Nr. 27?. Freitag den 22. November 1889. Der Hießcutr Anreißer erscheint täglich, mit Aufnahme deS Montags. Die Gießener Wnmikien v käller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. icsiener 71 mein er Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger Avonnementsprei«: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchutstratze Ar.7. Fernsprecher 61. Amts- und Anzeigeblatt den Tksers Grefzsn. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamikienölätter. Alle Annoncen.Bureaux deS ?. >- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, die Wahlen von Kreistagsabgeordneten durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände betreffend. Von den im Jahre 1886 bei Neubildung des Kreistags durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände gewählten 16 Kreistagsabgeordneten muß nach Art- 26 der Kreis- und Provirzial-Ordnung mit Ablauf dieses Jahres die Hälfte ausscheiden. Zum Austritt an dem angegebenen Zeitpunkt wurden in der 22. Sitzung des Kreistags des Kreises Gießen vom 29. December 1888 folgende Mitglieder durch das Loos bestimmt: 1) Oberbürgermeister Br am m-Gießen I I Wahlbezirk 2) Beigeordneter Kell er - Gießen \ (Gießen Stadt). 3) Heinrich Velten Hl.- Großen-Linden, HL Wahlbezirk (Großen-Linden). 4) Gemeinde - Einnehmer Maid-Watzenborn, IV. Wahlbezirk (Watzenborn). ö) Bürgermeister Pracht- Grünberg, VIII. Wahlbezirk (Grünberg). 6) Bürgermeister Jünger-Reiskirchen, IX. Wahlbezirk (Reiskirchen). 7) Bürgermeister Walz-Lich, X. Wahlbezirk (Lich). 8) Bürgermeister Roth - Muschenheim, XI. Wahlbezirk (Eberstadt). Es sind sonach bei den bevorstehenden Ergänzungswahlen in dem I. Wahlbezirk 2, in dem III., IV., VIII., IX., X. und XI Wahlbezirk je ein Abgeordneter zu wählen. Nachstehend wird das Verzeichniß der zu den einzelnen Wahlbezirken gehörenden Gemeinden mit Angabe der Be- völkcrungsziffer und der von jedem Gemeindevorstand zu wählenden Anzahl von Bevollmächtigten mit dem Anfügen bekannt gegeben, daß Anträge auf Berichtigung dieses Ver- zeichniffes binnen einer unerstrecklichen Frist von 4 Wochen, nach Ausgabe dieses Blattes, bei dem Kreisausschuffe anzubringen sind, gegen dessen Entscheidung die Berufung an den Provinzialausschuß innerhalb 10 Tagen offen steht. Gießen, am 16. November 1889. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen. Namens desselben: v. Gagern. Gemeinden Kreistags- Seelenzahl Bevollmächtigte der der Wahlbezirke abgeordnete Gemeindeoorstände: 1. Wahlbezirk (Gießen). Gießen 2 19002 Stadtvorstand. III. Wahlbezirk (Großen-Linden). Großen-Linden 1269 5 Klein-Linden 973 4 Allendorf a. d. Lahn 549 2 Lang-Göns 1446 6 1 4237 IV. Wahlbezirk (Watzenborn). 17 Watzenborn mit Steinberg 1462 6 Leihgestern 1080 4 Garbenteich 687 3 Hausen 354 1 Steinbach 1003 4 Grünberg 1 4586 VIII. Wahlbezirk (Grünberg). 18 2149 9 Beltershain 315 1 Stangenrod 306 1 Stockhausen 158 1 Weickartshain 332 1 Lauter 414 2 Queckborn 606 2 Göbelnrod 204 1 Reiskirchen 1 4484 IX. Wahlbezirk (Reiskirchen). 18 706 3 Climbach 223 1 Allertshausen 240 1 Beuern 998 4 Bersrod 390 2 Winnerod 30 1 Reinbardshain 283 1 Saasen 429 2 Ltndenstruth 289 1 Burkhardsfelden 543 2 Harbach 366 1 Lich 1 4497 X Wahlbezirk (Lich). 19 2550 10 Albach 368 1 Hattenrod 373 1 Ettingshausen 578 2 Nteder-Bessingen 352 1 Münster 327 1 1 4548 16 XL Wahlbezirk (Eberstadt). Eberstadt mit Arnsburg 589 2 Ober-Hörgern 349 1 Holzheim 1158 5 Grüningen 757 3 Dorf^Gill 407 2 Muschenheim mit Hof-Gill 654 3 Birklar 436 2 1 4350 18 Bekanntmachung, die Wahlen zum Kreistage des Kreises Gießen durch die 50 Höchstbesteuerten des Kreises betreffend. Nach vorstehendem Ausschreiben, betr. die Wahlen zum Kreistage durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände haben in diesem Jahre die regelmäßigen Ergänzungswahlen für die aus Grund des Art. 26 der Kreis- und Provinzialordnung ausscheidenden Mitglieder des Kreistages stattzufinden. Da im Jahre 1886 eine Neubildung des Kreistags stattgefunden hatte, so waren die erstmals ausscheidenden Abgeordneten durch das Loos zu bestimmen und treten nach der in der 22 Sitzung des Kreistages vom 29. December 1888 vorgenommenen Ausloosung folgende durch die 50 Höchstbesteuerten des Kreises gewählten Mitglieder aus: 1) Rentner A. Heß in Gießen, 2) Rechtsanwalt Hirschhorn in Gießen, 3) Geh. Hofrath Professor Dr. Streng in Gießen, während das Kreisausschußmitglied Dr Dittmar durch seinen Wegzug nach Darmstadt aus dem Kreistage bereits ausgetreten war, sodaß die Ausloosung eines vierten Abgeordneten unterbleiben konnte. Für diese 4 ausscheidenden bezw. ausgeschiedenen Mitglieder, welche jedoch soweit sie durch das Loos zum Austreten bestimmt wurden, wieder wählbar sind, haben Ersatzwahlen durch die 50 Höchstbesteuerten des Kreises stattzufinden. Unter Bezugnahme auf Art. 21 der Kreis- und Provinzialordnung wird nachstehend das Verzeichniß der persönlich oder durch Stellvertreter zur Theilnahme an der Wahl der 50 Höchstbesteuerten des Kreises Gießen Berufenen unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der mit dem geringsten Steuerbetrag Ausgenommene ein Ccmmunalsteuerkapital von 2436 besitzt. Etwaige Anträge auf Berichtigung dieses Verzeichnisses sind binnen einer unerstrecklichen Frist von 4 Wochen nach Ausgabe des Blattes, welches diese Bekanntmachung enthält, bei Meldung der Nichtberücksichtigung bei dem Kreisausschuffe vorzubringen. Gießen, am 16. November 1889. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen. Namens desselben: v. Gagern. Verzeichniß der 50 Höchstbesteuerten des Kreises Gießen. 1. Actien-Brauerei, Gießen. 2. Adami, Heinrich, Gießen. 3, Block, Franz Wittwe, Gießen. 4. Bock, Sigismund, Firma S- Bock & Cie-, Gießen- 5. Briel, Wilhelm, Rechtsanwalt, Gießen. 6. Buderussche Eisenwerke, Gießen und Lollar. 7. Bücking, Ludwig, Gießen. 8. Burk, Ferdinand, Gießen. 9. Clemm, Friedrich Ludwig, Canzleirath, Gießen. 10. Gail, Wilhelm, in Firma: Gg- Phl. Gail, Gießen. 11. Georgi, Ludwig, Gießen. 12. Grobherzogliches Haus, Familieneigenthum. 13. Heichelheim, Moritz Wittwe, Gießen. 14. Heichelheim, Sigismund, Gießen- 15. Hessisch-Rheinischer Bergbauverein, Gießen. 16- Heß, August, Gießen. 17 Heyligenstädt, L. & Co., Gießen. 18. Homberger, Gebrüder & Söhne, Gießen. 19. Jhring, Johann Heinrich, Lich. 20. Katz, Aron, Gießen. 21. Kempff, Ludwig Otto Wittwe, Gießen- 22. Klingspor, Carl, Gießen- 23. Koch, Konrad VI., Gießen. 24. Königreich Preußen (EilenbahnfiScus). 25. Krausgrill, Johann Georg, Gießen. 26. Kretschmar, Gustav, Dr. Professor, Gießen. 27. Mettenheimer, Gg. L- Adolf, Dr., Gießen- 28- Möser, Heinrich 1. Wittwe, Gießen- 29. Müller, Carl, Leihgestern- 30. Noll, Adolf Carl Theodor, Commerzienrath, Gießen- 31. Nordeck zur Rabenau, Freiherr Adcübert, Friedelhausen. 32. Nordeck zur Rabenau, Freiherr Ferdinand Carl, Oberstallmeister, Darmstadt. 33. Nordeck zur Rabenau, Gesammtfamilie- 34. Nordeck zur Rabenau, Baron Carl Erben, Londorf. 35. Nordeck zur Rabenau, Victor Hugo, Rittmeister, Gießen. 36. ' PaScoe, Samuel, Gießen- 37. Ricker, Anton Franz, Gießen. 38. Röhrte, Gebrüder, Gießen- 39- Scheid, Louis, Gießen. 40. Schirmer, Gg- Heinrich Ludwig, Gießen- 41. Schlenke, Carl, Gießen. 42- Solms-Braunfels, Fürst zu, Braunfels. 43. Solms Hohensolms-Lich, Fürst zu, Lich. 44. Solms-Laubach, Graf zu, Laubach. 45. Schwan, Carl H inrich, Gießen. 46. Textor, Friedrich, Gießen. 47. Walderndorf, Graf, Wies .>dcn. 48. Wasserschleben, Erich, Gießen- 49. Will, Heinrich, Dr. Professor, Gießen- 50. Zimmer, Georg Carl, Winnerod. Deutscher Reich. Darmstadt, 20. November. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 27 enthält: Verordnung, die Ausführung des Gesetzes über die Feldbereinigung betreffend. Berlin, 20. November. Kaiser Wilhelm wird in der ersten Dccemberwochc in Fortsetzung seiner Antrittsbesuche bei den deutschen Höfen von Dessau und Darmstadt seinen Besuch abstatten. In der anhaitinischen Residenz sieht man der Ankunft des Kaisers für den 4. December, in Darmstadt für den 6. December entgegen und in beiden Residenzstädten beschäftigt man sich bereits mit den einleitenden Vorbereitungen zu einem würdigen Empfange des Rcichsoberhauptes. Uebrigens bekundet das bevorstehende Erscheinen des Kaisers in Darmstadt, daß eine „Spannung" zwischen dem dortigen Hofe, von welcher bislang immer so viel die Rede war, gar nicht vorhanden gewesen. — Noch auf seiner Orientfahrt, von der Insel Mitylene aus, hat Kaiser Wilhelm in einem an den commandirenden Admiral Freiherrn v. d. Goltz gerichteten Erlaß seine allerhöchste Anerkennung der Thatkraft und Umsicht ausgedrückt, mit welcher Contreadmiral Dein- hard, der Chef des nun aufgelösten deutschen Kreuzergeschwaders in Ostafrika, die Blokade an der dortigen Küste leitete und so erfolgreich durchführte. Als besonderes Zeichen dieser kaiserlichen Anerkennung ist dem Contreadmiral Deinhard der Stern des Kronenordens mit Schwertern verliehen und dem so Ausgezeichneten vom Kaiser persönlich eingehändigt worden. Auch der Leistungen der Offiziere und Mannschaften des Kreuzergeschwaders gedenkt der kaiserliche Erlaß anerkennend. Deutscher Ueid?stag. 19. Plenarsitzung. Mittwoch den 20. November 1889, 1 Uhr. Haus und Tribünen spärlich besetzt. Am Bundesrathstische Dr. v. Boetticher, Frhr. v. Marschall u. A. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: Fortsetzung der 2. Etatberathung, Specialetat Reichsamt des Innern, Capitel: Patentamt. Abg. Henneberg (nl.) fragt, wie es mit der schon längst angekündigten Reform der Patentgesetzgebung .stehe,- er hatte gehofft, daß sich der Reichstag in der gegenwärtigen Session mit der Novelle beschäftigen würde- jedenfalls sei nun zu verlangen, daß die Novelle unter den ersten Vorlagen sich befinden wird, die dem neuen Reichstage zugehen. Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Der Entwurf der Novelle liegt vor und soll demnächst veröffentlicht werden, damit alle Interessenten Kritik daran üben können. Voraussichtlich wird der Entwurf den nächsten Reichstag beschäftigen. Abg. Dr. Hammacher (nl.): Die Zahl der Patentertheilungen ist auffallend zurückgegangen- wenn man sieht, daß in anderen Culturstaaten die Patentertheilungen zugenommen haben, so drängt das zu der Annahme, daß die gesetzlichen Grundlagen des Patentwesens bei uns mangelhaft sein müssen. Auch eine Vermehrung der ständigen Mitglieder des Patentamtes sollte man in Erwägung ziehen- es giebd zu wenig Leute, die dem Patentwesen Lust und Neigung ent- gegeubringen. Das Capitel wird bewilligt. Bei dem Capitel „Reichsversicherungsamt" bringt der Abg. Gebhardt (nl.) die Ausführung der Jn- validitäts- und Altersversorgung zur Sprache. Es gebe weite Kreise, welche dieser Versicherung Schwierigkeiten bereiten. Wird dem Treiben dieser Kreise nicht bei Zeiten entgegengetreten, so werden beim Inkrafttreten des Gesetzes viel Klagen laut werden. Namentlich werden Schwierigkeiten bei der Ausstellung der erforderlichen Lohnbescheinigungen gemacht. Man möge die Behörden über diesen Punkt baldigst mit den nöthigen Instructionen versehen. Für die auS- zustellenden Bescheinigungen sollte jedenfalls Gebühren- und Stempelfreiheit eingeführt werden. Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Seefischer sei zu empfehlen. Staatssecretär Dr. v. Bo etlicher: Die Ausdehnung auf die Seefischer stößt auf Schwierigkeiten- sie wird vor- aussichtlich nur im Wege besonderer Gesetzgebung möglich sein. Die Ausführung der Alters- rc. Versicherung sei zwar wesentlich Sache der Einzelstaaten, doch werde sich voraussichtlich ein Normalstatut aufstellen lassen. Voraussichtlich werde das Gesetz 1891 voll in Wirksamkeit treten. Abg. Klemm (conf.): Man müsse bei Zeiten dafür Torge tragen, daß die Arbeiter sich diejenigen Bescheinigungen beschaffen, welche ihnen ihre Ansprüche sichern, sobald das Gesetz in Kraft tritt. Mit Brochüren, auch wenn sie noch so populär sind, erreiche man das nicht. Die Herren mögen durch Vorträge zu wirken suchen, die den Brochüren vorzuziehen sind. Der Buchstabe tobtet, das Wort macht lebendig. Abg. Baumbach-Berlin (dfr.): Die längst versprochene Novelle zum Krankenkassen-Gesetz steht noch aus, nöthiger aber ist inzwischen eine Novelle zur Unfallversicherung geworden, wobei zu fragen sei: Herr Minister, wie denken Sie über die Berufs-Genossenschaften? — Das Ur- theil über die Organisation der Unfallversicherung sei mit der Zeit ein ganz anderes geworden. Man wird die Berufsgenossenschaften aufheben und durch territoriale Verbände ersetzen müssen. Die Vorstände der Berufsgenvssenschaften behandeln ihre Angelegenheiten ost schablonenhaft, da sie zu weit entfernt von dem Orte' sich befinden, über dessen Verhältnisse sie urtheilen sollen. Die Verwaltungskosten werden zu theuer. DaS Reichsversicherungsamt dagegen verdient volle Anerkennung und hat diese auch bei den Arbeitern gefunden. Staatsseeretär Dr. v. B 0 e tt i ch er: Die Krcmkcn- kassen-Novelle ist bisher nicht vorgelegt, weil wichtigere, dringendere Vorlagen zu erledigen waren. Diese Vorlage wird demnächst an den Bundesrath und dann auch an das Haus gelangen. Die Meinungen über die Berufsgenossenschaften sind auch in der freist Partei geteilt; nach meiner Meinung haben sie sich bewährt und sind auch in der Bevölkerung beliebt. Mängel sind bei allen Behörden zu finden und die hier vorgebrachten Mängel mögen zur Abhilfe drängen, sie sagen aber nichts gegen die Einrichtung an sich. (Sehr richtig!) Die Anschauungen des Vorredners sind vielfach irrig, namentlich über die Thätigkeit der Berufsgenossenschaften. Die Kosten der Verwaltung sind geringer und auch sehr billig geworden gegenüber den Verwaltungskosten der Privatversicherungs-Gesellschaften. Bei diesen betragen die Kosten 16 bis 20 Procent der Brutto-Prämien, bei uns nur 7—9 pCt. Im gegenwärtigen Moment liegt fein zwingender Grund zu einer Revision der Unfallversicherung vor. Abg. Singer (Soc.) stimmt den laut gewordenen Mängeln gegen die Alters- rc. Versicherungen bei. Mit Klemm ist er einverstanden, daß das lebendige Wort zur Belehrung mehr beitrage als Brochüren, vielleicht sorge Herr Klemm dafür, daß auch des Redners Partei diese Belehrungen den Arbeitern ertheilen dürfe, ohne daß derartige Versammlungen der polizeilichen Auflösung verfallen. Die Berufsgenossenschaften haben allerdings in ihrer Verwaltung zu Be- benfen Veranlassung gegeben. In Chemnitz ist es dem Fabrik- inspector aufgefallen, daß die Fabrikbesitzer ihre Maschinen an die Arbeiter vcrmiethen, um dem Versicherungszwange zu entgehen. Von dem Abg. von Kessel (cons.) wird Schluß der Debatte beantragt. Abg. Schmidt-Elberfeld (dfr.) bezweifelt für den Fall der Abstimmung über den Schlußantrag die Beschlußfähigkeit des Hauses. Der Schlußantrag findet hierauf nicht die genügende Unterstützung. Abg. Gebhard (nl.) greift die Darstellungen des freisinnigen ABC.-Buchs für Wähler an, wegen den lügenhaften Darstellungen des Buches über die Alters- rc. Versicherungen. Abg. Richter (dfr.) beantragt zur Geschäftsordnung, das ABC.-Buch auf die Tagesordnung zu fetzen, damit man die dagegen vorgebrachten Unrichtigkeiten widerlegen könne. Abg. Schmidt-Elberfeld (dfr.) tritt für das ABC.- Buch ein, das nicht für Hrn. Gebhard und nicht für die Arbeiter, sondern für die Politiker zum Zwecke einer schnellen Information geschrieben sei. Die Kosten der Unfallversicherung dürften sich noch bedeutend erhöhen. Die Debatte wird geschlossen und das Capitel genehmigt. Bei der Position: vierte Rate zum Bau des Nord- ostsee-Canals, 23J/2 Millionen, schildert der Abg. Lingens (Ctr.) die Baueinrichtungen, die er an Ort und Stelle besichtigt habe und die einen erfreulichen Fortschritt nehmen. Besonders erfreulich sei es, daß die Arbeiter sparen; so sei bei zwei Bauämtern von den Arbeitern die Summe von 17000 «X erspart werden. Unterbringung und Verpflegung seien gut; auch für die Seelsorge sei das Nöthigste geschehen. Der polnische Arbeiter spare am wenigsten, der bayerische am meisten; das komme daher, weil der Pole Schnaps, der Bayer aber Bier trinke. In Bezug auf die Seelsorge sei der Herr Staats- secretär sehr entgegenkommend gewesen, nicht aber der Com- missar des preußischen Cultusministeriums G.eh. Rath Barkhausen, welcher verlangte, daß die Kosten der Seelsorge von dem Osnabrücker Bischöfe getragen werden sollten, oder wenn dieser hierzu nicht im Stande sei, von den Bischöfen von Posen, Gnesen und Breslau. Später hat der Herr Staats- secretär eine Summe bewilligt, doch stieß die Auszahlung dieser Summe von 6000 Mk. auf Schwierigkeiten. Während also das Reich sich entgegenkommend verhielt, stand man in Preußen der Sache ablehnend gegenüber. Die Krankenpflege werde von den grauen Schwestern in zufriedenstellender Weise geübt. Abg. Graf Holstein (cons.) gibt eine kurze Darstellung der Schwierigkeiten bei den Canalbauten. Die Verpflegung, die Krankenverpflegung und die Unterbringung der Arbeiter ist gut. Abg. Singer (Soc.) hat Klagen darüber erhalten, daß die Lebensmittelpreise in den Kantinen sehr theuer seien. Die Arbeiter seien sämmtlich Socialdemokraten und das Lob für diese, tüchtige Arbeiter zu sein, habe man ihnen vorbehaltlos gespendet. Abg. Kalle (natl.) hat Bohnen und Rindfleisch mit den Arbeitern gegessen- das Essen war gut. Der Titel wird genehmigt und ebenso der Rest des Etats deS Reichsamts des Innern. Sodann vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr. Initiativanträge (Befähigungs-Nachweis, Fleischzölle). Schluß 53/4 Mr. Netteste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 20. November. Den „Berl. Polit. Nachr." zu- vlge ging dem Bundesrathe der Entwurf einer kaiserlichen Verordnung zu, wonach § 140 des Jnvalidttäts- und Altersversicherungsgesctzes mit dem Tage der Verkündung dieser Verordnung in Kraft tritt. Der Paragraph bestimmt, daß privatrechtliche Vollmachten, amtliche Bescheinigungen, welche auf Grund des Gesetzes zur Legitimation erforderlich eien, gebührenfrei und stempelfrei sind. Gegenwärtig können die Bestimmungen des Paragraphen auf solche Bescheinigungen und Beglaubigungen nicht angewendet werden, weil der gedachte Paragraph nicht zu den bereits in Kraft gesetzten Bestimmungen des Gesetzes gehört. Berlin, 20. November. Ein Extrablatt des „Reichsanzeigers" veröffentlicht ein Telegramm Wißmanns aus Zanzibar vom 20. d. M., in welchem der Reichscommis- sar meldet: Am 10. d. M. trafen Stanley, Emin Pascha, Jefson, Stair, Dr. Parkes, Nelson, Bonne, Casati, Schiuze, Hofmann und einige Missionare in Mpwapwa ein. Ich erwarte deren Eintreffen in Bagamoyo frühestens am 1. De- cember; der Zustand der Station Mpwapwa ist ganz befriedigend. Berlin, 20. November. Der „Reichsanzeiger^ veröffentlicht einen Bericht Wißmanns, batirt Mpwapwa, 13. October 1889. In demselben theilt er mit, daß Kingo, Häuptling von Simbachwena und Mrvgro, das in ihn gesetzte Vertrauen gerechtfertigt habe; er fei ein offener Feind Bushiris und half die „Rebellen" in die Flucht schlagen- sein Dorf werde befestigt. Am 5. October erfolgte die Ankunft in Mukondokwa, woselbst Bushiri länger gelegen hatte. Die Bewohner brachten Geschenke und erhielten Schutzbriefe. Am 12. October kam die Expedition nach beschleunigtem Marsche in Mpwapwa an, nachdem man durch einen Brief der englischen Missionäre an den inzwischen vertriebenen Lieutenant Giese, den der Reichscommiffar öffnete, von der wiederholten Anwesenhett und Plünderung Bushiris dort Kenntniß erhalten hatte. Der 11. October trafen in Mpwapwa 4 Soldaten von Stanley und einer von Emin ein, welche am 10. August Stanley in Usukowa am Jsangaflusse verlassen hatten, und inclusive 9 Ruhetagen über Noernbo, Nweriweri und das nördliche Ugogo 33 Tage unterwegs gewesen. Dieselben sagten aus: Daß Emin und Casati mit 100 Sudanesensoldaten, viel Volk, viel Elfenbein und Stanley mit sechs Europäern, Nelson, Jephson, Stairs, Parke, Bonny, William und 240 Zanzibariten gleich nach ihnen aufgebrochen seien - fte müßten also am 20. November in Mpwapwa cintreffen. Emin und Stanley hätten mehrfach gegen die Mahdisten, die vom Norden kamen, gekämpft und dieselben zurückgeschlagen und dabei eine große Fahne des Mahdi erobert. Der größte Th eil von den Soldaten Emins bestand darauf, daß ihr Weg in die Heimath nicht nach Süden führe, und Emin habe die Stationen unter das Commando zweier egyptischer Officiere gestellt. Von einer Bewegung der Seit ussi, ebenso von Khartum und Abessinien wußten die Leute nichts. Die englischen Missionäre in Kissowk und Momboia bedürften Schutz, bis das Schicksal über Bushiri entschieden sei, obschon dieselben mit Eingeborenen auf gutem Fuß leben. Ohne Schutz müßten die Missionäre aufgefordert werden, ihre Station aufzugeben. Was die Nachbarstämme betreffe, so werden die Massai nichts Feindliches gegen die Station unternehmen, während die Wahehe, ein räuberisches Gesindel, bei denen sich vielleicht Bushiri aufhalte, mit nur wenig Gewehren im Zaum zu halten sein. Berlin, 20. November. Nach heute beim deutschen Emin-Pascha-Comite eingegangenen telegraphischen Nachrichten sind in Lamu Briefe des Herrn Dr. Peters an- gekommen, welche bis zum 5. October reichen. Die Expedition befand sich zur Zeit in Korkorro und waren sämmt- liche Theilnehmer wohlauf. Die Gerüchte von der Vernichtung der Expedition verlieren durch diese Nachrichten wieder bedeutend an Wahrscheinlichkeit. Queenstown, 20. November. Nach Berichten aus China ist durch die Ueberschwemmung des Dantsekiang eine schreckliche Katastrophe erfolgt. Der Fluß trat am 11. October auf eine Strecke von hundert Meilen aus seinen Ufern, mehr als tausend Personen etranken, etwa fünfzehntausend sind ohne Unterkunft und ohne Lebensmittel. Einige Häfen wurden toeggeriffen; die Ernte ist total vernichtet. Genua, 20. November. Auf dem Bahnhofe von Rapallo fand infolge falscher Weichenstellung ein Zusammenstoß eines Personenzuges mit einem Güterzuge statt - ein Schaffner wurde getödtet und ein Oberconducteur schwer verwundet. Bukarest, 20. November. Die Königin ist heute Vormittag hierher zurückgekehrt und vom König, dem Thronfolger, den Ministern und den Spitzen der Behörden empfangen wotden. Konstantinopel, 20. November. Es verlautet, daß eine Commission, bestehend aus dem Großvezier, dem Minister des Aeußern und dem Justizminister, sich gestern mit der Amnestiefrage für Kreta beschäftigte. Newyork, 20. November. Die Antwort Dom Pedros ( auf die Mittheilung der provisorischen Negierung, daß die ; Republik proclamirt sei, lautet folgendermaßen: „Angesichts der mir am 17. November überreichten Adresse entschließe ich mich, dem Gebote der Umstände 311 weichen, mit meiner ganzen Familie morgen nach Europa abzureifen und dieses geliebte Land zu verlassens dem ich als Staatsoberhaupt während nahezu einem halben Jahrhundert mich bemühte, einen festen Beweis meiner anhänglichen Liebe und Hingebung zu geben. Ich werde Brasilien stets in freundlicher Erinnerung behalten und Hoffnungen für feine Wohlfahrt hegen. — Alle Generale, Richter und andere Civil- und Militär- jerfoneu sollen der Republik Anhänglichkeit erklärt haben. Newyork, 20. November. Ein Telegramm aus Rio de Janeiro bestätigt den Erlaß eines Manifestes der provi- orischen Regierung, welches außer dem bereits bekannten Inhalte noch Folgendes enthält: Den Eingeborenen und Fremden wird Sicherheit des Eigcnthums und Lebens garantirt, der ungestörte Fortgang der Functionen der Armee, der Marine und Justiz wird constatirt und die Aufhebung des Senats und des Staatsraths, sowie die Auflösung der Kammer werden ausgesprochen. Schließlich erklärt das Manifest, daß alle in Betreff der inneren und auswärtigen öffentlichen Schuld, owie die sonstigen gesetzlich eingegangenen Verpflichtungen ’treng respectirt werden sollen. Rio de Janeiro, 20. November. Der Präsident des letz- ten kaiserlichen Ministeriums, Visconde da Curo Predo, hat sich nach Europa eingeschifft. Cocalcs tiitö Provinzielles. Gießen, 21. November. — Am Samstag den 16. November feierte die „Bürger- gesellschaft" in dem reichgeschmückten Leib'schen Saale ihr 25jähriges Stiftungsfest durch Mlisikaufführung, Fahnenweihe und Tanz. Die Arrangements waren mit Geschick und Ge- chmack getroffen und möchten wir der Gesellschaft, die sich vornehmlich geselligen Vergnügen geweiht hat, unfern besonderen Dank dafür aussprechen, daß sie einen so wesentlichen Theil der edlen Frau Musika widmete. — Der Verein hat mit seinem Dirigenten einen sehr glücklichen Griff gethan, Herr Franz Bauer begnügt sich nicht damit, ein guter Dirigent zu sein, sondern er versteht es auch, die Liebe zur Kunst auf seinen Chor zu übertragen. Sv kamen denn die Vorträge wohl vorbereitet und sauber ausgearbeitet zu Gehör, die Leistungen waren nicht gedrillt, sondern erzogen, mit voller Hingebung war Jeder bei der Sache - das zeigte sich sowohl bei den a capella Choren, als bet denen mit Orchesterbegleitung. Besonders trat dies in den Melodramen Columbus zu Tage, es klappte Alles; sehr packend war der markige Schlußchor, durch feine sichere und kraftvolle Wiedergabe. Auch das Orchester, unter Bauers Leitung, bewährte sich vortrefflich. Einen besonderen Dank dem Declamator Lehn, durch seinen durchdachten, feurigen Vortrag hat er sich großen Verdienst um das Gelingen gemacht. Fräulein Moser erfreute durch ein Abt'sches Lied, welches ihr reichen Beifall einbrachte- warum die Befangenheit im ersten Vers? Es waren doch nur gute Freunde im Saale. — Einen ganz besonderen Genuß boten uns die Herren Bauer, Krauße, Huntemann und Krapp durch famose Wiedergabe des Haydn- schen Streichquartetts „Kaiserquartett" - der alte Vater Haydn hat es doch verstanden, zu Herzen zu fprechen. Herr Musikdirector Krauße hatte den orchestralen Theil übernommen, wie immer mit bekannter Geschicklichkeit, selbst Wagner führte er mit feinem Heer siegreich durch. — Außer den genannten sehr reichen musikalischen Gaben stand noch die Uebergabe der Fahne auf dem Programm. Die Frauen und Jungfrauen des Vereins hatten ein prächtiges Banner gestiftet - aner- kennenswerth ist es, daß sie dabei nicht in die Ferne geschweift, sondern die hiesige Fahnenfabrik von Schulze mit bestem Erfolg damit beauftragten. Fräulein Möser, die liebenswürdige Sängerin, übergab in schön gesprochener, gebundener Rede dem Vorstand das Banner, welcher es durch Herrn Gerhardt mit Dankesworten entgegennahm. Ich erspare mir die genaue Beschreibung dieser prächtigen Leistung Gießener Industrie. Im Erker des Herrn Schulze steht das Banner zur Besichtigung. — Stark nach 12 Uhr verklangen die letzten Töne, dann wurde der Jugend ihr Recht eiugeräumt, die sich dieses auch nicht wieder nehmen ließ. Den genußreichen Abend haben viele nicht mit Gute Nacht, sondern mit Guten Morgen verlassen. — Für Militäranwärter. Nach den bestehenden An- stellungsgrundsätzen haben Militäranwärter ihre Bewerbungs- gesuche den Anstellungsbehörden gegenüber, bei welchen sie eingetragen sind, vor dem 1. December jeden Jahres zu erneuern, indem andernfalls ihre Streichung erfolgt. Die bezüglichen Gesuche müssen am 1. December der betreffenden Behörde bereits vorliegen. Die Einberufung der Anwärter erfolgt genau nach der Reihenfolge ihrer Eintragung. vermischtes. Creseld, 18. Novembrr. In einem hiesigen feinen Restaurant fanden sich ein paar anscheinend noble Herren ein, die sich zu einer Partie Piquet zusammensetzten. Die Herren bekamen jedoch bald Differenzen, die schließlich so heftig wurden, daß der eine dem andern fein Weinglas an den Kopf zu werfen unternahm. Der so Bedrohte bückte sich schnell, so daß ein guter Spiegel getroffen wurde, der in vielen Scherben herniederrasselte. Der Kellner verlangte Ersatz des Schadens in Hohe von 45 Mk. Der Fremde zog feine Brieftasche heraus und deponirte einen holländischen Hundertguldenschein. Mit saurer Miene steckte er das Herausgegebene ein und entfernte sich grollend. Als zwei Tage später der Geldschein weiterwandern sollte, stellte es sich heraus, daß er falsch war. Humor in der Culturgeschichte. Zur Culturgeschichte der Erde bringt die Bierzeitung der Akademischen Monatshefte in Bonn u. A. folgende Beiträge: „Eine der beliebtesten Geschichten ist unstreitig die Culturgeschichte. Sie befaßt sich mit dem Menschen und feiner Entwickelung und bewegt sich, wie dieser, auf der Erdoberfläche, weßhalb wir unseren Gegenstand auch so oberflächlich als möglich behandeln vinziellez. * feierte die " ^ib’idjen k7t9 t‘ . e,ncnJ» wesentlich!» ; : ~ Der Verein lot E'ch°n Griff d«, em guter Dirigent ?,e8* M Kunst auf denn die Vorttiiqe jearbtitet iu Gehör, die ‘Ottn erzogen, mit »M »8 zeigte srch sm»h, m denen mit Orchester- ö den Melodramen le5/ sehr packend war der Here und kraftvolle Wieder- Bauers Leitung, bewährte :n Dank dem Declamcuor urigen Vortrag hat er srch gemacht. Fräulein Möser welches ihr reichen Beifall leit im ersten Vers? Es n Saale. — Einen ganz Herren Bauer, Krauße, "e Siebtrqabe des Haydn- tt" i der alte Vater tza^dn zu sprechen. herr Mnfl- calen Theil übernommen, chkeit, selbst Wagner jührte — Außer den genannten mb noch die Uebergabe der e Frauen und Jungfrauen s Banner gestiftet^ aner- nicht in die Ferne geschweift, von Schulze mit bestem äulein Möser, die liebcns- bn gesprochener, gebundener ■ welcher es durch Herrn egennahm. A erspare mu .öchtig« m Schulze d°s B«" Ur »erklangen die letzt« ir M emgeräumt, die sich Den gemiM“ l»tt N°cht, i*1" m,f den beit**« Jaetän®*« ©inberufung ;e ihrcrEmMS^-- ’kn ithv., l°^°bcrh^'d 9t(je6te KM 'S-«**«- 1 haben. Ri° be > be^ E?ro»i= Gl"9c6"«ta, t”"»«! .-"b 8eb>^= '°"w> de» b'e Atisb?^ W* to,n Sein ein« HA Herren ein, *ch-m°° 5 DieS««11 en' .'„n cx* r !*£*-; t »«"45 ^inen rS'^-z aut I* , atnbem'f*'“ be(icf>s ° der @illt bei " 6(, ®eitt«Se' Wte- ® anii die Snt^ä ttit und Lüche,,"' *ln werden. Kassen wir zunächst die Erde in'ö Auge, so sehen wir auf den ersten Blick, daß dieselbe 20 Millionen Meilen von der Sonne entfernt ist. Da der schnellste Eilzug bekanntlich 3620 Jahre brauchen würde, um von der Sonne zur Erde zu gelangen, so ergiebt sich, daß, wenn wir heute mit einem solchen Zuge auf der Erde ankämen, das zweite Zeichen zur Abfahrt in dem Augenblicke auf der Sonne hätte gegeben werden müssen, als Abraham im Begriffe stand, seinen Sohn Isaak zu opfern. Die Erde ist übrigens ein Stern. Die meisten Sterne haben eigentlich keinen Zweck, nur wurden sie früher zur Sterndeuterei verwendet, und mit ihrer Hülfe hat z. B. Wallenstein die meisten Schlachten verloren. Da der Mensch oft lange warten muß, bis er einen Stern zu sehen bekommt, wie z. B. die Seeondelieutenants, so werden die Punkte, wo dies am längsten dauert, Sternwarten genannt. Zur leichten Orientirung der Schuljugend ist die Erde mit Wendekreisen und Breitegraden überzogen. Der größte Theil der Erde ist mit Wasser bedeckt, welches aber nicht trinkbar ift; will man es dennoch trinken, so nennt man es Sauerbrunnen. Da es viele Menschen gibt, die kaum bis fünf zählen können, so ist das Festland in fünf Welttheile getheilt, deren wichtigster Europa ist. Geographisch setzt sich Europa aus mehreren Ländern zusammen. Da ist z. B. Spanien, in welchem Lande meist schlechtes Wetter ist, da die schönen Tage von Aranjuez vorüber sind. Dann kommt Frankreich, welches mit den Pyrenäen an Spanien und mit Wiederwillen an Deutschland grenzt- ferner England, welches gar nicht grenzt und dessen Einwohnern, den Engländern, man am häufigsten in der Schweiz begegnet- Italien, welches zur Aufbewahrung aller Bauten und Bildergalerien dient- Schweden, die Heimath des Jönkopings. Von den Flüssen ist außer der Donau der größte der Rheinstrom, der in Graubünden entspringt, bei Schaffhausen gegen 2 Franks Entree den berühmten Rheinfall bildet und bei Säckingen aus Furcht vor dem Trompeter seinen Lauf beschleunigt, bis er nach der beliebten Rheinreise zur Nordsee gelangt. Der Rhein wird in Deutschland mit Vorliebe zu Liedern und Quartetten verwendet und zwar derart, daß er bei der Loreley gar nicht mehr weiß, was es bedeuten soll. Um auf die Cultur zurückzukommen, so verdanken wir den Grund derselben« den Griechen. Auch die Römer waren recht gebildet. Nomulus und Nemus erbauten Nom; weil sie keine Architekten besaßen, steht die Stadt heule noch. Die Germanen waren ein gut- müthiges Volk - wer ihnen aber in den Weg kam, vor dem wichen sie anständig zur Seite. Später kamen die Franken auf die Bildfläche - wenn ihrer 20 beisammen waren, nannte man sie einen Napoleonsdor. Die Angelsachsen verstanden das Angeln so gut, daß immer mehr Länder an ihrer Angel hängen blieben. Eolumbus ruderte den Wendekreis des Krebses entlang und entdeckte Amerika- er wurde mit Orden und Ketten belohnt, welche später an seinen Füßen hängen blieben. Stephenson fuhr einmal mit dem gemischten Zuge 6,39 von Wetzlar nach Lollar. Das brachte ihn auf die Idee: Sollte es nicht möglich sein, schneller vorwärts zu kommen? Und er erfand die „Loeomotive", u. s. w. u. s. w. Literatur und Kwnft. — Ein musikalisches Familienbuch allerersten Ranges mit 18 Musikbeilagen unserer beliebtesten Komponisten für eine Mark ist soeben erschienen und zwar unter dem Titel »Bell'- Musikalischer Haus« uud Hamilieukaleuder^ für 1890, herausgcaeden von Franz Huldschinsky. (Verlag von R. Boll, Berlin NW.) Zahlreiche künstlerische Zeichnungen auS dem Griffel bekannter Illustratoren schmücken daS mit einem äußerst originellen Einband versehene Buch. Es ist kein Zweifel, daß der Almanach ein echter Freudenbringer für die langen Winterabende fein wird. Wir täuschen uns nicht, wenn wir uns der Hoffnung bingeben, das Buch binnen Kurzem in allen musiktreibenden Familien zu finden. — Kämmel, Deutsche Geschichte, Heft 5—8, ä 1 Mark. Verlag von Earl Höckner, Köntgl. Hofbuchhändler, Dresden. Einer der Hauptvorzüge der Deutschen Geschichte von Otto Kämmet ist die ganz neue auS dem Rückblick von der Gegenwart aus gewonnene Abgrenzung der Perioden. Kämmel findet mit Recht, daß der ganze Zeitraum von 1273-1871 eine einzige große Periode umfaßt: „Die Auflösung des römisch-deutschen KaiserthumeS und die Entstehung des deutschen Bundesreiches." Innerhalb dieser Periode bezeichnet der westfälische Frieden (1648) einen Wendepunkt, der die Periode wieder in zwei Hauptabschnitte gliedert. Der erstere von beiden: „Die Zerstörung des alten Reiches durch die ständischen und kirchlichen Gegensätze" wird in den Heften 5—8 mit derselben feinen Gliederung, lebendigen Anschauung, deutsch-nationalen Empfindung und plastischen Sprache zur Darstellung gebracht, die wir an den früheren Heften rühmend hervorhcben konnten. Mit ganz besonderer Liebe und Meisterschaft ist die Geschichte der deutschen Reformation behandelt. Luther erfchetnt weder blos als der von seiner Zett und seinen Volksgenossen losgelöste Gottesmann, noch auch blos als das Product seiner Zett, sondern zwischen beiden einander gegenüber- stehenden Anschauungen hat Kämmel die richtige Mitte eingehalten. Luthers Auftreten wird vorbereitet durch eine umfaffende Ueber- sicht der wirthschaftlichen Verhältntsie und Eultur in den deutschen Landen, wobei Kämmel mit dem Adle TrithemiuS zu dem Urthetle kommt: -Unsere Zustände sind friedlos geworden." Nachdem auf der breitesten Grundlage die Nothwendigkeit einer gewaltsamen Re- 'ormatton (gegen Jansien und Genosien) nachgewtefen worden ist, ergibt sich der Satz: „Die kirchliche Neugestaltung war nur möglich, wenn sich die innerste Lebenskraft, das tiefe sittlich-religiöse Bewußtsein des Volkes verkörperte In einem großen Manne, das war Martin Luther. Aus LutherS innerstem Wesen, aus dem Geheimniß seines religiösen GeniuS heraus ift der Protestantismus geboren worden und sein empörtes Gewissen war eS, daS in der entscheidenden Stunde den Schleier zerriß, welcher den unversöhnlichen Gegensatz zwischen der herrschenden Kirche und bim Wesen dev EhrtstenlhumS verhüllte." Die folgende innerliche Verflechtung des Lebens und Wirkens LutherS mit der gleichzeitigen Geschichte des deutschen Volkes, die eben zum Theil in LutherS Wirken besteht, ist kaum anderSwo so knapp und formvollendet und so reich an eigenen Gedanken deS DerfafferS ge- geben worden. Besonders diese Darstellung der Reformation erfüllt ganz und gar die hohen Erwartungen, die man nach der Ankündigung deS Werkes an dasielbe zu stellen berechtigt war: hier liegt in der Thal die deutsche Geschichte vor, die wir den gebildeten Deutschen seit langer Zeit wünschen. verkehr, Land- und Poltfwirtbjdjaft Limburg, 20. November. (Fruchtmarkt). RotherWeizen X 16.20, weißer Weizen 00 00 Korn X 13.20, Gerste A 1190, Hafer X 7.20, Erbsen X 00.00, Kartoffeln X 0.00. Frankfurt, 20. November. Erbsen ganze per Psd. 12—18 4, do. geschälte 14—18 4, Linsen 18—28 4, weiße Bohnen 16—18 4, gelbe Kartoffeln per Gescheid 14—16 4, rothe Kartoffeln per Gescheid 12—14 4, Butter per Pfd. X 1,00—1,10 4, Eier das Stück 6—7 4, Blumenkohl 30-70 4, Weißkraut das Stück 8—15 4, Rothkraut 12—25 4, Wirsing 12—15 4- Zar Verbesserung von Suppen, Saucen und Gemüsen sollte Haushalt Kemmerich’s Fleisc^;?xtrac‘ .0.» Das Beste Ist stets das Bllllostel _ Die im In- und Autzlande renommirten FAYs ächten Sodener Mineral-Pastillen, gewonnen aus den Salzen der zur Kur gebrauchten berühmten Gemeinde-Quellen Nr. III. und XVIII. sind in allen Apotheken ä 85 4 erhältlich. 8000 Gottesdienst der israelitischen Ueligionsgesellschast. Freitag Abend 360 Uhr, Samstag Vormittag 830 Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samstag Abend 460 Uhr Extractum malti andes mit überlassen werden. 9315 Seltersweg 18. 8497] deßhalb Die Einleger werden 9375 3^ocM>acfv. £823 25M Peter Althaus, Director. Balthaser Wagner VIII, Controleur. 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Zur Empfangnahme oder Beischreibung der Zinsen pro 1889 für Einlagen zur hiesigen Spar- und Leibkasse sind folgende Zahltage festgesetzt worden: Samstag den 23. November 1889, Eine Eommode und ein Küche«- chrank billig zu verkaufen bei 9160 Schreiner Menget. Kaplaneigasse. Bettfedern, Daunen, Barchent und Federleineu in bester Qualität und zu billigsten Preisen empfiehlt Larl Stückrath, Möbelfabrik u Lager. 19031 Asterweg 47 — Ederftr. 8. 9339 Eine Kaute Pferdemist Grün- bergerstraße 12 zu verkaufen.____________ Blumentische, Sessel, Lanbsägehol,, Pflanzenkübel empfiehlt (9038 Ijouls Looy« Bahnhofftr. 27. Tricottaillen, Tricotkleidchen, Tricotjäckchen empfiehlt in bekannter großer Auswahl und billigen Preisen Robert Haas, Iormularien zum Genoffenfchafts-Negister find zu haben bei Ä 8383 __________ Wilh. Kloc.__. 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Bnschthcrader Eisenbahn-Actien Elbethal-Bahn-Actien Gotthard- ,, „ Schweizer Nordost-Bahn-Acticn West- , e „ Gelsenkt'chener Bergwerks-Actien Oesterr Alpine-Montan- , l,oos<*) sind allerorts in den durch Plaoate kenntlichen Verkaufsstellen zu haben, auch Vielfachen irrthümlichen Meinungen zu begegnen, finde ich mich veranlaßt , zur Kenntnis; meiner werthen Kunden und Gönner zu bringen, daß mein Herrengarderobe Geschäft in derselben Weise wie bisher fortbesteht und keine Unterbrechung durch mein Neben'Geschäft erleidet. Ferd. Drehe» 21 Marktplatz 21. Leonore, seine Frau Luise Lorchen, beider Tochter Anni Christian Wiehberg, 8464] Ein möblirtes Zimmer zu ver- miethen.____________________Asterweg 2. 8548] Gut möblirtes Zimmer mit Ka binet zu vermiethen. Gartenstraße 29. 9093] Möbl. Zimmer zu vermiethen mit ober ohne Kost. Seltersweg 81. 9143| Ein Stübchen nut Bett zu ver- miethett- Katharinengasse 10. 9397] BereinSloeal abzugeben. Gasthaus „zur Traube", Kaplansgasse. M. Weiner, Dammstraße (verlängerte FlügelSgasse.) Verlegte mein Blumengeschäft von Neuen Bäue 17 nach der DabnbofstraKe S, gegenüber der Kaplansgaffe. Ersuche meine geehrten Kunden und Gönner, das bisherige Wohlwollen mir auch in meinem neuen Laden zu Theil werden zu lasten; es wird auch ferner mein Bestreben sein, mir dasselbe in Bezug auf Kranz- und Bouquetbinderei, sowie FriedhofSgetrtn r«i zu erhalten. JVoll Uwe.. Friedhofsgärtnerei, 9096 Bahnhofstraße 8. (tÖnTlöe|djeenmg der Kleinkinder ° Bewahranstalt. Am 4. Adventssonntag, den 22. Deeember d. I., soll die Christbescheerung für die Kinder unserer Anstalt stattfinden. Wir haben in diesem Jahre für 200 Kinder den Chriftbaum zu schmücken und den Tisch mit Gaben zu decken. Um dies zu können, w'nden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn u. dergl., besonders aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Befcheerung für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen. Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben. Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lasten: Fräulein Amalie Bansa (Nordanlage 41), Frau Oberbürgermeister Bramm (Grünbergerstraße 1), Frau vr Brüel (Neuenbäue 41), Frau Amtsrichter Gebhardt (Garten- straße 15), Fräulein Emilie Langermann (Südaulage 21), Frau Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Frau Louise Ottens (Bismarckstraße 11), Frau Auguste Schwan (Seltersweg 64), Fräulein Louise Wortmann (Asterweg 16). Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen. Gießen, den 11. November 1889. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. Dr. Naumann, Pfarrer Kasaenöffnung 71/, Uhr. Anfang 8 Uhr, Ende nach 10 Uhr. Sonntag den 24. November: „Gewonnene Herzen“. von E. Wasserschieben, RaMgeschüst ftranffforter Bdrfe »m» 21. November 1«««. vermischte Anzeigen. Das Fayoniren der Filzhute aus alten Damen- und Herren hüten besorgt rasch und billig 7907 JL KflanynuiiMu* 94 0 Unterzeichneter empfiehlt sich im Anssetzen ttnb «uSputzen jeder Art Feuerungen. Melcher, Ofenputzer, Wetzsteingasse 10. |j«denmädchen in ein Colonialwaaren-Geschäft gesucht. Näheres in der Exped. b. Bl. 9352 IM a r k kostet das Loos. Scblußconrse 1 Ubr 15 Min. 118.00 4 pCt. Ungar. Goldrente Haupt-Ziehung der Weimar-Lotterie December 1889. Hauptgewinn w. SO'OOO Mk. w. Hauptgewinn Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem Verluste unserer lieben Gattin, Mutter, Schwiegermutter und Großmutter, Frau Rebekka Walldorf, sowie für die trostvollerr Worte des Herrn Rabbinen Dr. Levi Jreitag itn 22. 6 M., Abends 8*/2 Mr: ausserordentl. Generalversammlung int Verein-local (Schloßgaffe 9). Tagesordnung: Betheiligung des Vereins durch die Krieger- kameradschaft „Hassta" in Darmstadt. [9390 4 pCt. ©ivhentt Obligationen ReichSoonf-Diskont 5 pEt. ■ — ■ ■_ ■■ Hochstämme und Zwergbäume ■ bedeutende VorraIhe. Obst VMw H vl baumschulen v. Karl Umber , in Liubenhelm b. Mainz. — ' Kataloge umsonst. [8353 Die so beliebt gewordenen Honigkuchen aus garantirt reinem Bienenhonig, mehrmals prämiirt, wieder eingetroffen bei 9398 Ein Windhund zugelaufen. Ditnsiinann Seng. Nittergaffe 23. Vereinskarten gültig:. Ken! Xen! Neu! „Die beiden Leonoren“. Lustspiel in 4 Acten von Paul Lindau. Personen: Otto Kaiser, Justizrath Max Jaskowski. Neues Theater,Giessen (Direction: Adam Reiners). 9396 Freitag den 22. November: Dresdener „ , 174.00 Berliner Handelsgesellsch -Antheile 19^.50 Oesterr. Credit-Actienl , StaatSbabn-Aclien der Dampf-Kaffee-Brennerei M. Schuster, Bonn, dSv. Höchste Auszeichnung Cöln 1889: Goldene Medaille. Verkaufsst.: Heb. Wallach, Giessen, Markt 8. H Flemming, Dresden, Wettinerstr. 4. Auf meiner Baustelle kann Schutt gegen Vergütung abgeladen werden. Einfahrt von der Schillerstraße. Vorläufige Anzeige. Meine Weiiiiiiidils • KiiiisI - Ausstellung eröffne ich Mittwoch den 27. November. Die WeihnachtB-AuöBteÜung; von Büchern Pr chtwerkiu, Jug-ndscdriften re. findet im Geschästsloca statt, die Kunat-Aue-atollung von Photographien, Etichen, Ed-oniobild-rn (sänuntlich mit und ohne Nahmen), Berrolypien re. arrangire ich tn der 1. Etage de« Geschäftshauses. 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Rüe die rasche und allseitige bei dem un» betrogenen «randunglück sogen herzlichen Dank Wieseck, den 20. November 1888. [9385 Heinrich und Philipp Schäfer.