1389» Ar. 233. Drittes Blatt. Sonntag den 6. October Bureau r Schulstraße 7. flttuAuaiAuMt-tuaa nimm inr n o— Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf Amtlicher Hßeit. Nr. 23 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 1. d. M., enthält: (Nr. 1873.) Verordnung über die Inkraftsetzung des Gesetzes vom 5. Mai 1886, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- unfr torstrvirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen- Vom 30. September 1889. Nr. 24 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 1. d. M., enthält: (Nr. 1874.) Verordnung, betreffend die Einberufung des Reichstags. Vom 30. September 1889. Gießen, am 4. October 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Aie Preissteigerung der Kohlen. Der Preissteigerung der wichtigsten Lebensmittel schließt sich diejenige der Stein- unb Braunkohlen an. Die Kohle ist ein Verbrauchsgegenstand, über dessen große Bedeutung zu sprechen kaum nothwendtg ist. Alle gesellschaftlichen und wtrthschaftlichen Kreise, die Industrie und Landwtrlhschaft, die Eisenbahnen und Schifffahrt sind an der Preisbewegung der Kohlen bethetligl. Die stattgehabte steigende Preisbewegung ist eine Calamttät geworden, weil sie einen bedeutenden Umfang gewonnen hat und, wie es scheint, noch nicht abgeschlossen ist. Die an der Düsseldorfer Börse am 19. September nottrten Preise für Gas- und Förderkohle waren durchschnittlich um 4.60 bezw. 3.25 A für die Tonne, um 54.50 bezw. 50pCl. höher als am 2. Mai 1889. Es hatte sich aber schon im Herbst 1888 eine Preissteigerung entwickelt. Die amtliche Statistik gibt den Werth der im Jahre 1888 in Deutschland und Luxemburg geförderten Steinkohlen mit 5.22 JL für die Tonne im Jahresdurchschnitt an. Wir tälffchen uns kaum, wenn wir die im laufenden Jahre stattgehabte Preissteigerung der Steinkohle mit 3 v*L für die Tonne durchschnittlich veranschlagen und kommen dann zu folgendem Ergedniß: Es wurden im Jabre 1888 in Deutschland und Luxemburg 65 321834 Tonnen Stein- und 16 541977 Tonnen Braunkohlen gefördert, deren Preise ebenfalls, wenn auch nicht in demselben Grade wie diejenigen der Steinkohlen, gestiegen sind. Die Ausfuhr überstieg im Jahre 1888 die Einfuhr um 6 207 357.6 Tonnen Steinkohlen und um 649 048.6 Tonnen Coaks. Dagegen war die Einfuhr von Braunkohle um 5 194 428.5 Tonnen gestiegen. Im laufenden Jahre haben sich diese Verhältnifse infolge des Arbetterausstandes und der gestiegenen Pretfe geändert. Die Einfuhr ist in den ersten sieben Monaten von Steinkohlen um 855122.8 Tonnen, von Coaks um 62 510.2 Tonnen und von Braunkohlen um 42 872 Tonnen gestiegen, die Ausfuhr von Steinkohlen aber um 10 900.4 Tonnen gefallen und von Braunkohlen und Coaks etwa ebenso groß wie im Jahre 1888 geblieben. Das Mehr der Einfuhr fällt aber auch auf Hamburg und Bremen, deren Einfuhr in der 1888er Zolllifte nicht als ins Inland gegangen aufgeführt wird. Für 1889 gelten Hamburg und Bremen, abgesehen i vom Freihafengebiet, als deutsches Zollgebiet. Das kaiserliche statistische Amt berechnet im neuesten statistischen Jahrbuche den Verbrauch von Steinkohlen in Deutschland im Jahre 1887 mit 54 227 346 Tonnen und von Braunkohlen mit 20 306 518 Tonnen. Seitdem ist der Verbrauch bedeutend gestiegen. Eine Preiserhöhung von 3 X für die Tonne Steinkohlen bei einem Verbrauch von 55 Millionen Tonnen kommt einer Mehrbelastung des Verbrauchs um 165 Millionen Mark gleich. Dazu tritt die Preissteigerung der Braunkohlen. Die Mehrbelastung auf das Jahr erreicht jedenfalls 180 Millionen Mark. Daß die Concurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkt durch diese Theuerung in Frage gestellt wird, ist ebenso unzweifelhaft wie der schwere Druck, welchen die Preissteigerung des wichtigsten Brennmaterials auf die armen Volksklassen übt, umsomehr, als dieselben auch unter dem Drucke der Preissteigerung der Lebensmittel stehen. DqK sind genügende Gründe, den Vortheil der Tarifherabsetzungen für den Bezug fremder Kohlen nicht allein den Industriellen, sondern auch dem Prtoat- verbrauche zu Theil werden zu lassen. Der Herr Arbeitsminister hat bereits einen anerkenvenswerthen Schritt gethan, um etwaigen Willkürlichkeiten der Privatindustrie in der Preisfestsetzung für Steinkohle entgegenzuwirken. Mit dieser Verfügung würde eine Tarifherabsetzung auf den Staatsbahnen für den Bezug von Steinkohlen im Einklänge stehen und durch dieselbe nicht allein das Interesse des Privatoerbrauchs an Steinkohlen, sondern auch das Interesse der Staatseisenbahnen und der Industrie gewahrt werden. V. Ztg. Lokales. —2. Gießen, 5. October. sKunstoerein.) Nach längerer Unterbrechung wird in den nächsten Tagen wieder eine Ausstellung von Gemälden in den Räumen des akademischen Kunstinstituts (altes Schloß am Brandplatze) ftattfinden. Ihren Grund hatte jene Unterbrechung darin, daß Hessen aus dem Rheinischen Kunstoerein ausgefchieden ist, um nunmehr selbständig in den Städten Darmstadt, Offenbach, Mainz, Worms und Gießen Ausstellungen und zwar permanente Ausstellungen zu veranstalten. Als Sammelstelle der Bilder^ wird die in Darmstadt mit einer Ausstellung von Werken hessischer Meister eröffnete Kunsthalle dienen und steht zu erwarten, daß wir von nun an öfter, voraussichtlich alle vier Wochen, neue Gemälde zu sehen bekommen. Erft wenn diese Art von Ausstellungen vollkommen durchgeführt ist, wird der Kunstoerein das wesentlichste Ziel, welches er sich gesteckt hat, erreichen: den Sinn und die Theilnahme für die Kunst zu wecken, zu verbreiten und zu fördern. Vermischte-. — Der auf Befehl des Kaisers errichtete Denkstein für den Ulanen Wille, welcher am 14. August vom Blitz erschlagen wurde, ist an der Stelle, wo der Unglücks- fall geschah, unmittelbar am Fuße des Baumes, von welchem der tödtliche Strahl absprang, aufgestellt worden. Der Baum befindet sich als zweiter hinter dem Zelt 1, zwischen Reit- und Fahrweg. Der Stein ist ein rothbrauner, feldsteinförmiger Granit, in dessen Mitte eine runde Platte ausgeschliffen ist, welche in goldenen in den Stein gemeißelten Buchstaben die Inschrift trägt: „Im Königlichen Dienst fand hier am 14. August 1889 den Tod durch Blitzschlag der Gefreite Wille vom 2. Garde-Ulanen- Regiment." — Ein Kaiser-Friedrich-Heim für männliche Genesende soll noch in diesem Herbste in Dortmund eröffnet werden. Es war dort in Folge des Vorzuges, den man jetzt überall der Familienpflege gegenüber der Anstaltserziehung gibt, ein städtisches Waisenhaus frei geworden und die städtischen Behörden haben am 24. Juni 1889 beschlossen, dieses Haus als Heim für männliche Genesende einzurichten und zu diesem Zwecke 10,000 X ans den Sparkassen-Ueberschüssen zu bewilligen. Welch lebhaftes Interesse Kaiser Friedrich an einer besseren Pflege der Genesenden nahm, wird in dem bei Duncker u. Humblot in Leipzig erschienenen Büchlein „Kaiser Friedrich als Freund des Volkes" dargelegt. Berlin, 1. October. ^Zweierlei Sorten.) Eine Berliner Produktenfirma hat die Gepflogenheit, für Lieferanten und für Kunden zwei verschiedene Sorten von Cigarren aus dem Tische des Hauses bereit zu halten, die nach Abschluß des Geschäfts als Gratisspende überreicht werden. Die für Lieferungen kleinerer Posten bestimmte Cigarre ist indeß derartiger Qualität, daß der erste Buchhalter ein für alle Mal an- geordnet hat, es darf im Gefchäft wohl die Cigarre, nicht aber auch Feuer dazu offertrt werden, es sei eben eine „Havanna, im Freien zu rauchen". Ein Lieferant von Hasen- sellm kam aus Versehen in die höhere Kaste und erhielt seine Gabe aus der besseren Kiste. In seinem nächsten Geschäftsbriefe schrieb er der Firma: „Auch verfehle ich nicht, Ihnen mitzutheilen, daß bei Abschluß jenes Geschäftes, bei dem Sie bessere Preise bewilligten, auch die nachher überreichten Cigarren von bedeutend besserer Qualität waren als die Sorte, welche Sie sonst gegen mich in Anwendung zu bringen pflegen." Das Histörchen hat den Vorzug, wahr zu sein. — sUeb er wintern der Rosen.) Als geeignetste Art der Ueberwinterung, schreibt das praktische Wochenblatt für alle Hausfrauen, ,Für- Hau-* zu Dresden, empfiehlt sich, in leichtem, trockenem Boden das Umbiegen der Stämme mit der Veredelung zur Erde und Bedecken mit dem vorhandenen Boden; in schwerem, nässendem Boden ist das Bedecken der Veredelung mit Steinkohlenasche, Sand, Moos oder sonst einem ähnlichen Material vorzuziehm; Stroh ist zu vermeiden, um Fäulntß zu verhüten. Ein zu frühes Einwintern ist nicht zu empfehlen, da sämmtlicye Rosen etwas Kälte im Herbst vertragen und dadurch reifer und härter zum UcbenDintern werden. Die so umgebogenen Stämme sind mit Tannen- oder Fichtenretsern zu bedecken, in Ermangelung dessen mit Stroh ober sonst etwas. Es handelt sich hier hauptsächlich darum, die Stämme in ihrer unnatürlichen gespannten Lage gegen das rasche Auf- tbtuen und Gefrieren während des Winters zu schützen. Ein aufrechtstehender Stamm ist diesem Ewfluß weniger ausgesetzt. Literarische-. Nr. 28, IV. Band, der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift, Redacteur Dr. H. Potoniä, Verlag von Ferd. Dümmler's Verlagsbuchhandlung in Berlin, hat folgenden Inhalt: I. Scheiner: lieber die Bedeutung der photographischen Methoden in der Astronomie. (Mit Abbild.) — O. Krümmel: Bemerkungen über die Durchsichtigkeit des Meerwassers. (Schluß.) — A. Moritzi, ein zu wenig gewürdigter Vorgänger Darwins. — Jadeit in Nordamerika. — Anlauffarben von Eisen und Stahl. — Von der 62. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte. — Literatur. Handel uns Verkehr. — sGepäckbeförderung.) Mit der am 1. September d. I. erfolgten Einführung einer neuen Fahrpreis Tabelle für die Beförderung von Personen und Reisegepäck zwischen preußischen, sächsischen und bayerischen Stationen ist u. a. die Aenderung eingetreten, daß die birecten Fahrkarten für die bayerischen Strecken nicht mehr zu Gepäckfreigewicht berechtigen, sondern nur noch für die preußischen und sächsischen Strecken. Während die früheren Fahrkarten die Fracht für Freigewicht von 25 Kg. auf den bayerischen Strecken im Fahrpreise mit enthielten, ist dies bei den seit dem 1. September d. I. zur Ausgabe kommenden Fahrkarten nicht mehr der Fall. Dafür unterliegt nunmehr das an den Gepäckschaltern aufgelieferte Gepäck im Gewicht bis zu 25 Kg. der Frachtberechnung für die bayerischen Strecken ab Hof oder Eger. Hierdurch ist die früher bestehende Eigenthümlichkeit beseitigt, daß Derjenige, welcher ohne Gepäck reifte ober solches nicht aufgab, z. B- von Berlin nach München, einige Mark ersparte, wenn er zunächst eine Fahrkarte nach Hof unb bann eine anbere von Hof nach München löste, anstatt sich einer Fahrkarte von Berlin nach München zu bedienen. Auch ist eine bedeutende Preisermäßigung zu verzeichnen: Früher kostete ein Bille! Berlin-München über Leipzig - Hof - Bamberg erster Classe X 74,10, zweiter Klaffe JL 55,60, jetzt kosten diese Fahrkarten JL 59,50 für die erste und «4L 42,90 für die zweite Classe. A7lint7 Qpl U/u/n Hoflieferant Br. Maj. d. Kaisers o. Königs Bonn, Berlin und • fcUlll4oül. W Wo. Antwerpen, empfiehlt als unübertroffen, ihre seit mehr als «qq 50 Gebrannten Java Kaffees Labensm-Hel-Branche käuflich sind. Ueber Retter- Haarwasser. Es kann nicht genug wiederholt werden, und ist auch darüber schon Vieles von Autoritäten geschrieben worden, daß Oele und Pomaden die Hautporen nur verstopfen, in Folge Zutritts des Staubes sich eine Schichte bildet, welche die Hautausdünstung verhindert, die Haarwurzeln erstickt und dadurch Kopfleiden und kahle Stellen erzeugt. Und dennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, die im blinden Vertrauen auf schwinbel- hafte Reclame — unbedacht, ob das Versprochene zu erfüllen möglich fei — Hundert- tausende für schädliche Haarmittel ausgeben und in dem Wahne leben, neue Haare auf kahlen Stellen zu erzeugen, während sie damit doch nur den Charlatanismus unterstützen und ihrer Gesundheit schaden. Wäre es denn nicht viel vernünftiger, bei Zeiten von dem unnatürlichen Dressiren der Kopfhaare abzulassen und dafür ein wirklich gutes confervirendes Haarmittel statt der insgesammt schädlichen Oele und Pomaben zu gebrauchen'/ Als ein solch' verläßliches und unschädliches Mittel kann das Haarwasser von Carl Reiter in München nicht genug empfohlen werden, da dasselbe laut Gutachten hervorragender Autoritäten, wie Professor Dr. v. Wittstein rc. rc., Alles enthält, um das Haar feucht, weich, glanzend und die Kopfhaut immer thätig unb weich zu erhalten, sowie bk lästigen Schuppen innerhalb acht Tagen gänzlich zu entfernen. — Zu beziehen per Flacon ä 40 unb 1. 10 bei Herrn I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, Gießen. Börfeuwocheubericht von E. Wasserschleben, Bankgeschäft. Die abgelaufene Woche hat eine weitere Versteifung des Geldmarktes gebracht. Schon die Nachzügler der Ultimoliquidation mutzten sich bequemen, höhere Preise für ihren Geldbedarf zu zahlen, dann wurde bekannt, datz die Reichsbank bet dem Monatswechsel autzerordentltch stark in Anspruch genommen worden sei, der Privatdiscontsatz stieg auf 4o/o, und am Donnerstag erhöhte die Bank den offictellen Dtscontsatz auf 5o/g unter gleichzeitiger Ststtrung der Dtscontkäufe am offenen Markte. Der bekannt gegebene Status läßt allerdings eine ungewöhnlich starke Anspannung erkennen. Durch Lombarddarlehne und Wechseldiscontirungen wurden der Bank 138 Millionen entzogen und autzer diesen 84 Millionen Depositen zurückgefordert, so datz die steuerfreie Notengrenze nicht innegehalten werden konnte, sondern dieselbe um 71 Millionen überschritten wurde. Wenn nun auch die ersten Wochen des October erfahrungsgemäß einen Rück- flutz bringen, der im vorliegenden Falle vielleicht genügen wird, die Notenausgabe in die gesetzliche Grenze zurückzuführen, so steht doch die Bank den großen Anforderungen Der letzten Monate des Jahres reseroelos gegenüber, und unter diesen Umständen^ wird es fraglich sein, ob sie bei dem gegenwärtigen Dtscontsatz wird beharren können, besonders da der Bank von England fortgesetzt große Beträge von Gold entnommen werden, und die Wechselcourse sich nicht zu Gunsten Deutschlands stellen. Diese Erwägungen haben naturgemäß der Speculation viel von der früheren Siegesgewißheit genommen, und politische Befürchtungen haben mit dazu betgetragen, das einmal erwachte Mißtrauen zu stärken. Am Montag bereits waren Abgaben bemerkbar, die sich nicht auf Realisationen allein beschränkten, und seitdem haben dieselben ständig an Umfang gewonnen. Besonders wurden Banken in den letzten Tagen in starken Posten abgegeben, da, wie es scheint, die Speculation auf diesem leicht beweglichen und von der herrschenden Stimmung am meisten abhängigen Gebiet eine Batsseposition zu schaffen sich bemüht, um im Falle eines Rückschlags hier Ersatz für Verluste auf anderen Gebieten zu finden. Im Gegensatz hierzu hat das Publikum mierschüttert an seiner Haussemeinung festgehalten und ist täglich mit umfassenden Kaufaufträgen im Markt erschienen, so daß die Course einzelner bevorzugter Papiere nicht nur nicht gesunken sind, sondern über die Schlußcourse der Vorwoche hinaus Besserungen erzielt haben. Erst in den letzten Tagen sind unter dem Eindruck der Dtscontoerhöhung die Kaufaufträge aus der Provinz geringer geworden. Das Vertrauen ist jedoch nicht erschüttert Die letzte Scene vom letzten Act der großen Haussebewegung der Jahre 1888/89, für welche die Entfesfelung der Speculation auf dem Montanmarkt von mancher Sette angesehen wird, scheint noch nicht gekommen. Was gemeiniglich als das Vertrauen des Publikums bezeichnet wird, ist nicht die Aeußerung einer durchdachten auf Vernunftgründen basirten Meinung, sondern nur die in weiten Kreisen rege gewordene Sucht nach Coursgewinnen, welche begreiflich erscheint, angesichts der enormen Verdienste, welche eine seit Jahr und Tag andauernde Auswärtsbewegung aller Course den Besitzern von Börsenpapieren in den Schootz warf. Diese Sucht zu heilen, bedarf es anderer Mittel als theures Geld oder den Artikel eines Staatsmannes — und sei er auch von der Bedeutung Gladstones — welcher die Tripel- Alliance angreift. Vernunftgründe werden nichts fruchten und die Staatshilfe, die bereits gegen das Spiel an der Börse angerufen wird, kann keine Aenderung schaffen, solange der Erfolg andauert und fortgesetzt neue Schaaren zur Börse lockt. Erst eine Reihe von Mißerfolgen kann hier Wandelung bringen. Dann freilich werden dieselben Actien, um die man sich heute reißt, und für deren Besitz man keinen Preis zu hoch achtet, vom Gipfel der Volksgunst zurückoersinken in die Nacht der Mißachtung und Vergessenheit, in der sie die letztvergangenen 15 Jahre geruht haben. Banken haben mit wenigen Ausnahmen Abschwächung erfahren. Handelsan- therle erzielten zu Anfang der Woche auf die im vorigen Bericht erwähnten Gerüchte eine ganz unverhältnißmäßig große Steigerung. Sie wurden bis 197 gehandelt. Mit Einsetzen der schwächeren Tendenz ist die ganze Avance und Donnerstag Abend mehr als dies wieder verloren gegangen. Dresdner Bank haben eine Coursbesserung von mebr als 3% erfahren, weil Börsengerüchte der Bank eine große Betheiligung an verschiedenen neuen Finanzgeschäften zusprechen. Die übrigen Bankactien notiren wegen der erwähnten umfassenden Abgaben der Speculation unter dem Schlußcours der letzten Woche. Disconto verloren 3%, Credit — anfänglich wegen der Steigerung Türkischer Tabaks-Actien gebessert — 2 fl., Darmstädter 2,50 o/g, Deutsche Bank 3,50 o/o Nationalbank für Deutschland 2,50 %, Länderbank 4*/4 fl. Von Deutschen Bahnen erfreuten sich nur Marienburger einer etwas höheren Beachtung. Böhmische Bahnen haben sich abgeschwächt, Buschtherader um 3Va fl., Duxer um 12 fl., Nordwestbahn 3 fl. und Elbthal 2 fl. Fest lagen nur Staatsbahn und Lombarden, beide auf günstige Einnahmeausweise, welche den Einfluß der stark verminderten Getreidetransporte nicht erkennen lassen. Schweizer Bahnen sind ebenfalls fest, doch ist auch hier die Abschwächung nicht spurlos oorübergegangen. Schweizer Union zeigen 2o/o, Westbahn 2.50°/o Verlust. Dagegen haben Gotthard, obwohl nicht ganz behauptet, 2% und Nordoftbahn-Actien 1.25<70 gewonnen. Renten sind trotz des hohen Geldstandes gut behauptet, wozu der Anlagebedarf des Octobertermins mit beigetragen haben mag. Besondere Nachfrage bestand für Oesterreichische Renten, Türken, Spanier, Portugiesen und Egypter. Auffallend ist namentlich die Steigerung der Ottoman-Zoll-Obl. mit I.6O0/0 und der Spanier mit 0.80%. Madrider Loose gewannen 1% auf den Amtsantritt des neuen Alcaden, der anscheinend die Regelung der Finanzverhältnisse der Stadt ernstlich in Angriff zu nehmen gedenkt. Schlechter haben sich Ungarn, Italiener und Russen gehalten. Von letzteren find besonders die Orientanleihen im Verein mit der russischen Valuta schwächer. Für Italiener wirkt ein von Zeit zu Zeit auftauchendes Gerücht, die Regierung werde einen ’ in ihren Händen befindlichen Betrag von 240 Millionen Rente zum Verkauf bringen, i deprtmirend. Deutsche Fonds sind gleichfalls abgefchwächt. Von Jndustriewerthen beanspruchten Gelsenkirchener und Laura-Actien das größte '' Interesse. Von ersteren erwartet die Speculation, daß die in voriger Woche beschlösse- 1 nen Käufe benachbarter Gruben das Werk zu dem bedeutendsten Europas machen werden. Die Actien wurden bis 194 gehandelt und haben sich auch an den flauesten Tagen gut behauptet, ausgenommen am Freitag, wo trotz der Besserung auf anderen Gebieten der Cours bis auf 187 zurückging. Der Wochengewinn ist ca. 4 o/g. Aehn- uch ist die Coursbewegung der Laura-Actien. Auch diese wurden bis weit über 160 ' SJWün *" »IM»«» >■' «SS £*■ Käätttm t' 1 ?ÄS tt'ÄXS “ÄÄ FS Course der Frankfurter Börse. Staatsanleihe«. Cours oom Cours nom 2/.Sept. 4.Oct. 27 Sevt 4 D t 1°/o Hessische Obligation. 105.20 105.50 4i/r°/»Portua -Ä 88u 89 98 70 qq sn „S^rn .... 106.15 106.30 5°/ö°m°>t S-kb Gold- 3°"o Sächsische Rente. ! 96^50 ^9050 go/ SerbischeEisenbabn' 82-8° 82'20 3V,°/°BrcmerStaatsanl. 102.55 102.80 L a 84- 83 41 "':2Sä"'"7 Sä'™”’:1880'. ‘S ‘K ; «S ■ ----- 7,..o >«*'•*> 5% Rumänische Rente . 96.60 96.65 D lgg? ' q9 ü9 c- 4'/-°/° Russische Anl.. . 101.10 101.25 ' ' ' 92'80 9218» Gisenbahn-Prioritäten. 40/0 5o,„ Südbahn Lombarden 102.55 102.55 . a L L :;■*_« Nr eiiKhh6»antf J 103'40 103 35 4°/0 ttrag-Dur-r Gold . 10L10 10130 " ElMb-st-u-rfr-i „ Rud°ls G°ld (S°l,k.) 101.20 WL30 wc».ew„: SS se N.63Ä8E •*" *•* S bt So' ' 05 101150 .... .“M* ■ ■ SSM 5S.2» 0 T vttt zt irr „ _ 3% Llvorneser . . . 64.20 64 40 n0/ 1 . 84.20 84.40 40/g Russ.Südw.-Eisenb. 90.30 90 40 0 do. Ergänzungsnetz 81.60 81.60 40/0 Wladikawkas garnt 89— rrqa b°/o Nordwestbahn Gold 107.60 4°/° gar. S°r"in Le° stsr 88 80 88 60 Gisenbahn-Actien. • 2371~ 236170 Lübeck-Büchner . . . 196 80 196 50 Hessische Ludwigsbahn. 125.40 124.90 Ntecklenburger 166' Psälzisch- Nordbabn . 129.95 129.- Gottbardt . ' go'rö 82 20 Martenburger-Mlawka. 65.50 65.25 Jtal. Mittelmeer . . 120L5 120 05 Bank-Aetien. Deutsche Reichsbank . 133.40 133.60 Dresdener Bank 161— 164 qo Z^H^'d^öesellsch. 190.- 190.40 Mitteldeutsche Creditb. '. 114'40 114- Deutsche Bank . . . 173.— 169.50 Bsiener Bank-Verein 97 »7 qk 7- DeutscheGenossenschftsb. Württemb Vereinsbank 126 90 126 80 v.Soergel.ParrisiusLCo. 137.90 138.10 Beremsoanr 126.90 126.80 Jndnstrie-Papiere. Binding-Brauerei . 171.80 172.80 Deutsche «erlagsanstait 279.40 279 Stern- do. (Oberrod) 136.30 135.- Farbwerk-,vorm.Meister, B°d. Anilin- u. Soda- ßacius & Brüning . 258.- 259 ______sadrik ♦ ♦ ♦ • 266.90 268.20 Riedeck'scheMontanwerke 192.— 189 50 . Pfandbriefe. 4°/o Frank, HYY.-Psdbr. 4°/»DeutscheGrundschld.- v. 86 ab . . . 102.15 102.20 Bk.-Pfandbr 103— ins- MoFrnkf.Hyp-Psdbr. 99.90 99.90 3V2% bo. . . . ' 99 80 99 80 4°/oPreuh.Hyp.-Act.-Bk.- 3'/-°/°Rhein.Hyp.-Bank- ' ° Q1... Vsandbr. . . . 103.— 103.— Pfandbr. . . . 99.70 99 30 ^öPr°ub.L-nti.-B°d.- 100 ^Meminger Pfandbr. 103.- 102.50 Cred.-Pfandbr. bis 1885 .....J 00.90 100.90 Oestr. 1860r fl. 500-Loose —.— —.- Braunschweig. 20 Thlr.- „ 1854rfl. 250- „ 117.25 Loose .... 107 40 107 50 4v/g Meininger Prämien- 3o/o Oldenburger Loose . -'- — ______Pfondbc. . . . 134.75 134.65 äl/zv/gKöln-MindnLoose —.— 142.05 «merikanische «sseubahn-Bond«. ^hic.Milw.s.Sr Paul 40/0 Chicago Burlington - ?rt-, rück,ahlb 1910 . -.- 117.20 Nebraska 1927 . . 91.80 91 90 ^/n0>6?tc-^illroJ-@tA?aul 4-/-°/» Calisornta Paris. Prt., ruckzahlb. 1921 . 105.30 105.45 I. M., rückzahlb. 1912 108.- - k°/«Pacis.o,Missouri con- ruckzahlb. 1896 . . 112.25 112.30 solidated I. M. r. 1920 110 80 110.10 _n/ _ , a Diverse Obligationen. 5°/o Buderus-Obligat. . 104.80 , 104.60 1 4^0/0 GrafHenkelv.Don-I 1 1 1 nersmark, rückz. ä 105 | 104.90 | 104.90 Allgemeiner Anzeiger. Ernst Blödner, Seltersweg, empfiehlt sein reichassortirtes Lager in Teppichen u. Vorhängen, Linoleum (Engi. Korkteppich), Tischdecken, Reisedecken, wollenen Bettdecken, Angorafellen. 6066 7917