Nr. 163. Dienstag dm 16. Juli Gießener Anzeige Amts- und Anzkigrblntt für den Kreis Gießen. Schulstr-ß- 7. Erschein« tägliÄ mit Ausnahme d-s M-ntagS. dl^Post'Eg-n^i^tchährUch 2 Ma?kİPf Amtlicher Hheit. Betreffend: Die regelmäßigen Ergänzungswahlen der Mitglieder des Gemeinderaths. Gießen, am 11. Juli 1889. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Seotzherzoglicheri Bürgermeistereien des Kreises. Soweit Sie in Befolg unseres AuSschrelbens vom 18. Mai l. I — Kreisblatt 121 — mit Einsendung der bis jetzt erwachsenen Wahlakten noch im Rückstand sind, erinnern wir Sie an deren baldige Vorlage. ________________________________________v. Gagern. _____________________________________________________ An die eingetragenen Genossenschaften des Bezirks. Das am 1. October l. I. in Kraft tretende neue Genoffenfchaftsgesetz nöthigt die bestehenden Genossenschaften in einer Reihe von Punkten ihre Statuten zu ändern (s. § 154 ff. des Ges.) und legt ihnen zugleich nahe, alsbald an dis Prüfung der Frage heranzutreten, ob von den durch das Gesetz gebotenen Erleichterungen der Haftpflicht der Mitglieder (§ 2/3 u. 3 d. Ges.) Gebrauch gemacht oder ob die unbeschränkte Haftpflicht fortbestehen soll. Die Ueberleitung der seitherigen in die neuen Verhältnisse wird mit Schwierigkeiten verbunden sein, welche den Vorständen das Bedürfniß nach Rath und Unterstützung nahe legen werden. Der Landesverband der Hess, landw. Creditvereine und Consumvereine ist nun bereit, den Genossenschaften, welche dem Verband angehören, diese Hülse und Unterstützung zu gewähren, er wird die nöthigen Statutenänderungen, die Formulare für die gerichtlichen Anmeldungen, die zur Veröffentlichung bestimmten Auszüge und Mitgliederlisten zur Verfügung stellen. Wir empfehlen daher denjenigen Genossenschaften, welche diesem Verband mcht bereits angehören, sich demselben alsbald anzuschließen und sich dieserhalb an den Verbandsleiter, Großh. Kreisrath Haas in Offenbach, zu wenden. Dieser Anschluß wird es auch voraussichtlich ermöglichen, daß die nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes vorgeschriebene regelmäßige Revision der Einrichtungen und Geschäftsführung der Genossenschaften durch den vom Landesverband, anstatt durch den vom Gericht bestellten Revisor erfolgt. Denjenigen Genossenschaften, welche sich dem Landesverband nicht anschließen wollen, empfehlen wir, sich alsbald mit den Bestimmungen des neuen Gesetzes bekannt zu machen und die vorgeschriebenen Statutenänderungen, Anmeldungen rc. rechtzeüig vorzunehmen. Gießen, den 10. Juli 1889. GroßherzoglicheS Amtsgericht. Politische Skrrndfcharr Gießen, 15. Juli. Die Dispositionen fänden bevorstehenden Besuch Kaiser Wilhelm- in Eng» laut haben insofern eine Abänderung erfahren, als die Kaiserin, entgegen der ursprünglichen Absicht, ihren erlauchten Gemahl hierbei nicht begleiten wird. Vielmehr gedenkt die hohe Frau ihren ersten Besuch an einem ausländischen Hofe in Monza, also am Sommerlager derlitalienischen Königsfamtlte, abzustatten und zwar Ende September, um von dort mit dem Kaiser alsdann nach Athen zu reisen. Der wiederholt verschobene Besuch Kaiser Wilhelm- in Meß ist nach einem in Metz eingetroffenen Schreiben des Hausministers v. Wedell für die zweite Augusthälfte bestimmt angekündigt worden. Durch die Blätter ging jüngst die Nachricht, wonach zahlreiche preußische Offiziere Vie Pariser Weltausstellung hätten besuchen wollen — natürlich in Civil —, daß aber der Kaiser, welcher aus Urlaubsgesuchen von.dieser Absicht Kenntniß erhallen habe, den Osfizteren den Besuch der Ausstellung streng verboten habe. Von anscheinend osficiöser Sette wird nun in der „Köln. Ztg." diese Nachricht in der vorliegenden Form als falsch bezeichnet, dagegen als richtig zugegeben, daß seit der Sptonenriecherei und dem Erlaß des Spionagegesetzes in Frankreich preußischen Offizieren überhaupt das Betreten Frankreichs streng verboten sei. Die deutsche Regierung habe als Beweis ihrer großen Friedensliebe diese Maßregel getroffen, damit jede Gelegenheit genommen werde, die aus Anlaß jener französischen Krankheit zu einem ernsteren Zwischenfalle führen könnte. — Daß den preußischen und deutschen Offizieren überhaupt nicht nur der Besuch der Pariser Weltausstellung, sondern auch jedes Betreten französischen Bodens nachdrücklich verboten worden ist, kann man gewiß nur voll billigen, denn zu welchen ernsten Zwischenfällen es führen könnte, wenn jenseits der Vogesen ein deutscher Offizier als „Spion" „aufgegriffen" werden würde, braucht wohl kaum erst des Näheren ausgeführt zu werden. Uebrigens wird aus Paris schon wieder die Verhaftung eines angeblichen deutschen Spions, Namens Paul Bonntnger, gemeldet, der vermuthlich nichts weiter als ein harmloser und vielleicht etwas unvorsichtig aufgetretener deutscher Vergnügungs- retsender ist. In Hamburg fand am Freitag im festlich geschmückten Ausstellungsgebäude die feierliche Eröffnung der HaudelSauSflettung durch Freiherrn v. Ohlendorff statt. Nach dem Eröffnungsacte folgte ein Rundgang der geladenen Gäste durch die Ausstellung, welche überseeische Seltenheiten aufweift, die theilweise noch nie in Europa waren. Der deutsch'schweizerische Streitfall weist, anstatt sich abzuschwächen, eine bedauerliche Verschärfung auf. Dieselbe bekundet sich in den jetzt bestätigten verschärften Controllmaßregeln, welche seit Anfang voriger Woche gegenüber den aus der Schweiz kommenden Reisenden an der süddeutschen Grenze gehandhabt werden. Es wird versichert, daß es sich hierbei um ein gemeinsames Vorgehen der süddeutschen Regierungen auf Grund einer von Berlin aus ergangenen Weisung handele, da die Retchsregierung gesonnen sei, mit den in den Bismarck'schen Noten angedrohten Repressalien gegen die Schweiz nunmehr Ernst zu machen. Im Interesse einer endgültigen freundschaftlichen Auseinandersetzung zwischen Deutschland und der Schweiz können die „Repressalien" gegen letzteres Land nur bedauert werden, um so mehr, als die Erreichung ihres offenbaren Zweckes, die Schweiz „mürbe" zu machen, höchst fraglich erscheint. — Anderseits wird aus Berlin gemeldet, daß es sich vorerst nur um retchszollamtliche Anordnungen ohne politischen Hintergrund handele, von eigentlichen Vergeltungsmaßregeln im deutsch- schweizerischen Verkehr habe die Neichsregierung dagegen noch abgesehen. Das BUd der LandiagSwahlen in Oesterreich rundet sich durch neuerliche Meldungen immer mehr ab. So wird aus Laibach berichtet, daß bet den Landtagswahlen im Großgrundbesitz von Krain die von deutsch-liberaler Seite aufgestellten zehn Candidaten sämmtlich gewählt wurden, welcher Sieg sich dadurch allerdings sehr leicht gestaltete, daß sich die Slooenen der Wahl enthielten. Der große Strike in dem hochindustriellen Brünn, der Hauptstadt Mährens, hat seinen Höhepunkt überschritten. In voriger Woche waren daselbst wieder 20 Wollfabriken im Betriebe und arbeiteten wieder 7000 Textilarbeiter; im Laufe der gegenwärtigen Woche wird die Wiederaufnahme der Arbeit auch in den übrigen noch feiernden Brünner Etablissements erwartet. Die österreichisch-rrngarische DelegationSseffibN ist am Freitag nach einem ; ganz ungewöhnlich glatten Verlauf ihrer Verhandlungen geschlossen worden. In der Schlußsitzung der ungarischen Delegation wurde die vollkommene Uebereinftimmung in den Beschlüssen beider Delegationen festgestelll; in der Schlußsitzung der österreichischen Delegation fanden noch einige Petitionen Erledigung, worauf die Delegirten die sämmt- lichen früheren Beschlüsse in dritter Lesung endgilltg genehmigten. Minister Graf Kalnoky sprach den Delegirten den Dank und die Anerkennung des Kaisers für das patriotische Zusammenwirken aus und dankte auch Namens der gemeinsamen Regierung. In beiden Delegationm erfolgte der Schluß der Session mit begeisterten Hochrufen auf dm Kaiser. Die letzten Tage der französischen Kammersesfion sind, wie überhaupt die ganze Sitzungsperiode, durch forlgesetzte widrige Scandalscenen ausgefüllt worden. Die scandalösen Auftritte, welche der Boulangtst Le HSrisse und vor Allem sein Gesinnungsgenosse Laguerre in der Kammer hervorriefen, dann auch die lärmenden Kammerverhandlungen vom Freitag über die Amnesttefrage, wobei es zwischen verschiedenm Deputirten zu Duellforderungen kam, haben ein neues häßliches Licht auf Vie zunehmende Verrohung in den Kreisen der französischen Volksvertreter geworfen — es ist wahrlich die allerhöchste Zeit, daß diese Kammer nach Hause geschickt wird! Damit der Ratten- könig von Scandalen nur noch vermehrt wird, hat die Rechte zu guter Letzt in der Kammer noch einen Antrag gestellt, den Minister des Innern, Constans, wegen angeblicher Erpressungsoerhandlungen, in denen der verstorbene Generalgouverneur von Jndochina, Richaud, eine Rolle spielt, anzuklagm, welch' ein Schmutz! Glücklicher Weise lehnte die Kammer den monarchistischen Antrag mit großer Mehrheit ab. Und unter dem Eindrücke dieser Kammerscandalosa hat man nun in Paris am Sonntag den 100. Jahrestag des weltgeschichtlichen Bastillensturmes (14. Juli 1789) gefeiert — ob da die Feier wirklich so „erhebend" verlaufen sein mag? Deutschland. Darmstadt, 12. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht: Den Oberlandesgerichtsrath beim Großh. Oberlandesgericht Carl Wiener zum Landgertchtsdirector beim Großh. Landgericht der Provinz Oberhessen, den Ersten Staatsanwalt beim Großherzogl. Landgericht der Provinz Rheinhessen Wilhelm Hallwachs zum Oberlandesgerichtsrath beim Großh. Oberlandes- gertcht, und den Landgerichtsrath beim Großh. Landgericht der Provinz Rheinhessen Carl St einem zum Ersten Staatsanwalt bet diesem Gerichte — zu ernennen. Berlin, 13. Juli. Die „Nordd. Aüg. Ztg." bemerkt in einem Artikel über die von der Opposittonspresse heroorgehobene Verschiedenheit des Tones in dem vom Reichskanzler an den deutschen Gesandten in Bern gerichteten Erlasse: die erste Depesche vom 5. Juni sei auf Grund der Verständigung mit Rußland entstanden und war mit gleichzeitig überreichter russischer Depesche darauf berechnet, durch gewisse Ueberein- stimmung in Ton und Inhalt den beabsichtigten Eindruck zu verstärken. Dieser Zweck sei insoweit erreicht, als Schweizer Behörden sich beeilten, den russischen Reclamatwnen Rechnung zu tragen und als zu erwarten war, daß dies schließlich auch den deutschen gegenüber geschehe, wenn auch in weniger freundlicher Form und in weniger beschleunigten Fristen als Rußland gegenüber. Darauf komme schließlich nichts an. Die diplomatische Action Deutschlands sei nur gegen die Socialdemokratie in der Schweiz gerichtet, gegen die Schweiz selbst nur insoweit, als dort feindliche Elemente gehegt und gefördert werden. Letztere zu bekämpfen sei die Aufgabe der deutschen Reichspolitik und werd« es bis zur Lösung bleiben. Nürnberg, 13. Juli. Gestern Abend fanden auf dem Plärrerplatze Zusammen-- rottungen strikender Maurer statt. Die Tumultuanten wurden durch die Polizei und eine requirirte Abtheilung der hier garnisonirenden Cheoeauxlegers ohne erns lichen Zusammenstoß langsam zerstreut. Von den Ruhestörern wurden 27 verhaftet. Schweiz. Bern, 13. Zull. Die unter dem 10. d. M. vom Bundesrath an die deutsche Regierung gerichtete Note constatirt, daß der Poltzeicommissar Wohlgemuth von den schweizerischen Behörden nicht in eine Falle gelockt, sondern daß er verhaftet und auS- gewiesen worden sei, well er in der Schweiz Unruhen angestiftet habe, und daß ein freundlicher, gegenseitiger Meinungsaustausch über diese Thatsachen volle Klarheit verbreitet haben würde. Der Bundesrath glaube im Interesse beider Länder zu handeln, wenn er seinen Entschluß bekunde, jeder künstlichen oder wirklichen Agitation auf Schweizer Gebiet ein Ende zu bereiten. Der Bundesrath bedauert, daß durch die deutsche Note dem Wortlaut des Artikels 2 des Niederlassungsvertrages eine unerwartete Auslegung gegeben werde, von der bisher nie die Rede gewesen sei. Die Botschaft des Bundesraths an die Bundesversammlung, betreffend den Niederlassungsvertrag, der Bericht der Commission des Ständeraths, sowie die Denkschrift des deutschen Reichskanzlers an den Reichstag vom 18. November 1876 bewiesen übereinstimmend, daß der Vertrag blos die Bedingungen habe feststellen wollen, unter welchen der Aufenthalt und die Niederlassung in dem einen Staate den Angehörigen des anderen Staates gestattet werden müsse. Die Denkschrifl des Reichskanzlers besage officiell, daß Art. 2 des Niederlassungsvertrags bestimme, welche Ausweisschriften der Deutsche auf Erfordern beizubringen habe, um sich in der Schweiz niederlassen zu dürfen. Die Worte „auf Erfordern" zeigten, daß die schweizerischen Behörden diese Schriftstücke zu fordern nicht verpflichtet seien. Dies zeige auch die Geschichte der Unterhandlungen, welche den Abschluß des Niederlassungsoertrags herbeigeführt hätten. Die Fassung des Art. 2 sei von den schweizerischen Bevollmächtigten selbst beantragt worden, um zu betonen, daß die Deutschen sich den schweizerischen Gesetzen über die Fremdenpoltzet zu unterwerfen hätten. Der Bundesrath könne sein Befremden nicht unterdrücken, wenn behauptet werde, Deutschland habe durch den Vertrag die Schweiz binden wollen, den deutschen Unterthanen, welche mit den dortigen Behörden nicht im Frieden lebten, Aufnahme zu gewähren. Diese Absicht sei niemals ausgesprochen worden und widerspreche dem Geiste des Vertrages, welcher die Niederlassung erleichtern wolle. Der Bundesrath weise daher den Vorwurf zurück, als hätte er den Vertrag nicht beobachtet und spreche der deutschen Regierung das Recht ab, den Vertrag als hinfällig zu erklären, weil er von der Schweiz nicht erfüllt sei. Von den Schweizer Bürgern, die sich in Deutschland niedergelassen, sei auch nicht immer ein Leumunds- zeugniß gefordert. Der Bundesrath habe sich mehrmals über den Niederlassungsvertrag ausgesprochen, durch Kreisschreiben in den Jahren 1880 und 1881 und in Geschäftsberichten, welche sämmtlich der deutschen Gesandtschaft übermittelt worden seien. Die kantonalen Behörden thäten wohl daran, mit Bezug auf die Ausweisschriften der Fremden strenge zu verfahren, um das Eindringen zweideutiger Elemente zu verhindern. Der Bunkesrath nehme gerne Akt davon, daß künftig die kantonalen Behörden mit größerer Strenge auf die Beibringung eines Leumundszeugnisses bringen dürften, ohne daß die Kaiserlich deutsche Regierung sich für ein milderes Vorgehen verwende. Der Bundesrath habe niemals beabsichtigt, die Zulassung Deutscher tn die Schweiz von dem Placet der Kaiserlich deutschen Regierung abhängig zu machen. Die Schweiz würde eine vertragsmäßige Einschränkung gewisser Souveränetätsrechte nie zugeben, und zu diesen Rechten gehöre das Asylrecht. Diese Grundsätze würden auch bei Abschluß eines neuen Niederlassungsvertrags mit Deutschland für den Bundesrath maßgebend sein. Der Bundesrath erkenne alle internationalen Pflichten bezüglich revolutionärer und anarchistischer Bestrebungen an. Er werde in der Schweiz keine Handlungen dulden, welche mit dem Völkerrecht und den zwischen allen Staaten geltenden Rücksichten in Widerspruch ständen, und gebe damit dem Willen des Schweizer Volkes Ausdruck. Gegenwärtig werde, Dank den in den letzten Jahren getroffenen Maßregeln, kein bekannter Führer der anarchistischen und revolutionären Bewegung in der Schweiz geduldet. Die von der Bundesversammlung ist der letzten Session beschlossene Centralstelle für politische Polizei werde die Ueberwachung und Verfolgung aller unerlaubten, gefährlichen, die internationalen Beziehungen bedrohenden Kundgebungen erleichtern. Der Bundesrath hege die Zuversicht, durch diese Auseinandersetzungen die Kaiserliche Regierung beruhigt und überzeugt zu haben, daß keine Veranlassung vorliege, avtzer- ordentliche, den Znteressen beider Staaten zuwiderlaufende Maßregeln zu ergreifen. Der Bundesrath bestehe um so mehr mit Festigkeit daraus, daß seine Rechte geachtet werden, als er den festen Willen habe, internationale Verpflichtungen genau zu erfüllen, namentlich Deutschland gegenüber, mit welchem er stets beflissen gewesen sei, die besten Beziehungen zu unterhalten. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Korrespondenz-Bureaa. Paris, 14. Juli. Bet einem gestern in Saint - Fargean stattgehabten Bou- langisten-Bankett brachte Därouldde einen Toast auf die Vielkandidaturen aus und ließ in feiner Rede erkennen, daß Boulanger sich in allen Arrondissements von Paris als Candidat aufftellen lassen werde. — In dem nahe bei Grenoble gelegenen Orte Moirans stieß gestern ein Güterzug mit einem Personenzuge zusammen. Wie es heißt, sollen mehrere Personen getödtet und viele verwundet sein. Paris, 14. Juli. Heute Vormittag sand vor der Statue der Stadt Straßburg auf dem Eintrachtsplatze die von den Boulangisten veranstaltete Kundgebung statt. Den Theilnehmern war von dem anwesenden Polizeicomissär jede Rede und Aeußerung ausdrücklich untersagt worden. Gleichwohl wurde von Därouldde, der von den boulan- gistischen Deputirten und einer größeren Menschenmenge umgeben war, laut ausgerufen : „Es lebe der General!" Der Polizeicommissär wollte infolgedessen Deroulöde verhaften, letzterer leistete aber Widerstand und erklärte, eine Verhaftung sei ungesetzlich. Als der Polizeicommissär darauf Däroulöde am Arme ergriff, stürzte sich die umstehende Menge auf den Polizeicommissär und entriß ihm seinen Gefangenen, der sofort einen Wagen bestieg und sich nach den Redactionsbüreaux der Zeitungen begab. Der Polizeicommissär wurde durch herbeigeeiltes Polizeipersonal aus den Händen der Menge befreit. Paris, 14. Juli. Die Mitglieder der Patriotenliga gaben heute Mittag Tsrouldde und Laguerre ein Festesten bei Bonvalet (Boulevard Temple), das von etwa 100 Personen besucht war und ohne bemerkenswerthen Zwischenfall verlief. PariS, 14. Juli. Die heutige Truppenreoue in Longchamps verlief trotz wiederholter heftiger Regengüsse glänzend. Präsident Carnot wohnte derselben bei und wurde sowohl bei der Revue wie bei der Hinfahrt und Herfahrt mit Hochrufen auf die Republik und auf die Truppen begrüßt. 14- Juli. Heute früh fand zwischen dem Secretär des opportunistischen Journals „Petit Provencal", Pierotti, und dem Secretär des boulangiftischen Comitä's, Belz, ein Duell statt, bei welchem Pierotti getödtet wurde. Christiania, 14. Juli. Seine Majestät der Kaiser Wilhelm passirte gestern Kristianssund und traf Abends um 10 Uhr in Trondhjem ein. Heute früh um 6 Uhr beabsichtigte Se. Majestät sich an's Land zu begeben. Rom, 14. Juli. Der Papst empfing heute den preußischen Gesandten von Schlozer, welcher demnächst seinen Sommerurlaub antritt, in längerer Audienz. Konstantinopel, 14. Juli. Infolge des Auftretens der Pest in der Provinz Asir beschloß der Sanitätsrath eine zehntägige Quarantäne für alle Provenienzen aus der Provinz Jemen in einem hierzu aufzurichtenden provisorischen Lazareth auf einer in der Nähe von Dschidda gelegenen Insel. Darmstadt, 15. Juli. Prinzessin Victoria ist in Jugenheim von einer Tochter entbunden rootben. Kaiserin Friedrich mit ihren Töchtern sowie dem Kronprinzen von Griechenland hatten gestern Seeheim besucht und fuhren die Herrschaften Abends nach Homburg zurück. Lokales. «teficn, 15. Juli. Das iechsic Concert im 97. D-retnsjahre des Gießener ® E'1» ^te sich den -orherxegangcnen würdig an die Sette. Es war aus- tchli-ßltch der Kammermustk gewidmet. Die Zuhörerschaft war aus diesem Grund rrnd der großen Hitze wegen srctlich eine wenig zahlreiche. Schwär, (Pionofoiie), Alphonse Brun (Violine), Louis Noebe (^oloncell) brachten als erste Nummer das Trio in Ee-dur op. 40 von SobanneS Brahms zu Gehör. Die Composition weist große Schönheiten? auf unb behauptet, was ihren musikalischen Werth anbetrifft, durchaus einen Platz neben den Populäreren Werken des Meisters. In der sehr schönen unb buS^ au8fSruna burtb die Frankfurter Künstler machte sie einen bedeutenden Eindruck, der sich leb? hastem Beifall äußerte. Wesentlich kühler war die Aufnahme die das Tria in r mnii °on I. Raff Seitens des Publikums sand. Nur gchel besonders. n , Herr Schwarz trat auch als Solist auf und zwar spielte er das Impromptu von Franz Schubert und die ungarische Rhapsodie Nr. 11 von Franz Lißt In Äen rO0en 8 6 fld? bcr $en M Oberst gewandter Virtuose und feinsinniger ... Das Hauptinteresse galt ohne Frage Herrn Adolph Müller, dem trefflidien fihJün-ffr Ist den Gießenern ein alter, lieber Bekannter. Und es erscheint darum r'$or3u0c und die Schönheit seines prächtigen Baritons und seiner F0**1r21 w?tnyn0xa)ei^iEinzelnen heroorzuheben. Mit gewohnter Meisterschaft a ME* d,"-. tieftnnigen „Wanderer" von Schubert (den übrigens auch Fraulein Hermine Spieß vor einiger Zeit hier vorgetragen hatte) die oriaineQe nn- gemeln liebliche Ballade „Tom, der Reimer", von C. Löwe, das reizende Mädchen mit dem rothen Mündchen" und endlich das schwungvolle, herrliche Wanderlied von Robert Schumann. Wohlauf noch getrunken!" Reicher App!^ den fün"k8tSk®?uiu^ben.Um t,erU^i8te fid) n,$‘ ^n' aI9 bis er sich enlschloß, noch ein Gießen, 15. Juli. [Sport] Auf der gestern in Ems abgehaltenen Kaiser- ?«r?ü?°Abl?nges unserer Ruder gesell schäft nicht, den Sieg an ihre Flagge zu heften. H Cd? m ^bnior Sciff und Junioroierer, besetzt unb, da die Lahn " ?fämal ist um mehr als 2 Booten Platz zu geben, bereits am Samstag o fnoTiS? ^rn- - Kratling startet im Sciff gegen Studiosus Brock- ? r n unterliegt nach scharfem Rennen mit 3 Längen, ü,^?b^uvter der ersten Brücke eine leichte Collision stattgefunden hatte. Krailing war dadurch vom Hauptrennen am Sonntag ausgeschlossen. Im Vorrennen für bann ®ie^n über Frankfurter Germania nach Belieben und sichert «Ä'Elnähme am Hauptrennen für Sonntag, wo ihm die vorzügliche Mannschaft ^cN^hausen gegenubertrat. - Das Entscheidungsrudern zwischen Gießen und Tn™aen^pCn?9 gestaltete sich zum schönsten und aufregendsten Rennen des nÄ’ ^ Äbnhauser übernehmen durch vorzeitiges Losrudern die Führung, welche sie aber bald an Gießen abgeben müssen, das nach 800 Meter eine Länge Vor- !™?9 e«U"^n, hat, und nach dem Course den Gegner hält, um vor denselben den sJaerw Brückenbogen zu gewinnen. Der Steuermann sieht indessen das Unmögliche Manooers zu spat ein, und steuert, um eine Collision mit den bart anbrangenbm Sachsenhausern zu vermeiden, nach der äußeren Fahrbahn, wodurch Gießen seinen Vor- prung und noch 3-4 Langen dazu verliert. Nachdem das Gießener Boot wieder einen Cours aufgenommen, legt sich die Mannschaft colossal in die Ruder, Spurt folgt auf Spurt, Zoll für Zoll lauft Gießen auf und scheint das Rennen noch gewinnen zu können. Doch mit Aufbietung aller Kräfte halten die ebenso zähen Gegner den errungenen Vorsprung und gewinnen schließlich mit einer halben Bootslänge. Gießen ruderte brillant und war für dieses Rennen Favorit. Vermischte-. dem Prozeß gegen die Inhaber der faditen Firma & Uvbn in Bingen wurde heute Abend von der Strafkammer das Urtheil ocbcn' erkennt Allmann Vater und Sohn des Bankerotts und der Unters Wägung von Werthpapierm in 12 Fällen, ferner Allmann Sohn des Betrugs in fed?^ Fallen und Allm an n Val er der Unterschlagung ihm als Verwalter anvertrauter Gelder in zwei Fallen schuldig und oerurtheilt Allmann senior zu 1 Jahr und 8U 1/3 3°hr Gefangniß, einschließlich der gegen Beide von dem Land- Ä® ?? erkannten viermonatlichen Gefängnißstrafe. Allmann Sohn wurden 7 Wochen als durch die Untersuchungshaft verbüßt in Anrechnung gebracht. Rach Publika ion des UrtheUs stellte die Staatsanwaltschaft mit Rücksicht auf die erkannte hohe Strafe den Antrag auf sofortige Verhaftung der beiden Verurtheilten, welchem Antrag das Gericht auch nach kurzer Berathung Folge gab. Juli. Aus dem Innern der Rochuskapelle sind vor dem Brande noch glücklich bte Heiligenbilder, Gefäße und ein Theil der Bänke gerettet worden, wahrend drei Altäre und die ziemlich werthvolle Orgel vollständig in den ? aufgingen. Nach der durch die Franzosen im Jahre 1795 erfolgten Zerstörung der Rochuskap-Ue wurden die Derbrannten Altäre und die Orgel, sowie di-Kanzel und die Stuhle aus der Eibinger Kirche am 21. Mär, 1814 nach der wieder restaurirten Kapelle gebracht. Die Orgel zählt zu den ältesten Deutschlands. U-ber die Kapelle selbst bringt das „Mainzer Journal« folgende historische Notizen, die für weitere Kreise oon Interesse sein dursten. Aus Beschluß des hiesigen Stadtraths im Pestjahre 1666 gestiftet, wurde die Rochuskapelle am 29. Mai 1677 von dem Mainzer Bischof VolwiuS eingeweiht Bei der Zerstörung von Bingen durch die Franzosen (1689) wurde die spelle auch stark in Niitleidenschaft gezogen und nach vorhergegangener Restauration am 16. August 1698 zum zweiten Male geweiht. 1795 durch die Franzosen abermals in Trümmer gelegt, wurde dieselbe am Himmelfahrttag 1814 von Bischof Calmar von Mainz mit einer großen Feierlichkeit zum dritten Male geweiht. Goethe, welcher bei dieser Feierlichkeit anwesend war, beschrieb dieselbe eingehend. Durch den Dichter angereat, erfanden unb skizzirten dessen Freunde das Bild des h. Rochus, wie er als blühender Jüngling seine Habe vertheilt und von seinem Palaste aus die Pilgerschaft antritt. 5^13 Bild ist bei dem vorgestrigen Brand glücklicherweise gerettet woroen. .. Gingen, 14. Juli. Keine zwei Stunden später, nachdem gestern Abend die Strafkammer des Landgerichts Mainz das Urtheil gegen die Inhaber der famten «anfnrma SWmann publicirt hatte, war die Verhaftung der Verurtheilten schon be- thatigt. Die Flucht befürchtend, hatte die Staatsanwaltschaft unmittelbar, als von ber ©trajfammer berJöe^Iufe auf sofortige Festnahme gefaßt war, das hiesige Amts- ®51 Ltelegraifcb hiervon benachrichtigt, worauf bas Letztere den Gerichtsbeschluß alsbald in Vollzug setzte. Bei dem Erscheinen des mit der Vollstreckung beauftragten Beamten waren die Verurtheilten, die ihre sofortige Verhaftung nicht vermuthm tonnten, auf das Höchste bestürzt und hatte besonders der Kommerzienrath Allmann Vater alle Fassung verloren. — Frankfurt, 14. Juli. Die Befürchtungen, welche das schwere Gewitter, das vorgestern Abend über unsere Stadt nicberging, wachrief, sind leider begründet gewesen. Mehr als Vs Dutzend Mal hat der Blitz getroffen. Darunter Dreimal die Telephonleitung bezw. einen Blitzableiter, zweimal einen Baum, einmal (in Rtederrad) einen Tanzsaal und einmal 2 Knaben, die sich mit einem Holzwägelchen auf dem Wege von Griesheim nach Niederrad befanden. Die beiden Buben, Schreiner- kbrlinge im Alter von 15 und 16 Jahren aus Schwanheim, hatten sich, als das Wetter sie überraschte, unter einen Apfelbaum geflüchtet, unb das haben sie mit dem Leben bezahlen müssen. Der Blitz fuhr in den Baum und töbtete die Knaben. Die Leichen wurden nach Schwanheim gebracht. Bei Isenburg ging am Freitag Abend ein chweres Hagelwetter nieder. Rudolf Falb hat Recht behalten. Bekannlich wurden vom 12. Juli aus Rußland heftige Erdbeben gemeldet. München, 13. Juli. Nach einem Privattelegramm des „Fremdenblattes" aus Tegernsee hat sich die bei der Familie des Grafen Drechsel verweilende seit kurzer Zeit verwittwete Lady Acton gestern Mittag aus dem von ihr allein geruderten Boot in dm See gestürzt und ertränkt. Als Ursache der That wird Geistesstörung angenommen. Schi ffsn ach richte». Bremen, 12 Juli. [Per transallantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer L>aole, Capt. B. Blanke, vom Norddeutschen Lloyv in Bremen, welcher am ?* remen ""d am 5. Juli von Southampton abgegangen war, ist heute 9 Uhr Morgms wohlbehalten in Newyork angekommen. . Birnen, *2. Juli. [Per transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Rhein, Capt. W. Kuhlmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 26. Juni von Bremen abgegangen war, ist am 10. Juli 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen. Handel und Verkehr. Grünberg, 13. Juli. (Fruchtpreise). Weizen X 17,50, Korn X 13,90, Gerste JL 12,00, Hafer X 14,00, Erbsen X 00,00, Samen X 29,80, Wicken X CO,00, Kartoffeln X 4,20, Linsen X 00.00. Neperlolr dec veremtgten Stadttheaier zu Jrankmrt a. M. Opernhaus. Samstag den 20. Juli: Zum ersten Male: Der Courier des Czaren oder: Michael Strogosf. Ausstattungsstück in 12 Bildern nach Jules Verne, von Franz Czeproghy. Musik von Franz v. Suppö. Außer Abonnement. Große Preise. Sonntag den 21. Juli: Zum ersten Male wiederholt: Der Courier des Czaren, oder Michael Strogosf. Außer Abonnement. Große Preise. Montag den 22. Juli: Der Courier des Czaren, oder: Michael Strogosf. Außer Abonnement. Große Preise. Schanspielhan». Das Schauspielhaus bleibt bis tncl. 27. Juli geschlossen. Nur allein achtes Product der berühmten Sodener Gemeinde-Heilquellen find diejeniacn Voit'Uen, o»e die Benicvnuna lrageu FAY’s achte Sobettet Wittetob Pastillen uno oie »n allen -tpolbeken k 85 H erväutim und. 4336 — Für die bedrängte nothleidende Familie gingen ferner ein: Uebertrag 64.50 X Ungenannt 1 X Bei Herrn Rechner Döring gingen ein: Von Mitgliedern des Veteranenvereins dahier 7 X, N. N. 1 X, W. E. 0.50 X, C. H. 0.50 X, Frau M. B. 2 X, I. B. 1 X, H. B. 1 X, I. B. 6.68 X, zusammen 19.68 X In Summa 85.18 X Weitere Gaben nimmt gern Herr Rechner Döring und die Expedition dieses Blattes entgegen. M Wärmegrade der Lahn und der Luft gemessen nach Reaumur am 15. Juli zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 1772 Grad, Luft 17 Grad. L. Chr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer. Dienstag den 13. August l. A, Nachmittags 27» Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Kaspar Schomver Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 3 Nr. 144 — 2550 Meter Acker auf dem Leufertsrödcrweg, Flur 8 Nr. 16 — 2825 Meter Acker auf dem Holzweg hinter den Schießgärten, Flur 8 Nr. 16a — 2819 Meter Acker daselbst, Flur 8 Nr. 2v"/ioo — 847 Meter Wiese hinter den Schießgärten an der Rodheimer Straße, Flur 8 Nr. <616/ioo — 1339 Meter Hof- raithe daselbst, Flur 8 Nr. 2618/100 — 123 Meter Grabgarten daselbst, Flur 8 Nr. 282/io —. 2041 Meter Hof- raithe daselbst. Flur 8 Nr. 3c7io — 4296 Meter Acker daselbst, Flur 8 Nr. 322/io — 6840 Meter Wiele daselbst, Flur 8 Nr. J56/io — 1988 Meter Acker daselbst, Flur 8 Nr. 36i/iU — 2169 Meter Acker daselbst, Flur 8 Nr. 37 >/to — 462 Meter Acker daselbst. Flur 8 Nr. 38Vio — 462 Meter Acker daselbst, Flur 8 Nr. 39 — 625 Meter Acker daselbst, Flur 8 Nr. 40 — 625 Meter Acker daselbst, Flur 8 Nr. 41 - 1944 Meter Acker daselbst, Flur 9 Nr. 46 — 1350 Meter Acker auf der großen Weide, . Flur 30 Nr. 1727w — 2634 Meter Wiese über der Erdkaute auf dem Weg hinter dem Fluthgraben, Flur 3 9tr. 188 — 1869 Meter Acker auf dem Krofdorferweg. Flur 8 Nr. 24 — 1600 Meter Acker diesseits am Grasweg öffentlich meistbietend unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden. 5481 Gießen, 30. Juni 1889. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A.: Bogt, Ortsgerichtsmann. Freitag den 19. Juli 1. I, versteigere ich die Weizenernte von mehreren Parzellen in hiesiger Gemarkung, sowie die verschiedenen Früchte eines Hausgartens. — Zusammenkunft in meinem Bureau Nachmittags 7r7 Uhr. Bühner, 5898 Gerichtsvollzieher. Mittwoch den 17. Juli 1 I., Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett'scheu Hofraithe gegen Baarzahlung versteigert: 1 Kleiderschrank, 1 Hobelbank, 150 Damen- und Kinder-Schürzen, 1 Pierd, 1 Kuh, 1 Wagen, 1 Buffet, 1 Metalldrehbank und verschiedene Möbel. Geißler, 5900 Gerichtsvollzieher. Dienstag den 27. August, Nachmittags 27- Uhr. sollen aus dem hiesigen Ortsgericht die der Otto Hill Wittwe in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr 709 — 394 Meter Hofraithe in den Neuen Bauen, Flur I Nr. 710 — 937 Meter Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 15. Juli 1889. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A.: Vogt, Ortsgerichtsmann. 5905 5889] Kornftroh ist zu haben bei Jakov Wihrrer, Grünbergerstraße 20. Ali'gemeiner Anzeiger. Mein Geschäft und Wohnung befinden sich nunmehr in meinem Hanse Grünbergerstraße 21. Gießen, den 15. Juli 188^. 5885 Christian Petri V. Ein seit kurzer Zeit hier Kleine Mühlgasse 7 wohnhafter Korbmacher mit Namen Jakob Seemann aus Astheim giebt sich in hiesiger Stadt als ein Bruder von mir aus, um vermuthlich durch diese falsche Vorspiegelung eher Arbeit zu erlangen und schädigt dadurch mein Credit in erheblicher Weise, weshalb ich die Erklärung hiermit abgebe, daß ich weder einen Bruder habe, noch ein zweiter Korbmacher „Werner" in Gießen existirt. Ferner erkläre ich im Jntereffe hiesiger Einwohner, daß obiger Seemann bei Ausführung von Reparaturarbeiten die betr. Leute weit über das doppelte des reellen Arbeitsverdienstes übervorcheilt. Gießen, den 15. Juli 1889. Ang. Werver, Weidengasse 8. Unter böchstem Protectorat S« K- H. d. Prinzen Heinrich v. Preussen: Casseler Ziehung: 19. Sept. Ausstellungs - Lotterie. Hauptgew. i. W. v. 1OOOO, 5000, 3000, 1000 rc. zus. über 2000 wertvvolle Gewinne. 5884 Loose sind in den durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen zu haben, sowie zu beziehen durch Otto Sommerlad. Cassel (General-Debit) und Jul. Wallach, C. Lehrmund und C. RuckelShausen in Gießen. j Loos ” Mark Seit Anfang Jnli habe ich mich in Nod« heim a. d. Bieber als praetiseher Arzt niedergelassen. Zugleich bemerke ich now, daß mir von Königlicher Regieruna das Halten einer Hausapotheke bewilligt worden ist. Dr. med. Klingelhoefer, Pi aet. Arzt. 5888 Bernstein- Fussboden-Glanzlack mit Farbe aus achtem Bernsteinlack nach verbessertem Verfahren angeferligt, deckt sehr gut und ist das Beste zur Herstellung eines schnell trocknenden, sehr dauerhaften und hoch glänzenden Fussbodenanstrichs. In Blechtöpfen ä 1 Ko. Inhalt in der 5806 Drogenhandlung von Otto Schaaf, Seltersweg 3£k Große Auswahl , , achter Schwerzer Stickereien I ohne Appret in Stücken von 4,20 Meter zu Fabrikpreisen bei 1 2689 J. Maa* jun., Kreuzplah 10. 5883] Sechs Stück junge Hühner, 10 Wochen alt, zu verkaufen bei H. Schürz, auf der Bleiche. Wermietyungen. 5891] In meinem Hause, Seltersweg Nr 2, Ecke am Kreuz, ist der mittlere Stock, bestehend aus vier größeren und vier kleineren Zimmern, nebst Keller, Holzstall und Waschküche, per sofort oder per 1. Oktober a. c. anderweitig zu oermiethen. — Nähere Auskunft im Laden oder tm 3. Stock. _______Ferd. Windecker. 5892] Kleines Stübchen mit Bett zu vermiethen bei_______Schneider Frech. 5899 Ein freundliches Logis sofort zu vermiethen.____________Marktstraße 32. dö96] Kleines Logis sofort zu ver- miethen.__Neustadt 11. 5715 Ein möblirtes Zimmer mit Ca- binet zu oermiethen. Alicestraße 22. 5895] Kl. möb!. Zimmer m. Schlafkab. zu oermiethen. Grünbergerstraße 42. Vermischte Anzeige». 5882] Mädchen für sofort und später gesucht durch Frau Hüttenberger, Del- tersweg 52, Hinterhaus._________________ 5886 Ein braves Dienstmädchen gegen guten Lohn auf sogleich gesucht. Aug. Guhr, Bahnhofstraße 12. Gesucht -i» zu Anfang bis Mitte August eine Wohnung mit 5 bis 6 Zimmern nebst Zubehör (Wasserleitung und womöglich Badezimmer). Offerten mit Preisangabe abzugeben Ludwigstraße 27 III (Frl. Kratz) 5834 Ein kräfttger HauSbursche auf sofort gesucht. Ernst Lotz, Möbelfabrik, ________________________Neustadt 11.______ 5769 Ein Schreiner erhält dauernde Arbeit bei H. Sack, Schretnermeister, _________________gr. Mühlgasse 5. 5893 Ein Hausbnrsche mit guten Zeugnissen gesucht. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. 5902 Eine Wohnung, 3—4 Zimmer nebst Zubehör (außerhalb der Stadt) zu mietben gesucht- Offerten sub L an die Expedition dieses Blattes.__________________________________ Gesucht werden Mädchen, welche selbstständig kochen können, sowie HauSmädchen und Kindermädchen durch das Vermieth- Bu re au Frau Müller, Löwengasse. 5Q94 Eine gesunde Amme sogleich gesucht. Näheres bei Frau Hebamme Euler, Mäutzburg 1.___ 5897] Ein in Küche und Hausarbeit erfahrenes evang. Mädchen sucht Stelle. Gefl Offerten sende man an Louise KrauS, Herborn._______________ 5904 Zwei kräftige Arbeiter werden bei dauernder Beschäftigung gesucht. ___________L. Lotz, Bahnhofstraße 22. 5906 Ein braver Junge wird als Hausbursche gesucht. I. Lein, Wallthorstraße 7. Musikal. Hausfreund Blatter f. ausgewähtte Lalonmufik. Monatlich 2 Nummern (mit Text- Beilage). Preis pro Quartal 1 X Probenummern gratis und franco. Leipzig C. A. Kochs Verlag. Griesaen, Juli 1889. dnfHnlbiiplr (91. Baltz) 13 5903 Müller Frau Kasernen-Inspeotor Marie geborene Puig, im Alter von 42 Jahren. Anzeige mit der Bitte um stille Die Hinterbliebenen. Schlußcourse 1 Uhr 15 Min. Tendern: still. Conr-bericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft. Ara«kf«rter Börse vom L8. Juli 1889. Indem ich Sie bitte, meinem Unternehmen Ihr geschätztes Wohlwollen zu schenken, verharre ich Ihr ergebenster Fran« Thomas, in Firma: Fehsenf eld’s Universitäts-Buchhandlung und Antiquariat. fjtebactton: A. Dcheyd». - »ruck und Verlag der Brühl'ichcn Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Die heutig« Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage. Todes-Anzeige. Statt jeder besonderen Anzeige Verwandten und Freunden die Mittheilung daß heute am 14. Juli um 5 Uhr Mittag- unsere liebe Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Frau Apotheker Albertine Sarnes (Wwe.) geb. Golze im 85. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen Gießen, Gelnhausen und Wimpfen (am Berg), am 14. Juli 1889. Die Beerdigung findet Dienstag den 16. Juli, Nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause (Neuenbäue 37) aus statt. 5885 bestehende Buchhandlung an Herrn Franz Thomas aus Liegnitz käuflich übertragen habe. Es freut mich in meinem Herrn Nachfolger einen besonders tüchtigen Buchhändler kennen gelernt zu haben, der das alte gut eingeführte Geschäft in der bisherigen soliden Weise weiterführen wird. Für das mir in so reichem Maasse entgegengebrachte Vertrauen spreche ich Ihnen meinen wärmsten Dank aus und bitte Sie, dasselbe auf meinen Herrn Nachfolger übertragen zu wollen. Hochachtungsvoll und ergebenst M. Baltz. Hierdurch beehre ich mich, Ihnen die ergebenste Mittheilung zu machen, dass ich meine unter der Firma Öucl Felisenfeld’s üiiiversiiais-lliirliliaodliiiig und Antiquariat Aus vorstehender Mittheilung des Herrn M Baltz haben Sie ersehen, dass ich die bisher in dem Besitze desselben befindliche Buchhandlung käuflich erworben habe und werde ich das Geschäft unter der Firma Fehsenfeld’s Universitäts-Buchhandlung und Antiquariat Franz Thomas weiterführen. Ich bitte, das Herrn Baltz in so reichem Maasse entgegengebrachte Vertrauen auch auf mich übertragen zu wollen. Des grössten Entgegenkommens von meiner Seite wollen Sie versichert sein. Alle hervorragenderen Erscheinungen des deutschen Buchhandels sind meist sofort nach Erscheinen bei mir vorräthig und stehen auf Wunsch gern zur Ansicht zu Diensten. Ich halte ein sorgfältig gewähltes Lager von Büchern aus allen Wissenschaften ein besonderes Augenmerk lege ich auf die gesammte Geschenkliteratur, Prachtwerke, Jugendschriften, Bilderbücher etc. Etwa nicht Vorräthiges wird stets in wenigen Tagen besorgt. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, Ihnen mein Kunstsortiment in empfehlende Erinnerung zu bringen. Dasselbe enthält eine grosse Auswahl Emaillebilder, eingerahmter und un ein gerahmter (das Einrahmen wird stets aufs schnellste besorgt) Photographien, Photograyuren, colorirte Photographien, Stiche. Das Kunstlager wird stets durch Neuanschaffung aufs beste ergänzt. fcsbid noflidaq-ri* / fr .H Die Beerdigung findet in Saarlouis statt. Dies zeigen Freunden und Bekannten statt besonderer Theilnahme an Giessen, am 14 Juli 1889. 5890 Todes-Anzeige. -j Heute Abend 9^2 Uhr starb sanft nach langer schwerer Krankheit meine innigst geliebte Frau, unsere unvergessliche Mutter 4 pCt- Reichsanleihe 108.20 5 pCt. Italiener Rente ult. 95.30 3Vr vCt. do. 4 pCt. Preuß. Consols 3Vr pCt. do. 4 pCt- Unaar. Goldrente 4*/r pCt. Oesterreich. Silberrente 104.40 107.10 105.60 85.70 72.50 4 pCt. Griechen 79.00 4 pCt. 1880er do. 89.20 Russische 11. Orientanleihe 63.10 4 pCt. unif. Egypter 89 70 6 pCt. cons. Mexikaner, große Stücke 94.00 Disconto-Commandit-Anth. Darmstädter Bank-Act. Oesterreich. Credt 226.80 162.80 258.50 Oesterreich. Staatsbahn-Actien Lombard. Eisenbahn- „ Galizische do. 189.50 104.00 164.75 20 Francs-Stücke 10 do. 16.24- 16.23- -16.27 -16.27 | Lenden Engl. Souvereigne 20.35 —20,40. Dollar« in Gold 4.16—4.19. i: still. Ttieera-tziFcher Lnn»erttzt d» lv Oesterr. Creditactten 16240 Oeftcrr. StaatSbahn-Actikv 95 90 Dortmunder Union-Actien 91.60 Darmstädter Bankaktien — erttaer Bärte vom 15 Zuli DtSconto-Com-Ant-eile Lombarden Ostpreußen Bochumer Gußstahlactten 1889. 226 80 52 50 103 90 208 80 Miifle zu Jtr. 162 des „ffiejjener Anzeiger" Verwischtes. nn Darmstadt, 14. Juli. Gestern Mittag gegen 4'/r Uhr entstand in der Strümps- und Tricolwaarensabnk von Ullrich & Cie. in der Schloßgailenstraße im Lagerkellcr ein Schadenfeuer, das leicht hätte verhängnißvoll werden können, da die Fabrik gerade in vollem Betrieb war. Dank dem thatkräftigen und energischen Eingreifen des Fabrikpersonals, sowie der Feuerwehr konnte man des Feuers nach etwa einer Stunde Herr werden, doch soll der Schaden nicht unbedeutend sein. Berlin, 14. Juli. Zu einem nachahmenswerthen Jnitiativschritt haben sich dre thüringischen Obstzüchter entschlossen. Dieselben haben die Abhaltung von alljährlichen Odstmärkten in Erfurt zwecks Hebung der thüringischen Obstkultur ins Auge gefaßt. Die Zulassung zu diesen Obstmärkten ist eine unbeschränkte; nur ist zur Bedingung gemacht, daß die Sorten nach ihren Arten auf den Markt gebracht werden. Weitere Vortheile dieser Obstmärkte, welche als die ersten mitteldeutschen Obstmcssen anzusehen sein werden, sollen in der Regelung des Maßes, sowie in der Förderung der Sortenkenntniß bestehen, die namentlich unter der Landbevölkerung noch wenig verbreitet ist. Einen fördernden Einfluß soll die neue Einrichtung auch auf die Reellität des deutschen Obsthandels ausüben, welcher, wie betont wurde, noch lange nicht die Sauberkeit des böhmischen, niederösterreichischen und besonders des tyroler Geschäfts erreicht habe. Die neue Einrichtung, welche auf Kosten des Erfurter Kreis-Obstbauvereins ins Leben gerufen wird, soll für die Mitte des kom- 'menden Oktobers zum ersten Male versuchsweise ins Leben treten. Daß der vaterländische Obstbau eine Quelle wirthschaftlichen Nutzens in sich birgt, welche noch bei Weitem nicht in dem erreichbaren und wünschenswerthen Maße ausgebeutet wird, darüber besteht unter einsichtigen Land- und Volkswirthen wohl kein Zweifel. An Belehrungen und Ermahnungen hat es ebensowenig gefehlt, dieselben erfüllen aber Ihren Zweck immer nur sehr mangelhaft, wenn sie nicht von der belebenden und befruchtenden Praxis begleitet werden. Gerade unter letzterem Gesichtspunkt ist das Vorgehen der thüringischen Interessenten mit größter Genugthuung zu begrüßen, indem dre Hoffnung gerechtfertigt erscheint, daß das dort gegebene Beispiel bahnbrechend auch in anderen deutschen Gauen wirken werde. — [Arme Herrschaften! Beneidenswerthe Dtenstboten!j Nachdem nunmehr die Massenauswanderung in die Bäder und Sommerfrischen begonnen hat, tritt das ganze Elend der armen, geplagten, der Ruhe und Erholung bedürftigen Menschheit in seiner ganzen Größe zu Tage. Es ist sehr leicht gesagt, eine Badereise machen. Aber ehe es dazu kommt! Wie viele Erwägungen gehen voraus, wie viele Punkte müssen berücksichtigt werden, die unter normalen Verhälln.ssen gar nicht in's Gewicht fallen. Das ist zunächst das wohin zu erwägen, was in den meisten Fällen keine Kleinigkeit ist. Der Hausherr, der zur Fettleibigkeit neigt, ist natürlich für einen Ort, der ihm möglichst viel Gelegenheit zur Bewegung bietet; die Madame, welche den schreienden Contrast zu ihrem Gatten bildet, ist für Ruhe, für Bequemlichkeit und Bewegungslosigkeit. Hat schließlich der Arzt in diesem Kampfe der Meinungen den Schiedsipruch abgegeben, so kommt die zweite heikle Frage, das wann? Sind Kinder im Hause, denen eine Erholung nicht minder noth thut, wie den Eltern, so ist man bezüglich dieses Punktes bald im Reinen. Aber bindet solche Rücksicht nicht, dann geht auch hier wieder die eudgiilige Erledigung dieser Frage nicht ohne kleine Kämpfe ab. Der Juni ist zu früh, sagt die Frau. Der Juli ist zu heiß, meint der Mann. Der August ist im vorigen Jahre verregnet, argumentirt die Frau wieder, und der September ist ja zu spät, wirft der Mann in die Diskussion. So geht das Stieiten werter bis zu dem Moment, wo man sich endlich auf dem Bahnhofe befindet, um hier mit erneuter Kra't abermals zu entbrennen. Denn ehe man sich mit dem Koffiriräaer in's Einvernehmen geatzt Hal und über die Wahl des Coupö's einig geworden ist, evt« fließt dem Gehege der Zähne noch manches heftige Slreitwort. Da auf den Bahnen die Einrichtungen Gott sei Dank derartig sind, daß man wegen etwaigen zu lana- amen oder zu geräuschvollen Fahrens nicht in Confiict gerathen kann, so kommt man Mötzlich doch in einem einigermaßen erträglichen Zustande an Ort und Stelle an Aber schon im Hotel wieder konnte man über die schlechten Betten, die dumpfen Rimmer und die mangelhafte Bedienung außer sich gerathen. Und nun erst nach solcher Einsicht —„ diese Aussicht. Trotzdem man sich im „Hotel Bellevue" oder im „Gasthaus zur j schönen Gegend" befindet, von Bellevue oder schöner Gegend auch keine Spur. Um । wie tausendmal besser sind demgegenüber jetzt doch unsere Dienstboten daran. DaS i Stadium der allgemeinen Verreistheil ist für sie die Periode ungetrübter Lebens- 1 freudigkeit. Die Herrschaft ist auf Erholung verreist, aber erholen kann sich vor allen Dingen das zur Ueberwachung der Wohnung zurückgclasfene „Mädchen für Alles". Denn es ist ja in Wahrheit vielmals besser daran, als der Herr und die Madame in ihrer Badereise. Die müssen bei ihrem Kissinger oder Karlsbader streng nach ärztlicher i Vorschrift leben. Aber Anna, Marie, Guste, oder wie sie sonst heißt, die lebt nach ihrer Bequemlichkeit. Sie steht auf, wann ihr beliebt, sie trinkt Kaffee, so viel ihr beliebt, sie speist zu Mittag, was ihr beliebt, und — sie geht aus, so lange es ihr beliebt. Zudem hat ihr „Soldat", trotz strenger Verbote der Hausgesetze, unbeschränkten Zutritt, sobald nur sein Urlaub ein unbeschränkter ist. Und was das Beste ist, sie h^t für diese köstliche Zeit der Aussichtslosigkeit nicht die geringsten Unkosten. Im Gegentheil. Während sich die Herrschaft ihre Erholung auswärts mit schwerem Gelde erkaufen muß, bringt man ihr, um sie in den ersten vierzehn Tagen bei guter Laune zu erhalten, noch ein Reisegeschenk mit und lobt sie, daß sie Alles so schön in Ordnung gehalten hat. — Denkt man über das Alles einmal recht ordentlich nach, dann kann man in der Thal ausrufen: „Arme Herrschaften! Beneidenswerthe Dienstboten!" • Handel und Verkehr. — Die Verwendung von Postwerthzeichen in Briefen als Zahlungsmittel hat einen derartigen Umfang angenommen, daß zahlreiche Geschäfte dadurch geradezu belästigt werden. Der Empfänger hat für dieselben nämlich ost keine Verwendung, da ihre Menge die für die eigene Correspondenz erforderliche Anzahl weit übersteigt, die Post- anstalten aber die einmal verkauften Marken nicht wieder zurücknehmen. Die kaiserliche Oberpostdirection Karlsruhe äußert sich hierüber gegen die Handelskammer für den Kreis Heidelberg nebst der Stadl Eberbach folgendermaßen: „Die Angaben über die aus der Verwendung der Freimarken entstehenden Unzulräglichkeiten sind sicherlich zutreffend und letztere werden von der Postoerwallung leibst wegm der undeklarirten Versendung in gewöhnlichen Briefen als ein schwerer Mißstand empfunden; jeder Schritt aber in der Richtung, den Rückkauf der Freimarken Seitens der Postanstalten zu erlangen, würde veraebliches Bemühen sein. Wenn eine derartige Verpflichtung der Postanstalten durch die zuständigen Behörden eingeführt würde, so würden damit die Freimarken gesetzlich als Zahlungsmittel erklärt und anerkannt; es widerspricht aber durchaus der Munzpolitik des Reiches, derartige kleine Werthzeichen zu schaffen. Die Folge der betreffenden Maßregel würde übrigens sein, daß der Umlauf der Freimarken als Zahlungsmittel sich noch erheblich steigern und eine wahre Calamität entstehen wurde. Zweckmäßig, ja sehr nöthig wurde es sein, die heimliche Versendung von Freimarken und Werthpapieren in gewöhnlichen Briefen gesetzlich bei Strafe zu verbieten, wie dies in anderen Ländern auch der Fall ist." Dem fugt die „Bad. Gew.-Ztg." bei: „Die Verwendung der Freimarken als Zahlmitttel entstand ohne Zweifel aus der Bequemlichkeit, bei deklarirten Baarsendungm in Briefen dm Ausgleich statt in kleiner Münze mit Papier oewerkstelligen zu können; hiergegen wird sich wohl auch für die Zukunst mit Erfolg nichts unternehmen lassen. Die Versendung von Werthbriefen ohne Deklarirung mutz jedoch immer als bedenklich angesehen werden, da die Poft bei Verlust keinen Ersatz leistet und ein unreeller Adressat den Empfang überhaupt bestreiten kann. Es darf auch bei kleinen Beträgen die Form der Postanweisung als sicherstes und bequemstes Zahlungsmittel nur empfohlen werden, wenn schon das Porto von 20 Psg. mitunter als unoerhältnitzmäßiger Procentsatz des Postens erscheinen mag." Gestreifte u. karrirte Seidenstoffe v. Mk. 1.35 fci§ 9.80 p. Met. —(ca. 450 versch. Dess.) — vers. roben- und stückweise porto- und zollfrei das FabrikDöpöt G. Henne berg (K. u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 H Porto. 532 Dienstag den 13. August l A, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Georg Dietrich Dörner in Gießen gehörigen Immobilien: Flur I Nr- 33 — 106 Meter Hofraum in der Mühlgasse. Flur I Nr. 33 b — 25 Meter Grabgarten daselbst, Flur I Nr. 43 — 62 Meter Hofraithe in der Neustadt, öffentlich meistbietend unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden- Gießen, 30 Juni 1889. Großh. Ortsgericht Gießen. I A-: ______Vogt, Ortsgerichtsmann. 5482 Donnerstag den 18. Juli, Nachmittags von 2 Uhr an, werden die noch übrigen Mobilien aus dem Nachlaß der Carl Abel Eheleute, Westanlage 45 (Neustadt) versteigert- Zum Ausgebot kommt: 1 Küchenschrank und anderes Küchenmobiliar, Porzellan, Kaffeeservice, blaues und anderes Küchen- geräthe, Vorhänge für drei Fenster nebst Gallerten und Rouleaux; 1 Damenmantel u- s- w. Im vormundschaftlichen Auftrag: LouiS Rothenberger, Gerichtstarator. Anschließend an obige Versteigerung in demselben Wirthslocal, Westanlage 45 (Neustadt) kommen zum Ausgebot: 7 neue Oelgemälde (Druck), 1 neue große Singer-Schneidermaschine, 2 gewöhnliche Nähmaschinen, 1 Deloeiped tZwei- rab), 1 große Anrichte und 1 Parthie Damenkleider. Im Auftrag: Louis Rothenberger, 5789 Gerichtstaxator. 5314] Tüchtiges Mädchen, das kochen kann, wird sofort gesucht. Weidengasse 1, pari. Allgemeiner Anzeiger. Zum Bezug von SSckwemmsteineH und ÄUimim'ohrcH empfiehlt sich die Firma 5094 FONCK & COMP., Neuwied-Weissenthurm. Unsere Steine sind genügend alt und in der Qualität mit den jetzt massenhaft angebotenen viel zu jungen Steinen nicht zu verwechseln. 5462 H. KSTLE’S KINDERMEHL Zahlreiche ZEUfi.VISSE der oralen medicinJachen Autoritäten. Heinrich Hochstätter, Schlossgasse 19. 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Enden, in welchem seither Papierhandlung betrieben wurde, ist mit Wohnung rc. zu vermiethen. C. Steinhünser, Buchbinder, 5756 Weidengasse. r, Ferd. Faber, Duisburg, ___'__Petroleum-Jmport-Geschäft. [4561 Hauptniederlage bei 5805 Otto Schaaf, Giessen.