Nr. 18. Dienstag den 22 Januar 1889 Gießener Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. , n , „ • .. w , c , Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohru jvrrreartt Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pft Amtlicher Jheit. Betreffend: Den Gehaltsbezug der Geistlichen. Gießen, am 17. Januar 1889. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die evangelischen Kirchenvorstände des Kreises. Unter Bezugnahme auf das in Nr. 1 des Verordnungsblatts für die evangelische Kirche des Großherzogthums vom 16. l. Mts. enthaltene Ausschreiberr Grobherzoglichen Oberconsistoriums vom 4. l. Mts. beauftragen wir Sie zunächst, die in pos. 3 dieses Ausschreibens geforderten Besoldungsnoten und Berichte bis zum 30. l. Mts. uns vorzulegen. ______________________________________________v. Gagern._________________________________________________________ Betreffend: Schafräude zu Saasen. Bekanntmachung. Die unter den Schafen zu Saasen ausgebrochene Räude gilt nach Abschlachtung sämmtlicher Thiere und Ausführung vorschriftsmäßiger Desinsection als erloschen. Die verhängte Gemarkungssperre wird deshalb hierdurch aufgehoben. Gießen, am 18. Januar 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Betreffend: Die Berichtigung der Forst- und Feldstrafen von der VI. Periode 1888/89. Gießen, am 18. Januar 1889. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir beauftragen Sie, alsbald und jedenfalls noch vor Ende dieses Monats in Ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen, daß die Berichtigung der im Monat Januar 1889 gerichtlich erkannten Forst- und Feldstrasen in den ersten 25 Tagen des Monats Februar 1889 und zwar mit Ausschluß des I2ten, 13ten und 14ten an die betreffenden Distrittseinnehmereien stattzufinden hat und daß nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist gegen die säumigen Schuldner das für sie mit Kosten verbundene Beitreibungsverfahren eingeleitet wird. v. Gagern. Gießen, am 18. Januar 1889. Betreffend: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung; hier: die Gebühren der Bezirksbauauffeher und Sachverständigen für Prüfung genehmigungspflichtiger Bauten. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien deS Kreises (mit Ausnahme von Gießen). Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Einsendung der Berichte vom IV. Quartal 1888 im Rückstände sind, werden an Erledigung der Verfügung vom 1. August v. I. (Gießener Anzeiger Nr. 181, 2. Blatt) binnen 8 Tagen erinnert. v. Gagern. Deutschland. Darmstadt, 19. Januar. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Major Schlegell, beauftragt mit den Funktionen des etatsmäßigen Stabsosficters beim 2. Großh. Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116. Darmstadt, 19. Januar. Wie ein Telegramm aus Berlin meldet, waven Seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog gestern nach der Investitur zum Frühstück bet Ihren Kaiserlichen Majestäten, Nachmittags zu Besuch bei Seiner Majestät dem Kaiser und Abends zur Kaiserlichen Tafel eingeladen. (D. Z) Darmstadt, 19. Januar. Eni lassen wurde am 16. Januar der Verwalter des Provinzial-Arresthauses zu Gießen Heinrich Jakob Merlau. Darmstadt, 19. Januar. Ernannt wurde am 19. Januar der Hilfsgerichts- schretber bet dem Amtsgericht Gießen Carl Beith zum Registrator bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen. Entlassen wurde am 19. Januar der Registrator bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Franz Wolf. Berlin, 20. Januar. Von Seiten verschiedener Tabakintereffenten ist an den Bundesrath eine Petition gerichtet worden, in welcher darum ersucht wird, daß der Dekalo (Abnahme an Gewicht), den die Tabake während der Lagerung beim Producenten erleiden, bei der Steuerbemessung mitberücksichtigt werde. Berlin, 19. Januar. Die Budget-Commission des Reichstags erledigte heute das Extraordtnarium des Marine-Etats. Die erste Rate für den Bau eines Panzerschiffes wird einstimmig angenommen, die ersten Bauraten für weitere drei Panzerschiffe werden gegen die Stimmen des Centrums und der Freisinnigen bewilligt, ebenso diejenigen für den Bau zweier Panzerfahrzeuge gegen die Stimmen der Freisinnigen. Die für den Bau einer Kaserne in Cuxhaven geforderten 220,000 JL werden gestrichen und der für die Verstärkung der Kriegsoorräthe der Bekleidungsämter geforderte Betrag von 678,000 X auf 300,000 x herabgesetzt; alles Uebrige wird unverändert genehmigt. München, 19. Januar. Die Afrikareisenden Andreas Kuentzel, Ingenieur Gerstäcker und v. Stransky sind nach Wttu in Ostafrika abgereist. Bayreuth, 19. Januar. Rach nunmehrigen Bestimmungen werden auch in diesem Jayre in der Zeit vom 21. Juli bis zum 18 August Bühnenfestspiele hterselbst stattsinden. Zur Aufführung gelangen „Parsffal", „Tristan und Isolde" und „Die Meistersinger". Hefierrerch. Wien, 20. Januar. Der Kaiser gab heute zu Ehren des Abends nach Darmstadt zurückkehrenden Prinzen Alexander von Battenberg in der Hofburg ein FamUiendiner. Aravkreich. Pari-, 19. Januar. Der Mtnisterrath beschloß heute auf Antrag des Ministers des offenlltchen Unterrichts, Lockroy, nach Befragen des Ministers des Auswärtigen, Goblet, im Theater Gymnase die Vorstellung des Dramas ,.Der blaue Df fielet" zu untersagen, da dasselbe berechtigte internationale Empfindlichkeiten wachrufen und die einer befreundeten Macht schuldigen Rücksichten verletzen können, indem in demselben, der russische Hof auf die Bühne gebracht werde. Kossand. Haag, 19. Januar. Nach dem officiellen Bulletin bleibt der Zustand des Königs zufriedenstellend. Derselbe verbrachte den Tag ruhig und nahm mehr Nahrung zu sich. Die Nacht war etwas weniger ruhig. Wußland. Petersburg, 19. Januar. Die „Neue Zeit" kündigt für den Sommer das Eintreffen mehrerer fremder Fürstlichkeiten in Rußland an. König und Königin von Dänemark, sowie von Griechenland sollen bereits Anfangs Juli, bezw. Ende Juli ankommen. Der Fürst von Montenegro trifft gleichfalls im Sommer ein. Der Schah von Persien, der schon im Frühjahr anlangt und sodann seine Reise durch Europa macht, kehrt Anfangs Juli nach Petersburg zurück. Bet der im Sommer stattfindenden Vermählung des Großfürsten Paul mit Prinzessin Alexandra von Griechenland wird die Königin von England durch den Prinzen von Wales vertreten sein. Die Prinzessinnen Militza und Anastasia, Töchter des Fürsten von Montenegro, sind gestern hier angekommen und im Ssmolnaer Pensionat abgestiegen. Amerika. Washington, 19. Januar. Der betreffenden Commission des Repräsentantenhauses ist der Bericht über den Gesetzentwurf oorgelegt worden, in welchem beantragt ist, an der Einwanderung in das Gebiet der Vereinigten Staaten arme, unzurechnungsfähige, wegen Verbrechen bestrafte Personen, ferner Anarchisten, Socialisten und solche Personen zu verhindern, welche mit gewissen Krankheiten behaftet sind, endlich Arbeiter, welche keinen Vertrag über Beschäftigung besitzen, im Uebrtgen allen Fremden eine Einwanderungssteuer von 5 Dollar aufzuerlegen. Dieselben müssen außerdem im Besitze von Beurkundungen Seitens der Vertreter der Vereinigten Staaten im Auslande sein. Der den Gesetzentwurf begleitende Bericht der Commission bemerkt, daß viele Arme und selbst Verbrecher von ihren Behörden mit Mitteln zur Auswanderunr versehen würden. Deutscher Reichstag. 23. Plenarsitzung. Samstag, den 19. Januar 1889, 12 Uhr. Haus und Tribünen sind mäßig besetzt. Am Bundesrathstische v. Boetticher, Geh. Räthe Lohmann, Bosse u. A. Capitan zur See Häusner ist zum stellvertretenden Bundesbevollmächtigten ernannt. Die zweite Etatsberathung wird mit dem Special-Etat des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Struckmann (natl.) erwidert bei Staats- fecretair v. Boetticher, daß aus Anlaß des vom Reichstage früher gefaßten Beschlusses betr. Maßregeln gegen die Trunksucht, der Bundesrath Erhebungen veranlaß: habe; es liegen positive Vorschläge vor, die gegenwärtig vom Bundesrath einer genaueren Prüfung unterzogen werden. , Abg. Henning (Rp.) regt die Einbringung eines Retchsoereins g e setz es an. Staatssecretär v. Boetticher: Ein Bedürfniß für eine reichsgesetzliche Regelung ist bisher von k tner Seite zum Ausdruck gekommen, doch ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß eine reichsgesetzliche Regelung einmal erfolgt. Abg. Diffenö (natl.) regt die gesetzliche Regelung des Lagerschein- Wesens an. Staatssecretär v. Boetticher: Die Angelegenheit wird im Reichsjustizamt bearbeitet und es sind dort die Grundzüge festgestellt. Abg. Bebel (Soc.) erklärt gegen die für den Staatssecretär geforderten Re- präsentalionskosten (14 000 Ji) stimmen zu wollen; für untere Beamte seien immer nur schwer Gehaltserhöhungen zu erreichen. Es liegt ferner ein Antrag des Redners vor, die Regierung wolle tn Zukunft die Jahresberichte der Fabrik-Jnspectoren in wörtlichem Abdruck dem Reichstage zur Kenntniß bringen. Es sei unzweckmäßig, die Aufsicht der Jnspectoren auf die Fabriken zu beschränken; wie in England, Oesterreich und der Schweiz werde auch tn Deutschland das Kleingewerbe und die Hausindustrie der Aufsicht der Jnspectoren unterstellt werden müssen. Eine Menge Betriebe sind vorhanden, in welchen die Ausbeulung der Arbeiter eine schauderhafte ist; die Quecksilber-Industrie der Stadt Fürth hat eine ganz anormale Sterblichkeit ihrer Arbeiter auszuweisen. Die Zustände tn der Thüringer Spielwaaren-Jndustrte sind nicht viel besser. Die Arbeitskräfte der Pferdebahnkutscher werden ebenfalls unmenschlich ausgenutzt. Auch im Bäcker-Gewerbe ist die Ausnutzung so groß, daß hier die meisten Schwindsüchtigen unter den Lehrlingen und Arbeitern gefunden weiden. Wenn man die Uebertragbarkett der Schwindsucht durch Bacillen erwägt, so kann man sich eine Vorstellung von der Gefahr machen, die mit solchen Verhältnissen verknüpft ist. Ebenso unerträglich sind die Verhältnisse für die Arbeiter auf den Seeschiffen des Bremer Lloyd. Redner wünscht von den Jnspectoren eine genaue Statistik über die Arbeitszeit und Arbeitslöhne. Die Kosten können dabei nicht in Betracht kommen. Staatssecretär o. Maltzahn-Gültz und die Abgg. Dr. v. Bennigsen (natl.) und Dr. Wtndthorst (Etr.) befürworten die für den Staatssecretär des Innern ausgeworfenen Repräsentattonskosten von 14 000 JL, letztere beiden zugleich Namens ihrer Fracttons Genossen. , , ,,, Abg. Kalle (natl.) kann ein Bedürfntß für den Antrag Bebel nicht anerkennen, da die Auszüge aus den Berichten, wie Bebel selbst anerkenne, durchaus unparteiisch gehalten sind. Erwünscht wäre es, wenn die Regierung den Bestrebungen zur haus- wirthschaftlichen Ausbildung der Arbeiterinnen ihre Aufmerksamkeit schenken wolle. Abg. Lingens (Etr.) ist mit dem Anträge Bebel einverstanden, die Berichte sollten weiteren Kreisen und auch den Groß-Industriellen zur Nachahmung guter Beispiele zugänglich gemacht werden. m r, „ Abg. Frhr. v. Stauffenberg (dfr.) wünscht unter Hinweis auf eine Broschüre von Schönlank eine Beseitigung der größten Gefahren für die Arbeiter tn diesem Betriebe. * Staatssecretät v. Boetticher: Der Quecksilber-Industrie wendet die Regierung ihre Aufmerksamkeit zu und ist namentlich bemüht, dahin zu wirken, daß die Arbeiten in gut gelüfteten Räumen vorgenommen werden und die Zerstäubung des Quecksilbers vermieden wird. Für die Jnspectoren-Bertchte fehlt im Publikum das Interesse, von 1500 Exemplaren kauft das Publikum kaum 300; ein öffentliches politisches Interesse liegt auch nicht vor, ich stelle anheim zu beschließen, welche Ausgabe der Berichte Sie wünschen. ’ Bayr. Bundesbevollmächtigter Ober-Reg.-Rath Land mann bemerkt bezüglich Ler Fürther Quecksilber-Industrie, daß nach stattgehabten Ermittelungen durch das Reichsgesundheitsamt die bayrische Regierung auf Abhülfemaßregeln Bedacht nehme. Abg. Dr. Hartmann (cons.) findet die jetzige Form der Jnspectoren-Bertchte genügend und ist gegen den Antrag Bebel. Abg. Dr. Baumbach (dfr.) wird für diesen Antrag stimmen. Die Berichte Ler Jnspectoren enthalten vielfach Mittheilungen über arge Mißstände in Fabriken, aber man hat nicht gehört, daß die Behörden etngeschritten wären. Im letzten Jahre find den Jnspectoren Erhebungen über das Fabrtklehrlingswesen zur Pflicht gemacht worden; es wäre wünschenswert zu erfahren, aus welchem Grunde und zu welchem Zwecke. Wir sollten uns bemühen, den deutschen Jnspector auf dieselbe Höhe zu stellen, wie den österreichischen Fabrtk-Jnspector; Redner verliest die hierauf bezüglichen Bestimmungen des österreichischen Gesetzes. Staatssecretär v. Boetticher: Diese Bestimmungen sind aus dem deutschen Gesetze entnommen. (Heiterkeit.) Die Erhebungen über das Lehrlingswesen hatten Len Zweck, zu ermitteln, ob eine Ausbeutung der jungen Leute stattfindet. Die Behörden schreiten auf Grund der Jnspcctoren-Berichte überall da ein, wo ein Anlaß gegeben ist. Abg. Hitze (Etr.) anerkennt mit Bebel, daß die Zustände in der Hausindustrie vielfach schlimmer sind als tn den Fabriken. Den Antrag Bebel empfiehlt er zur Annahme. Der Antrag Bebel wird hierauf abgelehnt und das Gehalt des Staatssecretärs webst den 14 000 Jt Repräsentattonskosten bewilligt. Bei dem Titel „Zur Förderung der Hochseefischerei 200 000 ^L" lobt der Abg. Hermes (dfr.) die Thättgkett der Sectton für Hochseefischerei, der wir neue Aufschlüsse über die Naturgeschichte des Herings verdanken. Auch der Abg. Witte (dfr.) spricht anerkennend über das Institut, für das er größere Aufwendungen empfiehlt. Der Titel wird bewilligt, ebenso der Rest des Etats des Reichsamts des Innern. Sodann vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Etatsberathung. Schluß 4»/« Uhr. I p U i e i Gießen, 21, Januar. Herr Kreisingenieur Gnauth ist von den Directoren der Gaswerke in München und Düsseldorf, den Herren Diehl und Grohmann, zum dritten Sachverständigen für Abschätzung des auf städtische Rechnung zu übernehmenden Gaswerks in Bamberg gewählt worden. Man wird in dieser Auszeichnung wohl eine Anerkennung erblicken dürfen für die Thätigkeit unseres Mitbürgers bei Ueber- nahme des hiesigen Gaswerks. X—Gieße«, 21. Januar. sConcert-Verein.s Das gestrige Concert nahm einen künstlerisch reichen und, von einem störenden Unfall abgesehen, recht befriedigenden Verlauf. Die Ouvertüre zu Gluck's „Iphigenie tn Aulis", welche ohne Abschluß gleich zu der großen Arte des Agamemnon überleitet, ist das großartigste Jnstrumen- talstück, welches Gluck geschrieben h..t. Kraft, Würde, Hoheit und ein männlicher Ernst treten in den musikalischen, von den Trompeten energisch gefärbten Motiven hervor, und mitten aus dem Getümmel klingt klagend die Oboe, Schmerz und Ergebung der unschuldigen Iphigenie andeutend. Diese Nummer erfreute sich einer ebenso präcisen als temperamentvollen Ausführung. Herr Professor Alwin Schroeder aus Leipzig spielte das Violoncellconcert (A-moll) von St. Säens, die dritte Serenade von R. Volkmann (D-moll), beides unter Orchesterbeglettung und Solostück für Eello mit Klavierbegleitung von S. Bach,' Fr. Schubert und B. Eoßmann, denen sich als freundliche Zugabe eine Träumerei von Schuhmann anreihte. Als die gehaltvollste und poetisch bedeutendste unter den Serenaden Volkmann's ist jene dritte mit dem Solocello. Der Solist hat darin eine ähnliche Rolle wie der Solobratschist in Berlioz's Haroldsymphonie. Das Cello per- sonifictrt einen Melancholicus, der in allen Lagen immer wieder auf sein Leibthema zurückkommt. Ob der Chor zusttmmt oder widerspricht, der Cellist bleibt bei diesem Motto: wird jener heiter und ausgelassen, so sieht er einsilbig zu, und das Freundlichste, was sich ihm abgewinnen laßt, ist eine elegisch klagende Melodie, mit welcher die Com- position einen rührenden und versöhnenden Abschluß erhält. Herr Professor Schroeder spielte mit technischer Meisterschaft, Fülle und Kraft des Tones und Eleganz des Vortrags. Fräulein Johanna Pfannmüller (Altistin) sang eine Arie aus M. Bruch's Odysseus (Nr. 8) mit Orchesterbeglettung und Lieder von R. Franz, A. Rubinstein und Joh. Brahms mit Klavierbegleitung. Die Dame, die schon mehrmals in Con- certen in Darmstadt aufgetreten ist, errang hier einen durchschlagenden Erfolg. Sie verfügt unleugbar über gute Stimmmittel, die sie bei fleißigem Studium noch besser zu gebrauchen lernen wird. Unter ihren Programmnummern müssen wir die Wiedergabe des Brahms'schen Liedes: „Vergebliches Ständchen", das sie auf Verlangen wiederholte, als die beste Leistung heroorheben. Den Schluß des Concertes und zugleich die beste Gabe des Abends bildete die vierte Symphonie von Mendelssohn (Op. 90). Sie heißt die italienische und gilt als die künstlerische Frucht der längeren italienischen Reise, welche der junge Mendelssohn im Jahre 1830 unternahm. Direkt erkennbare südliche Elemenle bringt die Symphonie in ihrem Schlußsätze: einer ausgelassenen, bacchantisch lustigen Scene, welcher eine neapolitanische Tanzform, der wilde Saltarello, zu Grunde liegt. In den andern Sätzen sind Beziehungen zu „dem ewig blauen Himmel des Landes, wo die Citronen blühen" nicht nachmweisen. Im elften Satze herrscht eine kräftig glückliche Phantasie, die wohl an die Stimmung eines Jünglings denken läßt, der fröhlich und jubelnd hinauszieht in die schöne Welt. Der zweite Satz (Andante con moto) beginnt wie eine schwermüthige Ballade mit folgendem Hauptthema, zunächst von Bratschen, Clarinette und Fagott voi getragen, dem dann ein freundlicher Gesang entgegentritt. Diese anheimelnde Begegnungsscene wiederholt sich mit kleinen Intermezzos einige Male. Di^ trauernde Gestalt hat das letzte Wort und wie mit leisen Seufzern verschwindet der Satz tn die umwölkte Ferne. In dem folgenden Satze, einem Takt, tritt das deutsche Element mit der größten Bestimmtheit vor. Der Hauptsatz dieses traulichen Stückes knüpft mit seinem Ländlerthema an die gemüthlichen Bilder an, welche die Wiener Meister von deutscher Fröhlichkeit und Geselligkeit entworfen haben. In dem Mittelsah scheint die Romantik unserer Wälder in der Seele des jungen Mendelssohn aufzuleben und der Componist des „Freischützen" vor seine Phantasie zu treten. Der letzte Satz kündet mit einem fanatischen Unisono seinen unbändigen Charakter an. Das Hauptthema durchstreift die Nuancen seelischen Ausdrucks von der zarten Anmuth bis zum wilden Toben und bringt alle Kräfte des Orchesters, die Solisten und die Massen, in immer heftigere Action. Dem Aufmarsch des Haupt- tbemas folgt eine Nachhut aus derben Elementen, aus stampfenden und pochenden Figuren. Die weicheren und feineren Geister haben in den Kreisen dieses Satzes nur einen bescheidenen Platz, und zweimal wird der Versuch unternommen, die bedrohlichen Wogen der Fröhlichkeit zu glätten. Dieser letzte Satz bringt wörtliche Einzelheiten aus den grotesken Partien der Sommernachtstraurn-Musik. Das Werk wurde unter Meister Felchner' s Leitung vorzüglich gespielt. Zu erwähnen ist noch die brcente und verständnißinnige Claoierbegleitung des Herrn Dr. Haym, der an Stelle des Herrn Trautmann aus Frankfurt diese Ausgabe zu übernehmen die Freundlichkeit hatte. Aaiversttäts - HhrouiL. — Die philosophische Fakultät der Universität Halle hat den Forschungsreisenden Carl v. Steinau zum Ehrendoctor ernannt. — Zwei Berliner Physiologen, Professor Zuntz und Dr. Munk, sind von der Academla medico-fisica in Florenz zu Ehrenmitgliedern ernannt worden. — In Heidelberg ist eine geologische Landesanstalt für das Großherzogthum Baden errichtet und der Geheime Bergrath Professor Dr. Rosenbusch zum Dtrector derselben ernannt worden. — In Tübingen hat, wie geschrieben wird, am 10. d. M. die feierliche Einweihung des neuen physikalischen Instituts ftattgefunden. Vermischtes. Laubach, 18. Januar. sFeuersgefahr in der Vorstadt.j Gestern Abend gegen 8‘/2 Uhr brach tn der Wohnung des Metzgermeisters Weisel in der Vorstadt, gegenüber dem Eingänge zum gräflichen Schlosse, Feuer aus. Das Feuer war entstanden durch die Unvorsichtigkeit des Dienstmädchens, das zu heiße Backsteine zum Wärmen seines Bettes gebraucht hatte. Schon .stand das Bett in Flammen, ebenso wurden die Wände der Dachkammer schon vom Feuer erfaßt. Die schnell herbeigeeilte Feuerwehr wurde jedoch bald Herr der Flammen. Schnell wurden das Bett und die übrigen brennenden Stoffe zum Fenster htnausgeworfen und die Wände und der Boden übergossen. Schon um 9 Uhr war der Brand völlig gelöscht. Ein besonderes Glück war die schnelle Entdeckung des Feuers, das gerade tn diesem Stadtthetle sehr gefährlich hätte werden können, da hier die Häuser alle enge mit einander verbunden sind. (D. Z.) Darmstadt. sUnterricht für Hufschmiede betr.) Der 8. Lehrkurius für Hufschmiede an Großh. Veterinäranstalt in Gießen beginnt am 15. März 1889 und sind die Anmeldungen zu diesem Cur'us bts zum 1. März 1889 bei der Großh. Direction der Veterinäranstalt in Gießen schriftlich einzureichen. Dem Gesuche ist der Nachweis einer — einschließlich der bestandenen Lehrzeit — mindestens vierjährigen Thältgkeu im Schmiedehandwerk beizulegen. Tas Gesuch, sowie die nöthtgen Zeugnisse sind auf Papier in Aktenformat geschrieben vorzulegen. A Mainz, 20. Januar. Auf Kosten der städtischen Verwaltung wird eben vorübergehend eine Frau von Bregenz mit drei Kindern hier unterhalten und verpflegt, die durch die Gewissenlosigkeit ihres Mannes in die fürchterlichste Lage gerathen war. Beide Ehegatten reiften mit ihren Kindern von Bregenz nach Antwerpen, um sich dort nach Amerika einzuschiffen. In Antwerpen erklärte der Mann den ©einigen, daß wegen dem Sturm die Seereise nicht sofort angetreten werden könne und daß er sich darum einstweilen nach etwas Arbeit umsehen müsse. Unter diesem Vorwande ging der Familienvater unter Mitnahme alles Geldes und der sämmtlichen Werthgegenstände fort, um nicht mehr wiederzukommen. Der französischen Sprache nicht mächtig und inzwischen oller Hilfsmittel entblößt, gerietb die arme Frau mit ihren Kindern nach wochenlangem vergeblichen Erwarten ihres Mannes in eine verzweiflungsvolle Lage. Alles, was der treulose Gatte zurückgelassen, war bereits für Nahrungsmittel draufgegangen und schon drohte der Hunger anzuklopfen. Endlich kam der Unglücklichen durch den deutschen Consul in Antwerpen Hilfe und wurde denn auch ermittelt, daß der treulose Mann schon vor 24 Tagen mit einer anderen Frau die Seereise angetreten. Der deutsche Consul ließ der Frau eine Unterstützung zur Rückreise zukommen und so befindet sich die verlassene Gattin denn im Augenblicke bLr, Nachrichten und weitere Unterstützung von Bregenz erwartend. Das Aeußere der unglücklichen Frau ist so vertrauenerweckend, daß sie allenthalben Theilnahme begegnet. — Heute Morgen fiel hier der erste Schnee in diesem Jahre, jedoch nur in sehr geringem Maße. Bei langsam steigender Temperatur hellte sich gegen Mittag der Himmel wieder auf. Tue Spitzen des Taunus sind mit Schnee bed'ckt. △ Mainz, 20. Januar. Die jüngst erwähnten Bierunterschleise in einer großen Brauerei in dem nahen Weisenau, welche die am Freitag ftattgeijabte Verhaftung eines bislang geachteten, sehr begüterten Bäckermeisters, sowie zweier Fuhrknechte zur Folge hatten, sind durch Denunciation eines Bäckerburschen zur Kenntniß der Staatsanwaltschaft gelangt. Die verhafteten Knechte stahlen in der Brauerei das Bier in Fässern und überließen dasselbe dem Bäckermeister für sweniges Geld, der es alsdann bei kleinen Wirthen wieder verkaufte. A Aus Rheinhessen, 20 Januar. Wie aus verlässiger Quelle verlautet, wird mit Beginn des nächsten Sommersemesters in Worms in Verbindung mit dem dortigen Gymnasium ein pädagogisches Seminar für Candidctten des höheren Lehramtes eröffnet werden. Das Seminar soll der Direction des Gymnasiums unterstellt werden. — Frankfurt, 20.Januar. Nächsten Dienstag wird sich unser Stadtoerordnelen- Collegium mit der Frage der Anlage einer Central stelle für elektrische Beleuchtung beschäftigen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Magiftratsantrag, die Anlage in Selbstregie zu nehmen, Annahme finden wird; denn die Bedingungen der Gesellschaften, welche sich um die Concession bewarben, fir.b derart, daß die Stadt unmöglich darauf eingeben kann. Dann aber hat das Resultat, welches die Stadt Elberfeld mit den gleichen Unternehmern bisher erzielt hat, in erheblicher Weise zu Gunsten der Selbstregie gesprochen. Für hier ist eine Anlage bis zu '22000 Lampen geplant. Die Anlagekosten für dieselben sollen nach einer von der Firma Simens L Halske auf- gestellten Berechnung 2350000 Jü betragen. Man glaubt, daß schon nach wenigen Monaten 12—15000 Lampen in Betrieb fein werden und berechnet an Ausgaben 180000 Ji, an Einnahmen — freilich bei 22000 Lampen — bei 550 jährlichen Brenn- ’ stunden pro Lampe und 4 pro Stunde 484000 X d. h. einen Reingewinn von 304000 JL oder eine Amortisation von ca. 15VzpCt- Selbst wenn das Resultat nicht so günstig ausfallen sollte, wird immer das Ergebniß ein erfreuliches bleiben und es nur zu empfehlen sein, daß die Stadt die Anlage in Selbstverwaltung nimmt. Gingesandt. Gießen, 21. Januar. Zur Feier des denkwürdigen Tages der Wiederausrichtung des deutschen Reiches hatte sich in Gießen ein Festcomilä alter und junger Burschenschafter gebildet (bestehend aus den Herren : Prof. Dr. Oncken (Franconia-Heidelberg), Dr. Welffenbach (Alemannia- Gießen), Landrichter Linkenveld (Germania-Gießen), Dr. Markwald (Germania-Königsberg), etud. Glaessing I. (Germania-Gießen), stud. Glaessing II. (Alemannia), etud. Härtner (Bubenruthia-Er langen), in dessen Namen die alten Burschenschafter von Gießen und Umgegend Einladungen erhielten zur Feier des 18. Januar. Die Zusage war eine so erfreuliche, daß der Festkommers am Abend des 18. Januar in dem prächtig decorirten Saale des Cafö Leib dahier unter zahlreicher Betherltgung gefeiert wurde. Das Präsidium führte die z. Z im G. D. C. vorsitzende Burschenschaft Germania. Der derzeitige Sprecher desselben stad. jur. W. Glaessing eröffnete die Feier mit einer kurzen die Anwesenden begrüßenden Ansprache, indem er auf die Bedeutung des Tages htnwtes, in dessen feierlicher Begehung die heutige Burschenschaft ihrer historischen Vergangenheit gemäß nur eine ihr obliegende patriotische Pflicht erfülle. Er knüpfte an den Schluß seiner Ansprache die berechtigte Hoffnung, daß diese Feier den Anstoß geben möge zu einem regelmäßig wtederkehrcnden Burschenschafts- kommerse. Nachdem die erhebenden Weisen des Burschenschaftsliedes: „Schwörts bei dieser blanken Wehre" verklungen waren, erhielt Herr Prof. Dr. Oncken das Wort; in bekannt glänzender Weise sprach der Redner über Kaiser und Reich, er hob besonders hervor, wie es zu den Zeiten, als er zu Heidelberg activer Francone gewesen, es gerade unmöglich gewesen sei, eine Feier zu veranstalten, bei welcher ein Wort von Kaiser oder Reich oorkam, die Polizei habe sofort eingegriffen und auf die Anwesenheit des hiesigen Herrn Polizeirathes (Alter Herr der Germania) anspielend, begrüßte Redner denselben unter stürmischem Beifall. „Zu meinen Zeiten bedeutete die Anwesenheit der Polizei Feierabend und zwar mehr als in einem Sinne dieses Wortes". Nachdem das Hoch auf den Kaiser verklungen und stehend der erste Vers der Nationalhymne gesungen war, trug Herr Pfarrer Hepding (Alemannia) unter lautem Beifall ein selbst verfaßtes dem Reiche gewidmetes Gedicht vor, hieran schloß sich eine Huldigung unseres Landesfürsten und eine treffliche Rede des Herrn Landrichters Linkenheld (Germania), in welcher Redner unter dem Beifall Aller Bismarck und Moltkdie beiden Paladine des Kaiser Wilhelm L, verherrlichte. Den Höhepunkt erreichte die Feier in dem Landesvater, gestochen von den Ehargirten der Alemannia und Germania und einem Ehargirten, den die Erlanger Burschenschaft Bubenruthia gütigst gestellt hatte. Noch lange blieb die Runde in der fröhlichsten Stimmung beisammen, namentlich hielten die alten Germanen, die zu dieser Feier aus der Ferne gekommen, um die Aettven ihrer rekonstituirten Burschenschaft begrüßen zu können, lange aus. Der Saal war auf das schönste decorirt, besonders flattlich nahm sich hinter dem Sitze des Präsidenten das Bild des jetzt regierenden Kaisers Wilhelm II. aus, zu beiden Seiten die Büiren der beiden ersten Kaiser des neuen Reiches, das ganze auf einem erhöhten von frischem Blattgrün und Pflanzen gezierten Ptedestal. Wann die letzten Gäste aus dem Saale gingen, vermag Referent nicht mehr genau anzugeben, da er selbst zu den letzten „Rittern von der Gemächlichkeit" gehörte, jedenfalls haben die großen Lücken an dem am andern Morgen im Restaurant Vogt statlfindenden Frühschoppen bewiesen, daß manches alte Haupt einen so anhaltenden Commers seit langem, nicht mehr gefeiert hatte. Wir gratuliren dem Comit4 zu dem würdigen Verlauf der Feier und jboffen, daß der Wunsch des Vorsitzenden des Commerses, am 18. Januar 1890 eine ebenso stattliche, vielleicht noch größere Anzahl Alter Burschenschafter in unseren Mauern begrüßen zu können, in reichem Maße in Erfüllung gehen werde. Gießen, 217 Januar. Die Verhandlungen der Stadtoerordneten-Vcrsammlung am 17. d. Mts. waren zum Theil hochwichtiger und erfreulicher Natur. Einsender dieses danken zunächst den Herren von der Universität für die von ihnen gegebene Anregung bezüglich der so hochnöthigen besseren Verbindung des Seltersberges mit dem Personen Bahnhof und zwar durch Eröffnung der Straße zwischen den Häusern Ackermann und Wenzel und Fortsetzung derselben durch eine Ueberbrückung der Oberhessischen Bahn beim Hotel Lenz. Ganz insbesondere aber gebührt den Vätern der Stadt Dank für das diesem Project bewiesene Entgegenkommen. Die Verwirklichung jenes Projects ist auch in der That dringend nothwendig, jedenfalls wett nöthiger, als die Ueberbrückung der Oberhessischen Bahn bei der kathol. Kirche, weßhalb wir eigentlich fast bedauern, daß man Großherzogliche Negierung veranlassen rsiöchte, zuerst letztere Ueberbrückung zur Ausführung zu bringen. Mit Rücksicht auf die in diesem Jahr schon eröffnet werdenden, für die Universität und für die Stadt Gießen so hochwichtigen neuen Kliniken sind wir der Meinung, daß man vorerst die angeregte Verbindung des Seltersberges mit dem Personen- Bahnhof zur Ausführung bringen sollte, denn die Ueberbrückung bei der katholischen Kirche hat für die neuen Kliniken aus naheliegenden Gründen fast keinen Werth. Auch würde diese neue Verbindung den liebergang bei der katholischen Kirche bedeutend entlasten, indem dieselbe durch die Reichensand-Bahnhofstraße dtrect in die innere Stadt I führt und ganz gewiß von den meisten Bewohnern des Seltersberges hem Uebergange I bei der katholischen Kirche vorgezogen werden würde. Wir möchten die betreffenden maßgebenden Factoren dringend bitten, die Ausführung dcs mehrerwähnten neuen Verbindungsweges möglichst zu beschleunigen und jedenfalls nicht damit zu warten, bis die Ueberführung bei der katholischen Kirche erbaut ist, und erlauben uns, dieselben aufmerksam zu machen auf den im praktischen Leben geltenden Satz: „Das Nöthigste zuerst." Mehrere Interessenten. Handel und Verkehr. Grünberg, 19. Januar. (Fruchtpreise). Weizens 19,60, Korn 16,00, Gerste JL 14,00, Hafer 13,40, Erbsen JL 17,00, Samen 00,00, Wicken 00,00, Kartoffeln 0,00. Linsen 00.00. Frankfurt, 19. Januar. Erbsen ganze pr. Pfd. 12-18^, do. geschälte 14-18^, Linsen 18—28 weiße Bohnen 16—18 H, Kartoffeln 100 Ko. Jt 0,00—0,00, do. per Gescheid 10-12.^, Butter per Pfd- JL 0,90-1,10, Eier das Stück 8-9 Blumexkohl per Stück 30—60 H, Wirsing per Stück 10—15 X Zwiebeln per Pfd. 7—9 Weißkraut per Stück 10—20 Gelberüben per Portion 15—20 Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. B i b e l st u n d e: Montag den 21. Januar Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule, 1. Mos. Kap. 19, Sodoms Untergang und Lots Errettung; Gottes Erbarmung und des Engels Mahnung: Errette deine Seele! Pfarrer Dr. Naumann. Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. W. Opernhaus. Dienstag den 22. Januar: Die Afrikanerin. Gewöhnliche Preise. Mittwdch den 23. Januar: Der Zigeunerbaron. Außer Abonnement. Kleine Preise. Donnerstag den 24. Januar: Der Wildschütz. Gewöhnliche Preise. Freitag den 25. Januar: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Außer Abonnement. Die Hermannsschlacht. Samstag den 26. Januar: Neu einstudirt: Der Wasserträger. Hierauf: ' Neu einstudirt: Carnevalsfeft (Ballet.) Gewöhnliche Preise. Sonntag den 27. Januar: Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. Lohengrin. Gewöhnliche Preise. Schauspielhaus. Dienstag den 22. Januar: Zu Lessing's Geburtstag. Nathan der Weise. Große Preise. Mittwoch den 23. Januar: Zum ersten Male: Die Brautfahrt ober: Kunz von der Rosen. Lustspiel in 5 Akten von Gustav Freytag. Große Preise. Donnerstag den 24. Januar: Madame Bonivard. Vorher: Der dritte Kopf. Große Preise. Freitag den 25. Januar geschlossen. Samstag den 26. Januar: Madame Bonivard. Vorher: Der dritte Kopf. Große Preise. Sonntag den 27. Januar, Nachmittags 3*/r Uhr: Drei Paar Schuhe. Außer Abonnement. Kleine Preise. Abends 7 Uhr: Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. Neu einstudirt: Hans Lange. Große Preise. Brodpreise vom 20. Januar bis 3. Februar 1889. der Bäcker $ 1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . . . .27 bei Carl Lenz 28 2 „ (4 Pfd.) Weißbrod .... 54 bei Carl Lenz 56 1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrot) 1. Sorte 25 1 „ (4 Pfd.) Schwarzbrot) 1. Sorte 50 2 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 23 bei Carl Lenz 22 2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 46 bei Carl Lenz 44 3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bei L- Keil, K. Haas 69 der Brodverkäuser 1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27 2 „ (4 „ ) „ .....54 1 v (2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 25 2 r (4 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 50 3 > (6 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 1 „ (2 „ ) e chwarzbrod 2. Sorte 23 2 „ (4 r ) Schwarzbrod 2. Sorte 46 3 ■ (6 , ) Schwarzbrod 2. Sorte Gießen, den 19. Januar 1889. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Briefkasten. a. Ja! Red. Allgemeiner Neue Verbindung des Seltersberges i mit dem Personen-Bubnbof. Versammlung der Interessenten am Dienstag den 22. er., Abends s uhr, im großen Zimmer des Rheinischen Hofes, Man Bittet um möglichst zahlreiches Erscheinen. 649 Bekanntmachung. Nächsten Donnerstag der, 24 d. Mts., Abends 8 Uhr, findet eine flußerorÖenIL ficnrrafoerrammftiHfi des Credit Vereins zu EeuchelheiW G. G. in dem Locale des Wirth Ludwig Germer dahier statt. Tagesordnung: Wahl eines Controleur^. ___________________________Der Vorstand. ' ,636 Ein ganz neu hergerichtetes Sopha | 646 Zwei schöne Dameu-MaSken- tst billig zu verkaufen. ? Costüme billig zn verkaufen. Zu erfragen in der Exped. d. Bl- I Katharinengaffe 10. Anzeiger. Akademische Vorträge. Freitag den 2 3. I. M., präcis 8 Uhr Abendsr Professor vr. Müller: Die kirchengeschichtliche Bedeutung des mittelländischen Meeres. Eintrittskarten (» 1,00 sind in der Ferber'schen Buchhandlung, Studentenkarten bei dem Universitäts-Hausmeister zu haben. 637 Verlag des Bibliograph. Instituts in 3 nr q. — 16 Halbfranzbände ä 10Mark. Das 1. Heft und den 7. Band liefert jede Buchhandlung zur Ansicht. oo CT C o X» Bestellungen auf Meyers Konversations-Lexikon nimmt jederzeit zu bequemen Zahlungsbedingungen an, die Ferber’sche Buchhandlung in Giessen. 651 Ein Knecht zu zwei Pferden gesucht. I 657 Ein braves Mädchen für Haus-» Ltcherstraße 5. I arbeit gesucht. Schillerstraße 19 II. SberMche Sisenbahma. Lieferung von BettungsMaterial. 250 cbm Basaltkleinschlag zu Bettungsmaterial für die Bahnmeisterei Gießen— Lich bestimmt, sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Die Bedingungen sind im hiesigen Verwaltungsgebäude Zimmer Nr- 4 ab heute bis zum 23. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, zur Einsicht offen gelegt, woselbst auch die Eröffnung der Angebote stattfindet. 628 Roth, Großh. Eisenbabnbaumeifter Holzversteigerung im Gießener Madlwalde. Montag den 28. Januar 1889, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadlwalde in den Districlen Hochwart und Faulerboden nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Bau-, Werk- und Nutzholz. 5 Buchenstämme mit 6,41 Festmeter, 15 Nadelstämme „ 7,25 „ 7 Nadelstangen „ 0,94 „ B. Brennholz. Scheith. Knüppelh Stockh. Reish. Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen. Buchen 276 105,8 105,5 4033 Birken 8 — — — Eichen 126,5 149,8 131,5 4249 Nadel 1 7 - 290 Aspen 4,8 4 — — Die Zusammenkunft ist an den Altentischwiesen. Gießen, am 21. Januar 1889. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. 654 Holzversteigerung im Villinger Gemeindewald. Freitag den 25. Januar l. I , von Vormittags 9J/2 Uhr anfangt nd, werden versteigert: 54 Eichenstämme mit 21,70 Festm., größtentheils zu Wagnerholz geeignet, 1 Lmdenstamm mit 0,32 Festm-, 414 Fichtenßämme mit 164,19 Festm., 289 Fichten - Derbstangen mit 81,18 Festm., 6 Pappelnstämme von 23 bis 68 Ctm. Durchmesser und 3 bis 9 Meter Länge mit 6,62 Festm. t Die Pappelnstämme lagern beim Ort ; und werden erst den Nachmittag am j Schluß der Versteigerung versteigert. \ Die Zusammenkunft findet im District ' Hochroth an der Eisenbahnstrecke statt. Villingen, den 19. Januar 1889. Großh. Bürgermeisterei Villingen. Koch. 630 Montag den 4. Mär), Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Hermann Werner und dessen Ehefrau zu Gießen gehörigen Immobilien: Flur 27 Nr. - 483 Mttcr Hof- raithe am kleinen Steinweg, zieht theils über die Wieseck, Flur 27 Nr. _ 88 Meter Grabaarten daselbst, Flur 27 Nr. 10äa”/j00 Grabgarten in der Stiffansmark öffentlich meistbietend versteigert weiden. Gießen, dm 18. Januar 1889. Großh. Orttzgericht Gießen. _____________Lüdeking._________626 Wegzugshalber werden im Bauer'schen Doppelbaiise, Bahnhofstraße 61, 1. Stock, am Donnerstag, 24. Januar, Nachmittags 2 Uhr, folgende Möbel versteigert: 1 fast neues Bett mit Sprungfedermatratze und Matr< tze, 1 Kommode, 2 Sophas, ovaler Tisch, Waschtisch und andere Möbel In Auftrag: I. Rothenberger, Ger-Taxator, 660 Lindenplatz 8. Capaunen ju verkaufen. 653 Fr. Textor, Hardt. | Mobiliar-Versteigerung. Nachlaß der verstorbenen Krau Carl Straub Wtw. im Feldfchlößchen (Heuchelheimerstraße). Dien-tag den 22. Januar, Nachmittags 2 Uhr, soll obiger Nachlaß, bestehend in Möbeln,- Betten, Weißzeug, Küchen- und sonstigem Hausgeräth versteigert werden, namentlich 1 vorzügliches, noch wenig gespieltes Pianino, 1 Violine, 1 Zither und 1 Spieldose, 1 Schreibseeretär, 1 Regulateur, Kleiderfchränke, Küchenschrank mit Glasaussatz, Kommode, Sopha, Tische, Stühle, Spiegel, Bilder, Bettstellen mit Sprungfeder-Einlagen, sehr gute Federbetten, schönes Weißzeug, meist noch neu, 1 Faß Sauerkraut, Bohnen, Kartoffeln und Steinkohlen. In Auftrag : I. Rothenberger, Gerichtstaxator, 461 Lindenplatz 8. Frankfurter Zeitung. Die verehrlichen Abonnenten werden ersucht, um Jrrthümer zu vermeiden. den deute erschienenen Börsenkalender pro 1889 bei unterzeichnet»!: Agentur abkolen zu lassen. 640 Julius Wallach. 659 Gießen, den 21. Januar 1889. Die trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet Dienstag den 23. d. Mts, Mittags 12 Uhr, vom Sterbehause, Wetzsteingasse 31, aus statt. Statt besonderer Anzeige. Gestern Mittag um 2x/2 Uhr verschied nach kurzem Krankenlager unsere liebe Tochter und Schwester Marie Deibel im 16. Lebenswahre, was wir Verwandten und Bekannten mit der Bitte um stille Theilnahme hierdurch anzeigen. 629 Werner Baumann, Oberförster und Frau Auguste, geb. Stamm. Todes-Anzeige. Gestern Morgen 9 Uhr ist unser lieber Sohn Werner im Alter von fünf Jahren sanft und selig entschlafen. Wiesbaden, den 19. Januar 1889. 562 Das Baugeschäft von Bang und Baumbach sucht zur Leitung einesKtrchen- baues einen energischen und tüchtigen Maurerpolier. Offerten mit Lebenslauf und Gehaltsansprüchen sind an das Bureau in Biedenkopf einzusenden____________ 635] Unterzeichnete empfiehlt sich im Kleiderwachen, Flicken uno Stopfen in und außer dem Hause. Marie Feltrmann, Wolsstraße, bei Wwe. Noll. 641] Für ein Kind von fieben Monaten wird eine tüchtige Amme gesucht. Schriftliche Meldung bei der Exped. d. Bl.______________ Gesucht 652 । wird zum 1. Februar ein Müdchen mit guten Zeugnissen, welches sich jeder häuslichen Arbeit willig unterzieht. Zu erfragen ; _________ _____________Göthestraße 2 H. j 658] Auf erste Hypothek 15000 Mark X zu 4 bis 41/2% gesucht. 1 Näheres in der Exped. d. Bl- Coursbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft. Frankfurter Börse vom 21. Januar 1889. Schlußcourse 1 Uhr 15 Min. 4°/o Neichsanleihe ä’/^/o do. 4% Preuß. Consols 3’/2% do. 4% Ungar. Goldrente 475% Oesterreich. Silberrente 108.60 1-3.50 10835 104.20 85.90 70 00 5% Italiener Rente ult. 5°/c 187l/73er Russen 4 °/o 1880er do. Russische II. Orientanleihe 4% unif. Egypter 6°/o .ons- Mexikaner, große Stücke 96.20 100.20 88 00 65.20 84 70 90 70 Disconto-Commandit-Anth. 234.30 Oester.'eich. Staatsbahn-Actien 217.20 ! Darmstädter Bank-Act. 173.80 Lombard. Eisenbahn- „ 84.62 Oesterreich. Credit 262.40 1 Galizische do. „ 175 00 20 FrancS-Stücke 16.12—16.15 Engl- Souvereigns 20.29- -20.34 10 do. 16-09 -16.13 Dollars in Gold 4.16 -4.20. Tendenz: fest. Telegraphisch» Cour-bericht der Berliner Börse V0A 21. Zauuar 1-889. Oesterr. Creditactien 170.10 DiSconto-Com-Antheilr 23^.70 Oesterr. Staatsbahn-Actiea 10910 Lombarden 4110 1880 4% Ruffen Obltg. 88 00 4% Ungar. Goldrente 85 75 Darmstädter Bankactien 178.25 Bochumer Gußstahlactien 190 00 Tendenz': fest. - 4fl/e Gießener Obl. —- 5% Buderus Obl. 104.30 Montsg den 28. Januar, Nachmittags 2 Uhr, werden Kirchenplatz 2 umzugshalber — 10 gute Betten — 1 Kommode, 3 Schreibpulte, 1 Comptoir- stubl, 1 Copirpresse, sowie einiges Haus- geräthe versteigert- In Auftrag: LouiS Rothenberger, 656 Gertchlstaxator. Aeikgeöolenes. ST Täglich frisch eintreffend r la. große Schellfische, Cabliau, Seezungen, Rheinsalm, TurbotS- Hechle, Zander, Bratbücktnge, diverse Delikatessen. A. Koch Nacht., 650 Hamb. Fisch- u. Delic.-Handlg. Zu Kaisers Geburtstag empfehle fertige Fahnen in jeder Größe mit und ohne Reichsadler, Hess Wappen, sowie schwarz-weiß- rothen Fadnenstoff, ohne Naht, fertig zum Anschlägen. [634 Carl Schulze. Unerreicht zur Heilung und Verhütung ansteckender Krankheiten. Man fordere nur plombirte Gefässe und Packungen von 631 William Pearson & Co, Hamburg. Einem geehrten Publikum diene zur gefl. Nachricht, daß ich von heute ab reinstes Kornbrod backe und halte ich solches bestens empfohlen. II. Spies, 644 Bäckermeister. Aermietyungen. 523] Kleines Familienlogis zu oers miethen. Wallthorstraße 51. 373„ Eine Mansardenwohnung per 1. März zu vermiethen. Ederstraße 8. 639 Eine Wohnung von 2 Zimmern und allem Zubehör zu vermiethen. __________ ___Neuen Bäue 7. 645 Ein Stübchen mit Bett zu oer- miethen.___________Katharinengasse 10. 642 Die Wohnung im 2 Stock mit Zubehör und Wasserleitui g versehen, sowie die Mansardenwohnung zu vermiethen. ___W. Katz, Marktplatz 1. 655 Ein Familienlogis zu vermiethen'. __Flügelsgasse 9. 6.7] Ein möbl. Zimmer zu vermiethen. Weidenhaud, Wetzsteingasse 48. Vermischte Anzeigen. 618 Ein j ftrebf. 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Kaiser Wilhelm hielt am Freitag, fast unmittelbar nach der Rückkehr von den Bückeburger Hofjagden, zum ersten Male ein Capitel des Schwarzen Adlerordens als dessen derzeitiger Großmeister ab, nachdem vorher die Investitur (Einkleidung) der seit dem letzten Capitel neu ernannten Ordensritter stattgefunden hatte. Die gesammte Feierlichkeit ging ganz nach dem alten Ceremontell, wie das der Stifter des Schwarzen Adlerordens, König Friedrich I. von Preußen, eingeführt hatte, vor sich und bot in ihrer Gesammthett wie in den Einzelheiten ein außerordentlich glänzendes Bild dar. Die Einkleidung währte über eine Stunde und wurde die Reihe der 16 neuinvestirten Ritter vom Staatsminister v. Puttkamer beschlossen, worauf sofort das Capitel des Ordens im Capitelsaale des Berliner Residenzschlosses folgte, wobei, ebenfalls einem alten Brauche gemäß, die Thüren verschlossen wurden. Am Sonntag schloß sich an das Capitel das herkömmliche Krönungs- und Ordensfest, das höchste preußische Hof- und Staatsfest, an, mit welchem die Reihe der diesjährigen Winterfestltchketten am Berliner Hofe eröffnet worden ist; die letzteren werden sich jedoch wegen der noch andauernden Hoftrauer auf einen engen Kreis beschränken. Die Vorlage über Ostafrika ist dem BundeSrathe am Freitag endlich zugegangen. Dieselbe beansprucht nur eine Summe von ca. zwei Millionen Mark und soll die Ausführung der zum Schutze der deutschen Interessen und der Bekämpfung des Sclavenhandels erforderlichen Maßregeln einem Retchscommtssar übertragen werden. Derselbe hat gleichzeitig die, nach einer ihm ertheilten besonderen Anweisung, dem Reichskanzler statutenmäßig zustehende Aufsicht über die deutsch^ostafrtkanische Gesellschaft und deren Angestellte in Ostafrika auszuüben. Der Reichskanzler wird ermächtigt, die erforderlichen Beträge nach Maßgabe des Bedürfnisses aus bereiten Reichsmitteln zu entnehmen. In der Begründung wird heroorgehoben, daß die leitenden Grundsätze der deutschen Colonialpolittk, wie sie 1884 und 1885 in amtlicher Erörterung die Zustimmung im Reichstage erhalten haben, auch gegenwärtig als die Richtschnur für das Verhalten der Retchsregterung bei überseeischen Unternehmungen Reichs- angebörtger bilden. Im Reichstage soll die Vorlage in der zweiten Hälfte dieser Woche zur Verhandlung gelangen und dürfte eine commissarische Berathung wohl nicht erst beliebt werden. — In seiner Donnerstagssitzung nahm der Bundesrath die Vorlage, betr. die Anklageschrift gegen Prof. Gcsfcken nebst Anlagen, lediglich zur Kenntniß. Im preußischen Abgeordnetenhause sind die Gesetzentwürfe, betr. die Er- aöuzung des Volksschullastengesetzes und betr. die Abänderung des Stempelsteuergesetzes, etngegangen. Der Rücktritt des preußischen Justizministers Dr. v. Friedberg wird von mehreren Seilen auf politische Gründe zurückgeführt, wobei man namentlich auf das rötliche Zusammentreffen dieses Ereignisses mit der Veröffentlichung der Anklageschrift gegen Pros. Geffcken hinweist. In wohlunterrichteten Kreisen bezweifelt man indessen, da» ein Zusammenhang zwischen beiden Vorgängen bestehe und ist der Meinung, baß Herr v. Friedberg unter ruhigeren Zuständen trotz seines Alters im Amte geblieben ®arc' _.oaß er es aber unter den obwaltenden bewegten Verhältnissen vorgezogen habe, feine Entlassung zu nehmen; auch sollen zu seinem schon seit einiger Zeit geplant ge- wesenen Rückkrittsentschlusfe die großen Anforderungen, welche infolge des bürgerlichen Strafgesetzbuches an das preußische Justizministerium herantreten werden, mit eingewirkt haben. Uebrigens nimmt sich die Demission Dr. v. Friedberg's nichts weniger als überraschend aus, wenn man erwägt, daß der zurückgetretene Minister 76 Jahre zählt, von denen er über 50 im Staatsdienste zugebracht hat. lieber seinen Nachfolger ist noch nichts Bestimmtes bekannt. ätzten Nachrichten aus dem Haag geben der Hoffnung Raum, daß König Wilhelm von Holland den gegenwärtigen schweren Krankheitsanfall doch überwinden werde. Auch die Nacht vom Donnerstag zum Freitag verbrachte der erlauchte Patient gleich den letzten vorangegangenen Nächten recht gut und fand Dr Rosenstein am Frei- Mraftejixftanb des Königs befriedigend und das chronische Hebel nicht sonderlich verschlimmert. , t Die Czechen scheinen von ihrer geistigen Bedeutung und ihren Culturzuständen eine hohe Meinung zu haben, wie die Freitagsdebatle des böhmischen Rumpflandtages uberdie Anträge auf Errichtung böhmischer Akademien beweist. Der ^Referent •Dr. Rieger fang hierbei das Lob seiner Nation mit voller Kehle und erinnerte an Jörnen, wie die Gelehrten Purkynge, Rokitanski, Schafarick und Palacky, der Geschichts- k- « • Tzechenoolkes, welche für dessen geistige Befähigung zeugten. Zwar wolle ^rch Die kleine czechische Nation nicht mit der großen deutschen Nation messen, meinte re ,lC0er rncinem Auflage von Selbsterkcnntniß, aber stolz erklärte'er, das Czechen- volk könne sehr wohl neben der deutschen Nation bestehen und brauche es mit seinen £ei|tungen auf allen Gebieten der Künste und Wissenschaften einen Vergleich mit den ff A z? scheuen. Dr. Rieger schloß mit der Versicherung, daß die | „^chen bestrebt sein wurden, in Ehren als Culturfactor fortzuschreiten. Selbftvcrständ- I ud) wurden die Anträge auf Errichtung böhmischer, d. h. czechischer Akademien vom I Landtage einstimmig angenommen. — Daß die Czechen im Allgemeinen geistig begabt und aufgeweckt sind, wird man deutscherseits nicht leugnen, aber die Ueberhebung ihrer gebigen und politischen Führer steht nicht im Verhältniß zu der wirklichen Bedeutung, welche den Czechen schon wegen ihrer verhältnißmäßig geringen Zahl zukommt und toi Kulturleben Europas werden sie sich mit einer untergeordneten Stelle begnügen müssen. Vermischtes. .. k r“ Noch der kleinen Sänger in Wald und Feld ist in der kalten Winters- zett sehr groß und ängstlich suchen dieselben nach einem Körnchen Futter. Die wiederholten Anregungen Futterplätze für die hungernden Vögeletn zu errichten, haben in vielen Orten Beachtung gefunden und auch bei uns ist diesbezüglich Vorsorge getroffen. Vor allen Dingen ist darauf zu achten, daß für die erscheinenden Vogelarten auch das Z u s a mmenft e Itan$a.u$e* wird. Zur näheren Ortentirung diene die nachfolgende q ?sfres'ser (gekochtes Fleisch, wenn andere namentlich Singvögel, nicht ^ben, auch Kartoffeln und Brod): 6taar, Dohle, Rabenkrähe, Nebelkrähe (L>aatkrabe), Elster, Eichelhäher, Tanncnbaher. ’ , , Körner fress er (mehlige und ölige Sämereien gemischt): Heckenbraunelle. Haubenlerche, Feldlerche,^Heidelerche, Alpenlerche, Gcauammer, Goldammer, Lerchen- sporner, Schneesporner, ^-chneefink, Buchfink, Bergfink, Berghänfltng, Krlemelfta Lein sink, Stieglitz, Hänfling, Gimpel, Hakengimpel, Rebhuhn. * 0' . AJnJ,efAe"s u"d Körnerfresser (mehlige und ölige grobe Sämereien, Speck, gekochtes fleisch): Großer, mittlerer und kleiner Buntspecht, Spechtmeise ©uniüfmeife Tannenmeise, Haubenmeise, Kohlmeise, Schwanzmeise, Blaumeise. ' c O^^ten- nnd Beerensresser (geriebene Rüben, gekochtes Fletsch, Aepfel- und Zwelschenstuckchen): Seidenschwanz, Schwarzamsel, Ringamsel, Ziemer, Schnärr- drossel, Zippdrossel, Weindrossel, Feldlerche, Heideleiche. , änfecCtS%fer (Nrehlwürmer, Ameisenpuppen, Fleisch): Eisvogel, Grün- ®iMf-pCdL' Schwarzspecht Baumläufer, Heckenbraunelle, Zaunkönig, Bachamsel, Wintergoldha^nchen, Bergstelze (Bachstelze). * w ?omachter Mann.) Ein früherer Schlächtermeister und nunmehriger Rentier in Berlin teieite am Mittwoch in glänzender Weife seine Hochzeit. Der Mann hat das seltene Gluck gehabt, viermal in verschiedenen Lotterten das große Loos zn gewinnen. . ~ ^urnvater.j Frau: „Aber, lieber Mann, warum schreien denn unsere Zwillinge heute so i - Mann: „Ich hab' met Hanteln tot finden können und da hab' i denkt, nimmst halt die zwei Kleinen dafür!" Literarisches. r r c — „Leipziger Tageblatt" schreibt: Als ein HaushaltSstück von ganz ob,atf, Meqer's Konversations.Lexikon (Biblto- graphisches Institut in Leipzig) bezeichnet werden, von dem soeben der 12. Band in der s^Ekannten prächtigen Ausstattung erschienen ist. Nicht weniger als 53 Jllustrations- tafeln (4 Städtepläne, 17 geographische Karten und 32 zum Theil in prachtvollstem Chromodruck ausgeführle Tafeln zu verschiedensten naturwisfenschaftlichen, technischen rc Artikeln), sowie 103 Holzschnitte erläutern aufs Zweckmäßigste d7n als musterhaft bekannten Text Somit liefert auch dieser neue Band den Beweis, daß das berühmte Werk in zeder Hinsicht den höchsten Anforderungen entspricht. ES bildet die vorzüglichste Grund age einer jeden Hausbibliothek und ist eine Schatzkammer unseres gejammten Wissens, deren Besitz jedem Hause nicht nur zur Zierde gereicht, sondern auch stets von größtem praktischen Werth und Nutzen sein wird. 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Es diene daher im eigenen Interesse Der Leidenden zur Warnung, in den Verkaufsstellen nur die achten Sodener Mineral-Pastillen zu verlangen unb auf der Verabreichung derselben nachdrücklichst zu beharren. Dieie ächten Pastillen, die sich der vollsten Anerkennung und Würdigung der berühmtesten medicinischen Autoritäten erfreuen, die selbst vom hohen Gerichlstiibunale als ein Heilmittel anerkannt werden mußten und aus einer neidvollen Anklage mit gänzlich obsiegendem Urteile und kostender Freisprechung hervorgegangen, diese ächte Pastillen sind äußerlich leicht kenntlich daß sie in L-chachteln find, die eine ovale blaue Schlußmarke mit dem Facsimile Vd' ?ae. ^theken, Droguerien und Mineralwasser-Handlungen halten, ä 85 per Schachtel, davon Verkaufsstelle. go Allgemeiner Anzeiger. Schutzmarke. Garantirt reine UngardVeiae« Originalfüllungen der Weinhandlung 6g. Wilh. Weldlg, Wiesbaden. Chemisch untersucht von Hrn. Geh. Hofrath Prof. Dr. K. 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Januar, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Anneröder Gemeinde-Wald in den Districten Köpfel, Altenburg und Wolfskaut nachverzeichnttes Holz versteigert werden: A Bau-, Werk- und Nutzholz: 290 Eichen-Stämme bis zu 54 Ctm. Durchmesser und 3—13 Meter Länge mit 134 Festmeter, 65 Nadel-Stämme mit 36 Festmeter, 2 Nadel-Derbstangen mit 0,34 Festmeter, 2 Raummeter Eichen-Nutzscheit. B. Brennholz: 66 Raummeter Eichen-Scheitholz, 7 „ Nadel-Scheitholz, 68 „ Eichen-Knüppel, 20 „ Nadel-Knüppel, 67 „ Eichen-Stockholz, 10 „ Nadel-Stockholz, 2840 Eichen-Wellen, 700 Nadel-Wellen. Die Zusammenkunft ist an der Kreisstraße Einschnitt Gießen-Annerod. Annerod, am 17. Januar 1889. Großh. Bürgermeisterei Annerod. Engelhardt. 565 Bekanntmachung. BrennhoLz- versteigerung im Kicher Gemeindewald. Donnerstag btn 24 d. M, -werden im District Großhäuserberg versteigert: 22 Rmtr. Buchen-Scheiter, 54 „ Hainbuchen-Rund-Scheit, 314 „ Buchen-Knüppel, 6350 Buchen-Wellen, 208 Rmtr. Buchen-Stöcke, 84 „ Nadel-Stöcke, 300 Nadel-Wellen. Der Anfang und die Zusammenkunft ist in der Wannwiesenschneise Vormittags 10 Uhr. Lich, den 18. Januar 1889. Großh. Bürgermeisterei Lich. Walz. 589 Aeikgevotenes. Montag Abend treffen Schellfische in bekannter frischer und la. Waare ein- Emil Orbig, 458 Bahnhofstraße 30. B Drogerie S eltersweg 39 empfiehlt [510 Besten Medicinal- Leberthran. Liebig’s Paddln gpnl vor zur Herstellung von Puddings rc. Liebig’» Backmehl, ohne Hefe zu verwenden, zur sofortigen Herstellung von Kuchen, Gebäcken rc. Liebig’s Pflanzengelee für Fisch- und Fleischgel6e's, durchsichtigen Crömes, Eis rc. Man verlange ächt „Liebig“ und Neceptbuch. Ferd. DrebeS, Emil Fischbach, C. G. Kleinhenn, Fr. Leo, Carl Schwaab. 536 Der Dorstand Ichaelis'Bichel-Cacao. A s d ‘SarqpuBqqong idpaC m aidcutanuaqojj e i 12J P P I ft ■ R o B e- P O P M CD o ET cn Die besten Deklamationen u. komische Vorträge für frohe Menschenkreise. 9. Aust. — Preis 1 JL 50 Vademecum für Dilettanten. 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