Nr. 297. Freitag den 20. December 1889. Der Hießrser -«relger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Tie Gießener Jiamikieubtätter werden dein Anzeiger Wüchenklich dreimal deigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger Abonnementsprei»: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchukstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen. ............! Hraiiskeilaqe: Hichener KamikienöKtter. folgenden Tag erscheinenden Nummer biS Borm. 10 Uhr. [ o K _________°______!_______"____________L—— Amtlichem Theil. Bekanntmachung, Feldbereinigung in der Gemarkung Ruttershausen betreffend. Nachdem das Großh. Kceisamt Gießen die Emleitung des Verfahrens der Feldbereinigung und der Anlage von Wegen in den Baumstücken in der Gemarkung Ruttershausen beantragt hat, nachdem von der Großh. Landescommission für Feldbereinigung das beantragte Verfahren als zulässig erachtet und der Unterzeichnete als CommiffLr zur Leitung der Abstimmung bestellt worden ist, wird Tagfahrt zur Abstimmung über den gestellten Antrag auf Montag den 13. Januar 1890, Vormittag» von 10 bis 12 Uhr, in da- Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen anberaumt und zu derselben die beteiligten Grundeigentümer unter dem Rechtsnachtheil eingeladen, daß diejenigen, welche in dem Termin weder persönlich noch durch gehörig Bevollmächtigte abstimmen, als für den gestellten Antrag stimmend angesehen werden. Gießen, am 17. December 1889. Der zur Leitung der Abstimmung bestellte Commiffär: Rebel, Amtmann. politische Ueversicht. Gießen, 19. December. Die Nachrichten aus den westdeutschen Kohlenbezirken lauten, wenigstens was die Lage im Saarrevier anbelangt, noch immer ernst genug. Trotz der Erklärung der königlichen Berginspection, daß die entlassenen Bergleute zur Arbeit wieder angenommen werden sollen und ungeachtet noch anderer Zugeständnisse seitens der Grubenverwaltungen verharrt ein Theil der Bergleute des Saargebietes aus der Arbeitsverweigerung und machen die Strikenden zur Bedingung ihrer Wiedcranfahrt, daß alle Zugeständnisse der Bergwerksdirection in die Arbciterordnnng anfzunehmen seien. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß auch die noch weiter arbeitenden Bergleute striken werden, wenn die genannte Forderung von den königlichen Bergbehörden nicht beloittigt wird und dann würde die Arbeitseinstellung im Saarreviere allerdings einen allgemeinen Character erhalten. Von irgend welchen Ausschreitungen der Strikenden ist noch nichts gemeldet worden, aber es scheint unter den Bergleuten des Saarrevicres doch eine bedenkliche Stimmung zu herrschen, da man es behördlicherseits für angezeigt gehalten hat, in Dudweiler, welches als der Centralpunkt der Strikebewegung gilt, ein Bataillon Infanterie einrücken zu lassen. Aus den westfälischen und schlesischen Kohlenbezirken liegen neuere Nachrichten von Belang nicht vor. Feuilletsn. (Nachdruck ohne Quellenangabe untersagt.) Ucue Briefe von „Krau Rat" (wie bekanntlich Goethes Mutter im engeren Bekanntenkreise hieß) veröffentlicht die Goethe-Gesellschaft in Weimar als 4. Band ihrer Schriften und bietet damit ihren Mitgliedern eine inhaltsvolle und willkommene Weihnachtsgabe. Außer 3 Briefen aus den 80er Jahren und der Urkunde von 1797, durch die Frau Aja zu Gunsten ihres Enkels auf ihr Pflichtteil an dem Nachlaß ihres Sohnes verzichtet, bringt die Ausgabe in chronologischer Reihenfolge 207 Briefe zum Abdruck, welche jene in den Jahren 1792—1808 an Goethe, Christiane und August v. Goethe gerichtet hat. So dankenswert für ihre Zeit Veröffentlichungen wie R. Keils „Frau Rat" (1871) waren, so konnten sie doch nur unvollständige Bruchstücke nach mangelhaften Abschriften bieten und alle Verehrer der seltenen Frau werden die wortgetreue Veröffentlichung der Briefe, in denen diese sich ganz giebt wie sie ist, mit Freude begrüßen. Welch fortdauerndes herzliches, inniges Verhältniß zu ihrem Sohn und seiner Familie lehren uns die Briefe erkennen! Wie bald schwindet z. B. die Zurückhaltung, die Frau Aja anfangs noch Christiane*) gegenüber beobachtet, und lange vor der Trauung ihres Sohnes kehrt die Anrede „Liebe Tochter!" regelmäßig wieder. Welchen Eindruck die Schwiegertochter bei persönlicher Bekanntschaft auf Goethes Mutter machte, lassen wir sie mit ihren eigenen Worten schildern: „17. April 1807. Lieber Sohn! Dein *) Christiane Vulpius, die Mutter von Goethes Sohn August, lebte seit 1788 in dem Hause des Ersteren. Bekanntlich erfolgte die kirchliche Sanctton des Lebensbundes zwischen Goethe und Christiane nach der Schlacht bet Jena. Im Elberfelder Geheimbundsproceß ist am Dienstag die Beweisaufnahme endlich geschlossen worden und haben nun die Plaidoyers begonnen. Die Schuld der vor dem Elberfelder Gerichtshöfe der Geheimbündelei und anderer soeialistischer Vergehen angcklagten Personen ist für die Mehrzahl derselben durch den bisherigen Proceßverlauf gerade nicht genügend klargestellt worden, dagegen erhellt aus den Aussagen einzelner Angeklagten und verschiedener als Zeugen vernommener Polizeibeamten, daß in den Centren der socialdemokratischcn Bewegung in Deutschland eine geheime socialistische Organisation besteht, wie dies auch schon in früheren Geheimbundprocessen nachgewiesen wurde. , Die bayerische Abgeordnetenkammer genehmigte in ihrer Dienstagssitzung die Vorlage, betr. die Ausführung des Reichsgesetzes über die Alters- und Jnvaliditätsversorgung mit Stimmeneinheit. Der Minister des Innern hatte vorher Mittheilungen über die Ausführung des Gesetzes in Bayern gemacht und zugleich als den wahrscheinlichen Zeitpunkt für das Inkrafttreten desselben den 1. Januar 1891 , als spätesten Termin aber den 1. April 1891 bezeichnet. Im weiteren Verlaufe der Sitzung erklärte der Justizminister auf eine bezügliche Anfrage, die bayerische Regierung gehöre zu jenen Bundesregierungen, welche sich am meisten die Annahme des Reichsentwurses über das bürgerliche Gesetzbuch angelegen sein ließen. Die Gefangennahme und alsbald erfolgte Hinrichtung des Führers des Araberaufstandes in Deutsch - Ostafrika, Buschiris, durch die Deutschen schließt die Erfolge des Reichs- commissars Wißmann bei Bekämpfung der aufständischen Be wegung wirkungsvoll ab, denn allseitig wird das Ereigniß dahin benrtheilt, daß nunmehr die Erhebung im deutschostas- rikanischen Schutzgebiete als endgültig niedergeschlagen betrachtet werden könne. Der Ruhm, den gefährlichen Rebellenführer unschädlich gemacht zu haben, gebührt dem Lieutenant a. D. Dr. Schmidt, einem ehemaligen Stationsvorsteher der deutschostafrikanischen Gesellschaft, welcher einen Streifzug in das Hinterland von Pangani unternommen hatte und hierbei fiel ihm Buschiri in die Hände. Nach einer dem „New-York Herald" zugegangenen Meldung war Buschiri in einem Gefecht mit den Schmidt'schen Leuten glücklich entkommen, aber später von Eingeborenen deS Dorfes Magailla im Usugonalande dingfest gemacht und Dr. Schmidt überliefert worden, nach einer anderen Meldung indessen soll Buschiri von Dr. Schmidt direct gefangen genommen und nach Pangani zu dem dört weilenden Reichscommissar Major Wißmann gebracht worden sein. Der hier vorliegende Widerspruch kommt indessen, gegenüber der Thatsache, daß mit Buschiri ein rasches Ende gemacht worden ist, nicht weiter in Betracht, denn schon am 16. December, also fast unmittelbar nach seiner Gefangennahme, ist Buschiri in Pangani standrechtlich erschossen worden, Bries, welcher die glückliche Ankunft meiner Lieben, Lieben Tochter mir verküntigte, hat mir Hertz und Angesicht frölich gemacht — Ja wir waren sehr vergnügt und glücklich bey- einander! Du kanstGott dancken! So ein Liebes — herrliches unverdorbenes Gottes Geschöpf findet mann sehr selten — wie beruhigt bin ich jetzt (da ich Sie genau kenne) über alles was dich angeht — und was mir unaussprechlich wohl that, war, daß alle Menschen — alle meine Bekandtem Sie liebten — es war eine solche Hertzlichkeit unter ihnen — die nach lOJähriger Bekandtschaft nicht inniger hätte seyn können — mit einem Wort es war ein glücklicher Gedanke Sich mir und allen meinen Freunden zu zeigen — alle vereinigen sich mit mir dich glücklich zu preißen und wünschen Euch Leben — Gesundheit — und alles gute was Euch vergnügt und glücklich machen kan Amen."*) Am meisten erfahren wir natürlich über die Briefschreiberin selbst, und wenn sie auch über keine ungewöhnlichen Schicksale zu berichten weiß, so läßt doch ihre urwüchsige Diction das Interesse des Lesers keinen Augenblick ermatten. Das Schicksal hat es dieser glücklichen Natur vergönnt, daß sie bis an ihr Lebensende ihre Eigenart, jene Mischung von Lebensfreude und Empfänglichkeit für alles Schöne und Gute, von gesundem Humor und unerschütterlichem naivem Gottvertrauen, von reiner Menschenliebe und teilnehmender Neugier, von scharfem Verstand und guter Beobachtungsgabe behalten konnte, und noch die letzten Briefe, die sie wenige Monate vor ihrem Tode schrieb, sind ein beredtes Zeugniß dafür. *) Dies Urteil der scharfblickenden alten Frankfurterin bestätigt tH sprechender Weise die Auffassung von Chrislianens Wesen und Character, mit der die neueste Litteraturgeschichte an der Hand der im Goethe-Archiv aufgefundenen Handschriften (worunter auch viele Briefe von Christiane) der langverkannten Lebensgefährtin Goethes gerecht zu werden begonnen hat. eine Strafe, die der also Gerichtete durch seine zahlreichen grausamen Handlungen auch vollkommen verdient hat. — Zugleich mit diesen wichtigen Meldungen sind auch weitere Nachrichten über Emin Pascha eingelaufen, denen zufolge Emin jetzt endlich außer Gefahr ist und innerhalb 14 Tagen von Bagamoyo nach Zanzibar überzusiedeln gedenkt. Deutsches Reich. Darmstadt, 18. December. Die zweite Kammer wird in der zweiten Hälfte des kommenden Monats wieder zusammentreten. Zur Berathung wird dabei gelangen u. A. die Berichterstattung über die landwirtschaftliche Enquete, das Gesetz betr. die Volksschullehrergehalte; die Vorlage über die Nebenbahnen dürste dagegen erst später zur Erledigung gelangen. Wie der „Tägl. Anz." vernimmt, ist noch aus diesem Landtage eine Vorlage wegen Neubau resp. Erweiterung der Technischen Hochschule zu erwarten. Es soll sich dabei besonders um die electro-technische Abteilung handeln. Betreffs des Gesetzentwurfs über die Volkö- schullehrergehalte hört man, daß sich einige Stimmen dafür aussprechen, das in der Regierungsvorlage bestimmte Maximalgehalt nicht, wie die Petition des Vorstandes des hessischen Lehrervereins erbittet, mit dem 30., sondern mit dem 25. Dienstjahre erreichen zu lassen. In den Lehrerkreisen rechnet man dagegen auf die Erfüllung ihres berechtigten Wunsches auch seitens der Großh. Regierung, zumal der dadurch notwendig werdende finanzielle Zuschuß von 11,300 M. (176,300 M. Dienstalterszulage statt 165,000 M.) gegen über den in Betracht kommenden Vortheilen nur ein geringer genannt werden kann. — Prinz Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, Capitän zur See, Oberst X la suite des 1. Garde Regts. zu Fuß und des Garde-Füs.-Landw.-Regts., ist als Oberst auch ä, la suite des Großh. Hess. Feld-Art.-Regts. Nr. 25 (Großh. Artilleriecorps) gestellt. — Das Großh. Hess. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 25 (Großh. Artillerie-Corps) wird am 12. April 1890 die Feier seines 100jährigen Bestehens begehen. Alle Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte, welche dem Regiment angehört haben, werden gebeten, ihre Adressen dem Regiment bald möglichst zukommen zu lassen. — Im Großherzogthum Hessen waren im Monat November d. I. 3 Rübenzuckerfabriken im Betrieb mit einer versteuerten Rübenmenge von 23,940,000 Kg. Die Einfuhr gestaltete sich wie folgt : a. unmittelbar in den freien Ver kehr: raffinirter Zucker aller Art 6601 5kg., Rohzucker aller Art 43,906 Kg., b. von Niederlagen und Conten: raffinirter Zucker aller Art 43,913 Kg., Rohzucker aller Art 43,870 Kg., c. auf Niederlagen und Conten: raffinirter Zucker aller Art Man muß es selbst lesen, wie sie z. B. die Verhandlungen über den Verkauf ihres Hauses auf dem Hirschgraben, des alten Weinkellers, der Bibliothek beschreibt, ihre helle Freude über das von ihr gemietete Logis im „Goldenen Brunnen" auf dem Noßmarkt (heute steht an der Stelle des Letzteren das Haus Roßmarkt Nr. 8), über das Leben und Treiben aus der Straße, daß sie von ihrem Fenster aus mit Behagen beobachtet („Wie konte ich nur 46 Jahr auf dem Hirsch graben wohnen:"). Wie sie dann in den Kriegskünsten den Kopf oben behält, bei dem Bombardement von 1796 in den Keller flüchtet, und nur einmal auf ein paar Tage nach Offenbach sich in Sicherheit bringt, um sobald wie möglich nach ihrem geliebten Frankfurt zurückzukehren. Oder wie sie- zweimal von der Königin Louise von Preußen zur Vorstellung eingeladen und in Wilhelmsbad mit einem goldenen Schmuck beschenkt wurde. — Ein besonderes Interesse für Frankfurt hat das Buch dadurch, daß Frau Rat über Theater- und politische Ereignisse ihrer Vaterstadt ihrem Sohn sehr oft gewissenhaft Bericht erstattet. „Leichtsinn und gutes Hertz ist ihr Wahlspruch", so characterisirt sie am 16. Mai 1807 ihre Mitbürger, aber sie ist stolz daraus. „Hierbey", schreibt sie am 23. Dezember 1793, „kommt ein Stück von unferm Anzeigeblättgen da sehe und sey Stoltz daß ^^in Frankfurter Burger bist. Wöchendtlich sind schon 3000 fl. beysammen die jede Woche bis zum ersten Mertz vor Lebensmittel vor unsere Brüder die braven Deutschen (sie.) bestimmt sind. Das heiße ich doch deusches Blut in den Adern, haben." (Nachdem sie den Eintritt der reichen Kaufmannssöhne in die Bürgergarde, das brave Verhalten der Sachsenhäuser und der Frankfurter Metzger gelobt) „und nun ver- wunder mann sich noch daß Frankfurth reich wird — grünt und blüht — Gott muß ja das belohnen! Noch tn einem ihrer letzten Briefe vom 1. Juli 1808 berichtet sie: „In. 49,952 Kg., Rohzucker aller Art 107,747 Kg., d. zusammen Eingang in den freien Verkehr (a und b) raffinirter Zucker aller Art 50,514 Kg., Rohzucker aller Art 87,776 Kg., e. Gesammteingang über die Zollgrenze (a und c): raffinirter Zucker aller Art 56,553 Kg., Rohzucker aller Art 151,653 Kg. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Saarbrücken, 18. December. Alle Mannschaft ist an- gesahren auf den Zechen Heinitz, Dechen, Reden, Jtzenptitz, Friedrichsthal, Ensdorf. Auf Maybach arbeiten gegen gestern 50 Mann mehr, es stehen noch 200 aus, aus Erknershöhe fehlen 100, auf Sulzbach und Altenwald 740. Auf Dudweiler find 60, aus Camphausen 30 mehr als gestern angefahren, aus Louisenthal 1150, 150 mehr als gestern, auf von der Heydt ebensoviel wie gestern. In Dudweiler und Riegelsberg sind Nachmittags Bergmannsversammlungen. Sternberg, 18. December. Der Landtag nahm mit 96 gegen 72 Stimmen die neue Regierungsvorlage wegen Verstaatlichung der meklenburgischen Eisenbahnen an. Breslau, 18. December. In Karsten in Oberschlesien ist aus Steinkohlengrube „Centrum" ein erheblicher Bruch- theil der Schlepper heute nicht ein gefahren. Oberbergrath Brunn reist dorthin zur Untersuchung der Angelegenheit. Am Mittag ist von den ausständigen Schleppern eine Anzahl wieder eingesahren. Der Rest dürste morgen oder in den nächsten Tagen die Arbeit wieder aufnehmen. Wien, 18. December. Die Beisetzung der Leiche des Cardinals Ganglbauer erfolgte heute Nachmittag im Stesansdom in Anwesenheit des Kaisers, der Erzherzoge, der Fürstlichkeiten, Minister, Diplomaten, der Präsidien des Parlaments, des Bürgermeisters und einer zahlreichen Menschenmenge. Der Nuntius vollzog die Einsegnung. Wien, 18. December. Die Morgenblätter, auch die hervorragendsten oppositionellen, erklären sich durch den das Versassungsrecht betreffenden Theil der Rede Ta aff es befriedigt. Das „Fremdenblatt" bemerkt, die Antwort sei so ausgefallen, wie ein kaiserlich österreichischer Minister sie geben mußte- alle wahren Freunde der Verfassung fänden in der unumwundenen Zusicherung des Cabinetschefs Beruhigung. Die „Presse" meint, die Regierung habe durch Hinwegräumung jeden Anlasses zu weiteren Beunruhigungen eine klare Situation geschaffen. Die Antwort bedürfe keines Commentars- sie bedeute eine ernste Zusicherung für die Integrität der Verfassung. Die „Neue Fr. Pr." sieht nunmehr die Verfassung außer Frage gestellt, nachdem Taaffe die Verfassung als die alleinige Grundlage einer fortschreitenden ruhigen Entwickelung bezeichnet habe. Wien, 18. December. Der Strike der Perlmutterknopfdrechsler ist nach authentischer Meldung nunmehr beendet. Die Preise wurden um 10 bis 40 pCt. erhöht. Sämmrliche 400 Meister, sowie das Comito der 400 Arbeiter mit Familien beschlossen einstimmig, ausschließlich für das hier etablirte Newyorker Haus, welches eine Lohnsteigerung zugestand, zu liefern und den Vorschlägen desselben, auf Einschränkung der Production entsprechend, nur die halbe Zeit zu arbeiten. Bern, 18. December. Der Nationalrath und Ständerath haben einstimmig 171/2 Millionen Francs für die Beschaffung kleinkalibriger Gewehre und 3,038,000 Francs für die Befestigungen auf dem Gotthard bewilligt. London, 18. December. Dre „Gazette" veröffentlicht einen Erlaß, welcher das Parlament zum 11. Februar zusammenberust. Brüssel, 18. December. Der König führte heute zum ersten Male in dem neuen Staatsrathe des Congo- staates den Vorsitz und hielt eine Ansprache über die Bedeutung der Einrichtung. Nach dem Fortgang des Königs übernahm Staatsminister Pirmez den Vorsitz. Der Staatsrath ernannte darauf zwei Vicepräsidenten und zwei Secre- täre und theilte sich in zwei Commissionen, um für den Congastaat ein bürgerliches Gesetzbuch und eine Prozeßordnung vorzubereiten. Kairo, 18. December. Die Generalversammlung nahm die Regierungsvorlage, betreffend die Aufhebung der Fr o h n- arbeit und die Erhebung eines Zuschlags zur Grundsteuer bis 41/2 Piaster pro Acker an. dieser Jahres Zeit ist Franksurth mit Frembten immer ge- propst voll es ist wie eine Volcks-Auswanderung so gar von Norwegen kommen sie, und alle sind erstaunt über die Schönheit in Franksurth besonders aber außer der Stadt — die alten Wälle sind abgetragen die alten Thore eingerißen um die gantze Stadt ein Parck man glaubt es sei Feerey — man weiß gar nicht mehr wie es sonst ausgesehen hat — .....bey dem kleinsten Sonnenblick sind die Menschen ohne Zahl vor den Thoren Christen — Juden — pele mele alles durcheinander in der schönsten Ordnung es ist der rührenste Anblick den man mit Augen sehen kan" u. s. w. Nicht ohne Interesse für uns Oberhessen ist eine Stelle aus einem Briefe von 1796, der auch zugleich für die Schreibweise von Goethes Mutter so recht characteristisch ist: „Mit denen alten Freunden sieht es ohngefähr so aus: Krespel*) ist ein Bauer geworden, hat in Laubach Güter gekauft daS heißt etliche Baumstücke — baut auf dieselbe ein Hauß nach eigner Jnvenstion hat aber in dem Gickelsort weder Maurer noch Zimmerleute, weder Schreiner — noch Gläßer — das ist er nun alles selbst — es wird ein Hauß werden — wie seine Hoßen, die er auch selbst Fabriciert — Muster leihe mir deine Form!!" Hoffentlich sind jetzt in Laubach die Verhältnisse für Bauherrn günstiger. Dr. R. *) Kresvel, ei» Jugendfreund Goethes, Thurn und Taxisscher Hofrat unb Archivar, galt stets für ein Original. Cocaics und promstsieKes. Gießen, 19. December. — Der deutsche Weihnachtsbaum. Zur kalten kahlen Winterszeit, wenn die Natur scheinbar erstorben unter ihrer weißen Schneedecke sich schlummernd ausruht, dann kommt die Haupt- und Ehrenzeit des immergrünen treuen Nadelholzes, das die Zier des Nordens bildet, und das schönste Sinnbild für das stete, unerschöpfliche Walten der Gottheit, auch dort, wo das Menschenauge rings nur Tod erblickt. — Dann ragt sie hoch, ein Bild des Lebens, unsere frischgrüne Tanne, die ihre Sprößlinge zu glänzender Verherrlichuug des Festes der Feste: Weihnachten, als Sendboten in alle Welt schickt. — Wer könnte wohl ein echtes, rechtes Christfest ohne den weibnachtlichen, süßen Tannenduft sich denken, ohne den weihevollen Lichterglanz, der aus den grünen Zweigen niederschimmert? — Und doch ist dieser schöne Brauch erst neueren Datums, das heißt in unserem eigenen Jahrhundert erst allgemein geworden, obwohl die Uranfänge bis in altheidnische Germanenzeit zurückreichen, als die nordische Tanne noch „der Baum der Götter" war. Nachdem das Christenthum und Mittelalter ihn in den Schatten und Hintergrund gestellt, taucht der immergrüne Baum der heiligen Weihnachtszeit erst nach der Reformation wiederum aus einem Dunkel auf und galt zuerst als gunz specielles Abzeichen der Reformirten und deren Weihnachtsfeier, doch war in jenen Zeiten Wachs ein viel zu theuerer Artikel, um die Sitte des geschmückten, lichtglänzenden Tannenbaumes einbürgern zu können, und unsere heutigen Kerzen gab es dazumal noch nicht. Erst die Neuzeit also ließ den Baum des Nordens überall so tiefe Wurzel fassen, — sogar im Auslande, wohin deutsche Treue das deutsche Immergrün verpflanzt, oft durch hohe, allerhöchste Hände. So in England durch einen deutschen Prinzen: Albert, Gemahl der Königin Victoria, nach Frankreich aber von einer deutschen Fürstentochter: Helene von Mecklenburg, Herzogin von Orleans, die Mutter des jetzigen, legitimen Thronerben, Graf von Paris. — Viele Jahre sind seitdem verflossen, Leben und Tod haben — wie oft — gewechselt im Menschendasein und im Wallen der Natur, — doch nach wie vor ragt er empor als Symbol der Frühlings-Hoffnung durch Winters-Schnee, alljährlich erstrahlend als lichter Mittelpunkt des Christfestes, der frischgrüne Baum des Lebens: unser deutscher Weihnachtsbaum! x. Theater. Für Freitag Abeud, an dem das dritte Gastspiel des Herrn Janez Mally stattfinden wird, ist „Der Herrgottschnitzer von Oberammergau"von Ludw. Ganghofer und Schauspieler Neuer: zur Aufführuug bestimmt. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man viel Worte über das berühmte Lustspiel machen. Handelt es sich doch um die aller Welt bekannre Bauerncomödie, die zum eisernen Bestände im Repertoire des berühmten Münchener Ensembles gehört, das den „Herrgottschnitzer" aller Orten mit dem stürmischsten Beifall aufführt. Ernst und Scherz kommen in dem Stücke gleichmäßig zu ihrem Rechte, ergreifende und witzige Scenen wechseln mit einander ab und machen den Herrgottschnitzer zum Lieblingsstücke desjenigen Publikums, das für Humoristisches und Comisches ebenso viel Sinn besitzt, wie für tiefer angelegte Scenen und Charactere. Der Gast, Herr Janez Mally, wird die Rolle des Gais- buben Loisel spielen und in dieser hervorragenden und interessanten Partie Gelegenheit haben, sein großes schauspielerisches Können zu entwickeln. * Grünberg, 18. December. Im Jahre 1890 finden öffentliche Schöffengerichtssitzungen an folgenden Tagen statt: 8. und 29. Januar, 5. und 12. Februar, 12. und 26. März, 2. und 23. April, 7. und 14. Mai, 4. und 11. Juni, 2. und 9. Juli, 6. und 13. August, 10. und 24. September, 1. und 8. October, 12. und 26. November, 3. und 10. December. — Oeffentliche Sitzungen für Civil- proceß-Angelegenheiten finden jeden Dienstag, Vormittags 9 Uhr, statt für die Orte Atzenhain, Grünberg, Harbach, Lauter, Lehnheim, Nieder-Ohmen mit Königsaasen, Queck- born, Reinhardshain und Stangenrod; jeden Donnerstag für die Orte: Beltershain, Flensungen, Geilshausen, Göbelnrod, Groß-Eichen, Ilsdorf mit Solms-Ilsdorf, Kesselbach, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Merlau mit Kirschgarten, Ober- Ohmen, Odenhausen mit Appenborn, Ruppertenrod, 'Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain und Wettsaasen. — Oeffentliche Sitzungen der Feldgerichte finden statt am 26. Februar, 30. April, 25. Juns, 27. August, 22. October, 17. December, der Forstgerichte am 27. Februar, 24. April, 26. Juni, 21. August, 23. October, 18. December. Für freiwillige Gerichtsbarkeit ist jeden Freitag, Vormittags von 8—12 und Nachmittags von 2—4 Uhr Amtstag. Ortenberg, 16. December. Herrn Postverwalter Schaaf dahier hat aus Anlaß seiner bevorstehenden Versetzung in den Ruhestand Se. Königl. Hoheit der Großherzog das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen und wurden die betreffenden Insignien heute von Herrn Kreisrath Klietsch aus Büdingen dem Decorirten überreicht.___________________________________________________________ vemnischtes. A Mainz, 18. December. Im Anschluß an die Bahnhofsumbauten in Kastel hat die preußische Regierung eben wieder ein neues Project im Auge, durch dessen Ausführung nicht nur die Verkehrsverhältnisse in den Mainzer und Gustavsburger Rheinhäsen wesentlich beeinflußt werden, sondern auch die Hessische Ludwigsbahn in ihrem sich durch die Gustavsburger Hafenanlagen ergebenden Güterverkehr beträchtlich schädigen müßte. Das Project geht dahin, auf dem rechten Rheinufer direct oberhalb Kastel einen großen sich bis nach Kostheim hinziehenden Hasen anzulegen und zwar derart, daß die sogenannte „Lache", die heute einen kleinen Sicherheitshafen bildet, bis zu dem Festungsabschluß aus der rechtseitigen Mainspitze stromaufwärts erweitert und landeinwärts bis zu den Bahnanlagen der Linie Kastel-Frankfurt ausgedehnt werden soll. Nach Lage der Verhältnisse dürfte eine derartige Anlage keine allzu kostspielige werden, dagegen aber der Nassauischen Staatsbahn den unberechenbaren Vor- theil gewähren, mit ihrer Linie Kastel-Frankfurt unmittelbar an einen großen Rheinhafen zu kommen. Unter Anwesenheit eines Rathes aus dem preußischen Ministerium fand vorgestern und gestern durch Sachverständige' oon Würzburg eine Terrainbesichtigung statt. — Da hier in Folge einiger Erkrankungen bei einzelnen ängstlichen Gemüthern eine Jnfluenzafurcht aufgetreten iftr die nachtheiliger zu wirken droht, als die Influenza selbst, ist auf Veranlassung der Bürgermeisterei der städtische Ortsgesundheitsrath heute Abend zu einer Sitzung zusammengetreten. Es wurde constatirt, daß überhaupt nur eine nicht beachtenswerthe Anzahl Erkrankungsfälle vorhanden, die einen sehr leichten Character haben. — Die Diöcese Mainz zählt nach dem neuesten Diö- cesen-Kalender zur Zeit 261 katholische Geistliche. Frankfurt a, M., 18. December. Am Freitag den 12. dss. Mts. traf hier eine sich Elise Wagner nennende Frauensperson, angeblich aus Odenhöfen ein, logirte in einem hiesigen Hotel und meldete sich am folgenden Tage als Kranke im städtischen Krankenhause. Nachdem ihr hier ein Zimmer- angewiesen war, trank sie aus einem mitgebrachteu Fläschchen Schwefelsäure, worauf sie trotz sofortiger ärztlicher Hilfe am Nachmittag verstarb. Die Verstorbene war etwa 30 Jahre alt, 1,54 Meter groß, hat dunkelblonde Haare, corpulente Statur, sprach süddeutschen Dialect und war bekleidet mit schwarzem Sammetbarett mit zwei großen Straußenfedern — im Barett die Firma C. Mayer, Baden - Baden, — schwarzem Tuchmuntel mit Pelz besetzt, schwarzem Kleid, leinenem Hemd, gez. R. K., trug Ohrringe und Brosche mit anscheinend, unechten Brillanten nnd war im Besitze eines Portemonnaies mit 121 Mk. und zweier weißer Taschentücher, von welchen das eine R. K., das andere F. u. P. gezeichnet ist. Die Identität der Verstorbenen konnte bis jetzt nicht festgestellt werden. Wöllstein, 15. December. Die hiesige Secundärbahn (Babettchen) hat heute ihren ersten Unfall zu verzeichnen. Westfälische Schäfer mit ca. 1500 Schafen aus dem Wege nach Frankreich begriffen, übernachteten mit einem Theile ihrer Herde in der Nähe der sog. Spatzenmühle. Eine Anzahl Schafe durchbrach den Pferch und lagerte bei dem Weggang des Frühzuges, etwas nach 6 Uhr auf dem Bahngeleife. In Folge dessen wurden ca. 14 Stück getödtet und einige gelähmt oder sonst leicht verletzt. Das Fleisch der Getödteten wurde gegen einen mäßigen Preis alsbald abgesetzt. Aus Bayern, 15. December. Im October desertirten die beiden Rekruten Büttner und Hofmann aus der Garnison Amberg. Büttner kehrte aus freien Stücken zurück, erhängte sich aber sofort bei seiner Ankunft noch im Bahn- Hof- Hofmann wurde gefangen- jetzt dafür zu 14 Tagen Mittelarrest verurtheilt, hat er sich im Arrest gleichfalls erhängt. Literatur und "Uunst. — P. K. Roseggers SlnsgewLhlte Werke. Pracht-Ausgabe. Mit 900 Illustrationen von A. Greil und A. Schmid- Hammer. In ca. 115 Lieferungen, Lexikon - Octav . ä 50 (A. Hartleben s Verlag in Wien.) 75 Lieferungen (vier Bände) erschienen. Die uns heute vorliegenden Lieferungen 66 bis 75 der illu- strirten Prachtausgabe von P. K. Roseggers Werken sind textlich wie illustrativ wieder außerordentlich whaltreich und das ganze Unternehmen gestaltet sich mehr und mehr zu einem Juwel für den deutschen Büchermarkt, der die Lieblingsschriftsteller des lesenden Publikums nur selten in einer so prächtigen Ausstattung zu bieten vermag. Mit den letzten Stücken aus Roseggers gemüthoollen, unerreicht dastehenden Heimathschttderungen „Das Volksleben in Steiermark" und einem Anhänge „Sonderlinge aus dem Volke der Alpen" schließt der vierte Band mit Heft 75 genau programmgemäß. Die Verlagshandlung erklärt aber — und wer sollte sich darüber nicht freuen? — daß sie, durch den Wunsch einer großen Anzahl ihrer Pränumeranten veranlaßt, diesen nun auch noch die neuesten Werke P. K. Roseggers in der illustrirten Prachtausgabe darbieten wolle, sowie einige der hervorragendsten älteren Schriften, welche bisher nicht Platz gefunden hatten. Dadurch wird die Sammlung um zwei Bände mit 300 Illustrationen der bisherigen Künstler, also auf 6 Bände (etwa 115 Lieferungen) erweitert, mit zusammen über 900 Bildern. Die Ergänzungsbände werden folgenden Inhalt haben: Jacob der Letzte — Martin der Mann — Allerhand Leute — Dorfsünden — Feierabende — Sonntagsruhe, denen wir mit freudiger Erwartung entgegensetzen und denen wir ein recht zahlreiches Publikum wünschen, welches die so würdig und gewiß mit großen Kosten durchgeführte schöne Unternehmung nicht entbehren kann. P. K. Roseggers Werke, illuftrirte Prachtausgabe, sind auch in sechs Prachtbänden zu beziehen (ä JL 12.50), von denen bereits vier vollendet vorliegen. Wer Herz, Gemüth und Auge gleichzeitig erfreuen will, möge diese Sammlung der Werke eines echt deutschen Poeten anschaffen. verkehr, Land« und volkswirthschaft. Limburg, 18. December. (Fruchtmarkt). Rother Weizen JL 16.70, weißer Weizen JL Oo 00, Korn JL 13 65, Gerste JL 12.20, Hafer JL 7.50, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln JL 0.00. Frankfurt, 18. December. Erbsen ganze per Pfd. 12—18 do. geschälte 16—20 H, Linsen 15—25 H, weiße Bobnen 16—26 fldöe Kartoffeln per Gescheit» 14—16 H, rothe Kartoffeln per Gescheit» 14-16 Butter per Pfd. JL 1,15-1,20 Eier das Stück 7—9 X Blumenkohl 50-90 H, Weißkraut das Stück 8-15 4, Rothkraut 12—25 H, Wirsing 10—15 - Aus der Eisenbahn verlorene Sachen. Die in den Vorhallen und Warteräumen der Bahnhöfe aushangendm Bekanntmachungen „Verlorene Sachen" erhalten auf Anordnung der Königl. Eisenbahn-Directionen bei Absatz 4 und 5 folgende Aenderung: „Depeschen zum Zweck der Wiedererlangung abhanden gekommener Gegenstände werden innerhalb Deutschlands mit dem Bahntelegraphen befördert. Wird die Fassung der Depesche dem Stationsbeamten überlassen, so wird hierfür eine feste Gebühr von 50 H, andernfalls die tarifmäßige Depeschengebühr erhoben. Gefundene Gegenstände werden dem Berechtigten auf Wunsch mit der Post, bew. als Frachtoder Eilgut kostenpflichtig ober innerhalb Deutschlands mit dem nächsten Schnell- ober Personenzuge auf Gepäckschein unter Erhebung einer festen Gebühr von 50 übersandt." — Da- Treiben der »«rke«. (Nachdruck verboten.) Mit der Treiberei der Gurken kann von Mitte December an begonnen werden; es richtet sich dies jedoch ganz darnach, zu welcher Zeit man dieselben auf den Tisch haben möchte. Bei der Aussaat der Gurken fülle man einen Topf halb voll Erde, auf diese bringe man etwas Sägespäne von Tannen- oder Fichtenholz, streue nun den Samen darauf und bedecke diesen mit Sägefpänen; hieraus stelle man den Topf in einen warmen Kasten und befeuchte die Sägespäne derartig, daß die Feuchtigkeit bis auf den Samen durchdringt; iobald sich nun die Samenlappen entwickelt haben, pstanze man die Gurken einzeln in Töpfe und bringe sie in einen Kasten, der noch genügend warm ist; hier können sie nun so lange stehen, bis dex zu ihrer Aufnahme denimmte Kosten genügend vorbereitet ist, jedoch darf daS Verpflanzen nicht eher erfolgen, als bis tie Pflanzen in den Töpfen richtig durchgewurzelt sind. Zur Treiberei der Gurken nimmt man am besten einen Dopoelkaften, da bitter nicht so schnell auSkühlt al- ein einseitiger. Beim Packen des Kastens achte man genau darauf, daß die Lagen fest und regelmäßig gepackt sind, damit die zum Treiben der Gurken nöthige Bodenwärme von 20—25" R. länger andauert. Auch versehe man den Kasten mit einem warmen Umsatz, welcher, wenn nöthig, oft erneuert werden muß. Ist der Mist im Kasten nun abgekämpft und hat sich die 15—18 Ctm. hoch aufgebrachte Erde etwaS zusammengesetzt, so kann mit dem Bepflanzen begonnen werden und -war setze man unter jedes Fenster nur eine Pflanze, damit dieselbe genügenden Platz zum Ausbilden hat; in der ersten Zeit kann ja als Nebenfrucht noch Salat getrieben werden; daS Pflanzen desselben muß aber vor dem Pflanzen der Gurken geschehen, weil es die Gurken nicht vertragen können, wenn sie längere Zeit der Lust ausgesetzt sind. Mit dem Gießen kann nun gewartet werden, bis die Oberfläche der Erde anfängt trotten zu werden, waS gewöhnlich erst dann geschieht, wenn der Mist ganz abgedampft hat, man hüte sich aber, bei trübem Wetter aus die Blätter der Ranken zu gießen, da dies den Pflanzen nachthetltg sein würde; an warmen Tagen und bei Sonnenschein thut man jedoch gut, die Gurken zu spritzen, welches ihnen sehr zuiagt, Luft muß sparsam gegeben werden, bis sich die Blüthen entwickeln, wo es zur besseren Befruchtung gut ist, wenn etwas Luft Zutritt erhält; später kann bei warmem trockenem Wetter etwas mehr Lust gegeben werden. Die beste bis jetzt bekannte Treibgurke ist unstreitig Noas Treib. Außerdem sind noch sehr zu empfehlen RollisonS Telegraph, Berliner Aal, Mittellange Treib- und Pariser Trauben-Gurken.________________________________________ — Von ben unter föntQi. tlal. Staatscontrolle stehenden Weinen der Deutsch-Italienischen Wein.Jmport« Gesellschaft (Eentral-Verwallung Frankfurt, a. 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Adventsabendgottesdienst heute Donnerstag, den 19- December, Abends 8 Uhr, in der Kirche; Text Ezech 37, 25—27, das steinerne und das fleischerne Herz. Pfarrer Schrenk aus Marburg. Es wird zu diesem Gottesdienst geläutet werden. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschaft. Freitag Abend Ubr, Samstag Vormittag 8” Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samstag Abend 4<° Uhr Samstag den 21. Derbr. l. I, Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich in der Restauratton Klingenberg — Neustadt — gegen Baar- zahluog: 1 vollst. Ladeneinrichtung, verschiedene Gold- und Silbersachen, 1 Drehbank, 1 Metzgerwagen, 6 Wirthstische, 1 Bieropparat mit Zubehör, 7 Bänke, 12 Stühle, 1 Sopha, 1 ovaler Tisch, 1 Regulator u a. m. «eitzler, 10059 Gerichtsvollzieher. Aeilgevotenes. 10069] Kutterbretter zum Füttern der Vögel, nach dem von dem hiesigen Thierschutzoerein angenommenen Muster verfertigt, sind zum Preise von einer Mark bei Schreinermeister W. Müller, Steinstraße Nr. 48, und Glasermeister W. 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Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer umfaßt 6 Seiten. Freitag den 20. December. Gietzenev Anzeigen. Beilage zu Nr. 297. -1889. R v. SGI I I i M ; L/ZIW ' Bekanntmachung. Folgende Dienstboten haben aus hiesiger Spar, und Leihkaffe mit Rücksicht auf die bei ihren Namen erwähnten Dienstjahre bei einer und derselben Herrschaft die beigefügten Prämien erhalten : Namen der Dienstboten. Nr. 1 Christian Luh in Großen-Linden 2 Jakob Rinn in Aliendors a. d. Lahn 3 Katharine Welker von Vadenrod 4 Hermann Bender von Grüningen 5 Elisabeths Franz in Allendorf a. d. Lahn 6 Minna Petri aus Lichtenau 7 Margarethe Leschhorn aus Villmgen 8 Jacobine Nachtigall aus Allertshausen 9 Katharine Velte aus Wommelshausen 10 Phrlippine Balser aus Reiskirchen 11 Susanne Sauer aus Freienseen 12 Konrad Rudolph in Lang-GönS 13 Johannes Wilhelm aus Obergleen Die Prämien sind nebst den vorgelegten Dienstbüchern an einem tage in dem Locale der Spar- und Leihkaffe in Empfang zu nehmen. Gießen, den 12. December 1889. Die Directwn des Spar- und Leihkaffe-Vereins. Langsdorfs. T Wen. Dienstjahre jt 24 30 11 24 10 23 10 23 10 23 10 23 9712 22 9,0/12 22 9”/i2 22 9"/i2 22 9Wi2 22 9”/i2 22 9"/i2 22 zusammen AL 300 farbigem Glas bei 9968 J. Hirz, Glaserei und Einrahmegeschäst, Seltersweg 22. Photographien und tiiliirrraljmcn in großartiger Auswahl zu billigsten Preisen. Das Ginrahwen der Bilder wird staubdicht und mit größter Sorgfalt ausgeführt. Reichhaltiges Lager in Spiegeln und Spiegelgläsern sowie allen Arten Thurschonerii, Fenster-Musselin und Piiiniiios. - Celegenheitskaufe. Eine Anzahl neuer, nur etwas längere Zeit auf Lager stehender Planlnos (Orig.-Preise: 450, 500, 600, 700 bis 1100 M.) verkaufe ich gegen Baarzahlung 9868 zu bedeutend herabgesetzten Preisen, einen Steinweg-Stutzflügel statt 1450 zu 1300 M., einen Blülhncr-Aliquotflügel statt 2100 zu 1500 M. Wilh. Rudolph, Pianoforte-Handlung, Neuenweg 9. I Julius Schulze am Kreuz. 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Bürgermeistereien des Spar- kaffebezirks werden ersucht, vorstehende Bekanntmachuna im Interesse ihrer Ortsangehörigen aus geeignete Weise zu deren Kenntniß zu bringen Gießen, am 11- November 1889. Der Rechner der Spar-u.Lethkasse Gießen. Doering. Ferner empfehle: Wechsel, Speise-, Wein- und Adreßkarten, Rechnungs-Formulare, Spielkarten, Ballorden, sowie Ehristbaum- Decorationen, Lametta, Lichthalter in verschiedenen Sorten. GGGGKSKGGOHOGG»» Das Neueste für Weihnachten: 9988 Ein Bierapparat mit Lei« tuns, ein Reftaurations Herd, ein Cigarrenkasten mit «efächern, auch für Kurzwaaren - Geschäfte passend, alles in gutem Zustande, zu verkaufen. ____________Wolfstraße 21. Kettfedern, Dannen, Barchent und Federleinen tn bester Qualität und zu billigsten Preise empfiehlt Earl LtüSratl), Möbelfabrik u- Lager. 9003] Asterweg 47 — Ederstr. 8. 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