Nr. 276. Dienstag den 26. November 1889. Der frltfretier Anreiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener M««(kienvkätt«L werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. ieljencr Generak-'Unzeiger. Vierteljähriger ZSonnemenlsprcls: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Ptg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstratze H!r.7. Fernsprecher 51. Aints- und Anzeigeblatt für den Ar eis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamitienötätter. Alle Annoncen»Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher übeil. Bekanntmachung. wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß vcm 12. bis 22. Juni 1890 eine allgemeine deutsche Pferdeausstellung zu Berlin veranstaltet werden soll. IJi Der Anmeldetermin sür die Stückzahl ist der 20. März \ 1890 und find bei dieser Anmeldung die Anzahl oer erforderlichen Boxen oder Lattenstände anzuLeben. Bis zum 1. Mai 1890 muß die genaue Abstammung und Beschreibung der auZzustellenden Pferde erfolgen. Diese, - sowie alle Anmeldungen, sind an das General-Secretariat des Llnion-Club» zu Berlin £u richten. Au Preisen find vorgesehen, zur Prämürung 1) von Hengsten ... JL 32100 2) „ Stuten „ 33200 3) „ ganzen Gestüten/ Familien- • und Zuchtgruppen . „ 7800 4) „ Reitpferden „ 2520 5) „ Wagenpferden „ 8000 6) „ Arbeitspferden „ 2700 Zusammen „ 86320 Älußerdem werden mit goldenen, silbernen und bronzenen Medaü len 1) vorzügliche Stalleinrichtungen, 2) „ Ausrüstungen für Zug und Reiterei ; 3) „ Futtermittel und Streumaterial, 4) „ Fuhrwerke (Luxus- und Arbeitswagen), 5) „ Pferdeportraits(Photographien,Kupferstiche, Handzetchnungen und Aquarelle, Oelgemälde, Statuen und Gruppen in Modellen, von GypS, Metall, Gold und Silber, .6) wissenschaftliche Leistungen (Modelle sür Stall- einrichtungen, Reitbahnen, Kavallerie-Kasernen, für Anlage ganzer Gestüte, Entwürfe mit Plänen und Zeichnungen, Literatur, öffentliche Stutdücher und Zuchtregister, Lehrmittel und Sammlungen der Thierarzneischulen rc., thierärztliche Instrumente und Requisiten zur Krankenpflege, fertige Arzneimittel in allen Formen, zufammengestellte Apotheken sür den Hausgebrauch; militärisches Beterinärwesen, Sammlungen und Lehrmittel für den Hufbeschlag, Modelle von Fuhrwerken aller Art und von Eisenbahnwagen zum Pserdetrar.Sport; Zeichnungen und Abblldungen von solchen; alte Werke über Hippologie; Sammlungen historisch werthvoller Gegenstände und Kuriosa aus dem gesammten Gebiet der Hippologie, 7) Gegenstände des Kunstgewerbes, welche aus Nachbildungen des Pferdes selbst oder einzelner Thelle desselben bestehen oder welche für Pferdezüchter besonderen Werth besitzen, ausgezeichnet. Der Prämiirungsplan und die Bedingungen, unter welchen eine Betheiligung von der Ausstellung erfolgen fann, können auf unserem Bureau einge'ehen werden. Gießen, am 13 November 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Apolitische Nebe^sieht. Gießen, 25. November. In den letzten Tagen sind erneute Gerüchte über den Plcnt einer Vermählung des Großfursten-Thronfolgers von Rußland und der Prinzessin Margartthe von Preußen, der jüngsten Tochter der Kaiserin Friedrich, aufgetancht und wissen Petersburger Nachrichten bereits von der angeblich vollzogenen Verlobung der beiden Fürstlichkeiten zu melden. Es ist nun allerdings ein öffentliches Geheimniß, daß die Kaiserin Friedrich dieser ,projectirten Verbindung nicht abgeneigt ist, aber ob sich der Plan in der That schon bis zu der gemeldeten Verlobung, die sich also in Athen vollzogen haben müßte, entwickelt hat, entzieht sich vorläufig nach der Beurtheilung. Der russische.Thronfolger hat zwar erst jetzt die Rückreise von den Athene'.' Hochzeitsfeierlichkeiten nach Petersburg an- getrcten und da die Kaiserin Friedrich mit ihren Töchtern Victoria und Margarethe bislang ebenfalls noch am griechischen Hofe weilte, so könnte man hieraus gewisse Schlüsse ziehen. Jedenfalls wird man gut thun, die obigen Gerüchte zunächst nur mit großer Zurückhaltung aufzunehmen. H Die Socialifüngesetz-Lommission . des Reichs-ages hat in voriger Woche die erste Lestmg des Entwurfes beendigt. Die Ausweffungsbefugmß der Regierung wurde nach nochmaligen eingehenden Debatten gegen die Stimmen der Eonservativen . abgelehwt, dafür aber die unbeschränkte Geltungsdauer des -Gesetzes mit den Stimmen der Kartellparbeien genehmigt. Nach den von dem preußischen Minister des Innern, Herrfurth, - abgegebenen Erklärungen wollen die verbündeten Regierungen. auf Beibehaltung der Ausweisungsbefugrüß besiehen und wird wohl die an diesem Dienstag JjeginnÄibe zweite Eommissions- lesung zeigen, inwieweit noch eine Verständigung in dieser Frage, von welcher das Schicksal des Socialistengesetzes ab- hängh, möglich ist. jjn der gesammten Eulturwelt hat die Nachricht Pon dem glücklichen Eintreffen Stanleys und Emin Paschas ans dem Boden des deutschostafrikanischen Schutzgebietes, in Mpwapwa, freudigste Genugthuuyz hcrvorgcruscv, da die kühnen Männer nunmehr als gerettet betrachtet werden können. Bon Mpwapwa aus richtete Stanley ein Schreiben an den englischen Consul in Zanzibar, welches einen ersten flüchtigen Bericht über den gefahrvollen Marsch der beiden Reisenden vom Victoria See her enthält. Weiteren eingehende:: Mitthcilungen über die aberricuerlichrn Ergebnisse Stanleys und Emin Paschas in Afrika darf nach deren zu Anfang Dezember zu erwartender Ankunft an der ostafrikanischen Küste mit Sicherheit entgegen gesehen werden. Ucber die Lage oes Gongostaates hat der Minister desselben für das Auswärtige eine sehr zuversichtliche Denkschrift an den Steiüg Leopold von Belgien gerichtet. Es wird in derselben namentlich auf die zunehmende militärische Stärke des jungen Staatstveiens hingewicsen. Die reguläre Armee des Eongosttrates zählt heute 2200 Mann mit 23 Offizieren und fann sie in einzelnen Bezirken auf ansehnliche Milizen rechnen. Ein verschanztes Lager für 600 Mann, das den Handelsweg mach den großen Seen beherrscht, wurde am Vereinigungspunkte des Congo mit dem Aruwhimi angelegt, ein zweites soll in der Gegend des oberen Loami errichtet werden. Die diplomatische Action des Congostaates geht mit seinen militärischen Bestrebungen Hand in Hand und wird als das wichtigste Ergebniß dieser diplomatischen Action das Bündniß mit dem bekannten einflußreichen Sklavenhändler Tippo Tip bezeichnet, durch welches die Gräuel der Sclavcn- jagden vermindert worden seien. Deutsches Neich. I Darmstadt, 24. November. Wie schon telegraphisch gemeldet, ist Se. Königl. Hoheit der G r o ßHerzog, in höchst- dessen Gefolge sich der Flügeladjutant Hauptmann Freiherr Röder von Diersburg befindet, am Freitag Abend zum Besuch Sr. Königl. Hoheit des Erbgroßherzogs nach Leipzig abgereist. Der Großherzog wird sich von Leipzig aus zu den Jagden deS Fürsten von S ch w a r z b u r g - R u d o l st a d t begeben , und voraussichtlich erst am 30. November hierher zurückkehren. Daher finden in der laufenden Woche keine Audienzen statt. I. K. H. die Frau Prinzessin Heinrich von Preußen wird ihren Aufenthalt Hierselbst noch bis zum 9. Dcccmber ausdehnen. Berlin, 23. November. Das deutsche Emin-Pascha- .EomitL erhielt von Hansing u. Co. in Zanzibar folgende Meldung: Zanzibar. den 23. November 1889, 9 Uhr 45 Mm. Vorm.: „Mas Mitglied der Expedition Borchert meldet uns aus Tokomoni: Die Somalis zersprengten eine englische, nicht die deutsche Expedition. Peters und Genossen wohlauf, errichtete eine befestigte Station am Kenia. Die wswsowra Leuilletsir. Neber Kufsuchen und Sammeln von Alter thümern. Der Oberhessische Geschichtsverein in Gießen hat, wie Jeder durch den Augenschein sich überzeugen kann, in b« kurzen Zeit seines Bestehens eine ganz ansehnliche AnzaW von Alterthümern zusammengebracht. Und doch mußte er. auch wieder und zwar oftmals die Ersahrimg machen, daß man in sehr verschiedenen Kreisen der Bevölkerung durchaus fein Verständniß dafür hatte, warum solcher „alter Kram und Trudel, solches Gerümpel" gesammelt werde. Da wird ihm von einem wertsten Freunde ein von diesem verfaßter Aufsatz zur Verfügung gestellt, der im Bauernkalender für 1890 (Verlag von Trowitzsch u. Sohn, Frankfurt a, d. Oder) enthalten ist und darüber belehren wird, warum das Sammeln von Alterthümern von Nutzen für die gestimmte Bevölkerung werden kann, wenn derartige geschichtliche Schätze der Allgemeinheit zugänglich und an einem öffentlichen Orte aufgestellt werden. Dies ist bei dem Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins der Fall, es ist jeden Sonntag von 11 bis 12 Uhr regelmäßig, aber auch zu anderen Zeiten nach voraus- gegangener Verabredung geöffnet. Möchte der vorerwähnte Aussatz die Folge haben, daß der Sammlung des Oberhessischen Geschichtsvereins recht zahlreiche Zuweisungen zugehen, nicht als Geschenke allein, sondern auch leihweise mit Wahrung des Eigenthumsrechts. Soweit die geringen Geldmittel des Vereins reichen, ist er auch bereit, Alterthümer zu kaufen. Der Bauernkalender schreibt: Zu den stärksten Wurzeln der Vaterlandsliebe überhaupt gehört die Liebe zur engeren Heimath. Deshalb legt man mit Recht der Heimäthskunde einen besonderen Werth bei, und an unzähligen Orten im deutschen Daterlande find gemeinnützige Bestrebungen sichtbar, die Keuntniß der einzelnen Gaue zu erweitern und zu vertiefen. Besonders anregend und einflußreich in dieser Hinsicht ^stüd-Sammlungen merkwürdiger Gegenstände (Museen), in wr.lcksU die Natur oder die Geschichte lies betreffenden Gaues U^L^LWilchern vor Augen geführt werden. Solche kleine zweckmäßig über das Land vertheilt, sind.verhältniß- ^WWFMMkl wirksamer und belehrender als die kostbaren ÄulM^der Großstädte, wo das einzelne in der Unmasse des Gestellten verschwindet. Dazu haben die sogenannten kllMMjLeute aus der Provinz von diesen prunkenden Samm- Residenzen gar nichts. Anders steht es mit ^VLMlungen zur Förderung der Heimäthskunde in der Heimath 'selber! In die nächste größere Stadt kann Jeder einmal kommen, und merkwürdige Dinge aus der Natur oder der Geschichte der eigenen Gegend locken doch bescheidene und ungelehrte Leute mehr an, als Seltenheiten aus fernen Ländern, deren 9lhmen man kaum einmal gehört hak. Aber nicht bloß Belehrung in angenehmer Form findet der Landmann, wenn er bei einem Besuch in der Stadt ein solches Museum durchwandert. Es bildet sich vielmehr sehr bald zwischen der Sammlung und der Bevölkerung eine Beziehung heraus, welche auch den kleinen Mann und wäre es ein Ackerknecht oder Tagelöhner, Gelegenheit zu einer gemeinnützigen Mitarbeit bietet, welche unter Umständen höchst verdienstlich werden kann. Wir denken hierbei an Förderung der Sammlung durch Zuwendung geeigneter Gegenstände und Fundstücke. Die Sammlung naturwissenschaftlicher Merkwürdigkeiten wird im Allgemeinen den Höhergebildeten überlassen bleiben. Allein bei Aufstöberung und Sammlung geschichtlicher Merbvürdigkeiten kann Jeder mithelsen, vor Allem Leute, welche mit Erdarbeit zu thun haben, also namentlich auch die Landleute. Es ist ganz erstaunlich, was Alles schon in der Erde gesteckt hat und alljährlich gefunden wird! Natürlich so fette Beuten, wie der Hildesheimer Silberfund oder der Goldfund von Mardorf werden Ausnahmen bleiben. Aber beide Fälle zeigen, daß auch die einfachsten Leute ein wunderbares Finderglück haben können. Bei Hildesheim, am Galgenberg vor der Stadt, arbeiteten Soldaten an der Verlängerung eines Schießstandes. Da stieß einer mit der Hacke auf Metall. Als man genauer nachsah, lag da ein großer Schatz vergraben : silberne Geräthe aus der Nömerzeit in solcher Menge, daß man sie schubkarrenweise in die Stadt fuhr. Dabei waren sie meist wohl erhalten und von so außerordentlich kunstvoller Arbeit, daß sie in der ganzen Welt berühmt sind. Fast noch merkwürdiger war die Geschichte in Mardorf im Kurhessischen. Da steht der Schweinehirt auf dem Felde bei seinen Pflegebefohlenen, welche wahrscheinlich zur Rasse der sogenannten „Glücksschweine" gehörten und sieht gerade zu, wie ein Maulwurf Erde auswirft. Da kommt etwas Blankes mit aus dem Loch — und siehe, es war ein Goldstück! Das gefiel dem Mann, nicht minder auch seiner Frau, welche gerade kam, das Essen zu bringen. „Vielleicht liegt noch mehr da," sagte die Frau und richtig, die beiden finden noch mehrere Stücke. Als der Vorfall im Dorfe bekannt wurde, wollte nun Jeder sein Glück probiren. Äie Leute liefen hinaus mit Hacken und Schaufeln und 6al waren wohl tausend Stück Goldmünzen zu Tage geförDrt, jede etwa 20 Mk. an Goldwerth — aber noch viel werthvoller durch ihr hohes Alter und ihre Herkunft. Von den alten Deutschen stammen die Münzen nicht, denn diese konnten keine Münzen Herstellen. Auch von den Römern nicht, das kann man sicher behaupten. Man vermuthet aus die Vorfahren der heutigen Franzosen. Jedenfalls haben die Leute von Mardorf bei dieser Gelegenheit ein schönes Stück Geld verdient. Es ist aber zu loben, daß sie sich damit nicht begnügten, sondern Depeschen, betreffend Einstellung der Expedition wegen der Rückkehr Emin Paschas, besitzend, werde ich Peters in Eilmärschen am Kenia, eventuell am Baringo-See einholen." Recklinghausen, 23. November. In der Zeche „Schlägel und Eisen" sind seit gestern Abend 250 Bergleute durch einen Unfall in dem Schacht eingeschlossen. Die Zufuhr von Nahrung ist noch möglich und man hofft, den Leuten bis morgen Rettung zu bringen. Ausland. Wien, 23. November. In einem Artikel der „Presse" heißt es: Das System planmäßiger Fälschungen und Irreführungen, welches schon einmal beinahe zu einer offenen Entzweiung zwischen Rußland und dem Dreibunde geführt habe, scheine neuerdings wieder ausgenommen worden zu sein, namentlich in einigen englischen Blättern. Zwei Dritttheile der gegen Oesterreich - Ungarn und Deutschland gerichteten polemischen Artikel russischer Journale hätten solche Tendenzen zur Unterlage. Ihre häufige Wiederholung begründe den Verdacht, daß man es mit einer systematischen Agitation zu thun habe, welche bezwecke, allmählich und langsam wieder jenes Mißtrauen erwachen zu machen, welches die Berliner Entrevue zerstreut habe. Daß dies vor der Hand auch nicht im Entferntesten gelungen sei, beweise die vorgestrige Friedensrede des Kaisers Alexander bei der Jubelfeier im Artilleriemuseum. Prag, 23. November. Böhmischer Landtag. Der Landtag lehnte den Commissionsantrag ab, dem czechischen Schulverein eine Unterstützung von 20,000 st. aus Landes- Mitteln zu bewilligen. Dagegen wurde ein Antrag des Abg. Grafen Zedtwitz angenommen, nach welchem derselbe Betrag solchen Privatschulen mit Oeffentlichkeitsrccht gewidmet wird, die keinen Beitrag vom Landesfonds beziehen. Die Ver- theilung dieses Betrages ist dem Landes-Ausschuß überlassen. Athen, 23. November. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich hat heute die Rückreise angetreten, der Kronprinz und die Kronprinzessin gaben derselben bis nach Patras das Geleite. Die Kaiserin begibt sich von da zunächst nach Olympia und wird dann die Reise über Korfu fortsetzen. London, 23. November. Die englische Regierung entsandte zwei Kriegsschiffe nach Rio de Janeiro zum Schutze der englischen Staatsangehörigen. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondcnz-Bureau. Essen, 24. November. Nach einer Meldung der „Rh.- Westf. Ztg." besteht'der Unfall, welcher sich, wie bereits gemeldet, in der Zeche „Schlägel und Eisen" ereignete, in einer unbedeutenden Beschädigung der Schachtzimmerung. Die Belegschaft, welche Freitag Nachmittag eingefahren war, ist am Samstag Abend gesund und wohlbehalten wieder aus- gefahren. Brüffel, 24. November. In der gestrigen Sitzung des A n t i s c l a v e r e i - C o n g r e s s e s wurde einstimmig beschlossen, daß die Territorialsragen außerhalb der Competenz des Con- gresses lägen. Es wurde eine aus den Delegirten Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Englands, Italiens, Persiens, Portugals, Rußlands und der Türkei bestehende Commission zur Prüfung der -Fragen, welche den Sclavenhandel auf dem Meere betreffen, ernannt. Rom, 24. November. In der Arena des Flaminius sand heute eine von Radicalen einberufcne Versammlung statt, um wirksameren Gesetzesschutz gegen ArbeitsUnfälle zu verlangen. Ungefähr 1500 Personen waren anwesend, darunter Mehrere Deputirte und Munizipalräthe. Die von dem Comite vorgeschlagene Tagesordnung, welche das Verlangen nach einem wirksameren Schutze gegen Arbeitsunfälle stellt, wurde angenommen. Die von einigen Anarchisten eingebrachte anarchistische Tagesordnung gelangte nicht zur Abstimmung. Die Anarchisten erhoben lärmend Widerspruch und wurden deßhalb von der Polizei aus dem Saale entfernt. Im Uebrigen verlief die Versammlung ohne weitere Störung. Konstantinopel, 24. November. Die Pforte ersuchte die Botschafter, der neuen Stempeltaxe zuzustimmen. Der italienische Botschafter willigte nur unter der Bedingung ein, daß die Stempelfreiheit der ottomauischen Bank aufgehoben werde, und glaubt man deßhalb, daß die Pforte mit der ottomanischen Bank diesbezüglich unterhandeln wird. Locales mtö provinzielles. Gießen, 25. November. — Der Landesausschuß der landwirthschaftlicheu Vereine des Großherzogthums Hessen hat sich in seiner letzten Sitzung u. A. auch mit der Frage der Einrichtung von Freibanken beschäftigt und nachstehenden, von Herrn Dettweiler- Darmstadt gestellten Antrag einstimmig angenommen: „Der Landesausschuß erachtet es für Wünschenswerth, daß die Freibankfrage gesetzlich für das ganze Großherzogthum geregelt werde. Insbesondere müßte ein derartiges Gesetz oder eine Verordnung bestimmen, daß 1. die Größe, Lage und Ausdehnung der Freibankeinrichtungen in den einzelnen Orten und Städten nach der Menge des zum Kaufe nicht ladenreinen Fleisches geneigten Publikums bemessen wird- 2. daß die Verbringung nicht ladenreinen Fleisches von einem Orte nach dem andern, namentlich aber nach größeren Städten, unter Beobachtung der als nothwendig erachteten Control- maßregeln gestattet werde, so lange als nicht Ueberhäusung der Freibank mit nicht ladenreinem Fleische nachgewiesen ist- 3. daß bei vorkommendem Bedürfnis einzelnen Metzgern die Concession ertheilt werden kann, nicht ladenreines Fleisch unter polizeilicher Controle verkaufen zu dürfen." — Militärisches. Beim hier garnisonirenden 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 116 treten folgende Personal-Veränderungen ein: Giese, Major, unter Stellung zur Disposition mit Pension, zum Commandeur des Landwehrbezirks Calau ernannt. Stephan, charakterisirter Port.-Fähnrich, Sold an, Unteroffizier, zuPort.-Fähnr. befördert. Werner, Hauptmann vom 3. Niederschles. Jnf.-Regt. Nr. 50, als Comp.-Chef in das 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116, Gehr, Major und Commandeur des Cadetten- hauses zu Culm, als Bats.-Commandeur in das 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116 versetzt, v. Brockhusen, Hauptmann und Comp.-Chef, als Major mit Pension und der Uniform des Jns.-Regts. Gras Schwerin (3. Pvmm.) Nr. 14, der Abschied bewilligt. Junk, Lazarethinspector in Gießen, nach Mainz, Christ, Lazarethinspector beim 1. Gar- nison-Lazareth Berlin, nach Gießen versetzt. k. Theater. „Gewonnene Herzen", Volksstück mit Gesang in 3 Acten von Dr. Hugo Mülle r. Es ist jammerschade, daß sich zu der gestrigen Vorstellung kein größeres Publikum eingesunden hatte. Auf dem Repertoir stand eines der gefeiertsten Volksstücke unserer Literatur. Sein nur zu früh verstorbener Verfasser, der neben den „Gewonnenen Herzen" eine bedeutende Anzahl von Bühnenwerken geschaffen hat, wie „Heidemann und Sohn", „Spitzenkönigin", „Von Stufe zu Stufe" und das vielgenannte Salonstück „Im Wartesaal erster Classe", ist der in weiten Kreisen bekannte und angesehene Dr. Hugo Müller. Als er noch während des Krieges im Jahre 1871 sein patriotisches Lustspiel zur Aufführung brachte, erregte es eine Begeisterung und einen Enthusiasmus sonder Gleichen. Behandelte er doch darin die Gewinnung Büddeutschlands für Art und Wesen der Norddeutschen und zwar wie seiner Zeit Lessing in der Minna von Barnhelm, indem er die Hauptpersonen im Stücke zu typischen Vertretern der einzelnen Stämme machte. Die Idee des Schauspiels würde vielleicht mutatis mutandis durch jenes Wort aus Kaiser Friedrichs Tagebuch ausgedrückt: „Ich fühle mich nur noch als Deutscher, keime keinen Unter- i schied mehr zwischen Bayer, Badenser und wie sich sonst die Bewohner der 33 Vaterländer nennen, will mich aber keineswegs in die inneren Angelegenheiten derselben mischen oder dieselben ihrer Eigenthümlichkeit berauben. Möchten alle Deutschen mich und meine Frau als die Ihrigen und nicht als norddeutsche Aufdringlinge betrachten!" Die Musik zu den „Gewonnenen Herzen" ist höchst stimmungsvoll, schöne Melodramen schildern den Kamps zwischen der Macht des Guten und des Bösen, die Niederlage der Franzosen begleiten treffende Schlachtenklänge, prächtige Einzel- und Ensemble- gesünge unterstützen die Wirkung des Stückes beträchtlich. Wir wollen gleich hier bemerken, daß die Aufführung nach der musikalischen und schauspielerischen Seite gleichmäßig trefflich verbreitet war. Das komische Element in dem Stücke wurde von Herrn Reiners (August Weckerhahn) und Frau Jaskowski (Karoline) vertreten. Der erstere hatte vollauf Gelegenheit, sein immenses komisches Talent zu bethätigen. Wir mußten immer wieder angesichts seiner brillanten Leistung an einen seiner Berliner Collegen denken, dem bei einem Gastspiel in Frankfurt ein anwesender Jugendfreund, der sich nicht mehr anders helfen konnte, zurief: „Appelche hör' uff, oder ich verplatz'!" Zu bewundern bleibt bei Herrn Reiners, daß er nie auch nur durch die geringsten Con- cessionen an eine derbere Art der Komik Effect zu machen sucht. Von ähnlich vorzüglicher Wirkung war auch die Darstellung der Frau Jaskowski. Fräulein Pauli als Nanny spielte wiederum mit der oft an ihr gerühmten Einfachheit und Natürlichkeit. Ihr Gesang verdient auch heute besonders hervorgehoben zu werden. Der Hermann Walter des Herrn Ullrich bedeutete wieder einen Fortschritt des jungen Schauspielers. Bei weiterer Arbeit an sich wird der Herr gewiß schon bald völlig anstandslose Darstellungen liefern. Herr von Gallas stand, wie wir das für selbstverständlich bei dem strebsamen und tüchtigen Mimen halten, auch gestern vollends ganz auf der Höhe seiner Aufgabe. Charakteristisch nach Spiel und Worte war Herr Otto Frank als Obermeyer. * Lauterbach, 23. November. Wer hilft? Im hiesigen Anzeiger streicht sich ein Freund von Metzelsuppe das Bäuchlein und freut sich, daß die schöne Zeit wieder da, in der man zum Stechbraten einladen kann oder, was noch besser, eingeladen wird. Er hat sogar entdeckt, daß bei der Schweinestecherei das Quellfleisch oder auch Wellfleisch die Hauptsache ist, nur möchte er in seiner Lernbegierigkeit gerne wissen, welche Bezeichnung, ob Quell- oder Wellfleisch die richtige ist. Ja, das ist eine schwierige Frage, wohl werth, ein Preisausschreiben auf Lösung derselben zu erlassen. Für die meisten Leute und Freunde von Schweinernem grenzt jedenfalls die Lösung dieser Frage an absolute „Wurstigkeit". Vermischtes. Mainz, 24. November. Der Import von amerikanischen Ochsen ist als beendigt anzusehcn. Die hiesigen Großviehhändler, welche die Einfuhr geleitet habeu, finden ihre Rechnung nicht dabei, indem die Schifffahrt und die Einkaufsspesen den ganzen Nutzen hinwegnehmen. Ein besseres Geschäft haben die Viehhändler mit der Einfuhr von italienischen Schweinen gemacht, die in den letzten Tagen durch die Ausdehnung des Schweineeinfuhrverbots auf Frankreich ziemlich bedeutend im Preise gestiegen sind. — Das in der letzten Zeit viel verbreitete Gerücht, daß der Kaiser gelegentlich seiner Anwesenheit in Darmstadt auch die hiesige Festung besuchen werde, scheint sich nicht zu bestätigen. Eine an dm amtlichen Stellen erhobene Erkundigung hat nämlich zu dem Resultat geführt, daß eine Nachricht von der Hierherkunst des Monarchen nicht hierhergelangt ist. — Nach bekannten Mustern hat ein hiesiger fleißiger Arbeiter an seiner früheren Braut, die ihn verlassen und einem andern jungen Manne die Ehe versprochen, Rache ge- auch als gute Deutsche handelten. Der merkwürdige Fund war nämlich am Geburtstage des Kaisers gemacht worden, noch weiland Kaiser Wilhelms des Siegreichen und es dürfte wohl ziemlich dessen achtzigster gewesen sein. Dessen gedachten die Mardorfcr und ließen durch den Gemeindevorsteher dem Kaiser eine Anzahl dieser Goldstücke als nachträgliches Geburtstagsgeschenk überreichen. Der Kaiser überwies sie dem Museum in Berlin, wo sie Jedermann sehen kann. Funde von solchem Rang sind glücklicherweise für die Förderung der Heimathskunde auch gar nicht nöthig. Durch Sammeln im Kleinen und durch das Einliefern einzelner Stücke von vielen Seiten her kann man im Lause der Jahre auch etwas Bedeutendes erreichen. Aber auch nicht in der Vereinzelung, sondern erst in der Zusammenstellung, geordnet und erklärt von kundiger Seite, können Fundstücke aus alter Zeit ihre wahre Bedeutung gewinnen. Denn der Zweck solcher Sammlungen ist ja, uns die Entwickelung der menschlichen Cultur, die Geräthschafteu, Waffen, Sitten, Gebräuche und Lebensweise unserer Vorfahren vor Augen zu bringen. Da hat man denn schon herausgesunden, daß vor ein paar tausend Jahren unsere Ahnen in Kunst und Handfertigkeit nicht höher standen als die Wilden, von denen uns kühne Entdeckungsreisende berichten. Metalle wußten sie nicht zu bearbeiten, aber Waffen zu Krieg und Jagd hatten sie nöthig. Da halfen sie sich aus wie sie kounten und machten sich Beile, Hämmer, Messer, Dolche, Pfeilspitzen u. s. w. aus harten Steinen. Solche Steinwaffen werden häufig gesunden und wir können mit Sicherheit annehmen, daß auch mancher Leser des Kalenders sich eines solchen Fundes rühmen kann. Man nennt die Zeit, in welcher Steinwaffen gesührt wurden, die Steinzeit. Später lernten die Menschen allmälig Metalle bearbeiten; allerdings zunächst nicht das Eisen, welches erst verhältnißmäßig spät an Bedeutung den ersten Rang erwarb. Zwischen der „Eisenzeit" und der „Steinzeit" liegt nämlich noch die sogenünnte „Broncezeit". Bronce ist eine Mischung merkwürdigen Fund getrost mit dem Amtmann oder Landrath reden, denn die Rechte der Finder sind gesetzlich geschützt. Auch kann man sich durch offene Anzeige eines werthvollen Fundes viel leichter vor Uebervortheilung bewahren, als durch ein heimliches Geschäft mit irgend einem durchtriebenen fcröbler. P. Es gibt jedoch noch eine Art von Alterthümern, welche Hrer Natur uach an derselben Stelle bleiben müssen, wo sie nun einmal sind. Hierzu gehören z. B. Reste alter Wohnstätten, Befestigungen, Opfer- und Gerichtsstätten, Gräber u. s. w. Auch diese Denkmäler alter Zeiten soll man möglichst in Ehren halten und schonen. Es gibt der ganzen Gegend ein höheres Ansehen, wenn eine derartige Merkwürdigkeit noch erhalten geblieben ist. Es ist betrübend, wie viel von solchen Dingen durch Unverstand oder Gleichgültigkeit oder Gewinnsucht schon zu Grunde gegangen ist. In dieser Beziehung kann ein rechtzeitig angebrachtes Wort eines wohlgesinnten Mannes Manches retten. Viele solcher merkwürdigen Reste mögen auch den gelehrten Forschern noch gar nicht bekannt sein und nur von Ortskundigen beachtet in der Stille der Wälder und Heiden liegen. Mittheilungen dieser Art sind höchst erwünscht und dankenswerth. Es wird leicht Jemand zu finden sein, welcher darüber an eine Zeitung berichtet, und dann wird schon ein kundiger Mann kommen, welcher die Sache untersucht. von Kupfer und Zinn. Während diese Metalle weich sind, ist ihre Mischung dagegen hart genug, um zu Waffen und Werkzeugen brauchbar zu sein. Die Bronce eignet sich ihres Goldglanzes wegen auch zu Zierrath. Deshalb finden sich j vielfach Ringe, Spangen u. dergl. aus Bronce neben Waffen und Geräthen. Meist sind diese Fundstätten alte Äräbe^ Es war heidnische Sitte, den Todten allerlei solche Dinge mit ins Grab zu gebeu. In Gegenden, wo die Römer lange gehaust haben, z. B. im südlichen und westlichen Deutschland, sind auch Münzen von Bronce sehr häufig. Gegenstände von Bronce sind trotz des Alters oft sehr gut erhaltens"-.Mk Fundstücke aus Eisen dagegen sind infolge des Rostens mürbe und müssen mit Vorsicht behandelt werden. Wir beabsichtigen natürlich nicht, alles Mögliche aufzuzählen, was der Bauer von Alterthümern etwa in seinem Acker finden kann. Nur die sogenannten Urnen wollen wir noch hervorheben. Bei unfern Vorfahren war es vielfach Sitte, die Leichen nicht zu beerdigen, sondern zu verbrennen. Die gebrannten Knochen, mürbe Brocken, legte man in einen irdenen Topf (Urne). Häufig finden sich solche Urnen in größerer Zahl zusammengestellt und gemeinsam von einem Erdhügel überdeckt. Mancher Leser wird ein solches „Hünengrab" kennen. Es ist nun eine gemeinnützige Pflicht, dafür zu sorgen, daß dergleichen Merkwürdigkeiten nicht verkommen, sondern geschont werden und in die richtigen Hände gelangen. Ist in einer benachbarten Stadt eine öffentliche Sammlung, so sollte man die Gegenstände zunächst dieser als Geschenk oder zum Kauf anbieten, damit sie der heimathlichen Gegend erhalten bleiben. Weiß man nicht recht, an wen man sich wenden soll, so wird vielleicht der Lehrer, Pfarrer oder Arzt guten Rath geben können. Auch den Regierungsbeamten ist zur Pflicht gemacht, auf die Erhaltung von Alterthümern bedacht zu sein und öffentliche Sammlungen zu fördern. Man kann über einen Hoffentlich reicht das Gesagte hin, um die Behauptung zu rechtfertigen, daß man gar kein Gelehrter zu sein braucht, um in diesen Dingen bei Gelegenheit der vaterländischen Geschichtsforschung recht werthvolle Dienste leisten zu können. Hier können Gelehrte und Volk zu gemeinsamem Nutzen zusammen arbeiten! bj , und 4 e Ä 9))nrr^0lte »£ < ^titlts \6/l|cl”6(e. ?G b'= Anstrich. flEH Seiles na* e Sfetnent in^Mia ’ltinttbr ii? ^hEaen äuntf- ;"*< der sich -undern K bllrd) die qerinJei ^etrn ^omik gfiect ^tCn $on= Fräulein r > W'rL t? WÄ itanVi -ai’ ’$ U>ird der >'°»dslose $atM Er ^wi- das stryk TUMhCntS,1"1tn . w feiner SlyMe ime Herr Otta l HU,,? 3m pt l!nb von MeWvpe ,te Wne Zeit wieder da, ien tann oder, was noch 59QT entdeckt, datz bei der oder auch WeWch bie -lner Lernbezierizteit gerne ^uell- oder Wellfleisch die 'ienge Frage, wohl werth, 'erselben zu erlassen. Für von Schweinernem grenzt an absolute „Wurstigkeit". tes. 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Die beiden Gespanne, welche der Sultan dem Kaiser paar verehrt hat, sind Rappen. Den Schmuck der kostbaren Thiere bilden Decken von reichster Stickerei, deren Werth beinahe noch den der Thiere übersteigt. Der Dienerschaft, welche den Kaiser auf seiner Reise begleitet hat, sah man gestern die Wirkung der südlichen Sonne an. Die großartige Gastfreundschaft des Sultans erstreckte sich auch auf sie. Alle bisherigen Reisen des Kaisers treten, was den äußeren Glanz betrifft, gegen die nach .Konstantinopel in den Schatten. — Tes Handwerkers Klage. Ein Schuhmacher in Alten feld erläßt folgende geharnischte Erklärung: „Ich fühle mich gezwungen, auf diesem Wege bekannt zu machen, daß ich mein Schuhmachcr-Borg-Kundeugeschäft aufgebe, denn es ist nicht mehr zu erschwingen, als Schuhmacher einen Credit zu gewähren von einem Jahr oder noch darüber oder von sechs Monaten. Es wäre ja noch ausznhalten, wenn mindestens die Forderungen eines Schuhmachers mit jedem Jahre beglichen würden, so könnte man reelle Bedienung sichern. Ist doch jeder Arbeiter seines Lohnes werth. Meine wcrthe und geehrte Kundschaft bitte ick, mir nicht ungetreu zu werden, denn dieselbe werde ich so viel als möglich bestrebt sein, gut zu bedienen. Alle Außenstände von einem Jahr und darüber lverde ich gerichtlich einzichen. Altenfeld. Wilhelm Kleinteich, Schuhmacher." Dieser Nothschrei über das den Ruin des kleinen Handwerks hcrbeiführende Borggeschäft wird auch in anderen Städten Widerhall finden. Konstantinopel, 19. November. Dic Bettler und die Straßenhunde, diese beiden schlimmsten Plagen der türkischen Hauptstadt, waren während des Kaiserbcsuches verschwunden. Die Bettler wurden, etwa 700 an der Zahl, in einer alten Kaserne vor den Thoren untergcbracht und dort auf Staatskosten ernährt- die Hunde, welche als die Nachkommen der Begleiter des Türkenheeres von 1453 in Konstantinopel als Schützlinge des Staates die Straßen in Rudeln durchziehen, wurden kurz vor der Ankunft des Kaisers durch die türkischen Polizeibeamten in ihren Nachtquartieren aufgesucht und in großen Transportwagen schleunigst nach einem Hundepark in der Nähe von Dolma Bagdsche befördert. Die Freude der guten Peroten dürfte iitdcß nicht allzu lange dauern, da der türkische Staatsschatz die große Anzahl von Staatspensionären dock kaum dauernd ertragen wird. Köln, 24. November. Originelles Gesuch. Die „Köln. Ztg." enthält folgendes originelle Gesuch: ,^Hcirath. Alleinstehender junger Kaufmann, evangelisch, 30 Jahre alt, mit einem Engros-Geschäft in schöner Stadt am Mittelrhcin, sucht eine gute, vermögende Schwiegermutter, welche ihrer wohlerzogcuen Tochter eilten sorgsamen Gatten zum Weihnachtsgeschenk machen will. Ernstgemeinte Offerten rc." Citerahtr r»nd ICunft Gieren,23.Noo. Wer hätte erwartet,daß die Photographie, b’e zuerst intt so unansehnlichen und mangelhaften Erzeugnissen von Pans aus ins Leben trat, tm Lause namentlich der letzten Jahrzehnte io riesige Fortschritte machen würde. Allerdings haben die verschiedensten Wissenschaften daran mltgearbeitet, um möglichst vorzügliche iloparatc zur Aufnahme der Bilder zur Verfügung zu stellen, aber auch der Chemiker vervollkommnete immer mehr die für das Vbotogropdilren notbwendigen Stoffe. Welch riesiger Fortschritt in dieser edlen und vornehmen Kunst ist iestzustellen seit Einführung de Trockenplatten; wie leicht ist es dem Reisenden sitzt gemacht, irgendwo etn- phoiographische Aufnahme zu machen und das Bild nach der Rückkehr in aller B quemlichkeit zu Hau'e beroorzuruten und zu vermehren. Wie werden die verichiedensten Werke mit dmch Druck hergestrlllen photographischen Btldern geziert. Das sind Fortschritte, die N'cht zu unterschätzen sind und auch ollen Wissenschaften zugute kommen können. Aber bei oll dem mutz doch das Photographieren gelernt werden, so gut wie jede andere Kunst. Wie mancher nennt sich Photograph und Mnc Bilder stehen noch unter denen der wandernden Marktkünstler, die für ein paar Pfennige ein möglichst icheuhliches Bild adliefern. Nicht allein die einzelnen mechanischen Ar-etien mutz ein rechter Künstler gelernt haben, er mutz auch einen feinen künstlerischen Sinn für die rechte Stellung, die vortheilhaftefte Auffassung, er mutz emen scharfen Blick für die rich- lipp Bern 'Heilung der zur Verfügung stehenden Lichtmenge haben, u d so sind noch eine ganze Reihe von wesentlichen Punkten, die berücksichtigt werden müssen, wenn der Photograph Künstler und nicht Stümper sein will. Wir haben in unserer Stadt verschiedene photographische Ge- schäste, die sehr Tüchtiges lernen. Aber Bilder von so musterbaster Vorzüglichkeit wie die, welche die Firma PH. Uhl eben ausgestellt hat, sind hier noch nicht gesehen worden. Die nach einem Cabmrt bild zu Lebensgröße vergrößerte Photographie des kürzlich verstor- t enen Herrn Geh. Rath von Ritgen ist von so überrascheicker Aehn- lichkeit, wie sie auch von dem größten Künstler mit dem Stift oder dem Pinsel nicht erreicht werden kann. Dazu kommt daS richtige Maß der Retouche, bei anderen Bildern die ausgezeichnete Verwendung der Farben. Die ausgestellte Mustersammlung zeigt, daß Herr Uhl nicht nur selbst mit Meisterschaft sein Geschäft leitet, sondern auch vorzügliche Mitarbeiter hat. Wer aber die Ausstellung noch nicht gesehen baden sollte, er- sreue sich an derselben im Setterswcg neben dem Blödner'schen Laden. Derfcbr, (and- und volkswirtbschaft. Grünberg, 23 November, (Hruchtpreise). Weizen X 19,10, Korn X 16,8u, Gerste JC 17,90, Hafer X 14,40, Erbsen X 18,00, Samen X 1*0,00. Lein X i 0,00, Kartoffeln X 0,00, Linsen X 30. Frankfurt, 23. November. Erbsen ganze per P'd 12—18 H, do. geschälte 14—18 H, Linsen 18—28 H, weiße Bohnen 16—18 H, gelbe Kartoffeln per Gescheid 14—16 H, rothe Kartoffeln per Gcscheid 12—14 4. Butter per Psd. X 1,00-1,10 H, Eier das Stück 6—7 H, Blumenkohl 30-70 H, Weißkraut das Stück 8—15 5i, Rothkraut 12-25 H, Wirsing 12—15 H. Nack Tausenden zählen Diejenigen, welche bei Heiserkeit, Husten und catarrdalischen Assertionen der Schleimhäute ihre Heilung den Fay Mächten Sodener Mineral Pastillen. aewonmu au? reu S-U^n bei zur Sur acmauchtcn ve i uvnil'n G-'niclnde C.ucllrn Ni. 111 unb Will, o.i danken. lln glaublich ist der w.chlidätiae Einfluß dieser trrffiichen Paitillen (eihättucv zu 85 Pf. in allen Apotheken). 8000 Kepertoir-Entwurf btt Bereinigten Stadttheater ju Frankfurt a. M Opernhaus. Dienstag den 26. November: Gastspiel deS Fräulein Rafaela Pattim von der König!. Over in Berlin. Die Regimentstochter. (Marie: Frl. Pattlni.) Hieraus: Die Puppenfee. GroßePreise. Mittwoch den 27. November: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Don Carlos. Außer Abonnement. Donnerstag den 28. November: Oberon. Gewöhnliche Preise. Freitag den 29. November geschlossen. Samstag den 30. November: Einmaliges Gastspiel des Kgl. Kammersängets Emil Götze. Martha. (Lyonel: Herr Götze. Martha: Fräulein Rafaela Pattini als Gast.) Außer Abonnement. Erhöhte Preise. Sonntag den 1. December, Nachmittags 3V, Uhr: Courier des Czaaren. Ermäßigte Preise. Abends 7 llor. Coei fan tutte. Hierauf: Die Puppenfee. Große Preise. Schauspielhaus. Dienstag den 26. November: Der Fall Clemenceau. Gewöhnliche Preise. Mittwoch den 27. November: Madame Bonivard. Vorher: Der Atzemer und sein Sohn. Gewöbnliche Preise. Donnerstag den 28. November: Abonnements-Vorstellung für einen ausgefallenen Samstag. Der Fall Clemenceau. Gewöbnliche Preise. Freitag den 29. November geschlossen. Samstag den 30. November: Stützen der Gesellschaft. Gewöhnliche Preise. Sonntag den 1. December: Zum ersten Male: Derby. Lustsplcl in 5 Allen von Siegmund Schlesinger. Anfang 7 Uhr. Gewöhnliche Preise. Eintrag in das Firmenregister Großh. Amtsgerichts Gießen am 29» November 1889. Karl Weber zu Gießen betreibt daselbst seit August d. I einen Handel mit Wein unter der Firma seines Namens. Seiner Ehefrau Veronika, geb. Weyl, hat er Procura ertheilt. Neidhart, 9480 Gerichlsschreiber.__ Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde- Montag den 9. December 1889, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in dem District Neuheege nachm'rzeichvetes Holz versteigert werden: A Bau-, Werk- und Nutzholz. 193 Fichtenstämme mit 76,20 Fest« meter, 54 Fichten - Derbstangen mit 4,50 Festmeter. B. Brennholz. Scheitb ttnüppelh Etockh. Reith. Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen. Eichen — — — 1605 Nadel 41 162,7 96,6 4300 Die Zusammenkunft ist beim Schützenhaus an der Grünbergerstraße. Gießen, am 25. Novbr. 1889. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.9501 Mittwoch den 27. Novbr, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Restauration Klingenberg—früher Br amm — gegen Baarzahlung versteigert: 1. Sophas, Commoden, Kleiderschränke, Console, Waschtische, Spiegel, Bilder, 6 Stühle, Tische, 1 Verticow, 2 vollst. Betten, 1 Regulator, 2 Hochs, nußb. Buffets, 1 Trompete, 150 Damen- und Kinderschürzen, 1 Stoßkarren, 1 Pferd, 1 Kuh, 1 Hobelbank; 2. Eonditorwaaren, Limonade, cons. Früchte, Chocolade, Gläser, Schach- teln, Flaschen u. a., sodann IVt Dutz. f- Messer und l1/» Dutz. f. Gabeln Die Versteigerung unter 2 findet be- stimmt statt. 111A_ Geißler, ^^7 Gerichtsvollzieber. Strickwolle in größter Auswahl, sowie [8094 Nockwolle empfiehlt Carl Hoffmann. Montag drn 9. Decemder l. 3, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem diesigen Ortsgericht die der Otto Hill Wittwe in Gießen gehörigen Immobilien: Flur I Nr. 709 — 394 Meter Hofraithe in den Neuen Bauen, Flur I Nr. 910 — 937 Meter Garten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. October 1^89. Großh. Ortsgertcht Gießen. I. V-: __________Vogt._______8783 Montag öen 23. Serbe l. I., Nachmittags 2’/a Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Jost Bellos Wtttwe in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 36 Nr. 3,6 — 319 Meter Hofraithe unter den alten und neuen Eichgärten am Steinweg, Flur 36 Nr. 3,, — 606 Meter Grab- garten daselbst, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 11. November 1889. Großh. Ortsgericht Gießen. __________V o g t. ______9138 Montag Öen 9. December l. I., Nachmittags 2«/> Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Georg »Iran- dritter in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 17 Nr 27«/100 — 378 Meter Grabgarten am Hamm am Neustädter Thor, Flur 17 Nr. 27s»/1Oo — 170 Meter Hofraithe daselbst. Flur 17 Nr 27”/100 — 293 Meter Grab- garten daselbst, Flur 17 Str. 28^/10 - 323 Meter Hofraithe daselbst, Flur 17 Nr. 83/io — 373 Meter Grabgarten daselbst und am Mühlwegsgarten öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 26. October 1889. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A.: ____®ojrL_______8719 Schasverstcigerung. Mittwoch den 97. d M, von Vormittags 9 Uhr an, läßt die hiesige Schäferei-Gesellschaft 158 Schafe, meistens junge Zucht- schase, 27 Hammellämmer und 22 Mutterlämmer versteigern. Eberstadt, am 20. Novbr. 1889. I. A.: 9415 Görlach, Bürgermeister. Aeikgebotenes. Täglich frische Hefe empfiehlt [9327 Philipp Bob, Bahnhofstraße 11. Mühlen Verkauf. Der Unterzeichnete beabsichtigt, seine bei Groß-Rechtenbach bei Wetzlar belegene Mühle zu verkaufen, event. auf eine längere Pertode zu verpachten. Die Mühle ist in vortreffl. baulichem Zustand, n.tch neuestem System eingerichtet und gleichzeitig mit rentabler Bäckerei verbunden. Gute Lage. Vorzügliche Detailkundschafr. Ohne Coueurrenz. NB. Aus Wunsch können 10—15 Morgen besten Acker- und Wiesen- landes mit überlasten werden. Fr. Amend, 9315__Groß-Rechtenbach bei Wetzlar. Mein Regenschirmlager habe bedeutend vergrößert. Billigste Preise. Getragene Schirme werden iu Tausch genommen. 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Frau Lieutenant HooS, _ EourSb^ristst von E. Wasserschieben, Bankgeschäft. AraNLsurrer Börse vom 25. November 1889» Schlußcourie 1 Ubr 15 Min. Schreiner oder Glaser für sofort gesucht. 9493 Otto Hochstätter, Marktstraße. 9489 Ein ordentliches Mädchen wird in eine kleine Familie zu miethen gesucht. Wallthorftraße 44, 2. Stock. I Vorläufige Mnseig®« 9 Meine f Weibiiaübts-Kuiist-Ausstelltio^ Z eröffne ich Mittwvch den Ryvember. M SbuWeihnachts-AueBtellung von Büchern, r^chtwerken, Jugendfchrifte» re. findet im Geschäfts- k local statt, die Kunst-Ausstellung von Photo- M graphien- Stichen, Ehromobildsrn (sämmüich mit und 9 ohne Rahmen), Berrotypien re. arrangire ich in der !. Etage des Geschäftshauses. . M Ich habe mein Lager auf das Reichhaltigste ausgestattet, so daß ä die Auswahl von Büchern jeder Art, sowie von Bildern jeder Größe ? eine ungewöhnlich umfangreiche sein wird. 9393 J Meinen Weihnachls-Lager-Katalog versende Ende nächster Woche. • Felisenlelds Uoiv.-Budihandliag, 8 KnastiiandinKig n. Auliqnariai, ®M. Baltz, 38 Seltersweg 83. 9413] Mein Geschäft befindet sich Liebigstraße Nr. 63. Achtungsvoll Karl Müller, Schuhmacher. 9498 In einer besseren Restauration in der Bahnhofstraße ist gestern Abend ein seiner Eylinderhut ftehen geblieben. Derselbe kann gegen Rückvergütung der JnsertionSkoften abgeholt werden- 9482 Für ein junges Mädcken, das in einem hiesigen Geschäfte thatig ist, wird in einer anständigen Bürgerfamilie Peustou gesucht. Offerten unter L. S. an die Expedition dieses Blattes. Steins Garten. E &eute Montag den 23. November: Humoristische Soiree der altrenommirien Leipziger äZuartett- und 4 pEt. Reichsanleihe 3V° n U 4 „ Preutz. Eonsols 3*/3 n ii » Disconto-Eommandit-Antheile 9496 Aus Textors Terrasse Stock verwechselt. Umtausch bei Held man«, Marktftratze. 9484 Eine lederne Pferdedecke wurde von einem Knechte verloren. Man bittet um Abgabe auf der ___Wellersburg. 9436 Ein ordentliches Mädchen mit guten Zeugnissen sucht Stelle auf Weih- nachten. Näheres_______Marktplatz 13. 9492 Zwei Leute zum Dreschen g-sucht. syrankfurterstratze 107.40 1 pCt. Ungar. Goldrente 10?.5 „ Italiener Rente 8855] Ein kleines Logis vermiethet Ehr. Noll III. Wwc., Kanzleiberg 5. 9140] Hinterhaus, enth. 4 Zimmer mit Zubehör, ist sofort zu vermiethen. __Löberstraße 23 I. 7367] Mansardenlogis zu vermiethen. __________________Leibgefternerweg 24. 8423] Kl. Wohnung a. d. Grünberger- ftraße zu verm. Näh. Kreuzplatz 15. 93b6J Eine schöne Mansarden-Wohnung auf sofort zu vermiethen. __Frankfurterstraße 30. ” 6634] Mein rliebenhaus ist an eine ruhige Familie zu vermiethen- Dr. Ploch. 9494] 1—2 anständige Arbeiter können Kost und Logis erh. 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