Nr. 269. Zweites Blatt. Sonntag den 17. November 1889. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamikienv kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Kießmer Anzeiger Vierteljähriger ASonnemeutspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: General-Mrzeiger. Schukckrahe Sr.7. Fernsprecher 51. Aints- und Zlnzeigeblntt föt den t!vei- Gieszen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamikienblätter. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Fernsprechwesen im Keichspostyebiet: lieber den Umfang des Fernsprechwesens im Reichspostgebiet sind der Budgeteommission des Reichstags die nachstehenden Zahlenangaben gemacht worden. Dieselben betreffen den Stand vom 31. März d. I. Inzwischen hat sich bekanntlich das Fernsprechnetz noch etwas erweitert. Fernsprechbetrieb zum Anschluß der Vanborte an das allgemeine Telegraphennetz besteht in 4680 Orten mit 31,590 Kilometer Leitungen. Stadt Fernsprecheinrichtungen bestehen in 1 i 6 Orten mit 33,460 Sprechstellen, 48,829 Km. Leitung im Betriebe - 486,636 Gespräche täglich. Sprechstellen Km. Leitung Gespräche Darunter Berlin 9534 im Betriebe 16,542 täglich 187,371 Hamburg 3574 4,429 80,181 Dresden 1566 2,625 29,949 Leipzig 1235 1,488 25,476 Die Zahl der Anlagen zur Verbindung verschiedener Stadt-Fernsprecheinrichtungen mit einander beträgt 169 mit 10,741 Km. Leitung- 28,167 Gespräche täglich. Kilometer Leitung Gespräche täglich Darunter Berlin-Hamburg 290,8 213 Berlin-Braunschweig-Hannover 328,6 27 Berlin-Magdeburg 177,6 41 Berlin-Stettin 179,5 25 Berlin-Halle 165,0 18 Berlin-Dessau 141,9 5 Berlin-Leipzig 172,0 60 Berlin-Breslau 348,9 99 Berlin-Dresden 232,9 77 Bremen-Bremerhaven 68,7 292 Breslau-Beuthen (Ob.-Schles.) 228,5 24 Köln (Nhein)-Bonn 26,3 235 Franksurt (Main)-Mannheim 86,2 129 Hamburg-Lübeck 66,5 362 Hamburg-Bremen 151,0 43 Hamburg-Kiel 95,9 26 Kiel-Flensburg Leipzig-Meerane bezw. sächsische 122,2 13 Jndustrieorte 65,0 51 Ferner bestehen Fernsprech-Anlagen in Jndustriebezirken und zwar im Oberschlesischen Jndustriebezirk. Hauptorte: Beuthen, Königshütte, Gleiwitz, Kctttvwitz, Tarnowitz. — 194 Sprechstellen, 737 Km. Anschlußleitungen, 474 Km. Verbindungsleitungen, 2410 Gespräche täglich. Im rheinischen Seidenbezirk. Hauptorte: Creseld, Lvbberich, Viersen, Dülken, Uerdingen, München-Gladbach und Rheydt. — 777 Sprechstellen, 964 Km. Anschlußleitungen, 172 Km. Verbindungsleitnngen, 11,158 Gespräche täglich in Verbindung mit der Fernsprechanlage Barmen- Elberfeld-Vangenberg. 673 Sprechstellen, 920 Km. Anschluß- leitnngen, 142 Km. Verbindungsleitnngen, 13,194 Gespräche täglich. Im niederrheinisch-westfälischen Jndustriebezirk. Hauptorte: Duisburg, Ruhrort, Oberhausen, Mühlheim (Ruhr), Essen (Ruhr), Bochum, Dortmund und Hagen (Wests.) 783 Sprechstellen, 3071 Anschlußleitungen, 1369 Km. Verbindungsleitungen, 14,201 Gespräche täglich. Im bergischen Jndustriebezirk. Hauptorte: Vennep, Remscheid, Ronsdorf und Solingen. 100 Sprechstellen, 108 Km. Anschlußleitungen, 102 Km. Verbindungsleitungen, 626 Gespräche täglich, in Verbindung mit der Fernsprechanlage Elberfeld-Barmen-Langenberg. Für das Etatsjahr 1889/90 sind genehmigt bezw. in Aussicht genommen: a) 18 Stadt-Fernsprecheinrichtungen und b) 16 Verbindungsanlagen. Die Gesammt-Herstellungskosten der Stadt-Fernsprechanlagen betragen 15,962,429 Mk., die der Verbindungs- anlagen 1,418,707 Mk., also zusammen 17,381,146 Mk. Im Fernsprech-Betriebsdienst sind beschäftigt: insgesammt 1111 Beamte, darunter in Berlin 424, und in Hamburg 164. Locales unb provinzielles. Gießen, 16. November. — Sitzung der Stadtverordneten am 14. November. Anwesend : Herr Bürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Keller und Vangsdorff, Seitens der Stadtverordneten die Herren Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hoch, Hornberger, Jughardt, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schopbach, Simon und Vogt. — Nach Vollzug der Einführung und Verpflichtung des Herrn Beigeordneten Vangsdorff (s. vor. Nr. d. Bl.) machte Herr Bürgermeister Gnauth Mittheilung von dem Eingänge einer Einladung der Bürgergesellschaft zu deren am 16. d. M. stattfindenden 25jährigen Stiftungsfeste. — Von der Freifrau von Adelsheim in Wachbach, geb. Freiin v. Schertel-Burtenberg, ist der Bürgermeisterei ein Band „Giesische gemeinnützige Anzeigen" aus dem Jahre 1765, nach Angabe d?s Herrn Bürgermeisters der 2. Jahrgang dieses Blattes, geschenkweise übermittelt worden. Der Herr Bürgermeister wird ermächtigt, für dieses Geschenk, welches eine werthvolle Ergänzung des Bürgermeisterei-Archivs bilden wird, der Spenderin den Dank der Stadt auszusprechen.*) *) Wir sind ebenfalls im Besitze dieses Zeitungsjahrganges; derselbe trägt den Titel: „Giesische wöchentlich-gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten vom J^lb e 17*5. — Horat. Et prodesee volunt 4 deleotare. — Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis. Giessen, bey Johann Philipp Krüger." Red. d. G. A- Fenilleton. Der Esel des Hnrn von Schiller. (Eine Episode aus dem Leben Georg Herweghs.) Humoreske von Georg Franken berg. Es war am 10. November 1859. Hochauf loderten, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, die Flammen der Begeisterung: der hundertjährige Geburtstag Friedrich v. Schillers wurde feierlich aller Orten begangen, soweit die deutsche Zunge klingt. Als eine der Ersten in der Reihe der Feiernden stand die freie Schweiz. Sie, um welche Schiller durch seinen „Wilhelm Teil" den unvergänglichen Zauber der Poesie gewoben, schien Allen voran zeigen zu wollen, mit wie unauslöschlicher Verehrung das Andenken des großen Todten in ihr Merkbuch eingetragen sei. Kein Flecken, so klein er war, keine Hütte, so ärmlich sie auch sein mochte, wo an diesem Tage nicht der Name Schillers genannt wurde - kein Firn, von dessen schneebedeckter Höhe nicht das Roth der nächtlichen Freudenseuer zu den Thälern hinableuchtete. An allen großen Orten war ein Drängen und Jauchzen schon von frühester Morgenstunde an; herab von den Dächern flatterten die Fahnen und wie eine große unendliche Kette rankte sich von Haus zu Haus b?r grüne Schmuck ber Guirlanben. Ganz außergewöhnliche Erwartungen knüpfte man an die mit großem Trara angefünbigtc Fest - Vorstellung im Stabttheater. War es bem Oberpriester bes Züricher Musentempels, vulgo Director, wirklich so sehr barum zu thun gewesen, zu bem feierlichen Dankopfer, welches bie beutsche Nation ihrem Dichter-Titanen barbrachte, auch seinerseits ein Scherflein beizusteuern, ober hatte er diesen hunbertjährigen Geburtstag nur als eine sogenannte günstige Gelegenheit aufgefaßt, bie er, echt theaterbirectormäßig, burch eine gute Einnahme feiern zu müssen glaubte, kurz, es waren bie riesigsten Anstrengungen gemacht worden, um das Publikum zum Theaterbesuch zu reizen. Bor allen Dingen war es Eins, was die ohnehin schon festlich erregten Gemüther noch ganz besonders in erwartungsvolle Spannung zu versetzen geeignet war: die Nachricht, daß Georg Herwegh, der Sänger und Freiheitsheld, mit einem von ihm gedichteten Prolog die Feier im Theater persönlich einleiten werde. Herwegh sprechen! Das zündete. Der Abend kam heran und sah das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt. Hinter der Bühne herrschte, der regste geschäftliche Eifer. Künstler und Künstlerinnen befanden sich längst in ihren Garderoben, um sich für den entscheidenden Moment, der sie auf die Bühne rufen würde, zu rüften; einzelne schritten sogar bereits fix und fertig, ihre Rolle noch einmal oberflächlich memorirend, zwischen den Couliffen hin und her. Sehr aufgeregt zeigte sich der gute Director. Er war, wie man zu deutsch zu sagen pflegt, ein Original. Immer mürrisch, bissig, unzufrieden- selbst heute, wo er ein übervolles Haus hatte, spielte er den Mißvergnügten. In seinen erschrecklich großen Filzsocken, die ihm wie ein Paar Schneeschuhe an den Füßen hasteten, dazu mit einem gänzlich verschossenen und ausgewachsenen, bis oben hinaus zugeknöpften langen grünen Rock bekleidet, von dem Niemand sagen konnte, ob er je neu gewesen war, flitzt das dünne, hagere Männchen in langgedehnten, schleichenden Jntriguantenschrittcn aus einem Winkel ber Bühne nach bem anbern, überall schnüffelnb unb spionirenb. Jeden Kleistertopf guckte er erst aus, unb wo zwei ober brei zusammenftanben unb sprachen, ba tauchte er plötzlich, wie aus ber Versenkung, bazwischen auf unb warf ein paar hämische Bemerkungen in die Unterhaltung. Dabei — Das Ergebniß über die alljährlich anzustellende Ermittelung deS Ernteertrages für die Gemarkung Gießen wird zur Kenntniß der Versammlung gebracht. Es waren danach im Jahre 1889 bepflanzt mit Weizen 190Hcctare, Roggen 185, Gerste 70, Hafer 230, Erbsen 40, Wicken 20, Kartoffeln 300, Rüben 120, sonstigen Pflanzen 45 Hectare. An Wiesen waren vorhanden 450 Hectare. Die Zahl der Apfelbäume betrug 4775, Birnbäume 2698, Zwetschenbäume 8683, Kirschbäume 1403, Aprikosen :c. 10, Wallnüßbanme 72. — Die Arbeiten zur Herstellung dreier Schulsäle in der neuen Realschule sind, dem Beschlüsse der vorigen Sitzung gemäß, vergeben worden, nachdem Großh. Direction der Realschule sich im Einverständnisse mit der Stadtverordneten-Versammlung erklärt, daß mit Vornahme dieser Bauveränderungen nicht die Erbauung eines neuen Festsaales bedingt, sondern angenommen sei, daß die Schulfestlichkeiten in der Turnhalle stattfinden sollen. — Das Baugesuch der Herren Johs. Seibel und Johs. Häuser wurde in einer früheren Sitzung beanstandet, weil Gesuchsteller beabsichtigen, den geplanten Neubau an der Frankfurter Straße direct an die noch anzulegende Straße nach dem Güterbahnhofe und nicht in einer einen Vorgarten lassenden Entfernung zu errichten. Gegenüber einem bei Großh. Ministerium einzureichenden Gesuch um Entbindung von den Bestimmungen der Vocalbauordnung erklärt die Versammlung Beharren auf dem früheren Beschlüsse. — Die Gesuche von Heinr. Stolting und Georg Todt II. um Ertheilung der Wirthschafts-Concession sollen, da es sich um Fortsetzung bereits bestehender Wirthschasten (Restauration Feldschlößchen resp. Wirthschaft P. Hubeler Wwe.) handelt, befürwortet werden, desgl. dasjenige des Johs. Seibel, welcher in seinem Neubau an der Frankfurter Straße eine Gastwirthschaft zu betreiben beabsichtigt. Die von Großh. Administrations-Commission geltend gemachten und der Berücksichtigung empsohlenen Bedenken über die Zulassung eines Wirthschastsbetriebes in der Nähe der neuen Kliniken wurde, in Uebeveinftimmung mit Großh. Kreisamt, als nicht begründet bezeichnet, die nachgesuchte Erlaubniß zum Wirthschastsbetrieb befürwortet. — Anders verhielt es sich mit dem Gesuche von Ehr. Lony und Ehr. Heß, welche beide die Erlangung der Concession zum Wirthschastsbetrieb in ein und demselben Locale (Lonys Bierkeller und angrenzenden Neubau) bezwecken. Ohne Eingehen auf die Frage, welchem von beiden über die Berechtigung zum Wirthschastsbetrieb Streitenden dieselbe zu ertheilen ist (hierüber entscheidet eine höhere Instanz), wird die Bedürfnißsrage bejaht. — Laut einem Schreiben des Rathes der Stadt Leipzig haben von den 23 Städten, deren Vertreter im Jahre 1863 aus Anlaß des 50. Jahrestages der Schlacht bei Leipzig beschlossen, auf dem Schlachtfeld bei Leipzig ein Denkmal zu errichten, 16 sich für Wiederaufnahme des Projectes, nachdem dessen Aussührung infolge ber nach 1863 eingetretenen Pölitz alte seine Sprache jenen halb heiseren, halb hohlen Ton, für den das Theaterlexikon den höchst treffenden Ausdruck „ver- schminkt" ansührt; und eigentümlich war die Art und Weise, wie er fein Organ zu gebrauchen pflegte. Im säuselndsten Pianisfimo beginnend, wuchs feine Rede am Schlüsse stets zu einem Poltertone an, der lebhaft an das Geräusch eines über defectes Steinpflaster fahrenden Rollwagens erinnert, so daß man eigentlich immer nur die Worte verstand, mit denen er endete. Heute waren es vornehmlich der Theatermeister und der Regisseur — der letztere lebt jetzt in Berlin — die er zum Blitzableiter seiner boshaften Eingebungen ausersehen hatte. Die beiden unglücklichen Opfer arbeiteten eben noch im Schweiße ihres Angesichts an dem Arrangement der Schillergruppe, die als decorativer Brennpunkt der Eröffnungsfeierlichkeit im Centrum der Bühne ihre Aufstellung finden sollte, als der Director wie ein Uhu hinter ihnen aushuschte. In der von ihm beliebten Manier hatte er natürlich wieder allerlei an dem wirklich geschmackvollen Ausbau auszuietzen, und vor allen Dingen gefiel ihm nicht, daß die Büste Schillers auf einem freistehenden Postament einen exponirten Standpunkt erhalten hatte. Der Regisseur, der sich im Laufe seiner langjährigen Bühnenthätigkeit ein unbesiegbares.Phlegma angeeignet hatte, hörte die Nörgeleien seines Chefs längst schon mit stoischer Gelassenheit an; anders der Theatermeister. Er, auf dem ohnehin heute eine ungewöhnliche Arbeitslast ruhte, kam derartig in Harnisch, daß ihm in seiner biderben süddeutschen Art die etwas respectwidrigcn Worte entfuhren: „So wie wir's halt arranschirt hab'n, bleibts a! 's het halt ka Esel beim Herrn v. Schiller was zu suche!" Ein sehr geistreiches Gesicht war es gerade nicht, mit welchem der Herr Director diese ihm etwas unerwartet gekommene Entgegnung seines Theatermeisters begleitete. Jedoch mochte er tischen Ereignisse unterbrochen wurde, erklärt. Das Schreiben gipfelt in dem Ersuchen an die Bürgermeisterei, durch Einrichtung einer Sammlung in der Stadt mit zur Ausführung des Denkmals 'und Abtragung einer Ehrenschuld- für die Kämpfer der Freiheitskriege beizutragen. Die Versammlung spricht sich gegen die Bewilligung eines Beitrages, wie gegen Errichtung einer Sammlung aus, nachdem sowohl der Herr- Vorsitzende wie die Herren Beigeordneter Langsdorfs und Stadtverordneter Scheel ihre Bedenken dagegen geäußert. Herr Beigeordneter Langsdorfs machte geltend, daß mit der Errichtung von Denkmalen in der Neuzeit etwas zu weit gegangen werde, die Schlacht bei Leipzig sei, wenn er sich juristisch ausdrücken solle, verjährt und durch neuere Ereignisse überholt, für Bewilligung eines Beitrages aus Gemeindemitteln könne er sich nicht aussprechen, man müsse die Ausgaben aufs Geringste beschränken. Herr Scheel bemerke, daß zum Andenken an die Leipziger Schlacht schon viele Denkmale beständen, wenn die Stadt Leipzig in ihrem Interesse eines solchen bedürfe, so könne sie aus eigenen Mitteln eins errichten. — Herr Herz Schulhof hat lt. Testament seine Schwester zur Universalerbin eingesetzt unter der Bedingung der Abgabe von Legaten in Höhe eines Dritttheils seines hinterlassenen Vermögens zum Besten von hülfsbedürftigen Personen der Stadt Gießen. Ueber die Höhe des der Stadt zugewiesenen Capitals liegen Anhaltspunkte noch nicht vor. Herr Bürgermeister G n a u t h bemerkt, daß in voller Würdigung des von dem Herrn Schulhof bewiesenen Edelmuthes wohl kein Grund vorliege, das Legat abzulehnen. — Die vorliegenden Rechnungen über ausgesührte, aus der Hand vergebene Arbeiten, u. A. für Abschlagen der Knaben-Badeanstalt, werden gutgeheißen. — Zur Complettirung der Geräthe in der städtischen Turnhalle sind einige Sprungböcke, Kletterstangen u. s. w. nöthig. Die auf 600 M. veranschlagten Kosten werden bewilligt. — Dem israel. Gesangverein soll auf Ansuchen ein Schulsaal zum Abhalten von Gesangsübungen an Samstag-Abenden gegen Entrichtung einer Entschädigung von 80 Pf. sür den Abend (für Heizung und Beleuchtung) im Mädchenschulgebäude an der Schillerstraße überlassen werden. — Die Frist, während welcher neu errichtete Häuser ohne Verputz bleiben dürfen, läuft für das Schulgebäude an der Westanlage mit Frühjahr nächsten Jahres ab. Es wird deshalb beschlossen, die aus Herstellung des äußeren Verputzes dieses Gebäudes entstehenden Kosten, veranschlagt zu 5110 M., in das nächste Budget einzustellen. — Das Gesuch des Herrn Georg M ö h l um Erlaubnis; zur Errichtung eines Neubaues an der Bahnhof- und Marktstraßen- Ecke wird beanstandet, da der für fragt. Neubau vorgesehene Erker in Rücksicht auf die dortige Straßenbreite als den Bestimmungen des Localbaustatuts nicht entsprechend zu bezeichnen ist. — An den Plänen zur Errichtung eines Exerzier- Hanses hinter der Schloßkaserne, in der Flucht des Feldfahrzeugschuppens, findet die Versammlung, nichts zu beanstanden. Das Exerzierhaus wird in Fachwerk, mit massiven Giebeln ausgeführt. — Dem Gesuch des Herrn Heinrich Schön um Erlaubniß zur Erbauung eines Gartenhauses am hinteren Nahrungsberg, welches in einer früheren Sitzung wegen der unzulässigen Bauart, wie seiner Lage außerhalb des Stadtplanes wegen abgelehnt worden, wird insofern stattgegeben, als dem Gesuchsteller vorläufig für die Dauer eines Jahres die Belassung des bereits in Ausführung begriffenen Gartenhauses gestattet, aber untersagt werden soll, in demselben eine Feuerungsanlage herzurichten. — Für die neu eröffneten Straßen sollen Straßenschilder in der bereits eingeführten Form von den seitherigen Lieferanten bezogen werden. — Die auf 370 Mk. veranschlagten Kosten für Herstellung des Bohlenbetags an der Bi sm ar ck- straßen-Brücke werden bewilligt. Von der Pflasterung der Brücke mußte mit Rücksicht auf die nicht für eine solche berechnete Tragfähigkeit abgesehen werden, desgl. von der Belegung mit Holzpflaster, welches sich bei der den Einflüssen der Witterung zu sehr ausgesetzten Bauart der Brücke in der wohl einsehen, daß hier der Schweigende schließlich der Klügere war und darum machte er kurz entschlossen Kehrt, um auf der entgegengesetzten Seile der Bühne bald daraus an Anderen seine schlechte Laune auszulassen. Wenn er in diesem Augenblicke sich doch den Esel mehr zu Gemüthe gezogen hätte! Jndeß war der Stundenzeiger dem feierlichen Augenblicke der Eröffnung immer mehr nahe gerückt. Draußen im Zuschauerraume summte und brummte es wie in einem großen Bienenschlage; das Parquet und die Ränge füllte das eleganteste Publikum Zürichs und auf den Gallerien drängte sich, fest aneinandergekeilt, eine vielhundertköpfige, festlich erregte Menge, die durch immer neu Hinzukommende noch von Minute zu Minute anschwoll. HerweghS Name hatte wie ein zauberhafter Magnet gewirkt. Endlich ertönte das erlösende Zeichen. Das Orchester Hub zu Webers stimmungsvoller Jubelouverture an. Der Schlußaccord war verklungen, der Vorhang rauscht auf und von frenetischen Zurufen empfangen, trat Georg Herwegh vor die Brüstung. Es waren kernige, zündende, Freiheit athmende Worte, bei denen es wie Wetterleuchten über die durchgeistigten Züge des schönen Mannes zuckte, die von seinen Lippen erklangen. Ein unbeschreiblicher Beifall brach los, als er geendet hatte und sich zurückzog. „Herwegh! . . . Herwegh! . . . Tusch! . . ." erscholl es von allen Seiten; aber vergeblich. Herwegh erschien nicht wieder. Es war, als ob ihn der Erdboden plötzlich verschlungen habe. Händeringend liefen der Direetvr auf der einen, der Regisseur auf der anderen Seite der Bühne umher, jeden Winkel durchsuchend, unausgesetzt seinen Namen rufend. Umsonst, Herwegh war nicht zu finden. Draußen dauerte der Beifallssturm und das Rufen ununterbrochen fort. Und ruhte er einmal für einen Moment, so war es nur, um gleich darauf mit erneuter Kraft loszubrechen. Der Direetor war außer sich. In seiner Verzweiflung stürzte er mitten auf die Bühne und rief dem beim Vorhang postirten Arbeiter zu: „Um Himmels Willen, nur Gartenstraße nicht bewährt hatte. — Entsprechend suche einer Anzahl Interessenten soll die äußere Schill erst raße ausgebaut und mit Trottoir versehen werden, nachdem die Bebauung dieser Straße so weit vorgeschritten ist, daß die Stadt die Verpflichtung zum Ausbau derselben anerkannt. Veranschlagt sind die Kosten ans 2040 Mk. ' Auf desfallsige Anfrage Großh. Administrations-Com- Mission beschließt die Versammlung, die Unterhaltung der „Anlagen" vor dem Universitätsgebäude zu übernehmen. — Nachdem der neue obere Theil des Friedhofs entlang der Licherstraße und dem Steinbacher Weg mit einer Mauer umgeben, macht sich auch die Bepflanzung des zwischen Licherstraße und Friedhof liegenden Geländes nöthig- dasselbe soll nach Art der unteren Friedhofs-Anlage hergestellt und eingesät, die daneben liegenden Holzlagerplätze nach der neuen Anlage hin durch Buschwerk abgesondert werden. Die hierfür veranschlagten Kosten mit 5070 Mk. werden, zu Lasten des nächstjährigen Budgets, bewilligt. Bei im oberen Theile des Friedhofs ftattfinbenben Befreie Zeit bleibt also nur noch in den Aben d- stunden. Und da sitzen nun die weiblichen Familienglieder tief in verschwiegene Nächte hinein und häkeln, stricken, sticken und applicieren, als wäre das Weltall mit Tischdecken, Socken, Sophakissen, Schlummerrollen, Hauskäppchen und Pantoffeln zu versorgen! Freilich, auch anderwärts häuft sich dieser Proviant. Die Geschäftslager und die Schaufenster füllen sich und hier in vollster Oeffeutlichkeit gewahrt man die Ueberproduetion der vorweihnachtlichten Wochen. Man rüstet sich für den großen Umsatz, welcher in sehr vielen Geschäften das Deficit des ganzen Jahres decken und die eigentliche Ernte liefern soll. So wirft das große Ereigniß seinen Schatten voraus und wohin er fällt in Deutschland — das ja allein so ausnahmslos das Christfest als Gabenfest feiert — bringt er Leben und Treiben die Fülle, bis ihn der Lichterglanz des Tannenbaums auslöscht, unter dessen verklärendem Glanze Alles ausgebreitet liegt, was des großen Ereignisses Schattenepoche producirt hat. Es ist eine fleißige Zeit von jetzt bis Weihnachten! dem Ge- und eigentlich erdignngen sollen in Zukunft die Leichenzüge durch das obere Thor geführt und damit eine Schonung der Wege im unteren Friedhöfe herbeigeführt werden. — Mit Ausdehnung des Friedhofs hat sich auch die Nothwendigkeit ergeben, Bestimmungen über Anlage und Preis von Erbbegräbnissen auf dem neuen Theile desselben zu treffen. Nach den seither gemachten Erfahrungen sind die an der Mauer nach dem Nahrungsberge hin gelegenen Plätze gesuchter, als diejenigen an der Mauer der Licherstraße. Es wird beschlossen, den Preis für ein Erbbegräbniß am Nahrungsberg auf 150 Mk., für ein solches am oberen Theile, am Steinbacher Weg, auf 120 Mk. und für ein an der Licherstraße gelegenes auf 100 Mk. festzusetzen. — Der letzte Punkt der Tagesordnung, die Trichinenschau betreffend, kam nicht mehr zur Beratung, doch stheilte der §err Vorsitzende mit, daß die Metzger mit den Hauptpunkten der von der Stadt zu treffenden Bestimmungen ihr Einverständniß bereits erklärt hätten. * Große Ereignisse werfen ihre Schatten und je größer das Ereigniß, desto größer ist natürlich auch sein Schatten. Nun giebt es einen ungemein zahlreichen Theil aller Deutschen, denen das Weihnachtsfest ein außerordentlich großes und wichtiges Ereigniß ist- je näher es rückt, desto eifriger ist man beflissen, feiner würdig und gerüstet zu sein. Allen voran natürlich die Kinderwelt. Jetzt beginnen die Buch- stabirkünstler „mit heißem Bemühen", das einem Faust Ehre machen würde, ihre Wunschzettelschriftstellerei und damit eröffnet sich eine Aera lieblicher Familiencomik. Ja, jetzt ist nun die Saison der unheimlich artigen Kinder angebrochen, aber nicht minder unheimlich ist die veredelnde Wirkung des Weihnachten in Sicht bei Dienstboten u. s. w. So höflich, so aufmerksam wird man im ganzen Jahre nicht behandelt wie jetzt, so eifrige Lauscher auf die geheimsten Wünsche hat man niemals gekannt. Lohn und Strafe, das sind die Götzen, zu denen wir beten, und am Weihnachtsabend erwartet die nun losgelassene Jugend ihren Lohn. Noch in anderer Hinsicht wirft das Fest, von dem wir uns nur noch wenig über 5 Wochen trennen, seine Schatten, oder da es ein solches des Lichtes ist, seinen Glanz voraus. Die geheimuißvollc Nadelarbeit beginnt, welche so viele Nachtruhe und was leider mit das schlimmste werden kann, so manches gute Auge kostet. Es ist jetzt dic Zeit gekommen, da für den Vater, den Bruder und — „für ihn" gearbeitet werden muß, und Eile thut noth, wenn man mit dem beabsichtigten Geschenk noch fertig werden will. Denn wie wenig Zeit und Möglichkeit bleibt für die Arbeit wirklich! Vater und Brüder, Mutter und Schwestern sind während des ganzen Tages gegenwärtig und machen die Arbeit fast unmöglich, weil sie gerade immer dann, wenn man eben angefangen hat, in's Zimmer treten und sind sie einen Augenblick wirklich nicht da, so hindert die Unriihe des Gedankens, daß sie kommen und überraschen könnten, den flotten Fortschritt der Arbeit ebenso, jetzt noch nicht den Vorhang aufziehen!" Aber nie sollte ihm seine Vorsicht und vor allen Dingen seine Sprechweise ver- hängnißvoller werden als in diesem Augenblicke. Der An- gerujene hatte wieder nur die drei letzten Worte des Directors verstanden — ein Druck, und gerade das, was er hatte verhüten wollen, ging unabwendbar vor sich: der Vorhang rauschte höhnisch empor und gab den guten Director in seiner höchst fragmentarischen Costümirung den Blicken Aller preis. Für einen Moment, ungefähr wie wenn durch einen heftigen Blitz der Gewitterregen jäh unterbrochen wird, ward es todtenstill im Zuschauerraum. Kaum aber wurde man sich über die Situation klar, als auch schon ein Gelächter losbrach, ein Gelächter, wie es mit Worten nicht zu beschreiben ist. „Vorhang runter !" brüllte der Director außer sich - und nach Art des Vogel Strauß, der, um sich unsichtbar zu macheii, sich unter den eigenen Federn versteckt, kroch er ganz in sich zusammen und suchte in seinen bekannten langen Schritten so schnell als möglich die schützenden Conlissen zu erreichen. (Schluß folgt.) — Wie man dem Drücken der Schuhe abhilft. Darüber schreiben die „Dresdener Sonntagsblätter": Mein Schuhmacher brachte mir ein Paar neue Stiefeln, welche mich, als ich sie anzog, drückten. Da machte ich den Versuch, sie mit Glycerin einzuschmieren, welches ich auf ein Stückchen Zeug getropft hatte- ich rieb das Oberleder, sowie die Sohlen damit ein und ließ es eintrocknen. Dieses Verfahren wiederhole ich drei- bis viermal und rieb die Schuhe bann mit einem Stückchen Zeug ab - als ich die Schuhe anzog, legte sich das Leder weich an den Fuß an, so daß ich bequem gehen konnte. Seit dieser Zeit lasse ich das Schuhwerk nicht mehr wichsen, da durch das Wichsen das Leder hart wird, leicht bricht und zerreißt. Bei Gebrauch von Glycerin behält das Leder sein neues Ansehen, wird weich und ist haltbarer. Auch dringt bet feuchtem Wetter die Nässe nicht durch. vermischte». — lieber das gestern mitgetheilte Unglück in der Pulverfabrik zu Hauau wird dem „Fr. I." geschrieben: Die Katastrophe der Explosion in der Pulverfabrik bei Hanau ist furchtbarer, als man gestern übersehen konnte. Unser Berichterstatter war an Ort und Stelle, um sich von dem Thatbestande zu überzeugen. Er wählte den Weg vom Bahnhof zu Hanau nach der Unglücksstätte, aber diese zu besichtigen war ihm nicht vergönnt, da die unter Staatsüberwachung stehende Fabrik militärisch abgesperrt ist. Dieselbe liegt mitten im Walde, 20—30 Minuten vom Bahnhof entfernt und ist eingezäunt - die einzelnen Fabrikräume sind sporadisch in der Einzäunung vertheilt, so daß die in dem einen Theil Beschäftigten von den anderen nichts wissen. Gestern Morgen um V210 Uhr nun erfolgte plötzlich ein furchtbarer Schlag in dem einen abgeschlossenen Theile der weitläufigen Fabrik, in einem Trockenraume, wo Patronenhülsen gefüllt, geschliffen und fertig gemacht werden - eine dichte Rauchwolke stieg auf, eine mächtig lodernde Flamme folgte und das Unabänderliche war geschehen. Sofort ertönte die Alarmglocke und der Portier des 20 Minuten entfernt liegenden Offiziershauses, die Polizei in Hanau und verschiedene Aerzte wurden benachrichtigt. Zuerst erhielt Dr. Siebert Nachricht - dieser sowie Dr. Roser, der Chefarzt der -Landeskrankenanstalt zu Hanau, und Dr. Schwarz eilten unverzüglich mit sämmtlichen ihnen zu Gebote stehenden Nettungsutcnsilien zur Unglücksstätte. Dort angelangt, fanden sie bereits 2 Todte vor. Mittels Wagen der Pulverfabrik, mit Omnibussen und mitgebrachten Droschken wurden nunmehr 16 von der Katastrophe sehr- schwer Betroffene nach Hanau befördert und zwar zunächst nach dem Landeskrankcnhause. Dort starben bis heute Nacht 3 Uhr — neun, deren Namen folgende sind: 1) Anna Ott aus Nieder-Rodenbach, 2) Lina Giez aus Nieder-Nodenbach, 3) Marg. Römer aus Nieder-Rodenbach, 4) Kath. Ott III. aus Nieder-Rodenbach, 5) Mina 'Rolle aus Groß-Auheim, 6) Auguste Langhaus aus Hanau, 7) Anna Grasmann aus Groß-Krotzenburg, 8) Helene Adam aus Ober-Rodenbach, 9) Margarethe Reuter aus Nieder-Rodenbach. Sieben Schwer- verwundete, an deren Aufkommen die Aerzte zweifeln, liegen noch im Landeskrankenhause, nämlich: Lina Wagner aus Groß-Auheim, Martha Link aus der Colonie Pulverfabrik, Bertha Hahn aus Rückingen, Margaretha Neußwig aus Nieder- Rodenbach , Elisabeth Dietzel aus Nieder-Rodenbach, Maria Lehmann aus der Pulverfabrik, Anna Grasmann aus Groß- • Krotzenburg, sowie der Abtheilungs-Aufseher Jacob Wagner aus Groß-Auheim, welche sämmtlich im Gesicht, an der Brust und an den Armen Brandwunden davongetragen haben. Die Betroffenen sind (bis auf den (^genannten) Mädchen im Alter von 16 bis 21 Jahren. Die Leichen der sofort tobt Aufgestmdcnen sind vom Kopf bis zur Sohle förmlich verkohlt. Rühmlichst kann erwähnt werden, daß der Director der Pulverfabrik, Herr Weisbrod, sofort am Platze- war und thatkrästig Wesentliches zur Verhütung eines noch gräßlicheren Unglücks 'beitrug. Arbeit mit Schießbaumwolle war die Ursache des Unfalls, worüber sofort die Untersuchung eingeleitet' wurde. Merkwürdigerweise ist die Eisenbahnkatastrophe an der Curve bei Hanau gerade an demselben Tage vor 5 Jahren geschehen. Literatur und Kunft. — Es ist ein bemerkenswerther und nicht genug zu lobender Zug unseres Zeitalters, daß die Wissenschaften und Künste nicht mehr das Privilegium einzelner Bevorzugter sind, sondern die größten Geister ihren Stolz darein setzen, von Jedem aus dem Volke verstanden zu werden. Alles wird popularisirt, nur eine Wissenschaft, welche tief in das Leben eines jeden Eulturmenschen eingreift, blieb im Ganzen und Großen noch immer das Geheimniß der Fachgelehrten: wir meinen die Rechtswissenschaft. Das soeben im Verlage von F. W. v. Biedermann in Leipzig erschienene »Nachschlage« buch der ArbeiterschutzGesetzgebung des Deutschen Reiches* von Ernst Thetnert - Ml cklcy uno Frredrtch Sirettzler kommt nun einem Bedurfniß entgegen, welches von allen Kreisen der Bevölkerung gewiß lebhaft empfunden wird. Welcher Arbeiter, Arbeitgeber, Staats- und Communalbeamte kommt nicht in die Lage, in dem so weitverzweigten Gebiete der deulschen Arbeiter Gesetz- gebung Rath suchen oder geben zu müssen? Wer kann die zahlreichen Gesetze alle im Kopfe behalten? Die Beantwortung einer bestimmten Frage in den Gesetzbüchern nachzuschlagen, verstehen die Wenigsten, es ist deßhalb eine sehr glückliche Idee zu nennen, welche die Verfasser des „Nachschlagebuchs" zur Ausführung brachten. Die gesammte Socialgesetzgebung des Deutschen Reiches ist in diesem Buche nach Schlagwörtern alphabetisch geordnet aneinander gereiht, so daß es jedem Laien leicht wird, aufzufinden was er sucht. Wer einen Blick in das Buch wirft, wird finden, daß hiermit etwas wirklich Praktisches geboten ist. Der billige Preis von 1 JL macht die Anschaffung Jedem leicht. A 7|int7 Cpl U/u/P Hoflieferant Sr.Maj.d Kaisers u Königs Bonn. Berlin u. n. Z.UIILZ. obl. " Wb., Antwerpen, empfiehlt als unübertroffen ihre seit mehr KKÄS Gebrannten Java Kaffees 55 —Lebensmittel-Branche käuflich sind. Unter Freunden wird der vorzügliche HollLnd. Tabak allseitig empfohlen, 10 Pfd. fco. 8 Mk. nur direkt bei B. Becker in Seesen a. Harz. !«®n:bÄl ik bei .? W- Hanau m hlr(u "■ Unser B 2'° ßpr.xL,u' Hanau ,..6iWn nur ibB |e[be. l--S> mitten im J® sp°md,,ch in te ei” einen Theil $t. :n- Gestern M°r°en " furchtbarer Schla» Weitläufigen KM S-fEt, geschliffen 7*o(£e stieg auf, das Unabänderliche Alarmglocke und der lenden Osstziershauses, Aerzte wurden benach- Aachricht^ dieser sowie ankenanstalt zu Hanau, mit sämmtlichen ihnen im zur Ungliicksstätte. - Todte vor. Mittels chen und mitgebrachten der Katastrophe sehr ert und zwar zunächst starben bis heute Nacht nde sind: 1) Anna Ott aus Rieder-Rodenbach, ach, 4) Kath. Ott III. (le au# Groß-Anheim, Anna Grasmann aus aus Ober-Rodenbach, rbach. Sieben Schwer- n die Aerzte zweifeln, nämlich'. Lina Wagner r Colome Pulverfabrik, ja Reußwig aus Nieder- der-Rodenbach, Maria Grasmann aus Groß- * ilufseher Jacob Wagner m Gesicht, au der Brust rougetragen hnbeu. ®ie icuanntcn) Mädchen im Leichen der sofort todt ir Zohle förmlich ver- rden, daß der Director sort am Platze-war und eines N8N*£R wattoU;. llnterMung Ksenb-hM°str-ch°n beit Tage vor 5 Jahren n c? In bett *1 n, ftrirr en9tiebet. . Zacken, rt}/r hej ft"* , ^«ufenf $ Met k Qn di- Hr füftet und di" ^hften f®ei,W«nb ?en Gabenfest ? • bis ir„,r 1 UttNst- b nicht g« y/nW schalten und » °nS d-w “ mit eine W: tariert, uur , „ Kulturmensch |aft. D-s '°2s«I-g-> dtSD^acitzler d Fr'kdruh Serien enA^inb^S mte fttfl1flrbeW®e’S, er ^L l°nn di-K !^i-l-°""°A-nd'- ^^"retnan^Aer KM Bekanntmachung. 1889, December Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mitwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Montag Dienstag 20. 21. 23 26. 27. 28 3o. 3 4. 5 7. 10. 11. 12. 14 17. 18. 19. 21. 23. 24. Zur Empfangnahme oder Beischreibung der Zinsen pro 1889 für Einlagen zur hiesigen Spar- und Leidkasse sind folgende Zahltage festgesetzt worden: den 19. November Die Einleger werden deßhalb ersucht, ihre Zinsen an einem der oben genannten Tage unter Vorlage der Scheine in Empfang zu nehmen oder beischreiben zu lassen. Die Vorlage der Scheine ist diesmal um so notbwendiger, als mit dem 1. Januar k. I. Einlagebüchelchen ausgegeben und bic alten Scheine etngezogen werden. Die Gr. Bürgermeistereien des Spar- kasiebezirks werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung im Interesse ihrer Ortsangehörigen auf geeignete Weise zu deren Kenntniß zu bringen Gießen, am 1L November 1889. Der Rechner der Spar-u Leihkasse Gießen. Do ering. Montag den 18. Novlir. I. I., Nachmittags 2 Uhr, werden Asterweg 6 (Mansarde) gegen Baarzahlung versteigert: 1 Sopha mit 6 Stühlen, 1 ov. Tisch, 1 Verticow,l Kleiderschrank, 1 Consol, 1 spiegel, L Teppich, 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, 1 Gesindebelt, ferner Porzellan und Weißzeug, alles fast neu. Die Versteigerung findet bestimmt statt. Gettzter, 9239 Gerichtsvollzieher. Montag den 18. d. Ms., von 2 Uhr an, werden im Saale des Herrn Wirth Spie» Neustadt 58 (Eingang vom OswaldO Garten) nachbenannte Möbel versteigert: 1 zweith. Kleiderschrank, 1 poltrteb Bett mit Roßhaarmatratze, 2 vollständige Setten, 2 Waschtische, 4 Nachtschränkchen, 3 Kommoden, 1 Schreivpult, 1 Stehpult, 1 schöner Notenständer, 2 polirte und 1 lackir« teS Eonsot, 1 NutzvauM'Servirtisch, 2 SophaS, 1 großer Spiegel mit Trümeau; 1 Parthie Herrentleider, Leibwäsche, Taschentücher re. Ferner tm Auftrag: mehrere Bilder, 1 fast neue Bütte, 1 Petroleum- Herd u. s. w. Louis Rothenberger, 9237 Taxator. KeUgeSolenei». 1149 H- C. Bingmaan, in Lollar bei: C. Draebing. 9040] Einige Häuser in bester Lage der Stadt, begrenzt von mehreren Haupistroßen, umgeben von Anlagen und Gärten, w'lche sich sowohl zu privaten als geschäfilichen Zwecken eignen, ferner einige tm (Sentnim brr Stadt gellgene Geschäftshäuser sind unter günstigen Bedingungen ztt verkaufen durch B. Katzenstein, Schillerstraße 27. Unterhofen, Unterjacken. Hemden, Socken, Leibbinden in Wolle und Baumwolle empfiehlt zu billigen Preisen 76d5 II. Rübsamen. Jeder Husten erschüttert und greift die Athmungs irgane an. auf deren regelmässiger Function der Organismus beruht; bei Nichtbeachtung sind leicht ernste Haisund Brustkrankheiten die Folgen. Alle au Hasten u. Heiserkeit Leidenden sollten diese daher im Keime zu lindern suchen, wobei die Stollwerck3Chcn Brust-Bonbons treffliche Dienste leisten. In versiegelten Packetchen zu 40 n. 25 Ptz. vorrathig in Giessen bei: Ferd. Drebes, C. Hoffmann, L. Kalkhof, C. 6. Kleinhenn, Chr. Krämer und E. Lind, Hofconditor, Carl Schwaab, in Lieh bei: Pfennig Sparkasse Gießen. Nach Beschluß des Ausschusses des Spar- und Leih kaffe - Vereins vom 13. Juni l. I. treten hinsichtlich der Psennigsparkaffe vom I. November l. I. an folgende Aend^rungen ein: 1. Die seither bestandenen Samwelstellev in den Schulhäusern in der Schulstraße und in der Neustadt, sowie bei Herrn Kaufmann Emil Fischbach dahier werden ausgehoben. 2. Der Verkauf der Sparmarken findet von dem oben genannten Zeitpunkte an in folgenden Geschäften statt: a) bei Herrn Kaufmann Eberhard Dort, Wallthorstraße Nr. 45, b) „ „ „ Joseph Georg, Ederstraße Nr. 2, c) „ „ „ I. Hainbach, Marburgerstraße Nr. 29, d) „ „ „ Eberhard Metzger, Neustadt Nr. 8, e) „ „ „ Christoph Biecker, Neustadt Nr 55, f) „ „ Christian Haubach II., Krofdorferstraße Nr. 2, g) H „ Wilhelm Klee, Marktftraße Nr. 2, h) „ Frau Ottmar Köhler Wwe., Lindenplatz Nr. 5, i) n Herrn Conr. Steinhäuser, Buchbinder, Neuen Bäue Nr. 17, k) „ „ Julius Hoos, Buchbinder, Bahnhofsstraße Nr. 41, V) „ „ Kaufmann Emil Fischbach, SelterSweg Nr. 24, m) „ Frau Wilhelmine Rusag, Frankfurterstraße Nr. 39, n) „ Herrn Kaufmann August Voigt, SelterSweg Nr. 46, o) „ „ Rudolf Schlabachs Nachfolger,LudwigSplatz4, sowie: p) in dem Schulhause in der West-Anlage, 9) „ „ „ auf dem Berg, r) „ der höheren Mädchenschule. In den unter pos.'a—o aufgeführten Geschäften sind Sparmarken jederzeit zu haben, solange die Geschäfte offen sind, und in den Schalen an den von den betreffenden Herren Lehrern bestimmt werdenden Tagen. 3. An Stelle der seither üblichen Büchelchen werden Markenkarten ausgegeben, welche beim erstmaligen Kaufen der Marken .und später nach Bedürfniß bei den Markenverkaussstellen in Empfang zu nehmen sind. 4. Sobald eine solche Karte ganz mit Marken beklebt ist, oder wenn sie Marken im Betrage von mindestens Zwei Mark enthält, kann Einlage bei der Sparkasse erfolgen. Ist schon ein Büchelchen ausgestellt, so muß aus der Karte oben rechts dessen Nummer, anderenfalls das Wörtchen „neu" beigefügt werden. Die Beiichretbung der Einlagen kann nur an den bestimmten Zahltagen im Geschäftslokale der Sparkasse stattfinden und zwar unter Vorlegung der Sparkassebücher. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Vorlage der Bücher und Markenkarten auch durch Kinder besorgt werden kann, sodaß die Eltern darüber keine Zeit zu versäumen brauchen. Mehr als einmal im Monat findet eine Zuschreibung von Einlagen zur Psennigsparkasse nicht statt- 5. Es ist nothwendig, daß auf den Markenkarten an der dafür bestimmten Stelle außer dem Namen des Kindes auch der genaue Namen des Vaters, der Mutter oder des Vormundes rc. angegeben wird, da eine Rückzahlung von Einlagen nur an erwachsene Personen stattfinden kann, deren Berechtigung zum Mckempfang durch ihre Bezeichnung auf der Karte dar- gethan wird, während sonst durch Beibringung anderer Legitimationen Kosten entstehen würden- 6. Sollte sich das Bedürfniß nach Errichtung weiterer Verkaufsstellen ergeben und sollten weitere Kaufleute mit offenen Geschäften bereit jein, solche zu übernehmen, so wird um gefällige Mittheilung an die unterzeichnete Direction gebeten. 7. Für die Anfangs Januar k. I. an Stelle der eingesammelten Sparkassen - fcheine zur Ausgabe gelangenden Sparkassenbücher sind je 10 zu entrichten. Es wird daher gebeten, bei Empfangnahme dieser Bücher zugleich den Kostenbetrag derselben zu bezahlen. Gießen, am 21. October 1889. Die Direction des Spar- und Leihkasse-Vereins. _____________________Langsdorfs.______________________ A. Kilbinger,Sattler (L Senners Nacht) ® Giessen A empfiehlt sein großes Lager sclbstgefertigter Waaren. ™ y Reitartikel: > englische Herrensättel jeder Art, Civil- und Militär-Reitzeuge, Trenßen, Martingels Sattel- und Bahndecken u. s. w. in allen $ Ausführungen i Fahrartikel: 9018 ® complette Fahrgeschirre jeder Art in solidester Aussührung, sowie auch einzelne Geschirrtheile <® Reise- und Iagdartikel u. s. w.: J Hand- und Reisekoffer, Herren- und Damenholzkoffer, Reisesäcke, L Reisetaschen, Pattuttaschen, Damentaschen, Schulmappen und M -Tormster, Jagdtaschen, d'v. Art. 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Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu laffen: Fräulein Amalie Bansa (Nordanlaqe 41), Frau Oberbürgermeister Bramm (Grünbergerstraße 1), Frau vr Brüel (Neuenbäue 41), Frau Amtsrichter Gebhardt (Gartenstraße 15), Fräulein Emilie Langermann (Südanlage 21), Frau Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Frau Louise Ottens (Bismarckstraße 11), Frau Auguste Schwan (Seltersweg 64), Fräulein Louise Wort mann (Asterweg 16). Auch die Schwestern unserer Anstalt find bereit, Gaben in Empfang zu nehmen. Gießen, den 11. November 1889. Der Vorstand der Kleinkinder-Be wahranstalt. Dr. Naumann, Pfarrer^ 5 Minuten Pause. Dritter Theil: Werke noch lebender 6) Religiöser Marsch............. 7) Klage 8) Intermezzo ♦ 9) Abendfriede J 10) „Reformationsfest“, Charakterstück ..... Einlass i/i8 Uhr. Anfang pünktlich 8 Uhr. Möbelfabrik Th. Briiek in Glessen, 16 Tchloßgafse 16 Gegründet 18 Ankauf ÄL alter Bücher u. Bilderwerke. Angebote ganzer Bibliotheken, sowie einzelner Bücher erbittet die [579 J. Ricker’sche Buchhandlung G-iessexi. Königs-Reisstärke unwGez-‘SaAytÄ^xoX t>wvw StözAen 9er 6lVä/^cki 2) Adagio Präludium und Fuge über B-A-C-H . Choralvorspiel „Wenn wir in höchsten Nöthen sein 5 Minuten Pause. Pianino’s, ÄS Leihanstalt. Clavierstimmen u Reparaturen werden solid und billigst ausgeführt. [1687 G. 0. Gebauer, Seltersw. 67. Wasserdichte Gummi-Stoff- Regen-Mäntel ür Damen, Herren und Kinde« empfiehlt h. Rübaamen. Auch werden dieselben nach Wahl der Stoffe nach Maß angeferiigt. 765d unterhalten. Wir empfehlen daher: * Amerika«. Oefen „Krou,uwel" von Paul Reissmann, D00» bei Nürnberg. Dieses Fabrikat ist von keinem bestehenden Ofen amerikanischen Heiz-Systems an Construetion. Solidität und Leistungsfähigkeit übertroffen. Einfackste Regulirung mit nur einem Griff, wodurch eine unrichtige Behandlung des Osens absolut ausgeschlossen ist. Ferner: Hygiene-Ofen, Regulir-Füllofen, Wormser und belgische Ofen, Herde. 7944 Außerdem empfehlen wir: Ofenschirme, Ofenvorsetzer, Kohlenllaften und -Iüller, Ieuergeräthschaflen etc., Schirmständer. Brüder Schmid^ am Kreuz j werden in allen SlidUn ' Gehr. Heppe, Berlin SW., Chertottefietr. k 1 Medicin.-ekea. Laboratorium 9184] Kräftiger Lehrling aus guter Familie, der das Metzgerhandwert erlernen will, zum alsbaldigen Eintrilt gesucht. Näheres in der Exped. d. Bl 9155] Tüchtige Schloffergesetten gesucht. Carl Wigandt, Löberstratze 8. |A. Docter| X A x 57 Seltersweg 57. 8916 ch. (firöfetc Auswahl aller Arten Möbel und Polsterwaaren in anerkanM gediegener Ausfübrun^. 16 Corn - pleie Musterzimmer in besonderem Haufe, nach eigenen und fremden Entwürsen. Eigen Schreiner- und Polsterwerkstätten. ^e^halt'i^ft^ A^sr?ahl^^in^T^)p^chen^und Vorhängen, DtöbeMoffen und Portidren- Bettfedern i^d Daunen Kostenanschläge ganzer Einrichtungen stehen franco zu Diensten. 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Karl Bergmann. “8429] Mansarde, 2 Zimmer, 3 Kabinett, Wasserleitung, abgeschl. Corrrdor, per 1 Januar 1890, auch 1- December und früher an ruhige Leute zu vermiethen. Carl Böß, Bismarckstraße Lage, ein stets schränken rc. 0 D€>00000<00€> OOü Zum Eintritt berechtigende Programme sind zu 20 Kirche zu haben. Der Rein-Ertrag ist für die Kleinkinder-Bewahranstult bestimmt. Freiwillige Beiträge können nach Schluss des Concertes in die an den Ausgange* befindlichen Opferbüchsen gegeben werden. lÜJ Teine Wäsche jeder Art wird von mir schön gebügelt und schnellstens besorgt. 9156 Frau Emilie Michel, Kreuzplatz 10, Mansarde. In einer hiesigen Cigarrenfabrik findet ein zuverläsfiger Taglöhner, welcher mit dem Anfeuchten und Trocknen der Tabake genauen Bescheid weiß, dauernde Arbeit. [9121 Näh. bei der Exp. d. Bl ~9I9O Ein Mädchen im NLben be» wandert, empfiehlt sich in und außer Redaction: 8L Scheyda- — Drucl und Verlag der Brühl'schen Druü. , . 2 gtinn^r» k ' Ät«t' ■* °°»*•* lU8ifliern V rM-"" n unteT A . Kräftig giptriit ' will. d-rS^KsAÄ !♦ L-***"^ Sonntag den 17. November. Gieszenev ^lnzetgev. Beilage zu Nr. 269. -1889. Deutscher Reichstag. 16. Plenarsitzung. Freitag den 15. November 1889, 1 Uhr. Haus und Tribünen sind spärlich besetzt. Am Negierungstische Dr. v. Boelticher, Freiherr v. Marschall. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein. Fortsetzung der zweiten Etatberathung, Special-Etat, Reichsamt des Innern, wozu die Anträge Banmbach und Genossen (dfr.) aus Erweiterung der Arbeiterschutzvorschriften bezüglich der Frauen- und Kinderarbeit, in Verbindung mit dem Anträge Stumm (Np.), der diese Beschränkung namentlich in Rücksicht auf die Sonntagsarbeit verlangt, vorliegen. Die gestern hierüber begonnene Debatte wird fortgesetzt. Abg. Schmidt-Elberfeld (dfr.) ist erfreut über die stattgehabte Erhöhung der Zahl der Fabrik-Jnspectoren. Falls man von den Candidaten für dieses Amt später einen Befähigungsnachweis verlangt, so möge man sich hüten, Veute vom grünen Tisch für dieses Amt zu nehmen. Nöthig sei ein einheitlicher Ausbau der socialen Gesetzgebung. Der Verkehr der Arbeiter mit dem Fabrik-Jnspector müsse durch Einrichtung bestimmter Bureau- und Sprechstunden erleichtert werden. Erwünscht wäre es, wenn man über die rheinisch- westfälische Bergarbeiter - Enquete etwas Näheres erfahren könnte- die Sache zieht sich bedenklich in die Länge und von Seiten der Gegner der Arbeiterbewegung hat eine bedenkliche Minirarbeit begonnen, um die Arbeiterbewegung zu dis- creditiren. Der dortige Strike hatte viel weniger seinen Grund in den Lohnverhältnissen als vielmehr in der Ausnutzung der Arbeitskraft und in der schlechten Behandlung der Arbeiter durch die Arbeitgeber. Sächs. Bundes-Bevollmächtigter Graf v. Hohenthal: Die sächsische Industrie könne aus die Kinderarbeit nicht verzichten, so erftrebenSwerth das Ziel auch sei. Abg. Fr ohme (Soc.): Man-sollte vor allen Dingen das Coalitionsrecht der Arbeiter wahren. Die Gewerkschafts- Vereine haben mit den angeblich umstürzlerischen Bestrebungen der Socialdemokratie nichts zu thun, und umgekehrt hat die Socialdemokratie als solche nichts zu thun mit den Strikes. Es ist im Gegentheil nachweisbar, daß die Führer der Socialdemokratie oft genug durch ihre persönliche Einmischung dem Ausbruche eines Strikes vorgebeugt haben. Dem Arbeiter müsse das Recht gewahrt werden, von seinem einzigen Capital, von seiner Arbeitskraft, den größtmöglichen Ertrag zu erzielen. Was man in der ofsiciosen Presse lese, das lasse fast darauf schließen, daß man den Arbeitern das Coalitionsrecht entziehen wolle. Für den Antrag Baumbach werden wir stimmen, ohne uns über die Wirkungen desselben großen Hoffnungen hinzugeben. Staalssetretär Dr. v. Boetticher: In dem Bestreben, das Loos der Arbeiter zu verbessern, kann sich die Regierung mit ihren Erfolgen dreist den Socialdemokraten an die Seite stellen. Die Berliner gewerbliche Schiedsgerichts angelegenheit kann nur in Preußen zur Erledigung gelangen, nicht im Reich. Bei der Kinderarbeit bleibt auch zu berück sichtigen, daß nach den Berichten der Fabrik-Jnspectoren auch vielfach Kinder auf ihr dringendes Bitten von den Eltern die Arbeitserlaubniß erhalten. Der Strike ist eine sehr zweischneidige Waffe- die Arbeiter sollten sich hüten, ihn ohne eingehendste Prüfung aller Verhältnisse aufzunehmen, denn sonst werden sie nur wirthschaftliche Nachtheile von demselben haben. Abg. Dr. Kropatscheck (cons.): Vor Allem sollte sich der Arbeiter daran gewöhnen, bei einem Strike den Contract- bruch zu vermeiden. Mit den Socialdemokraten kann man darin einverstanden sein, daß die Bekämpfung des Luxus bei den besitzenden Klassen beginnen muß. An der widerwärtigsten Erscheinung der Socialdemokratie, an der Verhöhnung und Verdrehung alles Edlen und Sittlichen, sind die besitzen den Klassen nicht ohne Schuld. Parlamentarisch kann man zweiselhaft sein, ob es sich mehr empfiehlt, dem Gesetzentwurf des Centrums oder dem Anträge des Abg. Baumbach zuzustimmen - Redner für seine Person stimmt für den Antrag Baumbach und bittet die verbündeten Regierungen, sich mit dem Reichstag gemeinsam auf den Bodeit des Arbeiterschutzes zu stellen. Abg. Dr. Windthör st (Ctr.): Das Coalitionsrecht der Arbeiter darf unter fdüien Umständen angetastct werden. Die Enquete über den rheinisch-westfälischen Strike sollte man bald publiciren. Es ist Gefahr im Verzüge. Der Kaiser hat sein Wort eingelegt, daraus haben die Arbeiter sich bc ruhigt- das Autoritätsbewußtsein könnte leicht darunter leiden. In Arbeiterkreisen herrscht tiefe Verstimmung, daß die Arbeiter schutzgesetzgebung nicht vom Flecke kommt. Das kommt ver- muthlich daher, daß die Arbeitgeber zu viel Einfluß bei den verbündeten Regierungen haben. Diese Anträge sind wichtiger, als der ganze Schiffsbau. Wenn wir trotzdem dem Anträge Baumbach nicht zustimmen, so geschieht dies, weil wir mehr verlangen für die Arbeiter- unsere Anträge sind präciser und die Herren würden gut thun, sich mit uns zu vereinigen, um für die Arbeiter das Möglichste zu erreichen. Abg. Schmidt-Elberfeld (dfr.): Wenn es den Herren rechts so sehr am Herzen liegt, die Anträge durchzubringen, so machen Sie doch mal Ihren Einfluß auf den Bundesrath geltend. Sie können das noch besser als wir. Abg. Struckmann (nl.) wünscht eine gesetzliche Bestimmung, wonach für die Kaufmannslehrliuge der Besuch der Fortbildungsschule ebenso vorgeschrieben wird, wie sie heute für Handwerkslehrlinge besteht, ferner wünscht er Strafbestimmungen gegen solche Personen, welche sich der Trunksucht ergeben und in leichtfertiger und frivoler Weise ihren Ver- pflichttmgen gegen ihre Familie entziehen. Staatssecrctär Dr. v. B o e 11 i ch e r: Es haben über den letzterwähnten Gegenstand commissarische Erörterungen statt- gesunden, die jedoch noch zu keinem Abschlüsse geführt haben. Auch der Wunsch bezüglich des Besuchs der Fortbildungs schulen wird sich gelegentlich erfüllen laffcn. Abg. Hegel (cons.) begrüßt die Anregung StruckmannS mit großer Freude. Abg. Kulemann (nl.) plaidirt für Arbeitsverträge, Arbeiterschiedsgcrichtc u. s. w., die er nach dem Grundsätze zu errichten empfiehlt: Alles für Arbeiter durch die Arbeiter, es wäre das die beste Art, die Arbeiter aus den Boden der bestehenden Ordnung überzuführen und sie der Socialdemokratie zu entfremden. Abg. Dr. Meyer - Halle (dfr.): Dem gewerblichen Schiedsgerichte und den Einigungsämtern wird man eine Exekutivgewalt in Strikesällen nicht geben können. Abg. Kalle (nl.): Seit einigen Jahren wird nament lich in größeren Städten die Wohnungsfrage immer dringender- es fehlt an kleineren Wohnungen. Redner empfiehlt zur Befriedigung des Bedürfnisses gemeinnützige Unter nehmungen, die finanziell gut fundiert sind. Abg. Schrader (dfr.) macht detaillirte Vorschläge für solche Unternehmungen. Er wünsche, daß die Regierung der Sache näher trete. Abg. Dr. v. Frege (cons.) meint, daß das doch Sache der Einzelstaaten sei. Abg. Dr. Baumbach bittet, daß über seinen Antrag erst bei der dritten Berathung des Etats abgestimmt werde. Das Haus ist damit einverstanden. Bei dem Titel „zur Förderung der Hochseefischerei 200 000 Mk." regt Abg. Dr. Hermes (dfr.) die Unterstützung der Section für Hochseefischerei an. Staatssecretär v. Boetticher erwidert, daß die Section stets unterstützt sei, für weitere Bewilligung sei kein Bedürfniß nachgewiesen. Die Position wird bewilligt. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr: Etat. Schluß 5 Uhr. Niemand sollte versäumen, sich den Weihnacht- »Catalog, den das Versandtgeschäft Mey & Edlich, Leipzig-Plagwitz unbereäm.t und portofrei versendet, kommen zu lassen. D^t selbe bietet, rot man ja von dem bekannten Weltgeschäfte n^cht anders erroartm kann, eine r iche Auswahl praktischer Gegenstände für den häuslichen Bedarf, sowie eine Fülle anderer reize, der Weitnochts-Geschenke. 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