Nr». 8. Donnerstag den 10. Januar 1889 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. L II Durcan r Schulstraße 7. mtumstaa»* Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf Gießen, am 7. Januar 1889. Betreffend: Maßregeln gegen die Tuberkulose des Rindviehs. O Z 05 s r« 05 Q 1) Gefammtzahl der im Jahre 1888 geschlachteten Stücke Rindvieh 2) Davon waren tuberkulös -............... - 3) Von den tuberkulösen Stücken wurden für genießbar, aber nicht ladenrein erklärt . . 4) Von den tuberkulösen Stücken wurden für ungenießbar erklärt Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme der Stadt Gießen- Wir beauftragen Sie, aus den Tagebüchern der Fleischbeschauer und deren Stellvertreter einen Auszug nach nachstehendem Muster zu fertigen und denselben unfehlbar bis zum 12- l- Ms. an das zuständige Großherzogliche Kreisveterinäramt etnzusenden. Für diejenigen von Ihnen, in deren Gemeinden das Milzbrandreglement gilt, bemerken wir, daß der durch gegenwärtige Verfügung verlangte Auszug nicht mit den halbjährlich aufzustellenden Tabellen, an deren Ernsendung durch unsere Verfügung vom 2. l. Ms. erinnert wurde, zu verwechseln ist. * v. Gageru. Auszug aus den Tagebüchern der Fleischbescha uer der Gemeinde .................. Bekanntmachung. Der landwinhschaftliche Bezirksverein Gießen und der landwirthschaftliche Localverein Hungen wird Sonntag den 2V. Januar L I«, Nachmittags 3V2 Uhr, in dem „Solmser Hof" (bei Herrn Jockel) zu Hungen eine Generalversammlung abhalten, zu welcher alle Mitglieder des landwirlhschastlichcn Bezirks- und Localvereins und alle sonstigen Freunde der Landwirthschaft ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: yortrag des G.oLherzoglichen Regieruygsrath Jost zu Gießen.. Versicherung der land- und forstwirthschaftlicheu Arbeiter" betreffend. Sollten einzelne Mitglieder noch weitere Gegenstände zur Berathung in Vorschlag bringen wollen, so werden dieselben ersucht, dies alsbald Einem der Unterzeichneten mitzuthellen. Die Herren Bürgermeister werden gebeten, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben- Gießen und Hungen, den 8. Januar 1889. Der Director des landwirthschöstlichen Bezirksvereins Gießen, des landwirthschaftlichen Localvereins Hungen. Jost._________________________________________v. Oven.__ Betreffend: Die Rachjuchung oer Berechtigung zum emjährig - freiwilligen Dienst auf Gründ von ed)ui^eugmhen. Bekanntmachung Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werde» Serdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige esache ohne Weiteres zurückgegeben werden. 1. Das Gesuch ist b^i der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzog- thum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum - 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actensormat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: *. Geburtszeugniß; b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit u. Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, aurzurüst« und zu verpflegen; c. ein Unbesch oltenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höher« Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jung« Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbchörde auszustellen ist; d. das Schulzeugniß. Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, inderLagezusein, den Freiwillig« während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehl« darf. Zu pos. d: daß d:e Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reiftzeug- niffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschule« und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschule» L Ord., sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-Ordnung (I. Theil der Wehr-Ordnung vom 28. September 1875 7- Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen. Im Nebligen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz«Ord. verwiesen. Grobherzogliche PrüjlNmS'Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr Zeller. Politische Ueberskcht. Gießen, 9. Januar. Der Kaiser nahm am Montag und Dienstag an größeren Jagden Theil, die bet Kammerherr Graf Philipp Eulenburg auf feiner Befitzung Liebenberg bet Löwen- llttg veranstaltet hatte. Am Dienstag Abend traf der Kaiser auS Liebenberg wieder in Berlin ein. / Der am nächsten Montag bevorstehende Zusammentritt des pre»stische« Land- i tMt* bringt wiederum die alte Ealamttät des Nebeneinandertagens dieser Körper- 1 schäft und des ReichSparlamenteS, welch' letzteres ferne Sitzungen am heutigen Tage fortsetzen wird. Freilich erweisen sich alle Vorschläge, die bis letzt zur Beseitigung dieses Uebelstandes, der ja den Geschäften in beiden Parlamenten nicht gerade förderlich Ist, gemacht worden sind, als practisch undurchführbar und Reichstag wie preußischer Landtag werden sich daher auch ferner mit einander abfinden müssen, so gut es eben geht. Für's Erste werden beide allerdings keine großen Rücksichten auf einander nehmen können; das preußische Abgeordnetenhaus wird zunächst durch die Etatsdebatten in Anspruch genommen und für den Reichstag gilt es, die Specialberathung des Etats vor Allem zu Ende zu führen. Alsdann dürfte aber in den Plenarverhandlungen de» Reichstages — vielleicht unmittelbar nach der ersten Lesung der zu erwartenden Afrika- Borlage — eine längere Pause etntreten, die nicht nur den Commissionen des Hauses, sondern auch dem Landtage zu Gute kommen wird. Das Interesse an den eolorrialpolittschen Vorgängen hat sich jetzt zwischep Oslafrika und Samoa zu thetlen. Denn auch die Samoafrage hat durch die neuesten, von der Samoa-Gruppe etngelaufenen Nachrichten über den zwischen den deutschen Marinetruppen und den aufständischen Eingeborenen stattgefundenen blutigen . Kampf, in welchem die Deutschen einen Verlust von über 50 Mann an Todten und j Verwundeten erlitten, einen acuten Character angenommen. Die unaufhörlichen In- j triguen der Engländer, namentlich aber der Amerikaner auf Samoa gegen die dortigen \ Deutschen, welche den Handel daselbst fast vollständig beherrschen, haben zu der Ver- ? schärfung der Gegensätze auf Samoa das ihrige beigetragen und auf amerikanische ] Hetzereien mutz auch der Ueberfall der Olga-Mannschaften durch die Anhänger des 4 deutschfeindlichen Häuptlings Mataafa zurückgeführt werden. Es kann nicht bezweifelt j werden, datz nunmehr ein energisches Vorgehen der Deutschen gegen die Partei Ma- taafa's erfolgt, denn das deutsche Blut, welches auf Samoa geflossen ist, darf nicht ungesühnt bleiben. Dann aber wird sich auch eine gründliche Auseinandersetzung zwischen Deutschland einer-, Nordamerika und England anderseits über die Samoafrage noth- wendig machen, denn die Entwickelung der Dinge zeigt, wohin das sonderbare gemeinsame Protectorat der drei Mächte über Samoa führt. Aus dem Haag waren in den letzten Tagen wieder sehr ungünstige Nachrichten über das Befinden des Königs Wilhelm von Holland eingegangen. Zwar besagt eine Meldung vom 7. Januar, datz bet dem hohen Herrn eine unmittelbare Lebensgefahr nicht vorltege, aber augenblicklich ist der Zustand des durch seine lange^Krank- hett ungemein abgematteten greisen Herrschers ein derartiger, datz man sich auf die letzte, schlimmste Nachricht gefatzt machen mutz. Die Proclamirung des anarchistisch angehauchten ultra radicalen Präsidenten des Generalrathes des Seine-Departements, Jaques, als alleinigen Candidaten der Republikaner gegenüber Boulanger bei der bevorstehenden Pariser Ersatzwahl wird in den republikanischen Kreisen Frankreichs nur mit gemischten Gefühlen ausgenommen. Der gemätztgt-republikanische „Temps" bedauert die Aufstellung dieser Candtdatur, empfiehlt aber gleichwohl deren Unterstützung, da durch Jaques der boulangistische Eäsarisnms bekämpft werde. Die „Liberty", ein anderes republikanisches Pariser Organ, spricht sich sowohl gegen Boulanger, wie gegen Jaques aus, denn ersterer bedeute die Dictatur, letzterer die Anarchie. Im nämlichen Sinne äußert sich auch das rinflutzreiche „Journal des Däbats" und empfiehlt dasselbe den gemäßigten Republikanern Wahlenthaltung, während die Organe der Radicalen und der noch weiter links stehenden Gruppen die Candidatur Jaques' unterstützen. — Dieselbe hat also nicht vermocht, die republikanischen Wähler von Parts gegenüber Boulanger vollständig zu einigen und die Boulangisten sehen daher der Wahl des 27. Januar mit um so größerer Zuversicht entgegen, als sie den Sieg ihres Parteigenossen Duport bet der Nachwahl in Larochelle als ein gutes Omen für sich betrachten können. Die Mirristercrtsts in Serbien, welche so unmittelber an den Ausgang der Verfassern gscrisis anknüpfte, ist noch nicht beendigt, da die Unterhandlungen mit den Radicalen wegen Bildung des neuen Cabinets noch keinen Abschluß ersehen lassen. Einstweilen hat König Milan dem zurückgetretenen Cabtnet Cristics eine besondere Auszeichnung zukommen lassen, indem er den Mitgliedern desselben seinen wärmsten Dank für ihre dem Könige in der Verfassungssrage gewährte Unterstützung aussprach. Der König betonte hierbei, daß die Demission des bisherigen Ministeriums demselben um so mehr zur Ehre gereiche, als es nach parlamentarischem Brauche mit diesem Schritte bis zur Erledigung der Wahlen zur kleinen Skupschtina hätte warten können. Schließlich ersuchte der Monarch die seitherigen Eabinetsmitglieder, die Geschäfte bis zu seiner endgiltigen Entscheidung noch weiter zu führen. Jedenfalls steht die Beseitigung der serbischen Mintstercrisis erst nach dem griechisch-katholischen Neujahrsfeste zu erwarten. Das Gerücht von einer geplanten Vermählung des Fürsten Ferdlnair- von Bulgarien mit einer belgischen Prinzessin erhält sich hartnäckig. Die Mutter des Bulgarentürsten, Prinzessin Clementine von Coburg, hält sich zur Zeit in Brüssel bei ihrem Bruder, dem Herzoge von Aumale, auf und wird ihre Anwesenheit in Brüssel mit der Absicht in Verbindung gebracht, die Vermählung des Fürsten Ferdinand mit der Prinzessin Henriette von Belgien, der ältesten Tochter des belgischen Thronfolgers, des Grafen von Flandern, zu betreiben. Der Befnv entwickelt nach längerer Pause wieder einmal eine unheimliche Thätigkett. Seit Montag steigen aus dem Krater des Berges außergewöhnlich große Rauchsäulen auf, auch weißglühende Massen machen sich bemerklich und bis zum Fuße des südöstlichen Vesuvkegels ergießt sich ein Laoastrom. Irgendwelchen Schaden scheint indeß der Vesuv durch seinen jüngsten Ausbruch noch nicht angertchtet zu haben. Der Senat der Bereinigten Staaten von Nordamerika hat zu der völkerrechtlichen Seite der Panama-Canal-Frage nunmehr unzweideutig Stellung genommen. In geheimer Sitzung genehmigte der Senat am Montag mit 49 gegen 3 Stimmen einen Antrag, welcher in Kürze besagt, die Vereinigte-Staaten-Regierung würde jede Verbindung oder Befassung irgend einer europäischen Macht mit dem Bau oder der Controlle irgendwelchen Schiffscanals über die Landenge von Darien oder über Centralamerika überhaupt als den Interessen und Rechten der Union zuwider- laufend betrachten. Zugleich wird Präsident Cleveland ersucht, den Antrag den euro- Päischen Regierungen mttzutheilen. — Offenbar bedeutet dieser Beschluß einen Wink mit dem Zaunpfahle für die französische Regierung, die Hand vom Panama-Canale zu lassen! Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Correspondenz ° Bureau«: Berlin, 8. Januar. Seine Majestät der Kaiser kehrte von Liebenberg Abends 7 Uhr 55 Minuten zurück. — Der Reichskanzler wird morgen hier erwartet. — Nach der „Berl. Börsen-Ztg." werden in der dem Reichstag noch zugedachten Militärvorlage die außerordentlichen Ausgaben auf 13 Millionen, die dauernden Ausgaben auf 2 Millionen beziffert sein. Berlin, 8. Januar. Der Kaiser ließ dem Magistrat folgendes Schreiben zugehen: „Der Beginn des neuen Jahres hat dem Magistrat Anlaß gegeben, mich durch freundliche Glückwünsche für die Zukunft zu erfreuen. Ich danke von Herzen für diesen erneuten Ausdruck treuer Gesinnung, indem ich zugleich die Hoffnung und den Wunsch ausspreche, daß die großartige Entwickelung Berlins auf allen Gebieten des städtischen Lebens, die ich mit lebhaftem Jnterefse verfolge, unter Gottes gnädigem Schutze gedeihlich fortschreiten möge. Wilhelm." Die Kaiserin Augusta Viktoria ließ dem Magistrat folgendes Schreiben zugehen: „Der Empfang der mir zum Jahreswechsel dargebrachten guten Wünsche hat mich lebhaft erfreut. Ein Rückblick auf das abgelaufene Jahr bewegt uns heute in erneuter Frische und befestigt in uns das Bewußtsein, daß die Pflege der Erinnerung an die Heimgegangenen großen Kaiser uns für alle Zeiten als theures Vermächtniß ein schönes Vorrecht bleibt. Mit meinem Danke verbinde ich die Versicherung warmer Theilnahme für das fernere Gedeihen des großen hiesigen Gemeinwesens. Das fortgesetzte Wachsthum der Stadt und der andauernde Zuzug fremder Elemente haben die unvermeidlichen Nothstände im Gefolge, In deren Bckämpfung ich eine der vornehmsten: Aufgaben der Zukunft erblicke. Es wird mich freuen, auch im neuen Jahre den Werken barmherziger Nächstenliebe mein herzliches Interesse zuwenden und alle Bestrebungen unterstützen zu können, welche auf Linderung der geistigen oder körperlichen Roth gerichtet sind. Augusta Viktoria." Die Kaiserin Augusta ließ dem Magistrat folgendes Schreiben zugehen: „In den zum Neujahrstage an mich gerichteten Worten liegt warme Theilnahme an dem Verluste des verganaenen, bestimmte Zuversicht auf den Schutz und Frieden des beginnenden Jahres. Ich spreche für bte mir und den Meinigen kundgegebrne Gesinnung meinen aufrichtigen Dank aus. Die schmerzlichen Eindrücke der Jahreswende sind gemildert durch die Liebesbeweise, die mir zu Theil werden und die mir als eine Verehrung des Andenkens gelten, dessen reicher Segen dauernd ruhen möge auf der Zukunft unseres Vaterlandes. Augusta." Berlin, 8. Januar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht ein Schreiben des Cabinetsraths der Kaiserin Augusta an den Geheimen Regierungsrath von Rollenburg mit dem Ersuchen, der Reichskanzler möge in einer geeigneten Weise die Nachricht widerlegen lassen, daß der verstorbene Cabinetsrath Brandis im Jahre 1870 geheime Depeschen aus dem Großen Hauptquartier während der Anwesenheit der Königin Augusta in Homburg dem damaligen britischen Gesandten in Darmstadt, Morier, im Vertrauen aus seine Freundschaft mitgetheilt habe. Die Königin habe überhaupt keine geheimen Militärischen Nachrichten erhalten, sondern nur zur Veröffentlichung bestimmte Depeschen. Allerhöchstdteselbe habe außerdem, als der Vormarsch der Truppen über die Mosel im August 1870 erfolgte, noch in Berlin verweilt und sich erst im Laufe des October nach Homburg begeben. Berlin, 8. Januar. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die Eröffnung des Landtags findet am 14. Januar, Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des Königsschlosses statt. — Den Abendblättern zufolge ist der Admiralitätschef Monts nicht unbedenklich an Lungenentzündung erkrankt. Kiel, 8. Januar. Die „Kieler Zeitung" versichert bestimmt, datz die Nachricht von einer Verstärkung des Blokadegeschwaders vor Zanzibar dulch 200 bis 300 Mann der Begründung entbehre. Wien, 8. Januar. Das „Fremdenblatt" erklärt authentisch, daß die Meldungen des Wiener Correspondenten der „Tribuna" bezüglich eines Schreibens des Kaisers an. Cardinal Simor wegen der Nichtberufung eines Katholiken-Congresses, in maßgebenden Kreisen als vollständig erfunden bezeichnet werden. Wien, 8. Januar. Die russische Militärdeputation, die zur Beglückwünschung des KalferS eingetrosfen ist, wurde mit Hofequipagen eingsholt und hatte bei dem Kaiser eine Audienz. Morgen findet zu Ehren derselben etn Galadiner in der Hofburg statt. Heute sind die Deputationsmitglieder Gäste deS russischen Botschafters. Paris, 8. Januar. Der Gesammterttag der Staatssteuern pro 1888 weist eine Mehreinnahme von 77 Millionen Francs gegen 1887 und eine Mehreinnahme von 40 Millionen gegen den Voranschlag auf. — Floquet wird am Freitag eine Deputation der Vereinigung der Actionäre. und Obligationsinhaber der Panamagefillschaft empfangen. Rom, 8. Januar. Die osficiöse „Agencia Stefani" bemenlirt die Zeitungsgerüchte übet beabsichtigte Anleihen ober Credttoperattmien Italiens mit dem Htnzu- fügen, die italienischen Finanzen gestatten dermalen die Beftleitung der budgetmäßigen Ausgaben ohne alle Ausnahmemaßregeln. Lokales. Gießen, 9. Januar. Gestern Abend geriethen zwei Arbeiter auf der Wellersburg in Streit, wobei der eine seinem auf der Erde liegenden Gegner einen Stich in den Hals beibrachte. Der Verletzte, gebürtig aus Wieseck, wurde alsbald zur ärztlichen Untersuchung per Wagen hierher gebracht. — Heute Morgen wurde der Dienstknecht eines hiesigen Fuhrunternehmers verhaftet, weil er vor einigen Tagen seinem Dienstherrn eine Hundertmarkrolle geöffnet ünd 44 JL in rechtswidriger Weise davon an sich genommen hatte, Vermischte-. Lauterbach. Verflossenen Montag gingen einem Eisfuhrmann auf der Cent hier die Pferde durch und er gerieth zwischen Pferde und Vorderwagen. Die scheugewordenen ÄHiere rannten zweimal um den daselbst stehenden Laternenpfahl, wobei der Hinterwagen umfiel, blieben aber endlich fefthängen. Der Fuhrmann, für dessen Leben man gefürchtet, kam mit dem Schrecken und einigen Hautabschürfungen davon; er hatte sich _ während der ganzen Katastrophe auf der Deichsel liegend fiftgehallen. — (Vogelsberger Höhenclub.) Wohl die ersten Besucher der Haupthöhen des Oberwalds irn neuen Jahre werden die Sektionen Darmstadt und Schotten gestellt haben, indem am 3. l. M. die Herren Oberbürgermeister Ohly aus Darmstadt und Amtmann Braun aus Lauterbach, welche den genannten Sektionen angehören, von Herbstein aus über Lanzenhain den Geiselstein, Taufstein, Hoherodskopf und di^erchen- hainer Höhe bestiegen, von wo der Rückmarsch über Herchenhain und Hartnmnnshain nach Grebenhain erfolgte. Gegenüber der strengen Kälte in den Thälern war die Lust auf den Höhen so mild, daß sich am Geiselslein „Weidenkätzchen" fanden- Bei vollkommen klarer Luft waren die fernsten Berge sichtbar, nurT>ie Thäler waren theil- weise unter einer Nebelschicht verborgen. — Die Thatsache der größeren Wärme auf den Höhen wird uns auch von anderen Seiten bestätigt. A Mainz, 8. Januar. Da in Folge des Eisgangs und des niederen Wasser- standes der Schiffverkehr so gut wie vollständig eingestellt ist, hat in den letzten Tagen der Güterverkehr auf der Luowigsbahn wie auch auf der Rheinischen Bahn wieder eine sehr bedeutende Zunahme erfahren. Hauptsächlich ist es der Transit-Wagenladungs- verkehr in Kohlen, Holz u. bergl., welcher eine bebeutenbe Vermehrung ber Transportmengen aufweist. Zeitweise war der Verkehr so stark, daß sich hier und da schon wieder Wagenmangel etnftellte. — Wie weit die Reclame heutzutage getrieben wird, läßt sich aus der Thatsache ermessen, daß ein hiesiges Abzahlungsgeschäft in verflossener Nacht in vielen Straßen der Stadt, namentlich wo Concurrenten wohnen, die Firma mittelst einer großen Schablone auf die Trottoirs malen ließ. Die Concurrenzfirmen sind über dieses neueste Mittel zum Kundenfang nicht wenig ausgebracht und haben die Polizei zur Jnterventton angerufen. △ Aus Rheinhessen, 8. Januar. Der Gemelnderechner Zerban von Oppenheim ist mit Unterschlagung einer bedeutenden Summe, man spricht von 48 000 X, seit verflossenen Samstag flüchtig. Die Staatsanwaltschaft hat einen Steckbrief gegen den Flüchtigen erlassen. — Das Amtsgericht in Bingen hat die Gläubiger der falltten dortigen Firma Franz Allmann und Sohn auf Sonntag den 28. Januar zu einer Versammlung eingeladen. □ Von der Nahe, 8. Januar. Aus der Umgegend von Kreuznach wird schon wieder etn Raubanfall berichtet. Unfern von Thalfang wurde am Samstag Abend ein junger Mann von drei Strolchen Überfällen. Den Plan, ihn feines Geldes zu berauben, vereitelte der junge Mann durch die Flucht. Noch in der Nacht gelang es, bte drei Strolche zu verhaften und sind es hoffentlich dieselben Leute, welche seit Wochen bte Umgegend unsicher machen. = Frankfurt, 8. Januar. Heute Vormittag passirte auf dem Übungsplatz der hiesigen Jnfantertekaserne ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Infanterist Matt aus Schreck bet Marburg, welcher als Marqueur thätig war, wurde bei der Schießübung mit Zielmunition erschossen. Die Kugel drang dem Unglücklichen in den Hinterkopf und kam zur Stirn wieder heraus. Matt diente im letzten Jahre. — Es verlautet, der ehemalige Main-Neckar-Bahnhof sei an ein Con- sortium, welches dortselbst ein großes Waarenlager zu errichten beabsichtige, verkauft worden. „ — Die Strecke der Frankfurt-Offenbacher elektrischen Bahn von Bär's Fetsenkeller dis zur Offtnbachec Stadlgrenze ist nunmehr mit elektrischem sucht beleuchtet. Es find zu dem Zwecke circa 70 Lampen in Benutzung. Wie es heißt, würden die Oberräder Wirthe nunmehr auch ihre Locale elektrisch beleuchten. 4- Bockenheim, 8. Januar. Die Zwistigkeiten zwischen dem hiesigen Militär und Civiltsten scheinen immer noch nicht ihren Abschluß gefunden zu haben. Sonntag Abend wurde in der Neugasse hierlelbst ein Soldat vom 13. Husarenregiment von einem Eiotlislen in den Rücken gestochen. Drei der Thal verdächtige junge Leute wurden heute in Haft genommen. Zwei derselben waren dahin geständig, daß ein in der Sternstraße wohnender 17jähriger Schlosser der Thäter sei. Es scheint, daß die Streitigkeiten tiefe Wurzeln geschlagen haben und noch manches unliebsame Lorkomm- ntß zu- verzeichnen sein wird, bevor der Friede völlig hergestellt ist. Aschaffenburg, 7. Januar. Eine schreckliche That hat sich gestern Abend 11 Uhr in dem benachbarten Oberafferbach zugetragen. Um diese Zeit geriethen zwei Burschen von 18 und 25 Jahren, die sich unter anderen Gästen in dem dortigen Wtrthshause befanden, wegen einer Geringfügigkeit in einen Wortwechsel, der alsbald zu Streitigkeiten führte. Sowohl der Wlrth als auch der anwesende Polizeidiei^r suchten dem Streite dadurch ein Ende zu machen, daß sie sofort Feierabend boten, worauf der jüngere Bursche sich entfernte. Der ältere folgte demselben nach und versetzte ihm einen Stich in das Genick und als sich der Verwundete umdrehte, erhielt er einen zweiten Stich in die Brust, der vermuthlich das Herz getroffen hat. Er wankte zur Wirthsstube zurück und hatte kaum ausgesprochen, daß er gestochen worden sei, als er auch dem Polizeidiener, der im Begriff war, den beiden nachzugehen, leblos in die Arme fiel. Herzzerreißend war der Jammer der betagten Eltern des Getödteten, der als Fabrikarbeiter ihnen eine Stütze für ihr Alter war. Sofort wurde die Gendarmerie dahier von dem gräßlichen Vorfall in Kenntnttz gesetzt, die auch alsbald nach dem Orte der That abging. Augsburg, 8. Januar. Durch eine Gasexplosion sind in einer hiesigen Restauration zwer Personen lebensgefährlich verbrannt. — In dem benachbarten Orte Meitingen erstach ein 22 Jahre alter Bauernsohn seinen hochbetagten Vater. (Fr. Zig.) München, 5. Januar. Der Polizei ist es gelungen, eine Bande von sechs Personen abzufassen, welche sich hier und in einem entfernten Dorfe mit der Herstellung falscher Hundertmarkscheine befaßte. Chemicalicn und eine Druckpresse wurden gefunden. Die Fälschungen waren noch nicht ganz vollendet. — [Gedenktage im Jahre 1889.] Schon der erste Monat des neuen Jahres bringt und eine Anzahl von denkwürdigen Lagen. Mit dem 22. Januar sind 160 Jahre verflossen Mt Lessings Geburt (1729), am 27. wird Kaiser Wilhelm II. 30 Jahre, an demselben Tage, an welchem vor 1075 Jahren Karl der Große starb. Am 29. werden es 20 Jahre, seit uns der begeisterte Freiheitssänger Ernst Moritz Arndt entrissen und an dem Wallenstein vor 250 Jahren ermordet wurde. Der 4. März ist ein historischer Tag, Denn an diesem lehnte voc 40 Jahren Friedrich Wilhelm IV. die angetragene Kaiserkrone ab. Vor 75 Jahren am 11. April dankte Napoleon I. ab. 25 Jahre sind seit dem Todestage des berühmten Tondichters Meyerbeer (2. Mai 1864) und 30 Jahre seit dem Alexander o. Humboldts (6. Mai 1859) verflossen. Am 24. Mat wird Königin Victoria von England, geboren 1819, 70 Jahre, und am 11. Juni hätte Kaiser Wilhelm die diamantene Hochzeit gefeiert. Vor 75 Jahren (22. September 1814) starb Jffland; 60 Jahre sind seit der Herstellung der ersten Locomotive durch Stephenson „Rockel" verstrichen. Am 14. December sind 150 Jahre seit dem Tode Washingtons, des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, verflossen. Zum Schluß wollen wir noch einige Daten aus dem Leben berühmter Männer bringen. 1889 werden es 100 Jahre seit Rückerts, 140 Jahre seit Goethe's, 40 Jahre seit Johann Strauß, 140 Jahre seit des englischen Staatsmannes Pitt Geburt und 70 Jahre seit Blüch.rs Tod. Neuweiler i. E., 5. Januar. (Selbstmord.] Vorgestern Morgen schoß sich in hiesigem, dicht an der Schweizer Grenze gelegenen Orte auf offener Straße ein anständig gekleideter, etwa 30jährtger Mann in dem Augenblicke zwei Revoloerkugeln in den Kopf, als ein Grenzaufseher an ihn die Frage stellte, ob er keine zollpflichtige Waare bet sich trage. Die Kugeln blieben in dem Schädel des Unglücklichen stecken; trotz der sofort angewandten ärztlichen Hilfe ist er bald darauf gestorben. Nach den bet Dem Selbstmörder vorgefundenen Papieren zu schließen, ist derselbe ein Fabrikant Namens Schorno, im Eanton Schwyz gebürtig. Bei weiteren Nachforschungen bat sich herausge,teilt, daß er schon längere Zeit an Verfolgungswahn gelitten und an demselben Vormittag in Basel eine Frau nebst Tochter mit Revoloerschüssen gefährlich verletzte, so Daß an dem Aufkommen der ersteren gezweifelt wird. — Ein grausiges Verbrechen wurde bei Hamburg entdeckt. In der Nahe von Rothenburgsort an der Bahnstrecke Hamburg-Harburg wurde ein Bahnarbeiter erschlagen, seiner Baarschaft beraubt und dann auf die Schienen gelegt, um die Sache so darzustellen, als sei der Erschlagene vom Zuge getödtet worden- Harburg, 4.Januar. Beträchtliches Aufsehen erregt hier eine großartige Zollhinterziehung. Ein hiesiger Grossist empfing mehrfach große Posten Roggenmehl, die als Reisgrand, der steuerfrei ist, auf Schuten eingeführt wurden. Der letzte Posten, welcher beschlagnahmt wurde, betrug nicht weniger als 1000 Eentner. Gutem Vernehmen nach betragt der hinterzogene Zollbetrag mit Strafe u. s. w. nicht weniger als 128,000 «Mi. — [SieHn’S [echstc Glied.) Um's Jahr 1604 hatte eine Frau v. Dalwigk in Hessen ihre Kinder und Kindeskinder bis in den sechsten Grad noch wohl und gesund um sich. Es wurde hierauf folgendes Witzwort gemacht: „Die Mutter sprach zur Tochter: meine Tochter, sage Deiner Tochter, ihrer Tochter zu hinterbringen, daß ihrer Tochter Kind meine." — (Ein unnatürlicher Vater.] Wie aus Forbach gemeldet wird, hat sich dieser Tage der Cantonal-Polizeicommissär in Begleitung eines Gensdarmen nach Kammern begeben, um eine traurige Thaisache zu constatiren. Einer der wohlhabendsten Bauern sollte, wie es unter der Einwohnerschaft hieß, seine einzige Tochter, welche schon seit 15 Jahren geistesschwach ist, widerrechtlich etngesperrt halten. Die Sache wurde untersucht und es stellte sich heraus, daß der unnatürliche Vater seine Tochter seit 8 Jahren in einem kleinen, engen, dumpfen Raume gefangen halt. Den Beamten, welche die Unglückliche aus ihrem Verließ befreien wollten, strömte ein peftilenzialischer Gestank entgegen, so daß sie entsetzt zurückwichen. Hoffentlich wird diesem Rabenvater der verdiente Lohn nicht ausbleiden. - (Der Wiener Stefansdom ist in Gefahr.] Technische Fachmänner, welche in jüngster Zett den Zustand des Domes untersuchten, haben u. a. erklärt, daß Kolossale Holzbau des Dachstuhles eine beständige Gefahr für den Dom wie für die Sladt bilde und daß es wünschenswerth wäre, an Stelle des hölzernen Dachstuhles einen eisernen zu setzen. ~ [Abgeführt.] In einem Cafs des Boulevard Montmatre zu Paris läßt sich ein Franzose neben einem Italiener nieder. Sie kommen bald in's Gespräch mit- elnander. Der» Erstere spottet über die Rüstungen Italiens und bemerkt schließlich: ^Wir werden unsere Heere zu Euch schicken; sie werden in Mailand frühstücken, in Rom eine Messe Horen und das Diner in Neapel nehmen." — „Wenn Sie so schnell marschiren , erwiderte der Italiener, „werden Sie gerade zur Vesper in ©teilten eintreffen." f ~ Asif dem Montblanc und zwar auf der Spitze der Rochers des Bosses, soll» 4450 Meter doch, eine Schutzhütte errichtet werden. Ein Herr Vallot, dcr bereits neunmal oben gewesen, hat den Plan dazu entworfen. Achtzig Führer haben sicv ver- pflichtet, die Hütte unentgeltlich nach ihrem Bestimmungsorte zu bringen. Sie soll zur Aufnahme von etwa zehn Personen eingerichtet und mit Feldbetten versehen werden. Außer den Betten soll sie Decken, Tische, Kochgeräthe, einen Ofen, Vorräthe an Erdöl, Thee und Kaffee u. s. w. enthalten. Der Aufenthalt am Tage soll unentgeltlich sein; für den nächtlichen Aufenthalt hat jeder Tourist eine Vergütung (wahrscheinlich 10 Fr.) Zahlen, welche für Reparaturen verwandt werden soll. Die Hütte soll noch . i nter in Chamounix gebaut werden. Wegen der Pariser Weltausstellung werden "°^cheinlich aber erst im Frühjahr 1890 auf den Montblanc befördert . — In eine unangenehme Lage hat sich Etta Stepp, eine junge Dame in der uordamerckanischen Stadt Columbus, gebracht. Ihr fiel kürzlich eine kanadische Zeitung in die Hande und darin las sie das Heirathsgesuch eines Mannes, Namens John D. Morden in Manitoba. Da sie, wie die Newyorker Staatszeitung versichert, nichts Anderes als Dummheiten zu thun hatte, beantwortete sie dasselbe, annehmend, daß bei der großen Entfernung es bei einer Correspondenz bleiben werde. Wer beschreibt aber ihren Schreck, als sich dieser Tage ein richtiger ruppiger Hinterwäldler ihr als John D. Morden vorstellte. Der Unglückliche erhielt natürlich eine sehr schnöde Abweisung, denn Etta ist die Tochter wohlhabender Eltern und kann noch warten, aber für's Erste wird sie wohl auf einige Zeit Columbus verlassen müssen, um dem Spott ihrer Bekannten zu entgehen, denn der zum Besten gehabte Freier hing in seinem Unmuthe die Geschichte an die große Glocke und erklärte nebenbei, daß er nicht eher von Columbus scheiden werde, als bis er eine Frau habe. — In Cordoba in Spanien fand ein Stiergefecht statt, dessen blutiger Ausgang das ganze Land in Äthern erhält. Der Stier, ein mageres, nerviges Thier, warf sich zunächst auf den „Banderillero" Manuel Martinez und brachte ihm eine tiefe Wunde am Halse bei. Martinez Genosse Rafael Ramos, welcher zur Hilfe herbei- eilte, wurde nicht unerheblich an der linken Brust verletzt und der „Picador" Joaauin Rucio stürzte derart mit feinem vom Stier getöbtete Pferde, daß er eine schwere Gehirnerschütterung daoontrug und besinnungslos nach Hause gebracht wurde. Zuletzt stieg endlich der „Espada" Guerrita, welcher sich unter den Zuschauern befand, in den Circus hinab und versetzte dem Thier den Todesstoß. Der schwer verwundete Martinez starb noch in derselben Nacht. 1. Procetzgebühr Mark Bestellgeld 2.00 1.00 0 30 0.50 0.65 0.30 0.30 0.05 0.35 0.25 Abrechnung mit Mandanten . Resthauptforderung...... Zinsen 6pCt. von 18 Mark 15. October 1888 Klage-Nachtrag . Klage Eingangsschreiben Zustellung . Schreiben 20./12. Schreiben . Buenos-Ayres. Im Lause des Jahres 1888 sind 177,267 Einwanderer in Buenos-Ayres angekommen gegen 136,842 im Vorjahre. (F. Z.) — [Ilm 25 Pfennige.] Zwei Berliner Schlächtermeister, welche längere Zeit in Geschäftsverbindung gestanden, halten sich, so erzählt das „Kl. I.", veruneinigt. Der Eine, A., hatte dem Andern, B., noch 18 Mark zu zahlen. A. sendete die 18 Mark abzüglich 20 Pfg. Porto, an B. ein. Hierauf ging B. hin und verklagte A. um 25 Pfg. Restschuld, welche durch Abzug von 20 Pfg. Porto und 5 Pfg. Bestellgeld entstanden waren. Zu Nutz und Frommen Vieler, welche der Meinung sind, man dürfe bei Geldsendungen das Porto abzieben, sei hier nun die entstandene Kostenrechnur g des gegnerischen Rechtsanwalts mitgetheilt: 2. Copialien-Porto für Klage 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 0.10 0.40 bis 8. December 1888 Gerichtskosten Dies um 25 Pfg. A. setzte sich im ersten Aerger hin und schrieb an B. eine Postkarte des Inhalts, daß sein Vorgehen ebenso ungebildet wie unanständig sei. Die Antwort war, daß A. eine Vorladung vor den Schiedsrichter erhielt. A. wissend, daß jeder Sühneoersuch vergeblich sei, ging nicht hin und erwartet nun die Beleidigungsklage. Und dies Alles um 25 Pfg.! Universität- - Chronik. — In Tübingen ist am 6. d. M. Professor Dr. Heinrich Leibnitz, 77Jabre alt, nach langen schweren Leiden gestorben. Leibnitz hat dort Jahrzehnte lang an der Universität gewirkt, seine gediegenen Vorträge über Kunst hatten sich seinerzeit großer Beliebtheit zu erfreuen. Besonders verdient gemacht hat sich Leibnitz um Hebung M Zeichnenunterrichts in Württemberg. — Professor v. Holtzendorfs in München, der berühmte Strafrechtslchr r, kann diesen Winter wegen Krankheit nicht, lesen. — Dem außerordentlichen Professor in der medicinischen Fakultät dcr Universität Berlin, Dr. Heinrich Jacobson, ist der Charakter als Geheimer Medicinai- rath verliehen worden. — Die Begründung einer Professur für Hygiene und die Errichtung eines hygienischen Instituts steht demnächst an der Universität Halle bevor. Die Reform des hygienischen Unterrichts ist von dem Minister Dr. von Goßler ungebahnt worden. In Berlin wirkt Robert Koch, in Breslau Flügge, in Göttingen Wolfs Hügel, in Greifswald Löffler, in Marburg Rubner. Es fehlen j tzt nur noch Bonn, Kiel und Königsberg, dann bestehen an sämmtlichen Universität n Preußens Lehrstühle und Anstalten der Hygiene. — Der vormalige Prioatdocent an der Universität in Graz und derzeitige Assistent am physiologischen Institut der Universität in Leipzig, Dr. Otto Drasch, ist zum ordentlichen Professor der Histologie und Entwickelungsgeschichte an der Universität in Graz ernannt. Literarisches. — Mit Anton Freiherrn von Perfall's Erzählung „Harte Herzen" eröffnet »Hebet Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), das zweite Quartal seines laufenden Jahrgangs. Das frische Gepräge des urwüchsigen Lebens in den bayerischen Bergen, der Heimath ihres rühmlichst bekannten Verfassers, tragend, bildet diese vielversprechend beginnende Erzählung bezüglich ihres Localcolorits einen wirksamen Gegensatz zu dem daneben herlaufenden nicht minder fesselnden Roman „Ionel Fortunat" von Marco Brociner, der das eigenartige Leben und Treiben in Rumänien zum Ausgangspunkte seiner überaus charakteristischen Darstellungen nimmt. Paul von Schönthan's düster gefärbtes Reisebegegniß: „Der Mörder Swensens" findet sein Gegengewicht in der humoristisch berührenden „letzten Reichsfehde" von Carl Ki scwetter. Eine Reihe kleinerer Aufsätze aus Kunst und Leben hilft den textlichen Inhalt ebenso reich und mannigfaltig gestalten, wie es die glänzende künstlerische Ausstattung mit ihren interessanten Darstellungen aus Gegenwart und Vergangenheit und aus aller Herren Länder ist. Wir können bei diesem Anlaß nur erneut allen unseren Lesern das Abonnement auf diese prächtige Familien - Zeitschrift empfehlen. (Preis vierteljährlich für 13 Nummern 3 Jü, das vierzehntägige Großfolio - Heft nur 50 H.) Hanvel «nd Verkehr. — Seit dem 24. December v. I. sind im Bereich der Elberfelder und der links- und rechtsrheinischen Eisenbahndirectionen an Stelle der seit dem 3. November ein- gesührten Beschränkung für offene zur Kohlen- und Coaksverladung geeignete Güterwagen für den Freiladeverkehr die regelmäßigen Be- und Entladefristen von zwölf Tagesstunden wieder zur Einführung gelangt. Für Lagerplatzpächter, deren Lagerplätze an besonderen von dem Freiladeverkehr getrennten Geleisen liegen, sowie für die An- schlußwerke, sofern letzteren nicht besondere Fristen ein für alle Male vertragsmäßig zugesichert sind, sind die Beschränkungen auf sechs Tagesstunden bis auf Weiteres noch in Kraft. * * erzielt man nur, wenn die Annoncen zweckmäßig abgefaßt gt I * und typographisch angemessen ausgestattet sind, ferner die V I V B U richtige Wahl der geeigneten Zeitungen ge- f €7 troffen wird. Ilm dies zu erreichen, wende man sich an httrrh ‘Xtlttrttirrtl dieAnnoncen-ExpediticmRudolf Möge in Frankfurt VUIUJ ^vimUlluU am Main (Vertreter in Gießen Jul. Wallach, Kaufmann, Marktplatz); von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenfrei ertheilt, sowie Inseraten - Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original - Zeilenpreise der Zeitungen unter Bewilligung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Instituts neben den sonstigen großen Vortheilen eine Erspamiß an Jnsertionskosten erreicht wird. 184 Allgemeiner Anzeiger. Sderhesjislhe Eisenbahneu. Mit dem 1. d M. ist ein neuer Gütertarif Köln—i linksrheinisch)—Oberhefsen in Kraft getreten. Die Güterexpeditionen ertherlen über dessen Jnhirlt jede gewünschte Auskur.ft Gießen, den 7. Januar 1889. 328 Großherzogliche Direction. Holzverkauf au* dem Gemeinde - Walde von Wißmar. Mittwoch den 16. Januar c», von 9 Uhr ab, im Locale des Wirths La uz in Wißmar. — Das Holz lagert in Distr. Asselbach 16/)7, Kuhbachsdall 20b, Stumpf 25c, Breitrod 22b und Maulsbach 10, besteht in: 1) Stammholz: ») Eichen: 57 St. 3/< Kl. mit 16,07 Festm-; b) Buchen: 7 St. 2., 3., 4. Kl. mit 5,45 Festm.; c) Fichten: 180 St. 3., 1. Kl mit 42,25 Festm 2) Stangen: Fichten: 275 St. 1. Kl. mit 24,75 Festm., 490 St. 2 Kl. mit 29,40 Festm, 340 St. 3. Kl mit 10,20 Festm. 3) Nutzholz: Eichenrundholz: 51 rm, 2 und 3 m lang, 4) Brennholz: a Buchen: rm 312 Schi., 111 Kpl, 66,5 Stöcke, 694 Reiser; b) Eichen: rm 12 Scht, 127 Kpl, 25 Stcke., 161 Reiser; c) Fichten: rm 2 Schtkpl., 234 Reiser. Krofdorf,»den 6. Janvar 1889. 286 Das Bürgermeisteramt. Ieikgeßolenes. Kreppeln täglich bei ' 330 A. Noll im Stern. 317 Ein Wohnhaus (mit großer Scheune und Stallung, Brunnen, circa */2 Morgen Garten-, worin schon länger als 20 Jahre ein. Cigarren - Geschäft betrieben wird, ist theilungshalber zu verkaufen. Näheres bei Karl Valentin I., Gleiberg. Aermiethungen. 306 Die beiden von Herrn Dr. Keller bewohnten möblirten Zimmer in meinem Hause sind vom 1. Februar ab anderweit zu vermielhen.__________Prof. Lhaer. 314] Kl- Familtenlogts zu oermicthen. __F. Felstng, Neuenweg 31. 312] Fünf Zimmer mit Zubehör in der Bleichstraße zu vermielhen. Näheres Selters weg 63 H. 326] Logis im mittleren Stock, fünf Zimmer mit Zubehör, per 1. Äpril zu vermielhen. Ludwigstratze 14. vermischte Anzeigers. 305] Ein zu aller Arbeit williges Mädchen sucht Stelle in einer kleinen Familie Näheres Kaplaneigasse 11. 12—isooo Mark sind auf erste Hypothek auszuleihen. Näheres in der Exped. d. Bl. 310 Gesucht wird ein tüchtiges Mädchen, welches in der Küche selbständig ist und etwas Hausarbeit milüberntmmt, nach hier gegen hohen Lohn. Gute Zeugnisse sind erforderlich. Näheres auf dem Bermieth-Bureau __Frau Müller. Tüchtige Hosenarbeiter finden dauernde Beschäftigung bei [315 <*ebr. Stamm* Gesucht 313 eine Wohnung von circa 5 Zimmern und Zubehör von einer ruhigen Familie. Offerten unter Q. an die Exped. d. Bl. Tüchtige Möbelschreiner bei gutem Lohn auf dauernd gesucht. J» Gluckert, [308 « Hofmöbelfabrik — Darmstadt. ! iji'chenk!' .]hiber=flekfiTd)(ifl Donnerstaq den 10. Januar, Abends präcis SV2 Uhr (Vereinslokal): Haupt-General-Versammlung. Tagesordnung: 1) Jahresbericht und Rechnungsablage, 2) Wahl zweier Revisoren, 3) VorstandS'Wahl, 4) Wahl zweier passiven Mitglieder in den Vorstand, 5) Stiftungsfest. 331_______Der Vorstand, EGKOGGGRGGSSMGDKGGGOGGGSS von heute Donnerstag täglich im Zapf. » Brauerei Weidig. GOOGGOOOGOGOITMOO»0GSG«GGO Veranlaßt durch Unwohlsein des Herrn Prediger Karl Boigt in Offenbach a. M. muß der auf Donuer-tag den 10. diese- Monat- angekündigte IV. freireligiöse Vortrag nochmals bis auf Weiteres verschoben werden. 323 Bonner Fahnenfabrik in Bonn am Rhein. Hoflief. Sr. Majestät des Kaisers. König!, Grossherzogi., Herzogi. und Fürstl. Hoflief. Zum 27. Januar, Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers^ Wasserechte, von Marine-Fiaggentuch dauerhafte £ UL1Q. S laggSXl, z B billjge Natjona|. flaggen, hessisch oder deutsch, hessische oder deutsche Wappenfahnen etc. Kaiser-Transparente, Lampions, Papier- und Pechfackeln. Pünktliche Lieferung ausdrücklich garantirt. 319 Reichhaltige Preisverzeichnisse versenden wir gratis und franco. Gießener Rindvieh - Affeeuranz. Versteigerung der Häute für 1889 findet Sam-tag den 12. Januar, Abends 8 Uhr, im Gasthaus „zum Schwanen" statt. Auch liegt daselbst die Taxation vom 1. Quartal 1889 offen. 318 Der Vorstand. 311 Ein brav-r Junge im Alter von | 15—16 Jahren gesucht _____________im »Gambrtnus". : 8ect- Vertretung ; Rheinische Kellerei, in allen Preislagen leistungsfähig, sucht tüchtige und sehr solide Vertreter, eventl. würde guter Wein- Handlung den Alleinverkauf übergeben. Gest. Offerten sub C. 4945 an Rudolf Moffe, Frankfurt a. M. 321 Verloren 325 ein Korallenarmband auf dem Wege vom Klubgebäude bis zum Neuenweger Thor- Abzugeben in der Exped. d. Bl. Zöpfe, Tuffen, Dreher, sowie Haarketten 187 werden zu bill. Preisen angefertigt. B. Melior9 .Bahnhofstraße 18. Coursbericht von E. Wasserschlehen, Bankgeschäft. Frankfurter Börfe vom 9. Januar 1889. Schlußcourse 1 Uhr 15 Mtn. 4% Reichsanleihe 3!/>o/o do. 4% Preuß. Consols 3V2°/o do. 4°/o Ungar. Goldrente 4 76% Oesterreich. Silberrente 10895 103.50 108.10 10420 85.90 69.90 5% Italiener Rente ult. 5o/< 1871/73er Russen 4°/o - 880er do. Russische II. Orientanleihe 4% unif Egypter 6°/o ons. Mexikaner, große Stücke 96.40 99.00 87.00 64.10 8410 90.90 Disconto-Commandit-Anth. Darmstädter Bonk-Act. Oesterreich. Credit 228.10 168.00 261.00 Oester reich. Staatsbahn-Actten Lombard. Eisenbahn- „ Galizische do. „ 220.87 86.15 175.75 20 Francs-Stücke 16.11 10 do. 16.09 -16.15 -16.12 Enal. Souveretgns 20.29 Dollars in Gold 4.16 -20.34 -4.20. Tendenz fest Telegraphischer Loursbkrichl der Berliner Börse vom 9. Zanuar 1889. Oesterr. Creditactten Oesterr. Staatsbahn-Actten 1880 4% Russen Oblig. Darmstädter Bankactien^ 168.25 110.75 87.0i) 17010 DiSconto-Com.-AntheUe Lombarden 4% Ungar. Goldrente Bochumer Gußstahlactien 230 60 44.00 85 75 188 50 Tendenz: schwach. I 3T Dem Kalligraphen Herrn Gott» lieb bescheinige ich hierdurch gerne, daß derselbe in nur wenigen Unterrichtsstt vden die Handschrift meines IHährigen Sohnes durch seine Methode ganz bedeutend gebessert hat Prinzipalen, welchen drran t gelegen ist, daß die Handschrift ihrer jungen Leute coulant und schön wird, kann ich nicht i genug empfehlen, die sich jetzt zur Erler- ■ nung einer solchen bietende Gelegenheit wahrzunehinen- | Norden, den 20 Decbr. 1888. 324 I. ten Doornkaat Koolman jun. ! In nur 5 Lectionen W ' ä8 / durch meinen Un-L - ^^M^Asterricht jede schlechtes ' Handschrift in eine § $ C und coulante A umgestaltet.Meldungen^ [ 2 und Unterricht von • ! Damen, Herren unb ® | u 'Wm H Kindern zu jeder Tages- l 3 WM zett. Meine Wohnung £ I e WwX * befindet sick BiSmartk» 5 ! o straffe 6, parterre Näheres Pro- $ ? K svecte. O. Gottlieb, Kalligraph. * : 327] Zum sofortigen Antritt \ suchen mir ein Lehrmädchen. Alex Salomon Co. 329 Ein Teppich wurde gesunde«. Derselbe kann gegen Eruattung b^r Jnser- tionsgebühren bei Barbier Christian Döringer in Wies eck abgeholt werden. Wiener Hof. s j I. Klasse Mittagstisch ! im Abonnement zu 50 H und 80 Höh» Kalkbrenner» Fahrplan. Abfahrt von Gießen nach: Frankfurt 2", 4°«, 5«*, qu 8^*, 11* ist', 706», ßos. GroffeN'Linden 6«, 1», 6“ 8°8. Lollar 14U, 630 (Localzüge). Marburg 12°'*, t-s, 3.3 qk 951* um 121* 4« 855*, 907. Cassel 12°**,'F*, 3«, 8«, 9"*, 11", lei* 4«, 855* Wetzlar 53°, 63°, 8*’* 9«, 10«, 1159,12«, 4«, 455, 720», 867, ^is Weilburg -, 905 (bis Betzdorf). Dudenhofen 6« IO00, 11», 456, 357 905. Ems-Coblenz 530, 8-1*, 9", 11«», 4“ 716*. Deutz 630, 1000, 1225, 455. Fulda 6