrecht im Gemeinderath zusteht, ist der Voranschlag in einem Exemplar bei Beginn der zweiten Offenlegung der betr. Großh. Oberförsterei zur Einsicht vorzulegen. Im Uebrigen wollen Sie unsere früheren Ausschreiben sowie unsere Revisionsbemerkungen und Beschlüsse zu dem vorigen Voranschlag beachten. v. Gagern. Betreffend: Den Wiesengang. Gießen, am 23. September 1889. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Nach Artikel 7 der Wiesenpolizei-Ordnung ist im nächsten Monat der Wiesengang von den Wiesenvorständen unter Zuziehung der Feldschützen und Wiesenwärter vorzunehmen. Wir beauttraaen Sie deshalb, dieselben hierzu baldigst auszusordern und uns die über den Wiesengang aufzunehmenden Protokolle bis längsten» Ende kommenden Monats vorzulegen. In diesen Protokollen Haden die Wiesenvorstände, was Sie denselben noch besonders eröffnen wollen, hauptsächlich folgende Punkte auszunehmen: 1) ob die Anordnungen, welche Sie bei dem letzten Wiesengang getroffen haben, befolgt worden sind und welche nicht; 2) welche Anordnungen von den Wiesenvorständen zur Beseitigung der bei dem diesmaligen Wiesengang Vorgefundenen Mängel von Ihnen getroffen worden sind oder vorgeschlagen werden; hierbei wird den Wiesenvorständen besonders empfohlen, ihr Augenmerk namentlich auch aus die Reinigung der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, Moos rc., auf die Entfernung der Herbstzeitlosen, des Erdauswurfs aus den Be und Ent- wäfferungsgräben, aus die Verebenung der Maulwurfshügel und dergleichen und auf die Unterhaltung der Be- und Entwässerungsgräben zu richten und hierbei nach den bestehenden Bestimmungen zu verfahren; 3) Verbesserungsvorschläge in Bezug auf größere Wiesenfluren, namentlich solche, zu deren Ausführung die Bildung von Wassergenoffenschasten nach dem Gesetze vom 30. Juli 1887 über die Bäche und nicht ständig fließenden Gewässer (Regierungs-Blatt S. 159) erforderlich ist. Zu Nr. 2 erläutern wir, daß Sie in der Regel, insofern kein besonderer Anstand vorliegt, jedem der betreffenden Wiesenbesitzer speciell eröffnen wollen, welche Mängel der Wiesenvorstand vorgesunden hat und daß diese Mängel binnen der vom Wiesenvorstand zu bestimmenden Frist so gewiß zu beseitigen wären, als sonst die nöthigen Herstellungen aus Kosten der Säumigen angeordnet würden. Nach fruchtlosem Ablauf der gesetzten Frist wollen Sie nach Anhörung des Wiesenvorstandes weitere Anträge stellen. Jedenfalls sind die von Ihnen getroffenen Anordnungen in den von Ihnen einzusendenden Protokollen einstweilen zu erwähnen. Das Protokoll über den Rundgang ist von allen Therlnehmern zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesenvorstandes verhindert, am Rundgangr Theil zu nehmen, so ist dies am Schluffe des Protokolle« zu bemerken. Sollte der Wiesenvorstand, der außer dem Grobherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten, mindestens noch aus zwei Ortseinwohnern, welche Wiesen besitzen, oder solche zu benutzen oder zu verwalten haben, bestehen soll, nicht mehr vollständig sein, so wollen Sie den Gemeinderath wegen Ergänzung des Wiesenvorstandes vernehmen und uns die Anträge des Gemeinderathes in besonderer Verhandlung vorlegen. v. Gagern. Betreffend: Schafräude zu Bersrod. Bekanntmachung. Die unterjdem 13. Juni d.IJs. über die Schafheerde zu Bersrod verfügte Gemarkungssperre wird hiermit aufgehoben, nachdem der Verdacht auf Müde sich nicht bewahrheitet hat. W» M Gießen, am 25. September 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Londorf und Keffelbach. Bekanntmachung. Nachdem der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh der «achter Bert u„b £<• ttf.i» , ... OT,i"st. _______________________________v. Gagern. Betreffend: Die Aufstellung der Voranschläge für die Gemeindekrankenversicherungen pro 1890. ®,e$en' am 24‘ September 1889. Das Großherzogliche Krcisamt Gießen an dt- Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises Unter Bezugnahme auf die Ihnen durch unser Amtsblatt Nr. 4 vom 21. April 1887 ertbeilte Instruction w m sow-e unter Hinweis auf unser Ausschreiben vom 7. September 1887 - Anzeiger Nr. 211 - beaufttaaen nü? h C1fr-e\®0^n^tä9e kronkenversicherungen alsbald auszustellen und mit den Gemeindevoranschlägen spätestens bi» lum 15 VXmWH •ur.ble Gemeinde- durch den Gemeinderath in duplo zur Genehmigung an uns einzusenden. 1 15 November 1. I. nach vorgängiger Berathuug ________ v. Gagern. Mär,ch L°Lpwa'pwa'^t' ‘,Ufftänbifd’en ^abcr und setzte dann ,einen Unter den bisher den im Hotel Kaiserhof abgestiegen. Dresden, 26. September, des Ociober eine längere Reise _ Berlin, 26. September, des Staalssecretärs Bismarck den audienz. Berlin, 26. September, den Kaiser enlsandte Deputation Der Kaiser empfing heute Nachmittag im Beisein neuen amerikanischen Gesandten Phelps in Antritts- Die von dem Sultan von Zanzibar an Se. Majestät ist heute Vormittag 11'/. Uhr hier eingetroffen und Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Korrespondenz -Buream! Lokales. September. Ihre Majestät die Königin Elisabeth von Rumänien !cr ncb^ Gefolge und Dienerschaft traf gestern Mittag 1 Ubr hier (jP* ^ad) ^a^j^nbtflem Aufenthalt in den hiesigen Fürstenzimmern erfolgte bi? ©dkrrdfc per Wagen nach Laudach zum Besuche des Grafen von Solms-Laubach über^Gießen antrettm 8 " ^cute 2lbcnb rotrb bie hohe Frau die Rückreise wied?r , * ?7, September. Eine für die Entwickelung unseres Gemeinwesens wie die Wohlfahrt der minder bemittelten Einwohner Gießens gleich wichtige Angelegenheit berührte in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten Herr Bürgermeister h11”!! ?^.chterstattung über die Verhandlungen des Deutschen Vereins rO^^ntUche Gesundheitspflege zu Straßburg, denen er als Vertreter der Stadt Gießen beigewohnt hat. Es betrifft dies die Wohnungsfrage. Nach der von Herrn Oberbürgermeister v-. Miquel in Frankfurt a. M. übernommenen Sebanb" lung her »Frage gesunden Wohnens" hat sich der Verein die Aufgabe gestellt, nicht Sias11 m e ncÄ ba8r üesammte Wohnungsbauwesen regelnden Gesetzes für das Reichsgebiet hinzuwtrken, sondern auch für die Errichtung von Wohnungen für Arbeiter und kleine Beamte Mtig zu sein. Die in letzterer Hinsicht gemachten Erfahrungen lassen hoffen, daß auch andere-Städte, in denen die Wohnungsfrage anscheinend nicht so brennend ist, wie in den Großstädten, dem z. B. in Frankfurt a. M. gegebenen Beispiele folgen. Wie Herr Bürgermeister Gnauth ausführte, ist nach feinen Wahrnehmungen aus den Obliegenheiten der Armendeputation hier eine, wenn auch nicht mit bem Maßslabe größerer Städte zu messende, so doch sich mehr fühlbar machende Wohnungsnoth vorhanden. Leuten, deren Verhältnisse das Miethen einer Wohnung von vielleicht zwei Zimmern und einer Küche zulassen, falle eS schwer, eine solche Wohnung zu finden. Es mußten daher alle Bestrebungen, welche aus Verbesserung der Wohnui^sverhältnffse binausgingen, unterstützt werden. Wenn auch schon von her.Stadt der Wohnungsfrage nach dieser Richtung gebührende Beachtung ge- schenkt worden, so sei bisher doch ein weiteres Eingehen darauf nicht möglich gewesen, weil die zur Errichtung von kleinen Wohnungen geeigneten Bauquartiere innerhalb des Bebauungsplanes fehlten. Die Baudeputation werde deßhalb in nächster Reit der ©taMperorbnetcn - Versammlung einen Plan oorlegen, nach welchem bie Austhellung 2r^?öt Ctm n 5roiJ?cn ^olfstraße und Grünbergerftraße zu Bauvierteln erfolgen e Bauviertel, zu billigen Preisen abgegeben, rentirten immer noch besser als bei ihrer Verwendung zu landwirthschaftlichen Zwecken. Wenn der Plan ber Bau- bepuUÜon die Zustimmung unserer Stadtverordneten findet, woran wohl im Hinblick ?uf das bereits bekundete Interesse an der Sache nicht zu zweifeln ist, so wird damit in Gießen der Anfang gemacht zur Beschaffung von, den Verhältnissen der minder bemittelten Arbeiter und kleiner Beamten angepaßten, in der Hauptsache aber gesunden Wohnungen. Wahrscheinlich ist es, daß die Abgabe von Baugelände an der^ Kd)" rieten Stelle an Bedingungen geknüpft wird, die Speculationsbauten und Mieths- asernen von vornherein ausschließen. - Wie Herr Bürgermeister Gnauth im Verlaufe !Ä"E^brichtersta tung weiter mittheilte, boten die Verhandlungen des Vereins für offtntliche Gesundheitspflege werthvolles Material zur Schaffung von Wohlfahrts-Ein- i chtungen innerhalb der Gemeinden (z. B. Reconvalescenten-Anftalten, Desinfections- Anstalten rc.), wie auch für von Seiten des Staates und der Behörden zu ergreifende Schutzmaßregeln zur Verhütung und Einschränkung gefährlicher Krankheiten, im Speciellen der Tuberkulose. Was besonders die Einrichtung von Reconvalescenten-An- stalten betreffe, so gäben diese Wohlthätigkeitsoereinen, Stiftungen, Kassen, Genossen- schasten wie Privaten ein weites Feld zur Ausübung der Wohlthätigkeit, indem durch diese Anstalten den Unbemittelten Lbic Möglichkeit gegeben werben könne, nach übe£ ftanbener Krankheit ohne Gefahr für etwaige Rückfälle ihrer völligen, bie Wiederaufnahme ihres Berufs gestattenden Genesung entgegenzugehen. 1 Gießen, 27. September. jSchwurgericht.j Ein offenes Geftänbnitz leatc aeftern der wegen Verbrechens Im Amt und Unterschlagung von Mündelgeldern anae- klagte und seit AnfangJuUd.J. inhasttrte Gülerexpedtent Georg Friedrich Bauer von Gießen ab. w 2l<50iria8tc,t.rocIcbcr J*011 fcit Anfang der sechziger Jahre in Diensten der Main-Weser-Bahn stand, war bis zu seiner im Jahre 1886 erfolgten Versetzung nach Lollar auf der Station Gießen beschäftigt und wurde dann als Gütererpedienl in fioüar mit einem Gehalt von 1800 JL nebst freier Dienstwohnung angestellt. In dieser L-tellung war es, wo Angeklagter sich in dem Zeiträume von 1886—89 eine Reihe von Unterschlagungen im Gefammtbetrage von 2826 JL zum Nachtbeil der Bahnoerwaltuna zu Schulden kommen ließ, welche Unterschleife er durch Fälschung der Eintragungen in seinen Dienstbüchern zu verdecken wußte, bis bei einer am 29. Juni d. I. durch den Verkehrs-Controleur Wolf von Cassel oorgenommenen Revision stä) ein Deficit im angegebenen Betrage herausstellte. Auch in seiner Eigenschaft als Vormund der Kinder des verstorbenen Landgerichtsdieners Gleißner von Gießen für diese vereinnahmte M« veruntreute Bauer, indem er seit dem Jahre 1884 die Summen von 33 und 137.80 JL in seinen stützen verwendete. Zur Ent- chuldiaung der von ihm begangenen Unterschlagungen führt Angeklagter an, daß seit feiner im Jahre 1866 erfolgten Verheiratung ihn ein eigenes Mißgeschick verfolge, denn ohne Vermögen und bei jahrelanger überaus schlechter Bezahlung habe sich schon !?. ersten Zeit seiner Ehe eine Schuldenlast angehäuft, von der sich zu befreien trotz Einschränkung seiner und seiner Familie Bedürfnisse auf daS bescheidenste Maß, ihm niemals ganz gelungen sei. AlS sich im Laufe der Zeit seine finanzielle Lage einigermaßen gebessert, habe ihn seine Versetzung nach Lollar um so empfindlicher betroffen, alS er nun eine Dienstcaution im Betrage von 1800 Jt habe leisten müssen, die er auS eigenen Mitteln zu beschaffen nicht in der Lage war. Dieser letztere Umstand ver- anlatzte ihn, bet seiner vorgesetzten Behörde um Belassung an seiner Stelle in Gießen vorstellig zu werben; trotzdem dieses Gesuch von dem Gutercxpeditionsvorstande besür- 8eftmbe^**Mm' 261 September. Der Herzog von Coimbra, Bruder des Königs, ist . . 26. September. Der „Nca EphirneriS" zufolge richiei ble Regierung in der Angelegenheit wegen Kreta eine neue Note an die Mächte 0 0 m. iw.,/‘Cr6bKr6'.r26' S-Ptember. DaS „Journal be St. Petersburg" bezeichnet bl' ™'^"8en ber Sowefponbence be i'Est», betreffend zahlreiche Verhaftungen und KObessa, sowie bie angebliche Entdeckung einer habe nicht ft?ttgesün?em°°" b rUif,fd,C 9t,‘* 018 durchaus unbegründet: Derartiges k 26. September. Die Leiche bes Lufischiffers Lerour ist 7 Meier unter der Meeresoberfläche heute au,gesunden worben. Untcr «anflbar, 26. September. Der Reichseornmiffar Wihmann zerstörte bei einer iur Sicherung ber Karawanenstraße unternommenen ReeognoSeirung, vier Tagereisen _ Bremen, 26. September. Die Rettungsstation Horumersiel telegraphirt: Am 26 September würben von der hier gestrandeten deutschen Tjalk „Gerhardine", mit Petroleum von Bremerhaven nach Leer beftlmmt, zwei Personen durch das Rettüngs- boot „Vegesack" gerettet. ö , dern, 26 September. Wie von zuverlässiger Seite verlautet, ist für das Begehren einer Volksabstimmung über das Bundesgesetz, betreffend die Anstellung eines Bundesanu-alts, die oerfassungsgemäß erforderliche Zahl von 30,000 Unterfchristcn "'cht ziUammengerommen. Man rechnet auf höchstmS 25,000 Unterschriften. h ^bpiember. Die „Polit. Corr." meldet, daß sich der dringende Verdacht der Verübung der Mubmorde gegen die zwei Officiere in Jaroslau auf den wegen Desertion verhafteten Unterkanonier Schwenk lenke, welcher am 4. September JS?,C0Cn De!^tton und Diebstahls verhafteten Ulanen Kiszczak toll- rHtfLbCm ?U^r Milt ararreste entsprang. Die Angaben Beider gegenüber den russischen Militärbehörden seien höchst graotrend. Beide sind am 17. ds. Mts. auf telearaphische Requisition des Staatsanwalts in Lublin wegen dringenden Ver- dachts, die Jaroslauer Raubmorde verübt zu haben, an das Strafgericht in Lublin etngelteferl worden. . „ Wie«, 26. September. Der König von Grtechenlanb in achte in Begleitung bes griechtichen Gesanbten Hern Grasen Kalnoky einen längeren Besuch Wien, 26. September. Die Königin von Grtechenlanb ist mit be» jüngsten Pr'nzen heute Nachmittag hier eingetroffen unb am Bahnhose vom Könige mit Samihe empfangen worben. Kronprinzessin Stefanie trifft hier morgen früh ein ... oJ‘OTb‘rfl?1 26. September. Für bie Vermuthung, baß ben Attentaten gegen bie Osffeiere in Jaroslau politifche Motive zu Grunbe liegen könnten, ergab ble bis- 4 n « rnn Ct^^unß " den geringsten Anhaltspunkt; vielmehr wurden Umstände testgestellt, aus denen auf gemeine verbrecherische Motive zu schließen ist. A September Ein Handschreiben des Kaisers an den Erzherzog Joseph constatirt die Fortschritte der ungarischen Landwehrinfanterie, sowie die neuerdings glänzend bewahrte Geschicklichkeit der Landwehrcavallerie. Der Kaiser dankt dem Erz- herzoge und spricht den Commaudanten, sowie den Truppen und der ungarischen Landwehr seine vollste Zufriedenheit aus. w . s 26. September. Die Polizei ermittelte mchrere Personen, welche jüngst wiederholt Petarden anfertigten und Dieselben auch warfen. Die Polizei nahm eine Haussuchung in der Wohnung des Schriftsetzers Dominica Sacco aus Neapel vor verhaftete diesen, sowie den Handelsacademiker Clementini, den Handlungsgchülscn Jappi und den Gymnastalschuler Raskowick, sämmtlich im Alter von 19 bis 20 Jahren. beiden Deutschen, die wegen Spionage in Tarascon verhaftet und Anfang« September gegen Caution freigelassen wurden, sind jetzt durch dcn Untersuchungsrichter vollständig außer Verfolgung gesetzt worden. ... . ^ariA, 26. September^ Die Wahlcommission für die Präfectur der Seine erklärte die für Boulanger in Montmartre abgegebenen 8367 Stimmzettel für ungültig n ^offrin, ber 5500 ©titnmen erhielt, als Deputaten für Ntonlmartre^ ungültig ^rSiir^ ^chefort abgegebenen 3841 Wahlzettel wurden gleichfalls für b -0. September. Von den durch den Haus-Einsturz Verschütteten ^b ^0 Leichen auSgegraden unb 17 noch nicht gesunden. Der König besuchte die Verwundeten und unterstützte die Familien der Verunglückten. Sitrrfl 2(i l5irptc?rt,cr gestrige Ueberschwemmung wurde namentlich durch Verstopfung der Canäle heroorgerufen. Der Balcon eines vom Wasser unterwaschenen Hauses stürzte herab und erschlug zwei Personen. Belgrad, 26 September. Der Wahlakt hat im ganzen Lande 6 Uhr Morgens 3 V1 8 )um 21 Ki”? in 6^bßter Ordnung verlausen. Die Resultate in werden ^bür^en morgen, diejenigen in den ländlichen Bezirken übermorgen bekannt Prinz Friedrich August tritt in der zweiten Hälfte , cm l - ' ~ nacb bcn Mittelmeerländern an, begibt sich über Portugal, Madrid, Gibraltar, Tunis, Malta, Sicilien nach Egypten, wo er Mitte Januar ein trifft und zwei Monate verweilt, sodann über Beirut, Damaskus nach Jerusalem. Die Rückreise erfolgt gegen Mitte April über Smyrna, Athen und Konstantinopel. 9 Belgrad, 26. September. In den Städtewahlbezlrken sind nach den bisher "orzA" 18 Radikale und 11 Liberale gewählt worden, (galten Radikalen befindet sich Nikola Paric. Die Liberalen verloren ötg in Vranja. ©ortet war, hielt man doch seine Versetzung nach Lollar aufrecht. Bauer beschaffte sich nun die erforderliche Dtenstcaution bei der Leipziger Lebensversicherungs-Gesellschaft, bei welcher er versichert war, allerdings mit einem jährlichen für ihn nicht unbedeutenden , Ausfall. Für seine Kinder, die die Schule in Gießen besuchten und insbesondere für seinen dort in der Lehre befindlichen Sohn mußte er nun einen bedeutenden Mehraufwand machen, den er auf annähernd 600 pro Jahr angtbt, und so kam es, daß sich die Schuldenmmge immer mehr vergrößerte. Wie Angeklagter versichert, habe es bei den fortgesetzten Unterschlagungen nicht in seiner Absicht gelegen, Jemanden zu benachtheiligen, er habe vielmehr stets darauf gehofft, von seinen nicht unbemittelten Verwandten noch Unterstützungen zu erlangen und dann Alles wieder gut zu machen. Als er sich jedoch vergeblich nach den verschiedensten Setten um Hilfe gewandt, habe er diesen gräßlichen Zustand nicht länger ertragen können, weshalb er im April d. I. wieder damit begonnen, die ihm obliegende Buchführung richtig vorzunehmen, wenn auch damit sein Verbrechen bekannt würde und er sich selbst dem Gerichte stellen müsse. Der heute vernommene Stationsvorsteher Wilke von Lollar bezeugt, in welch dürftigen Verhältnissen Bauer in Lollar gelebt, und dieser Zeuge sowohl, wie der Verkehrs- Controleur Wolf von Cassel sprechen beide sich dahin aus, daß Bauer ein tüchtiger Beamter gewesen fei, dem sie eine folche Handlungsweise nicht zugetraut hätten. Nach dem umfassenden Geständnisse des Angeklagten bedurfte es keiner weiteren Ausführungen des Staatsanwalts und unter Berücksichtigung der trostlosen Landes Angeklagten empfahl er selbst den Geschworenen die Annahme mildernder Umstände. Sein Antrag ging auf Erkennung einer Gesängnißstrafe von 4 Jahren und 3 Jahre Ehrverlust; entgegen dem Anträge des Vertbeidigers, eine geringere Strafe wie die beantiagte, zu erkennen, fchloß sich der Gerichlshof dem Anträge des Staatsanwalts an und rechnete nur dem Angeklagten die erlittene Untersuchungshaft von 2 Monaten auf. t Gießen, 27. September. sVom Amtsgericht.) Ernannt wurde der Großh. Oderamtsrichter Fresenius in Büdingen zum Oberamtsrichter hiesigen Amtsgerichts und der Großh. Gerichtsvollzieher Born in Vilbel an Stelle des zum Hilfs- gerichtsschreiber ernannten Gerichtsvollziehers Bühner dahier. * Gießen, 27. September. Die zur Sammlung des Landesgewerbvereins gehörigen, bis zum 6. October im Schulhause am Asterweg ausgestellten Kunst - schmiedear^beiten dürften in der That in ihrer Art jeder Sammlung zur Zierde gereichen. Sie entzücken sowohl den Fachmann wie den Kunstfreund ob ihrer wahrhaft künstlerischen Ausführung. So ist zum Beispiel die Sakristeithüre, nach einem Entwürfe des Bauraths Ferstel in Wien von A. Wilde in Wien angefertigt, in Entwurf wie Ausführung eine Musterleistung, die jedem Fachmanne als erstrebenswerthes Ziel gelten muß. DieseThür ist auf 1800 gewertet. Eine Füllung, gefchmiedet von Max Müller in München, sowie eine dergl. in getriebener Arbeit von Plattner und Lippold in Berlin bekunden ebenfalls durch Entwurf wie Ausführung tüchtiges, man könnte sagen vorzügliches Können. Zwei ebenfalls geschmiedete Ranken größerer Art von Fr. Brechenmacher in Frankfurt a. M. zeigen, bis zu welchem Grade der Bearbeitung sich das zähe Eisen verwenden läßt. Dieben diesen hier angeführten Arbeiten dürften den Laien besonders gefallen der Schellenzug mit Glocke, eine in ihren Details niedliche, deshalb in Anbetracht des dazu verwendeten Materials um so beachtenswerthere Arbeit. Zwei in Ausführung verschiedene Anfangstheilc eines Stiegengeländers entzücken den Beschauer und lassen ihn im Geiste den Eindruck empfinden, den sie in ihrer Fortsetzung, vielleicht Ausdehnung über ein ganzes Treppenhaus, machen würden. Diesen Arbeiten stehen in Bezug auf Ausführung wie Entwurf gleichwerthig zur Seite 5 Standleuchter, ein Ofenvorsatz von Ansouhl & Co. in München, eine Straßen- resp. Thorlaterne, ein Wandarm, sowie ein Grabkreuz aus dem 17. Jahrhundert. Wie schon angebeutet, hat diese kleine Ausstellung nicht nur Werth für den strebsamen Fachmann, sie erfreut auch den kunstliebenden, das Gewerbe achtenden Laien; ihr Besuch sei deshalb an dieser Stelle noch besonders empfohlen; sie ist geöffnet von Morgens 10 bis Nachmittags 4 Uhr und zwar unentgeltlich. Vermischte ». Büdingen, 26. September. Die Trauung der Prinzessin Elisabeth zu Isenburg-Büdingen mit Freiherrn Rudolf von Thüngen fand gestern Nachmittag in der hiesigen Stadtkirche statt. Der hohe und höchste Adel aus weiter Umgebung wohnte der Feierlichkeit bei. Die große Kirche vermochte kaum die Menge der Gäste zu fassen. △ Groß-Gerau, 26. September. Ein Theil der Arbeiter der hiesigen Zuckerfabrik versuchte gestern einen Strike in Scene zu setzen, was zu einer blutigen Schlagerei führte. Nachdem man sich die Köpfe gehörig zerschlagen und zwei der Excedenten verhaftet waren, nahm man die Arbeit wieder auf. draußen bei Ihnen!" In ähnlichem Maße würden es die Landbewohner als einen erheblichen Vorthetl ansehen, wenn sie bei anderen Unfällen den Rath eines sachverständigen erfahrenen Mannes in ausgedehnterer Weise, als dies bei gewöhnlichen Tele- gram men möglich ist, einholen können. — Die Kosten für diese wohlthätige Einrichtung | Und äußerst gering. Für ein Gespräch von 5 Minuten ist 1 zu entrichten. Besondere Kosten für Botengänge innerhalb des Ortes (also innerhalb der Stadt Potsdam im obigen Beispiel) werden nicht erhoben. — (Bur Sprachreinigung.) Aus Nürnberg, 16. September, wird dem „Nurnb. Anz." geschrieben: Nachfolgend einen heiteren Beitrag zur Sprachreinigung. Ein mit dem gestrigen Bamberger Frühzuge fahrendes Bäuerlein war während der Fahrt, wahrscheinlich durch die angenehm schaukelnde Bewegung, etwas eingenickt, und als es erwachte, bemerkte es zu seinem Schrecken, daß der Zug im Begriff war, die kleine Station, auf welcher es aussteigen wollte, schon wieder zu verlassen. Durch ein Paar unartikulirte Laute wollte es sich bemerkbar machen, aber vergeblich suchte sein Gedächtniß nach dem erlösenden Fremdwort „Conducteur". Es wollte ihm nicht beifallen und so schrie es denn aus vollem Halse: „Herr Billtttenzwicker, Herr Thür- zumacher, Herr 'Rumlafer!" Dieser Verdeutschung von „Conducteur" folgte natürlich ein ungeheures Gelächter seitens der mitfahrenden Passagiere, der Mann hatte aber seinen Zweck doch noch erreicht. , —Der Automat gehört zu denjenigen Gebrauchsgegenständen, dessen Benutzung sich mit der Zeit zu einer Art Krankheit herausgebildet hat. Wo man geht und steht, begegnet man jetzt dem viereckigen Kasten, dessen Inneres für einen Zehnpfenniger alle möglichen Herrlichkeiten hergibt, vom Chocoladen-Bonbon angefangen bis fürs Lotterte- loos hinauf. Man darf deshalb dreist behaupten, der Automat ist unausstehlich geworden. Kommen wir aus dem Wirthshaus heraus, so steht auf dem Hausflur gewiß auch eine automatische Waage, die uns dazu einlabet, unser Körpergewicht gegen den üblichen Nickeleinwurf sestzustellen. Besuchen wir mit der Gattin ein Vergnügungslokal, so befindet sich am Eingang sicher ein Chocoladen-Automat und da man nicht ungalant erscheinen will, zieht man für die theure Ehehälfte natürlich ein Täfelchen heraus. Ist man in Gesellschaft von mehreren Damen, dann will man selbstverständlich keine hinter der andern zurückstehen lassen und das Ende vom Liede ist, daß man sich in manchmal gar nicht unerhebliche Mehrkosten zu stürzen hat. So ist denn eine „Erfindung" dem Publikum selten so fürchterlich geworden, wie gerade der des Automaten. Im Anfang betrachtete man ihn als eine ganz nette Spielerei, jetzt aber ist schrecklicher Ernst daraus geworden. Wenn man es zusammenrechnet, wieviel Zehnpfennige der Automat uns das Jahr über aus der Tasche holt, es würde ein gan- hübsches Sümmchen zusammen kommen. Ganz genau betrachtet, haben wir uns damit eine Selbstbesteuerung auferlegt, von der wieder loszukommen wir mit allen Kräften lossteuern sollten. Weniger bedenklich würde der Automat uns erscheinen, wenn er derartig vervollkommnet zu werden vermöchte, daß er mit Nutzen für das bürgerliche und gesellschaftliche Gemeinwesen verwendet werden könnte. Wäre es zum Beispiel zu erreichen, daß man statt des üblichen Nickels oben einen sich hartnäckig gegen das Heirathen sträubenden Junggesellen hineinwirft, der bann von einer jungen, heiraths- luftigen Dame als ungestümer Ehecandidat herausgezogen wird, oder ließe sich in den Nickelschlund ein Referendar hineinpracttciren, der unten als Assessor wieder — burch- fällt, dann, ja bann wollten wir den Automaten als eine segensoolle Erfindung preisen. So aber sehen wir in ihm vorläufig nur einen Taschendieb, dem leider schwerlich beizukommen ist. Literarisches. — Im Verlage von S. Hirzel in Leipzig ist erschienen: Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone, ©rinnerungsblatter von Gustav Freitag. Circa 9 Bogen gr. Preis JL 1.80, gebunden JL 2.70. Der Verfasser entnahm die Mittheilungen, welche den Kronprinzen, späteren Kaiser Friedrich, betreffen, aus den Aufzeichnungen, die er sich im Feldlager gemacht hatte, und aus Briefen, die er von dort an einen Freund schrieb, lieber die Veröffentlichung äußert sich derselbe im Vorwort: „Die folgenden Blätier wären nach dem Ableben Kaiser Friedrichs gedruckt worden, wenn nicht andere Veröffentlichungen, und was mit ihnen zusammenhing, dem Verfaffer verleidet hätten, sich während einer unerfreulichen Aufregung über die Person des theuren Tobten zu äußern. Jetzt, in einer Zeit größerer Ruhe, möge man biefen kleinen Beitrag zur Entstehungsgeschichte ber deutschen Katserwürde wohlwollend aufnehmen. Er vermag freilich nur zu berichten, wie als Wunsch in ber Seele bes Kronprinzen gelebt hat, was später Tbatsache würbe." △ Mainz, 26. September. Zu der Eröffnung ber neuen Straßenbrücke bei Kostheim über ben Main, welcher, wie verlautet, auch ber Großherzog anwohnen wirb, sind jetzt von dem Finanzministerium die Einladungen ergangen. Darnach findet die Eröffnung Samstag, Vormittags 11 Uhr, statt und zwar nach folgendem Programm: Die Vertreter ber Regierung unb die zur Feier geladenen Personen versammeln sich 103/4 Uhr am Fuße ber Brückenrampe in Kostheim. Mit einer Ansprache Seitens eines Regterungsoertreters erfolgt um 11 Uhr bie Einsetzung des Schlußsteines unb die Verkehrsübergabe der Brücke. Unmittelbar nach ber Eröffnung ber neuen Brücke erfolgt für immer die Abfahrt ber fliegenden Brücke. An diese officielle Feier reiht sich ein von ber Gemeinde gegebenes Festessen. Die Schuljugend von Kostheim wird mit dem Nationalgebäck, mit „Bubenschenkeln" beschenkt. — Auf der Strecke Mainz-Worms blieb gestern ein Zug stecken, da der Loco- motive das Wasser ausgegangen war. Die hierdurch enfftandene Verspätung währte länger als eine Stunde. — Der Fremde, der sich gestern unfern des Spitals erschossen hat, hat in das Fremdenbuch des Gasthofs, in welchem er den Tag vorder übernachtet, sich als Philipp Schmidt, Buchbinder aus Darmstadt, eingetragen. Ob die Angabe richtig, ist noch nicht ermittelt. Frankfurt a. M., 26. September. Gestern ist es der Polizei gelungen, einen Menschen festzunehmen, der wahrscheinlich die seit langer Zeit ausgeführten Vitriol- Attentate auf die Toiletten der Damen auf dem Gewissen hat. Der Mensch wurde aus Anlaß einer Rempelei mit einem Zuhälter verhaftet, bei feiner Durchsuchung fand man ein größeres Quantum Vitriol in einer in der Rocktasche verwahrten Flasche, über dessen Verwendung der Verhaftete widersprechende Angaben machte. Der Verhaftete ist 42 Jahre alt und heißt Wilh. Rödner. Die Untersuchung wird hoffentlich ergeben, ob Rödner der wirkliche, die Damen in Angst unb Schrecken versetzende Vitroleur ist. __ — Die Oberräder Turnerfahne, welche seit dem deutschen Turnfest in München verschwunden war und ob deren Verlust im Verein großer Zwiespalt entstand, wurde am verwichenen Samstag feierlichst mit Musik vom Oberräber Bahnhof eingeholt. Sie hat sich, nachbem man bei allen Turnvereinen in Deutschlanb unb Oesterreich nachgeforscht hatte, in Bonn roiebergefunben. B er!in, 25. September. Nach bem soeben erschienenen Amtsblatt bes Reichs- poftamts Nr. 38 sollen bie Fernsprecher ber Reichspostoerwaltung bem Publikum zur unmittelbaren Verfügung gestellt werben. Diese für bie Landbevölkerung namentlich in 5lranfbeit§faucn, bei Feuersgefahr ober bei sonstigen Unfällen äußerst wichtige Etn- zcStuTx* * * * * * * B 9 10 mürbe sich etwa folgenbermaßen gestatten: Dem Gutsbesitzer M. in Bornim (Mark) erkrankt plötzlich sein Sohn unter Erscheinungen, bie ben Ausbruch ber Dtph- therit s befürchten lassen M. geht schleunig nach bem Postamte in Bornim - fein Arzt ist Dr. N. in Potsbam — und bittet, mit dem Dr. N. sprechen zu dürfen. Das Postamt in Bornim ruft das Telegraphenamt in Potsdam an: „Kann Gutsbesitzer M. den Dr. N. wegen Erkrankung seines Sohnes dort sprechen und wann?" In Potsdam em Telegraphenbote zum Dr. N. unb bringt bie Antwort zurück: „Ja, in 10 Minuten wird Dr. N. hier fein!" Wohnt der Dr. N. nicht zu weit vom Tele- araphenamte in Potsdam, so kann es Vorkommen, daß der in Angst schwebende Vater schon in 15 bis 20 Minuten nach der Erkrankung des Kindes mit seinem Arzt sprechen, demselben die Erscheinungen mittheilen und von ihm erfahren kann, was zur Verhü- weiteren Umsichgreifens der Krankheit einstweilen zu geschehen hat. Welche Wohtthat für den Geängstigten, wenn ihm die bekannte Stimme seines mehrere Meilen entfernt wohnenden Arztes im Fernsprecher entgegentönt: „Aengstigen Sie sich nicht, machen Sie das und das unb wenn Sie mir bis heute Nachmittag 2 Uhr keine Mitteilung von eingetretener Herabminberung bes Fiebers geben, so bin ich um 4 Uhr Ganvek und Verkehr. Gießen, 27. September, ©enbungen zur Ausfuhr über See nach außerdeutschen Länbern werben, sofern solche mittelst eines grünen Zettels als „Ausfuhrgut" bezeichnet sind unb bie Frachtbriefe ben Vermerk „zur Ausfuhr über See , schen Länbern" tragen, nach einem besonbers ermäßigten Satze burch die Eisenbahnen beförbert. Sinb ausnahmsweise derartige Sendungen richtig bezettelt wahrend bie Frachtbriefoorschrift fehlt, so hat aus biesem Grunbe nicht bie Berechnung zu ben gewöhnlichen Stückgutfrachtsätzen stattzufinden. Die Versenber sollen vielmehr zur Veroollstänbigung ber Frachtbriefe veranlaßt ober zur Beseitigung ber irrigen Signierung angehalten werben. des Körpergewicht», verbessertes Aussehen, ASrderung de» Appetites und der Verdauung, das sind bie unausbleiblichen Erfolge des regelmäßigen Gebrauches von Frank's Avenacia. Seine wohlthätige Wirkung auf den "Unken ober geschwächten Organismus wirb hauptsächlich durch seinen hohen Nähr- werth unb Leichtoerbaulichkeit unb nicht burch eine in ihm befindliche Heilkraft bedingt deswegen empfiehlt sich seine Anwendung nicht als Arznei, sondern als Speise. Und daß es diese im vortheilhaftesten Sinne des Wortes, beweist die ihm in der Internationalen Ausstellung für Nährmittel zu Köln zu Theil geworbene Auszeichnung durch Zuerkennung der goldenen Preismedaille. Wer sich also rationell ernähren, Verdauung und Darmthätlgkeit stärken, die erregten Nerven beruhigen, verlorene Kräfte ersetzen will, bereite sich täglich ein Gericht von Avenacia und der gewünschte Erfolg mird sicher sein. Franks Avenacia ist zu JL 1.20 bie Büchse erhältlich in Gießen bei EmU Fischbach und Carl Krombach. 6657 Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Soaasklischk Semeiadt. Gottesdienst. Samstag den 28. September: Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dr. Naumann. 15. Sonntag nach Trinitatis, 29. September: Vormittags 91/® Uhr: Pfarrer Dinge Idey. Feier bes heiligen Abenbmahls. _ , _, t Nachmittags 2V, Uhr: Pfarrer Schlosser. Die Kinde rkirche fällt biefen unb ben nächsten Sonntag nochmals aus. Die Pfarrgeschäfte in ber Woche vom 29. September bi« 5. October besorgt Pfarrer Dingelbey. Kathölischr Skmeiadk. 16. Sonntag nach Pfingsten, 29. September. ,, Samstag: Nachmittags um 4 Uhr unb Abenbs um V28 Uhr Gelegenheit zur ■ hl. Beichte. ' 1 Sonntag: Morgens 6 Uhr Gelegenheit zur bl. Beichte; V»7 Uhr Austheilung I Communion; >/z8 Uhr Frühmesse; 3/<10 Uhr Hochamt mit Predigt. 1 Nachmittags «/»3 Uhr Christenlehre unb Andacht. Abends V18 Uhr Herz-Mariae- ! Bruderschaftsandacht mit Predigt. Dienstag und Freitag: Abends 6 Uhr Rosenkranzandacht. Allgemeiner Anzeiger. DberhMchk Eisenbahnen. Für den Verkehr der Stationen der Oberhessischen Bahnen mit den Stationen der Eisenbahndirektionsbezirke Frankfurt a. M-, Hannover, Elberfeld, Köln (Unksund rechtsrheinisch) rc. gelangt am 1. October d- I- ein neuer Vieh- rc.-Tarif in Kraft, über dessen Inhalt die Güterexpe- ditionen Auskunft ertheilen. Gießen, den 25. September 1889. 7804________Großherzogltche Direction. Zbkrhesßsche Eiseabahnkv. Vom 1. October c ab kommen für den Verkehr von Unter-Schmitten nach Nidda und zurück besondere Retourbillets zum Preise von 0,25 Jt zur Ausgabe und zwar im Zuge durch den Schaffner. Die Einrichtung, nach welcher die bei dem Schaffner gelösten einfachen Billets Unter-Schmitten—Nidda auch zur Hin- und Rückreise berechtigen, sofern in Nidda zur Fortsetzung der Reise Retourbillets gelöst werden, kommt damit in Wegfall- Die bet dem Schaffner gelösten Retour- billets müssen sofort bei Ankunft auf der Station Nidda zur Abstempelung vorgezeigt werden Gießen, den 25. September 1889. 7805________Großherzogltche Direction- Arbeitsversteigerung. Montag den SO. I. MtS., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im \ alten Rathhaussaale versteigert werden: veranschlagt zu Gußeisenlieserung 88 30 verschied- Fuhrleistungen 808 „ — „ ! Pflasterarbeiten 1408 „ 80 „ Gießen, den 27. September 1889. 1 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I Gnauth. 7815 I Wirthschaf ts - Eröffnung Samstag den 28. d. Mts. Verehrtem Publikum zur Nachricht, daß ich in dem früher Gd. Plank- fchen Hause am Marktplatz eine ttastwlrthsehaft eröffnet habe. — Zum Ausschank bringe ein vorzügliches Frankfurter Exportbier. — Kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Es ladet zu zahlreichem Besuche ergebenst ein [7806 PH. Schneider, Gasthaus „zum Adler". Zuntz’ gebrannter Java-Kaffee — mehrfach prämiirt — 147 ä «/A 1 70, 1.80, 1.90 per Pfd., als feinste Marke in ganz Deutschland berühmt, übertrifft bekanntlich alle anderen Sorten in Aroma, Reinheit und Kraft. Alleinverkauf in Giessen bei Herrn J, M. Schulhof. 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Souverelgnö 20.37—20.41 Dollars in Gold 417--4.20