Nr. 266 Donnerstag den 14. November 1889 ©er Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Jiamtkien Vkäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger ASonncmentspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg. Rcdaction, Expedition und Druckerei: Schutstraßc Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt fßr den Areir Gieszen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den I T frt rt • (SVxptWYt 0Y C&rtttTt ft OH ßfnf tfiY Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehmen folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. | IlUyv. ^.UiHUU hVUUK l. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher: Theil. Bekanntmachung, die Maul- und Klauenseuche Hu Gießen betreffend. Nachdem die in den Stallungen des Heinrich Noll VII. und des Carl Rinn zu Gießen ausgebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, werden die angeordneten Sperr- rnaßregeln sowie das Marktverbot hierdurch aufgehoben. Gr eßen, am 12. October 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, die Abhaltung landwirthschastlicher Vorträge betreffend. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß i) Sonntag de« 17. November L I., Nachmittags 3 Uhr, Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld einen Vortrag „über Bcdenbereilung und Bodenbestellung" oder „über Samenwechsel, Saatgutzucht und Saatmethode" in dem Saale des Herin Gastwirths Guntrum zu Nriskirchen; 2) Sonntag den 24 November l I, Nachmittags 3 Uhr, Herr Landwirthschaftslehrer Spieß zu Alsfeld einen Vortrag „über Aufzucht und Fütterung von Zucht-, Milch- und Mastvieh" in dem Saale des Herrn Gastwirths Karl Kliebe zu Londorf; 3) Sonntag den 1. Deeember 1. I., Nachmittags 3 Uhr, Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger in Alsfeld einen Vortrag „über Schweinezucht" in dem Saale des HerrnGastwirths Christian Wagner in Grün« berg abhalten werden. Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und der landmirthschaftlichen Localoereine und alle Freunde der Land- wirthschaft werden zu diesen Versammlungen hierdurch ergebenst eingeladen । Die Herren Bürgermeister der Gemeinden, in welchen die Vorträge abgehalten werden, sowie die der benachbarten Orte werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken. Gießen, den 19. October 1889. Der Direclor des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regterungsrath. Gießen, am 12. November 1889. Betr.: Sterblichkeitsstatistik. Das Großh. Kreis-Gesundheitsamt Gießen an die Großherzoalichen Bürgermeistereien Alt - Buseck, Annerod, Beltershain, Bersrod, Eberstadt, Göbelnrod, Grünberg, Hungen, Leihgestern, Lieh, Lumda, Nieder-Befsingen, Ober-Befstngen, Treis a. d. Lda», LSeiterShain. Wir ersuchen um umgehende Einsendung der Sterblich- keitsnachweise für die Monate September und October. Dr. Köhler. Apolitische Nebersickzt. Gießen, 13. November. Die Reise Kaiser Wilhelms nach Italien und der Balkan Halbinsel hat noch kurz vor ihrer Beendigung mit der Zu> sammenkunft des erlauchten Herrschers und des Kaisers Franz Joseph in der Hauptstadt Tyrols ein Ereigniß gezeitigt, dessen friedekündende Bedeutung man allseitig anerkennt. Dieselbe tritt um so mehr hervor, als dem Wiedersehen der beiden befreundeten Monarchen der nochmalige Besuch des deutschen Kaisers beim König von Italien unmittelbar vorangegangen ist, während außerdem auch die Friedrichsruher Begegnung zwischen dem Grafen Kalnoky und dem Fürsten Bismarck dem Kaisertage von Innsbruck zur überaus wirksamen Folie dient. Mit Recht hebt denn auch das Wiener „Fremdenblatt" in einem längeren, diesen Fürsten- und Diplomatenbegegnungen gewidmeten Artikel hervor, daß dieselben nur dazu dienen könnten, die Friedenshoffnungen der Völker Europas auf's Neue zu stärken und zu festigen. Besonders bemerkenswerth ist bei diesen Ausführungen des Wiener Regierungsblattes der Hinweis auf den Gegenbesuch des Czaren in Berlin, der dem „Fremdenblatt" zufolge den Ministerbesprechungen von Friedrichsruh offenbar zum Untergründe gedient hat und darf man jedenfalls nunmehr annehmen, daß die Politik des Czaren in Bezug auf die Balkanfragen mit derjenigen des Dreibundes mehr und mehr harmoniren wird. Gestatten schon all' diese Vorgänge den brechtigten Schluß auf eine gedeihliche Weiterentwickelung der gegenwärtigen allgemein poltischen Verhältnisse Europas, so erfahren die allseitig auf's Neue geweckten Friedens- Hoffnungen noch eine weitere Kräftigung durch die jüngste große politische Banketrede Lord Salisburys, in welcher der Feuilleton. Uolksschullehrec und Gbstbaunijucht. (Nachdruck verboten.) Wie so Mancher wird bei dem Lesen der vorstehenden Ueberschrist achselzuckend lächeln und von utopischen Ideen, Schwärmereien und dergleichen sprechen. Aber nur gemach! Erst alles lesen, dann prüfen, sorgsam prüfen und dann urtheilen! Vielleicht finden doch so Manche in Nachstehendem ein gutes Körnchen, das als Samen herrliche Früchte zeitigt. Es ist zwar schon häufig und viel über Obstbaumzncht geschrieben worden, daß es nicht leicht fällt, etwas wirklich Neues auf diesem Gebiete zu bringen. Wir wollen aber hier keine Pomvlogie treiben, sondern nur auf eine Nutzanwendung und auf ein Erwecken von Liebe dazu Hinweisen. Die Obstbaumzucht umfaßt alles, was zur Erziehung, Vermehrung und Veredelung der Obstbäume, zur Anlage von Obstbaumgärten, Obstplantagen, Obstalleen, zur Ernte und Aufbewahrung des Obstes :c. gehört, und bildet demnach einen der allerwichtigsten Zweige unserer Lanl wirthschaft. Es bedarf wohl kaum weiterer Auseinandersetzung, daß dem Obstzüchter zunächst eine sorgfältige Auswahl und Bearbeitung des für die Obsteultur bestimmten Bodens und Berücksichtigung der Lage obliegt, wie nicht minder eine umsichtige Wahl der Obstarten und Sorten nöthig ist, da das Gedeihen des Obstes durch das locale Klima und durch sonstige Verhältnisse der Oertlichkeit bedingt ist. In Mitteleuropa unterscheiden wir vier Haupt-Obstregionen, nämlich die des Weines, des Weizens, des Roggens und des Hafers. Wo daher der Wein im Großen gebaut werden kann, dort gedeihen alle Arten von Obst, selbst die feinsten Sorten. In der Weizenregion ist es überall möglich, Aprikosen und Pfirfiche zu ziehen. Selbstverständlich tragen hier auch alle übrigen Obstarten, mit Ausnahme der Maronen (Kastanien), welche hier nur selten genießbare Früchte liefern. In der Region des Roggens wird die Obstbaumzucht häufig durch starke Nachtfröste während der Blüthezeit erschwert und Aprikosen und Pfirsiche halten hier meist nur in ganz geschützten Lagen aus. Dasselbe gilt von feinen Wein- und Pfiaumensorten. Doch gedeihen noch viele Kernobst-, wie auch die meisten Pflaumen- und Kirschensorten. Dahingegen ist endlich die Haferregion, d. h. die der hohen Gebirge und die der hochnordischen Länder, wo der Roggen nicht mehr fortkommt, der Obstbaumzucht am allerwenigsten günstig. Hier ist dieselbe, weil sie nur in sichersten Lagen und auf dem besten Boden betrieben werden kann, auf ganz wenige Arten von Birnen, Aepfeln, Süßkirschen und Beerenfrüchten beschränkt. In den höher gelegenen Theilen des sächsischen Erzgebirges gedeiht nicht einmal mehr die ordinärste Aepjelsorte — der Holzapfel. Als geeignetster Boden für die Obstbaumzuchr gilt im Allgemeinen ein schweres, womöglich mergelhaltiges, tiefgründiges und recht gleichartiges Erdreich, auf dem Weizen, Luzerne und Klee gedeihen. Der Boden kann mit Steinen vermengt, darf aber nicht naß oder torfig sein. Dagegen kann nasses Erdreich durch gute Drainage in ein der Obstbaumzucht günstiges verwandelt werden. Auf reinem Mooroder Torfboden aber gedeiht kein Obstbaum. Hier kümmert jede Obstsorte, trägt schlechte Früchte und geht langsam ein. Eine Hauptbedingung des Gedeihens aller Obstbäume ist ein ausreichender Abstand derselben, um ihnen Raum zur Ausbreitung und der Luft und dem Lichte allseitigen Zutritt zu sichern, denn viele Krankheiten und Jnsektenschäden werden, wie bei den Holzarten überhaupt, durch einen gedrängten Stand veranlaßt. Der Abstand der einzelnen Bäume soll bei den Aepfeln 14—16 Meter, bei Birnen 12—14 Meter, bei Kirschen und Pflaumen 8—10 Meter, bei Kastanien und Wallnüffen mit sehr umfassender und tiefschattiger Krone 20 bis 30 Meter betragen. Eine Hauptregel beim Verpflanzen ist, daß kein Baum tiefer eingesetzt werden darf, als er vorher gestanden hat. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist der Schnitt der Obstbäume, welcher zunächst den Zweck hat, eine schöne Baumenglische Premierminister am Schlüsse die bestimmte Versicherung aussprach, daß die Friedensaussichten zur Zeit die denkbar besten wären und daß der politische Barometer deutlich in der Richtung des Friedens steige- hoffentlich wird derselbe aus „Beständig" bleiben. Der Staatssecretär Graf Herbert Bismarck ist am Sonntag Abend in Friedrichsruh eingetroffen; vermuthlich hat er dem Reichskanzler eingehenden Bericht über die politischen Ergebnisse der Kaiserreise nach Monza, Athen und Constantinopel und ebenso über die Resultate der Unterredungen, welche Graf Bismarck mit den leitenden Persönlichkeiten in Pest und Wien gepflogen, erstattet. In Frankreich hat es noch unmittelbar vor der am Dienstag erfolgten Eröffnung der neuen Parlamentssession eine kleine Ministercrisis gegeben. Der Marineminister Krantz reichte wegen Streitigkeiten mit dem Staatssecretär der Colonien Etienne seine Entlassung ein und ließ er sich auch nicht bewegen, sein Demissionsgesuch zurückzunehmen. Indessen gelang es rasch, durch Ernennung des Senators Barbey zum Marineminister Ersatz für Herrn Krantz zu beschaffen und so konnte denn das Ministerium Tirard am Dienstag vollständig vor der neuen Kammer erscheinen. Am Vorabend der Kammer-Er Öffnung fand eine Versammlung republikanischer Abgeordneter aller Parteien im Sitzungsgebäude der Deputirtenkammer behufs Verständigung über die Präsidentenwahl statt. Es waren gegen 300 Personen anwesend und erklärten sich 174 Stimmen für Floquet, 64 Stimmen für Brisson als ersten Kammerpräsidenten und demgemäß wird wohl auch Floquet (radical) zum Presidenten gewählt werden. In Italien sind am Sonntag die einen politischen Anstrich tragenden administrativen Wahlen vorgenommen worden. Soweit bekannt, nahmen dieselben in den größeren Städten überall einen vollständig ruhigen Verlauf, obwohl die Be- theiligung an dem Wahlacte fast allerorten eine starke war. Speciellere Nachrichten über den Wahlansfall liegen indessen noch nicht vor. — In Rom kam es am Montag zu einer anarchistischen Demonstration; 17 Demonstranten wurden verhaftet. Deutscher Reichstag. 13. Plenarsitzung. Dienstag den 12. November 1889, 1 Uhr. Haus und Tribünen sind spärlich besetzt. Am Bundesrathstische: Dr. v. Boetticher, v. Oehl- sch l ä g e r, Dr. v. Rottenburg u. A. kröne zu bilden, später die fruchttragenden Zweige zu vermehren, sie gleichmäßiger zu vertheilen und größere und schmackhaftere Früchte zu erzielen. Durch den Schnitt lassen sich auch durch allzu reiches Tragen entkräftete Bäume wieder stärken. Am besten ist es jedoch, daß man das Beschneiden der Bäume von kundiger Hand vornehmen läßt, da der Laie leicht sehr viel Schaden anrichten kann. Wenn nun auch alle Sachkenner darin übereinstimmen, daß in einigen Theilen unseres deutschen Vaterlandes, in Böhmen, Mähren und anderen Ländern der Obstbau rüstig und geschickt betrieben wird, so geschieht dies doch noch lange nicht in allen dafür geeigneten Gegenden, obwohl er auch da mit verhältnißmäßig wenig Mühe und Kosten erstehen und eine Quelle von Wohlstand und Segen für Alt und Jung werden könnte. Ist und bleibt doch das Obst allen Altersstufen eine Labe, der Jugend ein Bedürfnis Die aber oft erwähnte Ueberproduction ist vollständig ausgeschlossen. Dagegen ist die Vermehrung des Baumbestandes sehr von Vortheil, d. h. also als Regulator des Naturhaushalts in Rücksicht auf Regen und Sonnenschein, Abhilfe der Wohmmgs- uoth für nützliche und willkommene Vögel, Verbesserung der Athemlnft, Zierden der Landschaften re. Daher sollten und könnten auf Landstraßen, Weiden, Rainen, öden Flächen und Abhängen, unter Berücksichtigung des Eingangs Gesagten, Millionen von Fruchtbäumen stehen. Demi Jahr für Jahr fallen ungezählte Massen durch Erweiterungen der Städte, Bau von Eisenbahnen, Straßen, industriellen Anlagen, durch Ueberschwemmungen, Frostschäden und Altersschwäche. Daß aber das erbaute Obst unseres Continents den Bedarf schlechterdings nicht zu decken vermag, geht schon daraus hervor, daß Amerika schon seit geraumer Zeit unsere Märkte mit Dürr ob st versehen muß. Wie viele Millionen Mark werden allein schon dadurch dem Vaterlande entzogen. Was aber von dem Früchteertrag nicht roh, gekocht und getrocknet verzehrt wird, könnte so trefflich dienen, ein wohlfeiles und gesundes Volksgetränk zu schaffen. Wäre dies nicht ein praktisches Mittel, dem verderblichen Schnapsgenuß einen festen Damm zu setzen? — Wie aber ist der Liebe zur Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: Zweite Berathung des Etats. Beim Etat des Reichstages fragt der Abg. Broemel (bfr.), ob es nicht angängig sei, im Reichstage einen Markenverkauf und eine Briefabholungsstelle der Berliner Packetfahrt-Gesellschast einzurichten. Abg. Dr. Buhl (natl.): Es wird Aufgabe des Vorstandes sein, diese Anregung näheck zu erwägen. Abg. Dr. Meyer- Halle (bfr.) fragt, ob die vom Reichstage gekauften Bücher von Mitgliedern des Buchhändler- Ringes oder von solchen Buchhändlern gekauft werden, welche den höchsten Rabatt bewilligen- er wünscht, daß bei letzteren gekauft werde. Der Etat des Reichstages wird bewilligt. Beim Etat des „Reichskanzlers und der Reichskanzlei" wünscht Abg. Richter (bfr.) Auskunst über die Lage der Vorerörterungen über bas Kaiser-Wilhclm-Denkmal. Es müsse barem festgehalten werben, baß bas Denkmal nicht etwa von einem späteren Herrscher dem Kaiser Wilhelm I. errichtet werbe, sonbern baß es ein Denkmal sei, welches bas Volk bem Begründer der deutschen Einheit errichte. Entgegen den gemeinsamen Anschauungen im Reichstage und bei den verbündeten Regierungen ist nun von Sr. Majestät dem Kaiser eine Aeußerung gethan, wonach nur die Schloßfreiheit für die Errichtung des Denkmals in Betracht kommen könne. Redner wünscht Auskunft über die Stellung der Regierung bezüglich der Platzfrage. Staatssccretär Dr. v. B 0 e11icher: Eine Entscheidung über die Platzfrage ist bisher nicht getroffen; sie ist ja auch verschiedener Deutung fähig. Ich denke mir die Sache so, daß dem Reichstage eine Vorlage im Auftrage Sr. Majestät gemacht wird und daß dann der Reichstag über die Platzfrage zu entscheiden hat. Abg. Meyer-Halle wünscht auch die Aeußerungen der Jury über die Platzsrage kennen zu lernen. Abg. Dr. Böckel (Antisemit) bittet eine die Abzahlungsgeschäfte betreffende Petition dem Reichskanzler zur gesetzlichen Regelung der Angelegenheit zu überweisen, da diese Geschäfte nur darauf ausgehen, armen Leuten das Geld abzunehmen ; Redner führt an einer Reihe gerichtlich festgestellter Fälle aus, daß diese Geschäfte auf unsolidem Grunde beruhen. Die meisten dieser Geschäfte seien im Besitz von Juden. In Berlin habe sich vor Kurzem das erste christliche Abzahlungsgeschäft etablirt; aber schon nach wenigen Tagen war es von einem Juden angekaust, der das „christliche" Abzahlungsgeschäft fortsetzt. '(Heiterkeit.) Staatssecretär Dr. v. B oet tich er: Auf ein Rundschreiben an die Einzelregierungen in Angelegenheiten der Abzahlungsgeschäfte sind die Antworten kürzlich eingegangen. Die Behandlung der Sache ist keine leichte, doch wird es hoffentlich gelingen, den aussaugenden Geschäften einen Riegel vorzuschieben- allerdings gibt es viele Abzahlungsgeschäfte, die durchaus nützlich sind, z. B. die Rähmaschinen-Geschäfte- kleine Leute können eine Nähmaschine selten ganz mit einem Male bezahlen. Abg. Richter (bfr.) wünscht zu wissen, welche Stellung der Reichskanzler ber Forberung bes Herrn v. Bennigsen nach einem Reichsfinanzministerium gegenüber einnimmt. Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Eine Meinungsäußerung bes Kanzlers liegt nicht vor. Zu einer Entschließung in biefer Angelegenheit wäre eine Versasfiings- änberung unb bie Genehmigung bes Reichstags nöthig. Der Etat bes Reichskanzlers unb ber Reichskanzlei wirb genehmigt. Bei bem Etat bes „R e i ch s j n stiz am t s" regt ber Abg. Baumba ch-Berlin (bfr.) bie Frage an, in welcher Weise bie weitere Behanblung bes bentschen bürgerlichen Gesetzbuches von ben tierbünbeten Regierungen geplant sei. Die Kritik bes Gesetzbuchs sei vielfach eine recht abfällige. Am Pflege bes Obstbaues aufzuhelfen? Meist erlahmt das Thun unb Schaffen bes Einzelnen, wenn es überhaupt begonnen, weil es an gemeinsamem Wirken fehlt, ohne welches freilich selten etwas Rechtes zu Stande kommt. Klagen hierüber, sowie über bie Schwierigkeit, reifgeworbene Früchte vor bie- bischen Hänben zu schützen, werben denn auch in ber Regel von ben Lanbbesitzern ben Mahnungen zur Anpflanzung entgegengebracht. Leiber ist es wahr, baß Zuchtlosigkeit, unb zwar aus vielen Grünben, unter bem jungen Volke zugenommen hat. Einer ber Gründe ist aber eben der, daß bei ber Seltenheit unb ben hohen Preisen bes Obstes ärmere Kinder ihm gegenüber in eine Tantaluslage versetzt werden. Erinnern wir uns nur unserer eigenen Jugend. Wer hätte wohl nicht damals den rothwangigen Aepseln des Nachbars, die so verlockend am Baume hingen, verlangende Blicke zugeworfen und welcher Knabe hätte nicht in die reifenden Birnenbäume fremder Besitzer einen Steinwurf riskirt. Gäbe es aber mehr Obst, so würde der Jugend ein billiger Autheil daran zufallen, die Bewachung der Bäume erleichtert und ihre Ausplünderung vermindert werden. Ganz besonders find nun, diese Mißzustände abzuhelfen, die Volksschullehrer berufen. Wohl wissen wir, daß sie viel, sehr viel, alles bewirken sollen, aber auch heute treten wir wieder mit der Bitte an sie, mitzuhelfen an einem Werke zur Beförderung des Volkswohles. Gerade der Lehrer, zumal wenn ihm ein Schulgarten, und fei dieser auch noch so klein, zur Verfügung steht, hat die schönste Gelegenheit, bei dieser Sache erzieherisch zu Werke zu gehen — wenn er ben kindlichen Naturtrieb ber Obstliebe als Stämmchen benutzt, um ein Ebelreis barauf zu pfropfen, aus welchem zunächst Achtung fremben Eigenthums unb Werktätige Liebe für Baum unb Strauch erwächst. Also bran an's Werk, verehrte Herren Lehrer, namentlich auf bem Lanbe, auch bie Liebe ber Kinber zu Ihnen selbst wirb burch Ihre Mithilfe bei biefer Sache kräftige Keime bekommen! Egon W. besten bürste es sein, wenn man ben zwischen Romanisten unb Germanisten ausgebrochenen Streit zunächst zu Enbe kommen läßt unb bann erst bie weitere Behandlung des bürgerlichen Gesetzbuchs fortsetzt. Staatssecretär v. Oehlschläger: Um den Streit zwischen Romanisten und Germanisten werden bie üerbünbeten Regierungen sich nicht kümmern, vielmehr'bie Sache möglichst beschleunigen. Das allgemeine Lanbrecht brauchte von seiner Fertigstellung bis zur Veröffentlichung 45 Jahre, bas österreichische Gesetzbuch 58 Jahre. Ein Enbtermin für unser bürgerliches Gesetzbuch läßt sich nicht angeben, boch sinb noch einige Nebengcsctze, Grunbbuch-Orbnung unb Subhastations- orbnung sertigzustellen. Aus ben Kritiken ergibt sich bie erfreuliche Erscheinung, daß das beutsche Volk lebhaften Anteil nimmt an bem Zustanbekommcii bes Gesetzes. Alle Kritiken werben gewissenhaft geprüft, banach werben bie weiteren Entschließungen gefaßt. Abg. Veiel (nl.) hätte zwar gewünscht, baß nach zehnjähriger Thätigkeit bie Angelegenheit des bürgerlichen Gesetzbuchs weiter entwickelt wäre, immerhin aber sei anzuerkennen, baß bie Commission eine Arbeit geschaffen habe, auf ber sich weiterbauen lasse. Der Etat bes Reichsjustizamts wirb bewilligt. Beim Etat bes „R e i ch s a m t s bes Innern" bringt Abg. Lingens (Ctr.) bie Frage ber Berichte ber Fabrik- Jnspectoren zur Sprache- er verlangt bie Mittheilung ber Originalberichte statt ber bisher vorgelegten Auszüge, weil ich aus biegen bie Meinung ber Fabrik-Jnspectoren über manche wichtige Punkte,' so namentlich über bie Sonntagsruhe, nicht immer beutlich erkennen ließe. Abg. Frohme (Soc.) führt aus, daß bie Arbeiter- bewegung unb namentlich bie Strickes nichts zu thnn haben mit umstürzlerischen Bestrebungen - entgegenstehenbe Meinungsäußerungen ber Fabrikinspectoren seien unzutreffenb - ebenso bereu Lobpreisung ber Accordlöhne - bie Arbeiter sind diesem Stücklohnsystem abgeneigt. Redner wünscht ebenfalls unverkürzte Wiedergabe des Berichts ber Fabrik-Jnspectoren. Staatssecretär Dr. v. Boe11icher: Der Reichstag selbst hat sich für bie kürzere Form ber Berichte ausgesprochen- zugleich werben bie Berichte vollstänbig für bas preußische Abgeordnetenhaus abgebrueft unb enblich liegen bie Berichte im Original in ber Bibliothek bes Hauses aus. Ich muß also abwarten, ob bas Haus seinen früheren Entschluß ändern will. Entschieden zurückzuweisen sei die Behauptung, daß bie Fabrik-Jnspectoren einseitig bie Interessen ber Arbeitgeber vertreten. Für später sei ein befonberer Qnalifications- nachweis für bie Fabrik-Jnspectoren in Aussicht genommen. Abg. Dr. v. Frege (cons.) nimmt bie sächsischen Fabrik- Jnspectoren in Schutz gegen Frohmes Angriffe. Die Jn- spectoren genießen bas volle Vertrauen ber Arbeiter wie ber Arbeitgeber unb es sei nur zu wünschen, baß ber Verhetzung ber Arbeiter burch gewissenlose Preßorgane entgegengetreten werbe. Hierauf vertagt sich bas Haus. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. — Tagesordnung: Jnitiativ-Anträge. Schluß 5 Uhr. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Breslau, 12. November. Die Viehsperre auf bem hiesigen Schlachtviehmarkte ist seitens bes Polizeipräsidenten vom 11. b. M. ab aufgehoben. Dresden, 12. November. Die zweiteKammer wählte mit Acclamation Haberkorn (Zittau), Oberbürgermeister Streit (Zwickau) unb Hanbelskammerpräsibent Georgi (Plauen) wie- ber in bas Präsibinm. Als Schriftführer würben Speck unb Ahnert einstimmig wiebergewählt. Die stellvertretenbcn Schriftführer sind Möbius unb Hartwig. Paris, 12. November. Eine Proclamation bes Cen- tral-Boulangisten-Comites räth ben Parisern an, sich jeber Kunbgebung bis zur Gültigkeitserklärung von Joffrins Wahl zu enthalten. Die boulangistischen Journale rathen gleichfalls von allen Kunbgebungen ab. Es wirb behauptet, einige Parteiführer seien für eine sofortige Kunbgebung, um ben Schritt ber Delegirten von Montmartre zu unterstützen, welche bem Kammerpräsibenten einen Protest gegen Joffrins Wahl überreichen werben. — Die Abreise Boulangers von Jersey wirb bementirt. Paris, 12. November. Boulanger erließ von Jersey einen Aufruf an bie französische Nation, in welchem er sagt, bie Revision habe keine Niederlage, sonbern nur einen Aufschub erlitten, ihr Sieg fei baburch nur mehr gesichert. Die nationale Partei werde ohne Unterlaß den Kampf für die Befestigung einer volkstümlichen Republik fortsetzen, welche Frankreich einer seiner Würde angemessene Stellung geben, zum Frieden führen und dem Lande bie absolute Untauglichkeit bes Parlamentarismus zeigen werbe. Paris, 12. November. Die Minister beschlossen, bis zur Beenbigung ber Wahlprüfungen im Amte zu bleiben. — Auf bem Concorbia-Platze sinb umfaffenbe Vorsichtsmaßregeln zur Aufrechterhaltung ber Orbnung getroffen. Zahlreiche Sicherheitsagenten sinb auf bem Platze, in ben benachbarten Kasernen sinb bie Truppen confignirt. Man glaubt, bie Bou- langiften werben, ba bas Publikum bezüglich ber geplanten Manifestation sich sehr gleichgültig zeigt, bieselbe überhaupt unterlassen. Paris, 12. November. Nachmittags um zwei Uhr bewegte sich eine zahlreiche Menschenmenge, bie boulangistischen Deputirten Deroulebe, Laisant, Pauly, Mecy, Castelin, Menorval, Mermeix unb Anbere an ber Spitze, über ben Concorbienplatz. Die Polizei ließ nur bie Deputirten passiren unb zerstreute bas Gefolge. Eine Abteilung ber Garbes bu Corps zu Pferbe verhinberte Massenansammlungen auf bem Platz, unb an ben Zugängen würbe bie Menge burch. einen Polizeicorbon zurückgehalten. Die Ankunft Joffrins unb anberer boulangiftischer Deputirter ging ohne Zwischenfall vorüber. — Fünf Delegirte bes Wahlbezirks Montmartre fanben sich in Begleitung von boulangistischen Deputirten Nachmittags im Palais Bourbon ein, um Protest gegen bie Wahl Joffrins zu überreichen. Der Kammerpräsibent entsanbte zwei Secretäre, ben Protest entgegenzunehmen unb benselben ber Quästur zu übermitteln. Die mit ber persönlichen Überreichung bes Protestes beab- ichtigte Kunbgebung war bamit erlebigt. Paris, 12. November. Deputirtenkämmer. Der Alterspräsibent Pierre Blanc eröffnete bie Sitzung mit einer Ansprache, in welcher er conftatirte, baß bie Republik nunmehr zum fünften Male über ben Angriff ihrer üerbünbeten Feinbe triumphirt habe. Die Kammer müsse ber Wieberkehr schmerzlicher Prüfungen begegnen, inbem sie bie Unzufriebenheit beseitige, welche solche Prüfungen veranlaßte. Er hoffe, bie Kammer werbe nicht wieber in früher begangene Fehler verfallen unb ausreizenbe Streitigkeiten, sowie unfruchtbare Dis- cussionen vermeiben. Blanc erinnerte ferner an ben Erfolg der Ausstellung, welche Frankreich bei allen Nationen zum Ruhme gereiche unb fügte hinzu: „An uns ist es jetzt, Frankreich glücklich zu machen, inbem wir ihm Ruhe, Arbeit, wirtschaftliche Sparsamkeit unb sociale Gerechtigkeit geben." Hierauf begann bie Abstimmung zur Wahl eines provisorischen Präsibenten. Die Volksmenge, bie auf dem Concorbienplatze angesammelt war, hat sich erheblich verminbert. Paris, 12. November. Unter ben Personen, welche am Kammerausgange verhaftet würben, befinben sich außer Dsroulebe bie boulangistsfchen Deputirten Le Herisse, Bandeau, Redacteur Foussin vom „Drapeau". Dieselben waren um 7% Uhr Abends noch in Haft unb werben voraussichtlich noch Abenbs entlassen. Die Verhaftungen sind lediglich erfolgt wegen Weigerung, den Anordnungen der Polizei nachzukommen, welche beauftragt war, jede Ansammlung von Gruppen zu verhindern. London, 12. November. Aus Poonah (Indien) wird von gestern gemeldet, daß, als Prinz Albert Victor Nachmittags eine Anhöhe bei Poonah besuchte, sein Elephant zu Fall kam. Der Prinz blieb unverletzt. Als der Prinz später nach dem Regierungsgebäude zurückkehrte, scheuten die Pferde. Der Prinz blieb auch hierbei unverletzt. Abends war die Stabt glänzenb erleuchtet. Venedig, 12. November. Die Spitzen ber Behörden, Vereine unb Musikcvrps sinb auf 10 Dampfern zur Begrüßung bes bentschen Kaiser paar es um 10% Uhr nach Mala Mocco gefahren. Venedig, 12. November. Der Kaiser unb bie Kaiserin wurden bei ihrer Ankunft im Hafen von Mala Mocco von ben stäbtischen Behörden empfangen und von einer zahlreichen Volksmenge enthusiastisch begrüßt. Die Musik-Corps spielten die preußische Nationalhymne. Das Kaiserpaar grüßte bankend von der Brücke des „Hohenzollern" unb fuhr weiter nach Venebig, gefolgt von Dampfern mit ben Behörden unb Vereinen. Um 12% Uhr langte ber „Hohenzollern" unter Geschützsalut im Hafen von San Marco an, von zahllosen Gonbeln umschwärmt unb jubelnb begrüßt. Der Kaiser fährt um 4 Uhr nach Monza weiter. Die Behörben in geschmückten Gonbeln geleiten ihn bis zum Bahnhose. Die Kaiserin bleibt an Borb bes „Hohenzollern". Venedig, 12. November. Das Kaiserpaar und Prinz, Heinrich von Preußen bestiegen um 3 Uhr 10 Min. mit den Spitzen ber Behörben bie Munizipalitätsbarke, unter bem stürmischen Jubel einer zahllosen Menge, bie in Gondeln mitfuhr. Die Majestäten fuhren, gefolgt von einem imposanten Zuge prachtvoll geschmückter Gondeln und Barken unter ununterbrochenen enthusiastischen Zurufen ber Bevölkerung, ben großen Canal hinauf zum Bahnhofe. Dort gab ber Kaiser ben Vertretern der Behörden bei der Verabschiedung bie Hanb unb ersuchte ben Synbicus, ber Bevölkerung für bie herzlichen, enthusiastischen Kunbgebungen zu banken. Der kaiserliche Zug fuhr Punkt vier nach Monza ab. — Die Kaiserin kehrte nach der Yacht „Hohenzollern" zurück, sie reift morgen Abend nach Verona. Monza, 12. November. Der beutsche Kaiser traf um 9 Uhr 45 Min. hier ein unb mürbe von bem König, bem Kronprinzen unb ben Spitzen ber Behörben am Bahnhofe empfangen - bie Monarchen umarmten sich in herzlicher Weise. Die Stabt ist prächtig illuminirt- der Kaiser wurde enthusiastisch begrüßt. Abends fand Familiendiner statt. Luxemburg, 12. November. Heute früh entgleiste der Luxemburg-Oettinger Zug. Ein Bremser wurde getöbtet, zwei schwer verwunbet. Newyork, 12. November. Der erste Spatenstich zu bem Baue bes Canals von Nicaragua erfolgte feierlich am 22. October in San Juan bet Norte. Washington, 12. November. Präsibent Harrison erklärte burch Proclamation das Territorium Washington zum Staat. , Zanzibar, 12. November. Die von Hauptmann W t firn a n n in bie Küstenlanbschaften Useguha und Usambara entsandten Streifcorps der deutschen Schutztruppen haben ein befestigtes Lager der aufständischen Araber erstürmt und die feindlichen Banden zersprengt. Die Beruhigung der genannten Küstenlanbschaften nimmt einen günstigen Verlaus. Darmstadt, 13. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog wirb heute Nachmittag zum Besuche bes Fürsten Leiningen nach Amorbach reisen. Locales und Provinzielles. Gießen, 13. November. m. Theater. Cyprienne, Lustspiel in 3 Acten von V. Sarbon. Die Cyprienne ist zu einer Zeit entstauben, als bie Frage, bie ber Dichter in ihr behanbelt, auch nach ber practischen Seite hin ganz Frankreich auf bas Allerlebhafteste interessierte. Sarbou beschäftigt sich in seinem Lustspiel mit ber Lösbarkeit ber Ehe, einem Problem, mit bem sich um bie Zeit bes Entstehens seiner Dichtung auch bie französische Mais zr„, !“ überre d0" ? ftl'5*** !-«*LL S**S< ®et ble™ÄWtt e'ncr 1 ®icberUbr;2'Clnbe Öle ]1h)1 - )wtl: «6t=. ” Wt i *« Le; s*io(3 '«»«Ä’T .5um Ml6e», L?LL . Wen waren iftunn tl,-eorQ"5^t- "^ngen (mb lediM Fs1«wU öc Ansammlung Albe» Victor Nach- ,e'n Elephant zu 315 der Prinz fpäter Reuten die Pftrde. P. Abends mar die Sitzen der Behörden, 0 Dammern zur Beßres um 10i/2 Uhr Kaiser und die Kai- ?asen von Mala Mocco en und von einer zahlet. Die Musik-Corps Das Kaiserpaar grüsite illern" und fuhr weiter mit den Behöroen und ■ „Hohenzollern" unter irco an, von zahi/o/en rü§t. Der Kaiser fährt Behörden in geschmück- lhnhose. Die Kaiserin .iserpaar uud Pmz i 3 Uhr 10 Min. mit ilitätsbarke, unter dem je, die in Gondeln mit; von einem imposanten d Barken unter ununter- Zevölkerung, den großen gab der Kaiser den Ser- .schiedung die H-«d ruttg für die Wtn' fen. Der k-iserlche Zug Die Kaiseri" kehrtei mch sie reis' morgen Abend deutsche Kaiser traf «rde non dem M), ee Jehärden am 2* ,roten sich i-' E „irt; der Sailer wurde m Washt"" - v°" :auha t^en ein und die ArM e bcr F einen b , G'-i-»' . jcteii * Lu'^'aeit'"-"^^ der einer 3 “ 4 chtung0lw flammet befaßte. Aber während diese ihren Entscheid in liberalem Sinne abgab, stellte sich der Dichter die Ausgabe, an einem speciellen Falle zu erweisen, zu was für unseligen Consequenzen, zu welch leichtfertiger Anschauung und Behandlung der Ehe die Möglichkeit, das Eheband jeder Zeit lösen zu können, führen müsse. Er zeichnet eine romantisch angelegte, mit dem Ernste des Lebens völlig fremde, liebedurfnge Frau, die, weil sie ihren Gatten und seinen Werth nicht kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hat, sich verleiten läßt, einem Liebhaber mit bestechenden Acußerlichkeiten, aber ödem Herzen, Hoffnungen zu machen und den Gatten wegwersen zu wollen, wie „ein welkes Bouquet". Aber es ist sa alles nur Spiel; phantastische Träumereien sind es, denen Cyprienne unbesonnen nachgiebt. Sowie ihr Garte auf ihre Pläne eingeht und sich anschickt in Thaten umzusetzen, was der seltsamen Schwärmerin in nebliger Ferne vorgeschwebt und sich da wunderschön gemacht hat, da ist es bereits nicht mehr nöthig, daß sie ihren Mann zu schätzen und achten, und den andern verächtlich zu sinden lernt, um zur Erkennrnitz ihres Fehltrittes zu gelangen. Man ersieht, daß auf die Darstellung der Cyprienne eben alles ankommt. Mit ihr steht und fällt das Stück. Ohne jedes „Wenn" und „Aber" wird man das Spiel der Frau Director Reiners, durch deren Mitwirkung die Aufführung fast den Anstrich einer Festvorstellung bekommen hatte, eine meisterliche nennen. Unsere Erwartungen waren gewiß hochgespannte, aber sie wurden womöglich noch weit überholt. „Nichts verlernt und nichts vergessen" hat Frau Anni Reiners von ihrer großen Kunst, sie ist nach kaum überstandener schwerer Krankheit ganz die entzückende Künstlerin vom vorigen Winter, die, wie es nur Wenigen beschieden ist, die Gaben besitzt, alle Herzen im Fluge zu erobern. Ganz reizend war ihre Wiedergabe der irregeleiteten und dabei doch herzensguten, kindlich-unschuldigen und reinen Frau, die gar keine Ahnung von der Tragweite ihres Beginnens hat, sich nicht der mindesten Schuld bei ihrem unseligen Vorgehen bewußt ist und sich in der lieblichsten Naivität von ihrem Gatten düpieren läßt. Unvergleichlich schön und ergreifend war dann ihr Schmerz über dessen scheinbare Gleichgültigkeit und ihre Rücksprache zu ihm. Einer Partnerin, wie Frau Anni Reiners, gegenüber haben die übrigen Darsteller einen schweren Stand, müssm sie alle Kraft, die Lust und auch den Schmerz, zusammennehmen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen mehr oder weniger unvortheilhafl abzustechcn. Zunächst kommt in dieser Beziehung Herr v. Gallas in Betracht. Wir können ihm das Zeugniß geben, daß er seiner Aufgabe vollauf gerecht wurde. Er wußte ein treffendes und sympathisches Bild des Herrn von Prunelles zu geben. Sein Spiel war durchaus wahr und interessant. Nicht dasselbe Zeugniß können wir Herrn Albert Ullrich als Adhemar v. Gratiguan ertheilen. Er machte den unglückseligen Liebhaber, der nach dem Stücke schlimmstens ein Geck ist, zu einem entsetzlich albernen, lächerlichen Gesellen. Nun ist aber doch die Grundbedingung des Lustspiels die, daß Cyprienne Adhemar zu lieben sich cinbildet. Wie sehr müßte sie in unseren Augen eine so blinde Sympathie schädigen! Abgesehen davon, darf Herr Ullrich immer noch mehr Lebendigkeit entwickeln. Fräulein Pauli als Josepha war recht nett. Herr Frank spielte den Bastian. Hebei' die übrigen Rollen ist wegen ihres verschwindend kleinen Umfangs nichts zu sagen. Das völlig ausverkaufte Haus spricht für sich und enthebt uns fast der Bitte, die Dircction möge die Cyprienne bald wiederholen. Gewiß war heute der Wunsch, Frau Ann? Reiners nach so langer Zeit zu begrüßen und wieder zu sehen, für die meisten in erster Linie maßgebend. Aber wir sind fest überzeugt, daß das interessante und geistreiche Lustspiel in so befriedigender Besetzung und bei solch meisterhafter Wiedergabe der Titelrolle wie gestern, vielen auch zum zweiten Mal erwünscht sein wird. Wie dem „Gießener Anzeiger" aus dem Theaterburean mitgetheilt wird, gedenkt Fran Reiners schon nächsten Freitag wieder in einem Lustspiel feineren Genres („Mit dem Strom") aufzntrctcn. Ruppertenrod, 10. November. Bon hier wird den „N. Hess. Volksbl." geschrieben: Vor einigen Wochen starb der seitherige Inhaber der hiesigen Polizei di en er stelle. Derselbe bezog aus der Gemcindekasse neben freier Uniform einen Jahresgehalt von 145 Mk. Nach der alsbald nach der Vacanz stattgchabtcn ortsüblichen Bekanntmachung zur Wettbewerbung um diese Stelle meldeten sich vier hiesige Einwohner. Der Gemeindcrath konnte sich nicht entschließen, einen oder den anderen Bewerber als den geeignetsten in Vorschlag zu bringen, da einmal jeder derselben als gleich tüchtig und brauchbar gelten mochte, das anderemal aber auch kein Gemeinderathsmitglied es sich durch seine Stimmabgabe bei Einem oder dem Anderen verderben wollte, und so wurde beschloffen, die Polizeidienerstelle an den Wenigstnchmenden zu versteigern. Die Versteigerung fand statt, an welcher sich jedoch nur zwei der erstgenannten vier Bewerber bcthciligren und das Resultat war, daß einem derselben die Stelle mit 3 0 Mark Jahresgehalt und 25 Mark Vergütung für Uni form zugeschlagen wurde. Ob die Verwaltungsbehörde, das Großh. Kreisamt Alsfeld, diesem ersteigerten Polizeidiener die gesetzliche Bestätigung verleihen wird, bleibt abzuwarten. Es darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß die Gemeinde Ruppertenrod vollständig schuldenfrei ist, ein ganz bedeutendes Gemeindevermögcn besitzt, aus fast lauter wohlsittnrtcn Orts bürgern beucht und keine sogen. Ortsarmen hat. Vermischtes. Darmstadt, 12» November. Der Bericht des Ersten Ausschusses Zweiter Kammer über die Vorlage des Großh. Ministeriums der Finanzen, betreffend den Personal- Etat für die Nebenbahn Hungen-Laubach (mit Abzweigung nach der Friedrichshütte), erstattet von dem Abgeordneten Wolf stehl, lautet wie folgt: Der vorgelegtc Personal-Etat gibt hinsichtlich der in denselben aufgenommenen Stellen keinen Anlaß zur Beanstandung, indem die durch die Verhältnisse gebotene Sparsamkeit hierbei genügend beobachtet erscheint. Er weist auf: einen Statiousassistenten, zwei Bahnwärter, worunter ein zugleich mit der Expedition betrauter, und an Zugpersonal je einen Locomotivführer, Heizer und Schaffner, welch letzterer gleichzeitig als Zugführer fungirt. Was dagegen die eingestellten Gehaltssätze anbelangt, so entsprechen theilweise dieselben nicht den zur Zeit für die Oberhefsifchen Haupt- beziehungsweise die beiden anderen Nebenbahnen bestehenden Personal-Etats, sondern sie sind demjenigen gleichgehalten, welcher von der Großh. Regierung vorgelegt, Seitens der Stände aber noch nicht genehmigt worden ist. Da es einerseits noch nicht feststeht, ob und bis zu welchem Zeitpunkt letztere Vorlage die landständische Zustimmung erhalten wird, andererseits aber jedenfalls Vorsorge getroffen werden muß, daß bei Fertigstellung der Nebenbahn Hungen-Laubach das zum Betriebe derselben erforderliche Personal zur Verfügung steht, so erscheint zwar die Genehmigung der hier behandelten Vorlage, jedoch unter einer der Sachlage entsprechenden Beschränkung geboten. Wir beantragen deshalb: Die Kammer wolle den von Großh. Regierung für die Nebenbahn Hungen-Laubach (mit Abzweigung nach der Friedrichshütte) vorgelegten Personal-Etat mit Wirkung vom Tage der Betriebseröffnung an und mit der Maßgabe, daß die infolge Anstellung des Beamtenpersonals zu verausgabenden Beträge aus den Betriebseinnahmen der gedachten Nebenbahn gedeckt werden, sowie ferner unter der Beschränkung die Zustimmung ertheilen, daß bis zum Zustandekommen einer Vereinbarung über den dermalen den Ständen vorliegenden Personal-Etat für die Oberhessischen Eisenbahnen nur diejenigen Gehaltsätze vergeben werden können, welche den bei Verabschiedung des laufenden Staatsbudgets genehmigten Personal-Etats für die Nebenbahnen Nidda-Schotten und Stockheim-Gedern entsprechen. Frankfurt, 11. November. Wegen Belästigung des Publikums vor dem Standesamt wurden Ende verwichener Woche zwei Sarghändler verhaftet. Die Polizei duldet es nicht mehr, daß diese Leute sich vor dem Amte aufstellen und unbekümmert darum, ob ein Sterbefall vorliegt, den Leuten ihre Dienste anbieten. △ Kassel, 12. November. Eine dunkle That ist gestern an's Licht gekommen. Im Walde bei Sondershausen, unweit der hessisch-hannoverschen Grenze, wurde etwa dreißig Schritt vom Wege entfernt die noch vollständig erhaltene Leiche eines jungen Mannes aufgefunden. Mehrere Personen, die zufällig in jene Gegend kamen, entdeckten den schauerlichen Fund, der unter dem Laube des Waldes etwas verscharrt war, nur die Stiefeln guckten ein wenig hervor und fiihrten so die Entdeckung herbei. Die Leiche war auffallend gut gekleidet, aber in den Taschen des anscheinend einige zwanzig Jahre alten Mannes war auch nicht das Geringste zu finden, welches über die Persönlichkeit desselben hätte Aufschluß geben können, ebenso fehlte Uhr, Geldbörse, sowie auch jeder noch so geringe Werthgegenstand. Dagegen wies die Leiche die Spur eines im Rücken erhaltenen Stiches auf, auch zeigte der Kopf eine klaffende Wunde, welche von einem stumpfen Instrumente augenscheinlich herrührend, den Tod des Unbekannten herbeigeführt hat. Die Leiche hat schon mehrere Tage im Walde gelegen, denn theilweise Warschau Verwesung eingetreten. Nach dem Befunde scheint Raubmord vorzuliegen. Soweit bis jetzt ermittelt, ist die Persönlichkeit des Ermordeten in Stadt und Umgegend völlig unbekannt. Es ist auch gar nicht bekannt geworden, daß in hiesiger Gegend jemand vermißt würde. Eine Gerichts- commission war gestern bereits an Ort und Stelle und nahm den Thatbestand aus. Hoffentlich gelingt es der eingeleiteten Untersuchung bald, Licht in dieses grauenvolle Dunkel zu bringen. △ Aus dem Fürftenthum Waldeck, 12. November. Auf der Grube „Mart en berg" bei Adorf, ein Bergwerk, aus welchem seit Jahren mit Erfolg nach Eisenerzen gegraben wird, hat sich vorgestern beim Legen von Sprengminen zum Bloslegen des Gesteins ein entsetzlicher Unglücks fall zugetragcn. Der Schuß ging nämlich zu früh loö und tödtete von den in der Nähe befindlichen Bergleuten zwei auf der Steve. Beide hinterlassen zahlreiche Familie. Wie verlautet, ist das Unglück durch Fahrlässigkeit der Betheiligten entstanden. Dieselben sollen den Zündstoff direct und nicht durch Vermittlung einer Zündschnur angesteckt haben. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. Citeratur und Kunft — Billig und gut! Dieses geflügelte Wort kam uns in den Sinn angesichts des eben erschienenen ersten HestS der „Deut* scheu Romandibliothek" (Stuttgart, Deutsche VerlagS-Anstalt, derausgegeben von Josipd Kürschner, redigirt von O. Baisch), der mit Recht als bie bdllgrte, eleganteste und beste aller ähnlichen Unternehmungen bezeichnet werden dars. e>ie bietet Werke der ersten Vertreter der deutschen Romanliteralur, die mit kundiger Hand ausgewählt sind; und wir haben nur selten Romane gelesen, die gleich in ihren ersten Kapiteln den Leser so gefangen nehmen und so sehr den Eindruck des wahrhaft Bedeutenden machen wie die beiden, mit denen der neue Jahrgang der „Deutschen Romanbibliothek" eröffnet wird. Der erste von ihnen, „Die Spinne" von Hermann Heiderg, führt unS in das moderne Salonleben und zeigt uns innerhalb desselben namentlich drei Gestalten, die ohne Zweifel zu hervorragenden Rollen bestimmt sind: die schone, eigenwillige und dennoch auch vermöge ihrer inneren Eigenschanen unwiderstehliche Barbro von Semidoff, den jungen geistvollen Staatsanwalt Lucius und den reichen Lebemann Baron Tassilo. Wie sich die gegenseitigen Beziehungen dieser drei anziehenden Menschen gestalten werden, darauf weiß uns der liebenswürdige Verfasser mit seinem blendenden Erzählertalent im höchsten Grade gespannt zu machen. Diesem fesselnden Bild aus dem Privatleben der heutigen Gesellschaft tritt in »Bonn! eoit qni mal y penße“ von Walter Morgan ein zum Roman gestaltetes, überaus bemerkenswerlhes Stück jüngster Zeitgeschichte zur Seite, das uns von vornherein erkennen läßt, wie hier von einer Reihe von Vorgängen, die ihrem tieferen Wesen nach bisher im Verborgenen lagen, die Schleier gelüstet werden. Geschmackvoll sind auch die dem Hefte eingestreuten Gaben „Aus der neuen deutschen Lyrik" ausgewählt, nicht minder ist die Ausstattung bervorzuheben, die dadurch an Reiz und Eleganz gewonnen hat, daß jetzt jede Nummer in einem Umschlag erscheint, der mit ©eenen aus den im Erscheinen begriffenen Romanen geschmückt ist. Wer nach einer wirklich guten Lectüre sucht, der wird sie nirgends besser und bei dem überaus mäßigen Abonnementspreise von nur 2 Mk. vierteljährlich für 13 Wochennummern oder 35 Pfg. für jedes vierzehntägige Heft auch nirgends billiger als in der „Deutschen Romanbibliothek" finden._____________________________________________________________________ Die Bedeutung einer rationellen Ernährung wird täglich immer mehr anerkannt. Man weiß jetzt sehr wohl, daß eine große Anzahl Leiden durch schlechtes nicht gehörig zusammengesetztes Blut heroorgerufen wird, z B-: Blutarmuth, Bleichsucht, Scropheln, Hautausschläge etc. Hatte man in allen diesen Fällen Gerichte aus Franks Avenacia, das durch feine Leichtoerdau- ttchkeit, durch seinen Nährwerth, durch seine Haltbarkeit (auch bet größter Sommerhitze), als das erste und vornehmste Nährmittel der Neuzeit anerkannt und ärztlich als solches empfohlen wird, als tägliche Speise erwählt, Tausenden würden ihre Leiden erspart geblieben sein. Franks Avenacia ist zu 1.20 die Büchse erhältlich in Gießen bei Emil Fischbach und Karl Krombach. 6657 Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in Gießen. 45. Woche. Vom 3. November bis 9. November 1889. Einwohnerzahl: 19 001 (tncl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsztffer: 27.3 4/vo Kinder Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nack Gießen aebraebte Kranke kommen Es starben an : Zusammen: Erwachsene im 1. Lebensjahr: 2. vom —15.Jahr: Gehirnschlagfluß 1 1 — — Lungenentzündung 1 1 — — Entzündung der Bronchien 1 1 — — Organ. Herzkrankheit 1 (1) 1 (1) — — Krebs 1 (1) 1 (1) — — Lebensschwäche 1 1 — Masern 2 — — 2 Unbekannter Ursache, weil Todeszeugniß nicht vorlag 2 — — . —» Summa: 10 (2) 5 (2) 1 2 Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Bibel stunde heute Mittwoch den 13. Noobr-, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule, Philipper-Brief Kap. 2, von Vers 12 an, der Kreuzesweg des Gehorsams zum Schaffen der Seligkeit und des Kreuzesweges herrliches Ende. Pfarrer Dr. Naumann. Bekanntmachung.^ Im Genoffenschaftsregister unterzeichneten Gerichts wurde eingetragen, daß der NüddingShausener Spar- und DarlehenSkaffen- vereiu, eingetragene Genossenschaft zu Rüddingshausen, seiner Firma den Zusatz „mit unbeschränkter Haftpflicht" beigefügt hat. Zugleich wird bekannt gegeben, daß die Liste der Genoffen dieser Genoffenschaft ausgestellt ist. Hiernach werden alle in dieser Liste aufgeführten Personen, welche behaupten, daß sie am 1. October 1889 nicht Mitglieder der Genoffenschaft gewesen sind, oder daß ihr Ausscheiden nicht richtig in die Liste eingetragen ist, sowie die in derselben nicht ausgesührten Personen, welche behaupten, daß fie an dem bezeichneten Tage Mitglieder der Genossenschaft gewesen find, ausgesordert, ihren Widerspruch gegen die Liste bis zum Ablaus einer Ausschlußfrist von einem Monat schriftlich oder zum Protokoll des Gerichtsschreibers zu erklären, als sonst lediglich der Inhalt der Liste maßgebend ist für die Mitgliedschaft am 1. October 1889 und für das Ausscheiden in Folge vorher geschehener Aufkündigung oder Ausschließung, es sei denn, daß Jemand an der Erhebung des Widerspruchs ohne sein Verschulden tatsächlich verhindert gewesen ist, und binnen einem Monat nach Beseitigung des Hindernisses den Widerspruch schriftlich oder zum Protokoll des Gerichtsschreibers erklären würde. Großherzogliches Amtsgericht Homberg. 9187 Eichenholz-Verkauf. Montag den 18. Novbr., Vormittags 9 Uhr, kaffe» die Unterzeichneten folgende Hölzer öffentlich meistbietend versteigern: co. 100 Bahnfchwellen (Ausschuß), „ 100 Kanthölzer, 7/8 stk., „ 100 do. 8/13 stk, „ 100 Bohlen in div Dimensionen, „ 120 kantige Gartenpfosten, 2—2'/r m lg, „ 40 Rmtr. Brennholz. Heuchelheim, den 13. Novbr. 1889. oiqi J. Rinn XV. und 0. Löher. Verloren: ein graues silbernes Schlangen« Armband. Gegen Belohnung ab- zn-eben im 9204 BahnhofS'Siesiau,lra7. Ein Schreinergekekle auf dauernde Arbeit aesucht von [9177 Schreinermeister Weber, Krofdorf. 9180] Nachhilfestunden geg. mäß Honorar. Gefl. Offerten unter E. B. an die Erped. d. Bl. Zwangsversteigerung. Donnerstag den 14. d. MtS., Nachmittags 2 Uhr werden 1) Grünberger Straste 30: 1 Kleiderschrank, 1 Consolschränkchen, 2) in meinem Bureau um 2Vt Uhr: 2 Cassenschränke, 2 Schranke mit Silber- waaren und versilberten Bestecken, 1 Schmuckkästchen mit verschiedenen Gold- waaren, 2 Taschenuhren, darunter eine goldene, 2 Tepviche, 12 Tischtücher, 1 Jagdflinte, 2 Kanarienvogel, 2 Nähmaschinen u. verschiedenes Hausmobiliar als: Tische, Commoden, Sophas, Wanduhren , Schranke und Betten; ferner 1 Dienstmannskarren gegen Baarzablung versteigert. Born, Gerichtsvollzieher in Gießen, Asierweg 44. 9201 9175 Eine Frau, welche beffere Küche versteht, sucht Beschäftigung; dies, nimmt auch AushÜlfSstelle an. Näheres Frau Binder, Wetzlar, Wölbacherthor. 8916 von 8916 von 8916 Von Gutkochende . Psd. 22 H, Todes-Anzeige II Fr. Seibel. December Die Beerdigung findet statt: Donnerstag den 14. d. Mts., Nachmittags V23 Uhr, vom Sterbehause, Marktplatz 22, aus. 9197 ersucht, deßhalb Die Einleger werden Entree 50 9203 Max Jaskowski. General Graf v Morin 9 Kirchenplatz 9. 8341 102.40 Oefterr. Alpine-Montan- Lomdard. Eisenbahn- Tendenz: still. Seltersweg 30. 9194] Telegraphischer Coursbericht der Berliner Börse vom 13. November 115 50 203.50 11137 0 6 8 0 0 0 0 0 0 0 0 237.40 174 80 166 30 103 25 0 0 0 0 0 H II 86.30 93.30 73.20 66 00 Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mit woch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Montag Diensrag 11 M n 11 11 Baronin v. Morin . Madame Meunier . Franziska Martin. Louise Maas. Helene Pauli. Heller-Linsen • bei 10 Psd. . . Mittel Linsen 333 50 190 62 175.80 131.80 37.70 193.50 80.70 1889. 237 00 56.00 94.25 234.00 11 11 n 11 11 n 11 empfiehlt 9196 20 17 15 16 14 16 14 18 16 105 65 Oesterr. Silberrente 102 50 Russ. Orient III. OiScomo-Eom.-Antbeitt Lombarden Disconto-Commandit-Antheile Darmstädter Bank-Actien Ausverkauf in neuester u. modernster Dauleil-Confettm —15 pEt. Buderus-ObUgationex . — Frankfurter Bank-Diskont 5 pEt. A. »oder Settersweg 57. Ausverkauf neuester und mudervster Regenmäntel A. »oder Settersweg 57. 133.70 Ostpreußen 175.30 Bochumer Gußstahlüctien Tendenz: schwach. ffiO“ Gtellensrrchende jede« Br- r ruf# placirt schnell Reuter- Bureau Iu jtn Dresden, Maxstraße 6 7787 I $ 15/11. V2V NHr BaU I.Gr 9199 9192].Ein Zimmer zu vermiethen- Bahnhofstraße 11- Danksagung. Mitte Mai dieses Jahres wurde das linke Auge m Frau s. schlimm, dass- eiterte und tbränte stark, oberh der Pupille zeigten sich Flecken, das ganze Auge war schwarz wie Tinte, abgesehen von den furchtb. Schmerzen schien die Sehkraft schon ganz verloren zu sein. Wir hatten mehrere hies. Aerzte erfolglos gebrauche, wesh. ich mich schließt, bn.fl an den tromSoV.rthiichen Arzt Herrn Dr. med. Volbedingin Düsseldorf wandte- Kaum hatte meine Frau einige Tage die übersandten Arzneien eingenommen, als d. Auge zuseh. bess. wurde und war dass, nach vieiwöchentl- Kur wieder oollk gesund und hatte auch die alte Sehkraft wieder- Herrn «>r med. Volbeding hie-durch meinen tiefsten Dank- Münster i/W, October 1689 Aos. LÜestdunt Eolonialwaarenhändler- A. »oder, Seltersweg 57. bei 10 Pfd Thür, weitze Bohnen bei 10 Psd gelb Victoria-Erbsen bei 10 Psd. .... gesch Victoria-Erbsen bei 10 Pfd 57 Seltersweg 57. wie $ werden. , Die Gr. Bürgermeistereien des Spar- kasseBezirks werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung im Interesse ihrer Orts- a ge hörigen ouf geeignete Weise zu deren Kennrniß zu bringen Gi-ßen, am 11 November 1889. Der Rechner der Spar- u Leihkasse Gießen Doering. Heute verschied unerwartet nach kurzem Krankenlager unser unvergesslicher Vater, Bruder, Schwiegervater und Schwager Bäckermeister Martin Lenz Der Stadtauflage diese- Blatte- liegt Nr. 3 de- Weihnacht-blatt" bei 20. 21. 23- 26 27. 28 30. 3. 4. 5. Neues Theater,Giessen (Direction: Adam Reiners). 9200 Donnerstag den 14 November 1889: Auf vielseitigen Wunsch: Im Abonnement Irn Abonnement Vereinskarten gültig. Der Pariser Taugenichts. Lustspiel in 4 Acten von Dr. Karl Töpfer. Personen: Buschtherader Eisenbahn-Actten Elbethal-Bahn-Actien Gotthard- „ „ Schweizer Nordost-Bahn-Actien „ West- » „ Gelsenkirchener Bergwerks-Actien Steine Garte». Donneretag den 14 November: 2. Abonnement-Concert. Ouvertüre: Am Strande (Radecke). Semirami- (Rossini). Fledermaus (Strauß) rc Ausverkauf neuester und modernster Iaquets, Wmntel u. f. w. im Alter von 61 Jahren, was wir Verwandten und Bekannten mit der Bitte um stille Theilnahme tiefbetrübt mittheilen. Giessen, den 12. November 1889. Die trauernden Hinterbliebenen. zis vermiethen. Monatliche Mietpreise: 3, 4, 5, 6 Mk. und höher. Freie Stimmung. Aut einzelne Tage 'ZU Hochzeiten, Concerten, Tanzunterhaltungen etc. 6, 7, h, 9 Mk. und höher (einschliesslich der Transportkosten). [7876 Wllfo.RmloSph, Pianohandlung, Neuenweg 9. Bizot, Agent .... Adam Reiners. Hilaire,Kammerdiener Otto Frank Francois, Diener . . . Richard Lerch. Kaseenöffnung 7Vj Uhr. Anfang ö Uhr. Ende 10 Uhr. Freitag den I5. November: Neu! „Mit dem Strome.“ Neu! Gorrrsdericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frsrrkfmrtrr Börse vom 13. November 18«». ♦ Ausverkauf * neuester u. modernster | Winter-MM T von 10. 11. 12. 14. 17. 18. 19. 21. 23. 24. Eduard, sein Sohn . . Albert Ullrich. Marie Jaskowski. 4 pEt. Gießener Obligattone» Neichsbank-Dtskont 5 pCt. ihre Zinsen an einem der oben genannten Tag- unter Vorlage der Scheine in Empfang zu nehmen oder beischreiben zu lass-n. Die Vorlage der Scheine ist diesmal um so nothwendiger, als mit dem 1. Januar k. I. Einlagebüchelchen aus- gegeben und die alten Scheine eingezogen Jleiullp Mittler- unö RegettMäulel, Rm)er, Ui fit es unö daquets für Damen und Kinder in reichhiltigster Auswahl und zu billigsten Preisen iVleyerhoir & lJosiar, Schlußcourte 1 Uhr 15 Min. 107.60 4 pEt. Ungar. Goldrente 5 „ Italiener Rente Anfang 8 U^r Dresdener „ „ ) 72.70 Berliner Handelsgesellsch -Antherle 194.20 Oesterr. Credtt-Actien' 264.87 „ Staatsbabn-Actien (ihre Enkel . I Louis s | Oesterr. Eredtmctien Oesterr. StaatsbahnaAetten Dortmunder Unton-Actten Darmstädter Bankaciien □oooooooooooa 0 o Aermietyungm. 9182] Kleine Wohnung, 2 Zimmer mit Zub , zu verm. Grünbergerstraße 42. 9186] Eine neue hergertchtete Familien- wohnung zu vermiethen. I. Sorger. „Schöne Aussicht". 9176] Ein kleines Logis zu vermiethen. Teufelslustgärtchen 20. 9189] Eine Wohnung von 5 Zimmern und Zubehör am 1. Januar 1890 oder auch später beziehbar, zu vermiethen- Bahnhofstraße 61 II. "9178] 'Neuen Bäue 29 ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. 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L I., Nachmittags 21/2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Otto Hill Wittwe in Gießen ge, hörigen Immobilien: Flur 1 Nr 709 — 394 Meter Hofraithe in den Neuen Bäuen, Flur I Nr. 710 — 937 Meter Garten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen» 16. October 1889. Großh- Ortsgericht Gießen. Bogt. 8368 ~ Bekanntmachung. Zur Empfangnahme oder Beischreibung der Zinsen pro 1889 für Einlagen zur hiesigen Spar- und Leihkasse sind folgende Zahltage festgesetzt worden: Dienstag den Itt. November 1889, W Sin genau 75 Lieferungen jum wabtsrilen Preise dou 50 Pfennig. Durch aU< 8ndib« Sil*1“'” tzahnrÄctien : ^**T niethen* [ höher. Freie Stimmung. m.T.oroteriMge-eto. ;r TraMportiostw). l'vid i Neuenweg 9. ubetu' ■r 8oi 1889. 23100 56.00 94.25 234 00 - <» jijjtmW tft w®1 ,, 4P1H»*1' n Donnerstag den 14. Novbr. (ßtefecner Anzergev. Beilage zu Rr. 266. -1889. Zum Grnosseoschaftswksen. Wir entnehmen der „Darmst. Ztg." das Nachstehende: „Im Genossenschaftswesen treten in jüngster Zeil Erscheinungen zu Tage, welche zu Bedenken Anlaß geben. Die von Jahr zu Jahr steigende Zahl der den Bedürfnissen der Landbevölkerung dienenden Genossenschaften beweist, daß in immer weiteren Streifen sich die Erkenntniß Bahn bricht, wie die wirthschastliche Straft der Einzelnen durch genossenschaftlichen Zusammenschluß gehoben werden kann. Das am 1. Oetober d. I. in Kraft getretene Reichsgesetz über die Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschaften unterstützt die genossenschaftlichen Bestrebungen, indem es Vereinen, welche als Vorschuß- und Creditvereine, als Rohstofsver eine, Absatzgenossenschasten, Eonsumvereine u. dgl. die Förderung des Erwerbs oder der Wirthschaft ihrer Mitglieder mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebs bezwecken, eine gesicherte, die Theilnehmer wie die Gläubiger der Genossenschaft vor Verlust möglichst schützende Rechtsstellung schafft. Die Voraussetzungen, von welchen das Gesetz die Erlangung dieser Rechtsstellung abhängig macht, können von allen auf gesunder Grundlage beruhenden und lebensfähigen Ge nosscnschaften unschwer erfüllt werden. Gleichwohl gehen manche Genossenschaften darauf aus, sich den Anforderungen des neuen Reichsgesetzes dadurch zu entziehen, daß sie sich in Aktiengesellschaften umwandeln oder -».ach erfolgter Auflösung als uneingetragene Genossenschasten wiederzuerstehen gedenken. Vor solchem Vorgehen kann nicht genug gewarnt werden. Will eine Genossenschaft die Solidarhaft ausschließen oder beschränken, so bietet sich ihr dafür der von dem neuen Reichsgesetz vorgezeichnete Weg der Umwandlung in eine eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht oder mit unbeschränkter Nachschußpflicht. Die Form der Actiengesellschaft ist hierfür nicht erforderlich und jedenfalls für ländliche Ge nossenschasten ungeeignet; denn die Beschaffung eines den Be stand des Unternehmens ausreichend sichernden Grundcapitales, sowie die Auswahl der zur Leitung einer Actiengesellschaft geeigneten Personen bieten Schwierigkeiten, welche meist nur aus Kosten der Solidität des Unternehmens überwunden werden können. Unter allen Umständen haben die Gerichte um ihrer eigenen Verantwortlichkeit willen allen Grund, solchen Actien- gesellschasten gegenüber mit ganz besonderer Sorgfalt die Erfüllung der nicht gerade einfachen Erfordernisse, welche das Actiengesetz' vom 18. Juli 1884 bei Gründung und Anmeldung der Gesellschaft ausstellt, zu überwachen. Aber auch Diejenigen, welche solche Actiengesellschasten zu gründen oder bei denselben als Mitglieder des Vorstandes oder des Aussichtsrathes thätig zu werden geneigt sind, sollten bedenken, ob sie gesetzes- und geschäftskundig genug sind, um den Anforderungen entsprechen zu können, deren Verletzung zu Bestrafungen und Schadensersatzverbindlichkeiten führen kann. Nicht zu übersehen ist außerdem, daß Actiengesellschasten mit bankmäßigem Geldverkehr einer nicht unbeträchtlichen Gewerbesteuer und daneben der Einkommensteuer unterliegen, während einer aus den Geschäftsverkehr mit ihren Mitgliedern beschränkten eingetragenen Genossenschaft derartige Ausgaben erspart bleiben. Die gesetzlichen Bestimmungen über den Mindestbetrag der Actien müssen mit dazu beitragen, daß die Zahl der Actionäre einer zur Creditgewährung auf dem Lande errichteten Actiengesellschaft erheblich geringer ist, als die Zahl der Creditbedürftigen. Die unausbleibliche Folge hiervon wird sein, daß die Gesellschaft im Interesse der Actionäre zur Erzielung möglichst hoher Dividenden verwaltet und hierdurch eine Erhöhung des Zinsfußes herbeigesührt wird, welche den Zwecken genossenschaftlicher Creditgewährung durchaus widerspricht. Die Umwandlung in eine Actiengesellschaft ober die Lossagung von der Form der eingetragenen Genoffenschast kann auch nicht durch die Absicht gerechtfertigt werden, den Geschäftsbetrieb der Creditgenossenschasten auf Nichtmitglieder auszudehnen. Schon unter der Herrschaft des früheren Genossenschaftsgesetzes hatten die meisten Creditgenossenschasten Darlehns- gewährung an Mchtmitglieder durch ihr Statut ausgeschlossen, von der zutreffenden Erwägung geleitet, daß nicht die Erzielung hoher Dividenden, sondern ein leicht übersehbarer, völlige Sicherheit bietender Geschäftsbetrieb und die sich hierdurch ermöglichende Beschaffung billigen Credits für die Genossen anzustreben seien, was alles dann am sichersten erreicht werde, wenn die Creditnehmer als Mitglieder der Genossenschaft an deren Gedeihen unmittelbar betheiligt seien. Indem das neue Gesetz zur gesetzlichen Vorschrift erhebt, was seither schon Grundsatz gerade der solidesten Genossenschaften war, trägt es nur dem Wesen der genossenschaftlichen Selbsthilfe Rechnung, welches in der Förderung des Erwerbes und der Wirthschaft der Genossen, nicht in der Erzielung von Geldgewinn besteht. Uebrigens muß bei der Auslegung der die Darlehensgewährung an Nichtmitglieder verbietenden Gesetzesbestimmung beachtet werden, daß damit nur die Einfügung der gewerbsmäßigen Gewährung von Darlehen im eigentlichen ©innp an Nichtmitglieder in die Zwecke des genossenschaftlichen Unternehmens untersagt fein soll deßhalb wird z. B. der Ankauf von Güterkaufschillingen nicht unter das Verbot sollen; auch sind Darlehensgewährungen, welche nur die Anlegung von Geldbeständen bezwecken, nach ausdrücklicher Vorschrift des Gesetzes gestattet. Ohne Zweifel stehen die Vortheile, welche eine Genossen schäft von der Nichtunterordnung unter das Genossenschaftsgesetz erwarten mag, in keinem Vcrhältniß zu den Gefahren, welche den Mitgliedern wie den Gläubigern einer nicht eingetragenen Genossenschaft drohen. Denn die Stellung solcher nicht eingetragener, von Manchen „wilde Genossenschaften" genannter Genossenschaften bleibt nach Innen wie nach Außen trotz des sorgfältigsten Statuts, an dem es ihnen aber überdies oft genug auch fehlt, eine rechtlich zweifelhafte und unsichere. Während für die eingetragene Genossenschaft der Grundsatz gilt: „Die eingetragene Genossenschaft als solche hat selbstständig ihre Rechte und Pflichten- sie kann Eigenthum und andere dingliche Rechte an Grundstücken erwerben, vor Gericht klagen und verklagt werden", schwebt eine nicht eingetragene Genossenschaft stets in der Gefahr, ihre Rechts- und Proceßfähigkeit bestritten und die Haftbarkeit ihrer Mitglieder für die Genossenschaftsschulden entweder zum Nachtheil der Genossen zu streng ober zum Nachtheil der Gesellschaftsgläubiger unb zum Verberb bes Crebits ber Genossenschaft zu wenig streng beurtheilt zu sehen. Enblich sollte sich eine eingetragene Genossenschaft, welche aus bem Wege ber Auflösung ben Anforderungen bes neuen Gesetzes zu entgehen strebt, barüber nicht täuschen, baß auch bei biesem Vorgang bie Vorschriften des neuen Gesetzes genau befolgt werben müssen, baß insbesonbere bie öffentliche Aufforderung ber Gläubiger, sich bei ber Genossenschaft zu melben, nicht unterbleiben barf unb baß bie Gerichte bie Pflicht haben, bie für bas Liquibationsverfahren erforderlichen Anmelbungen nöthigenfalls burch Orbnungsstrafen herbeizuführen. totale» ttttO1 provinzielles. Gießen, 13. November. * In ber letzten Sitzung bes Darmstäbter Localgewerbevereins wibmete Herr Dr. Hesse, in Ergänzung seines Berichts über bie Unfall - Verhütungs - Ausstellung in Berlin, auch einige Worte ben auf ber Ausstellung vorgeführten Bade-Einrichtungen für Arbeiter, Ein erster bahin gehender Versuch, ber aus's Beste gelang, würbe bekanntlich auf ber Hygiene - Ausstellung in Berlin im Jahre 1883 mit bem Lassar'fchen Volks-Braufebab gemacht, bas billig herstellbar ist unb nach besten Muster man neuerbings in Fabriken, Schulen re. Babe - Einrichtungen geschaffen hat. Aus ber Ausstellung waren neben bem Lassar'schen noch zwei Systeme vertreten, barunter bas ber hiesigen Firma Schasfstaebt, bas für Dampf eingerichtet ist unb eine bequeme Ausstellungsweise auch bei beschränktem Raume zuläßt. Die neuen Kliniken in Gießen werben mit berartigen Babe-Einrichtungen versehen, auch steht bie genannte Gießener Firma mit ben Firmen Krupp in Essen unb Gruson in Magbeburg wegen bezüglicher Einrichtungen in Unterhandlungen. Die Schaff städt'sche Bade Einrichtung wurde auf ber Ausstellung circa dreimal so viel als die Lassar'fche benützt, unb wenn letztere auch ben ersten Preis erhielt, so bürste boch die Praxis nach Ansicht des Redners der Einrichtung der Gießener Firma den Vorzug geben. n. Vom Lande. Aktien - Gesellschaften ober Sparkassen mit unbeschränkter Haftpflicht*). In Nr. 241 bes Gießener Anzeigers erschien ein Artikel, worin versucht würbe, zu behaupten, baß die ländlichen Spar- unb Leihkaffen, nach dem neuen Genoffenfchaftsgefetz eingerichtet, mehr Sicherheit böten als Aetien-Gefellschasten. Nur in einem Punkte möchten wir jenem Artikelschreiber Recht geben, baß bie Errichtung unb Fortführung einer Actien - Gesellschaft burch VerösientlichtUtgen, Stempeln, Steuern re. mehr Gelb kostet. Aber wer gibt Veranlassung dazu, bie Spar- und Leihkassen in Actien Gesellschaften um zuwandeln? Nur bas neue Genossenschaftsgesetz. Durch dieses, am 1. October in Kraft getretene Gesetz würbe ben Spar- und Leihkassen vorgeschrieben, nur an Mitglieder Gelb zu verleihen. Die Absicht des Gesetzes mag ja ganz gut sein, aber in ber Praxis läßt sich dies auf dem Lande nicht gut aussühren unb es muß befürchtet werden, daß durch diese Bestimmung wieder mehr Leute zu dem Wucherer ge trieben werden. Die ländlichen Sparkassen haben sich gc bildet, um Capitalisten Gelegenheit zu bieten, Geld verzinslich anzulegen, und Leute, die Geld leihen müssen, von Wucherern abzuhalten. Es dürste doch wohl selbstverständlich sein, daß derartige Kassen nicht von Geldanleihern, sondern doch zum größten Theile von Geldbesitzenden gegründet wurden. In bem Dorfe, wo in jenem Artikel hingezielt wurde, toaren also 25 Mitglieder, die die Spar- und Leih kasse darstellten. Wenn nun gefragt wirb, wer leiht denn auf dem Lande Geld? so muß boch unumwunben geantwortet werben: „Fast ausschließlich der Unbemittelte." Ein reicher Bauer leiht gar nicht oder höchst selten Geld. Nach jenem Artikel seien in der fraglichen Sparkasse rund 200,000 Mk. eingelegt; nun, dieselbe Summe ist doch naturgemäß auch wieder ausgeliehen, und an wen? an Capitalisten gewiß nicht, sondern an Hunderte weniger bemittelte Leute. Diese letzteren, deren Ehrlichkeit wir durchaus nicht bezweifeln wollen, wären nun nach bem neuen Gesetze Mitglieber geworben. Soweit wäre bies ja ganz schön gewesen, aber für bie Folge könnte es boch leicht anders werden. Also jedes Mitglied hätte jetzt Sitz und Stimme bei den Versammlungen. Wenn nun bei ben Wahlen statt des bisherigen Vorstandes Leute von ben Hunberten Anleihern gewählt würben unb bie 25 früheren Grünber aus verschiebenen Ursachen nach unb nach austreten, wer bietet alsbann noch Sicherheit trotz bes Eintrages im Genosseuschafts - Register mit unbeschränkter Haftpflicht? Niemanb. Wie leicht kann bann ein Rechner, ber fein Vermögen besitzt, in bie ver- lockenbe Lage kommen, von bem vielen ihm anvertrauten Gelbe für sich zu verwenben. Aber wenn auch ein Mann, ber Vermögen besitzt, burch einen Zufall in bie Lage käme, Gelb zu leihen, bann wird er sich vielleicht geniren, zu einer Sparkasse mit unbeschränkter Haftpflicht zu gehen, denn er muß ja Mitglied werden. Seine Mitgliedschaft wird öffentlich unb bie Vögel aus ben Dächern pfiffen die Ursache, daß er Mitglied wurde: „Er hatte Geld nöthig." Aus diesen Gründen umging man das neue Genossenschaftsgesetz und errichtete Actien - Gesellschaften, bie unseres Erachtens nach auf bem Laube mehr Sicherheit bieten als eingetragene Genossenschaften, denn ein Bauer ist angewachsen, bie Actionäre wollen boch selbst kein Gelb verlieren, unb selbst wenn ber Mehlsack leer ist, klopft man immerhin noch Staub heraus. *) Wir geben vorstehend einer uns zugegangenen Zuschrift In den Spalten des Anzeigers mit der Bemerkung Raum, daß Einsender dieses sowohl wie auch der Verfasser eines uns schon früher zugegangenen „Eingesandt" im Jrrthum sind, wenn sie annehmen, daß der in Nr. 241 ds. Bl. veröffentlichte Artikel „Welche Sicherheit bietet eine in eine Actiengesellschaft umgeroanbeltc Spar- und Leihkasse?" auf diese oder jene Kasse irgend eines Nachbarortes gemünzt gewesen sei. Wir erhielten den Artikel von beireunbetei Seile aus der Provinz Starkenburg. Im Uebrigen verweisen wir aus den der „Darmft.Ztg." entnommenen Artikel am Kopfe vorliegender Beilage Aeilgeöotenes. 9068] Stets frisch geschossene Hasen, ä Stück 3 at, zu haben bei Wlldhändler Hormann, ____________Mäusburg 6._______ Einlege-Schweine zu verkaufen. [9067] Neuenweg 33. Eine große Parthie selbstgestrickter woUener Strümpfe, Kopftücher, Kaputzen re. verkauft, um ba rit zu räumen, bedeutend unter Preis 8968 PH. Schlatter. if) v -- fa w W Ungarweine empfiehlt in vorzüglichster Qualität als bestes Stärkungsmittel für alle schwächlichen und kranken Personen, in Vir Vr und V4 Originalflaschen. Ludw. Doll* Conditor, 8862] Marktstraße 32. A.Kilbinger,sattier(L Senners Nacht.) Giessen Ä empfiehlt sein großes Lager selbstgefertigter Waaren. 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