Nr. 259. Erstes Blatt. Mittwoch den 6. November 1889. Der Htetze«-r Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Anmitienvräller werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger. Vierteljähriger Avonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den 'N reis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamitienölätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. NDer deutsche Kaiser in Konstantinopel- Konstantinopel, 3. November. Gestern Nachmittag machten der Kaiser und die Kaiserin eine Ausfahrt in die Stadt. Sie besuchten die Aja Sofia, die Suleiman-Moschee und die Bajazid-Moschee. Dem kaiserlichen Wagen ritten türkische Offiziere voraus, eine Escadron CavaUerie folgte. Das Kaiserpaar befand sich mit dem Prinzen Heinrich und dem Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg im ersten Wagen. Die vier Generale vom Ehrendienst folgten in einem zweiten. In Stambul, wo sich die Nachricht von dem Besuche der Herrschaften rasch verbreitete, harrte in den Straßen eine tausendköpfige Menge. Heute Vormittag um 11 Uhr begab sich das Kaiserpaar nach der protestantischen Kirche. Die zur Kirche führenden Straßen füllte eine ungeheure Menschenmenge. Das Militär bildete Spalier und vor der Kirche befand sich eine Ehrenwache mit Musik. Das Kaiserpaar wurde von dem Botschafts- Prediger Suhle mit einem Segenswunsch begrüßt,- er dankte für alle Wohlthaten, welche diese Kirche vom Hause Hohen- zollern empfangen habe und er sei glücklich, die Gefühle ausdrücken zu können am 350. Jahrestage der Einführung der Reformation in Brandenburg. Der Kaiser dankte gerührt und trat in die Kirche ein, gefolgt von dem Prinzen Heinrich, dem Herzoge von Mecklenburg, dem Grafen Bismarck und der Suite. Nach der von Suhie ausgeführten Lithurgie hielt der Hosprediger Koegel die Predigt über den Brief an die Hebräer, Capitel 13 Vers 8. Nach dem Schlußgesang verließ das Kaiserpaar die Kirche und nahm den Weg durch die große Straße Peras zur Botschaft. Die Menschenmenge begrüßte das Kaiserpaar mit dem griechischen Zito. Der Kaiser dankte unausgesetzt salutirend, die Kaiserin sich verneigend. Bor und hinter dem Wagen ritt eine Schwadron Cavallerie. Im Botschaftspalais überreichte eine Deputation der deutschen Cvlonie eine reichgeschmückte Adresse. Der Kaiser dankte lebhaft und erkundigte sich nach der Lage der Colonie. Um 12^2 Uhr sand in der Botschaft ein Dejeuner von 30 Gedecken statt. Während desselben erhielt Herr v. Radowitz den rothen Adlerorden erster Classe. Nach dem Dejeuner wurden die deutschen Offiziere und Beamten in türkischem Dienst von dem Kaiserpaar empfangen. Um 2!/2 Uhr Nachmittags besuchte die Kaiserin das deutsche Hospital, wo sie eine Stunde verweilte. Sodann besuchte das Kaiserpaar das Palais Dolmabagdsche, die kaiserliche Schatzkammer, das alte Serail. Der Kaiser hatte Stambul bereits um 9 Uhr Morgens besucht und war von dessen Schönheit außerordentlich entzückt. Heute Abend findet beim Kaiser ein Diner statt, wozu der Großvezier, Said Pascha, Edhem Pascha, Musures Pascha, ein Theil des Gefolges und einige deutsche Offiziere geladen sind. Für 9>/z Uhr lud der Kaiser die Mitglieder der Botschaft und einige Herren der Suite zu sich ein. Gleichzeitig gibt die deutsche Colonie zu Ehren der deutschen Offiziere ein Banket. Ein gestern Abend von der Colonie veranstalteter Commers verlief auf das Glänzendste. Dabei wurde auf den Kaiser ein Salamander gerieben und auf den Sultan getoastet. Konstantinopel, 4. November. Der Kaiser schenkte dem Minister des Aeußern, Said Pascha, sein Porträt und kostbare Vasen. Die türkischen und griechischen Blätter feiern fortgesetzt das Kaiserpaar in Leitartikeln. Der Kaiser besuchte die Militärschule und wohnte den Exercitien der Truppen bei. Die Majestäten sprachen sich wiederholt mit großer Ge- nugthuung über die glänzende Gastfreundschaft des Sultans aus. Die deutsche Kaiserin empfing gestern Nachmittag den Vorstand des deutschen Hospitals, die Aerzte, Diaconissinnen und den Vorstand des deutschen Frauenvereins. Der Empfang sand in dem Garten des Hospitals statt. Die Kaiserin drückte ihr lebhaftes Jnteresie für die Thätigkeit der Diaconissinnen auö und unterhielt sich sehr huldreich mit dem Vorstand und den Aerzten; auch ließ sie sich durch die Gemahlin des Botschafters v. Radowitz sämmtliche Schwestern und den Vorstand des Frauenvereins vorstellen. Letzterer überreichte der Kaiserin eine gestickte Decke, ein Muster türkischer Frauenarbeit. Bei dem Abschied schrieb die Kaiserin ihren Namen und den Te^t der gestrigen Predigt in das Album des Hospitals, reichte dem Vorstande des Hospitalvereins und dem Botschaftsprediger Suhle die Hand und dankte denselben für ihre hingebungsvolle Thätigkeit. Nach der Ankunft des Kaisers und der Kaiserin im Yildizpalast fand Abends i/27 Uhr das Diner bei dem Sultan statt. Die Hauptstraße Peras ist glänzend illuminirt und wurden die Herrschaften bei ihrem Ausfluge nach Therapia von einer großen Volksmenge in den Straßen jubelnd begrüßt. Der Kaiser besuchte bei dem heute Morgen unternommenen Ausfluge 'auch das kaiserliche Museum. — Der Besuch der Kaiserin im kaiserlichen Harem unter Führung des Sultans und in Begleitung der Frau v. Radowitz und anderer Damen dauerte dreiviertel Stunden. Zwei Töchter des Sultans trugen auf Wunsch der Kaiserin auf dem Flügel Musikstücke Chopins und zum Schluß die preußische Volkshymne vor. — Graf Bismarck stattete dem Großvezier und Minister Said Pascha, dem englischen Botschafter White Besuche ab. Se. Majestät der Kaiser ritt heute Vormittag mit militärischem Gefolge nach den „Süßen Wassern", besuchte sodann die Militärschule und wohnte dem Exercitium der Truppen bei, welches Allerhöchst seine Zufriedenheit erregte. Se. Majestät lobte ganz besonders das Aussehen der Mannschaften, welches Höchstderselbe als prächtig bezeichnete. Se. Majestät ritt alsdann die ganze Länge der Grand Rue in Pera entlang nach Stambul, um dort die Runde um die alte Stadtmauer zu machen. Gegen 3 Uhr begibt sich das kaiserliche Paar aus der Dacht „Sultanjeh" nach dem Bosporus und wird der deutschen Botschaft in Therapia einen Besuch abstatten. -— Der Sultan hat den dringenden Wunsch geäußert, daß seine hohen Gäste ihren Aufenthalt noch um einen Tag verlängern möchten. Deutscher Reichstag. 7. Plenarsitzung. Montag den 4. November 1889, 1 Uhr. Am Bundesrathstische: Dr. v. Boetticher, Herr- furth, v. Verdy du Vernois. Die Tribünen sind zahlreich, das Haus ist mäßig besetzt. Eingegangen ist die Novelle zum Bankgesetz. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: 1. Berathung des Rechenschaftsberichts der preußischen, sächsischen, hessischen und hamburgischen Regierung über die Handhabung des Socialistengesetzes. Abg. Singer (Soc.) findet den Bericht widerspruchsvoll und voll unwahrer Behauptungen. In Berlin sind 104 Versammlungen auf Grund des Socialistengesetzes verboten, obwohl die Tagesordnung sehr harmlos war. Diese Verbote waren die reine Willkür und nicht in Gemäßheit des § 9 des Socialistengesetzes begründet. Redner protestirt gegen die Unterstellung, als ob die Socialdemokratie eine gewaltsame Revolution anstrebe,- nach den bestimmten Erklärungen, die hier abgegeben seien, könne diese Behauptung nicht mehr in gutem Glauben gemacht werden, auch glaube sie kein Kind. Die socialdemokratischen Blätter, die gegenwärtig bestehen, haben ganz gewiß den Behörden keinen Anlaß geboten zum Einschreiten, denn sonst beständen diese Blätter nicht mehr. Wenn die Behauptungen der Denkschrift wahr wären, so müßte der große Belagerungszustand über Berlin verhängt werden. Aus den nichtigsten Gründen wurden die Versammlungen in Berlin unter Berufung aus das Socialistengesetz ausgelöst. Heute kann Niemand mehr die Behauptung aufstellen, das Socialistengesetz werde loyal gehandhabt. Gründe für die Verlängerung des Gesetzes gibt es nicht. Dies Gesetz hat corrumpirend auf die Rechtssprechung gewirkt, zu deren Ehre namentlich die Geheimbund- processe nicht gereichen, weil sie auf Aussagen von Spitzeln und Geheimpolizisten angestrengt wurden, die nachweislich erlogene Aussagen machten. Mit dem Socialistengesetz stellt sich die Regierung in den Dienst des Capitalismus, wie ja auch Herr v. Boetticher den westphälischen Großindustriellen sagte: „Wir arbeiten ja nur für Sie." Die Handhabung des Gesetzes ist nur eine Umschreibung jener Worte,- man suche die Arbeiterbewegung zu erdrosseln. Eine Centralleitung der Socialdemokratie gebe es nur in der Reichstagssraction, nicht aber in London, wie der Bericht behaupte. Die Anordnung des preußischen Staatsministeriums, wonach die Verkeilung von Druckschriften auf Straßen und Plätzen von einer polizeilichen Erlaubniß abhängig gemacht wird, unter Berufung aus das Socialistengesetz, ist ungültig- die Regierung kann nur die Vertheilung verbieten, aber nicht von einer besonderen Erlaubniß abhängig machen. Für die Regierung sei das Gesetz ein Monument der Schande. (Der Redner wird wegen des letzteren Ausdrucks zur Ordnung gerufen.) Minister des Innern Herrfurth: Die verbündeten Regierungen sind der Ueberzeugung, daß das Gesetz seinem Sinne nach ausgeführt werden muß. Die Befugnisse, welche es den Behörden gibt, sind theils obligatorisch, theils facul- tativ. Die Behörden sind ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Auflösung oder Verbot von Versammlungen nur dann stattfinden, wenn Bestrebungen zu Tage treten, welche aus den Umsturz rc. gerichtet sind. Die Versammlungen pflegen aber in Berlin so zu verlaufen, daß im Anfang ein gemäßigter Redner spricht, dann aber, wenn draußen sich große Massen angesammelt haben und auch der Wirth emigermaßeu zu seiner Rechnung gekommen ist, die Sprache lebhafter wird, so daß die Auflösung dann erfolgen muß,- das ist namentlich auch geschehen in der Tonhallen Versammlung, wo Herr Singer sprach und dann nach der Auflösung die wüstesten Scenen und thätliche Angriffe gegen die Beamten stattfanden. Der Minister verliest Wahlaufrufe, die von socialdcmokrati- scher Seite ergangen sind und die eine sehr aushetzende Sprache enthalten. Es ist Anordnung getroffen, daß gegen Lockspitzel in der schärfsten Weise aufgetreten werden soll. (Abg. Bebel ruft: Das war nicht immer so!) Es können vielleicht einmal Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein, aber dann ist auch Besttafung erfolgt. Es ist auch nöthig, die Beschuldigungen der Beamten sehr vorsichtig aufzunehmen, weil ihnen nicht selten Zeugen von zweifelhafter Glaubwürdigkeit gegcnübergestellt werden. Gerade um den großen Belagerungszustand nicht verhängen zu müssen, ist die Fort dauer des Gesetzes nöthig. Die Herren von der Socialdemokratie aber mögen das Wort bedenken und danach handeln: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht! Staatssecretär v. Bötticher widerlegt den Sinn, welchen der Abgeordnete Singer den Worten des Ministers untergelegt hat: Wir arbeiten nur für Sie! Die Worte hatten den Zweck, die Industriellen, nachdem eine große Sorge derselben abgewendet war, zu beruhigen. Hoffentlich werde Herr Singer dlese Interpretation nun auch in seinen Kreisen verbreiten, damit der Minister gegen solche infame Interpretationen, wie seine Worte in Flugblättern gesunden, geschützt sei. Abg. Frohme: In den socialdemokratischen Versammlungen geht es nicht turbulanter zu als in allen anderen Versammlungen, namentlich aber nicht schlimmer als in den antisemitischen Versammlungen. Großgrundbesitzer und Industrielle notiren höhere Einkünfte in der Zollgesetzgebung, wenn aber die Maurer striken, dann ist das ein staatsgefährliches Unternehmen. Von allen anderen Behörden habe sich aber die Leipziger Polizei durch ungerechte Anwendung des Socialistengesetzes ausgezeichnet; ihr Ziel war, jede Arbeiterversammlung unmöglich zu machen, und so verbot sie dieselben, wenn nicht auf Grund des Socialistengesetzes, so doch auf Grund des Vereinsgesetzes. Lernen Sie gerecht sein (zur Rechten): Sie sind gewarnt, und die Regierung auch. (Heiterkeit.) Abg. Barth (dsr.) hält die Rechtfertigung des Berichts nicht für genügend. Er beweist, daß der kleine Belagerungszustand in Verbindung mit der Ausweisungsbefugniß geradezu verhängnißvoll geworden ist, denn die Agitation hat sich von der Oeffentlichkeit in die geheime Bewegung geflüchtet und da ist sie am meisten bedenklich; die Führer der unheimlichen Bewegung haben jedesmal ein Interesse daran, daß die Sache mit einem behördlichen Einschreiten endigt. Will man das Ausnahmegesetz überhaupt aufrecht erhalten, dann wird man doch die Ausweisungsbefugniß darin beseitigen müssen. Der sächsische Bericht ist der mangelhafteste. Abg. Dr. Hartmann (cons.) tritt der Behauptung des Abgeordneten Frohme entgegen, daß die Zölle nur von den Landwirthen im eigenen Interesse beschlossen seien. Er sei nicht Landwirth und habe auch für die Zölle gestimmt und stimme heute noch für deren Aufrechterhaltung. Aber das Interesse des Vaterlandes ist Ihnen Wurst. (Heiterkeit). Ihnen ist es gleich, ob Sie von einem angestammten Fürsten oder von Herren aus Paris regiert werden. Abg. Singer (Soc.): Wo war denn das Legitimitätsgefühl des Vorredners im Jahre 1866? Der Scandal bei Versammlungsauflösungen werde durch den Uebereifer der Beamten herbeigeführt. Redner polemisirt im Weiteren mit dem Minister und führt aus, daß die Darlegungen des Ministers nicht überall zutreffend seien. Trotz seiner Versicherung existiren noch Agents provocateurs, sie sind eine nothwendige Folge des Socialistengesetzes. Abg. Frohme (Soc.) polemisirt mit dem Abgeordneten Dr. Hartmann - nachdem dieser kurz erwidert, wird der Be- richt^durch Kenntnißnahme erledigt erachtet. Darauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. Socialistengesetz. Schluß 41/2 Uhr. Neueste Nachrichten. Wolffs tclegraphisches Correspondenz-Burcau. Berlin, 4. November. Das dem Reichstage soeben zugegangene Weißbuch über Ostafrika enthält die bereits bekannten Berichte Wißmanns über die Kämpfe an der Küste mehrerer Italien heute ihr 5. 8986 H. Enders. 8984 8965 aus Coblenz- 8998 8979] Kanarienvogel entflogen- Dem Wiederbr. g. Bel. Goethestraße 12 Hl- Neidhart, Gerichtsschreiber. Das seither von Adolf Wein- mar in Gießen unter der Firma: „Hamburger Fischhandlung A. Koch Nachfolger" betriebene Geschäft ist euf Friedrich Köhler in Gießen übergegangen und führt derselbe solches unter der seitherigen Firma weiter. Holländisches Weißkraut wird heute Mittwoch (Vormittags) billig abgegeben auf dem Brandplatz. Gemüsehändlerin Enders 8977 Ein tüchtiges Hausmädchen wird zu baldigem Eintritt gesucht- Nordanlage 33 III. Am Wahltage Mittwoch den 6. November er., Vormittags von 8—12 Uhr und Nachmittags von 2—5 Uhr, wird zur Bezahlung rückständiger Communalsteuer (1.—3. Ziel) Zahltag abgehalten. Gießen, den 5. November 1889. Der Stadtrechner: Louis Rothenberger, Neuenweg 22. , Vermischtes. — Eine Verurteilung zu fünfzehnjähriger Zuchthaus- strase wegen Verkaufs trichinösen Fleisches, dessen Genuß den Tod von 6 Personen zur Folge hatte, hat der Schwurgerichtshof zu Oels über die Beier'schen Eheleute aus Klein- Schönwald ausgesprochen. Die hohe Strafe rechtfertigt sich durch die gemeinen Beweggründe der That. Trotzdem das Fleisch des geschlachteten Schweines vom Trichinenbeschauer als trichinenhaltig bezeichnet und seine Vernichtung angeordnet Pulvers hinfällig. . Mons, 4. November. Der Ausstand tm Bormage scheint abzunehmen - im Lütticher Gebiete sind alle Werke in Betrieb. — In Mariemont ist der Strike der Grubenarbeiter im Zunehmen begriffen- in mehreren Versammlungen wurde heute der Strike beschlossen. Ueberall herrscht Ruhe. Rom, 4. November. Der Ministerrath setzte auf den 25. November die Parlaments-Eröffnung fest und bestätigte das Präsidium und Gesammtbüreau des Senates. — Wegen ungünstigen Wetters und rücksichtlich des bevorstehenden Empfangs verschiedener Pilgerzüge empfahl Dr. Ceccarelli dem Papste Schonung. Der Papst verließ deßhalb am Allerheiligentage seine Gemächer nicht und ertheilte Niemandem an seinem Hose die Communion. Rom, 4. November. Einer Stefanie-Meldung zufolge wird in Venedig die Ankunft des deutschen Kaiserpaares am 12. November daselbst erwartet. Der Kaiser begäbe sich zum zweitägigen Aufenthalt nach Monza, die Kaiserin bleibe zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten in Venedig und werde vom Kaiser wieder abgeholt. Belgrad, 4. November. Die „Agence Belgrade" wurde ermächtigt, die Meldung von einer bevorstehenden Reconstruction des Cabinets durch Ausscheiden r"L f Wegen schwerer Beleidigung des Großh. Oberamts- I richters Hempel von Lauterbach und der ersten Civil- kammer des hiesigen Landgerichts wurde heule ein Einwohner von Lauterbach in eine Gefammtgefängnißstrafe von 5 Monaten verurtheilt. * Ueber die Kurzsichtigkeit in der Schule hat Herr Prof. Dr. v. Hippel Hierselbst seit einer Reihe von Jahren an den Schülern des hiesigen Gymnasiums Untersuchungen angestellt, deren Ergebniß er unter dem Titel: „Ueber den Einfluß hygienischer Maßregeln auf die Schulmyopie" veröffentlicht. Aus dem von Herrn Prof. Dr. v. Hippel eingeschlagenen Wege ist es gelungen, einen ganzen Jahrgang von Sexta bis Prima in Bezug auf Veränderung der Sehkraft der einzelnen Schüler zu beobachten. Die Ergebnisse der Untersuchung gipfeln in zwei Thesen: „1. Trotz baulicher Beschaffenheit und zweckmäßiger innerer Einrichtung einer | Schule, trotz Vermeidung jeder Ueberbürdung der Schüler ! und regelmäßiger ärztlicher Ueberwachung wird ein nicht unbeträchtlicher Theit derselben während der Schulzeit myopisch (kurzsichtig), bei einem anderen nimmt schon vorhandene Kurzsichtigkeit' zu. 2. Durch Befolgung richtiger hygienischer Grundsätze bei der äußeren Einrichtung der Schulen und der inneren Organisation des Unterrichts läßt sich die Häufigkeit der Myopie erheblich verringern, der Grad derselben in der übergroßen M-hrzahl der Fälle in mäßigen Grenzen halten und eine Herabsetzung der Sehschärfe meistens vermeiden - zugleich treten die mit Myopie verbundenen Complicationen: Staphiloma posticum und Accomodationskrampf, seltener auf, als es sonst zu geschehen Pflegt." Dieser zweiten These liegt die Folgerung zu Grunde, daß im Laufe der letzten vier Jahre am Gießener Gymnasium die Kurzsichtigkeit eine fortdauernde Abnahme zeigt und im letzten Jahre auf einen so niedrigen Prozentsatz gesunken ist, wie er kaum an einer anderen Schule beobachtet worden. Unter 832 wiederholt untersuchten Augen befanden sich 508 ursprünglich gesunde. Von diesen wurden im Laufe der Jahre 75 — 12,4 Prozent ! kurzsichtig. Bei 186 von Haus aus kurzsichtigen Augen wurde 107 Mal, also in 57,5 % eine Abnahme der Sehschärfe nachgewiesen. — Ungemein wichtig ist die Thatsache, daß z. B. 1881 kurzsichtig waren: 57,6 °/0 in Untersecunda, 30,7 % in Obersecunda, 54,1 % in Unterprima, 78,6 o/o in Oberprima - dagegen in 1889 in Untersecunda 36, in Obersecunda 21,4 °/0, in Unterprima 39,3 °/0, in Oberprima 28,5% der untersuchten Augen. Die Durchführung des Grundsatzes, den Schwerpunkt beim Unterricht auf den mündlichen Vortrag während der Schulstunden zu legen, und jede unnütze Nahearbeit in und außer der Schule zu vermeiden, die Beschränk- BLkrrnMmachttng. Betreffend: Stadtverordnetenwahl. Mitglieder zu demenriren. Athen, 4. November. Der König von verlieh dem Kronprinzen den Annunciatenorden. — Die Deputirtenkammer wählte Bureau; die Candidaten der Regierungspartei wurden mit 67 gegen 39 Stimmen gewählt. Das Budget wird Mittwoch vorgelegt. Locales und provinzielles. Gießen, 5. November. * Der Landwirthschaftliche Verein der Provinz Ober- Hessen hat den Herrn Grafen zu Solms-Laubach zum Präsidenten gewählt. Der bisherige langjährige Vorsitzende Frhr. von Nordeck zur Rabenau wurde in Anerkennung seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt. * Laut Schreiben Königl. Eisenbahn-Directlon Hannover werden vom 4. November ab zwischen Gießen und Fronhausen zwei Omnibuszüge nach folgendem Fahrplane eingestellt : ab Gießen l40 Mittags, in Fronhausen 27 Nachm., ab Fronhausen 717 Morgens, in Gießen 745 Morgens. Einträge in das Firmenregister Großh. Amtsgerichts Gießen am 5. November. 1. Wilhelm Meyer und Guido Günther in Gießen betreiben daselbst seit 1. October 1889 ein Cigarr enfabrikationSgeschäst unter der Firma: „Meyer und Günther." 2. Die Firma „August Haubach" in Gießen ist erloschen. 3. Die Firma „Fehsenfelds Uni- versitäts-BuchHandlung und Antiquariat von Franz Thomas" zu Gießen ist erloschen. 4. Magnus Baltz zu Gießen führt das vorerwähnte Geschäft seit 1. Juli 1889 unter der Firma: „Fehsenselds Universitäts- Buchhandlung und Antiquariat (M. Baltz)" unter Uebernahme von Activen und Passiven weiter. Prima Speisekartoffeln, zwei Centner gesackt, zu verkaufen. Zu erfragen [8982 _____S Markt 5, Laden. 8978 Ein leichtes Pferd und Wagen zu verkaufen bei Ph. Müller V., Beuern. "ea Möbel-Verkauf. Nen|§we» I« Nußbaum: 3 Betten mit Sprungfedern- und Roßhaarmatratze, 1 kl. Glasschrank, ovaler Tisch, 1 Spiegel mit Trümeau, 1 Trümeautisch, Nähtisch, Nachttisch mit Marmorplalte rc. In Mahagoni: 1 reich geschnitzte Garnitur (grüner Plüsch) mit passendem Tisch. r p.x In Eichenholz: Sopha mit 6 Stühlen (Phantasiestoff), 3 th. Brandkiste. , r . Ferner 1 Büffet, 1 Konsolchen, mehrere billige Sophas, Reale, 1 Regulator, 1 Regulirfüllofen, Vorhänge mit Gallerie, Bilder, Etagöre, HauShaltungSgegenstände in Silber, Crystall, Alfenide rc, Puppenstube, Puppenküche, Spielsachen rc. und im Innern, den letzten Zug gegen Bushiri von Wißmann und Gravenreuth, sowie über den Rückmarsch nach Zanzibar und die Eröffnung der Karawanenstraße. Würzburg, 4. November. Der Archäologe und Philologe Geheimrath von Urlichs, ehemals Mitglied des Ersurter Parlaments, ist gestern an einem Schlagansall gestorben. Karlsruhe, 4. November. Der Erbgroßherzog tft heute aus Baden-Baden nach Freiburg zurückgekehrt, um das Commando des Infanterie-Regiments Nr. 113 wieder zu übernehmen , nachdem die wiederholten ärztlichen Untersuchungen ergaben, daß er völlig wiederhergestellt. Seine Gesundheit würde durch den langen Aufenthalt in Badenweiler ganz vorzüglich gekräftigt. Wien, 4. November. Wie die „Polit. Corr." meldet, hatte Fürst Ferdinand von Bulgarien in Folge von Belästigungen seines Ceremonienmeisters Bourboulon Seitens serbischer Polizeiorgane auf der Durchreise nach Sofia den bulgarischen Vertreter in Belgrad, Mintschewitsch, beauftragt, die serbische Regierung von feiner (des Fürsten) Reise durch Serbien zu verständigen: die serbische Regierung sei sür Alles verantwortlich, was ihm in Serbien zustoße. In Folge dessen sei der Zug des Fürsten während der ganzen Fahrt von Agenten der Geheimpolizei begleitet und sein Waggon besonders überwacht worden. Wien, 4. November. Der Kaiser reiste Abends nach Gödöllö ab- die Kaiserin begab sich Nachmittags von Triest nach Korfu. Wien, 4. November. Die „Polit. Corr." erklärt gegenüber den Meldungen über die Verhandlungen, welche die deutsche Regierung bezüglich Ueberlaffung des im österreichischen Heere versuchten rauchlosen Pulvers eingeleitet haben soll, daß an maßgebendster Stelle von ähnlichen Verhandlungen nichts bekannt. Damit werden auch die Bemerkungen hinsichtlich der chemischen Beschaffenheit des deutschen 8989] Ein HauS, das größere Abschlüsse mit Mühlhauser «nd Mar- kircher Fabrikanten in Resten und Coupons machte, sucht größere «b- nehmer. Das Haus wäre auch bereit, auf größeren Plätzen den Alleinverkauf zu geben, und würde dieses für Damen, die sich etablireu wollen, eine sichere Existenz bieten- Gefl. Offerten bitte sub 0- E 286 an Saasenstein & Vogler in Frankfurt a. M. zu richten 8990] Junges MLdchen für Morgens gesucht Näheres in der Exped. d. Bl- war, auch die Versicherungssumme voll ausbezahlt war, haben die Beier'schen Eheleute aus Habsucht Fleisch von dem trichinösen Schweine bei Seite geschafft und verkauft. Mehr als 30 Personen erkrankten, 6 starben. — Nur wer die Sehnsucht kennt .... Aus Athen wird dem „Kl. I." gemeldet: In der Nacht vom 24. zum 25. October brachen sämmtliche dreißig Insassen des städtischen Arresthauses in Tripolis aus, um sich aus dem kürzesten Wege nach Athen zu begeben. Ein Greis, der als Letzter die Mauer des Gefängnisses zu übersteigen suchte, dabei aber von den endlich erwachten Aufsehern ergriffen wurde, erklärte mit Thränen in den Augen, daß sie die Sehnsucht, den deutschen Kaiser und die Braut zu sehen, nicht mehr hätten besiegen können, für ihn aber werde mit der Vereitelung dieses Wunsches wohl auch der letzte Wunsch seines Lebens begraben sein! 8983 Ein braver Junge von etwa 16 Jahren in ein kaufmännisches Geschäft in die Lehre gesucht. Näheres bei der Expedition dieses Blattes. Eine Granatbroche verlöre« auf dem Wege «ach Stein» Garten. [8851 Abzugebe» in der Kxped. diese» Blatte». Eingesandt. Das Eingesandt im gestrigen Blatt richtet sich mit Recht gegen den Gedanken, der schließlich den beiden bis jetzt in hiesiger Stadt gegründeten Bezilksoereinen zu Grunde liegt, als ob Die Interessen dieser Stadtthetle allein oder am besten nur von Männern vertreten werden könnten, die in denfelben wohnen. Die Bildung dieser Vereine ist im Interesse der ganzen Stadt und ihrer weiteren schönen Entwickelung nur zu beklagen. Man hat ganz mit Recht die früheren Bezirkswahlen abgefchafft und nun wird die Folge dieser Agitationen fein, daß sich gewissermaßen durch eine Hinterthür dieses falsche Wahlsystem hier in Gießen wieder einführt. Setzen wir einmal den Fall, diese BeztrkSvereine würden bei der diesmaligen Wahl Erfolge au'zuweisen haben, was wird dann unzweifelhaft geschehend Die anderen Stadllheile werden sich ebenfalls zusammenthun und wir werden bald zu verzeichnen haben, einen Verein der Neustadt, des Selterswegs, des Teufelsluftgärtchens, der Bahnhofstraße, des EentrumS der Stadt, Süd-West oder Süd-Ost u. s. w. und bet den nächsten Stadtrathswahlen wird sich Der ödeste Jnterrssenkampf breit macken. In der Gründung dieser Vereine liegt gewissermaßen ein Mißtrauensvotum gegen unsere seitherige städtische Vertretung, was ganz gewiß in keiner Weise gerechtfertigt ist. Man kann ruhig behaupten, daß die Entwicklung der Stadt seither eine schöne und möglichst gleichmäßige war und kann der seitherigen Vertretung dafür nur dankbar sein. Wenn der eine oder andere Stadtheil dabet etwas zurückgeblieben sein sollte, so ist das eben die natürliche Eonsequenz seiner örtlichen Lage, die Einwirkung der Verkehrsverhältnisse rc. und kein Bezirksverein wird tm Stande sein, daran etwas zu ändern. Es kann und muß von jedem Stadtverordneten verlangt werden, daß er, ganz einerlei wo er wohne, nur die Gesammtinteressen der Stadt vertritt und nur der, von dem man dies voraussetzen kann, sollte gewählt werden. Hoffentlich wendet sich der einsichtsvolle Theil der Wähler von diesen einseitigen Bestrebungen ab und trifft feine Auswahl unter dem Gesichtspunkt der Allgemein- und nicht der Sonderinteressen. Das erwähnte Eingesandt richtet sich zum Schluß auch gegen die Wahlvorschläge politischer Parteien. Nun ist ja der Satz, daß die Politik mit Stadtverordnetenwahlen nichts zu thun habe, an und für sich richtig; dies schließt jedoch nicht aus, daß politische Parteien, die gewiß in rhrer Mitte eine Auswahl geeigneter Persönlichkeiten r • - , . . i besitzen, ebenfalls mit einer Liste an die Oeffentlichkeit treten. Wenn ung des Unterrichts auf den Vormittag, die regelmäßigen I nun, wie bei der Liste der sreisinnigen Partei, in durchaus Pausen zwischen den einzelnen Stunden und die von der I maßvoller und nicht einseitiger Weise, sondern sogar unter Berück- Schule in jeder Beziehung 'geförderten Leibesübungen scheinen sichttgung auch anderer Parteirtchtungen geschieht, so läßt sich doch als Vorzüge des Gießener Gymnasiums v. Hippel die im I wohl dagegen nichts einwenden. Vergleich zu allen anderen augenärztlichen Untersuchungen Verkehr, Land- Uttfc Volkswirthschaft. günstigeren Ergebnisse herbeigcführt zu haben. Gießen, 5. November. Marktbericht.] Auf dem heutigen t Wegen einfachen Bankerntts wurden heute Vormittag Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. 1,10—0 00, Hühnereier die Kaufleute Moritz Student von hier und Willy \ Wmattf'pr. St. 1 Silberstein von Frankfurt a. M. vor hiesiger Straf- @rbfen Liter 18 H, Linsen vr. Liter 30^, Tauben pr. Paar kammer abqeurtheilt. Gegen Ersteren erkannte das Gericht 0,4)— 0.55, Hühner pr. Stück 0,85-1 U), Hahnen pr. St. eine Gefängnißstrafe von 4 Monaten, abzüglich 3 Monaten Untersuchungshaft, gegen Letzteren eine solche von einem 56_60 Schweinefleisch 60-70 H, Hammelfleisch 50—66 H, Kalb- Monat. Die Strafe Silbersteins ist durch die erlittene Unter- frisch 56-60 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo 3,30—3,70, Weißkraut suchungshaft als verbüßt erachtet. vr. St, 4-20 H, Zwiebeln per Centner Jü 6,00-7,Oü, Milch vr. — Gestern Abend wurde die langjährige Wäscherin ttet Grünberg, 2. November. (Fruchtpreise). Weizen Jt 19,10, einer hiesigen Restauration wegen einer Reihe von ihr ge- I Koru 16,3g, Gerste JL 15,00, Hafer 14,10, Erbsen 17,20, legentlich ihrer Beschäftigung in dem Hause verübten Dieb- I Samen JL oo.OO, Wicken Jt.' 0.0*. Kartoffeln jl 0,00, Linfen JL 26. stähle verhaftet. Das Resultat der in der Wohnung der- Literatur Und XttllffT selben vorgenommenen Durchsuchung war überraschend- es Verlage von Freitag & Berndt, Wien, erschien fanden sich mehrere Dutzend Messer und Gabeln, Eß- und foeben; „Reichstags-Wahlkarte des Deutschen Reiches^, Tbeelöffel, Taffen, Teller, Gläser, Handtücher und Ser- | bearbeitet von Gustav Frey lag. h:Lfpn hnr Die einzelnen Fracttonen des Reichstages sind durch Farben | deutlich unterschieden und zwar sind die Wahlbezirke der mit der Regierung gehenden Herren Abgeordneten durch grüne, die der Oppositionellen durch rothe Farben ersichtlich gemacht. In die einzelnen Wahlbezirke ist außerdem der Name des betreffenden Herrn Abgeordneten deutlich aufgedruckt und überdies ein alphabetisches Verzeichniß beigegeben, so daß eine Orienttrung schnell und leicht möglich ist. Breis der Karte 1.20 Mk. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde. Btbelftunde am Mittwoch den 6- November, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule, Philipper-Brief Kap. 2, Christliche Eintracht in Selbstverleugnung nach dem Vorbild des erniedrigten und erhöheten Christus. Pfarrer Dr. Naumann. Itnnt Nr *S* «ft ;ÄÄ£: «ehr ^utföjen Wi-Zs ÄrrrM- «WZ SNA Süd-Os, ? t -r obeftt Snter.«;Jnb wta ieretne Iifnt « 1’-,lfamPI breit * toti^’Ä116« 'In kti«t ift m‘lItu"8, w ‘Stobt fetÄ, w? ‘ud's ^N-itb-rt,-nN,n„^"‘urtb DK KM d“ «Wto Ätt ,, ,-“un ist ja der Satz ha6 »L ^^,^^be.anund mdJt auS, dag pvWüie Palleten PnjöMkcken ? die Oeffenilichkeit treten. Wenn jrnslnnigen Pariei, in durchaus rt'e- Mein jogar unter Berück- uigm geichtehi, so läßt sich doch > Volkswirtschaft, rktbericht.^ Aus dem heuüaen Pft. a 1,10-0,00, ^üinereler neier 1 6t. 0- 4 2 6t - 4 -8 4 ^Sfematte pr. 6t. 3 4 . Eiter 30 4 tauben pr. Paar X 0,85-1 vO, yuhnen pt. St X 1,40-1,80, Wt pr. M. >6-72 4 Kuh- und Rindsteisch 1, yammässesiL 50—66 L,, Kalb- ) Kilo X 3,30-3,70, Weihkraut eMrr X 6,00—7,Oo, Milch pr. ruduptrii't). Weizen X 19,10, jafer X 14,10, Erbsen X 17,20, öarioffeln X 0,00, Linsen X 26. mS Aunft. ,ag & Sßernbt, Sim. «I* >te »e» $(»««<» W**» R-'Lst°a-s "SSS$ ‘■Ä $•*■■** ne «•cs» 10len auf»,oiS 8 [8851 AM l',6f itabUr“' ® 286 an AAdä-.»iM""b SkäSs Staötrathswahl. Allen Wählern, denen die Gleichberechtigung Aller mehr als Phrase ist und die neben den bisher vorgeschlagcnen Fabrikanten, Rentnern und Kaufleuten auch einem Vertreter der Arbeiter und Kleinbürger ihre Stimmen geben wollen, empfehlen wir Derrn Karl Orbig, Schreiner als geeigneten Kandidaten. Allen Arbeitern und Kleinbürgern empfehlen wir besonders für seine Wahl einzutreten. 9 02 Der Verein zur Erzielung volkstümlicher Wahlen. Stimmittel am Wahltage Mittwoch, 6 d.M, Ritterggste 17. An sämmtliche Wähler der Stadt Giessen. Wir erlauben uns, nachstehende Männer, als geeignet, die städtischen Interessen zu vertreten, unseren Mitbürgern angelegentlichft zur Stadt- Verordnetenwahl zu empfehlen und glauben auch, das Richtige getroffen zu haben. Nach Prüfung sämmtlich aufgestellter Listen nehmen wir an, Jedem Rechnung getragen zu haben. Es ist von jedem Vereine, sowie von jeder Partei Abstand genommen und sind dies Männer, von welchen wir überzeugt sind, daß sie nur das Wohl unserer Vaterstadt im Auge haben und auch würdig sind, dasselbe überall zu vertreten. Wir bitten deshalb, nachstehenden Herren Eure Stimmen zu geben: I*. Heiligenstädt, Fabrikant, J. Hoch, Rentner, A, Keller, Ortsgerichtsmann, W. Köber, Bäckermeister, C. Wenzel, Kaufmann, C. Haas IV., Kalkbrenner, F. Helfrich, Oekonom, W. Kail, Fabrikant, C. Brück, Goldarbeiter, W. Scaling. Kaufmann, K. Huhn, Architekt, H. Vogt, Rentner. 8987 Diele Wähler m allen StMhkilen. Zur Stadtverordnetenwahl. Am Dienstag den 29. October er. fand im „Frankfurter Hof" die von 70 Parteimitgliedern besuchte außerordentlicbe Generalversammlung der deutsch'freisiwligen Partei statt zwecks Besprechung über die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen und behufs Aufstellung geeigneter Candidaten. Der Vorstand des Vereins präsentirte eine Liste mit 12 Herren und erklärte, daß aus der Mitte der Versammlung Vorschläge über weitere Candidaten entgegen genommen würden. Der Vorschlag, des Vorstandes fand den Beifall der Verfammlung und gingen die nachverzeichneten, von dem Vorstand präfentirtcn Herren mit Majorität als gewählt aus der Urne hervor. Heinr. Adami, Wilh Grünewald, Rechtsanwalt, Carl Haas, Fr. Habenicht fen., Th. Haubach, Jul. Hoch, M. Homberger, Heinr. Veib, Wilh Löber, Adolf Möhl, Richard Scheel, PH Uhl, Es scheint sich nun den Herren des Vorstandes durch Fühlung mit wirklich frei denkenden Wählern die Ueberzeugung aufgedrängt zu haben, daß man bei Ausstellung der Candidaten zu sehr im Parteiinteresse vorgegangen und deshalb auf einen Erfolg bei der Wahl nicht zu rechnen sei, man müsse, wenn auch mit Minoritäten, andere politische und Bezirksvereine bedenken. Da einige der gewählten Herren die Annahnie einer Candidatur — ob sämmtlich ganz freiwillig und ohne Zwang, mag dahingestellt sein — ablehnten, war der Weg gefunden, auf dem man, ohne sich zu schaden, weiter schreiten konnte. Es wurde seilens des Vorstandes eine weitere außerordentliche Generalversammlung aus Sonntag den 3. ds. Mts., Nachmittags 5 Uhr, ausgeschrieben und solche im Local des Herrn Feidel abgehalten. Bei Eröffnung derselben theilte der Vorsitzende mit, daß die Herren Grünewald, Leib und Möhl sowie bedingungsweise Herr Haas, welche Angabe bei dem Letzteren jedoch nicht der Fall war, die Annahme einer Candidatur abgelehnt hätten und daß man, da nunmehr der Wahlzettel ein ganz anderes Gesicht zeige, für nöthig gefunden habe, eine andere Candidatenliste aufzustellen, die demnächst den Mitgliedern bekannt gegeben wurde. Es stellte sich dabei heraus, daß, abgesehen von den vier Herren, die verzichtet hatten und die demzufolge nicht wieder vor- gescblagen werden konnten, man von den bei der ersten Wahl Seitens des Vorstandes vorgeschlagenen, von der Versammlung mit Majorität gewählten nur Herrn Wilh. Löber nicht wieder zum Vorschlag brachte, ohne daß derselbe auf seine Aufstellung Verzicht geleistet hatte. Es ist nicht ganz verständlich, woher es kommen mag, daß man Jemand, den man seinen Mitbürgern als zur Wahl geeignet empfiehlt, der von den eigenen Parteigenossen mit 53 von 70 abgegebenen Stimmen gewählt wird, ohne sich mit deniselben zu verständigen, ohne jeden greifbaren Grund von der Candidatenliste absetzen kann. Welche Gründe den Vorstand der freisinnigen Partei veranlaßt haben, in dieser Weise gegen Herrn Löber vorzugehen, das entzieht sich wenigstens jetzt noch unserem Wissen; daß aber gerade dieses Vorgehen der Parteileitung nicht den Beifall der Wähler findet, ist man überzeugt und deshalb richtet man die Bitte an alle unbefangenen, nicht einseitiges Parteiinteresse im Auge habenden Wähler, gebet dem Vorstande der freisinnigen Partei die ihm gebührende Antwort auf sein Vorgehen, wählet einstimmig Herrn Wilhelm Löber, Bäckermeister. sämmtlich Mitglieder der deutschen freisinnigen Partei, da nach Beschluß des Vorstandes Candidaten, die einer anderen oder gar keiner politischen Partei angehören, nicht ausgestellt werden sollten. Unterhosen, Unterjacken, Hemden, Socken, Leibbinden in Wolle und Baumwolle empfiehlt zu billigen Preisen 76)5 H. Rübsamen. Monsheimer Rahmkäse empfiehlt 8061 Emil Fischbach. N Birkenbalsamseife von Bergmann & Co. in Dresden ist durch seine eigenartige Compoeition die einzige Seife, welche alle Hautunrelnlg- kelten, Mitesser, Finnen, Rothe des Gesichts und der Hände beseitigt und einen blendend weissen Teint erzeugt [4272 Preis ä Stück 5U Pf. bei Carl Petri. Stadtverordneten Wahl. Mitbürger! Ter Tag ist da, an welchem in unsere Stadtvertretunos eine größere Anzahl Männer gewählt werden soll, die künftighin über die Geschicke unserer Stadt mit zu entscheiden hat. — Nun in letzter Stunde tritt an den Wähler die ernste Pflicht heran, diejenigen Personen endgültig zu bezeichnen, welchen er seine Stimme geben will. Angesichts der vielen Wahlvorschläge gilt es: „Prüfet, und behaltet die Besten!" Prüfen soll der Wähler, ob die Candidaten besitzen, was man für ein solches Amt fordern muß: „die nöthigen Kenntnisse, eine unabhängige Stellung, ein sicheres, praktisches Urtheil, und vollständige Unabhängigkeit von politischen Parteien!" Bei letzterem Punkt ist es Pflicht des Wählers, die Augen besonders offen zu halten. Denn wenn man in die großen Versammlungen politischer Parteien hereinsieht, wie die Candi- daten-Listen aufgestellt, verworfen und wieder erneuert werden, — wie die Zugehörigkeit zur Partei allein in den Vordergrund gestellt und nur einige Namen nicht zur Partei gehöriger Leute zur Decoration und als Lockspeise eingefügt werden, während es in der Hauptsache sich doch nur auf einen Sieg der mehr als genug die städtische Verwalttmg beherrschenden politischen Partei ankommt — dann muß man dem Wähler zurufen: „Nun thne erst recht die Augen auf, prüfe die Namen und lasse Dich nicht ins Schlepptau einer politischen Partei nehmen, die in eommu- nale Wahlen gar nichts drein zu reden haben sollte." Wie einseitig solche Candidaten-Listen aufgestellt werden und wie viel politische Sonder-Interessen sich unter glatten und empfehlenden Worten verbergen, davon weiß ein in diesen Tagen viel empfohlener, sehr befähigter Stadttaths-Candidat zu erzählen, der — trotzdem er zuerst mit großer Stimmenzahl vorgeschlagen war und dadurch ein zweifelloses Anrecht hatte, von dem verunglückten ersten auf den zweiten Candidaten-Zettel vorzugsweise mit zu wandern, vom Vorstand gänzlich fallen gelassen wurde. Cine solche absichtliche unberechtigte Zurücksetzung möge die unbefangenen Wähler erst recht veranlassen, dem Herrn Bäckermeister Wilhelm Löber ihre Stimmen zu geben, der doch sicherlich manchem schon oft durchgefallenen und dennoch neu aufgestellten, aber hoffentlich wieder zum Durchfall berufenen Candidaten vorzuziehcn sein dürfte, da er wohl auf allen sonstigen Wahl-Vorschlägen zu finden ist. Wenn man dann den Bezirks-Vereinen ihre Berechtigung und einem darin vorgeschlagenen ehrenwerthen, hochgeachteten Bürger gewissermaßen die chrenrechtliche Befähigung absprach, wieder in den Stadtvorstand gewählt zu werden, dann wurde Einem klar' zu welchem Zweck der Redner sich dieses ihm angeblich so sauer werdenden Geschäfts unterzog, — doch nur um die Gegner klein zu machen und seiner politischen Partei zum Sieg zu verhelfen. Der Bezirks-Verein Nord-Ost aber wird jenes unerbetenen Rathes entbehren können, denn er weiß, was er will, und schlägt seine Candidaten unverändert vor in der festen Zuversicht, daß seine nach gesünderen Grundsätzen aufgestellten Candidaten von der Wählerschaft vorzugsweise acceptirt werden und dadurch dem Wohle der Stadt besser gedient werde. Mögen auch der Stadt- theil Neustadt und der Seltersberg-Verein, sowie alle Wähler nach jenen Grundsätzen und dieser Liste wählen, dann wird man sich und der Stadt besser dienen, als mit der Vereinigung mit einer politischen Partei!__9003 Zur Nadtrathswahl. Zu unserm Bedauern lehnt Herr I. Hanstei» int «estrigen Gießener Anzeiger eine Wiederwahl ab. Dennoch empfehlen wir allen Wählern dessen Wiederwahl, weil derselbe sich während der 25 Jahre, in welchen er als Stadtverordneter fungirt, namentlich im Schulwesen Verdienste erworben und sich überhaupt bewährt hat und bitten Herrn H a n st e i n eine etwaige Wahl annehmen zu wollen. 8992)__________Viele Wähler. Mitbürger! Mit vielen Wählern, namentlich freisinnigen und solchen aus dem westlichen Ltadttheil, haben wir uns entschlossen: an -er Wahl des Heern Rechtsanwalt Grünewald. festzuhaltcn. 8991 Viele achte Gießener. vom Trauerhause, Aster weg 7, aus. 9001 Die Beerdigung findet statt: Donnerstag Nachmittag 3 Uhr Herr L. Flett erklärt sich energisch für die Canalisation der Uni* versitäts- und vielleicht auch späteren Großstadt Gießen rm Interesse der Reinlichkeit rc. der Stadt - vor noch nicht ganz einem Jahre trat er als Präsident der Schäfereigesellschasten Gießenr ebenso entschieden für öw behaltung der Schaafbeerden für ebendiese Univerfttätr. und vielleicht auch spatere^GroßstM ün^t^dt^er^rdneter wird Herr Flett im Jntereffe der Reinlichkeit zc. dann wohl auch dagegen sein, daßm dervlellerchtspäteren Großstadt die Handelsleute in der bisher üblichen Weise Vieh für den Markt einstellen, Vieh durch die Straßen treiben :c, daß überhaupt größere Vieh Innern der Stadt gehalten werden, mit emem Worte daß dre , c • _ kn* Aö'OnT mPThPTT Am Sonntag, den 10. November: Miffions-Berfammlnng ;u Beuern. 1. Gottesdienst Nachmittags 1V3 Uhr, Pfarrer Biegler aus Dorn- Dürkheim und Pfarrer Vogel. 3 , Abendgottesdienst 5 Mr, Pfarrer Dr. Naumann aus Greßen, Pfarrer Windecker aus Rödgen u. A. In Auftrag: 9000 vr. Naumann, Pfarrer zu Greßen. Redaction: A. Scheyda. — Druck rnib Verlag der Brübl'fchen Druckerei (ftr. Ehr. Vielsrd) in Gießen. k Ä .. Die heutige Nummer umfaßt 2 Blatter und 1 Berlage. Bauer fcher Gesangverem. Sonntag den 10. November, Abends 8 Uhr: Abendunterhaltung mit Theater im Leib'schen Saale. 8980 Der Vorstand. W Nichtmttglieder können eingeführt werden. aufzunehmen bezw. darin stehen zu lassen. 8 Viele Bewohner aus allen Theilen der Stadt Gesucht 8976 ein Mädchen für zwei junge Leute, welches mit nach auswärts geht, durch Jyrau Hüttenberger, Seltersweg 52 (Exped. der Oberh -Jiadjr., Seitenbau rechts). bestände im Innern der Stadt gehalten werden, nm ernem -p - Landwirthe mit ihren Hofraithen vor die Thore der Stadt gefttzt werd . Herr Flett, selbst Landwirth, macht fernen College» emen V^rvurf daraus, daß sie bei Regenwetter Dünger fahren. Sollen sie ber Regen- wetter im Interesse der Feldwege feiern? Auch dre Landstraßen leiden vorzugsweise dann, wenn die Straßenbahn durch Regenwetter durchgewerch ist. Soll deshalb nun das Lastfuhrwerk in dreser Zert ruhen? Gewiß, die Grundstücke der Stadt stnd sehr hock' "-rpachtet ebenso die Aecker von Prioatleutew Der Pachipre s wird ab«iosort ganz be deutend sinken, sobald die Gelegenhert nrcht mehr gegeben ist, dre Aecker mit Fäkalmassen gut und bMg zu düngen- .. Berlin fckwemmt die Fäkalmassen etwa 10—15 Kilometer wert vor die Thore der Stadt auf die Rieselfelder. Die Markthallen Berlins werden von dort mit prachtvollem Gemüse rc. versorgt. - Bel UNS in einer Stadt von 20,000 Einwohnern erklärt sich sogar ein Landwirth dasur die Fakal, massen, die p. a. einen Werth von mindestens 20,000 .* haben, kurzer Hand durch Canäle sortzuspülen. ________________2_ Todes-Anzeige. Statt besonderem Ansagen theilen wir Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Nachricht mit, dass unser innigst- geliebter Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Emil Junker nach längerem Leiden heute Morgen 4 Vs Uhr sanft verschieden ist. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Giessen, den 5. November 1889. ■ Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem Verluste unseres unvergeßlichen Kindes Karlchen, insbesondere Iden lieben Schwestern für die liebevolle treue Pflege in der Krippe sagt herzlichen Dank Die trmiftnbe Familie Schaum. Gießen, den 5. November 1889. (899k Circus Althoff- Mittwoch den 6. November, Nachmittags 4 Nhr, Große KinderVorstellung bei bedeutend ermäßigten Preisen. Abends 8 Uhr: Unwiderruflich, letzte Vorstellung. Zum Schluß: Grosser Schweizer Gürtel-Ringkampf. Preis eir«e silberne Ubt. Wähler? Zwei große Vereine, der deutsch-freisinnige und der Bezirksverein Seltersberg, sowie viele andere Bürger Hutten uls Eandidaten zur Studtverordneteuwuhl den Herrn stkechtsauwalt Grünewald ausgestellt. Er wäre auch ohne Zweifel mit großer Mehrheit gewählt worden, hätte er nicht öffentlich gebeten, von ihm abzusehen. Wir wissen nicht, ob Bescheidenheit oder andere Grunde zu dieser Bitte Veranlassung gegeben haben, keinenfalls begehen wir ein Unrecht, wenn wir - zumal das Gesetz eine Ab- lehnnna des Ltadtvcrordnctciiamtes nicht kennt - an der Person des Mannes auch jetzt «och festhalten, dcsscii ächt bürgerlicher, toleranter nnd gerechter Sinn, dessen Interesse für das Gemeinwohl und dessen hervorragende Arbeitskraft die Veranlassung gegeben hatten, ihn aufzustellen! _ , Wir wollen diese Arbeitskraft der städtischen Vertretung zufuhren! Wir bitten Euch deßhalb, sich nicht irre führen zu lassen nnd in Euren Wahlzettel Herrn Rechtsanwalt Grünewald Fermietyungen. 8988] Dritter Stock nebst Zubehör zu vermtethen. L. «ramm, Ostanlage 61. 8997] Kl. freundl- Logis zu vermietben. Krofdorferstraße 17. 8999] Möblirteund umnöblirte Zimmer sowie zwei Wohnungen zu vermischen. Gasthaus ,zum Adlers 8836] Ein möbl Zimmer zu vermietben. C. Steinhäuser. - 8545P6omfort7äBobnunfl nebft großem Lagerhaus alsbald zu vermietben, eventuell gante Hofraithe zu verkaufen. Offerten unter N. N. 36 an die Exped- d- Bl. erbeten.