tz Samstag den 10. August 1889. DWWW Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Nr. isa. tSureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«- Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 M Amtlicher JheiL Bekanntmachung. . _ ®Lro‘tb. *ur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die Bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Ausschlags von Füns vom Hundert, pro Monat Juli für den Lieferunas- vervsno Gießen pro 100 kg betragen: Hafer JL 17.20, Heu Jt 6.80, Stroh JC. 5.80. Gießen, am 7. August 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________________________________________I. V.: Jost, Regierungsrath.__________________________________________________________ Betreffend: Zusammenlegung von Grundstücken in der Gemarkung Lollars Bekanntmachung. Denjenigen, welchen aus Hypotheken oder Vormerkungen im Grundbuch, oder aus sonstigen Gründen Berechtigungen an Grundstücken des konsolidirten Theues der Gemarkung Lollar (in Flur I, XI und XII) zuflehen, wirv hiermit bekannt gemacht, daß die KonsoUdationsakten zu ihrer Einsicht in der Zeit « 21U9U r bl4 21 September l. I. bei uns offenliegen und daß etwaige Einwendungen wegen der von der Vollzugscommission veranlaßten Uebertraqunq Dieser Rechte auf neu gebildete Parzellen von demselben Werthe, wie ihn die alten, nicht mehr bestehenden Grundstücke hatten, während der angegebenen Frist Hel Meldung späterer Nichtberücksichtigung bei uns vorzubringen sind. ü ' Gießen, den 8. August 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Jost, Regierungsrath. Politische Rundschau. Gießen, 9. August. Ueber die politischen folgen des Kaiserbesuches in England kann man -in der Tagespresse nicht nur Englands und Deutschlands noch immer langen Erörterungen begegnen und allseitig tritt Hierbei die Ansicht hervor, daß man England nunmehr noch bestimmter, als dies bislang schon geschehen, auf Seiten des Dreibundes sehen werde, auch ohne daß sich England formell dem Friedensbündnisse Deutschlands, Oesterreichs und Italiens anschließt. Gewiß wird man annehmen können, daß während Ler Anwesenheit Kaiser Wilhelms aus englischem Boden keinerlei irgendwie bindende Abmachungen zwischen Lord Salisbury und dem Grafen Herbert Bismarck getroffen worden sind, ein factischer Eintritt Englands in den Dreibund verbietet sich schon von selbst wegen der eigenthümlichen Weltstellung des britischen Reiches. Aber wahrscheinlich haben die Unterredungen zwischen beiden Staatsmännern zu einer Verständigung von Fall zu Fall geführt und zum Mindesten darf man jetzt England als einen warmen Freund des Friedensbundes betrachten und daß das mitteleuropäische Bündntß in seinen Friedensbestrebungen auf die Mithilfe des meerbeherrschenden Aibions rechnen kann, Lies erweist sich schon jetzt als eine der Früchte des Kaiserbesuches jenseits des Canals. — Bei dem Festmahl des Nachtklubs erwiderte Kaiser Wilhelm auf den Toast des Prinzen von Wales, er schätze die Ehre seiner Admtralernennung hoch und freue sich der Flottenbesichtigung beigewohnt zu haben, welche er als die schönste der Welt betrachte. Wenn England eine seinen Erfordernissen entsprechende Flotte habe, werde dies von Europa überwiegend als ein höchst wichtiger Factor zur Aufrechterhaltung des Friedens betrachtet werden. Eine nicht minder bedeutsame Kundgebung des kaiserlichen Herrn wird vom Frühstück von Aldershot berichtet. Der Kaiser antwortete auf den Trtnkspruch des Herzogs von Cambridge, er werde stets die Traditionen guter Genossenschaft beider Nationen aufrecht erhalten und hoffe er, daß diese Genossenschaft lange bestehen möge. Der Kaiser erinnerte daran, daß englische und deutsche Soldaten vor langen Jahren neben einander in's Feld gezogen seien und sprach er die Zuversicht aus, daß diese Waffenbrüderschaft noch lange fortdauern möge. Kaum aber von seiner bedeutungsvollen Englandsfahrt nach Berlin zurückgekehrt, empfängt hier Kaiser Wilhelm am Montag den Gegenbesuch des treuen Freundes und Verbündeten Deutschlands, des Kaisers Franz Joses von Oesterreich, und Mit freudiger Bewegung schaut ganz Deutschland dem Erscheinen des kaiserlichen Gastes entgegen, dessen Besuch am Berliner Hofe auf's Neue beredtes Zeugniß von der unverminderten Fortdauer der langjährigen innigen Beziehungen ablegt, welche die erlauchten Kaiserhäuser von Deutschland und Oesterreich wie die beiderseitigen Völker mit einander verbinden. Die vor Kurzem aufgetauchte Nachricht von der beabsichtigten Errichtung einer Lolonialpolitischen Abtheilung im Auswärtigen Amte soll sich bestätigen. Es heißt, daß schon im nächsten Rerchsetat eine neue Dtrectorstelle behufs der Bildung einer solchen Abtheilung beantragt werden würde. Bet der wachsenden Bedeutung der colonialpolttischen Fragen für Deutschland emfiehlt sich die Bildung einer besonderen Abtheilung im Auswärtigen Amte zur Behandlung der colonialpolitischen Angelegenheit schon von selbst. Graf Julius Andrassy, der bekannte ungarische Staatsmann, hat sich in Pest einer Operation unterziehen müssen, die an und für sich zwar gut verlief, aber Len Kranken durch den gehabten Blutverlust sehr schwächte. Die Freunde Andrassy's hegen ernste Befürchtungen wegen seines Zustandes. In Frankreich gestaltet sich jetzt der Boulanger-Proceß zur Alles beherrschenden Tagesfrage. Am Donnerstag ist der Staatsgerichtshof der Senatoren zu seiner ersten ordentlichen Sitzung in Sachen Boulanger zusammengetreten und glaubt man, daß zur vollständigen Durchführung des Processes noch mindestens drei bis vier Sitzungen gehören werden. Noch vor Beginn der Proceßverhandlungen hat sich Boulanger in seinem bekannten jüngsten Manifeste zu seiner Vertheidtgung an die Oeffent- ktchkett gewendet, doch erfährt das Manifest im Allgemeinen eine ungünstige Beurtheilung. Von Interesse für Deutschland ist hierbei das offene Eingeständntß Boulanger's, daß «r einen umfangreichen Spionendienst in Deutschland unterhalten und auf denselben beträchtliche Gelder aus den geheimen Fonds verwendet habe. Gewtffermaßen als Vorspiel zum Boulanger-Proceß ist der in Bordeaux gegen seine Freunde Laisant, I Laguerre unb D6roul6d.e wegen der tumultuarischen Vorgänge beim Boulangistenbanket in Angoulöme verhandelte Proceß zu betrachten; derselbe endete mit Freisprechung Latsant's Md Verurtheilung seiner beiden Genossen zu geringen Geldstrafen. Die Familtenbande zwischen dem russischen Kaiserhause und der montenegrinischen Fürstensamilie knüpfen sich Immer enger. Der am Mittwoch in Pettrhof bei Petersburg mit besonderem Glanze stattgefundenen Vermählung des Großfürsten Peter Ntcolajewitsch, einem Neffen des Czaren, mit Prinzessin Mtlitza von Montenegro ging am Polterabend der Hochzeit die offizielle Verlobung des Prinzen Georg von Leuchtenberg, mit Prinzeß Anastasia, dritten Tochter des Fürsten von Montenegro, voran. Prinz Georg von Leuchtenberg, seit mehr als sechs Jahren verwittwet und im 37. Lebensjahre stehend, ist ein naher Verwandter des russischen Kaiserhauses und seine Verbindung mit Prinzeß Anastasia von Montenegro wird also die schon angeknüpften verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Herrscherhause Rußlands und der montenegrinischen Fürstensamilie noch verstärken. Die entscheidende Niederlage, welche der in Oberegypten eingedrungenen mah- distischen Streitmacht durch General Grenfell bet Toskt bereitet wurde, scheint von keinerlei Einflüsse auf die englische Politik bezüglich Egyptens werden zu sollen. Wenigstens hat sich der Schatzsecretär Smith im englischen Unterhause dieser Tage dahin ausgesprochen, daß die englische Regierung der egyptischen die Wiederbesetzung von Berber und Dongola nicht empfehlen könne und daß sich England nach wie vor zu nichts Weiterem als zur Vertheidtgung der Grenzen Egyptens verpflichtet fühle. Man will also in London trotz des Sieges von Toski von einer Wtedereroberung auch nur eines Theiles des egyptischen Sudans nichts wissen und dementsprechend befinden sich auch die englischen Truppen Grenfells bereits wieder auf dem Rückmärsche nach Kairo, da der Feldzug gegen die Derwische als beendet betrachtet wird; ein egypttsches Bataillon aus Wadyhalfa besetzte Sarras lediglich zur künftigen besseren Bewahrung der Grenzen Oberegyptens. A«S dem Großherzogthum Hessen, 6. August, wird dem „Frankfurter Journal", geschrieben: Ein Artikel der „Köln. Ztg.", in welchem die beabsichtigte Ver- naatlichung der Hessischen Ludwtgsbahn in eingehender und sachgemäßer Weise be- sprachen wurde, hat in weiten Kreisen, insbesondere aber bet den maßgebenden politischen Männern des Großherzogthums, vielseitige Zustimmung gefunden. In beiden Kammern der Stände ist ein klares Programm gefunden worden, durch welches die Verworrenheit (Ausdruck der „K. Z.") unserer hessischen Eisenbahnoerhältnisse die unerträglichen finanziellen Schäden desselben beseitigt werden sollten, ein Programm welches mit den von der „K. Z." entwickelten Ansichten im Wesentlichen übereinstimmen mag. Dies läßt sich wenigstens einestheils aus dem Anträge Osann, anderntheils auS den Verhandlungen Der Ersten Kammer erkennen, bet welch letzterer Graf Solms- Laubach seine Zustimmung zu dem erwähnten Anträge ausdrücklich zu betonen Veranlassung nahm. Es muß einfach als unmöglich erscheinen, daß ein Land von der geographischen Lage unseres Großherzogthums dauernd in einem wirthschaflltchen und finanziellen Abhängigkettsverhältniß zu einer großen Privatgesellschaft beharren soll deren Actionäre und Letter seit vielen Jahren Einnahmezuschüsse aus der Kasse der hessischen Steuerzahler überwiesen erhalten, Zuschüsse, welche sich in den letzten zehn Jahren durchschnittlich auf eine halbe Million jährlich bemessen haben mögen. Das Land hat demnach seine herrliche geographische Lage und den reichen Verkehr seiner wohlhabendsten Provinzen unter großen eigenen Verlusten an eine Privatgesellschaft verpachtet, deren Actionäre zum Thetl nicht einmal Deutsche, keinenfalls aber Steuerzahler des Großherzogthums sind. Daß man aus einem derartigen Vertragsverhältntß herauszukommen sucht, sobald dies die für den Staat so ungünstig abgefaßt gewesenen Eoncessionen nur irgendwie gestatten, muß als ganz selbstverständlich angesehen werden weßhalb denn auch der Antrag Osann, durch welchen mit Verfall der Eoncessionen im Jahre 1893 die Verstaatlichung herbetgeführt werden soll, die allseitigste Zustimmung fand. Welche Wendung diese Dinge nehmen werden, das wird sich bet den dem- nächfttgen Verhandlungen der Ständekammer zeigen, denen jetzt nicht vorgegriffen werden kann. Nur das Eine sei hier noch bemerkt, daß eine kaum beachtete "Notiz welche kürzlich von einem Theile der Presse verbreitet wurde, von der größten Bedeutung für die weitere Entwickelung dieser hochwichtigen Angelegenheit werden kann. Die Groß- herzogliche Regierung hat näpüich eine eingehende Eontrole über die Betriebsoerhält- nisse der Hessischen Ludwtgsbahn angeordnet und bereits eine Untersuchung vornehmen lasten, die zahlreiche Beschwerdepunkie zu Tage gefördert haben soll. In den Con- cessionen, welche den Geschäftsbetrieb der Hessischen Ludwigsbahn zu regeln haben sind dieser Gesellschaft so weitgehende Rechte hinsichtlich der Ausnutzung der Wirtschaft- NrriverftlSts - Lhrouik. . .. ~~. .Dr- Wolff, Docent der Philosophie in Bonn, hat einen Ruf als Professor an die neugegründete Hochschule zu Freiburg in der Schweiz erhalten und angenommen. . — Der außerordentliche Professor Dr. Harnack in Halle a. d. S. ist zum ordentl. Professor ernannt worden. h fcilitft ßctp8t0 $at sich Dr. Carl Buresch als Prtvatdocent für Archäologie Friedberg, 8. August. Kommendm Sonntag begeht die hiesige freiwillige Feuerwehr die Feier des Gedenktages der 10jährigen Vereinigung der vor 27 Jahren un\ D0-r 2? Pa^r£n gegründeten Bürgerfeuerwehr. Nachmittags findet ein Festzug und h eraus aus dem Festplatz Concert und Tanz statt. Grunberg, 5. August. Heute Abend wurde ein Schmtedegeselle gefänglich eingezogen, der im Verdacht steht, einem Kaufmannsladen diebische Besuche abgestattet zu haben. Die Thure des bettefienden Ladens soll er mittelst Nachschlüsseln geöffnet haben, die er von einem Schlosserlehrling erhalten Hütte. An der Thüre zum Comptoir zeigten ^ich Spuren eines Etnbruchsoersuchs, der jedoch mißlungen ist. 8 ~ » ^^tten. Die ihrer Vollendung entgegengehende Turnhalle soll, wie der des Vereinigten Turn- und Gesang-Vereines in Aussicht genommen hat, am 8. September d. I. eingeweiht werden. M ' i ru .Nidda, 4. August. (Curiosum.) Die Dreschmaschinen kommen immer mehr in Gebrauch und haben dem Dreschflegel nur ein ganz beschranktes Feld überlassen. Ein Bewohner Nidda s, der weder eigenes Land noch solches gepachtet hat, ließ sogar Ährenlese seiner Familie auf der Dreschmaschine verarbeiten. B Wohl noch nicht dagewesen. * - August. Die in der hiesigen Presse gestern gemeldete Nachricht, ^e. Majestät der Kaiser werde am 27. August hier eintrcffen und sei bereits Herr Oberbürgermeister Ohly behufs der erforderlichen EmpfangSoorbereitungen von seiner kaum angetretenen Erholungsreise zurückberufen, ist nicht zutreffend. Weder am Hofe, 5?Art°ÄJ b.».?^brmeisterei ist bis heute Vormittag gegen 11 Uhr eine derartige fr Kacr?in0! loll bei dem hiesigen Infanterie-Regiment eifie Jnspicirung durch den Kaiser im Herbst erwartet werden. (Tägl. Anz.) fltAt 2lutflu?‘ .®in Attentat, das an Frechheit seines Gleichen sucht wurde gestern Mittag auf eine junge Näherin, die 20jährige Tochter eines hiesigen Packlragers, verübt, als dieselbe einen schmalen, aber immerhin sehr gangbaren Ver- bindungsweg zwischen der Friedberger Anlage und der Friedberger Landstraße passiren Ä01 bcr b™xÄ?men Heslenweg führt, liegt übrigens fast mitten in d ni Postkarten, Kreuzbänder und Briefe, welche mit den Marken eines anderen e eö ö?lebcfnn8ur Auslieferung kommen, fortan nicht mehr als unfrankirt gezogen roirb bad betreffende Porto am Ankunftsorte ein- - 6513) Der Fleischgenutz ist eS, von dem seit ältesten Zeiten die heilsamste Srarkung des Organ Smus erwartet worden ist; und in der That, was die Beobachtung ltoorderen längst erfaßt hat, ist in unseren Tagen durch die Lehren der ° sanctionirt worden. Der Körper besteht wesentlich aus eiweißartigen Substanzen, er will daher auch seinen Unterhalt am liebsten aus ciweißartigen Ver- ergänzen wie sie ihm am besten das Fleisch liefert. Sind die Kräfte deS menschl chen Organismus durch die Arbeit erschöpft, so ist es die Nahrung, welche nach der Aufnahme in die Safte neue Lebenskraft verleiht. Je leichter die Aufnahme der Nahrung, um so schneller und angenehmer die Erquickung. Darum muß es auch Jedermann einleuchten, daß, wer gleichsam „gelöstes Fleisch", wie es Kemmerich'K 1°^ ft nimmt, in erfolgreichster Weise seinen Körper erfrischt und seine Gesundheit stärkt. (Ho. 2565) Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Korrespondenz-Bureau. e Berlin, 8. August. Der „N. Allg. Ztg." zufolge ernannte der Kaiser den General Strubberg anläßlich seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums zum Chef des 30. Infanterie-Regiments. Die Kaiserin-Großmutter schenkte dem Jubilar das Oel- portrait des Kaisers Wilhelm I. in großer Generalsuniform. Potsdam, 8. August. Beide Kaiserinnen sind heute Morgen hierher zurück- gekehrt. Berlin, 8. August. Commissar Dr. Goering aus Angra - Pequena ist hier eingetroffen. Dortmund, 8. August. Laut Meldung der „Rhein.-Westf. Ztg." stellten heute eine größere Anzahl Platzarbeiter auf dem Stahlwerke die Arbeit ein. Dieselben verübten Gewaltthätigkeiten, so daß die Polizei von der blankcn Waffe Gebrauch machen mußte. Dresden, 8. August. Der Reichstagsabgeordnete des 11. sächsischen Wahlkreises, Rittergutsbesitzer Günther, Mitglied der Reichspartei, ist auf Saalhausen gestorben. Wien, 8. August. Der „Polit. Corr." meldet man aus Athen: Die Pforte beschloß, über Kreta den Belagerungszustand zu verhängen; der Umfang und die Strenge der Maßregeln sollen nach der Lage der einzelnen Punkte der Insel eingerichtet werden. Wien, 8. August. Der Kaiser empfing den gestern von seiner Inspektionsreise zurückgkkehrten Erzherzog Albrecht in längerer Prioataudienz. Graz, 8. August. Den strikenden Bergarbeitern des Trifailer Reviers wurde eine 12proc. Lohnerhöhung bewilligt; die Arbeiter, damit unzufrieden, hatten sich zusammengerottet und geweigert, auf die mehrfache Aufforderung des Bezirkshauptmanns auseinander zu gehen. In Folge dessen wurden gegen 200 Personen wegen Auslaufs verhaftet. Bern, 8. August. Monako ist der internationalen Convention über den Schutz des literarischen und künstlerischen Eigenthums beigetreten, was den betheiligten Staaten mitgetheilt worden ist. Paris, 8. August. Die gestern verbreitete Nachricht von der Verhaftung des Hauptmanns Bujac bestätigt sich nicht; derselbe ist in St. Brieux, seinem Garnisonsorte. — Im Palais du Luxembourg fand heute Nachmittag die erste Sitzung des Staatsgerichishofs im Procesfe Boulanger und Genossen statt. An den Eingängen deS Palais war wenig Publikum, die Wache war durch ein Infanterie-Bataillon vermehrt. Die Sitzung wurde um V/4 Uhr eröffnet. Der Namensaufruf ergab, daß 26 Senatoren fehlten. Der Gerichtsschreiber verlas sodann mehrere auf den Procetz bezügliche Aktenstücke, worauf der Staatsanwalt die Anklage begründete. Haag. 8. August. Von einer Verschlimmerung im Befinden des Königs, welche auswärnge Blätter gemeldet haben, ist hier nichts bekannt. London, 8. August. Nach einer Reuter - Meldung beantwortete England die griechische Note in der kretensischen Angelegenheit, aber in sehr reseroirter Form, welche die von Griechenland in der kretensischen Frage eingenommene Haltung in keiner Weise «rmuthigt. CoweS. 8. August. Bei dem Festmahl des Königlichen Yachtgeschwader-Clubs am Dienstag hatte der Prinz von Wales in seinem Toast auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers auf die voraufgegangere Besichtigung der englischen Flotte durch Seine Majestät hingewiesen und bemerkt, daß in unseren Tagen jedes Land auf jegliche Eventualität vorbereitet sein müsse. Hoffentlich würden die große deutsche Armee sowie die englische Flotte zur Erhaltung des Weltfriedens beitragen. Seine Majestät der Kaiser erwiderte darauf mit ungefähr folgenden Worten: Die große Ehre, welche ihm von der Königin durch Ernennung zum Aomiral der englischen Flotte erwiesen worden sei, schätze er sehr hoch. Er freue sich sehr, der Besichtigung der Flotte beigewohnt zu haben, welche er als die schönste der Welt betrachte. Deutschland besitzt eine seinen Bedürfnissen entsprechende Armee und wenn die britische Nation eine ihren Erfordernissen entsprechende Flotte habe, so werde dies von Europa im Allgemeinen als ein höchst wichtiger Faktor für die Aufrechterhaltung des Friedens betrachtet werden. CoweS, 8. August. Der heutigen Parade der Mannschaften vom deutschen Geschwader in Osborne wohnten auch der Prinz von Wales und die übrigen Mitglieder der königlichen Famllie, sowie Lord Hamilton bei. Der Kaiser sprach den Mannschaften Namens der Königin hohe Anerkennung für ihre vorzügliche Haltung aus und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf die Königin, worin die Mannschaften enthusiastisch einstimmten. Das deutsche Geschwader lichtete um 4 Uhr die Anker, um sich nach Dover zu begeben, wo dasselbe die Nacht verbleibt. Es heißt, der Kaiser würde morgen von dem Geschwader begleitet, die Rückreise über Antwerpen antreten. PortSmouth, 8. August. Der Kaiser trat Abends 8 Uhr an Bord der „Hohenzollern^ die Rückreise nach Dover an, wo die „Hohenzollern" zu dem deutschen Geschwader stoßt. Morgen früh wird die Fahrt nach Antwerpen fortgesetzt. « ' £ August Prinz Ferdinand ist hier eingetroffen. - Minister Pr- ,r?tr^ndtp W auf Urlaub abgereist; gerüchtweise verlautet, derselbe hätte demisfionirt. ______________ * Darmstadt, 9. August. Der König von Rumänien ist zum Besuch des Groß- Herzogs in Seeheim eingetroffen. Prinzessin Heinrich von Preußen wird heute Nachmittag, nachdem in Heiligenberg die Taufe der jüngsten Enkelin des Großherzogs stattgefunden, nach Berlin abreisen. lichen Interessen der Landesangehörigen überwiesen, daß die strengste Ueberwachung der damit verbundenen Pflichten angezeigt erscheinen muß. Mit diesen Pflichten ist aber in erster Linie die Erfüllung derjenigen Aufgaben verbunden, durch welche die Sicherheit für den Verkehr in der Weise vermehrt werden soll, daß die möglichst rasche Einführung aller derjenigen technischen Neuerungen stattzufinden hat, mit welchen die technische Wissenschaft das reisende Publikum in so reichem Maße beschenkt. Die „Köln. Ztg." betont mit Recht, daß in dieser Beziehung, selbst auf den größten Stationen des Landes, Manches zu wünschen übrig bleibt. Nun könnte man sich aber der Befürchtung hingeben, daß die in Aussicht genommene Verstaatlichung der Bahn, d. h. der für das Jahr 1893 auf Grund der Rente der letzten 5 Betriebsjahre vorzunehmende Verkauf, einen für den Verkehr schädlichen Einfluß auf die als nothwendig erkannte Einführung solcher Verbesserungen ausüben kann. Aus diesen Gründen und im Hinblick auf bie traurigen Folgen des entsetzlichen Unglücks bei Röhrmoos begrüßen wir mit Gefühlen des Dankes die sichtbar werdende Verschärfung der Controle, welche der großen Verantwortlichkeit des dienstlich hierbei beteiligten Beamtentums entspricht. Inwieweit eine Ausbesserung der Gehalte gewisser Kategorien der Bahngesellschaft dabei in Bettacht zu ziehen sein wird, mag bei einer anderen Gelegenheit Erörterung finden. L o k a k e s. ---- Gießen, 9. August. Da die größeren Manöver bevorstehen, so dürste für Diele der omweis erwünscht fein daß alle Postsendungen für die bet den Manövern beteiligten Mannschaften und Osficiere immer nur nach den ständigen Garni- fonsorten zu richten find. Es ist aber nothwendig, daß die Adressen genau aus- gefuhrt werden, so daß also das Regiment, Bataillon, Compagnie, Schwadron u s w ^uartkue0eben ro rb* W ^sorgt alsdann die Nachsendung in die betreffenden v , 91 August. Wie aus dem Inserat in vorliegender Nummer ersichtlich, haben die hte rgen Schweinemetzger infolge der hohen Viehpreise beschlossen/von ®aa"enadntrneten ,u £. P^'s-Erhöhung für ihre Flelfch- und Wurst- Verwis chtes. ’ b'c^lugust. Dei der heutigen Gemeinderathswahl wurden die Herren Neidet, Johannes Weller VIII. und Heinrich Rodenbausen olä mjrnßeU’abat’ ?? seiden sonach die seitherigen Mitglieder Philipp Seibert und Jakob Weller aus, während Heinrich Rodenhausen wiedergewählt wurde. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Soaugklische Skweia-k. Gottesdienst. 8. Sonntag nach Trinitatis, 11. August: Vormittags 9V, Uhr in der Kirche: Pfarrer Schlosser. Vormittags 8Ve Uhr in der Friedhofskapelle: Gottesdienst mit Christenlehre (Realgymnasiasten und Realschüler) Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 2Va Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser. Am Sonntag den 18. August: Feier des heiligen Abendmahls, Beichte am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr. Am Sonntag den 18 August, wird nach den Gottesdiensten die Kollekte für die innere Mission erhoben werden. Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 11. bis 17. August besorgt Pfarrer Dingeldey Kathslischk Semeik-k. 9. Sonntag nach Pfingsten, 11. August. Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V28 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. . Sonntag: Morgens 6 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte; V-7 Uhr Austheiluna ' 3/dO Uhr Hochamt mit Predigt. Nach- mittags Va3 Uhr Christenlehre und Andacht. Mariae Himmelfahrt, 15. August. Beichte""0^' Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V28 Uhr Gelegenheit zur Donnerstag: Morgens 6 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte; V,7 Uhr Aus- theilung der bl. Communion; Va8 Uhr Militärgottesdienst mit Predigt; »/.IO Ubr Hochamt mit Predigt. Nachmittags V-3 Uhr Festandacht. Gottesdienst in der Synagoge. 9. August. ^Freitag Abend 7°° Uhr, Samstag Morgen 8°° Uhr, Samstag Mittag 4°° Uhr. Samstag Abend 816 Uhr. Wärmegrade der Lahn und der Luft gemessm nach Reaumur am 9. August zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 16 Grad, Luft lSVa Grad. L. Chr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer. Allgemeiner Anzeiger. Sberhksßsltze Ejsenbllhma. Die Lieferung von 813 lfd. m Weichenschwellen aus Eichenholz soll vergeben werden. Angebote, welche sich auch auf einen Theil beschränken können, sind bis zum 16. dieses Monats einzureichen. Bedingungen nebst Verzeichniß können bei unseren Stationen Alsfeld urib Lauterbach, sowie bei unserer Magazinsverwaltung eingesehen werden. Gießen, den 9. August 1889. 6532 Großherzogliche Direction. Bekanntmachung. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Porzellanmalers Karl Punge von Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch ausgehoben. Gießen, den 1. August 1889 Großherzogliches Amtsgericht. I. V: Langsdorfs. [6518 Versteigerung^ Montag den 12. d. M., Vormittags um 9 Uhr, kommen im Hofe der Zeughauskaferne 16 000 Stück gewöhnliche Ziegel, 2000 Stück Dielen, 40 mittelgroße Fenster, einige Treppen, eine Parthie Zimmer- und HauSthüren, Brennholz. 100 - Meter Plättchen für Hausfluren zur Versteigerung. Die Gegenstände befinden fich alle noch in einem guten Zustande. 6536 Versteigerung. Montag den 12. August l. I., Nachmittags 6'/r Ubr, soll die Haferernte von einem Acker an der Rodheimerstraße meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden. Zusammenkunft auf der Lahnbrücke. Der Pfandmeister: 6538 Horn. Alice-Schule für Frauenbildung und Grwerb. Wir bringen hiermit zur gefälligen Kenntnißnahme, daß nach Schluß des Sommerhalbjahres die übliche Ausstellung von gefertigten Schülerinnen-Arbeiten wegen baulicher Veränderung im Schullokal und des Beschickens der Büdinger Ausstellung halber nicht stattfinden kann. Um jedoch Interessenten die neu eingeführten Webearbeiten zugänglich zu machen, sind in dem Laden des Herrn WeimerSheim Nachfolger am Kreuz verschiedene derartige Arbeiten 8 Tage lang ausgestellt. Gleichzeitig theilen wir mit, daß mit dem Wintersemester monatliche Curse für Webearbeiten eingerichtet werden. 6533 Der Vorstand. Bekanntmachung. Von Samstag den io, d. Mts. ab treten für Keisch- und Murstwaaren nachstehende Preise ein: per Pfund. t) Leber- und Blutwurst, frisch 70 Pfg. 2) do. geräuchert 80 „ 3) Preßkopf, Fleischwurst, Knoblauch- uud Schinkenwurst 90 „ 4) Schwartenmagen und Mettwurst 100 „ 5) Bratwurst 90 „ 6) Speck, geräuchert 90 ,, 7) Rauchfleisch (Dörrfleisch) ' 80 „ 8) Schweinefett, roh 80 „ 9) do. ausgelassen 90 „ 10) Schinken mit Knochen 100 u) do. ohne Knochen HO ,, 12) Wurstfett 60 ' 6526 Sämmtliche Metzger. Ieikgeöotenes. Pferd . 6537 zu verkaufen. Dammstraße 6. Tanncnschwartcn werden in Wagenladungen billig abgegeben von 6521 G«br. Wallach in Alsfeld. Geölte Traubensäckchen in drei Größen ä x 7.—, x 8 — und X 1(\— per 100 Stück in bewährter Güte, zum Schutze der Trauben, Pfirsiche usw. gegen Insekten und Vögel, empfiehlt J. W. Wunderliche Samenhandlung, [o520 _______Frankfurt a. Main._____ <$ln neues Jagdgewehr, Centr. - Feuer, 12 Cal-, neu 150 X, für 55 X zu verkaufen. 6522 Grünbergerstraße 40 III. Avis. Einem verehelichen hiesigen »lld auswärtigen Publikum diene zur Nachricht, daß sämmtliche Goldarbeiter und Uhrmacher von heute ab an Sonn und Festtagen ihre Geschäfte 6488 Ein ordentliches Mädchen, das alle Hausarbeiten gründlich versteht, kann per 15. September Stelle finden. Marktplatz 6. um 2 Uhr schließen und an diesem ! Tage nicht mehr öffnen. 6534 । Lehrmädchen I wird gesucht bei 6540 Geschw. Aron, Kreuzplatz Nr. 5. IC. G. Klein he ii n’s Delikatessen-, Fisch- u. Geflügel-Handlungs Bahnhofstraße 59 empfängt hmte große Sendungen: ! la. Hechte, Zander, Seezungen, ! ächten Rhein-Salm, Schellfische, i Backfische. 6523 SW VßradittrotUS Mastgeftügel • und ttal. Pfirsiche nnd Melonen. Seifen. Medicinische Seifen: Borax-, Bimstein-, Birkenbalsam-, Carbol-,Carboltheerschw.-,Creolin-, Ichthyol-, Kinder-, Lanolin-, Lilienmilch-, Mandelklei-, Sand-, Schwefelmilch-, Sommersprossen-,Styrax- balsam-, Theer-, Theerschwefel-, Vaselin-, Venetianische, Krankenheiler Jod-Soda-, Flüss. Glycerin-. 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Der Finder wird gebeten, dieselbe gegen Belohnung Alicestraße 14, 2 Treppen, abzugeben Das Colonial- und Eisenwaaren-Geschäft des Unterzeichneten bleibt vor wie nach täglich mit Ausnahme einiger Feiertage, auch vielleicht Sonntage geöffnet. Alle Apotheken, Droguen-, Mineralwasser- ober Spezereihandlungen, welche am hiesigen Platze ober in ber nächsten Umgebung eine Niederlage bes Natron-Lithion-, be§ Krystall-TafelwafferS unb ber Pastillen ber Kaiser-FriedHch-Quelle übernehmen wollen, werben gebeten, sich möglichst sofort an bie Verwaltung ber „Kaifer-Friedrich-Quelle" zu Offenbach a/M. zu heute Morgen 5^2 Uhr plötzlich in Folge eines Schlaganfalles sanft verschieden ist. Giessen, den 9. August 1889. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, dass unser innigstgeliebter Gatte und Vater I Enal. Souvereians | Dollar- in Gold Die Beerdigung findet Sonntag den 11. August, Nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause (Schillerstrasse 15) aus statt. Allgemeine Ausstellung für Jagd, Fischerei und Sport. Juni bis September 1889. Oesterr. Creditactien Oesterr. Staatsbahn-Actien Dortmunder Union-Actien Darmstädter Bankactien Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Bietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 1 Blatt und 1 Beilage. Thüringer Kun stfärb er ei Disconto-Commandit-Anth. Darmstädter Bank-Act. Oesterreich. Credit 20 FrancS-Stücke 10 do. Coursbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft frankfurter Börse vom 9. August 1889. Annahme u. Muster bei Geschw. Heerz, Gießen — Neuenweg 7. Kein Portozuschlag! ^Eiliges .z Reinigens in 4—5 Tagen., ... —| 5o/o BuderuS Obl. RetchSbank-DiSk. 3°/g. - Franks. Bank-DtSk. 3o/n. Sonntag den 11. und Montag den 12. August: Kirchweihfest, wozu ergebenst einlaben [6514 Friedrich Jung, „zur Burg“, Balthasar Hinterlang. „ 6 Aermietyunge«. 6517] Stube mit Küche zu vermiethen. __Bölter, Maigasse 12 6525] Zwei ineinandergehende Zimmer mit schöner Aussicht auf den Lindenplatz, im ersten Stock, möblirt oder unmöblirt, per Ans. Sept, preisw zu vermiethen. __LouiS Walther, Wallthorstraße 2. 6523] Möblirtes Zimmer zu vermiethen. _ Grünbergerfiraße 40, 2 Truppen. 6542] Eine große Helle Werkstätte mit Wohnung, mitten in der Stadt gelegen, ist per 1. Octbr. billig zu vermiethen. Näheres in der Exped- d. Bl 120 0.30 6541 Röbrle’s Bierhalle« Samstag den IO. August: GROSSES MILITÄR - CONCERT ausgesührt von der Capelle des 2. Großh. Heß. Jns.-Regts. Nr. 116 unter Leitung des Großh. Musikdirektors Herrn C. Krautze- Gesellschastsbillets zu 4 Personen . . Mk. 1.— 4 pCt. Reichsanleihe 3*/r vCt. do. 4 pCt. Preuß. Consols 3ya pCt. do. 4 pCt- Ungar. Goldrente 41/s pCt. -Oesterreich. 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