Nr. 2L7 Mittwoch öru 18. September 1889. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. iBttttcmt Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. ” Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 M MMMMgMMB»aMMB»s-'',,»MBHWJM»«E'riiiiMir,rr,innwniijnjn'iiii'iiiMnrTrnTniniiiniiim im iw l. ihj1.1lmjj u ZWj.«W» Amtlicher Hßeit. Betreffend: Die Verwertzung von Gemeindenutzungen. Gießen, am 13. September 1889. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« di« Grotz herzoglichen Bürgerm-istereien des Kreises. . „ Wir haben des Oefteren die Wahrnehmung gemacht, daß über die Verpachtung der Gemeindegrundstück- sowie über die Versteigerung der Eclräqniffe nnk t‘nbr^‘rslun9ln kC‘ brummet, Obst, Hol,, Waldstreu :c.) nicht während der Versteigerung, oder wenn die Versteigerung an Ort und Stelle stattfindet, alsbald nach der Versteigerung, ordnungsmäßige Protokolle errichtet und die betr. Erlöse sodann dem Gemeinde-Emnehmer zur Erhebung rottb ?te[l* U«.ermb«fe Versteigerungen nur ein Notizbuch geführt, in welchem die Namen der Steigerer und das Gebot desselben mit Bleistift notirt werden, während die Aufstellung des Protokolls bis zum Fälligkeitstermin der betr. Gelder oder gar bis zu dem Zeitpunkt verschoben wird, wo der Gem-mde-Einnehmer das Versteigerungsprotokoll zum Beleg seiner Rechnung bedarf. 8 ö V . ®le’eS Verfahren ist in keiner Weise gerechtfertigt und für einen geordneten Geschäftsbetrieb sehr störend. Es muß vielmehr über jede Versteigerung Ä "kdnungsmäßlges Protokoll tm Vsrstelgerungsterinm selbst, ober wenn die Versteigerung an Ort und Stelle staltgefunden, unmittelbar nach der Versteigerung aufgestellt und von dem die Versteigerung leitenden Bürgermeister durch Unterschrift beglaubigt werden. . m Versteigerungsprotokoll ist alsbald mit ordnungsmäßiger Einnahmedecretur zu versehen und, nachdem der Eintrag in die Controls erfolgt ist, dem Gememde-Emnehmer zuzustellen. Wir bemerken hierzu, daß es nicht Sache des Rechners ist, oder diesem überlassen werden darf, für den Eintrag in die ~)°^tyo e iu ’”9eni sondern daß Sie den Eintrag in die Controls zu bewirken und den Beleg mit Bescheinigung des erfolgten Eintrags in die Controls versehen, dem Gememde-Emnehmer zuzustellen haben. a B « . „ V°n den Gemeinde-Einnehmern wird häufig auch darüber geklagt, daß denselben die Hebregister über Schulgeld, Hirtenlohn, Weidsgeld, Pferch-Erlös, Besowungifmcht, Beüräge zu den Kosten der Faselunterhaltung rc. in der Regel verspätet und erst nachdem der Fälligkeitstermin seit Wochen verstrichen und der Rechner auf Aufstellung des Hebregisters drängt, zugefertigt werden. Es ist dies ebenfalls ein Mißstand, dem tm Interesse der Ordnung und ,ur Ver« Hütung von Nachthellen und Unregelmäßigkeiten entgegengetreten werden muß. Diese Hebregister müssen spätestens 8 Tag- vor dem Fälligkeitstermin im Besitze des Gememde-Einnehmers sein, damit dieser in der Lage ist, das Hebregister zu prüfen und seine Vorbereitungen für die Erhebnng zu treffen. Disciplinarstrafen"iubahnden nQ$ Vorstehendem für die Zukunft strenge bemessen und wären wir genöthigt, fernere Unregelmäßigkellen durch _________________v. Gag-rn. Betreffend: Maßregeln gegen Schafräude in Lumda. Bekanntmachung. .. . „ Nachdem durch kreirthierärztliches Gutachten die Schafheerde zu Lumda als „räudeverdächtig" bezeichnet worden ist, wird hiermit die Stallsperre über oreselve verhängt. r Gießen, am 13. September 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. _____v. Gagern. Bekanntmachung. WinterkurfuS der Aökerbaufchule des l^ndwirtbfchaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffen 1889/90. Der diesmalige Winterkursus hiesiger Ackerbauschule beginnt Montag den 4. November und dauert bis gegen Ende Mär, Der Untorri*. etfltedi sich aus allgemeine Schulfächer, Naturkunde und Landwirthschastslehre. Er wird von zwei Landwirthschastslehrern, einem seminaristisch aebilde /n Hauptlehrer und mehreren Hulfslehrern erchellt. Die reichen Lehrmittel der Anstalt im Verein mit Ausflügen gewähren di- nöthige Anschauung. Auftluhmz" fähig find all- unbescholtenen jungen Leute, welche die Volksschule mit gutem Erfolge durchgemacht haben und einige Kenntniß von dem praktischen Landwi^. schastsbetnebe besitzen. Der Unterricht wird in zwei vollständig getrennten Klassen erthellt, indem der Lehrplan unserer Ackerbauschule auf zwei W nter berechnet ist. In die obere Klasse werden nur folche Schüler ausgenommen, welche die untere früher bereits besucht, oder sich anderweitig die in dersilb-n ... erwerbenden Kenntnisse angeeignet haben^ Das Schulgeld beträgt für eine jede der beiden Klaffen 20 M. Anmeldungen nimmt schriftlich oder mündlich der Anstaltsvorsteher Landwirthschaftslehrer vr. To bisch entgegen, welcher auch anderweitige bezügliche Auskunft ertheilt. Die N/uanaemeldeien haben ein Zeugniß tDrer Bürgermersterei über unbescholtenen Lebenswandel beizubringen y etn Friedberg, im September 1889. Der Aussichtsrath der Ackerbauschule zu Friedberg: vr. Braden, Kreisrath, vr. Wallau, Amtmann. Schmidt, Schulrath, vr. To bisch, Landwirthschaftslehrer. Politische Mundseha». Gießen, 17. September. In markanter Weise hat Kaiser Wilhelm bei der von ihm am Samstag Abend im Residenzschlosse zu Hannover gegebenen Prunktafel einen Trinkspruch auf die Provinz Hannover ausgebracht und in demselben seinen kaiserlichen Dank für den warmen Empfang medergelegt, der dem hohen Herrn in Provinz wie Stadt Hannover bereitet worden ist. Der Kaiser hob hierbei hervor, wie ihn namentlich der Gruß der Innungen der Stadt Hannover angenehm berührt habe und gedachte dann außerdem einer Inschrift in einem Dorfe, welche lautete: „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst Niemand." Der Kaiser betonte die hieraus sprechende patriotische Gesinnung und wies in Anknüpfung hieran darauf hin, wie die Söhne Hannovers 1870 für des Reiches Einheit in den Kampf gezogen seien. In seiner Erwiderung versicherte Oberpräsident v. Bennigsen, daß die Bevölkerung allezeit ihre patriotischen Pflichten erfüllen und daß fie stets treu zum Kaiser und seinem ganzen Hause stehen würde. Die Anwesenheit des «roßfürsten-ThronfolgerS von Rußland bet den Kaisermanöoern in Hannover erfährt in der Tagespresse allerhand Commentare, von denen einige dem Besuche des russischen Thronerben in Hannover eine bestimmte politische Bedeutung beilegen. Worin dieselbe bestehen soll, wird allerdings nicht gesagt und es ist auch schwerlich anzunehmen, daß infolge der Begrüßung des deutschen Kaiserp?areS durch den Czarensohn an dem zur Zeit bestehenden Verhältntß zwischen Deutschland und Rußland etwas geändert werden würde, immerhin ist dieses Eretgntß ein friedliches Symptom und insofern kann man von dem Besuche des Ezarewttsch in Hannover nur mit Genugthuung Act nehmen. Der „Post" zufolge hätte der Grotzfürst-Thronfolger dem Kaiser Wilhelm ein Handschreiben des Ezaren überbracht und ist die Annahme nicht ausgeschlossen, daß Kaiser Alexander in dem Schreiben den Tag seines Gegen- LesucheS bet Kaiser Wilhelm mitgethetlt hat. Das des Lobes über die Tüchtigkeit -er sächsischen Truppen volle Handschreiben, welches Kaiser Wilhelm anläßlich der Kaisermanöoer in Sachsen an den König Albert gerichtet hat, stellt dem sächsischen Armeecorps ein ungemein anerkennendes Zeugniß des kaiserlichen Kriegsherrn aus, auf welches das 12. Armeccorps mit Recht stolz sein darf. Wohl mit unter dem Eindrücke dieser kaiserlichen Kundgebung ist der Armeebefehl erfolgt, den König Albert an sein Heer erlassen hat und in welchem der ruhmgekrönte königliche Feldherr ebenfalls seine vollste Zufriedenheit mit den Leistungen seiner Truppen ausspricht. Der Retch-kanzler hat die Eingabe der deutschen Colonialgeseüschaft für Südwest-Afrika betreffs Ertheilung eines Schutzbriefes ablehnend beantwortet. Der ablehnende Bescheid des Fürsten Bismarck zeichnet nochmals klar und scharf die Grundlinie für das colonialpolitische Programm der Reichsregierung und ist besonders die Erklärung bemerkenswerth, daß es nicht die Aufgabe des Reiches sein könne, mit seinen Mitteln für noch nicht sicher gegründete Unternehmungen deutscher Reichsangehöriger in überseeischen Ländern etnzutreten. Diese Haltung hat die Reichsregierung schon gegenüber der deutsch-ostasrikantschen Gesellschaft und speciell auch dem Emin-Pascha- Unternehmen des Herrn Dr. Peters gegenüber eingeschlagen und nach Lage der Verhältnisse erscheint diese Reserve nur gerechtfertigt. Der Strikt der Londoner Doikardeiter hat mit einer großartigen Demonstration geendigt. Etwa 50000 Arbeiter, meist Dockarbeiter, begaben sich am Sonntag Nachmittag im geordneten Zuge nach Hyde-Park, wo der Hauptleiter der ganzen Bewegung, Burns, die Arbeiter zur Beendigung des Ausstandes beglückwünschte. BurnS drückte hierbei die Zuversicht aus, daß der den Arbeitern günstige Ausgang der Bewegung das englische Publikum belehren werde, daß die Duldsamkeit der Arbeiter ihre Grenzen habe. Er dankte schließlich in warmen Worten dem Lordmayor und dem Cardinal Manning für die Energie und Hingebung, die sie an den Tag gelegt hätten um die getroffene Vereinbarung durcbzusühren. Am Montag früh wurde an den Themsequais und in den Docks die Arbeit überall wieder ausgenommen. Darmstadt, 16. September. Seine König!. Hoheit der Großherzog bleiben in Hannover, Hotel Karsten, bis einschließlich Samstag den 21. September. Dann wird das voraussichtlich einzige Quartier Schloß Bassenhetm bet Codlenz sein. - . .* Netzen, 17. September. Von hiesigen, auf der Budina er 4 vertreten gewesenen Ausstellern wurden noch ausgezeichnet- mtt III fPnhPnh? »ÄS EUKWkEisvsL'iMr Lokale-. . Joieß?Äbnun0 kür die Stadtverordneten-Sitzung am Freitag den 20. September 1889, Nachmittags 4 Uhr. < N^ndatsntederlegung des Herrn Stadtverordneten August Noll 2 Abbör f AUnß 1?88/89' 3- Vergebung von Pfründen aus der Plocktschen Sl'ktung. 4. Verpachtung der Gemeindejagd. 5. Anschluß an die Televbon- Do0” ^hnen. 7. Kostendecreturen. 8. Anlegung Änes Schteßstandes von 800 Meter Lange. 9. Vergebung der Waldculturlöhne. 8 10 Bau- Udje Veränderungen in dem Realschulgebäude. 11. Die Verbindung der ipnfptta hör Main-Weser-Bahn gelegenen Wohnhäuser rc. mit der Stadt Gießen. 12. Die An- __ Gießen, 17. September. Die Großherzogliche Centralstelle für di? anderen deutschen Staaten zugelasien werden Die Anmeldefrist rz,,s4 mL i cr> <. . Gieße«, 16. September. Wir machen die Leser unseres Blattes m.f "SST, ?,Ä *8, SS;!?, lÄSi'S'ä cursus beginnt der Verein am 26. September sein Wtntersemefler Di- 2r^k4nl)r^ 6erec^nct- Hoffentlich benutzen-viele Leser unseres Blattes SffpHHApa1 pC r c Stenographie, welche immer mehr an Bedeutung für unser nnd!1 h?rpHßiftCn 0k . anzueignen. Bemerken wollen wir noch, daß8der Verein ertheilen " ^^^lichen Unterricht an außerhalb Gießens Wohnende zu Vermischtes. ™ . lx^rtfbbcrd beträgt der vierteljährliche AbonnementS-PreiS rar 2 50 4. — Die „SroHK Ausgabe mit allen Kupfern" bringt außerdem lahrlich noch 40 große farbige Modenbtlder, also jährlich 68 besondere Beigaben und kostet vierteljährlich 4 JL 25 A ttn Oesterreich-Ungarn nach Cours). v Dermi/chte Anzeige». 7519] Wir fachen «inen tüchtigen Arbeiter. Jean Dern & Co^Gteken. 7472 Ein tüchtiger Schlaffer gesucht Carl Wigandt, Löberstraße 5. Abonnements werden jederzeit »»genommen bei allen Bach- handlungeu und Pollanftalten. - Probe-Nummern gratis rab franco durch di, Berlin W, Poisdnmer Stt-p« M Wren I, Overn-affe 3 107.50 Ostpreußen 166.75 Bochumer Gußstahlaetten Tendenz: matt. 20.38-20.43 4.17-4.21 das Ausstattungs - Geschäft Fritz Nowack, Seltersweg. Brauerei-Vertreter für Gießen nnd Umgegend von einer bereits eingeführten ersten Export-Brauerei gesucht. 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Septem- - bet, Vormittags 10 Uhr, soll auf r hiesigem Bahnhof eine Parthie Dünger . Darmstädter Pferde - Lotterie. Ziehung Mittwoch, 16. Oktober 1889, Nachm. 4 Uhr in Darmstadt. Gewinne im Werlhe von Mark 24,000. Moritz Strauss jr., Mainz, Städtische Baugewerkschule zu IDSTEIN im TAUNUS beginnt Vorcursus 1. October. Wintersemester 4. November. [6552 Auskunft und Programm kostenlos durch die Direction. Stenographie Unterricht. b" Anfangskursus in Gabelst). Stenographie. Der Unteni^t (ca. 20 Stunden) findet wöchentlich zweimal, Dienstaa und Donnerstag Abends von 8-9 Uhr, statt. 9 5 J?**r£?rJJei1’ K"r Vereinsmitglieder unentgMich). ——^brlSd.-Stenographen-Berein Gießen. Aermietyungm. 7520 Ein Mansardenlogis ist an ruhige Leute zu vermiethen. H. Zimmer, Kreuzplatz. 7523 Ein Logis zu vermiethen. ____Schützenstraße 12, 7521 Zwei bis drei ineinandergehende moblirte Zimmer zu vermiethen. Bismarckstraße 14. 7522] Möblirtes Zimmer zu vermiethen. 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Die Interessen der Gewerbsthätigketr, sowie diejenigen der Abführung der gesundheitsschädlichen Stoffe, insonderheit der Fäcalien aus großen Städten und ähnlichen dichtbevölkerten Ortschaften, stehen damit in zum Theil noch ungelöstem Widerspruch. Theils sind ausreichende Methoden der Des- infection der Ablaßwässer überhaupt noch nicht erzielt, theils sind sie noch zu kostspielig, um ohne Gefährdung der wirthschaftltchen Prosperität communaler und privater Unternehmungen durchgeführt werden zu können. Die in England mit Erfolg unternommenen Versuche, auf elektrischem Wege eine Scheidung der schädlichen und der unschädlichen Beftandtheile der Abwässer herbet- zuführen, sind daher auch für uns von besonderem Interesse. Aus Anlaß eines Berichts des bet der Kaiserlichen Botschaft in London attachtrten Technikers ist von dem Ministerium für Handel und Gewerbe nicht nur die theoretische Richtigkeit dieser Methode, sondern auch die Möglichkeit und Preiswürdigkett der Durchführung derselben im Großen zum Gegenstand eingehenden Studiums gemacht. Zur Zeit liegt die Frage der Königlich technischen Deputation für Gewerbesachen vor. Von dem Ergebnitz der Untersuchung dieses Sachverständigencollegs wird es wesentlich abhängen, welche practische Bedeutung jene Experimente für uns gewinnen werden. Vermischtes. Darmstadt, 16. September. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 21. August den Mitgliedern der freiw. Feuerwehr zu Bingen: Johann Baptist Schmitt, Adam Joseph Racke, Wilhelm Dulcius, Kaspar Gregori, Carl Beckhaus, Franz Bartholme, Earl Beck, Joseph Feyen, Johann Baptist Hilsdorf, Friedrich Joseph Pennrich, Franz Rudolf, Joseph Rudolf, Georg Trautwein und Heinrich Burkart. Frankfurt a. M., 16. September. Die Jagd auf Hasen, Dam- und Rehwild beginnt heute in hiesiger Gemarkung. In früheren Jahren waren die Schützen in der Nacht, welche der Eröffnung der Freijagd vorherging, zu festlichem Gelage versammelt, um dann bei Tagesgrauen hinaus in den Unterwald zu ziehen und ihr Jagdglück zu versuchen. Der erste Tag brachte stets eine Anzahl Hasen, Rehe und Schaufler zur Strecke, die dann Abends im Triumph in Sachsenhausen eingeholt wurden und rasch verkauft waren. Diese Jägerherrlichkeit hat nunmehr, nach der Entscheidung des Königlichen Ober-Verwaltungs-Gerichts in Berlin, ein für alle Mal aufgehört. Düsseldorf, 15. September. [UeberHftet.J An das hier vorgekommene Eisenbahnunglück knüpfte sich eine heitere Geschichte. Einem Schüler wird von einem Lehrer die Verhängung einer Strafe verkündet, weil er geraucht habe. Der junge Mann leugnete mit edler Dreistigkeit, daß er dieses „Verbrechen" begangen habe. Der Lehrer: „Haben Sie nicht am vergangenen Samstag Nachmittag die Locomotive gesehen, welche entgleist ist?" — Schüler: „Allerdings, aber ..." — Lehrer: „Auf einer der Photographien der Unglücksstätte stehen Sie mit abgebildet, mit einer Cigarre im Schnabel. Wollen Sie nun noch leugnen, daß Sie geraucht haben?" — „Wahrhaftig? Nein, dann allerdings nicht mehr!" — (Immer höflich.) Ein sächsischer Gymnasiallehrer wendet sich an einen langen Primaner, der einen starken Schnurrbart trägt: „Heeren Se, mei kutester Pieper, ich habe Se heile gehört, daß Se eenen Schnurrbart dragen. Ich berseenltch habe ihn noch nicht gesähen und möchte ihn ooch nich sähen, denn ich gann Schnauzbärte fier’n Doht nich leiden. Ich bitt' Se darum, lassen Sie ihn verschwinden, und zwar jo balde als mecglich." — sEtn Unglücf tnb.) Von Preußen als Russe ausgewiesen und von z den Russen als Preuße per Schub über die Grenze geschafft zu werden, diesem sonderbaren Fangballspiel ist ein Herr F. zum Opfer gefallen, der, einer uralten Berliner Familie angehörig, sich jetzt in der Reichshauptstadt befindet, um dort beim Minister die letzte Hilfe zu suchen, nachdem er überall abschlägig beschieden worden. Urgroßvater und Großvater des Herrn waren in Berlin geboren und gestorben, sein Vater, gleichfalls ein Berliner Kind, wanderte 1832 nach Rußland aus, und dort wurde der Unglückliche, von welchem berichtet wird, 1836 geboren. Da der Vater weder damals noch später die russische Staatsangehörigkeit erwarb so wurde auch der Sohn als Preuße von den russischen Behörden betrachtet. Anfangs der 60er Jahre verließ F. Rußland, zog nach Preußen zurück und machte sich seßhaft in einer kleinen schlesischen Stadt, in welcher er, von seinen Mitbürgern allgemein geachtet, mehr als 20 Jahre sein Geschäft betrieb. Da traf ihn eine Ausweisungsordre, welche ihn, als im Auslande geboren, allen Reklamationen zum Trotz, nach Rußland zurückwies. Dortselbst wollte man ihn als Russen nicht anerkennen, gestattete ihm und seiner Familie indessen vorübergehend den Aufenthalt, bis er endlich vor wenigen Monaten auch von dort, weil er ein preußischer Unterthan ist, des Landes verwiesen wurde. Ein Gesuch um Naturalisirung ist von den schlesischen Provinzialbehörden abschlägig beschieden worden, so daß der Bedauernswerthe nunmehr in seiner Noth nach Berlin gekommen ist, um beim Ministerium wenigstens die Erlaubniß, in Preußen zu leben, sich zu erbitten. Daß der früher in guten Verhältnissen lebende Mann inzwischen total verarmt ist, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden. — (Ein »Rebhühner-Schnellzug".^ Seit Beginn dieses Monats geht alltäglich ein Train mit den merkwürdigsten Passagieren von Wien nach Paris ab. Jedem Etlzug, der seinen Weg nach der französischen Hauptstadt nimmt, sind nämlich einige Waggons angeschlossen, welche als Passagiere — Rebhühner enthalten, geschossene natürlich. Rebhühner gelten seit langer Zett zu den ausgesuchtesten Delicatessen an der Seine und selbstverständlich ist von jenem Tage an, da der Eiffelthurm seinen Schatten über Paris wtrtt, die Nachfrage nach diesem Leckerbissen nun arg gestiegen. Interessant ist, daß der Preis der Rebhühner in Paris ähnlichen Schwankungen unterworfen ist, wie irgend ein gangbares Papier der Effectenbörse. Der Preis variirt ost um mehrere Francs. Im Durchschnitt beläuft er sich auf 2.50 bis 3 Francs, steigt aber in der haute saison bis 5 Francs und höher. — Ein Bismarck-Museum soll in Berlin errichtet werden. An dem Unternehmen ist, wie die „Post" mittheilt, schon seit mehreren Jahren in der Stille gearbeitet worden. Heute besitzt es nahezu sämmtliche Über den Reichskanzler erschienene Schriften, eine stattliche Zahl von Btldtssen aus verschiedenen Lebensjahren, ferner viele Lob- und Spottgedichte, sogenannte Btsmarck-Jndustrie-Artikel rc. Die Eröffnung soll am 75. Geburtstage des Reichskanzlers, am 1. April 1890, erfolgen. Mit den nöthigen Vorbereitungen ist der Verlagsbuchhändler Paul Hennig in Berlin Wv Wtnterfeldt- straße 10, betraut. — sHeiteres von der Pariser Weltausstellung.) Pariser Blätter erzählen folgende Geschichte von einem Provinzialen, der nach Paris zum Besuche der Weltausstellung gereist ist und dort durch einen gelungenen Gaunerstreich um das ganze Geld gebracht wurde, das er nach Paris mitgenommen. Ein sehr wohlhabender Pächter von den Ufern der Garonne, Namens Effelak, war in Paris in einem Hotel der Straße Vaugireau abgestiegen. Von seiner langen Promenade durch daS Marsfeld ruhte er sich in einem Eaf6 aus, wo er die Bekanntschaft eines Individuums von ' vornehmer Haltung machte, das sich neben ihn gesetzt hatte und ihm erzählte, daß er aus der Provinz nach Parts gekommen wäre, um sich die Ausstellung anzusehen, aber sich tödtlich langweile, weil er gar Niemanden kenne. Effelak gestand, daß ihm die Einsamkeit ebenfalls nicht gefiel. Nach einer kurzen Unterhaltung wurden beide die besten Freunde der Welt. Der Fremde theilte Effelak mit, daß er feine Reise benutzt hätte, um eine Erbschaft einzukassiren. „Ich", so sagte er, „habe 20,000 Francs bet mir und ich bin sehr besorgt. Paris ist mit Taschendieben überfüllt. Ich fürchte, daß man mir mein Portemonnaie stiehlt, und andererseits möchte ich dasselbe nicht in t meinem Hotel zurücklassen; ich werde sie in der Umgebung von Paris vergraben- Sie werden, wenn Sie wollen, mit mir kommen." Die beiden Freunde reisten in der Thal I üm anderen Morgen nach Meudon ab und nach einem opulenten Dejeuner, während t dessen der Freund Effelak's diesem eine Anzahl von Papieren zeigte, die den Bank- billets sehr ähnlich sahen, begaben sie sich in den nächsten Wald. Nachdem der Freund seine 20,000 Francs in einem Loch, das sie unter einem Baume gegraben, versteckt hatte, fragte er Effelak: „Haben Sie nichts zu verstecken?" Effelak zog aus seiner ? Tasche acht Hundert-Francs-Billets, zwölf 20 Francs-Stücke, entledigte sich seiner goldenen Uhrkette, nahm dann seine Uhr und legte alles in das von feinem Freunde gegrabene Loch. Hrernach kehrten sie beide vergnügt nach Paris zurück und trennten sich gegen 1 Uhr Morgens, nachdem sie ein Rendezvous im Hotel der Straße Vaugireau verab- 3 redet hatten für den Morgen. Aber als Effelak vergeblich seinen Gefährten erwartete, wurde er argwöhnisch; er reifte sofort nach Meudon und lief nach seinem Versteck. Natürlich war sein Argwohn ein sehr begründeter; es war in dem Versteck nur das ! Portefeuille seines Freundes zu sehen. — Ein Katzenmarkt ist gewiß etwas apartes. In Paris wird der Handel „ mit Katzen sehr stark betrieben. Eine Frankfurter Dame kam auf ihren Wanderungen • durch Paris auf einen Platz am Ouai „March6 de fleurs“ und war nicht wenig , erstaunt, daselbst nebst Vögeln in Käfigen auch Katzen in Käfigen zum Verkaufe ausgestellt zu sehen. Es waren zumeist die prächtigsten jungen Angora-Kätzchen von weißer und schwarzer Farbe, welche zu sehr bescheidenen Preisen, das Stück zu 10 Sous (V2 Fr.) bis 1 Fr. verkauft wurden. Katzenfreundinnen, welche die Pariser Weltausstellung noch besuchen, werden gewiß nicht versäumen, diese lieben Mitzchen einmal aufzufuchen. NaiverstlLis - tzhroaiL. — Zwei Fakultäten der in Freiburg (Schweiz) geplanten Universität sollen irn November eröffnet werden. Berufen sind für die Universität Studienlehrer Dr. ©türm in Würzburg, Prioatdocent Wolff in Bonn für Philologie, Jostes- Münster für Literatur, Bauführer Effmann-Verden für Kunstgeschichte. — An der Universität Jena sind zur Zeit erledigt die Ritter-Professur (Zoologie), welche aus einer Prioatstiftung unterhalten wird, und eine ordentliche Professur für Chemie, mit welcher die Stelle des Directors des chemischen Laboratoriums verbunden ist. Der Inhaber der ersten Professur, Dr. Lang, langjähriger Assistent von Professor Häckel, bat eine Berufung nach Zürich angenommen, die andere Professur ist in Folge Ablebens ihres Inhabers, Hofrath Genth er, frei geworden. — In Salzburg soll bekanntlich eine katholische Universität gegründet werden, aber es will nicht gelingen, die erforderlichen Kapitalien aufzubringen. Das angesammelte Vermögen beläuft sich erst auf 58,000 fl. — In Odessa ist, wie der „Now. Tel." meldet, das Curiosum vorgekommen, daß die Professoren das 25. Jubiläum ihrer Universität, welches im Juli feierlich begangen werden sollte, — vergaßen. Literarisches. — Geschneit hat es zwar noch nicht, doch wenn der Wind über die Stoppeln fegt und die Vögel ihre Sommerquartiere verlassen, dann ist auch der Winter nicht mehr allzufern und die Zeit gekommen, in welcher vorsichtige Familien Vorkehrungen treffen, um den kalten unheimlichen Gast würdig zu empfangen. Und wahrlich, nicht wenige solcher Arbeiten sind in einem geordneten Haushalte oorzunehmen. Wie wohl thut es nun, hierbei einen Freund und Berather zur Seite zu haben, der über alle Fragen auf dem Gebiete des Hauswesens Rath und Auskunft ertheilt, der uns sorgen hilft, unser Heim traulicher zu schmücken und die Abende bei knisterndem Kaminfeuer uns wohliger zu machen, der uns reiche Anregung zu ernster Beschäftigung, zur Unterhaltung und Belehrung, zu frohem Spiel und Scherz gibt. Wir meinen die in kurzer Zeit den 8. Jahrgang beginnende praktische Wochenschrift für Hausfrauen „AÜrs Harrs*. Möchte dies empfehlenswerthe Blatt beim Beginn des neuen Jahrgangs bei recht vielen Familien seine Einkehr halten. Die geringe Ausgabe von 1 pro Vierteljahr büfte Niemanb gereuen. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und Postämter, sowie auch die Geschäftsstelle „Fürs Haus" zu Dresden an. — Die nahende Herbstsaison lenkt das erhöhte Interesse unserer Frauen wieder auf die großen deutschen Modezeitungen, unter denen der allbekannte »Stajat* nach wie vor seine hervorragende tonangebende Stellung behauptet. Durch seine eminente Nützlichkeit für die Frauenwelt ist der „Bazar" seit Jahrzehnten ein wohlgeschätzter und in der That notwendiger Factor des häuslichen Lebens geworden. Ueberall, in der Stadt und auf dem Lande, ist der „Bazar" der unentbehrliche Rathgeber, der die zweckmäßigste Anleitung zur Selbstanfertigung der Damen- und Kindergarderobe, die geschmackvollsten Vorlagen zur Handarbeit darbietet und in allen hauswirthschaftlichen, kosmetischen und praclischen Lebensfragen die schnellste und zuverlässigste Auskunft gewährt. Die reich ausgestatteten Unterhaltungs-Nummern haben den „Bazar" durch ihren vielseitigen, interessanten, dabei mit größter Sorgfalt ausgewählten Lesestoff und durch prachtvolle künstlerische Illustrationen seit lange schon zu einem Familienblatte allerersten Ranges erhoben. — All den Leidenden, die nicht in der Lage sind, ein trauliches Heim ihr eigen zu nennen, und denen es in Folge der complicirten Bereitung der verschiedenen beef-teas und Kraftsuppen erschwert, bisher oft nicht möglich war, für ihre angegriffene Gesundheit entsprechend zu sorgen, wird jetzt durch Kemmerichs Fletsch-Pepton ein unschätzbares Heilmittel geboten. Der angenehme, kräftige Geschmack und die leichte Löslichkeit machen das Fabrikat zu einem kräftigen Belebungsmittel, wenn es in Dosen von 20 bis 30 Gr. mit Cacao, Wein oder selbst mit Wasser gemischt wird, während 50 Gr. zur Förderung der Verdauung und zur stärkeren Muskelentwickelung beitragen. Es erhellt hieraus die Wichtigkeit von Kemmerichs Fleisch-Pepton in all den Krankheitsfällen, wo Fleisch, Milch und Eier dem Gejchmack widerstehen oder nicht verdaut werden können. 7313 — Von Köln a. Rh. wird uns mitgetheilt, daß von der Jury der Internationalen Ausstellung für Nahrungsmittel und Hausbedarf der Nährmittelfabrik Krank & Co. in Bockenheim für ihre ausgestellten Nährmittel: »Rademann'S Kindermehl* und ^Franks Avenaeia* die höchste Auszeichnung, „die goldene Medaille“, zugesprochen worden ist. Die Ausstellung zeigte sämmtliche Phasen der Lerftellungsweise beider Nährmittel, aus welchem der Schluß gezogen werden mußte, daß mit größter Sorgfalt und Peinlichkeit bei Auswahl der Rohstoffe und bei der Fabrikation verfahren wird, Faktoren, welche gerade bei Nährmitteln — Krank'- Avenaeia für Magenkranke, Reconoalescenten, schwache Personen rc. berechnet, und noch viel mehr bei der Ernährung kleiner Kinder — hauptsächlich in's Gewicht fallen. Die erhaltene Auszeichnung wird für die Fabrikanten ein Sporn fein, stets tadellose Präparate herzustellen, und somit den errungenen vorzüglichen Ruf, welche diese beiden bereits jetzt schon bei den Aerzten sowohl als auch in allen Schichten der Bevölkerung genießen, zu befestigen und zu erhalten. 3NF* Unregelmäßigkeiten in der Zustellung des Anzeigers bitten wir sosort zuZ unserer Kenntniß zu bringen Wamit wir in der Lage find, Abhülse schaffen zu könnens Expedition des „Gießener Anzeiger." Allgemeiner Anzeiger 8 Bis zum I. October x wollene und baumwollene Hemden, Un Lk- X Oberhemden, Chemifei ch-n X Manschetten, Shlipse, Metzger- veranschlagt zu w 7261 ^98^ Q 7876 „ 95 „ X 4879 76 zz 1457 89 4318 4600 2543 535 Zimtz’ 544 ff 589 50 zz 475 75 81 55 9 Taxe. Mit Bremen nach Amerika 'N 9 Taffen en ffros Bremen en detail von nach -vstafien Australien Südamerika Vorräthig: Stück 50 H bei Carl Petri. 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