Nr. 961 Freitag den 26. April 1889« Hießemr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schulstr-ß- 7. ‘ Erscheint täglich mit Ausnahme des M-ntagS. W«ÄÄU Bekanntmachung. Die unterzeichnete Behörde wird Saru-tag de« 11. Mai l. I., von Vormittags 10 Uhr an, einen Amt-tag im Rathhause zu Grünberg abhalten und bleibt es den Kreisangehörigen aus den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen. Gießen, am 18. April 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. ____________________________________________________________v. Gagern.______ Betreffend: Die Abhaltung von Amtstagen in Grünberg. Gießen, am 18. April 1889. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen en die in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg and La ab ach gelegenen Bürgermeisterei,« des Kreises Gießen Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie Ende dieses Monats auf ortsübliche Weife zur öffentlichen Kenntniß bringen laffen. .___________________________________________ v. Gagern.___ Betreffend: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfaffungseides. Gießen, am 18. April 1889. Das Grohhcrzogltche Kreisamt'Gießen an die «rotzherzoglichen Bürgermetstereien^des «teile!» Die Ableistung des Huldigungs- und Verfassungseides Seitens der neu ausgenommen« Orkbürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen Untertanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheirathet haben, soll wie folgt stattfinden: *w‘* 1) nämlich derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg und Homberg liegenden Gemeinden SamStag den 11» Mai L I., Vormittags 11 Uhr, in dem Rathhause zu Grüuberg; 2) derjenigen aus den in dem Amtsgerichtsbezirke Gießen liegenden Gemeinden: Dienstag den 14» Mai L I., Vormittags 11 Uhr, in dem Regierungsgebäude (auf dem Brand) zu Gieße«; 3) derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirken Lich und Butzbach liegenden Gemeinden: Donnerstag den 16. Mai I. I., Mittags 1 Uhr, in dem Rath Haufe zu Lich; 4) derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Nidda und Laubach liegenden Gemeinden: Donnerstag den 23. Mai L I., Mittags 1V< Uhr, in dem Rathhause zu Hungen. Wir beauftragen Sie hierdurch die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladenerr anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war. Halten sich dergleichen Personen auswärts aus, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben. « v. Gagern. Politische Rundschau. Gießen, 25. April. Die österliche Ruhepause waltet auf dem Gebiete der inneren Politik noch immer merklich vor, denn dürftig genug fließt das Nachrichtsmaterial. Bemerkenswerth erscheint indessen eine Berliner Meldung, wonach dem Bundesrathe auf Antrag Preußms ein Entwurf zur Abänderung des § 4 des Strafgesetzbuches, betr. die im Auslande begangenen Verbrechen und Vergehen, nebst Gesetzentwurf und Begründung zugegangen ist. Der Antrag, dessen Wortlaut noch nicht vorltegt, soll im engsten Zusammenhänge mit der Straf- und Preßgesetznovelle stehen und wird er sofort im Justtzausschusse des Bundesrathes zur Berathung gelangen, um später, wie versichert wird, zugleich mit der Novelle zum Strafgesetz dem Reichstage vorgelegt zu werden. Am Ostersonntag verschied in Friedenau bei Berlin der Geh. Oder- RegierungSrath a D. Wagener im Alter von 74 Jahren, der im politischen Leben der 70er Jahre eine hervorragende Rolle spielte. 1866 wurde Wagener, der ein eifriges Mitglied der altconservativen Partei in Preußen war, zum Vortragenden Rath im preußischen Staatsministerium berufen, da Fürst Bismarck glaubte, durch Wagener einen Theil der Altconservativen an seine Politik ketten zu können; auch wurde Wagener vom Fürsten Bismarck in socialen Fragen häufig zu Rathe gezogen. Am 1. Januar 1873 berief den Verstorbenen das Vertrauen des leitenden Staatsmannes in die einflußreiche Stellung eines ersten Rathes im Staatsmtnistertum, aber Wagener verwerthete dieselbe zur Einfädelung und Begünstigung von verschiedenen unsauberen Unternehmungen und dieses Treiben deckte Eduard Lasker im preußischen Abgeordnetenhause in seiner berühmten Rede vom 7. Februar 1873 schonungslos auf. Wagener mußte infolge dessen seinen Abschied nehmen und wurde er außerdem gerichtlich zum Ersatz von 40,000 Thalern verurtheilt. Völlig gebrochen zog sich Wagener hierauf aus oem öffentlichen Leben zurück und der einst so vielgenannte Name dieses Mannes gerieth bald in gänzliche Vergessenheit; jetzt ist sein Name durch den Tod Wageners dem lebenden Geschlechte noch einmal in Erinnerung gebracht worden. Die drei Delegirten der Unionsregierung zur Samoa-Eonferenz, die Herren Bates, Kasson und Phelps, werden in diesen Tagen in Berlin erwartet. Sie sind unterwegs, in Queenstown, über ihre Stellungnahme auf der Eonferenz „interviewt" worden und äußerten sie sich, wenigstens die Herren Bates und Kasson, hierbei in überraschend entgegenkommender und versöhnlicher Weise, so daß die Gerüchte über die „scharfen" Instructionen, welche die amerikanischen Delegirten von ihrer Regierung empfangen haben sollten, wahrscheinlich bedeutend übertrieben worden sind. Die österreichische Hauptstadt hat ziemlich bewegte Osterfeiertage verlebt, da fich an den am Ostersonntag ausgebrochenen Strike der Wiener Pferdebahnkutscher Straßenunruhen knüpften, die hie und da sogar einen offen revolutionären Charakter trugen. Wiederholt mußte Militär einschreiten, wobei verschiedene Verwundungen vor- | kamen und weit über 100 Verhaftungen oorgenommen wurden, welche weniger die ; strikenden Kutscher als vielmehr tumultutrende Burschen betrafen. Der Kaiser, welcher ' am Dienstag Morgen von Ischl in Wien eintraf, ertheilte alsbald dem Polizei-Präsi- | denten eine Audienz und ließ sich von ihm eingehend Bericht erstatten. Der Strike der Pferdebahnkutscher selbst dauert unvermindert fort und hat insofern noch eine weitere Ausdehnung erfahren, als auch das Aushilfspersonal infolge Bedrohung durch die Strikenden am Dienstag die Arbeit einstellte; der Pöbel verhält sich andauernd excessiv. Am Dienstag Abend kam es namentlich in dem Bezirk Favoriten und dem Vororte Hernals zu bedeutenden Ausschreitungen, wobei die nach Tausenden zählende Menge das anrückende Militär mit Steinwürfen bombardirte. Die Cavallerte hieb schließlich mit Säbeln auf die Tumultuanten ein, während Infanterie mit gefälltem Bajonet oorging, wobei zahlreiche Verwundungen vorkamen. Nach Vornahme vieler Verhaftungen war Abends 10 Uhr die Ruhe wieder hergestellt. Telegraphische Depeschen. Wolff's lelegr. Correspondenz-Bnreaik Berlin, 24. April. Der „Reichsanzeiger" veröffentlichst die Ernennung des Geheimen Regierungsraths Grafen Hue de Grats zum Regierungspräsidenten irr Potsdam. Berlin, 24. April. Achter deutscher Geographentag. Die Eröffnungssitzung fand Vormittags halb 11 Uhr statt. Der Ehrenpräsident, Cultusminister o. Goßler» hieß die Versammlung herzlichst willkommen. In der Eröffnungsrede wies er a»f den vom Deutschen Reiche seit seinem Bestehen den Bestrebungen des Congrffses geleisteten wichtigen Vorschub hin, andererseits auf den fruchtbringenden Einfluß, den die preußische Unterrichtsverwaltung aus jenen Bestrebungen erhalten. Anwesend waren Staats- secretär v. Maltzahn, Minister v. Scholz, zahlreiche Mitglieder des Bundcsraths, der Unterrichtsverwaltung, des Generalftabs und viele Gelehrte. Zu Vorsitzenden wurden Professor v. Rtchthofen und Gueßfeldt gewählt. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des letzten Congresses, Geheimrath Hardeck-Karlsruhe, gab v. Rtchthofen eine Uebersicht der Entwickelung und die Ziele des 1881 durch Nachttgal hier gegründeten Congresses. Berlin, 24. April. Der Geographentag beschloß in seiner Nachmittagssitzung, von den noch übrigen 12,000 JL der in Berlin für das Nachttgal-Denkmal gesammelten Gelder 7000 für eine Büste im Völkermuseum, 4000 Jt Zuschuß zu der in seinem Geburtsort Stendal zu errichtenden Statue und den Rest zur Herausgabe seines wissenschaftlichen Nachlasses zu verwenden. Kirchhoff (Halle) gab den Bericht der Central- Commission für wissenschaftliche Landeskunde Deuischlands; Supan (Gotha) sprach über specialgeographtsche Literatur; Richter (Graz) über die Vorschläge zur einer sachgemäßen Stoff- und Arbettstheilung der deutschen geographischen Zeitschriften. Kiel, 24. April. Der Kaiser übersandte Klaus Groth anläßlich des siebzigsten Geburtstages seine besten Glück- und Segenswünsche und verlieh ihm den Rothen Adlerorden 3. Classe. Die Stadt überreichte eine Adresse, wonach der Platz bei der Wohnung deö Dichters für immer Grothplatz benannt wird. Seitens der Universität gratulirten Hänel und Busolt. Das Festcomitö, unter Führung des Bürgermeisters Fuß, überreichte eine Ehrengabe. Zahlreiche Briefe und Telegramme find aus allen Theilen Deutschlands eingettoffen. München, 24. April. Den letzten Nachrichten aus Hohenschwangau zufolge veranlaßten eingetretene Verdauungsstörungen eine weitere Abnahme der Kräfte der Königin-Mutter; Geheimerath Ziemssen und Medtctnalrath Brattler sind nach Hohenschwangau abgeretst. Wie«, 24. April. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Hand- • schreiben, durch welches die Landtage von Böhmen, Dalmatien, Galizien, Krain, Tyrol, Istrien, Görz und Gradiska aufgelöst und Neuwahlen angeordnet werden. — In ihrem l nichtamtlichen Thetle führt dieselbe Zeitung aus, daß die nunmehr aufgelösten Land- I iage im Laufe des Sommers ihre gesetzliche, sechsjährige Funktionsperiode beendet . hatten, und es sei, da ihre Einberufung vor Ablauf der Funkttonsdauer kaum möglich ! gewesen wäre, wünschenswerth erschienen, die Neuwahlen ehestens stattsinden zu lassen. Wie«, 24. April. Der Tramwayoerkehr ist heute wieder normal. Die Com- rnunication wird durch etwa 150 Wagen vermittelt. Von den strikenden Kutschern sind «irrige in den Dienst wieder ausgenommen. — Die Meldung der Blätter, daß die Wache gestern von der Feuerwaffe Gebrauch machte, wird von competenter Seile als unrichtig bezeichnet. Es wurde nur «in Allarmschuß in die Luft abgefeuert. Wien, 24. April. Der Kaiser liest sich auch heilte durch den Polizeipräsidenten Bericht über den Tramwaystrtke erstatten. — Die Tramway-Gesellschaft beschloß, gegen diejenigen Kutscher, welche die Arbeit wieder aufnehmen wollen, möglichste Milde walten zu lassen. Wien, 24. April. Der Gemeinderath nahm heute die Anträge der Sektion für Verkehrswesen an, die Tramway-Gesellschaft wegen der vorgekommenen Betriebsstörung mit einem Kautionsoerlust von 50,000 fl. und für jeden weiteren Tag der Verkehrsstörung mit einer Strafe von 10,000 fl. zu belegen; derselbe beschloß ferner, an, die Regierung das Ersuchen zu richten, dieselbe wolle die ihr nach der Konzession zuftehenden Rechte im Interesse eines ordnungsmäßigen Betriebes wahrnehmen. Brüssel, 24. April. Boulanger ist heute Morgen um 6% Uhr mit seinen Begleitern über Ostende nach London abgereist. Es ist kein Zwischenfall vrr- gekommen. London, 24. April. Die Königin hat sich mit der Prinzessin Louise gestern von Windsor nach Sandrtngham zum Besuche des Prinzen von Wales begeben. Dieselbe wurde am Bahnhofe von dem Prinzen von Wales und dessen Söhnen Albert und Victor auf das Herzlichste empfangen. London, 24. Aprll. Lord Salisbury hielt gestern in einer conservattven Versammlung zu Bristol eine Rede, in welcher er die Nothwendigkeit einer Verstärkung der Flotte betonte und bemerkte, es wäre Thorhett, die Gefahr eines Einfalles von Außen zu erhöhen durch Gewährung einer unabhängigen Regierung an Irland, welche eventuell der britischen Regierung feindlich sein könnte. London, 24. April. Boulanger ist um 31/« Uhr Nachmittags aus Dover hier eingetroffen. An den Zugängen des Bahnhofs hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, von der ein Thell Boulanger mit Zurufen begrüßte, während ein anderer Thell ihn mit Pfeifen und Zischen empfing. Florenz, 24. April. Der Kölner Männergesangverein ist heute hier etngetroffen. Petersburg, 24. AprU. Dem „Grashdanin" zufolge verwarf die Retchsraths- Eommtssion, welche über die gerichtliche Verfolgung Possiet's und Stjernvals wegen des Bahnunglücks am 17. October o. Js. zu entscheiden hatte, eine solche Verfolgung imo schlug vor, sich auf Bestrafung der Herren auf administrativem Wege zu beschränken. n h t Gießen, 25. April. Se. Kgl. Hoheit der Großherzvg passirte heute Morgen um 7 Uhr 58 Min., von der Auerhahnbalz bei Alsfeld kommend, die hiesige Station. Am 8 Uhr 16 Min. erfolgte die Weiterreise nach Darmstadt, woselbst Se. Kgl. Hoheit um Vzl2 Uhr Vorm. eingetroffen ist. Gieße«, 25. April. sVictualten-Preise Ende März 1889.] Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die' Landisftatisttk kosteten: * d 5» b^- 50 66 64 60 64 64 50 54 70 50 50 50 66 60 60 60 60 60 56 50 64 58 58 55 46 45 52 45 55 60 50 50 56 50 60 60 50 60 48 70 54 70 52 50 58 60 60 60 60 57 55 52 70 50 E s ä a ». G> . Städte mit Octrot: Darmstadt Mainz Offenbach Worms Gießen Städte ohne Octroi: Bingen Bensheim Alzen Friedberg Alsfeld Lauterbach JO "5 N- 8^ »-> Q- 13 12,5 14 14 12,5 16 13 14 14 12,5 13 12 12 13,5 11,5 11 100-109 101-106 104-119 90-98 94-99 17 19 22 14 17 12,5 10 11 12,5 11 12,5 99-111 80-100 95-104 90-100 90-100 100 18 17 17 16 14 14 5-7 5-6 5-8 6-7 5-6 6-7 7-8 6-7 6 5-6 6 «r .. r 25. April. (Turnerisches.) Bei dem gestern in der Restauration Beide! abgehaltenen ersten hessischen Turnlehrer-Vereinstag warm die Städte Darmstadt (Herr Turntnspector Marx und Herr Lehrer Th. Becker), Worms (Herr Mehrer Sauerwetn) vertreten. Außer diesen genannten Vertretern hatten sich etwa uoch 25 Mitglieder von Vereinen, darunter 12 Auswärtige eingefunden, um den Berathlmgen der Satzungen betzuwohnen. Sämmtliche Abschnitte wurden, nachdem 7 und 8 kleinere Zusätze erhalten, einstimmig angenommen und für das Jahr 1890 Darmstadt als Vorort bestimmt. Möchten sich doch recht viele Ortsoereine bilden und vem Hess. Turnlehrer-Verein, der in sein Programm auch Vorträge über turnerische Fragen, sowie Vorführung practischer Uebungen ausgenommen hat, beitreten, zur Stärkung und Kräftigung unserer Jugend und zum Wohle des Vaterlandes. Die Samoa-Conferen?. , „ 2ltn I Mai soll endlich nach monatelangen Vorverhandlungen die Samoaconferenz 5 durch Deutschland, England und Nordamerika, zusammmtreten, um eine Verständigung dieser drei in der Samoafrage betheiligten Mächte herbeizuführen. Leider mussm aber die Aussichten auf einen befriedigenden Erfolg der Eonferenz vorerst noch als ziemlich ungewisse und schwankende bezeichnet werden, obwohl erst noch vor Kurzem der Stand der Samoafrage auf einen raschen und erfolgversprechenden Verlauf Der bevorstehenden diplomatischen Besprechungen hinzudeuten schien. Denn einesthetls oie Abberufung des deutschfeindlichen amerikanischen Eonsuls Sewall, anderntheils die Zuruckberufung des allzu schroff aufgetretenen früheren deutschen Eonsuls Knappe von Samoa und schließlich die Uebereinkunft der drei Mächte, bis auf Weiteres nur je ihrer Kriegsschiffe vor Samoa zu belassen, sprachen für allseitig obwaltende ver- söhnltche Dispositionen. Daß solche bei der deutschen und der englichen Regierung ^4^^Li"?4^^^rrschen, darf ohne Weiteres zugegeben werden, dagegen möchte das Gleiche hinsichtlich der Unionsregierung fast zu bezweifeln sein, nachdem es sich bestätigt, vatz sich unter ihren zur Samoaconferenz entsandten Vertretern die Herren Bates und Sewall befinden. Mr. Sewall ist aus seiner deutschfeindlichen Thätigkeit auf Samoa hinlänglich vekannt und wenngleich er nur als Beigeordneter der amerikanischen Delegirten in Berlin auftreten wird, so ist doch das Erscheinen dieses Mannes auf der Samoa- conferenj in Berücksichtigung seiner jüngsten Vergangenheit eine amerikanische Rücksichts- lostgkeit gegenüber Deutschland. Was aber Mr. Bates, also einen der officiellen Ver- treter der Union auf der Eonferenz, anbelangt, so hat diese seine Ernennung sogar in Amerika Erstaunen heroorgerufen. Mr. Bates ist der Verfasser eines im „Century Magazine veröffentlichten Artikels zur Samoafrage, der von den schärfsten und rundsten Angriffen gegen Deutschland förmlich wimmelte — und eine derartige Persönlichkeit, von vornherein durch ihre deutschfeindliche Gesinnung „ausgezeichnet", wagt die amerikanische Regierung in amtlicher Eigenschaft nach Berlin zu entsenden 1 Es ist begreiflich, daß die Abordnung der Herren Bates und Sewall zur Samoa- conferenz in den maßgebenden Berliner Kreisen sehr unangenehm berührt hat. Eine bezügliche offtcielle Correfpondenz in der „Köln. Ztg." macht gar kein Hehl daraus, welche Verstimmung deutscherseits über die Mission der genannten Herren herrscht und erklärt offen, daß hiermit die Aussichten auf ein günstiges Ergebniß der Eonferenz wesentlich herabgemindert worden seien. Selbst wenn Fürst Bismarck afle in diesem Falle sehr berechtigten Empfindlichkeiten bei Seite setzen und Mr. Bates gleich seinen amerikanischen Collegen, Mr. John Kassan und Mr. Phleps, empfangen sollte, so kann doch d e Betheiligung jenes Herrn an den Berliner Verhandlungen in Anbetracht seines parteilichen Vorurtheils gegen Deutschland nicht sonderlich zuversichtlich stimmen. Außerdem sollen die amerikanischen Regterungsvertreter mit ganz besonders „scharfen" Instructionen vom Washingtoner Cabinet versehen worden sein, die darauf hinaus- laufen, die amerikanischen Interessen auf Samoa gegenüber denjenigen Deutschlands und Englands in die erste Linie zu rücken, obwohl doch ja gerade Deutschland die weitaus meisten Interessen auf jener Inselgruppe zu vertreten hat. Bei solcher Sachlage muß allerdings die Möglichkeit, ja sogar die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns der Conferenz-Verhandlungen gleich von vornherein in's Auge gefaßt werden, da Deutschland trotz seines Entgegenkommens doch unmöglich alle seine Ansprüche den rücksichtslosen Forderungen der Yankee's unterordnen kann. Sollte sich aus diesem bedauerlichen Ergebnisse, wenn auch nicht ein Krieg, so doch eine empfindliche Störung der vielfach verschlungenen und mehr als hundertjährigen Beziehungen zwischen Deutschland und Nordamerika entwickeln, so werden hierfür einzig und allein die chauvinistischen Heißsporne jenseits des Oceans die Verantwortung zu tragen haben Vermischtes. orn ?.?rr"stadt- 24. AprU. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnadigst geruht: ™ Mts. den Kreisbaumeister und charakterisirten Wasserbau-Inspektor i?Är^binHardt zu Worms zum Wasserbauinspektor des Wasserbauamts Worms mit Wirkung vom 1. April d. I. zu ernennen. 21 Aril. n Nach einer Meldung des hiesigen „Tageblattes" bez eht der Erbgroßherzog Ernst Ludwig in diesem Sommersemester die Universität Leipzig. Derselbe wird von dem Großherzogl. Amtmann Römheld aus Büdingen begleitet sein. = Frankfurt, 24. April. Heute Vormittag 11 Uhr wurde die elektro- Fachschule mit einer entsprechenden Feier eröffnet. Der Vorsitzende des Physikalischen Vereins, der die Anstalt in's Leben gerufen hat, Herr Dr. Rößler, begrüßte die Anwesenden und gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß Frankfurt die erste Stadt im Reiche fei, die eine solche Anstalt besitzt. Die Festrede hielt Herr Ingenieur Hartmann. Derselbe feierte zunächst die Männer, welche sich um die Physik x!£0!c$niC »E^ent aemaefct haben, führte dann die vielfache Anwendung der ^Äcität im practischen^Leben vor Augen und sprach sich überzeugend dahin aus, daß die elektrische Kraft in nicht ferner Zeit die Alleinherrscherin sein, jede andere Kraft verdrängt haben werde. Zum Schluffe schilderte er die Entstehung der Anstalt und deren Lehrplan und lud dann zu einer Besichtigung der Apparate und Räume ein. Bis letzt haben sich 12 Schuler angemeldet, wovon 2 aus Frankfurt sind. Die 10 übrigen kamen aus Berlin, Würzburg, Bremerhaven, Essen, Werden, Charlottenburg rc., la aus der Schweiz kamen welche her. Der Cursus umfaßt 1/2 Jahr, das Honorar beträgt 100 JL Auch Hospitanten können den Vorlesungen beiwohnen. Der Lehrplan weist folgende Fächer auf: Physik, Allgemeine Physik, Allgemeine Elektrotechnik, Praktische Uebungen im Laboratorium, Dynamomaschinenkunde, Beleuchtungstechnik, Jnstrumentenkunde, Signalwesen, Telegraphie und Telephonie, Elemente und Akkumulatoren, Motorenkunde und Blitzableitertechntk. Dazu kommen noch einige facultattve Facher. Hl Frankfurt a. M. Am 27. d. M., Vormittags 10 Uhr, wird hier in der Rosenau die vierte Generalversammlung des Landesvereins von Lehrern höherer Lehranstalten im Großherzogthum Hessen stattfinden. Die Tagesordnung enthält außer Mittheilungen und Rechnungsablage ein Referat des Dr. Weckerling aus Worms über die Privatstundenfrage und Berathung über zwei Anträge, die ein „Vereinsorgan" und den „Beitritt zur Sterbekasse der akademisch gebildeten Lehrer der Provinz Sachsen betreffen. Der letzte Gegenstand der Tagesordnung ist die Neuwahl des Vorstandes. Eingesandt. Gießen, 25. April 1889. t tSaälbau.] Gestern Abend fand eine Sitzung der Garantiezeichner im Hotel Einhorn statt. Herr Provinzial-Director Frhr. v. Gagern erstattete als Präsident des geschaftsfuhrenden Ausschusses darüber Bericht, was in der Saalbau-Angelegenhett seit der letzten größeren Versammlung geschehen und wie der nunmehrige Stand der Sache et. Das Schüler'sche Besitzthum ist durch obigen Ausschuß Namens der Garantiezeichner nun definitiv angekauft worden und soll laut Kaufnotul am 1. Juni übernommen werden; es wird nun die Aufgabe fein, die Gründung der Saalbau- Actien-Gesellschaft so rasch als möglich zu Stande zu bringen, um die nöthigen Bau- Vorarbeiten in Angriff nehmen zu können. Die Statuten für die zu gründende Saalbau-Actien-Gesellschaft, auf deren Grund die gesetzlichen Formalitäten erfüllt wurden — Anmeldung beim Amts- sericht rc. — wurden vorgelegt und gelangten behufs Wetterverbreitung zur Vertheilung an die anwesenden Garantiezeichner. Die definitive, gesetzlich vorgeschriebene Actten- zeichnung hat nunmehr auf den sogen. Zetchnungsschetnen, welchen die Statuten vor- sedruckt sind, zu erfolgen und zwar doppelt - jedoch für einfach gültig. Zum Vollzug der Unterschriften werden den bisherigen Zeichnern und jedem wetteren Interessenten in der nächsten Zett die Scheine oorgelegt werden und wäre es zu wünschen, daß die Zeichnungen fLoU von Statten gingen und recht belangreich ausfallen würden, damit die definitive Gründung der Actien-Gesellschaft erfolgen könne; nach dem Gesetze muß das gesammte Acttenkapital — in diesem Falle 150000 JL — erst gezeichnet sein. Niemand wird sich dem Wunsche, daß die Schüler'sche Besitzung nicht zu Bauplätzen parcellirt, sondern als Gartenanlage mitten in der Stadt erhalten bleiben möge, entgegenstellen, auch zweifelt wohl Niemand mehr daran, daß der Bau eines zu Theater- und Eoncertzweckkn dienenden Saales ein Bedürfntß ist, ja es wird sich Jedermann sagen müssen, daß das Zustandekommen des Actienunternehmms im Interesse der gesammten Bevölkerung Gießens liegt; ganz besonders jeder Geschäftstreibende mag es fein, wer es will, die Besitzer von kleinen und großen Vergnügungslokalen nicht ausgeschlossen - hat ein Interesse daran, daß der Zuzug nach unserer Stadt ein möglichst großer wird, namentlich von solchen Personen, welche ein höheres Einkommen haben. Ein solcher Zuzug kann jedoch nur erfolgen, wenn die Stadt außer ihrer günstigen Lage, der schönen Umgebung und des verhältntßmäßtg billigen Lebensunterhaltes auch Genüsse bietet, wie Theater, Künstlerconcerte u. berat • dies ist jedoch nur möglich, wenn die nöthigen Lokalitäten zur Verfügung stehen. — Jedermann möge sich daher nach feinen Kräften am Zustandekommen des Saalbaues betheiligen und dadurch verhindern, daß unsere Nachkommen vielleicht über die Engherzigkeit und den nicht vorhanden gewesenen Sinn für gemeinnützige Unternehmungen zu klagen haben werden. Wie mir hören steht die Conftttuirung des Bürgervereins in nckher Aussicht und sind demselben Seitens der Saalbau-Unternehmer für den Fall des Zustandekommens der Actiengesellschaft gewissermaßen bindende Versicherungen gegeben worden daß ihm das Schüler'sche Wohnhaus als Gesellschaftshaus eingerichtet und mtethwetse abgelassen wird. r — Nichts Besseres gtebt es für jede Haushaltung, ob reich oder arm und besonders für lebe Familie mit Kindern, als vor jeder Mahlzeit eine gute kräftige Suppe. Ni chts legt, wie man zu sagen pflegt, einen besseren Grund; und nur der Umstand, daß bisher zur Bereitung einer solchen Siedefleisch gehörte, und dieses, nachdem es ausgesotten war, einen sogenannten zweifelhaften Genuß bot, liefe vielleicht in mancher Familie die Suppe nicht vermissen. Gute Suppe und nachherigen guten »raten bieten aber Knorr's nur mit Wasser zu kochende Suppentafeln, dadurch, daß kein S^edefleisch nöthig, indem Knorr's Suppentafeln sämmtliche Bestandtheile einer guten Suppe enthalten. Ebenso wird jeder Feinschmecker einer mit Knorr's Suppen- m eh len hergestellten Wassersuppe, der vor dem Anrichten einige Löffelchen Knorr's ingedickte Gewürz-Fleischbrühe beigegeben werden, alles Lod zuerkennen. Handel «nd Verkehr. Limburg, 24. April. (Fruchtmarkt). Rother Weizen 16.70, weißer Weizen Jt 00.00, Korn JL 12.25, Gerste A 9.00, Hafer Jü 7.35, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln 0.00. Frankfurt, 24. April. Erbsen ganze pr. Pfd. 12—18 do.geschälte 14—18H, Linsen 18—28 weiße Bohnen 16—18 H, Kartoffeln 100 Ko. A 0,00—0,00, do. per Gescheid 10-12 Butter per Pfd. A 1,15-1,30, Eier das Stück 5-6 X Blumen- M per Stück 40—70 Wirsing per Stück 10—15 Zwiebeln per Pfd. 7—9 3 Weißkraut per Stück 20—30 Gelberüben per Portion io—20 * Gottesdienst der isracliWen Keligionsgesellschast. „Freitag Abend 6« Uhr Samstag Vormittag 8°° Uhr, Samstag Nachmittag 330 Uhr, Samstag Abend 8-o Uhr. Oüngerversteigerung. Der sich im Schlachthaus bis Ende September d. I. ergebende Dünger soll Saw-tag den 27. Avril e., Vormittags 11 Uhr, im Verwaltungsgebäude des Schlachthauses öffentlich versteigert werden. Gießen, den 25 April 1889. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 3477 Keller, Beigeordneter. Iseilgeöotenes. Neue Kartoffeln und Irische Matjes-Häringe empfiehlt Carl Schwaab's 3463_______Delicatessenhandlung. 3455 Täglich Süß- «ndUckmttch zu haben.__________________Licherstratze 5. 3452] Schone Arührosakartoffeln verkaufb Ad. Saudon, Sonnenstr. 14. 3454] Zwanzig Malter gute Setz- kartoffeln zu verkaufen. ___Licherstraße 5. 3453 Einige W^gen Kuhmist zu ver- kaufen. Näheres in der Exped. d. Bl. 3459 Eine gute frischmelkende Ziege ist zu verkaufen bei Weichensteller Simmer, Hollergasse. Beste Sorten Gemüse-Pflanzen zu haben 3467 Neuen Baue 17 im Blumenladen. «9 k Gutes Heun.Grummet 8 verkauft H. Klipstein, Alten-Buseck. 3434] Grummet verkauft ________Louis Bogt, Neuenweg 19. Americ. Apfelfcheibeo, Bordeaux-Pflaumen, Türkische Zwetfchen, Apfelspaltev, , Kirschen, eigene Mirabellen, Trocknung Reineclauds, ' empfiehlt 1713 Emil Fischbach. - Bettfedern, Daunen, Barchent und Federleinen in bester Qualität und zu billigsten Preisen empfiehlt Carl Stückrath, Möbelfabrik u. Lager, 1L03] Asterweg 47 - Ederstr. 8. Gkdrsnnles Korn liets frisch gebrannt bei 3082 Roth II., Wallthorstraße 5, i «B. Schomber, Neuen-Bäue 10 I y/Knorr’s Suppen-Tafeln./ C. H. Knorr, Heilbronn a. N. N CO CD L Knorr’s Suppen-Mehle, Hafermehl & Hafergrütze, getrocknete Suppenkräuter ________überall zu haben.________ Nur mit Wasser zuzubereiten. Suppen-Einlagen lind und Werten trotz alkr lactehnumgen Goten. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Das Hebregister über die Umlagen der Stadt Gießen pro 1889/90 liegt acht Tage lang auf unserem Bureau zur Einsicht eines jeden Betheiligten offen. Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht daß Beschwerden gegen die im Register enthaltenen Ansätze binnen der ersten vier Wochen nach Ablaus der Offenlegungsfrist entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll bei Großh. Kreisamt Gießen vorgebracht werden müssen und daß später vorgebrachte Beschwerden keine Berücksichtigung mehr finden können. Gießen, den 23. April 1889. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _________________________Kel l er, Beigeordneter.____________________3403 Großh. Realgymnasium u. Realschule ■ zu Gießen. Die Anmeldungen neuer Schüler werden am Montag den ; 29. April, von 9 bis 12 Uhr im Schulgebäude eutgegengenommen- s Die Aufnahmeprüfungen finden Dienstag den 30. April, von 8 Uhr an statt. Der Unterricht beginnt Mittwoch den 1. Mai, Morgens um 7 Uhr. Die für die 3. Klaffe der Borschule anzumeldenden Knaben müffen vor dem 1. Oktober das 6. Lebensjahr zurückgelegt haben- 3474___________________________________Die Direktion. Die Aufnahme für die höhere und erweiterte Mädchenschule erfolgt Montag den 29. April im Conferenzzimmer im 2. Stock und zwar von 9—11 Uhr für solche Kinder, die schon früher eine Schule besucht haben und von 11—12 und von 2—4 Uhr für die neueintretenden, resp. vorzugsweise für die sechsjährigen Kinder. Erforderlich ist die Beibringung eines Impfscheins, bei auswärts geborenen Kindern auch die Vorlegung des Geburtsscheins. Kinder, die schon die Schule besucht haben, bringen ein Zeu-miß über den seitherigen Schulbesuch bei. Der Unterricht beginnt Dienstag den 30. April, um 7 Uhr. Gießen, den 25. April 1889. Großh. Direktion der höh. Mädchenschule. 3479____________________________Vigelius.___________________ Eiserne gartenmöbes, Gartengeräthe, Spaten, Rechen, Hacken, Rasenmäher neuester Construction, Rosen- scheeren, Heckenscheeren, Stacheldraht, verzinkte Spalierdrähte. Gartendünger. 3446 empfiehlt Emil Pistor. Ober-Hemden und Nacht-Hemden für Herren und Knaben, Kragen u. Manschetten, seidene und leinene Taschentücher, stets das Neueste in Ghlipsen. Gummi-Wäsche, als: Kragen, Manschetten, Vorhemdchen in weiß und bunt. Hosenträger, patentirte Rockhalter und Hosenstrecker. Glaev-, Wildleder- u. Sommer- Handschuhe. Sonnen- und Regenschirme. Gamaschen, Arm- und Hut- Trauerflor. Morgen-Schuhe für Damenu. Herren. Jagd-Röcke, -Taschen, -Stühle u.Hundeleinen. Professor Dr. Jäger’s Normal-, sowie Prof. Dr. Lahmann’s Reform Unterkleider, als: Hemden Jacken, Hosen, Socken, Leibbinden, Hosenträger, Stoff zum Wcken. 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