Nr. 120. Freitag den 24 Mai 1889. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vureau: S^ulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. gSS'MäfeSgafaglW Amtlicher Hheil. Betreffend: Das Budget des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen pro 1889/90. Bekanntmachung. Nachdem Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz den vom Ausschub des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen pro 1889/90 ausgestellten Voranschlag genehmigt hat, wird derselbe hiermit zur öffentlichen Kenutniß geb acht Staats- Vereins- A. Einnahme: wnds: fonds: 1. Ueberschuß dus vorigem Jahr ... . . — 838.24 2. Zuschuß aus Großh. Hauptstaatskasse im Ordinarium . 7620 — 3. „ „ „ „ zur Unterstützung der Viehzuchtvereine....... 1000 — 4. Zuschuß aus Großh. Hauptstaatskaffe für Prämiirungszwecke 1600 — 5. „ „ „ „ zur Förderung des Obstbaues......... 600 — 6. Beitrag der Aachen-Münchener Feuerversicher« Gesellschaft — 750 7. Beitrag des Landespserdezuchtvereins zur Fohlenweide . — 200 8. Beiträge der Vereinsmitglieder.....— 7020 Summa 10820 8808,24 B. Ausgabe: 1. Bureau und Rechnungswesen.....— 1300 2. Verwilligungen an die landw. Bezirksvereine . . — 2340 3. Kosten der Zeitschrift für die landw. Vereine . . — 3100 4. Gehalt des Wiesenbaumeisters . . . . - . 2500 — 5. Für die landw- Winterschulen zu Alsfeld, Büdingen und Friedberg......... 3300 — 6. Beitrag zu den Kosten des Deutschen Landwirthschaftsrathes 200 — 7. Beitrag zu den Kosten der Vertretung in den Eisenbahn- beiräthen.........— 100 8. Für die Viehpreisvertheilung im Kreise Friedberg . 1600 600 9. Zur Unterstützung der Viehzuchtvereine . . . 1000 — 10. Zur Unterstützung der Provinzialfohlenweide . . — 400 11. Zur Bestreitung der Kosten der landw. Vorträge . 1200 — 12. Zur Unterstützung der Untersuchung von Sämereien und Düngemitteln....... — 100 Zu übertragen 9800 7940 Staats- Vereinsfonds: fonds: Uebertrag 9800 7940 13. Für die landw. Haushaltungssch.de zu Lindheim, Beitrag 320 — 14. Für dieselbe an Zinsen und Amortisationsquote des Anlagekapitals .........— 180* 15. Zur Förderung der Obstbaumzucht .... 600 — 16. Zur Förderung der Bienenzucht.....100 — 17. Zur Bestreitung der Kosten des Landes^"^chuffes und des Prooinzialausschuffes . .... — 600 . 18. Für unvorherzusehende Ausgaben . . — 88.24 Summa 10820 8808.24 Bemerkungen zur Ausgabe. ad 5. Der hier vorgesehene Betrag soll zu gleichen Theilen den Cura- torien der landw. Wincerschulen zu Alsseld, Büdingen und Friedberg überwiesen werden. ad 9. Dieser Betrag soll zu gleichen Theilen den fünf in den Kreisen Alsfeld, Büdingen, Gießen, Lauterbach und Schotten bestehenden Viehzuchtvereinen ausgezahlt werden. ad 11. Die hier vorgesehene Summe soll zu gleichen Theilen den sechs landwirthschaftlichen Bezirksvereinen zur Verfügung gestellt, aber nur bis zur Höhe der nachgewiesenen wirklichen Verwendung innerhalb des Rechnungsjahres . ausgezahlt werden. ad 12. Aus diesem Betrage können nach der Reihenfolge der Anmeldungen diejenigen Landwirthe Unterstützung erhalten, welche landw. Sämereien oder Düngemittel bei der landw. Versuchsstation in Darmstadt zur Untersuchung gebracht haben. ad 15. Diese 600 sollen den sechs landw. Bezirksvereinen zu gleichen Theilen zum Zwecke der Ausblldung von Obstbaumwärtern üverwiesen werden. Friedel Hausen, den 8 Mai 1889. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen: Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau. Bekanntmachung. Betr.: Die Vertilgung der Raupennester. Die Garten« und Feldbesitzer der Gemarkung Gießen werden hiermit aufgefordert, bis zum 5. Juni l. Js. an Bäumen, Sträuchern und" Decken die Raupennester zu vertilgen. Diejenigen, welche dieser Aufforderung nicht Folge geleistet haben werden, verfallen nach § 368 pos. 2 des Reichsstrafgesetzes in eine Geldstrafe bi- zu fechSzig Mark oder in eine Haftstrafe bis zu vierzehn Tagen. Außerdem wird die Vertilgung der sich vorfindenden Raupennester auf Kosten des Säumigen angeordnet werden. Gießen, den 22. Mai 1889. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. __Fresenius.________________ Gießen, am 20. Mai 1889. Das Großherzogliche Amtsgericht Gießen an die Großherzogl Bürgermeister und Beigeordneten des Amtsgerichtsbezirks Gießen. Im Aus!rag des Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz machen wir Sie daraus aufmerksam, daß es nach Art. 1 der Verordnung vom 1. April 1841 unzulässig ist, Sühnetermine für Privatklagesachen an Sonn- und Feiertagen abzuhalten, und daß bei Zuwiderhandlungen disziplinäre Bestrafung einzutreten hat. Langsdorfs. ][ Darmstadt, 22. Mai. Seine König!. Hoheit der Großherzog, sowie Ihre Großh. Hoheiten die Prinzen Heinrich und Wilhelm werden von den Beisetzungs- feierUchkeiten in München heute Nachmittag 4 Uhr 9 Min. hier zurückerwartet. — Ihre Majestät die Karsertn Friedrich, Höchstwelche bekanntlich gegenwärtig bet Homburg o. d. H. resiotrt, wird am 24. d. Mts. zur Feier des Geburisfestes des Prinzen Ludwig von Battenberg auf Schloß Hetligenberg bet Jugenheim a. d. B. ein treffen. — Wie wir hören, wird der Grotzherzogltche Hofhalt am nächsten Samstag oder Montag nach Mainz verlegt werden und dort 8 — 14 Lage verbleiben. Das Fest der Wiederherstellung der Oppenheimer St. Katharinenkirche wird demnach der Großherzog von Mainz aus besuchen. Berlin, 22 Mai. Die Parade der Berliner und Spandauer Garnison ist aus das Glänzendste verlaufen. Der Kaiser kommandirte die Parade selbst. Er ritt dem einige Minuten später eintreffenben Könige Humbert entgegen und geleitete denselben dann die Front der Truppen entlang und führte letztere daraus zweimal in Parade an dem König vorüber. Der Kaiser trug die große Generalsuniform mit dem Bande des Annunciatenordens, der König Humbert die preußische Husarenuniform mit dem Bande des schwarzen Adlers. Die Kaiserin ritt an der Rechten Humberts; die Erbprinzessin von Meiningen folgte mit einem glänzenden Gefolge zu Pferde, der deutsche Kronprinz, der Prinz EitelFritz und Minister Crispi zu Wagen. Die Musikcorps der Regimenter spielten, als der König die Front der in zwei Treffen ausgestellten Truppen abritt, den italienischen Königsmarsch. Die Parade schloß gegen 11 Uhr. Der König begab sich von Dem Paradefeld mit dem Kronprinzm nach Der Liewa'schen Waffenfabrtk. Der Kaiser kehrte an der Spitze der Fahnencompagnie in die Stadt zurück. Die Majestäten wurden auf der Hinfahrt und Herfahrt von den Volksmassen unablässig mit stürmischen Zurufen, Tücher- und Hüteschwenken begrüßt. (F. Z.) Berlin, 21. Mai. Hier eingetroffene auch an Dr. Hammacher gelangte Depeschen aus Rheinland-Westfalen melden, Daß der Strtke vom neuem ausbricht, weil einzelne Zechenverwaltungen die Essener Abmachungen nicht einhalten und die Führer der Strikenden entlassen wollen. — Die Abends eingetroffene Depesche der Bergleute Schröder, Bunte, Siegel an den Abg. Baumbach besagt, Daß morgen der Strtke wieder beginnen werde, weil die Grubenbesitzer ihr Wort nicht hielten. Dr. Hammacher reist morgen in daS Strikegebiet, um eventuell durch eine öffentliche Erklärung auf die Grubenbesitzer ein- zuwirken, wahrscheinlich reisen auch die Abgg. Schmidt-Elberfeld und Baumbach hin. Telegraphische Depeschen. Dolff'S telegr. Korrespondenz -Bureark c 22. Mat. Heute Nachmittag besuchten zuerst der Prinz von Neapel später König Humbert den Reichskanzler Fürst Bismarck p ' ^ltmr "7 Bei der heutigen Parade-Abendtafel brachte der Kaiser den Toast auf König h CrmCtnln 5)11111 aussprach für den Beweis von Freund- Erfuhr: „In gleichem Sinne sind meine Truppen Es ihnen vergönnt gewesen, vor dm Augen meines Gastes urtt Ehren zu bestehen. Voll freudiger Erinnerung an die herrliche Heerickau fci Rom erhebe ich mein Glas und trinke auf das Wohl der Majestäten auf die braven ®eDifPeCn,Sem^re die unwandelbare Freundschaft mit dem Hause Savoyen, dessen ? AaTOy^ aur Einigung des Königreichs Italien geführt. König Umberto lebe hoch! Der König von Italien erwiderte in italienischer Svracke- fft innigster Rührung für den Ausdruck der dargebrachten Gefühle kL 6 !e ??^r§brlin nur eine hehre, dankbare Pflicht gewesen. Ich bin sicher Sor«'Ar e^er Hofburg aus spreche, die Seele Italiens mit mir ru ^EN. Deutschland und Italien sind nach der Herstellung ihrer Einheit das Pfand kür Frieden Europas; meine Soldaten, deren der Kaiser so ehrenvoll gedacht hat c. ^ar cHe^r' ^Ovon ich so glanzende Abtheilungen bewundern konnte werden iede große Aufgabe zu erfüllen wissen. Ich trinke auf oaS Wohl des Kaisers' der Kaiserin «Ä'LSLS"'"" * *■ “ »"■«--< -Sä "°" ben ®e,u6len d-r Freude über dm dem Könige und dem Kronprinzen in D-ulich- Lokales. „ 23- Mai Dienstag den 22. Mai, in früher Morgenstunde, starb im Dr bet Ä?fr ^7 wZw-rbreil-t-n Familie Baur, Herr Geh. ktrchenralh vr. Gustav Baur, Professor der Theologie und erster Unioersitätspredtger in Leipzig an einem Herzschlage. Wenige Tage vorher erhielt derselbe noch den Besuch Sr. Königl Hoheit unseres Erbgroßherzoges. - Die Beerdigung findet am Freitag Nachmittag statt, um 22. Mai. (Curschmann-Jubiläum.) Laut Dekret vom 24. April 1839 wurde Herrn Lehrer Curschmann die zweite evangelische Schulstelle in Monsheim im Kreise Worms in Rheinhessen übertragen und wurde derselbe am 22. Mat in seinen Dienst eingewiesen. Schon seit Anfang der vierziger Jahre ist Herr Curschmann in Gießen thattg. Sein vorzüglicher Unterricht, den er wett über ein Menschen- on per höheren Mädchenschule erthetlte, er hat hundertfälttg Frucht getragen. Aber auch außerhalb der Schule hat Herr Curschmann segensreich gewirkt. Wir Ä^"Ern nur an die mühevollen Weihnachtsbescheerungen, deren er 39 hinter sich hat. "Othletdenden Menschen, sondern auch den hungernden Vögeln und gequälten Thieren sucht er ihr Loos nach Kräften zu mildern. Dadurch und durch sein freundliches, offenes, zuvorkommendes und zugleich bescheidenes Benehmen hat sich Herr Cur sch mann viele Freunde erworben. Einige derselben, mit dmen Herr Cursch- ”}ann Eafö Balzer verkehrt, haben ihn am Vorabend seines fünfzigjährigen Jubi- /in schone- Photographte-Album nebst ihren Photographien über- Rnnm«. auL?cr ^Ecke des Albums einige hungernde Vögel auf einem Baume fitzend, an besten Stamme ein Futterbrett angebracht ist, gepreßt Zwar hat Herr Curschmann tn Anbetracht der erlittenen schweren Verluste lnÄtr nnam hte be ^Iben iebroebc Feier abgelehnt. Eine Feier in der Schule, ver- anstaltet von dem Lehrer-Collegium der höheren Mädchenschule, konnte und wollte Curschmann nicht ablehnen. Um 9 Uhr heute Vormittag wurde der Jubilar Collegen Schmidt und Lehr aus seiner Wohnung zur kurzen, aber wür- otflen und schonen Feier abgeholt. Die genannten Lehrer gratulierten dem Jubilar M o Jdncr Wohnung und wünschten ihm noch recht viele glückliche Slunden. Zehrer Lehr gratulierte Herrn Curschmann im Namen des Turnlehrer-Vereins für Gießen und Umgegend in herzlichen Worten. ^"rde der Jubilar in den festlich geschmückten Saal der höheren Mädchenschule geleitet, wo bereits Herr Beigeordneter Gnauth, Herr Weyrich, Di- rektor des Realgymnasiums und der Realschule, Herr Rechtsanwalt Batst, HerrStabt- rath Hänsle in, Herr Stadtrath Georgi, Herr Stadtrath Homberg er, das Lehrer- Collegium, die Schülerinnen der 3 oberen Klassen der erweiterten Mädchenschule und aus den übrigen Klassen je zwei Schülerinnen anwesend waren. Der Ltrikr in den deutschen Kohlengebieten. /«A*lst«rircherr - ,22 Mat. In der Versammlung von Bergleuten der decken h«»frhi^?{pent r^fCnCt ^iche sich über Maßregelung beklagen, wurde einstimmig rnimgt roe'rbm 1 615 ilc oereinbatten Admvchungm j-il-ns der Zechen be? . c ~ Die Belegschaften der Zechen „Hibernia", „Rhein-Elbe", „General" Carl ^4*C?r p '^ont Tremio" strtken weiter, weil bie Verwaltungen die Abmachungen S}$pA4ai?eifan? en' , Ucbcraa duschte größte Ruhe. Auf Freitag sind drei Arbeitn- Delegirtenoersammlungen nach Bochum berufen behufü Berathung weitere Schritte. .. — «2. Mai. Der „Reinisch-Weftfälischen ^tg." zufolae haben beute bie Belegfchaflen auf ben Zechen „Zollern", „Hansa" und „Germania" die Arbeit voll aufgenommen. Auf Zeche „Weftfalia" sind 200, „Tremonia" 78, Borussia" 55 '?finüter .Siein" 320 Mann ungefähren. Die Fehlenden wurden aufgewiegelt^ (^) und sind wieder nach Haufe gegangen. Auf „Louise Tiefbau" Qi" ar ßar ei^e , Schür bank" und „Charlottenburg" arbeitet Alles. Um ^rmaltungen unb ben noch Strikenben zu vermitteln, würbe Dr. Hammacher «nlcn gebeten, nach Dortmunb zu kommen unb ist bereits dort etn- i ? Q^ocbumer unb Essener Revier arbeitet Alles mit Ausnahme von ^Eche „Constantin ber Große" unb Zeche „Eintracht Tiefbau". Auf be ben Zechen wurden bie Bergleute durch Plakate aufgefordert, die Arbeit niederworben seien! 0110 * dnt0C Z)dc8irtc °uf der Zeche „Wiendahlsbank" gemaßregelt H Dortmund, 22. Mai. Nach der „Rhein.-Westf. Ztg." wurden in der heute rthnPArhaOtCm*6rmCnr Forderungen der Arbeiter angenommen. Abends fand n»» öffentliche Ver amrnlung der Bergarbeiter statt, welche den Lohnzuschlag von 10 pCt. einstimmig ablehnte unb alle Vermittelungsvorschläge zurückwies. Hierauf legte bas bisherige CentralcomitS ber Arbeiter sein Amt nieber unb würbe bie Wahl eines neuen Comics oorgenommen. Der Vorschlag, bis zur anberroeitigen Verhanblung den Bergwerksbefitzern die Arbeit fortzusetzen, wurde einstimmig^ abgelehnt und der Strike in aller Form proclamirt. Thatsächlich hatte derselbe schon Abends 6 Uhr begonnen, da auf allen Werken, mit Ausnahme des Arnim'schen, schon die Nachtschicht theils gar nicht, theils nur von wenigen Arbeitern aufgenommen worden war. s» K «ssg ÄÄÄtÄÄÄÄ mM?1?10» ff11// Cx?IopS!^en Stellung. In den dem Könige dargebrachten Huldiaunaen wird das italienische Volk einen Maßstab des Werthes finden, den die Völker Zlattens legen. Die in De^i^Unßatn unb ^SeutS auftretenben Strömungen gegen Italien berechtigen keinerlei Zweifel an hi, Pnntpr^pu und Stätte des Bundes. Die Polittt der MLch.e wur ett in den st-->M»m ZLZLk und rüumi anderweitigen Rücksichten keinerlei Einfluß ein. ” ■Jntetcflm k f , c* 22. Mai. Der Strike ber Grubenarbeiter von Marihaye nimmt 111 fäSÄ“SSÄ'™.iÄÄ "" »ÄS fÄKÄS’ÄÄtt auf deutschem »oben emPfangen%orb«i0^ift S)iefe n^ baJ1hflJit01hibet >?"ibundes werde von dem englischen Volke mit Genugthuung begrüßt bas darin die bene Friedensgewähr erblicke, sowie die beste Bürgschaft dafür hab hi, sund°men.alen Interessen Europas unoetsehtt aus jeder Ä?i6e f6erDot8el)ben ^ai- Mataafa spielt in seinem Brief an den Admiral Kimberlv von den Amerikanern bezeugten guten Gesinnungen an und wünscht hast der Kr eg, welcher wirklich beendet sei, nun auch formell als beenbet anerkannt merbe Kimberly rieth Mataafa, das Resultat ber Berliner Conferenz abzuwarten. Deutscher Reichstag. 73. Plenarsitzung. Mittwoch, den 22. Mai 1889, 11 Uhr. Die 3. Berathung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung wirb fortgesetzt. Die SS 10 biS 12 wurden debattelos genehmigt. Sodann wurde auf Vorschlag des Präsidenten mit Rücksicht auf die spärliche Besetzung des Hauses die Sitzung auf 15 Minuten vertagt und nach Ablauf dieser Frist mit der Berathung fortgefahren: S 14, der die Aufbringung der Mittel behandelt, wird debattelos genehmigt, S 15 ebenfalls mit einer redacttonellen Aenderung. Es werden nunmehr die SS 7, 7a, 7aa, und 7b, 13 und 16 gemeinsam diskutirt. Dieselben betreffen die Lohn- klaffen (Rentenbesträge), den Gegenstand der Versicherung und die Bestimmungen über das Beitragsjahr. Hierzu liegen mehrere Anttäge vor: Abg. v. Brand (kons.), welcher die Einführung einer einheitlichen Rente und eines einheitlichen Beitrages bezweckt. Diesen Antrag vertheidigt Abg. Graf Hollstein (kons.). Es sei durch Einrichtung -von Rentensparkaffen den Arbeitern Gelegenheit gegeben, sich eine höhere Rente zu erwerben, unb genüge deshalb die einheitliche Rente. Abg. v. Pfetten (Ctr.) beantragt, die Dauer einer Krankheit nicht auf die Bei- Iragszert in Anrechnung zu bringen, wenn der Betheiligte sich die Krankheit bei Begehung eines durch strafgerichtliches Urtheil festgestellten Verbrechens zugezogen hat. Endlich verlangt Abg. Brand (kons.), daß die Erwerbsunführgkeit schon anzunehmen fei, wenn der Arbeiter nicht mehr ein Drittel des durchschnittlichen Tagelohns verdient. (Die Vorlage setzt nur ein Sechstel des Durchschnitts-Verdienstes für die Erwerbsunfähigkeit voraus.) Abg. Struckmann (nl.) bittet alle Aenderungsanträge abzulehnm und nur die redacttonell verbefferte Faffung nach dem Anträge Buhl (nl.) anzunehmen. Abg. Flügge (kons.) tritt für Einheitsrente und Beseitigung der Beitrags- und Lohnklaffen em, bte so komplizirt seien, daß die Sache desto konfuser, je länger man über dieselbe bebattire (Heiterkeit). Nehme man aber die Lohnklaffen an, so werde er trotzdem für das Gesetz stimmen, denn er wisse, daß die Verabschiedung des Gesetzes ein Wunsch des Kaisers sei. (Bravo!) Staatssecretär v. Boetticher: Wer mit dem Princip des Gesetzes einverstanden ist, sollte nicht wegen der Einzelheiten Schwierigkeiten machen. Vom politischen Standpuntte aus mag die Einheitsrente gut sein, vom sozialpolitischen Standpunkte ist sie es nicht denn ber Sozialpolitiker muß sich den individuellen Verhältnissen anpaffen. Abg. Hahn (kons.) schließt sich im Wesentlichen dem Abg. Graf Hollstein an. Abg. Holtz (Rp.) vertheidigt sich gegen bie neulichen Ausführungen bes 3Uidtö-- kanzlers unb hält seine Ausführungen bezüglich ber Verhältnisse ber Lanbwtrthschaft in Westpreußen voll aufrecht. * Abg Dchraber (bfr.) befürwortet bie Lohnklassen. Die Einheitsrente würbe dem Gesetze vollends den^Character der Verbesserung der Armenpflege aufdrücken. Bei der hierauf folgenden Abstimmung wird der Antrag 0. Pfetten angenommen die Zur Debatte stehenden Paragraphen in der Fassung Buhl, alle anderen Anträge aber abgelehnt. — S 17 normirt die Beiträge nach ven Lohnklassen. Es liegt hierzu ein Anttag Buhl (nl.) vor, der auch für S 17 eine veränderte Fassung vorschlägt. Die weiterm Anträge Brandt sind im Prinzip des S 16 erledigt unb kommen hier nicht mehr in Betracht. , Abg.Schmidt-Elberfelb(bfr.) bemängelt nochmalsbierechnungsmäßigen Grunb- I?0earJ$rc? c Beitragspflicht; ihm tritt Reg -Commissär 0. Woebke entgegen, ebenso die Abg- Hegel (kons.) unb Buhl (nl.) Bei der Abstimmung wird -in neuer § 16a c,«gefügt, der die Gewährung von Invalidenrente nach bem früheren S 7a betrifft. S 17 wird in einer nach bem Anträge Buhl verlangten rebaktionell veränderten Faffung angenommen. S 18,, welcher die Ausbringung d-r jährlich zu berechnenden Renten betrifft, rvrrd unverändert angenommen. qtu § behandelt ben von ber Versicherungsanstalt aufzubringenden Theil der Attersreme. . Buhl bezweckt die in der Vorlage nach Beitrags jähren berech- neten Beitrage der einzelnen Lohnklassen nach Wochen beiträgen umzurechnen. , . ?bg Lohr en (Rp.) bekämpft bei dieser Gelegenheit das Prinzip des Kapital- Decrungsoerfahrens, das kolossale Summen ansammele und zu unveräußerlichem Eigen- thum der Versicherungsanstalten mache. Diese Einrichtung sei im höchsten Maße gefährlich. Bundes-Commissär v. Woedtke bekämpft die Anschauungen des Abg. Lohren als unzutreffend und nicht einer richtigen Berechnung entsprechend. Abg. o.Kardorff (Rp.) betont', daß Lohren nur eine vollständig singuläre Stellung in der Partei einnehme und seine Ansicht sonst nicht getheilt werde. Abg. Lohren erwidert daß er nach dieser Erklärung gegen das Gesetz stimmen werde, um seine Stellung deutlich zum Ausdruck zu bringen. t n „Abg. Prinz Carolgth (Rp.) bedauert die Erklärung des Abg. v. Kardorff, bezüglich Lohrens, zu ber keine Veranlassung vorlag. .. n Abg- v. Kardorff (Rp.) erwidert, daß Herr Lohren, von dem, was er für « -5-. 'UNS vorhatte. Niemanden in der Fraktion Kenntniß gegeben; nach seinem Auftreten könne: Herr &>bren gar nicht anders, als gegen die Vorlage stimmen. Abg. Lobren (Rp.) hAt nochmals seine Berechnung aufrecht, wonach zur Aus- führung d^ sozialpolitischen Gesetze ein laufender Betrag von 400 Millionen Mark erforderlich sei, was ein Capital von 12 Milliarden repräsentire. Bunbes-Commissar v. Woebke bestreitet die Richtigkeit bieser Berechnung, b löa wtrd mit ben rebactioneUen Aenberungen nach bem Anträge Bubi angenommen. . , N mcri)en debatteloS unb nur mit Aenberungen nach ben Cartell- anträgen (Buhl u. Gm.) angenommen. c Qn« den Abgg. v Stolberg und Hahn (kons.) ist die Einfügung eines neuen udd)? ^b Ernchwng besonderer Alters- und Invaliden-Kassen bei den Berufsgenoffenschasten bezweckt. — Der Anttag wird abgelehnt. Die SS,31—57 werden ohne wesentliche Aenberungen, die anderweit beantragt waren, genehmigt. 3 gicrauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr. Tages-Ord- rmng: Forffetzung der Berathung. — Schluß 5V< Uhr. 7 Nachdem der Jubilar feinen Platz eingenommen, wurden vier Verse deS von ihm selbst gewünschten Liedes „Wer nur den lieben Gott läßt walten" gesungen. Herr Direktor VtgeliuS hielt alsdann an den Jubilar eine herzliche Anspiache, worin er hauptsächlich auf das lange und' segensreiche Wirken desselbm in feiner Schule hinwies, und wie es ihm gelungen fei, feine Söhne zu tüchtigen Männern heranzubilden, welche es zu hohen Stellungen gebracht hätten. Herr Lehrer Schmidt sprach hierauf im Namen des Lehrer-Collegiums und feierte den Jubilar als einen humanen, treuen, offenen und stets hilfebereiten Collegen, der auch ein Herz für die Thiere habe und auch feit einiger Zeit Präsident des Thier- schutz-Vereins fei. Im Namm des Lehrer-Collegiums überreichte Herr Schmidt dem Jubilar einen Regulator mit dem Wunsche, daß derselbe ihm noch viele frohe Stunden verkünden möge! Mit einem dreifachen Hoch auf den Jubilar schloß Herr Schmidt seine Ansprache. Classe Ha, IVa und IIIb überreichten Blumensträuße, Classe Id die Kaiserbüfte Wilhelms IL nebst einem Blumenstrauß und Classe II b die Büste des Kaisers Wilhelm I. nebst einem Blumensträuße — alle mit entsprechender Ansprache. Herr Beigeordneter G n a u t h sprach im Namen der Stadt Gießen dem Jubilar für sein langes, segensreiches Wirken in dieser Stadt seinen Dank aus, wünschte demselben einen langen frohen Lebensabend und überreichte ihm einen silbernen Pokal. Herr Direktor Vigelius gratulierte Herrn Curschmann im Namen der Staatsregierung und überreichte ihm im Auftrag derselben das von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog verliehene Ritterkreuz II. Klasse Philipps des Grotzmüthigen. Herr Lehrer Anbei überreichte Herrn Curschmann die Gratulation des Vorstandes der Luvwig- unb Alicen-Stiftung. Mit bewegten herzlichen Worten dankte Herr Curschmann jedem Einzelnen der Anwesenden, sowie jeder Schülerin. Damit war die schöne und würdige Feier in der Schule beendet. Allen Theil- nehmern wird dieselbe unvergeßlich bleiben. Im Laufe des Vormittags brachte Herr Polizeirath Fresenius dem Jubilar im Namen der Mitglieder des Vorstandes des Thierschutz-Vereins die herzlichsten Glück- wünsche dar und überreichte Herrn Curschmann die Urkunde der Stiftung seines Namens, welche sich auf 1294 JL. beläuft. Die Zinsen werden alljährlich im Sinne des Jubilars zu Weihnachten für arme, bedürftige Kinder verwendet. Auch die Lehrer der Stadtschulen gratulierten Herrn Curschmann durch eine Vertretung und überreichten demselben eine geschmackvolle Adresse. Noch viele Andere gratulierten Herrn Curschmann zu feinem 50jährigen Jubiläum im Laufe des Tages in der herzlichsten Weise. Ein gemeinsamer Ausflug des Lehrer-Collegiums der höheren Mädchenschule nach Wetzlar bildete den Schluß des Festtages. Möge es Herrn Curschmann vergönnt sein, im Kreise seiner Lieben und im Verkehr mit seinen Collegen und Freunden in ungetrübter Gesundheit und in voller Rüstigkeit noch viele Jahre zu verleben! A. Gießen, 23. Mai. Die am Mittwoch im Einhorn ftattgefunbene Feier des Geburtstages Richard Wagner's durch den hiesigen Wagner-Verein ist in würdigster und schönster Weise verlausen. Ohne uns kritisch auf Die einzelnen Leistungen einlassen zu wollen, conftatiren wir doch gern, daß die fast ausschließlich aus Dilettanten bestehende Vereinigung ihre Lebensfähigkeit und Lebensberechtigung klar und deutlich erwiesen hat. Aus der Zusammensetzung des Programms haben wir mit Genug- thuung bemerkt, wie der Verein neben der Propaganda für die Schöpfungen ihres Meisters und der Bayreuther Idee auch die Pflege guter Musik im Allgemeinen sich zur Aufgabe gestellt hat. Einem solchen Streben dürste die Unterstützung des guten Publikums nie fehlen. Zlaiverstttts - tzhrouik. Leipzig, 21. Mai. Der Erbgroßherzog Ernst Ludwig von Hessen ist gestern als Student der Rechte und Kameralwissenschaften an hiesiger Universität im matrtfulirt worden. Friedberg, 21. Mai. Der heutige Tag brachte uns einige schwere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen. Das Wasier hat vielfachen Schaden gethan in den Gärten und der Promenade um die Stadt. In den niedrigen Theilen der Stadt, so in der Burgoorstadt, liefen die Höfe und dte Keller voll Wasser, auf den Feldern wurden die Kartoffeln herausgeschwemmt und die sehr kräftig stehende Frucht vollständig gelegt. Der Blitz hat mehrfach in Steinhaufen und Bäume eingeschlagen. Berlin, 21. Mai. 3000 Maurergesellen haben gestern beschlossen, nachdem die Unterhandlungen mit den Meistern resullatlos geblieben sind, heute die Arbeit ins- gefammt so lange einzustellen, bis ihre Forderungen bewilligt werden. Letztere sind: Herabsetzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden, Vi Stunde Pause zum Frühstück, eine Stunde zum Mittagessen, eine zur VeSper, ferner des Samstags und an den Vorabenden der Feste eine Stunde früher Feierabend, die voll zu zahlen ist (!), endlich Erhöhung des Arbeitslohnes von 50 auf 60 Pfg. pro Stunde und vierzehntägige Kündigungsfrist. Westerland auf Sylt, ttn Mai. Die Kinderhellstätte im Nordseebade Westerland Sylt, deren Verwaltung in der Person des zum Schriftführer gewählten Herr» Pastor Carstens in Westerland eine treffliche Ergänzung gefunden hat, wird in diesem Jahre am 15. Juni unter der bisherigen bewährten Leitung von Schwestern der evangelisch - lutherischen Diakonissen - Anstalt in Flensburg wieder eröffnet werden. Während im Uebrigen die Aufnahmebedingungen gegen das Vorjahr unverändert geblieben sind, ist die Verwaltung diesmal in der besonders erfreulichen Lage, neben den drei halben auch noch zwei ganze Freistellen in jedem Kurturnus vergeben zu können. Die Mittel für diese ganzen Freistellen hat der stellvertretende Vorsitzende, Herr Pastor Gleiß in Westerland, gesammelt, an welchen Bewerber um diese Stellen sich zu wenden haben. Alle sonstigen Aufnahmegesuche, auch diejenigen für halbe Freistellen, sind an den Vorsitzenden der Verwaltung, Herrn Seebade-Director Pollacsek in Westerland, oder zu Händen der leitenben Schwester, zu richten. — Außer der Kinder- beilftätte bestehen in Westerland jetzt auch zwei wohleingerichtete Pensionate unter Leitung gebildeter und sachkundiger Damen, um erwachsene, jedoch ohne Begleitung von Angehörigen zum Kurgebrauch nach Sylt kommende junge Damen unter Schutz zu nehmen und ihnen ein freundliches Asyl zu gewähren. — Das vierte deutsche Preiskegelfest wird in Magdeburg vom 20. bis 24. Juli abgehalten. Am Montag den 22. Juli, Morgens 9 Uhr, beginnt die Generalversammlung im Concerthause (kleiner ©aal). Von Morgens 8 Uhr bis Abends 7 Uhr findet Preis-, Wett- und Concurrenzkegeln auf den in der neu errichteten Kegel- Halle und im Garten neu erbauten 18 Asphalt- und Bohlenbahnen statt. Am Dienstag den 23. Juli wird von Morgens 8 Uhr bis Abends 6 Uhr das Preis- und Wettkegeln fortgesetzt. Nach Zusammenstellung der Listen erfolgt die feierliche Abdankung des alten und Ausrufung deS neuen Kegelkonigs und die Preisvertheilung durch den Vorsitzenden des Centralvorstandes. — Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industtieller belief sich die Roheisenproduction des Deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat April 1889 auf 372 742 Tonnen, darunter Puddelroheisen und Spiegeleisen 170 059 Tonnen, Bessemerroheisen 36 701 Tonnen. Thomasroheisen 120 670 Tonnen und Gießereiroheisen 45 312 Tonnen. Die Production im Aprll 1888 betrug 349 880 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. April 1889 wurden probucirt 1455 265 Tonnen gegen 1395 455 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Handel und Verkehr. Limburg. 22 Mai. rFruchtmarkt). Rother Weizen JL 16.05, weißer Weizen JL 15 85, Korn utL 11.65, Gerste JL 8.50, Hafer JC 7.05, Erbsen X 00.00, Kartoffeln JL 0.00. Frankfurt, 22. Mai. Erbsen ganze pr. Pfd. 12—18 H, do.geschälte 14-184. Linsen 18—28 H, weiße Bohnen 16—18 H, Kartoffeln 100 Ko. ut 0,00—0,00, do- per Gescheid 10- 12 4. Butter per Pfd- JL 1,25—1,40, Eier das Stück 5-6 4, Blumenkohl per Stück 50—80 4, Wirsing per Stück — 4, Zwiebeln per Md. 7-9 4, Weißkraut per Stück — 4, Gelberüben per Portion 15—20 4. Wärmegrade der Lahn und der Luft gemessen nach Reaumur am 23. Mai zwilchen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 16 Grad, Luft 20Vi Grad. L. Chr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer. EMsdit«- btt israelitische« KeligmsgMschgft. Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Vormittag 8oo Uhr, Samstag Nachmittag 330 Uhr, Samstag Abend 840 Uhr. Dienstag den 28. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden im Auftrag der Wilh. Pfeil II. Gebe« auf hiesigem Ortsgericht dte denselben zustehenden Immobilien: Flur 1 Nr. 1205 — 87 m Hofraithe in der Sandgaffe, Flur I Nr. 1217 — 19 m Hofraum, Stall und Miststätte daselbst versteigert- Bei entsprechendem Gebote kann der Zuschlag sofort ertheilt werden. Großherzogliches Ortsgericht- I- V: Hoffman«. 4423 Aeikgevotenes. Freitag früh: in vorzüglicher Etspackung: lebendfrische Schellfische, Maifische, 'Hechte, Seezungen, Salme, Backfische, Krebse. A. Koch Nacht. 4411 Hamburger Fisch- u. Delicateffen-Handl. r flaröinen r ♦ offerirt in hübschen Mustern ♦ Wilhelm Attig, ♦ ♦ 4416] 9 Seltersweg 9. ♦ Mr Confirmandinnen empfehle Sonnenschirme mit schönen Ausstattungen, Korsetten, Glacehandschuhe, Krausen, Spitzen rc. zu billigsten Preisen. [4216 A. Fangmann, | Allgemeiner Anzeiger. Gießener Bienenzüchter-Verein. Sonntag den 26. Mai, Nachmittags 2V2 Uhr: Versammlung bei Felsing, Neuenweg. Vortrag: Bienenfeinde. 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Dagegen findet an demselben Abend Generalversammlung im Vereinslocale statt. Um zahlreiches Erscheinen roirb gebeten. Der Vorstand. [4405 Die Direktion. 24./5. ’W|jr. Tons. I. Gr. 4383 werden zu der \ Dienstag den 28. Mai L I., Abends 8 Uhr, im großen Saale des Cafe Leib dahier abzuhaltenden 30. orhentficOni flenernfoerfammfunn ergebenst eingeladen. Die Mitglieder der Gewerbebank zu Giessen eingetragene Genossenschaft Statt jeder besonderen Anzeige Verwandten und Bekannten die traurige Mittheilung, daß unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter, JSalftttritte Weis emittier) geb. Stroh, heute Nachmittag 6 Uhr dem Herrn sanst entschlafen ist. Gießen, den 22. Mai 1889. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 3 Uhr vom Sterbehause, Löwengaffe 25, aus statt. 4407 hd ---- Großes Sortiment, billigste Preise. 4418 CourSd^rieht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft. frankfurter Börse vom 23. Mai 1889. 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Tagesordnung: 1) Erstattung des Geschäftsberichtes pro 1888, 2) Ausschluß einiger Mitglieder, 3) Ersatzwahl der ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrathes, 4) Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahres-Rechnung und über die dem Voi stände und Aufsichtsrathe zu erlheilende Decharge, 5) Vertheilung des Reingewinnes und 6) Beitritt zu dem Hessischen Revisionsverbande. Der Rechenschaftsbericht pro 1888 liegt der heutigen Nummer des „Gießener Anzeiger" bei. Gießen, 24. Mai 1889 Gewerbebank zu Gießen, eingetragene Genoffenschast. Der Vorsitzende des Aufsichtsrathes: Aermielyungen. 4394 Ein kl- Logis (3 Stuben) an der Nordanlage zu vermiethen- Näheres Neuen Bäue 25. 4396] Mittel - Stock mit Zubehör zu vermiethen- Eichgärten 10. 4415 Ein möblirtes Zimmer zu ver- miethen. Flügelsgasse 22. 4413 Ein neu hergerichtetes Zimmer mit zwei Kadineten an eine einzelne Person zu vermiethen._________Hammftraße 1. Ein Logis „Erlengusse 15“ zu vermiethen. Näheres Neuenweg 15. 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Unterrichtsstunden und Badezeit für die Schuljugend Aid an den Wochentagen Vormittags von 10—12 Uhr und Nachmittags von 3-7 Uhr, an Sonn- und Feiertagen nur Vormittags von 6—12 Uhr. In diesen Stunden wird gute und strenge Aufficht geführt so dafi die verehrlichen Eltern rn jeder Beziehung beruhigt sein können. Ich lade zum Abonnement ganz ergebenst ein und bemerke, daß alles Nähere in der Anstalt, wo auch die Liste zur gefälligen Einzeichnung offen liegt, zu erfahren ist. L. Chr. Rübsamen, ____________________Turn- und Schwimmlehrer.__________ Das Adressbuch der Provinzial - Hauptstadt Gießen für das Jahr 1889 ist erschienen. Preis 3 Mark. Zu beziehen durch die Schreibmaterialienhandlung Disconto-Commandit-Anth. Darmstädter Bank-Act. Oesterreich. Credit 238.10 171.50 256.00 Oester reich. Staatsbahn-Actien 207 00 Lombard. Eisenbahn- „ 97.37 Galizische do. „ 177 50 20 Francs-Stücke 10 do. 16.24-16.28 16.21-16.25 Tendenz: Engl. Souvereigns Dollars in Gold ruhig fest. 20-40-20.44 418-4.21. Telegraphischer Lomrdericht der B Oesterr. Creditactien 166.90 Oesterr. Staatsbahn-Aclien 103 90 Laura-Actien 127 60 Darmstädter Bankactien 170.75 erlmrr Börse vom 23. Disconto-Com.-Anthkilc Lombarden Ostpreußen Bochumer Gußstahlactien Mai 1889. 238 00 54.00 117 10 205.75 4% Gießener Obl. 103.40 | 5% BuderuS Obl. _______ ReichSbank-Disk. 3%. — Franks. Bank-Disk. 3°/o. 10500 ^rühl'lchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage. Heilage zu Dir. 120 öes „Achmer Anzeiger" Völkische Rundschau. Gießen, 23. Mai. Mit fast südländischem Enthusiasmus hat die Bevölkerung der Reichshauptstadt die.erlauchten Gäste Kaiser Wilhelms, den König Humbert und den Kronprinzen Victor Emanuel von Italien, bet ihrer programmgemäß am Dienstag Vormittag erfolgten Ankunft und ihrem Einzüge in das überaus festlich geschmückte Berlin begrüßt. Alle Meldungen über die Berliner Empfangsfeierlichkeiten stimmen darin überein, daß wohl kaum jemals ein fremder Souverain in der Hauptstadt des deutschen Reiches mit so brausendem Jubel, mit so aus echtem Volkesherzen kommender Begeisterung ausgenommen worden ist, als jetzt König Humbert und in dieser so herzlichen Begrüßung des königlichen Gastes aus dem Süden gelangte offenbar die Empfindung ! weiter Volkskretse, in dem Herrscher Italiens nicht nur den persönlichen Freund, sondern ! auch den treuen Verbündeten Kaiser Wilhelms begrüßen zu können, mit zum spontanen 8 Ausdrucke. Auch durch die farbenprächtige und mit künstlerischem Verständnisse aus- ! geführte Ausschmückung der vom gleichfalls herrlich deeorirten Anhaltischen Bahnhofe zum königlichen Schlöffe führenden Einzugsstraßen hat Berlin seine hohe Freude über den Besuch des erlauchten italienischen Monarchen bekundet und hierüber geruhte König Humbert dem Oberbürgermeister v. Forckenbeck und dem Stadtoerordneten- Vorsteher Dr. Stryck, welche beide Herren dem König durch den Kaiser selbst vorgestellt wurden, seine huldvollste Anerkennung auszudrücken. Die Begrüßung zwischen König Humbert und seinem kaiserlichen Gastfreund vollzog sich in denkbar herzlichster Weise, daneben begrüßte der König besonders den Reichskanzler Fürsten Bismarck in gewinnendster Weise und auch das Wiedersehen zwischen letzterem und dem italienischen Ministerpräsidenten Erispi war augenscheinlich ein freudig bewegtes. Beide Staatsmänner saßen auch beim Einzüge der Fürstlichkeiten zusammen in einem Wagen und sie wurden von der Volksmasse immer wieder mit jubelnden Zurufen empfangen. — Rach der Ankunft im Schlosse ward hier König Humbert von der Kaiserin Victoria Augusta begrüßt; es war die erste Begegnung zwischen ihnen und entsprach sie in ihrer Herzlichkeit ganz der unfern Kaiser mit dem König verbindenden innigen Freundschaft. Nachdem der König und der Kronprinz Victor Emanuel einige Zeit sich in ihren Gemächern von den Anstrengungen der langen Eisenbahnfahrt erholt, erschienen sie zu der am Nachmittag des 21. Mai bei den kaiserlichen Majestäten veranstalteten Frühstückstafel und fuhren später, geleitet vom Kaiser und vom Prinzen Heinrich, nach Eharlottenburg zum Besuche des Mausoleums, woselbst König Humbert einen prachtvollen Kranz am Sarge Kaiser Wilhelms I. niederlegte. Am Abend fand im Bildersaale des Berliner Nesidenzschlosses große Galatafel statt. Am Mittwoch Vormittag wohnten der König und der Kronprinz der in glänzendster Weise verlaufenen Parade der Garden auf dem Tempelhofer Felde bei, auf welche 1 Uhr Frühstück im Schlosse folgte. Abends 6 Uhr fand daselbst große Parade-Galatafel statt, woran sich ein Besuch im Opernhause schloß. Dem Reichstage soll ein nochmaliger Nachtragsetat wegen Ostafrikas zugehen, da die 2 Millionen für die Wißmann'sche Expedition angeblich schon verbraucht sind. Von anderer Seite wird dagegen behauptet, daß sich der erwartete Nachtrag auf die Uebernahme der Landesverwaltung von der Neu Guinea-Compagnie auf das Reich beziehe. Immer erfreulicher lauten jetzt die Nachrichten aus dem Gebiete des rheinisch- westfälischen Bergarbeiter-Strikes. Mit Dienstag haben im Bezirke des Ober- bergamtes Dortmund zahlreiche Bergleute die Arbeit wieder ausgenommen und arbeiteten an diesem Tage im Ganzen wieder 73,995 Bergleute; auf einer Anzahl von Zechen hatten die Belegschaften nur infolge eines Mißverständnisses die Arbeit noch nicht ausgenommen. Im Essener, Bochumer und theilweise auch Aachener Revier, ferner in den Zechen des der Verwaltung des Assessors Krabler unterstehenden Kölner Bergwerksvereins arbeitet ebenfalls wieder Alles. Auch in den schlesischen Kohlenbczirken macht sich endlich eine Wendung zum Bessern bemerklich; in den Kohlenwerken bei Gottesberg und auf der oberschlesischen Grube „König" sind die strikenden Bergleute nach theilweiser Erfüllung ihrer Forderungen wieder angefahren. Dagegen ist seit Dienstag unter den sächsischen Bergarbeitern des Zwickauer Reviers der Strtke in aller Form proclamirt worden. Die Berliner Reise des Königs von Italien hat, wie in Italien selbst, so auch in Oesterreich-Ungarn ein freudiges Echo gefunden. Fast sämmtliche tonangebende Wiener und Pefter Blätter besprechen die Reise in sympathischen Artikeln und betonen hierbei, wie sehr der Besuch des italienischen Herrschers am Hofe von Berlin die bestehenden Friedensbürgschaften erneuere und bekräftige. nn. Darmstadt, 22. Mai. sZweite Kammer der Stände.) Die Kammer setzt heute die Berathung über den Antrag Osann, den Betrieb von Wirthschaften und den Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus betr., fort und treten auch heute verschiedene Ansichten über' die Nützlichkeit des frag!. Bedürfnißnachweises bei den verschiedenen Rednern zu Tage. Im Allgemeinen tritt die Ansicht hervor, daß Seitens Großh. Regierung an eine Revision des fraglichen Gesetzes vielleicht gedacht werden mötze, da hierdurch gewiß viele jetzt laut werdende Klagen bezüglich des bestehenden Bedürfnißnachweises beseitigt würden. Abg. Rack 6 bringt noch folgenden Antrag ein: In Anbetracht d?r stattgehabten eingehenden Discussion der Frage und der hierdurch heroorgetretenen Wünsche möge Großh. Negierung Veranlassung nehmen, der Frage näher zu treten und das Haus zur Tagesordnung übergehen. Nach hierauf erfolgter Abstimmung wird ein Antrag Jöst auf Aufhebung der ganzen Verordnung mit allen gegen 9 Stimmen abgelehnt, dagegen unter Ablehnung sämmtlicher Ausschußanträge der Antrag Rackö mit großer Majorität angenommen. Es folgt hiernach die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Anstellung eines zweiten Fabrikinspectors betr. Abg- Reinhardt begrüßt die Vorlage mit Freuden und dankt der Regierung für die so rasch erfolgte Erledigung. Denn wer mitten in den Arbeiterkreisen stehe wie er, der wisse, welches Gefühl der Sicherheit bei dem Arbeitgeber und dem Arbeiter hervortrete, wenn der Fabrikinfpector eine Fabrik besichtigt und die Einrichtungen in bester Ordnung gefunden habe. Das gebe ein Gefühl der Beruhigung sowohl für den Arbeitgeber und für ben Arbeiter. Er wolle jedoch einem Gedanken Ausdruck geben, der in ihm bei Gelegenheit der s. Z. stattgehabten Sitzungen der Wormser Handelskammer über diesen zweiten Fabrtkinspector aufgetaucht sei. Er habe es bedauerlich empfunden, daß gerade als es sich um die Berathung dieser Angelegenheit handelte, in diese Commission nicht Arbeiter zugezogen waren. Man müsse dem Arbeiter mit Vertrauen entgegenkommen und bei Fragen, die sein eigenstes Interesse berühren, zur «erathung hinzuziehen. Dann werde auch der Arbeiter Vertrauen entgegenbringen. Man habe gerade in den letzten Tagen gesehen, wohin das Gegentheil geführt und die Ergebnisse der letzten Tage hätten es gezeigt, daß dem Arbeiter Vertrauen und Achtung entgegengebracht werden müsse. „Das einzige Geheimniß des guten Einver- "Ebmens mit den Arbeitern, womit in Worms die Arbeitgeber bestehen baß sie ihren Arbeitern Achtung und Vertrauen entgegenbringen und dieses Vertrauen von denselben im vollsten Matze gewürdigt wird. . .Die Abgg. Jöst. Wasserburg, Rackö sprechen ebenfalls der Regierung Dank aus für die rafche Erledigung der Sache. Nach erfolgter Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses, „die Kammer wolle ihre Zustimmung zur Verwendung von Ueberschüssen der laufenden Finanzperiode für die Anstellung eines zweiten Fabrikinspectors im Betrage von 4600 JC. mit Wirkung vom 1. April 1889 an ertheilen und den Antrag Jöst und Genossen für erledigt erklären", mit allen Stimmen angenommen. Ebenso findet die Vorlage Großh. Ministeriums betr. die Erhöhung des Credits unter Kapitel 84 des Hauptvoranschlags pro 1888/91 um 2143 JL zum Zwecke der Unterbringung des hygienischen Instituts in dem Gebäude des alten chemischen Laboratoriums in Gießen ohne Debatte Annahme. Dagegen enispinnt sich über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Erhöhung der Baukosten für die Kliniken und das pathologische Institut in Gießen um 70500 JL zum Zweck der Einführung der elektrischen Beleuchtung eine lebhafte Debatte. Am Ministertisch erscheint Geh. Hofrath Prof. Dr. Mittler. Abg. Vogt erklärt, er werde gegen die Vorlage stimmen, weil ihm nicht genügend nachgewtesen sei, daß die Einführung der elektrischen Beleuchtung in der Klinik zu Gießen ein unumgängliches Bedürfnis sei. Er bezweifelt auch die Feuersicherheit und weist noch auf die Unrentabilität des Elektricitätswerks in Darmstadt hin, welches bedeutende Summen bereits gekostet habe. Geh. Hofrath Kittler erwiderte, für ihn fei es einerlei, ob das Haus die Vorlage annehme oder nicht. Er könne aber nur hervorheben, wie wichtig die Einführung der elektrischen Beleuchtung gerade bei Krankenhäusern fei- Die von ihm aufgestellten Berechnungen feien genau, was er auf Pflicht und Gewissen versichere. Was die Aeuersicherheit anlangt, so sei es richtig, daß in Folge schlechter Montirung kleinere Brände entstanden seien. Das sei aber kein Maßstab dafür, um eine bei vielen Hunderten von Städten eingeführte Beleuchtungsmethode zu discreditiren; die Feuersicher- heil sei entschieden größer als bei Gas. Was das Darmstädter Electricitätswerk anlange, so habe man bei Anlage desselben gewußt, das dasselbe bei kleinem Consum keine Rente abwerfe. Steige aber der Consum, so sei sicher, daß das elektrische Licht billiger sei als Gas. Präsident Kugler und Abg. Wasserburg bestreiten ebenfalls die Feuersicherheit des elektrischen Lichtes. Nachdem noch Herr Geh. Staatsrath v. Knorr auf die unumgängliche Noth- wendigkeil der Einführung des elektrischen Lichtes sowohl vom hygienischen Standpunkt wie von dem der Feuersicherheit gegenüber den Kranken heroorgehoben, genehmigt die Kammer mit 23 gegen 11 Stimmen den Antrag des Ausschusses, den geforderten Betrag zu bewilligen. Graf Oriola interpellirt noch die Regierung wegen Regelung der Gehaltsverhältnisse der Landschullehrer und bittet um ein etwas beschleunigteres Tempo der Angelegenheit. Hierauf wird die Sitzung abgebrochen, um morgen fortgesetzt zu werden. Vermischtes. nn. Darmstadt, 22. Mai. Gestern Nachmittag ereignete sich in der unteren Rheinstraße ein höchst bedauerlicher Unglücksfall. Frau Zahnarzt Werlb, eine Amerikanerin, welche in ihrem Gig eine Spazierfahrt mit ihrem Kinde machen wollte, wurde sammt ihrem Kinde durch das Scheuwerden ihres Pferdes aus dem Wagen geschleudert und fiel mit dem Kopf auf das Trottoir, wo sie blutüberströmt liegen blieb. Frau W. hat eine bedeutende Kopfwunde davongetragen, während ihr Kind und der Diener unverletzt blieben. Der Wagen ging in Trümmer. A Mainz, 22. Mai. Bei den schweren, theilweise von Hagelschlag und wolkenbruchartigem Regen begleiteten Gewittern, welche gestern gegen Abend in hiesiger Gegend niedergingen, hat der Blitz, wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, sowohl hier wie in umliegenden Ortschaften mehrfach eingeschlagen, glücklicher Weise ohne zu zünden. Hier fuhr ein kalter Schlag in ein Haus in der Neustadt, an dessen nördlicher Seite mehrere sichtliche Spuren zurücklassend. Die Baumpflanzungen in der „Neuen Anlage" wie in der Rheinpromenade wurden mehrfach vom Blitz berührt, ebenso die Telegraphen- und Telephonleitungen, welch letztere theilweise vorübergehend gestört waren. Aus Laubenheim und Nackenheim wird gemeldet, daß der Blitz in zwei isolirt stehende Gebäude gefahren und das Mauerwerk beschädigt hat. In Nierstein hat der Blitz in der längs dem Rheine hinziehenden Allee mehrfache Verwüstungen angerichtet, ebenso in der Rheinallee bei Castel. Einer der dortigen Pappelbäume ist durch den Blitz vollständig seiner Rinde entblößt worden. In Mombach hat der Blitz zweimal eingeschlagen. Am Abend konnte man von hohen Punkten aus in der Richtung der Pfalz einen weiten Feuerschein wahrnehmen, der auf einen großen Brand hindeutete. △ Aus Rheinhessen, 23. Mai. Der Gemeinderath von Oppenheim hat in seiner gestrigen Sitzung sieben iUuftren Persönlichkeiten das Ehrenbürgerrecht ertheilt als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für die Verdienste, welche sich die betreffenden Herren für die Wiederherstellung der Katharinenkirche erworben. — Frankfurt a. M., 22. Mai. Die Lohnbewegung nimmt hier immer größere Dimensionen an. Jetzt sind auch die Brauer in die Bewegung eingetreten. Gestern Abend hielten dieselben im Heymann'schen Saale in Sachsenhausen eine Versammlung ab, die ungemein stark besucht war. Die Diskussion ergab eine völlige Einstimmigkeit in den Forderungen, die sich in folgenden 6 Punkten zusammenfassen lassen: 1. zehnstündige Arbeitszeit, 2. wöchentliche Lohnzahlung, Minimallohn 24 Jt, 3. Beschränkung der Sonntagsarbeit auf höchstens 3 Stunden, für jede Arbeitsstunde am Sonntag sollen 50 H bezahlt werden, 4. Ueberstunden an Wochentagen werden mit 40 H bezahlt, 5. den Brauerburschen steht frei, zu essen wo sie wollen, insbesondere sind sie nicht gezwungen, bei einem Vorgesehen zu essen, 6. in Bezug auf das Vereinsleben darf den Brauern kein Zwang auferlegt werden. Bei der Diskussion wandte man sich namentlich scharf gegen die jetzige Arbeitszeit von 15 bis 16 Stunden, sowie gegen die Sonntagsarbeit. Es wurde ein Comitö von 15 Mitglieder gewählt, das mit den Arbeitgebern verhandeln soll. Werden die gerechtfertigten Forderungen von den Brauereibesitzern nicht bewilligt, so wird Freitag Mittag 12 Uhr in sämmtltchen Brauereien die Arbeit niedergelegt. Die Anwesenden, etwa 500 an der Zahl, traten diesen Beschlüssen durch Namensunterschrift bei. Es herrschte in bet Versammlung seltene Einmüthigkeit. — Heute Nachmittag entgleisten auf der städtischen Verbindungsbahn nächst dem neuen Hafen an dem Extrazug der Kaiserin von Oesterreich — dieselbe kam von Wiesbaden — drei Wagen. Der Unfall nahm einen glücklichen Ausgang. Weder die Kaiserin noch vom Gefolge wurde Jemand nennenswerth verletzt. Eine Dame erlitt eine kleine Verletzung am Kopfe, ein Diener eine solche an der Hand. Die beiden letzten Wagen des Zuges waren bereits entgleist, als der Zug sich immer noch in Bewegung befand. Der Zugführer wurde erst durch das Winken eines Schutzmannes, der den dritten Wagen entgleisen sah, aufmerksam. Ein Wagen ist nicht unbedeutend beschädigt, er ist ganz eingedrückt; zwei andere sind nur auf die Seite gefallen. Die Kaiserin hatte durch den Unfall einen Aufenthalt von ca. einer Stunde. Sie spazierte auf dem Geleise auf und ab. Zur Aufklärung fei noch bemerkt, daß die sogenannte Verbindungsbahn den Hauptbahnhof mit dem hiesigen Ostbahnhof verbindet. Schwarz ganzseid Faille Francaise von Mk. 2.85 bis Mk. 11.60 per Met. — (12 QualJ — versendet roden- und stückweise porto- unb zollfrei das Fabrik-Döpöt r. Thompson“. Schutz- Marke. Allein. 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