Nr. 272. Erstes Blatt. Donnerstag den 21. November 1889. Der Hleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aamikienbkäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigclegt. cheneral-Mnzeiger Rcdaction. Expedition und Druckerei: Schutstraße Zir.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Alwnncmcntspreis: 2 Mark 20 Pfg. mH Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. unb AnzsigsblKtt für den ICrcis Greszen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamilienblätter. Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, Nachdem die unter der Heerde des Schäfers Gert zu Nüddingshausen ausgebrochene Schasräude nach Ab- schlachtung sämmtlicher Thiere und Ausführung vorschriftS- mäßiger Desinsection als erloschen zu betrachten ist, wird die unter dem 28. September l. I. verhängte Sperre hiermit wieder aufgehoben. Gießen, den 18. November 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Mit Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 25. August 1888 wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Norddeutschen Versicherungs- und Nentenbank in Hamburg die Erlaubntß zum Geschäftsbetriebe im Großherzogthum aus Widerruf ertheilt worden ist. Gießen, am 18. November 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Die über die Schalheerde zu Lumda wegen Räude verhängte Sperre wird, nachdem die Seuche als erloschen zu betrachten ist, hierdurch aufgehoben Gießen, den 19. November 1889. Großherzoglicheü Kreisamt. v Gagern. poletndic Nebersiedt. Gießen, 20. November. In der Neichshauptstadt haben am Dienstag die Neuwahlen zur Stadtverordneten Versammlung ihren Anfang genommen. Dieselben haben sich diesmal ausschließlich zu einer- politischen Partcisache gestaltet und kann man sie daher als eine Kraftprobe der politischen Parteien Berlins für die heran- nahendcn Reichstagswahlen betrachten. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Blättermeldnngcn über die angeblich bedenkliche Lage im deutschen Schutzgebiet in Südwestafrika als bedeutend übertrieben. Wenn sich daselbst die Verhältnisse unzuträglicher gestaltet hätten, als sich zuerst erwarten ließ, so trügen hieran die Hetzereien fremder Agitatorelt unter den Eingeborenen gegen die Deutschen die Schlild. Unter den nichtdeutschen Angelegenheiten nehmen diesmal die revolutionären Vorgänge in dem fernen Brasilien das Tagesintercsse in erster Linie in Anspruch. Ueberraschend schuell und merkwürdiger Weise ohne Blutvergießen und größere Unruhen hat sich in diesem Lande der Uebergaug von der Monarchie, der einzigen Südamerikas, zur Republik vollzogen, es ist anscheinend nicht einmal ein ernster Versuch, die Revolution zu bckämpfeli, gemacht worden und auch die Provinz Bahia, welche hierzu Miene machte, hat inzwischen die Neuordnung der Dinge anerkannt. Der gestürzte Kaiser Dom Pedro II. befindet sich mit seiner Familie seit Sonntag aus der Ueberfahrt nach Europa, um hier in der Stille des Privatlebens die Undankbarkeit und Wankclmüthigkeit seines Volkes zu betrauern. In Rio de Janeiro aber ist von den derzeitigen Gewalthabern unter Zustimmungscrklärungcn aus den Provinzen zur Stunde vermuthlich schon die Republik der „Vereinigten Staaten von Brasilien" proclamirt worden, deren Haupt der provisorische Ministerpräsident, General Fonscca, der eigentliche Leiter der so siegreich verlaufenen Revolution, sein wird. Die neue Regierung will alle bisherigen staatlichen Verpflichtungen Brasiliens einhalten, allen Unordnungen entgegentrctcn und ihr Thun den auswärtigen Regierungen gegenüber in einem besonderen telegraphischen Circular rechtfertigen. Zunächst ist also die Umwandlung Brasiliens in ein republikanisches Staatswesen ohne Schwierigkeiten vor sich gegangen, aber eine andere Frage ist es, wie lange die Einigkeit unter beu neuen Machthabern dauern wird, und ferner, ob nicht die Nachbarstaaten Brasiliens versuchen werden, für sich von dem Umstürze der Verhältnisse in diesem Ungeheuern Reiche zu profitiren- die nächste Zukunft wird hierüber wohl bald Aufschluß bringen. Die erste, am Montag abgehaltenc Conferenzsitzung des in Drüsiel zusammengetretenen internationalen Congresscs in Sachen der afrikanischen Sclaverestrage betraf nur die Er lcdigung geschäftlicher Vorfragen. Da der belgische Minister des Acußern, Fürst Gimay, die Leitung des Congresses ab- lchnte, so wurde zu dessen Präsidenten Baron Bamberton gewählt. Am Dienstag nahm der Congrcß die Ausschußwahlen vor. Der Landtag von Oberösterreich nahm den Antrag des Abgeordneten Struadt an, die Regierung zu ersuchen, daß sie der Volksschule den consessionellen Charakter wieder- gcbcn möge. Der Neichscomunsiar Wißmann hat nach seiner Rückkehr aus dem Innern Deutschostafrikas nach der Küste die Beruhigung der Landschaft Useguha vollendet. Von vielen Seiten gingen bei ihm Gesuche um Abschluß des Friedens ein. Nach neuerlichen Nachrichten aus Abyffinien sollte am 8. November die feierliche Krönung des Königs Menelik von Schoa znm Negus von Abyssinien in Gegenwart seiner Vasallenfürsten und Generäle in Antolo erfolgen, sic hat also zur Zeit vermuthlich schon stattgefundcn. Nach der Krönung beabsichtigte Menelik anfzubrcchen und die Provinz Tigre, woselbst jüngst Ras Alula, der letzte Heerführer des Negus Johannes, von einem General Meneliks geschlagen wurde, zu besetzen. Deutscher Neichstag. 18. Plenarsitzung. Dienstag den 19. November 1889, 1 Uhr. Haus und Tribünen sind spärlich besetzt. Am Regiertlngstischc: Dr. v. Bocttichcr, Minister Dr. v. Lucius u. A. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: Fortsetzung der zweiten Etatbcrathung; Speciallttat des Reichsamts des Innern und Capitel RcichsgcsundheitSanit mit den Anträgen Dr. Barth (dfr.): das Schweine - Einfuhrverbot an der dänischen Grenze auszuheben, und Webs kl) (nL): dahin zu wirken, daß die Erlaubniß zur Einfuhr lebender Schweine nach inländischen Schlachthöfen in möglichst ausreichender Weise ertheilt werde. Abg. Buddcberg (dfr.) schildert die durch daö Schweine Einfuhrverbot in Sachsen hervorgerufcnen Ucbelstände- die Erhöhung der Fleischpreise in Sachsen komme dem Betrage nach einer Erhöhung der Einkommensteuer um 75 Procent gleich. Es sei auch in der Bevölkerung kein Zweifel darüber, daß diese höheren Fleischpreise nicht etwa von den Fleischern herrühren, so wenig wie die Bäcker die Schuld tmgen an den hohen Brvdpreisen. Der Getrcidezoll treibt diese in die Höhe, daS zeige sich in den Grenzdistrictcn, WO das Brod in den deutschen Läden erheblich theurer sei als in den ausländischen, während zlvischen beiden Läden die Zollgrenze hindurchgeht. Mit der Sperrmaßregel hat man dem Volke eine neue Last aufgebürdet. Wir glauben das Unserige gcthan zu haben, um dem Volk diese Last zu erleichtern. Staatssecretär Dr. v. Boctticher: Die allgemeinen politischen Erörterungen verschulden es, daß sich die Verhandlungen des Hauses über die Gebühr in tic Länge ziehen. (Oho! links.) Ich kann nur wiederholen, daß die Nachthcile des Einfuhrverbots weit ausgewogen werden durch dessen Vortheile. Durch Verbilligung der Eisenbahntarise für den Schweinctransport im Jnlande haben wir uns bemüht, den Ausfall infolge des Verbots durch billige Zufuhr auszu- gleichcn. Sachsen hat keinen Grund zur Klage, nachdem in Dresden vor einigen Tagen ein neuer Schlachthof eröffnet ist. Die Dauer der Spcrrmaßregel ergicbt sich ganz von selbst aus ihrem Zweck. Sobald die Ansteckungsgefahr vorüber ist, wird die Sperre aufgehoben werden. Für den Antrag WebSky liegt eigentlich kein Bedürfnis; vor, nachdem die verschiedenen Einsuhrstellcn in Oberschlesien geöffnet sind. Feuilleton. Hessische Dichter der Gegenwart Von Dr. Ella Mensch. VI. sRachdruck verboten ] lieber den „Rienzi" äußerte der bekannte Litterarhistoriker .'Hermann Hettner: „Ich kann mit bester Ueberzeugung sagen, daß dies Tranerspiel zu dem werthvollsten gehört, waS die neuere Dramatik aufzuweisen hat." Die anderen Dramen Pirazzis wie: „Gräfin Chatean- briant" — „Die Erbin von Maurach", das Lustspiel „Auf der Hochzeitsreise" haben gleichfalls den Weg auf verschiedene Hof- und Stadttheater gefunden, ohne indeß dauernde Be- standthcile des Repertoires zu bleiben, obschon sie Scenen bergen, die sich durch Kraft deS Ausdrucks und Größe der Auffassung weit über das Mittelgut erhebe», mit welchem so viele kleine und große Bühnen ihren Bedarf an Stücken zu decken pflegen. Der echte Dichter, welcher nicht um die Gunst des Augenblicks, den blendenden TageSerfolg buhlt, läßt sich durch solch scheinbare Mißerfolge nicht beirren, er hält fest an dem Ideal und findet Befriedigung im freien, durch keine äußeren Interessen bedingten Schaffen: „Das Strevin reizt. doch nimmer die Erfüllung, Im Ringcn nur i)u voll befriedigt, bist. Saturn entfessle Deines GeislcS Flüge, In höbet» Streben rhuc Dir Genüge." Die Gedichte, welche Pirazzi unter dem Titel „Im Herbste des Lebens" 1888 veröffentlicht hat, könnte man füglich ein poetisches Tagebuch nennen, in welchem alle die inneren und äußeren Eindrücke und Erfahrungen, die sich im Laufe der Jahre in des Dichters Leben angesammelt haben, .niedergelegt sind, wie solches das auch schon daS Goethe entnommene Motto andeuten will: „Was eine lauge weite Strecke im Leben von einander stand, das kommt nun unter Einer Decke dem guten Leser in die Hand." Das Gelegenheitsgedicht steht in Pirazzis Poesie in üppiger Blüthc. Sic greift auf, was der Tag bringt und nimmt, aber nicht in gewöhnlicher Verseschmiedmanicr, sondern stets mit dem Blick für das Schöne und dem Verstäudniß für das Wesentliche im flüchtigen Ereignisse. Für politische und patriotische Feste hält Pirazzi seine Leier bereit, er stimmt sie, wenn es gilt, einen Sängergruß an einen Turnverein zu senden oder einen Trinkspruch zur Eröffnung des Frankfurter Opernhauses auszubringen oder dem fünfzigjährigen Bestehen des Darmstädter Musikvereins ein Festspiel („Die Knnst des Gesangs") zu weihen. Für solche und ähnliche Anlässe findet Pirazzi stets den guten Gedanken, das wohllautende Wort. Die Sammlung „Im Herbste des Lebens" bietet nicht nur die Ernte der Jahre, das, was der reife Mensch an Weisheit und Erfahrungen eingebracht, an Illusionen begraben hat, sondern was frischer Jugendmuth geträumt und erstrebt an persönlichem Glück und an Gütern für das Allgemeinwohl. Den vaterländischen Gefühlen ist u. a. in dieser Gedichtsammlung ein breiter Raum gegönnt. Noch ehe sich im Jahre 1870 unsere nationalen Geschicke so glorreich und so ganz anders entwickelten als die Kleinmüthigen es je zu ahnen gewagt, hatte Pirazzi schon fest und unentwegt auf Seite derer gestanden, die an die neue bessere Zukunft des deutschen Vaterlandes glaubten. In dem Gedichte „Germania" vergleicht er dieses sinnig mit den bekannten deutschen Märchengestalten. Der Ritter, welcher Schneewittchen aus dem gläsernen Sarkophage erlöst, der Prinz, der Dornröschens romantischen Zauberschlaf bricht, der Königssohn, welcher das arme Aschenbrödel zu Glanz und Ehren bringt, sie werden dem Dichter Vorbilder, Typen des einstigen Erweckers Dentschlands. Die patriotische Ader in Pirazzi muß um so mehr hervorgehoben werden, als seine Abstammung ihn nicht direct dem deutschen Volke verpflichtet. Die Sehnsucht nach Italien, dem Lande seiner Väter, gibt u. a. sich in dem Sonett kund: „Wie zieht es mich nach jenen Zauberlanden, dem Heimath- rcich der Myrthen und Citronen, nach jenen paradiesisch heitren Zonen, wo einst die Hütten meiner Väter standen". Der stark entwickelte historische Sinn des Offenbacher Poeten, der ihn wiederholentlich zum geschichtlichen Drama führte, befähigt ihn auch in hohem Grade zu wissenschaftlichen Studien. Das dem jetzigen Großherzog gewidmete Buch „Bilder uud Geschichten aus Offenbachs Vergangenheit" ist hierfür ein klarer Ausweis. Mit gewissenhafter Heranziehung des vorhandenen statistischen Materials gibt Pirazzi in einer Reihe von Bildern die Entwickelung Offenbachs von den frühesten Anfängen bis zur Entstehung der Offenbacher Industrie. Eine ebenso eingehende als fesselnde Schilderung empfängt im Schlußkapitel die geistige Blüthezeit der Stadt, Goethe und sein Offenbacher Freundeskreis. Paul Heyse bemerkt zu diesen „Bildern und Geschichten" : „Die schwere und nicht in allen Theilen dankbare Aufgabe, die sich der Verfasser mit diesem Werke gesetzt, wird kaum mit mehr Tact und Anmuth zu lösen sein, so daß selbst den Fernerstehenden dies Werk der Heimathliebe erfreulich an- heimelt. Wo mir, wie im letzten Abschnitt, die Acten nicht unbekannt waren, bin ich mit allen Urtheilen des Verfassers über Menschen und Verhältnisse vollkommen einverstanden." Gefährlich aber ist die Versorgung der Schlachthöfe durch Landtransporte. Die Viehseuchen müssen wir energisch bekämpfen, denn England hat bereits die deutsche Einfuhr gesperrt und dadurch eine wahre Calamität in Schleswig-Holstein hervorgerusen. Ich bitte es aber bei dem Einfuhrverbot zu belassen. Abg. Dr. Windthorst (Ctr.): Es kann sich nur darum handeln, ob im Auslande gesährliche Ansteckungsherde vorhanden sind. Ist dies der Fall, dann muß die Einfuhr verboten werden, ist es nicht der Fall, dann hebe man das Verbot auf. Graf Mirbach hat gestern sehr wenig glücklich für seine Zwecke gesprochen. Er that, als ob das Verbot für alle Zeit bestehen bleiben soll. Davon ist keine Rede. Die Sache ist übrigens wichtiger, als die Herren vielleicht denken- ich bekomme alle Tage Briefe, in denen Mage geführt wird über die Preiserhöhung für Lebensmittel. Das Verbot muß so bald als möglich aufgehoben werden. Traurig ist es, daß die Speculation sich der Sache bemächtigt hat und aus diesem Nothstande Vortheil zu ziehen sucht. (Ruf: Das thun die Agrarier!) Dann ist es von ihnen ebenso unrecht. Die Regierung muß durch ihre Consularagcnten sich genau über den Stand der Seuche im Auslande unterrichten und sobald als möglich die Sperre aufheben. Minister Dr. Lucius v. Ballhausen vertheidigt als Chef der preußischen Veterinärpolizei die prophylactischen Maßregeln gegen die in Dänemark ausgebrochene Seuche. Diese Maßregeln haben auch den gewünschten Erfolg gehabt, die Seuche ist bei uns nicht zum Ausbruch gekommen. So oft man den Versuch machte, die dänische Grenze zu öffnen, brach dort die Seuche von Neuem los. Selbst wenn England die Sperre ausgehoben hätte, so könnte das uns nicht nöthigen, die gleiche Maßregel zu treffen. Die Seuche hat aber in den östlichen Grenzdistricten erschreckende Ausdehnungen angenommen. Die österreichische Regierung hat selbst die Sperre auf dem von ihr so vorzüglich organisirten Zuchtorte Steinbruch angeordnet- Beweis genug, daß auch die unsererseits verhängte Sperre gerechtfertigt war. Aehnlich liegen die Dinge Rußland gegenüber, wo die Einschleppung der Seuche in Oberschlesien nachgewiesen ist. Dem Antrag Websky kann erst stattgegeben werden, wenn die Verhältnisse dies gestatten, keinen Tag früher, aber auch keinen Tag später. Abg. Dr. Websky (nt.): Die Zollfrage kann mit dem Einfuhrverbot in keinen Zusammenhang gebracht werden. Der Antrag Barth würde doch nur sehr partiell sein und nur zu Gunsten Schleswig-Holsteins wirken. Viel schwerer als der Norden werde aber Schlesien von der Sperre betroffen, dort würde, wenn die Sperre streng durchgesührt würde, direct eine Hungersnot!) eintreten. Abg. v. Wedell-Malchow (cons.) tritt Buddeberg entgegen, der nur eine Wahlrede gehalten habe. 1886 vor der Sperre und vor dem Zolle waren die Preise so hoch wie die heutigen. Schon längst bemühen sich die landwirthschaftlichen Vereine, ein Gesetz zum Schutze gegen Einschleppung von Seuchen zu erreichen, so lange das fehlt, ist die Sperre dringend nöthig. Der Antrag Websky ist gefährlich, denn auch nach diesem sind Einschleppungen nicht zu vermeiden. Abg. B r ö m e l (dfr.): Die Schweinefleisch-Preise haben eine Höhe erreicht, wie seit Jahrzehnten nicht, ja wie vielleicht noch niemals. Die Preissteigerung in Holland ist lediglich eine Folge der Preissteigerung bei uns, denn die rheinischen Provinzen müssen auf Holland zurückgreifen, um ihren Bedarf zu decken. Es sei nicht zutreffend, daß die veterinären Verhältnisse in Dänemark die Aushebung der Sperre nicht gestatteten. Thatsächlich wird dänisches Schweinefleisch nach England in großen Mengen ausgeführt. Die Sperre ist zu dem von der Regierung angegebenen Zwecke weder nöthig noch günstig. Abg. Sedlmayr (nl.) befürwortet den Antrag Websky. Für eine gesunde Preisbildung und um der Speculation einigermaßen Schranken zu ziehen, sei eine Zusuhr vom Auslande nöthig. Redner wünscht namentlich zu wissen, ob die Regierung geneigt sei, dem Wunsche der Münchener Handelskammer stattzugeben und Erleichterungen für die Rindvieh- Einfuhr aus Oesterreich eintreten zu lassen. Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Anträge liegen dem Bundesrathe noch nicht vor- sie können aber auf eine wohlwollende Erwägung berechtigter Interessen rechnen. Abg. Gras Hoensbroech (Ctr.) hält dem Abg. Broemel gegenüber die Behauptung aufrecht, daß in Holland das Fleisch ebenfalls theuer sei. Es lasse sich aus Einzelheiten erkennen, daß diese Preise nicht abhängig sind von dem Fleischbedarf in Deutschland. Abg. Frhr. v. Friesen (cons.) erklärt sich gegen die Anträge- auch in Sachsen lägen die Verhältnisse nicht so schlimm, da 3/4 des Bedarfs im Lande producirt werden. Abg. Gras von Holstein (cons.): In Schleswig-Holstein sind alle Kreise der Bevölkerung mit den strengsten Ab- sperrmaßregetn einverstanden. Für diese ganze Provinz ist die Aussuhr nach England eine Lebensfrage und diese kann nur wieder erreicht werden, wenn die Provinz seuchenfrei bleibt. Das ist aber nur möglich, wenn die Sperrmaßregeln streng aufrecht erhalten bleiben, so lange die Seuche in Dänemark nicht sicher erloschen ist. Abg. Kröber (Volksp.) befürwortet den Antrag Barth gegenüber den Ausführungen Sedlmayrs. Abg. Dr. Engler (nl.) wünscht die Einsührung eines Staatsexamens für Chemiker. Die Industriellen legten hierauf besonderen Werth. Staatssecretär Dr. v.Boetticher: Die Sache ist Unterrichtsangelegenheit und als solche Sache der Einzelstaaten- das schließt nicht aus, sie von Reichs wegen anzuregen. Für Nahrungs-Chemiker sind die Grundzüge einer Prüfungsordnung ausgearbeitet. Abg. Goldschmidt (dsr.) betont die Nothwendigkeit einer Prüfung der Nahrungsmittel-Chemiker, aus deren Gutachten hin die weitgehendsten gerichtlichen Anklagen erhoben werden. Abg. Grub (nl.) wünscht Erweiterung der Rechte der Realgymnasien und namentlich Zulassung ihrer Zöglinge zum Universitäts-Studium. Staatssecretär Dr. v. Boetti eher: Die Frage ist erwogen, doch sei die Regierung nicht zu einem bejahenden Resultate gekommen. Die Debatte wird geschlossen, das Capitel Reichsgesundheitsamt wird genehmigt. — Der Antrag Barth (Aufhebung der dänischen Schweinesperre) wird abgelehnt, ebenso der Antrag Websky (Erleichterung der Zufuhr nach inländischen Schlachthöfcn). Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Fortsetzung der Etat- berathung. — Schluß 5^ Uhr. Netteste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 19. November. Der Magistrat erhielt aus seine Eingabe an den Reichskanzler wegen Zulassung der Steinbrucher Schweine in Berlin und anderen Städten mit ähnlichen Schlachteinrichtungen, vom Minister der Land- wirthschast den Bescheid, daß /da die ungarische Regierung die Schweineaussuhr aus Steinbruch nach Deutschland sistirt habe, die Ausdehnung der für die Montanbevölkerung Ober- 'chlesiens gewährten Dispensation nicht erfolgen könne, da die Einsührung verdächtiger Schweine aus veterinärpolizeilichen Gründen unstatthaft sei. Berlin, 19. November. In der Budgetcommission begründete heute der Kriegsminister die Vorlage betr. Organi- ation zweier neuer Armeecorps und führte aus, dieselbe sei aus einem inneren Bedürfniß der Armee erwachsen und stehe in keinerlei Verbindung mit dem neuen französischen Wehrgesetz. Die vorgeschlagene Organisation sei als eine Art Abschluß anzusehen. Nachdem noch die Abgeordneten Hüne und Graf Ballestrem für das Gesetz eingetreten, wurde die Vorlage einstimmig angenommen. München, 19. November. Die Kammer der Abgeordneten berieth heute den Militäretat. Der Kriegsminister erwiderte aus zahlreiche Anfragen, daß Mißhandlungen von Soldaten sehr streng bestrast würden, doch seien trotz aller Controle Ausschreitungen schwer ganz zu beseitigen. An Sonntagen sei das Militär grundsätzlich dienstfrei, jedoch nicht an zwei Feiertagen hinter einander. Die Militärgeistlichkeit fände auch weiter das Wohlwollen der vorgesetzten Behörden - eigene Militärkirchen kenne jedoch Bayern nicht. Die diesbezügliche in dem Etat des Deutschen Reiches enthaltene Quote gelte für das gesummte Reich, ohne daß Einzelwünsche dabei Berücksichtigung fänden. Der directe freihändige Ankauf von Lebensmitteln und Fourage werde thunlichst bevorzugt und bei den vom Militär ausgeschriebenen Submissionen würden alle billigen Wünsche berücksichtigt. Morgen Fortsetzung frei- Berathung. Bremerhaven, 19. November. Im neuen Hasen ist der Baumwolle löschende englische Dampfer „Ocean King" heute früh 6 Uhr in Brand gerathen. Der Vorderraum wurde unter Wasser gesetzt- die Löscharbeiten werden fortgesetzt. Der Schaden ist noch unbekannt. Rakel a. d. Netze, 19. November. Landtagsersatz- w a h l. An Stelle des Gutsbesitzers Schultz-Karolewo wurde der Gutsbesitzer Born-Fallois-Sienno (conservativ) gewählt. Die Liberalen und Polen enthielten sich der Abstimmung. Wien, 19. November. Der Botschafter Szechenyi ist heute nach Berlin, der Bischof Kopp, welcher an der Conferenz der Bischöfe theilnahm, nach Breslau abgereist. Pola, 19. November. Prinz Heinrich von Preußen ist Morgens 8 Uhr mit der „Irene" nach Korfu abgereist. Die österreichischen Schiffe hißten die großen Flaggen und leisteten von den Raaen Salut. Der „Habsburg" gab 21 Kanonenschüsse ab. Paris, 19. November. Deputirtenkammer. Nach vollständiger Constituirung des Bureaus hielt heute der Kammerpräsident Floquet eine Ansprache an die Abgeordneten, in welcher er sagte, er werde sich bemühen, das Vertrauen feiner Collegen zu verdienen. Er werde ohne Rücksicht aus seine persönlichen Neigungen Allen die Freiheit der Tribüne sichern. Er constatire, daß das republikanische Frankreich den Willen geäußert habe, seine Mandatare in Einigkeit zu sehen. (Beifall.) Schließlich richtete Floquet den Appell an die Abgeordneten, daß sich die gesummten Kräfte der Demokratie einmüthig um die Regierung der Republik schaaren mögen. Hierauf verlas der Ministerpräsident Tirard die Erklärung der Negierung. London, 19. November. Aus Brasilien sind heute in der City Privatnachrichten eingegangen, denen zufolge sich das Geschäft von der durch die Revolution verursachten Lähmung zu erholen beginnt. London, 19. November. Der Brauereibesitzer Edward Guiuueß in Dublin stiftete für die Errichtung und den Bau von Arbeiter Wohnungen 250 000 Pfd. Sterl. (5 Mill. Mark), welche sich mit 200000 aus London und 50000 auf Dublin vertheilen. Rom, 19. November. Der in außerordentlicher Mission hier anwesende englische Abgesandte Simons ist gestern vom Papste behufs Überreichung seiner Creditive empfangen worden. Brüffel, 19. November. Auf dem Antisclaverei- congreß legten mehrere Mitglieder die allgemeinen Anschauungen ihrer Regierungen dar, andere überreichten schriftliche Erklärungen. Sodann wurde die Geschäftsordnung sestgestellt und eine Commission zur Prüfung der zur Unterdrückung des Sclavenhandels zu ergreifenden Maßnahmen ernannt. Die Commission wird morgen zusammentreten. Athen, 19. November. Das dänische Königspaar ist heute abgereist. j Sofia, 19. November. Anläßlich des Jahrestages der »Schlacht bei S l i v n i tz a wurde in der Kathedrale ein I Requiem abgehalten, welchem Fürst Ferdinand und die Spitzen I der Behörden beiwohnten. In der Kaserne des 1. Jnsauterie- Regimcnts, welches in der Schlacht mitgekämpft, fand ein Tedeum statt - an dem darauf in der Kaserne veranstalteten Dejeuner nahmen Fürst Ferdinand und die Minister Theil. — Aus die erste Rate von 6 Millionen der neuen Anleihe ind bereits 2 Millionen ausgezahlt. Konstantinopel, 19. November. Eine officielle Kundgebung beklagt, daß ein Theil der französischen Presse fortfährt, den dem deutschen Kaiserpaare durch den Sultan und die Bevölkerung bereiteten Empfang in durchaus falschem Lichte erscheinen zu lassen. Der Verdruß, welcher gerade diesen über die Verhältnisse im Orient offenbar schlecht unterrichteten Theil der französischen Presse durchdringt, beweist nur, daß sich derselbe durch den Besuch in eine salsche Stimmung versetzen läßt, indem er einem reinen Akt der Höflichkeit einen politischen Charakter und Folgen beimißt, die er nicht haben kann. Rewyork, 19. November. Nach den letzten Nachrichten aus Rio de Janeiro sind die von der provisorischen Regierung ernannten Gouverneure sämmtlich Militärpersonen. Die ersten fünf Punkte der Proclamation, welche die neue Ordnung der Dinge verkündet, besagen Folgendes: 1) die Republik wird proclamirt - 2) die Provinzen Brasiliens bilden durch eine Föderation die „Vereinigten Staaten Brasiliens"- 3) jeder einzelne Staat bildet eine eigene Localverwaltung- 4) jeder Staat entsendet einen Vorsteher zu dem demnächst zu berufenden Congreß, dessen endgiltigen Beschluß die provisorische Regierung erwartet, während inzwischen die Gouverneure Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutze der bürgerlichen Rechte treffen- 5) einstweilen vertritt die provisorische Regierung die inneren und auswärtigen Beziehungen. Localer nnö provinzielles. Gießen, 20. November. * Aus unserem herrlich gelegenen, namentlich im Sommer mit Vorliebe gern besuchten Schiffenberge muß es in früheren Zeiten mitunter recht „gemüthlich" hergegangen sein. Wer z. B. glaubt oder von den „Alten" uns weiß zu machen sucht, daß die Menschen in früherer Zeit sittsamer und solider gewesen als heutigen Tags, und daß namentlich die früheren Ausflügler nach dem Schiffenberge dort ganz versteckt ihr Butterbrod gegessen und dazu nur ein ganz kleines Gläschen Bier damaliger Brauart, oder Apfelwein oder Milch getrunken, dann wieder in aller Stille sich nach Hause getrollt und eingeredet haben, daß sie die Besten ihrer Zeit und der Zukunft waren, der irrt sich gewaltig. Mehr wie Radau muß es gegeben haben und heute noch geben, ehe ein Wirth sich dazu entschließen würde, öffentlich sich den Besuch kra- kehlender Gäste zu verbitten. Der im Jahre 1814 auf dem Schiffenberge wirthschaftende Pächter erließ nämlich im „Gieser Anzeigungs-Blättchen" folgende Anzeige: „Um jedem Miß- verständniß in Hinsicht des Grunds der Verabreichung einiger Erfrischungen gegen eine billigmäßige Vergütung auf der herrschaftlichen Domaine Schiffenberg vorzubeugen, finde ich mich veranlasset, hiermit öffentlich bekannt zu machen,^ daß, so angenehm es mir jederzeit seyn wird, Personen von Stand und guten Sitten mich gefällig zu bezeigen, und ihnen dergleichen Erfrischungen zukommen zu lassen, dies jedoch keineswegs als eine jede andere öffentliche Wirthschast, wo nur leider zu oft in der Idee, daß man in einem Wirthshaus sey, für sein Geld toben und lärmen dürfe, wie man wolle, der öffentliche Anstand beleidiget wird, zu betrachten — und daß daher ein Jeder, der wider Verhoffen den guten Zweck hierbey verkennen und durch ein unanständiges Betragen der eingeführten Ordnung und den geselligen Vergnügungen Anderer hinderlich zu werden befürchten lassen sollte, sich es selbst zuzuschreiben habe, wenn er nicht nur keine Erfrischungen erhält, sondern auch diesen Ort überhaupt mit seinen Besuchen zu verschonen hiermit gebeten wird. Schiffenberg, den 25. Mar 1814. A. Weber." — Neber die am 24. und 25. November in Steins Garten austretenden Leipziger Quartett- und Concertsänger schreiben die „Leipziger Nachr." unterm 19. October d. I.: Es ist und bleibt eine bekannte Thatsache, daß die fröhliche und urkomische Sängerschaar, die altrenommirten „Leipziger Quartett- und Concertsänger", die Herren Eyle, Pint her, H 0 s f m a n n, K ü st e r , Frische, Maaß und Hanke, sich nach wie vor der regsten Theilnahme und Beliebtheit seitens des hiesigen und auswärtigen Publikums erfreuen. Bestrebt, nur das Neueste, was auf diesem Gebiete geleistet werden kann, zu bieten, suchen sich die fidelen Sänger immer mehr neue Freunde und Bekannte zu erwerben, denn jeden Abend kann man dieses klar und deutlich an den stets sehr gut besuchten Soireen merken. Mit Stolz blickt die ganze Gesellschaft auf die Vergangenheit zurück und muß den Namen Leipzig hochhalten. m. Theater. „So d 0 m und Gomorrha", Schwank in 4 Acten von Fr. v. Schönthan. In Bezug auf die Vorführung von hervorragenderen Novitäten auf dem Gebiete des Lustspiels entwickelt die Direction unseres Neuen Theaters eine Rührigkeit, um die uns die Theaterbesucher mancher großen Stadt, und gewiß diejenigen der Darmstädter und Berliner Hofbühne, auf denen Neuheiten nach den Klagen der Kritiker Halbwegs ausgeschloffen erscheinen, beneiden könnten. Verdienten diese jedenfalls mit beträchtlichen Geldopfern verbundenen Anstrengungen der Direction schon an sich alle Anerkennung und eine dankbare Aufnahme, so wird es einem vollends bei einem so lustigen und amüsanten Stück wie dem neuen Schönthan'scheu Schwank leicht, solche Herrn Director Reiners in vollem Umsange widerfahren zu lassen. Die Vorstellung zeigte denn auch eine ganz andere, weit vergnügtere Physiognomie, als diejenige vom Sonntage, vor Allem natürlich Dank der hinreißenden Komik des Schwankes und dann infolge des wirklich flotten Ensembles. Wir können heute angesichts des Umstandes, daß der fidele Schwank „Sodom und Gomorrha", der hoffentlich recht bald _ eine Wiederholung erlebt, in der That durchgehends höchst beifalls- inzieller. cn' 20. November, namentlich im Sommer ,0e mu& es in früheren )^9egangen sein. Her m »ei§ zu machen *ett >"Mmer und solider namentlich die früheren dort ganz versteckt ihr n »kleines Gläschen lekwem oder Mch M nach .hause getrollt esten ihrer Zeit und der lüg. Mehr wie Radau geben, ehe ein Wirth ich sich den Besuch kra- im Jahre 1814 aus dem erließ nämlich im „Girier ,eige: „Um jedem Minder Verabreichung einiger ige Vergütung aus her ' botjubeugen, finbc ich icfannt zu machen, daß, rd, Personen von S-tand izeigen, und ihnen der- lassen, dies jedoch Kines- chc Wirthschast, wo nur ü in einem Wirthshaus i dürfe, wie man wolle, -d, zu betrachten — und irhossen den guten Zweck anständiges Bettagen der geselligen Vergnügungen chten lassen sollte, sich es icht nur leine ErsrMgkn Tbaupt mit MS-!>ch-a 25 Wember in Steins iarW »nd E°n-°-ti°ng-r llm 19. October b. J- *, d°° bie£5rC idienoMtnirten »/'WS ««" Eyl°,P'n ^ .wQnn und ö)ante, n°d BeE -en Pnbliknms erste» dieftm Gebiete gelech belltlLd’<“ it U* , ji schwank ) GonioM / w ■ 3”S®tbieteb^ nt«t6n"'wn^cot"'r n linlcre8 a* mancher iie $i“j'ad,e«bC,'*e'1 btiSc eine § ■n» voin y Achwanr^ '"'VnSOinif ie8l)ril 9» cn ff.,.entblei »Tw 5 eine . “ ,1 «*&» "ffenbat gerade "ne fal,chL>»eist " Akt d« >n»g i-imißt, * Re- »Ho«, " ^nen. p 8°^ Wn Mit« Z?,e Staaten w,Wbe« ?Ä lUte* !* ** ErUnS di- inneren 5 würdig besetzt ist, auf jede Ausstellung verzichten und unS kurz fassen, waS die Besprechung der einzelnen Nollen anbelangt. Herr und Frau Reiners dürfen den Löwen- antheil an dem Gelingen der Vorstellnng für sich in Anspruch nehmen. Ebenso waren die Herren v. GallaS, Jaskowski und and) die Herren Frank nnd Ullrich völlig an ihrem Platze und spielten ausnahmslos mit zündender Laune. Ein Gleiches gilt von den Damen Frau Jaskowski und Fräulein Luise Maas, Neuschilling und Helene Pauli in ihrer kleinen Rolle. Wir halten es für unsere Pflicht, den Lesern des „Gießener Anzeigers" gegenüber auch unsererseits auf die Donnerstag stattsindende Wiederholung der „Cyprienne" nachdrücklich aufmerksam zu machen. (In die letzte Besprechung haben sich einige Versehen eingeschlichen, die wir gütigst zu berichtigen bitten. Es muß heißen: Zeile 4: des „Gießener Anzeigers", Zeile 11: „unter Referat", Zeile 62: „eignet", Zeile 67 vor „fließendem" „rasch", Zeile 72 „charakteristische".) Nidda, 19 November. Gestern wurde in einem Walde in der Nähe von Eichelsdorf ein beim Holzfällen beschäftigter junger Mann durch eine fallende Buche derartig verletzt, daß er bald darauf seinen Geist aufgab. * Schotten, 18. November. Herr Or. Gottf. Sch äs erwürbe zum Kreisveterinärarzt des Ureisveterinäramts Schotten ernannt. , Schlitz, 14. November. Gestern wurde ein Landwirth aus Salzschlirf hier inhastirt, welcher im Gräfl. Revier Schlitz vor einiger Zeit wilderte, und dem Anruf des Gräfl. Forstschützen, Herrn Weppler, nicht Folge leistend die Flucht ergriff. (L. A.) Dcrmifcbtcs. Darmstadt, 18. November. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wurde Herr Stadtcaplan Dr. Heinrich Müller zu Seligenstadt an Stelle des vor einigen Monaten in Heppenheim a. d. B. verstorbenen Herrn Decans Conrad Sickingcr zum F e l d g e i st l i ch e n der 25. Division für den Kriegsfall ernannt. Frankfurt a. M., 19. November. Von Seiten der hiesigen Arbeiterpartei ist den Inhabern größerer Wirth- schaftslocalitäten folgende Zuschrift zugegangen: „In der am 21. October im „Storch" tagenden öffentlichen Versammlung der Arbeiter wurde unterzeichnete Commission gewählt, ihr der Auftrag gegeben, sämmtliche Inhaber größerer Wirthschaftslvcalitätcn zu fragen, ob sie ihre Localitäten zu allen Arbeiterversammlungcn zur Verfügung stellen wollen. Das sich ergebende Resultat wird die Commission in geeigneter Weise der Frankfurter Arbeiterschaft unterbreiten und behält sich die Commission vor, cvent. weitere Schritte der Arbeiterschaft anzuempfehlen. Bemüht, dem nns gegebenen Auftrage gerecht zu werden, erlaubt sich unterzeichnete Commission, Ihnen dieses Circular mit nachstehender Erklärung zur gefälligen Unterzeichnung zuzusenden. Wir bitten, innerhalb acht Tagen, vom Tage der Zustellung gerechnet, uns das unterschriebene Circular oder eine Erklärung über Ihre Stellung zu dem Ihnen unterbreiteten Verlangen zukommen zu lassen. Keine Antwort sehen wir uns genvthigt als ablehnenden Bescheid aufzufassen und darnach zu handeln. /Alle Briefe sind au L. Emmel, Meisengasse 18 II, zu richten. Achtungsvoll L. Emmel, Vorsitzender, F. Knoop, I. Hilgen, I. Schmidt, Schriftführer, W. Wolters." — Die geforderte Erklärung lautet: „Unterzeichneter erklärt, daß er seine Localitäten zu jeder Zeit, soscrn sie nicht vorher anderweitig vergeben finb, zu politischen wie gewerkschaftlichen Arbeiter Versammlungen zur Vcrsiigung stellt." Frankfurt, 19. November. In dem benachbarten Bergen ergab sich vor einigen Tagen der seltene Fall, daß eine zum Standesamtc schreitende Braut weder getauft noch consirmirt war und in Folge dessen diese beiden kirchlichen Handlungen nachträglich an ihr vollzogen werden mußten. Es soll sick; hierbei herausgestellt haben, daß die Eltern das Kind böswillig verlassen hatten. — Ein eigenartiges Vcrbängniß hat in Berlin zwei streitende Arbeiter ereilt. Auf einem Neubau waren die Arbeiter Wurinsee und Bachnik in Streit gerathen und der eine gab dem andern einen Schlag ins Gesicht. Da stürzte Bachnick auf Wurmfee, umfaßte ihn und wollte ihn zu Boden werfen. Die Unglücklichen kamen bei dem Ringen der nur mit leichten Latten abgegreuzten dampfenden Kalkgrube zu nahe und bevor man ihnen bcispringen konnte, war das Gitter zerbrochen und beide lagen in dem kochenden Kalk. Zwar noch lebend heransgezogen, wurden die gräßlich verbrannten Leute nach dem Krankenhanse verbracht, doch ist keine Hoffnung auf Erhaltung ihres Lebens vorhanden. Stuttgart, 18. November. Telephonisches Mißverstände niß. Ein hiesiger Professor erhielt vor einigen Tagen ein zuerst in Bayern durch Telephon an eine bayerische Telegraphenstation befördertes Telegramm: „Erwarte Dich morgen, um Hasenfelle zu übernehmen." Dem Herrn Professor war der Sinn der Depesche unverständlich. Auf seine schriftliche Bitte um Aufklärung wurde ihm und) zwei Tagen die Mittheilung, daß er statt der „Hascnfclle" eine „Pathen- stelle" hätte übernehmen sollen. — Im Royal Aquarium zu London ist am Samstag eine sonderbare Wette zum Austrag gebracht worden. Ein junger Mann Namens Sandow hatte 500 Pfund Sterling gewettet, daß er sämmtliche Kraftproben des in jenem Local auftretendcn Athleten Samson nnchmachcn werde, darunter and) das Bravourstück Samsons, das Zerbrechen einer finger dicken Stahlkette durd) das plötzliche Ausschnellen der Muskeln des rechten Oberarms, um den die Kette gewickelt ist. Sandow, ein geborener Deutscher, hat nicht nur die Wette gewonnen, sondern zum Schluß auch noch ein eigenes Kraftstück ausgesührt, welches Samson ihm nicht nachzumachen wagte. Unter dem Jubel der Zuschauer wurde dem jungen Athleten die gewonnene Fünfhundcrtpsundilote (10,000 Mk.) ausgehändigt. Universität- ° Nachrichten. Bonn, 12. Nvvemter. 91 n bir Stelle des an die Akademie in Münster abgegangenen Professors Ketteler ist Professor Hertz für Physik in bte wissenschaftlich- Prüfungs-Commission getretey, und in bie Piüfungs-Eomm ffion für Pharmaceuten wurde für den „ach Göllingen beiufenc« Professor Wallach Privatdocent Dr. Klinger gewählt. Verkehr, Land« und Volkswirthschast. — Die beste Zett, wann Johannisbeersträucher beschnitten werden müssen, ist gerade nach Dem Abfallen Der Blätter. Die Art und Weise des Beschneiens hängt von der Beschaffenheit des Strauches ab. Wenn sie oernachlässiat wurden, sind viele alte und nutzlose Stengel vorhanden; sie sollten alle ausgeschnitten und dadurch die Mitte offen gemacht werden, damir Licht und Luft eindringen können. Der diesjährige Wuchs, an seiner Farbe erkennbar, wird je nach feiner Länse »erkürst; wenn schwach und dünn, weiden zwei Drittel 'ctiwt Vä iar >i i" n> 9111 im.Fl ' ii Schößlinge werden ganz weg- c.enn...m« Brühl'schen Druckern (** c. 6br. Pietsch) iu Gietzeu. Schlußcourse 1 Uhr 15 Min. 108.0011 pCt. Ungar. Goldrente -L 5 k £ s i. Jeikgeöotenes. Austern, Caviar, Sardellen, Sardinen, Rollmöpse, Del-Sardinen. Hummer, Monikend. Bratbückinge, la. Schellfische, Hechte, Backfische, Cabliau, Kieler Sprotten, Bücklinge, LachS rc.. empfiehlt C. G. Kleinheit ns Delicatessen-, Fisch- u Geflügel-Handlung, Bahnhofstratze 59, [9369 de Pologne, Leipzig, Herren Vyle, ^XMnthrr Hoffmann, Küster, Frische, Macrfi, Hanke. Anfang 7 J/2 Uhr. Kossenprels 75 Billets ä 60 vorher bei Herrn Friseur Gustav Gerhardt, Lmdenplatz. Beide Abende neues Programm. Unwiderruflich nur diese beiden A. Holl im Siern empfiehlt Gußkuchen, Apfel- törtchen und Apfelkuchen, Käsekuchen, Windbeutel, Radanküchelchen und verschiedenes kleines mürbeS Gebäck. Täglich frisch.___927° Donnerstag, Freitag und SamStag wird Holländisches Rothkraut und sonstiges Gemüse billigst abgegeben auf dem Brandplatz. 9273 Der Stadtauflaae dieses Blatte- liegt Nr. 4 deS WethKachtSblatt" bei. Bastian, Diener . . . Otto Frank. Josepha, Kammermädchen ........Helene Pauli. Joseph, Oberkellner . Adam Reinbrs. Jean, Kellner ..... Otto Frank Kassenöffnung 71/z Uhr. Anfang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Freitag den 22. November: Nea! Neu! „Die beiden Leonoren“. Cyprienne, seine Frau Anni Reiners. Adhömar v. Gratignan, ihr Cousin ..... Albert Ullrich. ▼on Claviguac .... Max Jaskoweki. Frau T.Brionne,Wittwe Louise Maas. Frau v. Walfontain . Luise Neuschilling. Fräulein v. Lusignan Marie Jaskowski. 4 pCt. Reichsanleihe 3Vs „ . 4 „ Preuß. Consols w * w Mermietßungen. ’ 9261J Dritter Stock, 6 Zimmer und sonst. Zubehör, zu vermiethen- ___.._L.,Bramm, Ostanlage 31. 4^04] Sündgasfe 46 ein Logis zu ver- miethen Näheres Schützenstraße 11. 9366] Eine schöne Mansarden-Wohnung auf sofort zu oerntteihen. - ___________ Frankfurter strotze 30. 9d7]J Zwei meinandergehende fieündlich mobltrte Zrmmer zu vermiethen _______ßubioigsstraße 28 III 9380] Zwei wööltrte Zimmer on ruhige Miether zu oernnethen. Hslm, Bismarckstraße. vermischte Anzeigen. Forderungen an meinen verstorbenen Bruder, Herrn Herz Schulhof, bitte ich bis zum K. Deeember dH. JabreS vei Herrn 9L Stamm, Schulstraße 2, einreichen zu wollen, da solche später keine Berück- fichtigung mehr finden körmen Gladenbach, 11, Nov.ISSS. 8328 3 Rosenthal Wwe, 9^78 Ein Grarratarmbarrd wurde am Sonntag Abend verloren. Der redl Fin-er wird gebeten, dasselbe gegen eine gute Belohnung an die Expedition d Bl- abzugeben.___________ 2365] Gute SchlaHtpfervr zu kaufen gesucht. Von wem? sagt die Erp, d. Bl. 9373 Ein 14—Ibjähriges Mädchen vom Lande gesucht. ___________ Wilhelmstraßc 2, 2 St. 9374 Ein Kindermädchen fofort~ge- sucht von Anna Kleinhenn. 4 pCt. Gießener Obligationen ^eichSbank-DiSkont 5 pCt. — frankfurter ^arrk.Di^ont 5 pCt. Fays ächte w Sodener Mmeras-Pastillen berühmtestes Quellenproduct der im Kurgebrauche befindlichen Gemeinde-Quellen Nr. 3 und 18 zu Bad Soden a. T. geniessen den weitverbreitetsten Huf als vorzügliches Heilmittel gegen iSusten, Verschleimung u.-ffleiserkeit. Bestbewährtes Hausmittel gegen allecatarrhalischen Zustände. Mals- Brust- ((.Lungenleidenden Liasderu»§ und Hülfe bringend. Von medicinischen Autoritäten erprobt, empfohlen und mit der höchsten Medaille preisgekrönt. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pfg. Krauße, Großh. Musikdirector. Das kaufende Publikum erhält öfter künstliche Imitationen R' von Sodener Mineral-Pastillen und werden die geehrten Consumenten ersucht, unter keinen Umständen diese Nach- ® ® ahmungen anzunehmen, sondern auf der Verabreichung von D @ FAVs ächten Sodener Mineral-Pastillen zu "bestehen und M ® alles Andere entschieden zurückzuweisen. [9367 GOOGGOGGGGGGMOOGGOSSGOGG Eine Parthie trüb gewordene Wäsche, sowie ein Posten zurückgesetzter Wollwaaren bedeutend unter Preis. G-eschw. Heerz, 9381]________Neuenweg 7.________ Für Mülfier. ©tue sehr gute Griesputzmaschine, Syfl. Gebr S e ck, ist wegen Aufgabe der Weizenmüll, billig zu verkaufen Näheres in der Exped. d. Bl. 9360 167.10 238 25 103.00 H rrpei er 296.80 134.25 Oftpreutzen 94.10 175.90 Bochumer Sußflahlaetien 236 40 Tendenz: stütig. —.— 15 p&t. BuderuS-Obligationen 1'50 Ein guter Rat « Z ist ToldeS wert! Die Wahrheit dieser Worte lernt man besonders in Krankheitsfällen kennen und darum erhielt Richters Verlags-Anstalt di« herzlichsten Dankschreiben für Zusendung deS kleinen illustrierten BucheS „Der Krankenfreund". Wie die bet» gedruckten Berichte glücklich Geheiltcr beweisen, haben durch Befolgung der darin enthaltenen Ratschläge selbst noch solche KrankeHeiluug gefunden, welche bereits all« Hoffnung enfge» Seien hatten. Dies Buch, in welchem ie Ergebniffc zwanzigjähriger Ersuch, rungen niedergelegt sind, verdient die ernsteste Beachtung eines jeden Kranken, gleichviel an welchem Übel er leidet. Niemand sollte deshalb versäumen mittelst Postkarte von Richter- Serlags-Austalt m Leipzig oder New- York, 310 Broadway, die 936. Auflage deS ^Kraickenfieund" zu verlangen. Die Zusendung erfolgt kostenlos.