Nr» Samstag den 9. Februar 1889« Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Vrrreaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Vf. mit Bringerloh». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hßeil. Bekanntmachung. Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß zum Vertrauensmann bezw. Beauftragten der Tiefbau>Berufsgenoffenschaft Herr Bauratb Wiessel m Darmstadt und als Stellvertreter Herr Kreisingenieur Gnauth in Gießen für die Provinz Oberhessen ernannt worden sind 9 Gießen, am 6. Februar 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Die Samoafrage verspricht trotz der seltsamen Erregung gewisser amerikanischer Politiker einen befriedigenden Ausgang zu nehmen. Die Unionsregierung hat den deutscherseits gemachten Vorschlag, durch eine in Berlin abzuhaltende Conferenz die Samoa-Angelegenheit definitiv zu regeln, angenommen und sieht mau in Bälde auch der zustimmenden Antwort Englands entgegen. ,.fl , DieSpecialberathungder Etats im preußische« «l-geordnete«hause verläuft ots jetzt ohne sonderlich hervorragendes Interesse und mußte sie außerdem bruchstück- weise erledigt werden, da die preußische Volksvertretung bislang auS Rücksicht auf den Reichstag immer einen Tag um den andern pausirte. Die voraussichtliche Vertagung des Reichstages wird dem Abgeordnetenhause indessen von nun an eine zusammenhängende Erledigung des Etats ermöglichen. Am Mittwoch überwies das Haus vor Fortsetzung der Etatsberathung die Vorlage, betr. die Erhöhung der preußischen Krondotation, ohne jede Debatte an die Budgetcommtssion und den Entwurf, betr. den Erlaß oder die Ermäßigung der Grundsteuer infolge von Ueberschwemmungen nach längerer Dis- cussion an die sogenannte Agrarcommission. Am Freitag steht neben dem Etat die erstmalige Berathung der neuen Eisenbahn-Vorlage auf der Tagesordnung des Abgeordnetenhauses. 3" »tlflien spukt abermals der alte revolutionäre Geist unter der Arbeiter- $le Steinbrucharbeiter von Quenast. strtken thellwetse und verlangen Lohnerhöhung; zwischen den Strikenden und der Gensdarmerie kam es bereits zu einem vluligen Zusammenstöße, bei welchem mehrere der ersteren verwundet wurden und erlagen von denselben zwei den erhaltenen Verwundungen. Politische Stundscha« Gießen, 8. Februar. Die welterschütterndeKatastrophe in Oesterrelch's Kaiserhause hat mit der Beisetzung der irdischen Ueberreste des unglücklichen Kronprinzen Rudolf in der Fürstengruft der Wiener Kapuzinerkirche ihr ergreifendes Finale gefundm und wenngleich die Erörterungen und Gerüchte über das tieftragtsche Drama von Meyerltng noch immer nicht verstummen wollen, so wendet sich doch das Jnteresie allmälig wieder den lausenden Angelegenheiten der Tagespolitik zu. Ein bedeutsamer und von ungewöhnlichem äußeren Glanze umrahmter Staatsact spielte sich in dieser Woche am Berliner Hofe durch den Empfang der außerordentlichen marokkanischen Gesandtschaft seitens des Kaisers am Mittwoch Mittag ab. Der Empfang der marokkanischen Gäste am kaiserlichen Hofe bot ein ungemein farbenprächtiges Bild dar, von der Auffahrt der Marokkaner an, als der Einleitung des glanzvollen Schauspieles, bis zur Vorführung der unserem Kaiser vom Sultan von Marokko zum Geschenk gemachten prachtvollen Pferde und Ueberretchung der sonstigen Geschenke, als kostbare Waffen, marrokkanische Industrie-Erzeugnisse u. s. w. Den Mittelpunkt des Ganzen bildete natürlich die feierliche Audienz der Marokkaner beim Kaiser, die im historischen Weißen Saale des Berliner Residenzschlosses vor sich ging und bei welcher all' der Glanz und Pomp entfaltet wurde, welchen der Berliner Hof bei besonderen Gelegenheiten heraus- kehrt. Die Audienz selbst war nur von kurzer Dauer und bestand im Wesentlichen aus der in arabischer Sprache gehaltenen Anrede des außerordentlichen marokkanischen Botschafters Std Abdessalam ben Rtchtd ei Härtst, die von dessen Dolmetscher Mansur Melhamehl sofort in's Französische übersetzt wurde, und der deutschen Erwiderung des Kaisers, welche Mansur Melhamehl nach der ihm schon vorher übergebenen französischen Uebersetzung in's Arabische übertrug und somit dem Botschafter sofort verständlich machte. Nach der Audienz besichtigte der Kaiser die ihm vom Beherrscher Marokkos zugesandten Prachtrosse. Im ReichAschatzamte ist der Entwurf eines neuen Zuckerfteuergesetzes im Sinne der Londoner Convention ausgcarbeitet und bereits der Begutachtung Sachverständiger unterbreitet worden. Nach Abgabe der betreffenden Gutachten seitens her- zugeh«i Vertreter der Zuckerbranche soll der Entwurf unverzüglich dem Bundesrathe Fevtschland. Darmftadt, 7. Februar. Das Amtsblatt des Grotzh. Ministeriums des nnmet9R u •> <*** <*• I« «MW. M Fragliches Ausschreiben lautet: .^4 bestehender Anordnung haben die OrtSgerichte jährlich bis zu einem von den Amtsgerichten zu bestimmenden Zeitpunkte die feit der letzten gerichtlichen Revision der Hypothekenbücher stattgehabten Einträge und Löschungen nebst Register, soweit dies ohne die amtsgerichtlichen Acten möaück gemäß M ordnen" ""^rwerfen, und die dabei gefundenen Mängel zu berichtigen, auch die etwa nicht genügend geordneten Acten instructions-- Die Amtsgerichte haben die Ortsgerichte vor Beginn der amtsgerichtlichen Revision entweder durch ein Circular oder bei Anberaumung des Revisionstermins auf dre vorstehend erwähnte Verpflichtung hinzuweisen, dabei auf die Mängel, welche vorzugsweise durch die ottsaerichtliche Revision zu beseitigen smd (mangelnde Beglaubigungen und fehlende Unterschriften, fehlende oder wesentlich mangelhafte Einträge von Hypotheken oder Löschungen rm Register, mangelhafte Abschrift der amtsgerichtlichen Verfügungen, wie Auslassungen von Worten, unrichtige Angabe des Datums der gerichtlichen Verfügungen und unterlassene Unterstreichung desselben, sowie nicht instructionsgemäß vollzogene Löschungen) ausdrücklich aufmerksam zu machen und zu bemerken, daß die schuldvoll unterlassene Berichtigung derartiger Mängel angemessener Ahndung (mit Verweis und selbst mit Geldstrafe) unterliege. Indem wir diese Vorschriften, welche nicht genügend befolgt zu werden scheinen, in Erinnerung bringen, bestimmen wir zugleich, um ihre bessere m,rÄn?rfi*triA6fr-n' bQf ^OrtSgerichte über tue jedesmalige Vornahme der ihnen obliegenden jährlichen Revision ein Protokoll auszunehmen haben, aus welchem erftchllich sein muß daß, wann und in Gegenwart welcher OrtSgenchtSmitglieder, sowie bezüglich welcher Einträge die Revision vorgenommen wurde Gießen, am 8. Februar 1889. Grobherzogliches Amtsgericht Gießen. a - Stammler. Aht nunmehr seinen Widerspruch zurück, m FHCrt ebenfalls mit der Verlegung einverstanden. ä)liIitär7@tat8Ogene6mißrt mU 8ro6cr M-Srheit angenommen, auch der Rest des. den $eWi™larimet®rayefDungb °W n’tfwtli4e Debatte genehmigt, unverändert nach „nh ®pke,dafcet,at des Reich sschatzamtes liegt vor der Antrag v. Helldorff berftenunÄ suchen, falls England die Initiative zür Wieder- Währungsmetall ergreift - die Bereitwilligkeit zu einem. I gemeinsamen Vorgehen mit England auszusprechen. i li(hcn D' Girbach (cons.) befürwortet diesen Antrag. Rach seinerpersön- 5 " ^""lht waren zwar auch ohne Rücksicht auf England schon wirthschaftliche Vor- Ihelle in der Währungsfrage durch ein selbständiges Vorgehen Deutschlands zu erreichen, ober Deutschland und England hätten sich bisher besonders zurückhaltend in der Bewegung zu Gunsten des Silbers gezeigt, während die meisten der übrigen Nationen sich günstig für die Doppelwährung aussprachen. Landwirthschaft und Industrie haben durch die Entwerthung des Silbers gelitten. In England ist die Stlberfrage in Fluß gekommen und aus diesem Anlaß sei die eingebrachte Resolution zu empfehlen. Abg. Bamberger (dfr.) ist wegen der Währungsfrage ganz beruhigt und fürchtet nicht, daß die Wünsche der Bimetallisten sich verwirklichen. Selbst wenn Hr. v. Kardorff Ftnanzminister würde, er wagte es nicht, an der Währungsfrage zu rütteln. (Abg. v. Kardorff ruft: O doch!) Trotz der Sisttrung der Stlberverkäufe hat sich die Goldwährung bet uns als gut erwiesen und man sollte keine Experimente auf ein doch höchst discutabeleS Problem hin vornehmen. Die Verantwortlichkeit für die Folgen könnte kein gewissenhafter Mensch übernehmen. Auch die vielfach geäußerte Befürchtung eines Rückganges der Goldproduction ist neuerdings durch die Goldfunde in Südafrika, Indien und Südamerika beseitigt, wo man die Goldgewinnung bergmännisch treibt. Die Silberbewegung in England hat ihren Grund in den indischen Verhältnissen, wie wir sie ähnlich in Deutschland nicht kennen. Es ist sehr unklug, wenn man England in seinen angeblichen Bestrebungen für die Silberwährung unterstützen will, das schon heute laut zu verkünden. Auch an formellen Mängeln leidet der Text des Antrages, der namentlich unklar läßt, wann die Regierung die gewünschte Erklärung an England erlassen soll. Der Antrag ist eine offene Liebeserklärung an England, aber wenig zurückhaltend und wenig schamhaft. Staatssecretär v. Maltzahn: Die Währungsfrage ist keine politische Parteifrage, sondern lediglich eine Frage der Zweckmäßigkeit. In den deutschen Münzverhältnissen liegt kein Grund vor, das Währungssystem zu ändern. (Lebhafte Zustimmung.) Der Ausfall der englischen Silber-Enquete in England kann für uns keinen Anlatz geben, auf eine Aenderung unserer Währung Bedacht zu nehmen, lieber die Stellungnahme zu der Resolution kann sich die Regierung erst schlüssig machen, wenn die Re- folution vom Reichstage angenommen sein wird. Abg. Dr. v. Bennigsen (nt.) kann dem Antrag in der vorliegenden Fassung nicht zusttmmen. In unseren Währungsoerhältnissen liegt kein Grund vor, zu solchen Schritten zu drängen. Wie sollte der deutsche Reichstag dazu kommen, mit einem solchen Beschluß eine in England eingetretene Bewegung zu unterstützen? Der Antrag würde ein ganz unrichtiges Licht auf unsere Zustände werfen. Wir haben alles Jn- tereffe daran, in unserer ausgezeichneten monetären Lage abzuwarten, wie sich die Dinge in anderen, weniger günstig fitutrten Ländern gestalten. Abg. v. Kardorff (Rchsp.): Wir sind von unseren bimetallistischen Freunden in England befragt worden, wie denn diese Bewegung bei uns läge. Das veranlaßte uns, den Antrag einzubringen. Rach der heute hier stattgehabten Debatte wird die Bewegung in England wohl einen lebhaften Charakter annehmen. Die Doppelwährung ist das Fundament, auf dem die Landwirthschaft noch einmal gesunden kann, sonst geht sie rettungslos zu Grunde. — Redner zieht seinen Antrag zurück. Abg. Dr. Meyer, Halle (dfr.) wundert sich, daß Herr v. Mirbach eine ironische Aeutzerung ernst genommen, die er (Redner) gemacht. Unrichtig sei die Theorie, daß Geld nur eine Elle sei; richtiger sei, daß Geld, als die vorzüglichste Waare sich am besten als Münzmetall eigne. Warten wir die Sache nur ab, vielleicht kommen wir noch dazu, daß die Bimetallisten sich beruhigen. Abg. Dr. Frege (kons.) tritt für eine Aenderung der Goldwährung ein, giebt aber zu, daß die Form des Antrages zu Bedenken Anlaß gebe. Die Entwerthung des Silbers sei namentlich der Landwirthschaft verhängnißvoll geworden. Die Währungsdebatte wird hierauf geschlossen. Im weiteren Verlaufe der Etatberathung wir vom Abg. v. Christen (kons.) um einen, den Tabakbauern günstigeren Modus der Flächenbesteuerung beim Tabaksbau gebeten. Staatssecretär v. Maltzahn hält eine solche Neuregelung für schwierig. Abg. Schulz, Lupttz (Rp.) bittet der Saccharinfabrikaton die nöthige Aufmerk- famkeit zuzuwenden, damit diese nicht die Zuckerfabrikation schädige. Die Abgg. v. Kardorff (Rp.) und Graf Stolberg (kons.) treten diesen Anschauungen bei. Staatssecretär v. Maltzahn und v. Bötticher erwidern, daß die Regierung -er Sache ihre Aufmerksamkeit zuwende, daß aber das Saccharin absolut keinen Nährwerth besitze. Abg. v. Staudy (kons.) führt Klage über die Belastung der kleinen ostpreußifchen Brennereien in Folge des neuen Brantweinfteuer-Gefetzes. Staatssekr. v. Maltzahn. Ohne eine gesetzliche Aenderung ist Abhülfe nicht zu schaffen. — Der Etat wird bis einschließlich des Special-Etats der Zölle und Verbrauchssteuern erledigt. — Hiernächst vertagt sich das Haus auf Freitag 1 Uhr. Tag.-Ordn.: Fortsetzung der dritten Etatsberathung. Geschästssprache bei den @e; richten in Elsaß-Lothringen. Antrag Rickert: Militärgerichtsreform. — Schluß 5V, Uhr. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspovderrr-Bureau. Berlin, 7. Februar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Namen der bei Apia gefallenen Ofsiciere und Mannschaften nebst der Angabe der Schußverwundungen Im Ganzen gab es 14 Todte, 31 Schwer- und 9 Leichtverwundete. Don letzteren sind mehrere wieder hergestellt. Bei Abgang des Berichts von Apia am 4. Januar war der Zustand sämmtlicher Verwundeten ein befriedigender, theils ein sehr guter. In den meisten Fällen war die Hellung innerhalb vier Wochen bestimmt voraus- tzusetzm. Wien, 7. Februar. Ein Armeebefehl des Kaisers sagt: Es habe seinem tiefbetrübten Herzen unendlich wohlgethan, in den Tagen schwerer Prüfung von dem teere, der Kriegsmarine und den beiden Landwehren neue Beweise unverbrüchlicher reue, rührender Anhänglichkeit und pietätvoller Hingebung empfangen zu haben. Wahrhaft würdig und herzlich haben die Angehörigen meiner bewaffneten Macht die Gefühle der Trauer und des Schmerzes um meinen theuren Sohn ausgedrückt. Aus den entferntesten Marken des Reichs eilten die Vertreter der bewaffneten Macht herbei um dem theuren Dahingeschiedenen in Pietät die letzte Ehre zu erweisen und zu manifestiren, daß Leid und Freud meines Hauses in der bewaffneten Macht allezeit lauten Widerhall findet. Der Kaiser entbietet Allen seinen innigsten Dank. Nach wie vor schlage sein Herz warm für jeden Einzelnen. Mit Stolz blicke er auf sie auch in Zukunft hinab und bleibe ihnen seine ganze Liebe und Fürsorge gewahrt. Wien, 7. Februar. In der heutigen Gemeinderathssttzung theilte der Vice- burgermelfter mit, daß der Kaiser Mittags den Bürgermeister Uhl mit den Stellvertretern empfing, welche ihm das Beileid der Stadt Wien darbrachten. Der Kaiser nwiderte mit thränenerstickter Stimme, innigft auch Namens der Kaiserin und seiner Schwiegertochter dankend: „Mein Sohn war ein guter Wiener; wir sind ja auch ein Volk, eine Familie." v — Der russische Oberst Roschow legte am Sarge des Kronprinzen Namens des Sewski - Regiments einen silbernen Lorbeerkranz mit einer Widmung des Regiments nieder. ,, . ~ Tisza wurde um 1% Uhr in längerer Audienz vom Kaiser empfangen und dinirte heute bei Kalnoky. Wien, 7. Februar. DaS officiöfe „Correspondenzbureau" versendet folgendes Telegramm: „Die Meldungen verschiedener ausländischer Blätter bringen die Namen von den höchsten österreichischen Adelsfamllien, wie Auersperg, Schwarzenberg rc angehörigen Persönlichkeiten in Verbindung mit der erschütternden Katastrophe'von Meierling. Wir sind in der Lage, aufs Bestimmteste zu erklären, daß die Meldungen in jeder Beziehung auf vollkommen grundlosen Erfindungen beruhen. „rr — Das belgische Königspaar ist heute Nachmittag um 4 Uhr 15 Min. nach Brussel zurückgereist. Auf feine ausdrückliche Bitte begleitete kein Mitglied der kaiserlichen Familie dieselben zum Bahnhof. Der Abschied vom Kaiser, der Kaiserin und -er Kronprinzessin-Wittwe erfolgte in der Hofburg. Prinz Philipp und Prinzessin Louise von Coburg begaben sich mit dem Königspaar zum Bahnhofe, wo die herzlichste Verabschiedung stattfand. Auch der belgische Gesandte mit seiner Gemahlin waren am Bahnhöfe. *•**•'?• Februar. Der Kriegsminister hat roegen des vom Obersten Senard veröffentlichten Tagesbefehls, betreffend die angebliche Weigerung der deutschen Botschaft, , dem Stabsarzt seines Regiments zu einer Reise nach Straßburg ein Paßvisa zu ertheilen, die Einleitung einer Untersuchung angeordnet. c^dariS, 7. Februar. Nach einer aus Hanoi an den Marineminifter gerichteten Depesche griff General Desbordes am 2. Februar die Dörfer Din-tein-tong und Chochu an. Der Angriff erfolgte in einer Entfernung von 11 Kilometer von Chochu. Die Aufstandifchen gaben entmutigt successive sämmtliche Stellungen auf. Drei europäische Sodaten wurden leicht verwundet. Der Feldzug wird als beendigt angesehen. Pari-, 7 Februar. In der gestrigen boulangistischen Versammlung kündigte V ergo in an, Boulanger werde nicht zögern, die Auflösung der Kammern Namens der Seine-Wähler zu verlangen. Die Versammlung nahm den Antrag an, eine große Versammlung zu veranstalten, zu der alle Seine-Deputirte eingeladen werden sollen, um Rechnung abzulegen über die Ausübung ihres Mandats. London, 7. Februar. Aus Clonmel wird gemeldet: Der parnellitische Depu- "rte Condon wurde wegen Verletzung des irischen Ausnahmegesetzes zu 2 Monaten Gefängniß mit Zwangsarbeit verurtheilt. ., 8tom, 7. Februar. Der Papst und das diplomatische Corps, sowie zahlreiche Fremde wohnten dem Traueramte bei, welches heute anläßlich des Jahrestages des Todes Pius deS Neunten in der Sixtinischen Kapelle stattfand. . Madrid, 7. Februar. Der Senat lehnte mit 66 gegen 53 Stimmen den Antrag auf Erhöhung der Eingangszölle für Getreide und Vieh ab. k m d.ArSdnrg, 7. Februar. Der „Petersburger Zeitung" zufolge hatte der Kaiser • LVr? 00 Tolstois wegen Einführung oberster Chefstellen für die einzelnen Pro- vinzialdistricte genehmigt. m “ Gerüchtweise verlautet, die Aburtheilung der wegen des Eisenbahnunfalls bei Borkt Angeklagten, darunter die des Generals Stternval, würde demnächst in einer besonderen Session des Senats erfolgen. Lokales. Gießen, 8. Februar. In der am 6. d. M. stattgehabten Vorstandswahl deS Kriegeroereins Gießen wurden gewählt als erster Präsident Herr Postsecretär Mayer, zweiter Präsident Herr Stationsassistent Margolf, als Kassier Herr Kaufmann Dort. Als Ausschußmitglteder wurden gewählt die Herren: Verwalter Dietz, Kaufmann Flimm, Werkführer Grüneberg, Verwalter Keller, Metzger Löwenstein, Steuercommisfariatsaehilfe Möbus, Schutzmann Ochs, Kaufmann Pistor, Stationsafststent Schad und Spengler Schneider. Vermischtes. Gießen, 7. Februar. Wie das „Frankf.Jour." schreibt, werden für die Verlegung des Guterbahnhoss der Main-Weser Bahn auf die Westseite des Bahnkörpers rc. in einer dem Abgeordnetenhause zugegangenen Vorlage 1,300,000 Jt gefordert. or ,? ohl'Göns, 7. Februar. Der langjährige hiesige Bürgermeister, Herr A. Seitz, ist gestern Abend nach schwerem Leiden gestorben. In dem Verstorbenen verliert unsere Gemeinde ihren von allen Einwohnern geliebten ersten Vertreter, der, mit allen Obliegenheiten seines Amtes wohl vertraut, ein allgemein geachteter und werthgeschätzter Mann des ganzen Amtsgerichtsbezirks Butzdach, sowie seiner vorgesetzten Behörde in Friedberg war. Außer seinen sonstigen vielen Ehrenämtern, welche Herr Seitz begleitete, gehörte auch derselbe dem Verwaltungsrathe des Sparkassenbezirks Butzbach und des Mathtldenstists Friedberg-Butzbach an. Friede seiner Asche! Darmstadt, 7. Februar. Die von dem am 31. December v. I. zum Tode verurtheilten Jean Müller eingelegte Revision ist nach hierher gelangter officieller Mittheilung am 31. v. Mts. vom Reichsgericht verworfen worden und wird die Hinrichtung Müller's nunmehr zum Vollzug kommen, da Se. Kgl. Hoheit der Großherzog schon vor seiner Abreise nach Rußland erklärt haben soll, daß er von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch machen werde. — Dem Vernehmen nach hat die Mutter des zum Tode verurtheilten Mörders Jean Müller ein Gnadengesuch ein- reichen lassen. Charlottenburg, 4. Februar. Von einer „schneidigen" Frau Hauptmann meldet die „Neue Zeit" von hier. Die Dame wurde, als sie Abends aus einer Gesellschaft kam, von einem jungen Herrn belästigt, der es wagte, sie bis zu ihrem Wohnhaufe zu verfolgen. Dort faßte die Dame den Verfolger, nachdem sie die Hausglocke gezogen, unerwartet beim Genick und hielt ihn, trotz allen Sträubens, so lange fest, bis der Bursche ihres Gemahls das Hausthor geöffnet hatte. Dem Krieger überlieferte dann die Dame den Gefangenen mit dem Befehle, demselben einige derbe Ohrfeigen zu verabreichen. Der Bursche kam dem Befehle mit Sorgfalt nach. — (Erkennung von echtem Silber und Neusilber.) Man wendet für diesen Zweck eine fall gesättigte Lösung von doppeltchromsaurem Kali in reiner Salpetersäure von 1,2 specifischem Gewichte an. Nachdem die zu prüfende Oberfläche mit starkem Weingeist gereinigt worden, um einen etwa vorhandenen Firnißüberzug zu entfernen, bringt man mittelst eines Glasstabs einen Tropfen von obiger Flüssigkeit daraus und spült dann die benetzte Stelle unmittelbar hierauf noch mit etwas Wasser ab. Bei vorhandenem Silber ist nun ein deutlicher blutrother Fleck (chromsaures Silberoxyd) sichtbar. Auf Neusilber färbt sich der Tropfen braun. — (Der Herr Bürgermeister als Nachtwächter.) Der Vorstand der kleinen Gemeinde Grandval im Canton Bern beschloß, daß das Amt des Nachtwächters der Reihe nach von jedem der fünfzig Gemeindebürger auszuüben sei, damit eine Besoldung nicht mehr ausgegeben zu werden brauche. Der Gemeindevorsteher glaubte allerdings durch seine hohe Stellung von der persönlichen Dienstleistung ausgeschloffen ru sein; das war jedoch ein Jrrthum und die einzige Rücksicht, welche ihm gegenüber Platz griff, war, daß man ihn, sammt den übrigen Honoratioren, den Pfarrer, den Lehrer und den Apotheker, an die Spitze der Liste stellte und ihm gleich in der ersten Nacht die Attribute der neuen Winde, Spieß und Horn, übergab. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Semeinde. Gottesdienst. 5. Sonntag nach Epiphanias, den 10. Februar: Vormittags 9r. Kuorr's Antipyrtn " Jede Original-Büchse trögt den Namenszug des Erfinders „Dr. Knorr" in rothem Druck. Mäusburg und Wettergasse Bei einem mehrfach bestraften Diebe ' sind zwei neue silberne Cylinderuhren I mit den Nummern 75775 und 75777 i beschlagnahmt worden. Die unbekann- i ten Eigenthümer werden ersucht, Mittheilung zu den Acten F 1/89 zu machen. Wetzlar, den 6. Februar 1889. Königliches Amtsgericht. 1124 Der Untersuchungsrichter. 20 „ rst die Farbe und der Geschmack des Kaffee - Getränkes, welchem bei der Bereitung eineKleinigkeit von Weber A CarlSbader Kaffee-Gewürz in Portionsstücken zugesetzt wurde. Dieses Gewürz ist in Colonialw.-, Droguen- und Delikateß-Handlungen zu haben. ____________________ 1127 empfiehlt sein Lager aller Sorten dauerhaft und elegant gearbeiteter Schnhwaaren als: Knopf-, Schnur-, Schaft- und Zugstiefel, Wintersehuhe , Filzschuhe und -Stiefel, som re Gummi- u. Tanzschuhe für Damen, Herren und Kinder von den gewöhnlichsten bis zu den hochfeinsten aus den besten und grössten Fabriken. Für Arbeiter u. 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Die geehrten Herrschaften und Käufer bitte ich in gegenseitigem Interesse, thunlichst zum Kauf auch die Vormittagsstunden zu benützen. Indem ich noch benterke, daß ich bei so übermäßiger Ueberfüllung dem w. Käufer nicht diejenige Sorgfalt widmen kann, die ich Jedem gerne widmen möchte, zeichnet Hochachtend S. Fabian ansF™X‘a “ in Giessen, Bahnhofstr. 8. Grosser Ausverkauf von Kleiderstoffen, Teppichen, Vorhängen, Steppdecken, Bettzengen, Portieren, Vorlagen rc. Die Preise für Maaren, die gemessen werden, verstehen sich für den Meter (nicht Elle). 1131 Eier Eier 813 Karte ©er Vorstand 1068 Schlußcourse 1 4% Reichsanlethe 3*/z0/g do. 20 Francs-Stücke 10 do. Telegraphischer Lourttericht der Berliner Börse vo» 8. Februar 1889. Tendenz: fest. 46/o Gießener Obl. Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. ' 169.00 108 00 89.00 177.90 235.80 174.80 239 50 43 oO 85.75 204 35 215.25 85.12 175 50 108.65 1< 3.95 108.75 104 50 85.90 70 50 - 104-80 ^umpensortirerinnen gesucht. Sortirlohn 75 H pro Centner. 1106 Alexander Mayer. 20.31—20.36 416-4 20. Heinrich Arnold II., Schloßgasse 5. Disconto-Commandit-Anth Darmstädter Bank-Act. Oesterreich. Credit Nichtmüglieder können durch Mitglieder gegen Lösung einer (Herren JL 1.—, Damen 50 Ä) eingeführt werden. Disconto-Eom-Arrtheile Lombarden 4% Ungar. Goldrentr Bochumer Gußstahlactien Frisch eingetroffen: Fst.DelieateH-u.Brathäringr, Bismarckhäringe, Oelsardinen, ruff Sardinen, Rollmöpse, Kiel Fettbückinge und Sprotten, Sardellen, Capern, Elb Caviar re. 602 bei Chr. Ludw Thomas, 23 Wallihorstraße 23. piebt es, wenn sich der Leidende eu spat nachqq Rettung nmsieht Wer an Schwind mich t, Aufzehrung:. Asthiua (A