Nr. 1M6, Erstes Blatt. Donnerstag den 27. Juni 1889. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. 7 “ ' „' . a . PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, vurea« r Spulst raße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. . t Durch die-Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Ami kicher Hheik. Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Laudbezirks. Unter Bezugnahme auf die Ausschreiben in Nr. 126 und 132 des Gießener Anzeigers ersuchen wir Sie, unter Mitwirkung der örtlichen Einschätzungs- Commissionen, diejenigen zu ermitteln, welche bisher Kapitalrentensteuer noch nicht bezahlt haben, zur Zeit jedoch hierzu verpflichtet erscheinen, oder die einen um 100 ®tE gegen das Vorjahr höheren Zinsenbetrag muthmaßlich beziehen dürsten, aber nichtsdestoweniger eine Kapitalrentensteuer-Erklärung freiwillig nicht abgegeben haben. Das aufgestellte Verzeichniß, eventuell Negativ-Anzeige, wollen Sie mit den, etwa bis jetzt eingelaufenen Erklärungen bis zum 8. 3uU ohnfehlbar hierher einsenden. Gießen, am 24. Juni 1889. Großherzogliches Steuer-Commiffariat Gießen. Süssert. __________________________ Politische Rundschau Gießen, 26. Juni. Der Kaiser «ud die Kaiserin, sowie der König von Sachsen haben sich unmittelbar nach Beendigung der Berliner Festlichkeiten aus Anlaß der Vermählung des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen mit der Prinzessin Luise Sophie von Schleswig-Holstein nach Stuttgart begeben, um hier an dem 25jährigen Negierungsjubiläum des Königs Karl I. theilzunehmen. Die allerhöchsten Herrschaften trafen am Dienstag Vormittag in der Hauptstadt Württembergs ein, von der Bevölkerung jubelnd empfangen und vom Königspaare, sämmtlichen Mitgliedern der württembergischen Königsfamilie, sowie den bereits anwesenden fremden Fürstlichkeiten herzlichst begrüßt. Unter ihnen befindet sich auch als Vertreter der Czarenfamilie der Grohfürst-Throu- folger NtcolanS, welcher am Montag Abend in Stuttgart eingetroffen und bei der Ankunft auf dem Bahnhofe feierlichst empfangen worden war. Die Reise des russischen Thronfolgers nach Stuttgart hatte zu dem Gerüchte Veranlassung gegeben, er werde gelegentlich seiner Durchreise durch Berlin dem Kaiser Wilhelm die endgültigen Entschlüsse des Czaren bezüglich seines Gegenbesuches in Deutschland mittheilen. Großfürst Nicolaus hat indessen während seines kurzen Aufenthaltes in Berlin den Salonwagen nicht verlasfen, offenbar aus Rücksicht auf die Hochzeitsfeierlichkeiten bei Hofe, und erhellt schon hieraus die Haltlosigkeit des erwähnten Gerüchtes. Der württemvergische Mtuisterprästveut v. Mittnacht wurde seitens des Königs Karl anläßlich des Regierungsjubiläums des Monarchen durch ein äußerst schmeichelhaftes Anerkennungsschreiben und durch die Verleihung der Brillanten zum Großkreuz des Kronenordens ausgezeichnet. Die Thronrede des Kaisers Ara«) Josef bei Eröffnung der österreichisch- ««-arischen Delegaiionssesston hat ein neues scharfes Streiflicht auf die Weltlage geworfen und oilbet sie daher in der in- und ausländischen Preffe den Gegenstand eingehender Erörterungen. Der Kernpunkt der Auslassungen der Thronrede liegt in der Versicherung, daß die drei verbündeten Mächte nach wie vor von vollkommenster Eintracht beseelt seien und daß sich die österreichisch-ungarische Regierung auch ferner bemühen werde, gegenüber den fortdauernd unsicheren Zuständen Europas für die Erhaltung des Friedens zu wirken. Das von so hoher Stelle gemachte offene Zugeständniß von der fortdauernden Unsicherheit der europäischen Lage könnte sehr beunruhigend wirken, wenn es nicht durch die Versicherungen des österreichischen Herrschers abgeschwächt würde, wonach also die Tripelallianz unerschütterlich weiterbesteht und wonach in den gegenseitigen Beziehungen der Großmächte keine Veränderung eingetreten ist, und in Anbetracht des jüngsten Kriegsgeschreies sind diese Erklärungen um so werthvoller. Charakteristisch sind auch die Stellen der kaiserlichen Rede hinsichtlich Bulgariens und Serbiens, denn während die Rede ein fast demonstrativ freundliches Interesse für Bulgarien bekundet, wird eine nicht mißzuoerstehende Warnung an die Adresse der Belgrader Regierung gerichtet. Die gelammte ungarische Presse hebt auch die Bedeutung dieser Stellen hervor und die „Neue Freie Presse" meint, dieselben bewiesen, daß in Wien die Hoffnung, Rußland nachgiebig und versöhnlich zu stimmen, im Schwinden begriffen sei. Im Uebrtgen bemühen sich die Pester und Wiener Regierungsblätter, allarmirenden Auslegungen der Thronrede entgegenzutreten und der Kaiser selbst hat nach Eröffnung der Delegationen private Aeußerungen gethan, wonach für die nächste Zukunft begründete friedliche Aussichten vorhanden sind. Das erwartete Expose des Ministers Grafen Kalnoky über die auswärtige Lage dürfte den Delegationen in der Dienstagssitzung gemacht worden fein. Der schweizerische Nationalrath nahm einstimmig und debattelos den Commtssionsantrag an, wonach in der schweizerischen Armee — actives Heer wie Landwehr — das kleinkalibrige Repetirgewehr baldmöglichst eingeführt werden soll. Auch der fernere Antrag, den Bundesrath zur Aufnahme einer Anleihe von 16 Millionen Frcs. zu genanntem Zweck zu ermächtigen, fand unbedingte Zustimmung. Die Ausschreitungen, welche sich kürzlich einige Ho«langistische Führer auf einer Versammlung ihrer Getreuen in Angouleme gegen die Staatsgewalt zu Schulden kommen ließen, haben nunmehr ihre gerichtliche Ahndung erhalten. Einer von ihnen, Laifant, dem man keine birecte Widersetzlichkeit nachweisen konnte, wurde freigesprochen, dagegen verurtheilte das Gericht $)6roulebe wegen Beschimpfung eines Polizeicommissars zu 100 Frcs. Strafe und Laguerre wegen Bedrohung von Beamten zur selben Strafe. — In Veziers kam es zwischen den Theilnehmern an einer anti- boulangistischen Versammlung und Boulangisten zu einer Prügelei, die durch Einschreiten der Polizei beendigt wurde. Zugleich fand in derselben Stadt ein Boulan- gisten-Bankett statt, auf welchem Deroulöbe und Laisant wiederum heftig gegen die Regierung losdonnerten, Boulanger's Bestrebungen dagegen in den siebenten Himmel erhoben. Döroulöde wurde deshalb beim Verlassen des Bankers verhaftet und vor den Staatsanwalt geführt, später aber wieder freigelassen. Die Differenzen zwischen Senat und Deputirtenkammer wegen verschiedener Bestimmungen des neuen frarrzöfifchen NecrutlrungSgesetzeS find durch die Nach- Darwüadt, 25. Juni. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Aller-- gnädigst geruht: _ . Am 22. Juni d. I. den Oberförster der Oberförsterei Nieder-Ohmen Hermann Schober in die Oberförsterei Grünberg und den Oberförster der Oberförsterei Hirschhorn August Joseph in die Oberförsterei Lorsch zu versetzen, sowie die Forftassessoren Eduard Andrv aus Offenbach, Hermann Hoppe aus Londorf, Otto Weber aus Watzenborn und Carl Schneider aus Offenbach zu Oberförstern der Oberförstereien Laubach, bezw. Hirschhorn, Grebenhain und Nieder-Ohmen zu ernennen; an demselben Tage den Gerichtsassessor Carl Wart horst au5 Groß-Umstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Friedberg, mit Wirkung vom 3. Juli an, zu ernennen. Darmstadt, 25. Juni. Die zweite Kammer der Stände wird^ etwa Mitte Jult zu ein paar Sitzungen wieder zusammentreten, und zwar, wie man hort, wegen einiger Recommunicationen Seitens der (am 2. Juli bekanntlich ebenfalls zu mehreren Sitzungen einberufenen) ersten Kammer, die sich hauptsächlich bezüglich des Gesetz-- entwurfs über die Feuerlöschordnung ergeben dürften. aiebigkeit der Kammer beigelegt. Die zur Vorberathunq desselben eingesetzte Kammer- Commission genehmigte das Gesetz mit 12 gegen 6 Stimmen in der Fassung des Senats und ernannte Thiers zum Berichterstatter. In der Montagssitzung des englischen Oberhauses kam auch das seltsame Gerücht über Annectionsgelüste einer fremden Macht bezüglich Kretas zur Sprache. Der Premier Lord Salisbury erklärte dasselbe für gänzlich unbegründet und bezeichnete die Zustände auf Kreta als günstiger und besser, als sie noch vor Kurzem gewesen seien und"stellte den Eintritt einer großen Krisis auf der Insel in Abrede. Die Abberufung des österreichischen Gesandten in Belgrad, v. Hengel- müller, die schon wiederholt angekündigt, aber immer wieder dementirt wurde, soll nun doch erfolgt sein. Heber die Gründe der Abberufung Hengelmüller's lauten die Angaben noch verschieden, es ist aber jedenfalls bemerkenswerth,. daß sie mit dem Erstarken des russischen Einflusses in Belgrad zeitlich zusammenfällt. _ Hat sich vielleicht Herr v. Hengelmüller den jüngsten Vorgängen in Belgrad gegenüber als nicht gewachsen gezeigt? Die „Times" läßt sich aus Aanzibar melden, daß die aufständischen Araber die vom Reichscommissar Wißmann gestellten Bedingungen wegen der Hebergabe Pan- gani's abgelehnt haben; es wird ein harter Kampf um Pangani befürchtet. Die wegen des Schicksals der Wißmann'schen Dampfer gehegten Befürchtungen sind behoben; drei der vermißten Dampfer langten in Zanzibar an, einer ankert wegen Kohlenmangels in Lamu und ein fünfter Dampfer ist nach Aden gesegelt. Telegraphische Depeschen. Wolst's telegr. Korrespondenz-Bureau. Stuttgart, 25. Juni. Der Prinz Ludwig von Bayern ist gestern Abend, die Großherzöge von Hessen und von Baden sind in vergangener Nacht und der Erzherzog Ferdinand Franz ist heute Morgen hier eingetroffen. Stuttgart, 25. Juni. Nach halbstündigem Aufenthalte fuhren der Kaiser und der König zusammen zur Parade auf dem Cannstatter Wasen. Die Kaiserin und die Königin fuhren ebenfalls zusammen auf das Paradefeld, von sämmtlichen Fürstlich-, feiten gefolgt. Der Corso durch die Anlagen war bei dem wunderschönen Wetter äußerst glänzend. Stuttgart, 25. Juni. Die heutige Parade verlief bei dem herrlichsten Wetter sehr glänzend. Nach Ankunft der Majestäten auf dem Cannstatter Wasen stieg Seine. Majestät der Kaiser zu Pferde, während der König im Wagen stehend die Parade abnahm. Eine glänzende Suite umgab die hohen Herrschaften; unter Anderen wohnte auch der Chef des Generalstabes, Graf Walderfee, und viele Offiziere des Großen Generalstabes der Parade bei. Der Kaiser unterhielt sich sehr lebhaft mit dem Groß- Iherzog von Baden, dem Könige von Sachsen, dem Grasen Walderfee und dem General von Aloensleben, vor Allem aber mit dem König Karl, welchem Allerhöchstderselbe sein Regiment, 2. Württembergisches Nr. 120, zweimal vorbeiführte. Bei der Abfahrt wurden die Kaiserlichen und Königlichen Majestäten mit den lebhaftesten Hochrufen begrüßt. Auf dem Landhaus Rosenstein fand hierauf ein Paradediener von 360 Gedecken statt. Stuttgart, 25. Juni. Gutem Vernehmen nach hat sich Se. Majestät der Kaiser über die Parade in hohem Grade befriedigt ausgesprochen. Bei dem Paradediner in Villa Rosenstein saßen an der rechten Seite der Tafel: Ihre Majestäten der Kaiser, die Königin Olga, der König von Sachsen, I. K. H. die Prinzessin Wllhelm, der Großherzvg von Baden, die Großfürstin Wera, der Großherzog von Hessen, die Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar, der Erzherzog Franz Ferdinand, der Herzog Wilhelm von Württemberg; an der linken Seite der Tafel saßen: Ihre Majestäten die Kaiserin, der König von Württemberg, sodann die Prinzessin von Oldenburg, der Großfürst-Thronfolger von Rußland, der Kronprinz von Griechenland, die Prinzessin Isabella, der Prinz Ludwig von Bayern, der Prinz Wilhelm von Württemberg, Herzog Nicolaus, Herzog Mach, Fürst von Hohenlohe-Langenberg und viele andere Fürsten und Fürstinnen. Se. Majestät König Karl brachte folgenden Toast aus: „Ich danke UrriverfitätS-Ehrouik. k ?lc Studirenden der Leipziger Universität stellt sich im laufenden Semefter auf 3391, einschließlich der 69 zum Besuche der Vorlesungen zugelasienen ^orer. Eine gleich hohe Ziffer tft bisher tm Sommersemester in Leipzig noch niemals worden. Von dm immatrikulirten Studenten entfallen auf die theologische aalUkaIf66x' auf?ie luristische 879, auf die medizinische 836 und 38 Studtrende der Zahnherlkunde und auf die philosophische Fakultät endlich 909. beging der Senior der juristischen Fakultät der Universität Greifswald, der Geh. Justizrath und Professor vr. Haeberlin, die Wiederkehr des ^Lages an welchem er vor 50 Jahren seine academtsche Lehrthättgkeit als Privatdozent in Berlin begonnen hatte. Anläßlich des Tages gingen ihm zahlreiche Erinnerungen zu. Er. Majestät dem Kaiser und den übrigen lieben Anverwandten und Fürsten, welche Mich mit Ihrem Besuch zu Meinem Jubiläum erfreut und geehrt haben. Ihre Maje- stätm der deutsche Kaiser und König von Preußen und die Kaiserin leben hoch!" — Se. Majestät der Kaiser erwiderte sofort: „Gestatten Eure Majestät, daß Ich zugleich im Namen der übrigen hier versammelten Vettern und Verwandten das Wort ergreife und Unsere innigsten Glückwünsche zu dem heutigen Feste darbringe. Es ist ein Vorrecht des deutschen Volkes, daß die deutschen Stämme mit ihren Fürsten in Freud und Leid oerbunoen sind. Insbesondere hat bas schwäbische Volk seinen alten Ruhm und seine Anhänglichkeit an sein angestammtes Fürstenhaus in diesen Tagen aufs Neue glänzend bewährt. Wir deutsche Fürsten, die Wir solidarisch miteinander fühlen, freuen Uns mit Euren Majestäten dieses schönen Festes. Gott schütze, Gott behüte Eure Majestät und lasse Sie noch viele Jahre über Ihrem treuen schwäbischen Volke walten. Ihre Majestäten leben hoch!" Sodann trank Se. Majestät der König von Württemberg auf die Armeen der hier anwesenden oder vertretenen Souveräne, insbesondere erhob Se. Majestät sein GlaS auf das Wohl Seiner braven Württem- bergtschen Armee. — Dem gestern Abend stattgefundeoen Theaterfeste und den lebenden Bildern, welche einen glänzenden Verlauf nahmen, wohnten sämmtliche zur Zeit hier anwesenden Fürstlichkeiten in der mittleren Hofloge bet. Der Großfürst Thronfolger saß neben der Königin, seiner Tante. Die lebenden Bilder, welche ©eenen aus der württembergtschen Geschichte und dem schwäbischen Volksleben darstellten, gelangen vortrefflich und wurden mit großer Pracht der Costüme in Scene gesetzt. Den Festoorstellungen im Theater schlossen sich ein Ballfest und eine italienische Nacht an. Die Festlichkeiten verliefen sehr animirt. Wien, 25. Juni. Die „Presse" sagt: Der Ausdruck der ernsten, selbstbewußten Entschlossenheit in der Thronrede wurde ab und zu im Auslande als eine kriegslustige Drohung aufgefaßt, jedoch mit Unrecht; die Thronrede enthalte keine einzige derartige Wendung; sie klinge für Jeden, der den Frieden wolle, jriedfertig; nur Diejenigen, die den Frieden nicht wollen, haben ein Recht, zwischen den Zeilen der Thronrede herauszulesen, daß Oesterreich-Ungarn bereit sei, für seine Stellung als continentale Großmacht und für seine Interessen im Orient mit aller Kraft und Würde einzutreten. Wien, 25. Juni. Der König von Rumänien setzte mit seiner Gemahlin und dem Thronfolger heute Abend die Reise nach Sigmaringen fort. Kurz vor dem Abgänge des Zuges erschienen der Erzherzog Albrecht und die Erzherzogin Maria Theresia, die sich auf das Herzlichste von den Fürstlichkeiten verabschiedeten. — Stoilow ist heute hier eingetroffen. — In Rudolfstyal (Bosnien) wurde vorgestern in Anwesenheit des deutschen Eonsuls von Oertzen (Serajew) und der Spitzen der Behörden die erste evangelische Kirche Bosniens durch den Agramer Pfarrer Kolatschek feierlich eingeweiht. öertt, 25. Juni. Der Ständerath bewilligte ohne Diskussion einstimmig 600,000 Fr. für die militärische Sicherung des Gotthard. Pari-, 25. Juni. Deputirtenkammer. Laguerre verlangt die Regierung über die parlamentarische Unverletzlichkeit der Abgeordneien zu tnterpelliren. Bei der sehr erregten Debatte wird über einen Deputirten der Rechten, welcher die Republikaner Kanaillen nannte, die Eensur und temporäre Ausschließung aus der Kammer verhängt. Die Kammer beschloß hierauf mit 302 gegen 231 Stimmen, die Interpellation bis nach Verathung des Budgets und des Armeegesetzes zu verschieben. m London, 25. Juni. Unterhaus. Fergusson thetlt mit, daß nach eingegangenen Berichten aus Kairo eine bedeutende Streitmacht der Derwische gegen Wady Halfa vorrücke. General Greenfell erachte es deßhalb für zweckmäßig, selbst nach Wady Halfa zu gehen. Die britischen Truppen werden in Bereitschaft gehalten, nöthigmfalls eben- dorlhin zu marschtren. London, 25. Juni. Das Bureau Reuter erfährt, Frankreich werde die Zu- stimmung zur Eonoersion der prioilegirten egyprischen Staatsschuld verweigern, falls nicht befriedigende Garantien für die Räumung Egyptens von den englischen Truppen gegeben werden. i . Petersburg, 25. Juni. Das „Journal de St. Petersbourg" gibt die Thronrede des Kaisers von Oesterreich wieder ohne Kommentar. Kenntlich macht es besonders diejenigen Stellen, in denen von dem unveränderten Foitbestand der Beziehungen zu den auswärtigen Machten gesprochen und die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens ausgedruckt wird. OA “ Iin Öeute oeröffentlich!es Gesetz erhöht den Einfuhrzoll auf Papiermasse von 20 auf 35 Kopeken. Belgrad, 25. Juni. Die Thronrede des Kaisers von Oesterreich rief in den lerbischen Regierungskreisen einen vortrefflichen Eindruck hervor, weil sie beweise, daß die leitenden Kreise der benachbarten Monarchie die Entwickelung der Dinge in Serbien mit ganz anderen Augen als die Presse ansähen und die mittels zahlreicher Jntriguen entfachte Zeitungshetze der letzten Tage auf das ihr gebührende Maß zurücksührten. △ Mainz, 24. Juni. Oberhalb Biebrich carambolirten gestern Abend zwei Personenboote. Das einen Kasteler Turnverein tragende Personenboot der Ludwigs- bahn vatte Feuerwerk an Bord abgebrannt, wodurch das zum Thal fahrende Lokalboot „Telegraph die Rrchtung des entgegenkommenden Ludwigsbahnbootes nicht genau erkennen konnte und so dre Carambolage herbeigesührt wurde. Beide Boote sind ziemlich bMadigt, wahrend die Passagiere mit dem Schrecken davon kamen. ~ ~ Die Ichon von der Strafkammer zu Wiesbaden wegen tm Rheingau begangener Delicte zu beträchtlichen Freiheitsstrafen verurtheilten Inhaber der falliten Baukfirma Franz Allmann & Sohn in Bingen haben sich nunmehr den kommenden 5. Juli auch üor der ^esigen Strafkammer zu verantworten. Die Anschuldigungen lauten hier auf £etrufl, Unterschlagung und Veruntreuung und zwar in einer langen Reihe von Fällen. In vielen der Anklagepunkte hat der Sohn des eigentlichen Firmeninhabers die volle Verantwortlichkeit für sich in Anspruch genommen. Die Verhandlungen, zu denen eine sehr große Zahl Zeugen geladen sind, werden voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. Als Vertheidtger steht den Angeschuldigten Rechtsanwalt Dr. Carlebach von hier zur Serie. — An Projekten fehlt es hier in Mainz nie! So beschäftigt man sich eben neben dem noch im Werden begriffenen neuen Schlachthause wieder mit dem Bau eines monumentalen Rathhauses und der elektrischen Beleuchtung der Straßen. Die Dinge, ’d>onrtDtelfad)e Bcrathungen und Sitzungen stattgefunden baden, wären alle recht schon, allein ihre Ausführung wird wohl immer noch eine Weile auf sich warten lassen. ' ., m ~ Die rheinhessischen Nebenbahnen bilden eben ein Object, auf welches zur Reit bieAnDa jpeciilfa2lon^ebeutcnb Ehr Augenmerk richtet. Außer verschiedenen Linien zu c nc* bayerischen Grenze zu wurden in der jüngsten Zett im Auftrag einer englischen Gesellschaft von dem Obering nieur Skinner Vermessungen für eine Bahnlinie Alzey- Oppenhelm-Darmstadt mit einer Ueberbrückung des Rheines an der Oppenheimer Ueberfab; t g-.macht. Nach den von Ingenieur Skinner angestellten Berechnungen wurden dre Konen d.cier Oppenheimer Rheinbrücke, die ohne Wasserpfeiler und nur mit zwei Uferpfetlern gedacht ist, 1800 000 JL betragen und sich der Kilometer fertiger Bahn- 1n Am01®' lPur auf 25 000 vtt stellen, vorausgesetzt, daß die Gemeinden das benothigte Ge.'ande unentgeltlich ablassen. Wie man uns mittheilt, ist die englische Gesellschaft, welche die Berechnung hat anstellen lassen, bezüglich der Ausführung der Linie bereits mit dem Comitö in Verbindung getreten, das sich zur Anlage beregter Bahnstrecke tüngst unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Ohly-Darmstadt in Oppenheim conftituirt hat. Berlin, 24. Juni. Der bekannte Scharfrichter Krauts, der in einem Streite mit einem seiner Gehulfen diesen mißhandelt hat, so daß er an den Folgen der Mißhandlung gestorben ist, ist von den Geschworenen heute freigesprochen worden. Of7 . , — Nach den Ermittelungen des Reichs-Etsenbahnamts kamen im Vorjahre auf i'c ststandlgen Bahnnetzen mit rund 38,770 Kilometer Betriebslänge 4577 Rad- reife nbrüch.e vor, wodurch 26 Entgleisungen und 268 Zugverspätungen veranlaßt wurden. Als Ursachen wurden u. a. festgestellt: Fehlerhaftes Material bei 1499 Reifen , niedrige Temperatur und Temperaturwechsel bei 772 Reifen und sprödes Material bet 751 Reifen. Von je 10,000 insgesammt im Betriebe gewesenen Radreifen und Vollradern sind 31 gebrochen. Stärkere Radreifen zeigten sich weit weniger dem Bruche ausgesetzt als schwächere. __ . Rastatt, 23. Juni. In der hiesigen Militärschwtmmschule sind gestern zwei Soldaten auf eine bis jetzt noch unbekannte Weise ertrunken. "Ein starkes Gewitter zog am Samstag Abend zwischen 6 und 7 Uhr über Köln. Nachdem schon um halb 7 Uhr ein gewaltiger Krach die Bürger erschreckt §atte, folgte um ein Viertel vor 7 Uhr noch ein furchtbarer. In unmittelbarer Nähe des Domes wohnend, hatte ich — schreibt ein Berichterstatter — wahrend der ganzen Zett die Augen auf dieMden Thürme gerichtet. Ich sah, wie eine große Feuersäule um ein Viertel vor 7 Uhr auf die Spitze des südlichen Thurmes losschoß und wie im selben Augenblicke zwei große Stücke von der obersten Kreuzblume herabstürzten. Als der strömende Gewitterregen nach 7 Uhr etwas nachgelassen hatte, ging ich auf die Straße rn die Nahe des Thurmes, wo das ganze breite Trottoir mit Bruchtheilen der herabstürzenden Kreuzblumentheile (Sandstein) bedeckt war. Es waren dabei Stücke von Kopf- und Handgroße, ein Theil war durch die Wucht des Falles der gewaltigen Höhe wie zerrieben auf dem Trottoir ausgebreitet. — Ein ergötzliches Wettrennen wurde dieser Tage, wie das „Kl. I." erzählt, in der Ausstellung in Köln vor einem zahlreichen Zuschauerkreis abgehalten. Die Rem er um den Preis waren diesmal nicht flinke Radfahrer oder edle Rosse, son- dem biedere Bewohner des bergischen Landes, in Holzschuhen. Die „Vorrennen für Herren" verliefen ziemlich glatt; nur einmal wollte sich ein schwarzer Köter den Holzschuhmännern anschließen und biß im Uebereifer einen der Läufer in's Bein. Gewaltiger Jubel ertönte, als die „Damen", meist kräftige, hochgeschürzte Landmädchen, „starteten". Im Eifer und gleichmäßigem Lauf übertrafen sie bei Weitem die Männer. Z-oft eine Siegerin durch's Ziel ging, erbrauste von allen Selten der mächtigste Beifall. , s . DEe periodischen Junggesellen sind jetzt in der Blüthe. Das ganze Haus ist in der Sommerfrische auf den Bergen oder am Meere, aber das Haupt der Familie, der Kettensklaoe seines Dienstes, konnte ja nicht mit, nun muß er einsam hausen und diese Spezies in ihrer durstigen Seßhaftigkeit ist der Trost aller Kneip- wirthe der Städte, welche sowieso unter der Eoncurrenz der Außenrestaurants lciden. Wenn Du, geschätzte Leserin, einen Herrn mittlerer Jahre siehst, dem eine gewisse Gesetztheit zur zweiten Natur geworden ist und der sich vergeblich quält, dieselbe abzn- streisen und den „verfl.....Ker l" herauszubeißen, der er vor 10, 15 oder sogar 25 Jahren einmal war, der schlecht gewichste Stiefel und an den Fingerspitzen befecte Handschuhe trägt, dem der Shlips schief sitzt und das Taschentuch fehlt — das ist solch' Opfer der Saison, welches jetzt einige Wochen der Junggesellenhaftigkeit abbüßt. Böse Zungen wollen behaupten, diese aus den Rosenfesseln der theuern — derzeit theuer badenden oder eben so theuer bergsteigenden — Gattin auf die menschliche Gesellschaft ^asgelassenen seien rechte Schwerenöther. Glaub's nicht! Es sind die zahmsten Philister und sie renommiren, wie das übrigens jeder Renommist thut, mit unverrichteten Heldenthaten. Betrachte sie lieber als herrenlose Güter, als Fundsache. Derlei soll man auch nicht behalten, wenn man's findet, sondern säuberlich abliefern aber Alles in Allem erkenne in ihnen bedauerliche Märtyrer der Saison. In der Ungewohntheit, ohne häusliches zartgcsührtes und holdseliges Gängelband zu laufen, pu^eln st? za wohl hier uird da einmal — wer wollte das leugnen ? — aber solche Durchgänger und Seelenverwüster, wie man sie gewöhnlich schildert, sind die atmen e>trobmittroer nickt und kein Gefangener mag sehnlicher das Ende der Haft erwarten, als sie die Heimkehr der „Mutter", die auch sie wieder „bemuttert". Sie kommen doch wieder in „ihre Ordnung", wie sie cd nennen, „unter Aufsicht", wie die wirklichen Junggesellen und Heirathsverächter spotten. Diese letzteren sind übrigens allein da.an , *? Don den periodischen Junggesellen der derzeltigen Saison stets die tollsten Streiche erzählt werden und daß einmal einer zur Ehrenrettung nach der wied«' ^re en muß — einer, der's wissen kann, denn morgen kommt seine „Theure" c n ~ Üin interessantes „Fechtlexikon" ist kürzlich der Geraer Polizei in die Hande gefallen. Es ist das ein von einem professionellen alten „Fechtbruder" seit länger als zehn Zähren geführtes Tagebuch, in welchem über die Ergiebigkeit der einzelnen Länder § trfr^rr aui ,,Abklopfen" und die damit verbundenen Gefahren höchst lehrreiche ^.ufschlusse gegeben werden. Gera hat sich vom Autor die aukgezeichncte Note „Bessere Stände erworben und erhält das für feine Finanzkraft ehrenvolle Zeugntß, daß dort Lokale-. o ii c?6'^Iurtt. Da der Oberhessische Geschichtsoereln leider in der nächsten Zeit dem Schlosse Braunfels einen Besuch nicht abftatten kann, hat der Vorstand beschlossen, am nächsten Sonntag Nachmittag einen Ausflug nach dem % ©tunben von -»gelegenen Hermannsteln zu veranstalten. Diese Ruine bietet ein ganz besonberes pnterefte bar. Sie weicht nämlich von den üblichen deutschen Burgbauten des Mittelalters wesentlich ab. Während sonst Wohnhaus und Bergfried immer von einander getrennt sind, sinden wir hier Wohnbau und Wehrbau in einem Gebäude, dem Wohnthurm, Donjon, vereinigt. Den Theilnehmern am Feldzuge 1870/71 wird wo öl noch der colossale Donjon von Beaugeucy bei Orleans in Erinnerung sein. Dieser wurde im 11. Jahrhundert von den Normannen erbaut und die Normannen smd es, welche in Nordsrankretch und später auch in England dergleichen Burgen auf-- » In Deutschland blieben sie stets eine große Seltenheit und doch scheint diese urchitectonische Merkwürdigkeit Hermannsteins von den Umwohnern wenig beachtet zu werden. Man gelangt fetzt in den Thurm von Hermannftein aus dem obersten Stock- werke eines davor gelegten Wohnhauses. Allein dieses Haus wurde erst im Jahre 1481 erbaut, als Hermannftein Schenk'sches Lehn geworden war. Ursprünglich konnte man nur mit Leitern in den zwischen 1377 und 1379 vom Landgraf Hermann II. i n? anölna demselben befanden sich übereinander drei gewölbte Geschosse (die Wölbung des obersten ist fetzt eingestürzt), welche jedes durch Balkenlagen abermals in zwei geschieden werden konnten. Die Velbindui g der sechs übereinander ’ "egenden Stockwerke geschieht durch eine in der Dicke der Mauer liegende Wendeltreppe, welche auch aus die mit Echthürmen versehene Gallerte führt. Diese Besonderheiten der baulichen Anlage werden gewiß das Interesse der Besucher in hohem Grade anregen. K Gitßen, 26. Juni. (Turnerisches.) Die Arbeiten zu dem nächsten Sonntag Nachbargemeinde Heuchelh.im ftattfindendm 3. Volksturnfest des Ab"^"er Gaues, verbunden mit der F a h n e n w e i h e des dortigen Turnvereins schreiten i ihrer Vollendung entgegen. Geschäftige Hände sind überall in Thätigkeit, um das Fest ! zu einem würdigenr zu gestatten. D.r Heuchelheimer Turnverein, welcher trotz der ! kurzen Zett seines Bestehens über erne ansehnliche Mitgliederzahl verfügt, wird Alles aufbieten, um den Besuchern des Festes Stunden der Freude uni) angenehmen Er- ^"en; auch die Ernwohnerschaft, welche dem Vereine sympathisch gegen- ! übersteht, wird durch Schmucken der Häuser rc. zur Verschönerung des Festes wesentlich beitragen. - Freunde der edlen Turnkunst seien gleichzeitig noch auf das stattfindende Wettturnen, welches in Geratheturnen und volksthümlichen Hebungen besteht auf- i merksam gemacht. — Wenn wir noch weiter bemerken, daß die Festniusik von unterer ' hiesigen bewahrten Militärcapelle übernommen wurde, so darf nach dem Angeführten die ! ^^ ^^"chttgte Hoffnung ausgesprochen werden, daß das Unternehmen sich eines zahlreichen Besuches, namentlich Gießens, erfreuen möge. ' $ . N-Juni. Starker Carbolineum-Geruch machte sich gestern Abend < bem den Viehmarktplatz passirenden Publikum bemerkbar. Die Ursache dieser von ! ^bltem wahrnehmbaren Desinfektion gaben zwei unter dem auf dem gestrigen Vieh- markte aufgetriebenen Vieh befindliche, der Seuche verdächtige Kühe W diese Thiere wurde vorläufig Stallsperre verhängt, der ganze nach den Badeanstalten bin gelegene Vtehmarktplatz aber gründlich gereinigt und die Viehstände desinficirt. trotz des Bestehens der „Herberge zur Heimath" und des „Vereins gegen Hausbettelei" ein günstiger Boden zum Fechten sei; freilich müsse man um die Mittagszeit vor Spitzeln und Hunden auf der Hut sein. Wenn unser Gewährsmann, als für Leipzig charakteristisch, „Berauschtes Dasein" anführt, so ist das wohl mehr der Ausdruck seiner persönlichen Empfindungen, auf die gewiß ein heftiger Katzenjammer gefolgt ist, da ein weiteres Bekenntniß an dieser Stelle „fünf Tage Haft" meldet. Vor etlichen Jahren waren übrigens bei der Festnahme eines wegen verschiedener Vergehen steck- drtefltch verfolgten Stromers ähnliche Auszeichnungen gesunden worden, die zwar nicht eine so alte Praxis, wohl aber eine größere Schärfe der Auffassung veu leihest. Es hieß da z. B.: „Nachmittags beste Zett zum Anklopsen, denn zwischen 4 und 6 Uhr sauft die ganze Schutzmannschaft". Man kann sich die Ueberraschung der heiligen Hermandad denken, als dieser Passus vom Gerichtspräsidenten mitverlesen wurde! Laudwirthfchaftliche Nachrichten. (Nachdruck verboten.) — (Reinigung der Luft in Kellern.) Als Haupterfordernih zur guten Aufbewahrung der Vorrätbe in Kellern und Mtlchkammern muß reine, frische Luft in diesen vorhanden sein, da dies ein Factor von größter Wichtigkeit ist, den man nicht außer Acht lassen darf. Nun wird aber bet der Reinigung der Luft in Kellern und Milchkammern ein großer Fehler begangen. Der Zweck der Lüftung ist, den Keller kühl und trocken zu erhalten, aber häufig wird dieser Zweck ganz verfehlt und der Keller statt dessen warm und feucht gemacht. Ein Kühlraum ist nur dann zweckmäßig zu lüften, wenn die zugeführte Luft kühler oder wenigstens ebenso kühl oder wenig wärmer ist als die innere Luft. Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit tragt st? aufgelöst in sich; je kühler sie ist, desto mehr wird diese Feuchtigkeit verdichtet und niedergeschlagen. Wenn ein Keller an einem warmen Tage gelüstet wird, so erscheint die etntretende Luft, io lange sie in Bewegung ist, allerdings kühl; aber wenn sie den Keller erfüllt, wird dieselbe erst von der inneren kälteren Luft, mit welcher sie sich milcht, abgekühlt, die Feuchtigkeit verdichtet sich, setzt sich als Beschlag an den Wänden an und rieselt an denselben herab, wodurch der Keller feucht und sehr bald dumpfig wird. Um dies zu vermeiden, thut man gut, die Fenster nur des Nachts zu öffnen und zwar spät, erst ehe man sich zur Ruhe begibt. Man braucht nicht zu befürchten Latz die Nachtluft nachtheilig wirkt, sie ist so rein wie die Mittagsluft und bedeutend trockener. Diese kühle Luft tritt nun während der Nacht in den Raum und circulirt in demselben, doch ist es durchaus erforderlich, datz die Fenster vor Sonnenaufgang wieder geschlossen und auch den Tag über geschlossen und verhüllt bleiben. Ist die Kellerluft feucht, so kann sie vollständig trocken gemacht werden, indem man Heclo- liter frischen Kack in einem offenen Gefäße in den Keller bineinstellt. Diese Menge Kalk mugt ungefähr 31/, Kilo Wasser auf und auf diese Weile kann ein Keller oder eine Milchkammer in kurzer Zeit, selbst beim heißesten Welter trocken gemacht werden ohne daß dieses Verfahren theuer oder schwer anwendbar ist. Wärmegrade der Lahn und der Luft gemessen nach Reaumur am 26. Juni zwischen 11 und 12 Uhr Mittag«: Wasser 18y2 Grad, Luft 22 Mockstadt im Kreise Büdingen, ferner noch in einem kleinen Schafbestand in einem Gehöfte bei Trebur tm Kreise Groß - Gerau. Schulstraße, 5362 C. G. Kleinhenn. ff Erfrischend,yffolilschmeckend, kühlend^ Otto Bergen. 5337 Jockel. 5346 A. Docter 4994 kühlendes, dabei gesundes Mk. ä 9 Krämer. Getränk. 10 Bonbons 1 Weidengaffe Erlengaffe, angenehmes u. Schachteln ä - Pf. 65 „ 60 „ die Wasserlieferung auf einige Stunden des Vormittags dts 27. Juni unterbrochen werden, was wir hierdurch zur gefälligen Kenntnißnahme der betreffenden Anwohner bringen- Gleichzeitig wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß durch diese Arbeiten im nördlichen und nordöstlichen Theile der Stadt eine Druckoerminderung in der Wafferlieferung eintreten wird. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. 8leinkohsen- imö Holzlieserimg. Die Lieferung der für das Großh. Provinzial - Arresthaus Gießen pro 1889/90 erforderlichen Steinkohlen und des Holzes und zwar: a) 1000 Centner reine Steinkohlen, b) 600 Centner gewaschene Nußkohlen, 30—50 mm Durchmesser (Grube Mansfeld), ‘foroie c) 25 Meter Tannen-Scheit- oder Prügelholz soll im Submissionswege vergeben werden. Die bezüglichen Bedingungen können in der Kanzlei Großh. Staatsanwaltschaft hierselbst (Justizgebäude, Zimmer Nr 43), eingesehen werden, woselbst die Offerten verschlossen und mit bezüglicher Aufschrift versehen, bis zum Sam-tag den 6. Juli 1889, Barm. 10 Uhr, einzureichen sind, in welchem Termin deren Eröffnung erfolgen wird. Gießen, den 25 Juni 1889. Der Großh. Erste Staatsanwalt. i§ Maschüchle uni) rirniilr | Kleiderstoffe I 5369 Ein Bursche, welcher Ackerbau 1 versteht, gesucht. | Wo? sagt die Expedition d. Bl. Man lawe einen Bonbon in einem Ulaso Weiser •ich ruhig 1—2 Minuten auflöaen, alsdann erst rühre man um, and ein Glas erfrischende Brause Limonade ist fertig. Alleinige Fabrikanten: Gehr. Stollwerck, Köln. w* Die Brause-Limonade-Bonbons sind in fast allen Niederlagen Stollwerok'scher Chocoladon u. Bonbons vorräthig, oder werden auf Verlangen von denselben bestellt. Allgemeiner Anzeiger. Wafferbezug. Wegen vorzunehmender Arbeiten an der Hauptrohrleitung in den Neuen ■ Bäuen und am Neuenweger Thor wird in den nachbenannten Straßen: 53.)3] Perfekte Stepperinnen gegen mit Cltronen-, Erdbeer-, Himbeer-, Maiwein-, Kirschen- nnd Orangen - Geschmack, sowie einer Sorte, geeignet durch Aufgiessen von Wasser und Wein zur Herstellung eines Glases Champagner-Imitation. Die Brause-Limonade-Bonbons (patentirt in den meisten Staaten) bewähren sich vorzüglich bei allen Erfrischungsbediirfnissen und sind daher sowohl im Sommer als im Winter, ganz besondei^ auf Reisen, Landpartien, Jagden. Manöver, sowie für Bälle, Concerte, Theater etc. zu empfehlen. Auf, die bequemste und schnellste Art — in einem Glase Wasser—geben sie ein höchst , ä 5 Kistchen mit 96 Gart-nstraße (LudwigSplatz- Ntueuwra, Neuenweg«» Thor) s Neuen Baue, €or«ettett empfiehlt in bekannter großer Auswahl, Extra-Weiten und Kanons, stets am Lager Robert Haas, 2506] Seltersweg 18. Schönster Glanz auf Wäsche wird selbst der ungeübten Hand garantirt durch den höchst einfachen Gebrauch der weltberühmten 5360 Amerikanischen Glanz-Stärke von Fritz Schulz jun., Leipzig. Preis pro Packet ....... 20 Psg. Nur ächt, wenn jedes Packet nebenstehenden Globus Sch^utzmarke^trägt. Prüfet und urtheilet selbst! Ueberatt vorräthig. GGOGGGGGGOGGlGiKVVVMGWWWWWK J £.£££] •»ißO'J sd9ssB() ujoqonsag uap ® d nqagduid ‘piqaijaSuja nau SipuRtsyoA tuap iiaqau d • TUJnsS suqi5[O £ Alttn.Buseck, am 25. Juni 1889. i 5353] Perf-klc''Dt.pp«rinn „ _ Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck. ,,len Äi « 5358 | ^ '"Marburg Iieilgeöotenes. Ein Geschäftshaus im Mittelpunkte der Stadt ist billig und unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Preis 14,0t0 JL Näheres durch 53)9] Comrnissionär H. Gengnagel. Kieler Bücklinge heute sehr frisch bet Bekanntmachung. Donnerstag den 27. Juvi l I», Nachmittags 1 Uhr, soll ein der Gemeinde Lich gehöriger, zum Schlachten sehr geeigneter FaffelochS, öffentlich meistbietend unter den bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden. Lich, den 25. Juni 1889. Grobherzogliche Bürgermeisterei Lich. _____________Walz.__5351 Heugras- Versteigerung. Freitag den 28. ds. MtS., Vormittags von 8 Uhr an, soll das Heugras von den einschürigen Gemeindewiesen, 20 Normalmorgen, an Ort und Stelle versteigert werden. Der Anfang ist unterhalb des hölzernen Brunnen. w Concordia Giessen. Feier des 25Mrigen Miflungssestes verbunden mit Fahnenweihe Stein’s Garten. Donnerstag den 27 Juni: III. Abonnements-Concert. Anfang V28 Uhr. Entree 50 Pfg. firauhe, Großh. Musikdirector. 5365 Licher Straße 1. Schneise rechts. zu Das Comitö 5080 Die ^Thier-Börse^ (3—4 Bogen stark) mit ihren hübschen Artikeln über Thierzucht und aus dem Thierleoen, dem reichhaltigen Briefkasten, in dem 1. Die 5367 Gäste sind willkommen. 30 Mg. Pl. Iiascht, 99 99 99 99 99 dunkel Lagerbier 20 99 99 5364 M. Loo-. 28-/6. 9 Ahr. Mstr.Wahl I. Gr. 5364 6'. Uogen. Heschmackoolle Ausstattung. 104 60. 25 25 tragen. Alle Arbeiter sind eingeladen. welche in Berlin erscheint, zu finden sein- Das sehr beliebte Blatt wird immer mannigfaltiger und ist jetzt da- verbreitetste Fach« und Familienblatt in Deutschland. — Dom 1. Juli ab wird jeder Nummer nock ein ^Füustrirte- UnterhaltungSblatt^ gratis beigegeben. Somit erhält jeder Abonnent jede Woche: 5366 Das Comite. 5366] Mädchen vom Lande gesucht- __Ludwigstraße 36. Tüchtige Zirgetmaurer, Steinmauer und Erdarbeiter werden gegen hohen Lohn auf sofort gesucht von Maurermeister Friedr. Droste- bei der Tbonet'schen Möbelfabrik tit Frankenberg (Reg -Bez Cassel). [5345 Diejenigen Mitglieder des Corvs, welche sich an dem Festzuge der »Concordia* betheiligen, können ihre Karten bei dem Unterzeichneten in Empfang nehmen Tanz- und Volksbelustigung. Abmarsch vom LudwigSplatz präciö V22 Uhr. — Karten sind sichtbar 4° /o Gießener ObL ReichSbank- Ließen. Attmaun's Geriag._____________J Grösstes Kölner Hänneschen- Theater Deutschlands. Dberhelflscher Grschichtsverrin. AuSflnanach -vermannstcili Sonntag, 30.3uni Abfahrt nach Wetzlar Nachmittags 4 Uhr 42 Min. (nicht 5 Uhr 5 Min). jeder Abonnent über Alles gratis Raths erholen kann und einer Menge Annoncen über Angebot und Nachfrage aus dem gesammlen großen Gebiet der Tbierwelt und dem geschäftlichen Leben- 2. Die »Naturalien-, Lehrmittel- und Pflanzen-Börse" mit sehr lehrreichen und interessanten Artikeln, für alle Natur- und Pflanzenfreunde und Sammler unentbehrlich. 3. Das »Jllustrirte UnterhaltungSblatt" mit spannenden Romanen und Erzählungen. Sowohl die „Thierbörse" wie das „Unterhaltungsblatt" enthalten jede Woche prachtvoll ausgeführte Bilder. M Man bestelle die „Thierbörse" mit ihren Gratisbeiblättern" SMT nur 2 6et der nächsten Postanstalt, wo man wohnt IMS für 75 H das ganze JE Vierteljahr. Alle Postanstalten Deutschlands und des Auslandes nehmen «E jederzeit Bestellungen an. — Abonnements für die Monate Juli, August und ” September wolle man baldigst bei seiner nächsten Postanstalt aufgeben, um IC rechtzeitig in den Besitz der ersten Nummer im Juli zu gelangen. Biirgerclub. Sonntag den 30. Juni Nachmittags: Mrihle nach dem Cuörotgsfirunnen 5361 Der Vorstand.__ Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 2 Blätter. Zn jedem Haus und in jeder Jamilie sollte das hochinteressante Blatt: Die Coursbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frankfurter Börse vom 26. Juni 1889. Direction: W. Millowitach. In dem 400 Meter grossen Theaterbau auf Oswalds Garten. 5352 Mittwoch den 26. Juni, Anfang 8 Uhr: Der Atgeunerbaron. Operettenparodie in 3 Acten. Donnerstag den 27. Juni, Anfang 8 Uhr: Don Cesar oder: Komm herab, o Madonna Theresa. Operettenparodie in 3 Acten. Alles Nähere durch die Zettel.________________________ Pfungstadt offerircn Bock Ale . . Kaiserbräu . Märzenbier . am 29. und SO. Juni 1889 in Stein’s G-arten. Samstag, 2 9. Juni, Abends 8V2 Uhr: Banket. Sonntag, 30. Juni, Morgens 6'/r Uhr: Weckruf, Nachmittags V22 Uhr: Aufstellung de» Festzuge- auf dem Oswald's Garten und präcis 2 Uhr: Abmarsch nach dem Festplatze. Nach Ankunft daselbst: Ueberreichuug der Fahne, sodann nach Absingung des Weiheliedes: Coneertstücke mit abwechselnden GesangSvorträgen der theilnehmenden Gesangvereine. Abends: Concert und Ball. Musik von der hiesigen Regimentskapelle. /Eintrittspreis: 1 Familienkarte mit 3 Beikarten 1 «X, einzelne Karten für Herren 50 und für Damen 30 H. Vorverkauf bei den Herren Friseuren Conrad, Mäusburg, W e l ck e r, Neustadt und Restaurateur E. Riemer, Grünbergerstraße. In Fässern und Flaschen zu beziehen durch den Vertreter 4307 Heiser. Hof, Bahnhofstr. 33 Unserem Präsidenten des Krieger- vereintz, Herrn Peter Will zu Annerod, zu seinem 34- Wiegenfeste ein dreifach donnerndes Hoch! 5349] Sämmtliche Kameraden. Eintritt 20 Pfg. — Damen frei Sonntag den 30. Juni 1889: Ausflug sämmtlicher Holz- u. Metallarbeiter Giessens Flaschenbier. Aus der berühmten Brauerei I. Hildebrandt in Eine Balladendichtung von H. K. Geiers. 5350 frei in s Haus geliefert Fr. Kühnhold, Ludwigöstraße 55, Georg Arnold, zum Deutschen Hof, Wm. Hammel, Grünbergerstraße. Soeben erschien und ist in der Fcrbcr'schen Univ.-Buchhandlung vorrätig: Her Graf von Meiberg. Tendenz: fest. 103.20 | 5o/o Buderus Obl. -Disk. 3o/o. — Franks. Bank-Disk. 3%. Hk. 35—40,000 sind per 1. August gegen erste und nur gute Hypotheken im ganzen oder getrennt zu verleihen. 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